Dle„Schwerter Jettung“ erschein läglich auße: E iertags. Bezugspreis monatlich 16.— der Pos 14.— M., ohre Bestellgeld. Anzeigenpreise: Die 1 mm hohe. 35 mm dreite Jei 80„auswärts 1. M. Bei Wiederho ungen entsprechender Nachlaß II. Taris. Jeder Rabalt giit als Kassenrabatt und erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen, gerichtlichen Klagen u. Nichtbeachlen de gemachten Jahlungsbedindungen. Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung Schwerter Volksblatt Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörd 2. Die„Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Abennenten für jeden mit Tod endenden Unfall gemäß bren Se. 500 Mark Anfall. dggunger= Druck u. Verlag v. Carl Braus. Schweite(Ruhr) Fernsprech=Anschluß Nummer 62. Telegramm-Adresse: Braus, Schwerte(7 Uhr'. Dostscheckk.: Dortmund 2852, Hannover 21974. Nr. 19 Montag, 23. Januar 1922 55. Jahrgang Poincarees Programm der versklavung deutschlands. Die französische Kammer hat Poincaree mit 472 gegen 107 Stimmen ein Vertrauensvotum erteilt. Frankreichs neuer Ministerpräsident Poincaree hat vor der Kammer die Regierungsexklärung verlassen und hat sich im Verlauf der Sitzung ein Vertrauenswotum gesichert, das mit 472 gegen 107 Stimmen angenommen worden ist. Er verlas eine Erklärung, welche an Heftigkeit alles übersteigt, was man von Poincaree erwrten konnte. Sie lautet in den auf Deutschland bezüglichen Stellen: Das Kabinett, welches sich Ihnen vorstellt, hat keinen anderen Ehrgeiz, als in enger Zusammenarbeit mit dem Parlament den Respekt des Versailler Vertrages sicherzustellen. So energisch unsere Anstrengungen auch sein müssen — wir können die Finanzlage Frankreichs nur retten, wenn Deutschland jene Vorschüsse, die sich auf Milliarden belaufen und die wir leisteten, zurückzahlt und endlich die Verpflichtungen erfüllt, die es unterzeichnet hat, indem es die von ihm angerichteten Schäden wieder gut macht. Die programmatische Erklärung Poincarces hat diejenigen nicht enttäuscht, die eine scharfe Tonart von ihm erwarten. Herr Poincaree war gezwungen, den Gegensatz seines Kabinetts zu dem Briands deutlich zu machen. Daß er sich dabei in besonders geistige Unkosten gestürzt hat, kann man beim besten Willen nicht sagen. Er hat eben nur die schon ziemlich verstaubten Requisiten der Nationalisten erneut vorgeholt und zeigt sie denen, die ihm zujubeln, nämlich dem nationalen Block. Da ist alles wieder, was wir seit Jahren zur Genüge kennen. Der„unentschuldbare Angriff“ wird hervorgeholt, die Ruinen werden aufgezeigt und Herr Poincaree verwahrt sich dagegen, daß er von er von einer Art imperialistischer Tollheit besessen sei. Es ist ein schlechtes Theater, das Herr Poincaree der Welt vorspielen will, wenn er davon spricht, daß Frankreich nicht einem Gefühl des Hasses und der Rachsucht noch den Einflüsterungen des Egoismus gehorcht. Das sind Sentimentalitäten, die seinerzeit ihre Wirkung wohl nicht verfehlt haben mögen. Heute liegen die Dinge aber doch anders, denn Herr Poincaree hat vergessen, daß die wirtschaftliche Vernunft inzwischen erwacht ist und daß sie früher Blinde doch schon sehend gemacht hat. Was Deutschland betrifft und Frankreichs Einstellung dazu, so hat Poincaree die Behauptungen in seiner Regierungserklärung zum Ausdruck gebracht, mit denen die französischen Diplomaten in allen Ländern hausieren gehen. Er hat uns den schweren Vorwurf gemacht, daß wir systematisch unsere staatlichen Mittel verschleuderten. Es ist eine Frage politischer Zweckmäßigkeit, ob der Reichskanzler im Reichstage die Gelegenheit benutzen wird, darauf das zu erwidern, was zu erwidern ist. Der Wert dieser Behauptung wird aber durch die anderen Behauptungen Poincarees gekennzeichnet. Auch Poincaree konstruiert den merkwürdigen Gegensatz von der guten Privatund schlechten Staatswirtschaft in Deutschland. Auch hat er das Märchen wieder hervorgeholt, daß Deutschland weniger Steuern zahle als Frankreich. Herr Poincaree hat aber nicht erzählt, daß Deutschland infolge seiner verminderten Ausfuhr von der Substanz zu leben gezwungen ist. Er hat nichts von der versteckten Arbeitslosigkeit erzählt, die z. B. Rathenau vor dem Obersten Rat geschildert hat. Er hat auch vergessen, zu sagen, daß die Lebenshaltung des Mittelstandes und der Arbeiterschaft in Deutschland gegenüber der Vorkriegszeit so reduziert ist, daß eine weitere Reduktion ein Ding der Unmöglichkeit wäre. Davon hat Poincaree nicht gesprochen, wohl aber sprach er, und das ist ja für ihn die Hauptsache, von den Pfändern, von den Garantien und von den Sanktionen. Wir müssen abwarten, ob es gelingt, mit Hilfe von Sanktionen das Reparationsproblem im französischen Sinne zu lösen. Die Welt hat gehört, was Poincaree zu sagen hat. Wir warten auf das Urteil und das dürfte auch für Herrn Poincaree nicht gerade unwichtig sein. Deutscher Reicholag. Berlin, 21. Januar. Der Reichstag erledigte am Freitag zunächst 34 kleine Anfragen, die sich während der parlamentlosen Zeit aufgesammelt hatten. Besonders interessant war ein Bericht des Reichsjustizministeriums über den Stand des Verfahrens zur Ermittelung der Mörder Erzbergers. Abg. Gallwitz(deutschnatl.) hatte hierüber um Auskunft gebeten. Kapitänleutnant a. D. Killinger, der beschuldigt wird, den Tätern Beistand nach der Tat geleistet zu haben, befindet sich in Untersuchungshaft. Die Ermittelungen sind im Gange. In München wurde eine geheime Organisation entdeckt, die aus ehemaligen Offizieren der Brigade Ehrhardt bestand und sich über ganz Deutschland erstreckte. Die Not der Wolgadeutschen wurde auf eine Anfrage des deutschnation Zur Neuorientierung Gesetz über den Kassenbestand der Reichsbank, Ausgaben zur Förderung des Wohnungsbaues, deutschnationale Interpellation über die Wirtschaftslage Ostpreußens, demokratische Interpellation über Paßerleichterungen gegenüber Deutsch=Oesterreich. Schluß 6 Uhr. Die Sonnabend=Verhandlungen des Reichstages wurden durch die Trauerkunde vom Ableben des Papstes jäh unterbrochen. In ehrenden Worten gedachte der Präsidene Loebe des Papstes, der in der Kriegszeit bemüht gewesen war, die Leiden der Menschheit zu mildern und der sich besonders der Kriegs= und Zivilgefangenen angenommen habe und den tausenden von deutschen Kinder warme Kleidung und ausreichende Nahrung verschaffte. Der Präsident stellte fest, daß das deutsche Volk tiefen Anteil an dem frühen Tod dieses verdienten Mannes nehme. Die Sitzung hatte mit einer längeren Aussprache eingesetzt Es handelte sich um den 4. Nachtrag des Reichshaushaltes, der eine Erhöhung der Beamenzuschüsse bringt und etwa 4½ Milliarden anfordert. Lloyd George Die Lloyd=George=Krise beigelegt. London, 21. Januar. Es bestätigt sich, daß die Lloyd George=Krise beigelegt betrachtet werden kann. Lord Curzon, der englische Außenminister, hatte in Paris eine versöhnende Besprechung mit Poincaree gesucht. Aber die aggressive Politik Frankreichs nach allen Seiten hat so verstimmt, daß die Frankophilen für den Augenblick erheblich an Einfluß eingebüßt haben. Andererseits ist aber doch auch wieder mit weitgehenden Zugeständnissen Lloyd Georges an Frankreich zu rechnen. Allerdings will man in London über die schon Briand in Aussicht gestellte Neutralisierung der Rheinlande. nicht hinausgehen, während Poincaree auch die Ruhr unter französischer Kontrolle haben will. Abg. Wulle geschildert. Ein Vertreter des auswärtigen Amtes erklärte, daß die Arbeitslosigkeit Deutschlands leider dazu zwingt, bei der Aufnahme von Deutschen aus anderen Staaten große Zurückhaltung zu üben. Die Reichsregierung hat aber Maßnahmen getroffen, um der Not der Wolgadeutschen abzuhelfen. Die Besprechung der demokratischen Interpellation über die Finanznot der Gemeinden nimmt dann ihren Fortgang Abg. Frau Lang=Brumann bedauert, daß man den Gemeinden das finanzielle Rückgrat gebrochen habe. Reichskanzler Dr. Hermes stellt fest, daß die deutsche Finanznot nur ein Teil der wirtschaftlichen der ganzen Welt ist. Er fordert die Gemeinden auf, mitzuhelfen, und die schwierige Lage zu überstehen. Nach ihm machte der Kommunist Hendmann dem Bürgertum heftige Vorwürfe und behauptete, es drücke sich absichtlich von den Steuern. Auch der Kasseler Oberbürgermeister Scheidemann erfüllte seine Amtspflicht und forderte Hilfe für die Gemeinden. Nach einem Schlußwort des Demokraten Koch, der die Einigkeit aller Parteien in den Gemeindefragen feststellte, fanden die Interpellationen ihre Erledigung. Das Haus vertagte sich darauf auf Sonnabend 1 Uhr: Lord Corzon Ebenso wenig ist Lloyd George geneigt, das Garantieabkommen auf Polen auszudehnen. In einer solchen Ausdehnung des Garantieabkommens sieht man eine gefährliche Begünstigung polnischer Experimente in Oberschlesien und Engiund sträubt sich dagegen, etwa gleichzeitig mit der Ruhr auch weitere Teile Oberschlesiens dem französischen Einfluß zu unterbreiten. Dagegen will England nötigenfalls den Franzosen über das früher schon vorgeschlagene Maß militärischen Beistand zum Schutze ihrer Ostgrenze zugestehen und auch in Besprechungen über die von Poincaree des öfteren erwähnten Kanalbauprojekte zur schnelleren Beförderung und Bereitstellung von Streitigkeiten im Kriegsfalle eintreten. Ein Gesetzentwurf, wonach das von der Reichsbank bei einer ausländischen Zentralnotenbank niedergelegte Gold auch als Kassenbestand der Reichsbank gilt, wurde dem Haushaltungsausausschuß überwiesen. An den Wohnungsausschuß ging die Vorlage über die Erhöhung einer Abgabe zur Förderung des Wohnungsbaues. Darauf stand die deutsche nationale Interpellation über die Wirtschaftslage in Ostpreußen zur Verhandlung. Der ostpreußische Rittergutsbesitzer Graf von Kanitz schildert die wirtschaftliche Not dieses vom Reich abgetrennten Gebietes, nach dem die Polen schon gierig schauen. Der Redner fordert eine Sicherstellung des Verkehrs im Korridor durch endlichen Abschluß des Abkommens mit Polen. Die Staatssekretäre Stiller und Kirstein gaben Auskunft über die Maßnahmen der Regierung zur Behebung der wirtschaftlichen Hilfe Lstpreußens. Es wunden verschiedene Tarifermäßigungen festgesetzt. Bei der Kohlenversorgung wird Ostpreußen bevorzugt, die Zugverbindungen werden verbessert. In der Aussprache gaben Vertreter aller Parteien die Erklärung ab, daß sie bereit seien, den ostpreußischen Brüdern zu helfen. Damit ist die Interpellation erledigt. Montag 1 Uhr Wahl eines Schriftführers, Vorlage über den Verkehr mit ausländischen Zahlungsmitteln, Reichsschuldengesetz. Schluß gegen 7 Uhr. Preuphsähser Tandlag. Berlin, 21. Januar. Der preußische Landtag setzte am Freitag nach Erledigung einer großen Reihe kleiner Gegenstände die am Donnerstag abgebrochene Beratung des Hebammengesetzes fort. Bekanntlich ist dieses Gesetz schon Gegenstand heftiger parlamentarischer Streitigkeiten gewesen Der frühere Entwurf hat wenig Gegenliebe bei der Rechten und beim Zentrum gefunden. Schließ: lich legte die Regierung einen neuen Entwurf vor und dieser wird nun andererseits von den Vertretern der Linksparteien aufs heftigste befehdet. die sehr ruhige und sachliche Verhandlung trug die als sehr temperamentvolle bekannte Abg der Deutschen Volkspartei, Frau Pöhlmann, Lizeal=Direktorin a. D., eine recht polemische Not:. Ihre persönlichen Angriffe gegen Frau Ege(S.). die eifrige Befürworterin des alten Entwurfes, versetzte die Fraktionskollegen der Angegriffenen in so lebhafte Erregung, daß der Präsident verschiedentlich zur Ruhe mahnen mußte. Es folgte dunn eine unerquickliche persönliche Auseiandersetzung. Die Vorlage wurde an den BevölkerungsAusschuß verwiesen. Darauf vertagte sich der Landtag auf Sonnabend 12 Uhr. Der preußische Landtag beschäftigte sich in der Sonnabend=Sitzung mit einer Reihe von Strafverfolgungs=Anträgen. Im Mittelpunkt der Strafverfolgungen stand der Fall„Eberlein" wegen Hochverrats, wegen Anstiftung zu schwerer Inbrandsetzung, sowie wegen weiterer Straftaten, in dem die Staatsanwaltschaft die Genehmigung zur Verfeigung nachsucht. Bereits im Ausschuß war zum Ausdruck gebracht worden, daß die dem Abgeordneten Eberlein zur Last gelegten Verbrechen wohl die schwersten, die bisher einem Abgeordneten des Parlaments vorgeworfen, seien. Das bei der Frau Klara Zetkin beschlagnahmte Dokumentenmaterial hat ja reichlich Aufklärung gebracht. Der Abg. Meyer(Komm.) wollte freilich der Echtheit des dem Ausschuß vorliegenden. Materials wenig Glauben abgewinnen und bezweifelte seine Beweiskraft. Da es bis dahin noch verhältnismäßig ruhig im Hause zugegangen war, so kam es jetzt zu erregten Lärmszenen, als der sozialdemokratische Abg. Dr. Rosenfeld die Stellung seiner Freunde begründete, die Gerichte an der Verfolgung der vorliegenden Straftaten nicht zu hindern. Die Pfuirufe, die bei Schluß der Rede von den Bänken der Kommunisten ertönten, wollten kein Ende nehmen. Die Mehrheitssozialisten gerieten darauf in Erregung und antworteten mit Gegenrufen. Schließlich vertagte man die Abstimmung über diesen Gegenstand auf Dienstag. Der Fall Scholen beschäftigte noch längere Zeit; man verwies ihn zur erneuten Prüfung an den Geschäfts=Ordnungsausschuß. Zum Schluß machte Präsident Leinert, während sich der größte Teil der Abgeordneten von den Plätzen erhob— nur Kommunisten und Unabhängige drängten fluchtartig zur Tür hinaus— Mitteilung von dem Ableben des Papstes und gedachte in ehrenden Worten den Bemühungen des Dahingeschiedenen um das Zustandekommen des Friedens, denen leider ein Erfolg nicht beschieden gewesen sei. Umso reichere Früchte hätten aber die Bemühungen des Papstes getragen. die Lasten des Krieges zu mildern. Deshalb sei besonders Deutschland dem Papste Benedikt Dank schuldig. Dann vertagte sich das Haus. Am Montag werden oberschlesische Fragen und die Fragen der besetzten und abgetretenen Gebiete den Hauptinhalt der Beratungen abgeben. Um die 1. Der Entscheidung entgegen! Die kommenden Monate ob wir für unsere christliche Schulen Reich zur Beer cit entscheiden darüber, christlich getauften Kinder behalten oder ob wir gezwungen werden sollen, sie in Schulen zu schicken, denen das Beste fehlt, der Geist der Glaubensge sinnung. Im Januar soll dem deutschen tag der Entwurf eines Reichsschulgesetzes ratung vorgelegt werden, das die Neuordnung des Schulwesens endgiltig regeln soll. Wie sich die Parteien zu dem Entwurf stellen, ob und wie leb. haft sie sich einsetzen werden für die Wahrung der christlichen Erziehungsinteressen, das hängt ganz davon ab, ob ein kräftiger ernster Volkswille wach wird, der sein Gewissensrecht fordert u sich schützend vor das Kleinod der christlichen§ genderziehung stellt. Starke gegnerische Kräfte sind am Werk, wenige Stimmen in der schwan kenden Mehrheit der Volksvertretung können das Schicksal der christlichen Schule unabänderlich besiegeln, obwohl keine Zweifel darüber ist, wie in Wahrheit der weit überwiegende Teil des Volkes in den Fragen der relig denkt. Darum soll in den Tagen vom 15. Januar bis 15. Februar ein Werbemonat für die christliche Schule abgehalten werden, um allerorten das Bewußtsein für den Ernst der Entscheidung zu wecken und zur Sammlung und Bereitschaft auf zurufen. Steht bereit, wenn der Ruf an Euch ergeht! Laue, wacht auf, Sorglose erkennt die Gefahr, Entschlossene verdoppelt eure Kraft: Es geht um das Heil und Glück unserer Kinder, um die Hoffnung und Zukunft unseres Volkes! 2. Wie es kommen kann! Der Reichsschulgesetzentwurf, der im Januar im Reichstag beraten wird, sieht eine bevorzugte Sammelschule, die Gemeinschaftsschule, vor. Daneben wird es außer Bekenntnis=(christlichen) Schulen auch weltliche Schulen geven. Nur sind Gemeinschaftsschulen und weltliche Schulen biher versessungsgemäß unmöglich gewesen. Trotzdem läßt sich Wesen und Wirken der weltlichen Schule ganz deutlich erkennen, da unter Umgehung der Verfassung tatsächlich schon eine ganze Reihe von weltlichen Schulen in Westfalen, in Berlin, in Hamburg und anderswo eingerichtet worden sind Da ist von der Wirkung der weltlichen Erziehung auf Sitte und Religion bereits allerlei zu spüren. Reinickendorf beklagen sich die Kinder der christlichen Schule darüber, daß ihre ehemaligen Kameraden, jetzige Schüler der weltlichen Schule beim Vo übergehen am Schulhof den evangelischen Kindern höhnisch zurufen:„Ihr seid noch so dumm und glaubt an Gott? Das ist ja alles Unsinn!“ Ein Knabe der evangelischen Schule, dessen Mutter als eine besonders tatkräftige Vorkämpferin der evangelischen Schule bekannt ist. wurde mehrere Tage nacheinander von großen Schülern der weltlichen Schule überfallen und verprügelt. Ein Lehrer in Oberkassel überraschte einige Düsseldorfer Kinder beim Stehlen in seinem Garten. Auf seine entrüstete Frage: Ihr kennt wohl die 10 Gebote nicht? antwortete ein starkes Mädchen prompt:„Ich bin in der weltlichen Schule". Darum gibt es für christliche Eltern nur eine Möglichkeit: nachdrückliche Forderung der christlichen Schule! über diere Fragen Unklarheit besteht. selgende Aufsatz, der insbesondere die Möglich der Veireiung von der Versicherungspflicht behandelt, gibt hierüber Aufschlus. Ein Gesetz vom 13. Dezember 1921 hat sehr wichtige Neuerungen für die Angestellten=Versiche. rung in der Frage des Verhältnisses von Angestellten=Versi gebracht. E in gewissem war eine B zahlung auf versicherung de cherung zu s ist bekannt, Umfange die freiung von sen war. bestimmte Nachversick antrages kommen, Vorbemarkung: Zahlreiche Anfragen aus Angestelltenkreisen, die der reichsgesetzlichen Versiche. tun dar, in wie hohem Pflichtversicherung Sssen Sernet s rungspflicht unterliegen n Lebensversicherungen daß auch früher schon Möglichkeit vorgesehen der halben BeitragsGrund des Abschlusses einer Lebenszu erwirken. Dieser Gedanke ist jetzt such für die im vorigen Sommer erfölgte Heraufsetzung der Versicherungspflichtgrenze auf 30.000 Mark aufgegriffen worden. Das neue Gesetz gibt nämlich die Möglichkeit einer solchen Vefreiung für sog. Neuversicherte und Wiederversicherte, wenn für sie ein Lebensversicherungsvertrag mit folgenden Maßgaben vorliegt: Der Abschluß des Vertrages muß spätestens am 10. Juni 1921 bei einer öffentlichen oder privaten Versicherungsunternehmung beantragt worden sein. Es ist also nicht nötig, daß er schon damals abgeschlosWeiter müssen die Prämien eine beHöhe haben; es muß nämlich der Jabresbetrag der Beiträge für die Lebensversicherung einschließlich der Beiträge für etwaige herungen am Tage des Befreiungsmindestens dem Beitragsanteil gleichden der Versicherte entsprechend seinem Jahresarbeitsverdienste nach dem Gesetz vom 23. Juli 1921 zu tragen hätte. Wesentlich ist also hierbei besonders der Umstand, daß bei der Berechnung dieser Gleichwertigkeit schon die durch das oben erwähnte Gesetz vom 23. Juli neu eingeführten Gehaltsklassen in den höheren Gehaltsstusen in Betracht kommen. Wenn infolgedessen eine spätestens am 10. Juni 1921 bei der Lebensversicherung beantragte Haupiversicherung keine ausreichend hohe Prämie hatte, so konnte noch eine. Nachversicherung genommen werden, und zwar konnte der Antrag hierfür bis zum 31. Dezember 1921 bei der Lebensversicherung gestellt werden. Auch hier ist also wesentlich, daß nicht notwendig der Abschluß selbst bis zu diesem Tage vorliegen müßte, sondern daß die Stellung des Antrages bei der Lebensversicherung genügte. i unterscheiden hiervon ist nun der Antrag auf die Befreiung selbst. Dieser muß besonders gestellt werden. Er ist an die Ausgabestelle der Angestelltenversicherung zu richten und muß spätestens bis zum 31. Januar 1922 gestellt sein. Die Entscheidung trifft die Reichsversicherungsanstalt; sie kann aber auch der Ausgabestelle selbst die Entscheidung übertragen Im letzteen Falle ist gegen eine ablehnende Entscheidung der Ausgabestelle binnen Monatsfrist Antrag auf Entscheidung der Reichsversicherungsanstalt selbst zugelessen. Sind solche Befreiungen bewilligt, so bestimmt das Gesetz, daß doch eine Grenze für die Befreiung insofern besteht, als sie, falls die Versicherungspflichtgrenze gesetzlich weiter erhöht werden sollte, nur solange wirken, als der Jahresarbeitsverdienst von 30000 Mark nicht überschritten wird. Es bedarf noch einer kurzen Erwähnung, was unter dem Begriff„Wiederversicherte" und„Neuversicherte“ zu verstehen ist. Neuversicherte sind solche Personen, die durch die Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze auf 30000 Mark in die Versicherungspflicht eintreten, ohne eine laufende Antwartschaft aus früherer Pflichtversichreung zu besitzen. Dabei geht diese Eigenschaft dadurch nicht verlören, daß der Versicherte die frühere reiwillig fortgesetzt hat. Wiederversicherte sind solche Personen, die zwar versicherungspflichtig waren, aber dann infolge Erhöhung ihres Jabresarbeitsverdienstes aus der Versicherungspflicht ausgeschieden waren und nunmehr durch die neue Erhöhung der Versiche rungspflichtgrenze wieder versicherungspflichtig geworden sind. Das Gesetz enthält noch verschiedene Einzelheiten hierzu, auf die an dieser Stelle aus Raummangel nicht näher eingegangen werden kann. Dagegen ist noch von besonderer Bedeutung eine Vorschrift, die sich mit den alten, bereits auf Grund der früheren gesetzlichen Bestimmungen ausgesprochenen Befreiungen befaßt. Sie bleiben nämlich nicht ohne weiteres bestehen, sondern nur dann, wenn die Höhe der Beiträge zur Lebensversicherung einschließlich der Beiträge für etwaige Nachversicherungen so hoch ist, daß eine Befreiung auch nach den oben geschilderten Vorschriften des neuen Gesetzes beantragt werden könnte. Auch hier ist die Frist für Nachversicherungen so bemessen, daß sie bis einschließlich 31. Dezember 1921 beantragt werden konnten. Aus Stadt und Land. Schwerte, den 23. Januar. ** Neue Einkommensteuermarken zu je 200 Mark werden jetzt von den Postanstalten ausgegeben werden, um der steigenden Geldentwertung, die sich auch in der Erhöhung der Steuerbeträge bemerkbar macht, Rechnung zu tragen. Die neuen Marken sind auf weißes Papier gedruckt, welches mit Wasserzeichen versehen ist. Die Farbe der Marke ist hellbraun. Die Mitte der Marke trägt die Zahl 200, um welche ein ovales Band gelegt ist, auf dem der Aufdruck„Einkommensteuer Zweihundert Mark“ angebracht ist. Die neuen Marken werden in Bogen zu 50 Stück zur Ausgabe gelangen. ** Eine höchst merkwürdige Uebereinstimmung besteht zwischen dem diesjährigen Kalender und demjenigen vom Jahre 1911. Es ist nicht nur auffallend„daß beide Kalenderjahre mit einem Sonntage beginnen, auch sämtliche beweglichen Feste fallen in beiden Jahren auf dasselbe Datum. So feierten wir im Jahre 1911 das Österfest am 16. April. was auch im Jahre 1922 der Fall sein wird. Dementsprechend fällt auf beiden Kalendern das Pfingstfest auf den 4. Juni usw Hoffentlich richtet sich nicht auch das Wetter nach dem Jahre 1911. Bekanntlich hatten wir damals den ganzen Sommer über eine beängstigende Dürre. ** Eine neue deutsche Großstadt. In nächster Zeit wird die Stadt Buer ihren 100000 Einwohner zu verzeichnen haben. Buer ist durch den Steinkohlenbergbau und andere Industrien sehr schnell emporgestiegen. Es zählte im Jahre 1895 nur 16 631 Einwohner, 1890 nur 11071. Es ist erfreulich, daß es auch in der heutigen trüben Zeit in Deutschland Städte von so starkem Wachstum gibt. Der neuen Großstadt ein herzliches Glückauf! ** Deutschnationale Volkspartei. Am morgigen Dienstag, den 24. Januar, abends 8 Uhr, findet im Hotel„Kaiserhof" die Generalversammlung der Deutschnationalen Volkspartei statt mit Jahresbericht, Kassenbericht, Vorstands= und Lokalwahl. An die Mitglieder ergeht dringend Einladung zur Teilnahme. ** Gegen jede Verlängerung der Arbeitszeit. In einer Versammlung der Sozialdemokratischen Partei wurde eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt:„Das Bestreben vieler organisierter Arbeiter ist in letzter Zeit darauf gerichtet, nach Feierabend, das heißt nach Schluß der achtstündigen Arbeitszeit, sei es durch Ueberstunden, sei es durch selbständige Uebernahme von Arbeiten, eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeit herbeizuführen. Die Versammlung erblickt in diesem Bestreben eine große Gefahr. Nicht nur, daß die Arbeiterschaft von der Partei= und Gewerkschaftsarbeit ferngehalten wird, es ist auch zu befürchten, daß die Unternehmer, welchen diese Tatsache nicht verborgen bleibt, versuchen werden, mit guten Gründen die Abschaffung der achtstündigen Arbeitszeit zu betreiben. Es muß gefordert werden, daß in alle Tarifperträge eine Bestimmung hineingebracht wird, wonach Ueberstunden tunlichst zu vermeiden sind, jede selbständige Erwerbsarbeit verboten sein soll". ** Freimarken in Rollenform. Aus Verbraucherkreisen wird gegenwärtig darüber geklagt, daß seit der letzten Gebührenerhöhung Marken höherer Werte in Rollenform schwer erhältlich seien. Die Reichsdruckerei ist andauernd mit allen Mitteln bemüht, die gangbarsten Rollenmarken in den nötigen Mengen so schnell als möglich zu liefern. Gegenwärtig ist die Lage folgende: Rollenmarken zu 1, 2 und 3 Mark tommenn in diesen Tagen zum Versand. Die jept besonders viel verlangten Wertzeichen zu 75 und 125 Pf. werden als Germaniamarken nachgedruckt und in einigen Wochen wieder geliefert werden. Die 50=Pf.= Marke wird demnächst, die zu 4 Mark in etwa 3 Wochen erscheinen. Sobald als irgend möglich, sollen auch noch höhere Werte in Rollenform hergestellt werden. An niederen Werten sind noch Bestände zu 10, 15, 25, 30, 40 und 60 Pf. vorhanden. ** Aus der evangelischen Gemeinde. Am heutigen Montag, den 23. Januar, tagt der GustavAdolf=Frauen=Verein um 8 Uhr in der Jägerstraße. Es soll über das Jahresfest am 12. März gesprochen werden, zu dem Herr Pastor Beckmann aus Niederheim(Kreis Hörter), ein Kind unserer Gemeinde, die Festpredigt halten wird. ** Protestversammlung. Heute, Montag, 23. Januar, abends 8 Uhr, findet im Lokale Klempt, Mährstraße, eine Protestversammlung des Handwerkerbundes statt, zu welcher alle interessierten Stromabnehmer der Mark dringend eingeladen werden. ** Dortmunder Notgeldscheine. Es wird die Nachricht verbreitet, daß die Notgeldscheine der Stadt Dortmund von dieser nicht mehr eingelöst würden. Das ist in keiner Weise zutreffend. Sowohl die 25 Pfennig=, als auch die anderen von der Stadt Dortmund ausgegebenen Notgeldscheine sind nach wie vor gültig und als Zahlungsmittel zugelassen. Sollten die Scheine später eingezoger werden, so wird dieses dem Publikum rechtzeitig zur Kenntnis gebracht werden. ** Vom hiesigen Schlachthof. Im Kalenderjahre 1921 kamen im hiesigen Schlachthause zur Schlachtung: 91(72) Pferde, 861(1151) Rinder, 111(55) Ochsen, 61(115) Bullen, 499(893) Kühe, 190(88) Jung=Rinder, 773(807) Kälber, 1596 (4135) Schweine, 227(89) Schafe, 49(49) Ziegen. (Die in Klammern beigefügten Zahlen bedeuten die Schlachtungen aus dem Jahre 1913. Während die Rinderschlachtungen beinahe den Friedensstand erreicht haben, sind die Schweineschlachtungen noch sehr im Rückstande geblieben).— Vernichtet wurden: 2 Pferde wegen Fäulnis=Zersetzungsvorgänge, 1 Pferd wegen häufiger Lungenentzündung, 1 Ochse wegeng Blutvergiftung, 1 Kuh wegen hochgradiger Abmagerung infolge chronischen Darmkatarrhs, 2 Schweine wegen Tuberuklose, 2 Schweine wegen Rotlauf, 1 Kalb wegen Fäulnis=Zersetzungsvorgänge, 1 Schaf wegen Fäulnis=Zersetzungsvorgänge, 1 Schaf wegen 5) Martin Salander. Roman von Gottfried Keller. (Nachdruck verboten) Das ärgerte mich zuletzt aber, als ob er keine Ahnung hätte ernstlich; er tat und am Ende sagte ich mir, das sei eigentlich auch ein Idealismus, wenn ein armer Teufel, der kein Gehör habe, durchaus singen wolle. Als ich eines Abends in der Weihnachtswoche an meinem Rechnungsabschlusse saß mit dem Vorsatze, bis nach Mitternacht zu arbeiten, kam er, mich in seinen Verein abzuholen, wo Christbaumund Hauptvergnügen sei. Ich wollte nicht mi gehen; er gab nicht nach, mir die Erholung gönnend, tat ich es. Dies war der Unglückstag. Unterwegs kaufte ich zum Ueberflusse auch noch eine Gabe für den Christbaum, ein artiges Bildungsbuch in Goldschnitt, und erhielt bei der Verlosung dafür einen westfälischen Schinken. Als das Essen, das folgte, vorüber und die Rennbahn für die komischen Sänger, die Deklamanten und Travestanten eröffnet war, bestieg auch Louis Wohlwend das Podium, den Vortrag der Schiller. schen Ballade„Die Bürgschaft" ankündigend und sogleich beginnend. Er wußte das Gedicht zu meiner Verwunderung auswendig und trug es mit einer gewissen Erregung oder Ueberzeugung, mi halb zitternder Stimme vor, aber mit durchgehend so verflucht falscher Betonung, daß die Wirkung jedoch mehr verdrießlich als lächerlich war. Unbewußt sprach er in jenem Tone ungebildeter Leute, welche klagend oder keifend ein Schriftstück vorlesen, dabei auf den Tisch klopfen und aus Lei denschaft die Rede verzerren, die Worte auseinander dehnen und wie aus Wut die Nebensilben beschreien, da ihnen die Hauptsilben nicht ausreichen. Gleich den Schluß der ersten Strophe gab er mit steigenden Noten so an: Die Stadt vom Tyrannen befreien! Das sollst du am Kreuze bereuen! dann schloß er die zweite Strophe: Ich lasse den Freund dir als Bürgen, Ihn magst du, entrinn, erwürgen. Ganz heillos klang es, wie er fortfuhr: Da lächelt der König mit arger List, und dazu wirklich ein Lächeln und eine arge Gesinnung auf seinem Gesichte zu mischen suchte. Das Ende des Gedichtes klang dagegen gemütlich aus: Ich sei, gewährt mir die Bitte, In eurem Bunde der dritte. Es sind jetzt sieben Jahre her und die Dummheiten blieben mir dennoch so genau im Gedächtnis, als wären sie gestern abend geschehen. „Ich war etwas erstaunt, als Wohlwend, von seinem erhöhtem Aufenthalte heruntergestiegen sich wieder neben mich setzte, und da es bereits auf Mitternacht ging, erhob ich mich, um Hut und Mantel zu suchen, und begab mich hinweg. Kaum war ich aber auf der Straße, so holte er mich ein, lief neben mir her, käusperte sich, als wolle er ein neues Stück rezitieren. Ihn unterbrechend, fragte ich, was er für eine Freude daran finde, ein Gedicht, überhaupt eine Rede, so schlecht herzusagen, so aufgeregt und zugleich so grundfalsch zu deklamieren? „Ja“, antwortete er mit immer noch nachzitternder Stimme, aufgeregt sei e und schön werde er allerdings nicht deklamiert haben, weil er selbst derjenige sei, der den Bürgen suche, und auf einem kritischen Wendepunkt schwebe. Mit ganz veränderter, ganz vernünftiger Stimme gab er unverweilt seine Angelegenheit kund. Er hatte eine folgenreiche Unternehmung gewagt,, welche bedeutenden Kapitaleinsatz verlangte, während sein Bankkredit durch das laufende Geschäft schon vollständig in Anspruch genommen war und ferner genommen wurde. Auf keiner Seite durfte er rückwärts gehen ohne Schaden an Gut und Ehre; das Vorschreiten aber konnte beides nur mehren; kurz, es handelte sich um Oeffnung eines neuen Kredits gegen Bürgschaft, die mit drei Unterschriften zu leisten war. In fünfzehn Minuten hatte ich als solidarischer Bürge und Selbstzahler die erste Unterschrift auf ein in Wohlwends Hause bereit liegendes Dokument gesetzt und ging gleich darauf schlafen. Die zwei anderen Unterzeichner habe ich nie gesehen; es waren ein paar stille ordentliche Männer und Nichtzahler, welche sich vor der Katastrophe ruhesam verzogen, nicht ohne ihrerseits selbst verschiedene Bürgen oder deren Gläubiger geschädigt zu haben, insofern solche wirklich etwa bezahlten. „Gut also, vor Ablauf eines Jahres erklärte Louis Wohlwend sich zahlungsunfähig, und was gleich mit Beginn der Konkurrenzverhandlungen voll und unweigerlich gedeckt werden mußte, war der Betrag meiner Bürgschaftsleistung. Sie fraß auf, was ich und mein Weib besaßen, und zugleich liquidierte ich mein eigenes Geschäft ebenso rasch als reinlich, dank der guten Ordnung, die darin herrschte, und ich konnte gehen, wo ich wollte! Ich war für einmal fertig! Jetzt wäre es Zeit gewesen, in die Schulstube zurückzukehren; aber ach, es lag mir ferne! Wohlwend aber lebte noch Jahr und Tag in und von dem Konkurse, der im Sande verlaufen sein soll, ich weiß nicht, auf welche Weise“. „Aber wie mochtest du dein Frauenvermögen so preisgeben?" unterbrach ihn Waghart,„die Frau konnte es ja nach Recht und Gesetz an sich ziehen!“ „Die Frau wollte nicht", sagte Salander,„wegen der Zukunft der Kinder, denn ich wäre bankerott geworden. Wir waren jung und glaubten an unsere Zukunft, die wir nicht verderben mochten!" „Aber warum nahmst du die Familie nicht mit oder holtest sie nachträglich, als es dir gut ging?“ „Weil ich im Vaterlande leben und sterben will, ich bin kein Auswanderer! Und dann hätte ich mich nicht drehen und tummeln können, wie ich tun mußte; hatte auch zweimal das Fieber und bezahlte sonst genug Lehrgeld, fing wiederholt von vorn an. Als ich hinüberging, nahm ich einige Kisten Strohhüte mit, die man mir anvertraute; etwas leichtere Seiden= und Baumwollsachen bekam ich auch mit, und so machte ich notdürftig einen Anfang, mit dem ich bescheiden am Ufer hinsteuerte, bis ein junger Mensch, den ich zu mir genommen, mich bestahl und durchging, während ich wehrlos im Fieber lag. Notgedrungen trat ich in den Dienst eines größeren Hauses und bereiste die basilianischen Provinzen mit Kauf und Verkauf. Ich lernte dadurch den dortigen Binnenhandel, den ich in der Folge auf eigene Rechnung betrieb, natürlich nach Verhältnis meiner Mittel. Nun, ich bin jetzt durch und habe den Schaden ersetzt, mehr wollte ich nicht, und kann die Arbeit hier bei den Meinigen und in meinem Lande wieder aufnehmen. Hier habe ich Mosen und die Propheten!" (Fortsetzung folgt). Wassersucht. Minderwertig verkauft wurden auf der Freibank: 10 Kühe wegen Tuberkulose, 4 Kühe wegen mangelhafter Ausblutung, 1 Kuh wegen Wassersucht, 4 Schweine wegen Tuberkulose, 2 Schweine wegen mangelhafter Ausblutung, 1 Schwein wegen Geschlechtsgeruches, 1 Schwein wegen Wassersucht, 7 Kälber wegen Unreife, 1 Kalb wegen Wassersucht. Außerdem wurden noch 3460 Organe wegen verschiedener Erkrankungen beanstandet und vernichtet. Kommissionenfürdasjahr 1922 Im Anschluß an unseren StadtverordnetenSitzungsbericht in letzter Nummer teilen wir heute die Zusammensetzung der einzelnen städt. Kommissionen für das Jahr 1922 mit dem Bemerken mit, daß zu denselben noch vom Magistrat zu ernennende Mitglieder des Magistrats kommen. 1. Einquartierungs=Kommission: Duisberg, Fabisch, Cloidt, Frank. 2. Gas= und Wasserwerks=Kommission: Heinr. Brand, Duisberg, Stübbe, Cloidt, Hesse, Kirchhoff, Blomberg jr., Kohlenhändler Schmidt. 3. Bau=Kommission: Trog, Scharfe, Sürig, Reddemann, Cloidt, Hesse, Möhle, Kirchhoff, Otten, Frank, Frage, Joh. Brandt, sowie für Feuerwehr=Angelegenheiten: Rickert und Heinrich. * 4. Schlachthof=Kommission: Gorholt, Fabisch, Kemmerling, Störring, Bracht, Lewe, Hering, Dieckerhoff. 5. Freischütz=Kommission: Koordt, Duisberg, Frage, Gorholt. 6. Finanz=Kommission: Jöckel, Heinrich Brand, Trog, Schulte, Kemmerling, Joh. Brandt, Koordt, Cloidt, Bühning. 7. Kommission zur Prüfung der Kommunal= steuer=Erlaß=Gesuche: Möhle, Westermann, Anstreicher, Westkämpfer, Joh. Brandt, Fund, Küster, Brehr, Heimbeck. 8. Waldkommission: Sürig, Reddemann, Homel sen., Neuber, Trog, Scharfe, Hoppmann. 9. Gesundheits=Kommission: Frage, Trog, Bühning, Dr. Goecke, Dr. Emmerich, Dieckerhoff, Reuter, Dannhäuser, Duborow. 10. Rechnungs=Prüfungs=Kommission: Frage, Schulte, Westermann, Bühning, Kemmerling, Heinrich Brand, Wanderey. 11. Kommission für Versorgung der Stadt mit elektrischem Licht und Strom: Koordt, Keuler, Sürig, Hesse, Cloidt, Stübbe. 12. Kommission für die Volksbibliothek: Frl. Ludwig, Frl. Tütel, Otten, Rademacher, Feldhügel Henkel. 13. Städtisches Wirtschaftsamt: Stern, Störring, Sürig, Frank, Kirchhoff, Jöckel, Möhle, Duhme, Tiemesmann, Trog, Keuler, Kraas, Scharfe, Sippel, Bozetti, Bühning, Westermann, Dieckerhoff, Henschel, Fritz Eckey, Duisberg, Otten. 14. Preisprüfungsstelle: Petruschke, Schmoll, Keuler, Otten, Möhle, Bühning, Duisberg, Heymann, Frank, Störring, Wilkes, Trog, Duhme, Gessinger, Stern, Kraas, Westermann. 15. Ausschuß für Erwerbslosenfürsorge und für den Arbeitsnachweis: Jöckel, Henschel, Schluck, Horn, Küster, Scharfe, Bozetti, Steckelbach, Thomce Sevch 4eschäbdate und 16. Fürsorgestelle für Kriegsbeschädire und Kriegshinterbliebene: Schluck, Östermann, Fund, Sürig, Bühning, Möhle, Leyendecker, Wirt, Schulte, Cremer, Koordt, Feldhügel, Honsalek, Dr Emmerich, Rasche, Frl. Ludwig, Frau Bremshey, Frau Gördes, Frau Morgenroth, Witwe Köster, Witwe Henschel, Witwe Fieseler, Witwe Rahlen.„ 17. Personal=Ausschuß: Buhning, Cloidt, Bestermarh.„ 18. Wahl=Ausschuß: Scharfe, Duisberg, Cloidt, Otten, Möhle, Schulte. 19. Schulausschuß des städtischen Realprogymnasiums: Jöckel, Heinr. Brand, Frage, Löscher, Dr. Becker, Ohlig, Honsalek, Dr. mann. 20. Kuratorium der höheren Mädchenschule: Jöckel, Heinr. Brand, Schulte, Wischnath, Schnurbus, Dr. Renz, C. Lethaus, Dr. Knochendöppel, Frl. Scharf. 21. Kuratorium der gewerblichen Fortbildungsschule: Heinr. Brand, Bühning, Möhle, Cloidt, Scharfe, Rademacher, Wilkes, Trog, Störing, Griese, Lecking. 22. Stadtschuldeputation: Frage, Otten, Bühning, Dr. Emmerich, Melchheier, Ad. Schmidt, Lecking, Wiegerig, Semrau, Wischnath, Schnurbus. 23. Wohnungsausschuß: Keuler, Mathenklod Stelbrink, Otten, Scharfe, Sürig, Roggenbach, Melchheier. 24. Eingemeindungs=Ausschuß: Otten, Jöckel, Schulte, Frage; Möhle. 25. Ausschuß für Kleingärten: Cloidt, Surig, Otten, Bondkowski. Die Kommission für das Wohlfahrtswesen der Stadt soll neu gebildet werden; die Wahl der Mitglieder wird in der nächsten Stadtverordnetensitzung erfolgen. renz, an welcher die Regierungspräsidenten von Düsseldorf, Arnsverg und Münster mit ihren Kommissaren, ferner eine Reihe von Vertretern rheinischer und westfälischer Großstädte, sowie die Vertreter der in Betracht kommenden Berufsorganisationen(Komba, Butab usw.) teilgenommen haben. Die Regierung steht auf dem Stand punkt, daß ganz allgemein eine zu hohe Eingruppierung der Kommunalbeamten in die bevorstehende Besoldungsordnung stattgefunden habe und deshalb eine Nachprüfung erforderlich sei. Sie hat Richtlinien aufgestellt, nach denen in Zukunft verfahren werden soll. Ueber den Verlauf der Besprechung näheres mitzuteilen, sind wir leider nicht in der Lage. Endgültige Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Diese sollen einer am 28. d. M. in Essen statfindenden und von den zuständigen Ministern einberufenen weiteren Konferenz vorbehalten bleiben. Dortmund, 21. Januar. Ein verunglücktes Wagnis. Hier stürzte der Maurerpolierer Philipp Otterbein von einem Neubau an der Brandenburger Straße ab. Er zog sich einen Schädelliruch zu und starb an der Unfallstelle. De: Verunglückte wollte in Gegenwart seines Sohnes auf dem bis zur 1. Etage fertiggestellten Neubau mit einer Eisenstange einen eisernen Träger hoch heben. Die Stange rutschte ab, er verlor das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe. Die Schuld einer dritten Person liegt nicht vor. Witten, 21. Januar. Ein fürstliches Trinkgeld überreichte dieser Tage ein DeutschAmerikaner, der sich hier zur Zeit aufhält, in einem hiesigen Restaurant bei der Abrechnung dem Oberkellner, er gab diesem nämlich als Trinkgeld einen Dollar(— 185—190 Mark). Elberfeld, 21. Januar. Die„weise“ Frau. Zu Tode gebracht wurden zwei junge Frauen durch die Näherin Auguste Graef von Elberfeld durch von dieser an ihnen vorgenommene verbotene Eingriffe, die nach§§ 218=19 des strafbar sind. Auch in anderen Fällen half die „weise“ Frau. Das Schwurgericht verurteilte die gefährliche Person zu 3 Jahren Zuchthaus. Einige andere Angeklagte wurden zu Gefängnis= strafen von 10 bis 15 Monaten verurteilt. Duisburg=Meiderich, 21. Jan. Ein schreckliches Autounglück ereignete sich auf der Viktoriastraße in der Nähe der Wirtschaft Haferkamp. Ein Fuhrunternehmer kehrte mit seiner Familie von einer Ausfahrt im Personenkraftwagen zurück und verließ an der Post den Wagen, da er dort noch geschäftlich zu tun hatte. Sein 17jähriger Sohn übernahm die Weiterfahrt. Auf der Viktoriastraße geriet der Wagen in eine Vertiefung des jetzt überall schadhaften Meidericher Pflasters; dabei sprang ein Rad los, der Fahrer verlor die Herrschaft über das Steuer und der Wagen geriet auf den Bürgersteig und fuhr durch einen Lattenzaun. Zwei Mädchen, die 12jähige Schepermann und die 10jährige Niersmann, die gerade vom Essentragen zum Stahlwerk zurückkehrten, wurden gegen den Zaun gequetscht. Der in der Nähe wohnende Arzt Dr. Kahler holte die Kinder in sein Haus und ließ, wohl erkennend, daß Hilfe nicht mehr möglich, die mit schweren Verletzungen behaftete Schülerin Schepermann zu ihrem elterlichen Hause bringen, wo sie nach wenigen Stunden an innerer Verblutung starb. Das zweite Mädchen wurde nach erster Hilfeleistung zum St. Elisabeth=Hospital gebracht, wo es mit schweren Beinverletzungen darniederliegt, aber wohl mit dem Leben davonkommen wird. Aus den Provinzen. Dortmund, 21. Januar. Zur Kommunalbeamten=Besoldung. Unter dem Vorsitz des Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, Dr. Wuermeling, tagte am Donnerstag nachmittag im hiesigen Magistratssitzungssaale eine KonfeDaß die angelsächsischen Länder, die auch neben Deutschland die höchstentwickelten Industriestaaten sind, außerordentlich scharf unter der Wirtschaftskrise leiden, die eine Folge der Versailler Politik, zeigen die Außenhandelsziffern. Während die Ausfuhr der Vereinigten Staaten im Jahre 1920 einen Rekord von 8 Milliarden Dollar hatte, sank sie 1921 auf 4,4 Milliarden Dollar. Aehnlich ungünstige Ergebnisse zeigt der Außenhandel Englands. Im Jahre 1920 betrug der Wert der Einfuhr rund 2 Milliarden Pfund, der der Ausfuhr 1,5 Milliarden Pfund. Der Ausweis für 1921 zeigt einen Rückgang der Einfuhr auf eine Milliarde und bei der Ausfuhr einen solchen von 850 Millionen auf 700 Millionen Pfund. Nur war Englands Handel immer passiv, da es ja den größten Teil der Lebensmittel und erhebliche Rohstoffmengen einführen muß. Allein der Einfuhrüberschuß von fast 400 Millionen Pfund im Jahre 1921 ist deshalb besonders nachteilig, weil er dreimal so groß ist, als der Einfuhrüberschuß in den Vorkriegsjahren. Zur Deckung dieses Ueberschusses muß England die Erträge aus der Zahlungsbilanz herausziehen. Diese Zatlungsbilanz umfaßt die Gewinne aus der Schiffahrt, den Kapitalanlagen im Auslande, fowie aus Versicherungen. Je höher der Einfuhrüberschuß, desto größer ist auch die Anspannung der Zahlungsbilanz. Wenn die Mittel der Zahlungsbilanz für den Ueberschuß der Einfuhr in Anspruch genommen werden, so ist England außerstande, sein Kapitalanlagenetz über den Erdball zu erweitern. Auf diesem Gebiet hat es in den Vereinigten Staaten einen scharfen Wettbewerber gefunden, was England in Südamerika und Ostasien schon zu spüren bekommen hat, Im Gegensatz zum Außenhandel Englands ist der Außenhandel der Vereinigten Staaten stark aktiv. Im Jahre 1920 betrug der Ueberschuß der Ausfuhr 2,8 Milliarden, 1921 noch 2 Milliarden Dollar. An der Schwächung der englischen Ausfuhr hat offensichtlich der Zusammenbruch der europäischen Märkte beigetragen. Beispielsweise gilt das für Deutschland, das vor dem Kriege fast 10 vom Hundert der englischen Ausfuhr aufnahm. während 1921 dieser Anteil auf 5 vom Hundert zurückging. Ebenso macht sich der Aussall der osteuropäischen Märkte im englischen Außenhandel spürbar, was erklärt, warum Lloyd George in Auftrag der City und der industriellen Verbände sich für die Wiederaufrichtung Rußlands so stark macht. England sitzt heute auf 2 Millionen Arbeitslosen fest, es hat außerdem unter dem Wettbewerb der valutaschwachen Länder zu leiden. Die Wirtschaftskrise ist indessen nicht auf die angelsächsischen Länder beschränkt. Auch die euro päischen Neutralen müssen von Monat zu Monat das Einschrumpfen ihres Außenhandels feststellen. dem Reich. Dr. v. Kahr in Stettin. TU Stettin, 21. Januar. Im Rahmen der landwirtschaftlichen Woche Provinz Pommern hielt der Pommersche Landbund seine Generalversammlung ab. Hierbei ergriff der frühere bayrische Ministerpräsident v. Kahr das Wort und führte aus: Es wird jetzt noch zu viel geredet und zu wenig gehandelt. Er habe es stets für zweckmäßig gehalten, die Wahrheit zu sagen und frage auch nicht danach, was man zu seiner Reise nach Stettin sagen werde. Der Redner wünscht, daß nur Männer von opferfreudiger Staatstreue Führer des Volkes sein möchten. Er wies den Vorwurf zurück, daß Bayern separatistische Gedanken hegt. Für Bayern sei die Treue kein leerer Wahn. Wer die Freiheit der Länder angreift, sei ein Reichszerstörer. Weite Kreise unseres Volkes erfüllt die Sehnsucht nach einer starken Staatsautorität, die jedem Staatsbürger Recht und Schutz gewährt. Unser Volk muß den Weg der gegenseitigen Verständigung wiederfinden. Strafnacherlaß für Märzverurteilte. Berlin, 21. Januar. Der preußische Justizminister Dr. am Zehnhoff hat unter dem 19. Januar d. J. eine allgemeine Verfügung betr. Herbeiführung von Gnadenerweisen bei Verurteilten wegen ihrer in Verbindung mit der Putschbewegung vom März begangenen Straftaten erlassen. Großfeuer in der Schokoladenfabrik Sarotti. Berlin, 21. Januar. Am Freitag=Vormittag gegen 11 Uhr brach in der Sarotti=Schokoladen= fabrik in Tempelhof Großfeuer aus. In kurzer Zeit stand das ganze Gebäude in Flammen. Von allen umliegenden Orten rückten die Feuerwehren heran. Die Angestellten mußten zum Teil mit Leitern gerettet werden. Die Ursache des Brandes ist anscheinend auf eine Explosion in den Kellerräumen zurückzuführen. Etwa 200 Personen, die teils schwere Rauchvergiftungen, teils Brandverletzungen erlitten haben, wurden ins Krankenhaus gebracht. Erst gestern, Sonntag, kam de Riesenbrand zum völligen Stillstand. Der Krach in der Kommunistischen Partei Deutschlands. Der ABC=Korrespondenz wird geschrieben: Die Konflikte innerhalb der Kommunistischen Partei Deutschlands spitzen sich immer mehr und meh zu. Nun ist auch der Kommunist Fritz Geyer aus der Partei ausgeschieden. Welche Zustände innerhalb der Zentrale herrschen, geht aus folgenden einschneidenden Maßnahmen hervor, die von ihr zur Rettung der„revolutionären Bewegung“ getroffen worden sind. Sämtliche Angestellte der Zentrale müssen ihre Büroschlüssel abliefern, da alle Schlösser geändert werden. Die gegenwärtige Bespitzelung unter den kommunistischen Brüdern hat einen derartigen Grad erreicht, daß keiner mehr dem anderen über den Weg traut. Aber auch die Sicherheitsmaßnahmen werden wohl kaum verhindern können, daß noch so manches an die Ocffentlichkeit gelangt, denn die Zersetzung innerhalb der Partei hat einen Grad erreicht, der kaum mehr übertroffen werden kann. dem Ausbruch des dritten polnischen Aufstandes, haben es die Franzosen durchgesetzt, daß die gesamten englischen Truppen aus Oberschlesien herausgezogen werden und zwar begnügt man sich nicht damit, daß die Engländer aus der Gefahrzone herausgenommen werden, sondern es ist sogar beavsichtigt, die englischen Truppen nach Köln abzutransportieren. Vollständiger Eisenbahner=Streik in Sachsen. TU Dresden, 23. Januar. Der Eisenbahnund der Güterverkehr ruht seit Samstag mittag 12 Uhr. Der Vorortverkehr wird bis nachts 12 Uhr auf rechterhalten. Das Hilfswerk für Rußland. TU Prag, 23. Januar. Wie die„Rußpreß" zu melden weiß, findet am 25. Januar in Genf eine befondere Konferenz statt, in der über die Hilfsaktion für die Hungernden in Rußland und die russische Emigration berichtet werden soll. Die Konferenz ist vom Völkerbund und von der Vereinigten Liga der Roten Krenze organisiert worden. Eingesandt. (Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung.) Zug=Zusammenstoß. Zu dem in dem„Eingesandt“ in Nr. 17 vom 20. Januar d. J. gemachten Ausführungen wird uns vom Betriebsamt 3 in Hagen mit der Bitte um Veröffentlichung folgendes geschrieben: „Bei dem Zusammenstoß am 19. Januar im Bahnhof Schwerte liegt ein bedauerlicher, aber scharf zu verurteilender Irrtum des Fahrdienstleiters in Schwerte vor, der dem Güterzug früher Einfahrt erteilte, als dieses nach den bestehenden Vorschrifeen zulässig war. Ein Auffahren auf den wegen Bremsdefektes= liegen gebliebenen Personnzug wäre dennoch vermieden worden, wenn der Lokomotivführer des Güterzuges nicht auch gegen seine Vorschrift vorstoßen hätte. Gegen die schuldigen Beamten ist das Verfahren eingeleitet. ich wegen wiederholter, aber beim besten Willen nicht immer zu vermeidender Verspätung des von den Arbeitern benutzten Personenzuges eine Verärgerung der Arbeiterschaft in manchen Fällen nicht ganz unberechtigt und wohl'zu verstehen sein mag, so ist es doch bedauerlich, daß der Artikelschreiber bei seinen Ausführungen in einen Ton verfällt, der nur geeignet ist, verhetzend zu wirkon und bei seiner starken Uebertreibung ein falsches Bild hervorzurufen. Eine sachlichere und ruhigere Darstellung der auf der Strecke Iserlohn—Schwerte—Dortmund bestehenden Verhältnisse würde sicherlich den gleichen Erfolg gehaben haben. Daß das Fahr= und sonstige Betriebsmaterial in der heutigen Nachfriegszeit hier und da immer noch gewisse Mängel zeigt, die den Betrieb sehr ungünstig beeinflussen, für die aber das Eisenbahnpersonal nicht immer verantwortlich gemacht werden kann und darf, müßte wohl auch berücksichtigt werden. Die Personenzüge auf der Strecke Iserlohn— Schwerte—Dortmund in Schwerte ohne Maschinenwechsel weiterfahren zu lassen, ist zur Zeit aus betriebstechnischen Gründen nicht angängig, wird aber für die nächste Zeit erwogen. Zur Richtigstellung sei endlich bemerkt, daß in diesem Monat, abgesehen von den ersten 5 Tagen, in denen der Zug infolge des Eisenbahnerstreiks nicht regelmäßig verkehren konnte, eine Verspätung von mehr als 10 Minuten nur in 3 Fällen, eine geringere ebenfalls in 3 Fällen, eine Verspätung an den übrigen Tagen aber überhaupt nicht eingetreten ist. Für die Redaltion verantwortlich: Friedr. Kraas. Dguck und Verlag: Carl Braus, beide in Schwerte. Schönes Haars Schönste Zier! Und dabel so leicht zu erwerben: Durch regelmäßige Pflege mit Javol. Das Kräuterhaarwasser Javol macht das Haar seidenweich, voll, duftig und locker, frei von Kopfschuppen und Schinnen. Javol ist überall erhältlich. Hotel= und Gastwirts Messe in Hamburg. Gestützt auf die großen Erfolge der beiden vorangegangenen Messen wird die diesjährige Frühjahrs=Messe für den gesamten Bedarf von Hotel=, Restaurations=, Kaffee= und Großküchenbetrieben in bedeutend erweiterten Räumen wäh. rend der Zeit vom 21.—24. März d. J. in Hamburg stattfinden. Lehle brühlmitirungen. Eigene: Depeschen dienst. Französisch=polnische Vorbereitungen in Oberschlesien. TU Rativor, 23. Januar. Nachdem die In genten mit ihren Vorbereitungen für den neuen polnischen Putsch ziemlich fertig geworden sind, beginnen nunmehr auch die Franzosen ihrerseits energische Maßnahmen zu treffen, um nach Möglichkeit jeden Widerstand gegen den polnischen Angriff unmöglich zu machen. Genau wie vor Für die Stundender Erholung leiftet dem erniten Hausherrn und der praktiichen Hausfrau die Schwerter Zeitung die belten Dienste. Neben den Neuigkeiten aus Stadt u. Land aus dem In- und Auslande bringt die Schwerter Zeitung ipannende Romane Erzählungen und willenswerte Artikel über Haus und Hof. Ein Probe-Abonnement, zu dem wir freund lich einladen, führt zu dauerndem Bezuge Plötzlich und unerwarlet entschlief heute morgen unser lieber Bruder, Schwager und Onkel heerzens riruhof, im Alter von 47 Jahren. Die trauernden hinterbliebenen Schwerte, Köln, Annen und Wattenscheid, den 21. Januar 1922. Biebseuchenpolizelche Anordnung. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909(R. G. Bl. S. 519) mit Ermächtigung des Herrn Regierungspräsidenten folgendes bestimmt: Nachdem nach amtstierärztlicher Feststellung die Maul= und Klauenseuche unter dem Rindviehbestande des Landwirts Walter Wortmann in Lichten dorf abgeheilt und eine Neuerkrankung nicht vorgekommen, die Desinsektion vorschriftsmäßig ausgeführt und durch den Kreistierarzt abgenommen ist, gilt die Seuche in Lichtendorf als erloschen. Die in meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 21. Dezember 1921 angeordneten Schutzmaß regeln hebe ich daher hiermit auf. Hörde, den 17. Januar 1922. 341 Der Landrat. I. V.: gez. Dreves. Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag 3½ Uhr vom evangelischen Krankenhause aus statt. 345 0 Beileidsbesuche dankend verbeten. Anunsere werte Kundschaft Infolge der enormen Portoerhöhung ist es für uns nicht mehr möglich, für die verhältnismäßig kleinen Beträge unserer Buch= und Schreibwarenhandlung, besonders bei Schularlikeln, jeden Monat Rechnungen zu versenden. Wir bitten hiermit unsere verehrten Geschäftsfreunde, ihren Kindern beim Bezuge von Schulbüchern und Heften usw den entsprechenden Geldbetrag mitzugeben, da wir künftig Waren unter Mk. 10.— nur gegen sofortige Zahlung abgeben werden. Buchhandlung Carl Braus Gebrauchler, kleinerer, gut erhaltener zu kaufen gesucht. Schriftliche Angebote mit Preis beförderl die Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung. Blehseuchenpolizeiliche Anordnung Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909(R. G. Bl. S. 519) mit Ermächtigung des Herrn Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt. Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. Zt. unter dem Viehbestande des Landwirts Witte zu Barop. Als Sperrbezirk wird bestimmt: Das Seuchengehöft. Auf. zdiesem Bezirk finden die Bestimmungen unter I meiner viehsenchenpolizeilichen Anordnung vom 7. Juni 1921 Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zeitung) vom 18. Juni 1921 Nr. 140 enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Abschnitte III—VII einschl der genannten Anordnung bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz des§ 5 Ziffer 1 wie folgt geändert wird In der Ortschaft Barop nird#####l#ote Hörde, den 18 Januar 1922. 340 Landrat. I. V: gez. Dreves. Bekanntmachung. In unser Genossenschaftsregister ist heute bei der Genossenschaft Konsum=Verein für Eisenbahnbedienstete zu Geisecke(Ruhr) und Umgegend e. G. m. b. H. in Geisecke folgendes eingetragen worden: Der Eisenbahnassistent Gustav Mann, der Bahnmeister W. Brackemann und der Rottenführer Wilhelm Kraus sind aus dem Vorstand ausgeschieden. An ihre Stelle sind der Eisen bahnassistent Blomenröhr. Oberbahnhofsvorsteher Wachholz und der Eisenbahnsekretär Kleemann zu Vorstandsmitgliedern bestellt. Die Hafisumme ist auf 200 Mk. erhöhl. Schwerte, den 18. Januar 1922. 322 Das Amksgericht. Veisteigerung. Dienstag, den 24. Januar 1922, vorm. 11 Uhr, werde ich im Freiladegeleise der Güterabfertigung in Schwerte 1 Wognen:— abgängiges Alteisen zum Einschmelzen 7330 Kg.) für Rechnung dessen, den es angeht öffentlich, meistbietend gegen bar versteigern. Sammelpunkt für Käufer „Westfälischer Hof" Bahnhofstraße 34. 343 Schwerte, 21. Jan. 1922 Trausch Gerichtsvollzieher in Schwerte, Moltkestr. 23 Gebraucht, guterhaltenes 5 (in B) zu kaufen gesucht Offerten unt. A. 347 befördert die Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung Bevor Sie kaufen, verlangen Sie Die Weil=Jenstale für Grundstücks= und Geschäftsverkäufe über ganz Deutschland. Pro Quartalper Streifband M. 18.— C. H. Hülsse&a Hannover. * gesucht —1iomoopathische= Kranken- Behandlung Sprechstunden jeden Mittwoch von 9—1 Uhr in Schwerte Im Gasthof „Zum Schwan“, Hüsingstrasse. Elly Hensel, Heilkundige, Hörde, Schulstr. 21. seinzelnen wie folgt: a) für freie Wohnung ohne Naturalbezüge Bekanntmachung. ½Das Landesfinanzamt in Münster hat der fortgeschrittenen Teuerung entsprechend den Wer der Natural= und Sachbezüge zur Berücksichtigung beim Steuerabzug vom Arbeitslohn nunmehr rückwirkend vom 1. Januar 1922 wie folgt festgesetzt: a) für Dienstboten(männliche und weibliche) Ackerknecht, Lehrlinge und Lehrmädchen Bfür den Tag 10.— M., für den Mona 300.—6M, für das Jahr 3600 M. b) für weibliche Angestellte für den Tag 14.— : M., f ü r d e n M o n a t 4 2 0.— M., f ü r d a s 5 Jahr 5040 M., c) für männliche Angestellte für den Tag 18.— M., für den Monat 540.— M., für das Jahr 6480 M. Die angegebenen Beträge verteilen sich im Altttttlllllll 5 Min Modersprak, se schilt di„platt“ 2 „„Gemeen un platt!“ Un is doch wiß, 5 * Dat keen as du sofadlig is!#####2 4 Beliebte Bücher: in westfälischem Platt!: * * * : * Wibbelt, Uhlmann-Bixterheide, Kleibauer, Henze u. a. * dat veerte Gebot 7 Hus Dahlen Auf dem Pennale De Järfschopp De Strunz Schulte Witte 1., 2. Drüke=Möhne 1., 2. Eck segge man bloß.... und andere * Buchhandlung Carl Braus b) für das erste und zweite Frühstück c) für das Mittagessen d) für das Abendessen 1/8 72. Diese Wertfestsetzung gilt für unverheiratele Lohnempfänger. Falls mehrere Familienmitglieder gemeinsam Natural= und Sachbezüggenießen, kann bei Meinungsverschiedenheiten über die Bewerlung das Finanzamt den Wer festsetzen. 306 Hörde, den 18. Januar 1922. Finanzamt: Dr. Schmidt, Regierungsral. Gestern nachmittag ein Skunkspelz auf dem Wege Rosenweg dis Hosang verloren. Gegen gute Belohnung abzugeben. Clotdt, hörderstr. 26. 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