8 *% N 34 Donnerstag, 9. Februar 1922 55. Jahrgang Zum Geleit. So viel kann ich versichern, daß ich auch mitten im Glück in einem anhaltenden Entsagen lebe und bei aller Mühe und Arbeit sehe, daß nicht mein Wille, sondern der einer höheren Macht geschieht, deren Gedanken nicht meine Gedanien sind. Goethe. Thsenbähttersirel. Ozender! Berlin, 8. Febr. Die Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahner hat noch im Laufe der Nacht ihre Organisationen angewiesen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Auf zahlreichen Bahnhöfen haben sich bereits viele Arbeitswillige eingefunden. In Berlin hat der Vorortsverkehr zugenommen, ebenso der Fernverkehr. Die technische Nothilfe konnte bereits an verschiedenen Stellen zurückgezogen werden, da genügend Eisenbahnpersonal zur Versügung stand. Das Reichsverkehrsministerium hat gleichfalls moch in der Nacht die einzelnen Eisenbahndirektionen über die Verstänbigung mit den Eisenbahnern in Kenntnis gesetzt. Die Wirkung im Reich ist noch nicht völlig zu übersehen, doch lauten die bisher eingetroffenen Nachrichten recht günstig, so daß in allen Bezirken mit der vollen Wiederaufnahme des Eisenbahnbetriebes heute gerechnet werden kann. Arbeits Aufforderung. Berlin, 8. Febr. Die Zentrale des Deutschen Eisenbahnerverbandes hat die Anweisung an alle ihre Mitglieder erlassen, daß sie von Donnerstag nachmittag 2 Uhr jede Arbeit zu verrichten haben, die ihnen von der Verwaltung als ihren Fähigkeiten entsprechend aufgegeben wird. * Der Notbetrieb. Berlin, 8. Febr. Wie vom Reichsverkehrsministerium mitgeteilt wird, ist es durch Errichtung des Notbetriebes gelungen, in den letzten 24 Stunden in den Streilbezirken annähernd 2000 Züge zu fahrer. Allein im Ruhrkohlenbezirk wurden in den letzten 12 Stunden 124 Kohlenzüge gefahren. * Die technische Nothilfe hat narch dem Stand von heute morgen den Eisenbahndirektionen im ganzen Reiche technische Fachkräfte zur Verfügung gestellt. Führerpersonal für rund 1000 Züge, 1200 Mann Begleitpersonal und weit über 5000 Mann Personal für die Aufrechterhaltung der Betriebswerkstätten, Stellwerke, Weichenanlagen und sonstige Hilfsarbeiter. Leitung der Reichsgewerkschaft, entgegen anders lautenden Meldungen, noch nicht abgeblasen. Gegen 4 Uhr lief in der Versammlung nachstehendes Telegramm ein: An sämtliche Ortsgruppen „Die Eisenbahndirettion gibt ein Telegramm heraus, die Arbeit aufzunehmen. Angeblich soll der Bezirks=Beamtenrat wie auch die Organisationen zustimmend mitgewirkt haben. Diese Meldungen sind falsch. Wir bitten keiner anderen Meldung glauben, als der von der Reichsgewerkschaft, die bei Wiederaufnahme der Arbeit auf dem Dienstwege schnell genug berichten kann. dem Telegramm wurde dann weiter nachstehende Entschließung zur Uebermittelung an die Presse bekannt gegeben: „Die Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahnibeamten und=Anwärter hat durch Vermittelung der drei Groß=Organisationen des Direktionsbezirks Elberfeld die Eisenbahndirektion ersuche lassen, den Notstandsbetrieb durch die Organisationen aufnehmen zu lassen, um den schwer darniederliegenden Lebensmittelverkehr in größerem Umsange aufzunehmen. Die Eisenbahndirektion lehnt die Beteiligung der streikenden Reichsgewerkschaft an dieser Volksaufgabe ab, weil nach den Weisungen des Reichsverkehrsministers Groener seitens der Eisenbahndirektionen nicht verhandelt werden darf." Im weiteren Verlauf der Versammlung ergriff der Oczirksleiter Winkler vom Deutschen Eisenbahner=Verband das Wort, erinnerte daran, daß der D. E. V. den Streikenden durch seine wohlwollende Neutralität erhebliche Dienste geleistet und große Opfer gebracht habe und forderte zur Bildung einer Arbeitsgemeinschaft zwischen Eisenbahnbeamten und Arbeitern auf; man solle die ausgestreckte Bruderhmnd nicht ausschlagen. Auf die augenblickliche Lage näher eingehend, betonte er, daß von seiner Organisationsleitung die Meldung von der Beendigung des Streiks eingelaufen sei, daß er aber gleichviel die heamtete: Mitglieder seiner Organisation angewiesen habe, den Dienst nicht vor der diesbezügl. Parole der Reichsgewerkschaft wieder anzutreten. Die Handwerker der hiesigen Betriebswerkstatt seien alledings zur Beseitigung etwaiger Schäden an Betriebsmitteln aufgerufen worden. Durch die Darlegungen aller Redner, die oft von stürmischem Beifall unterbrochen wurden, zog sich wie ein roter Faden die Bekundung des festen Willens aller Kreise, Maßregelungen der Führer der gegenwärtigen Bewegung unter keinen Umständen zuzulassen. Von der Versammlung begaben sich die Eisenbahner sofort zu ihren Dienststellen, um sich zum Dienstantritt zu melden. Der Betrieb wird dann heute in vollem Umfange wieder ausgenommen. Hoffen wir, daß unser Wirtschaftsleben für die Zukunft vor ähnlichen Erschütterungen bewahrt bleibt. evorstehender Rücktritt Groeners? Die Reichsgewerkschaft hat sich mit der von der Regierung abgegebenen Erklärung über die Grundgehälter und über das Arbeitszeitgesetz einverstanden erklärt. Die letzte Differenz bestand in der Frage der Maßregelung. Die Reichsregierung forderte von der Regierung den Verzicht auf alle Maßregelungen. Hier setzte der Widerstand des Verfohrsministers Groener ein. Das Ergebnis dieser Beratung war die Forberung der Reichsgewerkschaft auf Rücktritt des Verkehrsministers Groener. * Berlin, 8. Febr. Es verlautet mit aller Bestimmtheit, daß auch der Reichspräsident Ebert erklärt habe, er könne nicht für eine Straffreiheit der streikenden Eisenbahner stimmen. * Die letzten Stunden des Streiks in der„Reichskrone" tagte gestern nachmittag eine außerordentlich zahlreich besuchte Versammlung der hiesigen Eisenbahner, in der die Herren Heinemann, Schlüter und Gorhold über die augenblickliche Lage Bericht erstatteten. Danach war bis zur Stunde der Streik von der Im überfüllten Saale des kathol. Vereinshauses fand dann gestern abend eine zweite Eisenbahnerversammlung statt, in der Zugführer Gorhold die Mitteilung machen konnte, daß der Streik von der Reichsgewerkschaft abgeblasen und daß bei der hiesigen Ortsleitung im Laufe des späteren Nachmittags folgende Telegramme eingegangen seien: „Kampf unter allen Umständen sofort abbrechen. Zeigt Macht der Gewerkschaft durch geschlossene Arbeitsaufnahme. Unterwegs befindliche Kuriere zurücksenden. Gekündigte oder entlassene Kollegen müssen sich zum Dienstantritt melden. Vereinbarungen zwischen Reichskanzler und Reichsgewerkschaft. Streikmaßnahmen sofort zurücknehmen. Gezeichnet: Menne, Tieme und Scharfschwerdt". „Nach Bekanntwerden eines von der Spitze der Reichsgewerkschaft eingegangenen Aufrufs zur Arbeit hat jeder Eisenbahnbedienstete sofort seinen Dienst und die Arbeit wieder aufzunehmen, damit der Eisenbahnbetrieb schleunigst im vollen Umfange einsetzen kann. Ich erwarte strenge gewerkschaftliche Disziplin. Ich bitte alle auffälligen Kundgebungen zu unterlassen. Gezeichnet: Möle“. Teuerung und Infolge des Zusammentreffens mehrerer Umstände war im Spätsommer des vergangenen Jahres eine Verteuerung der Lebenshaltung zu verzeichnen. Aller Wahrscheinlichkeit nach hätte sie jedoch in geregelte Bahnen sich lenken lassen, wenn nicht durch eine planmäßige TeuerungsPropaganda eine Art Teuerungs=Psychose in weite Kreise der Bevölkerung hineingetragen worden wäre, die umfangreiche Angstkäufe auslöste, dadurch die Teuerungswelle eigentlich erst recht hervorrief, die ihrerseits wieder zu einem Steigen der Index=Zahlen in weit höherem Maße führte, als es bei ruhigerem Fortgang der Dinge geschehen wäre. Die Angst vor der Teuerung wurde in erheblichem Maße die Ursache für die Teuerung selbst. Neben dieser Beobachtung hat sich in der letzten Zeit noch eine weitere machen lassen, nämlich die, daß jede Erhöhung des Lohnes, die über ein bestimmtes Maß hinaus erfolgt, letzten Endes und in schnellem Kreislauf auf die Lohnempfänge selbst trifft. Die durch Lohnerhöhungen, denen eine Mehrerzeugung nicht entspricht, entstehende Verteuerung. eines Produktes wirkt sich bei fortdauerndem Verarbeitungsprozeß immer weiter ungefähr im Quadrat der Entfernung aus. Zurzeit stehen wir mitten in dieser Entwickelung, die noch beschleunigt wird durch die trüben, vor unliegenden wirtschaftlichen u. außenpolitischen Al sichten. Anstatt aus den Fehlern der letzten Jahre zu lernen und nur Lohnforderungen aufzustellen, die den gegebenen Verhältnissen angepaßt sind, scheinen bestimmte Stellen auch jetzt wieder nur nach rein agittorischen Erwägungen handeln zu wollen. Als Mittel zum Zweck muß ihnen die auf Druck der Entente demnächst erfolgende Erhöhung der Brotpreise dienen, die nach den Berechnungen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes bei einem wöchentlichen Verbrauch von 2 Kilogramm und einem bisherigen Preis von 7,50 Mark je Brot zwar nur eine wöchentliche Mehrausgabe von 6,62 Mark bedeutet, die aber zu Lohnforderungen in einem unverhältnismäßig viel höheren Ausmaße benutzt werden soll. Diese Art Lohnpolitik kann unmöglich zu einem guten Ende führen, zumal wenn man sich vergegenwärtigt, daß wir in Zukunft nicht mehr wie bisher aus dem Bestand des Volksvermögens schöpfen können, da dieses durch Reparationsverpflichtungen an die Entente, die kommenden steuerlichen Maßnahmen usw. bei gleichzeitigem Stilllegen der Notenpresse derartig in Anspruch genommen wird, daß ein Mehr unmöglich ist. Wir müssen in bewußter Abkehr von der bisherigen Lohnpolitik dahin streben, erhöhte Lohnforderungen durch erhöhte Leistungen aufzubringen. Höhere Löhne, von denen der Lohnempfänger wirklich etwas hat, können auf die Dauer nur durch höhere Produktion aufgebracht werden. Sobald auf den Kopf der Bevölkerung ein höherer Anteil der Erzeugung kommt, wird die Jagd nach den jetzt nur in verhältnismäßig geringfügigen Mengen vorhandenen Erzeugnissen verringert; damit tritt eine Preisentlastung ganz von selbst ein. Um diesen Zeitpunkt möglichst bald herbeizuführen, muß eine vernünftige Lohnpolitik darauf Wert legen. Lohnerhöhungen mit Erhöhungen der Arbeitsleistung zu verbinden. Hier sind verschiedene Wege möglich; erinnert sei nur an die Einführung vön Mindestleistungen, von Leistungsprämien, Akkordarbeit usw. Zu verknüpfen wären damit Maßnahmen, die den wirklich bedürftigen Lohnempfärger, in erster Linie also den Familienvater, vor dem besser gestellten Arbeitskollegen, dem Ledigen, bevorzugen. Dazu gehört vor allen Dingen die Vergrößerung der Spanne des Lohnes zwischen jugendlichen und älteren Arbeitern, eine größere Unterschiedlichkeit in der Entlohnung von Gelernten und Ungelernten(die, nebenbei bemerkt, auch noch für die Erzeugung von Qualitätsarbeit von Bedeutung ist), die Einführung bezw. der Ausbau des sozialen Lohnes usw. Ob es in den heutigen Zeiten möglich sein wird, dem Standpunkt der Vernunft Geltung zu verschaffen, erscheint fraglich. Die ihn vertreten, erwerben sich aber auf jeden Fall ein außerordentliches Verdienst. Der neue Eisenbahngütertarif. Am 1. Februar ds. Is. trat ein neuer Deutscher Eisenbahn=Gütertarif in Kraft, der einschneidende Aenderungen im Güterverkehr der Reichseisenbahn bringt. Die wichtigsten Aenderungen seien nachfolgend kurz wiedergegeben: Im Wagenladungsverkehr werden die Sätze der Hauptklassen künftig nur noch bei 15 Tonnen Mindestgewicht angewendet; es entfällt daher die Kl. A Verzeichnis der Güter, für die die Dauptklussen bereits bei 10 Tonnen Mindestgebicht gewährt werden). Für 10=Tonnen=Ladunzen wird eine besondere Nebenklasse geschaffen, beren Sätze in der Mitte zwischen denen der Hauptklasse für 15 Tonnen und der bisherigen Nevenklasse zu 5 Tonnen liegt, so daß künftig zu eder Hauptklasse je eine Nebenklasse zu 10 und 5 Tonnezi vorhanden ist, wobei für die Hauptklassen D und E die Nebenklassen wie bisher gemeinsam sind. Für die Beförderung von Wagenladungsgütern in bedeckten Wagen wird künftig in allen Fällen ein Frachtzuschlag von 10 Prozent erhoben, das Verzeichnis 2 der Güter, die bisher on diesem Zuschlag befreit waren, wird daher hoben. Dieser 10prozentige Zuschlag wird nunmehr auch bei Wagenladungen aus dem Auslande berechnet. Liste der sperrigen Güter entfallen eine Anzahl von Gütern, wenn sie in zerlegtem, gepretztem und ineinandergesetzrem Zustande aufgeliefert werden. Dagegen werden mit dem Sperrigleitszuschlag neu belegt: Fahrradfelgen und Rahmen, Gießkannen und Spreu. Die Beförderungsvergünstigung für Butter und Margarine in der Zeit vom 1. April bis 30. September(eilgutmäßige Beförderung zu gutsätzen) wird aufgehoben. Die Anweisungen des Absenders bei Ablieferungshindernissen sind künftig ebenfalls gebührenpflichtig. Die Gebühren sind von 6—50 Mark festgesetzt worden. Die Frachtsätze wurden ab 1. Februar durchschnittlich um 30 Prozent erhöht, in gleicher Weise tritt dies bei den Nebengebühren ein. Hierbei werden die seit 1. Dezember 1920 eingetretenen Frachterhöhungen organisch in die Tarife eingearbeitet, dergestalt, daß eine schärfere Staffelung der Frachtsätze je nach den Tarifklassen und Entfernungen eintritt. Darüber berichteten wir bereits. Handel und Gewerbe im Monat Januar 1922. Nach den Berichten, die die preußischen Handelskammern über den Geschäftsgang von Handel und Industrie dem Handelsministerium erstattet haben, hat sich bei geringen Schwankungen ihrer Bewertung im Auslande die Entwertung der Mark im inneren Verkehr unaufhaltsam fortgesetzt. Die starke Verteuerung der Lebenshaltung, die teils schon eingetreten ist, keils nach Wegfall der Verbilligung des Brotes durch das Reich eintreten muß, die Erhöhung von Löhnen und Beamtengehältern, die Verteuerung von Post= und Frachttarifen und die Erhöhung und beschleunigte Einziehung der Steuern verhalf Mitte Januar einer Beurteilung der Lage zum Durchbruch, die im Gegensatz zu der früher weit verbreitet gewesenen Erwartung eines Preisrückganges auf fast allen Gebieten mit einem weiteren Anziehen aller Preise rechnete. Infolgedessen gaben in vielen Geschäftszweigen die Käufer die bis dahin geübte Zurückhaltung auf; in wichtigen Zweige der Me ill= und Textilindustrie gingen wieder neue Aufträge in höherem Maße ein. In anderen Zweigen läßt die Befürchtung, daß die Kaufkraft des Publikums nicht den Preisen werde folgen können, die Zurückhaltung andauern. Diese Befürchtung wird durch die jüngsten Erfahrungen des Einzelhandels begründet, der trotz großer Anstrengungen, die mit Inventarverkäufen, Weißen Wochen usw. gemacht wurden, seine Umsätze nicht entsprechend der Geldentwertung steigern konnte. Bezeichnend war für den Berichtsabschnitt ferner die Verkehrsnot. Zwar ist die Wagengestellung besser geworden. Sie war aber noch ungleich, und durch Verstopfung von Bahnhöfen, Verkehrssperren auf wichtigsten Strecken usw. litt der Verkehr nicht weniger. Teilstreiks der Eisenbahner Ende Dezember und Anfang Januar haben unverhältnismäßigen Schaden angerichtet. Wie schlimm mögen die Schäden des jetzigen Streiks erst sein. Der Schiffahrtsverkehr fiel in der zweiten hälfte gänzlich aus. Die Verkehrsnot halte triebsstillegungen zur Folge, die ihrerseits zur Nichtbelieferung von Abnehmerwerken führten und diese gleichfalls zu Betriebseinstellungen nötigten. Eine fast völlige Vorratslosigkeit, besonders in Bezug auf Kohle, gab selbst kurzfristigen Störungen große Bedeutung. mit einer Abteilung, die als oberster Verwalrungsgerichtshof für Overschlesien fungiert. Hinsichtlich der inneren Verwaltung ist bemerkenswert, daß die Einrichtung der Amtsvorsteher abgeschafft werden soll. Mehrere Gemeinden werden unter einem Distrittskommissar zusammengefaßt, der jedoch nicht gewählt, sondern vom Wojwoden ernannt wird. Bezüglich des Polizeiwesens soll Schlesien eine allgemeine Wojwod. schaftspolizei erhalten. Hingegen soll die bewährte Kommunalpolizei überall abgebaut werden. Ueber Deutschlands Einstellung zu PolnischOberschlesien kann zunächst mitgeteilt werden, daß die Reichsregierung in Kattowitz ein deutsches Konsulat errichten dürfte. Aus Stadt und Land. Die Vorbereitungen für die Uebernahme der Verwaltung. Die deutsch=polnischen Wirtschaftsverhendlungen dürften voraussichtlich Ende Februar bee det sein. Alsdann wird der Vertrag den Parlamenten zur Ratifikation vorgelegt werden. Nach Austausch der Ratifikationsurkunden beginnen dann die im Genfer Entscheid bestimmten Fristen zu laufen. Danach müssen die polnischen Behörden im Laufe eines Monats die Verwaltung des an Polen abgetretenen Gebietes übernehmen. Die Polen haben inzwischen umfangreiche Vorbezeitungen für diese Uebernahme der Verwaltung getroffen. Durch Beschluß des Warschauer Kabinetts ist in Warschau ein Departemant für oberschlesische Angelegenheiten eingerichtet worden, das in eine Abteilung für Bergbaru und eine Abteilung für Handels= und Industriefragen zerfällt. Das bisherige Oberbergamt Breslau wird durch ein Oberbergamt in Kattomin ersetzt. Ferner beabsichtigen die Polen, in Kattowitz, Königshütte, Ryhnik und Tarnowitz Bergrevierämter einzurichten. Von polnischer Seite sind umfassende Pläne in Bezug auf den Ausbau von Wasserstraßen in Vorbereitung, zu denen marn bis zu 60 v. H. ausländisches Kapital heranziehen will. Die deutsche Sozialgesetzgebung, so zum Beispiel das Betriebsrätegesetz soll im polnisch werdenden Teil Oberschlestens erhalten bleiben. Ferner ist die Gründung eines allgemeinen Krankenkassenverbandes geplant. Große Schwierigkeiten bereitet den Polen die Uebernahme der Justizverwaltung. Hier ist nämlich ein sehr fühlbarer Richtermangel zu spüren, da sich kein deutscher Richter bereit erklärt hat, weiter im abgetretenen Gebiet zu amtieren. Es sollen 60 Richter aus Kongreßvolen. 20 aus Posen und Pommerellen nach Oberschlesien versetzt werden. Im übrigen wollen die Polen das Laienelement in der Rechtspflege ausbauen. In Polnisch=Oberschlesien werden drei Landgerichte eingesetzt, ferner ein Oberlandesgericht in Kattowitz Schwerte, den 9. Februar. ** Der westfälische Arbeitsmarkt. Das anhaltende Frostwetter hat auf die Entwickelung des Arbeitsmarktes in Westfalen und Lippe stellenweise eine ungünstige Einwirkung gezeigt. Erd=, Notstands= und sonstige Außenarbeiten mußten vielfach eingestellt werden, wodurch wiederum eine große Anzahl hauptsächlich ungelernte Arbeitskräfte beschäftigungslos wurde. Auch Bauarbeiter kamen stellenweise zur Entlassung. Um die bestehende oder zu erwartende Arbeitslosigkeit im Baugewerbe während der winterlichen Jahreszeit beheben oder verhüten zu können, sind nach Genehmigung durch die zuständigen ministeriellen Stellen die bekannt gegebenen Maßnahmen in die Wege geleitet worden, daß während der Frost= und Regenperiode des Winters aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürso ge besondee Zuschüss: für Innenarbeiten an Wohn= und Bürogebäuden gewährt werden. ** Baut Wohnungen! Warum werden so wenige Wohnungen gebaut? Weil vielen die Vergünstigung, die in der Landesverordnung über Maßnahmen gegen Wohnungsmangel vom 6. Januar 1921 enthalten ist, nicht bekannt zu sein scheint.§ 27 dieser Verordnung besagt, daß die Wohnungen, die nach dem 1. Februar 1921 nen rerichtet werden, der Zwangswirtschaft nicht unterliegen, daß man über diese also frei verfügen und die Mietpreisbildung rentabel bemessen kann. Diese Vergünstigung wird, weil sie nicht besonders hervorgehoben ist und weil viele die Menge der Paragraphen von Verordnungen nicht genau durchlefen, der Oessentlichkeit zweifellos entgangen oder nicht so recht zum Bewußtsein gekommen sein. Der§ 27 der besagten Verordnung bringt über ganz wesentliche Erleichterungen für alle Baulustigen, die sich bisher durch die Zwangsbestimmungen vom Van abhalten ließen. ** Keine Verständigung! Zu der Lohnbe wegung in der märkischen Metallindustrie erfahren wir, daß die gestern nachmittag in Dortmund geführten Einigungsverhandlungen vor dem Reichs= und Staatskommissar kein Ergebnis gebracht haben. Neudruck von Germania=Marken. Die Briefmarke zu 1¼ Mark ist jetzt die meistbegehrteste. Man braucht sie vor allem zu Postkarten im Fernverkehr und zu Briefen im Ortsverkehr. An zweiter Stelle steht die zu 75 Pf. für Postkarten im Ortsverkehr. Um den Bedarf an den beiden Marken zu decken, stellt die Reichsdruckerei die beiden Marken in Bogenform bis zur Herstellung dieser Werte in den neuen Mustern noch mit dem Germaniabild auf dem neuen Wasserzeichenpapier mit dem Waffelmuster her. Aber auch diese Marken werden erst in etwa drei Wochen an die Postanstalten verschickt werden. Bei einem Mangel an den beiden Werten müssen also bis dahin die Postgebühren durch mehrere andere Werte verrechner werden. Vor allem sollen dabei die beträcht. lichen Vorräte der älteren Ausgaben verwendet werden. ** Voltshochschule. Der Raabe=Avend von Frl. Dubois findet, wie gewöhnlich, am Donnerstag Avend statt.— Herr Studienrat Frie ber ist heute, Donnerstag, wegen Erkrankung verhindert, den Lehrgang im„Deutschen" abzuhalten. ** Eine Erhöhung der Gebühren für Zeugen und Sachverständige sieht ein Gesetzentwurf betr. die Abänderung der Gebührenordnung vor, der dem Reichstag zugegangen ist. Der Entwurf sieht eine Erhöhung der Zeugengebühren auf 1 Mark bis zu 8 Mark und der Sachverständigengebühren auf 15 Mark, bei besonders schwierigen Leistungen auf 30 Mark vor. Die Kilomerergelder werden von 25 auf 50 Pfennige heraufgesetzt. Der durch Abwesenheit vom Aufenthaltsort erwachsene Aufwand wird auf 40 Mark für den Tag festgesetzt und für jedes außerhalb genommene Nachtquartier 12 Mark gezahlt. Diese beiden Sätze werden nicht erhöht. Nur sieht der Entwurf bezüglich der letzten Vergütung einen Ausnahmesatz von 20 Mark vor. Die bislang gewährten Teuerungszuschläge zu den Zeugen= und Sachverständigengebühren werden aufgehoben. In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß sich das empfiehlt, da mit einem Abbau der. Gebührensätze auf absehbare Zeit nicht zu rechnen sei. ** Oberammergauer Passionsspiele. Ueber die heute im kath. Vereinshause beginnenden Oberammergauer Passionsspiele(Leitung: Burk und Firmanns) lesen wir im„Paderborner Anzeiger“ u. a.: „Was die Direktion Firmanns u. Burk hier darbietet, darf dem Publikum zum Besuche empfohlen werden. In Würdigung der Schwierigkeiten, die hier zu bewältigen sind, darf man auch von einer reichen Ausstattung sprechen. Die Vorführungen erfolgen auf einer eigenen doppelten Festspielbühne der Münchener Firma Wiesengrund. Die Volkshallebühne erscheint erheblich erweitert. Der Aufbau der Szenerie erscheint im Stil der damaligen Zeit. Prächtig wirkt der Blick auf den Hintergrund der Bühne, der in orientalischer Farbenpracht uns Jerusalem zeigt. Die beiden Massenszenen beim Einzug Christi in Jerusalem und vor dem Hause des Pilatus sind unbedingt wirksam. Von den Bildern ist die Abendmahlsszene die künstlerisch wertvollste. Aber auch mit den übrigen Bildern legt der Spielleiter Hans Burk Ehre ein. Sie lassen durchweg, darf man sagen, weder den Ernst noch den richtigen Sinn vermissen. Unter den Darstellern und Darstellerinen befinden sich eine Reihe sehr guter historischer Treue erscheint.“— Wir machen noch darauf aufmerksam, daß es sich um kein Kino handelt, sondern daß es nur handelnde, sprechende Personen auf der 2 ühne gibt. ** Amtausch der Ueberdruckmarten. Die Umtauschfrist für die seit dem 20. Januar außer Kurs gesetzten Ueberdruckmarken zu 1,60, 3, 5 und 10 Mark, die sich noch in den Händen des Publikums befinden, ist über den 31. Januar hinaus bis Ende Februar verlängert worden. ** Eine Wirtschaftszentrale für das westdeutsche Handwerk. Die Spitzenorganisationen der gewerblichen Genossenschaften in den Bezirken der zwölf westdeutschen Handwerkskammern haben beschlossen, eine Wirtschaftszentrale für das westdeutsche Handwerk mit dem Sitz in Düsseldorf zu errichten. Hauptaufgabe der neuen Organisationen ist die Beteiligung des Handwerks an den Wiederhufbauarbeiten. ** Vortragsvereinigung. Die für heute und morgen angesetzten Schauspiele der BlachettaLeute müssen leider auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. ** Beschränkte Beitragserstattung bei Heirat. Einen Anspruch auf Erstattung der Hälfte der Beiträge zur Angestelltenversicherung haben weibliche Versicherte, wenn sie infolge ihrer Verheiratung aus der versicherungspflichtigen Beschäftigung ausscheiden. Dies gilt aber nur dann, wenn die Wartezeit abgelaufen ist. Nach einer neuen Entscheidung des Oberschiedsgerichts ist dieser Anspruch aber nicht gegeben, wenn die Ve si herte vor dem Inkrafttreten des Reichsgesetzes vom 31. Mai 1920 aus einer versicherungsfreien Beschäftigung ausgeschieden ist, weil sie die damalige Gehaltshöchstgrenze von 7000 Mark überschritten hatte. In dem betreffenden Falle waren 80 Pflichtbeiträge und zwei freiwillige bis zum März 1920 entrichtet worden. Seit dem 1. Februar 1920 hatte der Jahresarbeitsverdienst 7500 Mark betragen. Der Rentenausschuß Berlin, wie das Oberschiedsgericht wiesen den Anspruch zurück. Die Erhöhung der Gehaltsgrenze wäre erst später erfolgt, so daß sie keine Wirkung mehr auf diesen Fall gehabt hätte. Sedenket dt Pflanzt Nußbäume! Der Umstand, daß Kräfte. Der Christusdarsteller umgibt die erhabene Figur mit Hoheit und Innigkeit. In Wort und Spiel erzielt der Darsteller große Wirkung. Sehr charakteristisch wird der Judas dargestellt, in seiner Leistung von hohem dramatischem Gehalt. Die Apostel finden durchweg würdige Vertreter. Eine gute Leistung bildet der Darsteller des Kaiphas, wie überhaupt man das Spiel aller beim Hohen Rat beteiligten nur loben darf. Auch der mit gutem Temperament gegebene Pilatus hinterließ eine tiefgehende Wirkung. Von den Frauenrollen interessiert am meisten natürlich die Maria. Die Rolle lag in guter Hand und wurbe recht ergreifend vorgeführt. Auch die übrigen auftretenden Frauen wurden durchgehends wirksam ver körpert. Besondere Erwähnung verdient noch die kostümelle Ausstattung, der man nachrühmen muß, daß sie sowohl reich wie prächtig ist und auch in das Holz des Nußbaumes nicht nur für Möbelbau, sondern auch für Gewehrschäfte verwendbar ist, hat vielen Nußbäumen während des Krieges das Leben gekostet. Alle Nußbäume waren ja einsach beschlagnahmt. Es ist jetzt Zeit, die Lücken wieder auszufüllen. Wir haben Elsaß=Lohringen verloren, das uns bisher einen großen Teil unseter Nüsse und auch des Nußbaumholzes lieferte. Die Anpflanzung wird also lohnen, ganz abgesehen davon, daß der stattliche Baum das Landschaftsbild verschönert. ** Feuerlärm weckte heute früh gegen ½7 Uhr unsere Bürgerschaft aus süßem Schlummer. In einem über dem Waschraum der Gutehoffnungshütte belegenem Lagerraum war aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache Feuer ausgebrochen, welches an dort lugernden Brettern usw. reiche Nahrung fand. Von Eisenbahnern wurde das Buboder das ist gleich— beide müssen frühzeitig an die Javol-Haarpflege gewöhnt werden. Die regelmäßige Anwendung von Javol läßt es garnicht erst zur □ Bibung von Schuppen und Schinnen kommen, das Haar wied und viecht sedaimech.## schön, vonl, dustig und locker. Javol In in allen Alpothe.— ken, Drogerien, Parfümerien und bei den Friseuren zu haben. Martin Salander. Roman von Gottfried Keller. 18)(Nachdruck verboten). Aber wiederholt unterbrach er sein Vespermahl. Wie kann das Weib sich herausnehmen, ihn kurzweg mit Wohlwend anzureden, ohne Herr, und ihn zu ihrzen, wie einen Knecht oder Lumpensammler! Am meisten beschäftigte ihn das mit den Kindern. Hatte er denn etwas Unsittliches gesagt, was sie nicht hören durften? Gar nicht! Er hatte eher schöne, erhebende Worte gesprochen, wenn sie auch nicht bare Münze waren. Hätte doch Salander geschimpft, dem würde er den Rechtsstandpunkt erläutert haben; aber er hit weislich geschwiegen. Wohlwends Idylle war durch die Frau entschieden gestört, und er packtc zusammen, doch schlug er einen anderen Weg ein, als die SalanderLeute gegangen. Diese stiegen wieder in die Höhe und sprachen einige Minuten nichts, bis Martin über die kurze =Rede seiner Frau lachen mußte. „Du hast ihn scharf behandelt!“ sagte er zu ihr,„wie zum Teufel gerätst du auf den Einfall, per Wohlwend und per Ihr mit ihm zu reden.“ „Ich denke, man spricht so nett den Sträflingen in den Zuchthäusern; in meinen Augen ist er aber nichts Besseres!“ Sie schien indessen durch den Vorfall ein tlein igenig erheitert zu sein; auch Martin lachte aber mals, als er bedachte, wie schluru der Konkursit die Kaffeehäuser vermied, um tief im Walde seinen Meister zu finden. Nuh einigem Schweigen, die Frau Raum bekam, ihm zur Seite zu gehen, ergriff er wieder das Wort. „Ich weiß nicht, ich schwanke doch zuweilen, ob er nicht eher ein Narr sei, als ein schlechter Mensch; freilich ein gefährlicher Narr!" Frau Marie antwortete nur mit einem leichten Seufzer, womit sie die weitere Untersuchung abschnitt. Die Kinder schwärmten links und rechts im Gehölze, die Eheleute aber schritten jetzt längere Zeit schweigend nebeneinander. Martin bemerkte endlich einen mehr auf die Höhe führenden Weg.„Hier geht es, wenn ich mich nicht irre, auf einen guten Aussichtspunkt. Magst du noch so weit gehen, so können wir statt in dem Loch unten, wo uns der Unhold störte, oben unter dem offenen Himmel ausruhen, so sehe ich zugleich ein Stück meines Landes.“ „Gern geh' ich hinauf; es kann nicht mehr weit sein, wie waren früher ju ein paarmal dort!“ Sie erreichten eine Hochstelle, vor welcher das östlich und nördlich gelegene Land sich wirklich weithin ausbreitete und in den Schmelz des schönen Ferneblaus verlor. Unter einer Gruppe hoher Tansienbäume nahm eine Ruhebank sie auf, und sogleich suchten die Augen zwischen den sanft hinziehenden Erhebungen und dazwischen sich schmiegenden Gefilden ihre Heimatgegenden, und sie glaubten an sonnigem Hange eine Kirche oder ein Schulhaus weiß aufschimmernd zu sehen. Salender rief die Kinder herbei und zeigte ihnen das Land. Ich habe gelesen, daß in den letzten Jahren in der Schule eine Art Heimatkunde eingeführt irorden; wie steht es damit? Was liegt dorthin für ein Landesteil?" Sie wußten noch nichts; nur das ältere Mädchen nannte das nächste, worin sie wohnten, den Bezirk Münsterburg, und wußte auch, daß er zwölf solcher Bezirke gebe. „Gut! Diese nannte man früher Oberämter, noch früher Vogteien, ehemals Herrschaften und Grtfschaften“, eine solche umriß er, mit dem Zeigefinger einen bedeutenden Teil des Horizonts entlang fahrend. Die geschichtlichen Erinnerungen wachten auf und schlossen sich aneinander, bis die Gegenwart daraus hervorgging, und alles schien ihm das sichtbare Land noch mehr zu verklären. „Die neue Welt jenseits des Meeres“, sagte er zur Frau, nachdem die Kinder wieder weggesprungen,„ist wohl schön und lustig für Menschen ausgelebter und ausgehoffter Länder. Alles wird von vorn angefangen, die Leute sind sich gleichgültig, nur das Abenteuer des Werdens hält sie zusammen; denn sie haben keine gemeinsame Vergangenheit und keine Gräber der Vorfahren. Solange ich aber das Ganze unserer Volksentwickelung auf dem alten Boden haben kann, wo meine Sprache seit fünfzehnhundert Jahren erschallt, will ich dazu gehören, wenn ich es irgend machen kann! Ich ginge doch ungern wieder fort!" „Um Himmels willen, wie kommst du darauf?“ rief Marie Salander erschreckt. „Ich meine nur so eben darum!“ versetzte er möglichst gleichmütig, um zu verbergen, daß er just eine erste Andeutung des Entschlusses gewagt hatte, der in ihm aufdämmerte, ehe der Abend des zweiten Tages seiner Heimkehr da war. Wochen auf Wochen vergingen, ohne daß Wohl wends Prozeß einen Schritt vorwärts rückte; er wußte große und kleine Gläubiger so zu bereden und zu verwirren, daß sie nicht schlüssig werden konnten. und schon war anzunehmen, daß dus Jahr ohne Entscheidung ablaufen werde. Von alledem war Salander mit seiner Anweisung ausgeschlossen, welche amzuertennen Wohlwend sich beharrlich weigerte. Es ging allerdings aus seinen Büchern hervor, daß er mit der Atlantischen Uferbank in Verkehr gestanden und von Zeit zu Zeit Wertsendungen in Wechseln erhalten, die er stets weiter begeben haben wollte. Aus Rio. de Janeiro war, wie die Sachen dort standen, zur Zeit kein Aufschluß erhältlich, und in Münsterburg weigerte sich nicht nur Wohlwend, sondern auch die Masse, Salanders Ansprüche zuzulassen. Sein Anwalt glaubte, er würde am besten tun, die Reise nach Brasilien rasch nochmals zu unternehmen, um selbst an Ort und Stelle das Mögliche zu veranlassen, wobei ja die Kosten nicht im Verhältnisse zu dem großen Verluste ständen und durch gelegentliches Geschäft mehr als eingebracht werden könnten. Diese Andeutungen reichten hin, den schon erwachten Gedanken festzumachen, das Glück aufs neue zu versuchen. Wenn er von dem Vermögensreste, der ihm geblieben, das Gut seiner Frau ausschied und sicherstellte, so konnte er mit dem übrigen und beim jetzigen Stande des Handelsverkehrs wohl wagen, die kürzlich abgebrochenen Verbindungen wieder aufzunehment. Er getraute sich, das Verlorene in weit kürzerer Zeit einzubringen und überdies der Familie ihren regelmäßigen Unterhalt zukommen zu lassen. Also bereitete er im stillen alles vor, erhielt auch von verschiedenen Häusern sogleich nützliche Anerbietungen, mietete für Frau und Kinder, oder eigentlich für sich selbst mit eine bescheidene aber anständige Wohnung und machte sich schließlich darran, der guten Marie die Sachlage zu eröffnen. Feuer zuerst bem sowie die Feuern tigt, welche dem inzwischen bereits weise zerstört hat die später bena Schwerte auf der fahr beseitigt. ** Villigst, Der von der Fra der Krantenpfleg 8 Uhr beim Wirt Land, wo häuf nicht zu haben ist Wichtigkeit. Wie Verletzten durch werden. Es so kein junges Mäd entgehen lassen. richtet, daß er zu endet ist. Zum vier und Bleisti ** Hennen, buben. In d einem hiesigen Stalle gestohler buben dabei wa Hofe stehenden von dem durch ten Landwirt Pferdeliebhaber schleunigst das der Dunkelheit bis jetzt nicht er ** Höchsten, bruch wurde mann Overkam erbeuteten Sei Waren in grof des Diebstahls aus Barmen a tet, der dort E Strafkammer, antworten hat Diebstahl und gegen ihn erka ist der Angekl gehen 15 mal auf eine Gefä beantragt war strafen 2 Jah 703 (Fortsetzung folgt). Dortmund, einem Hofe a frau Antonie trümmerung Verdacht, die ist der Ehem Dortmund brecher hal allen Geschäf und unmögli macht. Nach scheiden wu Brückstraße tionswaren Vom Klosett rohre, aus! der Lünener Hohestraße Anzüge, 10 Einem aus Schlachthof bewahrter V Auch der öst heimgesucht Verschiedene wendet. Hagen, untreun auf dem H gekommen. darnnter e teten haben Reiches wi Verdienst u draht nach verschoben. der Staat Mark. 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Die ing von rst zur und 98 sings aus seinen tlantischen Uferon Zeit zu Zeit lten, die er stets lus Rio. de Jatanden, zur Zeit in Münsterburg , s o n d e r n a u c h zuzulassen. se am besten tun, chmals zu unterelle das Mögliche en nicht im Vere ständen und r als eingebracht in, den schon erdas Glück aufs dem Vermögensseiner Frau auser mit dem übriHandelsverkehrs srochenen Verbinir getraute sich, Zeit einzubringen en regelmäßigen alles vor, erhielt sogleich nützliche und Kinder, oder e bescheidene aber hte sich schließlich hlage zu eröffnen. ertsetzung folgt). us e Feuer zuerst bemerkt und die Wertsangehörigen sowie die Feuerwehr des Nickelweries venachri: tigt, welche dem verherenden Element, welches inzwischen bereits das Dach des Geväudes teilweise zerstört hatte, mächtig zu Leive ging. Als die später benachrichtigte Freiwillige Feuerwehr Schwerte auf der Brinndstätte eintraf, war die Gefahr beseitigt. ** Villigst, 8. Febr. Krankenpflege. Der von der Frauenhilfe veranstaltete Kursus in der Krantenpflege soll heute Abend pünttlich um 8 Uhr beim Wirt Grave beginnen. Gerade fürs Land, wo häufig im Augenblick ärztliche Hilfe nicht zu haben ist, ist solch ein Kursus von geoßer Wichtigkeit. Wie oft dann da einem Kranken oder Verletzten durch verständige Handgriffe geholfen werden. Es sollte sich deshalb keine Frau und kein junges Mädchen diese Gelegenheit, zu lernen, entgehen lassen. Der Kursus wird so eingerichtet, daß er zu Beginn der Frühjahrsarbeit beendet ist. Zum Aufzeichnen von Notizen ist Pavier und Bleistift mitzubringen. ** Hennen, 8. Febr. Ueberraschte Spitzbuben. In der Nacht zum Montag wurde einem hiesigen Landwirt ein Pferd aus dem Stalle gestohlen. Gerade als die beiden Spitzbuben dabei waren, das Tier in einen auf dem Hofe stehenden Wagen einzuspannen, wurden sie von dem durch das entstandene Geräusch erwachten Landwirt überrascht, worauf die beiden Pferdeliebhaber ihre Beute im Stich ließen und schleunigst das Weite suchten. Leider sind sie in der Dunkelheit unerkannt entkommen und auch bis jetzt nicht ermittelt worden. ** Höchsten, 8. Febr. Ein schwerer Einbruch wurde Mitte Dezember bei dem Kaufmann Overkamp hierselbst verübt. Die Einbrecher erbeuteten Seife, Margarine, Fette und andere Waren in großen Mengen. Unter dem Verdacht des Diebstahls wurde der Steindrucker Paulsdorf aus Barmen auf dem Bahnhof Westhofen verhaftet, der dort Seife verkaufte. Vor der Hagener Strafkammer, vor der er sich vorgestern zu verantworten hatte, bestritt er seine Teilnahme am Diebstahl und konnte deshalb nur wegen Hehlerei gegen ihn erkannt werden. Trotz seiner 32 Jahre ist der Angeklagte bereits wegen ähnlicher Vergehen 15 mal vorbestraft; jetzt wurde gegen ihn auf eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten erkannt, beantragt waren in Anbetracht seiner vielen Vorstrafen 2 Jahre Gefängnis. den Provinzen. trag von mehreren tausend Mark einzahlen wollte, drängte sich plötzlich heran, entriß dem Jungen das Geld und flüchtete. Die Verfolgung wurde sofort ausgenommen und in wilder Jagd ging es die Mülheimer Straße hinauf, wo der Geldräuber einem Polizeibeamten in die Arme lief. Unterwegs hatte er das Geld weggeworfen. Köln, 8. Febr. Aus großer Zeit. Dieser Tage ist der 84 Jahre alte Gottfried Gut gestorben. Der letzte von den drei Patrouillereitern, die am 24. Juli 1870 den Grafen Zeppelin auf seinem berühmten Aufklärungsritt nach Frank. reich begleitet hatten. Köln, 8. Febr. Eigenartige Zustände in den Kölner Kaffees beleuchtete eine Verhandlung vor der hiesigen Wucherstrafkammer. Von diesem Gericht wurde heute der Inhaber des Kafsees Agrippina, Paul Maybaum, zu 25000 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er Reste aus den Kas feekännchen zusammenschütten ließ, um sie teils zur Fabrikation von Mokka zu benutzen, teils um sie aufgekocht den Gästen erneut als frischen Kassee vorzusetzen. Mit Schokolade und Milch wurde in gleicher Weise verfahren. Der Inhaber des haftet worden. Alle waren schwer bewaffnet, doch konnten sie ohne Blutvergießen festgenommen werden. Ein neuer Putschplan der Kommunisten. Magdeburg, 8. Febr. Die„Magdeburgische Zeitung“ meldet dazu: Bei der in Halle verhafteten Räuberbande fand man Organisationspläne für einen neuen mitteldeutschen Putsch in aller Ausführlichkeit und anderes Geheimmaterial, das auf neue Putschabsichten der Kommunisten hinweist. Eine Fabrik abgebrannt. Culbe(Saale), 8. Febr. In der Nacht zum Samstag wurde hier eine große Seisensabrik vom Großfeuer heimgesucht. Das Unternehmen war in kurzer Zeit zerstört. Der Schaden beträgt mehrere Millionen Mark. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Welte Kafsees„Dreikorn", der als Sachverständiger verin allen Kafnommen wurde, erklärte, daß dies fees üblich sei“. Düren, 8. Febr. Großes EisenbahnUnglück. Am 7. Februar, nachmittags 1 Uhr 42 Minuten, fuhr der von Neuß kommende Personenzug 208 auf dem Bahnhof Düren aus noch nicht aufgeklärter Ursache über das Haltesignal und eine Drehscheibe hinaus in das Empfangsgebäude. Infolge des Anpralles schoben sich zwei Wagen ineinander. Hierbei wurden 4 Personen tödlich, 5 schwer und 83 leicht verletzt. Die Toten und Verletzten waren durch schnelles Eingreifen des Bahn= und Sanitätspersonals, sowie der Aerzte um 4 Uhr bereits geborgen. Koblenz, 8. Febr. Unbefriedigte Neugierde. In der„Kobl. Volksztg.“ lesen wir: Kommt dieser Tage ein Schüler einer hiesigen Lehranstalt mit einem Pack Bücher unter dem Arm über die Schloßstraße. Ein fein gekleideter Herr redet ihn an und fragt, welche Anstalt#er besuche. Als der Schüler die Frage beantwortet, wird er weiter gefragt: Was lernt ihr dort im Geschichtsunterricht? Da wird es dem Schüler zu bunt und er gibt prompt zur Antwort: Ich habe keine Zeit, mich mit Ihnen zu unterhalten, sondern muß nach Hause. Was der neugierige Herr wohl gewollt haben mag? Plettenberg, 7. Febr. Furchtbare Tat. Zwischen den Eisenbahnstationen Lenhausen und Plettenberg wurde ein neugeborenes Kind aus dem Zuge geworfen. Es wurde auf der hiesigen Station abgeliefert. Das Kind, männlichen Geschlechts, war bereits tot. Wahrscheinlich aber ist es lebend aus dem Zuge geworfen worden. Gaspari bleibt im Amt. Rom, 7. Febr. Papst Pins der Elfte hat den Kardinalstaatssekretär des verstorbenen Papstes, Gaspari, in seinem Amte bestätigt. Die Krönung Pius des Elften in der Pelerskirche ist für den nächsten Sonntag in Aussicht genommen. Die römischen Blätter stimmen darin überein, daß der Tag, an dem ein Papst zum erstenmale seit 1846 den Segen wieder von der äußeren Loggia erteilte, historisch sei. Ein eigenartiger Verbrecher treibt augenblicklich in Paris sein Unwesen. Er hat es gewöhnlich auf die kostbaren Pelze der Damen abgesehen. In gasiz kurzer Zeit sind über 800 Anzeigen bei der Pariser Polizei eingelausen, wonach auf der Straße Mäntel und Pelze von Damen mit Vitriol oder einer anderen scharfen Säure bespritzt und so ruiniert worden sind. Bisher ist es noch nicht gelungen, den Mann zu ei wischen, da er seinem„Sport“ nur im dichtesten Gedränge nachgeht, und seine Opfer erst geraume Zeit später merken, was ihnen geschehen ist. England und die Flucht Dittmars. Dortmund, 8. Febr. Gattenmord. In einem Hofe an der Uhlandstraße wurde die Ehefrau Antonie Böse mit einer schweren Schädelzertrümmerung als Leiche ausgesunden. Unter dem Verdacht, die Frau ums Leben gebracht zu haben, ist der Ehemann verhaftet worden. Dortmund 8. Febr. Die Diebe und Einbrecher haben gegenwärtig Hochkonsunktur. In allen Geschäften der Stadt, an allen möglichen und unmöglichen Oertlichteiten wird Beute macht. Nach Zertrümmerung zweier Schaufensterscheiben wurden einer Konfektionsfirma in der Brückstraße für mehrere tausend Mark Konfektionswaren gestohlen. Weiter wurde entwendet: Vom Klosett einer Wirtschaft am Burgwall Bleirohre, aus dem Keller eines Gemüsehändlers in der Lünenerstraße mehrere Kisten Butter, auf der Hohestraße ein Fuhrwerk, in der Heiligegartenstr. Anzüge, Ueberzieher, Schuhe, Strümpfe usw. Einem auswärtigen Händler wurde auf Schlachthof ein in einem verschlossenen Raum aufbewahrter Betrag von zirka 40000 Mark gestohlen. Auch der östliche Stadtteil wurde von Einbrechern heimgesucht und Lebensmittel u. a. gestohlen. Verschiedenen Personen wurde ihre Barschaft entwendet. Hagen, 8. Febr. Umfangreichen Be untreuungen ist die hiesige Kriminalpolizei auf dem Hagener Telegraphenamt auf die Spur gekommen. Bisher wurden 13 Personen verhaftet, darunter ein Telegraphenbauführer. Die Verhafteten haben mit Leitungsdraht, der Eigentum des Reiches war, Privatleitungen gelegt und den Verdienst unter sich geteilt. Ferner wurde Kupfer draht nach Berlin, ja sogar nach dem Ausland verschoben. Bisher beträgt die Summe, um die der Staat betrogen wurde, 150000 bis 200.000 Mark. Die Untersuchung geht weiter, so daß noch weitere Verhaftungen bevorstehen. Die Betrügereien sollen seit Jahren betrieben worden sein. Witten, 8. Febr. Explosion. Auf dem Alexanderwerk(Fabrik für Schneidemaschinen) eplodierte Mittwoch morgen gegen ¼10 Uhr ein Trockenofen mit solcher Wucht, daß er vollständig zertrümmert wurde, eine Wand umdrückte und viele Fensterscheiben zerstörte. Ein junges Mäd chen kam zu Fall und wurde zum Teil von einem Wagen bedeckt. Mehrere Arbeiter erhielten Verletzungen, die sofort durch den herbeigeholten Arzt verbunden wurden. Todesfälle sind glücklicher weise nicht zu beklagen. Duisburg, 8. Febr. Einen verwegenen Geldetub verübtr ein wohnungssloser Arbeite: auf dem Postamt 2 in Durisburg. Er beobmnchtete, sose ein junger Mann für seine Firma einen### Aus dem Reich. Spaltung der Kommunisten in Bayern. München, 8. Febr. Die Spaltung der Kommunisten in Bayern ist vollzogen. Auf der einen Seite stehen der kommunistische Abgeordnete Graf nit 19 Abgeordneten, auf der anderen Seite die beiden zugereisten Kommunisten Kumroto und Rowaro Preußischer Landtag. Berlin, 8. Febr. Der preußische Landtag wird seine Vollsitzungen erst am Dienstag nächster Woche wieder aufnehmen. Die Zwischenzeit wird mit Sitzungen des Hauptausschusses ausgefüllt. werden. Reichspräsident Ebert feierte am Samstag seinen 51. Geburtstag. Aus diesem Anlaß fand abends beim Präsidenten in kleinem Kreise eine Feier statt. Raubmord in einem Landhause am Ammersee. Augsburg, 7. Febr. In der Nacht zum Montag wurde ein Raubmord in St. George bei Diessen am Ammersee verübt. Der Oberamtsrichter a. D. Lübbert, der dort seit 15 Jahren wohnt, und seine Haushälterin Schiller wurden in der Villa von Räubern überfallen und mit scharfen Instrumenten ermordet. Das Landhaus ist zum Teil geplündert und an drei Stellen angesteckt, um die Spur zu verwischen. Eine Reihe von Zimmern ist vollständig ausgebrannt. Der neue brannschweigische Landtag. Braunschweig, 7. Febr. Der neugewählte Landtag wählle in seiner heutigen ersten Sitzung zum 1. Präsidenten den Abg. Wessel(Landeswahlverband), zum 2. Präsidenten den Abg. Wefemeyer(Unabh.) und zum 3. don Abg. Jasper (Mehrheitssoz.) Dann vertagte sich der Landtag auf 8 Tage. Glückwunsch zur Papstwahl. Berlin, 8. Febr. Der deutsche Botschafter beim Vatikan, Herr von Bergen, ist beauftragt worden, dem Papst Pius der Elfte anläßlich seiner Wahl die Glückwünsche des Reichspräsidenten und der Reichsregierung auszusprechen. Ein Rüuberhauptmann verhaftet. Halle(Sanle), 8. Febr. Der langgesuchte Führer einer Bande, welche seit Juhresfrist in verschiedenen Orten Deutschlands Raubüberfälle auf Gruben und Spaerkassen und am 18. Ottoder vorigen Jahres den Nussenraub auf Zeche wine“ bei Brockdorf ausführte, der Monteut Plaettner, ist hier mit fünf Spiedgrsellen ber Der englische Botschafter hat die Reichsregierung um Auskunft über die Flucht des Oberleutnants z. S. Dittmar ersucht. Der Reichsjustizminister hat sich mit der preußischen Regierung in Verbindung gesetzt, um die notwendigen Unterlagen über die Flucht Dittmars zu erhalten. Von Dittmar fehlt bis jetzt jede Spur. Ein deutsches Lehrerseminar in Dänemark. In Kopenhagen soll nach einer dänischen Meldung ein deutsches Lehrerseminar gegründet werden für diejenigen Lehrkräfte, die an den deutschen Schulen in Nordschleswig unterrichten sollen. Die deutschen Lehrer sollen zunächst ein dänisches Seminar durchmachen und ihre Ausbildung dann an der neuen deutschen Lehranstalt vollenden. Die Ueberführung Shackletons nach England. Uruguaysche Soldaten werden, wie aus Monte video gemeldet wird, die Totenwache an der Bahre des verstorbenen Polarforschers Shackleton über nehmen. Die Ueberführung der Leiche nach Eng land erfolgt am 11. Februar in Vord des Damrfers„Andes". Die Shackleton=Expedition wird am 16. Februar wieder nach dem Süden abgehen. Russische Zustände schildert ein Einwohner von Petersburg, der kürz lich an seine in Niedercunnersdorf bei Chemnitz lebende Schwester einen Brief richtete, der 10.00 Rubel Porto kostete. Der Briefschreiber ist ein kleiner Beamter, der monatlich 50000 Rubel Einkommen bezieht, eine Summe, bei der er mit Frau angesichts der folgenden Preise sast verhungern muß, denn ein Pfund(das sind 400 Gr.) Brot kostet 6500, ein Pfund Vutter 65000, ein Pfund Salz 4000, ein Pfund Zucker 85 bis= 100000, ein Pfund Schweinefleisch 25.000, ein Pfund Roggen mehl 8000, ein Pfund Weizenmehl 22.000, ein Anzug 3 bis 6 Millionen Rubel. wichtige Interessen nach Dresden rufen.„Das Eisenbahnbillet kostet ja heute ohnehin bald ebensoviel“, nickt zustimmend ein anderer. Die meisten Reisenden äußern sich gar nicht. Sie sind in der gottergebenen Stimmung, mit der man heute alle Forderungen über sich ergehen läßt. Auf dem Verdeck der deuen Diligenee wird das Gepäck verstaut. Der Chauffeur setzt sich auf seinem Platz zurecht, dann geht's los in rasselndem Trott durch das verschneite Berlin zum Halleschen Tor hinaus auf Zossen und Elsterwalde zu. Wenn die Reisenden in der Laune wären, könnten sie, ihre geleerten Brieftaschen fühlend, das alte Lied im Wechselgesang anstimmen:„O, welche Lust, gewährt dar Streiken!" te Drat Eigener Depeschendienst. Der amer ianische Botschafter fie Deutschland. Tl Amsterdam, 9. Februar. Einem Reuteraus Washington zufolge hat Präsident Harding dies Ernennung Houghtons zum schafter für Deutschland vollzogen. Der Nord=Ostsee Kanal geschlossen. TU Hamburg, 9. Febr. Der Nord=Ostsee=Kanal ist wegen großer Eisschwierigkeiten geschlossen worden. Hungerstreik in Thüringen. TU Jena, 9. Febr. Wie die kommunistische „Neue Zeitung“ meldet, sind in Thüringen die olitischen Gesangenen in den Hungerstreik getreten. Eine Erklärung Lloyd Georges. Paris, 9. Febr. In einer Erklärung im britischen Unterhause betonte Lloyd George, daß das Fortbestehen des englisch=französischen Bündnisses von England an die Bedingung geknüpft werde, daß die Franzosen ihre Rheinpolitik fallen ließen. Scharfschwert entlassen? TU Berlin, 9. Febr. Wie wir zuverlässig erfahren, hat sich der Führer des Altionsausschusses der Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahner, Scharfschwert, gestern früh zum Dienstantritt im Reichsverkehrsministerium gemeldet. Dort wurde sein Dienstantritt nicht angenommen. Ihm wurde mitgeteilt, daß er sich als sofort entlassen zu bettachtern habe. Das Betreten ist verboten! Warnungstafeln mit dieser Inschrift sieht man häufig in öffentlichen Anlagen, in Schonungen, an Fabrikgebäuden usw. Wer Besitzer einer Anzahl wohlentwickelter Hühneraugen ist, sollte eine solche Inschrift auch an seinen Stiefelspitzen anbringen lassen. Das würde erstens sehr originell aussehen und ihn zweitens oft davor bewahren, ächzend und augenrollend auf einem Beine zu hopsen, wenn das beste Hühnerauge des anderen wieder einmal einen Tritt abgekriegt hat. Wer es aber noch gescheiter machen will, der enkferne seine Hühneraugen mit dem bekannten, in den meisten Apotheken und Drogerien käuflichen vorzüglichen Hühneraugenmittel Kukriol. Das ist viel besser, als das Schneiden, welches oft die Ursache zu gefährlichen Blutvergiftungen gewesen ist. war wieder da! Ein Bild aus den Berliner Streiktagen vom Februar 1922 bringt die„Köln. Ztg.“: Vor dem verlassenen Anhalter Bahnhof steht im tiesen Schnee die gelbe Postkutsche, die nach Dresden fährt. Mit der Eisenbahn ist es nichts mehr, wir müssen also auf andère Weise zu helfen suchen. Und da hat die sächsische Post die Kraftwagenve bindung nach Dresden eingerichtet.„Denn selbstverständlich ist unsere streikbrechende Postkutsch kein mit vier Pferden bespannter Wagen mehr, sondern ein großer, moderner Kraftwagen. Aber im übrigen ähnelt er an Größe und Farbe wieder den alten Diligenzen, wie sie vor hundert Jahren üblich waren. Man erwartet jeden Augenblick, daß der mit Schnüren geschmückte Schwager auf den Kutschbock steigt, und das Posthorn blasend, zum Städtle hinausfährt. Der moderne Chausfeut, der den Kraftwagen führt, denkt aber nicht an solche Romantik. Er kassiert ein, das ist ihm viel wichtiger. Fünfhundert Mark für die Fahrt nach Dresden— die Hundertmartscheine fliege nur so in die große Brieftasche, die er in seine lederne Joppe steckt. Die verfrorenen Reisenden, die aus den leeren Wartesälen kommen, wo sie vegredens Auskunft heischend, herumlungeen, haben es satt, sictz in Berlin zwesklos herumzutreiben Das Dutzend Sitze im Innern des Waagens ist bald besetzt.„Auf die paar Blauen kommrs nun nuch nicht an!“ dent ert Mats Seichtschpion den Girkiker Gorseklarft vom 8 Februar 1922 vom Barmer Bank=Verein, Schwerte 5% Deutsche Reichsanleihe....... 77½ Barmer Bank=Verein. Deusche Bank............... Diskonto Dresdner Bank...........16 Hamb.=Amer.=Pak Allgem. Elektr.=Ges........... z68 Baroper Walzwerk............ Bochumer Guß... Bösperde Walzwerk Daimler Moloren Deutsch=Luxemburg Deutsche Kaliwerke.... Oynamit................. 75 Elberf Farbw. 6 Essener Sleinkohlen Gelsenkirch Bergw Gasmot. Deuß..............61 Harpener Bergw. Hasper Eisen.............. 1900 Hoesch............ Humboldt ukasch........... 646 Mannesmann............... Oberschles. Eisenb.-Bed. 1010 Orenstein& Koppel............ Bergbau............. 90 Reisholz Pap. Rhein. Stahlwerke............ 1137 Kombacher............ huod eEgingen...... 368 Siegen=Soungen Ver. Dt. Nickelwerke... Westf. Draht=Ind. Welti. Esen, Langendrer.. „iesecbenr ermnnüih ertfichr für soiales und Previnzielles: Friedrich 96n achign eenhene Aiose 19ZZ “ U m f o r m e n v o n D a m e n s t r o b h ü t e n Gestern abend gegen 7½ Uhr entschlief, fanft nach##2.8. S 444 ##ld ertran kurzem, mit Geduld ertragenem Leiden, unser lieber Vater, Großvater, Bruder, Schwager, Onkel und Vetter K in eigener Strobhut= u. Kilzhutfabrik Feinste Verarbeitung. die neuesten Musterformen sind fertiggestellt. Karl Steinweg Emma Steinweg verw. Bucker vermählte. Schwerte, den 9. Februar 1922. im Alter von beinahe 82 Jahren. Tiebetrübt zeigt dies an 703 im Namen der trauernden Hinterbliebenen:## Familse Friedrich Tillmann. Steinberg, Erasse, Schwerte, Holzen und Hagen, den 8 Feinuar 1332. 663 Herren=Filzhute in kürzester Zeit A. Kaufhold Ww., Damenputz Stroh= und Filzhutfabrik. Neufabrikation. Teleson 139 und 133. F FA ESS 4 Sn Wr sch# Die Beerdigung sindet 1922. nachmittags 4 Uhr vom Sonnabend, den 11. Jebrar### 000004444 4et Sterbehause, Steinbern R 37, 1922, nachmuttags 4 Uhr oom Sterbehause, Steinbern B 37, N aus 211.— Solie senand aus Versetzen keine Nadtch. # 3 4 e r h a t t e n h a b e n, s o v i e n e g i e s e a l s s o l c h e.— B# F r a m s p e n d e n # weie mavz, einem Wianictze des Verstortenen genih, Aahen# an eec Mrann r W W An # Sch ree d Sue r Sae e!„ Stat jseder besonderen Auzeige.## att Papie scmat den billigab Dienstag abend entschlief sanst und„nnant den nach kurzem, schwerem Leider,## Fr. Brunkeil& Co. meie liede Mutter, Schwiegermutter, Gres ### mutter, Schwester. Schwägerin und Tante. ## die Ehestau 80 Bahnhofstraße 10. e gsat e shie erieen Silhonerlem orriare erie Max Mehlhofe. 4 Fluschen ä 6r hlfthen anohein Soilen 1 VA. 1-48 FD II Preis: Das Paket Mk. 4.— Kraumendabt, M onmmmsmm! Cinsaches 7021 # im 78. Lebenssahre. 2 gnr Zm Namen der trauernden Hinterbliebenen: Samite Witzeln dutzne. Schwerte, den 7. Februar 4 Die Beeldigung findet am Samstag # den 11. Februar 1922, nachm. 3 Uhr vom Trauerhause Hagener Straße 5t aus statt# Seihilihzi zas euichihalhelseels Albsthistaisliglh häilnh.eu. Aaldlsk Mihtil möbl. dimmer mit Pension z# vermieten.— Zu erragen in der Geschältsnelle dieser Zeitung. PIE M S Gott dem Allmächtigen hat es gefallen. #m Mittwoch morgen 4 Uhr unsere liebe ### Nauer, Schwiegermutter, Großmutter, # Schwester, Schwägerin und Tame Frau Ww. Schmiedemeister 88 S Tauenhärse Bilg, ipflege=Kursag Beginn: Heute, Donnere tag. punkt 8 Uhr, bei Wirt Grave. 695 ! Art Oberamme. #-— Babnion Cart Raum Gertrud geb Grundmann ## nach kurzem, schmesem Leigen, versehen mit den hl. Sterbesakramenten, im 78. Lehene##ahre zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um Kille Teilnahme bitten: 1 die trouernden Hintrblicbenen. „Schwerte. Geisecke, Bochum, #eiselvorn, Lütgende tmund, d 8 Febr 1922. die Beerdigung sinder am Sonnlag, # dens 12. Zehruar, nachmittags 20 Uhr, vom ######erbehause aus nach dem Friedhof Sümerie statt 700 2. Faorsar bis elgssnl. 10 Fenruar 182 S#ss Kathol. Vereinshaus Schwerte Täglich ½4 Uhr und 8 Uhr Kein Kine, keine Lichtbilder, alles leberd, sprechend Preise der Plätze: 15, 12, 10 und 7 Mark 5 Sol aschoche anständiges, sauberes Mörgen mädchen FFrau Sastwictsremme 594 Teichstraße 5. Auf dem Wege von Ergste bis Berchum am Dienslag, den 7 Februar eine blaue Trockenes 635 Brennholz klein geschnitten, vorrätig E. Homel, Schwerte. VVI 1c vermindere ich die Kosten## B L(itori F7 10 fü. Schuhreparaturon 8 S 9 Wilerst, gende an 95 Rrbeits-Pferd zu verkaufen August Baaß, Mützle Gut Baum — K S8 b 4 Reiche Auswahl von den einfachsten dis zu den seinstn Lederbänden. Buichandung (Schabracke) verloren gegangen. 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Fit 2 oin vu; in Sueuo, ug; gaust iu tungen Zigen an uns vorüder. Rickt soien bsdurch ale Wanden wicder busen—. 163 eboche Teritna, be; de Buniu, beug en onun, n nge, sagr dahem sesolen helen duch de Gepishsen: usote Taen ind uicht orgesen und werden uiche vredt uic: us vgede bchte e eun, gsähge e iun aug in diesf asen wrden. Wenn an uns teiner miche vernt=isbtechr Bids weter bet Kudund Klndestud. 8 en un de Aür Sunse nr ie Jusdten lulen, Nur au. Aun. Bns u ue 1 eianrudeu. Bunen. geusn un aunenr achanan uihe brtinlten. uumn Damit isg seder wrauernden Famise und Angehbigen uusur griallenemn Söhne sowie au., Verinen und Schulen Gelegenzeit gegeben, unsen schiafenden Heiden ein#8 dauerndes Ehrenmal in ihrer Mitte zu setzen. Kinder und Kindeskinder wollen's lesen und werden gern darnach greifen. Da nur eine kleine Auflage vorgesehen, werden Bestellungen schon jetzt angenommen. Verlagsbuchhandlung Carl Braus, Schwerte(Kuhr), Große Marktstraße 3-5 Mg7 8 am 5 a Fge 5 8 523 * S. S 95 S S 05 9 S 553 SPSTEE S S8SSSSE S 3197 " a0•29 S SSTTSSS S 9 2 Mögen sie Ihnen gut schmacken. Das wünscht Ihr bestens grüßender Brandt.“ Als der Kanzleirat das Kistchen bekam, geriet er in helle Freude. „Sieh doch nur, Malchen,“ rief er begeistert,„diese Liebenswürdigkeit von dem Assessor! Darauf kann ich doch wirklich stolz sein, nicht?“ Die einfache, kleine Frau kam neugierig heran und beschaute die Herrlichkeit mit staunenden Augen. „Jede ist einzeln eingewickelt und hat sogar noch ein Bändchen,“ sagte sie ehrfurchtsvoll. „Ja, es scheint was Feines zu sein,“ meinte er, „na, der Herr Assessor raucht übrigens auch nichts Schlechtes.“ Schluß folgt.) 61 a # escübetrchenn selbst kommt. Diese Behandlung öfters wiederholt, kräftigt Brauen und Wimpern. Gegen Hühneraugen ist ein sehr gutes Mittel ein in Terpentin getauchter Lappen, den man abends und morgens um die Zehe wickelt, an der sich das Hühnerauge befindet. Dies Mittel schafft sofort Erleichterung, und nach wenigen Tagen wird das Hühnerauge ganz verschwunden sein. Alte wollene Bettdecken, die dünn und schadhaft sind, können noch benutzt werden, wenn man zwei oder drei aufeinandersteppt und mit irgendeinem hübschen bunten Kattun oder Satin überzieht. Damit sie nicht verrutschen, befestigt man sie in bestimmten Zwischenräumen mit Stichen, ähnlich wie Matratzen. Auf diese Weise erhält man eine hübsche Steppdecke, die noch lange Dienste tut. Straußfedern, die vom Regen beschädigt worden sind, streut man reichlich mit Salz ein und schüttelt sie dann vor dem Feuer, bis sie wieder trocken geworden sind; sie werden dann wieder so gut wie neu aussehen. von Lattra Uincent. Helle Glacéhandschuhe, wenn sie nicht gar zu schmutzig sind, lassen sich leicht mit Milch reinigen. Man talicht ein Flauelläppchen in die Flüssigkeit, zieht den Handschuh über die Hand und reibt ihn recht gleichmäßig vom Handgelenk nach den Fingerspitzen zu ab. Milch greift die Farben nicht an, und hat auch nicht den unangenehmen Geruch wie Benzin. Silberplattierte Gegenstände, bei denen die Versilberung angegriffen ist, lassen sich auf folgende Weise wieder wie neu herstellen. Man kauft für 20 Pf. Quecksilber und für 10 Pf. Schlämmkreide und mischt daraus mit kaltem Wasser einen Brei, den man mittels eines Stückchen weichen Leders auf den Gegenstand aufträgt und so lange einreibt, bis die Flecken verschwinden. Dann poliert man mit einem reinen, weichen Leder nach. Dies muß jede Woche wiederholt werden. Natürlich kann diese Behandlung nicht bei solchen Gegenständen angewandt werden, die mit Essen in Berührung kommen, wie Lössel, Gabeln u. dgl., da Quecksilber bekanntlich giftig ist. Beim Kochen von Stärke werse man, solange sie noch heiß ist, ein Stückchen Alaun hinein und rühre so lange um, bis sich dies ganz ausgelöst hat. Für ein Liter Stärke genügt ein Stückchen von der Größe des kleinen Fingers. Ist die Stärke so präpariert, so klebt das Eisen nicht, und die gestärkten Gegenstände bleiben länger rein, da der Alann sie gewissermaßen undurchlässig macht, so daß man einen Flecken sortwischen kann, ehe er in den Stoff einringen kann. Stockflecken in Wäsche lassen sich auf folgende Weise entfernen. Man vermische eine kleine Menge Schmierseife mit ebensoviel Stärkemehl und Salz, sowie dem Saft einer Zitrone. Diese Mischung trägt man mit einem Pinsel auf beiden Seiten des Stoffes auf den Flecken auf und läßt dann, wenn möglich, das betreffende Wäschestück 24 Stunden aus dem Rasen liegen. Wenn die Flecken ganz verschwunden sind, wasche man es in der gewöhnlichen Weise. Dünne Augenwimpern und=brauen behandelt man am besten mit Lanolin. Man nimmt etwas auf den Finger, und nachdem man die Brauen damit bestrichen, schließt man die Augen und reibt die Ränder der Augenlider vorsichtig ein, so daß nichts von dem Fett in die Augen senkspruch. Die Welt wird alt und wieder jung, Doch der Mensch hoftt immer Verbeilerung. Die Hof nung führt ihn ins Leben ein, Sie umflauett den kröhlichen Knaben. Den Jüngling locket ihr Zauberschein, Sie wird mi dem Greis nicht begraben. Denn beschließt er am Grabe den mücken Lauf, noch am Glabe pflanzt er die Ho fnung auf. Schiller. 3 Se Das Reim=Lexikon. Das Pariser CarnavaletMuseum wurde kürzlich um ein merkwürdiges Stück bereichert: um das Reim=Lexikon, dessen Francois Coppée sich bediente. Der phantasievolle Dichter hätte es wohl nicht nötig gehabt, seine Zuflucht zu dieser Krücke junger Dichterlinge zu nehmen; als ihn ein Freund eines Tages in seinem Heim in der Rue Oudinot besuchte, sah er auf dem Arbeitstische Coppées das Reimlexikon von Landais liegen. Die abgegriffenen Seiten zeigten, daß der Dichter es sehr gründlich zu benutzen pflegte.„Aber nein,“ meinte der Besucher verblüfft:„Sie benutzen also das Reimlerikon? Ich hätte gedacht, daß nur kleine Coupletdichter zu solchen Mitteln greifen.“ Doch Francois Coppée, der in reichem Maße den Reiz der Bescheidenheit besaß, antwortete lächelnd: „Nun, auch ich bin doch nur ein Coupletmacher, ein armseliger Verseschmied, dem bisweilen die Reime fehlen. Dann schlage ich mein kosibares Dictionnaire auf und finde dann den Rebellen, der sich wider meine Einbildungskraft gesträubt hat. Das ist das ganze Geheimnis meines Berufes.“ Und lachend fügte er hinzu:„Verraten Sie nur den Lesern meinen„Trick“ nicht. Sie glauben am Ende, ein Reimlexikon genügt, um Dichter zu werden.“ . „— Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General=Anzeiger für den Kreis Hörde Haupt-Annoncenblatt. Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 34 Donnerstag, den 9. Jebrnuar 1922 fur faticher Flfter. Noman von Max Esch. (1o Fortsetzung.) Nachdruck verbeten.) „Es ist gut,“ wehrte Amanda den Redefluß ab. „Lassen Sie mich jetzt allein, Berta.“ Nachdem das Mädchen sich entfernt, ließ Amanda sich auf einen Stuhl fallen. Sie mußte das Gehörte erst überdenken. Zum ersten Male erschien ihr Verlobter in einem anderen Lichte. Ein fremder, nicht vermuteter Grundton hatte das Bild, das sie in ihrem Innern trug, entstellt. Er hatte sich also nicht gescheut, sich mit einem leichtfertigen Mädchen einzulassen. Hinab stürzte der geliebte Mann von dem hohen Piedestal, auf das sie ihn gestellt. Vor ihr stand sein Bild, allen Glanzes entkleidet. Eisersüchtig wallte es in dem jungen Mädchen auf. Es war der erste Wermuttropfen, der in den überschäumenden Freudenbecher fiel. Amanda wollte ihn fragen und ihn zur Rede stellen; denn sie war nicht geneigt, die Nachfolgerin jenes Mädchens zu werden. Wie ihre ganze reine Liebe dem Verlobten gehörte, so verlangte sie auch von ihm, daß er nur an sie denke. Heftig begann Amanda zu schluchzen, fühlte sie sich doch in ihren heiligsten Gefühlen verletzt. Erst nach geraumer Zeit beruhigte sie sich so weit, daß sie wieder klare Gedanken fassen konnte. Sie schalt sich töricht, daß sie, auf vagen Dienstbotenklatich hin, an der Treue ihres Verlobten zweifeln wollte. Nein, ihr Fritz stand viel zu hoch, als daß ihn die Verleumdung treffenskonnte. Es war die erste Prüfung, die ihr das Schicksal auferlegte, und sie war nahe daran, der Versuchung zu unterliegen. War das das Vertrauen, daß sie dem Verlobten schuldete, daß sie blindlings dem dummen Gerede Glauben schenkte, das sich die Dienstboten gegenseitig zuraunten? Fort mit solchen Gedanken, die ihrer nicht würdig waren. An des geliebten Mannes Worten dürfte sie nicht zweifeln. Ihr gehörte seine Liebe, um die sie verzweifelt ringen würde, wenn jenes Weib nach ihrem Besitze ihre unreinen Hände ausstrecken würde. Dann aber bäumte sich Amandas ganzer Stolz. Nein, mit einem Dienstboten um die Liebe ihres Fritz zu ringen, ging nicht an. Wenn ihr Verlobter sich in der Tat so weit vergessen konnte, jenem Mädchen auch jetzt noch seine Huld zuzuwenden, dann verdiente er gründliche Verachtung. „Aber ich liebe ihn doch schrecklich,“ schluchzte sie wiederum auf,„und werde ihn nie vergessen, sondern unglücklich werden. O Fritz,“ sie hob die gefalteten Hände zu dem auf dem Tische in einem prachtvollen Rahmen stehenden Bilde des Verlobten empor,„tue mir das nicht an,“ flehend stieß sie die Worte hervor, indes ihre Augen die freundlichen, ach so bekannten Züge des Bildnisses Linie für Linie zu studieren schienen. Als ob das Bild ei, oße Beruhigung auf die Aufgeregte auszuüben in. e war, hörten die Tränen auf. Wie aus einem beangstigenden Traume erwachend, erhob sich das junge Mädchen. Jeder Zweifel schien ihm plötzlich genommen zu sein. Hoffnungsfroh rief es aus:„Nein, nein, Fritz, deine Augen lügen nicht. Mein bist du, und ich bin dein. Wir beide gehören zueinander. Verzeihe mir, du Lieber, daß ich an dir zweifeln konnte.“ Hastig erhob sich Amanda und verwischte ihre Tränenspuren, die Zeugen des eben überstandenen Seelenkampfes. Obgleich die Augenlider noch immer gerötet waren, blickten die Augen doch wieder in alter Klarheit, als sie in den zu ihren Zimmern gehörenden Salon ging, um dem Strauße ihres Fritz die schönsten Orchideen zu entnehmen und an ihrem Kleide zu befestigen. „Die prachtvollen Blumen sind eigentlich zu schade, daß sie nun so bald verwelken, aber mein Fritz soll doch sehen, daß er mir mit seiner Gabe eine große Freude bereitet hat,“ murmelte sie vor sich hin. Sie horchte auf; denn sie vernahm Räderrollen. Es war das Fuhrwerk, in dem die Baronin mit ihrer Mutter die regelmäßige Vormittags=Spazierfahrt unternommen, die nun beendet war. Amanda ging kurze Zeit später in den gemeinsamen Wohnraum hinüber, die zulünftige Schwiegermama und die Mama zu begrüßen.„ Beide Damen saßen vereits plauderno im Zimmer. „Guten Morgen, kleine Langschläferin," erwiderte gut gelaunt die Baronin den Gruß des eintretenden jungen Mädchens, ihm die Hand reichend, die Amanda ergriff und an ihre Lippen führte. Mutter und Tochter hatten sich bereits begrüßt. Prüsend betrachtete die Baronin die zukünftige Schwiegertochter.„Kind, du siehst sehr bleich aus, deine Augenlider sind sogar gerbiet, als häuest du geweint, fuhlst du dich nicht wohl,“ fragte die alte Dame besorgt. Auch der Mutter war das veränderte Aussehen der Tochter ausgefallen, sie beruhigte sich indes, als Amanda der Baronin antwortete:„Mir fehlt absolut nichts, Mamachen, ich hatte nur etwas Kopfschmierz. Nun ist mir wieder ganz wohl.“ „Du solltest mehr in die frische Luft gehen," bemerkte Frau Faber,„besonders die Morgenstunden im Walde und auf den Feldern sind herrlich.“ -Wenn du es willst. Kind. nimm doch an unseren * GEERSSSSE 5 102 * S „aEEE S 8— S #* 5 S SE EE # E SET St 9 S 8 5 S 8 * 5* 6— S# S•5 * E" * E 8 2# * 5 2 5 5 E 6 E 8 ** 2 5 * 2 Ausfahrten teil,“ schlug die Baronin vor.„ „Sehr gern, Mamachen,“ entgegnete Amanva. „Das heißt, wenn ich euch nicht unbequem bin. „Aber welch Gedanke, Kind," beeilte sich die Baronin zu versichern.„Diesen Vorschlag wollte ich dir schon lange machen, befürchtete aber, daß wir alten Frauen, deren Interessensphäre doch so ganz anders ist, wie die eines jungen Mädchens, dir keine zusagende Gesellschaft sein könnten. Nun, heute wirst du und Fritz ja unter gleichgesinnten, jungen Leuten weilen, wenn ihr Porstens einen Besuch abstattet. Du wirst liebe, wenn auch einfache Leute antreffen. Der Sohn ist mit Fritz gleichaltrig, und die Tochter dürfte in deinem Alter sein. „Auf diese Fahrt habe ich mich bereits gefreut, befürchte aber, daß sie Fritz sehr ungelegen kommt, so daß er wieder die Nacht zur Bewältigung seiner Arbeit zu Hilfe nehmen muß,“ entgegnete Amanda. Keine Sorge, mein Herzensschatz,“ erschallte von der Tür die Stimme ihres Verlobten, der die letzten Worte vernommen hatte.„Guten Morgen, meine Damen," begrüßte er dann die Anwesenden,„darf man nähertreten oder wird großer Kriegsrat gehalten, von dessen Beschlüssen die feindliche Partei keine Kenntnis io„uten Morgen,“ schallte es ihm im Dreiklang „Du Spötter,“ neckte die Baronin,„als ob du dich abweisen lassen würdest, deiner Braut den Morgen„Ganz richtig, bestes aller Mamachen, antwortete gutgelannt der Sohn, auf Amanda zuschreitend. Nur einen einzigen Büick warf das junge Mädchen in strahlenden Augen ihres Fritz, dann jubelte es in ihr, zeigte ihr doch das, was es darin gelesen, daß er ihr gehörte, ihr eigen war. Amanda ging ihm entgegen und reichte ihm ihre Hand zur Begrüßung, die er Herzensschatz, hast du gut geschlafen?“ fragte er. „Sehr gut, mein Fritz,“ antwortete sie.„Aber du, Fritz, bist heute bereits mit dem Frühesten ausgewesen. Ich habe deine Stimme gehört. Meinetwegen hast du sogar das Gewächshaus plündern lassen.„Und wenn Sie alle Orchideen abschneiden müßten, den Strauß muß ich haben“, sagtest du zum Gärtner und bestandest aus deinen Willen. Aber der Mann halte recht, als er daß die Biumen zum Abschneiden zu sch sind sie in der Tat.“ dich ist mir das Beste noch lange nicht gut in Liebling,“ wehrte der Baron ab. Während inder nahmen die beiden Mütter in dort liegenden Journalen blätternd. Braut nach deren Lieblingsplatz am dir sagte, seien. Das „Für genug, mei der Begrüf die Lehne ihres Stuhls, so daß sein Gesicht ihrem Antlitz nahe kam. Ich habe dir noch nicht einmal für den wunderbaren Strauß danken können, Fritz, den du mir heute früh sandtest. Was ich hiermit nachhole,“ stattete Amanda dem Btäutigam ihren Dank ab, ihm in die treuen Augen bückend. g„ „Nicht der Rede wert, Liedung.“ Das Gespräch wandte sich jetzt allgemeineren Themen zu, an deren Diskussion sich auch die beiden Mütter beteiligten, bis der Diener meldete, daß das Frühstück Nach dem Mahle mußte sich der Baron von den Damen verabschieden, da er ausi, Fesg, geiten wolte. Pfeifend ritt er dahin. Er wo wie ausgewechselt, kaum kannte er sich selbst wieder, auch seine Wortkargheit hatte er abgestreift. Er, der sonst schweigsam dagesessen und die übrigen erzählen ließ, entwickelte sich zu einem lebhaften Causeur. Das nahm er oftmals die Nächte zur Erledigung der schriftlichen Arbeiten zu Hilfe. Jetzt indes, da er die dringendsten Arbeiten bewältigt und reinen Tisch gemacht, blieb ihm mehr freie Zeit, sich seiner Braut zu widmen. Er fühlte es, daß er ihr größere Geselligkeit bieten müsse, denn bisher war sie außer auf den nötigen Anstandsvisiten in der Nachbarschaft von Wossin nicht fortgekommen. Der Trauer wegen waren bisher fast alle Einladungen, die von benachbarten Grundbesitzern einliefen, dankend abgelehnt worden. Es war ihm sehr lieb gewesen, daß er einen schicklichen Grund zur Ablehnung hatte, wollte er sein Glück und den Anblick seiner Braut doch ganz allein haben. Eifersüchtig hutete er seinen Schatz vor fremden Darüber, daß er diesen Egoismus nicht weiter treiben durfte, war er sich indes vollkommen klar. Er hatte kein Recht dazu, der zukünftigen Lebensgefährtin die Geselligkeit zu verkümmern. Schon heute wollte er beginnen, das Versäumte nachzuholen und den lange versprochenen Besuch der Familie des Amtsrats von Porsten mit seiner Braut gemeinsam unternehmen. Mit dem jungen Porsten war er von Kindheit an befreundet, und in der Tochter würde Amanda eine gleichgestimmte Seele finden. Seine Gedanken weilten heute nicht bei der Sache, als er bei den Beamten hier und da Fragen stellte. Er hörte nur mit halbem Ohre hin. Sie weilten bei dem heißgeliebten Mädel auf Wossin. Ja, sein Glück wäre ein grenzenloses gewesen, wenn sich nicht zuweilen leise Gewissensbisse eingestellt hätten, ob er recht gehandelt, es dem jüngeren Bruder zu entführen. Wo der Bruder jetzt wohl weilen mochte,ig,## waren seine Gedanken auf Wossin gerichtet, nahl den kleinsten Teil davon zog Amanda Faber auf sich. Es war gut, daß der Bruder entsagte; denn ohne Amanda konnte sich Fritz das Leben gar nicht mehr denken. Vor unendlichem Weh würde er kreuzunglükcklich geworden sein, wenn das geliebte Mädchen dem Bruver die Hand zum Lebensbunde gereicht hätte. Nein, es war doch gut für ihn, daß Feodor in echt brüderlicher Liebe das schwere Opfer der Entsagung auf sich genommen. Niemals würde er dem Bruder das verSein, Fritz, Leben wäre ein verfehltes gewesen, wenn er hätte jetzt, nachdem er erkannt, welch ein Juwel er in seiner Braut besaß, entsagen müssen. Das Leben ohne die Heißgeliebte kam ihm nur noch nichtig vor. Nachdem Gott Amor ihm die Augen geöffnet, wußte er ja überhaupt erst, ngs es hieß, ein über alles geliebtes Wesen sein eigen zu nennen, das im Gleichklang der Herzen seine Gefühle erwiderte. Rosig und frisch wie eine Blume trat ihm bald nach Tisch Amanda in eleganter Besuchstoilette entgegen, als er sie zu der geplanten Fahrt abholen wollte. Er traf die Geliebte allein im Salon an. Schnell schloß der Baron die Tür, an der er, sich an der Schönheit des sich ihm bietenden lieblichen Bildes weidend, einen Augenblick stehen blieb, bewundernd das junge Mädchen mit seinen Blicken streifend.„Wie schön du bist, du Einzige und Herrliche!“ rief er aus, auf das junge Mädchen zueilend, es dann in seine Arme ziehend und küssend. Beseligt lag Amanda mit geschlossenen Augen in den Armen des Verlobten, seine heißen Küsse erwidernd. Ein Wonnerausch war über sie gekommen. Das war das Glück. Soust befreite sie sich nach einiger Zeit aus der Umschlingung, um ihre etwas in Unordnung geratene Irisur wieder auszustecken. Jetzt meldete der Diener das Vorfahren des Wagens. (Fortsetzung folgt.) *) 5 G S SE S S5 G 5— * S S E„ 6 G 65 S 8 * L S 2. *S. 5 S*"EPES E EFBSLLSE EgETT **— F 50 SSTPESE S 55 8 55 E P 2 E 15 B 8. S SSET 8 2.— #EEE E 5 E 2 5 Der gute Ton. Eine kn#ge kleine Geschichte, die sich nach dem Bericht einer englischen Leitschrift vor kurzem in Amerika zutrug, hat sich ein#dmiral der amerikanischen Marine gestattet. „Während seiner Abwesenheit sprach bei ihm ein sehr korrekter europäischer Diplomat, der streng auf Formen hielt, vor, traf den Admiral nicht zu Hause und ließ seine Karte zurück. In der Ecke der Karte prangten die Buchstaben e. p. Als der Diolomat ein paar Tage später den Admiral zufalng trifft, fragt er während des Gespräches:„Ich hoffe, Sie haben neulich meine Karte bekommen?"„Ja, ich habe sie bekommen,“ erklärt der in Fragen der Etikette nicht sehr beschlagene Seebär,„aber à propos, was soll das eigentlich bedeuten, diese beiden Buchstaben: e. p.?“„Nun natürlich „en personne",“ erklärt mit überlegener Nachsicht der mat;„Sie haben wohl gar nicht gewußt, daß ich die Karte persönlich bei Ihnen abgegeben habe?" Der Admiral nickte, dankte für die Aufklärung, man wechselte noch ein paar höfliche Worte und verabschiedete sich. Als ein paar Tage später der Diplomat von einem Morgenritt nach Hause zurückkehrt, übergibt eman ihm die Karte des Admirals. Der Kenner des guten Tones schüttelte ein wenig verblüfft den Kopf: die Karte trägt in der unteren Ecke die rätselhafte kurze Inschrift: s. b. u. Lange grübelt der Diplomat, was das wohl heißen könnte, aber alle seine Kenntnisse der Etikette lassen ihn hier im Stich. Als er ein paar Tage später den Admiral wieder trifft, dankt er für den Besuch und bittet zugleich um gütige Aufklärung, was die Buchstaben s. b. u. zu bedeuten hätten. Der Admiral lächelt über legen und erklärt dann freundlich dem Herrn Diplomaten: „Nun ja, a. b. s., sent by nigger, durch einen Neger geschickt.“ Wer zuletzt lacht. Eine lustige Geschichte von B. Paul. (Nachdruck verboten.) Der Kommerzienrat Ebel, Inhaber der großen Zigarrenfabrik und-handlung Ebel und Knopf, rief seinen ersten Geschäftsführer ins Privatkontor. „Mein lieber Spiekermann,“ begann der alte Herr, „ich sehe da eben die Proben der aus der Fabrik neu eingegangenen Marken durch, und da finde ich, daß die neue Marke„Proserpina“ hervorragend gut ausgefallen ist. Was ist denn da drinnen? Wissen Sie es genau?“„ 64, P.skiseinlgg E. bewiß, Herr Kommerzienrat! Brasileinlage, Sumatraumschlag und Havannadeckblatt.“ „So, so. Und wie soll sie in den Handel kommen?“ „Engros fünfundvierzig Mark pro Mille und Ladenpreis acht Mark pro Hundert.“ Der alte Herr neigte den Kopf bedächtig hin und her und besah die Probezigarre unausgesetzt. Endlich sagte er fest und bestimmt:„Das ist zu billig, mann, viel zu billig, die sieht nach mehr aus; ich will Ihnen etwas sagen— wir lassen sie in Stanniol wickeln, geben ihr eine Leibbinde, lassen die Parkung elegant ausstatten und stellen sie als Geschenkzigarre mit fünfzehn Mark pro Hundert aus.“ „Gewiß, Herr Kommerzienrat, wie Sie befehlen,“ entgegnete der Geschäftsführer, der wohl wußte, daß sein Chef keinen Widerspruch duldete. Tage späler stand in dem Hauptgeschäst der Zirma die ganze Auslage voll mit der neuen Geschenkzigarre„Proserpina“, die als außerordentlich preiswert engepriesen war. W. M. 8. Nachmittags ging der Wirtliche Geyeinee negierungsrat, Vortragender Rat des Ministers, Doktor von Lassen, an der reich dekorierten Auslage vorüber und sah die vornehm ausgestattete Zigarre. trifft sich ja prächtig,“ dachte er,„damit könnte ich Lehfeld eine kleine Freude bereiten. Kleine Aufmerksamkeiten der Art wirken stets vortrefflich— überdies bin ich ihm eine Anerkennung schuldig für die tadellose Ausarbeitung meines letzten Vortrages, der Exzellenz so gut gefallen hat.“ So ging er hinein und erstand eine Kiste der„Proserpina“ für fünfzehn Mark, die er dann mit einigen liebenswürdigen Begleitworten an seinen Nächstuntergebenen, den Geheimen Regierungscat Dokior Lehfeld, sandte.„ Der Geheime Rezierungsrat ist äußerst begluckt über die Huld seines Herrn Chefs und dankt in einem verbindlichen Schreiben. er dann die in Stanniol gewickelten Zigarren mit der vielversprechenden Leibbinde ansieht, überkommt ihn ein tieses Bedauern; denn er selbst ist kein Raucher, und so hat er also rein gar keine Freude an dem „Ah,; denkt er plötzlich,„damit kaunst du ja dem Braumann eine kleine Ueberzaschung machen— überdies bist du ihm sowieso noch Dank schuldig für die brillante Vorarbeit zu dem letzten Vortrag, der dem Chef so gut gefallen hat.“ Also packte er das Kistchen sein sauber ein und sandte es mit den besten Empfehlungen an Herrn Regierungsrat Braumann.„„ 6. Als bei dem das Geschen ankam, naym es seine Gattin in Empfang und ließ eine„schöne Empfehlung“ an den Herrn Geheimrat sagen. Als sie aber mit ihrem Mann allein war, warf sie das Kistchen auf den Tisch und meinte:„Na, der hätte dir auch was anderes schicken können, als die hen,“ beschwichtigte der stille Mann seine resolute Frau,„sprich doch nicht so laut, er ist doch mein Vorgesetzter.“ „Ausgerechnot Zigarren," tobte Madame weiter, als ob du nicht schon übergeung zusammenpafftest! Alle Gardinen riechen nach Tabak, und die Wäscherin hat jedesmal ihre liebe Not, den Geruch herauszukriegen.“ „Aber, Frau, ich bitt' dich, hör' nur auf. Ich will ja die neuen Zigarren gar nicht selber rauchen; ich werde sie dem Assessor Brandt schicken, der mir neulich das Material zu dem Vortrag so gesichtet hat.“ Dagegen konnte nun Madame nichts einwenden, und so wurden die Zigarren mit bestem Gruß an den herrn Assessor geschickt.„ uan Ee=kuns Herr Assessor Brandt, ein Mann von junjunddreißig Jahren, ist Junggeselle, leidlich wohlhabend und nebenbei ein leidenschaftlicher Rancher. Als er das Kistchen von seinem Vorgesetzten bekam, wickelte er es bedächtig auf. und besah die so elegant ausgestatteten Zigarren sehr aufmerksam und ens habe ich gegen geschenkte Zigarren stets ein Mißtrauen, dachte er, und besonders gegen solche in Stanniol und Leibbinde. Und deshalb werde ich mich wohl hüten, mir an diesen Giftstengeln den Geschmack zu verderben! Lächelnd nahm er das Kistchen, packte es sauber in einen neuen Bogen, adressierte es an Herrn Kanzlei= rat Wolter und schrieb dazu auf eine Visitenkarten „Mein werter Herr Kanzleirat! Sie waren so freundlich, mir zu der letzten Arbeit für unseren Herrn Regierungsrat das Material zu beschaffen; gestatten Sie mir, daß ich Ihnen als kleine Gegenleistung für die gehabte Mühe hier ein Kistchen guter Zi#####n sende.