905 045 Die„Scwestrs Jellung“ erlchetn Rüolich auber Teteuihes. Brengsprets monnllich 14.—. dun Def 14.—#., abse Belleilgen. Eingeigenppelles Die 1 muad debe. 35 mm trotbe Zato ##„ musmials 1.—(R. Dei! Auchlot, u. Taoit, Seder Robat: eitt ale Kalsenenball und e####t bei lienhunl n. Ape wegieches geitübesdlsem u ch.. b##chten der zumachten gsbedingunge. 0 0 Oerdunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Dolksblatt Amtliches Kreisblau tür den Kreis Hörde. Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Westhofener Zeiung Apierbecker Zeitung Langscheder Zeiting Holzwickeder Zeitung Die„Schwerte Zeitung“ gem’hriihten Ab3unenten für jeden mit Tok er denden Unall amaß dren Tr. 500) Mork Unfa. dingungen Druck u. Ver ay d Carl Braus, S yweste Ruhr) Ferusorech= Anschluß Nummer 6 Telegramm. Adresse: Braus, Scwerte Zu r. v.sche###: Dortmund 22, 2, Hannover 21 7% Nr. 39 Mittwoch, 15. Februar 1922 §5. Jahrgang — Zum Geleit. Vaterland und Freiheit sind das Allerheiligste auf Erden; ein Schatz, der eine unendliche Liebe und Treue in sich verschließt, das edelste Gut, was ein guter Mensch auf Erden besitzt und zu besitzen begehrt. Ernst Moritz Arndt. Für eilige Leser. Reuigkeiten aus Nah und Pern. Wie die russische Presse meldet, ist die Moskauer Flugstation nigdergebrannt. Das Feuer wurde durch ein abstürzendes Flugzeug verursacht. * Nach einer Meldung der Kölnischen Volkszeitung reisen die Kardinäle Bertram und Faulhaber heute im Salonwagen ab. Kardinal Schulte wird am Freitag Rom verlassen. Auf Anordnung des Reichsverkehrsministers sollen auf der Deutschen Gewerbeschau in München eine Reihe neuartiger Eisenbahnwagen ausgestellt werden. * Nach einer der Vossischen Zeitung von vertrauenswürdiger Seite zugehenden Mitteilung sind die beiden Mörder Erzbergers Schultz und Thylessen in Budapest eingetroffen. * Zum preußischen Gesandten in München ist Ministerialrat Dr. Denk vom preußischen Staatsministerium, der bisherige Dezernent für die besetzten Gebiete, ausersehen. * Herr Helmuth von Gerlach, der Herausgeber der„Welt am Montag“, der seinerzeit den Gründungsaufruf der deutschdemokratischen Partei unterschrieben hat, ist aus dieser Partei ausgeschieden. Als Nachfolger für den verstorbenen Abgeordneten Haußmann tritt voraussichtlich der Demokrat Hermann Rentlingen, der bereits der Nationalversammlung in Weimar angehörte, in den Reichstag ein. * Der erste Strafsenat des Reichsgerichts verwarf ohne nähere Begründung die Revision im Marburger Studentenprozeß. K Poltisches für zevermann. Man schildert unsere Lage oft recht pessimistisch, d. h. schwarzseherisch, oft freilich auch zu rosig. Man sagt: 1. auf wirtschaftlichem Gebiete stehen wir vor dem vollendeten Zusammenbruch. 2. auf politischem Gebiete hat die Regierung in allen Punkten versagt. 3. auf sittlichem Gebiete ist die Verwüstung nicht mehr zu überbieten. Dieser Art von Volksbeurteilung muß auch einmal entgegengetreten werden. Man stelle sich heute nur einmal die Lage der deutschen Volkswirtschaft vor drei Jahren, im Januar 1919, vor. Wie sah es damals in unserer Industrie aus? Wie in unserem Verkehrswesen? Wie mit der Volksernährung? Wie mit der Arbeitsamkeit und dem Fleiß des Volkes? Man muß nachgerade mit völliger Blindheit geschlagen sein, wenn man nicht sieht, welch gewaltiger Wandel zum Besseren sich auf allen diesen Gebieten vollzogen hat. Daß die Reichsregierung auf politischem Gebiet einen schwierigen Stand hat, weiß jeder Deutsche. Daran ist aber nicht die Regierung schuld, sondern der verlorene Krieg. Daß sie Erfolge zu verzeichnen hat, steht für jeden ehrlich denkenden Deutschen außer Frage. Wenn die Regierung auf innenpolitischem Gebiete, insonder: heit auf steuerpolitischem Gebiete, nicht das Ziel erreichte, das im Interesse des Volksganzen längst hätte erreicht werden müssen, dann ist das nicht die Schuld der Regierung, sondern der Parteten und Parteimänner, die sich nicht dazu aufschwingen konnten, die Steueropfer für die Allgemeinheit zu bringen, die das Vaterland in seiner Not von ihnen verlangt. Die politischen Parteien stehen aber heute unter der Volkskontrolle und die nächsten Wahlen werden fraglos zeigen, daß die Volkskontrolle im neuen Reich kein leerer Wahn ist. Was den Stand der Sittlichkeit betrifft, so weiß jeder, der mit dem Volke engere Fühlung hat und mit offenen Augen durch die Welt geht, daß sehr viel faul ist in deutschen Landen. Wer aber ehrlich ist, muß zugeben, daß bei den übrigen Völkern, die uns rings umgeben, die sittlichen Verhältnisse nicht besser sind. Wer sich in der Kulturgeschichte auskennt, weiß, daß alle großen und langewährenden Kriege das Sittenleben der Völker nicht gefördert, sondern gefährdet und verschlechtert haben, und wer sich nur einigermaßen in der Revolutionsgeschichte auskennt, weiß, daß der Einfluß der deutschen Revolution auf die deutsche Sitte längst nicht so verheerend war, wie B. der Einfluß der großen französischen Revolution auf die Sittlichkeit der Franzosen. Wer aber nur ein wenig Gerechtigkeitsgefühl und Wahrheitsliebe besitzt, der erkennt und anerkennt einen starken idealistischen Zug in unserer deutschen Jugend und einen außerordentlich beachtungswerten religiösen Drang in unserem deutschen Volke. So schlimm, wie die Schwarzseher also wollen, steht es um die deutsche Sitte nicht. Was soll überhaupt dieser Pessimismus? Was will man mit dieser Miesmacherei erreichen? Was bezweckt denn diese Schwarzseherei? Adolf Stöcker hat einmal gesagt:„Der Pessimist ist der einzige Mist, auf dem nichts wächst". Wie recht hat er gehabt. Man bemühe sich, alles, auch unsere Zeit und Not und Besserung recht sachlich und recht nüchtern zu betrachten. Das führt voran. Sitzung vom 14. Februar. Berlin, 14. Februar. Präsident Leinert eröffnet die Sitzung mit der Mitteilung, daß der Aeltestenrat beschlossen hat, die auf den Eisenbahnerstreik bezüglichen kommunistischen Anträge von der Tagesordnung abzusetzen. Gegen den Widerspruch des Abg. Dr. Meurer(Komm.) beschließt das Haus nach dem Vorschlag des Aeltestenrates. Abg. Schulz Neukölln(Komm.) verliest eine kleine Anfrage, die sich gegen die Auslieferung der angeblichen Mörder des spanischen Ministerpräsidenten Dato richtet. Ein Regierungsvertreter erklärt, eine abschließende Antwort auf die Anfrage sei noch nicht möglich, weil noch weitere Ermittelungen notwendig seien.(Die Kommuntsten rufen: Ist das alles?) Der Gesetzentwurf über die Vereinigung von Pyrmont mit Preußen wird hierauf nach kurzer Debatte in zweiter Beratung angenommen. Es folgt die gemeinsame Beratung von Ankrägen und großen Anfragen, die sich mit der Finanznot der Gemeinden und der Erschließung neuer kommunaler Finanzquellen beschäftigen. Abg. Hirsch(Soz.) begrüßt die große Anfrage der Sozialdembkraten, die dafür eintreten, daß die Gemeinden die ihnen zustehenden Anteile aus der Reichseinkommensteuer sofort erhalten und daß durch eine Aenderung des Kommunalabgabengesetzes den Gemeinden die Erschließung neuer Steuerquellen ermöglicht wird. Abg. Sprenger(Zentr.) begtündet einen Zentrumsantrag, der eine Einwirkung auf die Reichsregierung in dem Sinne verlangt, daß bei Bewilligung der Reichssteuergesetze den finanziellen Lebensnotwendigkeiten der Gemeinden Rechnung getragen werden müsse. Ebenso wie der Vorredner betont auch Abg. Sprengel, daß man den Gemeinden keine verschwenderische Finanzwirtschaft vorwerfen könne. Die Hauptlasten der Kriegswirtschaft hätten die Gemeinden tragen müssen. Wenn den Gemeinden nicht neue Einnahmequellen erschlossen werden, dann sei eine Katastrophe der Gemeindefinanzen unvermeidlich. Abg. Martell(D.=Nat.) führt die Finanznot der Gemeinden auf die Erzbergersche Finanzreform zurück. Die heutige Reichseinkommensteuer ist bereits ein Eingriff in den Vermögensbestand. Es genügt aber nicht, daß alle Parteien jetzt die Finanznot der Gemeinden erkennen. Sie müssen den Mut haben, sie gemeinsam zu beenden. Die neue Städteordnung müsse schleunigst vorgelegt werden. Die Steuern aus dem Grundvermögen müßten den Gemeinden zugute kommen, dann müsse aber auch dem Grundbesitzer volle Freiheit gewährt werden. Weiterberatung Mittwoch 12 Uhr. Um unser Brot. Reichstag und Reichsregierung werden wohl Anlaß nehmen, zu erörtern, ob sich infolge der Vorgänge auf der Eisenbahn neue gesetzliche Bestimmungen nötig machen werden, um die Interessen der Allgemeinheit vor den Uebergriffen Einzelner zu schützen. Denn es ist kein Zweifel, daß die Möglichkeit einer solchen erneuten tagelangen Verkehrssperre in ganz Deutschland unterschätzt worden ist, obwohl erst Ostern 1921 beim mitteldeutschen Putsch eine solche bestanden hatte. Wir haben aber mit noch einschneidenderen Möglichkeiten zu rechnen, der Versorgung mit Lebensmitteln. Hoffentlich geht alles vom Frühling bis zum Herbst 1922 glatt, aber besser vorher mit allem gerechnet, als später unerwartet alles über sich ergehen lassen zu müssen. Daß das Brot von Mitte Februar ab etwa zwölf Mark kosten wird. ist hart; aber noch viel schlimmer ist es, wenn die für das nahende Frühjahr im erweiterten Umfange geplante Ackerbestellung nicht durchgeführt werden kann. Unsere Landbevölkerung weiß, welche Wichtigkeit ihre Tätigkeit gerade jetzt besitzt, wo alles Geld, das wir nur irgendwie entbehren können, an die Entente abgeführt werden muß; aber es besteht leider keine Gewißheit, daß jeder Deutsche sich dieser Gesinnung anschließt. Von Ausländern in Deutschland, die ein Interesse daran haben, den Unfrieden bei uns zu nähren, gar nicht zu reden. Die Sicherung der Landbestellung im Frühjahr und alle Landarbeiten bis zur Beendigung der Ernte sind also eine unbedingte Notwendigkeit. Der sehr lange und sehr strenge Frost= und Schneewinter dieses Jahres gibt uns auch für die kommenden Monate, in welche die landwirtschaftlichen Arbeiten fallen, zu denken. Wir haben seit einer ganzen Reihe von Jahren erfreulicherweise keine elementaren Ereignisse im Sommer gehabt, die schweren Schaden angerichtet hätten. Wir hatten keinen Hagelschlag und keine Wolkenbrüche, die Obst und Getreide vernichteten, keinen Dauerregen, durch welchen das Futter auf den Wiesen verfaulte. Alles das ist lange ausgeblieben, es kann aber wiederkommen, und der Charakter dieses Winters deutet auf einen stürmischen Sommer hin. Also umfassende, zeitige und ungestörte Arbeit und energische Abwehr aller Versuche, sie zu stören, die zur offenkundigen Hungersnot führen müßten. Wir wollen also, damit wir bewahrt sind und nicht zu klagen brauchen, nicht allein auf das Beste hoffen, sondern auch das Notwendige tun, um die Leistungen der Landwirtschaft mit größtem Erfolge zu krönen. Unsere Valuta könnte auch ein verhängnisvolles Zwischenspiel nicht aushalten. Japan und Deutschland. Als seinerzeit Japan sich den alliierten Mächten anschloß und den Krieg gegen Deutschland erklärte, da berührte das in Deutschland deshalb besonders peinlich, weil die deutsche Wissenschaft und die deutsche Kultur in hervorragender Weise tätig gewesen waren, um jene kulturellen Errungenschaften, die allen Völkern ohne Unterschied der Nationalität, der Rasse und der Konfession gemeinsam sind, auch in Japan heimisch zu machen. Wir wollten aber nicht nur die Gebenden sein, sondern wir haben stets gewußt, daß wir auch von Japans alter Kultur sehr viel nehmen konnten. Dieser Austausch der Kultur ist durch den Krieg in jäher Weise unterbrochen worden. Wir wollen nun endlich Vergangenes vergessen sein lassen; es soll ununtersucht bleiben, aus welchen politischen Motiven Japan damals in den Krieg eingetreten ist. Es gilt jetzt neu aufzubauen. Die deutsche Wissenschaft befindet sich wie das deutsche Volk überhaupt in schwerster Notlage. Wir können heute von unseren Kulturgütern nicht mehr so verschenken, wie wir es früher getan, und wie wir es gern getan haben. Wichtigere Arbeiten drängen sich vor. Umso erfreulicher ist es aber, wenn wir doch schon freundliche Zeichen bemerken, die darauf hindeuten, daß die frühere Arbeit deutscher Wissenschaft auch im Lande des Mikado Freunde gewonnen hat, die ihr über den Krieg hinaus treu geblieben sind. Eine Reihe namhafter führender japanischer Persönlichkeiten hat die Notlage der deutschen Wissenschaft durch reiche Spenden zu lindern versucht. Dieser Tage verläßt nunmehr auch der japanische Professor Dr. Sawayanagi, der frühere japanische Kultusminister, Berlin. Sawayanagi ist der unbestrittene Reformator des japanischen Erziehungswesens. Er hat jetzt 6 Wochen in Berlin, umgeben von einem Stabe von Mitarbeitern, das deutsche und insbesondere das Berliner Erziehungs=, Schul= und Gesundheitswesen studiert. In dieser Erziehung war Sawayanagi hoffentlich ein Nehmender und es ist zu wünschen, daß sein Besuch aauch für Japan von guten Folgen sein wird. Aber er war nicht nur Nehmender, sondern er hat auch gegeben, soweit es in seinen Kräften stand, und zwar sind die Stiftungen dieses Japaners besonders der notleidenden Wissenschaft zugute gekommen. So erhielt u. a. die Kaiser=Wilhelm=Gesellschaft in Dahlem eine Stiftung von 2 Millionen Mark, deren Zinsen begabten Studenen des Instituts zugute kommen sollen. Die Stiftung trägt zu Ehren des japanischen Geldgebers den Namen„Mochizuki=Stiftung". Eine Summe von 100000 Mark wurde dem Oberbürgermeister Böß für Zwecke der Völkererziehung der Stadt Berlin zur Verfügung gestellt. 20000 Mark erhielt das Studentenheim der Universität usw. Als Führer und Dolmetscher der jjapanischen Kommission fungierte dabei im Auftrage des Kultusministeriums Studienrat Dr. Roth=BerlinSüdende. Nach England und Deutschland wird Exz. Sawayanagi die übrigen europäischen Kulturländer sowie Nord=Amerika mit seinem Besuche, der insgesamt auf ein Jahr berechnet ist, beehren. Es mag ja gewiß traurig anmuten, daß Deutschland heute auf derartige Stiftungen und Geldspenden angewiesen ist. Wir wollen aber dem Spender nicht für ein Almosen danken, sondern vor allem deshalb, weil wir diese Stftungen als en Zeichen der beginnenden Verständigung und Versöhnung der Völker ansehen. Die landwirtschaftliche Woche. Die große landwirtschaftliche Woche, die am 13. Februar in Berlin zusammentrat, scheint nicht unter dem Eisenbahnerstreik gelitten zu haben. dann wiederum, wie alljährlich, sind die Landwirte in großer Zahl aus allen Teilen des Reiches zusammengeeilt, um sich über all das auszusprechen, was die deutsche Landwirtschaft in diesen schweren Zeiten bewegt. Unendlich viele neuen Ideen heischen ihrer wissenschaftlich=technischen und praktischen Erörterung, bis zu ihrer Anwendung im komplizierten Getriebe der deutschen Erdbebauer. Die Notwendigkeit, die landwirtschaftliche Produktion bis aufs höchste zu steigern, verleiht den diesjährigen Beratungen ein weit über die Landwirtschaft hinausgehendes Interesse. In zirka 100 Sitzungen gliedert sich die zum Teil streng wissenschaftliche Tagesordnung; zeigt sich doch mehr und mehr das ernste Bestreven, alle Kräfte ler Wissenschaft in den Dienst der Landwirtschaft zu stellen. Im engen und weiteren Rahmen werden die gesamten Erfahrungen, Beobachtungen und Forschungsergebnisse ausge tauscht werden. Frisches Blut tragen die reichen jungen atademisch gebildeten Praktiler in die Verhandlungen. Schon in den Vorberatungen war zu spüren, daß dieser junge Nachwuchs uns trotz der vielen Schwierigkeiten nicht bange sein läßt, um die Zukunft der deutschen Erzeugung, die uns hofsentlich wieder zu der Ueberlegenheit in der landwirtschaftlichen Produktion in der Welt, wie wir sie vor dem Kriege hatten, verhilft. Aus Stadt und Land. Schwerte, den 15. Februar. ** Die Sonne kommt höher. In diesen Woin denen wir wirklich wieder Frieren bedeutet, hat es doch einen sichtbaren Trost gegeben. In Räumen, in welchen wir seit dem Herbst keinen Sonnenschimmer mehr gesehen haben, erscheint plötzlich wieder ein goldener Sonnengruß an der Wand, der von Tag zu Tag größer wird. Die Sonne kommt höher und sie kündet uns, daß den Frosttagen bald wieder bes sere Wochen folgen werden. Sie scheint auch so manchem Langschläfer direkt ins Gesicht und mahnt ihn, sich wieder mit einem früheren Ausstehen zu befreunden. Nur wenige ahnen, welche Kraft das ewige Sonnenlicht hat, mag auch drau. ßen der Schnee noch hoch die Erde bedecken. Die Strahlen des Himmelsgestirns wecken tief unter dem Schnee die ersten Spuren neuen Lebens, das längst erwacht ist, wenn es sich zum Frühling auch dem Menschenauge in Knospen und Treiben zeigt. Was aber die Hauptsache bedeutet, das ist die Anreguig für die Stimmung, die das Sonnenlicht uns Menschen gibt. Sie mirkt belebend wic ein Trunk Weines, den sich micht jeder leisten kann. Und wenn als Vorbote und Wegweiser zum Tauwetter auch Trübung am Himmel ist, die Sonne durchdringt sie und grüßt, und ihr Blitzen und Blicken erzählt von den kommenden frohen Tagen. ** Kreiswehlfahrtsamt. Hombruch und Barop Sprechstunde der Lungenfürsorgestelle eingerichtet. Die erste Sprechstunde findet in Barop, Freitag, den 17. Februar, nachmittags 3½ Uhr im Amtshause statt. Weitere Sprechstunden regelmäßig alle 14 Tage am gleichen Tage zur gleichen Zeit. Die Beratungen in den Sprechstunden der Lungenfürsorgestellen des Kreises sind unentgeltlich. Behandlung findet, wie bekannt sein dürfte, nich statt. Kranke, die aus irgend einem Grunde die Beratung der Lungenfürsorgestelle wünschen, müssen von dem sie behandelnden Arzte der Fürsorgestelle überwiesen werden.— Der nächste Vortrag über hygienische Volksbelehrung im Kreishaus in Hörde findet am Dienstag, den 21. Februar, nachmittags 4½ Uhr statt. Dieser Vortrag verspricht besonders interessant zu werden, da es der erste Lichtbildervortrag ist, der in dieser Vortragsreihe gehalten wird. Die Lichtbilder werden von der bekannten Firma Liesegang in Düsseldorf ge fert. Der Vortrag wird behandeln: 1.„Die Alkoholfrage" und 2.„Die Klein=Lebewelt im Wassertropsen". Die anschaulichen etwa 100 Lichtbilder, welche hierbei gezeigt werden, verdienen eine rege Beteiligung seitens der Zuhörer an dem Vortrage. ** Fleißige Hände sind zurzeit eifrig damit beschäftigt, die Straßen unseres Heimatstädt chens von dem Schmutz und Unrat, den der letzte Schneefall und der dann einsetzende scharfe Frost mit sich gebracht haben, wieder zu säubern. Ueberall geht man mit Hacke und Schaufel den gefrorenen Schnee= und Eisklumpen mächtig zu Leive. Hoffentlich wird man nach diesen Vorarbeiten mit trästigem Wasserstrahl auch eine Generalreinigung er Straßen vornehmen, damit sich unser liebes Schwerte recht bald wieder im Glanze altgewohnter, peinlichster Sauberkeit zeigen kann. Fritz Reichhold*. Wieder ist einer aus dem Reiche der Schauspielkunst dahingegangen, dessen Wiege in Schwerte gestanden hat, der seine Jugendjahre hier verlebt und der von hier in die Welt hinauszog, um der Kunst zu dienen: Fritz Reichhold. Aus kleinsten Anfänger heraus, über Theatervereine und Hermine Hauptmanns Kunsttempel seligen Angedenkens hat er aus eigener Kraft seinen Weg gemacht, an den verschiedensten kleineren und größeren Theatern in Deutschland hat er gewirkt, bis er seit einigen Jahren am Stadttheater Aachen einen ihm zusagenden und ihn befriedigenden Wirkungskreis fand. Dort ist er nun vor einigen Tagen nach längerer Kranlheit im besten Mannesalter gestorben. Intendant und Mitglieder des Theaters Aachen widmen dem Verstorbenen, dem„hervorragenden Künstler und braven Menschen“, einen ehrenvollen Nachruf. Die Für die Aemter wird nunmehr eine zahlreichen alten Freunde, und Bekannten, die Fritz Reichhold in seiner Heimatstadt noch besaß, werden die Nachricht von seinem frühen Heimgeng mit Bedauern vernehmen. ** Im Silberkranz. Vorgestern konnten die in der Sedanstraße wohnenden Eheleute Viehhändler Emil Sternberg das schöne Familien= fest der silbernen Hochzeit feiern. Wir sprechen dem Jubelpaare noch nachträglich unsern besten Glückwunsch aus und hoffen gern, daß sich das jetzige Silber dereinst in Gold verwandelt. ** Die Vierundzwanzigstundenzählung. Auf die Rundfrage des Reichsverbandes des Deutschen Handwerks an die Handwerkskammern haben sich 52 Kammern geäußert. 38 haben sich ohne Vorbehalt gegen Einführung der Vierundzwanzigstundenzählung ausgesprochen. Besonders wird dem Befremden Ausdruck gegeben, daß die Ministerien in der heutigen Zeit an solche Aenderungen denken, deren Kosten in keinem Verhältnis zu dem volkswirtschaftlichen Wert stehen würden. Nenn Kammern nahmen wohl an, daß die Einführung der Vierundzranziestundenzählung für das Verkehrswesen von einen: großen Wert sein könnte, besonders in den Grenzstationen, welche die Verbindung mit Ländern vermitteln, in denen diese Art der Zeitrechnung bereits eingeführt ist. Im Interesse der ganzen Wirtschaft sprechen sich aber auch diese Kammern gegen eine Einführung der Vierundzwanzigstundenzählung aus.— Nur fünf Kammern haben sich unbedingt für die Durchführung der neuen Zeitrechnung ausgesprochen. Eine Kammer hält aber eine Uebergangszeit von mindestens 10 bis 15 Jahren für notwendig. An die Einführung der Vierundzwanzigstundenzählung, auch nur im Bahnverkehr, ist übrigens vor Juni 1923 überhaupt nicht zu denken, da die Fahrpläne für das laufende Jahr bereits fertig bearbeitet sind. Elisabeth=Verein. Die Mitglieder des Elisabeth=Vereins seien auch an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, daß am morgigen Donnerstag die gewohnte Arbeitsstunde im Vereinshause wieder stattfindet. ** Freiwillige Sanitätskolonne. Aus dem von Herrn Lehrer Hömberg, dem rührigen Vorsitzenden, erstatteten Jahresbericht der hiesigen freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz für das Jahr 1921, den wir bereits in unserem letzten Stadtverordnetenbericht kurz erwähnten, dürften folgende Angaben von Interesse sein: Die Kolonne zählte im Berichtsjahre 21 aktive und 80 passive Mitglieder. Aerztlicher Leiter der Kolonne war Herr Dr. Becker, snachdem der langjährige Kolonnenarzt Herr Dr. Mester am 22. April 1921 gestorben war. Der Vorstand bestand aus folgenden Mitgliedern: Lehrer Hömberg, Vorsitzender und Schriftführer; Clemens Koch, stellv. Vors.; Ludwig Haarmann, Kolonnenführer; Fritz Lathegan, Kassierer; Wilh. Heimann, stellv. Kolonnenführer; Wilh. Hartmann, Gerätewart. Die Geschäfte der Kolonne wurden in 3 Vorstandssitzungen und 9 Generalversammlungen erledigt. Uebungsstunden wurden monatlich zweimal abgehalten. Im Berichtsjahr wurden insgesamt 256 Krankentransporte ausgeführt und in 24 Fällen leistete die Kolonne die erste Hilfe. Die Dienste der Kolonne werden in ständig steigandem Maße in Anspruch genommen, wie nachstehende Zusammenstellung besagt: Im Jahre 1917 wurden 146 Transporte ausgeführt, 1918 waren es 261, im Jahre 1919 ging die Zahl wieder zurück auf 161 und im Jahre 1920 waren es 242. Das Ehrenzeichen für langjährige Dienstzeit ist den Kolonnenmitgliedern Hömberg, Haarmann, Heimann, Lathegan, Geisel, Günther, Kaiser Klinkmann, Koch, Paul, Overbeck, Raulf, Schmalhaus und Schmidt verliehen worden. Seit Oktober vorigen Jahres, heißt es in dem Bericht endlich, gehören die Mitglieder der Kolonne der Sterbekasse des Reichsverbandes Deutscher Sanitätskolonnen an.— Wir wissen uns eins mit der ganzen Bürgerschaft, wenn wir den Mitgliedern der Sanitärskokonne an dieser Stelle den herzlichsten Dank der Allgemeinheit für ihre uneigennützige Tätigleit aussprechen. mit 790, während die Provinz Sachsen mit 2323 die meisten Selbstmörder zählte. ** Die Brotgetreideernte der Welt„(Weizen und Roggen) ist im Jahre 1921 fast in allen Län dern größer gewesen als in den vorhergehenden Jahren. Einc Ausnahme bildet Britisch=Indien, dessen Landwirtschaft unter dem Zeichen einer gewaltigen Mißernte stand. Auch in Europa hat die Produktion überall zugenommen, so daß die Importe aus europäischen Ländern im Laufe des Winters und Frühjahrs eine Abnahme zeigen werden. Bei weitem an der Spitze aller Produktions. länder stehen die Vereinigten Staaten mit 216 Millionen Doppelzentnern, denen erst mit großem Abstand, 89 Millionen Doppelzentner, Kanada folgt. Es folgen dann Indien, Italien, Argentinien, Australien, Spanien und erst dann Deutschland, mit 29,3 Millionen Doppelzentnern. Deutschlands Bedarf, ebenso der Oesterreichs und Rußlands, ist durch die heimische Ernte nicht gedeckt. Aber die Währungsverhältnisse bringen es mit sich, daß in außereuropäischen Staaten, trotzdem Weizen und Roggen zum Verfeuern benutzt wird. ** Eine traurige Statistik. Die Zahl der Selbstmorde hat von 1913 bis 1918 ständig abgenommen, und zwar in ziemlich erheblichem Umfange. Das ist aber nur durch die Kriegsjahre zu erklären. Die Zahl der Selbstmorde bei den Frauen ist Jahr für Jahr ungefähr die gleiche geblieben. Ueber die Gründe zu den Selbstmorden gibt die Statistik nur unvollkommenen Aufschluß. 1913 kamen in ganz Preußen 9214 Selbstmorde vor, und zwar 6831 bei Männern und 2383 bei Frauen. 1914 sank die Zahl auf 8770(6477 bei Männern und 2222 bei Frauen). 1915 zeigt 6776 Selbstmorde(4554 bei Männern und 2293 bei Frauen). 1916 bringt eine kleine Steigerung auf 6904(4397 bei Männern und 2507 bei Frauen) 1917 sinkt die Zahl wieder auf 6226(4021 bei Männern und 2405 bei Frauen), und 1918 gab es nur noch 6120 Selbstmorde(3720 bei Männern und 2400 bei Frauen). Die meisten Personen machten ihrem Leben durch Erhängen ein Ende, und zwar sowohl Frauen wie Männer. Dann folgt bei Männern Tod durch Erschießen, während die Frauen nur verhältnismäßig wenig zur Schußwaffe greifen. Tod durch Ertränken ist bei den Frauen häufiger als bei den Männern. Ebenso verhält es sich mit Selbstmord durch Vergiften und Einatmen giftiger Gase.— In der Provinz Westfalen endeten durch Selbstmord im Jahre 1916: 276 männliche und 98 weibliche Personen, 1917: 289 männliche und 120 weibliche Personen, 1918: 236 männliche und 101 weibliche Personen. Auf je 100000 lebende Personen kamen in den drei Jahren im Durchschnitt im Staate Preußen je 1540 Selbstmörder, in der Provinz Westfalen aber nur je 817. Die geringste Zahl Selbstmörder hatten die Hohenzollernschen Lande aufzuweisen ** Westhofen, 13. Febr. Kriegsbeschä digten=Bewegung. Im Weiberg'schen Lokale hielt die hiesige Bereinigung der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen eine gutbesuchte Generalversammlung ab. Der bisherige Vorstand mit Herrn Ad. Sens als Vorsitzenden wurde einstimmig wiedergewählt, desgleichen das Vereinslokal L. Weiberg. Der Kassenbericht soll in der März=Versammlung erstattet werden. Nach Erledigung der Tagesordnung hielt der Vorsitzende einen längeren, aufklärenden Vortrag über Rentenumerkennungen sowie Renten=Abfindun. gen. Die Versammlung zollte ihm für seine Darlegungen lebhaften Beifall. * Wellinghofen, 13. Febr. Opfer der Straßenbahn. Der Fuhrmann Gottfried Lehnert von hier wurde in Dortmund von einem Wagen der elektrischen Straßenbahn überfahren und getötet. L. wollte, vor einem Wagen herlausend, den Fahrdamm überqueren, tam jedoch Fall und wurde von der Elektrischen, die nicht mehr zum Halten gebracht werden konnte, erfaßt. Man färbe dabeim nur mit echten Braun'schen Stoffaiben und fordere die lehrreiche Gra ubroschüre No 2 Wilhelm Brauss, C m. b. H., Oundlinburg a bt den Provinzen. Iserlohn, 14. Febr. Ein bedauerlicher Zwischenfall ereignete sich bei der Beerdiguns des Pfarrers Hyprath. Als der Tranerzug kurz vor dem Friedhofsportal angelangt war, wurde er auf dem Südengraben wohnhafte Schneidermeister Thiemann, der als Träger den Toten begleitete, von einem Schlaganfall betroffen. Der Kranke wurde sofort mittels Wagen zu seiner Wohnung gebracht, wo er nach kurzer Zeit verschied. Iserlohn, 14. Febr. Mit Rücksicht auf den großen Wohnungsmangel hat sich die Wohnungskommission entschlossen, Heiratslustigen unter 25 Jahren einstweilen keine Wohnungen mehr zuzuweisen und sie auch nicht in die Liste der Wohnungssuchenden einzutragen. Diese Maßnahme, die auch anderwärts Beachtung verdient, wird sicher, so schreibt das hiesige Tageblatt, von allen älteren Wohnungssuchenden freudig begrüßt werden. Es war bisher ein durchaus unbefriedigender Zustand, daß heiratslustige Jünglinge im Alter von 20 Jahren(1), die zum Teil schon Väter oder werdende Väter waren, in großer Zahl(!) den gereifteren Brautpaaren und Ehepaaren die Wohnungen streitig machten. Meist waren es auch gerade diese heiratslustigen Jungens, die durch Martin Salander. Roman von Gottfried Keller. 28)(Nachdruck verboten). „Ich bin überzeugt“, sagte der Anwalt,„daß er schon vor zehn Jahren gerade durch den Betrag Ihrer Bürgschaft, den Sie auf dem Platz erlegen mußten, um das Falliment herumgekommen ist; und so glaube ich, daß er auch diesmal durch Ihr Geld, das er ganz oder zum Teil in die Klauen bekam, in den Sand gesetzt wurde, sich mit den Gläubigern, wenn auch noch so elend, abzufinden; denn natürlich hat er den Löwenanteil für sich behalten. Aber dennoch, ich kann mir nicht helfen, ist er ein interessantes Subjekt, juristisch genommen. Da mich die unverbrüchlich kalte, schweig same Haltung, die er stets der Anweisung gegen über einnahm, ohne sich je mit einem Worte in Verlegenheit zu setzen, betroffen machte, geriet ich auf den Einfall, ein etwas ungewöhnliches Experiment mit ihm anzustellen. Ich kenne einen sehr erfahrenen Irrenarzt; der hat als Vorsteher einer auswärtigen Heilanstalt die Simulanten von Verrücktheit zu behandeln, welche ihm in Untersuchungsprozessen übergeben werden, wenn sie mit, solchen Künsten dem Geständnis entrinnen wollen. Er hat eine treffliche Uebung darin und bringt diese Spitzbuben in der Regel binnen zwer Tagen oder auch zwei Stunden zur gesunden Ver nunft zurück, soweit sie ihnen überhaupt beschieden ist. Freilich bindet er sich nicht an die Schran ken, die dem Untersuchungsrichter vorgezeichnet sind. Als der Mann zu jener Zeit sich einige Tage hier aufhielt, erzählte ich ihm von Louis Wohl wend und seinem putzigen Benehmen. Wir wur den einig, daß er als Vertreter eines fremden Beteiligten an dem überseeischen Bankhandel, der auch mit mir Rücksprache gepflogen habe, zu Wohlwend gehen und ihn unter dem Vorwand einer geschäftlichen Erkundigung beobachten und ausholen solle. Es gelang ihm, den Mann läuger als eine Stunde hinzuhalten, aber nicht, ihn auf einem verfänglichen Worte zu ertappen. Es gebe, sagte der Arzt, einzelne Menschen, welche die Macht haben, ein unbequemes Faktum sozusagen in ihrem Bewußtsein so gut aus dem Wege zu räumen, daß duß sie nicht einmal im Schlafe, geschweige im Wachen davon sprechen, wenn sie nicht wollen. Und es seien das durchaus nicht geistig starke Leute, vielmehr solche, denen jedes Bedürfnis mangle, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Dieser Mangel vermische sich dann mit einer ordinären Verschmitztheit und bilde sich zu einer nützlichen Kraft aus. Nur die Nähe des natürlichen Todes vermöge zuweilen den Bann zu brechen. Zu die sen scheine Herr Wohlwend zu gehören, wenn auch als merkwürdige Abart. Während der Unterredung habe er nicht krampfhaft vorsichtig getan, sondern ganz unbefangen geplaudert, aufmerksam, scheinbar, zugehört und sich gestellt, als ob er nach gutem Rat suche, den Kopf geschüttelt und schließlich gesagt:„Es ist eine verzwickte, dumme Geschichte! Ich würde Ihrem Klienten raten, es zu machen wie der andere, der Herr Salander, und selbst hinreisen nach Rio; es muß dort noch eher etwas auszurichten sein, als hier!" Dabei habe er sich mit einer alten Pappschachtel beschäftigt, in welcher ein Dutzend zerzauste Schmetterlinge und Käfer, von Staub bedeckt, auf einem Häuschen gelegen. Diese verjährten Lebewesen auseinander suchend und auf frische Korkhölzchen befeftigend, habe er schließlich mit einem untiefen Seufzer gerufen:„Ja, ja, mein lieber Herr! ohne das bißchen Wissenschaft würde man oft nicht mehr den Mut zum Leben behalten in dem Wirrsal dieser Welt! Haben Sie sich nie mit Insektenkunde befaßt?" Die Männer schwiegen einige Zeit, wohl um sich zu besinnen, was sich über das ärgerliche Vorhandensein eines so unbequemen Gesellen weiter denken lasse, der gewissermaßen, gleich einer Qualle, sich selbst aufzuheben vermöge, wenn er merke, daß er ausgeforscht werde. Mittlerweile betupfte Möni Wighart mit dem Finger seine Nase, bis er unversehens rief: „Wie ist mir denn? Da geht mir etwas im Kopfe herum, das ja ganz hierher gehört und just von der heutigen Ueberraschung nur zurückgedrängt wurde! Richtig! Nicht lang ist's her, daß ich von einem hiesigen Holzhändler hörte, er habe tief in Ungarn den Louis Wohlwend gesehen, munter wie ein Fisch, verheiratet mit einer schönen jungen Frau, und schon gesegnet mit zwei kleinen Kindern! Den Ort kann ich nicht mehr nennen. Ich fragte den Holzhändler, ob er ihn gesprochen habe? Freilich, habe er ihn gesprochen und Wohlwend habe ihm erzählt, wie ihm durch glückliche Heirat nicht nur ein hübsches Weibchen, sondern auch ein artiges Weibergut zuteil geworden sei. Er habe aber nicht viel mit ihm reden können, weil jener sich kurzerhand entsernt. In einer Gaststube der Sache nachfragend, sei sie ihm von seßhaften Leuten bestätigt worden mit der näheren Angabe, der Schwiegervater Wohlwends, ein Schweinehändler, habe einer seiner Töchler vor der Hochzeit ein schönes Vermögen nicht nur vorbestimmt, sondern gerichtlich verschrieben als künftiges Erbe, und sich zugleich verpflichtet, bis zu seinem Ableben dem Wohlwend die Zinsen duvon jährlich zukommen zu lassen. Einige bezweifeln allerdings die Geschichte, weil der Schwiegervater keineswegs für so wohlhabend gelte, daß er jeder Tochter ein solches Erbe zuteilen könnte; andere dagegen wiesen darauf hin, daß das betreffende Frauenzimmer eine Tochter aus erster Ehe sei und nur ihr Mütterliches beziehe, während eine dritte Partei behaupte, sie sei gar nicht das rechte Kind des Schweinehändlers. Eine vornehme Dame habe es heimlich zur Welt und bei dem Manne untergebracht.“ „Kurz und gut", ergriff Martin Salander das Wort,„mein Louis Wohlwend hat ohne Zweifel im Osten Europas einen Schweinehändler dran gekriegt. „Hm!" machte der Rechtsanwalt,„ich möchte fast lieber sagen, ein östlicher Schweinehändler hat den Meister Louis dran gekriegt! „Ei, wieso denn?“ „Nun, wieso denn? Wie wäre es, wenn er seine beiseite gebrachten Raubgelder, die schönen Contos de Reis des Herrn Martin Salander, ganz still an die Grenze der Türkei geschleppt und auf diese geniale Weise in Weibergut verwandelt hätte? Und wie wäre es, wenn der Ferkelkrösus den Schlaukopf um Kapital und Zinsen zu prellen wüßte und ihm obendrein das Weibchen auf dem Halse ließe? Was mich allein stutzen macht, ist die Schwatzhaftigkeit, mit welcher er sich dem Holzhändber entdeckt hat, nach dem, was ich vor hin von dem Psychiater erzählte. Er muß eben ungemein fidel gewesen sein oder, wie Homer ein Schläfchen getan haben! (Fortsetzung folgt). Sachsen mit 2323 r W e l t„( W e i z e n fast in allen Länin vorhergehenden st Britisch=Indien, Zeichen einer gein Europa hat die 1, so daß die Imrn im Laufe des mahme zeigen weraller Produktions= Staaten mit 216 in erst mit großem elzentner, Kanada Italien, Argentierst dann DeutschAlzentnern. Deutschterreichs und RußErnte nicht gedeckt. se bringen es mit Staaten, trotzdem euern benutzt wird. Kriegsbeschä Weiberg'schen Logung der Kriegsbeen eine gutbesuchte der bisherige VorVorsitzenden wurde sgleichen das VerKassenbericht soll in ittet werden. Nach ng hielt der Vorrenden Vortrag über Renten=Abfindunihm für seine Dar11. Opfer der Fuhrmann Gottfried dortmund von einem enbahn überfahren inem Wagen herlaueren, kam jedoch zu schen, die nicht mehr konnte, erfaßt. hraun'scher Stoftatben Abroschüre No 2 Ourdlinburg a ovinzen. n bedauerlicher ich bei der Beerdiguns der Tranerzug kurz elangt war, wurde er hafte Schneidermeister den Toten begleitete, troffen. Der Kranke zu seiner Wohnung Zeit verschied. Rücksicht auf den groch die Wohnungskomustigen unter 25 Jahngen mehr zuzuweisen iste der WohnungssuMaßnahme, die auch dient, wird sicher, so att, von allen älteren begrüßt werden. Es befriedigender Zustand, ge im Alter von 20 schon Väter oder werßer Zahl(1) den geEhepaaren die WohMeist waren es auch Jungens, die durch lassen. Einige bezweise, weil der Schwiegerhlhabend gelte, daß er erbe zuteilen könnte; rauf hin, daß das beine Tochter aus erster tterliches beziehe, wähaupte, sie sei gar nicht nehändlers. Eine vortlich zur Welt und bei Martin Salander das vend hat ohne Zweifel Schweinehändler dran tsanwalt,„ich möchte er Schweinehändler hat ekriegt!“ Lie wäre es, wenn er Raubgelder, die schönen Martin Salander, ganz irkei geschleppt und auf Weibergut verwandelt , w e n n d e r F e r k e l k r ö s u s al und Zinsen zu preldrein das Weibchen auf nich allein stutzen macht, mit welcher er sich dem nach dem, was ich vorerzählte. Er muß eben ein oder wie Homer ein (Fortsetzung folgt). anmaßendes Wesen den Beamten des Wohnungsamtes das Leben besonders sauer machten. Dortmund, 11. Febr. Ein netter Hei ratskandidat. Ein aus Ostpreußen gekommener Martenkontrolleur Muskal gab sich in Zei tungsinseraten als Grubenbeamter aus, der eine Lebensgefährtin suchte. Wie immer so fielen auch diesmal eine Reihe Damen, die nicht allein durchs Leben gehen wollten, auf diese Anzeige hinein. Während M. den Damen, mit denen er im Verkehr trat, seine Verhältnisse in rosigstem Licht schilderte und sich so als begehrenswerter Manin hinzustellen wußte, legten ihm die Damen in vertrauensseligster Stimmung ebenfalls ihre Verhältnisse dar und waren, wenn sie M. darum bat, ohne weiteres bereit, ihm ihre Barschaft anzuvertrauen. Hatte M. das Geld von einer heiratslustigen Dame erhalten, so hatte auch die Stunde der Trennung geschlagen. Eine Postassistentin, die auch zu den Opfern Moskals zählte, hatte den Verlust von 2200 Mark zu beklagen. Daneben war M. für den Generalagenten einer Versicherung in der Weise tätig, daß er gefälschte Anträge brachte und sich damit Provision erschwindelte. Die Strafkammer schickte den unverbesserlichen Schwindler auf die Dauer vod drei Jahren ins Zuchthaus und legte ihm noch eine Geldstrafe von 3000 Mark auf. Die bürgerlichen Ehrenrecht## wurden dem Muskal auf 5 Jahre aberkannt. Milspe, 14. Febr. Erfroren. Ein Opfer der Kälte wurde ein Kleinschmied von hier. Er kroch am Montag voriger Woche, wahrscheinlich im trunkenen Zustande, in das Heu einer Scheune in Berninghausen, so daß die Unterschenkel unbedeckt blieben und ihm infolge der großen Kälte die Beine bis zu den Knien erfroren. Nachdem er zwei Tage in diesem Zustande im Heu gelegen hatte, trafen ihn Bewohner, wie er auf allen Vieren durch den Schnee kroch. Er wurde ins nächstgelegene Haus getragen, von wo ihn die Sanitäts kolonne ins Krantenhaus nach Gevelsberg brachte. Wahrscheinlich müssen dem Bedauernswerten beide Beine abgenommen werden. Greven, 14. Febr. Die Zunge festgefroren. Ein Vorkommnis, das, wenn es auch nicht ganz vereinzelt dasteht, so doch zu den Seltenheiten gehört, ist von hier zu berichten. Ein Schüler des 1. Jahrgasiges beleckte mit der Zunge eine Eisenstange. Als er diesen seltenen Genuß einstellen wollte; war die Zunge festgefroren und er konnte diese trotz aller Bemühungen nicht losbekommen, bis es schließlich einigen Erwachsenen mittels heißen Kaffees gelang, den Kleinen aus der mehr als ungemütlichen Situation zu befreien. Dabei ist es nicht ohne Verletzung der Zunge zugegangen, und wir gehen in der Annahme nicht fehl, daß der Kleine für immer auf solche Genüsse verzichten wird. Rhaden, 14. Febr. Von einem Baum erschlagen wurde der Arbeiter Ortgies aus dem benachbarten Wehe. Beim Holzfällen geriet er unter einen niederstürzenden Baum. Außer einem Beinbruch erlitt O. schwere innere Verletzungen, denen er am Abend erlag. Attendorn, 14. Febr. 700 jähriges Stadtjubiläum. In diesem Jahre kann unsere Stadt ihr 700jähriges Stadtjubiläum feiern. Im Jahre 1222 erhielt Attendorn vom Kölner Erzbischof Stadtrechte. Einst ein bescheidenes, aber kräftiges Glied der Hansa, an der alten Straße von Köln nach Soest gelegen, ist unsere Stadt jetzt durch eine lebhaft entwickelte Industrie bedeutsam geworden. Im Stadtwappen steht die Sichel des abnehmenden Mondes. In nächster Zeit wird man sich darüber schlüssig werden, in welcher Weise das Stadtjubiläum gefeiert werden soll. Wattenscheid, 14. Febr. Massenvergiftungserscheinungen. Unter Vergiftungserscheinungen erkrankten in einem hiesigen Geschäft eine Anzahl Verkäuferinnen, vier von ihnen mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Es wird angenommen, daß eine Gasleitung undicht geworden ist und daß die Mädchen Gas eingeatmet haben. Bochum, 14. Febr. Zum Tode verurteilt. Nachl zweitägiger; nichtöffentlicher Verhandlung wurde der Gärtnergehilfe Herbert Martin aus Horneburg auf Grund des gefällten Geschworenenspruches zum Tode verurteilt. Martin erdrosselte am Abend des 8. Dezember in Erken schwick unweit der Horneburger Straße in einem Privatweg seine Braut Antonie Lippert. Die Leiche des Mädchens wurde am Vormittag des darauffolgenden Tages gefunden. Martin wurde alsbald nach der Auffindung der Leiche verhaftet. Zum Tatort geführt, legte er das Geständnis ab, daß; er mit Ueberlegung seine Braut getötet habe. da er ihrer überdrüssig gewesen sei. Das Todesurteil nahm der Angeklagte ziemlich gelassen entgegen. Essen, 11. Febr. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen der Linie 2 in der Fahrtrichtung Viehofer. platz ereignete sich Freitag abend gegen 11¼ Uhr in der Nähe vom Bahnhof Altenessen mit einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Personenauto. Der Anprall war sehr stark. Der Vor derperron des Straßenbahnwagens wurde vollständig eingedrückt. Zwischen den Trümmern lag der Führer, der schwer verletzt war. In dem eingedrückten Führersitz des Autos saß der sehr schwerverletzte Chauffeur, der vo dem Publikum befreit und, aus schwerer Kopsverletzung blutend, in ein Nachbarhaus getragen wurde. Einen Begriff von der Wucht der aufeinanderprallenden Fahrzeuge gibt die Tatsache, daß die Räder des Straßenbahnwagens sich in einer Höhe von 40 Zentimeter in das Auto hineingevohrt hatten. Glücklicherweise war der Wagen nur schwach besetzt; die Fahrgäste tamen mit leichteren Verletzun gen davon. Wenn die Schuld an dem Unglück trifft, muß die Untersuchung ergeben. Barmen, 14. Fedr. Notopfersammlung für die innere Mission. Die von der hie sigen Synode eingeleitete Notopfersammlung für die innere Mission hat die schöne Summe von 418978 Mark ergeben. In der Rheinprovinz rechnet man mit einem Gesamtvetrage von 6 bis 8 Millionen Mark. Elberfeld, 14. Febr. 6279 Wohnungssuchende. Seit Beginn dieses Jahres ist die Zahl der Wohnungssuchenden um 256 auf 6279 gestiegen; um nur die als bedürftig anerkannten Wohnungssuchenden unterzubringen, sind 10043 Wohn. räume erforderlich. Aus dem Reich. Leipziger Eisenbahnerprotest. Leipzig, 14. Febr. In einer am Sonntag abgehaltenen, von mehr als 6000 Eisenbahnern beuchten Versammlung wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, eine Entschließung anzunehmen, in der gegen alle von der Eisenbahndirektion Halle und der Generaldirektion Dresden vorgenomme. nen und noch beabsichtigten Maßregelungen Protest erhoben und deren Zurücknahme verlangt wurde. Sollte dies nicht erfolgen, so wurde erklärt, voni neuem in den Streik eintreten zu wollen. Wucherklage gegen die Reichsgetreidestelle. Halle, 14. Febr. Wegen Wuchers und Preisreiberei hat der Landbund der Provinz Sachsen Strafanzeige beim Landpolizeiamt Berlin erstatten lassen. Die Reichsgetreidestelle kaufte angeblich zur Zeit der Zwangswirtschaft die Kleie zu 97.30 Mark den Doppelzentner und verkaufte sie jetzt mit 320.— Mark, sie nimmt also fast 1000 Prozent für sich in Anspruch. Die Verwahrlosung unserer Kolonien. Berlin, 14. Febr. Am Montag begann die deutsche Landwirtschaftsgesellschaft ihre diesjährige Tagung. Der frühere Gouvereur Exz. Schnee sprach in der Sitzung der Kolonialabtei lung über die gegenwärtige Lage in unseren Kolonien. Er stellte fest, daß die jetzigen Machthaber in rücksichtslosester Weise von ihren Rechten Gebrauch machen. Nach Piratenart wird über das deutsche Privateigentum verfügt. Abgesehen von Süd=West=Afrika, wo eine zum Teil aus Buren zusammengesetzte Regierung rücksichtsvoller verfährt, sind aus allen anderen Kolonien unsere Landsleute vertrieben worden. Wirtschaftlicher Rückgang und Verwahrlosung zeige sich in unseren ehemaligen Kolonien auf Schritt und Tritt.(Wir erinnern an unseren Leitartikel in Nr. 33 vom letzten Mittwoch:„Unsere Kolonien!). Ein diplomatisches Essen bei Rathenau. Berlin, 14. Febr. Samstag abend fand beim Reichsaußenminister Dr. Rathenau ein diplomatisches Essen statt, an dem außer dem Reichspräsidenten Ebert noch ungefähr 40 Vertreter der Parteien und Botschafter geladen waren. Vom Reichsministerium waren außer dem Reichskanzler Dr. Wirth moch Reichswehrminister Geßler, Innenminister Dr. Köster und der Finanzminister Hermes vertreten. Von Führern der Parteien waren erschienen Streesemann, von Raumer, Dr. Petersen und Hermann Müller. Die Hochfinanz war vertreten durch Exz. von Mendelssohn. Die ausläudischen diplomatischen Vertretungen waren vertreten durch den französischen, englischen und holländischen Botschaftet, ferner durch den tschecho slowakischen Gesandten. Hauptausschuß des Reichstages. Berlin, 14. Febr. Im Hauptausschuß des Reichstages wurde eine Resolution Dr. Reichert (Deutschnatl.) angenommen, wonach dem Reichstag eine Denkschrift über die Verwertung des Heeres= und Marinegutes seit Beendigung des Krieges, insbesondere über die Höhe der erzielten Beträge und der Kosten des Vertriebes und der Verwaltung baldmöglichst vorgelegt werden soll. Gerüchte über Wirths Nachfolger. Berlin, 14. Febr. Die Berliner Vertreter der Pariser Blätter unterrichten ihre Blätter dahin, daß im Fall eines Rücktritts Dr. Wirths Porsch und Stegerwald als Nachfolger kandidieren würden. Streitzahlen. Berlin, 14. Febr. Für das erste Halbjahr 1921 liegen jetzt Zahlen über die Streikbewegung in den verschiedenen Ländern vor. Weitaus an führender Stelle steht England, das Land, das die meisten Arbeitslosen hat. Dort haben im genann. ten Zeitraum zwei Millionen Menschen sich im Streikzustand befunden. An zweiter Stelle folgt Deutschland mit über 700000, an dritter Stelle die Vereinigten Staaten mit etwas mehr als ein Viertel der von Englang erreichten Zahl der Strei enden. In entsprechender Reihenfolge schließen sich an Italien, Norwegen, Frankreich, Polen, Dänemark, Oesterreich und Schweden. Deutschland— ein Zeitungsfriedhof. Fast jede neue Nummer des„Zeitungsverlags“, des amtlichen Organs des Vereins deutscher Zei tungsverleger, bringt den Grabgesang irgendeiner deutschen Zeitung. Blättern mit ruhmreicher, jahrzehntelanger Vergangenheit hat mamentlich uen?? Jgnaz Trebitsch-Lincoln, der berüchtigte inter nationale poli: tische Nachslapler, wurde in Neu fork verhafter der heutige Papierpreis das Todesurteil gesprochen, und ernste Anzeichen deuten darauf hin, daß über Deutschland, einst das Land des ausgebrei teisten und kulturell höchststehenden Pressewesens, das große Zeitungssterben kommt, weil es den Verlegern nicht mehr möglich ist, ihre Betriebe bei den heutigen Papierpreisen und der Höhe aller übrigen allgemeinen Untosten, die mit der Heraus gabe einer Zeitung verbunden sind, aufrechtzuerhalten. Allein in den letzten vierzehn Tagen wurde das Eingehen von nahezu einem Dutzend deutscher Zeitungen gemeldet, darunter solcher, die wohl ein halbes Jahrhundert lang Kulturarbeit am deutschen Volie verrichtet haben. In allen Fällen haben die hohen Herstellungskosten das Eingehen der Zeitungen— es handelt sich durchweg um mittlere und kleinere Provinzblätter— herbeigeführt. Esperanto bei japanischen Studenten. In Nagoja nahmen 356 Studenten an Esperantolehrkursen teil, so daß dort eine besondere studentische Esperanto=Vereinigung gegründet werden konnte. Keine Verschiebung der Konferenz in Genua. Meiland, 13. Febr.(T. U.) Nach einer offiziellen Mitteilung des„Corriere della Sera aus Rom denkt die Regierung Bonomi nicht an eine Verschiebung der Konserenz von Genna, deren Eröffnung gemäß den Einladungen auf den 8. März festgesetzt bleibt. Täglich treffen von den verschie denen Teilnehmerstaaten die Anmeldungen der Delegierten ein, deren Gesamtzahl sich bis jetzt auf fast 700 beläuft. Mit Ausnahme Frankreichs hat kein Staat den Wunsch ausgedrückt, den Beginn der Konferenz zu verschieben. Die Zahl der Kriegsverletzten stellt sich nach Angaben des Bureau International du tracail folgendermaßen: Frankreich Großbritanien Italien Polen Amerika Tschechoslowakei Oesterreich 1 500 000 1170000 570.000 320.000 246 000 175000 164 000 154.000 38 000 34.000 40.000 1 500 000 5 911 000 Außerordentlich spannend ist seine Schilderung In seinem soeben erschienenen Werk„Im sechsten Erdteil“(geb. 20 Mart), das Band 13 der wohlbekannten Sammlung„Reisen und Abenteuer"(Leipzig, Brockhaus bildet. Das Buch ist reich mit Bildern nach ausgezeich neten Photographien, auch mit zwei guten Kar ten ausgestattet und bei Carl Braus, Buchhandlung in Schwerte zu haben. Es vermag jung und alt zu jesseln, weil die vielen abenteuerlichen Erlebnisse lebenswahr geschidert sind. Südstawien Canada Rumänien Belgien Deutschland Zusammen: Die Gesamtsumme ergibt also rund 6 Millionen, von denen auf Deutschland der vierte Teil kommt. Statistik der Weltreligionen. Die Zeitschrift für Missionswissenschaft veröfsentlicht folgende Berechnungen: Unter den 17### Millionen Menschen gibi es 683 Millionen Chii sten, und zwar 305 Millionen Katholiken, 220 Mill. Evangelische, 158 Mill. orientalische Christen(ein schließlich der Russen). Die Zahl der Mohamedaner wird auf 230, die der Buddhisten auf 5.0, der Hinduisten auf 200, der Animisten auf 1°0 Millionen geschätzt. Somit steht die Zahl der Christen in der Mitte zwischen einem Drittel und der Hälfte der Menschheit. Shackletons Grab am Tor des Südpols. Es ist nu festgesetzt, daeß das sterbliche Teil von Shackleton in Süd=Georgia beigesetzt werden wird, auf der einsamen, eisgepanzerten, schneebedeckten Insel, die„Das Tor der Antarktis“ genannt wird. Die Insel Süd=Georgia ist ein unbewohntes, unwirtliches Eiland mit hohen steil aufsteigenden Bergen. Nur einige Stellen an der Nordostseite, die tiefer als die übrigen liegen, werden im Sommer schncefrei und sind von kurzem Gras bedeckt. Die Ueberführung der Leiche er. folgt mir großer Feierlichkeit; der Präsident der naturforschenden Gesellschaft von Argentinien wird an dem Begräbnis teilnehmen. Der Zauberbann des ewigen Eises sesselt alle großen Polarforscher. Mani braucht nur an Nansen, Amundsen, Kapitän Scott und nicht zuletzt an Sir Emest Shackleton zu erinnern. Dreimal haben die Elemente Shackleton um das Glück betrogen, das Ziel ganz zu erreichen. Und nun, auf seiner vierten Reise, die er mit großen Plänen hoffnnungsvoll atgetreten hatte, ist er an Bord des Expedixionsschiffes„Quest“ gestorben, ohne den ersehnten Erdteil betreten zu haben. Im In einer Zeit der schweren Not Läßt man wohl manches gelten, Und in dem Kampf ums täglich Brot Sind Streiks durchaus nicht selten; Die Teurung macht die Leut ergrimmt, Die Teuerung macht die Leut' ergrimmt, Man läßt die Arbeit liegen, Mag's brechen oder biegen! So geht es heut— längst haben wir Nichts Frohes mehr vernommen, Ein Gähnen dort, ein Murren hier, Und kein zur Ruhe kommen, Kaum ist genehmigt ein Tarif, So geht die Sache wieder schief, Die neueste Teurungswelle Heißt: Künd'gung auf der Stelle! Zwar, einem schwer bedrückten Land, Kann so viel Streik nicht frommen, Doch ist's selbst im Beamtenstand Zum Streik=Beschluß gekommen; Gewiß, ihn hat der Zeiten Not Unzweiselhaft sehr hart bedroht, Doch diese Streikbewegung Erzeugt sehr viel Erregurg. Der Mann, der sonst das Dampfroß lenkt, Der Führer der Maschine, Dem Jedermann Vertrauen schenkt, Der uns mit ernster Miene Fuhr durch die Lande blitzgeschwind, Er grollt und streikt, die Folgen sind Indessen unbeschreiblich, Die Not ist unausbleiblich! Denn, wenn die Eisenbahn nicht fährt, Dann kommt man in Bedrängnis, Und wenn der Zustand lange währt, Dann führt dies zum Verhängnis; Wenn alle Räder stille steh'n, Muß alles in die Brüche geh'n, Zerfallen, was vom Alten Noch mühsam sich erhalten. Der alte Winter, streng und schwer, Läßt sein Macht uns spüren, Wir haben keine Kohlen mehr, Die Leute müsfen frieren; Und ob die Manschheit stöhnt und klagt, Das Feuer wie das Licht versagt, Kommt nicht die bess’re Wende, Gibl's Schrecken ohne Ende! Soll's nicht auf anderm Wege geh'n, Verständ'gung zu erreichen? Kann's nicht auf afidre Art gescheh'n, Diff'renzen auszugleichen? Wenn sich die Völker selbst kastei'n, Kann ihre Wohlfahrt nicht gedeih'n, Und läuft kein Rad mehr weiter, Dann wird es bös! Ernst Heiter. Ein Im Bier kein Malz— Auf's Brot kein Schmalz— Immer höher der Cent— Bald sind wir am End so lautet die Aufschrift eines Nolgeldscheines von 9 Mark, der Gesellschaft„Hohe Ecke“ zu Gronau i. W. Die Vorderseite des Scheines behandelt Eronau als Spinnerstadt. In der Mitte steht die Wertbezeichnung, umgeben von den wichtigsten Spinnereigeräten. Das Bild, zu dem eingungs erwähnten Verse aber ist durch einen Schlagbaum in zwei Teile geteilt. Hinter der Crenze steht ein behäbiger Holländer, behaglich seine Tonpfeife rauchend, umeben von Holländer Käse, Säcke voll Kaffee, Kisten mit Tec, Ballen mit Tabak, Fässer mit Heringen und Butter. Dem gegenüber das arme Deutsche Reich, verkörpert durch„Michel" mit Frau und Kind. Der Schein wird jedem Sammler eine Freude machen. Samm ler können den Schein durch die Buchhandlung Carl Braus in Schwerte beziehen. Funde auf einem biblischen Schlachtfelde. Bedeutsame Funde auf der Stätte der alten hertitischen Feste Charchsmish, durch die alte Einelheiten einer im Alten Tescament erwähnten Schlacht aufgehellt werden, sind von den Englänern bei ihren neuesten Grabungen gemacht worden, über die Mar Maas in der„Kunstchronik“ berichtet. Durch die Grabungen wurden die Besestigungslinien der Stadt festgestellt; man fand in Zwischenräumen längs der Manern Türme, deren Inneres Vorrats= oder Waschräume für die Soldaten aufwies. Von dem Burgberg, auf dem die eigentliche Festung lag, führten drei Tore in * die innere Stadt, die auf der einen Seito durch den Suphrat, auf der anderen Seite durch große Erdwälle geschützt war. Die Mauern und Wälle gehören der zweiten hettitischen Periode vor 1200 vor Christi an, während die äußere Stadt durch einen anderen Zweig der hettitischen Rasse, die sogen. Mushki, später erbaut wurde. Der Untergang der Hettititer vollzog sich in einer Schlacht, die im Alten Testament erwähnt wird, und in der der dort Pharao Necho genannte Herrscher beim Flusse Euphrat von Nebukadnezar vernich tend geschlagen wurde. Von diesem Schicksalskampf der Hettiter künden die wohlerhaltenen Ueberreste eines großen Hauses der Außenstadt in dem man zahlreiche Gegenstände fand. In der dick auf den Fußböden liegenden Asche und namentlich an den Eingängen des Hauses lagen große Haufen von Bronze= und eisernen Pfeilspitzen. Lanzenspitzen, zerbrochene Schwerter usw., die deutlich erkennen lassen, wie die Verteidiger von Raum zu Raum zurückgetrieben wurden. Durch vier Siegelabdrücke von Papyrusdokumen ten, die die Kartusche Nechos tragen, wird die Schlacht, von der der Prophet Jeremias berichte: zweisellos identifiziert. Aus einem Bronzeschild mit Reliefs im jonischen Stil kann man schließen. daß sich griechische Söldner im Hecre des Pharao befanden. Bronzefiguren der Isis und des Osirts weisen nebst beschriebenen Alabasterschalen und anderen Gegenständen auf die intimen Beziehungen zu Aegypten hin, die den Verdacht des assyrischen Oberherrn der Stadt erregt hatten. So lassen sich an diesem einzigartigen Fund auch die politischen Intrigen der letzten hettitischen Herrscher und der dadurch hervorgerufene Untergang ihres Reiches erkennen. Lehle Brühtmeidungen. Das Ende dor Franckeschen Stiftungen in Halle. Die Franckeschen Stiftungen in Halle schließen im laufenden Jahre mit einem Fehlbetrag von fünf Millionen ab. Der Stadtrat zu Halle tritt für Auflösung der Stiftungen und Uebernahme durch die Stadt ein. Die Stiftungen hätten ihre historische Aufgabe, besonders auf dem Gebiete des Schulwesens und in der besonderen Art der sozialen und kulturellen Pflege erfüllt. Der Berliner Ostbahnhof in Flammen. Berlin, 15. Februar. Seit Montag vormittag stehen die Anlagen des Berliner Ostbahnhoses am Küstriner Platz in hellen Flammen. Dort befinden sich große Speicher mit Lebensmitteln und anderen Vorräten. Zahlreiche Feuerwehren sind zur Stelle. Am Montag nachmittag konnten sie jedoch des Feuers noch nicht Herr werden. Der Ostbahnhof dient heute nicht mehr dem Verkehr, sondern wird nur als Speicher für Mehl, Erbsen und andere Hülsenfrüchte verwendet. Ein Rilitärkraftfahrer mit einem Heeresanto durchgebrannt. Leipzig, 15. Februar. Einen außergewöhnlich frechen Betrug hat am 11. Februar, abends zwischen 9 und 10 Uhr der aus Brandis gebürtige 21jährige Militärkraftfahrer der 3. Komp. der Kraftfahrabteilung 4 in Leipzig, Fritz Dittrich, verübt. Er lockte einen Oberkraftwagenfahrer seiner Kompagnie, der mit seinem Kraftwagen vor dem Hauptbahnhofe hielt und der Dittrich, der Zivilkleidung trug, als Kameraden kannte, nach der Ankunftshalle unter der Vorspiegelung, ein hoher Vorgesetzter erwarte ihn dort. Während der Oberkraftwagenfahrer die Wartehalle absuchte, bestieg Dittrich den Mihtarkraftwagen und ist damit seitdem verschwunden. Der Gesamtschaden der Heeresleitung würde 350000 Mark betragen, wenn es nicht gelingen sollte, den Wagon dem Täter abzunehmen. Abgeordneter Hautzmann. Stuttgart, 15. Febr. Zu dem Tode des Abgeordneten Haußmann sind heute eine Reihe von Beileidstelegrammen eingelaufen u. a. vom Reichspräsidenten, vom Reichskanzler, von der demokratischen Reichstags= und Landtagsfraktion, sowie von zahlreichen Parlamentariern und Politikern. Ein Attentat. Helsingfors, 15. Febr. Gestern nachmittag wurden auf den Minister des Innern 3 Revolverschüsse abgegeben, als er vor seiner Wohnung aus dem Automobil stieg. Er erlag auf dem Wege zum Krankenhaus seinen Verletzungen. Frrriner vom 14. Februar 1922 mitgeteilt vom Barmer Bank=Verein, Schwerte 5% Deutsche Reichsanleihe........— Barmer Bank=Verein 312 Deutsche Bank 546 Diskonto 452 Dresdner Bank 365 Hamb.=Amer.=Pak. 483 Allgem. Elektr.=Ges. 800 Baroper Walzwerk 998 Bochumer Guß... 1130 Bösperde Walzwerk900 Daimler Motoren........ 561 Deutsch=Luxemburg Deutsche Kaliwerke.......... 1555 Dynamit 855 Elbecs. Farbw. 649 Essener Steinkohlen... 1450 Gelsenkirch. Bergm 1095 Gasmot. Deutz............... 770 Harpener Bergw.1490 Hasper Eisen...............46 Hoesch 1080 Humboldt Masch 1695 Mannesmann 1300 Oberschles. Eisenb.=Bed. 1160 Orenstein&ap Koppel........... 1083 Phönix Bergbau............. 1100 Reisholz Pap. 650 Rhein. Stahlwerbe 1195 Rombacher 800 Schuckert Stegen=Solingen....... 530 Ver. Dt. Nickelwerke........ 1450 Westf. Draht=Ind. 589 Westf. Eisen, Langendreer....... 619 Dir wirds so leicht #„ gemacht ** gesund mu e rch regelmäßi erDanksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme beim Helmgange unseres lieben Ent schlafenen sagen wir al.en Beteiligten herzlichen Dank. 768 Im Namen der Hinterbliebenen Famllie Friedrich Tillmann, Steinberg. liefert schnellstenaf Gruckerei E. Braus MorgenMädchen od Stundeuhilfe gesucht Große Marktstraße 8. Brennholz auf Ofenlänge geschnitten, billigst wieder vorrätig Gebr. Haver 775 Sägewerk. Trockenes 685 Srennherz klein geschnitten, vorrätig E. Homel, Schwerte. Leire gebrauchte Rräschen Wein, Cognac und Literflaschen kauft 714 Wilh. Hotel Ostermann. Dein Haar schupp schön und halten: durennrg Pllege mit dem Kräuterhaarwasser Javol.“ Belebt und eririscht Kopfhaut und Nerven, macht das Haar weich, duftig u. gesund. lavol ist in allen Apotheken, Droverien. Partümerien u. bei Friseuren erhältlich. Für die Schriftleitung verantwortlich: Karl Wichter; für Lofales und Provinzielles: Friedrich Kraas in S S Das offiziel e Textbuch eür die Oberammergauer KbVIONZBekanntmachung. Alle Empfänger von Renten aus der Invaliden= und Angestelltenversicherung, die auf Grund des Gesitzes vom 7. März 1921 Anspruch auf Unterstützung haben, wollen sich zwecks Entgegennahme von Anträgen wie nachstehend während der Vormittagsstunden auf dem hiesigen Amtsbüro, Zimmer Nr. 5, melden: Gemeinde Westhosen: Moutag, den 29. Februar „ Garenfeld: Dienstag. den 21. Fedruar „ Geisecke:„ den 21. Februar „ Lichtendorf: Mittwoch, d. 22. Februar „ Syburg: Donnerstag, den 23 Februar „ Villigst: Freitag, den 24. Februar ": Wandhofen: Freitag, den 24 Februar „ Holzen: Mittwoch, den 22 u. Donne####tag, den 23. Februarer auf dem Gemeindebüro in Holzen Rentenbescheide, sowie Bescheinigungen über die Höhe des Arbeitseinkommens der letzten 3 Monate sind vorzulegen. Arbeitseinkommen der Rentenempfänger bis zu 2000 Mark jährlich und Rente auf Grund des Reichsversicherungsgesetzes usw. bis jährlich 600 Mk bleiben bei Prüsung der Empfangsberechtigung außer Ansatz. Das Gesamtjahreseinkommen der Rentner darf 3000 Mark, das der Witwen 2100 Mark und das der Waisen 1200 Mark nicht übersteigen. Westhofen, den 13. Februar 1922. Der Amtmann. K Bekanntmachung. Anstelle des Fabrikarbeiters Friedrich Joseph langumanz#hl. Westanart! in Holzen und des Bergmanns Wilhelm Dirs=Htubmiallsahl, Wesionort s. schneider in Lichtendorf, die ihr Amt als GemeindeVertreter niedergelegt haben, treten der Berginvalide Schulte=Tillmann zu Sommerberg, Gemeinde Holzen, und der Bergmann Karl Riedel zu Lichtendorf in die Gemeindevertretung ein. Für den zum Gemeinde=Vorsteher gewählten Bergmann Heinrich Götter zu Wanne, Gemeinde Syburg, kommt der Bergmann Adolf Kunze, daselbst als Gemeinde=Vertreter in Frage. Westhofen, den 11. Februar 1922. Der Wahlausschuß: Arndt. Dankerfüllt zeigen die Geburt eines kräftigen Jungsen * an.*** Bäckermeister paul Cordes und Frau Helene geb. Stoltefuß. Schwerte, den 14. Februar 1922 ist erschienen. Drei Abteilungen mit 24 lebenden Bildern Mit Benutsung der alten Texte verfaßt von I. N. Dalsenberger Geistlicher Rat in Oberammergau. Deutsch: Preis 10 Mk. Englisch: Preis 20 Mk. Buchhandlung Carl Braus 1 Einige alte Ersch. zu kaufen gesucht. Zu erfragen in d Geschäftsstelle der Schwer=S 14/#1 schreibt Eurem Kinde seine JuZeitun. Stterl. gendchronik! Das erste und und Paten ist (e-% 9% 10 Donnerstag, den 16. Februar abends 6 Uhr: Soiisten-Abend Herr Velten, Klavier Herr Mönch, Violine Herr Reich, Cello ster Zeilung. Heneu, Geschenk der Eltern das Buch: Leeres Flaschen ille ganebaren Sorten kauft Attttllltl. Alutlllltlllllllll Zuverlässiger schönste Aagener unter Mitwirkung von Krausbauer, Blüthgen, Endel, Feesche usw. Herausgegeben von 6. u. W. Se lipkölter. Preis Mk. 100.—. 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Wieviel ist's denn?“ Sie vermochte nicht gleich zu antworten, denn eben kamen die Mädchen. Alle rosig, hübsch, kaum erwachsen. Und sie hörten etwas von Geld und tanzten und lachten und sprangen. „Geld! Hurra!“ Die Mutter sah ruhig von einer zur anderen. „Es ist nicht so sehr viel— zwanzigtausend Kronen—, aber es wird genügen, daß ihr alle etwas Tüchtiges lernt.“ Die Mädchen schwiegen betreten. Lernen? Herr Herold aber faßte die Sache gleich praktisch an. „Ja, gewiß. Mama hat recht. Du, Sophie, hast ja dein hübsches Maltalent. Kannst in Wien ins Museum gehen. Und Lotte macht den Schneiderinnenkursus, Und du, Lisbeth, hast die schöne Stimme. Sie redeten hin und her. Und schließlich gefiel der Plan auch den Mädchen sehr. Es war schon fein, daß man endlich herauskam aus dem Nest! Bei Tante Mali sollten sie untergebracht werden. Ach! Dort war's so lustig! Herr Herold kam diesmal ein wenig spät in den Kegelklub, und Frau Malwe fand keine ruhige Sekunde mehr an diesem Abend. Himmel, was die Mädchen alles fragten, und wie sie lachten und ausgelassen waren! An sie dachte keines. Aber war das nicht ganz natürlich? Frau Malwe fand es so, und heimlich dachte sie: „Wenn sie wiederkommen, da werden sie innerlich so sehr gewachsen sein, daß wir uns doppelt gut verstehen werden. Wenn ich sie jetzt hergebe, so tue ich das auch für mich. Sie werden mich mitreißen, sie werden mich begreifen lehren.“— Schluß folgt.) Kunst und wissen Fossiler Regen. Die Frage, ob die eigenartigen Merkmale, die sich auf einigen Steinplatten erhalten haben, Spuren eines„sossilen Regens“ darstellen, hat die prähistorische Wissenschaft vielfach beschäftigt. Zahlreiche Geologen haben angenommen, daß diese kleinen Aushöhlungen Eindrücke von prähistorischen Regentropfen sind, die vor vielen Jahrtausenden auf die nasse Oberfläche weichen Tons sielen. Auf einem vielbesprochenen fossilen Ueberrest, der sich im Peabody=Museum in Yale befindet, sind Vogelspuren mit diesen Eindrücken von Regentropsen vermischt, und es ist bei genauer Nachforschung möglich, zu sagen, ob der Vogel über dieses prähistorische Schlammstück vor oder nach dem Fallen des Regens geschritten ist. Da die Eindrücke Räuder haben, die auf der einen Seite höher sind als auf der anderen, so läßt sich die schräge Richtung, in der der Regen einfiel und dadurch auch die Richtung des Windes zu dieser Zeit feststellen. Gegen diese Hypothesen, die von einem sossilen Regen sprachen, hat sich nun vor kurzem ein österreichischer Geologe Hoefer gewendet, der in einer Untersuchung, der er der Wiener Akademie der Wissenschaft vorlegte, eine ganz neue Erklärung dieser vermeintlichen Regentropfhöhlungen aufstellte. Nach seiner Meinung könnten die Höhlungen sehr leicht durch Blasen eines Gases hervorgerufen sein, das sich an der Oberfläche der schlammigen Erde entwickelte, bevor sie versteinerte. Nun erhob sich die Frage, ob die Erklärung der kleinen Gruben durch Regentropsen überhaupt möglich ist, und das hat ein spanischer Gelehrter, Prof. Hermano José Estebau, nachgewiesen. Er sandte dem Herausgeber des Pariser„Cosmos“ ein Stück Lehm, das genau dieselben Merkmale, durch einen Regen unserer Tage hervorgerufen, auswies, wie der prähistorische Stein. Der Gelehrte schreibt dazu:„Die Tatsache„sossilen Regens“ gehört durchaus ins Bereich der Möglichkeit, und man kann noch heute beobachten, wie die Spuren zustande kamen. Im vergangenen März erzengte ein Niederschlag von bedeutender Heftigkeit in meinem Hof eine Menge sehr seinen Schlammes. Eine Stunde der Ruhe und des Sonnenscheins gab dem Wasser die Möglichkeit abzulaufen und trocknete die Erde, so daß eine weiche Schicht von Lehm übrigblieb. Dann kam ein leiser Regenschauer, der nur wenige Sekunden dauerte, und jeder Tropfen, der auf diese weiche Schicht fiel, ließ ein Zeichen zurück, eine kleine hohle Halbkugel, die den Spuren des fossilen Regens auf Steinen durchaus gleichen. Es ist also durchaus möglich, daß die rätselhaften Spuren im Gestein auf die Virkung eines prähistorischen Regens zurückzuführen sind.“ Denkspruch. Wollte man jemand glück'sch machen ohne sein Zutun, wäre das eine Corheit, denn das, was die eigene Arbeit zu seinem Glücke an dem Menschen tut, ist der wahre Gewinn. Otte Ludwig. □ Bee ∆##7 # Ein kurzer Rausch. In einer Erörterung der letzten Ereignisse in der Champagne erzählt das„Pariser Journal“ ein lustiges Geschichtchen, das vor etwa 70 Jahren dem König Louis Philippe und dem Gründer eines der bekanntesten Champagnerhäuser begegnete. Der König hatte eine Reise in das Land unternommen und war der Einladung des M. Moêt zu einem Frühstück gefolgt. Der ausgezeichnete Weinhändler, der sehr schwerhörig geworden war, gab sich die größte Mühe, das Haus würdig zu vertreten und bat natürlich, als das Frühstück zu Ende ging, der König möchte doch noch einen letzten Becher des edlen Trankes nehmen.„Ich danke Ihnen sehr," erwiderte der König,„Ihr Wein ist gewiß gut, aber ich fürchte, ich könnte mich betrinken.“ Da bemerkte ein Tischgenosse, der sich die gute Gelegenheit nicht entgehen lassen wollte, dem König eine Schmeichelei zu sagen:„Sire, hier kann es nur einen Rausch geben, den, in den uns alle Ihre erhabene Gegenwart versetzt hat.“ Der halbtaube Gastgeber hatte jedoch nur die Worte des Königs und nicht die Zwischenbemerkung des anderen Tischgenossen gehört, und er fügte nun seinerseits hinzu:„O Sire, seien Sie sicher, daß das ein Rausch ist, der nur ein Viertelstündchen dauern wird." K e nce F. S 20 2.* ####. 2 cmni C- MUMMT MOOMSDEgE Sobec W Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General-Anzeiger für den Kreis Haupt-Annoncenblatt. Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 39 den 15. Februar falscher Fährt Roman von Max Esch. 22 Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Merkwürdig war es, daß auch Ehlert von einem schweren Kummer bedrückt sein mußte, verschlossen und stillschweigend tat er seine Arbeit. Niemals hatte ihn der Baron lachen sehen. Mürrisch saß er fast ständig mit dem europäischen Dienstpersonal, dem Diener Holstens und dem Koch, an dessen Lagerfeuer. Oftmals hatte der Baron seinen Diener so angetroffen, wenn er ihm einen unvermuteten Auftrag gegeben. Dann war er regelmäßig aufgeschreckt, als erwache er aus tiesem Schlafe. Das Heimweh mußte ihn gewaltig gepackt haben. Oder ob auch er ein Herz daheim besaß, das seiner in Liebe harrte? Wiederholt hätte er sich bereits vorgenommen, Ehlert nach dem Grunde seiner seelischen Depression zu befragen, aber das immer wieder aufgegeben, da ihm das Lager nicht der richtige Ort dazu dünkte; denn die dünnen wände besaßen scharfe Ohren. Nun, heute abend, wenn sie in der Pampas, fern von dem Lager in einem Rancho oder im Zelte behaglich das Nachtmahl einnehmen würden, wollte er das Aufgeschobene endlich zur Ausführung bringen. Es war doch eine herrliche Zeit, dieses freie Nomaden= und Jägerleben in der Pampas. Hoffentlich würde ihm auch heute Diana hold sein, so daß er seinen übrigen Jagdtrophäen nun das sehnlichst erwünschte Pumafell hinzufügen konnte. Aus seinen Träumen aufweckend, die er mit offenen Augen gehabt, sah der Baron nach der Uhr. Es war Zeit zum Aufbruche. Als Baron von Felden vor das Zelt trat, fiel sein Blick auf den in der Nähe des Pfadanders stehenden, finster dreinschauenden Ehlert, der beim Erscheinen des Barons die in der Nähe angepflockten Maultiere entfesselte und dem Baron dessen Tier zuführte. Schneu wurde das Zelt zusammengerollt und auf dem Rücken der Packtiere befestigt, ebenso die Inneneinrichtung des Zeltes. Die Konserven und Weinflaschen waren schon vorher von Ehiert selbst verpackt worden. Als die Arbeiten beendet, schwang sich der Baron in den Sattel und gab das Zeichen zum Aufbruche. Stunden waren vergangen, aber noch immer schien man weit entfernt von dem Schlupfwinkel des verfolgten Raubtieres zu sein. Aber auf der Fährte befinde man sich, behauptete der Fährtensucher, der in seiner phantastischen Tracht mit seinem Reittiere eins zu sein schien. Unausgesetzt hatte er die Fährte im Auge, die oftmals weite Strecken zurück= und dann wieder in Zickzacklinien dahinführte, scheinbar jener fernen Hügelwelle zu, die der Baron sich bei dem Ausritt aus dem Lager als Richtlinie gemerkt hatte. Es grenzte sast an Zauberei, mit welcher Sicherheit jener Halbwilde der für den Baron überhaupt nicht wahrnehmbaren Pumafährte unverrückbar folgte. Zweifel wären wohl in dem Baron aufgestiegen, ob der Mann da vorn seiner Sache gewiß sei, wenn er nicht schon oftmals vorher Gelegenheit gehabt hätte, die verblüffend scharfen Sinnesorgane des Mannes zu bewundern, denen nichts zu entgehen schien. „Ein Fuchs,“ rief der Fährten ucher in verständlichem Englisch aus,„der Löwe machte Jagd auf ihn.“ Seine Hände deuteten auf eine kaum wahrnehmbare Spur, sie führte kreuz und quer dahin. Eifrig folgten die Reiter, ihre Maultiere anspornend, da sie annahmen, des Raubtieres bald habhaft werden zu können. Dem scharfen Galopp konnten die Packtiere nicht folgen, so daß die Gauchos bald zurückblieben. Doch eine ganze Zeit folgten die Reiter der Fährte, ehe sie etwas fanden, das die Angaben des Pfadfinders bestätigte. Zunächst stießen sie auf eine Stelle, an der das üppige Gras sich gelagert zu haben schien, was auch beiden Europäern wahrnehmbar war. „Der Puma hat den Fuchs geschlagen," erklärte im vollen Reiten der Führer und setzte die Verfolgung weiter fort. Nicht lange darauf kamen die Reiter an den Lagerplatz, an dem der Silberlöwe seine Beute verzehrte. Deutlich hob sich der niedergedrückte Kessel von seiner Umgebung ab. Einige blutige Hautfetzen und Knochenüberreste bezeichneten ganz deutlich die Spuren des Dramas aus der Tierwelt, das sich heute in der Frühe hier abspielte. Höher und höher stieg des Himmels Glutenball und brannte erbarmungslos auf Mensch und Tier, aber weit und breit war kein schattenspendender Baum noch Sträucher zu erblicken, und doch wußte der Baron, daß sich in der Nähe ein Flußtal befand, das mit wilden Apfelbäumen und mit Weidendickichten bestanden war. Tief hatte der Flußlauf sich sein Bett in den weichen Boden gegraben, ziemlich hohe Uferwände mit dazwischenliegendem Vorufer so schaffend. Dieses Vorufer war nun von üppigem Baumwuchse bestanden. Er befragte den Fährtensucher nach diesem Flußlause; denn er verspürte das Bedürfnis nach einer längeren Mittagspause unter schattigen Bäumen. Der Gefragte richtete sich in den Steigbügeln hoch und wies mit der Hand nach halbrechts voraus und schwenkte, als ihm der Baron den Austrag gab, nach einer Stelle zu führen, an der man einen geeigneten Lagerplatz fände, bald darauf in der angegebenen Rihtung ab, um der Weisung des Barons zu folgen. Wenigstens vermutete der Baron das, doch unablässig folgte der Führer der Pumafährte, die ebenfalls nach dem Flusse abbog. Im Schritt, mit weit heraushängenden Zungen schleppten die ermatteten Tiere, von denen die Reiter abgestiegen, sich dahin. Dann aber schienen sie die des Wassers zu wittern; denn aufwiehernd hoben sie die Köpfe und wollten in eine slottere Gangart verfallen, an der sie indes durch die Reiter behindert wurden.. g., 6i66. Merkwurdig war es, baß sie bisher keine Spur der riesigen Viehhorden wayrgenommen hatten, die mehrere Viehbesitzer in der Nähe des Flußlaufes weiden ließen und die von halbwilden Hirten, den Gauchos, beaussichtigt wurden. Es schien demnach, als ob man sich noch weit von dem Flußlaufe entfernt befinden Um die nachfolgenden Gauchos zu beschleunigterem Anreiten zu veranlassen, gab Ehlert einige Schüsse ab, welches Zeichen die Zurückgebliebenen wohl verstanden haben mußten; denn sie kamen rasch näher. znzwischen bog der Pfadsinder ganz nach rechts ab, ständig der Pumafährte folgend. Obwohl die drei Reiter, sie waren wieder in den Sattel gestiegen, dem Flusse ständig näher kamen, erblickten sie von ihm und von den schattigen Bäumen indes auch nicht die kleinste Spur. Die endlos weite, weilige Grasebene versperrte jede Aussicht mit ihren Hügelwellen. Erst als die Reiter in der nächsten Nähe anlangten, gewahrten sie die Konturen eines Baumkranzes mit den Kronen schwach über die Grasfläche emporragend. Dann fiel die wellige Evene plötzlich zu einem breiten baum= und gebüschbestandenen Tale ab, dessen Sohle ein breiter Fluz einnahm. Die Ränder fielen ziemlich steil ab, zeigten aber tiefe Fucchen, so daß es ein leichtes war, in einer solchen Furche in das Tal hinabzugelangen. Durch einen solchen Einschmitt führte auch die Zumafährte hinab nach dem Flusse zu weiter. alt strebten die Maultiere dem breiten, silbernen Bande des Wassers zu, das sich langsam stromab wiilzte. Der Fruß war zwar breit aber „Der Pune ist über den Fluß geschwommen, erklärte der Pfadfinder und setzie hinzu:„Die Fährte ist warm, so daß der Sennor Baron den Löwen in zwei oder drei Stunden schießen können.“ zu einer Weiterverolgung verspürte der Baron voreift indes keine Luft, er stieg aus dem Sattel und streckte sich behaglich im Schatten einer Baumgruppe im weichen Grase aus. Da eine längere Rast gehalten werden sollte, sattelte Ehlert des Barons und sein Tier ab, fesselle jedem von ihnen die Vorderfüße zusammen, so daß sie sich nicht weit entfernen konnten, und ließ sie lausen.. 8 4.ur4 und Der Pfadfinder lockerte nur den Satteiguli und befestigte sein Tier an einem Lasso, so daß er es jederzeit zur Hand hatte. Darauf suchten Eylert und er einen geeigneten Platz für das Lager aus, auf dem bald darauf aus dürren Aesten ein lustiges Feuer slammte, an dem Ehlert einen während des Rittes vom Satlei aus geschossenen Pampashasen am Spieße briet. Nach ungefähr einer Stunde trafen die Gauchos mit den Packtieren ein, sie mußten scharf, geritten sein; denn die Tiere dampften und standen mir zurernFlanken da, so daß der Baron den Burschen wegen dieser Tierquälerei ernste Vorhaltungen machte. Doch die Gauchos verstanden den Sennor nicht und machten sich anscheinend sogar über ihn lustig. Die rohen Burschen hatten eben lein Mitgefühl mit Seelenruhig, als ob nicht das geringste geschehen, begaben sie sich an die Aufrichtung des Jelles an dem von dem Varon bezeichneten Platze. Als das Zelt aufgeschlagen und der Faullenzer darin ausgestemt war, streckte sich der Baron beyaglich in dem bequemen Liegestuhl aus. Das Essen mundete ihm vortrefflich. Kurze Zei später war er entschlummert. Auch Ehiert streckte sich in der Nähe des Zeltes aus, den Sattel als Kopfkissen benutzend und schlief ebenfalls nach der Anstrengung des Rittes kurze Zeit darauf ein. Mehr nach dem Flusse zu nahmen der Pfadfinder und die Gauchos ihre Mahlzeit ein, bei der es laut und lebhaft zuging, und oftmals schweiften die verlangenden Blicke nach den beiden Europäern hinüber, die jetzt anscheinend schliefen. Nach geraumer Zeit schlich sich der eine der Burschen lautios nach dem Zelte hinüber, er beugte sich über Ehlert und horchte gespannt nach dem Zelte, aus dem die regelmäßigen Atemzüge des schlafenden Barons zu vernehmen waren. Die Europäer schliefen fest. Von seiner Beobachtung gab er seinen Gefährten durch Zeichen Mitteilung und eilte dann ihnen wieder zu, sich neben diesen im Grase niederlassend. Nur der Pfadfinder fing sein Maultier ein und ritt über den Fluß. Die Fährte weiter zu verfolgen. Sie zog sich am anderen Flußufer entlang. Auf den Aufbruch des Pfadfinders schienen die Knechte nur gewartet zu haben; denn nun schlichen sie sich ebenfalls lautlos nach dem Platze, an dem ihre Reittiere sich im Grase niedergelassen. Sie sattelten sie und ritten vorsichtig flußaufwärts. Als sie aber außer Hörweite des Lagers waren, schlugen sie einen gestreckten Galopp ein, bis sie vor mehreren Ranchos die Tiere plötzlich parierten. In den Hütten wurde es lebendig. Mehrere verwegene Gestalten erschienen in den niedrigen Türen." Wild blitzten ihre Augen auf, als sie die Ankommenden erkannten. Die Begrüßung war kurz, um so lebhafter aber die dann einsetzende Veratung. Wilde Gebärden nach dem Lager der beiden Europaer hin deuteten an, daß es sich um das Lager dabei handeln müsse. Dem wur in der Tat so; denn die verräterischen Knechte planten nichts anderes, als den Viehhirten gegen einen Teil an der Beute das gesamte Lager in die Hände zu spielen. In der Nacht sollten die Gauchos einen Ueberfall veranstalten und mit ihren alten Gewehren einen Heidenspektakel vollführen, dann würden sie, die Knechte, entfliehen, und auch der Pfadfinder wolle sich entfernen, um die beiden nichts ahnenden Europäer ihrem Schicksale zu überlassen. Die Lagereinrichtung und der Besitz der Europäer sollte dann geteilt werden. Wenn letziere im Schlafe überfallen würden, könnten sie ja keinen Widerstand leisten. Raublust und Habgier blitzte aus den Augen der halbwilden Gestalten, als der Plan bis in seine Einzelheiten verabredet worden war. Die Fährten verwischte nach geschehener Tat der Fluß. Indios solllen den Ueberfall ausgeführt haben, wenn Truppen aufgeboten werden würden, ihn zu rächen. Die Sachen konnte man einige Zeit vergraben. Wenn die Truppen dann schließlich auch die Spur auffanden, so mußten sie glauben, daß die Gauchos auf das Schießen hin den Ueberfallenen zu Hilfe geeilt seien. Kein Verdacht konnte also auf sie fallen. Es waren fünfzehn Burschen, die in den niedrigen Hüttra hausten, von denen einzelne den Kameraden aus dem Lager bis zu dem letzteren bei dem Abreiten das Geleit gaben, um sich selbst von dem Vorhandensein der in ihren Augen geradezu kostbaren Einrichtung zu überzeugen. stiegen alle eine Strecke außerhalb des Lagers von den Tieren, die an den Vorderfüßen gefesselt wurden. Die drei Gauchos aus dem Lager sattelten ihre Tiere ab. Alle schlichen sich gleich Schlangen nach dem Lager, das ruhig und friedlich dalag. Fest schliefen die Euroväer. (Fortsetzung folgt.) ## 5 5 S 6 S S 5 E 8 G ! □ 74 Pae e ct e Schefer.# R r Regentürme in Algier. Von dem großen Gedanken beseelt, daß es dem Menschengeist gelingen könne, die wasserund regenarmen Wüstengegenden Afrikas künstlich kulturfähig zu machen, hat ein algerischer Ingenieur in jahrelangerArbeit Studien unternommen und Erperimente veranstaltet, deren Ergebnis er nun in der„France coloniale“ mitteilt. Wie trocken und öde die Wüsten des nördlichen Afrikas auch sind, sie werden gerade in Algier sehr häufig von großen Wasseransammlungen unterbrochen, von den vielgefürchteten Salzsümpfen, den Schotts. Wer immer einen Schott gesehen hat, wird beobachtet haben, daß an den Stellen geringerer Tiese, wo das=Wasser von der Sonne schneller erhitzt wird, ein Dunst aufsteigt; dieser Nebel ist aber so leicht, daß er sich in der Luft auflöst, anstatt sich zu verdichten. Wenn es nun gelänge, die zentrisugale Kraft, die diese Wasserdünste auseinandertreibt, durch eine zentripetale zu ersetzen, so müßten sich Wolken bilden, die sich in Regen umwandeln würden. Jeder Seemann weiß, daß bei sehr heißen Tagen eine kleine Insel, ja ein größeres Algengestrüpp genügt, um über diesen von der Sonne erhitzten Punkten kleine Wolkenansammlungen hervorzubringen. Nachdem der Ingenieur Dessolliers mit Flößen und Schutthaufen dieses Experiment wiederholt hat, regt er nun an, diese Erkenntnis in grosem Stile für die Bewässerung der Wüste auszunutzen. Dazu wird in einem Schott ein großer, konisch angelegter Turm aus Blech errichtet. An den Wänden läuft ein ebenfalls aus Blech gefertigter Kanal spiralenförmig vom Fundament bis zur Spitze. Mit Sonnenaufgang beginnt sich die Luft in diesen Röhren zu erhitzen, steigt empor und ergießt sich schließlich mit der Wucht eines Kraters in die Atmosphäre. Die Folge ist ein Regen, der um so größer ist, je höher der Turm angelegt wird. Das Innere dieser Regentürme könnte je nach ihrer Lage praltisch ausgenntzt werden, sei es nun zu industriellen Zwecken oder als Hotel, wobei natürlich die tieferen Schichten zur Anlage von Bädern und Aquarien wie geschaffen sind. Diese neuen Pyramiden würden dann über die mächtigen Steindenkmäler Aegyptens triumphieren, vollbrachten sie doch das Werk, die Wüste fruchtbar und bewohnbar zu machen. Hunger. Von A. Hottner=Grefe. (Nachdruck verboten.) Frau Malwe Herold saß an ihrem Nähtisch und stepfte Wäsche. Dabei hob sie dann und wann den Kopf, um welchen das braune Haar noch in dichten Flechten lag, und ließ ihre schönen, glänzenden Augen über das Stück Welt schweifen, das sie nun schon lange von diesem Platz aus sah. Ein engbegrenztes Stück. Der kleine, schmale Garten, dann die Mauer mit Efen übersponnen. Aber— da nach rechts hinüber— da kam die Bresche! Ein guter Teil der Mauer war seit langem eingestürzt, und über die Steinhaufen hinweg sah man weite Felder, sah man den Fluß, sah man slammend die Abendsonne versinken. Frau Matwe haßte die grauen Tage, an denen man schon vom Morgen an annehmen durfte, daß die Sonne sich nicht durchringen würde. Die stille Frau warteie oft den ganzen Tag lang bloß auf diese wenigen Minuten, wo sich der Himmel färbte, wo diamantene Strahlen gleich len goldig und rot länzenden Pfeiüber das Firmament dahinschossen, wo die nüchterne Welt erglühte in einem herrlichen Purpur, wo feiner Goldstaub auf allen den langweiligen, öden Alltagswegen zu liegen schien. Frau Malwe trank gierig diese Schönheit in sich, und ein Abglanz davon lag dann noch eine ganze Weile auf ihrem Gesicht, das sonst oft so müde aussah. Auch jetzt schob sie das letzte Wäschestück zurück, und nun stand sie auf. Schlank und hoch war ihre Gestalt, die Bewegungen voll Anmut. Und jetzt öffnete sie das Feuster, lehnte sich hinaus und sah gerade hinein in die flammende, glutrote Sonnenscheibe— „Ich bitte dich, Malwe, schließ' doch das Feuster,“ sagte Herr Eduard Herold.—„Jetzt komme ich direkt aus der Kanzlei, hoffe hier auf ein warmes Zimmer und einen heißen Kassee und finde dich wieder bei—“ „Die Jause ist fertig,“ unterbrach ihn Malwe Herold ruhig. Dann sandte sie noch einen Blick der Sonne zu, schloß das Feuster und stellte darauf das Kaffeegeschirr auf den Tisch. „Wo sind denn die Mädeln?“ fragte Eduard Herold. „Sie sind drüben bei ihren Freundinnen.“ Das kiang ganz ruhig, aber es war doch ein eigener Ton darinnen, der Herrn Herold aufblicken ließ. „Na schön,“ sagte er,„haben recht! Sollen sich unterhalten! Junge Leut': Ich geh' dann zum Kegelabend. Und was machst denn du?“ Er sah schon wieder in seine Zeitung. Eigentlich interessierte er sich recht wenig für die Antwort. Es erfolgte auch keine. Frau Malwe kannte diese Art von Gesprächen. Sie verliefen meist einseitig. Was er tat, das wußte sie auswendig. Heute war Kegelabend, morgen Tarockpartie, am Mittwoch Vereinsabend beim „Hirschen“, und so ging das weiter. Ihn befriedigte dieses Leben. Er war immer anständig zu ihr, und eigentlich durfte sie sich nicht beklagen. Freilich damals, als er so heiß um sie warb, da hatte sie von einer anderen Art des Lebens geträumt. Aber schließlich: Wer begräbt nicht ein paar Träume? Sie hatte viele Zutunftshoffnungen aufgegeben, als sie ihm, dem kleinen Beamten, folgte in die Landstadt. Ihre Stimme war außergewöhnlich schön gewesen. Sie hatte eine Bühnenlaufbahn in Aussicht. Mein Himmel! Wie lange war alles das her! Das Leben war über sie hinweggegangen und hatte sie langsam zermürbt. Nicht die großen Schmerzen. Die Alltagssorgen waren gegen sie anmarschiert. Die Kinder kamen rasch nacheinander; drei Mädchen. Und die Lasten wuchsen. Frau Malwe vergaß ihre Lieder, half tüchtig in der Wirtschaft, bügelte, stopfte und nähte. Kam oft gar nicht zu Atem vor all der kleinen Arbeit. Nur daß in ihr trotz alledem immer eine starke, heiße Sehnsucht wachblieb nach den Schönheiten des Lebens, nach Höherem, Größerem. Eduard Herold aber war ganz zufrieden mit dem, was sie bot. Er trank mit ein paar Honoratioren abends sein Bier, er vergnügte sich, so gut es ging. Immer geringer wurden seine Ansprüche, bescheidener seine Lebensforderungen. Sie aber wurde immer einsamer. Als die Kinder heranwuchsen, war es fast noch ärger. Sie gingen ihre eigensten Wege, ebenso wie der Vater. Und Malwe Herold blieb allein. Aber sie schwieg. Es klingelte, und gleich darauf öffnete die Frau Sie durchflog ihn und legte ihn stumm, einen Briej. wie überwältigt, auf den Tisch. „Na?“ fragte Herr Herold über die Zeitung hinweg. „Oukel Haus ist gestorben.“ Er erinnerte sich kaum mehr dieses entfernten Verwandten seiner Frau.„Hm,“ murmelte er wie bedauernd. Er wußte es wohl, daß Onkel Hans seine 2.— * 8 8