Konn cht, diese Einkauf ung: S14 fer * ige znuar 1922, nachm. Uhr im Lokale Specht (Kasinosaal). Tagesordnung: Vortrag des Herrn Gewerkschafts= Sekretärs Mengelkamp, Jahres= und Kassenbericht, Vorstandswahl, der Bezirksleiter und der Delegierten, Verschiedenes. Schwerte, den 20. Januar 1922 Der Vorstand. Samstag, den 21. 8. Mts., vormittags 9 hr, wird auf der Freibank as Fleisch einer Kuh — verkauft.— 294 Schlachthof-Verwaltung. K Tüchtige KanalHäurer verden sofort eingestellt 296 Bauführer Austav Weide, Baustelle HauptVerkstatt Grüntal. Kocererererere Drant. zieher ür sofort gesucht. 293 Mlolr Höalie Aaus Metallwarenfabrik. Kittttttttr Vemicher Führmann ür sofort gesucht. 267 Gebr. Hohlenkamp. Bettnässen Befreiung sofort. Alter und Geschlecht mngeden. Auskunft umsonst. Versand anttärer Artihel. Gg. Eaglbreabt, Aöochen C. 56c. Oeernteuche. Die„Schwerter Zeitung“ eischein“ läglich außer F iertags. Bezugspreis monatlich 16.— M., dei der Po 14— M., ohre Bestellgeid. Anzeigenpeise: Tie! min hohe. 35 mm dreite Zei 80 L„auswärte 1. M. Bei Wiederho ungen entsprechender Nachlaß It. Taris. Jeder Radatt gilt als Kassenrabatt und erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen, gerichtlichen Klagen u. Nichtbeachlen der gemachlen Zahlungsbedingungen. Oerbunden mit: Schwerter#### Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oolkszeitung Schwerter Volksblatt Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Abon. neuten für jeden mit Tod endenden Unfall gemöß Ne. 500 Mark Unfall. dingungen Druck u. Verlag v. Carl Braus, Schwerte Ruhr) Fernsprech= Anschluß Nummer 62. Telegramm=Adresse: Braus, Schwerte(Nuhr'. Postscheckk.: Dortmund 2852, Hannover 21874. Nr. 18 Samstag, 21. Januar 1922 55. Jahrgang die letzte Woche. Die Kriegsbeschuldigtenfrage. Es kann nach der Lage der Dinge unerörtert bleiben, ob der Ausgang der Konferenz von Cannes für uns einen besonderen Erfolg bedeutet, wir können uns aber an die Tatsache halten, daß das uns gewährte Teilmoratorium dem Deutschen Reiche kaum eine sehr knappe Atempause bringt. Der Reichskanzler Wirth hat sich nach der Rückkehr der deutschen Delegation aus Cannes bemüht, den uns obliegenden Aufgaben gerecht zu werden. Mit den Dekadenzahlungen an die Reparationskommission ist sofort begonnen worden. Ausführliche Besprechungen haben im Kanzlerhause in Berlin stattgefunden, der deutsche Botschafter in Paris hat mit Poincaree in Paris eine Unterredung gehabt, der Auswärtige Ausschuß des Reichstages hat über die Lage verhandelt und der Reichstag selbst nimmt seine Arbeiten wieder auf. Da aus Paris schon angedeutet wurde, daß das neue dortige Kbinett zu weiteren Milderungen der deutschen Verpflichtungen nach Ablauf des gegenwärtigen Provisoriums nicht bereit ist, so muß bei uns die Einigung über die möglichen neuen Steuern erfolgen. Jedenfalls ist eine Verständigung einer chronischen Krisis oder der Ausschreibung von Neuwahlen unter den heutigen Verhältnissen vorzuziehen. * Die gallische Regierung, wic eine Entente=Zeitung gar nicht so übel das Ministerium Poincaree genannt hat, hat über ihre politischen Erwartungen schon keinen Zweisel gelassen. Sehr selbstbewußt haben ihre Organe von einer wünschenswerten Autonomie der deutschen Rheinlande, von einer stärkeren Armee in jedem Falle, von Vorbedingungen für die Konferanz von Genua und anderen Projekten gesprochen, die in London offenbar als Mangel an politischer Mäßigung empfunden werden. Poincaree selbst hat bereits das Bedürfnis empfunden, das Beispiel des alten Clemenceau nachzuahmen und unzweideutige Worte zu prägen. Er hat gesagt:„Man braucht keine Mobilisation und keinen Krieg, um Deutschland auf die Knie zu zwingen". Dabei hat er nur vergeffen, daß auch Frankreich in die Knie sinken wird, wenn Deutschland am Boden liegt. Zu solchen Experimenten wird kein anderer Ententestaat seine Hand bieten, und bei solchen Gesinnungen wird das englisch=französische Bündnis nicht leicht zustande kommen. Daß England gegen den französischen ungeheuerlichen Antrag auf Auslieferung der angeblichen deutschen Kriegsschuldigen auftritt, zeigt bereits, wie sehr die Anschauungen zwischen Paris und London heute schon sich trennen. Alle Augen sehen jetzt nach Genua. Von der Genneser Konfcrenz wird das erwartet, was uns Cannes nicht gebracht hat. Doch spannen wir unsere Erwartungen nicht zu hoch! Noch regiert Poincaree in Frankreich, noch leitet Lloyd George die englische Politik, dessen Vorschläge in Cannes gezeigt haben, däß es ihm nicht auf die wirtschaftliche Gesundung Deutschlands und auf die Wiederaufrichtung seiner Zahlungsfähigkeit ankommt, sondern auf die Beseitigung der durch den Valutasturz gefährlicher als je gewordenen deutschen Konkurrenz, und der Rußlands Wiederherstellung nur wünscht, damit England den russischen Rohstoffmarkt ungehindert ausbeuten kann. Und noch zeigt Amerika nicht das geringste Interesse. Eu=opa in seinen Nöten irgendwie beizuspringen. Also sind die Aussichten, daß Genua wirklich ennst hafte Hilfe bringen wird, nicht übermäßig groß. Aber immerhin muß das Zustandekommen dieser Konferenz als ein großer Fortschritt auf dem Wege zur wirtschaftlichen Wiederaufrichtung Europas angesehen werden. Und wenn man diesen Weg endlich einmal einzuschlagen begonnen hat, dann wird man von ihm nicht mehr abkommen können und wollen, sollten auch die ersten Versuche an diesen und jenen Hindernissen scheitern. Die Resolution, die von der juristischen Kommission des Obersten Rates in der Kriegsbeschuldigtenfrage gefaßt und veröffentlicht worden ist, hat bei uns erhebliches Aufsehen erregt und in einigen Kreisen der Bevölkerung auch Aufregung verursacht. Um einer Geschichtsfälschung vorzubeugen, muß erwähnt werden, daß in dieser Kommission nicht nur Franzosen und Belgier, sondern auch Engländer und Italiener sitzen. Sollte die englische Kommission wirklich, wie nach dem Wortlaut der Resolution freilich anzunehmen ist, ihr zugestimmt haben, so muß diese Haltung umsomehr verwundern, als im englischen Unterhaus von der Regierung seinerzeit eine befriedigende Erklärung über die Verfahren vor dem Reichsgericht abggeben worden sind. Wie Juristen überhaupt eine solche Entschließung fassen konnten, das ist, nach der Art, wie in Leipzig die Beweiserhebung vorgenommen worden ist, kaum glaublich. Die Resolution ist daher auch keine juristische, sondern eine politische Resolution. Einige der Alliierten haben in der Kriegsbeschuldigtenfrage doch bereits ein Haar gefunden, sie wissen ganz genau, dß auch auf ihrer Seite der Krieg Erscheinungsformen gezeigt hat, die sich mit der Moral keineswegs vereinbaren lassen. Sie wissen aber auch, daß die Welt heute über ein Verfahren, in dem die Ankläger auch zugleich Richter spielen würden, danz anders dächte, als es 1919 zum Beispiel der Fall gewesen ist. Wir sind keine Optimisten, aber daß aus dieser Resolution für uns ernste Schwierigkeiten entstehen, daran möchten wir nicht glauben. Aller Voraussicht nach wird die Sache so laufen, daß man uns moralisch in Verzug bringen will. Nicht in unserem Interesse, sondern im eigenen Interesse der Alliierten wird man aber auf die Auslieferung der Kriegsbeschuldigten wahrscheinlich verzichten. Man wird aber auch, und das werden vor allem Frankreich und Belgien tun, aus politischen Gründen dieser Resolution das Recht herleiten, nunmehr Kriegsbeschädigten=Prozesse im eigenen Lande veranstalten zu körmen, und man wird dann aus politischen Gründen und mit großem Schaugepränge zwecks Aufpeitschung politischer Leidenschaften das Tribunal zur Szene machen. Und da man keine Kriegsbeschuldigten hat, die man ins Gefängnis stecken kann, so wird man sie eben in contumaciam verurteilen. Was von diesen Prozessen allerdings zu halten ist, das weiß die Welt nachgerade genug. Die Erinnerung an den Fall Röchling, um nur ein Beispiel zu nennen, wird der französischen Justiz sicher nicht sehr angenehm sein. Was unsere eigene Haltung anbetrifft, so erachten wir es für überflüssig, jetzt erneut große Proteste und Resolutionen loszulassen. Darin betätigen sich nur Verbände und Organisationen, die glauben, ihre Existenzberechtigung nachweisen zu müssen. Unser Standpunkt ist ganz klar: Keine deutsche Regierung liefert die Kriegsschuldigten aus, keine kann sie ausliefern. Das sagen wir ruhig und in allem Ernst, ohne großes Pathos und ohne viele Phrisen. Hier handelt es sich um eine Tatsache, und diese Tatsache ist auch den Alliierten sehr wohl bekannt. Alle Wiederholungen der Proteste sind nur geeignet, die Wucht dieser Tatsache abzuschwächen. Reichsrat. Berlin, 21. Januar. Der Reichsrat beschloß in seiner vorgestrigen Sitzung den Abbau des Reichsschatzministerium. Die Ausgaben für diesen Etat sind nur noch für ein halbes Jahr bewilligt mit der Bemerkung:„Am 1. Otkober fortfallend". Der Antrag, daß auch das Landwirtschaftsministerium abgebaut werde, wurde mit 45 gegen 18 Stimmen abgelehnt. Unverändert bleiben der Etat des Rechnungshofes und der Reichsschulden. Die Verzinsung der Reichsschulden erfordert insgesamt 28.5 Milliarden. Der Erweiterungsbau am Gebäude der Reichsschuldenverwaltung in Berlin hat bisher 158 Millionen gekostet. Es ist noch nicht abgeschlossen. Angenommen wurde dann der Etat des Reichsfinanzministeriums, ebenso der Etat der allgemeinen Finanzverwaltung. Dieser weist für 1922 an Einnahmen aus Steuern, Zöllen usw. eine Einnahme von 95 428 Millionen, also ein Mehr von 44,7 Milliarden gegen 1921 auf. In dieser Summe sind die aus den neuen Steuern vorläufig erhofften Summen mit enthalten. Der Reichsrat stimmte dann dem Haushalt zur Ausführung des Friedensvertrages zu. Der Haushalt erfordert einen Gesamtzuschuß von 187,5 Milliarden. Zur Tilgung der Reparation sind 135 Milliarden erforderlich. Die Ausgaben für die Interalliierte Militärkontrollkommission belaufen sich auf 1,88 Milliarden. Der Vorsitzende dieser Kommission erhält jährlich 1650000 Mark, wovon allein 350000 Mark für die Hotelwohnung bezahlt werden. Für jeden Unteroffizier hat das Reich einen Zuschuß von 138000 Mark jährlich zu zahlen. Zum Schluß stimmte der Reichsrat dem Reichshaushaltsgesetz und dem Reichshaushaltsplan zu. Der Gesamtfehlbetrag des Haushaltsentwurfs beläuft sich auf 188,9 Milliarden gegen 162 Milliarden im Jahre 1921. Der Reichsrat stimmte noch einer Entschließung zu, in der die Reichsregierung ersucht wird, die Auflösung des Reichsschatzministeriums alsbald in Angriff zu nehmen und spätestens 1. Oktober d. J. durchzuführen. Lohnabzug und Steuerbücher. (Wichtig, ausschneiden). 1. Der 10=prozentige Steuerabzug vom Arbeitslohn ermäßigte sich nach den bisherigen Bestimmungen jährlich um 120 Mark für den Steuerpflichtigen, 120 Mark für die Ehefrau, 180 Mark für jedes minderjährige Kind bis zu 17 Jahren, 180 Mark zur Abgeltung der Werbungskosten nach§ 13 des Einkommensteuergesetzes. 2. Vom 1. Januar 1922 ab betragen die beim Steuerabzug zulässigen Ermäßigungen jährlich: 240 Mark für den Steuerpflichtigen, 240 Mark für die Ehefrau, 360 Mark für jedes minderjährige Kind bis zu 17 Jahren, 540 Mark zur Abgeltung der Werbungskosten nach§ 13 des Einkommensteuergesetzes. Soweit Steuerbücher bereits ausgehändigt sind und noch die alten unter 1 angegebenen Steuerermäßigungen enthalten— z. B. die von der Stadt Hörde, Schwerte und den Aemtern Barop, Kirchhörde, Wellinghofen und Westhofen ausgegebenen Steuerbücher— haben die Arbeitgeber an Stelle der auf dem Steuerbuche vermerkten Ermäßigungen den Steuerabzug nach den neuen unter 2 angegebenen Ermäßigungen vorzunehmen, wie sie auch auf den vom Amte Aplerbeck ausgestellten Steuerbücher schon angegeben sind. Dagegen sind die Arbeitgeber in dem Falle, daß das Finanzamt die Jahresermäßigungen abweichend von der von den Gemeindebehörden eingetragenen Jahresermäßigung selbst festgesetzt hat, an die vom Finanzamt festgesetzte und auf dem Steuerbuche vermerkte Jahresermäßigung gebunden und nicht berechtigt, von der durch das Finanzamt auf dem Steuerbuche vermerkten Jahresgesamtermäßigung abzuweichen. Der nach Vornahme der neuen Ermäßigungen einzuhaltende Betrag ist im Falle der Zahlung des Arbeitslohnes für volle Kalendermonate oder Wochen auf volle Mark nach unten, im Falle der Zahlung des Arbeitslohnes für volle Arbeitstage auf volle 50 Pfg. nach unten, im Falle der Zahlung des Arbeitslohnes für kürzere Zeiträume auf volle 10 Pfg. nach unten abzurunden. 3. Ablieferung der für die Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 1921 verwendeten Steuerkarten und Markenblätter. Gleichzeitig weisen wir unsere Leser nochmals auf die in unserer Zeitung, veröffentlichte Verordnung vom 21. Dezember 1921 hin, wonach jeder Arbeitnehmer verpflichtet ist, innerhalb des Monats Januar 1922 seine Steuerkarten und losen Markenblätter, die für den in der Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 1921 bezogenen Arbeitslohn zum Einkleben und Entwerten von Steuermarken verwendet worden sind, der für ihn zuständigen Steuerhebestelle(Kämmereikasse, Stadtkasse oder Amtskasse) zu übergeben oder zu übersenden. Die Ablieferung kann auch der Arbeitgeber übernehmen. Auch ist jeder Arbeitgeber verpflichtet durch Anschläge in den Arbeits= und Geschäftsräumen die bei ihm beschäftigten Arbeitnehmer über die Ablieferung aufzuklären. Erfolgt die Ablieferung der Steuerkarten und Markenblätter nicht, so laufen die Arbeitnehmer Gefahr, die Steuer für 1921 noch einmal zu entrichten. Stadtverordneten=Sitzung. Gestern fand im Rathause eine Sitzung der Stadtverordneten statt. Es waren 22 Mitgliedec des Kollegiums anwesend; vom Magistrat nahmen die Herren Bürgermeister Rohrmann, sowie die Stadträte Melchior und Kogelheide teil. Als Vertreter des Bauamtes wohnte Herr Stadtbauführer Wohlfahrth den Verhandlungen bei; als Protokollführer fungierte Herr Oberstadtsekretär Brehr. Herr Stadtv. Duisberg eröffnete als Alterspräsident die Sitzung. Zunächst erfolgte die Einführung des Stadtv. Fund, der als Nachfolger des Herrn Direktor Terbrüggen eingetreten ist. Herr Bürgermeister Rohmann gedachte der langen, verdienstvollen Tätigkeit des Herrn Terbrüggen und verpflichtete Herrn Fund, den Herr Duisberg herzlich willkommen hieß. Bei der dann folgenden Bürowahl wurde Her: Jöckel zum ersten, Herr Otten zum zweiten Stadtverordnetenvorsteher, Herr Oberstadtsekretär Brehr zum ersten Schriftführer, Herr Oberstadtsekretär Rasche zum Stellvertreter gewählt. Infolge Erkrankung von Herrn Jöckel übernahm Herr Otten den Vorsitz. Die Neuwahl der Komissionen und Deputationen für das Jahr 1922 erfolgte nach den Vorschlägen des Wahlausschusses. Wir werden die Zusammensetzung der Kommissionen in der nächsten Nummer bringen. Die Verwendung der 32269,22 Mark betragenden Ueberschüsse der Sparkasse wurde wie folgt beschlossen: Evang. Krankenhaus 6000 Mark, Kathol. Krankenhaus 6000 Mark, Ehrensold der Veteranen 1000 Mark, Sanitätskolonne 1000 Mark, Feuerwehr 1000 Mark, städtische Desinfektionen 1000 Mark, Fürsorge für Lungenkranke 2000 Mark, Kinderhorte 2000 Mark Maxk, Mütter= und Säuglingsfürsorge, Haus= und Wochenpflege 6000 Mk., Volksbibliothek 500 Mark, Straßen= und Wegeverbesserungen 4769,22 Mark. Als Mitglieder des Sparkassenvorstandes bis Ende 1927 wurden gewählt Bürgermeister Rohrmann, Beigeordneter Thoholte und Stadtv. Jöckel; als Stellvertreter die Stadtverordneten Otten, Frage und Brand. In die Ueberrechnungskommission der Sparkasse wurden gewählt: Bürgermeister Rohrmann und die Stadtv. Schulte und Duisberg. Der Vertrag zwischen Post= und Stadtverwaltung betreffend Verlängerung des Telephondienstes wurde genehmigt und den Mehrkosten in Höhe von 4800 Mark zugestimmt. Der Anlage einer Wasserrohrleitung durch den Schwerter Wald zwecks Versorgung der Häuser in der Aplerbecker Mark'mit Trinkwasser wurde zugestimmt. Der außerordentliche Haushaltsplan des Stadtbauamtes für das Rechnungsjahr 1921 wurde in Einnahme von 191300 Mark und Ausgabe von 277960 Mark genehmigt. Die Herstellung eines Schmutz= und Regenwasser=Kanals in den projektierten Straßen zwischen Theodor= und Richardstraße wurde beschlossen und der Kredit in Höhe von 60000 Mark bewilligt. Für ein Landesdarlehn zu Gunsten des Eisen bahn=Bauvereins in Höhe von 487515,51 Mark wurde die Bürgschaft in der Form übernommen, daß die Stadt für die richtige Verwendung die ses Betrages bürgt. Eine Belastung der Stadtkasse findet dadurch nicht statt. Die Festsetzung der Entschädigung für die Mitglieder des Wohnungs=Ausschusses für Wohnungsbesichtigungen wurde nach den Vorschlägen des Wohnungsamtes beschlossen. Die Gebühren für stadtseitig übernommene Sträßenreinigung wurden aus 6,50 Mark pro Quadratmeter gepflasterte Fläche und auf 5,30 Mark pro Quadratmeter ungepflasterte Fläche festgesetzt. Die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr sollen gegen Todesfall und Unfall versichert wer den und zwar zu 15000 Mark für den Todesfall, 30000 Mark im Falle dauernder Invalidität und 10 Mark täglicher Entschädigung bei vorüber gehender Invalidität versichert werden. Die Prämien=Unkosten in Höhe von 850 Mark wurden bewilligt, ebenso die Kosten der Haftpflicht für die städtischen Gebäude in Höhe von 10 512 Mar Die Vorlage betreffs Erhöhung der Hundesteuer wurde vom Magistrat zurückgezogen und wird, da eine anderweitige Regelung mit dem Kreise bevorsteht, in der nächsten Sitzung vorge. legt werden. Zu Gunsten des Oberschlesier=Hilfswerkes wurde ein einmalige Summe von 1000 Mark bewilligt. Auf Antrag der Krankenhäuser wurden die Armenpflegesätze mit Wirkung vom 20. November 1921 an wie folgt erhöht: Erwachsene von 24 auf 85 Mark, Kinder bis 14 Jahren von 15 auf 22 Mark. Die Pflegesätze im städtischen Armenhaus wurden gleichfalls erhöht und zwar für Er wachsene von 9 auf 15 Mark, für Kinder von 8 auf 12 Mark und zwar vom 1. Dezember 1921 an. Die Entschädigung für Reinigung des Rathauses wurde vom 1. Januar 1922 auf 375 Mark und 375 Mark Teuerungszulage pro Monat festgees. Für die Volkshochschule wurden die erforderlichen Räume im Realprogymnasium und Lyzeum einschließlich Heizung und Beleuchtung bereitgestellt und der erforderliche Kredit bewilligt. Ein von Franz Becker, jetzt Düsseldorf wohnhaft, der Gaskasse geschuldeter Betrag von 123,90 Mark wurde, weil nicht einzutreiben, niedergeschlagen. Die Besoldungsordnung für die Beamten und Dauerangestellten der Stadt Schwerte wurde genehmigt und die neue Verteilung der Kommissionssitzungen auf die einzelnen Wochentage gutgeheißen. Ein von den Stadtverordneten Cloidt, Schulte, Reuter, Fund, Trog und Westermann eingebrachter Dringlichkeitsantrag betr. Verbilligung des elektrischen Stromes für Kleinabnehmer wurde nach eingehender Aussprache dem Herrn Bürgermeister Rohrmann für die am 25. Januar stattfindende Sitzung des Elektrizitätswerkes„Mark“ als Material überwiesen. Der Vorlage betreffend Erhebung einer Abgabe zur Förderung des Wohnungsbaues wurde zugestimmt. In der anschließenden geheimen Sitzung wurde dem Vertrag mit der Firma Braus hinsichtlich der Bebauung des Grundstückes Ecke Bahnhofs= und Sedanstraße zugestimmt und dem städtischen Angestellten Liefert auf Grund besonAartin Salander. Roman von Gottfried Keller. (Nachdruck verboten). „Sieben Jahre, bei Gott! Ist es schon so lang, daß du fort bist“, sagte Wighart. „Und drei Monate!“ Die Magd brachte den Wein und ein paar Schnitte gutes Roggenbrot, und als die Gäste nichts weiter verlangten, ging sie wieder an ihre Arbeit. Wighart schenkte beide Gläser voll. „Also sei willkommen!" begrüßte er, mit ihm anstoßend, wiederum den Heimkehrenden, der noch nicht ganz zu Hause war, und vor der Zeit die Ruhe kostete;„auf deine Gesundheit.! Aber gut siehst du ja schon aus, wirklich wie die Gesundheit selber! Also laß uns annehmen, es sei dir gut gegangen und alles wohl gelungen!“ „Auf jede Art ist es mir gegangen; doch habe ich mich gewehrt und getummelt und wenig geschlafen, das kann ich dir sagen, und endlich mich von dem Schlag erholt, der mich damals so schmählich getroffen hat. Es dauerte freilich länger, als ich meinte, daß es gehen würde!" „Wenn ich nicht irre, so bist du durch eine Bürgschaft ins Unglück gekommen? Ich war zu jener Zeit auf Reisen, und als ich wiederkam, hieß es, du seiest fort.“ „Freilich die Geschichte mit dem Louis Wohl wend!" „Richtig! Jeder nahm teil wohl an deinem Mißgeschick, aber allgemein wurde auch gefragt, wir du dein Vermögen durch eine so unbedachte Handlung aufs Spiel setzen konntest?“ „Ich habe nichts aufs Spiel gesetzt, ich wollte derer Notlage eine einmalige Unterstützung gewährt. Schluß der Sitzung nach einstündiger Dauer gegen 8 Uhr abends. Stadt und Sonntagsworte. Nach rastlosem Wirken an den Tagen der Woche will uns der Sonntag seinen Segen bringen. Mit seinen stillen Stunden der Ruhe, mit seinen Freuden gar mancherlei Art, mit seiner Mahnung zum„Glauben“ vor allem. Da lockt uns das Klingen der Glocken und erzählt uns das Wort vom Heil, vom Heiland. Da betet die Seele in stillem Wort und kommt los von den Sorgen und Lasten. Wie manches beschwerte Herz und manches zerklüftete Haus wird dann den Nöten enthoben. Der Segen des Sonntags ist ein unentbehrliches Stück unseres Lebens. Er hebt uns höher und gebietet dem ewigen Licht, uns innerlich zu erhellen. Und Transparente göttlichen Lichts zu sein, dazu sind wir da. ** Zur Aufklärung über die Abmeldung vom Religions Unterricht. Nach dem neuen Reichsgesetz über die religiöse Kindererziehung vom 15. Juli 1921 muß eine freie Einigung der Eltern über die religiöse Erziehung ihrer Kinder stattfinden. Es kann danach während einer bestehen. den Ehe von keinem Elternteil ohne die Zustimmung des andern bestimmt werden, daß das Kind in einem anderen Bekenntnis als bisher erzogen oder vom Religionsunterricht der Schule abgemeldet werden soll. Es kann, also z. B. der Vater kein Kind aus dem Religionsunterricht der Schule nehmen, wenn die Mutter nicht zustimmt; oder umgekehrt. Es ist damit auch der Mutter ein Mitbestimmungsrecht über die Religion ihres Kindes verliehen, das sie früher in diesem Maße nicht hatte, und es werden darum alle Beteiligten streng darauf zu achten haben, daß diese Bestim mungen genau befolgt werden. ** Die Gasrechnung ist bei den heutigen Ta. rifen mitunter recht hoch, aber der Gasverbraucher kann sich nicht immer von jeder Teil nahme an der Verteuerung freisprechen, denn die Branner bei den Lampen und der Flammenkranz beim Kochen sind nicht immer genau reguliert, und diese Regulierung ist eine große Notwendigkeit. Die Berechnung des Gaspreises erfolgt bekanntlich nach Kubikmetern zu 1000 Litern. Ein Stehlichtbrenner darf. wenn alles in Ordnung ist, wohl nicht mehr als 175 Liter Gas in der Stunde verbrauchen, eine Kochflamme höchstens etwa 450 Liter. Werden diese Ziffern erheblich überschritten, so ist etwas nicht in Ordnung. Allerdings hat sich unter der Kalamität mit den Kohlen auch die Gas=Qualität verringert, so daß mehr als sonst verbraucht wird, um den gewünschten Kochoder Licht=Effekt zu erzielen. *“ Apologetischer Vortrag. Am morgigen Sonntag nachmittag um 4 Uhr findet der zweite apologetische Vortrag statt, den wiederum Herr Prof. Sellmann von Hagen im evangelischen Gemeindehause halten wird und zwar über das Thema:„Wie ist die Welt entstanden?"— Nach dem Vortrag soll eine Aussprache zur Beantwortung von Fragen stattfinden. Volks= und Betriebszählung im Juni. Juni 1922 soll eine allgemeine Volkszählung und in Verbindung damit eine land= und forstwirtschaftliche Betriebszählung, sowie eine gewerbliche Betriebszählung im Deutschen Reiche vorgenommen werden. ** Der gestrige Lautenabend des Dr. Heinz Schall füllte den OÖstermannschen Saal fast bis auf den letzten Platz. Der Sänger führte seine Zuhörer zu den Liedern der alten Zeit und von da aus durch das Mittelalter in die Neuzeit. Besonders wirkungsvoll war seine Vortragskunst beim leisesten Gesang, wie etwa beim„Allein des einsamen Mönches aus dem Ambraser Liederbuch von 1582 oder beim Fließ'schen„Wiegenlied" der Königin Louise. Im zweiten Teil des Abends siegte der Humor, als bayrischer etwas sehr derb. fast profan. Aber der Ausklang mit dem Mörikeschen„Gesellenlied“ eigener Komposition zeigte den ganzen Meister der Laute, dem der Dank sei ner Zuhörer nicht versagt blieb. Entgangen ist dem aufmerksamen Beobachter auch nicht die viele Mühe, mit der Herr Studienrat Hoffmann öffentlich und sonderlich waltet, um die Wirksamteit der Volkshochschule für alle Interessenten wertvoll zu gestalten und zu erhalten. ** Aus der evangelischen Gemeinde. Am morgigen Sonntag hält in der großen Kirche Herr Pastor Wolff, Provinzialvikar in Düsseldorf, eine Probepredigt. Er ist 1886 geboren in Friedersdorf in Brandenburg, wo sein Vater Pfarrer war. Seine theologischen Studien und Prüfungen hat er in Berlin gemacht. Er war im Predigerseminar in Soest und als Gehilfe bei dem Pfarrer Zöckler in dessen Anstalten in Stanislau in Galizien. Den Krieg hat er von 1915 an bis zu seinem Ende auf allen Kriegsschauplätzen mitge. macht. Danach ist er in verschiedenen Orten Hilfsprediger gewesen und jetzt ist er bei dem Rheinischen Provinzialjugendpfarrer, Liz. Euler, tätig. Die ganze evangelische Gemeinde und besonders die Gemeinde=Vertretung wird herzlichst eingeladen. Der Touristenverein„Wanderlust“(Verein für Jugendpflege) feiert am morgigen Sonntag im Saale des Herrn Milberg(„Westf. Hof“) sein „viertes Stiftungsfest“ mit Konzertdarbietungen, Theater und Ball. Näheres im Anzeigenteil. ** Billiger als der Brief ist heute in der näheren Umegbung— bis 15 Kilometer Entsernung— das Telephongespräch. Während ein Brief 2 Mark kostet, beträgt die Gesprächsgebühr „nur“, 1,35 Mark. Man kann in drei Minuten Gesprächsdauer allerhand erledigen und kommt vor allem schneller ans Ziel. Bei Bestellungen macht es mindestens einen Tag aus. Und, was besonders ins Gewicht fällt, die Antwort ist sofort da. ** Evangelischer Männerverein. Am morgigen Sonntag wird der evangelische Männerverein (früher Arbeiter= und Bürgerverein) nach dem Vortrag des Herrn Professor Sellmann sich im oberen Vereinszimmer des evang. Gemeindehauses zur Jahres=Generalversammlung zusammenfinden. Die Mitglieder werden auch an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht und zur Teilnahme dringend gebeten. Die Tagesordnung ist aus dem heutigen Inseratenteil ersichtlich. ** Wirkung der kleinen Anzeigen. Auf eine kleine einspaltige Anzeige von 45 Millimeter Länge gingen dieser Tage 26 Offertenbriefe ein. Dies ist gewiß ein Zeichen dafür, wie die kleinen Anzeigen in der„Schwerter Zeitung“ reichste Aufmerksamkeit finden und besten Erfolg haben. diese sektene Gelegenheit, etwas Besonderes zu erleben, also nicht entgehen. ** Westhofen, 21. Jan. Das Konzert des KuhloDuwe=Sextetts aus Bethel, das für Sonntag den 22. Januar, nachmittags schon längere Zeit in Aussicht gestellt war, mußte um 8 Tage verschoben werden. Es findet nunmehr am Sonntag, den 29. Januar, nachmittags 5 Uhr, in der Kirche statt. Das Programm trägt als Leitwort: Ein Gang durchs Kirchenjahr". Mit dem„Tochter Zion“ aus Judas Maikabäus wird das Konzert eingsleitet. Das Programm sieht weiter vor: Choräle nach den Tonsätzen von J. Seb. Bach, Flügelhornsolo mit Orgel: O Lamm Gottes, unschuldig, Orgel und Violine: Priere von Händel u. a. m. Die Darbietungen des Sextetts sind nicht nur an vielen Orten in Deutschland, sondern auch im Ausland dankbar ausgenommen worden. Das kirchliche Monatsblatt„Die Wartburg" zu Amsterdam schrieb:„Es war in Holland etwas ganz Neues, was wir zu hören bekamen und nur wenige wußten, was sie erwarten durften. Aber schon bald standen die Hörer ganz unter dem Eindruck der herrlichen Musik. Das Programm enthielt größtenteils kleinre Lieder, die sich gleich einer Perlenschnur aneinander reihten, bald ein fröhliches Aufjauchzen, bald den Ton der tiefsten Wehmut brachten, wie er manchen Volksliedern so eigen. Es war kein Wunder, daß die Hörer, je länger je mehr angetan waren von den eindrucksvollen Darhietungen. Ueber das von Herrn P. Kuhlo aus Bethel geblasene Flügelhornsolo äußerte sich der rühmlichst bekannte erblindete Professor der Musik, Pomper:„Noch nie habe ich eine so mächtige Aufschwellung des Tones auf einem Flügelhorn gehört!" Das„Allgemeine Handelsblatt" in Amsterdam schrieb gelegentlich der dortigen Aufführung: Der musikalische Teil des Festes stand unter der Leitung des in ganz Deutschland unter dem Namen„Posaunengene= ral" wohlbekannten Pastor Kuhlo aus Bethel bei Bielefeld, welcher unter Mitwirkung seiner Angehörigen den Zuhörern reichen Genuß bot. In schier atemloser Andacht lauschten die Hörer den herrlichen Klängen der Posaunen und den so ansprechenden Liedern.— Der ganze Reinertrag des Konzertes wird von dem Posaunen=Sextett für die Anstalt Bethel erbeten. Das Programm kostet im Vorverkauf 4 Mark, an den Kirchtüren 5 Mk. Es ist zu haben in den Buchhandlungen von G. Schneider und Frl. Sundermann. ** Westhofen, 21. Jan. Im Christlichen Verein junger Männer spricht morgen, Sonntag nachmittag 4 Uhr, Herr Gymnasial= lehrer Richter über das Jugendthema:„Vom *** Westhofen, 21. Januar. Die Riesenspinne mit dem Mädchenkopf. Diese seltene Attraktion ist von morgen, Sonntag, ab bis Miittwoch im Gasthof A. Walther zu sehen und— zu sprechen. Jedermann wird, wenn auch noch so unbekannt, freundlichst mit Vor= und Zunamen angesprochen werden. Man lasse sich Barbierlehrling zum Regierungs rat". Mitglieder und Freunde sind zu dieser Veranstaltung eingeladen. Spiele und ein Schlußwort werden sich anschließen. ** Westhofen, 21. Januar. Am Montag, den 23. Januar, nachmittags 3—4 Uhr, soll im Amtshause zu Westhofen Sprechstunde der Lungenfürsorge abgehalten werden. Behandelt werden Patienten, die vom Arzt überwiesen werden und solche, die zur Zeit nicht in ärztlicher Behandlung stehen. den Provinzen. Hörde, 20. Januar. In dem Streit um die Stillegung der Straßenbahn Westhofen—Syburg, die den Syburgbesuchern wohlbekannt ist, hat nunmehr der Minister für Handel und Gewerbe die Entscheidung getroffen, nachdem sowohl die beteiligten Gemeinden als auch die Provinz nicht bereit gewesen sind, die zur Aufrechterhaltung des nichts gewinnen, sondern einfach ein Gebot der Freundespflicht erfüllen, d. h.— ich glaubte eben nicht, daß es zum Zahlen käme, war vielmehr der Meinung, soviel mir noch vorschwebt, die Suppe würde wohl nicht so heiß gegessen werden, wie sie gekocht sei, und jeder wahre Freundesdienst sei mit einem Wagnis verbunden, sonst wäre es keiner. Wir waren im Lehrerseminar schon gute Freunde. Er lernte schwer und hielt sich deshalb an mich, dem es leichter ging; vor den anderen schien es eher, als ob ich von ihm lernte, Gott weiß, wie es zuging! Es machte mir jedoch Spaß; denn er war sehr drollig, zutraulich und gescheit, und wo zwei beieiander standen, trat er hinzu, selbst unter den Lehrern und Professoren. Mit diesen wußte er sich sehr ergötzlich zu benehmen, wenn die Jahresprüfungen da waren. Er forschte nicht etwa, worüber sie ihn besonders fragen würden, sondern wußte ihnen geradezu beizubringen, was er wollte, daß sie ihn fragen sollten worauf er sich die bezüglichen Gegenstände ertra von mir eintrichtem ließ oder wie ich es nennen soll. Es war, wie wenn er eine Gabe hätte, die Gedanken der Menschen mit wenig Wörtchen zu reihen, hin und her gehen zu lassen und aufzulösen, und doch war nicht imstande, selbst eine andauernde Gedankenordnung festzuhalten. Aber alles war, wie gesagt, spaßhaft, und jeder ließ ihn gewähren. Er erhielt auch richtig die Verweserei einer ländlichen Elementarschule, wo es herrlich und in Freuden ging; als er aber Realklassen übernahm, d. h. den Unterricht der größeren Kinder, begann er bald von Ort zu Ort zu rutschen und gab in kurzer Zeit das Schulmeistern auf. Ich hatte mich indessen noch zum Sekundarlehrer ausgebildet und ordentlich Fleiß darauf verwendet; auch verwaltete ich die Schule, an die ich gewählt wurde, nicht allein mit der üblichen Begeisterung, sondern auch mit einigem Pflichtgefühl und bemühte mich redlich, die Schüler so durchgehend als möglich emporzuarbeiten. Ich freute mich schon der späteren Tage, wo ich manchem Landmann zu begegnen hoffte, der es mir danken würde, wenn er eine richtige Berechnung anstellen, ein Stück Feld ausmessen, seine Zeitung besser verstehen und etwa ein französisches Buch lesen könnte, alles, ohne die Hand vom Pfluge zu lassen! Allerdings hab' ich es nicht erlebt; denn die Buben schwanden einem vorweg aus den Augen und verkrochen sich in alle möglichen Schreibstuben. Keinen sah ich je wieder auf dem Feld und an der Sonne!" Salander hielt inne und besann sich; dann tat er einen leichten Seufzer und redete weiter: „Aber hab' ich es denn besser gemacht? Bin ich nicht selbst vom Pfluge weggelaufen?“ „Du meinst, als du den Lehrerberuf aufgabst?“ sagte Wighart, da der andere ein Weilchen wieder verstummte;„wie bist du denn dazu gekommen?“ „Vater und Mutter starben mir in der Heimat in derselben Woche an einem bösartigen Fieber. Im Stall war ihnen ein krankes Kälbchen zugrunde gegangen, das haben sie oberhalb des Hauses in der Wiese vergraben, unter unserer guten Brunnenquelle, und sich so das Wasser in aller Unschuld vergiftet. Knecht und Magd entrannen dem Tode mit Not. Die Ursache ward erst später entdeckt. Mir aber wandelten sich Schreck und Trauer bald in eine große Unruhe, als ich mich im Besitze des elterlichen Vermögens sah, das nach dem Verkaufe des Hofes für einen Schulmeister artig genug ausfiel. Ich heiratete meine Frau, die mir schon länger in die Augen gestochen, und auch sie besaß bare Mittel. Da wurde es mir plötzlich zu eng in der friedlichen Schulstube, in der entlegenen Landschaft; ich zog hierher, in die Stadt dort hinter den Bäumen, wollte mitten im Verkehr stehen, unter Erwachsenen, auf Freiheit und Fortschritt ausschauen, ein Geschäftsmann, ein Muster von Brotherrn sein, ja sogar noch den Militärdienst nachholen und Offizier werden, um meinen Mann zu stellen. Denn ich glaubte alles schuldig zu sein, weil ich etwas Vermögen besaß, das im Grunde doch kein Reichtum zu nennen war. „Zunächst beteiligte ich mich an einer beschei denen Gewebefabrik, die von einem kundigen Manne geleitet wurde; dineben übernahm ich einen herrenlosen Handel mit Strohwaren; nun, das ist dir ja bekannt, es ging gar nicht übel. Ich hielt mich fleißig und aufmerksam an die Sache, ohne der Welt den Rücken zu kehren. Da war denn auch der Louis Wohlwend; der betrieb ein Kommissionsgeschäft, wie du auch weißt, neben einigen Agenturen und war immer noch der gleiche zutuliche und vertrauliche Gesell und Hans in allen Gassen, von dem jeder den Eindruck empfing, daß es ihm gut gehe und er wohl wisse, was er wolle. Auch zu mir hielt er sich fleißig, so oft er Zeit fand, und bald stand ich im Rufe seines Spezialfreundes und wehrte mich nicht dagegen, obschon mir im stillen manches auffällig war, was ihm anhaftete. In einem Gesangverein, in den er mich einführte, bemerkte ich, daß er immer falsch sang; ich dachte aber, er könne nichts dafür, und nachher beim Glase Wein war er um so kurz weiliger und beliebter, und er behauptete sich, trotzdem der Uebelstand offenkundig, im zweiten Tenor. (Fortsetzung folg:). deres zu erdes Kuhlo= ür Sonntag gere Zeit in age verschom Sonntag, n der Kirche itwort: Ein em„Tochter das Konzert weiter vor: Sev. Bach, Gottes, unvon Händel Sextetts sind schland, sonausgenommen „Die Wartir in Holland ren bekamen warten durfirer ganz unk. Das ProLieder, die ander reihten, den Ton der anchen Volksnder, daß die waren von leber das von ie Flügelhornkannte erblin„Noch nie habe des Tones auf s„Allgemeine b gelegentlich isikalische Teil g des in ganz Posaunengeneaus Bethel bei na seiner Anenuß bot. In die Hörer den t und den so nze Reinertrag nen=Sextett für rogramm kostet rchtüren 5 Mk. lungen von G. Christlichen spricht morgen, err Gymnasial= hema:„Vom egierungs= sind zu dieser ziele und ein n. m Montag, den , soll im Amtsde der Lunen. Behandelt überwiesen werht in ärztlicher Streit um die sthofen—Syburg, kannt ist, hat el und Gewerbe dem sowohl die die Provinz nicht echterhaltung des e re Mittel. Da n der friedlichen indschaft; ich zog ter den Bäumen, unter Erwachseausschauen, ein Brotherrn sein, nachholen und Mann zu stellen. zu sein, weil ich Grunde doch kein an einer bescheieinem kundigen ben übernahm ich Strohwaren; nun, g gar nicht übel. fmerksam an die n zu kehren. Da wend; der betrieb i auch weißt, ner immer noch der Gesell und Hans den Eindruck empr wohl wisse, was sich fleißig, so oft ch im Rufe seines lich nicht dagegen, muffällig war, was angverein, in den , daß er immer önne nichts dafür, dar er um so kurzer behauptete sich, ndig, im zweiten ortsetzung folg:). Fede dahein uue mit eehlen Braun sehen Zhokkatbon gud fordere die lehrreiche Gratisbroschüre No 2. gpte Sea getriebes erforderlichen Zuschüsse zu leisten. Der minister hat gegen die Stillegung, sowie gegen den Abbruch der Oberbau= und Oberleitungsanlagen durch die Hörder Kreisbahnen nichts ein#uwenden. Die Entscheidung über die Verwertung Gebäude und den etwaigen Abbruch der Bauwerke überläßt der Minister den Kleinbahnaufsichtsbehörden im Benehmen mit den beteiligten gommunalverwaltungen und der Eisenbahndirektion Elberfeld, da ein Teil der Straßenbahn auf Reichsbahngelände liegt. Dortmund, 20. Januar. Westfälischer Verkehrsverband. Zur Besprechung der vom westfälischen Verkehrsverband für den Sammerfahrplan vorgebrachten Fahrplanwünschen fand auf dem Hauptbahnhof in Dortmund eine Zusammenkunft statt, an welcher Vertreter der Eisenbahndirektionen Essen, Elberfeld, Kassel, Hannover und Münster teilnahmen. Bei der Durchführung der vorgebrachten Wünsche stellte es sich heraus, daß mit Rücksicht auf die außerordentlich ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse nur ein Teil Berücksichtigung finden könne. Immerhin ist aber eine erhebliche Anzahl von Zugverbesserungen bewilligt und die Einlegung einiger besonders dringend erbetener Züge in Aussicht gestellt worden. Ein Teil der vorgetragenen Wünsche wurde zurückgestellt und soll in Kürze unter Zuziehung der beteiligten Interessenten einer weiteren Besprechung unterzogen werden. Unna, 20. Januar. Eine auch über die Grenzen ihrer Vaterstadt wohl bekannte und beliebte Persönlichkeit ist mit dem hiesigen Schuhmachermeister Wilhelm Voigt aus dem Leben geschieden. Ein Unnaer Kind alten Schlages, ein rechtes Original, wie sie immer seltener werden, ist dahingegangen. Wer hat ihn nicht gekannt, den alten, freundlichen Herrn, der so anspruchslos durchs Leben ging und immer bei der Hand war, anderen Menschen gefällig zu sein. Der alte Meister war zu manchem zu gebrauchen, sei es in seinem Handwerk, als Hilfsküster der Kirche, als Hilfszollaufseher, Briefträger oder Gerichtsbote. Immer wurde er gern gesehen, am liebsten freilich, wenn er bei irgendeiner festlichen Gelegenheit als plattdeutscher Rezitator auftrat. 53 Jahre lang hat der Entschlafene dem Evangelischen Männer= und Jünglingsverein als Mitglied angehört. Durch diese seltene Treue hat er manchen Jüngling der Gemeinde angespornt und dadurch die Vereinsarbeit fleißig gefördert. So stille wie sein Leben, war auch sein Scheiden aus dieser Zeitlichkeit. 70 Jahre ist Herr Voigt alt geworden. Manche seiner noch lebenden Kameraden, besonders aber auch die zeitigen Mitglieder des Männer= und Jünglingsvereins, werden ihm nachtrauern. Bochum, 20. Januar. Ein bemerkenswertes Urteil fällte die hiesige Strafkammer. Sie ver#urteilte den Vertrauensmann des freien Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer, der auf Belegschaftsmitglieder der Zeche Karolinenglück einen Druck ausgeübt hatte, um sie zum Eintritt in die Organisation zu bewegen, zu 1000 Mark Geldstrafe, mehrere Mitangeklagte zu je 500 Mark Geldstrafe. Essen, 20. Januar. Wasserbau= und Binnenschiffahrt=Ausstellung. Im Essener Tagungshause hielt Mittwoch der Hauptausschuß zur Vorbereitung der Wasserbau= und Binnenschiffahrtts=Ausstellung seine erste Sitzung ab, an der führende Persönlichkeiten aus ganz Deutschland teilnhamen. Oberbürgermeister Dr Lutter eröffnete die Besprechungen. Beigeordneter Dr. Meurer sprach dann über die Ziele und die Bedeutung der Ausstellung. Nach ihm berichtete Syndikus Dr. Johr über den Stand der Vorarbeiten und die Werbetätigkeit. Nicht nur die führenden Firmen der in Frage kommenden Industrien, der Kanalvereine, sonstiger Körperschaften, Behörden und Städte haben ihre Tätigkeit zugesagt, sondern auch das Ausland zeigt starkes Interesse für die Ausstellung. Daher kann die Ausstellung als durchaus gesichert angesehen werden. Bisher haben 35 Firmen der Großindustrie, 23 Kanalvereine und 6 Städte ihre Beteiligung zugesagt. Essen, 20. Januar. Eine Konferenz der Eisenbahner. Eine in Essen tagende Konferenz der Gau= und Bezirksvertreter der Direktionsbezirke Köln, Essen und Elberfeld der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner und Staatsbedinsteter beschäftigte sich am Mittwoch mit dem Ergebnis der letzten Teuerungsaktion der Eisenbahner. Es wurde der Beschluß gefaßt, daß die bisherigen Zugeständnisse als absolut unzulänglich bezeichnet werden müssen. Es wird die Erwartung ausgesprochen, daß die für den 23. d. M. zugesagten Verhandlungen schnell zu Ende gefüht werden. Fußball, hielt sich in den bisherigen Spielen recht tapfer und givt einen nicht zu verachtenden Gegner ab. Wir glauben an einen knappen Sieg der hiesigen„Grünweißen“, wenn sie nicht zuviel „Ersatz“ einstellen, den Kampf ernst nehmen und vor Ueberraschungen der Hagener, die schnell vorzustoßen wissen, auf der Hut sind. In der Kreisliga spielen ferner: 1860, Hagen: Gemeinde Hagen; Hüsten: Arnsberg;„Jahn", Neheim; Wetter: Iserlohn, 1860 und Arnsberg dürften gewinnen. In den beiden übrigen Treffen ist der Ausgang offen. Turnen und Spoet. Fußball. Nach längerer Pause endlich einmal wieder ein Liga=Spiel in Schwerte! Sonntag nachmittag 2 Uhr empfängt die Schwerter Sportvereinigung von 1906 die Liga=Mannschaft des Vereins für Leibesübungen von 1863, Hagen, zum fälligen Meisterschaftsspiel auf dem Sportplatz hinter der Töchterschule. Die Gesamtmannschaft spielt guten letzten Willen habe mitteilen wollen. dem Preußischer Landtag. Der preußische Landtag. nahm ebenso wie der Reichtsag am Donnerstag seine Vollsitzungen nach den Weihnachtsferien wieder auf. Zuvor hatte sich der Aeltestenrat über die Geschäftslage geeinigt. Der neue Haushalt wird Mittwoch nächster Woche vom Finanzminister eingebracht werden. Voraussichtlich wird die anschließende politische Aussprache den Rest der Woche in Anspruch nehmen. Das Haus wird sodann sofort in die Beratung der Grundsteuergesetze eintreten. Auf der Tagesordnung des Landtages steht heute eine Reihe kleiner Gegenstände, die ruhig und sachlich erledigt wurden. Man überwies die abgeänderten Bestimmungen über die Beschäftigung weiblicher Angestellter in den Gast= und Schankwirtschaften dem Bevölkerungsausschuß, die Vereinigung Pyrmont mit Preußen dem Verfassungsausschuß. Das Gesetz über das Wahlprüfungsgericht wurde verabschiedet. Hierauf brachte der Wohlfahrtsminister Hirtsiefer das neue Hebammengesetz ein. Auf den Tribünen prangte eine bunte Blütenlese weiser Frauen, die mit sichtlichem Interesse den Darlegungen der Volksvertreter und Vertreterinnen zu folgen sich bemühte. Gegen 6 Uhr vertagte man bereits die Sitzung, die am Eröffnungstage erst um 3 Uhr begonnen hatte, ohne die Beratung des Hebammengesetzes zu Ende zu führen. Die Vorstandssitzung des Deutschen Sädtetages findet am 23. Januar, die des ostpreußischen am 24. Januar in Breslau statt. Auf der Tagesordnung der Vorstandssitzung des Deutschen Städtetäges steht u. a.: Besprechung der Besokdungsordnung, Beamtenrätegesetz, Wohnungsbauabgabe, Bezirksräte auf der Tagesordnung der Vorstandssitzung des Preußischen Städtetages; Berufsschulgesetz, Errichtung eines Landesschiedsgerichtes für Besoldungsangelegenheiten, Handhabung des Wohnungsbauabgabengesetzes in Preußen. Ein evangelischer Landesbischof in Sachsen. Dresden, 20. Jan. Die 11 ordentliche evangelisch=lutherische Landessynode Sachsen, die gegenwärtig in Dresden die neue Kirchenverfassung berät, hat am Donnerstag die Gründung eines Landesbischofsamtes in erster Lesung einstimmig beschlossen. Der Titel fand eine Mehrheit von 59 gegen 13 Stimmen. Die deutsche Delegation für Genua. Berlin, 20. Januar. Vor Beginn der heutigen Sitzung des Reichstages besprach man in den Wandelgängen auch die Frage, wer Deutsch= land in Genua vertreten wird. Wenn auch bisder noch keinerlei Entscheidung getroffen ist, nimmt man doch in Parlamentskreisen an, daß der Reichskanzler Dr. Wirth, Dr. Rathenau und einige Mitglieder der deutschen Delegation, die an den Verhandlungen in Cannes teilgenommen haben, den Beratungen in Genua beiwohnen werden. Dr. Wirth dürfte aber möglicherweise nicht während der ganzen Dauer an der Konferenz teilnehmen. Die ostpreußische Presse zur Not der Zeitungen. Der Verein der ostpreußischen Zeitungsverkeger und die mit dem Zeitungsgewerbe verbundenen Arbeiter= und Angestellten=Organisationen, der Verband der Buchdrucker und Hilfsarbeiter, sowie die Betriebsräte der Königsberger Zeitungen bitten angesichts der immer größer werdenden Not in einer Kundgebung den Reichspräsidenten, den Reichskanzler, die Reichs= und Staatsregierung und die Vorstände der Fraktionen 1. um einen Machtspruch des Staates gegen die ganz unerhörte Preiserhöhung des Zeitungsdruckpapiers, 2. um die Bevorzugung des Zeitungsdruckpapieres in der Frage der Eisenbahngütertarife. um völlige Beseitigung der gänzlich unberechtigten, unheilvollen Anzeigensteuer, 4. um eine bedeutende Herabsetzung der bereits beschlossenen, bezw. noch zur Beratung stehenden Postzeitungsgebühren, Fernsprech= und Telegrammgebühren. Lehle Brühtmeidungen. Eigener Depeschendienst. das Hinscheiden des Papstes. Rom, 21. Januar. Pupst Benedikt der Vier zehnte ist kurz nach Mitternacht in Rom ent schlafen. Nachdem der Papst die letzte Wegzehrung erhalten hatte, hatte er eine Besprechung mit dem Kardinalstaatssekretär Gaspari, die etwa 20 Minuten dauerte und bei der sonst niemand zugegen war. Kardinal Gaspari ist Päpstlicher Kämmerer und man glaubt daher, daß der Papst ihm seinen Eisenbahnerstreik in Sachsen. TU Dresden, 21. Januar. Gegen den ausdrücklichen Willen der Bezirksleitungen hat, wie die Telegraphen=Union, Sächsischer Landesdienst, erfährt, die Mehrheit der Eisenbahner eine radikale Streikleitung gewählt, die am heutigen Sonnabend den Streik proklamieren soll. für Sonntag, den 22. Januar(3. u. Epiphanias). Große Kirche: 10 Uhr: Provepredigt des Provinzialkars Wolf aus Düsseldorf; 11½ Uhr: Kindergottesdienst, Pastor Ohlig. Kleine Kirche: 9 und 5 Uhr: Pastor Nell. Evang. Krankenhaus: 9 Uhr: Pastor Wischnath. Gemeinde Westhofen. 10 Uhr: Kandidat Heuer; 11¼ Uhr: Kindergottesdienst. Gemeinde Syburg. 10 Uhr: Pastor Klinker. Sonnabend, 28. Juyuar, abends 7½ 10¾ Uhr: „Der Troubadur“. Oper in 4 Aufzügen von Guiseppe=Verdi. Am Sonntag, den 22. Januar gastiert in Hagen der beliebte Heldentenor der Kölner Oper, Karl Schröder, nochmals als Hoffmann in„Hoffmanns Erzählungen". Die übrige Besetzung ist dieselbe wie bei der Premiere. Nachmittags wird zu ermäßigten Preisen(3. bis 11. Januar)„Börsenfieber“, Schwank in 3 Aufzügen von Reimann und Schwartz gegeben. Kath. Pfarrkirche: 6 Uhr: Stille hl. Messe, Pfarrer Schnurbus. 7½ Uhr: Frühmesse mir Predigt. Monatskolmunion der Jungfrauen und schulpflichtigen Kommunikantinnen. 8 ¾ Uhr: Schulmesse mit Predigt, Kaplan Winter; 10 Uhr: Hochamt mit Predigt, Kaplan Schleep; ntchmittags 2½ Uhr: Christenlehre. Gemeinde Lichtendorf. ½8 Uhr: Frühmesse mit Predigt, 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 2½ Uhr: Andacht zur hl. Familie mit Segen. Sonstige Gottesdienst=Ordnung. Pfarrkrche: In der Pfarrkirche sind an den Werktagen drei hl. Messen und zwar bis zum 15. Februar um 1½, 7¾ und 8¼ Uhr. Die zweite hl. Messe ist die sogenannte Schulmesse. Krankenhauskapelle: In der Krankenhauskapelle wird an den Werktagen eine stille hl. Messe gelesen und zwar um ½7 Uhr. Vereine und Versammlungen. Sonntag 2 Uhr: Ev. Gebetsverein; 4 Uhr: Vortrag des Pros. Sellmann, Hagen; 5½ Uhr: Ev. Männerverein. Montag 8 Uhr: Kirchenchor; 8 Uhr: Gustav=Adolf=Frauenverein. Donnerstag 2½ Uhr: Ev. Frauenverein Schwerte; 3½ Uhr: Ev. Frauenverein Holzen bei Hosang. Freitag 8¼ Uhr: Vorbereitung zum Kindergottesdienst. Evangelischer Verein junger Männer. Sonntag 2 Uhr: Jugendabteilung; 8 Uhr: Vereinsstunde. Dienstag 8 Uhr Turnen. Donnerstag 8 Uhr: Bibelbesprechung. Freitag 8 Uhr: Posaunenchor. Samstag 8 Uhr: Handfertigkeitsstunde. Evangelischer Verein junger Mädchen. Sonntag 6 Uhr: In der Jägerstraße. Dienstag 8 Uhr: Abteilung 1. Mittwoch 8 Uhr: Abteilung 2. Bibelkreis der Schüler höherer Lehranstalten. Mittwoch 5 Uhr: Abteilung 1; ½7 Uhr: Abteilung 2. Evangelische Stadtmission, Schwerte, Kuhstr. 7. Sonntag 4 Uhr: Bibelstunde, anschließend Stadtmissionssitzung: 8 Uhr: Gemeinschaftsstunde. Montag 8 Uhr: Gemischter Chor. Mittwoch 8½ Uhr: Gebetsstunde. Donnerstag 8 Uhr: Gemischter Chor. Stadttheater Dortmund. Dienstag, 24. Januar, 7—10 Uhr:„Die Jüdin“, Große Oper von Jacques Francois Halevy. Opernpreise. Vorverkauf Sonnabend.: Mittwoch, 25. Januar, 7—9 Uhr: Neu einstudiert: „Iphigenie auf Tauris“, Schauspiel von Wolfgang von Goethe. Vorverkauf Sonntag. Donnerstag, 26. Januar, 7—10½ Uhr:„Königskinder". Märchenoper von E. Humperdinck. Opernpreise. Vorverkauf Montag. Freitag, 27. Januar, 7—9¾ Uhr:„Erdgeist", Tragödie von Franck Wedekind. Außer Vormiete. Schauspielpreise. Vorverkauf Dienstag. Sonnabend, 28. Januar, 7—10 Uhr:„Carmen", Große Oper von Georges Bizet. Außer Vormiete. Opernpreise. Vorverkauf Mittwoch. Sonntag, 29. Januar, 11½—1 Uhr(ermäßigle Preise): Sondervorstellung zum Besten der Witwe des verstorbenen Schauspielers Hans Zillich: Uraufführung:„Zwillinge", Theaterstück in 3 Akten von Karl Georg Schubert. Vorverkauf Donnerstag.— Abends 7—10 Uhr: Neu einstudiert:„Der Postillon von Lonjumean", Komische Oper von Adolf Adam. Hierauf(zum 1. Male):„Tänze", entworfen und einstudiert von Erna Abendroth. Vorverkauf Donnerstag. Städt. Schauspielhaus, Hagen. Sonntag, 22. Januar, nachmittags 2½ bis 5 Uhr: „Börsenfieber“, Schwank in 3 Aufzügen von Max Reimann und Otto Schwartz. Abends 7½ bis 10¼ Uhr:„Hoffmanns Erzählungen“. Oper in 3 Aufzügen, einem Vorspiel und einem Nachspiel von Jacues Offenbach. Dienstag, 24. Januar, abends 7½ bis 10 Uhr: „Frau Bärbel“(Schwarzwaldmädel 2. Teil), Operette in 3 Aufzügen von Wilhelm Snaga. Mittwoch, 25. Januar, abends 7½ bis 10½ Uhr: „Die Geisha“. Operette in 3 Aufzügen von Sidney Jones. Donnerstag, 26. Januar, abends 7½ bis 10½ Uhr:„Minna von Barrchelm", Lustspiel in 3 Aufzügen von G. E. Lessing. Wetter=Aussichten für mehrere Tage im voraus. 22. Januar: Wolken, feuchttalt, Niederschläge. 23. Januar: Bedeckt, normal temperiert, teils talt, Niederschläge. 24. Januar: Sonne, Wolken, ziemlich kalt. 25. Jan“uar: Kaum verändert. 26. Januar: Veränderlich, windig, rauh, Niederschläge. 27. Januar: Wolken, feuchtfalt, Niederschläge. 28. Januar: Wenig verändert, teil Frost. Gerriner Vörsenkarst vom 20. Januar 1922 mitgeteilt vom Barmer Bank=Verein, Schwerke 5% Deutsche Reichsanleihe....... 77½ Barmer Bank=Verein....... 260 Deutsche Bank 470 Diskonto 415 Dresdner Bank 324 Hamb.=Amer.=Pak 436 Allgem. Elektr.=Ges. 708 Baroper Walzwerk 1010 Bochumer Guß..... 1050 Bösperde Walzwerk 800 Daimler Motoren............ 510 Deutsch=Luxemburg..... 915 Deutsche Kaliwerke........ 1415 Dynamit 715 Elberf. Farbw. 61 Essener Steinkohlen........... 1225 Gelfenkirch. Bergw 925 Gasmot. Deutz........ 780 Harpener Bergw. 1433 Hasper Eisen.......— Hoesch 1210 Humboldi Masch 649½ Mannesmann 1425 Oberschles. Eisenb.-Bed. 748 Orenstein& Koppel........... 1000 Phönix Bergbau............. 1080 Reisholz Pap. 660 Rhein. Stahlwerke............ 1190 Rombacher 740 Schuckert 660 Siegen=Solingen 646 Ver. Di. Nickelwerke........... 1120 Westf. Drahl=Ind. 555 Westf. Eisen, Langendreer......... 600 Fur die Redaktion verantwortlich: Friedr. Kraas. Druck und Verlag: Carl Braus, beide in Schwerte. Bekanntmachung. Das Landesfinanzamt in Münster hat der fortgeschrittenen Teuerung entsprechend den Werk der Natural= und Sachbezüge zur Berücksichtigung beim Steuerabzug vom Arbeitslohn nunmehr rückwirkend vom 1. Januar 1922 wie folgt festgesetzt: a) für Dienstboten(männliche und weibliche) Ackerknecht, Lehrlinge und Lehrmädchen für den Tag 10.— M., für den Monat 300.— M, für das Jahr 3600 M., b) für weibliche Angestellte für den Tag 14.— M., für den Monal 420— M., für das Jahr 5040 c) für männliche Angestellte für den Tag 18.— M., für den Monat 540.— M., für das D. Jahr 6480 M. Die angegebenen Beträge verkeilen sich im einzelnen wie folgt: a) für freie Wohnung ohne Naturalbezüge 1/ b) für das erste und zweite Frühstück.. 1/ c) für das Mittagessen d) für das Abendessen....... ½ Diese Wertfestsetzung gilt für unverheiratele Lohnempfänger. Falls mehrere Familienmitglieder gemeinsam Natural= und Sachbezüge genießen, kann bei Meinungsverschiedenheiten über die Bewertung das Finanzamt den Wert festsetzen. 306 Hörde, den 18. Januar 1922. Finanzamt: Dr. Schmidt, Regierungsrat. Bekanntmachung. In unser Genossenschaftsregister ist heute bei der Genossenschaft Konsum=Verein für Eisenbahnbedienstete zu Geisecke(Ruhr) und Umgegend e. G. m. d. H. in Geisecke folgendes eingetragen worden: Der Eisenbahnassistent Gustav Mann, der Bahnmeister W. Brackemann und der Rottenführer Wilhelm Kraus sind aus dem Vorstand ausgeschieden. An ihre Stelle sind der Eisenbahnassistent Blomenröhr, Oderbahnhofsvorsteher Wachholz und der Eisenbahnsekretär Kleemann zu Vorstandsmitgliedern bestellt Die Hastsumme ist auf 200 Mk. erhöht. Schwerte, den 18. Januar 1922. 322 Das Amisgericht. F.& Donnerslag abend sieben Uhr entschlief sanft nach kurzem, schwerem! Leiden, der Rentner im beinahe vollendelen 67. Lebensjahre. 8 Dieses zeigen in tiefer Trauer Familie Anton Schulte. Schwerte, am 20. Januar 1922. 331 Die Beerdigung findet Monlag, den 23. Januar 1922, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause, Kuhstraße 28, aus stalt. Sollte jemand aus Versehen keine besondere Nachricht erhalten, so diene diese als solche. * Heute nacht s12 Uhr zentschlief sanft nach langem, schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden unsere innigstgeliebte, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Witwe Wilh. hellmann geb. Klusenwirth 330 im Alter von 60 Jahren. die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Düsseldorf. Bochum, Hennen und Rheinermarkt, den 20. nuar 1922. Die Beerdigung findet Montag, den 23. ds. Mts., nachmittags 2½ Uhr, vom evangelischen Krankenhause aus statt. Sollte jemand keine besondere Nachricht erhalten haben, so diene diese als solche. 1 Stirbt dir dein Liedling, Gräme dich nicht! Kinder sind Blumen, Die der Ewige dricht! Am 19. Januar. vormittags 11½ Uhr, verschied nach kurzem, schwerem Leiden unsere innigstgeliedte Tochler und Schwester Annemarie im Alter von 2 Monaten 320 Die trauernden Hinlerbliebenen: Familie Chr. Schmidt. Westhofen. Bruchstraße 52, Wallau, Duisburg. den 20. Januar 1922. Die Beeidigung sindet am 28. Januar, nachmittags 2 Uhr, statt. Hausandacht ½ Stunde vorher. Sollle jemand aus Versehen keine Nachricht erhalten, so diene diese als solche. Inte Verlobung geben bekannt: Helene Kalt Wilhelm Bandhold Harburg a. d. Elbe Im Januar 1922 319 Cele Schwerte(Ruhr) Theoderstraße 6 Astoria. 5 1„ 536 Sonntag. den 7 22. Januar 1922. nachm. 4 Uhr: H einrich Walier„ Hagener Strasse 38 318 Sonntag, den 22. Januar 1922: Schwerter WintergartenzKünftlerKonzert der bewährten Hauskapelle, unter Mitwirkung des jugendlichen Erstkl. Künstler=Konzert Touristen=Verein„Ganderlust“ Schweile (Verein für Jugendpflege) feiert am Sonntag, dem 22. Januar 1922 im Saale des Herrn Milberg(Westfäl. Hof) sein 4. Sitstungs=Best verbunden mit Konzert, Mandolinenvorträge, Theater und Tanz unter Mitwirkung auswärtiger Vereine. Anfang 4 Uhr. Karten im Vorverkauf 4 Es ladet freundlichst ein Der Vorstand. Werdmes Vornenmes Weinlokal und Café Inh.: Frau Ww. Andree Sonntag, den 22. Jan., nachm. 4 Uhr: Erstkl. Künstlerkonzertl Gute Weine, Liköre, Kaffee u. Schokolade Kalte und warme Speisen. I Hale! Sonntag, d.22.Januar 1922 Erstklassiges Jungeshl“ KONZERT Schweris Begian 6 Uhr 2 95 Xulophon künftlers:: Harri Jahn. S : * * 3 * * * * * * * * 2 Hotel Duisberg Kaffee-Restaurant. Sonntag, den 22. Januar. nachm. 4 Uhr: Erstkl. Künstlerkonzert Von 11 bis 1 Uhr: Frühkonzert Besetzung: Gege, Klavier, Cello. Gutgopflegte Biere und Weine. Zentralbeizung. Angenehmer Aufenlhalt. Eintritt rei. Eintritt frei. 5o. Mänuerverein Schwerte Zahres=General. Iversammlung Sonntag, den 22. Januar, nachmittags 6 Uhr, im Gemeindehaus(oberer Saal) [Tagesordnung 1. Rechnungslegung 2. Vorstandswahlen 3. Jahresbeitrag Vereinsangelegenheiten Um zahlr. Besuch bittet Der Vorstand. nationale Volkspartei. General= versammlung am Dienstag, d. 24. abends 8 Uhr im Hotel Kaiserhof: 1. Jahresbericht 2. Kassenbericht 3. Vorstandswahl 4. Wahl d. Vereinslokal 5. Verschiedenes Es ladet dringend ein Der Vorstand. Der Plan über die Herstellung ein. unterirdischen Telegraphenlinie in der Kreisstraße GenrenbachLichtendorf liegt beim Post amt Schwerte von heute ab vier Wochen aus. Telegraphenbauam Arnsberg(Westfalen) Nur bis Mittwoch! Nur bis Mittwoch Gasthof K. Walter in Westhofen Die Riesenspinne mit dem Mädchenkopf ist imstande, jeden Besucher ohne Kenntnis seiner Person mit Vor= und Zunamen anzureden. Zu recht zahlreichem Besuch ladet höflichst ein Der Besitzer. Eltern! schteibt Eurem Kinde seine Jugendchronik! Das erste und schönste Geschenk der Eltern und Paten ist das Buch: CG hotg Verraus. Donnerstag, den 26. Januar ds. Is., vorm. 10 Uhr, sollen in der Waldung des Gutes Lappenhausen, Forstort:„Westsiepen und Rotenkamp“ ca. 60 Nr. Eichenbrennholz und ca. 20 Nr. Eichen u. Eschen zu Stellmacher= und Frechtungsholz geeigne! öffentlich, meistbietend verkauft werden. Zusammenkunft an Ort und Stelle. und in der Virbeck v. Hengsen. Haus Ruhr bei Schwerle, den 13. Januar 1922. Gräfl. v. Wedelsche Rentei. Kleines Wohn= u. Turn- und Sport-Klub schwerte Sonntag, den 22. Jan morgens 10 Uhr im Vereinslokal Witwe Köster, Wilhelmstraße 3: Jahres versammlung. Freibier! Freivier! mit Garten preiswert zu verkaufen. Heinrsch Kölling, Auktionator, Markt 3. S Flottes „Mein Jugendland 9 unter Mitwirkung von Krausbauer, Blüthgen. Engel. Feesche usw. Herausgegeden von H. u. W. Sck lipkötter. Preis Mk. 100.—. Eine besondere Anleitung liegt dem Buche dei. Man verlange ein Ansichtsexemplar von der Braus, Schwerte=Ruhr Allen denen, weiche an 9. 2 Leistungsfähige, westfälische Zigarrenfabrik sucht gut eingeführten 5 leiden, kann Obermeper's Medizinalauf's beste empfohlen 2 h werden. J. Deining. .. Zur Nachbehandlung 44 ist Herbe=creme de### sonders zu empiedl. 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Wir sehnen uns ja so sehr nach dem Lichte. Die Sorgen und Nöte, die sich im Dunkel der Nacht gespenstisch vor uns zusammenballen und unüberwindlich scheinen, nehmen sich im hellen Morgenlicht viel geringer und kleiner aus, die Arbeit, die an trüben, dunklen Tagen nur schwer von der Hand geht, wird uns leicht im lichten Sonnenschein. Nach dem Lichte sehnt sich jetzt unser ganzes deutsches Volk.„Hüler, ist die Nacht schier hin?" Diesen Ruf, in dem einst eines liefgedemütigten Volkes banges Sehnen und stilles Hoffen sich mischle, nehmen wir Menschen von heute, die wir nun schon seit langen Jahren von Finsternis umschaltet sind, wieder auf Aber ist denn das wirklich alles, was wir ersehnen, frei zu werden von dem furchlbaren Druck, mit dem die Feinde von einst, die noch heute unsre Feinde sind, uns die Kehle zupressen, daß wir kaum atmen können? Wollen wir weiter nichts, als neuen Wohlstand, neuen Geldstrom in unserem verarmten, ausgesogenen Vaterlande, wollen wir weiter nichts als Ruhe und Ordnung in unsren Grenzen, als Arbeit, um unser Brot zu verdienen? Ein Volk kann das alles in reichem Uebermaße haben und doch in Nacht und Finsternis dahinleben, wenn es sich von dem abkehrt, der von sich gesagt hat:„Ich bin das Licht der Welt“, und der als Lichtbringer in unser aller Leben hineintreten will. In den verschiedensten Strahlenbrechungen wirkt sich sein Licht aus. Bald bringt es Trost, bald Kraft, bald deckt es uns Sünden auf, die uns gefangen halten, bald erhellt es uns dunkle Psade, bald eröffnet es uns den Blick auf neue Aufgaben O daß es nicht nur in der Natur, sondern auch in uns selbst von Tag zu Tag lichter und heller würde, und wir es ernst nähmen mit unsrer Pflicht als rechte Jesusjünger: In der Welt ist's dunkel, leuchten müssen wir; du in deiner Ecke, ich in meiner hier. Winter. Wieder lockt die wundervolle Winterlandschaft uns hinaus, Reichlich streute ja Frau Holle Ihre weißen Federn aus und wie es schon immer war, Ist es auch in diesem Jahr. Wenn der Tag beginnt zu langen Kommt der Winter angegangen Wenn der Schnee in weißen Flocken Stern an Stern herniede.fällt, Geht ein Jubeln und Frohlocken Durch die liebe Kinderwelt. Winterzauber, Winterpracht Hat die Lebenslust entfacht Und der Knabe kühl und munter Holt den Schlitten schnell herunter Von den Höh'n ein frohes Jodeln Scheucht dee Alltagsforgen fort Und die jungen Leutchen rodeln, Wieder blüht der Wntersport, Schneller wie im schärfsten Trab Sauft die wilde Jagd bergab Gleich dem Kilometerfresser Und je toller, desto besser! sassesessssmsssmmsssssss Winter ist's, die Flocken tanzen Und der Ost weht etwas scharf, Doch das ist im Großen, Ganzen Schädlich für den Heizbedarf. Wenn die Jugend froh sich fügt, Ist das Alter mißvergnügt, Frierend sitzt es hinterm Ofen Und summt Frühlings=Sehnsuchts=Strophen. Ack, der Jugend Spiel und Scherzen Täusche uns die Sorgen fort, Winter ist's im deutschen Herzen, Schweres Stürmen hier und dort Wenn ein schwacher Hoffnungsstern Dann und wann erglüht von fern Kommt ein neues Sturmeswehen Und wir sehn ihn untergehen. Doch ist keine Nacht so bang, Daß sie nicht ein Ende nähme Und kein Winter ist so lang, Daß nicht doch ein Frühling käme! Mach er heute noch so dräu'n, Ewig kann's nicht Winter sein, Das sei dem ein Trostbereiter, Der verzagen will. Ernst Heiter. Streik gegen die Gebührenpolitik der Post. Es gibt zur Zeit keinen unangenehmeren Augenblick im Leben des teuren Alltags. als wenn man auf einen Brief nach auswärts zwei Mark Porto kleben muß. Ingrimmig saust die Faust, wie die schwerste Stempelmaschine, auf die Marke, und in Gedanken rechnet man sich aus, daß man elnst in besseren Zeiten für dieses Geld 100 Kilometer auf der Eisenbahn fahren, zwanzig gute Ztgarren rauchen, zwanzig Briefe oder ein Telegramm von 40 Worten verschicken konnte. Der Briefverkehr hat sich unter den heutigen Umständen zu einem Luxus herausgebildet, den sich Privalpersonen nur höchst sellen leisten können und den zu umgehen die Geschäftsleute noch eifrig auf der Suche sind Alles hat seine Grenzen, und so hat es den Anschein, daß nunmehr auch die Schraube des Posttarifs trotz der zu erwartenden weiteren Umdrehungen auf einem Punkt angelangt ist, bei dem für den Staat nichts mehr herausspringen wird. Die Taschen der Briesträger weisen seit Neujahr lange nicht mehr die Fülle auf, die sie noch in den letzten Monaten des Vorjahres hatten. Die Folgen der Portoerhöhung machen sich hier sehr deutlich bemerkbar und es entsteht die Frage, womit die Post ihr Austragepersonal beschäftigen soll, wenn dieser Zustand— was zu erwarten ist— anhält? Der private Briefverkehr hat ganz bedeutend nachgelassen. Ruckartig setzte er nach dem 1. Januar aus. Leute, die früher täglich fünf, sechs Briefe oder Postkarten von Vereinen, Organisationen, Freunden usw. bekamen, sehen den Briefträger jetzt Tag für Tag vorübergehen. Eine FünfPfennig=Postkarte nahm man früher schnell zur Hand, um sie nach auswärks mit einigen Zeilen aus irgendeinem Anlaß zu schicken— ehe man heute aber eine 1,25=Mark=Postkarte verwendet, überlegt man sich's erst zehnmal und dann läßt man sie immer noch liegen, um zu warten,„bis noch etwas dazu kommt“, damit sich die Portoausgabe lohnt. Die Geschäftswelt, die naturgemäß unter der sprunghasten Erhöhung der Tarifsätze am meisten zu leiden hat, schränkt ihren Postversand selostverständlich auf das notwendigste ein, seitdem die Portokasse auf sehr ansehnliche Summen angeschwollen ist. Statt der bisher üblichen Briefe werden im weitgehendsten Maße Postkarten benutzt. Schon bei der vorletzten Portoerhöhung setzte die Abwanderung vom Brief zur Postkarte sehr siark ein, und es ist bewiesen, daß 40 Prozent aller, Briese als Karte versandt werden können. Den Briefverkehr innerhalb des Stadtgebieles der Großstädte überlassen schon heute große Geschäftshäuser, Firmen des Handels und der Industrie, Banken usw. nicht mehr der Post, sondern haben diesen selbst in die Hand genommen. Markthelfer, Kassenboten nehmen die Mitteilungen an die Kundschaft auf ihren Gängen mit, ja selbst Vertreter, Stadtreisende usw. trifft man häufig, die die Post ihres Geschäfts auf ihrer Tour den Geschäftsleuten überbringen. Damit wird eine große Ersparnis an Porto erzielt und außerdem eine Beförderung herbeigeführt, an deren Schnelligkeit die Post nicht im entferntesten heranreichen kann. Firmen, die ein Filialnetz haben, richten Sammelsendungen ein, und es wird schließlich nur noch eine Frage der Zeit sein, daß innerhalb bestimmter Geschäftskreise, ähnlich wi im Buchhandel, Brief= und Paket=Austauschstellen einderichtet werden. Aber selbst wenn eine Firma, die täglich eine große Anzahl Postsendungen an ihre Stad kungschaft zu ichten h t, einen besonderen Boten bezw. Radfahrer einstellt, und diesen ausschließlich mit dem Austragen der Briefe usw. beschäftigt, kommt ihr diese Einrichlung einer eigenen Stadtpost bedeutend billiger, als bei der Reichspost, Bei einer halbwegs guten Organisation dieses eigenen Postvertriebs kann ein Radfahrer täglich 150 200 B iese besorgen Durch die Post verschickt, würden diese an Porto 187,50 bezw. 250.— Mark kosten, während sich der lägliche Arbeitslohn eines jungen Radfahrers auf etwa 50.— Mark stellt. Dieses System, daß die Monopotsteilung der Post nicht durchbricht und durchaus gestattet ist, hat dabei noch den Vorzug, daß, wie in den vorher erwähnten Fällen, die Briefsendungen am gleichen Tage ihrer Absendung in die Hände der Empfänger gelangen. Firmen, die in regem schriftlichen Verkehr mit Banken stehen, sind schon seit längerer Zeit dazu übergegangen, ihre Briefe von den Banken abholen zu lassen. Seit Erhöhung der Porlosätze hat die Zahl dieser Abholer bei den Bankinstituten aber so beträchtlich zugenommen, daß sich bereits einige Banken mit der Absicht tragen, besondere Postausgabestellen ür ihre Kunden in ihren Räumen zu errichten. Auch die Rechtsanwälte haben infolge der hohen Portis auf den Amts= und Landgerichten einen Briefaustausch unter sich eingeführt und sind mit dieser Neueinrichtung sehr zufrieden. Geschäftsfindigen Leuten— und deren gibt es Golt sei Dank in Deutschland eine sehr reiche Anzähl— wird der neue, einfach als unerschwinglich zu bezeichnende Posttarif, Preisgektönte Erzählung von K. Richter., Es ist eine recht einfache und doch dazu merkwürdige Geschichte, die ich hier erzähle. Sie ist so einach, daß sie jeder erleben könnte und führt uns doch zu dem Wort des Weisen:„Es gibt noch, allerlei Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich der Menschen Weisheit nichts träumen läßt“[Hamlet). Es ist doch noch immer so auf dieser Welt, daß es Zusammenhänge gibt, die durch überirdische Fäden gehalten werden, auch wenn sie mit den geringsten irdischen Dingen zusammenhängen. Dies überndische Ding war in unserem Falle nichts weiter als ein schöner, braungebackener Toptkuchen; Gugelhopfen sagt man in Württemberg. Und die Geschichte mit dem Napfkuchen trug sich also zu: Es war noch in der„guten alten“ Friedenszeit, eiwas über ein Jahrzehnt von der Gegenwart zurück Da machte ich, diesmal mit meiner lieben Gattin, eine dienstliche Reise quer durchs schöne deutsche Vaterland. Wir haben dabei oft das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden und nach„getaner Arbeit“ uns an der frischgrünen Welt erfreut oder hie und da einen angenehmen Besuch gemacht. Im Herzen Deutschlands wars nun, im schönen Hessenlande, an Thüringens goldenen Grenzmarken, da gab es auch in einer der Städte der Dienste genug, aber auch der Freuden allerlei. Beim Sonnenglanz erstiegen wir die waldigen Höhen in der Umgegend, am Regentag saßen wir im traulichen Stübchen eines befreundeten deutschen Hauses. Der Hausvater schenkte uns sein fröhliches Vertrauen und die Hausmutter ihr emsiges Schaffen. Bald war ein gemütlicher Kaffeetisch bereitet und als Zierde auf seiner Mitte stand ein süß duftender Napfkuchen, dessen ungeheure Größe uns Mut machte zum Gattessen, obwohl neben dem Elternpaare, unseren Gastgebern, auch noch ein ganzes Kränzlein großer und kleinerer Kinder beim Verzehren des braunen Gebäcks eifrig helfen wollte. Unter diesen Kindern hoben sich zwei kleine, aber kräftige Böblein von gleicher Größe, gleichem Haar, gleichen Wangen und gleichem Anzug besonders ab: Zwillinge! Zum Verwechseln ähnlich! Nur den Eltern gar gut unterscheidbar. Auch sie halsen wacker mit beim Essen, und als dann das Riesenhafte des Gugelhoptens allmählich zusammengeschmolzen war, da konnte ich nicht anders, als halb scherzend, halb einst zu meinem Frauchen sagen:„Frauchen, daran müssen wir denken, wenn wir heimkommen, und auch einen Gugelhopfen backen und dann hierhersenden, damit's wiederkehrt, was wir hier wegessen.“ Und der Hausherr nahm uns beim Wort und sagte:„Wir werden darauf warten!"— Ich glaube, die Zwillinge haben heimlich dazu, genickt! Ich hab's aber nicht gesehen.— Nun: Alles Ding währt seine Zeit. Auch ein gemütlicher Kaffeekranz. Und wir zogen weiter und haben noch manches Schöne von Deutschlaud gesehen, am Rhein und am Main, in Nord und in Süd, und endlich kamen wir heim. Manches ; vergesen und manches föhich erzählt Der Napfkuchen gehörte zu ersterem. Wenigstens #ige Monate lang.— Dann wachte er plötzlich auf. Als wir im stillen Stübchen am eigenen Kaffeetisch saßen, schlug das Gewissen:„Frau, backe den Kuchen, wir habens versprochen!“ Halb scherzend, halb ernst habe ich so gemahnt. Und wir lachten beide. Dann hat niemand mehr seiner gedacht.— Und ein Jahr etwa war wieder vergangen. Im traulichen Dämmer kam die Erinnerung und mit ihr der Kuchen ins Gedächtnis zurück Dies mal in größerer Wirklichkeit, denn— der Kuchen wurde gebacken! Am nächsten Vormittag. Und — dieser Kuchen wurde gegessen— von uns selbst, mit einem unerwarteten Ehrengast— am Nachmittag doch mit nicht ganz gutem Gewissen. Der versprochene Kuchen aber sank in das Grab der Vergessenheit zurück.— Sollte das wohl so sein, oder war's Leichtsinn? Versprochen im Scherz und doch nicht ohne Belang— dieser Kuchen— Zwölf Monate waren wieder dahin Da kam die Erinnerung auch wieder und diesmal blieb sie und wurde zum festen Entschluß, zum wirklichen Kuchen, und dieser Kuchen wurde zum Postpaket, das nebenbei mit allerlei anderen Süßigkeiten, mit Bildern, Büchern und dgl gefüllt wurde, bis es sein Vollgewicht hatte Wir konnten eigentlich nicht anders, wir mußten, wie von einer unsichtbaren Macht getrieben, das Paket packen und absenden. Es sollte damit aber auch seine ganz besondere Bewandtnis haben.— Das Paket kam zur Post und zur Bahn, ging seinen Weg und kam ans Ziel zu jener freundlichen Familie mit ihren Zwillingen Daran war freilich bisher nun gar nichts Seltsames und Wunderbares. Und doch, ein Wunder besteht meistens nicht aus dem Durchbruch burch das Natürliche, sondern vielmehr darin, daß das Natücliche, und noch viel öster das Selbstverständliche gerade in dem Augenblick eintritt, wo es etwas ganz Besonderes, etwas Außergewöhnliches ausrich en kann. Und so geschah es diesmal mit unserem Kuchen Er kam an einem Tage an sein Zel, an welchem eine schweie, bittere und ernstliche Not jene Familie getroffen hatte. Die Hausmutter war so lebensgefährlich erkrankt, daß sie zu einer schweren Operation unter des Pro fessors Hände in das Krankenhaus gebracht werden mußte. Unter den vielen Sorgen, die dabei ihr treues Mutterherz bedrückten, war auch eine ganz besondere, gerade zu jener Stunde. Der nächste Tag war nämlich der Geburtstag ihrer Zwillinge, die nun wohl acht Jahre alt wurden. Sie hatten bisher stets alle Jahre am Geburtstag einen schönen, braunen Gebuttstagskuchen und anderes Gute, was Kinderherzen erfreuen kann, auf ihrem Geburtstagstische gefunden, und es bedrückte die Mutter neven ihren großen Schmerzen und ernsten Gedanken nun auch diese Sorge, daß ihre goldenen Buben am nächsten Morgen nicht ihre übliche Ueberraschung fänden, nicht allzu lange Sorge machen. Jeder wird die Post zu umgehen suchen und jeden Weg benutzen, der ihm nur gangbar und erlaubt erscheint. Wenn die Post wie bei den früheren Pottoerhöhungen diesmal auch nur wieder mit einem Ausfall von 15 v. H. gerechnet hat, dann wird sie sich wohl einem bedauerlichen Irrtum hingegeben haben. die Verschwendungssucht am Khein Die zahlreichen deutschen Pressestimmen der letzten Zeit, die mit Recht aus die unerhörten Zustände im besetzten Gebiet hinweisen, werden neuerdings durch einige französische Presseäußerungen wirksam ergänzt. Wie in der Lanterne, so wurden kürzlich auch in der Humanitee die Zustände in der französischen Besatzungsarmee der Rheinlande, vor allem auch die Verschwendung der hohen französischen Militärs, einer einer eingehenden Kritik unterzogen. In dem Bericht der Humanitee heißt es: „Unsere Soldaten wohnen in den Kasernen, die subalternen und höheren Offiziere bei der Bürgerschaft, was aber die hohen militärischen Chefs betrifft, so sind sie in allen Regierungspalästen und den prächtigsten Privatgebäuden untergebracht. Sie sind die Fürsten der dritten Republik, denen nur die Ziilliste fehlt. Deutschland hat seinen militärischen Oberbefehlshabern stets glänzende Dienstwohnungen bereitgestellt; aber dem Geschmack französischer Generäle entsprechen diese Paläste noch lange nicht Einer von ihnen, der höchste vielleicht, bewohnt das großherzogliche Schloß. Seine Gemahlin, die die Morgenlust liebt, hat die Privattäume der großherzoglichen Familie in Beschlag genommen, und ihre erste Sorge war, Tapeten und Auestattung nach ihrem Geschmack radikal umändern zu lassen. Weiter hat sie sodann, um sich in dem weiten Paik ungesehen ergehen zu können, dessen Gehege mit Eisenblech beschlagen lassen Man kann sich die Kosten einer solchen Arbeit vorstellen! Derselbe hohe Chef hegte dann den Wunsch, eine Winterresidenz zu haben und fand dazu kein besseres Mittel, als die Sommerressden; der Graßherzöge in entsprechend kostspieliger Weise für diesen Zweck umbauen zu lassen. Eine geniale Idee, wie sie nur im Gehirn eines Mitnärs entstehen kann! Ein anderer hoher General, der da unten ein Armcekorps kommandiert, sand für sich und seine Famitie die Wohnung in der Garnison seiner Kops ungenügend, requirierte eine sehr schöne Villa, die aber noch gänzlich neu ausgestattet werden mußte, um des großen Herrn würdig zu werden, der sie bewohnt. Ein dritter, jungverheirater General requirierte, um sich seiner Gattin galant zu zeigen, eine Villa, deren Inneres durch umfassende Arbeiten, die im übrigen ganz unnötig waren, in geschmackooller Weise umgestaltet werden mußte. Die Villa war kaum fertig, als sie dem galanten Ehemann nicht mehr gefiel. Er requirierte darauf einfach ein in dieser Hinsicht vollständiges Appartement in einem der vornehmsten Hotels seiner Garnison. Das Verhalten unserer hohen Befehlshaber im Rheinlande ist ein großer Skandal. Die Regierung soll einen Generalintendanten mit der Untersuchung dieser Dinge beaustragt haben. Welches siud die Resultate dieser Untersuchung, und welche Strafen sind verhängt worden?" Wir sehen aus dieser französischen Darstellung, in welcher unglaublichen Weise der französische Militarismus mit all seinen virwerflichen Begleit: erscheinungen und Auswüchsen unser Rheinland überschwemmt hat Es wird höchste Zeit, daß diesem groven Skandal, gegen den von deutscher Seite immer wieder vergeblich Protest erhoben worden ist, endlich durch internationale Regelung ein Ende bereitet wird. Für die Redaktion verantwortlich: Friedr. Kraas. Druck und Verlag: Carl Braus, beide in Schwerte. denn sie war ja nicht mehr imstande, den Kuchen zu backen, den Tisch zu schmücken. Daß solch zeine Muttersorge die Gedanken recht stark beTschäftigen kann, weiß jede Mutter und jeder, der aen duut. Auh betz hoaihe Geongen n ernsten Stunden oft so in den Vordergrund stu#en, daß viel größere und ernstere Dinge dazhinter klein werden und fast verschwinden. So war es auch hier mit der Sorge über den unge(backenen Geburtstagskuchen und schweren Herzeus wäre die Mutter wohl zur Operation gefahren, swenn nicht gerade da, als die Stunde ihres Anstransportes kam, der Paketbriefträger unser Paket gebracht hätte, das noch geöffnet wurde „— ungewollt und ungesucht die Geburtstagsgaben der Zwillinge, die noch zur Schule, also abwesend waren, auf den Familientisch gezaubert hätte.— undiches Wonder; Pederaschung. Ein Kleines, frei iches Wunder. Da lebte das Herz der kranken Jeutter auf, Sonnenschein kam sogar auf ihr schmerzvolles Antlitz, sie fuhr nun leichter in ihre schwere Stunde hinein, neuer Mut war in ihrer Seele, eine neue Kraft in ihrer Brust; ihre Zwillinge swaren ja versorgt mit Freude! O Mutterherz, wie kannst du lieben.—— Ob wohl nach dem Gelingen der Operation ein besonders günstiges, schnelles Heilen auch auf jenes kleine, liebliche Kuchenwunder zurückgeführt werden kann? Das ist auch eine Frage zum Nachdenken! Jedenfalls fanden die beiden Buben glückstrahlend, trotz der Abwesenheit der Mutter, ihren geschmückten Geburtstagstisch und haben auch der genesenden Mutter davon Bericht erstattet! Sie hat jene Tage nie vergessen können, so schwer und doch so schön waren sie gewesen. Wehe, wenn unser Kuchen schon früher gekommen wäre, oder noch schlimmer, wenn garnicht! Es hat eben alles seine Bedeutung im Leben, auch das Unscheinbarste und Kleinste. Man muß es nur mit den richtigen Augen betrachten!— Dann werden auch geringe Dinge oft wertvoll und kleine Ursachen zu großen. Wirkungen! Anterhältuugs=Venagt zur„Schil erier=Gellung Heimatforschung. Suche in der Heimat Hainen nach den Gräbern, Trümmern, Steinen, auch dem Märchen horche treu. Forsche in den Pergamenen klaren Sinns mit Luft und Sehnen— und das Alte wird dir neu. Giesebrecht. Dichtung und Insustrie. von Astlhelm Sperlbaum. Die Diediung weitet Maß und Rahmen! Ste fängt aus dem sie umgebenden und durchpulsenden Springbrunnen des neuzeitlichen Lebeis ganz neue und andersgeartete, vom Glanz und der Farbenglut einer tiefinnerlichen Seele durchsonnte Tropfen helltönend Lin ihren weitgeöffneten Schalen auf... Vor zwei Menscheualtern noch sprach sie ein anderes gutgesehenes Zeitbild; redete von stillen, grünumsär Straßen; sang Wanderbürschenlieder hinaus in laue Sommernächte; ließ den goldig funteinden Mond in den abendlichen Winke straßen einer kleinen Stadt mit dem Haß und dem Lampenlicht der Menschen streiten; setzte sich tauschend und sinnend an einen verschlossen plätschernden Brunnen; jubelte die ericee Weize im rauschenden dunklen Tannenwald oder legte sich voll und schwer über den Rosenduft eines still=erschlossenen Gartens. Noch heute lebt diese Zeit in uns fort in ihren zahlreichen Liedern, die sich aus Hirn und Herz nicht lösen tönnen und nicht lösen wollen, weil sie Heimstät en in ihnen fanden. Noch heute geht ein stiller, leiser Klang uns durch Sein und Sinnen, wenn am Berzhang. das„Heideröslein“, die alte Weise erstehen läßt; wenn im tiefen Grunde, von Wassern kosend überspielt, ein Mührrad singt, oder wenn ein„Sonntag“ uns den grauen Werklag abwerfen un der„Sonne“ ent egengehen äß als sollten wir dem Leben und den Dingen wie einem Konzert lauschen. Es liegt dann aber auch wie ein Schatten von Heimme, über diesen uns altvertranten Liedern, die zeit= und volkt wachsen und=verwurzelt sind: wir fühlen, wir leben in einer anderen, wachgerüttelten Zeit!... Da recken tau end Kamine wie zum Schwur öhre russigen. schweißigen Arme gen Himmel; da lodern aus den Bessemer=Birnen die gelben Feuer züngelnd und imde slatternd auf: dio zur Weißglut gebrachte si#est den in der Luft und hohe Bogenlampen kämpsen nun den ewig vergebenen Kamp; mit der Himmelsmacht. Finstere Männer stampfen durch die rußgeschwärzte Flur, Riesenhämmer dröhnen laut, Steinhacken vicken leie: viel# zausend- Menschen rin en im ausgechlesse Schlund der Erde mit den Gewalten der Welt, in die sie eindrangen; man sieht im Geiste das Schwelen der flackernden Grubenlampen, sieht die Schweißperten vollgerundet weitoffenen Poren rinnen, spürt das Kenchen der schweratmenden, halben bößen Breist. Ja, jener ungebärdige, un ehorlane muskel, der in die Vergenheit zurück#e dat recht gefühlt: wir leden in einer anderen. machgerüttelten Zeit!... Und doch, auch diese Zeit, auch diese Welt dat ihre Porsie! Freilich, nicht so ein end und singend wie die vor hundert Jahren. #e hat eine Poesie, so schrermütig=ernst und dumpft, wie Ween und Stimmung einer Bergmanns sind, den man nach vol brachter Schicht still heimschreiten sieht. Aber die Dit#no erkannte, daß es Helden sind, die in der Nacht der abgeteuften Stollen ihrer Arnachgehen, die im Walzwerk von der heißen, wilden Glut flussiger Cisenmassen geisterhaft beleuchtet ihr Tagewerk tun. Schon Dante, der in so vielen Dingen seiner Zeit so weit vorauf= und vorauseilte, erkannte dieses Helventum, als er in wenig Zeilen, aber mit riesengroßen Lettern die Arbeiter des Arsenals von Venedig einstens zeichnete und umriß. Dann entdeckte freilich erst das neunzehnte Jahrhundert diese Poesie wieder: E. T. A. Hoffmann beleuchtete im „Bergwerk von Falun“ ihre grausige Seite. Andere kamen, doch erst die jüngste Zeiit erfaßte diese Dichtung der Großindustrie in ihrer ganzen Breite und Ausdehnung. Die bildende Kunst ging darin der Poesie voran. Menzel schuf sein Gemälde vom Riesenwalzwerk, das wie ein Blitz erhellte und Mumnunsununnumnssunununnunununusummnnn Der heidenstein.*) Tief in einer wilden Liegt der Heidenstein gebettet, Wie ein Eremit, der sich Aus dem Weltgewühl gerettet. Unberührt vom Tageshall Und der Sonne Lichtgefunkel, Allersgrau und schlummermüd', Nuht er dort im Dämmerdunkel. Wasser rannen um ihn her, Wa ser, die vom Berge kommen Und zur alten Mutter Ruhr Schon wie lange sind geschwommen: Ist es auch kein starter Guß Und das Ranschen nur geringe, Heilig dennoch ist sein Fluß, Tenn er kommt vom„heilgen Springe". So in öder Einsamkeit Liegt der Heidenstein gebettet, ie ein Eremit, der sich Aus dem Weltgewühl gerettet. Heinrich Kämpcben. *) Der Heidenstein liegt in einer tiefen, vom„heiligen Spring" durchflossenen Waldschlucht am Isenberge bei Hattingen. Miiiiiii zündete:„in Wirrwarr von Maschinen, Transmen, Rädern, Schrauden, Gewinden, und mitten darinnen, gespenstisch von der Glut umstackert, eine Schar winziger schen.“ Meunier und Rodin schufen Arbeiterstatuen... es donnert das Riesenorchester unserer eisernen Zeit sich seine erhabenste Sinsonie.. So geht die Dichtung mit in das graue Tor hinein, mit an die Stätte der Arbeit: In der Fabrik. Mit Rad und Riemen, Schaft und Schraube droht polypengleich das schwarze Ungeheuer und wirft die Schlacken aus wie f#ünsig Feuer und taucht den Mittag in ein falbes not. Ein Wutgeheul! Der Riesenkörter bebt... Ein hundertarmig Incinandergreisen, ein tückisch Vorwärtsschießen, Ruckwärtsschleifen, von einer einz'gen großen Kraft beiebt. Und um den Herrn der Knechte dunkle Schar in Ruß und Rauch... Die Riesenhämmer klingen, die Funken tänzen, und die Räder ingen das große Lied der Arbeit und Gefahr. Im Schlund der Esse loht es purpurdraun.. Und wo die Räder hart und tählern blitzen, sah ich ein Weib mit heißen Auren sitzen und fest und faugend mir ins Antiitz#hann. Der nackte Arm wie ein verdorrtes Scheit. finster die Stirn und rauchgeschwärzt die Wange Sie neigt sich mir— sie spricht mit wildem Klange: „Ich bin die graue Not, ich bin das Leid. Herrin des Weltails ich,— wie teine war! Sahst Du schon je so eifrig die Vafalten durch Glut und Rauch für ihre Herrin wallen unsichtbar stets den Opferkranz im Haar? Ja, ich bin stark, und mein das größte Reich! Mein Hauch bewegt die torenen Waschinen, mein Blick allein heißt tausend Arme dienen und macht die kersten Männerstirnen bleich.“ Sie springt empor, sie bebt— ihr Ange lacht Die Achsen kreischen, und die Hebei trummen sich von der Last, die roten Eisen geimmen, durch Rad und Riemen tobt die winne Jacd. Die Menschen keuchen:„Arbeit nur und Brot!“ Und durch das Wutgeheul, Schleisen und Krachen hör' ich ein leises, sieggewohntes Lachen: „Herrin des Weltalls ich— die graue Not!“ Die Dichtung stand staunend und sich besinnend, erkannte und— folgte, la, ging über das tiesatmende Leben ihrer Schwesternkünste in bescelten Worten hinaus. Man iese bei R. Zoozmann in„Göttin Industrie": Aus turmhoh'n Riesenschloten stieg auf in geballten Säulen der schweselgelbe Qualm— es war ein Zischen und ein Heulen, als tobte eine Gigantenschlacht. Und näher trat ich. Es bebte vom Schlag der Eisenhämmer weithin das Erdreich, und grell durchzuckten des Tages Dämmer die Opferflammen der Industrie. draust und surrt und prasselt in sianbetörendem Streit: Hedwig Aransfeld. Die Dichtung bringt am„Feierabend“ sie nach Hause: ... Die schweren Flügel wirft das Eisengrollend zurück und gibt den Eingang frei Und aus den Gängen wogt's und quillt's hervor und atmet auf: Wieder ein Tag vorbei!“ Ein Tag der Arbeit und ein Tag der Not Die ersten Lampen flimmern in den Gassen, und seinen Purpur wirft das Abendrot warm und versöhnend in die dunklen Massen. Sie gehn so frei... Die sehnenstarke Faust hängt schlaff herab, das matte Auge grüht, und aus dem Chor der mächt'gen Samte * brau# es wie Gerassel, wie ein Schlachtensed. Sie lachen still— sie bunen ihre Macht... ese Nun sprüht die Lust, nun keimt verbißnes Hadern, und frei für eine lange, weich und junges Blut in kraftgescpellfen Und tiefer, tiefer in den Gassenschlu Und fort wie ein versprengter Vogelflug! Zehntausend Menschen sangt der durtt#ge# Mund der Großstadt auf mit einem Atemzug. Wohin?— Vielleicht an einen Ort der Qual, zur lauten Schenke an des Lasters Füren Belleicht zum hoben lichterfüllten Saal, dei Fieberbrand der neuen Zeit zu schüren. Und mitten durch den Fieberbrand der Zeit nur einer hier und dort im Lampenschein, er lacht verträumt... was kümmert ihn der Streit?— Ein kleines Haus schließt all sein Wünschen ein. Ern lichtes Fenster flimmert durch die Nacht, ein stilles Weib eilt sorgend ihm entgegen, enn M' dchen singt, ein brauner Bube lacht, ein Gott des Friedens spricht den Abendsegen. Hedwig Dransfeld. Die Dichtung geht aber auch mit in die furchtbarsten Augenblicke, in den sie kämpfend sterbend den Gewalten der Natur unterliegen: Kleine Katastrophe. Zwölf Männer wurden vom Gestein erschlagen, zwölf Leichen hat die Erde ausgespien: der S'eiger hat's bewegt hinausgeschrien und ließ die Leichen in das Schauhaus tragen. Zerstückt und schwarz verbrannt und rot zerschunden, so la#en sie in Reih und Glied; wer in der Früh' noch sang sein Morgenlied, verblutete aus unverbundnen Wunden. Da schwätzten sich des Aufruhrs blinde Boten ins Dort hinunter und von Haus zu Haus und trieben die erschrock'nen Frau'n hinaus: die stürmten das vergitterte Portal des Beingebäudes in verbiss'ner Qual und schlugen sich verzweifelnd um die Toten. Paul Zech. Ja. auch dies ist Poesie, reise, erschlosjene, umschlossene, die wie eine silberne Kugel in der offenen Glockenschale unseres eigenen Herzens tief klingende, volle und nachhaltende Töne hervorrnft. Frelich. diese Dichtung der Großindustrie hat Steilufer und Klippen, an denen manches, manches zerschellt! Leider! Sie klebt zu oft am Augenscheinlichen, Konkreten, Sinnfälligen, gibt echt naturalistisch eine nackte Wiedergabe, ohne eine tiefere Idee zu gestalten, die über allem steht, ohne die Seele zu suchen und zu finden, die in allem liegt. Und dann wird sie bitter und verbittert. wrd sie schwarz und herb vom Haß. fehlt ihr da so oft das Licht, der rechte tiese Ein= und Ausblick, durch den beflügelt unsere Seele hinaufschaut in ein Eiland der Helligkeit, des Glanzes und des Glücks wie über Berge hin, über hochgelegene Weiten voll Klarbeit und Licht, die nie von einem Schatten der Finsterrnis berührt werden können. Dann wird auch diese Dichtung wie unsere zeitgenössische so oft, zum Kampf gegen Autorität. Gesez und Glauben, die man nicht anerkennt... Tolstoi sagte einmal: ihm erscheine die heutige Wett wie ein Riesenorchester, von dem der Herrgott, der Dirigent, fortgegangen sei und das nun wirr und disharmonisch töne. Aus der Dichtung der Industrie schrillt uns der Mißton und der Mißklang eines solchen Spiels ohne Gott weithin entgegen. Und doch kann es auch hier anders sein, wie die obige Probe von Hedwig Drausfeld beweist. Es gbt auch hier eine ganze Anzahl Dichter, die vom christlichen Standpunkt aus diese Poesse der Industrie erfassen. Auch sie alle gehen an der Not der Zeit und der len Not in liebeglühenden und mitfühlenRattern der Maschinen, auch sie Gespenstergestalten im Schein der Essenglut. Aber gerade diese tiefe Not der Zeit wird ihnen mit all der Ueberfülle ihres Leides, mit all der unerfüllten und ungentiteg Sehniucht nach Erlösung zum höchsten und schönsten Glauben an eine Ersüllung, an ein Vergolden und Verbrämen im Jenseits, wird ihnen zum höchsten und schonsten Gottesbeweis. Heimatliebe. Wer unsres Landes Sitte ehrt Und auch dem Seinen hält die Treue— Hier ist der Sitz an unserm Herd! Hier unsres Bruderkusses Weihe! Wer fremden Volkes Herzen stellt Gleich seinem in gerechter Wage— Hier unsre Hand, daß er das Zelt Sich auf bei unsern Zelten schlage! Annette von Droste=Hülshoff. Dütschland— Ehr' diene Krieger. Et gäiht nu in Dütschland wunnerlich tau, So manches passeert, man niemmt't nich Lenau: Doch etwas, dat lät mi käne Rauh'— Ek make am leiwsten de Ougen tau—: Ek kann't nich begriepen, kann't nich verswoahn, Et hiet mi all lange wäih gedoahn: „So wenig Dank süä dat dappre Et es, as wenn altes vergiätten wär: Se driägt et blous häimlich, man füht er nich gern. Man süht nu leiwer den Sowietstern— Se wiät nich beachtet, driägt ouk„blous“ Zivil, Goaht unner im grouten Massengewühl, Wät nich mä gegrüßt, sind kum noch gekannt— „Se höllen us jö ok„blous“ den Zeind— ut dem#and!“ O undankbar Dütschland— schiämen di *, doch wat, Füä jähre Taten dien Dank es„dat“? Wä use braven Krieger nich ehrt, Dä es, en Dütscher te sien, nich wert, Dä es känen Schüött Pulver wer Fritz Voigt, Harpen. De heilige Begeisterung August 14 bi Oalt un Jung: Dousende träten friewillig an; Massenbetrieb ov de Isenbahn: De Hüge rattern noa Ost un West— Et was dat reine Hämpittelnest— Woa wi use Jung's noa Baukem gebracht, Bim Afschäid gehült? gescherzt un gelacht; Wat ruschen de Fahnen schwattwittront, As göng et toam Sieg blous— nich ouk in den Dond: Ran an den Feind met de Wacht am Rhien— Dat kann doch noch nich vergiätten sien. Un Lüttich un Tannenbiärg, Schlag ov Schlag, De Klocken lüdden jö Dag vüä Dag, Bi Dage alläin nich, wu fak in de Nacht Sind van Siegessubel wi opgewaht; Söllt Hindenburg, Ludendorff, Jeppelin, Weddigen, Lettow=Vorbeck vergiätten sien? Un de Helden van Harpen— wu bescheiden se sind. Dä möch hier doch kennen jedes Kind. Se häwt us verwüönnt, wi denkt nich mä drau: Wu furchtbar de Schlachten, Mann riegen Mann, Wu grout fak de feindliche Ueöwermacht, An de Gewaltmärsche wät nich gedacht, Nich an de Patrouillen in stockdütre Nacht. An Entbehrungen nich, nich an Duast un an Schmacht, Dat et met de Reinlichkeit mies. Dat se wören gepiesackt van russische Lis So Piärrewiebbels makt en reine verrückt, Man hiet us es ine Probe geschickt— An de Rattengesellschopp im Unnerstano. An Gasvergiftung un Flugtügbrand. Bi de lange Züge süä't Lazarett, Wu was us so wäih üm dat banze Fic! Un wenn so ne trurige Noaricht kam. Dat man den Frönd us gefangen nahm: Wä verschüttet was, den Verstand ver#on Im Russenwinter toam Isklumpen frouts Doa dächen wi doch wuall manchmal dran: Wat doch de Mensch alles uthoallen kann. Wenn ne Karte kam. dat et guot toch gäih:, Wu gerne schicken wi dann en Pacäit: Un wenn es so'n Held in Urlaub kam, De Freide un Jubel tän Enne nahm; ] Wenn se us denn jähre Taten versallt, Wu frouh„Dütsch and üöwer alles“ erschallt. Un dann dat Enne, dat trurige Enn'— ] Wä dat doch äinmol vergiätten könn: Den Krieg verluaren un altes Amfüs. Wä us dat Rätsel to löisen wüs. Wä gefalle.— nu ruht in früömde Erd Vam Vaterland wät so äiwig geehrt; Un wä noch unner de Folgen litt. Ouk den Dank van Dütschland te spüären kritt: Doch, wä nu gesund wielr unner us sind, Zuä di gätht läider en annern Wind: So schlicht seldaries utgerückt, Entwurzelt. Von Rudolf Petri. In glitzerndes Sternenkleid haben sich die Höhenzüge gehüllt. Mitleitig be ecke weißer Flaum die Stumpfe ehemaliger Baumriesen. Ihre bochragenden Stämme ver ehrte der gefräßige Krieg. Kampf tobte auf den Feldern und in den Wäldern in vielerlei Gestalt Unten im Tal ein Städtchen mit roten, gelben und blauweiß getünchten Häu ern. Verstohlen blinzeln sie unter ihren Schneehauben empor. Um den schwarzbehuteten Kirchturm flattern noch schwärzere Dohlen. Auf dem langgestreckten Rathausdache zant en sich Raben über ihre grauen Röcke. Kachelösen und dampfende Kaffeetöpfe halten die Bewohner in warmen, tabatrauchersüllten StuSonntagsfrieden über Berg und Tal. Langsam wankt eine zerlumpte Gestalt den Berghang hinan. Grimmige Käue läßt Knie und Arme erzittern. Reuchender Aiem fliegt rauhreifend voraus. Ein Knotenstock auf besseren Zeiten; von dünnen, langen, starren, blauen Fingern umtrallt, gibt der iminenden Gestalt notdürftigen Halt. Tiefe Furchen in den Schnee grabend, schieben die klammen Füße den klarpernden Körper vorwärts.— Dunkelrot senkt sich der feurige Wintersonnenball zum Horitont. Fröhlich ba Berge und Bäume in seinen Purpurschei: Selbst der düstere Kirchturm nimmt friedsame Der Winterabend enthüllt seine Pracht. Tannen, Schnee und Abendleuchten verschmelzen zur(schwarz=weiß=roten Harmonie. Der Sturm pfeift seine ewise Symphonie von Erdenleid und Menschensehnsucht. Zeißwetig wirbelt körniger Schnee von den Hänzen und jagt gleich Wintermücken in das Au Der einsame verlodderte Wanderer sieht's nicht. Mit weiten Augen starrt er in die Sonnenglut. Jugendbilder und die seines reiferen Lebens drängen sich an seinem Auge Der Sturm zaust seine zerrissene Kleidung. Er merkt's nicht und sieht nur den sonnenvergoldeten Vaterhof, seine Geschwister, seine GeDer Sturm stäubt seine strobigen Sträbnen wirr. Er merkt's nicht. Die Wanverjahre seiner Burschenzeit erfüllen seine Die Sonne ist versunten. Der groneisigen Winterluft fehlen ihre wärmenden Strabten. er#ts nicht. Das kurz genossene Ebeglück durchwärmt sein zuckendes Herz. Ein kurzer Trauerzug. Zwei Särge sinten in die Gruft: der eine lang, er birgt sein Weib; der andere kunz, umfaßt sein Kind Ein Schauer schüttelt die steiie Bestalt. Seine glasigen Augen finden den Weg####t. Müde setzt er sich auf einen schneche##enten Stumpf; der tröstende Tränenquell versiegte Da tanzen die Sterne am Himmel auf. Jeder trägt ein zuckendes Herz. Sie tanzen an ihm vorbei. Und da. mitten im Reigen, auf zwei rotleuchtenden Sternen stehen sein Weib und sein Kind. Ihm wird das Herz so froh, so weit und leicht. Ste kommen beide fassen ihn; ihn, den Verlassenen, den Verstoßenen, den Verkommenen, den bdachlosen. Mit streicheinden Händen fassen sie ihn. Mit liebtosenden Bicken schauen sie ihn an. Ihre Augen leuchten so geheiimnisvoll. Sie führen ihn in den schimmernden SternenreiEin Raunen gebt am andern Morgen Durch das Städtchen. Droben auf'm Berge hat man inen toten Mann gefunden. Sie schaf'n Schauhaus curzpling ogeogun P us— Wusptunc Wghugun G „eu m m — gut un„encig“ za glgn wng — uud di un i it diu 1n M ch g“ M Me gin zpia 2 M Mnnnn 122 Hzu P ui ui nse n in Mu gun Mcoh und u e un un umiina ud uub egunig Veng. gun h u untging wu scnlucen Pombun gun mgn i im e inht u M ir Me n W Wn **** Wun uzuce isbag Wc cun ullg t ar gun uoiwalch,öpng ui ic sbunl aun E c u a#n nis Sun un un A Es entstand eine Pause.„ zu. dam Wie mit einem Schlage begannen aue drei dann vom Wetter zu reden und wurden, als sie auf dies konversationelle Armutszeugnis aufmerksam geworden, gemeinschaftlich verlegen. Endlich kam man auf dem Gute an. Der Vater, aus dessen biederem Antlitz Liebe und Güte gegen seine Kinder deutlich hervorleuchtete, führte diese trotzdem etwas steif und zeremoniell in das gerauIm Wohnzimmer nahm ein Hausmädchen den Ankommenden die Hüte und Räntel ab. zuzufistern: Hierbei gewann Hulda Zeit, Edwin zuzuüstern: „Wie sieht nur Papa aus? Findest du nicht, daß er sich „Allerdivgs,“ entgegnete Edwin,„sein Schnurbart ist schwarz gesärbt und stolz aufgerichtet und— sieh da Papachen stand gleich darauf in tadellosem Saloneuch bequem, Kinderchent, rief er. „Am meisten habe ich mich auf die Ueberraschung gefreut, die ihr mir zugedacht habt; ich habe Auftrag gegeben, daß die Kiste jetzt, sofort nach unserer Ankunft, geöffnet wicd. Meine alte Haushälterin packt sie. Popheg, gis Und nun entschuldigt ihr mich wohl einen ag gem Kinderchen.“ Und er ging davon, jedoch nicht nun dem Speisezimmer, sondern nach der andern Seite. „Um Gotteswillen, Edwin,“ rief die junge Frau und flüchtete wie schutzsuchend zu ihrem Manne,„kannst du nicht verhindern, daß das Bild ans Tageslicht kommt?“ :„Das ist leider unmöglich,“ sagte Edwin, ebenfalls „Es ist ihm gar nicht mehr ähnlich.“ „Du hast recht, der Bart, das Haar, die moderne Toilette! Was hat nur Papa?“ „Ich will's dir sagen,“ flüsterte Hulda erregt,„Papa will— wieder heiraten.“ Verschönernd wirkte das blöde Lächeln nicht, das nach dieser Entdeckung auf Edwins Antlitz erschien. Ehe er sich aber zu einer Antwort aufraffte, kehrte der Vater zurück, jedoch nicht allein; an seinem Arme führte er eine freundlichblickende, hübsche, wenn auch nicht mehr ganz =Gestattet mir, liebe Kinder,; begann er heiter, „euch meine künftige Gattin vorzustellen! Du, niein Junge, hast mir mit deinem eigenen Eheglün oas Geheimnis der Jugend enthüllt.“.. Die Art, in welcher die Stiefmutter und die überraschten Stiefkinder einander begrüßten, ließ deutlich erkennen, daß es an einem guten Einverständnis in Zukunft nicht sehlen würde... s1ng fiche G. „Doch nun zu eurer Ueberraschung, liebe Kinder!“ rief der vergnügte Alte.„Ich habe mich schon lange gefreut und bin sehr gespannt.“ Ms. Damit eilte er allen voran dem Speisezimmer zu. Mit einem tiefen Seufzer stützte sich Hulda schwer auf den Arm ihres Gatten. Man trat in das Speisezimmer. 1 Dort stand, zwischen zwei Armleuchtern, das Oelbild, und vor ihm stand„Papachen“, mit sauersüßem Lächeln zu dem ehrwürdigen alten Herrn ausschauend, der ihm “ in vielen Dingen so unähnlich sah und nun mit ernsten Blicken sein ehemaliges Ebenbild ansah. Hulda sank vernichtet, in Tränen aufgerost, an Ed„Verzeih, Papa.“ stotterte dieser,„Hulda und ich 5oy V dabeiß Berubigen Sie sich dochl“ Herr mit fröhlichem Lachen fort,„übrigens soll mir dein## E5 soll is meinemn Arbeiszimmer brangen, und wenn jemand fragen sollte, wen es vorstellt, nun, Kinder, dann sage ich: Das ist mein seliger Vater.“ Die geistige Mitgift von Eltern und Großeltern. Während man in der Frage der Vererbung geistiger Fähigteiten sich bisher hauptsächlich mit der Vererbung psychischer Störungen und der Vererbung übernormaler, sogenannter genialer Fähigkeiten beschäftigt hat, ist man erst in neuester Zeit an das Studium der Vererbung der normalen geistigen Begabung herangetreten. Einen interessanten Beitrag zu diesem Problem gi Dr. W. Pelers in der„Umschau". Er hat in verschiedenen Teilen Bayerns, Preußens und Oesterreichs aus ländlichen Volksschulen die dort aufbewahrten Zeugnisse von Kindern, Eltern und Großeltern gesammelt und die Leistungen von 354 Leisiungen ihrer Vorfahren verglichen. Bei dem Studium der Schutnoten ergab sich, daß von allen Kindern, deren beide Eltern gute Leistungen, d. h. die Noten eins und zwei hatten, 76 Prozent ebenfalls gute Leistungen aufwiesen, während nur 24 Prozent schlechtere oder schlechte Leistungen(die Noten drei, vier und fünf hatten. Von den Kindern, von deren Eltern einer gute, der andere schlechte Leistungen konstatiert, hatten nur 59 Prozent gute und 41 Prozent schlechte Leistungen. Wurden bei beiden Eltern schlechte. Leisgggen konstatiert, so wiesen unter ihren Kindern nnr 50 Prozent gute und 62 Prozent schlechte Leistungen auf. An der Abhängigkeit der Schulleistungen der Kinder von denen der Eltern läßt sich also nicht zweifeln. Es konnte aber auch nachgewiesen werden, daß diejenigen Kinder im Durchschnitt die besten Leistungen aufweisen, deren Großeltern die besten Leistungen hatten und umgekehrt. Dabei durften nur die Kinder berücksichtigt werden, deren Eltern alle beide die gleiche Note hatten. Denn nur bei ihnen ließ sich beweisen, daß trotz der Gleichheit der Eltern die Leistungen der Schulkinder mit den Leistungen der Großeltern variierten. Was die einzelnen Unterrichtsfächer anbetrifft, so geht aus der Statistik von Dr. Peters hervor, daß die Leistungen der Kinder mit denen der Eltern am besten im Lesen und Schreiben übereinstimmen, etwas weniger gut im Rechnen, noch I weniger im Sprachunterricht und am wenigsten Religionsunterricht. Im allgemeinen sind die Leistungen der Kinder denen der Mutter am ähnlichsten. Dies tritt besonders deutlich überall da hervor, wo die Mutter bessere Schulleistungen aufweist als der Vater. Wo dagegen der Vater die besseren Leistungen hat, verschiebt sich die Sachlage zugunsten des Vaters. Dann eine größere Anzahl dem Vater ähnlicher als der Mutter. Daraus darf man schließen, daß die größeren intellektuellen Fähigkeiten eine stäriere erbliche tung ausüben als die geringeren Fähigkeiten. 153 Wer zuletzt lacht, lacht am besten. In einer Gesellschaft rühmt sich ein Student seiner vielseitigen Fähigkeiten, bis einer aus der Versammlung die Geduld verlor und ihm zurief:„Na, lieber junger Herr, wir jetzt genug von dem gehört, was Sie können, sagen Sie jetzt einmal, was Sie nicht können, und das werde ich dann „Ach, das ist sehr liebenswürdig von Ihnen,“ erwiderte der Student,„ich kann nämlich meine Wirtin nicht bezahler und werde mich sehr Natürlich hatte er die freuen, wenn Sie es tun wollen.“ Lacher auf seiner Seite. K Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General-Anzeiger für den Kreis Hörde. Haupt-Annoncenblatt. Somstag ien 2. Jauar. läticher al Roman von Max Esch. (9. Fortsetzung.) Ehleri bestätigte das und wollte sich verabschieden, als der Schall zweier Schüsse vom Walde her kurz hintereinander zu vernehmen war. Beide horchten auf. „Mein Bruder ist im Walde. Er hat vielleicht Raubzeug geschossen, was ja seine Absicht war,“ bemerkte der Baron.„Möglicherweise hat er gar eine Doublette Oder zwei Löcher in die Luft geschossen, ergänzte Ehlert in Gedanken, kannte er Baron Egon doch als einen äußerst mittelmäßigen Schützen. Er hütete sich aber, diesem Gedanken Worte zu verleihen, sondern nickte mit dem Kopfe, um dann das Zimmer nach einer respektvollen Verbeugung zu verlassen. Nach dem Fortgänge Ehlerts begab sich Baron Feodor zu seiner Mutter hinüber, um dieser Gesellschaft zu leisten. Mit dem Abendessen sollte so lange gewartet werden, bis Egon aus dem Walde zurück sein würde. Er wollte ja nur einen kurzen Spaziergang unternehmen, um etwaiges Raubzeug abzuschießen. Da er anscheinend zu Schusse gekommen, würde er bald erscheinen. Doch war bereits eine Stunde verstrichen, ohne daß der Erwartete sich sehen ließ. Das waren vorhin also Fehlschüsse, sagte sich Feodor. Deshalb hat mein Herr Bruder also meine Begleitung abgelehnt, damit ich seine Schießfertigkeit nicht gebührend bewundern konnte. Nun fiel es Feodor auch auf, daß Ehlert trotz seiner zustimmenden Bekundung, als er, der Baron, der Vermutung von einer Doublette des Bruders Ausdruck gab, ein äußerst ungläubiges Gesicht zog. Jetzt hätte Egon eigentlich zurück sein können, sagte sich der Baron. Es ist eine Rücksichtslosigkeit von ihm, Mama so lange warten Da trat der Diener ein und bat ihn mit leicht bebender Stimme, einen Augenblick zu dem gnädigen Herrn zu kommen. Als sein Auge den offenbar nach Fassung ringenden Diener erblickte, überlief dem Baron eine Gänsehaut. Es überkam ihn, als ob ein drohendes Unheil in der Luft liege. Das Herz schien in seinem Schlage auszusetzen. Doch erhob er sich und folgte dem Diener auf dem Fuße nach dem Arbeitszimmer seines Bruders. Dort traf er Ehlert gänzlich fassungslos auf einem Stuhle zusammengesunken an, das Gesicht in beide Hände begraben. Er blickte kaum auf, als der Baron und der Diener eintraten. „Ehlert, was ist geschehen?" fragte bestürzt und heftig erschreckend der Baron, dem eine innere Stimme sofort sagte, daß dieses fassungslose Dasitzen mit Egon im Zusammenhang stehen müsse. Er schüttelte den Forstgehilfen an den Schultern, denn es schien ja, als ob Ehlert die Frage gar nicht gebört habe. Mechanisch strich sich der Geschüttelte durch das wirr in die Schläsen hängende Haar, sich verständnislos umblickend. Erst nach geraumer Zeit schien dem völlig Geistesabwesenden die Erinnerung an das, was er vorhin erschaut, zu kommen. Er richtete sich auf, blickte den Baron und den Diener erstaunt an und berichtete mit hastiger Stimme, daß der gnädige Herr verunglückt sei. Er liege tot eine halbe Stunde vom Gute entfernt in der Schonung in einer großen Blutlache und sei schon steif und kalt, die Flinte liege in seiner Nähe. Niemals in seinem Leben werde er den fürchterlichen Anblick und den Schreck vergessen, die er soeben gehabt. So schnell, als er laufen könne, sei er nach dem Herrenhause geeilt und habe zuerst dem Verwalter, dem er gerade begegnet sei, Mitteilung von dem Vorgefallenen erstattet. Darauf sei er zu ihm, seinem neuen Herrn, geeilt, um auch ihm die Trauerkunde zu bringen, damit er die gnädige Frau Baronin schonend auf das Entsetzliche vorbereite. Als habe er einen Faustschlag soeben erhalten, taumelte Feodor zurück. Mit allen Zeichen des Entsetzens starrte er den Ueberbringer der Hiobsbotschaft an, als könne er das, was er da gehört, gar nicht glauben, aber der Schreck und das Entsetzen, die sich im Gesichte Ehlerts widerspiegelten, sagte ihm, daß es Wahrheit sein müsse, was er vernommen. Und nun trat auch der Verwalter in das Zimmer, um nach den näheren Umständen des furchtbaren Unglücks zu forschen und dem jungen Herrn mitzuteilen, daß er zum Arzt und zum Amtsvorsteher gesandt habe. stimmend nickte der Baron, dann wandte er sich dem wie im Fieber dasitzenden Forstgehilfen wieder zu. „Ehlert, wissen Sie genau, daß das Leben aus dem Herrn Baron bereits entflohen war, als Sie an der Unglücksstelle eintrafen?“ fragte er, auf das tiefite ergrisfen. Der Forstgehilfe hatte sich inzwischen so weit beruhigt, daß er eine Beschreibung der Leiche und der Unglücksstelle im Zusammenhange geben konnte. Er schloß seinen Bericht damit, daß der arme, gnädige Herr bereits ganz starr und das Auge gebrochen gewesen sei. Menschenspuren habe er an der Unfallstelle nicht wahrnehmen Baron Feodor ordnete darauf das Anspannen mehrerer Wagen an, in denen er, der Verwalter, Ehlert und einige Beamte sowie einige Personen sich nach der Unglücksstelle begeben wollten. „Ihm stand jetzt ein schwerer Gang bevor, lag ihm doch die traurige Pflicht ob, die Mutter von dem Entsetzlichen in schonender Weise in Kenntnis zu setzen, und er wußte kaum selbst, wie ihm der Kopf stand. (Nachdruck verboten.) — G** 5 S E 3 8 G S 8 *# 05 S S 89 S S 5 S S 555 S C2 # ∆5 25 8 * 8 H S S 2 „„ 8 * E gE Sg“ FSESSEEE 5 SSEEE 5 S 8 8 8 5 5 * E 5 S S S S a S US E S 9 GS 89 S a. S a 5 Würde sie an seinen ganz verstörten Mienen das Drama nicht in seinem ganzen Umfange erraten? Was sollte er ihr nur sagen? So schonend wie möglich mußte er sie vorbereiten. Die arme, arme Mama. Viel lieber hätte er jemand mit dieser Mission beauftragt. Lange Zeit zum Ueberlegen blieb ihm nicht einmal, denn jeden Augenblick konnte ihm der Verwalter das Anspannen der Wagen melden. Müden Ganges, seine ganze Willenskraft aufbietend, um eine möglichst unbefangene Miene zur Schau zu tragen, begab er sich zur Mutter. Er hatte aber nicht damit gerechnet, daß das Mutterange scharf sieht. Kaum vernahm die Baronin, daß dem ältesten Sohne ein leichter Unfall zugestoßen sei, als sie aus der Aufgeregtheit Feodors und seiner verschleierten, gänzlich veränderten Stimme Egons schloß, daß etwas viel Entjetzlicheres sich ereignet haben müsse, als das, was der Sohn soeben gesagt. zu Herzen, noch mehr ihr gebrochen klingendes Flehen: „Feodor, sage mir alles. Ich sehe es dir an, daß sich etwas Schreckliches ereignet hat. Sage mir alles, mag es auch das Schlimmste sein. Nur Gewißheit gib mir. Dann werde ich selbst das Schwerste ruhiger tragen, als wenn ich mich in Ungewißheit verzehre und in entsetzlicher Pein schwebe, um mich schließlich mit der Wahrheit dennoch abfinden zu müssen.“ Mit beiden Armen umsing Feodor die Mutter und geleitete sie sanft nach einem Sessel, sie zum Niedersetzen nötigend. „Bitte, fasse dich, Mama,“ bat er.„Egon ist anscheinend mit dem Gewehr gestolpert und schwer verunglückt.“ Verzweiftungsvoll unterbrach die Mutter:„Mein Gott, womit habe ich das verdient?! Erst mußte ich den Gatten in der Blüte der Mannesjahre verlieren und nun folgt ihm Egon in voller Jugendkraft!“ Sich plötzlich aufrichtend, starrte sie den Sohn an, um dessen Mundwinkel es in verhaltenem Weh zuckte und der nicht mehr imstande war, seine Selbstbeherrschung zu bewahren. Er warf sich in einen Sessel, bedeckte das Antlitz mit beiden Händen und ließ seinen Tränen freien Lauf. „Ich vermutete es ja, daß Egon nicht nur verunglückt, sondern tot ist.“ Die Stimme versagte der unglücklichen Frau, die totenblaß nun vor dem Sohne stand. Aber Feodor hörte kaum, was die Mutter sagte. Zu entsetzlich war das gewesen, was er von Ehlert vernommen. Sein weiches Gemüt brach unter diesem Schicksalsschlage bald zusammen. Wohl konnte er sich nicht in des Bruders ganze Art hineindenken, aber es war ja doch sein Bruder, den er vor wenigen Stunden in rüstigster Gesundheit gesprochen und der nun kalt und starr draußen im Walde lag, ein toter Mann. Ein heftiges Schluchzen durchschüttelte den Körper Feodors. Indes die reichlich fließenden Tränen brachten dem Baron Linderung seines Schmerzes. Mit eiserner Energie entriß er sich der halben Betäubung, in der er bisher gesessen, als die Mutter ihn mit den Händen berührte. „Erzähle mir alles, Feodor, was du vernommen, verschweige mir nichts. Sieh, die Wahrheit kannst du mir ja auf die Dauer doch nicht vorenthalten,“ flehte sie. Und nun berichtete der Sohn mit schwacher Stimme, oftmals nach Worten suchend, was er vernommen. Die Baronin, gegen eine in ihr aufsteigende beängstigende Schwäche vergeblich ankämpfend, ließ sich in einen Sessel gleiten. Wenn ihr Schmerz sich doch in einem Tränenstrome Luft machen wollte, aber kein befeuchtendes Naß netzte die brennenden, heißen Augen. Heftig sieberten ihre Pulse, dann brach sie mit einem Webelaut zusammen. Eine wohltätige Ohnmacht ent führte sie der grausamen Wirklichkeit. Besorgt eilte Feodor auf die Mutter zu, deren Gesicht mit Wasser und Parfüm einreibend. Dann schellte er der Zofe. Beider Bemüyungen gelang es nach kurzer Zeit, die Ohnmächtige ins Bewußtsein zurückzurufen. Mehrmals war der Diener im Zimmer erschienen, um das Vorfahren des Wagens zu melden, aber seine Anwesenheit wurde gar nicht beachtet, deshalb zog er sich wieder zurück, um vor dem Zimmer zu warten. Die Baronin sah erstaunt um sich, wußte sie doch zunächst nicht, wo sie sich befand. Erst allmählich kam ihr das soeben Vernommene in Erinnerung. Hörbat seufzte sie auf, dann brach sich ihr Schmerz in einem Tränenstrome Bahn.„Fahre zu ihm, Feodor,“ wandte sie sich mit tränenerstickter Stimme an den Sohn,„und bringe mir sofort Nachricht.“ Auf den Arm der Zofe gestützt, verließ sie den Raum, um sich in ihr Schlafzimmer zu begeben. Jetzt meldete der Diener das Anspannen des Wagens. „Es ist gut,“ erwiderte der Baron,„ich komme sofort. Bringen Sie mir einen Mantel und eine meiner Mützen an den Wagen. Nehmen Sie sich ebensalls einen Umhang, denn Sie sollen mitfahren." Darauf begab sich der Baron nach dem Wagen, dort Anweisung gebend, daß Ehlert mit dem Beamten vorauffahren sollte, die Leute könnten hierbleiben. Der Verwalter und er würden im zweiten Wagen folgen. Der dritte, für die Leute bestimmte Wagen solle wieder ausgespannt werden. Kaum hatte er mit dem Verwalter in dem Herrschaftswagen Platz genommen, als der Diener mit seinem Mantel und einer Mütze erschien und dem Baron beim Anziehen des Paletots behilflich war, sich darauf auf den Bock schwingend und neben dem Kutscher Platz nehmend. Im schnellsten Trabe ging die Fahrt in den dämmernden Abend hinein. Frieden und Stille herrschten in der Natur, nur zuweilen ließen die gefiederten Sänger des Feldes und des Waldes einzelne Jubelhymnen erschallen. Dagegen stimmte der Grillen flinke Schar zahlreiche Sdlis an, denen bald genug ein vielstimmiger Chorus folgte, von fernher begleitet von den dumpfen Akkorden eines Froschkonzerts. Doch die Männer in den Wagen achteten nicht darauf, sie waren in Gedanken verloren. Starren Blickes saß Feodor schweigend an der Seite des Verwalters, der sich vergebens bemühte, durch vereinzelte Fragen die Gedanken des Barons abzulenken. Er bekam keine Antwort, so daß er, das Nutzlose seines Vorhabens einsehend, endlich ebenfalls schwieg. Da hielten die Wagen. Ehlert trat an den Wagen des Barons und meldete, daß die Wagen nicht weiter fahren könnten. Man habe nur noch einige hundert Schritte an den Ort des Unglücks. Wie aus einem tiefen Traume erwachend, sah der Baron den Forstgehilfen verständnislos an, so daß letzterer seine Meldung wiederholen mußte. Da erst verstand er und winkte Ehlert, voraufzugehen. Langsam folgte er mit den Beamten dem Forstgehilfen. Drüben grüßte der schweigende Hochwald herüber, seine Baumwipfel schaukelten sich im rhythmischen Takte des milden Abendwindes, der des Meeres urewigen Gesang in gedämpften Akkorden herübertrug. Langsam kam Lunas matte Scheibe am dunkelblauen Himmelsdome höher. Und dann standen die Männer, auf das tiefste ergriffen, an der Leiche des Majoratsherrn von Wossin. Sie lag in einer großen Blutlache am Waldessaume, die Waffe daneben. Im Vordergrunde zog sich die niedrige Schonung bin. (Fortsetzung folgt.) a n .n S 2 21# S S 55SE #Susere# # HSSEEEg S 6 SSE GSgSs S##ES. • ∆ 6 5 8 SFDEEE ### g! ASSSESSSMSEESSSSSDESSGERGSEEGEESSERESESSGEGSESSGSESSESE SPFrgzs Die Wahrheit zu nennen— ist Spiel, Die Wahrheit erkennen— ist viel; Die Wahrheit zu lagen— ist schwer, Die Wahtheit ertragen— ist mehr. * Die Landpost. Novellette von A. Ostland. (Schluß.)(Nachdr. verboten.) „Mir fallt was ein— halt aus, Madel, sunst vergiß is wieder,“ rief Herr Bläser.„Dös is am End' derselbe„Franz“, von dem da die zwa Karten an die Lehrfräuln kummen san. Und dieser Franz hier is unser Lehrer. Na, dös is a nette G'schicht! Hiazt kummt gar da ane Liebhaber von ihr daher in unser Schul! I bin schon fast überzeugt davon, daß dös so is—“ „Weiterlesen!“ drängte die Wirtin aufgeregt. Die Kapfeder Lini las also weiter. „Nimm Dich in Acht vor den hiesigen Leuten, die sind so neugierig, daß man sich gar nicht helsen kann, weshalb ich auch diese Karte selbst auf der Bahn in Böheimtirchen ausgebe.“ „Das is aber do eine unglaubliche Person,“ schrie Herr Bläser bebend vor Empörung.„Mir san neugierig! Mir? Und da rennt sie bis Böheimkirchen, nur damit mir dös net in die Händ' kriag'n und lesen können! A so a Hamliche! Aber der wird das Handwerk g'legt, der saubern Fräuln! Les weiter!“ Die Lini konnte kaum vor Erregung. „Wenn Du da bist, wird für mich eine gute Zeit angehen—“ „Soll sich net g'freu'n!“ murmelte Herr Bläser. „Und wir werden zusammen weite Partien machen—“ Die Wirtin kugelte sich fast vor Lachen.„O mei, o mei! Partien! Sie und a fremder Lehrer! Na, na, mei Liabe! Da san a no dö Mütter da von dö Kinder! So wird's net werd'n, so net!“ Die Kapfeder Lini hatte heimlich schon fertig gelesen: „Dös Schönste kimmt erst!“ schrie sie,„paßt's auf.„Sehr leid ist mir, daß ich Deinen schönen Ausflug nicht mitmachen kann! Wie herrlich müßte es sein, mit Dir da oben in den einsamen Sennhütten! Nun, vielleicht geht es in den Herbstferien! Immer Deine Leopoldine.“ Der weibliche Teil der Zuhörerschaft war starr. Das hätten sie der„Lehrfräuln“ denn doch nicht zugetraut! Da hörte sich schon alles auf. Herr Bläser fuhr in seinen Rock. „Das muaß i dem Bürgermeister und dem Gemeinderat erzählen,“ sagte er mit unheimlicher Ruhe. „Das geht über alle Begriffe! Einsame Sennhütten! Na, das is a Feine! Aber der neue Lehrer, der muaß wieder weg! Wär ja rein a öffentliches Aergernis!“ Eben wollte er auf die Straße treten, als die Türe zu dem kleinen Extrazimmer aufgestoßen wurde. Der fremde Herr trat plötzlich heraus. Er war ein wenig blaß, trotz der Hitze, und sah sehr munter aus. In seinen Augen blitzte etwas, man konnte nicht unterscheiden, war's Mutwille oder Zorn. „Dürfte ich um meine Briefe bitten,“ sagte er und griff ohne weiteres nach dem Paket in den Händen der Bläser Toni. „Ihre Briefe?“ stammelte die Inhaberin des Ladens. „Hier ist mein Dekret, verehrtester Herr,“ fuhr der junge Mann fort.„Franz Unger, Lehrer. Das bin ich.“ Er hatte mit einer raschen Bewegung die Zeitungen und Briefe genommen. Jetzt, schon halb in der Türe, sprach er mit einer kleinen Verbeugung gegen die Damen: „Für Ihre freundlichen Absichten betreffs des Fräuleins Leopoldine Müller danke ich in deren Namen recht sehr. Sie ist nämlich meine Stiefschwester. Jener „Felix“ ist unser Bruder. Bitte, sich um das Nähere beim Herrn Pfarrer zu erkundigen, der mich gut kennt. Ich empfehle mich bestens.“ Sprachs und ging lachend die Dorfstraße hinauf, der Schule zu. Papachens Bild. Humoreske von Adolf Thiele. (Nachdruck verboten) „Nur noch diesen Pinselstrich!“, rief die junge Frau, indem sie mit sicherer Hand an dem Gemülde,#d##s vor ihr auf der Staffelei stand, herumbesserte,„nur diesen, lieber Edwin, und vollendet ist's.“ „Fertig ist die Arweet, wie der Berliner sagt,“ ergänzte der Gatte und erhob sich von seinem Lehnstuhl, um das Gemälde zu besichtigen.„Witflich ausgezeichnet!“ sagte er dann mit unverhohlener Genuginung. „Papa wird sich herzlich freuen, wenn er durch sein Bild überrascht wird. Prächtig getroffen, der alte Herr in seiner altmodischen Tracht. Das Gesicht, das kahle Haupt, alles ist ungemein lebenswahr. Und wie fein du es gemalt hast, jedes Härchen sieht man in dem grauen Schnurrbart." „Nun ist's aber genug des Lobes, lieber Edwin!" fiel die junge Frau ein. Edwin fuhr jedoch fort:„Und alles dies ganz ohne Sitzung, nur aus dem Gedächtnis—“ „Und nach der Photographie, nicht zu vergessen,“ fügte Hulda hir zu.„Sechs Monate sind's nun her, daß wir Papachen nicht gesehen haben.“ „Gewiß wird er sich freuen, dich bald wiederzusehen, und zumal, wenn er entdeckt, daß sein Schwiegertöchterchen an ihm selbst ihre Malkunst versucht hat.“ „Lieber Edwin, sag“ wann reisen wir denn eigentlich? Ich muß doch Papa von unserer Ankunft benachrichtigen.“ „Eigentlich, liebe Hulda, kann ich diese Woche noch nicht fort—“ „Dieses zeigentlich“ lasse ich nicht gelten. Mit welcher Mühe habe ich es durchgesetzt, daß du dich endlich entschließest, für eine Zeitlang auf dem Lande Erholung zu suchen. Deine Kranken können nicht verlangen, daß du selbst krank wirst. Ich werde Papa schreiben, daß wir in drei Tagen bei ihm eintreffen.“ „Nun gut, ich füge mich aus Respekt vor einer so hervorragenden Künstlerin. Aber das Bild—“ „Nun, das Bild schicke ich voraus, bitte jedoch Papachen, die Kiste durchaus nicht vor unserer Ankunft öffnen zu lassen, da sie eine kleine Ueberraschung enthielte.“ „Schön, mein Schatz! Nun habe ich aber keinen Augenblick mehr zu verlieren.“ Und damit eilte der vielbeschäftigte junge Arzt wieder zu seinen Patienten. ** Wirklich, sie hatte es durchgesetzt, die kleine Frau: drei Tage später stieg das junge Paar bei der weltverlassenen Station aus, die dem Gute„Papachens“ am nächsten lag. „Papachen“ hatte es sich nicht nehmen lassen, seine Kinder abzuholen; er stand auf dem Perron, in den Mantel gehüllt, ein Bukett in der Hand, und begrüßte die Ankommenden aufs freundlichste. Aber— eigentümlich— die junge Frau war trotzdem etwas bänglich— verlegen, ebenso wußte Edwin nicht recht, was er sagen sollte, und auch des Vaters herzliche Worte klangen ein wenig gezwungen. Nachdem man den Wagen bestiegen, machte man einige Versuche zu plaudern; doch war es schließlich nur