Die„Schwerter Zettung" erschein“ säglich außer F iertag:. Bezugspreis monatlich 16.— M., bei der Po' 14— M., ohre Bestellgeld. Anzeigenpreise Die 1 mm hohe. 35 mm dreite Jei 80 pf„auswärks 1. M. Bei Wiederho ungen entsprechendn Nachlaß II. Tarif. Jeder Radatt gilt als Kassenrabatt und erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen, gerichtlichen Klagen u. Nichtbeachler de genochten Jhlungsbedinoun en. Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oolkszeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblatt Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Holzwickeder Zeitung Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. nenten für jeden mit Tod endenden Unfall gemäß ren Vr. 500 Mark Unfall. dagmger Druck u. Verlag v. Carl Braus. Schwerte(Ruhr) Fernsprech- Anschluß Nummer 62. Telegramm=Adresse: Braus, Schwerte(Tuhr). Postscheckk.: Dortmund 2852, Hannover 21874. Nr. 16 Donnerstag, 19. Januar 1922 55. Jahrgang Der Reichstag. Wenn der deutsche Reichstag jetzt wieder zusammentritt, wird er sich natürlich zunächst über die seit Carnes geschaffene Lage aussprechen. Die von der Reparationskommission beschlossenen Dekadenzahlungen und das Moratorium für einen Teil der fälligen Raten sind bekanntlich nur ein Provisorium. Nach der Erklärung unserer Zahlungsunfähigkeit für die am 15. Januar fälligen 500 Millionen Goldmark ist, um einen drastischen Ausdruck zu gebrauchen, der Himmel über Deutschland nicht eingefallen, und es wird nicht an Stimmen fehlen, die meinen, wir brauchten uns nicht aufzuregen, denn es würde auch in Zukunft trotz Poincaree besser gehen, als andere denken. Vielleicht haben wir Glück infolge von Ereignissen, die heute noch nicht zu übersehen sind. Frieden wollen und müssen wir halten, Pflichten wollen wir erfüllen, soweit es möglich ist. Aber wir müssen auch erneut ein Veto gegen Unrecht und Mutwilligkeit einlegen. Schon wieder ist der ungeheuerliche Antrag auf Auslieferung der sogenannten deutschen Kriegsschuldigen gestellt worden, aber wir dürfen die Möglichkeit nicht heraufdämmern lassen, daß er Tatsache werden könnte. Poincare hat auch gefordert, daß zu dem geplanten französisch=englischen Allianzvertrag von Paris aus der Zusatz beantragt werden soll, daß auch„ein deutscher Angriff gegen Polen“ als ein Kriegsgrund der Entente gegen uns betrachtet werden soll. Es bedarf keines Wortes weiter, daß wir dann in beständiger Aussicht auf einen Krieg von zwei Seiten stehen würden. Einen„deutschen Angriffskrieg gegen Polen“ zu konstruieren, ist für die in Warschau und in Paris, die ihn haben wollen, und es gibt zweifellos solche Leute, kein Kunststück. Keiner langen Auseinandersetzungen bedarf es auch, um Deutschluds finanzielle Lage gegenüber den drohenden Ententeforderungen der Finanz= kontrolle und der Beschränkung des Notenumlaufes klar zu stellen. Wie die Zahlungsfähigkeit an die Entente hat auch die Steuerleistung an die Reichskasse ihre Grenze. Das ganze minderwertige Papiergeld könnte zum Kuckuck gehen, aber auch hier heißt es, erst sauberes Wasser haben bevor man unsauberes fortgießt. Die Papiergeldeinschränkung kann erst eintreten, wenn an Stelle des Provisoriums eine definitive, die Tatsachen berücksichtigende Revision der Ententeforderungen durchgeführt worden ist. Ein bekannter englischer Volkswirt hat kürzlich als angemessene deutsche Reparationsschuld 21 Goldmilliarden berechnet, die mit 6 Prozent zu verzinsen und in 30 Jahren zu tilgen sind. Muten wir uns nicht mehr zu, als selbst ein Brite berechnet. sen Tag init Freuden im Kalender rot anstreichen. Es ist gut, daß wir nicht zu befürchten brauchen, es werde von uns her Frankreich diese Chance gegeben werden. Andererseits ist es indessen auch wieder natürlich, daß man in Deutschland mit einiger Spannung auf die weitere Entwickelung des Verhältnisses zwischen England und Frankreich blickt. Wie sie laufen wird, könnte auch der wetseste Mann heute noch nicht sagen. Aber die große Frage, nicht im Interesse Deutschlands, sondern Europas und der Welt ist und bleibt trotzdem, ob die englische Politik auf dem von ihr in der Reparationsfrage eingeschlagenen Wege verharrt oder sich von ihm albdrängen läßt. Man hat bedauerlicherweise nichts davon vernommen, wie die von der Oeffentlichkeit der Welt ziemlich nebenbei behandelt und doch im Grunde alles entscheidende erste Konferenz zwischen Lloyd George und Poincaree verlaufen ist. Vorher hatte Lloyd George englischen Pressevertretern gegenüber erklärt, er kenne die Politik Poincarees nur aus seinen Zeitungsaufsätzen, aber wenn er wirklich eine solche Politik auch jetzt als Ministerpräsident betreiben sollte, dann würde das von den schwerstwiegenden Folgen begleitet sein. Es ist also auch anzunehmen, daß der englische Ministerpräsident sich bei der Begegnung mit Poincaree in diesem Sinne ausgesprochen hat. Was hat aber Poincaree darauf geantwortet? Wollte man nach der englischen Presse urteilen, dann wäre der Verlauf der Unterredung nichts weniger als freundlich gewesen und dann wäre der von Lloyd George angedeutete Gegensatz zwischen ihm und dem auf seiner bisherigen publizistisch vertretenden Politik verharrendem Poincaree wahrlich nicht gemildert worden. Man könnte weiter anführen, daß auch eine sprechung zwischen Lord Curzon und dem neuen Mann in Frankreich anscheinend keine Verständigung zur Folge gehabt hat. Lloyd George hatte das Reparationsproblem zur Erörterung gestellt und Lord Curzon wahrscheinlich das des nahen Ostens. Er hat mit Poincarec ausgemacht, daß man sich zunächst durch Notenaustausch weiter besprechen wolle und das dürfte in der Tat darauf hindenten, daß ein Einvernehmen nicht zu erreichen war. Von großem Interesse wird die Abstimimung sein, die am Donnerstag in der französischen Kammer über das Programm Poincarecs vorgmommen werden wird, denn dann wird man. sehen, welche Mehr heit das Kabinett Poincaree für eine nationalistische Politik fand. Die vorhin aufgeworfene große Frage wird allerdings dadurch nicht beantwortet, aber man wird dann wissen, ob diese Antwort mit oder gegen Frankreich gesucht werden muß. Die große Frage. Wir in Deutschland müssen uns in diesen Tagen immer vor Augen halten, daß unser einziges Interesse an dem Aufkommen des Poincarismus zur Macht in Frankreich einzig und allein die Bekundung äußerster Zurückhaltung darstellt. Die deutsche Presse sollte niemals vergessen, daß man in Frankreich gerade jetzt wieder mit lebhaftester Spannung über die deutsche Grenze blickt, um aus unbedachten Aeußerungen Kapital zugunsten des neuen Regimes in Frankreich zu schlagen. Keine Methode der geistigen Kriegführung hat bekanntlich so große Erfolge zugunsten der Entente erbracht, wie die Ausmünzung törichter alldeutscher Wortexesse und weil man in Frankreich diesmal das unbestimmte Gefühl hat, mit der Berufung des Herrn Raymond Poincaree auf den Platz des Ministerpräsidenten keinen einwandsfrei vorteilhaften Schritt getan zu haben, wird man dort den innigeren Wunsch hegen, das einst erprobte Mittel von neuem anzuwenden. Wenn Havas in die englische Presse lanzieren kann, daß man in Deutschland darauf hoffe, England werde gegenüber dem poincaristischen Frankreich die Geschäfte Laitschlands führen, so würde man in Paris dieReichsparteitag Der Vorsitzende Dr. Porsch eröffnete die dritte Sitzung des Zentrumsparteitages am DienstagVormittag um 9¼ Uhr. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Reichstagsabgeordneten Marx über die Ziele der Zentrumspartei. Das Zentrum ist gegründet worden in erster Linie als eine christliche Partei. Mag auch der moderne Staat sich bewußt vom Christentum der Christenwelt abwanden, das Zentrum wird unerschütterlich an der Ueberzeugung festhalten, daß ein Staatswesen seine Aufgaben nicht vollkommen erfüllen kann, ohne seine Gesetzgebung mit den Grundsätzen des Christentums in Einklang zu bringen. Ob Monarchie oder Republik: beide Staatsformen sind mit der christlichen Auffassung vom Wesen des Staates durchaus vereinbar. Es wird nicht gefordert, daß diejenigen, die in der Monarchie die bessere Staatsform erblicken, ihre Meinung aufgeben. Nur das eine muß mit Entschiedenheit gefordert werden, daß jeder christliche Staatsbürger an der ordnungsgemäß zustandegekommenen Verfassung festhält. Unser zu Boden geschlagenes Volk und Vaterland wieder aufzurichten und neue Kräfte einzuflößen, dazu bedarf es der Mitwirkung und der Hilfe eines jeden. Der Redner schließt seine Ausführungen unter lebhaftem Beifall mit den Worten: Solange die Partei ihrem unverrückbaren großen Leitstern: Freiheit und Recht, folge, werde sie bestehen bleiben über alle Schwierigkeiten und Kämpfe der Gegenwart hinaus. In der Schlußsitzung des Zentrumsparteitages hielt Reichskanzler Dr. Wirth am Dienstag eine Rede, in der er zu den außen= und innenpolttischen Fragen Stellung nahm. In seinem Schlußwort stellte der Präsident Dr. Porsch fest, daß die Partei geschlossen hinter der Politik des Reichskanzlers stehe. * Das Programm des Zentrums. Die neuen Richtlinien auf dem Parteitag. Der zur Zeit in Berlin tagende Reichsparteitag des Zentrums beschäftigte sich in mehreren Sitzungen mit dem neuen Programm, dessen Neufassung auf dem vorjährigen Parteitag beschlossen wurde. In vertraulicher Sitzung berichtete Redakteur Ritter(München=Gladbach) über die Grundzüge dieses neuen Programms. Christliches Prinzip und deutsche Volksgemeinschaft. Als leitende Ideen der Partei werden in diesen Richtlinien die folgenden festgelegt: Das Zentrum ist eine Gesinnungsgemeinschaft auf positiv christlicher Grundlage. Die Ecksteine sind Bekenntnis zum christlichen Prinzip und bewußte Zugehörigkeit zur deutschen Volksgemeinschaft. Die Zentrumspartei ist entschlossen, die Arbeit für nationale Erneuerung, für Wiedergewinnung innerer Kraft und äußerer Freiheit nur in Uebereinstimmung mit den sittlichen Grundsätzen des Christentums zu leisten, zum Unterschied von anderen Parteien, die für das Privatleben das Christentum gelten lassen, die„hohe Politik“ aber von den Fesseln der„privaten Moral befreit wissen wollen. Die Zentrumspartei lehnt den„nationalistischen Egoismus“, den„brutalen" Machtgedanken ab, sie hält an der tief christlichen Idee der friedlichen Völierfamilie fest, die den Triumph des Rechtes über die bloße Macht vorausgesetzt. Für Reichseinheit, gegen Zentralismus. Die innerpolitischen Richtlinien betonen Achtung der Staatsform und der Staatsordnung, wenn sie auch nicht den eigenen Idealen entsprechen. Nur eine Grenze der Staatsgewalt muß das Zentrum festhalten: das natürliche Recht und das göttliche Gesetz. Die Reichseinheit ist nach fester Zentrumstradition die wichtigste Vorbedingung für die staatliche Lebenskraft unseres Volkes. Ebenso traditionell ist die Ablehnung der zentralistischen Tendenz, die schonende Rücksicht auf das Eigenleben der Völker. Sozialpolitische Aufgaben. Unter den sozialistischen Richtlinien werden hevorgehoben das Prinzip der Steigerung der Produktion und eine besondere Rolle spielt in den Richtlinien die Hervorhebung der sozialwirtschaftlichen Gesichtspunkte und der Grundsatz: Die Zentrumspartei will„Gefahren einer Uebermacht des Kapitals weitschauend vorbeugen“, sie ist bestrebt„die Zahl der Eigentümer ständig zu mehren“, sie hält„eine große Anzahl leistungsfähiger Eigenbetriebe für eine volkswirtschaftliche und staatspolitische Notwendigkeit", sie fördert den Mittelstand aus sozialem Mitgefühl und um des gesunden gesellschaftlichen Aufbaues willen. Positiv=christliche Kulturpolitik. Als Krönung des grundsätzlichen Teiles der Richtlinien sind die kulturpolitischen Abschnitte gedacht, wobei die bekannten Gesichtspunkte der Partei im Vordergrund stehen und eigens betont wird: Die Zentrumspartei kann sich auf die Dauer nicht damit begnügen, für die Anhänger der posstiv=christlichen Weltanschauung das bloße Existenzrecht innerhalb des deutschen Kulturkreises zu erringen. Vielmehr werden folgende wichtigsten kulturpolitischei Aufgaben verzeichnet: Schutz der christlichen Kulturüberlieferung, der Religion, Kirche. Sittlichkeit und christlichen Familie, wobei die Toleranz aber als unverbrüchliche Regel des bürgerlichen Zusammenlebens hochgehalten werden soll. Diese Richtlinien will die Partei nicht erst bis ein Wahlkampf kommt, sondern sofort im Lande propagieren. Sie wurden im Anschluß an das Referat einstimmig genehmigt. Die Finanzlage Preußens. Im Hauptausschuß des Preußischen Landtages gab der preußische Finanzminister Dr. von Richter einen Ueberblick über die allgemeine Finanzlage Preußens. Die preußischen Finanzen seien ebenso wie die jedes Reiches von Faktoren abhängig, auf die man immer nur einen geringen Einfluß habe; zum Beispiel wie die außenpolitische Lage. Der katastrophale Sturz der Mark sei eine Folge der außenpolitischen Lage. Preußen ist jetzt in ganz anderer Weise vom Reiche abhängig geworden als früher. Wie man auch zu dem Gedanken des Einheitsstaates stehen möge, so sei doch kein Zweifel daran, daß weite Kreise unseres Volles keinen Einheitsstaat wollen. Die einzige Struktur des Reiches führe dahin, daß sich das Reich vielfach auf eine Rolle des Anordnenden beschränkt und die Kosten der Ausführung dieser Anordnungen den Ländern überläßt. Das sei auf die Dauer nicht möglich. Die Länder müßten wirtschaftlich so gestellt werden, daß sie auf eigenen Füßen stehen können. Im Haushaltsentwurf für 1922 sind die Anteile an der Einkommensteuer, der Körperschaftssteuer und der Umsatzsteuer entsprechend der Veranlagung im Reichshaushaltsplan für 1922, die ein Gesamtaufkommen von 23 Milliarden Mark an Einkommensteuer, 4 Milliarden Mark an Körperschaftssteuer und 23,5 Milliarden Mark am Umsatzsteuer annimmt, angesetzt, gegen 2830 Millionen Mark im Haushalt für 1921, also mehr 3971 Millionen Mark. Dieser Aufbesserung steht aber gegenüber die Verschlechterung von 46 Millionen Mark bei den Bezirksverwaltungen und 2670 Millionen Mark bei den übrigen Staatsverwaltungen. Von den bei den Steuern mehr zur Verfügung stehenden 3971 Millionen Mark sind auf diese 2 760.000 Mark aufgeführt. Der Rest von rund 13 Milliarden Mark und eine andere Verbesserung im Haushalt der Steuern und Abgaben, insbesondere auch die Abgaben zur Förderung des Wohnungsbaues reichen aber nur dazu aus, den Fehlbetrag im Haushaltsplan für 1921 von 2,4 Milliarden Mark bis auf einen Betrag von 948 Millionen Mark auszugleichen. Für diesen Betrag soll die Deckung durch die Steuer vom Grundvermögen beschafft werden. 5 Die Not der deutschen Zeitungen. WTB. Berlin, 17. Januar. Die immer unerträglicher werdende Not der deutschen Zeitungen hatte am Montag und Dienstag dieser Woche Vertreter der deutschen Verlegerschaft aus allen Teilen des Reiches zu ernsten und schwerwiegenden Beratungen in Potsdam zusammengeführt. Die Versammlung nahm einstimmig folgende Entschließung an: Die Vorstands= und Delegiertensitzung der aus allen Teilen des Reiches zahlreich zusammengekommenen Vertreter des Vereins deutscher Zeitungsverleger(Herausgeber deutscher Tageszeitungen) fühlt sich, gedrängt von der Schwere der auf ihr lastenden Verantwortlichkeit für die Erhaltung der deutschen politischen Tagespresse verpflichtet, auf die Gefahr hinzuweisen, von denen die deutsche Presse bedroht ist. Die Mittel und Kräfte privater und anderer Organisationen sind in den zermürbenden Verhältnissen der Nachkriegszeit völlig erschöpft worden. Mehr denn je ist es Pflicht des Reiches, der Länder und ihrer berufenen Führer und Staatsmänner, für die Erhaltung der deutschen politischen Tageszeitungen als die vornehmsten Mittel zur Wahrung unserer Einigkeit und zum Wiederaufbau unseres Volkes und Staates einzutreten. Die traurigen Folgen der Entwickelung der nächsten Monate zeigen sich in der bedrohlichen Form auf dem Gebiete der Versorgung mit Zeitungsdruckpapier. Psch Ein sofortiges Eingreifen der öffentlichen Hand ist erforderlich, um eine erträgliche Preisbemessung, ausreichende Erzeugung und Verteilung zu gewährleisten. Hierzu erscheint geeignet: 1. Die sofortige und gänzliche Sperre der Ausfuhr von Zellstoff, bis die ausreichende Belieserung der Druckpapierfabriken im Inlande zu angemessenen Preisen durchgeführt ist. 2. Die Sperre der Ausfuhr sämtlicher Papierarten mit Ausnahme des Luxuspapieres, bis die Zeitungen und das Buchdruckgewerbe im Inlande genügend mit Papier versehen sind. 3. Maßnahmen, die geeignet sind, eine Umgehung der eine Papierausfuhr regelnden Bestimmungen zu verhindern. 4. Maßnahmen der Regierungen von Reich und Ländern zur Senkung der Preise für Papierholz, soweit es für die Herstellung und den Bedarf der deutschen Tageszeitungen erforderlich tst. 5. Befreiung der für die Druckpapiererzeugung in den wichtigsten Herstellungsgebieten unentbehrlichen und bereits im Ursprungsland hoch besteuerten böhmischen Braunkohle von der deutschen Kohlensteuer. 6. Maßnahmen zur besseren und beschleunigten Wagengestellung für die Beförderung von Zeitungsdruckpapier, der zu seiner Herstellung erforderlichen Rohstoffe. 7. Versetzung des maschinenglatten Druckpa== pieres in die Tarifklasse B des Eisenbahngütertarifes, wie es im Reichstage bereits zweimal in Entschließungen gefordert wurde. 8. Unbedingt ist außerdem die Beseitigung der ungerechten und durch nichts zu rechtfertigenden Sonderbesteuerung des Umsatzes der Zeitungsanzeigen im Umsatzsteuergesetz. 9. Unterlassung jeder weiteren Belastung der Presse durch behördliche oder gesetzgeberische Maßnahmen, insbesondere einer Erhöhung der Postzeitungsgebühren. Die lehrbachen Beweise starken Verantwortlichkeitsgefühls und tiefer Einsicht in die Lage und Gefahren für die deutsche Volksgemeinschaft, die von namhaften Vertletern der deutschen Regierung und von Parlamentariern gegeben worden sind, berechtigen den Verein deutscher Zeitungsverleger(Herausgeber deutscher Tageszeitungen) und seine Kreisvereine zu der Hoffnung und der bestimmten Erwartung, daß an Hand der Vorschläge und ähnlicher Maßnahmen dem Niedergange der deutschen politischen Tagespresse, der sich bereits in vielen Fällen erschreckend deutlich gezeigt hat, doch noch in letzter Stunde Einhalt getan wird. Stadt und Land. Schwerte, den 19. Januar. ** Zugzusammenstoß. Amtlich wird uns mitgeteilt: Heute vormittag gegen 6 Uhr fuhr ein in langsamer Gangart befindlicher Materialzug auf einen in der Ausfahrt des Bahnhofes Schwerte liegen gebliebenen Personenzug schwach auf. Die technischen Einrichtungen waren durch den herrschenden Frost in der Beweglichkeit beeinträchtigt. Personen wurden nicht verletzt. Der Material= schaden ist unerheblich, eine Untersuchung bereits eingeleitet. ** Volkshochschule. Der Lehrgang:„Weltanschauungsprobleme“ von Studienrat Frieber fällt am Freitag dieser Woche wegen des Lautenabends aus.— Am Freitag, abends 8 Uhr, findet im Ostermannschen Saale(Specht) der bereits angekündigte Lautenabend des Herrn Kammersängers Dr. Schall=Berlin statt. Eintritt für Mitglieder 2 Mark, sonst 3 Mark. Karten sind an der Abendkasse zu haben.— Bei dieser Ge legenheit wird daran erinnert, daß es angebracht ist, sich Mitgliedskarten zum Preise von 3 Mark zu kaufen. Diese Mitgliedskarten gewähren den Vorteil von Vorzugspreisen bei Sonderveranstaltungen der Volkshochschule. Hörerkarten sind keine Mitgliedskarten. Lautenabend. Seitdem vor allem durch den Wandervogel die Zupfgeige eines der beliebtesten Instrumente der Hausmusik geworden ist, ist aus dem Zupfen die hohe Kunst des Lautenspiels wieder erstanden. Ihre Verkünder durchziehen die Lande und Namen wie Robert Kothe, Liselot und Konrad Berger, Elsa Laura v. Wolzogen und Dr. Heinz Schall sind überall wohlvekannt. Besonders letzterer, der Kammersänger Dr. Heinz Schall=Berlin, hat im Laufe der letzten Jahre einen Kreis von Freunden sich erworben durch seine außerordentliche Meisterung der Laute, der einchörigen, sowie der selteneren mehrchörigen. Dazu kommt der Wohllaut der Stimme, eine feine Vortragskunst und eine geschickte Aufstellung des Programms— wundervolle Minnelieder, echte Volksdichtungen— lustige Weisen ziehen im bunten Reigen an uns vorüber. — Eine Vortragsreise wird Dr. Schall in den nächsten Tagen auch zu uns führen. Im Rahmen der Volkshochschule wird er nach einigen erklärenden Worten über die Entwickelung des Volksliedes und des volkstümlichen Kunstgesanges jung und alt durch seine Weisen erfreuen.— ** Eisenbahnbauten. Wohl selten ist eine Gegend mit so großen Eisenbahnbauten und Umbauten bedacht worden, wie die hiesige. Mit dem großen Erweiterungsbau des hiesigen Bahnhofs begannen die Arbeiten. Diesem folgte die Legung eines 3. und 4. Gleises nach Hagen. Die Eisenbahnstrecke Iserlohn—Schwerte, über deren Linienführung man sich jahrelang gestritten hatte. wurde dann gebaut und im Anschluß daran die Strecke Dortmund—Hörde—Schwerte mit der Umgehungsbahn für Güterzüge auf die Arnsberger Strecke. Jahrelange Arbeit erforderte die Anlage des Güterbahnhofes im nahen Geiseke, eines der größten Güterbahnhöfe des Westens. Als äußerst wichtige Anlage ist die im Bau befindliche große Eisenbahnwerkstätte zu nennen, die östlich der Stadt zwischen hier und Geiseke errichtet wird. In den letzten beiden Jahren hat das Gelände ein vollständig verändertes Aussehen erhalten; eine breite Straße mußte sogar verlegt werden. Die beiden wichtigsten Gebäude, die große 200 Meter lange und 80 Meter breite Lokomotivhalle und die ebenso große Kesselschmiede, sind im abgelaufenen Jahre errichtet worden. Mehr als 50 neue Beamten= und Arbeiterwohnungen sind fertiggestellt und zum Teil bezogen. Weiter wurden im letzten Jahre das Verwaltungsgebäude, das Badeanstalts= und Speiseanstaltsgebäude errichtet. Das bebaute und noch zu bebauende Gelände hat eine Länge von einem Kilometer und eine Tiefe von weit über 100 Meter. Die ganzen Bauarbeiten werden noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Erfordern doch die Anlagen trotz der erheblichen Einschränkung die enorme Summe von fast 200 Millionen Mark und es sind bis heute erst rund 100 Millionen Mark verausgabt. Bei der weiteren Steigerung der Materialpreise und der Löhne wird man auch mit 200 Millionen Mark nicht auskommen. Die Betriebsanlagen sollen so groß ausgebaut werden, daß rund 2000 Beamte und Arbeiter beschäftigt werden können. Hierzu ist allerdings noch der Bau von mehreren hundert Wohnungen erforderlich. Die Bedeutung der Zeitungs=Anzeige. In einem in der Universität Köln gehaltenen Vortrag schilderte der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Reklamefachleute, Georg Wagner, eingehend jede Art der Reklame, kam dabei aber immer wieder zu dem Schlusse, daß die gute Zeitungsanzeige das beste und sirherste Reklamemittel ist. Während die Schwester der Zeitungsanzeige, das Plakat, nur zu einem Zufalls=Leserkreis sprechen könne, dringe die Zeitungsanzeige zu einer ganz bestimmten Leserschaft, wobei man noch als sicher behaupten könne, daß die Zahl der Leser mindestens viermal so hoch sei, als die Auflage einer Zeitung. Dadurch ergibt sich die Tatsache, daß die besonders stark verbreitete Tageszeitung einer Stadt nahezu der Gesamteinwohnerschaft zu Gesicht kommt. Kein anderes Reklamemittel könne diese Gewähr übernehmen oder mit der Zeitungsanzeige der stark verbreiteten Tageszeitung in Wettbwerb treten. Wenn der Vortragende weiter ausführte, daß ein knappes Inserieren leicht verpuffe, und daß nur fortgesetzte Veröffentlichungen von gut abgefaßten Anzeigen in einer stark verbreiteten Zeitung zum Ziele erfolgreich führe, so hat er damit dem erfahrenen und erfolgreichen Geschäftsmann nichts Neues gesagt. Aber auch dem Verbraucher wurde durch die Wieedrgabe bekannter Reklameanzeigen gezeigt, wie ihm Geschäftsbezeichnungen, Warenbenennungen oder besondere Firmeneigenheiten geläufig geworden sind, lediglich durch suggestive Wirkung von guten Zeitungsanzeigen. Für die schwierige Frage, wie die gute Anzeige aussehen soll, gab der Vortragende die von Praktikern sicher auch schon längst selbst gefundene Antwort: Nicht zu viel Text. knappe, aber klare Angaben. ** Der Zentralverband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener und seine Arbeit für die unterernährten Kinder seiner Mitglieder. Wie wir hören, legt der Zentralverband ein besonderes Gewicht auf die Unterbringung von Kranken u. unterernährten Kindern seiner Mitglieder auf dem Lande. Es ist bekannt, daß den meisten Kindern nur gesunde Luft, Milch und gutes Essen fehlt. Jeden Winter und im Frühjahr bearbeitet der Zentralverband systematisch durch das ganze deutsche Reich das platte Land, um Kinder bei den Landwirten unterzubringen. Tausende von Kindern wurden im letzten Sommer auf diese Weise für Monate unentgeltlich untergebracht. In der Provinz Westfalen ist diese Arbeit von besonders gutem Erfolge gewesen. Aus einigen Ortsgruppen kommen die Kinder zum Teil neu ausgerüstet an Kleidung wieder zurück. Dem Zentralverband ist es in Westfalen gelungen, sämtliche Plätze des letzten Sommers auch für das nächste Jahr festzuhalten. Möchten alle Kriegsopfer endlich erkennen, daß nicht mit Phrasen und Schlagworten geholfen werden kann, sondern nur durch praktische Arbeit, die der Zentralverband mehr wie alle anderen Verbände leistet. ** Drucksachen und Geschäftspapiere. Zur seitigung von Irrtümern wird darauf hingewiesen, daß Berichtigungsbogen(also zum Beispiel Bürstenabzüge), denen die Urschrift(das Manuskript) beigefügt ist, von jeher der Drucksachengebühr unterliegen. Hierbei ist es zulässig, in den Bogen Aenderungen und Zusätze zu machen, die die Berichtigung, die Form und den Druck betreffen und solche Zusätze auch auf besonderen Zetteln anzubringen. Gegen Wohnungswucher bei Untervermietungen. Im Wohlfahrtsministerium ist laut „K. V.“, ein Gesetzentwurf in Vorbereitung, der den Wohnungswucher bei Untervermietungen, die bis jetzt durch keine der bestehenden Vorschriften beschränkt werden konnten, bekämpft. ** Nach Angabe der Kohlenhandelsgesellschaft Mark sind für die Kraftwerke größere Mengen Ruhrkohlen auf den Weg gebracht. Die im Dezember beschafften 1237 Tonnen englische Kohlen sind restlos verfeuert. Mit der Anlieferung der in diesem Monat bestellten 2200 Tonnen englische Kohlen wird in den nächsten Tagen begonnen. Eine augenblickliche Gefahr der Stillegung besteht trotz der geringen Lagerbestände nicht. ** Der Kaffee ist heute ziemlich teuer, aber noch immer billiger, als er eigentlich sein müßte, denn allein der Zoll für ein Pfund rohen Kaffee beträgt heute 26 Mark, für gerösteten Kaffee 32 Mark. Der Kaffee ist zudem reiner Valuta=Artikel geworden. Daß der Preis noch nicht eine entsprechende Höhe erklommen hat, liegt daran, daß große Vorräte von billiger Ware in Deutschland eingekauft und eingelagert worden sind, woraus der Verbraucher seinen Nutzen zieht. Sehr weite Volkskreise haben aber schon seit dem Kriege dem echten Bohnenkaffee entsagt und sich mit Ersatzkaffee so befreundet, daß sie bei diesem auch blieben, als die Bohnen wieder in unbeschränkter Menge zu haben waren. Es wird jetzt besonders Gersten=, Malz= und Zichorienkaffee getrunken, morgens wird auch oft die alte Suppe wieder verzehrt, die gleich einen guten Grund im Magen legt und einen Teil des Frühstücks ersparen hilft. Die Kaffeekränzchen haben unter den Preisen nicht gelitten, haben sich im Gegenteil mehr ausgedehnt. Die Zeiten sind noch immer hart, das Mitteilsamkeitsbedürfnis also groß, und es ist mehr Zeit da, als im Kriege. ** J u b i l ä u m d e s w e s t f ä l i s c h e n K r i e g e r v e r bandes. Der westfälische Provinzial=Kriegerverband kann in diesem Jahre auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken.: Anfänglich bestand die Absicht, die diesjährige Abgeordnetentagung in Paderborn abzuhalten. Im Hinblick darauf aber, daß Bielefeld an der Gründung des Verbandes in hervorragendem Maße beteiligt war, hat man sich jetzt entschlossen, den diesjährigen JubiläumsAbgeordnetentag in den Mauern der Stadt Bielefeld abzuhalten. Die Jubiläumstagung wird etwa 14 Tage nach Pfingsten in Bielefeld auf dem Johannisberg stattfinden. Zu dem Abgeordnetentag des westfälischen Provinzial=Kriegerverbandes werden etwa 300 Vertreter aus allen Teilen der Provinz Westfalen erwartet. ** 11 Uhr Polizeistunde ab 1. Februar. Nachdem seit einigen Monaten die 12=Uhr=Polizeistunde(Samstags bis 1 Uhr) eingeführt worden war, verordnet jetzt der Oberpräsident von Westfalen für den Umfang der Provinz mit Zustimmung des Provinzialrates folgendes: Die Polizeistunde wird: 1. für Kaffees, Gast=, Speiseund Schankwirtschaften in Städten auf 11 Uhr, in Landgemeinden auf 10 Uhr abends; 2. für Theatervorstellungen und alle Darbietungen, die bei gewerbsmäßiger Veranstaltung einer Erlaubnis aus Paragraph 33a der Gewerbeordnung bedürfen, sowie für alle Lichtspielvorführungen auf 11 Uhr abends festgesetzt; 3. Vergnügungsparks, sogen. Rummelplätze, sind spätestens eine Viertelstunde nach Sonnenuntergang zu schließen. — Die Ortspolizeibehörden sind befugt, die Polizeistunde sowohl für einzelne Fälle und Betriebe als auch im allgemeinen nach Maßgabe der örtlichen Bedürfnisse auf eine spätere oder, sofern es mit Rücksicht auf besondere Verhältnisse zur Martin Salander. Roman von Gottfried Keller. 2)„Nachdruck verboten). Die Modistin, welche ihr den Hut inzwischen abgenommen, versetzte bescheiden schnippisch, es sei gut, daß die Bänder nicht schon weiß gewesen, sonst würden sie von den nassen Händen der Frau bereits verdorben sein, und es frage sich, ob diese befleckten, braunen, sauber herzustellen seien. Sie wollte sehen, was die Meisterin dazu sage. Hiermit legte sie den Hut wieder in die Schachtel, in der sie ihn hergetragen, und begab sich verdrießlich hinweg, indessen die Waschfrau ihr nachrief, sie solle nur machen, daß sie den Hut bis nächsten Sonntag erhalte, denn sie wolle damit zur Kirche gehen. Dann sah sie endlich nach ihren Buben Julian und Isidor, welche zu schreien nicht aufhörten, obgleich der fremde Knabe sich an seinen Standort zurückgezogen hatte. „Was ist denn mit euch? Wer tut euch was?“ rief sie, worauf jene schrien:„Der dort will uns unter dem Volke die Eltern noch Vater und Mutter genannt werden, und er tat diese Frageg mit anständiger Wißbegier, ohne Spott, gewärtig, schon wieder etwas Neues, vielleicht Günstiges und Rühmliches zu erfahren. Die Frau aber sah ihn groß an, besann sich ein wenig, bis sie zu erkennen glaubte, daß es sich um einen unvorhergesehenen unbefugten Angriff handle, und erwiderte alsdann mit geschärfter Betonung: „Wir sind hier nicht Volk, wir sind Leute, die alle das gleiche Recht haben, emporzukommen! Und alle sind ggleich vornehm! Und für meine Kinder bin ich die Mama, damit sie sich nicht vor dem Herrenvolk zu schämen brauchen und einst aufrechten Hauptes durch die Welt gehen dürfen! Jede rechte Mutter hat die Pflicht, dafür zu sorgen, weil es Zeit ist!" „Was machst du denn für einen Lärm, Frau?“ sagte der hinzugekommene Mann derselben; er setzte einen großen Korb voll gelber Rübchen neben den Brunnen nieder, indem er beifügte:„Da ist Gemüse zu waschen! Ich will gleich das Beet ungraben und wieder ansäen; die Buben können hauen!“ Nun aber mischte sich der stets aufmerksame Wandersmann in den Handel und belehrte die Frau, die beiden Jungen hätten den andern zuerst mit Wasser begossen und ihn ausgelacht, weil er nur eine Mutter und keine Mama besitze. „Das ist nicht schön von euch!“ sagte die Frau mit wilder Zurechtweisung zu ihren Sprößlingen; „er ist nicht schuld, wenn er arme oder ungebildete Eltern hat, und ihr könnt Gott danken daß es euch besser geht!" Der mit der Reisetasche konnte sich nicht enthalten, zu fragen, ob es denn hierzulande ein Zeichen von Armut oder Verwahrlosung sei, wenn das Zeug abspülen! Damit sie das Wasser im Tiog nicht verunreinigen, gib ihnen einen Zuber. Frau, und achte doch darauf, daß dem Vieh das Trinkwasser nicht immer getrübt wird von den Kindern!" Hierdurch schien die wackere Frau, in Gegenwart des Fremden, noch gereizter zu werden. Die Knaben seien jetzt ordentlich angezogen und sollen sich nicht schon wieder versauen! Sie wolle die Rübchen nachher schon abspülen, wozu noch alle Zeit sei, denn sie wü don erst am nächsten Morgen geholt. Und die Zwillinge riefen ihrerseits:„Vater, die Mama sagt, wir dürfen uns nicht versauen! Was sollen wir nun tun? Können wir laufen, wo wir wollen?“ Ohne die Antwort abzuwarten, sprangen sie mit den anderen Kindern davon; der Fremde aber, statt ihrem Beispiel zu folgen, blieb immer noch stehen, in Nachdenken verloren über die neue Tatsache, daß der Mann der Mama doch ein einfacher Vater sei vor seinen Kindern, dabei freilich auch nicht so viel zu gelten schien, wie jene. In diesen Gedanken unterbrach ihn der Landwirt oder Gemüsegärtner und fragte:„Und was ist's mit dem Herrn hier, was wünscht er?“ Er wird wohl nichts zu wünschen haben!" rief die Frau dazwischen;„er hat uns bloß Volk genannt und sich verwundert, wieso die Buben mir Mama rufen sollen!" „Das war nicht so gemeint!“ sagte der Fremde lächelnd,„ich habe mich ja im Gegenteil über die Verfeinerung der Sitte hierzulande gefreut, über die zunehmende Gleichheit der Bürger; gewahre nun aber doch, daß das Familienhaupt noch Vater genannt wird und nicht Papa! Wie darf ich mir nun das wieder erklären? Die Frau blickte äugerlich auf ihren Mann, der ihr in diesem Punkte genugsam Verdruß gemacht haben mochte, und verhielt sich im übrigen still. Der Mann seinerseits betrachtete den Fremdling nun ebenfalls mit prüfendem Blicke, wie vorhin die Frau, und als er dessen offenes und gutmütiges Gesicht wahrnahm, ließ er sich zu einer vertraulichen Rede herbei: „Seht, guter Freund! Das ist eine Sache, wovon manches zu berichten wäre! Die Gleichheit ist allerdings vorhanden und alle streben wir aufwärts. Am eifrigsten sind die Weiber dahinter her; eine nach der anderen mimmt jonen Titel an, wogegen wir Mannsleute bei unserer dergleichen Zierat nicht brauchen können. Wir würden uns selbst auslachen, wenigstens einstweilen noch, und dann, was die Hauptsache ist, so würde man uns die Steuern hinaufschrauben, wenn wir den Papatttel annähmen. So hat der Herr Pfarrer in der Schulpflege zu verstehen gegeben, wo die Sache zur Sprache kam, weil ein Schulmeister einen Teil der Schüler mit Papa und Mama traktierte, wenn er von ihren Eltern zu sprechen hatte. Es waren dies natürlich solche Kinder, die schöne Geschenke brachten. Bei den Frauen, sagte der Pfarrer, habe das nicht soviel zu bedeuten, weil ihre Eitelkeit bekannt sei; wenn aber die Mannsbilder sich Papa rufen ließen, so urkundeten sie hiermit, daß sie sich zu den Wohlhabenden und Fürnehmen rechnen, und da sie ohnehin zu wenig versteuern, so würde man sie bald höher einzuschätzen wissen. Es wurde dann auch sofort allen sechs Lehrern strengstens befohlen, in der Schule von Gleichheits wegen das Wort Papa zu vermeiden und bei reich und arm nur Vater zu sagen!“ Die Frau war schon bei Anfang dieser Rede zornig in ihre Küche zurückgelaufen; der Landmann ging auch hastig seiner Wege, indem er sich besann, daß er noch genug zu tun und schon zu lang geschwatzt habe, und der Fremde stand allein auf dem stillen Platze. Erst jetzt las er an dem alten Hause die Inschrift„Gemüsegärtnerei und Milchwirtschaft von Peter Weidelich". Also Weidelich heißen diese Leute, sprach er vor sich hin, ohne selbst darauf zu achten. Er rieb sich sacht ein wenig die Stirne, wie einer, der nicht recht weiß, wo er sich im Augenblick befindet, bis er sich besann, daß er ja noch höchstens zehn Minuten zu gehen brauche, um die Seinigen zu sehen. (Fortsetzung folgt). * Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung vorübergehend erforderlich ist, auf eine frühere Zeit festzusetzen. ** Erholungsheime für die werktätige Jugend. Die Gefahren, die die langjährige Unterernährung für die heranwachsende Jugend gebracht hat, haben die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf sich gelenkt. Während man aber für die schulpflichtigen Kinder und zum Teil auch für die Schüler der höheren Lehranstalten weitgehend mit Hilfe ausländischer und inländischer Mittel einzugreifen versucht hat, ist für die werktätige Ingend unseres Volkes bisher noch recht wenig geschehen. Der Grund liegt zum Teil darin, daß dieser Teil der Jugend organisatorisch nicht so leicht zu erfassen ist, wie die noch im schulpflichtigen Lebensalter. Andererseits ist aber gerade die Jugend vielfach in besonderem Maße den schädigenden Nachwirkungen der Kriegsernährung ausgesetzt. Von diesem Gesichtspunkte aus hat cs sich neuerdings die im Reichsverband der evangelischen Jungmännerverbände zusammengeschlossene evangelische Jugendarbeit zur besonderen Aufgabe gemacht, der werktätigen männlichen Ingend während der kurzen Zeit ihres Urlaubs eine zweckmäßige Erholung zu verschaffen. In allen Teilen Deutschlands sind innerhalb der genannten Jugendorganisation, die mit 150000 Jugendlichen eine der größten Organisationen ihrer Art innerhalb Deutschlands darstellt, Jugenderholungssheime entstanden. Trotzdem es sich um einen verhältnismäßig noch jungen Zweig der Arbeit handelt, umfassen die Heime bereits über tausend Plätze, von denen über die Hälfte eigentliche Erholungsstätten bilden und mit Betten ausgestaltet sind, während der übrige Teil nach der Art der Jugendherbergen eingerichtet ist. Die meisten Heime sind landschaftlich hervorragend schön gelegen und befinden sich gleichzeitig in der Nähe von Industriezentren. Genannt sei etwa das in der Härburger Heide, nur eine Stunde von Hamburg entfernte Haus„Heideburg“ des norddeutschen Jungmännerbundes, die„Bundeshöhe" oberhalb des Wuppertales, die der westdeutsche Jungmännerbund soeben eingerichtet hat, oder das am Scharmützelsee in der Mark Brandenburg malerisch gelegene Zeltlager der deutschen christlichen Studentenvereinigung. Die Verpflegungssätze sind äußerst niedrig gehalten und bewegen sich zwischen 10 und 25 Mark, während bloße Unterkunftsmöglichkeit für wandernde Jugend meist nur für Einschreibegebühr von 1 oder 2 Mark gewährt wird. Es liegt auf der Hand, daß derartige Unternehmungen große Zuschüsse erfordern, die sich in der gegenwärtigen Zeit der wirtschaftlichen Schwierigkeiten besonders fühlbar machen. Die Erholungsheime innerhalb des Reichsverbandes der evangelischen Jungmännerbünde Deutschlands und verwandter Bestrebungen haben sich deshalb neuerdings unter der Leitung des Reichswarts Liz. Erich Stange, Leipzig, zu einem Hweckverbande zusammengeschlossen. eisigen Ruhe und Ueberlegung die Diebe ihr schändliches Handwerk ausgeübt haben, davon zeugt die Tatsache, daß sie während der Arbeit Zi. garren geraucht haben, deren Reste am anderen Morgen gefunden wurden. Dieses ist nun innerhalb zweier Jahre der fünfte schwere Einbruchsdiebstahl in der Kirche und Pastorat, sodaß einem die Vermutung aufsteigt, es stets mit derselben Einbrecherbande zu tun zu haben. Aus den Provinzen. Hörde, 18. Januar. Nachdem am 1. Dezember 1900 die Finanzkasse Hörde für den hiesigen Finanzamtsbezirk eröffnet wurde, ist die Erhebung verschiedener Reichssteuerarten von den Stadtund Amtskassen auf die Finanzkasse übergegangen. Letztere erhebt bis jetzt: die Umsatzsteuer, Kapitalertragssteuer, Körperschaftssteuer, Reichsnotopfer, Erbschaftssteuer und Grunderwerbssteuer. Die Finanzkasse hat Girokonto bei der Reichsbank in Hörde, ein Scheckkonto bei der Städt. Sparkasse Hörde, sowie Postscheckkonto Nr. 106010 Köln. Die Ueberführung des Postscheckkontos zum Postscheckamt Dortmund wird in Kürze erfolgen und bekannt gemacht. Die Abwickelung der Reichseinkommensteuer für die Rechnungsjahre 1920 und 1921, sowie der alten Kriegs= und Besitzsteuern erfolgt noch durch die Stadt== und Amtskassen. Die Einzahlung der Reichseinkommensteuer vom Arbeitslohn pp. für die Zeit vom 1. Januar 1922 ab(soweit listenweise Abführung in Frage kommt) hat nur bei der für den Arbeitgeber zuständigen Finanzkasse nach den neuen Vorschriften zu erfolgen. ** Iserlohn, 18. Januar ErzbergerBünde. Hier tagte am Montag im Katholischen Gesellenhaus die 3. Delegiertenversammlung der Erzberger=Bünde Deutschlands, die aus Vertretern Süddeutschlands beschickt war. Die Verhandlungen dauerten von mittags ½10 Uhr bis nachunterbrochen durch eine kurz Aplerbeck, 18. Januar. Volkshochschule. In den Arbeitsplan der hiesigen Volkshochschulabteilung ist eingefügt der Lehrgang 276 a(Frau Lotte Möller):„Von den Aufgaben der Frau". Er beginnt Donnerstag, den 26. Januar, 8 Uhr, in der Goethe=Schule. Preis 20 Mark. In den Lehrgängen in Englisch(Dienstags 8 Uhr in der Rektoratschule) und in der Kurzschrift StolzeSchrey(Montags 8 Uhr in der Goethe=Schule) können Teilnehmer sich an den betreffenden Abenden noch melden. Auf den in den bevorstehenden Sonderveranstaltungen gebotenen Genuß sei ganz besonders aufmerksam gemacht. Am 19. Januar, 8 Uhr, findet im Veltenschen Saale der„Lautenabend“ des Kammersängers Dr. Schall=Berlin statt, und am 25. Januar, 8 Uhr, wird daselbst„Der Tanz im Wechsel der Zeiten“ vorgeführt werden unter Mitwirkung der Herren Oberspielleiter Vanderstetten, 1. Kapellmeister Wolfram, Solotänzer Wöller und der Solotänze rin Frl. Abendroth. Sich durch Mitgliedskarte ausweisende Mitglieder zahlen zum„Lauten abend“ 2 Mark, sonst 4 Mark, zu der Vorführung „Der Tanz im Wechsel der Zeiten“ 4 Mark, sonst 8 Mark am Sanleingange. Eine Hörerkarte bietei keine Ermäßigung für die Sonderveranstaltungen. Mitgliedskarten zu 3 Mark sind in den bekannten Verkaufsstellen zu haben, nicht an der Abendkasse. Holzwickede, 18. Januar. Schwerer Einbruchsdiebstahl in der kath. Kirche In der Nacht vom 13. zum 14. d. M. wurde, wie der„Holzw. Anzeiger“ meldet, in der hiesigen kath. Kirche ein Einbruchsdiebstahl verübt. Die Diebe stiegen durch ein Fenster der hinter der Kirche gelegenen Sakristei ein, nachdem sie die Spitze eines zolldicken Eisenstabes vom Fenster weggebogen hatten. Hierdurch wurde ein etwa 27 Zentimete breiter Raum geschaffen, durch welchen die Diebe sich dann hindurchgezwängt haben. Ins Innere der Sakristei gelangt, durchbohrten die Verbreche die Verbindungstür zur Kirche, drückten eine Verschalung ein und drangen so in das Gotteshaus. Zunächst lösten sie mit scharfen Blechwerkzeugen die mit Gold und kostbaren Steinen verzierte Verkleidung der Tabernakeltüren, und nach mehrstündiger A beit ist es ihnen dann auch gelungen, das Tabernakulum selbst zu erbrechen. Da raubten sie einen goldenen Kelch, ein silbernes Ziborium und eine kleine goldene Kapsel, Gegenstände im Gesamtwerte von 60—100000 Mark. Mit welcher mittags 6½ Uhr, Mittagspause. Es wurde unter anderem Stellung genommen zur Zentrumspartei und zu den Kandidatenwahlen. Dort, wo erforderlich, sollen eigene Kandidaten aufgestellt werden, besonders bei den Stadtverordnetenwahlen. Beschlossen wurde eine Arbeitsgemeinschaft mit der christlich=sozialen Volksvereinigung in den Kreisen Warburg=Höchster, die 1921 bereits eigene Kandidaten zum Kreistag aufgestellt, über 1000 Stimmen erhalten und somit eine Anzahl Sitze erlangt hatten. In Kürze soll überall mit der Einführung einer auswärts erscheinenden christlichen Tageszeitung begonnen werden, die zum Bundesorgan gewählt worden sei und die sich in den Dienst des Verbandes gestellt habe. Der nächste Delegiertentag findet vor Ostern in Paderborn statt.— An Frau Erzberger wurde ein Begrüßungs=Telegramm abgesandt. Zum 1. Vorsitzenden des Verbandes wurde Josef Wehinger aus Dortmund wiedergewählt, zum 2. Vorsitzenden Postschaffner Frigger aus Iserlohn. Hagen, 18. Januar. Direktor Franke j. In der Nacht zu Diensttag starb im St. JosefsHospital der Direktor des Städt. Gas= Wasserund Elektrizitätswerkes, Franke. Der Verstorbene würde am 1. Februar d. J. seinen 59. Geburtstag haben feiern können. Er stand seit dem 1. September 1902 im Dienst der Stadt Hagen. Haspe, 17. Januar. Jäher Tod. Ein Jagdunfall hat hier einem blühenden Menschenleben ein Ziel gesetzt. Als der Kaufmann D. Quambusch von hier sich am letzten Samstag mit eini. gen Freunden auf der Jagd befand, löste sich beim Nehmen eines Grabens aus bisher unbekannten Gründen ein Schuß aus dessen Jagdgewehr. Blutiberströmt sank der Unglückliche vor den Augen seiner entsetzten Freunde zu Boden. Man legte dem Verletzten, dem eine Schlagader des Oberschenkels durchschossen war, und infolgedessen starken Blutverlüst hatte, einen Notverband an und brachte Qu. ins Krankenhaus. Dort ist er auf dem Operationstisch infolge einer durch den großen Blutverkust erfolgten Herzlähmung verschieden. Der schwerbetroffenen Familie des Dahingeschiedenen bringt man allseitige Teilnahme entgegan. Witten, 18. Januar. Gröffnung eines Kindergärtnerinnen=Seminats. Das Evangelische Diakonissenhaus für die Grafschaft Mark und das Siegerland zu Witten eröffnet Ostern-1922 ein Kindergärtnerinnen=Semmnar, verbunden mit einem schönen sonnigen Heim für auswärtige Schülerinnen. Die Ausbildung dauert anderthalb Jahre und soll mit dem Kindergärtnerinnen=Examen als staatlich anerkannte Prüfung schließen. Nähere Auskunft erteilt Pastor Kockelcke, Witten, Pferdebachstraße 30. Herford, 18. Januar. Der vielgerühmte Bildungshunger. Wegen Mangels an Beteiligung sind hier die Volkshochschulkurse eingestellt worden. Bielefeld, 18. Januar. Wegen Entführ ung von Kindern hatte sich vor dem hiesigen Schwurgericht der 21 Jahre alte Schirmflicker und ingebliche Entfesselungskünstler Peter Keck aus Gräfenhausen bei Höchst(Main) zu verantwoter. Der auf der Landstraße groß gewordene Bursche hat sich, nachdem er sich im August v. J. von seinen Eltern in Salzuflen getrennt hatte, nach Minden zur Messe begeben, um dort als Entfesselungskünstler aufzutreten. Hier hat er am Nachmittag dse 14 August drei im Alter von etwa 8 Jahren stehende Knaben aus der Königstraße an sich gelockt, um sie zu entführen, unter der Vorspiegeluung, er würde ihnen im Walde Sing vögel, die er in einer Höhle aufbewahre, zeigen. unächst hal er die Knaben nach Porta mitgenommen, dra hier aus ist er mit ihnen über Hausberge nach Möllbergen gezogen. Hier sind ihm die Kinder von Leuten, denen die Sache ausgefallen war, wieder abgenommen und er selber verhaftet worden. Die Kinder konnten darauf den besorgten Eltern wieder zugeführt werden. Der Angeklagte gab zu, daß er die Kinder habe entführen wollen, um sie zum Einsammeln reparaturbedürftiger Schirme zu verwenden. Auch räumte er ein, daß er die Kinder nicht habe zurückbringen wollen. Als das eine nicht mehr weiter konnte, hat er es sogar getragen. Des weiteren gab er an, daß er die Kinder zum Betteln ausschicken wollte, wie er schon selber bei Port gebettelt hat. Er wurde von den Geschworenen der Kindesentführung, sowie des Bettelns für schuldig befunden und vom Gerichtshofe zu 1 Jahr Zuchthaus und 1 Woche Haft verurteilt, worauf ihm 3 Monate und auch die eine Woche Haft als durch die Untersuchungshaft verbüßt angerechnet wurden. Bei der Strafzumessung wurde als strafmildernd angesehen, daß der Angeklagte geistig minderwertig ist, andererseits aber auch als er schwerend die Schwere der Tat selber. Dabei wurde auf das namenlose Leid der Eltern und das grenzenlose Unglück, das durch den Angeklagten herbeigeführt worden wäre, hingewiesen. Köln, 18. Januar. 120000 Mark unterschlagen. Die Kriminalpolizei verhaftete drei Bürodiener einer Bank, die beschuldigt werden, im Laufe eines Jahres ihrer Firma zirka 120 00) Mark unterschlagen zu haben. Viersen, 18. Januar. Explosion im Küchenherd. In einem hiesigen Hause richtete eine Explosion im Küchenherd arge Verwüstungen an. In den frischaufgelegten Kohlen hat sich wahrscheinlich Sprengstoffbefunden, der mit lautem Knall explodierte. Die Herdplatte, mit allem was darauf stand, wurde hochgeschleudert und zertrümmert. Die Fensterscheiben zersprangen geübt. Bestes Kanonenfutter, seelisch herunkergskommen und in dieser Stimmung ist ein„frischfrei=fröhlicher Krieg“ eine Abwechselung für uns. Befreie mich aus den Klauen dieser Gesellschaft, es ist für dich leicht, da du ja keine Paßschikane zu befürchten hast, ich flehe dich kniefälligan und bin moralisch und körperlich kaput ich habe bitten gelernt. und ein Teil der Decke stürzte ein. Die in der Küche anwesende Hausfrau erlitt erhebliche Ver. letzungen. dem Reich. Arthur Griffith Präsident von Jrland in Irland. WB London, 17. Januar. Montag nachmittug übergab im Schloß von Dublin der Vizekönig von Irland den acht Ministern der provisorischen Regierung des Freistaates die Exekutivgewalt, die seit 700 Jahren von Vertretern Englands ausgeübt wurde. Die Bekanntgabe der Nachricht rief in Dublin große Freude hervor. Als die acht Minister der Sinnfeier unter Führung von Michel Collins im Schlosse eintrasen, kam es zu stürmischon Kundgebungen. WTB London, 17. Januar. Offiziell wird mitgeteilt, daß die Räumung Irlands durch die britischen regulären Streitkräfte unverzüglich beginnen werde. Zunächst werden 10 Bataillone abtransportiert werden. Lehle Brührn Das Ende der deutschen Festungen. TU Berlin, 18. Januar. Dem Reichstag wird am Mitwoch ein Gesetzentwurf zugehen, der die Aufhebung der Festungen Wesel, Köln, Koblenz, Mainz, Germersheim und aller sonstigen ober rheinischen und rechtsrheinischen Forts und der Küstenfestungen Friedrichsort, Kiel und Helgoland ausspricht. Die Entente hat ausdrücklich die Annahme eines solchen Gesetzes durch den Reichstag gefordert. Der Reichstag wird aber andererseits, wie das„Tageblatt“ hört, verlangen können, daß Frankreich nicht die Ostforts gewisser Rheinsestungen bestehen läßt, wie das anscheinend beabsichtigt wird. Die Klagen des bayerischen Landtages. München, 18. Januar. Im Finanz=Ausschuß des bayerischen Landtages wurde in der heute beschlossenen Aussprache zum Handelsetat lebhaft die wachsende Ueberfremdung des bayrischen Wirtschaftslebens durch norddeutsche oder auch durch ausländische Kapitalisten beklagt, und dabei mit geteilt, daß in Neustadt in der Oberpfalz eine amerikanische Firma eine Bleistiftffabrik errichtete, in Tutting eine große englische Textilwaren= Fabrik gegründet werden soll und daß von einer selbständigen bayerischen Eisenindustrie gannicht mehr gesprochen werden könne: Geklagt wurbe auch, daß durch die ungünstige Kohlenversorgung der Süden Deutschlands immer mehr konkurrenzunfähiger werde. Ein Verzweiftungsbrief aus der Fremdenlegion. Wie groß die Zahl der in die Fremdenlegion geratenen Deutschen sein muß und welchen Stimmungen sie sich in ihrer Verzweiflung hingeben, davon gibt der Brief eints solchen Fremdenlegionärs an einen elsässischen Freund Zeugnis. Der Unglückliche schreibt: Ich habe mich zu dieser Hölle auf Erden von Köln aus gemeldet... Ich wundere mich darüber, daß die Engländer diese Propaganda in ihrem Machtbereich zugelassen haben. Hätten sie Kenntnis davon, was vorgeht, sie würden viel leicht ein sehr dickes Haar in der mit ihrem Einverständnis gekochten Suppe finden. Gegen Deut sche wird die Legion, nach der Stimmung der selben nie verwendet werden können, aber man propagiert einen Haß gegen England. Wahl scheinlich will man uns arme Teufel, von denen jeder an Heimweh nach seinen Ebenen, Bergen und Flüssen krankt, gegen England rechtzeitig scharf machen, denn wir zweifeln nicht daran, daß wir nur gegen England in kurz oder lang Verwendung finden werden, und die Stimmung gegen die englischen Salonsoldaten wird täglich schlimmer. Ich habe schon einmal gegen sie vor dem Kemmel und bei Arras gekämpft, ein weiteres Mal wird es wohl unter der heißen Sonne Afrikas oder Klein=Astens sein. Soviel ich weiß sind etwa 50000 Deutsche in der Legion, fast ulles deutsche Abenteurer, wie ich selbst, und waffenEigener Depeschen dienst. Handgranaten=Explosion im Zuge. WTB Barmen, 19. Januar. Ein schweres Erplosions=Unglück ereignete sich auf der Station Unter=Barmen in einem Eisenbahnabteil 4. Klasse des Personenzuges 1008, der 7.02 Uhr morgens von Barmen=Hauptbahnhof nach Köln abfährt. Sechs Personen wurden schwer verletzt, so daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Wie sich später herausstellte, hat ein Reisender, der Fliesenleger Wilhelm Wassermann, eine Stielhandgranate, in ein Segeltuch gehüllt, ins Gepäcknetz gelegt. Durch die Erschütterung des Zuges explodierte diese und rief das schwere Unglück hervor.— Weiter erfahren wir noch, daß durch einen Sprengkörper unbekannter Herkunft, der während des Haltens des Personenzuges auf dem Bahnhof Unter=Barmen explodierte, zwei Personen schwer und sieben leicht verletzt wurden. Eine polizeiliche Untersuchung der Angelegenheit ist eingeleitet. Die Deutsche Volkspartei und die Kriegsverbrecher. TU Dresden, 19. Januax. Der Ortsverein der Deutschen Volkspartei hat an den Reichstag folgendes Telegramm gesandt: Deutsche Volkspartei Dresden bittet dringend, alle Kräfte des deauschen Volkes frei zu machen, lim ein erneutes Arstunen der Feinde auf die Auslieferung der angeblichen Kriegsbeschuldigten abzuwehren. Als wirksame Abwehr ersuchen wir dringend um Uebergabe der Gegenliste. Gez. Dr. Fritz Kaiser. Ausweisung der Kaiserin Zita aus der Schweiz. * Basel, 19. Januar. Den Baseler Nachrichten zufolge ist der Exkaiserin Zita von der Bundesbehörde mitgeteilt worden, daß sie innerhalb drei Tagen, von dem Tage an gerechnet, an dem ihr operierter Sohn von den Aerzten für außer Lebensgefahr erklärt wird, die Schweiz zu verlassen habe. Freie Kohlenausfuhr genehmigt. TU Poris, 19. Januar. Die Wiederherstellungskommission teilte den deutschen Vertretern mit daß es der deutschen Regierung gestattet sei, in den Monaten Februar, März und April nach beliebigen Ländern Kohlen auszuführen; nicht nur nach Holland und der Schweiz; Insofern das Kohlereparationsprogramm vollständig durchgeführt wird. ##r die Redaktion verantwortlich: Friedr. Druck und Verlag: Carl Braus, beide in Gestern abend 9 Uhr entschlief nach kurzem, schwerem Leiden meine innigstgeliebte Frau, unsere treusorgende Mutter, Schwieger= u. Großmutter, unsere liebe Schwester, Schwägerin u. Tante Frau Gustav Hovelmann, geb. boß im 61. Lebensjahre. In tiefem Schmerz: die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Delstern, Westhofen und Blankenstein, den 18. Januar 1922. 277 Die Berdigung findet am Samstag, den 21. ds. Mis nachmittags 3½ Uhr, vom Sterbehause, Fleitmannstraße 23, aus statt. 1 Heute morgen 6 Uhr entschlief sanft unser innigstgeliebtes Töchterchen, Schwesterchen und Enkel 280 Krurgu im zarten Alter von 2 Jahren und 2 Monaten In tiefer Trauer: Familie Schreinermeister Friedrich Hievert. Westhofen, den 18 Januar 1922 De Beerdigung findet Sonntag, den 22. Januge, nachmittags um 3 Uhr vom Trauerhause, Niederstr 4, aus stalt. Wohnung von 2 Zimmern in Lennep gegen Wohnung von 2—3 Zimmern in Schwerte zu tauschen gesucht. Angebote unter A. 569 an die Geschäftsst 1 des Kreisblattes in Lennep Bekanntmachung. Als Vertrauensmänner und Ersatzmänner für die Angestelltenversicherung sind im Wahlkreise der Stadt Schwerte gewählt: aals Vertrauensmänner von den Arbeitgebern: 1. Wolf Karl, Prokurist, Schwerte 2. Möhling Ernst, Fabrikant, Schwerte 8. Lippmann Eugen, Kaufmann, Schwerte von den versicherten Angestellten: Schwerte Schneiderin hier fremd, näht billig, sucht einige Kunden. Osserten unter A. 278 an d. Geschäftsst d. Zig K Prima CafelK Dienstag, abends 7 Uhr, entschlief un erwartet nach kurzer Krankheit unsere liebe treue Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Tante Frau wateh. Brautt Wilhelmine geb. Schmidt im Alter von 72 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Wilh. Klostermann und Frau Marie geb. Braun Heinrich Fischer und Frau Emma geb. Braun Willy Wever und Frau Paula geb. Braun. Westhofen, den 18 Januar 1922. Pfund 18.75 Mark Prima Eisbein Pfund 16,50 Mark“ ** K Kartoffeln, solange Vorrat reicht, zu haben bei Kritz Bährensmann, 285 Moltkestraße 3. Die Beerdigung findet am Samstag, dem 21. Januar, nachmittags 3 Uhr vom Sterbehause, Lichtstr. 28, aus statt. 279 81 13 Teere Flüschen auch Benediktiner=, Roanak- und Goldwasserflaschen kouft Kraumendahl, Westenort 1. Schwerte. d) als 1 Ersatzmänner von den Arbeitgebern: 1. Küster Josef, Kaufmann, Schwerte 2. Hundhausen Walter, Fabrikant, Schwerte 8. Frage Karl, Bauuuternehmer, Schwerte von den versicherten Angestellten. 4. Stübben Walter, Bürobeamter, Schwerte 5. Möller Karl, Obermeister, Schwerte 6. Kollmann Heinrich, Rechnungsführer, Schwerte e) als 2. Ersatzmänner von den Arbeitgebern: 1. Ostermann Wilhelm, Brauereibesitzer, Schwerte 2. Weinberg Ludwig, Kaufmann, Schwerte 3. Meyknecht August, Fabrikant, Schwerte von den versicherten Angestellten: 4. Prinz Josef, Handlungsgehilfe, Schwerte 5. Gödde Franz, Fabrikmeister, Schwerte Hövelmann Walter, Handlungsgehilfe, Schwerte. Dieses am 14. Januar d. Is. durch den Wahl vorstand seftgestellte Wahlergebnis wird hierdurch gemäß§ 32 der Wahlordnung vom 3. Juli 1912 bekannt gemacht. Die Gültigkeit der Wahl kann binnen einem Monat nach der Bekanntmachung des Wahlergeb nisses— bei dem Magistrat hierselbst, angefochten werden(§ 34 der Wahlordnung). Schwerte, den 18. Januar 1922. Der Wahlleiter: Melchheier, Stadtrat Hierdurch zur Kenntnis, daß die Anordnung betreffend Höchstpeeise für die Verpach ung von Kleingärten und Kleispachtland für das Jahr 1922 für den Landkreis Hörde voraussichtlich in 2 bis 8 Wochen veröffentlicht wird. Vorherige Festsetzungen von Pachllandpreisen für das Jahr 1922 verlieren durch die noch erscheinende Anordnung ihre Gültigkeit. Hörde, den 16. Januar 1922. 263 Der Landrat des Landkreises Hörde. 2 Lautenabend im östermannschen Saales; * Freitag, den 20. Januar, abends 8 Uhr 2 Aeltere alleinstehende Frau als 248 Haushällerin zu 2 Personen gesucht. Zu erfr. in d Geschft. Zuverlässiger Habe meine Praxis wieder aufgenommen Kinderarzt Dr. Stargardter# Hagen i. Westf., Südstraße 7 Tel. 1803 Fahrwenn für sofort gesucht. 267 Gebr. Hohlenkamp. Alltltlll.ll Schwefelsauren Fammontas empfiehlt 286 Bährensmann, Moltkestraße 3. Fkreines Geschaftohaue, in allerbester Verkehrslage zu mieten evtl.„ zu kaufen gesucht. 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S" B GUTSESS; * S U#n. 8* 5SE 2 9 2* R 5# 8 98 " 6 2 ** 9 F 2 S 2 5 6 10 S•: *8 S 2 S#5 #0 „Lesen!“ schrie Frau Bläser,„du les, Lini, du kannst es am besten!“ Die dicke Wirtin hatte schon gehen wollen. Jetzt blieb sie doch noch. Auch der Michl, der Haussohn vom Wallner, und der Müller waren noch hinzugekommen. Alle horchten gespannt, als die Lini jetzt mühsam las: „Lieber Franz! Ich bin ganz glücklich, daß Du herkommst. Wir werden sehr lustig sein (Schluß folgt.) Denkspruch. Was du gründlich verstehlt, das mache, Was du gründlich erkuhrst, das sprich! " Bist du Meisler im eigenen Fache, Schmäht kein Schweigen in fremden dich. Das Reden von allem maglt du gönnen Denen, die selbst nichts machen können. Geisbel. * 8 Delt und Zeit. dampfer in der Regel im Jahre zweimal in Dock gehen müssen, würde sich der dauernde Muschelschutz aus Glas bereits innerhalb eines Jahres bezahlt machen. 1 Schiffe mit gläsernem Boden. Es ist wahrscheinlich, daß die Bewohner des Meeres binnen kurzem Gelegenheit haben werden, sich in Spiegeln zu betrachten, die der Mensch den Meeresfluten anvertraut: in London sind kürzlich die Experimente beendet worden, die die Brauchbarkeit eines Glasüberzuges für Seeschiffe erweisen sollen. Die Versuche erstreckten sich zunächst auf ein Motorboot, aber die Ergebnisse waren so günstig, daß sie jetzt auf größere Ozeandampfer ausgedehnt werden sollen. Bekanntlich bildet der Schiffsboden eine bevorzugte Wohnstätte für alle Arten von Muscheltieren, die sich in so großer Menge an dem unter Wasser liegenden Teile des Schiffsrumpfes festsetzen, daß die modernen Seedampfer durchschnittlich alle halben Jahre ins Dock gehen müssen, damit diese lebende Steinkruste entfernt werden kann. Die Muscheln am Schiffsboden üben auf die Geschwindigkeit des Fahrzeuges einen viel größeren Einfluß aus, als der Laie annimmt. Experimente haben gezeigt, daß z. B. ein 6300 Tonnen großer Dampfer, der täglich 70 Tonnen Kohlen verbrennt, um eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 14 Knoten aufrechtzuerhalten, nach sechs Monaten am Tage 110 Tonnen Kohlen verbrennen muß, wenn er die gleiche Geschwindigkeit erzielen will. Der Plan, den unter Wasser liegenden Teil des Schiffsrumpfes mit Glas zu überziehen und so der Anhäufung von Muscheltieren entgegenzutreten, ist schon mehrfach aufgetreten, er scheiterte aber immer wieder an der Unmöglichkeit, einen wirklich dauerhaften Glasüberzug und vor allem ein sicheres Befestigungssystem zu gewinnen. Nun hat ein Engländer F. P. Linton, nach langen Versuchen sich ein neues System patentieren lassen, das die Schwierigkeiten überwindet. Es war früher nie möglich gewesen, den eisernen Schiffsrumpf mit Glas zu überziehen, weil sich bei einer geringen Steigerung der Temperatur der Stahl ausdehnt und dann sofort die Glasschicht sprengt. Linton hat nun ein neues Bindemittel, das aus Harz und Leinöl besteht, erprobt und zugleich die Sawierigkeit der Stahlausdehnung dadurch beseitigt, daß er zwischen den Schiffsrumpf und den Glasüberzug eine dünne Holzschicht einlegte. Nach dem Urteil der Fachmänner sind die Kosten dieses Schutzes gegen die Muscheln verhältnismäßig gering; ein solcher Glasüberzug wird etwa so viel kosten, wie eine zweimalige Bemalung, und da die SeeEine moderne Legende. Es war einmal ein kleiner Knabe, der barfuß durch die Straßen von Neuyork wanderte, denn seine Eltern waren so arm, daß sie ihrem Kinde keine Schuhe kaufen konnten. Und der kleine Sullivan ging Winter und Sommer barfuß in die Schule, die Füße schwollen ihm an und bluteten, und im Winter schmerzten sie ihn oft so sehr, daß seine Augen groß und starr wurden, wenn er durch den Schnee marschieren mußte. Der arme kleine Sullivan war sehr traurig, und er wollte nicht glauben, daß diesen Tagen des Unglücks einmal frohere Zeiten folgen könnten. Aber mit den Jahren wurde aus dem kleinen Sullivan ein junger Sullivan, der fleißig arbeitete und Geld verdiente. Und wenn es ihm so gut ging, daß er etwas ersparen konnte, dann kaufte er oft Schuhe für die armen kleinen Kinder, die barsuß gehen müssen. Und als aus dem jungen Sullivan dann der gkoße und reiche Sullivan geworden war, kaufte er in jedem Jahre von seinem vielen Gelde 5000 Paar schöne, warme Kinderschuhe und schenkte sie den Kleinen, die keine hatten und denen im Winter die Füße weh taten... Diese„moderne Legende“ ist wirklich geschehen, und jener barfüßige, arme, kleine Sullivau ist heute der berühmte amerikanische Millionär und Senator der Vereinigten Staaten. Und im Gedenken an die Not seiner Kindheit gibt er alljährlich ein Fest, bei dem 5000 arme Kinder von dem Senator Schuhe und Stiefel erhalten. Dann teilt der Senator Sullivan seine Gaben selbst aus und sorgt dafür, daß die Schuhe nicht drücken. Dies ungewöhnliche und rührende Schauspiel ist zugleich ein schönes Beispiel dafür, wie ein reicher und angesehener Mann seine dunkle Vergangenheit nicht verleugnet, sondern gerade aus ihr den frohen Mut zu einer guten Tat empfängt. Humor. Was er zu tun schien. Richter zum Zeugen:„Sie haben den Zank zwischen dem Beklagten und seiner Frau gehört?“ Zeuge:„Jawohl, Herr Rat.“ Richter:„Nun, dann sagen Sie uns, bitte, was er dabei tat!“ Zeuge:„Mir schien, er begnügte sich mit Zuhören.“ Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Ein Herr, der einen Prozeß verloren hatte, war sehr aufgebracht gegen seinen Anwalt und sagte zu ihm:„Wenn ich einen Sohn hätte, der ein Dummkopf wäre, dann würde ich ihn Rechtsanwalt werden lassen.“ „Wirklich?" versetzte der Rechtsanwalt.„Ihr Herr Vater scheint aber anderer Ansicht gewesen zu sein!" Etwas anderes. Die Küchenfee:„Linas Schatz nennt sie immer seinen Augapfel und vergleicht ihren Mund mit einer Kirsche und ihre Wangen mit Pfirsichen. Warum kannst du mir nicht auch so schöne Dinge sagen?“ Der Anbeter:„Ja, weißt du, er kann das leicht tun; denn er ist Gemüsehändler, aber ich handle mit geräucherten Fischen. Was soll ich da sagen?“ " S.* : 8. S C *"*(0 □ 3 9 ( K ∆ 9 8S 3 9□ Es S• 2 9"— 93 S 8 75 S#SSE S 2 S 2. 8 00 D 00 * 0 0— 5 0 9 8 274 Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General-Anzeiger für den Kreis Hört Haupt-Annoncenblatt. Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 16 Donnerstag, den 19. Januar 1922 fur farlcher Pan te. Noman von Max Esch. 8. Fortsetzung.) Nachdruck betboken.) Zerwalter eine Wirtschaftsfrage besprach. Beim Eintritt Feodors unterbrach der Baron das Gespräch und wandte sich an seinen Bruder, der ihm mitteilte, daß er nach der Försterei gehen wollte.„Das ist mir sehr lieb, Feodor,“ antwortete er.„Du würdest mir einen Gefallen tun, wenn du Fröhlich sagen wolllest, daß er morgen früh zu mir kommt. Nimm dir meine Buchsflinte mit, für den Fall, daß dir Raubzeug über den Weg läuft.“ Den Reiseanzug des Brudecs mit den Blicken streifend, setzte er hinzu:„Aber so kannst du doch nicht ins Revier gehen. Laß dir von Johann einen meiner Jagdanzüge herauslegen. Einer davon wird dir ja wohl passen.“ „Ich danke dir, Egon,“ erwiderte Feodor,„ich habe aus früheren Zeiten noch mehrere Jagdanzüge und auch einige Büchsen mit Patronen in meinen ehemaligen Zimmern. Aber Papas Hektor werde ich mitnehmen. Wie sich das Tier freuen wird, wenn er mich wieder sieht." „Hm,“ antwortete verlegen der Bruder,„nimm lieber meine Diana mit, denn Hektor ist eingegangen.“ „Eingegangen?“ fragte erstaunt der Bruder.„Ja, hat sich denn seit Papas Tode hier alles von Grund auf geändert?" Aus dieser Frage glaubte Egon einen scharfen Vorwurf herauszuhören, weshalb er spitz bemerkte:„Ich dächte, es wäre in erster Linie meine Sache, welche Aenderung ich hier eintreten zu lassen für nötig halte, denn ich bin der Herr hier.“ Mit Genugtuung sah er, daß der Hieb seine Wirkung nicht verfehlte, und das sollte er auch nicht, denn er wollte dem Bruder zeigen, daß dieser sein Tun und Lassen nicht zu kritisieren habe. Feodor biß sich auf die Lippen. Wiederum zeigte sich das Bild seines Bruders so, wie es ihm ständig vor Augen stand. Die wenigen Worte charakterisierten ihn als herrschsüchtig und egoistisch. Es fehlt nur noch, daß er auch ein Bekenntnis seiner Gefühlsroheit dadurch ablegt, daß er mir erklärt, er habe den Heklor, an dem ich so gehangen wie an keinem anderen Tier, erschießen lassen, weil er zur Jagd nicht mehr tauglich gewesen sei. Kaum war ihm der Gedanke durch den Kopf gegangen, als Egon, der sich an der Betroffenheit des Bruders sichtlich weidete, seinen Worten hinzusetzte: „Den Hektor, der ja zu nichts mehr nutze war, habe ich erschießen lassen. Er eignete sich nicht einmal als Hofhund, da er niemals anschlug.“ „Das vermutete ich,“ hastig wandte sich Feodor ab, ging iem doch das tragische Ende des treuen vrerbeinigen Spielkameraden aus der Jugend respektive steten Begleiters bei seinen Streifereien durch Feld und Wald sehr nahe. Doch dem hemelosen Bruder die Tränen zu zeigen, die der Schmerz über Hekters Ende ihm in die Augen trieb, schien ihm eine Entweihung seiner Gesühle zu bedeuten. Schnell verließ er das Zimmer des Bruders, begab sich in seine Gemächer, kleidete sich um, ergriff eine seiner früher gebrauchten Flinten, prüftesie, steckte einige Patronen ein und ging dann dem Walde zu.„„„ Die Wanderung tat ihm woyl. Seine Gedanken schweisten bald weit voraus, in die Zukunft.: Was würde sie ihm bringen? Erfolg, Ruhm und Ehre? Ooer wurde sie ihm Enttäuschungen be len? Wer das Oder wurde sie ihm Enttäuschungen berein. doch vorher wissen könnte, seurzte er aus. Ja, was würde er darum geben, wenn er einen Blick in die Zukunft tun könnte. „Guten Morgen, Herr Baron,“ weckte ihn des Försters Fröhlich Stimme aus seinen Träumercien. Erschrocken blieb Feodor stehen und sah sich nach allen Seiten um. Sein Gesicht hellte sich auf, als sein Blick auf Fröhlich siel, der eben aus dem Unterholz auf den Weg trat, den der Baron nach der Försterei eingeschlagen.„Morgen, Fröhlich!“ grüßte der Baron hinüber, schnellen Schrittes den altem Manne entgegengehend und ihm die Hände schütteind. „Endlich trifft man wieder ein bekanntes Gesicht.“ eröffnete Feodor die Unterhaltung, an der Seite des Förskers den Weg nach der Fürsterei fottsetzend.„Auf dem Gute hat sich ja rein alles geändert, seitdem mein Bruder es bewirtschaftet.“ „Ja“, gab Fröhlich zur Antwort,„dem gnädigen Herrn Baron paßt die Ansicht der alten Leute nicht, sie sind ihm zu altmodisch und können sich in den neuen Betrieb nicht hineindenken. So ist es denn wohl gekommen, daß der gnäbige Herr glaubte, mit den alten Leuten nicht mehr wirtschaften zu können.“ Schweigend hatte Feodor zugehört. Er kannte den Förster von Jugend auf und wußte, daß er die Beweggründe, die seinen Bruder bei seinen Erwägungen leiteten, wohl durchschaute und nur aus Respekt vor dem Bruder seines Herrn nicht mit der vollen Wahrheit herausrückte. Es war auch besser so, denn Feodor wäre es peinlich gewesen, den Leuten zu zeigen, daß er mit seinem Bruder nicht übereinstimmte. Er fragte den Förster nach seiner Familie und den Arbeiten im Forste. Dabei näherten sie sich dem Forsthause, als Eblert aus dem Walde auf den Weg S 5 S 55 6 S St E 5 5S 8 S5M S# Sg“ krat und den langsam Näherkommenden entgegenschritt. Er hatte den Bruder des Barons erkannt, der den Forstgehilfen ebenfalls gesehen hatte und nun von Fröhlich erfuhr, daß sein Bruder dem Ehlert die Stelle gekündigt. Als der Förster hinzusetzte, daß sein Gehilfe keine Stelle bekommen könne, trotzdem er ein hervorragender Waidmann und Jäger sei, schoß dem Baron ein Gedanke blitzschnell durch den Kopf, den jungen Menschen als Diener für seine Reise nach Argentinien zu engagieren. Man konnte niemals wissen, ob es in der Wildnis sich nicht einmal notwendig erweisen würde, über eine gute Büchse zu verfügen, und da Ehlert intelligent erschien, würde er sich die Obliegenheiten eines Dieners bald genug angeeignet haben. Der Baron erwiderte den respektvollen Gruß des jungen Mannes, welch letzterer seinen Vorgesetzten eine Meldung erstattete, freundlich und zog ihn dann in ein Gespräch, um zu sondieren, ob Ehlert geneigt sein würde, auf sein Anerbieten einzugehen. Freudig ergriff der junge Mann die Gelegenheit, von Wossin weit fortzukommen, um nur nicht mehr die Treulose sehen zu müssen. Er schlug sofort in die dargereichte Rechte des Barons ein. Feodor bestellte seinen neuen Diener für heute abend nach Wossin, um mit ihm einen schriftlichen Vertrag abzuschließen. Auch wollte er dafür Sorge tragen, daß sein Bruder Ehlert früher aus dem DienstverhältNachdem der Baron dann noch einige Zeit mit Frau Fröhlich geplaudert und sich nach diesem und jenem erkundigt, richtete er den Auftrag des Bruders an Fröhlich aus. Darauf verabfchiedete er sich freundlich von den alten Leuten und war kurze Zeit später im Walde verschwunden. „Den hätten wir als Herrn erhalten sollen,“ sagte nach seinem Weggange Fröhlich zu seiner Frau,„dann wäre die ganze Umwälzung nicht vorgekommen und I alles im alten Gleise geblieben, wie es der alte verstorbene gnädige Herr sich gewünscht.“ „Auch sein nächstältester Bruder hätte die UmI wälzung nicht eintreten lassen,“ gab Frau Fröhlich zur „Der auch nicht,“ bestätigte Fröhlich.„Er hat den gleichen Sinn wie sein jüngster Bruder, nur ist er stiller, deshalb hat man ihn immer für stolz verschrien.“ „Das ist er wirklich nicht," bekräftigte Frau * Fröhlich.„Er hat das Herz auf dem rechten Flecke, das hat der Kunze, der in seiner Kompagnie diente, allen Leuten erzähl.“„.„ Ketm zhm fr „Hast recht, Alte. Die Sotoaren gehen für den Oberleutnant durchs Feuer, oft genug hat Fritz Kunze das erzählt,“ unterbrach Fröhlich,„doch damit ändern wir leider daran nichts, daß die beiden jüngsten Söhne des verstorbenen Barons auf Wossin auch nicht das geringste zu sagen haben.“ Sich an den in der Nähe stehenden Ehlert wendend, bemerkte er:„Sie, Ehlert, I können sich freuen, denn außer der großen Reise, die Sie antreten, bekommen Sie in dem jungen Baron I eine Seele von Herrn. Ich kenne ihn schon von Jugend auf. Mir hat er sein Herz ausgeschüttet, zu mir ist er gekommen, wenn er mal eine Dummheit ausgefressen hatte, die Vater und Mutter nicht erfahren durften. Zu mir kam er mit seinen kleinen Anliegen, mich machte er zum Vertrauten seiner Gefühle auf einsamen Pürsch= und Reviergängen. So lernte ich seinen Charakter genau kennen. Sie können sich beglückwünschen, denn einen besseren Menschen als den jungen Baron kenne ich nicht.“ „Ich wäre auch mit ihm gegangen, wenn er noch schlimmer als sein Bruder gewesen wäre,“ gab gepreßt Ehlert zur Antwort,„denn fort, bald fort muß ich von Wossin kommen, wenn ich den Verstand nicht verlieren will.“ Schnell wandte er sich ab und suchte sein Zimmer auf. Fröhlich und dessen Frau sahen dem Aufgeregten!" nach, den sie ins Herz geschlossen hatten.„Es ist richtig, wie ich es vermutete," erklärte Fröhlich seiner Frau. „Er hat mit der Klara angebandelt und ist dahinter gekommen, daß das Frauenzimmer falsch ist.“ „Daß auch unser Ehlert sich von der koketten Person j hat einfangen lassen, die schon unzählige Liebste gehabt, ist mir unbegreiflich. So ein stattlicher Mensch, und so solide, hätte doch überall einen anständigen Schatz gefunden, bekräftigte Frau Fröhlich, at „Alte,“ warnte Fröhlich,„laß solche Worke niemand“ hören, die Klara, wollte sagen der Baron, würde uns schön den Marsch bloserz,0, jedermann im Darfe und „Na, deshalb weiß doch jevermann im Dorse, und auf dem Gute, wie es mit der Klara und dem Baron steht. Man müßte es nur einmal der Baronin stecken, daß sie das sündhafte Frauenzimmer zum Teufel jagt!“ “ WVerbrenne du dir den Mundnicht“ warnte Fröhlich. „Was geht das uns an.“ Zur festgesetzten Zeit stellte sich Ehlert im Herrenhause ein und fragte nach dem jüngeren Baron. Ein Mädchen führte ihn in das Obergeschoß, ihm eine Tür am Ende des Ganges bezeichFesten Ganges schritt der junge Mann über den Kokoslauser, der den Steinfußboden bedeckte, nach der ihm bezeichneten Tür, als sich plötzlich eine Tür öffnete und Klara vor ihm stand, hinter der in dem Zimmer Baron. Egon sichtbar wurde. In Ehlert wallte es siedend auf, er hätte die Verräterin erwürgen mögen, aber er bezwang seinen Groll. Mit blutrotem Kopfe schlüpfte Klara an ihm scheu vorbei, während Ehlert nur ein halblautes zorniges:„Pfuil“ hervorbrachte, in das er den ganzen Grad seiner Verachtung und seines Hasses legte. Im nächsten Augenblicke betrat Baron Egon im Jagdanzuge, die Flinte auf dem Rücken, den Gang. Da er von seinem Bruder von dessen Abkommen mit Ehlert wußte, deutete er mit der Hand, auf den Gruß seines Forstgehilfen hin, nach der Ehlert schon vorher bezeichneten Tür:„Dort, Herr Baron von Felden erwartet Sie!“ sagte er kurz, ohne die wütenden Blicke zu sehen, Ehlert, seinen Ingrinm gewalsam unterdrückend, schritt nach der bezeichneten Tür und klopfte. Als er vor dem jüngeren Baron stand, merkte er den Unterschied zwischen den Charakteren der beiden Brüder sofort. Mit großer Gründlichkeit hatte Feodor im Laufe des Nachmittags einen Vertrag ausgearbeitet, in dem er alle möglicherweise später zwischen Herr und hätten auftreten könnenden strittigen Punkte von vornherein unmöglich zu machen suchte. Es waren die beiderseitigen Rechte und Pflichten genau bezeichnet. Ein Irrtum darüber schien jetzt gänzlich ausgeschlossen zu sein. Der Baron las den Vertrag Punkt für Punkt vor, und Ehlert hatte nichts gegen die Fassung einzuwenden, um so mehr, als auch seine Bezüge so gesteut waren, daß er nach Beendigung der Expedition über ein kleines Kapital verfügte. Mit fester Hand unterschrieb er und nahm einen der vom Baron bereits unterschriebenen Verträge an „Jetzt, Ehlert,“ sagte der Baron,„auf gute Kameradschaft während eines ganzen Jahres.“ Er reichte seinem neuen Diener, der ihn als solcher auf seiner Reise begleiten sollte, die Hand, die Ehlert gerührt drückte. Allzeit wollte er dem Baron ein getreuer Diener sein, versprach er mit bebender Stimme. „Nicht nur ein Diener, sondern auch ein Gehilfe in allen Lebenslagen, Ehlert," wehrte der Baron ab.„Doch wie ich sehe, haben Sie noch einen Reviergang vor, Sie tragen wenigstens die Flinte bei sich.“ (Fortsetzung folgt.) — Die Landpost. Novellette von A. Ostland. (Nachdruck verboten.) Auf der breiten, staubigen Landstraße stand Fräukein Antonie Bläser, gewöhnlich nur die„Bläser Toni“ genannt, hielt ihre braune Hand über die Augen und sah angestrengt in die Ferne. Dort, ganz unten, bewegle sich ein dunkler Punkt., 76— „I glaub', Mutter, hiazt kimmt der Loisr; schrie Fräulein Toni beim Fenster hinein.„I glaub' bestimmt, daß er's is!“„„ Frau Bläser, die Herrm des kleinen Kramladens, aus welchem die Inwolmer des Ortes ihren Bedarf und ihren Luxus bezogen, erhob sich von ihrem Platz bei der Nähmaschine und trat gleichfalls auf die Straße. Nun hielten die beide die Hände über die Augen und starrten in die Weite. „Kimmt leicht heunt scho die Post?“ fragte die Kapjeder Lini, eine Busenfreundin der Bläser Toni. „I moan,'s is schier no z'fruah.“ Die beiden jungen Mädchen faßten sich unter und gingen eine Strecke weit auf der Straße hinab, bis sie sich überzeugt hatten, daß es wirklich der Lois war, der nur sehr langsam, sehr behaglich näher und näher kam. Dann kehrten sie in den Laden zurück, wo einstweilen eine Kundin, die Wirtin Hönigsberger, erschienen war. Feau Bläser bediente sie wortreich. „Na, du, Frau Wirtin, was is? Unser neuer Lehrer ist no net eing'ruckt. Der laßt si Zeit bis Pallerletzn. Asicp 2 Die Wirtin war eine vorsichtige Frau. „Wer liegt denn da drin in dein Extrazimmerl auf'n Sofa?“ fragte sie leise. Die Kaufmannsfrau warf einen Blick durch die halbossene Tür.„. fn g F. „Ah.'s is nur a Radfahrer, a frember. Er hat mi g'fragt, ob i ihm das Zimmerl für an Tag und a Nacht überlassen könnt. Zahlt hat er glei. i hab' nix dagegen g'habt: Jetzt liegt er scho a Stund seit'n Mittagmahl und schlaft. Is a feiner, junger Herr. Er möcht' si urndli ausrasten bis murg'n, hat er g'sagt, und im Wirtshaus is cahm z'viel Lürm.“ „No, meinetwegen. Mir steugan net an auf eahm,“ sagte die Wirtin. „Guat'n Abend!“ sagte der Lois, über die Schwelle tretend.„Herrgott! Heunt hat's a Hitz! A damische, Hitz! Wann ma denkt, daß scho Herbst is."„ „Na, kimm halt a bissel übri zu uns af an Most,“ meinte die dicke Wirtin gutmütig,„kannst sag'n, i schick' di! Und dei Taschen kramst früher aus.'s kunnt wer kummen vom obern Ort, wo du eh nimmer aufigehst und kunnt frag'n wegen der Post.“ „Ja, ja. Können's eh alle scho gar nimmer derwarten, bis ihre Briaferln haben,“ sagte die Bläser Toni,„na, und was is? Für uns is nix da? Ka Ansichtskarten für mi?“ Der Lois kramte in seiner Tasche. „Bläser, Bläser,“ murmelte er.„A freili, freili, is allerhand da. Erstens: die Zeitung, zweitens da: a großer Briaf mit an Preistarif, na und sunst nix.“ „Ui je. Da san die„Wiener Bilder“, die sich der Hauptmann in der Villa drob’n halt,“ schrie die Wirtin. „Und da is dös„Extrablatt“ vom Herrn Oberlehrer.“ „No, dös laß' i halt alles da,“ sagte der Lois, „und den Pack Briaf und Karten a. G’hört e alles hinauf. Wenn wer oba kimmt, aft gibst eahms mit, Bläserin. Aber daß halt nix verlur'n wird.“ Er ging schwerfällig über die Straße, dem WirtsKaum war er verschwunden, so stürzte sich die Bläser Toni auf die„Wiener Bilder", zog sie aus der Schleife und begann eifrig zu studieren. Die Wirtin griff nach dem„Extrablatt". „Jessas, da is aner bei lebendigem Leibe verbrennt,“ vief sie entzückt,„dös muaß i glei lesen.“ „Du, Conerl,“ flüsterte die Kapseder Lini,„de schau her, da is scho wieder a offene Karten au die Lehrfräul'n!“ Sie studierten und buchstabierten: „Liebe Leopoldine! Ich komme norgen zu dir. „Na so was,“ sagte Frau-Bläser entrüstet.„Jetzt kriagt die schon ganz öffentliche Karten von Herrn Da hört sich alles auf. Ah— da is ja no was au sie:„Liebe Leopoldiue! Morgen kann ich nicht kommen, erst überworgen.“ Aha! Ob erste Kart'n is liegen blieb'n, draußt auf der Post. Na, für sie ie allseins. Sie is ja gestern mit die Oberlelwerischen nach Maviazell und kummt erst morgen zruck. kiver da— an bitte—.„ Iän in u. 4 Die Krämerin hatte eine Ansichtstarte in die Hano bekommen; die Wirtin vergaß auf das„Extrabla##“ und kam auch näher. „Schauts da her! Da schreibt iyr der„Franzzwa Karten, daß er kummt, und da ist a Karten von an„Felix":„Liebe Leopoldine! Bin auf einem Ausflug hier in Scheibbs und denke an Dich—“ Na, das is a nette Person, euer Fräulein, dös kann ma sche „Na waß net amal, soll ma ihr ds unschuldigen Kinder no anvertrauen oder net,“ meinte nachdenklich die Wirtin.„A so a Fräul'n is ma no net vorkummen. Sie is halt a no viel z'jung für so a antwortlichkeit. Aber dös g'hört sich net, daß sie sich glei von zwa Herrn offene Karten schreiben laßt. Da muaß i mein Mann do aufmerksam machen, is grad recht, daß er Burgermaster is.“ „Qu, Frau Wirtin, da schau her,“ schrie die Kapfeden Lini,„da is scho wieder a Briaf an dein Mann vom Advokaten in St. Pölten.“4 „Ui je!“ bedauerte die Bläser.„In so an Briaserl stengan meistens kane Liebsg'schicht'n.“ Die Wirtin war blaß vor Aerger. „No, no,“ sagte sie, sich erhebend.„Is dar nix weiter dran. Gar nix. Is a Freund von mein Mann.“ „Oös muaß aba a ganz a neuche Freundschaft sein.“ Es war Herr Bläser, welcher nun von seinem Nachmittagsschläfchen hereingeschlürft kam, vot und pustend.„I hab no nix g’hört davon.“ „Jessas,“ schrie da die Kapfeder Lini dazwischen. „Da san scho wieder a paar Briaf und Karten an den neuen Herrn Lehrer. Na, hiazt liegt scho a ganz Packel da zum Aufheben für ihn. ,„ g G „Dös is scho a rarer Lehrer, der so vier Bria## schreibt,“ Herr Bläser blähte sich ordentlich.„Der wird wieder koan Sinn net haben für die einheimischen Interessen. Hiazt hab'n ma eh schon an verruckten Oberlehrer, nacher kummt wo a zweiter dazua. Ah und da schauts her: er halt sich gar a eigene „Neues Wiener Tagblatt“. Is dös aa Notwendigkeit für an Lehrer, der eh nix hat rundumadum? Wo liegen denn die anderen Blätter für ihn, die scho „Hurt auf der Mehltruchn is a ganza Pinkel.“ entgegnete die Toni wegwersend. „Na, da legst dö a dazua,“ meinte behaglich der Vater,„heunt auf d'. Nacht les i dann.“ Die Kapfeder Lini hatte die andere Post für den „Jessas na,“ sagte sie,„san bereits lauter gschlassene Briaf. So a Dummheit! Mir scheint, Ihr.... karten hat er kan Sinn. Marand Josef! wa is a Karten, dö kummt retvur. Adressat Franz Unger verreist— und wißt's, von wem dö Karten geschrieben is: Von unserer Lehrfräuln!“