Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Apierbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerler Jeitung“ erschein täglich außer Bezugspreis monatlich 14.— M., bei der 9o1 14.— M., ebne Bestelges, unzeigen. preise: Die 1 mm hehe. 35 mm reite Jeie 80., auswärts 1.— M. Bei Wiederholungen entsptechender Nachlaß u. Taris. Jeder Radatt gilt als Kassenrabatt und er scht bei Konkurs n, Zwangsvergleichen gerid tlichen Klagen: beachlen der gemachtengsbedingungen. „Schmerte: Zeitung" gewöhrt ih#en dennenten für jeden mit Tok er denden Un all a ma) 500 Mark Unfas. ngunge! Druck u. Ver. ag o Carl Braus, S hwe.te Ruhr) Fernsvrech=Anschluß Nummer 6. Telegramm=Adresse: Braus, Schwerte(Tufr. 6., cenn: Dorlmund 28 2, Hannooer 21 7“. Nr. 28 Mit der Aufgabe, den deutschen„Dokumenten zum Kriegsausbruch“, die von Karl„Kautsky zur Veröffentlichung vorbereitet, von General Graf Max Donglas und Professor Dr. Walter Schücking herausgegeben worden sind, eine Sammlung der weiteren Vorkriegsakten des Auswärtigen Amtes folgen zu lassen, wurde im August 1919 zunächst der Mitverfasser der Versailler Denkschrift über die Schuld am Kriege, Professor Dr. Albrecht Mendelssohn=Bartholdy beauftragt; ihm traten, da sich bald herausstellte, daß ein Bearbeiter die gewaltige Aufgabe in absehbarer Frist nicht zu bewältigen vermöge, im Februar und März 1920 als gleichberechtigte Mitherausgeber Dr. Johannes Lepsius und Dr. Friedrich Thimme zur Seite. Für die gesamte Anlage und Durchführung der Publilation tragen die drei Herausgeber, ebenso wie für die Auswahl der Aktenstücke gemeinsam die Verantwortung. Zwar hat unter ihnen eine Arbeitsteilung stattgefunden, dergestalt, daß Dr. Mendelssohn=Bartholdy das Verhältnis zum britischen Weltreich und die Haager Friedenskonferenzen, Dr. Lepsius die Gesamtheit der Ostfragen: Rußland, Oesterreich=Ungarn, Balkan, Türkei, Dr. Thimme die deutsch=französischen Beziehungen, die mitteleuropäische Bündnispolitik, den französisch=russischen Zweibund und die Triple=Entente, sowie die ostasiatischen Fragen bearbeitet hat. Im Fortgang der Arbeit aber kam es zu einem vielseitigen Austausch unter den Herausgebern. Um der Publikation die volle Einheitlichkeit zu sichern, ist auf Grund einer Vereinbarung unter den Herausgebern und unbeschadet der Verantwortlichkeit eines jeden von ihnen für seine Abteilung Dr. Thimme die gesamte abschließende Bearbeitung der ausgewählten Akten bis zur Erteilung der Druckerlaubnis zugefallen. Im ganzen ist durch das konzentrische Zusammenarbeiten nicht nur die gesamte Editionstechnik. sondern auch die Aktenauswahl so stark beeinflußt worden, daß die Herausgeber das Ergebnis ihrer mehrjährigen mühevollen Arbeit nur in voller Solidarität dem deutschen Volke vorlegen können. Die ersten sechs Bände der Publikation, die die Bismarckzeit von 1871—1890 umfassen, werden Ende Februar oder Anfang März erscheinen. Die weiteren Teile der Publikation, die auf etwa zwanzig Bände berechnet ist und die bis an die Schwelle des Weltkrieges heranführen wird, sollen mit möglichster Beschleunigung herausgegeben werden, so daß das Gesamtwerk bis zum Herbst des Jahres vollständig vorliegen dürfte. Die Veröffentlichung erscheint unter dem Titel:„Die große Politik der Europäischen Kabinette 1871 bis 1914, Sammlung der diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes“, im Verlage der Deutschen Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte, Berlin. Berlin, 1. Februar. Am Dienstag wurde die allgemeine Aussprache über den Haushaltsplan fortgesetzt. Kleine Anfragen gingen voran. Ministerialrat Dr. Bäumer erklärte, daß eine rasche Regelung des Berechtigungswesens an den öffentlichen Schulen zur Zeit noch nicht angängig sei und daß in dieser Frage Verhandlungen mit den Ländern schweben. Besondere Marken anläßlich der Leipziger Messe, wie sie auch für die Gewerbeschau in München vorgesehen sind, will die Postverwaltung nicht zugestehen. Beschwerden über Ausschreitung fremder Besatzungstruppen im Westen Deutschlands werden als berechtigt anerkannt. Zugleich muß festgestellt werden, daß die Schuldigen noch nicht zur Verantwortung gezogen worden sind. Zum Haushaltsplan spricht als erster Redner am 3. Tage der frühere badische Minister Dietkich, der unseren Verwaltungsapparat als viel zu groß bezeichnete und der Beamtenschaft einen anderen neuen Geist wünscht. Er weist darauf Donnerstag, 2. Februar 1922 Berlin, 1. Februar. Die Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahner beschloß mit 20 gegen 15 Stimmen, bei einer Stimmenthaltung, in der kommenden Nacht um 12 Uhr in den Streik zu treten. Daß selbst in der Reichsgewerkschaft das Frevelhafte des Streiks erkannt und gewürdigt wurde, zeigte der Verlauf der Beratung. Die Streikverorönung der Reichsregierung WTB Berlin, 1. Februar. Auf die Nachricht vom Streikbeschluß der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten hin tritt eine Verordnung des Reichspräsidenten betr. Verbot der Arbeitsniederlegung der Reichsbahnen in Kraft. Diese Verordnung wurde vom Reichspräsidenten soeben gezeichnet. Sie lautet: Auf Grund des Artikels 48 Absatz 2 der Reichsverfassung verordne ich zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im Reichsgebiete folgendes: 1. Den Beamten der Reichseisenbahnen ist ebenso wie allen übrigen Beamten nach dem geltenden Beamtenrecht, die Einstellung oder Verweigerung der ihnen obliegenden Arbeiten verboten. Wer einen Beamten der Reichsbahn zu einer hiernach verbotenen Einstellung oder Verweigerung der Arbeit sauffordert oder anreizt, wird mit einer Geldstrafe bis zu 50 000 Mark und mit Gefängnis oder mit einer dieser Strafen bestraft. Ebenso wird bestraft, wer zur Durchführung einer verbotenen Arbeitsniederlegung oder Verweigerung der Arbeit an Zugkräften, Fahrzeugen, Maschinenvorräten oder sonstigen Anlagen Handlungen vornimmt, durch welche die ordnungsmäßige Fortsetzung des Betriebes der Reichseisenbahn unmöglich gemacht und erschwert wird. hin, daß durch bürokratische Handhabung unsere Verwaltungs=Organisation außerordentlich schwer arbeitet. Er schildert den Leidensweg eines Faßes Methylalkohol, das vom November 1919 bis 31. März 1921 von einer Behörde zur anderen geschickt war. Infolge dieser vielen Schwierigkeiten verlor es 60 Kilogramm an Gewicht und langte erst nach einem abenteuerlichen Dasein an seinem Bestimmungsort an. Der Redner fordert die Beseitigung des Reichsschatzministeriums, da es überflüssig sei. Er stellt fest, daß hier noch ein Heizer gehalten wird, obwohl keine Heizanlage mehr vorhanden ist und daß ein Direktor immer noch Gehalt erhält, der im Jahre 1921 wegen Bestechung bestraft worden ist. Der Redner warnt die Beamten vor einem Streik und ermahnt sie, ihre Pflicht dem Staate gegenüber zu tun. Der Zentrumsabgeordnete Ersing fordert Sparsamkeit in weitestem Maße. Auch er rät den Beamten dringend ab, sich zum Streik verleiten zu lassen. Der unabhängige Abgeordnete Henke bringt in breiter Ausführung allerlei Bedenken vor, mit denen er beweisen will, daß den Arbeitern am schlimmsten mitgespielt werde. Der bayrische Volksparteiler Emminger erklärt dieAeußerungen Scheidemanns für unrichtig, daß eine neue Gefahr aus Bayern drohe. Die Reichstreue Bayerns ist unzweifelhaft. Durch solche Ammenmärchen wird gewissen Kreisen des Auslandes mur neues Material geliefert. Wir bedauern, daß für die Kleinrentner nicht größere Summen im Etat eingesetzt sind. Das Steuerkompromiß bedeutet einen schweren Eingriff in die Substanz des Vermögens. Bezüglich der Zwangsanleihe haben wir große Bedenken. Der Redner fordert Rechnungslegung über die Milliardendefiztte der Kriegsgesellschaften. Der Reichstag sollte selbst auch sparsamer wirtschaften. Im Eisenbahnerstreik muß die Regierung endlich einmal hart bleiben. 2. Wird durch eine unzulässige Einstellung oder Verweigerung der Arbeit der Betrieb der Reichsbahn ganz oder teilweise stillgelegt oder erschwert, so ist der Reichsverkehrsminister berechtigt, die Notstandsarbeiten und Notstandsversorgungen zu sichern, ebenso alle Beamten, Angestellten oder Arbeiter, die im Betriebe der Reichseisenbahn die Arbeit weiterführen. Wer Notstandsarbeiten oder Arbeiten zur Sicherung der Notstandsarbeiten leistet, darf dieserhalb in keiner Weise wirtschaftlich benachteiligt werden. Wer zu einer solchen Benachteiligung auffordert oder anreizt, wird mit Gefängnis oder Geldstrafe bis zu 50000 Mark oder mit einer dieser Strafen bestraft. Diese Verordnung tritt mit dem 1. Februar in Kraft. Berlin, 1. Februar 1922. Der Reichspräsident: gez. Ebert. Der Reichskanzler: gez. Wirth. Der Reichsverkehrsminister: gez. Gröner. * Die Ansicht des Reichsverkehrsministeriums. Wie verlautet, ist man im Reichsverkehrsmini„sterium der Ansicht, daß sich der Streik der Eifenbahnbeamten kaum über Norddeutschland erstrecken und in Süddeutschland fast gar nicht in die Erscheinung treten werde, da dort fast gar keine Streikneigung unter den Eisenbahnbeamten vorhanden ist. Teilstreiks sind natürlich auch in Süddeutschland nicht ausgeschlossen, doch würden sich diese nur auf ganz geringe Gebiete erstrecken und für die Gesamtlage in Süddeutschland kaum von esonderer Bedeutung sein. * Die„Technische Nothilfe“. mobilisiert bereits, um technisch vorgebildetes Personal für die Betriebswerkstätten und für die Bekohlung der Lokomotiven zu stellen. KI Reichsminister Dr. Hermes stellt fest, daß die Verbilligungsaktion für das Brot nur noch bis zum August dauert. Die Preise für das Umlagegetreide sind nicht erhöht worden. Die Verteuerung des Brotes ist also nicht zugunsten der deutschen Landwirtschaft erfolgt. Diese hat ihre Umlagepflicht bisher sehr gut erfüllt und wir können unserer Brotversorgung mit Ruhe entgegensehen. Bei der Reichsgetreidestelle ist große Sparsamkeit beobachtet worden. Entschieden weise ich die Behauptung zurück, daß bei der Umwandlung der Kriegsgesellschaften in Reichsgesellschaften eine Korruption schlimmster Art zutage getreten sei. Ein vernünftiger Abbau der Zahl der Beamten wird angestrebt. Die Zentralisation in der Finanzverwaltung muß aufrechterhalten bleiben. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch 1 Uhr. Weiterberatung. Kleine Vorlagen. Ein Antrag Köhnen(Komm.), in der Mittwochsitzung von der Regierung eine Erklärung über den angedrohten Eisenbahnerstreik zu verlangen, wird abgelehnt. Pfarrer D. Weber+. Einer der markantesten Führergestalten auf geistlichem und sozialen Gebiet, der nicht nur in Deutschland und darüber hinaus Ansehen und Achtung besaß, ist am letzten Sonntag, den 29. Januar d. J. verschieden. Es ist Lic. D. Weber, Pastor in Bonn. Er hat ein hohes Alter erreicht. Geboren 1846 in Schwelm, Hilfsprediger in Iserlohn, Pfarrer in München=Gladbach, seit mehreren Jahren im Ruhestand lebend, hat er noch bis in die Tage seiner schweren Krankheit hinein treu und unermüdlich für sein deutsches Volk gearbeitet, das er über die Maßen liebte. Ja, es schien so, als ob er in den letzten Jahren seines Lebens noch seine Arbeitskraft steigerte, weil er erkannte, daß das darnieder55. Jahrgang liegende arme Deutschland jetzt doppelte Arbeit und Fürsorge nötig habe. Er war Vorsitzender und Begründer der Gesamtverbände der evangel. Arbeitervereine Deutschlands und der allgemeinen deutschen Sittlichkeitskonferenz: Er war Vorstandsmitglied vieler kirchlicher, sozialer, vaterländischer und internationaler Vereinigungen, Ehrenmitglied des Vereins deutscher Studenten, Ehrendoktor der theologischen Fakultät der Universität Halle. Ueberall war er mit seinem Feuereiferund mit seiner glühenden Liebe für das deutsche Volk tätig. Mit besonderer Kraft trat er gegen soziale und sittliche Schäden und für das Schöne und Gute in Wort und Schrift ein. Er war Führer, nicht wie es so viele neue Führer gibt, die nur eigene Ehre und eigenen Vorteil im Auge haben, sondern ein Führer aus der altwilhelminischen Zeit, der in selbstloser Weise immer wieder für das Wohl der Gesamtheit und für das Wohlergehen der Elenden und Verlassenen eintrat. Am 4. Dezember des vergangenen Jahres hat der 75jährige Greis mit dem jugendfeurigen Herzen noch auf der 35. Generalversammlung des Westdeutschen Sittlichkeitsvereins an einem Tage die Predigt und 2 längere Vorträge übernommen, eine Arbeit, die viele Jugendliche nicht leisten können. Er wußte auf seinem Krankenlager, daß er in allerkürzester Zeit sterben würde und seine Bitte ging dahin, daß jüngere Menschen seine Arbeit mitübernehmen möchten. Die Kirche, die evangelischen Arbeitervereine, die Sittlichkeitsbewegung verlieren einen ihrer größten Führer, Ihm nachzueifern, ist die beste Ehrung und Dankbarkeit. Die Zeitungsleser und die Zeitung. Der Zeitungsleser ist durch sein Blatt in früheren besseren, Zeiten und sogar noch bis tief in die Periode der deutschen Geldentwertung hinein etwas verwöhnt werden. Er erhielt für ein geringwertiges Entgelt, das in keinem Verhältnis stand zu den Herstellungskosten der Zeitung, Tag für Tag eine stattliche Anzahl von Bogen, bedruckt mit wertvollem Wissensstoff aus sämtlichen Gebieten des geistigen und öffentlichen Lebens. Die auffallend billige Belieferung des Zeitungslesers war möglich, weil es die Verhältnisse des Zeitungswesens gestatteten, den wesentlichen Teil ihrer tragenden Einnahmen aus anderen Quellen als aus dem Abonnement zu ziehen.— Die Billigkeit der Zeitungen hat zweifellos ihr Gutes gehabt; denn sie half die Anteilnahme an den öffentlichen Dingen bis in die letzten Schichten des Volkes zu tragen. Sie hat aber leider auch die Wertschätzung des einzelnen Zeitungsblattes und schließlich der Zeitungsarbeit überhaupt in den Augen des Lesers stark beeinträchtigt. Man schätzte die Zeitung zum Teil nur noch nach ihrer Papiermenge, nach der Masse des„Einwickelpapiers". Im letzten Jahre ist es hiermit anders geworden. Die Zeitungen sind aber dabei in ihrem Bemühen, mit ihren Bezugspreisen weit unter dem durchschnittlichen Teuerungskoeffizienten zu bleiben, in unerträgliche wirtschaftliche Verhältnisse geglitten. Die Teuerung, denen ihre Rohstoffe unterworfen wurden, wuchs sich zu dem unabweisbaren Zwang aus, nunmehr auch die Leserschaft zum Mitträger der Unkosten zu machen. Ein nachdenklicher Zeitungsleser, der bedenkt, daß der für das Pressewesen ausschlaggebende Zeitungspapierpreis bereits das 35fache des Friedenssatzes erreicht hat, wird einsehen, daß er auch seinerseits in stärkerem Maße durch Erhöhung des Bezugspreises beansprucht werden muß. Gerade in den letzten Monaten hat sich die Teuerung der Zeitungs=Bedarfsgegenstände ruckweise verschärft; um ihr nachzukommen, haben sich die Zeitungen veranlaßt gesehen, ihre Bezugspreise wiederholt zu erhöhen. Auch für den Februar ist dies beim größten Teil der Presse wiederum notwendig geworden. Aber noch immer ist das natürliche Verhältnis zwischen Kosten und Bezugspreis nicht hergestellt. Wenn u. a. die„Schw. Ztg.“ jetzt ihren Preis auf 14 Mark für den Monat erhöht hat so wird damit immer erst etwa das 10=fache des Friedenspreises in Ansatz gebracht. Es muß allerdings gesagt werden— die Zei. tungen müssen es zu ihrem eigenen bitteren Leid wesen sagen— daß auch mit dieser letzten bis. herigen Erhöhung nur aufs notdürfstigste der bisherigen Steigerung der Herstellungskosten nachgehinkt wird. Schon für den Februar künden sich neue Belastungen— zunächst erhöhte Lohn= und Gehaltsforderungen— an, und noch immer ist nichts Greifbares von der Regierung geschehen, um der dringenden und zum Teil vernichtenden Notlage der Presse abzuhelsen. Noch wartet die Presse vergebens auf die völlige Beseitigung der sinnlosen Luxussteuer auf Zeitungsinserate und auf die Verbilligung der ins Ungeheuerliche gewachsenen Post=, Telephon= und Telegraphenge bühren. Diese ungewisse Zukunft und die abermals bevorstehenden Preiserhöhungen für Zeitungspapier, sonstige Bedürfnisse, Gehälter und Löhne wird den Zeitungsverlagen in den nächsten Monaten wohl keinen anderen Ausweg lassen, al abermals auf der ganzen Linie an die Bezieh heranzutreten. Es wird sich allmählich eben? Zustand herausstellen müssen, der bei anderen Sachgütern längst besteht: daß nämlich der Käufer beim Bezuge einer Ware auch den vollen Gegenwert erlegen muß. Zahlt man heute für ein einigermaßen wertvolles Buch 30—80 Mark, so ist nicht einzusehen, warum eine Zeitung, die im Laufe eines Monats ihren Lesern einen dicken Band Papier, bedruckt mit den wichtigsten und bedeutendsten Nachrichten und Aufsätzen aus dem zeitgenössischen öffentlichen Leben, zur Verfügung stellt, nicht mit ähnlichen Summen zu rechnen beginnen dürfte. Die gesteigerte Bedeutung des Pressewesens im öffentlichen Leben ist eine unbestreitbare Tatsache. Jeder Staatsbürger sollte sich ernstlich vor Augen halten, was ihm die Zeitung täglich an unerläßlichem Material für seine eigene gedankenliche Arbeit bringt— sei es auf dem Gebiet der Poln tik, der öffentlichen Verwaltung, der Wirtschaft oder des geistigen Lebens— und sich gewöhnen, dem Dargebrachten die entsprechende ideelle und materielle Wertschätzung zu zollen. Daß dies auch geschieht, sagt uns ein Bischofswort über den Redakteurberuf. Bischof Dr. Waitz von: Vorarlberg, der selbst eine Zeit lang Berufsredakteur an einer großen Zeitung, der „Brixener Chronik", war, hat in einem„Erinnerungen" betitelten Artikel folgende markante Sätze über den Redakteurberuf geprägt: „Journalistenarbeit— sie ist oft sehr gering geschätzt. Es wäre manchem, der eine Zeitung etwas hochmütig mustert und kritistert, heilsam, wenn er ein halbes Jahr in einer Redaktionsstube Dienst tun müßte. Man glaubt gar nicht, was alles einem Schriftleiter unterkommt. Eigentlich sollte er alles wissen und über alles informieren können. Eine französische Zeitung hat den Titel: „Je sais tout“ ich weiß alles. Das ist es, was in Wirklichkeit das Publikum von einer Zeitung erwartet. In der Redaktion einer Zeitung liegt eine ungeheure Verantwortung, weil ihr Einfluß so gewaltig ist. Doch sprechen wir zunächst davon, wie einem Redakteur zumute ist und was seine Tätigkeit alles mit sich bringt. Manchmal hat er einen Artikel mit dem größtem Fleiß, mit dem Aufgebot seines ganzen Wissens herausgearbeitet und nun sieht er, wie sein Werk mit Geringschätzung gelesen, mit Verachtung behandelt und das Blatt wie wertlos weggeworfen wird. Ich begreife es ganz wohl, daß mancher Redakteur frühzeitig altext und daß es manche geradezu typische Krankheiten der Journalisten gibt. Herztrankheiten und plötzliche Todesfalle, die Folge vielfacher Aufregung Kaum ein anderer Beruf strengt die Nerven so an, wie die aufregende Redattionstätigkeit Ich habe gelernt, diesem Belufe meine Achtung entgegenzubringen. Die Schriftleiter sind dem Bischof dankbar, daß er in der Oeffentlichkeit mit solcher Anerkennung von ihrem Berufe gesprochen hat und zwar aus persönlicher Erfahrung. Die Ausführungen des Bischofs tragen vielleicht auch dazu bei, daß sie manchem unserer Leser die Bedeutung der Redaktionsarbeit in einem anderen Lichte er. scheinen lassen. Krise im Eisen- und StahlwarenIndustriebund. Die Zusammenstöße innerhalb der Organisation des Eisen= und Stahlwaren=Industrie= bundes haben jetzt zum Ausscheiden des Reichstagsabgeordneten van den Kerkhoff aus dem Vorstand geführt. Neven anderen Gründen gaben Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Geschäftsführer des Eisen= und Stahlwaren=In dustriebundes Dr. Möbius und dem Abgeordneten van den Kerthoff Anlaß dazu, daß sich Dr. Mölius beschwerdeführend an den Vorstand wandte, indem er einen Schriftwechsel mit van den Kerkhoff vorlegte. Darauf erklärte van den Kerkhoff, er sei zum Rücktritt bereit, falls der Ausschuß des Eisen= und Stahlwaren=Industriebundes der aus 70 Herren besteht, dies wünsche. Eine Ausschußsitzung mit der Beschlußfassung über diesen Zwischenfall als alleinigen Punkt der Tagesord. nung ergab nach fünfstündigen, äußerst stürmt schen Verhandlungen die Annahme einer Resolution Funke=Hagen, nach der sich der Ausschuß mit dem Austritt van den Kerkhoffs aus dem Vorstände einverstanden erklärt. Nach der Annahme der Resolution legte der bisherige Vorsitzende Walter Hentzen, seine sämtlichen Aemter in der Leitung des Eisen= und Stahlwarenindustrie. bundes nieder. Stadt und Schwerte, den 2. Februar. ** An unsere Leser richten wir die dringende Bitte, unsere Geschäftsstelle von unpünktlicher Zustellung der„Schwerter Zeitung“ möglichst sofort telephonisch oder persönlich in Kenntnis zu setzen, damit wir ungesäumt für Abhilfe sorgen können. Wir richten unser Augenmert nicht nur auf den weiteren inneren Ausbau unseres Blattes, sondern sind auch bestrebt, dafür zu sorgen, daß unserer Leserschaft die Zeitung immer pünktlich zugestellt wird. ** Der Redaktions=Schmetterling ist gestern bei uns eingetroffen; der Schüler Friedhelm Röhrmann aus Villigst überbrachte uns ein hübsches Exemplar, einen„Fuchs“, welchen er im Freien eingefangen hatte. Hoffentlich wird dem flatterhaften Gesellen der etwas vorzeitige Ausflug nicht schaden, oder sollte es wirklich ein Bote des kommenden Frühlings sein? Hoffen wir das beste! ** Die Entscheidungen der Mietseinigungsämter sind laut einem Erkenntnis des Reichsgerichts endgültig, können also nicht durch einen anderen Rechtsweg angefochten werden. Nun hat aber das Reichsgericht in einem neuen Prozeß seine frühere Entscheidung gewissermaßen aufgehoben, denn es besagt in einem neuen Urteil, daß ein Mieteinigungsamt befugt ist, ein von ihm früher gefälltes Erkenntnis abzuändern. Mit anderen Worten, ein Mieteinigungsamt ist die Berusungsinstanz gegen sich selbst. Das kann unter Umstanden von großer Wichtigleit sein. Die Verteuerung des Brotpreises, welche die unliebsamste Gabe des Februar bilden wird, kann einigermaßen dadurch gemildert werden, daß die Eigenproduktion von Karloffeln und Gemuse. in Garten und Schrevergärten von neuem ratträftig in die Hand genommen wird. Wir werden damit in die Zeit der Kartoffelzwangswirtschaft zurückversetzt, wo in vielen Hausgärten statt der Blumen die Kartoffeln blühten, aber es gibi teinen besseren Rat, und wer ein Stück Bo. den zur Verfügung hat, soll sich bei Zeiten schlüssig werden, ihn zu befolgen. Auch städtisches Gelände sollte in erweitertem Umfange zum Anbau abgegeben werden. Denn es ist eine uralte, historische und wirtschaftliche Tatsache, daß die Erhöhung des Brotpreises alle Lebensmittel beeinflußt; mit dem Brotpreis steigen auch alle Gewächse, die wir zur Nahrung gebrauchen, oft zugleich das Fleisch. Es wird kein billiges Jahr werden, und deshalb hat die Landwirtschaft eine große Hilfsaktion in Aussicht genommen. Aber jeder soll dazu tun, was er tun kann. ** Zunahme der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen in Deutschland ist, nachdem sie längere Zeit stetig gefallen war, im Monat Dezember wieder gestiegen und zwar auf 161000. Die Zunahme erstreckt sich ausschließlich auf die männlichen Arbeitnehmer, während die Zahl der weiblichen Erwerbslosen noch gesunken ist. Die Zahl der unterstützungsberechtigten Familienangehörigern Vollerwerbsloser ist von 172000 auf 210000 gestiegen. Reichseinkommensteuer für 1921. Wer einen besonderen vorläufigen Steuerbescheid über Reichseinkommensteuer für 1921 erhalten hat, möge die fällig gewesenen und noch nicht entrichte. ten Raten schleunigst zahlen, da in der nächsten Zeit schriftlich gemahnt wird. Die Mahnkosten sind jetzt recht hoch; sie betragen z. B. bei 500 Mark 9,50 Mark, bei 5000 Mark 139,50 Mark, bei 20.000 Mark 589,50 Mk., bei 100000 Mark 2989,50 Mark, bei 500000 Mark 14 989,50 Mark.— Vom Mahnverfahren zunächst nicht betroffen werden alle diejenigen, die wegen der Reichseinkommensteuer für 1921 keinen besonderen vorläufigen Steuerbescheid erhalten haben, sowie alle Arbeitnehmer, denen Steuerabzüge vom Arbeitseinkommen gemacht worden sind, auch wenn sie einen vorläufigen Steuerbescheid erhalten haben. Werden die Steuermarken durch Vermittelung des Arbeitsgebers beim Steueramt eingereicht, so hat der Arbeitnehmer sowohl wegen der Steuer auf das Jahr 1920 als auch wegen der Steuer auf das Jahr 1921 sich erst dann mit der Steuerhebestelle auszugleichen, wenn ihm von seinem Arbeitgeber die Bescheinigung des Stadtsteueramtes über die abgegebenen Steuermarken ausgehändigt worden ist. Er braucht nicht zu befürchten, daß ihm vorher durch Mahnungen usw. Kosten u. Ungelegenheiten entstehen. ** Personalie. Herr Dr. jur. Gust. Berensmann von hier bestand das Assessor=Examen. ** Volkshochschule. Am Montag, 6. Februar, abends 8 Uhr, wird im„Westfälischen Hof“(Milberg) wieder eine Sonderveranstaltung der hies. Volkshochschule geboten. Auf Urmenschenspuren führt der bekannte Prähistoriker Dr. Hauser aus Berlin seine Zuhörer in großzügig angelegtem Vortrage. Der Name dieses Gelehrten hat längst Weltruf durch seine grundlegenden Entdeckungen von Menschenschädeln aus der Urzeit unseres Geschlechtes. Umfangreiche Ausgrabungen in Süd=Frankreich bildeten den Grundstein, seiner Forschungen, die bis in die Zeit vor 140 00 Jahren, die Eiszeit zurückreichen, einen wertvollen Beitrag liefern zur Geschichte der Abstammung des Menschen. So wird jeder einen Blick in die Werkstatt des Menschengeschlechtes tun können, der den Vortrag Dr. Hausers besucht, welcher von einer großen Anzahl eindrucksvoller Lichtbilder begleitet sein wird. ** Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und die Post erfolgt in der Woche vom 30. Januar bis 5. Februar unverändert wie in der Vorwoche zum Preise von 780 Mark für ein Zwanzigmarkstück, 390 Mark für ein Zehnmarkstück. Für die ausländischen Goldmünzen werden entsprechende Preise gezahlt. ** Drohender Kohlenmanget bei der„Mark“. Von der Verwaltung des kommunalen Elektrizitätswerkes„Mark" wird uns geschrieben: Der Lagerbestand an Kohlen stellte sich am 31. Januar beim Kraftwerk Herdecke auf 427 Tonnen, Elverlingsen 918 Tonnen, Siesel 454 Tonnen. Auf Anordnung der Eisenbahn=General=Betriebsleitung West werden Kohlen zur Beförderung für Elektri zitätswerke nicht mehr angenommen, sodaß die Anlieferung von Kohlen für unsere Kraftwerke fast vollständig stockt. Die Lagerbestände gehen insolgedessen so stark zurück, daß bei weiterem Anhalten der Sperre mit einer für die nächste Zeit drohenden Einstellung der Stromlieferung wegen Kohlenmangel zu rechnen ist. Der Dampfer mit den bestellten 2000 Tonnen engl. Kohlen ist in die Wesermündung eingelaufen, doch ist es ungewiß, ob wir diese englischen Kohlen wegen des drohenden Eisenbahnerstreiks noch rechtzeitig zugestellt erhalten. ** Betriebsunfall. Von einem schweren Unglücksfall betroffen wurde gestern der Fabrik arbeiter Anton Kunkel auf der hiesigen EisenIndustrie. Mit dem Transport von Eisanvlöcken beschäftigt, stürzte ihm plötzlich ein derartiger Block auf das Bein, sodaß er einen komplizierten Bruch des linken Unterschenkels erlitt. Der Unfall ist umso bedauerlicher, als es sich um einen Kriegsbeschädigten handelt, dessen rechtes Bein bereits um 15 Zentimeter verkürzt war. ** Von der Höflichkeit der Eisenbahnbeamten. Ein bemerkenswertes„Eingesandt“, bringt der „Westfälische Anzeiger“, Hamm:„An einem der letzten Nachmittage stand ich mit meiner Frau, meinen Jungen auf dem Arm, auf dem Bahnsteig 7, um auf den Berliner D=Zug zu warten. Da ich das Eisenbahnsieber habe, waren wir sehr früh daran und standen allein auf dem kalten Bahnsteig. Der Fahrdienstleiter trat zu uns, erkundigte sich, ob wir einen Zug versäumt hätten, teilte uns mit, daß der D=Zug 40 Minuten Verspätung habe und stellte uns anheim, so lange in einem anderen geheizten Zuge, der auf demselben Bahnsteig stand und erst später abfuhr, Platz zu nehmen. Wenn Ausnahmefälle von Unhöflichkeiten bei Eisenbahnbeamten gewissenhaft regi striert werden, erfordert es die Gerechtigleit, auch solche Fälle zur öffentlichen Kenntnis zu bringen, in denen wie hier die Bamten durch vorbildliches Sans Dir wiras so leicht Semacht Dein Haar schuppenrein, schön und gesund zu erhalten: durch regelmäßige Pflege mit dem Kräuterhaarwasser javol.“ Belebt und eririscht Kopfhaut und Nerven, macht das Haar weich, duftig u. gesund. lavol ist in allen Apotheken, Dragerien. Partümerien u. bei Friseuren erhälllich. Martin Salander. Roman von Gottfried Keller. 14)(Nachdruck verboten). „Bitte, nicht schimpfen!“ sagte er mit gehobener Stimme,„noch bin ich nicht fallit! Und nie gewesen! Und wenn ich es wäre, so stehe ich in der Hut der Gesetze und des Rechtes und ist über all mein Haus meine Burg!" Salander fiel vor Erstaunen und wie erschöpft auf einen mit Plüsch bezogenen Armsessel, der mit kopfgroßen Rosen bedruckt war. Wohlwend setzte seine Rede mit begütigter Stimme foct: :„Lieber alter Freund! Mach' es wie ich, behalte den Kopf oben! Sieh her, in meiner unfreiwilligen Muße bin ich nicht müßig, grüble nicht über Unabwendbares; ich werfe mich auf Wissenschaft und Kunst. Hier treibe ich Heraldik, mit Einbeziehung der bäuerlichen Hauszeichen, der Handwerlsinsignien und verwandter Dinge!" Ein paar abgerissene Wappenbücher, wie sie die Pet schaftstecher und Löffelgraveure auf den Messen und Jahrmärkten vor sich aufgeschlagen halten, lagen auf dem Schreibtische, dabei eine Farben schachtel, wie die Knaben sie brauchen, wenn sie Bilderbogen illustrieren, und einige Papier blätter mit ganz kindisch nachgemalten Wappenbildern. Auch eine verworrene Skriptur machte sich breit. „Hier lassen sich alte Fäden politischer und kultureller Entwickelung offen legen und neue anknüpfen im Sinne einer neuen Verteilung der Volksehren—“ Martin Salander hörte nicht länger auf die nachfolgenden Reden des Mannes; er griff nur noch mechanisch nach einem schmierigen aufge schlagenen, aber auf dem Bauche liegenden Buche, mitten auf dem Tische des Kaufherrn und Mäzens. Es war ein uralter Räuberroman mit dem Zeichen einer Leihbibliothek, offenbar die eigentliche Lektüre des Possenreißers in seiner unfreiwilligen Muße. Er nahm seine brasilianische Anweisung dem guten Freunde aus der Hand, steckte sie sorgfältig ein, unterbrach die Rede und fragte nur noch: „Bist du verheiratet, Louis Wohlwend?“ „Wieso fragst du das? Nein!" erwiderte dieser. „Ich meinte nur wegen des schönen Wintelriedspruches, der an dein Haus gemalt ist! Du bist wohl im allgemeinen ein Beschützer der Witwen und Waisen oder solcher, die es werden könnten?" „Du weißt, daß ich von jeher einem idealen Zuge nachgegangen bin, und die Wohnhäuser freier Bürger mit edlen Sinnsprüchen historischen oder moralischen Gehaltes zu schmücken und dazu Anregung zu geben, dünkt mich lobenswert!" Nach diesem Spruche Wohlwends setzte Salaner seinen Hut mitten in der Stube auf den Kopf und verließ ohne weiteres Wort das Haus. Er rief eine Droschke herbei und ließ sich nach er städtischen Notariatskanzlei fahren. Der Notar las die Anweisung, die ihm Salander nach Mitteilung der Umstände vorlegte, rückte die Brille urück und sagte: „Sind sie selbst der Herr Martin Salander? In?— Es, ist eben eine böse Sache! Morgen erscheint die amtliche Publikation der Konkursröffnung mit den üblichen Fristen, soweit haben Sie noch alle Zeit. Ich will auch heute selbst noch hingehen und den Mann amtlich vernehmen beüglich Ihrer Forderung". „Das Dringendste", warf Salander, ein, „scheint mir zu sein, daß schleunigst die Verwahrung an die Bank in Rio abgeht! Ich bin bereit, die Kosten der nötigen Kabeldepeschen zu hinterlegen!“ „Das ist leider Gottes nicht mehr das Nächste für Sie, Herr Salander!" erwiderte der Notar mit ernster Teilnahme,„vorgestern lief die sichere Nachricht ein, die Atlantische Uferbank in Rio de Janeiro zahle nicht mehr, gestern kam der Nachtrag, die Direktoren seien verschwunden und die Angestellten auseinander gelaufen. Hiesige Häuser haben schon vor zwei Wochen schlimme Berichte erhalten, und was das Schlimmste ist, man hält bereits die aufgeflogene Bank und was drum und dran hängt, für ein ausgebreitetes Raubgeschäft. Ich fürchte, viele anvertraute Gelder sind ins Wasser gefallen, wo es am tiefsten ist.“ Salander mußte sich am Pulte des fleißigen Mannes halten und sagte nichts. „Ich werde mit Ihnen zum Gerichtspräsidenten gehen, es ist gerade noch Zeit; denn es ist für alle Fälle nötig, daß Sie eine gerichtliche Beschlagnahme des Guthabens der Bank auswirken, welches die Anweisung angeblich decken soll.“ „Ich habe unten eine Droschke stehen“, sagte Salander. Sie fuhren hin und erhielten die gewünschte Verfügung, welche freilich kaum einen greifbaren Wert vorfand. Solch ein trauriger Bericht wartete auf Marie Salanders Erwachen, und als das wachsende Frührot am wolkenlosen Himmel ihr schlummerndes Gesicht wie ein glückseliger Traum zu beleben schien, verschob der Mann abermals das Gericht seines Leichtsinns, dessen er sich nun beschuldigte, bis die Kinder zum Einkauf der Lebensmittel ausgesandt worden, dann wieder, bis das Frühmal eingenommen wäre. Er wollte nicht, daß die Frau am ersten Morgen der Wiedervereinigung in Tränen am Herde stehen sollte. 5. Die Kinder gingen und kamen, die Frau bereitete das Frühstück und nahm es inmitten der Ihrigen mit an sich haltendem Frohmut ein, während die Kinder so lustig waren, daß sie auch den Vater aufheiterten und seine Sorge noch ein Morgenschläfchen tat, obgleich es auf allen Türmen sieben schlug. Da fielen ihm auch die Geschenke ein, die er in England in freigebiger Laune beschafft hatte. Stracks öffnete er die Koffer und kramte aus, Ledersachen und Stahlgeräte, merkwürdig hübsche Bilderbücher, deren englischen Text er gleich zum ersten spielenden Unterricht benutzen wollte, seine Tücher und Spitzen für die Frau und die Mädchen, und einen ganzen Haufen vermischtes Backwerk, das überall zum Ausfüllen in die Kisten gestopft war. Das alles gab eine herrliche Kurzweil und Bestätigung des Anbruches eines goldenen Zeitalters, spornte aber zugleich die Hausmutter an, die solchem Wandel gemäßen Pflichten zu erfüllen. Sie ging hinweg, sich für die nötigen Geschäftsgänge anzukleiden, was den guten Martin plötzlich an die Gewißheit erinnerte, daß sein Unglückshandel jetzt bereits stadtbekannt sein müsse: denn nicht nur hatte Freund Wighart jedenfalls gestern seinen Abendgang durch ein paar Kaffeehäuser gemacht und die Neuigkeit mit allem Anteil verkündet, sondern auch die Beamten hatten keinen Grund, in einer offenen Konkurssache mit so ungewöhnlichen Vorfällen geheim zu tun. (Fortsetzung folgt). Entgegenkommen begründeten Anspruch auf den dant des reisenden Publitums haben. ** D i e S t e l l u n g d e s R e l i g i o n s u n t e r r i c h t e s i m des Gesamtunterrichtes. Der Vorstand Vereins Deutscher evangelischer Lehrerinnen beschäftigte sich in seiner Januar=Sitzung erneut mit den Richtlinien für den evangelischen gionsunterricht in der Grundschule, diesmal insbesondere mit der Stellung des Religionsunterrichtes innerhalb des Gesamtunterrichtes. Im Mittelpunkt des Gesamtunterrichtes soll der hei matkundliche Unterricht stehen. Den religiösen Belehrungen ist damit eine untergeordnete Stellung zugewiesen. Es ist zu befürchten, daß sie im Rahmen einer„Unterrichtseinheit“, nur gelegenilich ihren Platz finden, vielleicht gar wochen= oder monatelang ganz ausfallen. Damit wäre aber der Zweck des sogenannten„Vorkursus“, die Schulneulinge für das Verständnis der biblischen Geschichten vorzubereiten, vollständig versehlt. Darum fordert der Verein 1. Sicherungen dafür, daß auch innerhalb des Gesamtunterrichtes auf den Religionsunterricht im ersten Schuljahr die für ihn vorgeschriebene Zeit tatsächlich verwandt wird; 2. das den religiösen Unterredungen, damit sie nicht inhalt= und ziellos werden, fest vorgeschriebene Stoffe zugrunde liegen; 3. daß diese Unterredrungen ethisch=religiöse Erlebnisse, Geschehnisse, Erzählungen oder biblische Geschichten zum Mittelpunkt haben; 4. daß Märchen, die man heute leider vielfach mit den biblischen Geschichten auf eine Stufe stellen möchte, als Ausgangsstoffe für religiöse Besprechungen unbedingt abgelehnt werden. ** Villigst, 1. Febr. Kriegerdenkmal. In einer in der Wirtschaft Peutmann abgehaltenen Versammlung von Gemeinde=Eingesessenen wurde die Errichtung eines Denkmals für die im Weltkriege gebliebenen Söhne unserer Gemeinde endgültig beschlossen. Die ziemlich erheblichen Geldmittel hofft man durch freiwillige Sammlungen aufzubringen und soll bereits in den nächsten Tagen damit begonnen werden. Ein in der Versammlung gewählter Ausschuß wird die nötigen Vorarbeiten treffen. ** Schüren, 1. Februar. Zwei tödliche Unfälle. Auf der Zeche„Freie Vogel" verunglückten die Bergleute Heinrich Wiebecke aus Berghofen und Georg Pairoff von hier. Ersterer wurde beim Abbauen von einem Stempel derart ins Genick getrossen, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Pairoff geriet unter Steinfall und trug so schwere Verletzungen davon, daß er bei der Einlieferung ins Krankenhaus Bethanien sofort verstarb. ** Holzwickede, 1. Februar. Seminar für kirchlichen Hilfsdienst. Das Religionlehrer= und Jugendlehrer=Seminar hierselbst wird zu Ostern ausgebaut sein, wie es der ursprüngliche Plan vorsieht, der die Zustimmung der 28. Westfälischen Provinzialsynode gefunden hat. Wohl sind die Verhältnisse in der Kirche noch im Fluß, aber soviel läßt sich doch erkennen, daß in Zukunft gut ausgebildete Hilfskräfte in mannigfachen Diensten der Gemeinde dringend benötigt werden. Diese Hilfskräfte will das Holzwickeder Seminar heranbilden helsen in solchen jungen Menschen, die der Kirche und ihrem Herrn dienen möchten. Es wird ein Dienst für die Gemeinden und für die neue Anstalt sein, junge Männer auf diese Arbeit hinzuweisen. Nähere Auskunft erteilt die Anstaltsleitung. „„„ Die Teilnehmer an der Orlenrkonrerenz in Parts. C 8 D K— Eur Tetig Pre della Toretta Italien sich, wie erklärt wird, das Stromer=Elemen! in den Gesellschaften der Freiwilligen, angesichts des bevorstehenden Besuches des Prinzen von Wales, immer mehr geliend macht. Die indische Regierung hat strenge Maßnahmen ergriffen, um die Agitatoren im Zaum zu halten. Die Kriminal=Akte von 1903 und die Akie gegen Abhaltung aufrührerischer Versammlungen werden wieder durchgeführt, unter denen die Mitglieder der für ungesetzlich erklärten Gesellschaften verhaftet werden können. 84572 Lord Curzon, England Poincaré Frankreich Rückwirkung auch auf Genna. Die Konferenz der Außenminister Englands, Frantreichs und Italiens, die am 1. Februax in Paris beginnen sollte, ist in letzter Stunde auf Verlangen des englischen Außenministers Lord Curzon um einige Tage verschoben worden. Die Verschiebung der Konferenz der alliierten Außenminister dürfte ihre Rückwirkung auf das Zusammentreten der Konferenz von Genua nicht verfehlen.„Echo de Paris" und„Petit Parisien" machen darauf aufmerksam, daß Frankreich nunmehr gegenüber der Konferenz von Genua freie Hand bekommen habe. Von einem Zusammentreten am 8. März könne keine Rede mehr sein. Nach dem„Petit Parisien" bildet das Programm der Genueser Konferenz gegenwärtig den Gegenstand eines Gedankenaustausches zwischen den Alliierten. Diese Verhandlungen könnten sich länger hinziehen, als man erwarte, weshalb die Konferenz wahrscheinlich erst nach Östern zusammentreten werde. solle anstelle Würmelings Oberpräsident von Westfalen werden, doch haben rechts gerichtete Zentrumskreise gegen diese Absicht entschieden Einspruch erhoben. Aus dem Der Rückgang im württembergischen Postverkehr. TU. Stuttgart, 31. Januar. Ueber den Rückgang des württembergischen Briefverkehrs wird milgeteill, daß der Ausfall im Briefverkehr auf ein Driltel geschätzt wird. Besonders stark ist der Ausfall im Paketverkehr. Bei den aufgegebenen Paketen ergibi sich eine Mindestaufgabe von 10%; bei den angekommenen ein Mindesteingang von 35%. Um Dienstentlassungen zu vermeiden, wurde mit dem Jahresurlaub der Beamten schon jetzt begonnen. Einbruch in das Augsburger Museum. TU. Augsburg, 31. Januar. Der erste enbauer teilte gestern Dies sei die Grundlage für die deutsche Unternehmungslust und für das große Organisatiops; talent, das der Deutsche auf dem Gera. Jes Handels und der Industrie entfalte. Die Redner betonten nachdrücklich, daß England sich die deutsche Erziehungsmethode zum Muster nehmen müsse. über den großen Einbruchsdiebstahl im Maximilian=Museum, wobei Münzen im Werle von einer Million gestohlen wurden, mit, daß mindestens eine oriskundige Person an dem sorgfältig vorbereiteten Diebstahl beteiligt war und daß die Täier es verstanden haben, alle Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen. Sensationsprozesse. TU. München, 31. Januar. Wie die Morgenblätter melden, wurden gestern vom Landgericht München 12 Angeklagte wegen versuchter Kindesabtreibung zu Gefängnisstrafen von 4 bezw. 6 Monaten verurteilt. 5 wurden freigesprochen. Die anderen Verhandlungen mit den 81 Angeklagten dauern noch fort. Es werden aber demnächst weilere SchokolodePassagierpreise einst und jetzt. Von Hamburg nach Newyork kostele es 1914 in den vier Klassen 160, 180. 220 und 350 Mark. Im August 1921 waren diese Preise auf 10117, 10960. 12647, 18548 Mark gestiegen. Bis zum November stiegen sie weiter auf das Doppelle bis Dreifache, auf 26902, 34220, 39485, 57911 Mark. Verhältnismäßig billig fährt man nach Südamerika. Nach Buenos Aires kostele es in den drei Klassen 140, 480 und 650 Mark, im August 1921 5000, 18000 und 22000 Mark. im November dagegen 15632,38981 und 72950 M., während die Reise in der Luxuskabine bis zu ½ Million Mark kostek. Von Hamburg noch Kappstadt konnte man eine Reise für 250, 500 und 750 Markmachen. Im November 1921 mußte man dafür 27054, 48981, 64718 Mk. anlegen, von Triesi nach Bombay gar 66698 und 77119 Mark, nach Hongkong 41686 und 109726 Mk. Von Bremen nach Yokohama kosiet es nicht weniger als 102131 und 135 480 Mark. Von Steilin nach Kopenhagen konnte man einst für 10 Mark fahren, jetzt beträgt der Mindestpreis 485 Mk. Man kann aber auch 728 und 1213 Mark dafür anlegen. Der Zeitungsousomat in Es ist nicht einzusehen, warum es neben Seifen= und Buchautomalen Turnen und Sport. Deutsche Turnerschaft und deutsche Kampfspiele Für die Beteiligung an den deutschen Kampfspielen 1922 hat die D. T in einer Vorstandstagung des Turnausschusses wesentliche Vorbereitungen getroffen. Von einem Charlottenburger Platz aus soll der Massenaufmarsch aller Turner und Turnerinnen im Stadion erfolgen. Werbewettspiele in Schlagball, Faustball, Barlauf und Schleuderball find vorgesehen Weiter werden Ausscheidungs= und Entscheidungsspiele in Handball stattfinden. Als volkstümliche Uebungen des Zwölfkampfes der Männer wurden 100 MeterLauf, Hochsprung, Kugelstoßen(71, Kg.) bestimmt. Der Fünfkampf besteht außerdem noch aus Weitsprung und Steinstoßen(15 Kg.). Die Frauen werden einen Dreikampf in 75 Kugelstoßen und Hochsprung austragen. Der Frauen=Neunkampf enthält die beiden erstgenannten volkstümlichen Uebungen. Eine Kundgebung der deutschen Kolonialgesellschaft. Die von der Deutschen Kolonialgesellschaft ins Leben gerufene Arbeilsgemeinschaft der sämtlichen kolonialen und kolonial interessierten Vereine und Verbände Groß=Berlins haben an den Reichskanzler Dr. Wirth eine Kundgebung gerichtet, in der es u. a. heißt:„Die in unserer Arbeitsgemeinschaft vereinigten Verbände halten es für nolwendig, die deutsche Regierung darauf hinzuweisen, wie die deutschen Holonten bis jetzt durch die Mandatsmächte im Gegensatz zu Artikel 22 der VölkerbundsAus den Provinzen. Dortmund, 1. Februar. Wiedergefun dene Kirchenschätze. Das, wie gemeldet, aus der Franziskanerkirche geraubte Tabernakel ist unweit Brügmanns Hölzchen wiedergefunden worden. Der Schrank war erbrochen, Monstranz und Ciborium sind geraubt. Die Hostien sind noch im Tabernakel und wurden wieder zur Franziskanerkirche gebracht. Iserlohn, 1. Februar., Bahnhofs=Erweiterungsarbeiten. Die Arbeiten an der Erweiterung des hiesigen Bahnhofes nehmen einen guten Fortgang. Der stetig zunehmende Verkehr erforderte eine Ausdehnung des Bahngeländes, die aber wegen der Beengung des urursprünglichen Bahngeländes nicht möglich war. Zahlreiche Nebengleise mußten daher außerhalb der Stadt an den Bahnkörper nach Schwerte— Dortmund gelegt werden. Jetzt ist man mit dem Bau einer großen Unterführung beschäftigt. Man hofft im Laufe dieses Jahres die Arbeiten zu vollenden. Der Kostenanschlag von 7159000 Mk. wird natürlich erheblich überschritten und man kann mit mindestens 10 Millionen Mark Gesamtkosten rechnen. Menden, 1. Februar. Gefaßte Kupfer diebe. Auf dem Messingwerk R. u. G. Schmöle wurden von Dieben aus Barmen 1122 Kilogramm Kupfer für zirka 70000 Mark gestohlen. Die Diebe versteckten das gestohlene Gut im Strauchwerk an der Hönne; gestern sollte es mit einem Auto abgeholt werden. Dabei wurden sie von der Polizei verhaftet. Hamm, 1. Februar. Abg. Gronowski Landrat? Wie bestimmt verlautet, soll der bekannte Zentrumsabgeordnete Gewerkschafts sekretär Gronowski=Dortmund zum Nachfolger des abgehenden Landrats Schulze=Pelkum ausersehen sein. Bekanntlich hieß es erst kürzlich, Gronowski große Verhandlungen wegen Kindesadtreibung beim Landgericht in München stattfinden, wobei sich über 100 Angeklagte zu verantworten haben. Eine Einheitsfkont der Kriegsopfer. Der am 22., 23. und 24. Januar 1922 zu Leipzig stattgesundene außerord. ntliche Verband#tag, des Einheitsverbandes Deutscher Kriegsbeschädigter# und Kriegshinterbliebener E. V. hat einstimmig# die Verschmelzung mit dem Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegshinterbliebenen zum„Reichsverband deutscher Kriegsbeschädigter, Kriegerhinterbliebener und Kriegsteilnehmer" beschlossen und dem Verbandsausschuß die Generalvollmacht erteilt, bei Anerkennung der eingebrachten Abänderungsanträge zum Satzungsentwurf, auf der am 12. Februar 1922 zu Eisenach staitfindenden gemeinsamen Konferenz des Reichsbundes und Einheitsverbandes dieselbe endgültig zu tätigen. Die einstimmige Beschlußfassung, die am Schlusse einer zwölfstündigen Sitzung nach den Hauptreferaten der Kameraden Ante-Dortmund und Hoffmann=Lemgo i. Lippe, mit anschließender Diskussion, erfolgte, rief stürmischen Jubel unter den Delegierten aus allen Teilen des Reiches hervor. Die sicherste Gewähr für einen restlosen Eintritt des Einheitsverbandes in den neuen Reichsverband ist somit gegeben. Den berechtigten Forderungen der breiten Kriegsopsermassen ist somit weitgehendst Rechnung getragen, denn der Bruderkampf ist bedeutend verkleinert und durch die Millionenorganisation eine sichere Gewähr für die intensive Behandlung der sozialpolitischen und sozialwirtschaftlichen Fragen gegeben. Die deutsche Erziehung für Handel und Industrie wurde kürzlich in London auf einer Konferenz der englischen Erziehungsverbände als Vorbild hingestellt. Die Redner gaben der Ueberzeugung Ausdruck, daß die erfolgreiche deutsche Tätigkeit auf dem Gebiete der Industrie und des Handels nur der hervorragenden Berufsbildung in den deutschen Handelsschulen zu verdanken sei In diesen Schulen erhalte jeder heranwachsende Deutsche, ob männlichen oder weiblichen Geschlechts, einen klaren Ueberblick nicht nur über seine eigene Berufstätigkeit, sondern auch über ihre Zusammerhänge mit anderen Berufen. Auf diese Weise werde sein Blick erweitert, und in natürlicher Folge erwache der Ehrgeiz, über den eigenen engen Kreis hinaus zu wachsen und Beziehungen zum größeren Ganzen zu gewinnen. Schla=ode, Seifen= und gan 10l. lutomaten geben son. Rochester Herald“ stellte solche Apparate vor kurzem in allen belebten Straßen Newyorks auf und ersetzte so die heute recht kostspiellgen Straßenverkäufer. Der Apparat ist an Straßenihn= und Lichtmasten befestigt, in halber Manneshöhe angebracht und vermag etwa 100 Stück Zeitungen zu fassen. Der Preis der Zeitung stellt sich bei Entnahme aus dem Zeitungsautomaten wesentlich billiger als bei Kauf vom Straßenhändler; er beträgt hier nur 3 Cents. Die Benutzung der neuen Einrichtung ist recht rege. Uneuhen in Indien. Aus Delhi, Indien, wird gemeldet, daß bei Pandikkad 700 Rebellen(Moplahs) getötel worden seien. Ob die kleinen Verluste der Regierungstruppen korrekt sind? Wie wenig man den eingeborenen Truppen traut, geht daraus hervor, daß zur Bewachung des Prinzen Wales(bei seiner Landung in Bombay gab es einen Aufstand) nur weiße Truppen verwendet wurden. Das indische Komitee in Washington erklärt, daß Pressenachrichten die Wahrheit bezüglich Indtens entstellen. Die Unruhen dort sind nicht auf Mohammedaner zurückzuführen, sondern auf eingeborene Indier, die für ihre Selbständigkeit kämpfen Das Aufruhrgebiet erstreckt sich nunmehr auf 100000 Quadratmeilen. Die Indier haben sich dort unabhängig erklärt und eine Selbstverwaltung eingerichtet. Voykokt gegen den Prinzen von Wales in Indien. Nach einer Depesche der„Central News“ aus Allahabad hat die dorlige Bevölkerung einen absoluten Boykott gegen den Besuch des Prinzen von Wales durchgeführt. Der Prinz traf am 12. Dezember, vormitlags 10 Uhr, ein, indes die reichgeschmückten Straßen waren verlassen, nur einige tausend Europäe und Eurasier hatten sich eingefunden. Der Depesche zufolge sind Einschüchterung und Terrorisierung für diesen Boykott verantwortlich. Offiziellen Nachrichten zufolge sind in den letzten Tagen in ganz Indien elwa 600 Personen verhaftet worden. Die größte Jahl der Verhaftungen fand in Calcusta statt, wo ksatzungen verwaltet werden und unter dieser Verwaltung wirtschaftlich verelenden. Das *Mandatssystem hat überall versagt und seine Unfähigkeit erwiesen. Dies geben Stimmen soon maßgebender Bedeutung, selbst aus den Mandatsländern, zu. Besonders die Hauptnationen Frankreich und England sind heute mit Kolonien so übersättigt, daß sie nicht die „Kräfte und das erforderliche Europamaterial shaben, um den afrikanischen Mandatsgebieten sdie nötige Sorgfalt und Pflege in wirtschaftklicher und kultureller Beziehung angedeihen zzu lassen. Wir fordern daher die Entsendung einer neutralen Untersuchungskommission, welche sdie heutigen Verhältnisse prüft. Wir fordern, sdaß das deutsche Privateigenium in den Kolonien den Eigentümern erhalten bleibt. Die Bedingungen für den Aufenthalt der Deutschen in den Koionten müssen dem Geiste der Völkerbundssatzung entsprechen und einwandfrei und in der gleichen Weise wie für die Angehörigen der anderen Nationen festgesetzt werden. Nur so kann und muß die Pflicht der Jivilisation ausgesaßt heilige 1 werden. Die jetzige Mandalsverteilung und bleibt ein Fehlgriff, der, je länger desto mehr in seinen wirtschaftlichen und kulturellen war Mißerfolgen erkennbar Städt. Schauspielhaus, Hagen. Freitag, 3. Februar, abends 6.30—11 Uhr: „Wilhelm Tell“, Schauspiel in 5 Aufzügen von Friedrich von Schiller. Das Betreten ist verboten! Warnungstafeln mit dieser Inschrift sieht man häufig in öffentlichen Anlagen, in Schonun. an Fabrikgebäuden usw. Wer Besitzer einer Anzahl wohlentwickelter Hühneraugen ist, sollte eine solche Inschrift auch an seinen Stiefelspitzen mibringen lassen. Das würde erstens sehr originell aussehen und ihn zweitens oft davor bewahren, ächzend und augenrollend auf einem Zeine zu hopsen, wenn das beste Hühnerauge enderen wieder einmal einen Tritt abgekriegt hat. Wer es aber noch gescheiter machen will, der entferne seine Hühneraugen mit dem bekannten, in den meisten Apotheken und Drogerien käuflichen vorzüglichen Hühneraugenmittel Kutriol. Das ist viel besser, als das Schneiden, welches schon oft die Ursache zu gefährlichen BlutverGizungen gewesen ist. Man förbe daheim ner mit echten Braun'schen Stoffatben und fordere die Jehrreiche Gratisbroschüre No. Z. Wilbalm Brause, O. m. b. H., Ouedlinburg a.## Buboder Madel das ist gleich— beide müssen frühzeitig an die Javol-Haarpflege gewöhnt werden. Die regeimäßige Anwendunh von Javol läßt es garnicht erst zur Büdung von Schuppen und GemmtenVommen, Euo WauSchlonen sommen das Saas.— wird und bleibt seidenweich.#7###. , voll, dufüg und lockes. vol 11 in allen Alpothe. 4—.— Drogerien, Darfümetien" den Feiseuren zu haben.. 1— schön, Sa ken, uni Ae eunr ereneteuchchen. Isir die Schriftleitung verantwortlich: Karl Richter; für Lokales und Provinzielles: Friedrich traas, beide in Sezweute. * Statt besonderer Anzeige. Heute Imorgen 10½ Uhr wurde unseres liebe Mutter, Schwiegermutter, Groß= und Urgroßmutter, Schwägerin und Tanke Friederike geb. Goßmann im vollendelen 80. Lebensjahre durch einen sanften Tod von ihrem langen Leiden erlöst.3 Um stille Teilnahmekbillen Holzen, Freienbessingen den 1. Februar 1922. Die Beerdigung findet Samstag, den 4. Februar 1922, nachmittags 3½ Uhr, vom Sterbehause aus statt. 504 Art Oberammergauer 9. Febraar bis eloschl. 14. Februar 1922 Kathol. Vereinshaus Schwerte Täglich ½4 Uhr und 8 Uhr Kein Kino, keine Lichtbilder, alles lebend, sprechend Preise der Plätze: 15, 12, 10 und 7 Mark Bekanntmachung. Die von der Gemeindevertretung Wand= hofen unlerm 7. Januar 1922 vollzogene, Sr Wahl des Maschinisten Gustav Bürger zu Wandhofen als 2. stellvertretenden Gemeindevorsteher von Wandhofen auf eine sechsjährige Amtsdauer habe ich bestätigt. 487 Hörde, den 26. Januar 1922. Der Landrat: gez. Hansmann. Veranntmachung. Die von der Gemeindevertretung Niederhofen unterm 23. Januar 1922 vollzogene Wahl des Berginvaliden Carl Brenscheidt zu Höchsten als 2. stellvertretenden Gemeindevorsteher von Niederhofen auf eine sechsjährige Amtsdauer habe ich bestäligt. 485 Hörde, den 26. Januar 1922. Der Landrat: gez. Hansmann. liefert sch nellsteng Druckerei C. Brauts Verrreler gesucht für Bohröle, Härteöle, Automatenöle, sowie alle anderen techn. Oele und Fette, der in den in Frage kommenden Betrieben gut eingeführt ist, gegen Provision und eotl. Spesenzuschuß. Nur erstklassige, an intensives Arbeiten gewöhnte Herren belieben Offerte nebst Referenzen einzureichen unter Df. 172 an Ale & Vogler, Düfseldorf, werden eingestellt. 483 Neubau Wasser=Kraftstation Besthofen. Die Fahrt(Wochen= Karie) wird vergület Carl Hanebeck, Westhofen. Züngere, gewandte 2oe für unsere Druckerei sofort gesucht. Schwerter Zeitung. 4# sn für einen unserer An Wir fuchen gestelltein ein gu emöbliertes Zimmer: mit Morgenkaffee evtl. auch voller Kos — in nur gutem Hause.— Offerten unter A. 125 an die Beschäftsstelle der Schwerter Zeitung erbeten. Attllallllllllllllllll.... Attlllttttltllulllllll1.. schreibt Eurem Kinde seine JuEltern: gendchronik! 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Sie finden ferner Anwendung, wenn die Zahlung aus Staatssonds, aus den Mitteln einer milden Stiftung, eines Oeganes der gesetzlichen Zwangskranken versicherung (Gemeindekrankenversicherung, Orts-, Betriebs=, Bau=, Innungs-, Knappschafts=, eingeschriebene Hilfskasse) zu leisten ist, soweit uicht besondere Schwierigkeiten, der Leistung oder das Maß des Zeitaufwandes einen höheren Satz rechtfertigen. § 3. Im Uebrigen ist die Höhe der Gebühr innerhalb der festgesetzten Grenzen nach den besonderen Umständen des einzelnen Falles, insbesonde Breintholg in Ofenlänge geschnitten, liefert in Karen. L. herbes, holzell. nach der Schwierigkeit und Zeitdauer der Leistung und nach der Vermögenslage des Zahlungspflichtigen che für sofort eine(eu bemessen.„. ich Hoionalwaren mit Wohnung in guter Lage, möglichst sofort zu mieten oder zu kausen gesucht. Bin ertl. auch Käufer eines geeigneten Hauses. Gefl. Angebote unter B. 502 an die Geschäftsst. d. 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Für den Beistand bei einer Zwillingsgeburt einer regelwidrigen Geburt, einer mit Blutungen und deren Folgen oder mit Eklampie, mit Lösung der Nachgeburt oder mühsamer Wieder# belebung des Kindes verbundenen Geburt, des. gleichen für den Beistand bei einer Entbindung, zu der ein Arzt zugezogen wurde, erhöht sick die Gebühr auf 120—250 Mk. 8 F ü r d e n B e i s t a n d b e i e i n e r F e h l g e b u r t o d e r Kunzeitigen Geburt oder bei Abnahme eine Mole für die Dauer bis zu 6 Stunden 80—100 Ml. für jede folgende Stunde 8—12 Mt 4. Für jeden vorgeschriebenen Mochenbesuch, für Wjede angefangene Stunde bei Tage 8—12 Mt bei Nacht 16—24 Mk 5. Für jeden sonstigen Besuch einschl. der daber erfolgenden Untersuchungen und Verrichtungen für jede angefangene Stunde 8—12 Mk bei Nacht 16—24 Mk. 6. Für eine Tageswache außerhalb der Zeit der Geburt(Besuch eingeschlossen) 30—80 Mk. für eine Nachtwache 60—160 Mk * für eine Tages= und Nachtwache 120—200 Mk 7. Für eine Raterteilung in der Wohnung der Hebamme bei Tage 5—10 Mk bei Nacht 10—20 Dit 8. Für eine Untersuchung in der Wohnung der Hebamme, einschl. der Raterteilung bei Tag10—20 Mit bei Nacht 20—40 Mr 9. Für ein schriftliches Zeugnis außer der Gebühr für die Untersuchung oder den Besuch 5 Mk. Als Nacht im Sinne vorstehender Vorschrister gilt in den Monaten April bis September die Zei von 10 Uhr abends bis 7 Uhr morgens, in den anderen Monaten die Zeit von 9 Uhr abends bie 8 Uhr morgens. § 5. Bei Verrichtungen in Häusern, die mehr al2 km von der Wohnung der Hebamme entfern liegen, sind der Hebamme, falls ihr nicht freies Fuhrwerk gestellt wird, sowohl für den Hin= alt auch für den Rückweg entweder die baren Auslagen für tatsächlich benutztes Fuhrwerk oder 1,20 Mk Wegegeld für jedes zurückgelegte Kilometer, Lanoweg bezw. die Fahrkosten der 3. Wagenklasse bei Benutzung der Eisenbahn oder der Fahrpreis der Straßenbahn bei deren Benutzung zu erstatten In diesen Fällen erhöht sich außerdem der Anfangs satz zu§ 4, Ziffer 1 und 2 um 25 v. H. Im übrigen sind der Hebamme die baren Auslagen#i die bei ihrer Hilfeleistung verwendeten Desinsek tionkmittel und Verbandsstoffe, soweit diese nicht aus öffentlichen Mitteln gestellt wurden, zu ersetzen § 6. Diese Gebührenordnung tritt am 1. Februar 1922 in Kraft 488 Arnsberg, den 16. Januar 1922. Der Regierungspräsident: J. V. gez. Bergenthal. 2 Freunde suchen Möbl. Zimmei oder Schlafstelle. Offerten unter B. 501 an d. Geschäftsst. d. Preis: Das Paket Mk. 4.Uere für Ladentheke ca. 300X62 cm groß, zu kaufen gesucht. Büchhänblung eart Braus. nachm. 4Uhr In Aoapaprg. Ukirol 1 schnel sicher und schmerzlos **llühmciaugen Verrtlau. Setruicen Uggrn crr erche Drogerie Max Mehlhose, Schwerte. Kaleaee hattdurren: Talfke vo. 46 Kunststricken.. Ull. Bachhändlung eurt braus. 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S a 34 S 5.# 8 8. 2 S 3 S 3 ** E S SSs P Bg.iS S S 8nSE die Ausgrabungen leitete, fest, daß eine Anzahl von Sleletten Körperlagen aufwies, die es als wahrscheinlich erscheinen lassen mußten, daß die damals Beerdigten nur scheintot gewesen waren und erst im Grabe starben. Prof. Thouret berichtete dann auch über den Fall des Generals d'Ornano, der jetzt ein Jahrhundert zurückliegt. Der General wurde während des Rückzuges der Großen Armee in Rußland von einer Kugel getroffen. Man hielt ihn für tot. Der Prinz Eugène beauftragte seinen Adjutanten, den Kommandanten Tascher, den vermeintlich Toten im Schnee zu begraben. Das geschah auch, aber nach der Beerdigung traf der Adjutant des Generals, der Hauptmann de La Berge, ein und erklärte, er wolle den Körper seines Generals mit nach Frankreich nehmen und in französischer Erde bestatten. Der Schnee wurde wieder aufgegraben, man legte den General auf einen Karren; nach einiger Zeit kehrte er wieder zum Leben zurück. Später konnte er in Frankreich der Beerdigung des Kommandanten Tascher beiwohnen, der Bestattung jenes Mannes, der ihn damals in Rußlands Schneewüste begraben hatte.— Auf der Tribüne des französischen Senats erklärte am 29. Februar 1866 der Kardinal Donet:„Im Jahre 1826 wurde ein junger Priester in der Kirche während des Gottesdienstes beim Singen ohnmächtig und fiel scheintot zu Boden. Ein Arzt wurde gerufen, untersuchte den jungen Geistlichen, erklärte ihn für tot und schrieb den Totenschein. Der Bischof der Diözese, in der sich dies ereignete, sprach bei dem Totenamt bereits das De profundis, man hatte dem Scheintoten die Maße zum Sarge genommen. Man mag sich ausmalen, welche schreckliche Angst der junge Geistliche durchleben mußte, der alle Geräusche der Vorbereitung zu seinem Begräbnis genau hörte. Plötzlich vernahm er auch die Stimme eines Jugendfreundes, und der Klang dieser Stimme ließ ihn noch eine letzte verzweifelnde Willensanstrengung machen, ein Lebenszeichen zu geben. Er erwachte, und am nächsten Tage bereits konnte er wieder in der Kirche sein Amt ausfüllen. Und dieser junge Priester," so konnte der Kardinal Donnet den französischen Senatoren sagen,„steht jetzt hier vor ihnen und bittet Sie, die Bestimmungen über die Todeserklärung zu revidieren.“ Aus unserm Kechbuch Von Laura Uincent. Allerlei Fleischspeisen. Kalbskopf, ausgebeint und gefüllt. Die Hälfte eines Kalbskopfs wird ausgebeint, auseinandergelegt und mit folgender Farce gefüllt: 90 Gramm geriebene Semmel, ein Eßlöffel seingewiegter Petersilie, ein Ei, 60 Gramm gehackten Nierentalg, ½ Teelöffel voll gemischter Kräuter, Salz, Pfeffer Muskatnuß, die abgeriebene Schale einen halben Zitrone. Dies alles wird gut untereinandergearbeitet, mit etwas Wasser befeuchtet, und der Kopf damit gefüllt, zusammengerollt und in ein Tuch gebunden. Nun kocht man ihn zwei Stunden lang in Wasser mit Suppengrün und Salz. Wenn er gar ist, serviert man ihn mit einer weißen Sauce, der man feingewiegte Petersilie zugesetzt hat. Falsche Schildkröte. Ein nicht zu großer Hammelbug wird mehrere Tage aufgehängt, ausgebeint und auf einem Brett auseinandergelegt. Dann mische man einen halben Teelöffel voll Muskatblüte und Pfeffer und reibe das Fleisch damit ein. Nun lege man ein Dutzend Austern darauf und bestreue sie dick mit geriebener Semmel und etwas Salz. Hierauf rolle man das Fleisch zusammen, umwinde es mit Bindfaden und lege es mit wenig Wasser, einer mit zwei Nelken besteckten Zwiebel sowie Salz und Pfeffer in eine Pfanne, die man fest zudeckt. Man rechnet pro Pfund Fleisch 20 Minuten Kochdauer und wendet den Braten während dieser Zeit einmal. Inzwischen bereitet man eine gute weiße Sauce mit dem Saft der Austern, würzt sie mit Salz, Pseffer und Zitronensaft, vermischt sie mit dem Saft des Fleisches, richtet dieses an und gießt die Sauce darüber. Den Braten garniert man mit kleinen Pfeisergurkenscheiben und Sträußchen Petersilie. Schellfisch mit Fleischfarce. Ein mäßig großer Schellfisch wird geschuppt und gereinigt, die große Mittelgräte herausgenommen, und der Fisch mit Bratwurstfüllsel gestopft. Dann näht man ihn zu, streicht ihn mit Eiweiß an und bestreut ihn mit geriebener Semmel. Man bäckt ihn dann auf beiden Seiten zu schöner Farbe, zusammen ¼ Stunden lang, und serviert ihn mit Kartoffelpüree oder Kartoffelsalat. Kalbfleischschnitten. Uebriggebliebenes Kalbfleisch wird feingehalt und mit etwa halb so viel roh gehacktem Schweinefleisch vermischt. Nun gebe man eine Handvoll gewiegte Petersilic, ebensoviel gehackte Zwiebel, vier eingeweichte Semmeln, die wieder ausgedrückt sind, drei Eier, Salz, Pfeffer und Muskatnuß dazu und arbeite alles gut durcheinander. Hierauf schneide man Schrippen in fingerdicke Scheiben, bestreiche sie in derselben Dicke mit der Farce, garnierte die Schnitten in Ei und Semmel, und brate sie in heißem Schmalz auf beiden Seiten zu schöner Farbe. Gekochtes Rindfleisch auf englische Art. Ein Stück Fleisch von der Keule, etwa 16—18 Pfund schwer, wird von der Knochenröhre befreit, so daß man eine große Scheibe schieres Fleisch hat. Es wird von allen Seiten tüchtig mit Salz eingerieben, noch ein paar Hände voll Salz, Gewürz und ein paar Lorbeerblätter darauf gestreut, dann läßt man es 6—8 Tage an einem kühlen Ort stehen. Alle zwei Tage wird es umgedreht, am letzten Tage wird es in ein reines Tuch gelegt und mit Bindfaden in der natürlichen Form umbunden. Hierauf wird es mit kaltem Wasser beigesetzt, gut abgeschäumt und vier Stunden sehr langsam gekocht. Reichliches Suppengrün muß mitgekocht werden. In England wird dies sehr wohlschmeckende Fleisch meist mit einer weißen Kapernsauce serviert, doch kann man auch jede pikante braune Sauce dazu geben. Gebackenes Rindfleisch. Suppenfleisch wird in schöne, dicke, möglichst gleichmäßige Scheiben geschnitten, in Ei und Semmel paniert und, in Fett schwimmend, auf beiden Seiten schön goldbraun gebraten. Es ist eine sehr gute Beilage zu jeder Art von Gemüse. Uebriggebliebenes Bumyr. Ein wenig verändert. Zwei Freunde gingen an dem Plakat einer Terraingesellschaft vorbei, und der eine sagte zum anderen:„Das ist eigentlich ein sehr nettes Motto, was die Leute da haben:„Warum Miete zahlen, wenn man sein eigenes Heim haben kann?"„Ja,“ war die Antwort,„es ist ganz hübsch, aber ich habe jetzt einen Mieter gehabt, der hat es ein wenig verändert, und da gefiel es mir gar nicht mehr. Bei dem hieß es namlicn: „Warum ein Heim bezahlen, wenn man die Miete schuldig bleiben kann?“ unpn! 3 Aums! ce a 23zun u. 95 EP DS POD. Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General=Anzeiger für den Kreis Haupt-Annoncenblatt. Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 28 Donnerstag, den 2. Februar 1922 fur Tärrcher Fahrte. Roman von Max Esch. (15 Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) „Tun wir Feldens auch nicht, gnädiges Fräulein,“ antwortete der Varon.„Bei einer Besichtigung des Wirtschaftshofes und der Vorwerke Wossins werden Sie fast sämtliche Errungenschaften der Neuzeit, soweit sie sich für den Landwirt in der Praxis bewährt haben, antreffen. Wir sind darin mit dem Zeitgeiste konform gegangen. Das alles verdanken wir neben dem Eingehen auf die modernen Strömungen vor allem der eigenen Das war abermals eine nicht mißzuverstehende Abweisung, die dem jungen Mädchen sofort klar war. Es biß sich auf die Lippen. Ob die Feldens etwas von dem Plane der Mutter ahnten? Fast schien es so. Doch der Baron sollte nur nicht denken, daß sie mit der Mutter gemeinsame Sache machen wollte. Sie würde schon für eine eisige Miene Sorge tragen und dem Adelsstolze den ihren entgegensetzen, so daß der Baron beizeiten gewahr werden mußte, daß sie sich auch nicht das geringste aus hochtrabenden Titeln machte. Inzwischen tauchte das Herrenhaus von Wossin aus dem Baumkranze mehr und mehr auf. Der Wagen bog in eine ziemlich lange Allee alter knorriger Eichen, die auf viele Jahrhunderte zurückblicken konnte. In schnurgerader Richtung führte der Weg auf das Herren„Wie wunderbar,“ konnte sich Frau Faber nicht enthalten, ihrer Bewunderung Ausdruck zu verleihen. Folche alten Eichenalleen trifft man äußerst selten an.“ „In der ganzen Provinz werden Sie vergeblich nach einer zweiten suchen,“ bestätigte mit berechtigtem Stolze der Baron. Auch Amanda war von der Allee entzückt, behielt aber ihre Gefühle für sich. Doch sie konnte es nicht verhindern, daß sie sich deutlich auf ihrem Gesicht widerspiegelten, es nahm allmählich einen Schein warmer Herzlichkeit an. Erstaunt beobachtete Feodor diese Veränderung. Die liebreizende Mädchengestalt gab ihm zu denken. Ungleich reizender stand ihr der sinnende Ausdruck, den sie jetzt aufwies, schien es ihm doch, als könne er förmlich darin lesen, wie in einem aufgeschlagenen Buche. Und das, was er jetzt darin verzeichnet fand, war eine Note tiesen, warmen Gefühls, ein herzlicher Grundton, den er bisher vergebens gesucht. Lange Zeit, seinen Gedanken darüber nachzuhängen, war ihm nicht vergönnt, denn bald darauf hielt der Wagen vor dei Rampe. Galant half Feodor Frau Faber aus dem Wagen, während das Gesicht des jungen Mädchens wieder einen kalten, abweisenden Zug zeigte, so daß der Baron ihm seine Hilfe erst gar nicht antrug. Behend schlüpfte Amanda aus dem Verschlage. „Seien Sie uns auf Wossin willkommen,“ begrüßte Feodor an der Schwelle des Hauses die Damen, sie darauf seiner Mutter zuführend. Frau Baronin von Felden empfing den Besuch an der Tür ihres Salons. „Willkommen auf Wossin," begrüßte sie die Damen würdevoll, ohne eine besondere Wärme in den Ton zu legen. Darauf wünschte die alte Dame Mutter und Tochter, zwar äußerst höflich, aber wenig herzlich, sich auf dem Gute wohl zu befinden. Prüfend musterte sie die elegante Gestalt des jungen Mädchens. Das war in der Tat eine biendende Schönheit, und ihr Mutterherz sagte ihr sofort den Grund dieses Besuches, über den sie bisher vergebens nachgedacht. Sie wollte etwaigen Heiratsplänen der Faberschen Damen keinen Vorschub leisten. Nicht, daß sie an der bürgerlichen Herkunft der Fabers Anstoß nahm, nein, es erschien ihr das Suchen eines Mannes unweiblich. Nicht unlieb war es der Baronin, daß Feodor sich empfahl; denn je weniger die Söhne mit dem jungen Mädchen zusammen waren, desto größere Aussicht bestand, den Plan der Fabers zum Scheitern zu bringen. Nach einigen konventionellen Redewendungen führte sie den Besuch in die für diesen bestimmten Räume. Feodor ging zu seinem Bruder hinüber, den er in seinem Arbeitszimmer, in einem Stoß Papiere blätternd, antraf. Er gab Fritz eine Beschreibung des Besuches und wurde ganz warm, als er von dem jungen Mädchen sprach. Bei der gemeinsamen Mahlzeit lernte auch Fritz die Damen kennen. Ebenso wie der Bruder war auch er erstaunt über die Schönheit des jungen Mädchens, doch dessen abweisende, stolze Miene behagten ihm gar nicht. An der Unterhaltung beteiligte sich Amanda zunächst überhaupt nicht. Dann aber bekundete sie fast stets gegenseitige Ansichten als die jungen Leute. Besonders Jeodor gegenüber hielt sie an ihren Anschauungen fest und focht ihre Gründe hartnäckig durch. So war es ganz von selbst gekommen, daß die bei Beginn der Tafei sich nur zögernd hinschleppende Unterhaltung beim Nachtische eine recht lebhafte geworden war. Amanda sprühte förmlich vor Oppositionsgeist. Erstannt nahm Fritz die Wandlung in dem Wesen des jungen Mädchens wahr, die sein erstes Urteil, das dahin lautete: ein Eisklumpen, ganz über den Hausen marf. Das war ja eine geistvolle Dame. Wohl konnte rans Sen 23 S — er sich deren Ansichten nicht zu eigen machen, aber das, was sie sagte, schien wohldurchdacht zu sein, hatte sozusagen Hand und Fuß und zeugte von einer Scharfen Beobachtungsgabe, wenngleich ein bitterer Ton von Menschenverachtung darin unterlief. Das aber entschuldigte Fritz; denn er konnte es sich denken, daß die von den zweifelhaftesten Elementen umschwärmte und umschmeichelte Erbin ein schiefes und verschobenes Bild der Welt erhalten mußte. Da sie aber offenbar ein goldiges Gemüt besaß, mußte es sich wohl verlohnen, diesem Menschenlinde eine andere Anschauung beizubringen. Dann würde der gesunde Kern, der von einer harten Schale umschlossen war, schon ein gesundes Bäumchen treiben. Er aber verspürte zu dieser Mission vorerst wenig Lust, zumal er auch alle Hände voll zu tun hatte, sich in die Wirtschaftsverhältnisse hineinzufinden. Und dann war sein Urlaub auch bald abgelausen. Obwohl er sein Abschiedsgesuch bereits eingereicht, würde er doch wohl nochmals zu seinem Regiment zurückkehren Sein lebhafterer Bruder eignete sich auch ungleich besser zu dieser Rolle, als er, der verschlossenere, zumal beider Grundanschauungen ja gleich waren. Nach Aufhebung der Tafel durch die Baronin, die sich bald darauf zurückzog, was auch Frau Faber veranlaßte, ein Gleiches zutun, lud Feodor dasjunge Mädchen zu einer Promenade durch den Park ein, um das begonnene Gesprächsthema fortzusetzen.„Ich kann es nicht glauben, gnädiges Fräulein," setzte er seiner Aufforderung hinzu,„daß Ihre materialistische Grundanschauung über die Entwicklung der Menschheit einem klaren Einblick in die Sonnenseiten des Lebens standhalten wird.“ „Und den wollen Sie mir verschassen?; fragte ironisch Amando.,„enen eins ander, 1ch „Wass ich dazu tun rann, Ihnen eine andere Ueberzung beizubringen,“ antwortete Feodor,„wird geschehen. Ob mir das letztere gelingen wird, ist freilich eine andere Sache... 449h1 Las kunas Mädchen „Ich komme,“ antwortere schlicht das junge Maochen. „Das aber kann ich Ihnen, Herr Baron, im voraus sagen, Ihr Bemühen in dieser Hinsicht wird vergebens sein.“ Dann schwebte sie elastischen Schrittes zum Zimmer hinaus, um sich mit Hilfe ihrer Zofe umzukleiden. Auch die beiden Brüder begaben sich, nachdem Fritz seine Beteiligung an dem Spaziergange ebenfalls zugesagt, in ihre Gemächer.——— Die Zeit verging. Während Amanda im Anfange ihrer Anwesenheit auf Wossin bereits an die Abreise dachte, gesiel es ihr jetzt so gut, daß sie nur ungern an den Zeitpunkt denken konnte, an dem sie mit der Mutter die Heimreise antreten mußte. In den beiden Söhnen der Baronin traf sie Männer an, die in ihr nicht die Erbin, sondern den Menschen fahen, so daß sie ihren Vorsatz, die Spröde und Unnahbare zu spielen, nicht durchführte. Sie verkehrte mit den jungen Leuten auf dem Fuße guter Kameradschaft.,.. gegeist aber Noch immer war sie voller Wiverspruchsgeis, über sie mußte es sich doch immer mehr gestehen, daß die von ihr ins Feld geführten Gründe zumeist von Baron Fritz oder Feodor entkräftet wurden. Aus purem Stolge nur gab sie sich nicht geschlagen. Für Feodor rückte die Zeit immer näher, da er Abschied von Mutter und Bruder nehmen mußte, um seine Reise über das Weltmeer anzutreten, Abschied nicht nur von seinen nächsten Blutsverwandten, sondern von dem Wesen, das ihm allmählich teuer geworden war. Doch das war schließlich gut so; denn nicht lange mehr würde er die Kraft behalten haben, den Schein der Kameralschaftlichkeit aufrechtzuerhalten, fühlte er doch nur zu deutlich, daß das, was ihn immer wieder in den Bannkreis des jungen Mädchens zog, reine Liebe sei. In stillen Stunden prüfte er sich, und diese Prüfung bestätigte, daß er auf dem besten Wege sei, lich sterblich in Amanda Faber zu verlieben, aber deren Herz schien dem Fruder zuzuschlagen. Alle Luaten der Eifersucht hatte er bei dieser Entdeckung zu durchkosten. In solchen Augenblicken flüchtete er hiaaus in die Einsamkeit. Nichts wünschte er dann sehnlicher, als weit fort von Wossin zu sein. Wenn er aber mit dem geliebten Wesen plaudern konnte und tausend Sprühteuselchen von ihm auszugehen schienen, hätte er am liebsten dem Zeitenrade in die Speichen fallen mögen, damit der Augenblick länger verweile. Es war am Vorabende seiner Abreise von Wossin. Sein Gepäck war bereits in Hamburg, wohin sich auch esinrußig war Feodor heute durch die Fluren geritten, dann streifte er durch den Park und suchte die Stellen auf, an dem er mit dem heiß geliebten Mädchen so oft geweilt, das endgültig für ihn verloren war; denn es gehörte keine große Beobachtungsgabe dazu, herauszufinden, daß der Bruder und Amanda Faber sich liebten, und ossenbar sah die Baronin eine solche Verbindung nicht ungern. Es war merkwürdig, wie die stolze Frau, die den Besuch im Anfange nur ungern ausgenommen, jetzt nichts von einer Abreise wissen wollte. Sie schien an Frau Faber eine wirkliche Freundin gefunden zu haben, ja sie unternahm mit dieser und deren Tochter sogar Besuche bei benachbarten Grundbesitzern. In gedrückter Stimmung verbrachte er den Abend. Da saß der Bruder, an seiner Seite die Mädchenknospe. Unwillkürlich mußte Feodor sich die ersten Tage des Besuches ins Gedachtnis rufen und daran denken, daß er es gewesen, der dem Bruder das Juwel erst geschlissen. Das Getändle und die Neckerei der beiden konnte er schließlich vor innerer Qual nicht mehr aushalten. Hastig erhob er sich und verließ schnellen Schrittes die Veranda. Erstannt blickten die Anwesenden ihm nach.„Das Trennungsweh hat ihn gepackt. Dagegen hilft nur Alleinsein,“ erklärte die Baronin. Auf einem Sessel am offenen Fenster seiner Arbeitse stube saß Feodor und weinte. Mannhaft kämpfte er das häßliche Gefühl hinunter, das in ihm gegen den bevorzugteren Bruder aufwallte. Nein, kein Mensch sollte auch nur vermuten, wie es in seinem Innern aussah, damit den beiden ein ungetrübtes Glück . So fand ihn eine Stunde später der Bruder, als * sHhalo, Feodor, hier steast du?“ schalte seine nicht wir uns wieder. Schnell genug wird die Zeit verstreichen.“ Trennungsschmerz hatte Fritz gesagt. Ja, das Wort mochte eine Entschuldigung für sein sonderbares Tun abgeben.„Du hast recht, Fritz,“ sagie er, sich gewaltsam zwingend, seiner Stimme Festigleit zu geben,„wozu wollen wir uns mit Grillen plagen. Fort damir!“ Hastig erhob er sich, um dem Diener zu schellen.„Komm, laß uns eine Flasche Wein trinken, habe das nötig, um Courage zu bekommen.„##,.. Sce. Bald darauf saßen die beiden Bruder beim Schein der Lampe um den Tisch, vor sich den Sorgenbrecher. Eine lebhafte Unterhaltung aber wollte nicht recht in Gang kommen.„., H4„5on 9 1032. Das, was Fritz dem Bruder leuchtenden Auges soeben erzählte, hatte letterer kommen sehen, und obwohl er sich darauf vorbereitet, krampfte es ihm doch fast das Herz zusammen. Sie hatten sich beide gefunden, der Bruder und Amanda Faber. Vor kaum einer halben Stunde war die Aussprache erfolgt. Feodor konnte dem Bruder dessen Glücksgefühl nachempfinden, und obgleich es ihm zumute war, als prege ihm jemand den Hals zu, kämpfte er mannhaft jenes bittere Gefühl hinunter. Mit zitternder Stimme stattete er dem Bruder seinen Glückwunsch ab. (Fortsetzung folgt.) 1 as RSE OSEEEE *..„* 60 □ m □ a 5 S„ S SxSOSBTEgPSSESEE BSSTTASESESDLEEE ESHTTOSERESSESSSZESS H SngsPESSEEE DEE 6.95 chen sind Inhaitsverzeichnille der Menschheit. hebbel. Warum ich ledig blieb. Erzählung von Paul Bliß. (Nachdruck verboten.) Das Diner war beendet, als Herr Berent mich beim Arm nahm und sprach:„Kommen Sie, junge Freund, ich weiß hier im Hause ein hübsches, stilles Plätzchen, wo wir ungestört ein wenig plandern können.“ Lächelnd legte ich meinen Arm in den des alten errn und ließ mich fortführen. müssen nämlich wissen,“ sprach Herr Berent weiter,„daß es mir Bedürfnis ist, nach einer so langen Sitzung mich ein wenig in die Einsamkeit zu flüchten. Unser vortrefflicher Wirt weiß das längst, und so finde “ h i e r m e i n t r a u l i c h e s P l a n d e r e c k c h e n i m m e r f ü r m i c h veserviert.“ Wir waren inzwischen durch Salon und Wohnungen gegangen und befanden uns in einem lauschig kleinen Raum, dessen Balkon auf den stillen Park führte. Es war in der Tat ein reizender Winkel und ganz geschafsen, zu träumen.— Vor uns lag der alte Park, desseu m tige Baumriesen sich mit dem ersten hellen Grün des jungen Frühlings schmückten, und eine wohltuende Stille umsing uns, als wir auf den Balkon hinaustraten. Die anderen Herren aus der Gesellschaft hatten sich verteilt, einige saßen in den Spiel= und Rauchzimmern, während die anderen im Musikzimmer dem Spiel der schönen Hausfrau lauschten. Leise, verdämmernd drangen auch zu uns die Töne heraus. Es wurde Schubert gespielt, meisterlich war der Vortrag, so daß mir diese Töne tiefer Weymut und stiller Resignation ans Herz rüttelten und mich zum Weinen stimmien. Ich sah auf den alten Herrn, der träumend den blauen Rauchringen seiner Zigarre nachblickte, und während ich diesen edelgeformten Kopf mit dem weißen, leicht gewellten Haar und dem milden Lächeln überlegener Weltweisheit prüfend anschaute, kam mir plötzlich der Gedanke:„Warum ist dieser Mann wohl ledig geblieben?“ Drinnen im Musikzimmer wurde jetzt Schuberts „Lindenbaum“ gesungen. Ganz deutlich hörten wir jeden dieser einzig schönen, schlichten Töne; atemlos lauschten wir beide, auss tiefste ergriffen. Als der Vortrag zu Ende war, wiederholte der alte Herr flüsternd wie im Traume des Liedes letzte Zeile:„Und immer hör' ich's rauschen, du fändest Ruhe dort!“ Dann war Schweigen, wohl eine Minute lang. Nichts ringsumher regte sich. Nur der laue Frühlingswind umwehte uns kosend, und tausend kräftige Düste wehte er uns entgegen, Hoffnungen und Illusionen, und Gedanken an eine Reihe sonnenheller, kraftfroher Sommertage voll Glück und Lebensfreude. Plötzlich sagte der alte Herr, indem er mich mit mildem Lächeln anschaute:„Warum sehen Sie mich so fragend an?“ Ich wurde rot und schwieg verlegen. Er aber fuhr weiler mit stiller Freude:„Ich merkte es wohl, obgleich ich Sie nicht ansah. Also frei heraus! Was wollen Sie wissen?“ Ich wurde nur noch mehr verlegen und stammelte ein paar entschuldigende Worte. Da sprach der alte Herr freundlich:„Nun, ich will Ihnen die Sache leichter machen, junger Freund. Schon viele meiner Bekannten haben mich gefragt, warum ich eigentlich niemals geheiratet habe.“ Lächelnd sah er mich an.„Stimmt es?“ fragte er.„Das dachten doch auch Sie eben, nicht wahr?" Leicht errötend nickte ich.„Ja, Herr Berent, ich dachte es, wenn Sie mich zwingen, es zu sagen.“ Er nickte, zuckte mit den Schultern und trommelte mit den schlanken, weißen Fingern auf das Blech der Balkoneinfassung. Dann sagte er:„Ist es denn wirklich so rätselhaft, wenn ein Mann heutzutage ledig bleibt?“ Nun bekam ich wieder Mut.„Die Frage verallgemeinert— nein—; denn die Lust zum Heiraten nimmt ja in erschreckender Weise ab, hier aber in diesem besonderen Falle scheint man doch wirklich vor einem Rätsel zu stehen.“ Er sch und nickte mit wehmütigem Lächeln. Und ich sprach weiter:„Soweit ich Sie kenne, lieber Herr Berent, und ich einen Einblick in Ihre Verhältnisse gewinnen konnte, darf ich wohl sagen, daß doch alle Möglichkeiten für eine glückliche Ehe gegeben waren.“ Da ermannte er sich und begann: „Nun, ich habe über die Geschichte seit Jahrzehnten nicht gesprochen, so viel auch meine Bekannten fragen mochten, aber heute, zu Ihnen, will ich einmal sprechen. Ich weiß ja, daß Sie immer auf der Suche nach neuen Stoffen sind. So will ich's Ihnen denn zu Nutz und Frommen erzählen.“ Also: Sie kennen mich als einen reichen Mann. Ich bin nahezu sechzig Jahre. Aber es gab eine Zeit, freilich liegen Jahrzehnte dazwischen, da war ich ein armer Teusel. Damals war ich fünfundzwanzig und ein armer Kommis mit einem kargen Gehalt. Aber ich war glücklich und zufrieden; denn vor mir lag ja noch eine Zukunft voll von hundert goldenen Hoffnungen, und ich war kräftig und gesund. Eines Tages, es war im Frühling, kam die einzige Tochter meines Chefs aus einem Schweizer Pensionat zurück. Sie war neunzehn Jahre und ein Bild prangender Jugendschönheit. Als ich sie zum ersten Male sah, fühlte ich mein Herz ungestüm pochen. Ich war wie gebannt und mußte sie unausgesetzt ansehen. Wenn ich mit ihr sprach, war ich ganz verwirrt. Als ich an diesem Abende allein in meiner Stube saß, wußte ich, daß ich sie liebte. Ich hätte jauchzen können vor Inei und Glück. (Schluß folgt.) Lebendig begraben. Verfügt die ärztliche Wissenschaft über ein absolut sicheres Mittel, um unmittelbar nach dem Ableben eines Menschen mit vollkommener Gewißheit den Tod festzustellen? Der französische Professor Dr. Thouret hat kürzlich in einer Vorlesung in der Sorbonne behauptet, daß dies keineswegs der Fall sei; trotz der von zahllosen Aerzten mit Fleiß und Gründlichkeit geleisteten Arbeiten und Forschungen sei die Wissenschaft noch heute nicht imstande, uns ein unzweifelhaft sicheres Symptom des Todes zu geben, der Scheintod und der Tod weisen in ihren Erscheinungen so große und weitgehende Analogien auf, daß es nicht möglich sei, mit unbedingter Sicherheit zu behaupten, daß hier Tod und dort Scheintod vorliegt. Und in der Tat ist die Geschichte der Medizin reich au Fällen, in denen ärztliche Todeserklärungen durch die Natur widerlegt worden sind, reich an Fällen, die sich keineswegs auf mittelalterliche Zeiten beschränken. Als man den Pariser Kirchhof des Saints-Innocents verlegte, stellte der Doktor Thouret, der —