Die„Schwerlei Jellung“ erschein Riglich außer Feiertugs. Bezugspreis monatlich 14.— 0., bei des Pos 14.— M., odne Bestellgeld. Anzeigenpreise: Die 1 mnn hohe. 35 mm Treite Jeie 80 entsptechenbe. Aachlgt u. Tarif. Jeder Ravatt gilt als Kassenrabatt und e# scht bei Konnursen, svergleichen gerid süchen Klagen u. Nchtder nemachtengsbedingunge Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung Schwerter Oolksblatt Westhofener Zeitung Aplerdecker Zeitung Langscheder Zeiting Holzwickeder Zeitung Amtliches Kreisblalt für den Kreis börde. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schuerte: Zeitung" gew'hri 1d en v2nnenten füt jeden mit Tok er denden Unsall amas eren Ne. 500) Mark Unfas. Blagungen Druck u. Ver ag v Cari Braus, Shweite Ruhr) Ferasorech= Anschluß Nummer 6. Telegramm= Adresse: Braus, Sczwerte(Nu r. v., che Kk: Dortmund 2802, Hannover 21.74. Nr. 33 Mittwoch, 8. Februar 1922 SS. Zum Geleit. Ehre dem Volke, das nicht an sich verzweifelt und darum in redlicher Arbeit das Recht auf sein Dasein beweist und durchsetzt. Einhart(H. Claß). Unsere Kolonien. Durch das Versailler Diktat sind unsere ehemaligen Kolonien unter die Mandatherrschaft der sich fühlenden„Sieger“ gestellt worden mit der Begründung: Deutschland habe sich unfähig und unwürdig gezeigt, Kolonien zu verwalten. In die Vormundschaft teilen sich England, Frankreich, Belgien und Japan. Das von Deutschland in harter Pionierarbeit Geschaffene ist zerstört. Außer Deutsch=Südwest=Afrika sind die Deutschen überall vertrieben. Kultur und Wirtschaft stagnieren völlig. Ostafrikas Bevölkerungsziffer ist von 6000 auf 2200 zurückgegangen. Die Agaven=, Kautschuk=, Baumwoll= und Kaffeepflanzungen sind verfallen, viele Eisenbahnstationen geschlossen. Trotzdem der Verdienst der Eingeborenen bedeutend zurückgegangen, müssen sie Steuern in früherer Höhe zahlen. Schulen, Missionen, Einrichtungen zur Seuchenbekämpfung (Malaria und Schlafkrankheit beim Menschen, Tsetsekrankheit bei den Tieren) sind vernichtet. Nach amtlichen Berichten Englands fehlt es an Aerzten und Veterinären. Gegenüber der früheren Sicherheit im Lande ist z. B. die Karawanenstraße von Tabora zum Viktoriasee berüchtigt wegen der vielen Ueberfälle. In Kamerun und Togo ist es nicht besser. Auf dem im Oktober 1920 ln London abgehaltenen National=Kongreß von Britisch=Westafrika brachte ein Neger die umsichgreifende Unzufriedenheit der Bewohner von Togo zum Ausdruck. In Kamerun herrscht Aerztemangel. Es wird nicht geimpft und die Pocken breiten sich aus. Der Handel stockt, die Kaufleute sind vertrieben. In beiden Kolonien ist die Dienstpflicht eingeführt.(Im besetzten Gebiet sind schon von den Franzosen ausgehobene Kamerurer Neger). Trotz dieser erhöhten Lasten, die die Eingeborenen zu tragen haben, tut Frankreich wenig für sie. Einige französische Schulen sind zwar eingerichtet. Aber die Missionsschulen dürfen nu in französischer, nicht in der Eingeborenensprache lehren. Das bedeutet für die Eingeborenen eine ungeheure Schwierigkeit, überhaupt etwas zu lernen. Trotzdem in Südwestafrika die Deutschen nicht vertrieben worden sind, ist die Lage infolge der Weltkrise und der üblen Verwaltungsmethode schlecht. Die Diamantengewinnung im Süden liegt still. Den in Südwest noch ansässigen Deutschen geistige Nahrung zu vermitteln und ihre Verbindung mit dem Mutterlande aufrecht zu erhalten, ist Hauptaufgabe des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft. Auf Samoa, das unter der Herrschaft der Neuseeländer steht, konnte sich infolge Nachlässigkeit der Verwaltung die Grippe so ausbreiten, daß ein Viertel der Bevölkerung starb. Pflanzungen, die vor dem Kriege 30 Prozent Dividende abwarfen, bringen nichts mehr ein. Die Koprogewinnung ist gewaltig zurückgegangen. Beschwerden der Eingeborenen gegen die Regierung sind häufig. Von Deutsch=Neugninea haben wir weniger Nachrichten, da die Eingevorenen nicht lesen und schreiben können. Umso lauter klingen die Klagen der vertriebenen Deutschen. Trotz gegenteiliger Versicherung ist ihnen der vatbesitz genommen worden. Die Wirtschaft geht auch hier rapide abwärts. Auch in Kiantschon sind die Deutschen vertrieben. Japan richtet dort eine koloniale Wirtschaft unter Ausschluß von Europäern ein. Die Gründe für diesen Rückgang des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens in allen unseren früheren Kolonien liegen unter anderem neben der Unfähigkeit erfahrener Mandate(Neuseeland und Australien) vor allem darin, daß England und Frankreich, mit Kolonien übersättigt, nicht die erforderlichen Kräfte an Europäern für die Verwaltung hat. Als in der französischen Kammer die französische Kolonialpolitik besprochen wurde, rügte die„Humanitee“ scharf die vielen Mißstände, die immer vertuscht würden. Wir schließen diese Ausführungen: Nur wenn Deutschland wieder eintritt in koloniale Tätigkeit, ist eine Besserung der Zustände möglich. Des gesamten Volkes Wille aber müsse die Bestrebungen der Vereinigungen unterstützen, die für Deutschlands koloniale Betätigung sich einsetzen. Dann wird nicht nur Deutschland, sondern der ganzen Welt gedient. Englands Borge um Indien und Kgupten. Der im Weltkrieg unter deutscher Mitwirkung unternommene Vorstoß gegen Aegypten und Indien, diese beiden Eckpfeiler britischer Weltmacht am indischen Ozean, ist leider mißlungen; der Feldzug würde sonst wohl einen anderen Ausgang genommen haben. Der Vormarsch war kein unausführbares Phantasieprojekt, sondern eine treffliche Idee, für die nur die genügenden Kräfte nicht beschafft wurden. Wäre letzteres geschehen, so wäre die britische Teilnahme an den Kämpfen in Frankreich zum guten Teil lahm gelegt gewesen. Das zeigt sich jetzt. Die englische Regierung sieht sich jetzt infolge der Unruhen am Nil zu Maßnahmen genötigt, die sie früher stets weit von sich gewiesen hatte. Sie muß Aegypten aus der britischen Abhängigkeit entlassen und dem Nillande mit einigen Vorbehalten den Charakter eines souveränen Staates wiedergeben. Sie ist dazu gezwungen durch die immer weiter um sich greifende muselmännische Bewegung in Afrika und Asien, die alle Anzeichen der Vorbereitung eines Rassen= und Glaubenskrieges an sich trägt. Diesen Völkerschaften sind in und seit dem Weltkriege die Augen über ihre eigene Bedeutung aufgegangen, und sie verlangen in Masse ihre nationalen Rechte, die in diesen Ländern früher nur von einzelnen gefordert wurden. Um nicht unersetzliche Verluste zu erleiden, sucht man in London bei Zeiten vorzubeugen. Es ist gar nicht auszudenken, welche Erhebung ausgebrochen wäre, wenn im Weltkriege in Aegypten und in Indien Truppen der Türkei und der mit ihnen verbündeten Staaten erschienen wären. Diesen Völkern war die Wahrheit von ihren Zwingherren sorgsam vorenthalten worden, namentlich hatten sie gar keine Ke ntnis von der Lage des Sultans, der allen Mohamedanern als ihr natürliches Oberhaupt gilt. In Indien waren die buddhistischen Hindus und die namentlich im Norden der Halbinsel ansässigen Mohamedaner gespalten, sonst hätten die Engländer längst die wertvollste ihrer Kolonien ernstlich bedroht gesehen. Aegypten steht seit dem Jahre 1880 unter britischem„Schutz, als der Suezkanal, der kürzeste Weg nach Indien, durch den Aufstand Arabi Paschas bedroht war. Aber dieser„Schutz“ hat die Aegypter aller Bekenntnisse nicht versöhnen können. Sie forderten die Freiheit und sollten sie auch in der Hauptsache erhalten. In Indien liegen die Dinge noch kritischer. Das reiche Land war bis 1857 Eigentum der englischen ostindischen Kompagnie, deren Mißwirtschaft den großen Aufstand der eingeborenen Sepoy=(Hindu) Truppen hervorrief, der blutige Greuel der fanatischen Menge mit sich brachte. Aller Heroismus der englischen Soldaten hätte nichts geholfen, und Indien wäre für England verloren gewesen, wenn die muselmännischen Shiks, die besten einheimischen Soldaten, nicht der Regierung treu geblieben wären. Nach der Besiegung dieses Aufstandes wurde Indien englische Kolonie und erhielt einen Vizekönig als Leiter der inneren Angelegenheiten. Aber die Unzufriedenheit und der Hunger sind auch aus dem neuen Indien nicht gewichen, und heute sind, wie schon oben gesagt, Mohammedaner und Hindus gegen die Engländer geeint. Jeder dieser Völkerstämme hat seine eigenen Beschwerden, aber der Haß gegen die Engländer schmiedet sie zusammen. Die unverhüllte Auflehnung hat auch schon auf Niederländisch=Indien übergegriffen, und die Forderungen, die dort im Interesse des Sultans und der heiligen Stätten des Islams erhoben werden, sind dieselben wie in Britisch=Indien. Auch hier wird es ohne Neuerungen nicht abgehen, die ihre Rückwirkung auf den nahen Orient und damit auf die europäische Politik nicht verfehlen werden. Das ist auch wohl der Grund, weshalb Lloyd George, obwohl er jetzt sehr stark in Anspruch genommen ist, Zeit für Afrika und Asien findet. Vielleicht erscheint ihm deswegen auch noch ein weiteres Einlenken gegenüber Deutschland angemessen, um endlich den bedrohten wirtschaftlichen Aufbau vollbringen zu können. Wir können nur abwarten. Aber wir sehen, welche Trümpfe wir im Weltkriege in der Hand hatten, die leider nicht kräftig genug ausgespielt wurden. Der Eisenbahnerstreik. Die Streiklage hat sich etwas gebessert, als sich ein Teil des Zugbegleitpersonals wieder zum Dienst gemeldet hat. Der Rangierbetrieb wurde in mehreren größeren Bahnhöfen wieder ausgenommen. Die Anzahl der am Montag abgefahrenen Züge hat sich gegen die Vortage erhöht. Im Reich ist die Lage im wesentlichen unverändert Den gestrigen Nachrichten zufolge hat sich die Arbeitsaufnahme auch in den Bezirken Elberfeld, Hannover, Hildesheim. Salzwedel, Stendal, Stettin, Magdeburg und Schneidemühl gebessert. In Paderborn haben sich 25 Lokomotivführer zum Dienst gemeldet, so daß der Verkehr regelmäßig durchgeführt werden kann. Durch Schnee und Frost wurden die Züge zum Teil verspätet abgelassen. Es hat den Anschein, als ob an einigen Orten die Gruppen des Deutschen Eisenbahnerverbandes, die den Streik beschlossen, den Streik abgebrochen haben, weil sie von der Zentrale keine Streikgelder bekommen Der Deutsche Beamtenbund empfiehlt in einem Rundschreiben den Abbruch des Streiks. * Der Streik in Berlin. zeitigte schwere Notstände. Die Schulen sind wegen Kohlenmangels geschlossen. Das Gaswerk liegt still Die Elektrizitätswerke wurden durch die technische Nothilfe wieder in Gang gebracht. Die Beschaffung des notwendigsten Wassers macht der Einwohnerschaft größte Mühe. Vom frühen Morgen an schleppte jung und alt aus ziemlicher Entfernung Wasser nach den Behausungen. An den wenigen, noch Wasser gebenden Brunnen standen die Menschen in langen Reihen. Sämtliche Theater sind polizeilich geschlossen. Auch mußte ein Teil der Fabriken schließen. In den Krankenanstalten konnten ohne Licht und Wasser notwendige Operationen, die wegen Dringlichkeit an die Minute gebunden sind, nicht durchgeführt werden. Zahlreiche Patienten sind infolgedessen gestorben, vor allem in den Entbindungsanstalten. * Unschöne Auswüchse. In Gelsenkirchen versuchte ein Mann eine Lokomotive zum Entgleisen zu bringen. Er wurde festgenommen, wobei sich herausstellte, daß er kein Eisenbahnbeamter war Am Sonntag wurden in Hamburg Postangestellte von Streikenden belästigt und beworfen. In Frankfurt a. M. haben streikende Eisenbahner am Sonntag den großen Wasserturm des Hauptbahnhofes, der die Lokomotiven speist, leer laufen lassen. Ferner wurden an Lokomotiven nicht unerhebliche Zerstörungen durch Entfernen von Röhren und Ventilen festgestellt. Auch Diebstähle von wertvollem Material kamen in den Werken vor. Eine Besetzung der Bahnanlagen durch französische Truppen soll eintreten. In Osnabrück wurde auf einen dienstruenden Aufsichtsbeamten scharf geschossen In Altona wurden zwei technische Notheßfer mißhandelt. * Die technische Nothilfe. ist in diesen Tagen opferfreudig bemüht, die Not der Verkehrsstockungen zu linden. Mindestens 750 Nothelfer, davon mehr als 320 Lokomotivführer, Männer aller Schichten, vornehmlich Techniker und Ingenieure, sind in unserem Bezirk Tag und Nacht tätig, um von der Bevölkerung das Schlimmste fernzuhalten. Verhandlungen in Berlin. Am Montag vormittag fanden eingehende Verhandlungen mit der Regierung statt. Der Reichskanzler Dr. Wirth hatte den Vorsitz. Nachmittags tagte das Reichsfinanzministerium. Der Reichsverkehrsmtnister Gröner nahm daran teil. Ebenso Dr. Hermes. Um 6 Uhr waren die Gewerkschaftsvertreter zum Reichslanzler geladen. Anschließend fand eine Kabinettssitzung statt, bei der über die Ergebnisse der Besprechungen beraten wurde. Das Reichskabinett billigte die Erklärung des Reichsfinanzministers und des Reichsverkehrsministers. Ob sich auf Grund dieser Erklärungen eine Möglichkeit ergeben wird, den Streik zu beenden, steht zur Stunre noch nicht fest. Die Reichsgewerkschaft ließ sich während des ganzen Tages über den Fortgang der Verhandlungen berichten. Ihr Hauptvorstand teilte mit, daß er alle Beschlüsse in der Streikangelegenheit wieder selbst fassen werde. Der bisher maßgebende„Aktions=Ausschuß" wird von sich aus keine Schritte unternehmen. Der Eisenbahndirektions=Präsident hat gestern einen sofortigen Aushang folgender Aufforderung angeordnet: „Alle der Eisenbahn fernbleibenden Arbeiter und Angestellten werden hiermit aufgefordert. am Mittwoch, den 8. Februar, zum Beginn ihrer planmäßigen Schicht sich bei den Dienststellen zu melden, um den Dienst wieder sofort aufzunehmen. Wer dieser Aufforderung nicht Folge leistet, hat sein Dienstverhältnis selbst beendet und ist entlassen“. * die Streikbewegung in Schwerte. Im katholischen Vereinshause(Specht) wurde gestern vormittag in einer von über 800 Personen besuchten öffentlichen Volksversamm lung die Bürgerschaft über die gegenwärtige Streiklage unterrichtet. Herr Zugführer Gorhold, der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe der Reichsgewerkschaft, der für den durch Krankheit verhinderten Redner, Bezirksleiter Wagner=Elberfeld, einsprang, verbreitete sich des längeren eingehend über die Gründe, welche den gegenwärtigen Streik heraufbeschworen und beantwortete die Frage:„Warum streiken die Eisenbahner?“ wie folgt: . Wir streiken um die Erreichung einer den heutigen Teuerungsverhältnissen angepaßten grundsätzlichen Regelung der Bezüge, besonders um die Sicherstellung eines Existenzminimums für die unteren Gehaltsklassen, damit endlich einmal die notwendige Ruhe für diese im Wirtschafts= und Verkehrsleben wichtigen Kreise eintoitt. Unter Vorlage verschiedener Lohnzettel Gedenket der hungernern Toge!. konnte er den Nachweis erbringen, daß die Besol dung gerade der unteren Gruppen auch nach der letzten Aufbesserung alles andere denn ausreichend ist.— Wir streiken ferner in Aufleherung gegen das geplante Arbeitszeitgesetz, als ein Ausnahmegesetz, welches einen Dienst bis zu 15 Stun den vorsieht, im Gegensatz zu dem für alle Arbeit nehmer festgelegten Achtstundentag, der allen Ar beitnehmern durch die Verfassung gesichert ist. Verlieren die Eisenbahner, haben auch die übrigen Arbeitnehmer zu gewärtigen, mit diesem Gesetz beglückt zu werden. Im Direktionsbezirk Elber feld sollten durch eine Geheimverfügung die Bestimmungen dieses Gesetzentwurfes bereits durchgeführt werden, trotz des Einspruches der Beamten= und Arbeiter=Ausschüsse. Wir streiken ferner in Auflehnung gegen das Eisenbahn=Finanz=Gesetz in sei: heutigen Form, weil hier eine Vertretung der Ar beiter und Beamten mit nur 6 Stimmen vorgesehen ist, während die Industrie= und Handelskreise 30 Vertreter stellen, die natürlich ohne Rücksicht auf die Nöte der Allgemeinheit ihren Einfluß auf Tarispolitik und alle Wirtschaftsfragen ausüben werden. Durch die Ausschaltung des Parlamentes ist dieser Körperschaft diktatorische Macht gegeben.(Diktatur des Kapitals). weiteren Verlauf seiner Ausführungen kam Gorhold auf den langsamen Gang der Verhandlungen zu sprechen, bei denen Verwaltung und Regierung für die Notlage der Beamtenschaft, wenigstens der unteren Gruppen, wenig oder gar kein Verständnis gezeigt hätten. Man bedauere, daß die Bamtenschaft durch die Verhältnisse zur Niederlegung der Arbeit gezwungen wurde, sie würde lieber heute als morgen den Dienst wieder kaufnehmen, aber nicht eher, als bis man ein Ergebnis erzielt habe. Beim Kapp=Putsch habe die Regierung die Beamtau mit den Arbeitern zum Streik ausgerufen und jetzt wolle man ihnen zur Vertretung ihrer gerechten Forderungen die ses Recht wieder rauben. Die gegenwärtige Streiklage sei sehr gut, nicht nur die jüngeren Beamten, sondern alte, im Dienst ergraute Eisenbahner ständen geschlossen hinter der Leitung und die Verwaltung werde nachgeben müssen. Vertieft und in einzelnen Punkten noch ergänzt wurden die Ausführungen des Herrn Gorholds durch dim Vorsitzenden der Ortsgruppe des Lokomotivführer=Verbandes, Herrn Schlüter, der Regierung und Verwaltung allein für die gegenwärtige Lage und den gewaltigen Schaden, den das gesamte Wirtschaftsleben durch den Streik erleide, verantwortlich machte. Die Reichsgewerkschaft habe alles versucht, mit der Verwaltung zu einem Einvernehmen zu gelangen. In der Wei märer Verfassung sei den Beamten das Koalitionsrecht verliehen worden und dieses Recht lasse man sich jetzt nicht rauben. Bezüglich der durch den Streik heraufbeschworenen Stillegung von industriellen Werken betonte er, daß die Bahnhöfe voll beladener Kohlenwagen ständen und daß die Werke bei einigermaßen gutem Willen diese Kohlen ganz gut selbst hereinholen könnten und die Arbeiterschaft nicht zu feiern brauche. Wie groß die Not in den Beamtenkreisen sei, davon habe sich Minister Gröner bei einer Inspektionsreife im Industriebezirk im Vorjahre überzeugen können. Er habe auch Abhilfe zugesagt, aber geschehen sei bis jetzt so gut wie gar nichts. Vertreter der Beamtenschaft von Elberfeld und Essen seien 2 Tage und 3 Nächte in Berlin nicht aus den Kleidern gekommen, man habe kaum auf sie gehört und jetzt wundere man sich, daß es soweit gekommen sei.„Not kenne kein Gebot“, dieses geflügelte Worte Bethmann=Hollwegs aus dem Jahre 1914 müßten auch die Eisenbahner für sich in Anspruch nehmen; auch sie hätten aus Not gehandelt. Die Reichsgewerkschaft sei zwar politisch neutral und solle es auch sein, aber wenn bei der jüngsten Beratung der Besoldungsvorlage im Reichstage nur 20 Abgeordnete im Saale anwesend seien, während die übrigen in den Wandelgängen ihre Diäten„verdienten“, so gebe das zu denken. Redner schloß mit einer Mahnung zur Einigkeit. Beiden Rednern, die auch einer gewissen Presse den Vorwurf der irreführenden Berichterstattung machten, ein Vorwurf der unsere„Schwerter Zeidung" nicht tressen kann, weil wir uns bei der Berichterstattung stets der größten Sachlichkeit befleißigt haben, wurde lebhafter Beifall gezollt und nach einer kurzen Aussprache gelangte nachstehenve Entschließung zur Annahme: „Die heute im katholischen Vereinshause stattfindende öffentliche Versammlung spricht den sich im wirtschaftlichen Kampfe befiadlichen Eisenbahnern ihre Sympathie aus und erwartet von der Reichsregierung, die Verhandlungen mit der Reichsgewerkschaft zu beschleunigen, damit recht bald ein Ende dieses unseligen Kampfes erfolgt.“ Gegen 1 Uhr begann dann eine Eisen bahner=Versammlung in der„Reichs ktone“, wo Saal und Tribüne wieder überfüllt waren. Hier sprach das Mitglied der Bezirksleirung Ebbinghaus=Elberfeld über die gegenwärtige Streiklage, ausdrücklich betonend, daf der Kampf durch die Verschleppungstaktik der Ver waltung und der Regierung unvermeidlich geworden war und einsichtige Leute die Katastrophe längst vorausgesagt hätten. Der Regierung warf er Mangel an Verantwortlichteitsgefühl vor, sie hätte den Weg zur Verhandlung finden, die von den Beamten ausgestreckte Hand nicht zurück weisen dürfen. Neben der Befoldungsfrage nahm er dann besonders das geplante Arveitszeit= und das Eisenvahn=Zinanzgesetz unter die kritische Lupe. Beide Gesetzentwürfe seien für die Eisen bahner unannehmbar; ersteres ganz besonders da rum, weil die oberen Beamten nicht unter das selbe fallen sollten, anderen Gruppen aber Dienstleistungen bis zu 15 Stunden aufgebürdet werden könnten. Bezüglich der eingesetzten Techn. Nothilfe verlangte er, daß diese aus den Betrieben entfernt und die Streikenden selbst zu Notstandsarbeiten zugelassen würden. Wie ungünstig die Lage der Verwaltung sei, gehe schon daraus hervor, daß die Direktion Elberfeld Leute, die vor Jahren wegen Diebstahls entlassen seien, wieder zum Diensteintritt auffordere. Eisenbahnarbeitern biete man für die Verrichtung von Streikbrecherarbeit eine tägliche Zulage von 60 Mark, Arbeitern aus der Privatindustrie sogar 100 Prozent Zuschlag auf ihren Lohn, dazu freie Kleidung und Beköstigung. Aber die Verwaltung täusche sich in der Arbeiterschaft. Der D. E. V. habe in einer Gutschließung die Uebernahme von Notstandsarbeiten abgelehnt, die Ortsgruppe Hagen sei heute geschlossen in den Streik getreten. Mittlerweile seien vom Beamtenbund Verhandlungen mit der Regierung eingeleitet auf folgender Grundlage: Erhöhung der Grundgehälter der Gruppen 1 bis 7 einschließlich der Ueberteuerungszulagen unter der Bedingung sofortiger Auszahlung. Zurücknahme des Arbeitszeitgesetz=Entwurfes und Entscheidung durch die Spitzenorganisationen. Keine Maßregelungen. Namhaftmachung von Unterhändlern durch unsere Organisation, da Menne und Scharfschwert von der Regierung abgelehnt sind. Kommt es auf dieser Grundlage nicht zu einer Einigung, dann wird sich die Reichspostgewerkschaft mit den Streikenden solidarisch erklären. Jetzt gelte es durchhalten und siegen. Auch dieser Vortrag fand stürmischen Beifall und seinen Niederschlag in folgender Entschließung: „Die in der„Reichskrone" versammelten 800 Eisenbahner erklären aufs neue unverbrüchliche Treue zu ihren Führern. Im Vertrauen auf unsere gerechte Sache wird die Parole bestehen bleiben: Durch Kampf zum Sieg! in wirtschaftlicher Beziehung bedeutend besser ständen wie genannte Firma. Gewerkschaftssekretär Feih=Hörde erstattete dann noch den Situationsbericht; es wurde demselben die Generalvollmacht serteilt, die Lohnangelegenheit den gewer schaftlich vorgeschriebenen Instanzen zu unter breiten. ** Die Zahl der kalten Winter, in welchen die Kälte etwa so lange wie jetzt angehalten hatte, ist seit 1850 nur gering gewesen. Es wäre das die Winter von 1850, der überhaupt der kälteste war, 1861, 1870=71, 1898, 1910=17. Kälteperioden bis zu einer Woche waren dagegen häufig, in welchen das westfälischen Sparkassen verfügen joht über 68 600 Konten mit einem Guthaven von 928 Millioner Mar!. ** Der heutige Wochenmarkt war derart schlecht beschickt, daß von einem Marktvertehr überhaupt keinc Rede sein kann; nur ein auswärtiger Fisch. händler stand mit seiner Wäre einsam und allein auf weiter Flur. Unsere Hausfrauen, die sich trop der Kälte zum Marktbesuch entschlossen hat ten, mußten mit leeren Körben den Heimweg an treten. Quecksilber bis auf 15—20 Grad sank. Im Aus Stadt und Land. Schwerte, den 8. Februar. ** Die Westfälische Provinzial=Lebensversiche rungsanstalt, die mit der Landesbank verbunden ist, hat eine besonders günstige Entwickelung genommen. Sie konnte ihren Bestand an Lebensversicherungen im vergangenen Jahre veraus. gaben. Dieser Bestand beträgt jetzt 125 Millionen Mark in über 30000 Versicherungen. Ein Beweis, daß es dieser jungen, erst während des Krieges gegründeten Anstalt gelungen ist, in Westfalen festen Boden zu gewinnen. ** Der Einkauf von Gerätschaften, Werkzeugen, sonstigen landwirtschaftlichen, gewerblichen und beruflichen Bedürfnissen empfiehlt sich jetzt im Lause des Monats Februar. Mit dem März wird hoffentlich die bessere Jahreszeit spätestens einsetzen und die verstärkte Tätigkeit in Stadt und Land beginnen. Bis dahin muß aber bei der Kalkulation von allen neuen Preisen die erhöhte Steuerveranlagung und die Zollumwandlung in Gold mit in Anrechnung gebracht werden, und es entsteht schon von selbst ein Aufschlag, zu dem noch die Folgen von knappem Material, verteuerten Kohlen und Brotpreisen kommen können. In der Jebruarwochen wird also billiger und ruhiger, und daher jedenfalls praktischer eingekauft. Und diese Tatsache ist auch bei der heute nicht ausgeschalteten Konkurrenz entsprechend zu bewerten. Für die Landwirtschaft und andere Arbeiten kommen auch Kleidungsstücke und Schuhzeug, die ja heute so viel ausmachen, wie früher ein kleiner Mann im Jahr zum Leben gebrauchte, stark in Geltung. ** Der Christl. Metallarbeiter=Verband hielt am Sonntag seine außerordentlich gut besuchte Monatsversammlung ab. Zu derselben waren auch Vertreter der Handwerker und Eisenbahner erschienen. Der einzige Punkt der Tagesordnung, der ausgiebig behandelt wurde, lauteté:„Unsere Lohnforderung für Januar 1922 und die Stellungnahme des Arnsberger Arbeitgeber=Verbandes". Es wurde seitens des Vorsitzenden Bozetti darauf hingewiesen, unbegrenztes Vertrauen zu den Gewerkschaftsbeamten zu haben, die nur das Interesse der einzelnen Kollegen im Auge hätten; diees Vertrauen dürfe man sich von keiner Seite untergraben lassen, nur dann können wir auf Erfolge rechnen. Dann gelte es aber auch, gewerkschaftliche Disziplin zu. wahren, dann gelange man zum Ziele. Zum Eisenbahnerstreit übergehend, betonte er insbesondere das Entgegenkommen der Leitung der Eisen=Industrie, die hren Werksangehörigen durch Vornahme von Notstandsarbeiten und Gewährung des bezahlten Arlaubs über die schwere Zeit hinweghelfe. Dieses wäre ein Beispiel für diejenigen Arbeitgeber, die gegenwärtigen Winter hat der Frost also seine Schuldigkeit getan, er kann ruhig gehen. Die niedrigste Temperatur wurde 1850 mit 33—36 Grad Zelsius verzeichnet. Die Kälte hielt am längsten an 1917. ** Die eingefrorene Turmuhr. Wie uns das evang. Pfarramt mitteilt, ist die Uhr auf dem Turm der großen Kirche tatsächlich ein Opfer der außergewöhnlichen Kälte geworden; das Fett ist gesroren und trotz aller Bemühungen ist die Uhr nicht wieder in Gang zu bringen, man muß eben ein Nachlassen des strengen Frostes abwarten. Daß auch die Glocken verstummt sind, hat seinen Grund in der Verordnung der„Mark", wonach kein elektrischer Strom für Kraftzwecke verbraucht werden darf; bekanntlich haben die Glocken der Kirche elektrischen Antrieb. ** Oberammergauer Passionsspiele. Am morgigen Donnerstag nehmen die Oberammergauer Passionsspiele im Saale des kath. Vereinshauses(Specht) ihren Anfang. Seitens der Direktion Burk u. Firmanns sind große Vorbereitungen getroffen, um dem erhebe den Schauspiel einen würdigen Rahmen zu geben. Die Bühne ist durch Vorbau vergrößert und durch eigene Dekarationen und Versatzstücke werden historisch getreue Bühnenbilder geschafsen. Sowohl der kath. Gesellenverein wie auch der Kirchenchor der kath. Gemeinde haben sich in den Dienst der guten Sache gestellt; letzterer hat einige prächtive Chorwerke eingeübt. Es finden täglich 2 Aufführungen statt, um ½4 und 8 Uhr. Die Schauspiele hatten sich in allen bisher besuchten Städten eines ungemein starken Besuches zu erfreuen und dürfen jedenfalls auch in unserer Stadt die gleiche Anteilnahme aller Kreise der Bürgerschaft erwarten. ** Streik und Monatskarten. Wie das Reichsverkehrsministerium mitteilt, wird die Gültigkeitsdauer der Monats= und Wochenkarten, wie in früheren Fällen, auch bei dem augenblicklichen Streik für die Tage verlängert werden, an denen eine Ausnutzung wegen des Streiks nicht hat stattfinden können. Die Anordnungen werden ergehen, sobald der Streik beendet ist. ** Hennen, 7. Febr. Pferd und Wagen gestohlen. Hier wurde eine Goldsuchsstute mittleren Schlages mit langem Schweif und lan ger schmaler Blesse gestohlen, desgleichen ein leichter Wagen. Die Diebe sind damit entkommen. Für die Wiederherbeischaffung von Pferd und Wagen ist eine größere Belohnung ausgesetzt. Man färbe daheim nur mit echten Braun’schen Stoffaiben und fordere die lehrreiche G.aiebroschüre No W ilhelm Brauge. O. m. b. H., Ovedlinburg a. k Es gibt noch Schlaue! Der „Recklingh. Ztg. wird geschrieben: Nach dem neuen Posttarif kostet eine Drucksache über 100 Gramm Gewicht 2 Mark Postporto. Heute bekam ich von einer Firma(Sitz Frankfurt am Main), einen sehr netten Reklamekalender zugesandt mit dem Poststempel Wien. Der Umschlag war mit 8 Kronen österreichischer Postwertzeichen frankiert. Also: Man schickt eine Rellamedrucksache von Oesterreich aus ab, das kostet bei der heutigen Valuta 28 Pf., die deutsche Reichspost befördert sie anstandslos umsonst, denn die 8 Kronen hat die österreichische Postverwaltung eingenommen. Und da sage mir einer, die Post werde ihr Defizit nicht in kürzester Zeit beseitigt haben! ** Mehr Rücksichtnahme auf die Zeitungs austräger. Unsere Zeitungsausträger stoßen bei Ausübung ihres Brotverdienstes sowohl hier wie in den umliegenden Landortschaften oft auf Schwierigteiten, denen bei gutem Willen leicht Abhilfe geschaffen werden kann. Vielfach finden die Boten die Häuser und Güter verschlossen und müssen dann klopfen und bei der strengen Kälte oft warten, bis ihnen das Blatt abgenommen wird. Von den Ortsboten wird darüber geklagt, daß— namentlich in den kurzen Tagen— die Hausfluren und Treppen unbeleuchtet bleiben, während der Wunsch der in oberen Stockwerken wohnenden Leser es ist, daß die Zeitung in den Briefkasten eingeworfen oder wenigstans am Türschloß eingeklemmt werde. Es kann nun älteren und jüngeren Boten nicht zugemutet werden, in finsteren Treppenhäusern sich bis in die Wohnungen 2—3 Treppen hinauf zu tasten. Und daher kommt es auch, daß manches Zeitungs=Exemplar im Erdgeschoß oder Treppenaufgang abgelegt wird. Dies gibt so manchem Abonnenten Veranlassung, über mangelhafte Zustellung zu klagen. Die Verlagsstelle der Zeitung ist unter solchen Umständen nicht in der Lage, die Boten zu zwingen, unbeleuchtete Hausaufgänge zu begehen, da man doch immer an die„Haftpflicht" denken muß! Andererseits bitten wir aber, wie schon öfters, auch diesmal wieder dringend, gerechtfertigte mangelhafte Zustellung unserer Zeitung möglichst umgehend telephonisch oder persönlich bei unserer Geschäftsstelle zu melden. Es soll jeder Leser seine Zeitung pünktlich erhalten. ** Die westfälischen Sparkassen können auf ein günstiges Jahr zurückblicken. Die Sparein lagen haben einschließlich der am Jahresschluß gutgeschriebenen Zinsen ein Vermehrung von über eine halbe Milliarde erfahren. Sie betragen jetzt etwa 555 Milliarden Mark, die auf 25 Mil lionen Sparbücher verteilen. Auch der Scheck= und Kontokorrentverkehr hat sich stark entwickelt. Die den Provinzen. Dortmund, 7. Febr. Einbruch. Für 50000 Mark Wollwaren gestohlen. Bei der Firma Küster u. Co., Königswall 40, wurde in der vorigen Nacht ein schwerer Einbruchsdiebstahl ausgeführt und Wollwaren im Werte von 50000 Mark gestohlen. Gelsenkirchen, 7. Februar. Opfer der Straßenbahn. Das zwölfjährige Töchterchen der Eheleute Kutzmarczak wurde von der Straßenbahn überfahren und so schwer verletzt, daß das Kind nachher gestorben ist. Seppenrade, 6. Febr. Der Zopf, der hängt ihm hinten. Ein hiesiger Bürger, der zentweise aus Amerika Liebesgabenpakete erhält, bekam, laut„Lüdigh. Ztg., unter dem 14. Januar vom zuständigen Zollamte folgendes Schreiben:„Heute sind für Sie zwei Pailete mit Liebesgaben eingegargen. Nach Prüfung derselben ergab sich, daß außer Seife auch 1 Kilogramm Tabak darin enthalten war. Für den Tabak ist ein Zoll zu entrichten, der Zoll bet ägt 1600 Mark. Falls Sie nicht gewillt sind. den Zoll zu bezahlen, ersuchen wir um Angabe, ob die ganze Sendung an den Absender zurückgesandt oder der Tabak einem Kriegsbeschädigtenlazarett überwiesen werden soll. Wir ersuchen Sie, die Einschränkung der Liebesgabenpakete, die Schokolade und Vonvons enthalten, zu veranlassen. Auch bitten wir um Angabe,„wie groß Ihre Famalie ist. Unterschrift.“ .... es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die ein gewöhnlicher Menschenverstand nicht zu erfassen vermag. Gevelsberg, 7. Febr. Ein Opfer der Notbremse wurde in einem Abteil 4. Klasse des Personenzuges 8,30 ab Gevelsberg nach Hagen kurz nach der Ausfahrt aus dem bergisch=märktschen Bahnhof ein Reisender. In dem überfüllten, nicht erhellten Abteil versuchte er sich festzuhalten, erwischte in der Dunkelheit statt der Kette jedoch den Griff der Notbremse und brachte so den Zug zum Stehen. Selbstverständlich wurde der selbst ganz Erstannte nicht in Strafe genommen, sondern kam mit dem bloßen Schrecken davon. Winterberg, 7. Febr. Ein großer Diamantendiebstahl wurde im Hotel„Waldhaus“ an der Chaussee Winterberg—Neuastenberg verübt. Der äußerst raffinierte Dieb paßte genau die Zeit ab, wo sich die Besitzerin der Diamanten (eine Dame aus Essen), beim Ausüben des Winversports im Freien befand. Der Boden des Koffers ist in geschickter Weise herausgeschnitten. Gestohlen sind Diamanten und Schmucksegenstände im Werte von einer halben Million Mark, außerdem sämtliche Kleidungsstücke urd##0 Mark bares Geld. Von dem Täter fehlt jede Spur. Remscheid, 7. Febr. Waffenlager entdeckt. Die hiesige Schupo entdeckte bei einem Landwirt in Groß=Bergehausen ein Waffenlager. Die beschlagnahmten Gewehre und Handgranaten wurden auf Autos weggeschafft. Düsseldorf, 7. Febr. Im hohen Alter von 89 Jahren starb gestern hier der bischöfliche Rat, geistliche Rat. Ehrendomherr und päpstlicher Geheimkämmerer Msgr. Johannes Cribben. Msgr. Cribben war der Senior der Geistlichen der Diözese Köln. Köln, 7. Febr. Ein Prozeß wegen einer Spiritusschiebung begann heute vor der Strafkammer. Der Hauptangeklagte Korvettenkapitän a. D. Meyer=Berlin konnte wegen des Eisenbahnerstreiks nicht erscheinen, 9 weitere Angeklagte aus Berlin und Leipzig konnten gleichfalls nicht erscheinen. Der Lieserant war ein Holländer, der Empfänger die Branntweinverteilungstelle in Neuß. Das Gericht beschloß gegen die anwesenden 6 Angeklagten aus Köln zu verhandeln. Der Prozeß soll eine Woche dauern. Wiesbaden, 7. Febr. Die betrunkenen Marokkaner. Am 36 Januar abends gegen 11 Uhr wurde der Inhaber einer Wiesbadener Kohlengrößhandlung in der Faulbrunnenstraße durch den Messerstich eines Marokkaners so schwer verletzt, daß an dem Aufkommen des Opfers des braunen„Helden“ gezweifelt wird. Dev Verletzte befand sich auf dem Nachhausewege vom Kurhaus nach seiner Wohnung und überholte in der Faulhrunnenstraße 3 angetrünkene Marokkaner. Ohne jegliche Veranlassung zog der eine der Soldaten ein Messer und brachte seinem Opfer einen Stich bei, der durch den Arm, die Brust und die äußere Herzwand gegangen ist. SSgsTgE S#SES SSSEE z. S SgSSphg # TTDSESR S S 5 S 97 92SGSSS3 3 AanTaxch S 2 25 2** S 72" S 2 2 2 5 6 83 # 8 S S. 2 2 55 8 * 8 S 85 L Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General-Anzeiger für den Kreis Hörde Haupt-Annoncenblatt. Unterhaltungs=Heilage zu Nr. 33 h, den 8. Je ZPII 55. Roman von Max Esch. (18 Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) „Die Zeit in nicht mehr fern, da Sie Ihr zynisches Gebaren bitter bereuen werden. Dann aber ist es zu spät. Die Schuldbeweise gegen Sie und den Müller sind lückenkos. Es ist auch nicht der geringste Zwischenraum darin, durch den Sie entschlüpfen könnten. Nochmals rete ich Ihnen in Ihrem eigensten Interesse: Legen Sie ein Geständnis ab!" „Das kann ich gar nicht,“ gab trotzigen Tones Ruschke zur Antwort.„Ich werde doch nicht etwas eingestehen, was ich gar nicht getan habe. Den Baron habe ich nicht erschossen. Das ist mein Geständnis. Und wenn Sie er können, beweisen Sie mir nun mal das Gegenteil.“ „Das wird geschehen,“ redete ernsten Tones der Untersuchungsrichter den vor ihm Stehenden an. Darauf ließ er ihn abführen. Die Vernehmung des Boschpoler Müllers ergab, daß dieser die Verhandlung mit Ruschke nur zu dem Zwecke geführt habe, um die Person des Käufers kennen zu lernen. Darauf ließ der Untersuchungsrichter die Akten über den Mord an Baron Egon von Felden der Staatsanwaltschaft zugehen. Nach Prüfung des Anklagematerials zögerte letztere keinen Augenblick, die Anklage wegen Verleitung zum Morde=gegen Ilgen und wegen Mordes gegen Ruschke zu erheben. Letzterem wurde ein Offizialverteidiger vom Gericht gestellt, ersterer ließ durch seine Frau einen Verteidiger aus der Provinzialhauptstadt für sich verpflichten. Für die laufende das Vorverfahren zu spät in der nächsten der Foll konnte.„„„ 9 Die beiden Verhafteten schwebten in der Zeir in hangender Pein. In den engen Gefängniszellen verstrich ihnen die Zeit nür zu langsam. Das ewige Einerlei der eintönigen Haft brachte die an ernste Tätigkeit gewöhnten Männer fast zur Verzweiflung. Dazu kam die Ungewißheit darüber, wie sich ihr Schicksal gestalten würde. Endlich war der Tag des Gerichtsverfahrens herangekommen. Der Schwurgerichtssaal wies eine Kopf an Kopf gedrängte Zuhörerschaft auf, die dem Verfahren gespannt folgt......24 Baraggrheit Von der Anklagebehorde war gut vorgearbeitet worden. Daß beide Angeklagte angesichts des erdrückenden Schuldbeweises bei ihrem hartnäckigen Leugnen blieben, konnte sie vor der verdienten Strafe Schwurgerichtsperiode gelangte zum Abschlusse, so daß erst Fall zur Aburteilung kommen nicht retten, zeugte vielmehr von ihrer grenzenlosen Verstocktheit, und jedermann hielt das Verdikt der Geschworenen nur für gerecht und billig. Der Gerichtshof fällte darauf gegen Ruschke die Todesstrafe und erkannte gegen Ilgen auf langjährige Zuchthausstrafe. „Ich bin unschuldig!“ beteuerte der Müller. „An mir wird ein Justizmord verüht!“ rief zornbebend Ruschke aus. Dann wurden beide abgeführt, indes der Saal sich langsam entleerte. Amanda Faber und Fritz von Felden verlebten eine Zeit ungetrübten Glückes. Nur zu schnell entschwanden den Liebenden die Tage und Wochen. Ihre eheliche Verbindung sollte nach Ablauf des Trauerjahres erfolgen. Von ihrem Mädchen ließ sich Amanda eines Vormittags, es konnte ungefähr ein Monat seit ihrer Verlobung verstrichen sein, beim Ankleiden helfen, als es an der Tür klopfte. Das Mädchen, das Amanda nach der Tür entsandte, überbrachte seiner Herrin bald darauf einen prächtigen Blumenstrauß. „Die Zofe der gnädigen Frau Baronin hat mir das Bufett für das gnadige Fräulein im Auftrage des Herra Barons mit dessen bester Empsehlung gegeben,“ erklärte das Mädchen. Amanda nahm den Strauß mit leuchtenden Augen in Empfang.„Wie nett von Fritz,“ sagte sie glückselig lächelnd für sich.„Ich glaube, er hat das ganze Gewächshaus plündern lassen, weil ich ihm gestern erzählte, daß ich Orchideen liebe.“ Dann übergab sie der Zose den Strauß:„Tun Sie die Blumen in eine Vase, Berta. Die rote im Salon dürfte einen guten Untergrund abgeben.“ Leichtfüßig eiite das Mädchen davon, den Befehl der Herrin auszuführen. Als es nach kurzer Zeit wieder erschien, war Amanda mit dem Ankleiden bereits zustande gekommen. Bewundernd blieb Berta an der Tür zwischen Salon und Schlafzimmer stehen.„Gnädiges Fräulein sehen heute wieder entzückend aus. Das Kleid steht Ihnen großartig, so daß der Herr Baron einfach weg sein wird, wenn er Sie erblickt.“ Lächelnd erwiderte das junge Mädchen:„Für meinen Bräutigam schmücke ich mich ja.“ Ein sinnender Zug machte sich im Antlitze bemerkbar, als Amanda im Spiegel ihr Ebenbild erschaute. Sie war glücklich; denn das Gefühl, geliebt zu sein und wieder zu lieben, beberrschte sie vollkommnen. Alle Dinge, die der Alltag A — S S 9 m 5g 8T8 5•2 2 PFags # E ..• **— 2 S S." S S . 8 * 8•— S#3. S S S— S S 8# S S 2 amp S 8 S 7 5 5 24 • S S2. * . 5 * T 5 9 S. S Te S 5 5 S S 2. SS 2 5 s 2 S SHfE brachse, erschienen ihr im rosigsten Lichte, mit verklärtem Schimmer übergossen. O ja, nur die Liebe, jenes zauverhaft schöne Sehnen und Sichver lehen, das die Dichter so oft besungen, machte das Leben erst lebenswert. Schal und öde, trotzdem sie gleich dem gaukelnden Falter von Genuß zu Genuß geschwebt, war ihr Leben bisher verlaufen. Nun bekam es erst Inhalt und Zweck, den geliebten Mann zu beglücken, ihm eine treue Gefährtin zu sein, aufzugehen in seinen Gedankenkreis. Ernste Arbeit, an der es ihr bisher gesehlt, würde ihrer als Gutsherrin von Wossin warten. Wie sie sich danach sehnte, dem Geliebten würdig zu werden. Sein goldenes, tiefes Gemüt und sein unermüdlicher Arbeitseifer beschämten sie beinahe. Oftmals schon ertappte sie sich auf dem Gedanken, daß sie sich ihres Drohnendaseins zu schämen hätte, zumal ihr Verlobter in regem Pflichtgefühl jede Stunde des Tages ausnutzte und oftmals zur Bewältigung seiner Arbeit noch die Nacht zu Hilfe gehmen mußte. Unsagbar klein und unbedeutend kam sich Amanda in solchen Augenblicken vor, aber gleichzeitig reifte in ihr der feste Entschluß, wenn sie erst Fritz Lebensgefährtin geworden, teil an seinem Schafsen und ihm als treuer Kamerad einen Teil der Arbeit abzunehmen. Ja, wenn es nur erst so weit wäre, daß nichts als der Tod sie von dem geliebten Manne trennen könnte; denn zuweilen bangte dem jungen Mädchen davor, daß das Uebermaß des Glückes, in dem es beständig schwebte, einmal ein jähes Ende nehmen könne, zumal nach dem Dichter des Lebens ungemischte Freude keinem Irdischen zuteil ward. Mußte das es umgebende schöne und reine Glücksgefühl nicht den Neid des Schicksals hervorrufen? Heftig schauerte Amanda da zusammen, als ob das unheilbrütende Verhängnis bereits auf dem Anzuge sel. Aber das Zusammensein mit dem Verlobten verscheuchte solche trüben Gedanken nur zu bald. Da waren sie verflogen, und die Zukunft erschien der holden Mädchenknospe im rosigsten Lichte. „Wissen gnädiges Fröulein auch,“ redete nach einiger Zeit die Zofe ihre in Gedanken versunkene Herrin an, „daß Sie eine unversöhnliche Feindin hier haben?" Hastig wandte sich Amanda nach dem aufräumenden Mädchen um:„Eine Feindin?!“ fragte sie erstaunt. „Ich wüßte nicht, daß ich jemand auch nur das geringste auf Wossin zuleide getan habe.“ „Und doch haben gnädiges Fräulein in der Zofe der gnädigen Frau Baronin eine unerbittliche Feindin,“ erwiderte Berta. Belustigt lachte Amanda auf.„Die Feindschaft kann ich ertragen, obwohl ich mich nicht erinnern kann, der dummen Person auch nur das geringste Unrecht zugejügt zu haben.“„38 „Die dumme Gans haßt das gnädige Fräulein geradezu,“ nahm Berta den Faden wieder auf; denn es drängte alles in ihr, die große Neuigkeit, die sie gestern abend erfahren, dem jungen Mädchen zu unterbreiten. 116632 :„Das wird ja immer schöner,“ antwortete belustigt Amanda.„Schließlich kommt ein veritabler Schauerroman dabei heraus. Was habe ich dem Mädchen eigentlich angetan?“ „Das gnädige Fräulein haben durch die Verlobung mit dem Herrn Baron den Plan der dummen Gans gründlich verdorben,“ entgegnete die Zose. „Das verstehe ich nicht,“ bemerkte erbleichend Amanda; denn ein Gefühl namenloser Angst vor etwas Traurigem schlich sich in ihr hoch und schien sich krampfhaft um ihr Herz zu legen. Mit erschrockenen Augen blickte sie zur Zose hinüber, die ihr den Rücken zugekehrt hatte und sich beim Aufräumeo der Sachen nicht Kören ließ. Am liebsten wäre die auf das Madchen zugeeilt, um hastig nach Einzelheiten zu fragen. Aber eine solche Blöße durfte sie sich dem Dienstboten gegenader nicht geben. Eine gleichgültige Miene zur Schau tragend, trat sie an das Fenster, um in den Parr hinauszublicken. Doch ihre Augen sahen das grüne Blättermeer rein mechanisch. Ungeduldig erwariete sie nähere Erklärungen Bertas. Nur einen Augenblick hatte das Mädchen geschwiegen, aber diese kurze Pause erschien Amanda fast unerträglich. Ungezählte Gedanken kamen und gingen ihr durch den Kopf. Was würde sie zu hören bekommen? Sie sollte dem Mädchen das Konzept verdorben haben." Das konnte doch nur auf ihren Fritz gemünzt sein, was ihr wiederum unfaßbar zu sein schien; denn daß sich jenes Géschöpf auf ihren Fritz hätte Hoffnungen machen können, war doch geradezu absurd. „Das Mädchen glaubte, daß auch der jetzige gnädige Herr es zu seiner Geliebten machen würde, wie der ermordete Herr Baron.“ Jetzt war es heraus, und wie von einem Alpdrucke befreit, atmete Amanda auf. Das also war's.„Pfui, wie gemein,“ kam es verächtlich über ihre Lippen. Nach einiger Zeit fragte sie:„Besaß denn jenes Geschöpf Anhaltspunkte, die es zu dieser Annahme berechtigen konnten?" Langsam wendete sie sich um und blickte erwartungsvoll zu der Zofe hinüber, die ihre Arbeit inzwischen beendet hatte. „Verliebte Augen hat das Mädchen dem gnädigen Herrn genug gemacht, und er hat es ja wohl auch mal in die Wangen gekniffen und das Gesicht gestreichelt, aber das soll vorher gewesen sein, als sich der Herr Baron noch nicht mit dem gnädigen Fräulein verlobt hatte, dann aber sah er die dumme Gans überhaupt nicht mehr an. Und da hat sie nun auf das gnädige Fräulein ihren Haß geworfen. Das sieht man ihr auch an den Augen an. Wenn sie könnte, würde sie das gnädige Fräulein am liebsten nach dem Mande wünschen.“ Triumphierend, sich freuend, ihrer Herrin das große Geheimnis, das sie seit gestern abend drückte, verkündet zu haben, sah die Zofe Amanda an, die gedankenvoll zum Fenster hinausblickte. Ein eisersüchtiges Gefühl wollte sich in ihr breit machen, aber sie verlachte unmittelbar darauf ihre Torheit.„Woher wissen Sie das?" sragte sie. „Eine der Mamsells erzählte mir davon,“ antwortete Berta. Also Dienstbotenklatsch, sagte sich beruhigt Amanda, laut aber fragte sie:„Woher schöpfte die Mamsell die Kenntnis „Jedermann auf Wossin weiß es ja, daß die des ermordeten gnädigen Herrn Geliebte war, Er hat sie dafür reich beschenkt, so daß sie sich ein schönes Stück Geld gespart hat,“ entgegnete die Zose. „Und was nun den jetzigen gnädigen Herrn betrifst, aber gnädiges Fräulein werden mir das doch nicht so übelnehmen?“ unterbrach sie sich, um auf ein verneinendes Kopfnicken Amandas fortzufahren,„so hat die Mamsell selbst gesehen, wie der Herr Baron die e Person die Wangen gekniffen hat. Sie erzählte auch, daß alle Dienstboten auf dem Schlosse wüßten, wie die Zose um den gnädigese Herrn herum sei, und da er jetzt nichts mehr von ihr wissen wolle, habe das dumme Frauenzimmer eine furchtbare Wut auf das gnädige Fräulein geworfen. Mehrmals hat sie die Fäuste hinter Ihnen, gnädiges Fräulein, gedroht. Das haben mir die anderen Mädchen, die ich danach befragte, bestätigt. Sie reden sonst nicht darüber, da sie fürchten, dann entlassen zu werden. Mit der Zose aber redet kein Mädchen, denn mit so einer Person will niemand etwas zu tun haben.“ (Fortsetzung folgt.) 00 90 1 Dir wirds so leicht „ gemacht Dein Haar schuppenrein Schös und guund zu er halten: durch regelmäßige Pliege mit dem Kräuterhaarwasser Javol.: Belebt und erfrischt Kopfhaut und Nerven, macht das Haar weich, dultig u. gesund. Javol ist in allen Apotheken, Orogerien. Parlümerien u. bei Friseuren erhälllich. 8 die Katholiken Deutschlands zur Hilseleistung für die Hungernden in Rußland. Die eingehenden Spenden sollen als Totenopfer zum Godächtnis des verstorbenon Papstov seinem Nachfolger überreicht werden. Weltrundschau. dem Reich. Einfühung Rathenaus. Berlin, 7. Febr. Dr. Rathenau ist vom Reichskanzler Dr. Wirth in sein Amt eingeführt worden. Deutsch polnische Verhandlungen. Berlin, 7. Febr. Der Wiederbeginn der deutschpolnischen Verhandlungen, die am 6. Fedruar unter dem Vorsitz von Bundesrat Calonder in Geuf hätten stattfinden sollen, ist auf den 10. Februar verschoben worden. Deutscher(svangelischer Pfarrerverein. Der Deutsche Pfarrerverein umfaßt zurzeit 37 Vereine mir 14 500 Mitgliedern und ist angeschlossen an den Bund höherer Beamten. Der Westfälische Pfarrerverein zählt 660 Mitglieder, von denen 11 im letzten Berichtsjahr gestorben sind. Ein seltsames Verhängnis. Die Intendanz des Chemnitzer Theaters schreibt der Presse: Anläßlich der am Mittwoch, den 23. Januar angesetzten Oper„Die tote Stadt" wandte die Intendanz, durch Absage genötigt, sich an die Darstellerin der„Marietta" nach Dessau. Die Intendanz bot der Dame 2000 Mark und verpflichtete sich, auch noch den Steuerabzug zu tragen. Das sind also 2200 Mark. Die Dame verlangte aber außerdem noch die Hin= und Rückreise bezihlt und den Aufenthalt im Hotel. Da die Intendanz das licht bewilligte, schlug sie die 2200 Mark für ein einmaliges Auftreten ab.— Wie aus dem Berichte über den Dessauer Theaterbrand hervorgeht, handelt es sich bei diesem. nicht zustandegekommenen Gastspiele um die Sängerin Heiling, die bei der Katastrophe in den Flammen ihren Tod fand. Wäre sie an dem Tage nach Chemnitz gefahren, wäre sie von diesem grauenvollen Tod verschont geblieben. Seltsame Schicksalstragik! Aufruf an die Katholiken Deutschlands zur Hilfeleistung für das hungernde Rußland. Die„Germania“ meldet: Die Kardinäle Bertram, Fürstbischof von Breslau, und Schulte, Erzvischof von Köln, veröffentlichen einen Aufruf an der Segen des neuen Papstes. Rom, 7. Febr. Am Montag mittag 12 Uhr 43 Min. trat der neugewählte Papst auf den äußeren Altan der Basilika der Pererskathedrale zur Erteilung des Segens. Während die Päpst seit dem Tode Pius XI. vom inneren Balkon der Basilika Fihren Segen spendeten, spendete ihn P'us Kl. vom äußeren Altan. Das Volk, das trotz des Regens sich in großer Zahl auf dem Sankt Petersplatze eingefunden hatte, empfing den Papst mit stürmischen Beitallsrufen. Die in Reihen aufmarchierten vealigähreng Haargg, präsentierten die Gewehre. Während ous Vorr in erneute Ovationen ausbrach, breitete der Papst als Zeichen des Grußes die Arme aus und erreilte den knieenden Gläubigen den päpstlichen Segen Der Papst trug noch den roten Mantel und den Kardinalshut. Zerstörtes und ausgeliefertes Kriegsmaterial Paris, 7. Fedr. General Nollet erklärte bei der Beratung des Gesetzentwurfes für Militärreform, daß Deutschland folgendes Kriegsmaterial auslieferte bezw. zerstörte: Kanonen und Rohre 40635, Minenwerfer 11592, Maschinengewehre und Rohre 318631, Tragwassen 482337, Flammenwerser 1116, Flugzeuge 16967, Motoren 31640 Von 6942 Fabriken, die Kriegsmaterial herstellten, wurden 6097 dem Betrieb freigegeben. Lehle Brühlmeibungen. Eigenes Depeschendienst. Vertagung des Reichstages. Berlin, 8. Febr. Die für gestern angesetzte Sitzung des Reichstages ist auf Beschluß des Aeltestenrates vertagt. Es wurde aber in Aussicht genommen, sie für Donnerstag oder Freitag anzuberaumen, je nachdem es dem Reichsverkehrsminister möglich sein werde, besondere Parlamentszüge einlegen zu lassen. Der Präsident des Reichstages wurde beauftragt, sich deswegen mit dem Reichsverkehrsminister in Verbindung zu setzen. Das Ende des Eisenbahnerstreike in Sicht. Während der Sitzung des Reichskabinetts am gestrigen Dienstag Abend wurde der Reichskanzler durch Führer der Gewerkschaften, die ebenfalls in der Reichskanzlei berieten, davon in Kenntnis gesetzt, daß Vertreter der Reichsgewerkschaft der Eisenbahnbeamten bäten, mit dem Reichskanzler über den Streikabbruch verhandeln zu dürfen. In der zehnten Abendstunde wurde über folgende Erklärung Uebereinstimmung erzielt: Die Reichsgewerkschaft gibt die Erklärung ab, daß sie noch heute abend den Streik als beendet erklären wird, nachdem der Reichskanzler seinerseits im Namen der Reichsregierung ausgeführt hat, daß bei dem sofortigen Abbruch des Streiks die Disziplinierung nach den vom Gesamtkabinett aufgestellten Richtlinien erfolgen wird. Die Reichsregierung wird bei dem sofortigen Abbruch des Streiks in der Anwendung und Durchführung der Disziplinarmaßnahmen von Disziplinarverfahren und Massenentlassungen absehen. Den in Frage stehenden Beamten wird ihr Beschwerderecht selbstverständlich vollständig gewahrt. Damit ist der Streik der Eisenbahner beendet die Vertreter der Reichsgewerkschaft erklären noch, an alle Organisationen im Lande noch in der Nacht zum Mittwoch die Weisung ergehen zu lassen zum Abbruch des Streiks. Am heutigen Mittwoch, dem 8. Februar, läuft der Termin ab, bis zu welchem sich die Streikenden wieder zur Arbeit melden müssen, um nicht ihre Stellung zu verlieren. Freilich ist es dennoch fraglich, ob alle Streikenden ihren Führern in den rganisationen folgen werden. Dewet f. Aus Blomfontain wird gemeldet bekannte Burengeneral Dewet, ein Führer im südafrikanischen Feldzuge, ist gestorben. auch nicht mehr dem Vorstand des Weichenstellervereins Schwerte angehöre. August Ströder, Weichensteller. Briefkasten. H. A. Die Grenze, bis zu welcher eine Veranlagung zur Einkommensteuer nicht erfolgt(bisher 24000 Mark, jetzt 50000 Mark), betrifft nur das Einkommen als Arbeitslohn. Einkommen aus Kapitalvermögen wird stets veranlagt, sofern es die steuerpflichtige Höhe erreicht. Für 1921 waren für einzeln stehende Personen 3000 Mark, vom 1. Januar 1922 ab sind 7800 Mark steuerfrei. Eingesandt. (Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung. Zu dem Bericht im tokalen Teil der„Schwerter Zeitung“ vom Samstag, den 4. Februar:„Deutscher Gewerkschaftsbund“, sei denjenigen, die sich über meine Teilnahme an der Versammlung des Deutschen Gewerkschaftsbundes am 3. Februar(wie irrtümlich berichtet), aufgeregt haben, zur Beruhigung mitgeteilt, daß ich nicht an der fraglichen Versammlung teilgenommen habe und Virkiaet vom 7. Februar 1922 mitgeteilt vom Barmer Bank=Verein, Schwerte 5% Deutsche Reichsanleihe....... Barmer Bank=Verein Deutsche Bank Oiskonto.............. 4 Dresdner Bank Hamb=Amer.=Bak......... 66 Algem. Elektr.=Ges.......... 1900 Baroper Walzwerk Bochumer Guß...... 4 Bösperde Walzwerk........... 66 Daimler Motoren Deutsch=Luxemburg............1660 Deutsche Kaltwerke Opnami............ 3701, Elbecf Farbw...... 570½ Essener Steinkohlen Gelsenkirch Bergw Gasmot. Deutz.............., 78 Harpener Bergw. Hoesch................ Humboldt Masch. Mannesmann...............03 Overschles. Eisenb.=Bed....... 620 Orenstein&ap Koppel........... Phönix Bergbau....... Pop. 1350 Rhein. Stahlwerke... Rombacher Stucer.......... Siegen=Solingen.............. Ver. Dt. Nickelwerne Weltf. Draht=Ind.,„örag.........608 Westf. Eisen, Langenorre........ 608 Kin de Schaitattung vountwontich, Kas=Ficher: Ifür Lokales und Provinzielles: Friedrich Kraas, beide in Schwerte. Banksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme und die reichen Kranzspenden beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pastor Nell am Grabe, sagen wir allen, auch dem Frauenverein Schwerterheide, unsern berzlichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Heinr. Weiher. Für die vielen Glückwünsche und Beweise aufrichtiger Anteilnahme an dem Feste unserer goldenen Hochzei! sprechen wir hiermit unsern““: herzlichsten Dank aus. Schwerte, d. ö. Februar Friedrich Dudt und Frau. Wegen Krankheit des jetzigen für sofort oder später sauberes, ehrliches Tages=Mädchen esucht. 686 Zu erfragen in der Geschäftsstelle dieser Zeitung Liebedeine Kinder Eine Erziehungslehre für die deutsche Familie von Studienrat Georg Kleyer, mit bildlichem Pe. Sin O liefert schnellstenie Drückarei C. Rraus Trockenes Brennholz Möbliertes Zimmer Schmuck von Josef Miadiener geb. Nr. 42.00 Ein Buch für Eltern I denen das Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt und ein Beitrag zum inneren Aufbau unseres deutschen Volkes Kommunistische Partei. Geffentl. volksversammlung am Donnerstag, dem 9. Februar, abds. 7 Uhr, im Lokale der Ww. Köfter=Schwerte. Referent: Fudor, Düsseldorf Thema: Der Steuerraub ar den Arbeitern. Eintritt 1 mit Morgenkaffee evtl. voller Pension lsuchen wir für eine klein geschnitten, vorräti|Herrn unseres techstischen K Gamol Schmorto. Betriebes in gutem Haus k. homet, Guhcerer.] Zu erftagen in der Ge häftsstelle der Zeit ung. Buchhandlung C. Braus. Die mit Beginn des nächsten Schuljahres schulpflichtig werdenden evangel. Kinder sind am Mittwoch, den 8. Februar 1922 oder am Freitag, den 10. Februar 1922 morgens zwischen 10 und 12 Uhr, in der alten Schule am Markt, Zimmer unten rechts, anzumelden. Schwerke, den 6. Februar 1922. Die Stadtschuldepukation. nr I Elektrizitäts=Unternehmungen ARdoifwortmann S Hwogste. 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Heft 1), Monatsblatt des Sauerländischen Heimatbundes. Josefs=Druckerei, Bigge. Der Wert der Heimataneldote Zu den wenigen Goldwerten, die uns die Habsucht unserer Hasser und Neider nicht hat nehmen können, gehört der Humor, das gemötliche Lachen der Seele, das auch in trübste Stunden noch ein wärmendes Sonnenstrählchen wirft. Nach dem Friedensvertrag von Versailles müßten wir ja in Sack und Asche Buße tun für Sünden, die man uns allzugern andichten möchte. Der wirtschaftliche Schmachtriemen, den man uns umgelegt hat, würde das sehr erleichtern, wenn wir nicht doch im Innern noch kerngesund wären. Als gutes Zeichen dieser inneren Unverdorbenheit dürfen wir es nehmen, daß da und dort und allenthalben die goldige Sonnenblume Humor recht kräftig blüht und ihre leuchtenden Strahlen aussendet. Eine besondere Spezies des Humors bildet die Heimat=Anekdote, die, von gewissen Ueberästhelen über die Achsel angesehen, bisher nicht immer die Würdigung erfahren hat, die ihr von rechtswegen zukommt. Sie hat etwas Derbes, Grovschlächtiges, Breitkörniges, wohl gar etwas Klobiges und nicht immer Salonfähiges an sich, diese HeimatAneldote westfälischen Schlages, und deshalb wird ihr von den Ueberfeinen, Zimpeligen und Süßelnden der Platz am Tisch verwehrt. Aber ebensowenig wie man dem„derbkomischen Epos“ des Dr. Karl Arnold Kortum seine literarische Bedeutung als Sondergattung im Schaffen humoristischer Schriftsteller hat nehmen können, ebensowenig wird man es serng bringen, die Liebe zur Heimat=Anekdote aus den Herzen des gesund empfindenden Volks zu reißen. Eine prüchtige Neuerscheinung auf dem Gebiete der Heimat=Aneldote bietet der Verla: E. Holterdorf in Oelde in einem 10• Seiten umfassenden Bändchen, das, mit einer lustigen Zeichnung geschmückt, unter dem Titel„Die lachende Heimat. Hundert Anetdoten und Schnurren aus dem Herzen Westfalens“ soeben herausgekommen ist. Als Verantwortlicher zeichnet nach den Erzühlungen der Frau Schulze=Brüllmeier der Leider Windmüller, der sich schon bei den Lesern der in Westsalen wegen ihrer frischen und freimütigen Art guten Rufes jeneßenden„Lelder Glocke“ durch seine durschitosen Plaudereien gut eingeführt hat. Sehr treffend ist, was der„Oelder Windmüller“ seinem frohmachenden Buche in Form eine: Vorwortes über den Wert der HeimatAnekdote vorausschickt. Weil das, was er da sagt, ganz unserem Denken und Empfinden entspricht, möchten wir es hier wiedergeben. Der Oelder Windmüller schreibt: „Aeis man verloren hat, lernt man erst richtig einschätzen. Im Alter sehnt man sich nach der zu früh entschwundenen Jugendsorglosigkeit, in der Fremde empfinden die meisten Leute erst den vollen Zauber der Heimat. Das ist eine oft gehörte Binsenwahrheit, die indessen nur die unbestreitbare Tatsache konstatiert, nicht aber sagt, wie es dazu kommt. Demjenigen, den des Lebens Geschile frühzeitig in die Ferne verschlugen, ist die Heimar wie das entschvundene Kinderparad#es. weil die Jugendzeit ihre lebendige Seele ist und bleibt. In den Feierstunden, die ihm die Berufsarbeit läßt, träumt er von ihren Winkeln und Gassen, aus denen die Erinnerung an selige Tage lacht, und aus den losen Scherzen und dreisten Bubenstreichen, aus den lustigen Anekdoten und harmlosen Schnurren, die er später erzählen hörte, fühlte er jenen Hauch von Liebe und Herzlichkeit emporsteigen, der immer der eigentliche Grund seines Heimwehs bleiben wird. Wie die lustigen Momente der Soldatenjahre um diese Zeit verhaßten miliMunuuugunguuugnsuuguusun hingebung. sollst auf meines Herzens höchste Höhe steigen Und meiner Seele in die Täler sehn. Ich will den Arm dann um dich legen und dir zeigen, niemand drunten sah in Blüte stehn!... Tann sollst du Hand in Hand mit mir herniedersteigen, Sollst still durch meiner Seele Clühen gehn Und alles, alles nehmen, was du als dein Eigen Von jener höchsten Höhe konntest sehn. W. Sperlbaum. Mummnugunuuuuggn tärischen Drills so viel Herzerquickendes weben, daß alte Leute kaum wieder aufhören können, wenn sie Kasernenhofgeschichten erzählen, so liebt auch der in die Ferne Verschlagene seine Heimat meistens darum inniger, weil er die Stätte seiner Kindheit, seiner Jugendtraumseligkeit mit fröhlichen Erlebnissen durchwirkt und über alles den rosigen Märchenschleier der heitersten, lachendsten Erinnerungen gebreitet hat. Seine Heimat ist immer eine Welt im Licht. Wer aber nie sein Vaterhaus, die Gemeinde oder Stadt seiner Eltern verlassen hat, dem ist die Heimat leider meistens nur die altgewohnte Arbeitsstätte. Er kennt sehr wohl ihre Wege und Stege. ihre Verdienstmöglichkeiten, er ist stolz auf ihre Industrieanlagen, auf den Holzreichtum ihrer Wälder, die Ertrüge ihres Ackerbaues und die fortschreitende Entwicklung ihrer Viehzucht. aber er weiß nichts von einer lachenden, fröhlichen Heimat. Er steht zu ihr wie ein Kind zu einem fleißigen und immer sorgenden, aber stets ernsten und pflichtstrengen Vater, den es noch niemals heiter sah. Sollte er nicht ein innigeres Verhältnis zur Heimat gewinnen können, wenn er ebenjalls um ihr Bild den bunten Rosenkranz röhlichster Jugenderinnerungen winden wörde? Wie ein einziger farbensprühender Blumenstrauß das nüchternste Zimmer festlicher macht, so würden sich die wirren Blüten törichter Schnurren und heimatlicher Scherze um die gewohnten Arbeitsstätten und Dorfplätze ranken, daß man den Alltagsstaus nicht mehr sieht, der alles so leicht zu Leid und Last macht.“ Die gemütlich=drolligen Geschichten, die der Windmüller in seinem Büchlein bietet, sind wahrlich dazu angetan. frischgrünes, blumiges Geranke zu schlingen um den Alltagsplatz der Arbeit und einen Ton unbekümmerter Fröhlichkeit hineinzutragen in unser tristes Zeitgenossendasein. Sind sie vielfach auch örtlichen Charakters, so geben sie sich doch in ihrer volkstümlich-behäbigen Aufmachung so traut und traulich, daß man ihren Ursprung nicht nur in Oelder oder Beckumer Winkeln und Gassen zu suchen braucht. Auch derjenige, dessen Wiege in einem anderen Eckchen unseres westfälischen Heimat ande gestanden hat, wird in ihnen den Ruch echten Niedersachsentums verspüren und den„westfölischen Ulenspeigel“ da und dort aus ihnen herauslugen sehen. Auf alle Fälle dürfen wir denen, die sich an guter, gewürzter Hausmannslost erlaben wollen, empfehlen, sich„Die lachende Heimat“ anzuschaffen. In Stunden des Mißmuts und der Verzagtheit wird ihnen das Büchlein ein willkommener Tröster sein. W. Oschmann. Von einem, der bettelarm und doch er Reichste war. Wilma Weierhorst. Arm war er, bettelarm. Er hatte nichts von den Reichtümern der Ander'n und waßte von seinem, dessen Gunst sie ihm je gegeben hätte. Doch eines nannte er sein eigen, das löstlicher war, als alles in den Häusern der Reichen und wertvoller als alles Gold der Welt. Und das war eine zwölffach gegiederte, z veisach geteilte Schale, die. weißer und durchsichtiger als zartester Alabaster, einen Duft von rubinfarbenen Rosen trug. durch die ein feines, blaßblaues Geäder lien das hin und wieder aufsprang und die Schale mit einem schweren, dunkelrotglühendem Weine füllte. Dann lud er jene. die sich seine Freunde nannten und alle die sagten, daß ihnen dürste ein, davon zu trinken. Und sie kamen und tosteten und fragten:„Hast du noch mehr von diesem Weine? Und unter welcher Sonne ist er dir zu solcher Kraft und Süße gewachsen?“ Er aber wußte ihnen keine Antwort darauf. Er lächelte nur still in sich hinein und gab von seinem Wein soviel. bis sie berauscht an seinem Tische saßen. Da wurden seine Lippen weiß wie der Schnee und seine Augen brennend und dunkel wie sternenlose, tiefe Nacht. Und niemand sah, wie er die Schale mit leisem, bangem Zittern hielt. Und erst da, als er schwankte, sprangen sie auf. ihn zu stützen. Doch zu spät. Die Schale fiel, mittendurchgebrochen. Und dann—— hatten sie einen Toten im Arm. Mit scheuen, schuldbewußten Blicken schlichen sie sich fort. Denn nun waren ihnen die Augen aufgegangen und angstvoll flästerten sie:„Wir—— haben aus seinen Händen——— sein Herzblut getrunken.“ Ein Tagebuchblatt des jungen (Geschrieben im Alter von 19 Jahren.) Erlangen, am 7. Februar 1794. Es war wieder ein heiterer und schöner Tag, auf meinem einsamen Spaziergange im Schloßgarten, welcher mich lebhaft an die Spaziergäng, mit meinem Kramer im vorigen Winter zu derselben Stunde erinnerte, bildete der Plan meines künktigen Geschäftslehens han Doc OGAO 0GOA A8233888 Xooedondec eis:s S. 23. 388288888888=8.—.— 600o. Jen * 0 : P B 8 2 3 8 S 3 5 9 *"* 9 5* u# 3* * Gegenstand meines Nachdenkens. Ich Lehöre zunächst meinem Vaterlande(Vincke nennt Westfalen stets sein„Vaterland“), an, ihm ward ich geboren, es beglückte meine Väter, ihm will ich dienen, ihm meine rästlose Tätigkeit weihen und so der mir stets eigentümlichen Anhänglichkeit für alles, was Westfalen betrifft, genügen. Ich könnte auch im Genuß der grösten Ehre, des glänzendsten Reichtums außer Westialen nicht glücklich sei auch die bedeutendsten Ehrenstellen werde. mich nie dalaus entfernen. Eine nüt Tätigkeit in meinem Vaterlande, das ist bescheidene Wunsch meiner Secle: es noch hinter manchen Teilen Denischlands rück aber es enthält die Kräfte, es allen zuvor, wenigstens gleich zu tun. Ich fürchte auch nicht, daß mich Neid. Mißgunst, Eigennun andertt Menschen beschränken, daß mein Ein P. tig mich erkennen wird; denn wer nur Lust und Liebe hat, tätig zu sein, der darf sich dessen nie kümmern, es eröffnen sich immer nuch Wege, genug, seinen Mitbrüdern nünzlich zu werden, wo ich aber das alles Elwas vom Sauerkraut. Wir wissen es alle: Das Sauerkraut ist ein deutsches Gericht, und der Deutsche ißt es gern. Der Franzose Jules Vernes hat's wohl für unser Leib= und Nationalgericht gehalten, denn er läßt in seiner phantastischen Erzählung:„Die 750 Millionen der indischen Prinzessin“ einen deutschen Professor aufmarschieren, der neben einem recht borstigen Schuurrbart und allerlei sonstigen üblen Angewohnheiten die sonderbare Gepflogenheit hat, täglich abends eine Schüssel zu vertilgen und ein Maß Bier zinten. Ganz so schlimm ist's nun um uns bestellt und bei aller as„Eingemachte" lieben unn,— und die Männer mit vermynten Gaumen nicht minder— techt abwechstungsreichen Küchenzettel, der uns selbst heute, trotz manchertei Entbehrungen. noch täglich ein anderes Gericht an den Tisch zu setzen weiß. Zunächst, um den Franzosen Vernes zu korrigin#en: Das Sauerkrant ist eine Winterspeise, also nicht für den täglichen Küchen##e#rlel einer deutschen Haushaltung bestimmt. Aber eine gesunde Speise ist das Kraut Der Dichter Börne sagt davon in „Der Narr im weißen Schwan":„Das Sauerkraut ist ein echt deutsches Essen; die Deutschen haben es erfunden und pflegen es mit aller Zärtlichkeit, deren sie fähig sind.“ Allerdings liegt diese„Erfindung“ schon ziemlich weit zurück. Schon Kaiser Karl der Große hat die Vorzüge des Sauerkrants erkannt und Vorschriften erlassen, wie und wann das Kraut einzulegen sei. Die späteren Kaiser haben sich anscheinend weniger um die Herrichtung gekümmert, wenigstens weist die Geschichte nicht nach, daß in den späteren Jahrhunderten vom Staate aus nach dieser Richtung hin Reformen nötig gewesen wären. Auch über den Erfinder weiß man nichts zu sagen, obschon der Dichter Uhland in seinem Metzelsuppenliede auf einen Deutschen hinweist mit den Worten: „Auch unser edles Sauerkraut, Wir sollens nicht vergessen; heutscher hats zuerst gebaut, ists ein deutsches Essen.“ uertraut in Verbindung mit den oisten Teisen unseres Borstenviehes, dem Speck, den Schiulen und den geräucherten Mettwürsten, weiß man schon lange zu singen und zu sagen, denn in einem Liede heißt er: Und des durchwachsnen S#eckes Kraft V#rrchdringt das Kraut mit würzgem Saft.“ geräucherte Fleisch, auf dessen Zueitung sich schon die alten Germanen verstanden haben sollen, weshalb die römnschen Zeinschmecker sich dieses aus Deutschland kommen ließen, verleiht dem Sauerkraut nämlich einen vorzüglichen Geschmack, und die Kappusfasern, die manchmal auf der rauhen Schabe etwas grob geraten, werden dadurch zartei und milder. Dem Franzosen Jules Vernes, der das Sauertraut mit einer gewissen Verächtlichkeit zu einem deutschen Gericht stempelt, kann entgegengehalten werden, daß auch die Franzosen dieses Essen zu schätzen wissen. Die Franzosen nennen es„choucroute“, eine Bezeichnung, die von dem deutschen Worte „Suermoos“ oder„Suerkrut" abgeleitet sein in Mangeurs de darauf hin. Der französische Schriftsteller Sandu hat die Bezeichnung aufgegriffen und sie in seinem Lustspiel„Mademoiselle de la Seigliere", das in der Emigrantenzeit zu Ende des 18. Jahrhunderts soielt, verwertet. Der Marquis de la Seigliere spricht mit seiner Tochter über ihren 24 jährigen Aufenthalt in Süddeutschland. Die Tochter findet das Essen gut und delikat, sie hat es gern gegessen. Der Alte aber hat dem sauren Gerichte keinen süßen Geschmack abzugewinnen vermocht, und er schimpft nach Art altehrwürdiger Marquise recht weidlich über unser armes deutsches„Eingemachtes", wobei er dann verächtlich die Deutschen„Mangeurs de choueroute", also Sauerkrautesser nennt. Möglich, daß zur Zeit des Marquis de la Seigliere das Sauerkraut in Frankreich wirklich noch nicht sehr geschätzt wurde. Seit aber deutsche Soldaten im 70 er Feldzuge das treffliche Gericht dem französischen Volke näher brachten, hat es sich dort„eingebürgert“ und ist heute in der Hauptstadt Paris in den ersten Hotels zu haben.— Auch in Rußland hat das Sauerkraut seinen siegreichen Einzug längst vor dem Weltkriege gehalten. Wie hoch das Sauerkraut bei uns Deutschen in Ehren steht, das ließe sich am besten feststellen an Hand der zahlreichen Festfeiern, bei denen es als erste Speise auf dem Küchenzettel steht. In manchen Gegenden begleitet es den Menschen von der Wiege bis zum Grabe, denn bei der Kindtauffeier ist Sauerkraut das Hauptgericht. auf der Hochzeitstafel fehlt es nicht. und am Begräbnistage läßt es am ehrsten den Schmerz um den Toten vergessen. Auch bei offiziellen Festessen hat Sauerkraut schon oftmals auf dem Speisezettel gestanden. In Werne an der Lippe krönte den „Simonjü"=Kirmestag(Simon=Juda, 28. Ottober stets ein graßes Sauerttautessen. In hiesiger Gegend ba###en die meisten Leute ihren Kappus selber an. Oder aber, sie beziehen ihn von den Bauern um ihn für den Winter in Fässer zu legen. Die Kappusschabe wandert in den Tagen der Einmachzeit von Haus zu Haus und das Festtreten des Krautes vermittels neuer Hoizsyuhe ist für die Kinderwelt stets ein ereign sreicher Tag. Der „Kappusbauer“ aber hat seine Sorge mit dem Kappus, solange er auf den Feldern steht. Denn zu allen Zeiten hat es Leute gegeben, die aus den Mühen anderer ihren Profit ziehen. Ganz besonders versteht sich auf dieses Geschäft die Zunft der Langfinger, die im Herbst auch die Kappusfelder mit ihrem freiwilligen Besuch beehren. Und Spitzbuben verfügen manchmal über ebensoviel Humor als Dreistigkeit. So trugen einmal in einer rheinischen Gegend Diebe ein ganzes Kappusfeld in Säcken fort. Dem Bestohlenen aber ließen sie folgende Inschrift auf dem kahlen Felde zurück: „Wer auf den lieben Gott vertraut Und im Herbst den Kappus klaut, Der hat im Winter Sauerkraut.“ Begreiflich ist dann schon, wenn da ein Bauer mal ein sauertöpfisches Gesicht aufsetzt, das man mit„Suermoosgesicht" bezeichnet. Dieser Ausdruck erinnert übrigens an ein rheinisches Wiegenliedchen: „Heija, füsa Kinneken, Moder het Katrinneken, Vader is enne Kappusbner, Wenn he nao Hüs kümpt, köst he fuer.“ Ein freudestrahlendes Gesicht aber machte Vater oft, wenn die Mutter abends einen Topf Sauerkraut unter dem Bett hervorholbe, wo er in Ermangelung einer Kochlite unter den Kissen die Wärme bei dem Gemise ließ. Manche Leute behaupten auch, aufgewärmi schmecke das Kraut noch mak so dgut. Zweifellos wußte dies auch „.. die Witwe Bolte, Welche in den Keller wollte. Daß sie von dem Sauerkohle Eine Portion sich hole. Wofür sie besonders schwärmt, Wenn er wieder ausgewärmt, wie Wilhelm Busch in seinem lustigen Kuabenbuch„Max und Moritz“ sagt. Der Krieg und die teure Nachkriegszeit haben uns daran gewöhnt, heute manchen Gericht ohne Fleisch zu essen. Fleischersatz waren sehr oft Steckrüben und anderes Dörsgemüse, für das die Soldaten die Bezeichnung„Drahtverhau“ erfanden. Und es denst gewiß heute kein Mensch mehr daran, vour Tische zu flüchten, wenn mal der Fleischteller fehlt, sodaß auch folgendes Sprüchlem seine Berechtigung verloren hat: „Sauerkraut und Rüben Die haben mich vertrieben. Hätt meine Mutter Fleisch gekocht, Dann wäre ich geblieben.“ Hoffen wir, daß die Zeiten bald wieder so werden, daß jeder zu seiner Schüssel Sauerkraut auch sein Stück Sveck oder seine Mestwurst hat. Willi Lindner. Der Brief aus Von Annette von Droste=Hülshoff. Sie saß am Fensterrand im Morgenlicht Und starrte in das aufgeschlagne Buch, Die Zeilen zählte sie und wußt es nicht, Ach weithin, weithin der Gedanken Flug? sind Was so nächt'gen ängstlich ihre Trume? Was scheint die Sonne durch so Räume? — Auch heute kam kein Brief, auch heute nicht. Seit Wochen weckte sie der Lampe Schein, Hat bebend an der Stiege sie gelauscht, Wenn plötzlich am Gemäuer mnackt der Schrein, Ein Fensterladen auf im Winde ranscht,— Es kommt, es naht, die Sorgen sind geendet! Sie hat gefragt, sie hat sich abgewendet Und schloß sich dann in ihre Kammer ein. Kein Lebenszeichen von der liebsten Hand, Von jener, die sie sorglich hat gelen#t, öde Als sie zum erstenmal festem Stand Die zarten Kinderfüßchen hat gesenkt; Versprengter Tropfen von der Quelle Rande. Harrt sie vergebens in dem fremden Lande: Die Tage schleichen hin, die Woche schwand. Was ihre rege Phantasie geweckt? Ach, eine Leiche sah die Heimat schon, Seit sie den unbedachten Fuß gestrecht Auf fremden Grund und horte fremden Ton; Sie küßte scheidend jung und frische Wangen, Die jetzt von tiefer Grabesnacht umfangene Ist's Wunder, daß sie tödlich aufgeschreckte In Träumen steigt das Krankenbett empor, Und Züge dämmern, wie in halber Nacht Wer ist's? sie weiß es nicht und spannt das Ohr, Sie horcht mit ihrer ganzen Seele Dann fährt sie plötzlich auf beim Winderrauschen Und glaubt dem matten Stöhnen noch zu lauschen Und kann erst spät begreifen, daß sie Doch sieh, dort fliegt sie übern glatten Flur. Ihr aufgelöstes Haar umfließt sie rund. Und zitternd ruft sie, mit des Weinens Spur: „Ein Brief, ein Brief, die Mutter## gesand!? Und ihre Tränen stürzen wie zwei Quekleu, Die übervoll aus ihren Ufern schwell#n: Ach, eine Mutter hat man eimmal midt 55553 g Gf3hSSEG S 5 8 8 9 2 2 u 2 5 Wenkspruch. Der sittliche Mut ist es, der die höchste Stufe der Menschlichkeit kennzeichnet; der Mut, die Wahrheit zu suchen und zu lagen; der Mut, gerecht und rechtschaften zu sein; der Mut, der Verluchung zu wickersiehen und leine Pflichten zu ersüllen. Smiles. Warum ich ledig blieb. Erzählung von Paul Bliß. Na#hbruck verbeten.) Von der Zeit an sah ich sie nun fast jeden Tag; denn ich hatte Verkehr in der Familie meines Chefs, und mit jedem Tage empfand ich es klarer, daß mein Herz dem schönen blonden Mädchen gehörte. Auch sie wurde bald zutraulich, und wir wurden gute Freunde. Nie aber verriet ich mit Blick oder Wort meine Gefühle. Das wundert Sie? Ja, junger Freund, ich war ein armer Teufel, in bitterster Not und Entbehrung war ich groß geworden, und das, wissen Sie, das macht den Menschen bescheiden und demütig, das lastet immer wie Fesseln an uns, so daß wir Armen nie so recht den Mut haben, mit voller Lust zuzugreifen, wenn auch uns das Glück einmal lächelt. Sie war die einzige Tochter eines reichen Mannes, und ich war ein armer Schlucker, der nichts hatte als ein liebevolles Herz und vielleicht eine gute Zukunft. Ich wagte also gar nicht ernsthaft daran zu denken, daß meine Pläne sich je verwirklichen könnten. Nun, ich will mich kurz fassen. Ein Jahr darauf heiratete sie den Erben einer Million. Ich war auch zu der Feier geiaden. Oh, ich ertrug alles mit einer erstaunlichen Ruhe. Niemand ahnte, was ich innerlich litt. Für alle hatte ich ein freundliches Lächeln. Und erst abt is, als ich wieder allein war in meiner öden Einsamkeit, da erst überkam mich der ganze Schaner, da erst sank ich zusammen wie vernichtet, und da warf ich mich aufs Bekt und preßte das heiße Gesicht hinein und schluchzte auf im wilden, wütenden Schmerz. Aber, du lieber Himmel, so ein armes Herz kann viel vertragen. Ich tam auch darüber fort, aber an jenem Abend leistete ich mir einen Eid. Ich mußte Geld schaffen, ich mußte reich werden. Ich hatte ja gesehen, wie dies glänzende Gold alles regiert, alles meistert. Auch ich wollte so dastehen als unabhängiger Mann. Nun, ich habe mir das Wort gehalten. Als ich vierzig Jahre alt war, begann mein Haar bereits zu erbleichen, aber ich war nun ein wohlhabender Mann Ich war noch immer einsam. Sie fragen warum? Ganz einfach, junger Freund, ich hatte gar keine Zeit gehabt, mich zu verlieben. Und dann, so sonderbar es auch tlingen mag, hatten die jungen Mädchen mich als Heiratskandidaten eigentlich nie angesehen. Ich hatte immer so etwas Stilles und Verschlossenes in meinem Wesen, daß jedes Mädchen mir auswich. Schließlich kamen die Frauen und machten mich zu ihrem Verirauten; einen ätieren, erfahrenen Freund sahen sie in mir, aber keinen Liebhaber. Aber da lam eines Tages noch einmal der Sonnenstrahl des Glücks auf mein alterndes Haupt. Ich war bereits sechsundvierzig Jahre, als ich mich noch einmal mit Jünglingsalut verliebte.“ Der alte Herr machte eine Pause und sah einen Augenblick hinaus in die Frühlingslandschaft, die jetzt leise Dämmerung gehüllt dalag. Wie träumend sein mildes Ange auf dem letzten Rest der Abendsonne, der die Spitzen der Wolken vergoldete, dann sprach er mit leiser, gleichsam verschleierter Stimme „Es war einer von diesen Frühlingstagen, ich das junge Mädchen zum ersten Male sah. Es war, als ob mir plötzlich eine neue Sonne aufgegangen wäre, ich sah alles ringsherum in einem strahlenden Lichte, ich war wie geblendet von dieser Fülle jugendlicher Schönheit. Der Vater dieses Kindes war ein Geschäftsfreund von mir, und als er merkte, daß ich mich für seine Tochter interessierte, nahm er jede nur mögliche Gelegenheit wahr, uns zusammenzubringen. Nun, es selang ihm bald.„„ 112 ich mich Lexartig i. Nach wenigen Wochen halte ich mich verurtig in das schöne Kind verliebt, daß es kein Zurück mehr für mich gab. Ich hielt um die Hand des jungen Mädchens an. Die Eltern sagten mir ein erfreutes Ja; denn ich war eine gute Partie, und die Kleine selbst sagle errötend auch ja. Sie zitterte dabei und war auch verlegen, aber ich glaubte, daß dies jun fränliche Scham sei. So verlobten wir uns Ich schwelgte in Glück und wollte die Hochzeit beschleunigt haben, was indessen nicht anging, va erst die Aussteuer fertiggestellt werden mußte. Qualvolle Wochen vergingen für mich. Jeden Tag sah ich meine Braut, und mit jedem Tage verliebter. Schließlich lief ich umher wie ein Blinder, der nur noch Augen für sie hatte. Ich überhäufte sie mit Aufmerksamkeiten und Geschenken, die sie alle mit der gleichen, leise zurückhallenden Liebenswürdigkeit aufDa, eines Tages passierte mir etwas Sonderbares. Ich war mit einigen Freunden zusammen, die mir und meiner Braut zu Ehren ein kleines Fest gaben. war heilerer denn je, fast ausgelassen vor Freude 1nd Glück, und so trank ich denn mehr, als ich vertragen konnte, bis ich einen regelrechten Rausch hatte. Erst als es zu spät war, merkte ich es. Nun bemühte ich mich, meine Ausgelassenheit zu zügein, aber es gelang mir vicht. Auge meiner Krent Plötzlich sah ich das entsetzte Auge meiner Beant auf mir ruhen. Sie hatte meinen Zustand erkannt. Und nun gewahrte ich, wie sie einem jungen Ingenieur lächelnd zunickte, um ihn auf meinen Zustand sam zu machen, und in diesem halben Blick von ihr las ich etwas wie eine Mischung von Spott und Mitleid. Das traf mich wie ein Schlag. Plötzlich war ich sehend geworden. So lange war ich mit blind verliebten Augen herumgelausen, nun im Rausch lernte ich mit einem Male nüchtern sehen. Am nächsten Tage hatte ich mit meiner Braut eine lange ernste Unterredung. Ich sprach zu ihr nicht wie ein Bräutigam, der sich verraten glaubt, sondern als ein guter, alter Freund; denn ich wußte jetzt, das Kind mich nie geliebt hatte. Die Kluft des Altersunterschiedes stand zwischen uns. Unter Schluchzen gestand sie mir denn auch, daß sie den jungen Ingenieur schon immer geliebt habe, daß aber ihre Eltern dagegen wären, weil er arm sei und noch keine genügende Stellung habe, um einen Hausstand zu begründen. Noch an demselben Tage löste ich unsere Verlobung auf und fuhr nach dem Süden. Als ich dann ein Jahr später zurü lkam, waren die beiden Liebesleute vereint. Er hatte eine Anstellung in meinen Eisenwerken bekommen. Sie sehen, so blieb ich ledig.“. Der alteHerr schwieg und sah mit wehmütigem Lächelnd wie träumend in die Frühlingsnacht..... Bumor. Was er liebte. Lisa:„Wirklich, Lotta, ich weiß nicht, was du an Arnold findest! Er liest weder Schiller, noch Goethe, noch Shakespeare, er interessiert sich nicht für Strindberg, für Ibsen, für Hauptmann; was gefällt ihm denn eigentlich?“ Lokta:„Ich, und das genügt mir!“ ** Ee: S SSS#es S SESSG: 6 * E 5 * 95 E 8 5 655 * S S•9S O S 251 * 8 S SS SS# T 2 5E5 6 S S S S 835 2 9.5 8 5 5 8 5 EE GS##e R 1 Die letzte Anwendung der Folter in Deutschland. (Nachdruck verbeten.) Die Zahl der Personen, die namentlich im 15., 16. und 17. Jahrhundert in den verschiedenen deutschen Gerichten, schuldig oder unschuldig, der Folter unterworfen wurden, war unglaublich groß. Aber auch noch im 18. Jahrhundert und sogar zu Anfang des 19. Jahrhunderts, also vor nunmehr 100 Jahren, kam die Folterung noch häufig genug vor, wenigstens in der Form der sogenannten„Territion“, wobei dem Juquisiten die Instrumente noch angelegt wurden, um ihn zu schrecken, ohne die Folter selbst zu vollziehen. Die letzten Fälle werden aus dem Hannoverschen berichtet. Die Territion wurde hier noch im April 1799 bei dem Amte Uslar, in der Nacht vom 4. zum 5. März 1805 in der Stadt Hannover und in der Nacht vom 12. zum 13. März 1818 bei dem Amte Meinersen angkwendet. In dem letzten Falle handelte es sich um einen Köthener namens Wiegmann aus Ottbergen, der im Jahre 1816 beim Amte Meinersen verhaftet wurde, weil er verdächtig war, zwei Pferde des Nachts von der Weide gestohlen zu haben. Bei dem beharrlichen Leugnen des Inquisiten wurde gegen ihn die„Realterrition“ erkannt, und zu diesem Zweck von der königlichen Justizkanzlei in Celle unterm 4. März 1818 eine ausführliche Instruktion an das Amt erlassen, worin es u. a. heißt: der Nachrichter solle, wenn der Inquisit in das Torturgemach eingeführt und ihm zur Vollstreckung des Erkenntnisses übergeben sein wurde, ihm die„zur Peinlichkeit dienenden Justrumente“ vorzeigen, ihn zur Vermeidung der Marter zu einem„ungezwunBekenntnis zu ermahnen, bei beharrlichem Leugnen den Inquisit durch seine herzutretenden Leute angreisen, entkleiden und auf die Folterbank setzen lassen, die Daumschrauben anlegen und mit deren Zuschraubung einen„gelinden Anfang“ machen. Diese genaue Vorschrift wurde von dem Amte laut eingesandten Prototolls folgendermaßen ausgeführt. In dem Gewölbe unter dem Amtshause fand man den Scharfrichter Funke sowie dessen Bruder und neun bis zehn Henkersknechte bereits versammelt. Das ohnehin grauenhafte Gewölbe hatte in dieser Nacht ein schanderhaftes, furchtbares Aussehen von innen. Juquisit Wiegmann wurde vorgeführt, von Kelten losgeschlossen; die Uhr zeigte auf zwölf Uhr fünszig Minuten. Der Juquisit blieb ganz ruhig und schien entschlossen zu sein, al. mit sich machen zu lassen, was man wolle.„Amtsseitig“ ermahnte man ihn nochmals, jetzt, da er Ernst sähe, es nicht auf das Aeußerste ankommen zu lassen. Wiegmann blickte gar nicht um sich und erklärte mit Fassung, daß er unschuldig sei. Hierauf trat der Scharfrichter Funke vor, forderte den Inquisiten nochmals zum Bekenntnis auf und führte ihn etwas zur Seite an den Tisch, auf welchem die Peinigungsinstrumente zur Hand lagen. Hier stellte ihm Funke auf eine grausame Weise, jedoch in aller Kürze vor, was man mit ihm und seinen Knochen jetzt sogleich vornehmen werde, und sodann mußte er vor den Tisch der Beamten treten, die nochmals ihn zu einem gätlichen Geständnis aufforderten. Der Gang der Realterrition war folgender: Zwölf Uhr dreiundfünfzig Minuten gab man dem Scharfrichter den Wink zum Angriff. Neun Knechte fielen mit Drohungen und Geschrei über den Inquisiten her und rissen ihm unter Hin= und Herrausen die sämtlichen Kleidungsstücke vom Leibe, banden ihm eine weiße Schürze vor und zogen ihn nach der Folterbank. Der Inquisit erklärte, er habe nichts getan und könne nichts bekennen. Von den Beamten ward er aufgefordert, sich die Marter zu ersparen. Der Iuquisit schien die Schrierzen zu verachten, der furchtbare Angriff imponierte gar nicht, er sagte ganz ruhig:„Wie kann ich was bekennen, was ich nicht getan?“ Zwölf Uhr sechsundfünszin Minuten besand sich der Inquisit auf dem Marterstuhl, auf den er vor einigen Augenblicken unsauft niedergeietzt war; der Stuhl war etwas zurückgelehnt, damit ver Jnquisit das Marterkissen mit den Stacheln desto mehr fühlen möchte. Wiegmann behielt seine ganze Fassung, antwortete ohne Seufzer und eine Miene zu verziehen: „Ich bin unschuldig!“ Zwölf Uhr siebenundfünszig Minuten waren dem Inquisiten die Hände an die lehne gebunden, die Augen waren ihm gleichfalts verbunden. Er ließ alles geduldig mit sich machen, autworicte jedem Beamten mit Höflichkeit und langsam, „daß er nichts getan habe“. Zwölf Uhr achtundfünfzig Minuten waren ihm die Hände wieder losgebunden, er ward aufgerichtet, ermahnt zur Wahrheit, indem er jetzt Ernst sehe und sich überzeugen müsse, daß dies kein Blendwerk sei. Inquisit sagte ruhig:„Wenn man mich tot martert, ich habe nichts getan, machen Sie, was Sie wollen!“ Vor zwölf Uhr neunundfünfzig Minuten war er bereits wieder auf dem Marterkissen. Nach zwölf Uhr neunundfünfzig Minuten wurde der Stuhl zurückgelehnt; einige Sekunden darauf waren die Daumsticke angelegt. Der Inquisit sagte nichts, hielt geduldig die Hände her, Amtsermahnungen halsen nichts. Vor ein Uhr schrob man etwas, ein Uhr waren solche zugeschraubt, jedoch angeblich gelinde. Der Inquisit schwieg; Ermahnungen fruchtlos. Scharfrichter Funke ließ ihm einen Peitschenhieb geben. Der Inquisit zuckte, weil solcher bei verbundenen Augen unvermutet kam. Kein Laut, kein Seufzer, Ermahnungen vergeblich. Ein Uhr und eine halbe Minute zweiter Peitschenhieb. Der Inquisit schien diesen zweiten Hieb nicht zu achten. Es war ein Uhr eine Minute. Der Marierakt war vorbei, ein Uhr eine und eine drittel Minute wurde der Inquisit vor den Tisch geführt, gestand aber nichts, er antwortete, als wenn er jemandem heftig etwas versicherte:„Wie kann ich etwas bekennen, was ich nicht getan!" Der Inquisit wurde unter dem Vorwande, daß ihm die weiteren Instrumente nochmals sollten umständlich gezeigt werden, an den Tisch des Scharfrichters geführt, hier wurde er mit Salben bestrichen. Er achtete nicht auf die Drohungen und ward ein Uhr zwölf Minuten wieder geschlossen in das Gefängnis abAm folgenden Tage war der Gefangene sehr niedergeschlagen und trug ersichtliche Angst zur Schau, de den ganzen Tag über die doppelten Wachen absichtlich großen Lärm verursachten und von den zu erwartenden Torturen der nächsten Nacht sprachen. Wiegmann erklärte schließlich, daß er sich vor. Angst nicht zu retten wisse, lieber beiennen als sich von neuem martern lassen wolle, und daß er daher um ein Verhör bitte. So weit das Protokoll. Die königliche Justizkanzlei zu Celle rügte jedoch die„eigenmächtig geschärfte Strenge“ des Verjahrens und druckte dem Gericht sein Mißfallen„zur Belehrung für künftige Fälie“ aus. Erfreulicherweise kam es nicht mehr zu„künftigen Fällen“. Eine Verordnung vom 17. April 1822 hob endlich die Tortur in dem Königreiche Hannover auf. Im Jahre 1840 wurde auch Karls V. Peinliche Halsgerichtsordnung zu Grabe getragen, wie in einem Bilde mit den Porträts aller Celler Richter(als Leidtragende) der Nachwelt erhalten worden ist. Und der Inquisit Wiegmann? Nachdem dieser zwar die Folter, ohne zu betennen, überstanden hatte, jedoch alsdann durch die Angst vor ferneren Qualen zur Ablegung eines vollkommenen Geständnisses gedrängt war, wurde er zu einer vierjährigen Zuchthausstrafe verurteilt, starb aber noch vor Ablauf dieser Frist im Zuchthause. N. P. 3