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Die„Schwerter Zeitung" erscheint täglich außer ###ertags. Bezugspreis monatlich 14.— M., bei der Dos 14.— M., ehne Bestellgeld. preise: Die 1 mm hohe. 35 mm breite Jeie 80 P,„auswärls 1. M. Bei Wiederho ungen entsprechender Nachlaß it. Tarif. Jeder Rabalt gill als Kassenrabatt und erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen, gerichtlichen Klagen u. Nichtbeachten der gemachten Zahlungsbedingungen. Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oolkszeitung Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Schwerter Volksblatt Amtliches Kreisblatt für den Kreis Börde. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die SSchputer Zeitungk gewühri hem Uerneuten für jeden mit Tod endenden Unfall gemäß ten Fr. 500 Mark Anfall. Naguge Druck u. Verlag v. Carl Braus. Schwerte(Ruhr) Fernsprech= Anschluß Nummer 62. Telegramm=Adreise: Braus, Schwerte(Nuhr), Dostscheckb.: Dorimund 18 2, Hannover 21874. Nr. 12 Samstag, 14. Januar 1922 55. Jahrgang Briands Sturz. Die Pariser Ministerstürzer haben prompte Arbeit geleistet: Das Kabinett Briand gehört der Geschichte an. Jenes„große Ministerium der nationalen Arbeit", wie es in der französischen Chauvinistenpresse am Tage seiner Bildung genannt wurde, ist— eine Ironie des Schicksals— von derselben Presse und ihrer Gefolgschaft zusammengebrochen worden, just in jenen Tagen, da in Cannes nationale, d. h. wirklich nationale Arbeit geleistet werden sollte. Das aber haben die noch immer siegestaumelnden Republikaner an der Saine nicht begriffen; blind in ihrem Hasse gegen Deutschland, taub gegen jede wohlgemeinte Anregung ihrer alliierten und assoziierten Mitkämpfer, haben sie ihrem Ministerium eine Grube geschaufelt, in die Briand schneller, als selbst die letzten Pariser Nachrichten vermuten ließen, gestürzt ist. Ob Briand und seine Ministerkollegen allein? Ob nicht doch mehr, als die politischen Mineure heute noch annehmen? Briands Sturz kann für Frankreichs Zuunft von größter Folgenschwere sein, wenn wir ihn im Lichte der internationalen Beziehungen betrachten. Gerade schickt sich England an, den Wiederaufbau des europäischen Festlandes mit Ernst und Klarheit in die Wege zu leiten.„Jetzt sieht man, schrieb dieser Tage der angesehene„Manchester Guardian", allgemein ein, daß„Reparation nur eine und nicht die wichtigste Seite der ganzen verhängnisvollen Wirtschaftszerrüttung bildet, in die Europa verfallen ist. Man darf sagen, daß die meisten Engländer heute endgültig entschlossen sind, die Reparationszahlungen ihrem Bedürfnisse einer Wiederbelebung des Handels unterzuordnen. Wenn zwischen Reparationen und Handel gewählt werden muß, kommt der Handel zuerst.“ Und weiter„Hoffnungslosigkeit“ ist für den Handel schlimmer als Geldentwertung. Die drei Jahre, in denen der Oberste Rat die Geschicke Europas bestimmt hat, haben halb Europa in eine Not gestürzt, wie sie in den vier Kriegsjahren nicht gekannt wurde. Und es gibt keine Hoffnung, solange die Staatsmänner des Obersten Rates weiter eigenmächtig handeln, alle gegen alle, für Interessen, die meist nur in ihrer Einbildung vorhanden sind. Worauf es jetzt ganz allein ankommt, ist die Wiedergeburt Europas.“ Das hat ja Lloyd George in seiner an Briand gerichteten Denkschrift mit aller wünschenswerten Deutlichkeit hervorgehoben. Nun ist Briand zurückgetreten, gezwungen durch die Lloyd Georgesche Denkschrift. Daran ist kein Zweifel. Somit bedeutet Briands Rücktritt einen Schlag ins englische Kontor, und die Frage der Lösung der Kabinettskrise an der Seine ist mindestens ebenso sehr eine englische, wie eine französische Angelegenheit.„Das enge Bündnis mit England ist die Grundlage unserer auswärtigen Politik“—„unser großer Freund und Verbündeter England“, so hatte Briand in seiner Regierungserklärung über die auswärtige Politik am 20. Januar 1921 in beiden Parlamenten gesprochen. Heute ist derselbe Briand gestürzt; die Frage liegt nahe: Was wird England dazu sagen? Das Kabinett Briand hat 361 Tage„regiert", da es am 16. Januar 1921 in die Bresche sprang, die durch den Rücktritt des Kabinetts Leyques entstanden war. Ministerpräsident Leyques mußte zurücktreten, nachdem die Kammer mit 463 gegen 125 Stimmen einen Antrag der Regierung abgelehnt hatte, drei Interpellationen über Frankreichs Finanzpolitik, die Entwaffnung Deutschlands und die allgemeine Politik der Regierung zu vertagen. Leyques war mit seinen Ministerkollegen nicht ganz 4 Monate im Amt gewesen. Er wurde am 24. September 1920 Millerands Nachfolger, als dieser für Delcassee als Präsident der Republik das Elysee bezogen hatte. In den Januartagen des vorigen Jahres war es nicht ganz leicht, einen Nachfolger für Leyques zu finden. Ein Versuch des Kammerpräsidenten Raoul Peret, ein großes„Ministerium der nationalen Arbeit" zustande zu bringen, scheiterte. Der bewilligte Paris, 14. Januar. Die Reparationskommissinon hat beschlossen, Deutschland den erbetenen Zahlungsaufschub unter folgenden Bedingungen zu gewähren: 1. Während der vorläufigen Verzugsfrist zahlt die deutsche Regierung alle 10 Tage 31 Millionen Goldmark in zugelassenen Devisen. Die erste Zahlung erfolgt am 18. Januar. 2. Die deutsche Regierung unterbreitet binnen 14 Tagen der Revgrationskommission einen angemessenen Reform= und Garantieplan betreffend das deutsche Budget, sowie ein vollständiges Programm für Barzahlungen und Sachlieferungen für das Jahr 1922. 3. Die vorläufige Verzugsfrist geht zu Ende, sobald die Reparationskommission oder die alliierten Regierungen eine Entscheidung über den unter Artikel 2 erwähnten Entwurf und das Programm getroffen haben. Unbeschadet dessen kann in dieser Entscheidung vorgesehen werden, daß der Unterschied zwischen den tatsächlich während der Verzugsfrist gezahlten Beträgen und den auf Grund des Londoner Zahlungsplanes fälligen Steeurn innerhalb 14 Tagen, gerechnet vom Datum der je nach den Umständen von der Reparationskommission oder den alltierten Regierungen getroffenen Entscheidung fällig wird oder zu zahlen ist. Wenn der Entwurf und das Programm der Reparationskommission vorliegen, werden sie sofort den alliierten Regierungen übermittelt, die so in der Lage sein werden, entweder die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen oder an die Reparationskommission zurückzuverweisen, damit diese darüber entscheidet. Auch Viviani lehnte ab. Nun wurde Briand berufen, dem es schließlich gelang, die verschiedenen Ministersessel zu besetzen. Das Ministerium Briand setzte sich folgendermaßen zusammen: Ministerpräsident und Minister des Auswärtigen Briand, Justizminister Bonnevay, Minister des Innern: Marraud, Kriegsminister: Barthou, Marineminister: GuistHau, Finanzminister: Paul Doumer, Minister für die befreiten Gebiete: Loucheur, Unterrichtsminister: Leon Berard, Ackerbauminister: Lefeore du Prey, Handelsminister: Lucien Dior, Hygiene: Leredu, Minister für Pensionen: Maginot, Minister für soziale Fürsorge: Daniel Vincent, Arbeitsminister: Le Trocuer, Kolonialminister: Albert Sarraut. Von diesen Männern waren es drei, die dem neuen Kabinett sein charakteristisches Gepräge gaben: Briand, ehemals Mitglied der sozialdemotratischen Partei, von der er sich später trennte, ein Politiker, bestrebt, einen Ausgleich zwischen Frankreich und Deutschland herbeizuführen; Loucheur, ein im Kriege sehr reich gewordener Schwerindustrieller, der Briand in seinem Bestreben redlich unterstützte, eine nicht ausgesprochen chauvinistische Politik zu betreiben, und Kriegsminister Barthou, ein Patriot alten Schluges, den man vor allem keine besondere Vorliebe für England nachsagen kann. Die vorgeschichte von Briands Rücktritt. Der„Matin“ glaubt zu wissen, der Präsident der Republik habe an den Ministerpräsidenten nach Cannes ein Telegramm gerichtet, das mit folgenden Worten begann: Nicht ohne Bedauern und Besorgnis usw. Darin sprach er die Ansicht aus, daß jeder das Recht habe, es bitter zu empfinden, wenn Frankreich auf einer internationalen Konferenz Deutschland gegenübersitzen soll. Dann sei der Ministerrat von Dienstag zusammengetreten und nach einer sehr bewegten Beratung habe sich der Ministerrat geeinigt über folgende Punkte: 1. Die Minister teilen vollkommen die Auffassung und die Befürchtungen des Präsidenten der Republik, was die Konferenz von Genua betreffe. 2. Die Minister sind der Ansicht, daß, wenn sie trotz der Ansicht der Reparationskommission nach der Enquete in Paris glauben, Deutschland könne 1922 mindestens 1100 Millionen Goldmark bezahlen und ein Moratorium Deutschland bewilligt werden soll, das nur geschehen könne nach genügenden Garantien, nach Errichtung einer Kontrolle und nach gegebenen Pfändern. Auf keinen Fall dürfte die belgische Priorität angefaßt werden. 3. Erinnern die Minister daran, daß sie eine eventuelle französisch=englische Allianz immer einstimmig so aufgefaßt hätten, daß sie auf absolut gleichem Fuße und als Steigerung der Garantien angesehen werden müsse, die der Friedensvertrag festsetze. Der Vertrag dürfe nicht der Vorbote anderer Pakte sein, zu denen Deutschland zugelassen werden solle, um auf dem Fuße der Gleichheit die Bedingungen diskutteren zu können, die es in Versailles unterzeichnet habe. Das sei Briand sofort nach Cannes berichtet worden. Noch eine zweite Depesche sei abgegangen, Darin wurde Briand die Versicherung gegeben, daß alle seine Kollegen seine Anstrengungen zu schätzen wissen und vollkommenen Glauben an seinen Patriotismus hätten. Nach Empfang dieser Depesche beschloß Briand, nach Paris zu kommen, um mit dem Präsidenten und seinen Kollegen zu verhandeln. Die Fragen, die behandelt würden, betreffen nicht die Frage der Existenz des Kabinetts, sondern die Hauptfrage der Politik Frankreichs gegenüber Deutschland, England und Europa. Dasvorläufige Endevon Cannes. Der Sonderberichterstatter von Havas meldet aus Cannes: Loucheur habe die Demission des Kabinetts im Laufe der Sitzung des Obersten Rates erfahren. Er erklärte dem Chef der interallierten Delegation, er befinde sich in der Notwendigkeit, Cannes zu verlassen. Trotz des Ersuchens von Lloyd George beharrte Loucheur dabei, abzureisen. Der Oberste Rat hat die Mitglieder der Reparations=Kommission angegliedert, um nach der Abreise Loucheurs die Verhandlungen mit den deutschen Vertretern fortsetzen zu können. Erst nach Bildung des neuen französischen Kabinetts könne die Rede von der Einberufung eines neuen Obersten Rates sein. Ein Teil der französischen Delegation verließ mit Loucheur Donnerstag Abend Cannes, der Rest ist am Freitag abend abgereist. Lloyd George verläßt Cannes am Sonntag. Deutschlands Bei den Verhandlungen der deutschen Delegation mit der Reparationskommission erklärte Dr. Rathenau, Deutschland habe deshalb der Kommission nicht früher Aufklärungen gegeben, weil es wußte, daß der Oberste Rat in Cannes zusammentrete, und es geglaubt habe, es sei vorzuziehen, den Augenblick abzuwarten, in dem es sich den alliierten Delegierten gegenüber befinde. Rathenau gab dann eine Uebersicht über die wirtschaftliche und finanzielle Lage Deutschlands, das infolge seiner passiven Handelsbilanz genötigt sei, sich aus eigenem zu ernähren. Er führte aus: Deutschlands Rohstoffe und Nahrungsmittel reichen nicht aus, um normal leben zu können. Es muß deshalb für 5 Milliarden Rohstoffe und Lebensmittel einführen. Während vor dem Kriege der Ertrag der im Auslande angelegten deutschen Kapitalien einen Nutzen abwarf, veränderte sich heute die Lage Deutschlands zu seinem Nachteil. Daraus entstehe für Deutschland ein jährliches Defizit von 750 Millionen Mark. Die deutsche Ausfuhr die 1913 noch 10—12 Milliarden Goldmark betrug, sei auf 3½—4 Milliarden Goldmark herabgesunken. Deutschland könne das nur abändern, indem es seinen Verbrauch einschränke, was fast unmöglich sei, da es schon ein Minimum verbrauche. Auch die Erhöhung der industriellen Erzeugung und Ausfuhr sei unmöglich, da in den Zollschranken ein fast unüberwindliches Hindernis zu erblicken sei. Auch die landwirtschaftliche Erzeugung sei trotz großer Anstrengung in verhältnismäßig geringem Maße gesteigert worden. Rathenau sprach von den Maßnahmen zur Steigerung der Tätigkeit Deutschlands auf dem Weltmarkte; er sagte, er glaube, daß, wenn Deutschland in dieser Richtung auf seine eigenen Kräfte angewiesen sei, nichts geschehen könne. Zeit und gemeinsame Anstrengung aller Völker seien notwendig. Unter diesen Umständen könne sich die Lage Deutschlands nur verschlechtern, wenn es gezwungen werde, ungeheure Summen für die Reparationen zu zahlen. Gewiß weigere sich Deutschland nicht, die Reparationen zu zahlen, aber es habe große Schwierigkeiten, sich ausländische Devisen zu verschaffen. Deutschland sei bereit, sich anzustrengen, um die Lage zu bessern. Auf die Frage, was Deutschland 1922 zahlen könne erklärte Rathenau, er könne nicht antworten, bevor er wisse, welche Sachlieferungen dieses Jahr von Deutschland gefordert würden. Die deutsche Regierung sei bereit, in diesem Jahre das Defizit der Eisenbahn und Post zu beseitigen. Es werde auch alles mögliche unternehmen, um die Unterstützungen kräftig herabzusetzen, die für die Volksernährung aufgewendet würden. Eine wesentliche Erhöhung der Steuer auf deutsche Kohle sei nicht möglich, da der deutsche Kohlenpreis schon fast den Weltmöarktpreis erreicht hat. Die Reparationskommission ersuchte Rathenau, am Samstag seine Ausführungen fortzusetzen. Er äußerte aber den Wunsch, vorher die Punkte zu erfahren, über die man ihn befragen wolle, damit er die Unterlagen beibringen könne. Die Reparationskommission beschloß, diesem Wunsche zu entsprechen. Die zweite Verhandlung mit der deutschen Delegation ist daher auf einen späteren Zeitpunkt verschoben worden. Die Wirtschafts=Konferenz. Das Programm für Genua. Der Oberste Rat setzte die Grundzüge des Programms der Konferenz von Genua fort. Demnach sollen dort folgende allgemeine Fragen besprochen werden: Anerkennung der öffentlichen Schulden durch die Länder und Bewilligung von Kompensationen für ungetilgte Schuldbestimmungen über das Finanz= und Währungswesen. Angemessene Garantien für den Handel. Friede zwischen den Nationen, Prüfung der praktischen Maßnahmen, die notwendig sind, um die Grundsätze zur Anwendung zu bringen. An finanziellen Fragen sei zu regeln: Prüfung der finanziellen Lage in den verschiedenen Ländern bezüglich der Arbeit des Wiederaufbaues, der Kaufkraft des nationalen Geldes, der heftigen Schwankungen des Wechselkurses und der Rückwirkungen, die die Lage und die Statuten der Banken auf die genannten Probleme ausüben; Prüfung und Bedingungen, unter denen der öffentliche und private Kredit in bester Weise für die Werke des Wiederaufbaues verfügbar gemacht werden kann. Endlich werde die Konferenz sich mit den Fragen der Verbesserung der Transportsysteme, des Produktionsaustausches, der Handelsverträge, des Schutzes der Industriellenrechte, der Konsularvertretungen, des Fremdenrechtes usw. zu beschäftigen haben. der Dollar! Er steht auf einer stolzen Höh' Und ist der Münze König, Und wer ihn hat im Portemonnaie, Der hat fürwahr nicht wenig; Der fühlt sich glänzend situiert, Denn heutzutag repräsentiert Der Dollar ein Vermögen, Die Mark ist nichts dagegen! Sie steht auch gar zu jämmerlich, Das fühlen wir am meisten, Für einen Dollar kann man sich Hingegen sehr viel leisten; Und keine Not und Sorge kennt, Wer solchen Schatz sein eigen nennt, Der zahlt die höchsten Preise, Und scheut auch keine Reise! Es ist viel Kauf= und Zahlungskraft, Dem Dollar heut zu eigen, Doch liebt er's, sich auch launenhaft, Und nicht zu fest zu zeigen; Es schwankt sein Kurs im Wechselspiel, Er ist nicht stetig und stabil, Auch er geht auf und nieder Und steigt und sinkt mal wieder! Stets wirkt auf seine Steigerung, Die deutsche Wirtschaftsfrage, Nach oben macht er einen Sprung, Wenn mißlich unsre Lage: Er pflegt auch schon.voraus zu sehn Und was da kann in Cannes geschehn, Der Dinge Umgestaltung, Beeinflußt seine Haltung! Wenn eine Wirtschafts=Konferenz, Die Blätter schon verkünden, Dann zeigt er sinkende Tendenz, Aus ganz gewicht'gen Gründen; Doch geht es wieder anders„'rum“, Und gibts kein Moratorium, Liegt weiter krank darnieder— Die Mark— dann steigt er wieder! Doch aufgeregt und angespannt, In hoffnungsvollem Schweigen, Virfolgt der giei'ge Spekulant, Das Fallen und das Steitzen; Er macht sich kein Gewissen draus, Ei nitzt die„Konjunktur jetzt aus, Um ohne viel Beschweiden— Ein Millionär zu werden! Der Dollar steht auf stolzer Höh', Mag auch sein Kurs vartieren, Und wer ihn hat im Portemonnaie, Der kann sich gratulieren; Den schreckt die Teuerungswelle nicht, Und bringt ihn auch die Steuerpflicht, Verschiedene Stufen weiter, Ihm tut das nichts! Ernst Heiter. Stadt und Land. Schwerte, 14. Januar 1922. *“ Der Garten im Januar. Im Monat Januar ist im Garten nicht viel zu tun. Wenn viel Schnee fällt, müssen Obst= und Zierbäume kräftig geschüttelt werden, damit die Aeste unter der Schneelast nicht brechen. Kommt es dennoch vor, so müssen die Burchstellen glatt abgesägt werden. Damit der Frost nicht eindringen kann, ist es ratsam, die Schnittflächen mit Lehm oder Baumwachs zu überstreichen. Ferner ist es notwendig, zu Frühjahrspflanzungen die Löcher auszuheben, damit sie tüchtig ausfrieren. Die Gemüsebeete sind mit Komposterde zu überlegen. Das Abraupen muß sorgfälitg fortgesetzt werden. Das Abkratzen der Stämme mit einer Stahlbürste ist zu diesem Zweck zu empfehlen. Danach ist das Bestreichen mit Kaltmilch ratsam. Aeltere Samen sind auf ihre Keimfähigkeit sorgfältig zu prüfen. Sie werden angefeuchtet auf ein Löschpapier gelegt und feucht erhalten. Fangen sie in zu keimen, sind sie gut. Keine Brotpreis=Erhöhung vor 1. Apcil. Die von Berlin aus verbreitete Mitteilung, daß infolge Abbaues der Staatszuschüsse für Lebensmittel bereits am 1. Februar eine beträchtliche Erhöhung des Brotpreises eintreten müsse, erklären zuständige Stellen in Bayern, daß wohl gegenwärtig in Berlin Verhandlungen über den Abban der Staatszuschüsse stattfinden, daß aber vor dem 1. April eine Erhöhung des Brotpreises nicht zu befürchten sei. ** Eschelbach=Vortrag. Wie schon kurz mitgeteilt, hat der kath.=kaufm. Verein„Hansa“ den bekannten rheinischen Dichter Hans Eschelbach für Mittwoch, den 18. d. M. zu einem Vortrag gewonnen, der im Saale des Vereinshauses (Specht) vor Stuhlreihen stattfindet. Eschelbach ist ein Dichter, der bei tünstlerischer Gestaltung Herzenswärme, Menschenliebe im tiefsten und rößten Sinne dieses Wortes zeigt; er gehört zu denen, die mit dem religiösen Provlem ehrlich zerungen und mit dem Menschenrätsel aufrichtig gekämpft haben. Alle seine Bücher zeigen den hohen, edlen Idealismus, der auf einer religiösen, ethischen Seelenharmonie beruht und der fortwiretnd Gutes tut. Gr, der sich von aller Konfessionei freihält und an die Geschichte, die Ueberlieferung anknüpft, hat uns ein reines Kunstwerk gegeben. Der Dichter sammelt alle seine Mittel und Kräfte und gestaltet Szenen von so reiner Schönheit, so zauberhafter Innerlichkeit und künstlerischer Größe, daß man zu seiner tiefen Religiosität hingeführt wird Eschelbach wird eine Auslese aus seinen besten Werken zum Vortrag bringen. Der Vortrag beginnt um 8 Uhr abends; nachmittags 4 Uhr wird ein besonderer Vortrag für Schüler und Schüleriniten stattfinden, Näheres wird noch durch Anzeige mitgeteilt. ** Konzert des Quartett=Vereins Glocke. Am morgigen Sonntag gibt der Quartettverein „Glocke“, den Herr Temme leitet, am„Freischütz“ ein erstes Konzert unter Mitwirkung eines T ios(Klavier, Geige, Cello) des bekannten Komvonisten Kahl=Barmen. Das in allen Stimmen gut besetzte Quartett singt Lieder von Bastyr, Fleischer, Neumann, Kranzhoff, Schaaf und anderen Meistern der Töne, während das Trio mit Werken von Hummel, Kahl, Beethoven u. a. auf dem Programm steht. Das Konzert verspricht recht genußreich zu werden. Wie steht es um die Zwangspensionierung? Das Landgericht Berlin hat den Klageanspruch des Rektors Bathe, eines der 36 auf Grund des Altersgrenzengesetzes mit Wirkung ab 1. April zwangsweise pensionierten Berliner Rektoren auf Fortzahlung des vollen Gehaltes und aller etwa seit dem zwangsweisen Ausscheiden aus dem Dienst vorgenommenen Gehaltserhöhungen stattgegeben und die preußische Landesschulkasse kostenpflichtig zur Zahlung verurteilt. ** Probepredigt in der großen Kirche. Am morgigen Sonntag wird in der großen Kirche um 10 Uhr der Synodalvikar Wilhelm Heß aus Düsseldorf eine Probepredigt halten. Es kommt demnächst durch Emeritierung des bisherigen Inhabers die vierte Pfarrstelle der Gemeinde zur Neubesetzung. Die Vorbereitungen dazu müssen schon jetzt beginnen. Die demnächstige Wahl liegt den Mitgliedern der größeren Gemeindevertretung ob. ** Bestandenes Examen. Vor der Prüfungskommission unter dem Vorsitz des Herrn Schulrats Frohneberg von der Regierung in Arnsberg bestand Herr Lehrer Kayser von der hiesigen katholischen Volksschule die zweite Lehrerprüfung. ** Apologetischer Vortrag. Gibt es einen Gott? Diese Frage hat von jeher die Menschen aufs Tiefste bewegt. Die einen haben sie beantwortet in dem Sinne: Es gibt keinen Gott und der Glaube an einen Gott ist Dummheit und Beschränktheit. Disie 71 reidenker führen einen scharfen Kampf gegen Gott. Auf der anderen Seite ist der Glaube an Gott unzähligen Menschen die Wurzel und die Grundlage der Lebenskraft und Lebensfreudigkeit und des Trostes in allen widrigen Lagen des Lebens. Die Stellung zu Gott teilt die Menschheit in zwei große Hälften. Die Scheidung wird immer stärker. Um in diesem Kampfe der Geister Klarheit zu erlangen, läßt die evangelische Gemeinde im Laufe der nächsten Wochen eine Reihe von Vorträgen im Gemeindehause halten. Der erste dieser Vorträge ist morgen(Sonntag) und wird von Herrn Professor Sellmann aus Hagen gehalten über das Thema:„Gibt es einen Gott!"„Alle diejenigen, die in dieser Zeit zu einer klaren Weltanschauung kommen wollen, sind freundlichst eingeladen. Der Brieftauben=Verein„Blitz“ feiert, wie aus einer Anzeige in der heutigen Nummer hervorgeht, am morgigen Sonntag sein Winterfest im Kösterschen Saale. Die Feier, mit der auch eine Ausstellung verbunden ist, ist in bester Weise vorbereitet und können dem Besucher recht genußreiche Stunden in Aussicht gestellt werden. ** Das Strafporto der Post. Eine recht große Unzufriedenheit herrscht schon allgemein über die recht hohen Portosätze aber empört sind die Empfänger der nicht genügend freigemachten Briefsendungen. Wird doch der doppelte Betrag von dem auf dem Briefe fehlenden Betrage, mindestens aber 50 Pfg. erhoben. Ist eine Postkarte von auswärts nur mit 1 Mark 20, statt mit 1 Mk. 25 Pfg., oder ein Brief mit 5 zu wenig frankirt, so werden 50 Pfg. Strafporto erhoben. Wird ein Brief, 21 Gramm schwer, nur mit 2 Mark frankiert, so muß der Adressat die 1 Mark nachzahlen und noch 1 Mark Strafporto; fehlen aber auf einem Biefe 2 Mark 20 Pfg., was häufig vorkommt, so muß der Empfänger, wenn er in den Besitz des Briefes gelangen will, erst 4 Mark 40 Pfg. zahlen. Die Gebühr für postlagernde Sendungen beträgt jetzt 50 Pf.; werden die 50 Pf. vom Absender vergessen, aufzukleben, so muß der Empfänger diese 50 Pfg. nachzahlen und außerdem 50 Pfg. Strafporto. Es kann wohl bezweifelt werden, daß die Reichstagsabgeordneten bei der Verabschiedung des Portogebührengesetzes sich klar über das Strafportosystem gewesen sind. ** Einen Theaterabend veranstaltet am morgigen Sonntag der Theaterverein„Humor" im „Westfäl. Hof"(Milberg). Das Programm sieht Vorträge aller Art und später Tanz vor.(Siehe auch Anzeige). ** Ergste, 13. Januar. Ehrenvoller Ruf. Wie wir hören, ist der Kreistierarzt Dr. Erich Silbersiepe aus Montjoie, im Rheinland, ein Sohn des Gutsbesitzers Gustav Silbersiepe in Ergste a. d. Ruhr, zum ordentlichen Professor an der Tierärztlichen Hochschule in Berlin ernannt und es ist ihm die Professur für Chirurgie und Operationslehre und die Leitung der Chiurgischen Klinik übertragen worden. ** Holzen, 13. Jan. Schulpersonalie. Die seitens des Schulvorstandes getätigte Wahl des Herrn Lehrers Budde zum Hauptlehrer der evangelischen Volksschule im Ortsteil Rosen als Nachfolger des Herrn Hillefeld hat die Bestätigung der Arnsberger Regierung gefunden. ** Westhofen, 13. Januar. Hochwasser. Zum zweiten Male in diesem Jahre führt die Ruhr Hochwasser, hervorgerufen durch die Schneeschmelze in den Bergen und die Niederschläge der letzten Tage. Große Weideflächen und Felder sind übrschwemmt. Auch die Lenne, welche am Fuße der Hohensyburg in die Ruhr mündet, ist aus ihren Wwr bemtstrteh. Man färbe daheim aur mit echten Braun'schen Stoffarben und fordere die Jehrreich: Oratisbroschüre No Z. Wilhelm Braunz, C. m. b. H., Quedliaburg a. M Vortrag Engelhardt. In der Vortragsvereinigung sprach Donnerstag abend im Gemeindehause Herr Pfarrer Engelhardt aus Elgersburg über das Thema: „Kulturaufgaben der modernen Jugendbewegung". Der Redner, welcher sein Pfarramt aufgegeben hat, um im schönen Thüringer Lande sich im Sinne seiner Bestrebungen zu betätigen, ging einleitend mit der Gegenwart und auch der Vortriegszeit in ein scharfes Gericht; er bezeichnete sie unter Beleuchtung einschlägiger Erscheinungen als sinnlos, wertelos, kraftlos und lieblos, nur dem Genuß und Genüssen zugetan. Diese Kritik, welche sich auch über Schundliteratur, Kino, Nikotin und Alkohol in ihren Gefahren und ihrer Bekämpfung verbreitete, ließ jedoch ein ungetrübtes Augenmaß vermissen und schoß verallgemeinernd mit dem Eifer und Uebereifer mehrfach erheblich über das Ziel hinaus. Dann ging der Redner zur neuen, modernen Jugendbewegung über und zeichnete ein eingehendes Bild derselben in ihren Bestrebungen und ihrer Bedeutung für die Zukunft unseres Volkes. Er schilderte ihren Drang nach Wahrheit, auch auf religiösem Gebiet, ihr Suchen nach neuen Formen, wie Einfachheit der Lebenshaltung, Reformbestrebungen hinsichtlich der Kleidung, des Tanzes und der geselligen Vergnügungen, ihr Bestreben, den Menschen als Mensch zu bewerten und dadurch versöhnend zu wirken. Von dieser Jugendbewegung glaubte der Redner es als einen Vorteil buchen zu müssen, daß sie bewußt die Autorität sowie den Beitritt zu politischen Parteien strikte ablehne. Die Beweisführung war in beiden Fällen trotz der vielleicht nicht ohne Absicht in Karikatur vorgeführten Erziehungsautoritäten hinkend. Sind denn die„Führer", welche diese Bewegung anstatt Autorität will, nicht auch Autoritäten, also Persönlichkeiten, geistige Kraftgestalten, wenn man um einen deutschen Ausdruck für genanntes Fremdwort ernsthaft verlegen sein sollte? Die Ausführungen des Redners über die politischen Parteien hinsichtlich ihrer Zusammensetzung, Ziele und Arbeit zeugten von einer Oberflächlichkeit und Dürftigkeit, daß hier eingehenderes Beschäftigen mit dieser Materie dringend angeraten werden muß, ehe man sich zu dem Urteil erhebt, das deutsche Volk werde zusehends genesen, wenn man die Parteisekretäre und dergleichen für einige Zeit ins Irrenhaus steckte. Die Parteien werden sich mit dem Nichteintritt der Herrn Engelhardt nahestehenden und von ihm geführten Kreise abfinden; wer eben alles ablehnt, muß, wenigstens nach unserer Meinung auf selbstsicherer Höhe stehen, eine Höhe, zu welcher der Dichter allerdings mahnend ruft: Schick dich in die Welt hinein, Denn dein Kopf ist viel zu klein, Daß sich schickt die Welt hinein. übrigen aber wollen wir mit dem Redner gerne hoffen, daß die neudeutsche Jugendbewegung mit dazu beitragen wird, daß unser Volk einmal wieder an Leib und Seele gesunden und bessere Tage sehen möge. Zwischen Himmel und Roman von Otto Ludwig. 60) (Nachdruck verboten). Der Geselle hatte unterdes frische Kleider geholt. Apollonius versicherte, er befinde sich wieder vollkommen kräftig, aber er zögerte, aus dem Bette aufzustehen. Der Alte gab ihm lachend die Kleider. Apollonius hatte sich vorhin unter der Decke ausgezogen, und so zog er sich wieder an. Der Bauherr kehrte sich ab von ihm und lachte durch das Fenster Sturm und Blitzen zu; er wußte nicht, ob über Apollonius' Schamhaftigkeit, oder überhaupt aus Freude an seinem Liebling. Er hatte oft bereut, daß der Junggeselle geblieben war; jetzt freute es ihn fast. Er hatte ja doch einen Sohn, und einen so braven, als ein Vater nur wünschen kann. Auf dem Wege begann eine große Not für Apollonius, Er wurde von Arm in Arm gerissen: selbst angesehene Frauen umarmten und küßten ihn. Seine Hände wurden so gedrückt und geschüttelt, daß er sie drei Tage lang nicht mehr fühlte. Er verlor seine natürliche edle Haltung nicht; die verlegene Bescheidenheit dem begeisterten Danke, das Erröten dem bewundernden Lobe gegenüber stand ihm so schön an, als sein mutig entschlossenes Wesen in der Gefahr. Wer ihn nicht schon kannte, verwunderte sich; man hatte sich ihn anders gedacht, braun, keckäugig, verwegen,„übersprudelnd von Kraftgefühl, wohl sogar wild. Aber man gestand sich, sein Ansehen widersprach dennoch nicht seiner Tat. Das mädchenhafte Erröten einer so hohen männlichen Gestält hatte seinen eigenen Reiz, und die verlegene Bescheidenheit des ehrlichen Gesichts, die nicht zu wissen schien, was er getan, gewann; die milde Besonnenheit und einfache Ruhe stellte die Tat nur in ein schöneres Licht; man sah, Eitelkeit und Ehrbegierde hatten keinen Teil daran gehabt. 21. Wir überspringen im Geiste drei Jahrzehnte, und kehren zu dem Manne zurück, mit dem wir uns im Anfange unserer Erzählung beschäftigten. Wir ließen ihn in der Laube seines Gärtchens. Die Glockentöne von Sankt Georg riefen die Bewohner der Stadt zum Vormittagsgottesdienste; sie klangen auch in das Gärtchen hinter dem Hause mit den grünen Fensterläden hinein. Dort sitzt er jeden Sonntag um diese Zeit. Rufen die Glocken zum Vormittagsgottesdienst, dann sieht man ihn, das silberbeknopfte Rohr in der Hand, nach der Kirche steigen. Kein Mensch begegnet ihm, der den alten Herrn nicht ehrerbietig grüßte. Nun sind es bald dreißig Jahre her, aber es- gibt noch Leute, die die Nacht miterlebt haben, die denknürdige Nacht, von der wir eben erzählten. Wer es noch weiß, dem können sie sagen, was der Mann mit dem silberbeknopften Stocke für die Stadt getan hat in jener Nacht. Und was er den Morgen nachher gestiftet, davon kann man Steine zeugen hören. Vor der Stadt am Brambacher Wege, nicht weit vom Schützenhaus, erhebt sich aus freundlichem Gärtchen ein stattlicher Bau. Es ist das reue Bürgerhospital. Jeder Fremde, der das Haus besucht, erfährt, daß der erste Gedanke dazu von Herrn Nettenmair kam. Er mußte die ganze Geschichte jener Nacht hören, die wackere Tat des Herrn Nattenmair, der dazumal noch jung war; dann, wie man Geld für ihn gesammelt, und er die bedeutende Summe an den Rat gegeben als Stamm zu dem Kapital, das der Bau erforderte; wie sein Beispiel Frucht getragen, und reiche Bürger mehr oder weniger dazu geschenkt und vermacht, bis endlich nach Jahren ein Zuschuß aus der Stadtkasse Beginn und Vollendung des Baues ermöglicht hatte. War Herr Nettenmair aus der Kirche zurück, dann verbrachte er den Rest des Sonntags auf seinem Stübchen— denn da wohnte er noch immer— oder er macht einen Gang nach der nahen Schiefergrube, die jetzt ihm gehört, oder vielmehr seinem Neffen. Die Erfüllung des Wortes, das er sich gegeben, war der Gedanke seines Lebens geblieben. Was er schaffte, schaffte er für die Angehörigen seines Bruders; er sah sich nur als ihren Verwalter an. Benegnete ihm auf seinem Wege ein zierliches Mädchen, so dachte er an das tote Aennchen. Sein Gedächtnis war so gewissenhaft, als er selbst. Dann rief er das Kind zu sich, streichelte ihm das Köpfchen, und es mußte wunderlich zugegangen sein, fand sich in den Taschen des blauen Rocks nicht irgend etwas sorglich in reines Papier Gewickeltes, das er herausnehmen konnte, sich von dem kleinen Munde einen Dank zu verdienen. Aber das Kind konnte sich erst freuen, wenn er vorübergegangen war. Bei aller Freundlichkeit hatte die große Gestalt etwas so Ernstes und Feierliches, daß das Kind vor Respekt nicht zur Freude kommen konnte. Die Woche über saß Herr Nettenmair über seinen Büchern und Briefen, oder beaufsichtigte im Schuppen das Ab= und Aufladen, das Behauen und Sortieren der Schiefer. Punkt Zwölf aß er zu Mittag, punkt Sechs zu Abend auf seinem Stübchen; dazu brauchte er eine Viertelstunde, dann strich er mit leiser Hand über das alte Sofa und bewegte sich drei andere Viertelstunden, war es Sommerszeit, im Gärtchen. Mit dem ersten Viertelschlage von ein bis fieben Uhr klinkte er die Staketentür wirder hinter sich zu. Am Sonntag ist es anders; da sitzt er eine ganze Stunde lang in der Laube und sieht nach dem Kirchdache von Sankt Georg hinauf. Uns bleibt wenig nachzuholen, und der Leser kennt alles, was dann durch Herrn Nettenmairs Seele geht, was er abliest vom Turmdache zu Sankt Georg. Auch wem das bejahrte, aber immer noch schöne Frauengesicht gehört, das zuweilen durch das Staket und das Bohnengelände daran, zu dem Sitzenden herüberlauscht, das weiß der Leser nun. Die jetzt weiße Locke über der Stirn, die sich noch immer gern frei macht, war noch dunkelbraun und voll, und hing auf eine faltenlose Stirn herab, die Wangen darunter schwellten eioch Jugendkraft, die Lippen blühten noch und die blauen Augen glänzten, als sie dem Manne entgegeneilte, der eben die Stadt gerettet. Er küßte sie leise auf die Stirn und nannte sie mit dem Namen„Schwester". Sie verstand, was er. meinte. Schon damals sah sie zu dem Manne hinauf, mit der Ergebung, ja Andacht, mit der sie jetzt sein Sinnen belauscht, aber noch ein ander Gefühl trat auf ihr durchsichtiges Antlitz. Der alte Herr geriet in Zorn, als Apollonius ihm seinen Entschluß, nicht zu heiraten, mittelkke. Er ließ dem Sohne die Wahl, die Ehre der Familie zu bedenken, oder nach Köln zurückzugehen. Apollonlus' Herzen wurde es schwerer, als seinem Verstande, den Vater zu überzeugen, daß nür er die Familie aufrecht zu halten vermöge und bleiben müsse. Er wußte, nur seinem Entschlusse treu, blieb er der Mann, sein Wort zu halten. Das konnte er dem Vater nicht sagen. Erfuhr dieser das wahre Verhältnis der beiden fungen Leute, so drang er nur noch stärker auf die Heirat. Dann hätte er ihm auch sagen müssen, wie der Bruber den Tod gesunden. Er hätte ihn nur tiefer beunruhigen müssen.(Forts. Aus den Provinzen. Dortmund, 14. Januar. Familiendrama Gestern abend erschoß der Wirt Naumann in der Oesterholdstraße seine Frau und dann sich selbst. Werden, 18. Januär. Ein verhängnisvoller Schuß. Der Unterwachtmeister der Essener Schutzpolizei, Fritz Pfing, der zum Wachdienst nach Werden abkommandiert war, begab sich nach Beendigung seines Dienstes in das Kaffee Feuser. Als er sich an einem Tisch niedergelassen hatte, fiel ihm sein Dienstrevolver aus dem Futteral zur Erde. In dem Augenblick, als der Beamte sich bückte, um den Revolver aufzuheben, krachte der Schuß. Die Kügel drang ihm in den Unterleib, durchschlug den Körper der Länge nach und kam an der Schulter wieder zum Vorschein. Der Verunglückte brach tödlich verletzt zusammen und starb nach einiger Zeit im Krankenhause. Siegen, 18. Januar. Echte Kameradschaft. Vor einiger Zeit brannte in Alsdorf dem Bergmann C. Bender sein Wohnhaus, Scheune und Stallung mit allem Mobilar nieder. Jetzt haben 500, Bergleute der Grube Bollenbach, auf der B. beschäftigt ist, sich verpflichtet, den Durchschnittslohn von 70 Mark pro Schicht, das sind 35000 Mark, dem B. zum Neubau eines Hauses zur Verfügung zu stellen. Barmen, 13. Januar. In den Tod gerodelt. Beim Rodeln erlitt hier durch einen unglücklichen Anprall des Schlittens ein 19jähriges Mädchen einen Schädelbruch und andere schwere Verletzungen, die den Tod des Mädche zur Folge hatten. Duisburg, 13. Januar. Ueberfall auf eine Wirtschaft. Die in Wanheim gelegene Gartenwirtschaft„Rheinlust", wurde von zwölf Männern, die tagszuvor vom Wirt aus dem Lokal gewiesen worden waren, zur Nachtzeit heimgesucht. Fast sämtliche Flaschen und Fensterscheiben, sowie Tische und Stühle wurden zertrümmert, und die in der Theke befindliche Kasse ihres Inhaltes in Höhe von 3500 Mark beraubt. Der Wirt konnte aus einem Revolver zwei Schüsse abgeben, die einem der Täter in die Hand und in den Arm drangen. Er mußte sich dann aber wegen Mangels an Patronen in die Küche zurückziehen, in der er sich einschließen konnte. Die Uebeltäter begannen ebenfalls zu schießen und fuhren fort, das Lokal zu zerstören. Schließlich gelang es dem Wirt, zu dem im Haufe befindlichen Telephon zu gelangen ued der in der Nähe gelegenen belgischen Besatzune, sowie der Schutzpolizei von dem Ueberfall Kenntnis zu geben. Belgier und Schutzpolizei rückten darauf in Kraftwagen heran. Nunmehr wurde das Lokal von den Räubern geräumt. Zum Teil konnten die Täter festgenommen werden. Köln, 18. Januar. Aus dem Sumpf der Großstadt. Eine Anzahl von Schleppern männlichen und weiblichen Geschlechts ist man hier wieder bei plötzlichen Kontrollen in Kuppelhäusern auf die Spur gekommen. Unter den dabei aus diesen Häusern geretteten verschleppten Mädchen befand sich auch das 14jährige Töchterchen eines Hüttenbesitzers aus Westfalen, das hier mit einer Freundin ein Hotel aufsuchen sollte. Mehrfach werden sich die Gerichte demnächst mit den Inhäbern solcher Häuser und ihren Schleppern zu beschäftigen haben. Aus dem Vereinfachung der Reichsverwaltung. Zur Vereinfachung des kostspieligen Apparates der Reichsverwaltung wird der Reichsrat bei seiner bevorstehenden Beratung des Reichshaushalts vorschlagen, das Reichsfinanzministerium mit dem Reichsschatzministerium zusammenzulegen. Ferner soll das Reichsministerium für Landwirtschaft und Ernährung mit dem Reichswirtschaftsministerium verbunden werden. b Ein neuer Konflikt mit Bähern. Unter der Ueberschrift„Eine neue bayrische Frage“ wendet sich der nun der bayrische Kurier dagegen, daß rückwirkend vom 1. Dezember auf böhmische Kohle die deutsche Kohlensteuer mit gegenwärtig 20 Prozent, demnächst aber voraussichtsichtlich 40 Prozent des Wertes, vom Reichsfinanzministerium erhoben werden soll. Dadurch wrede die bayrische Industrie, die im besonderen Maße auf die böhmische Kohle angewiesen ist, mit jährlich 250 Millionen Mark belastet, und in ihrer Konkurrenzfähigkeit eingeschränkt. Das genannte Blatt stellt die Frage:„Ist mit der bayrischen Regierung diese ausschlaggebende Maßnahme vorher besprochen worden? Wenn nicht, was gedenkt die bayrische Regierung zu tun, nachdem sie einen solchen Ausschlag erhalten hat? Das Eisenbahnfinanzgesetz. Die bisherigen Beratungen des Eisenbahnfinanzgesetzes, insbesondere die Anhörung der Sachverständigen und der Gewerkschaftsvertreter, hat weitere Abänderungen des Eisenbahnfinanzgesetzes erforderlich gemacht, so daß die Beratungen für einige Tage unterbrochen werden mußten. Es wird unter diesen Umständen nicht möglich sein, daß, wie ursprünglich geplant, dem Reichstag der Entwurf bei seinem nunmehr endgültigen Wiederzusammentritt am 19. Januar vorzulegen. Es ist auch noch nicht sicher, wann die Länderregierungen von dem Gesetzentwurf in Kenntnis gesetzt werden können. Zentrum und Reichsschulgesetz. sächsische Zentrumsabgeordnete Eigener Depeschendienst. Das Moratorium und das Reichskabinett. TU Berlin, 12. Januär. Die Entscheidung der Reparationskommission, die für die im Januar und Februar fälligen Zähkungen ein Moratorium unter gewissen Bedingungen vorsieht, ist der Reichsregierung gestern in später Abendstunde bekannt geworden. Die Reichsregierung wird heute vormittag in eine interne Besprechung darüber eintreten. Der Aufbrach von Cannes. BT Cannes, 14. Januckr. Die deutsche Delegation beschloß, gestern abend 7 Uhr abzureisen. Am späten Nachmittag reiste Lloyd George nach Paris ab. Lloyd George über die Situation. DT Cannes, 14. Januar. Lloyd George erklärte gestern beim Tee den englischen und amerikanischen Pressevertretern, daß die Konferenz von Genua keine Anpassung der letzten Fragen, wie sie aus dem Uebereinkommen über die Sanktionen ergeben, bedeuten soll. Falls das Kabinett Poincaree die in Cannes gefaßte Resolution über die europäische Konferenz nicht bestätigt, werde eine neue Aufrollung aller in Cannes erörterten Fragne in einer neuen alliierten Konferenz erforderHeßlein#lich sein. Die Der sachte hielt in Dresden eine Rede über die politische Lage und kam dabei auch auf das Reichsschulgesetz zu sprechen, das demnächst im Landtag verabschiedet werden soll. Heßlein führte dabei aus, der Reichsschulgesetzentwurf enthalte in seiner heutigen Fassung Paragraphen, die für das Zentrum unannehmbar seien. Es handele sich dabei um diejenigen Paragraphen, die die konfessionelle Schule beträfen. Wenn diese Paragraphen nicht beseitigt bezw. geändert würden, somit das Recht der christlichen Eltern auf die Bekenntnisschule, das in der Reichsverfassung begründet sei, nicht auch im Reichsschulgesetzentwurf unzweidentig festgelegt werde, dann würde sich die Zentrumsfraktion des Reichstages genötigt sehen, einen Volksentscheid zu beantragen. Die schwarze Schmach. Das Oberkommando der französischen Rheinarmee hat bei der interalliierten Rheinlandkommission die sofortige Herausgabe neuer Bestimmungen zum Schutze der farbigen französischen Truppen gegen die Angriffe der Deutschen gefordert. In Zukunft sollen alle aus dem unbesetzten Gebiet eingehenden deutschen Zeitungen, die unwahre Behauptungen oder Anschuldigungen gegen die farbigen Truppen enthalten, sofort auf längere Zeit verboten werden. Der Nachdruck im besetzten Rheinland wird mit schweren Strafen belegt werden. Deutschland und Seit einiger Zeit sind im Auswärtigen Amt Versuche im Gange, mit Japan in Verhandlungen über einen Handelsvertrag einzutreten. Japan hat auch bereits seine grundsätzliche Zustimmung zu einem solchen Abschluß erklärt. Bisher ist es aber doch nicht zu Verhandlungen gekommen, das dürfte vor allen Dingen daran liegen, daß Japan bei der augenblicklichen weltpolitischen Situation es nach Möglichkeit vermeiden soll, in Erörterungen über die ehemaligen deutschen Südseebesitzungen einzutreten. Diese Frage müßte bei evtl. Verhandlungen unbedingt berührt werden. Sie sind aus diesen Gründen zunächst zurückgestellt worden. Zur Ausgabe gelangen Fahrscheine mit Aufdruck eifersüchtige Reparationskommission. 11 Paris, 14. Januar. In der Entscheidun der Reparationskommission über einen Aufschub ber deutschen Zahlungen wird bekannt, daß in den letzten Tagen ein Konflikt zwischen dem Obersten Rat und dem Vorsitzenden der Reparationskommission Dubois drohte. Dubois vertrat den standpunkt, daß allein die Reparationskommission zu einer Entscheidung befugt sei und drohte, seine Entlassung zu nehmen. Im Obersten Rat scheint man den Willen des Vorsitzenden der Reparationskommission erfüllt zu haben. Harding für die Beteiligung in Genua. TU Washington, 14. Januar. Die Nachricht, daß der französische Ministerpräsident Briand von den Nationalisten gestürzt worden ist, hat hier in politischen Kreisen, in denen Briand als Mensch viel Sympathie entgegengebracht worden ist, allgemein Bedauern erregt. Der französische Delegirte Sarraut mußte von allen Seiten heute Beileidskundgebungen zu dem Schicksal Briands entgegennehmen. In informterten politischen Kreisen nimmt man an, daß die heute bevorstehende Kabinettsberatung über die Beteiligung an der Genuaer Konferenz zu einer günstigen Entscheidung gelangen wird, da Präsident Harding durch den Sturz Briands veranlaßt, seinen ganzen Einfluß zugunsten der Entsendung einer amerikanischen Delegation aufgewendet hat, Urlaubsgesuch Jugows abgelehnt. TU Berlin, 14. Januar. Herr v. Jagow, der zur Zeit die ihm auferlegte Festungsstrafe in Gollnow in Pommern verbüßt, hatte bekanntlich zu Beginn dieses Monats gegen Sicherheitsleistung von 500000 Mark um Gewährung eines 14tägigen Urlaubes zur Erledigung dringender wirtschaftlicher Angelegenheiten nachgesucht. Wie jetzt von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, hat das Reichsjustizministerium dieses Urlaubsgesuch abschlägtg beichseben. Verkänsersant Flaschen der sich durch Jeugnisse üder sein Verkaufskalent aus-sauch Benediktiner=, weisen kann, als Filialleitersgogna, und Goldfür unser Ikgarrengeschästsele... gesucht. lwasserflaschen kauft pugerer au Sehalson. Kraumendahl, Westenorti. Städt. Schauspielhaus Hagen. Sonntag, 15. Januar, nachmittags 2½ bis 5½ Uhr:„Börsenfieber“, Schwank in 3 Aufzügen von Max Reimann und Otto Schwarz.— Abends 7½ bis 10½ Uhr:„Die Geisha“, Operette in 3 Aufzügen von Sidney Jones. Montag, 16. Januar, abends 7½ bis 10½ Uhr:! „Die Strohwitwe“, Operette von Leo Blech. Dienstag, 17. Januar, abends 7½—10½ Uhr: „Hoffmanns Erzählungen“. Oper in 3 Aufzügen, einem Vorspiel und einem Nachspiel. Donnerstag, 19. Januar, abends 6 bis 11 Uhr: „Der Graf von Charlois“, Schauspiel in 5 Aufdügen von Veer=Hofmann. Stadttheater Dortmund. Dienstag, 17. Januar, 7—10½ Uhr:„Der Schatzgräber“, Oper von Franz Schreker. Mittwoch, 18. Januar, 3—5½ Uhr:„Peterchens Mondfahrt", Märchenspiel mit Musik und Tanz von Gerdt von Bassewitz.— Abends 7 9½ Uhr:„Der Pfau", Lustspiel von A. M. Willner. Donnerstag, 19. Jannar, 7—9½ Uhr:„Rigoletto“ Oper von Giuseppe Verdi. Freitag, 20. Januar, 7 bis 9½ Uhr:„Erdgeist“, Tragödie in einem Prolog und 4 Aufzügen von Frank Wedekind. Sonnabend, 21. Januar, 3—5½ Uhr:„Peterchens Mondfahrt".— Abends 7 bis 10 Uhr: „Der Postillon von Lonjumeau", Komische Oper von Adolf Karl Adam. : O d e o n= V a r i t e e, D o r t m u n d. D a s s o g r o ß e n Antlang findende Programm vom 1. bis 16. Januar gelangt nur noch 2 Tage zur Aufführung. Der so schnell beliebt gewordene Meister=Humorist Kohlbrandt hat nach wie vor einen Bombenerfolg. Wer einige genußreiche Stunden verleben will, besuche das Odeon. 1,50 2.00 2,50 3.00 50 Pfg. 60„ 80 Donnerstag, den 26. Januar ds. Is., vorm. 10 Uhr, sollen in der Waldung des Gutes Angebole mi Lappenhausen, Forst= spruchen u. A. 224 an die orl:„Wesisiepen und Geschäftssl. d. Big.(□ Rotenkamp“ ca. 60 Nr.— Wommelsdon Eichenbrennholz und ca. Mehrere tragende 222“ Schneidermeis##r# 20 Nr. Eichen u. Eschen!ing uud[Schwerte, Molkestraße 4## zu Stellmacher= und Scweme und Frechtungsholz geeignet!4 hachfragende Kuh öffentlich, meistbietends verkauft werden. zu verkausen. Für Fahrten ab 10 Uhr abends sowie für die Benutzung von Arbeiterfrühwagen ist ein Nachtzuschlagschein zu 50 Pfg. zu lösen. Ausgenommen Fahrscheine mit 50 Pfg. Aufschlag ausgegehen. Monatskarten erhalten durch einen Aufpreis von Mark 10.— Gültigkeit für die Benutzung der zuschlagpflichtigen Spät= und Arbeiterwagen, gleichzeitig ist badurch der Sonntagszuschlag abgelöst. Für Monatskarten ohne Zuschlagstemapel muß Sonntags ein Fahrschein mit Aufdruck„Sonntagszuschlag“ für 50 Pg gelöst werden. Hörde, den 15 Januar 1922. Hörder Kreisbahnen. Jusammenkunft an Ehlenkamp, Ort und Stelle, und in Wandhoft der Virbeck d. Hengsen. Haus Ruhr bei Schwerke, den 13. Januar 1922. Gröfl. v. Wedeische Rentel. 1 fast neuer, heller Damen=Mantel 1 blauer, schwerer Wintermantel, 1 Covercoot=Nacke (Größe 46) und 2 schwarze Frauenhüte zu verkaufen. Sahgibesstr. 28. Die Beleidigung, die ich gegen Frau Grasmann ausgesprochen habe, nehme ich hiermit als unwahr zurück. 210 Ludwig Geis. Gottesdienst=Ordnung für Sonntag, den 15. Januar 1922. Große Kirche: 10 Uhr: Synodalvikar Heß aus Düsseldorf, Probepredigt. 11½ Uhr: Kindergottesdienst: Pastor Ohlig. Kleine Kirche: 9 Uhr und 5 Uhr: Pastor Terberger. Evang. Krankenhaus: 9 Uhr: Pastor Ohlig. Westhofen: 10 Uhr: Pastor Klinker; 11¼ Uhr: Kindergottesdienst. Syburg: 10 Uhr: Kandidat Heuer. Kath. Pfarrkirche: 6 Uhr: Stille hl. Messe (Kaplan Winter); 7½ Uhr: Frühmesse mit Predigt(Monatskommunion der Mütter); 6¾ Uhr: Schulmesse mit Predigt(Kapl. Schleep); 10 Uhr: Hochamt(Pfarrer Schnurbus). Kollekte für den Kirchenbau in Holzen. 2½ Uhr: Christenlehre. Lichtendorf: ½8 Uhr: Frühmesse mit Predigt, 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm 2½ Uhr: Andacht mit Segen. Gemeinschaftl. hl. Kommunion der Mädchen und Jungfrauen. Wetter=Aussichten füe meprere Tage im voraus. 15. Januar: Wolken, mild, strichweise Niederschlag. 16. Januar: Wenig verändert. 17. Januar: Meist bedeckt, gelinde, Niederschläge, windig, teils Sturm. 18. Jänuar: Kaum verändert. 19. Januar: Veränderlich, gekinde. 20. Januar: Trübe, sonst wenig verändert. 21. Januar: Veränderlich, normal temperiert. Für die Redaktion vernntwortlich: Friedr. Kraas. Druck und Verlag: Carl Braus, beide in Schwerte. BesanntmachstngAls Ersatzmann für den aus der StadtverordnetenVersammlung ausgeschiedenen, Lug z. zfentlsicher Terbrüggen hat der Wahlausschug in Offentlacher Sitzung am 12. Januar 1922 den Stellmacher= meister Fritz Fund, Teichstraße Nr. 2, Gemäß§ 21 der Verordnung über die Wahlen zur verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung vom 30. November 1918 sowie gemäß§ 59 der Wahlordnung für die Wahlen zur Deutschen Nationalversammlung gilt dieser nunmehr als gewahlt Schwerte, den 13. Januar 1922. Der Vorsitzende des Wahlausschusses. Rohrmann, Bürgermeister. Wir retten Ihre Haare! Verlangen Sie kostenlos Prospekt. Kur- und Hellanstalt Schloß Falkenberg bei Grünau 980(Mark). 3883 Rotentendotes lontint für Hoarzissenschat. habe ich durch Gebrauch von Odermeyer's beseitigt, P# bis dahin alle andern angewandten Mittel osis be oeäiche vjedten. Zu daden in allen Apo#o, Drogerten u. Parsumerten „Turnverein„Teutonia“ep. esthofen — Deutsche Curnerschaft. 205 Die Liebe höreiknimmerZauf! Donnerstag nachmittag 5 Uhr entschlief sanft nach kurzem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser lieber Sohn und Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel, der Maurer F Mugust Kunze im Alter von 31 Jahren. die trauernden Hinterbliebenen: Frau Berta Kunze geb. Haarmann, Familie Karl Kunze, Familie Wilhelm Haarmann. Schwerte, Holzen, Bisperode, Halle, Gmünden a. M., Hanau, Menden, Langendreer, Dienslaken, den 12. Jan. 1922. Die Beerdigung findet Montag, den 16. Jan. 1922, nachm. ½4 Uhr, vom Trauerhause, Sedanstraße 2, aus stalt. Sollte jemand aus Versehen keine Nachricht erhalten haben, so diene diese als solche. Sonntag, den 15. Jannar 1922, nachm. 4 Uhr ahres=Haupt=Versammlung. Evang. Gemeinde Schwerte. Sonntag, den 15. Januar, nachm. 4 Uhr im Gemeindehause: Ossenliicher Vortrag „Gibt es einen Gott!“ Prof. Sellmann=Hagen Alle Gemeindeglieder, Freunde und Gegner sind freundlichst eingeladen. Das presbyterium: Wischnath. Statt Korten. Die Verlobung meiner Tochter Irma mit dem Landwirt Herrn Karl Hebe gebe ich bekannt Frau Sophie Rutenborn geb. Gocke „Geisecke, den 14.Januar 1922 Irma Rutenborn Karl Hebe Verlobte Geisecke Aplerbeck 4. Januar 1922 Gr8 K c vortrags=vereinigung. Experimental=Vortrag über E P orahtlose Celegrasie und Telefonie Physiker W. Pauck=Berlin. Montag, ö. 16. u. Dienstag, ö. 17. Januar abends 8¼ Uhr im Gameindehaus. Zuschlag für Abonnenten für jeden Abend 2 M., Eintrittskarten für Nichtabonnenten 8 M. Die Verlobung unserer Tochter Otty mit Herrn StudienAssessor Dr. Heinz Fromen beehren wir uns anzuzeigen Heinr. Schulte u. Frau Marie geb. Schiffer# Hagen(Westf.), 14. Jan. 1922 Vinckestrasse 16" S c. Meine Verlobung mit Fräulein Otty Schulte, TochVrer des Herrn Direktor Heinrich Schulte und seiner Frau Gemahlin, Marie geb. Schiffer, (zeige ich hiermit an Dr. Fromen Schwerte(Ruhr), 14. Jan. /1922 194 Hagenerstrasse 38 brur Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, heute nach kurzem Leiden, meinen lieben Mann, unsern guten Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herrn Vilh. Reininghaus im vollendeten 76. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit zu rufen. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, den 13. Januar 1922. Die Beerdigung findet am Montag, den 16. Januar 2¾ Uhr vom Sterbehause, Beckestraße 32. aus statt. Werner Loose eiteteettzetettertzeteet:... zaug Postagsen fuset Cafe Astorla Jerst am Sonntag, dem : Inhaber: Heinrich Keprrgggn., 3/18. Jan., nachmittags iggg. i.. 3|5 Uhr, vom KrauerSonntag, den 4. Januur lP2, abendte 8 Uh, 3 shause zus slat. „ Rnn ## Schwerte Leiter: Herr W. Temme 1 — 5 Sonntag, d. 15. Jan., nachm. 4 Uhr: onzert ###it im Freischütz. Mitwirkende: Trio Kahl, Barmen. Herr Musikdir. u. Komponist Viktor Kahl, Flügel? Herr Hans Joachim Kahl, Violine Herr Josef Meyer, Cello. 1 : Chöre von„ 5 Bastyr, Fleischer, Schaaf, Neumann, Kranzhoff, 2 Trios von Hummel, Drdla, Händel, Beethoven.“ * Nach dem Konzert: Gemütliches Beisammensein. T Eintrittspreise: im Vorverkauf 5,— Mk. • an der Kasse erhöhte Preise. 1 Ehrliches, properes 3 Mrochen K Freitag morgen 11¼ Uhr nahm der liebe Gott# unser sonniges Töchterchea und Schwesterchen Charlotte im Alter von 7 Monaten nach kurzer, schwerer Krankheit wieder zu sich in den Himmel. In tiefer Trauer: Emil Kümper und Frau Rudi Kümper. Schwerte, den 13. Januar 1922. Die Verdigung findet Montag, den 16. Januar ## 1922, vormittags 10 Uhr. vom Trauerhause, Kleppingstraße 5, aus statt. der bewährten Hauskapelle 201 Weine und Liköre, Kaffee, Schokolade : Kale und wame Küene z ffür alle vorkommenden Hen Hausarbeiten gegenhohen bald gesucht. V399939 3939....... Hofel#Erte#son##2#e berge. 10 Motto: Wo gehen wir Sonntag hin?: Sppera 8....# u##,1 Pohvmädchon: 11. Aunor aun Sonnteun nue un... 1, Llechen ei Seneng e chchrne Samtei 0 ar des Krieger=Verein. Zur. Teilnahme der Beerdigung Kameraden Reininghaus Kriegsteiln. 1870/71 treten die Mitglieder am Montag, 16. Jan., nachmiltags 2¼ Uhr, bei Kordeck an. Zahlreiche Beleiligung erwartet Der Vorstand. * Nornenmes Weinlokal und Café galeg Sonntag, den 15.Jan., nachm. 4 Uhr: gerstkl. Kund. Gute Weine, Liköre, Kaftee u. Schokolnde# Kalte und warme Spoise n.IK aus achldarer Familie für ein Kolonialwarengeschäft zu Ostern in die Lehre gesucht. Daselbit für sofort oder 1. Fedr. ein anständiges#— „ulorgenmädchenf.! bei hohem Lohn gesucht.# ei hohem Lohn gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsstelle. 200 Dort veranstaltet der Theatervecein * 04"„PA- am Sonnlag, dem e#2* 15. Januar 1922 einen großzügigen :. B unten Aben :###, bestehend in Couplet,Duetten und Lustspielen mit anschließendem Ball. — Anfang 4 Uhr.— II1 Genußreiche Stunden versprechend, E. ladet ergebenst ein „ der vorstand. „'E Gestern abend 9¾ Uhr entschlief sanft und gottergeben infolge Altersschwäche unser lieber, guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Onkel, der Inbalibe Wilhseint Bruns im Alter von 76 Jahren. die trauernden hinterbliebenen. Schwerte, den 13 Januar 1922 Die Beerdigung findet Sonntag, den 15. Januar, nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehause, Rosenweg 32, aus statt. Schützenbund. Zur Beerdigung des verstorbenen Schützenbruders With. Brand (tritt der Verein am Sonntag, dem 15. Januar, nachm. 1¼ Uhrim Vereinslokal an. Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. : Hotel Duisberg: „Kaftee-Restaurant. * S o n n t a g, d e n 1 5. J a n u a r, n a c h m. 4 U h r: Erstkl. Künstlerkonzert Von 11 bis 1 Uhr: Frühkonzert Besetzung: Geige, Klavier, Cello. Gutgepflegte Biere und Weine.is Zentralbeizung. Angenehmer Aufenthalt. Eintritt frei. Eintritt frei. [Vch,We.. Ißeinrich Waller= Hagener Strasse Sonntag, den 1s. Januar 1922: Erstkl. Künstler=Konzert * Dortmund. Nur Königswall6,1Treppe kein Laden. Nach beende. der Saison sowäbse an!. mein Restlager WPprn ngt OiLO Brieftaubenzüchter=Verein „Blitz“, Schwerte Bolge Nachruf. Am 6. dieses Monats verstarb der Waldarbeiter Herr Heinrich Mark im 70. Lebensjahre. Der Verstorbene hat über 40 Jahre in treuer Hingabe im Dienste der Besitzer von Haus Villigst gestanden. Die dankbare Erinnerung an ihn und sein Wirken soll nie bei uns erlöschen. Haus Villigst, 11. Januar 1922. Freiherr u. Freifrau v. Gemmingen 228 Einheitsverband Deutsch. Kriegsbeschädigterler# 1a 1drüchor Jund Kriegshinterbliebener, Ateraubrucker sgruppe Schwerte. auf Aluminium=Wasser! Die Monatsversamm=skessel eingearbeitet, sofort, lungen finden wieder ansoder zum 1. Februar für jedem zweiten Sonnabend, Dauerstellung und hohen abends 8 Uhr, im Lo=1/., gesucht 167 kale„Westfälischer Hof:s eogn gesucht. 167 (Inh. Milberg) statt. Nächste Versammlung Sonnabend, den 14. JaTnuar 1922, abends 8 Uhr. Der Vorstand. Aluminiumwerk Henke Sölderholz. Rheuma, Ischias, Gliederreißen Neuralgie(Nervenschmerzen). Kostenlos neu eingetrossen. Reiche Austeile ich gerne mit, wieswahl von den einsachsten bis Tausende Patienten durch zu den seinsten Lederdänden. Buchhandlung Krankenschleft. Aques, Carl Braus, Schwerte 913. Junger, gebildeter Buch händler sucht möglichst te# für sofort ein gutmöbliertes Zimmer mit kicht, Heizung und 444 Morgenkaffer. 44 Offerten umgehend unter Nr. 97 an die Geschäftsstelle. trotz billigster Preise 103 10(0 abatt nurkurze Zeit! Pelz-Verlrieb Dorim und nur I6 Hönloswall 6 1 Treppe, kein Laden, gegenüber der Bahnpost am Burgtor. Erhalte am Montag eine(Exhalte Dienstag bestimmt Sendung 214seine große Sendung schöner ferkel und Faselschweine. WV. Brauckmann. August Schulte Sonntag, den 15. Januar 1922, abends 5 Uhr beginnend, feiern wir unser diesjähriges Tenterfert m Saale der Witwe Köster, Wilhelmstraße, durch Theater und humorist. Aufführungen und großem Ball. Ab Mittags 1 Uhr daselbst: Große Brieflauben=Preisausstellung. Der Vorstand. Varietee-Palast Ooro TUoT Aucfl. 59/el. Tel. 3077/2900 Heute Sonnabend 7½ Uhr morgen Sonntag nachmittags 3½ Uhr Ermäßigte Preise, ungekürztes Programm. Abends 7½ Uhr Letzte Aufführung des hervorragenden Programms vom 1.—15. Januar Ab Montag, den 16. Januar: das neue Schlager=Programm. Karten sind täglich von 10 bis 1 Uhr vormittags und ab 4 Uhr nachmittags an der Kasse zu haiben. un Telephonische Bestellungen 3047 und 4900 ul Nr. 12(2. Blatt) Siegendes Licht. rlobung mit Schulte, TochDirektor Heinnd seiner Frau je geb. Schiffer, mit an Dr. Fromen u). 14. Jan. 1922 194 K ereins Glocke“ werte err w. Cemme 5. Jan., nachm. 4 Uhr: ert chütz. kahl, Barmen. Viktor Kahl, Flügel! Kahl, Violine ser, Cello. 10.* Neumann, Kranzhoff, Händel, Beethoven.“ iches Beisammensein. rverkauf 5,— Mk. öhte Preise. 9899999000 sir Sonntag hin? Paul Anntblrg“. Theaterverein onntag, dem nen großzügigen Abend duetten und Lust=„ eßendem Ball. Uhr.— 6 in versprechend, nst ein tand. 999819900U* hter=Verein chwerte nuar 1922, abends vir unser diesjähriges F•.* ster, Wilhelmstraße, orist. Aufführungen m Ball. Ihr daselbst: Freisausstellung. stand. rietee- Palast ortmuno kst. 39/41. Tel. 3047/4900 end 7½ Uhr chmittags 3½ Uhr ekürztes Programm. ½ Uhr „Thrul. umsvom 1.—15. Jannar 16. Januar: ser-Programm. 0 bis 1 Uhr vormittags an der Kasse zu halben. igen 3047 und 4900 Es ist etwas Wunderbares mit dem Rhythmus im Jahre, mit dem Wechsel von Tag und Nacht, von Frost und Hitze, von Sommer und Winter. Es wäre etwas Furchtbares, wenn wir ein ewiges Einerlei hätten, wenn es nur einen ewigen Sommer oder einen ewigen Winter gäbe Nun ist die Epiphaniaszeit wieder da, die Zeit des fiegenden Lichtes. Das Weihnachtsfest ist vorüber, das Epiphaniasfest zeigte uns, wie das Licht von Bethlehem von der Krippe zum fernen Often, zu den Weisen aus dem Morgenlande vordrang Inzwischen ist das Licht durch die Länder, Völker und Jahrhunderte hindurch bis zu uns vorgedrungen. Da ist es nun erschreckend u sehen, wie trotz des Lichtes von Zion her, noch sooiel Finsternis unter uns zu finden ist Nimmt nicht sogar die Finsternis zu? Sind nicht die Mächte der Finsternis siegreich am Werke und machen sie sich nicht immer mehr Zeit und Zeitgenossen zu eigen? Ist es nicht zum Verzweifeln? Immer gehässiger und zahlreicher toben die Felnde gegen den Herrn und seinen Gesalbten. Sollen wir verzagen? Sollen wir uns verschüchtert in den Winkel zurückziehen? Nein! Epiphaniaszeit ist wieder da, die Zeit des fiegenden Lichtes. Die Tage nehmen zu, die Sonne steigt immer höher Kein Mensch kann es hindern. Wir wollen auch in der Gegenwart nicht verzagen, aber wir müssen unser Herz immerdar öffnen, daß das Licht auch uns alle Zeit erleuchten und erwärmen kann Die Sonne kann nicht hinter sinstern Wolken ver schwinden, sie dringt immer mächtiger heivor Die Frühlingssonne kommt, sie belebt die erstartte Natur, sie rust hervor die zarten Blümelein. Jesus Christus, der Fürst des Lichtes, ist auch in der Gegenwart der siegende König. Menschen können ihn nicht hemmen Die Hauptsache, daß wir ihm zur Verfügung stehen als Mitkämpfer und als Mitstreiter. Unwissenheit, Verhetzung, Lieblosigkeit müssen unter uns verschwinden. Erkenntnis, Versöhnlichkeit und Liebe müssen wieder, sollen wieder unter uns einkehren. Epiphaniaslicht, besiege auch uns, damit wir selbst Licht für unsere Umwelt werden, erleuchtendes und erwärmendes Licht werden. Das Licht kommt, das Licht siegt, wir wollen bitten, daß es auch zu uns komme, daß auch uns besiege Das ewige Licht geht da herein, Es gibt der Welt einen neuen Schein, Es leucht't wohl mitten in der Nacht. Und uns des Lichtes Kinder macht. Dr. S. Vaterland. leisten, wir haben Pflichten gegen sie, über die unter vernünftigen Menschen nicht gestritten wird, die ebenso selbstverständlich sind, wie mein Herz die Pflicht hat, zu schlagen, mein Magen die Pflicht, zu verdauen, mein Augenlid die Pflicht, den Staub vom Auge abzuwehren, mein Fuß die Pflicht, mich aus der Gefahr wegzutragen. Darum sprechen wir von den Gliedern der Familie, weil die Familie eine lebendige, organische Einheit ist, nicht aus Stücken zusammengeflickt, sondern als Gabe und Aufgabe ganz und lebendig in jedem einzelnen Glied Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Vaterland. Wir find seine lebendigen Glieder. Es ist nicht die Summe seiner Burger, sondern es ist eine geistig sittliche Einheit, ein Erbe der Väter, das in jedem von uns ganz gegenwärtig ist und lebt, in das wir mit der Seele hineingewachsen sind, das unser geistiger Besitz, eine Quelle des Hochgefühls, der Freude ist; das aber auch auf uns angewiesen ist und verlangt, daß wir es sorgsam lieben, hegen und pflegen. Als geistig sittliches Eigentum, das uns angehört und dem wir angehören, tragen wir das Vaterland in der Seele, wir sind seine lebendigen Glieder, wie die Glieder eines Körpers, wie die Aeste und Zweige Baum Wenn aber ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; und nicht bloß das Wir sehen bei einer inneren Krankheit oder einer Verletzung, wie die gesunden Kräfte sofort beginnen, das eingedrungene Gitt oder den Fremdkörper auszustotzen, wie sie mithelfen, die Wunden zu heilen. leiblichen Kötper geschieht das aus dem blinden Naturtrieb der Selbsterhaltung. In der Familie sehen wir, wie die Glieder, besonders Vater und Mutter beim Kinde, sich aus freier Liebe um das kranke Mitglied sorgen, es pflegen. So auch sollen wir Deutsche allesamt mit doppelter Liebe nns als Glieder des niedergebeugten Vaterlandes erweisen, indem wir uns geschlossen hinter jene Führer stellen, die aufbauende, heilende Arbeit leisten in Wirtschaft und Volkserziehung Vor allem aber dadurch, daß wir jeder an seinem Platze, uns als segenspendende Bürger bewähren in Elfüllung unseres Beriifes, in stillem gemeinnützigen Wiken des Bürgers überall dort, wo im Berufsstand, Gemeinde und Staat die Pflege des Gemeinwohls Menschen zusammenführt. Keiner darf in der heutigen Not unseres Volkes und Vaterlandes bloß an sich denken, gar aus ihrer Not gewinnbingendes Geschäft machen, Was geht in Agypten vor? Von Richard Förster. Wenn wir Deutsche Vaterland sagen, so stehen vor unserer Seele das Land, die Ackerflur, die Trifte, wo das Vieh weidet, die Ströme, die es durchziehen, die Waldgebirge, die darin aufragen, die Dörfer mit ihren Kirchtürmen, die Städte mit ihren Häusermeeren, mit den Fabrikschloten in ihrem Umkreis, mit ihrem Menschengewimmel in den Straßen. Ringsherum läuft die Landesgrenze, So denken wir uns das Vaterland als ein sichtund greifbares Land. dem Begriff Vaterland aber liegt mehr als dies; genau so wie im Begriffe Familie mehr liegt als der Bauernhof oder der Kotten, als das Herrschaftshaus oder das Eigenheim, auf dem die Familie angesiedelt ist, als die Arbeitsstätte oder der Acker, von wo sie ihre leiblichen Daseinsbedingungen bezieht. In dem Begriff Familie liegt etwas Geistiges, eine Gabe, die uns das Schicksal gab, eine Zugehörigkeit mit dem ganzen Sein, eine Zusammengehörigkeit der einzelnen zu einer geistigen und sittlichen Einheit und Gemeinschaft. Die Familie ist aber nicht bloß Gottesgabe, die wir als Gedanken, als Gegenstand der Liebe und Anhänglichkeit in der Seele tragen, sondern sie ist uns auch Aufgabe Sie kann von uns etwas erwarten, das wir ihr mir Selbstverständlichkeit Zunächst muß festgestellt werden, daß sämtliche über die von dort verbreitelen Nachrichten aus englischer Quelle stammen. Lügen=Reuter schickt sie über das Wolffbüro zu uns. Für jeden Menschen, der nur einigermaßen mit den Verhältnissen im Niltal vertraut ist, wo möglich, wie der Schreiber dieser Zeilen, aus jahrelanger persönlicher Beobachtung, kann es nicht zweifelhaft sein, daß sie durchweg im englischen Sinne gefärbt oder geradezu gefälscht sind. So war es von jeher und so ist es heute noch. Lügen aber haben kurze Beine; einige auf Um= und Schleichwegen hierher gelangte Mitteilungen von privater Seite beweisen wieder einmal die Wahrheit dieses Satzes und erklären auch gleichzeitig die Widersprüche in der Berichterstattung. Es ist nicht wahr, daß nach Zaghlul Paschas Verhaftung und— wie es sogar heißt — Deportation nach Ceylon die ägyptische Bevölkerung sich„beruhigt“ habe, daß alle Behörden wie gewöhnlich arbeiten, und es nur noch nötig gewesen ist. einige vereinzelte „unbedeutende". Demonstrationen zu unterdrücken. Wenn die Polizei imstande gewesen wäre, der Bewegung ohne Schwierigkeiten Herr zu werden, würde man nicht britische Kriegsschiffe herangeholt und zwei Regimentern den Befehl erteilt haben, sich zur Einschiffung nach Aegypten bereit zu halten. Panzerautos in den Straßen von Kairo und Alexandrien deuten auch nicht gerade darauf hin, datz man die Revolle der schamlos unterdrückten und in ihrem Nationalgefühl seit langen Jahrzehnten gekränkten Bewohner des Niltales für eine Kleinigkeit hält. Die Erregung unter der Bevölkerung ist seit der Festnahme Zaghlul Paschas sehr gewachsen und im Augenblick, da diese Zeilen in Druck gehen, sieht es recht schlimm aus im Pyramidenlande. Man scheint mit dem klugen, echt vaterländisch gesinntem Zaghlul Pascha ebenso verfahren zu wollen, wie s. dem aufständischen Arabi Pascha nach dei Schlacht von Tel=el=Kebir am 13. November 1862, durch die Aegyptens Schicksal besiegelt wurde. England halte sich durch seinen Sieg der wichtigsten Elappe auf dem Wege zu seinen indischen Kolonien bemächtigt. unter der trügerischen Vorspiegelung. in idealer Uneigennützigkeit dem türkischen Sultan einen großen Dienst geleistet zu haben. Daß in den letzten Wochen mehr Blut geflossen ist, auch auf englischer Seite, als die Londoner Presse zugibt, ist gewiß. Frühere Aufstände beschränkten sich gewöhnlich auf die großen Städte Katro und Alexandrien. Dort garnisonieren britische Truppen, die allmonatlich einmal— zur Warnung der Bevölkerung, die sie kaum beachtete oder gar auslachte— bis an die Zähne bewaffnet durch die Straßen geführt wurden. Immerhin ermöglichte dieses Militär eine schnelle Unterdrückung irgendwelcher Unruhen. Das übrige Land blieb meist teilnahmslos dabei. Diesmal aber gärt es auch in anderen Orten! Aus Port Said, Ismailia, Suez, Tankan. Beni Suef, Minjeh, Assiut u. a. m. kommen schlimme Nachrichten. Eins ist freilich zu berücksichtigen und zu bedauern: bis in die elendesten Schlammhütten der Fellachen hinein hat die englische Besatzung und Regierung nach Waffen Umschau gehallen, konfisziert, was zu finden war, und die Einfuhr neuer Hieb= und Schußwaffen mit allem Zubehör strengstens überwacht. Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, daß von der Wüste her, vielleicht mit Unterstützung der Senussi, ein Waffenschmuggel stattgefunden hat, der den Engländern recht unbequem werden kann. Für den Nahkampf hat der Eingeborene nur einen Knüppel zur Verfügung, der allerdings ein sehr gefährliches Werkzeug ist, in der Hand eines, der ihn zu führen weiß. Ein Schlag gegen den Kopf hat fast immer den Tod zur Folge. Die englischen Zeilungen erzählen wiederum, wie steis bei solchen Anlässen, das Märchen Streiks der studierenden Jugend“. von einer Handvoll unreifer Jünglinge. Die Besucher der Al=Asha=Universität sind durchweg fanatische Nationalisten, die den Briten schon recht zu schaffen gemacht haben. Auch der im Auslande lebende ägyplische Student ist ein nicht zu unterschätzender Faktor im Kampf gegen die englische Botmäßigkeit, die man so euphemistisch„Schutzherrschaft“ nennt. Allerdings haben die Proteste des Genfer „Komiiees der Jungägypter" noch keinen Erfolg gehabt. Sie senden alljährlich ein Telegramm an den englischen Pcemierminister, in dem sie an das Versprechen erinnern, Agypten von den Okkupationskruppen„nach dem Eintritt geordneler Verhältnisse“ räumen zu lassen. Das Volk, das vorgab, in den Weltkrieg„zum Schutze der kleinen Nationen“ einzutreten, macht sich sellst der empörendsten Vergewaltigung eines sonst so friedlichen Volkes seit vierzig Jahren schulig. Macht gehl eden vor Rech!! Daß setzt selbst Frauen sich an den Unruhen beteiligt haben, kann als ein Zeichen der Emanzipation immerhin nicht unbeachtet bleiben, wenn auch dieser Umstand nicht überschätzt werden soll. Leider ist zu befürchten, daß auch diesmal die Agypter mit ihren berechtigten Forderungen nicht durchdringen werden. Eine schwere Sorge aber machen sie ihren Bedrückern durch die Boykottbewegung gegen englische Waren. Es verlautet, daß ägyptische Kaufleute große Aufträge auf englische Waren annulliert haben. Das wird dem Krämervolk, das man am schmerzlichsten an seinem Geldbeutel trifft, mehr wie peinlich sein. Schon vor dem Kriege kauften die Agypter weit lieber bei den Deutschen. Es sagle einmal ein eingeborener Großkaufmann:„Die „Franken“— so nennt man uns dort unten — liefern besser, pünktlicher und unter weit günstigeren Zahlungsbedingungen wie die Engländer. Auch schicken sie ihre Reisenden alljährlich mindestens einmal zu uns und mit denen läßt sich dann alles schnell erledigen, während die Engländer auf zeitraubende schriftliche Bestellungen warlen und diese dann noch langsam ausführen. Das Niltal, wo die Interessen so vieler Nationen sich berühren, wird immer ein Wetterwinkel bleibt, in dem politische Stürme sich zusammenbrauen. Wenn England, unter Wahrung seiner auf ein vernünftiges Maß herabgeminderten Ansprüche sich jetzt nicht auf bie Forderungen der Agypter einläßt, so kann die WTelt noch auf schwere Komplikationen sich gefaßt machen. Der Weltkrieg ist aus, es lebe der Krieg! Die Pazifisten, deren es in Großbritannien eine ganze Masse gibt, sollten erst einmal vor der eigenen Türe fegen, ehe sie die übrige Welt beglücken wollen. Für die Redaktion verantwortlich: Priedr. Kraas. Druck und Verlag: Carl Braus, beide in Schwerte. Lächerlich! Die altberühmte Al=Ashar=Universität, der Hort des Islams, zählt stets zwischen 12000 und 16000 Studenten, zum nicht geringsten. Tile Männer zwischen 40 und 50 Jahren, die ganz genau wissen, worum es geh! Von einer„akademischen Jugend“, wie wir sie kennen, ist keine Rede Wer das nicht weiß, denkt an Demonstrationen Schölles Raul! Schönste Zier! Und dabei so leicht zu erwerben: Durch regelmäßige Pflege mit Javol. Das Kräuterhaarwasser Javol macht das Haar seidenweich, voll, duftig und locker, frei von Kopfschuppen und Schinnen. Javol ist überall erhältlich. use Nius Weil und Wissen. Die Energi=vortäte der Erde Die Zeitschrift Helios berichtet über einen Vortrag des berühmten schwedischen Gelehrten Svante Arrhenius über die Energievorräte der Welt, ihre Ausnutzung und Erschöpsung. Die Kohlenvorräte der Erde dürften, wenn sie weiter in gleichem Maße ausgenutzt werden, noch für etwa 1500 Jahre reichen, die Rohölquellen aber noch schneller erschöpst sein So ist anzunehmen, daß die in den Vereinigten Staaten Amerikas zurzeit ausgebeuteten Olfelder, gleiche Förderung vorausgesetzt, um das Jahr 1935 erschöpft sein werden. Es gilt also nach neuen Energiequellen Ausschau halten. In vielen Fällen wird mit Recht die Wasserkraft als vollwertiger Ersatz der Kohle angesehen Bei wirtschaftlicher Ausnutzung können die Wasserkräfte der Welt etwa 60 Prozent der gegenwärtig aus der Kohle gewonnenen Energie liefern Da aber viele große Wasserkräfte in wenig zugänglichen Erdteilen liegen, ist kaum zu hoffen, daß die„weiße Kohle" die schwarze je wird ersetzen können Ofters wird darauf hingewiesen, daß die Kraft der Gebzeiten (Ebbe und Flut) ausgenutzt werden könnte. Arrhenius hält diese Aufgabe für technisch durchführbar, meint aber, die dazu ersorderlichen Anlagekosten seien zurzeit so groß, daß derartige Anlagen unwirtschaftlich sein würden Eine wichtige Energiequelle ist endlich noch die Soanenstrahlung. Die Wärmeenergie der Sonnenstrahlen kann mit Hilfe von Spiegeln auf einem Kessel vereinigt werden, der an eine Dampfmaschine angeschlossen wird. Bekannt sind die 1888 von John Erlcssohn erfundene Sonnenkraftmaschine, und die von Shumanu in Agypten vorgenommenen Versuche. Die bis heute gebauten Sonnenkraftmaschinen sind sicher noch entwicklungsfähig und können bei der Erschließung unwirtschaftlicher heißer Gegenden eine große Rolle spielen. Arrhenius meint, man könnte mit Hilfe solcher Maschinen die Gegenden Arabiens und Mesopokamiens, die im Altertum eine so hohe Bedeutung als Agrarland hatten, der Kultur zurückgewinnen. * Die älteste deutsche Eisenbahn. Wenn auch der erste Lokomotivzug in Deutschland am 7. Dezember 1835 von Nürnberg nach Fürth abgelassen wurde, so war doch diese Eisen bahnstrecke nicht die älteste in Deutschland Vielmehr war schon 5 Jahre zuvor eine Eisenbahnstrecke im Ruhrtal gebaut worden 1828 waren nämlich ein Herr Mohl aus Barmen und der Arzi Dr Voß aus Steele zusammengetreten,„um mittels einer Eisenbahn den Absatz der Ruhrkohle nach dem Wuppertale und ins Bergische zu vermitteln. Sie stellten die Strecke in der Tat seitig. Sie war von vornherein für den Lokomotiv= betrieb eingerichtet worden, aber als sie 1830 dem Verkehr übergeben werden sollte, versagte der preußische König Friedrich Wilhelm III. die Genehmigung zum Dampfbetrieb, weil kurz vorher in England Stephensons erste Lokomotive bei ihrer ersten Fahrt einen Menschen überfahren hatte. Die Unternehmer mußten sich daher entschließen, die Bahn durch Pferde betreiben zu lassen. Abgesehen hiervon war es aber eine rich tige Eisenbahn, denn Pferde= oder Straßenbahnen gab es damals noch nicht. Die Linie begann bei der Zeche Himmelsfürsten Erbstollen an der Ruhr, ging im Ruhrtal abwärts bis Hinsbeck(jetzt Kupferdreh) und ver folgte von hier aus das Deilbachtal aufwärts bis Nierenhof(Niederdonsfeld. Die Haltestelle in Hinsbeck lag der späteren Station gegenüber. In der Nähe macht die Ruhr an der Stelle, wo jetzt der Schacht der Zeche Prinz Friedrich abgeteust worden ist, eine scharfe Biegung, einen „Dreh“, vor dem Phönixberge der. Da die Schisser hier die Ladungen des Kupferhammers übernahmen, nannten sie den Ort Kopperdreih und danach wurde der Bahnhof Kupferdreh genannt. Die neue Bahn beförderte anfänglich nur Kohlen; diese wurden von der Endstation Nierenhof durch Pferdefuhrwerk nach Elberfeld und anderen Orten des Bergischen Landes befördert Aber schon im zweiten Jahr wurde die Bahn gelegentlich auch zur Personenbeförderung benützt In diesem Jahr war Prinz Wilhelm, der jüngste Bruder des Königs Friedrich Wilhelm III, Gene ralgouoerneur von Niederrvein und Westfalen, mit Gemahlin und drei Kindein im Deilbachtal Von Langenberg fuhren sie mit Gefolge in 30 mit Teppichen belegten Kohlenwagen nach Kupfer. dreh Seither wurde die Bahn Prinz Bahn genannt. 2 Jahre später, am 19 Oktober 1833, befuhr auch der Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere König Friedrich Wilheln IV, diese Bahn, als er die Provinzen Rheinland und Westfalen besuchte Diese Eisenbahn wurde, nachdem auch ihr der Gebrauch von Lokom otiven gestattet worden war, 1846 einerseits bis Steele (über die Ruhr), andeserseits bis VBohwinkel fertig ausgebaut. 1863 ging sie in den Besitz der Bergisch Märkischen Eisenbahngesellschaft über und wurde durch die Brücke bei Steele mit deren Bahnnetz verbunden Wie schuell schwimmen die Fische? über die Schnelligkeit der Vögel ist schon oft geschrieben worden, aber man hat sich selten die Frage vorgelegt, wie schnell die Fische schwimmen können, und viele werden verwundert sein, wenn sie hören, daß die Schnelligkeit der Fische kaum weit hinter der der Vögel zurücksteht. Die Geschwindigkeit des Vogelfluges ist ja auch besser zu beobachten, aber man findet auch für die Bewegung der Fische im Wasser Anhaltspunkte genug, um zu einigermaßen sicheren Feststellungen zu gelangen. Ein englischer Beobachter teilt einige Talsachen darüber mit Er versuchte zunächst, die Schnelligkeit von Forellen in einem klaren Wasser zu ermitteln, nachdem er sie durch das Hineinwerfen eines kleinen Steines ausgescheucht und zu schnellster Bewegung veranlaßt hatte. In einer Reihe von Versuchen gelangte r zu dem Schluß, daß die Geschwindigkeit einer kleinen Forelle etwa 45 Klm in der Stunde beträgt. Die Forelle ist aber zweifellos nicht so schnell wie die Makrele, wie überhaupt im allgegemeinen zu sagen ist, daß bei sonst gleichen Verhältnissen die Fische umso schneller schwimmen können, je größer sie sind. Ein zehnpfündiger Lachs kann fast mit Windeseile dahinsausen. Selbst wenn er von der Angel erfaßt wird und eine Leine mitschleppen muß, entfaltet er noch eine außerordentliche Schnelligkeit Ein Sabalo mit seinem schlanken Körver und seiner starken Muskelkraft soll, wie von Fischern die ihn gefangen haben, versichert wird, mit einer Schnelligkeit von 120 Klm. in der Stunde schwimmen können. Bei einer Fahrt von Charleston nach Jacksooville in Florida beobachtete der Engländer eine Schar Tümmler, die in Keilformation vor dem Schiffe herschwammen. Plötzlich sah er, augenscheinlich auf irgendein Zeichen, sie in zwei Geschwader teilen, die beide umdrehten und um das Schiff herum schwammen, um dann sofort wieder zu ihrer Stellung vor dem Schiff zurückzukehren. Der Dampfer bewegte sich unterdessen mit einer Geschwindigkeit von 15 Knoten. Da das Manöver sich öfter wiederholte, kamen alle, die es sahen, zu der Ansicht, daß die Tümmler etwa dreimal so schnell wie das fahrende Schiff schwammen oder etwa 80 Klm. in der Stunde zurücklegten. Die Haifische haben etwa dieselbe Geschwindigkeit wie die Tümmler, aber sie setzten sich ziemlich langsam in Bewegung. Nur ein Fisch könnt: den Sabalo üvertreffen, das ist der Schwertsisch, dessen Kraft und Flinkheit von keinem anderen Fisch in den Meeren übertroffen wird. Die Schnelligkeit des Walfisches, der ja kein Fisch, sondern ein Säugetier ist, ist mit der der genannten Fische nicht zu. vergleichen. ggg Soorenoconenn Unterhaltungs=Beilage zur„Schwerter Zeitung". Mundart. Mit dem Dialekt schwindet das Salz aus der Speise, denn der Bauer paßt nicht seine Gedanken der Sprache an, sondern er hat gemodelt und modelt fortwährend die Sprache nich dem augenblicklichen Bedürfnis, und gerade das gibt ihm das unnachahmlich Aaue Annette von Droste=Hülshoff. Annette von Droste=Hül Ein Gedenkwort zur 125. Wiederkehr Geburtstages am 10. Januar. Von Wilhelm Franke. Am 10. Januar 1797 wurde auf Schloß Hülshoff bei Münster Annette von DrosteHülshoff, Westfalens und Deutschlands größte Tichterin, geberen. Das Münsterland mit seinen Heiden und Mooren, den einsamen Höfen und dunklen Wailhecken, seinen langsam dahinschleichenden Bächen und traumhaft stillen Weihern, seinen blonden stillen Menschen, die selten singen und pfeifen: Dies Land und diese Bewohner übten einen solchen Einfluß auf Annette aus, daß Westfalen„Anfang und Ende, Inhalt, Charakter und Stimmung“ ihrer Poeste ist. dürfen insbesondere wir Westfalen die Wiederkehr ihres 125. Geburtstages nicht vorübergehen lassen, ohne in stolzer Freude der Dichterin zu gedenken.„e.le en Iukarg Annette war bei ihrer Geourt ein außerst zartes und schwaches Kind. Durch ihren „sämmerlich miserablen Körper“ hat sie auch später vier zu leiden gehabt. Von ihrem Vater, dem Freiheren Clemens August von Dresie=Hütshoff erbte sie den Hang zum Geheimnisvellen, Seltsamen und die Liebe zur Musit. Alle Wahrsagereien und prophetischen Traumgesichte schrieb er in ein Buch ein. in dem er immer wieder las und Neues eintrug. Die Mutter, eine geborene Therese Luise von Haxthausen, war durch ihren prattischen Sinn das natürliche Gegenstück zu„dem guten Herrn“, dem schwärmerischen Gatten. Sie gab auch Annette, der älteren Schwester und den beiden Brüdern den ersten Unterricht, bis ein Hauslehrer an ihre Stelle trat. Waren Schulaufgaben oder Handarbeit fertig, so schrieb Annette in der Freizeit Reime nieder. Ihr erstes Gedichtchen„An mein Hähnchen“ stammt aus ihrem achten Lebensjahre; zum Namenstage der Mutter folgte ein zweites. Wurde das Kind bei weiteren Reimereien stolz auf sein vermeintliches Können, so wußte die kluge Mutter dieses in freundlicher Weiie herabzusetzen, Annette dadurch vor Hochmut und Frühreife bewahrend. Eine freudige Abwechselung in dieser glücklichen Kinderzeit bildeten die jährlichen Fahrten zu Wagen von Hülshoff zu den Großeltern und Oheimen mütterlicherseits nach Bökendorf bei Paderborn. Neue Gegenden, fremde Sitte und Bewohner regten das junge Mädchen geistig an. Und viele dieser Eindrücke blieben haften und in ihren„Bildern aus Westfalea“, pries sie diese Landschaften; während sie ihre: glücklichen Jugendzeit in der Erzählung„Bei uns zu Lande auf dem Lande" gedachte. Auf dem Gute der Theime von Haxthausen verkehrten unter hielen berühmten Männern auch die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm. Durch diesen Umgang wurde Annettes Sinn für das Volkstümsiche, das Volkslied, Geschichte und Sage ungemein beeinflußt. Auch die Stadt Münster hat ihre Einwirkung auf das empfängliche vemüt des jungen Mädchens ausgeübt. Der Freundeskreis der Fürstin Gallitzin unterhielt enge Beziehungen zum Hülshofe. Der eigentliche Führer ins Wunderland der deutschen Dichtung wurde jedoch der Professor Sprickmann, der mit den Dichtern Voß, Klopstock. Bürger und anderen in engsten literarischen Beziehungen stand. Wie viel Annette in literarischer Hinsicht ihrem väterlichen Freunde verdankte, davon gibt der Briefwechsel zwischen beiden Zeugnis..wa um 1814 machte Annettes Gesundheit ihren Angehörigen die größten Sorgen. Trotz aller Badereisen erlangte sie den vollen Besitz ihrer Körperfrische nicht wieder. Alle ihre Werke aus dieser Zeit wie das Trauer viel „Berta“, der Roman„Ledwina", das Epos „Walter". sind unvollendet. Da unglückliche Liebe auch ihren Seelenzustand aufs tiefste erschütterte, tragen alle ihre dichterischen Erzeugnisse dieser Zeit„die Spuren eines vielfach gepreßten und geteilten Gemütes“. Die besorgten Eltern schickten sie daher(1825) zur Erholung zu dem Vetter Clemens von Troste nach Bonn. In seinen gastlichen Hause hatte Annette Verkehr mit August Wilhelm Schlegel und Karl Simrock. Auch das malerische Kobleiz und türmereiche„heilige Köln“ boten reiche Abwechielung und Zerstreuung. Heiteren Sinnes kehrte sie im Frühjahr 1826 nach Hülshoff zurück. Doch der plötzliche Tod ihres Vaters brachte für ihr ferneres Leben tief eingreifende Veränderungen. Ihre Jugendzeit schloß hiermit ab. Da der älteste Bruder jetzt Besitzer auf Hülshoff wurde, hiez es zugleich auch Abschied nehmen vom Vaterhaus. Der Mutter Witwensitz Rüschhaus(d. h. Riedhaus), ganz im Stile eines westfätischen Bauernhauses erbaut, von hohen Bäumen beschattet, hinter buschigen Walthecken verborgen, wurde jetzt ihre zweite Heimat. Hier streifte sie einsam durch Heide und Moor, sammelte Mineralien, träumte stundenlang auf ihrem mächtigen Sofa, p#anderte abends mit der treuen Dienerin plattdeutsch, erzählte den Nachbarskindern allerlei Geschichten. Noch tiefer wurde die Rüschhauser Einsamleit, als Annettes Schwester(1834) den Freiherrn Joseph von Laßberg aus Tpingshaus(Schweiz) heiratete. Im nächsten Juhre war Annettes Gesundheitszustand so besorgniserregend, daß die Aerzte eine Luftveranderung für dringend gebeten hielten. Daher reiste sie mit der Mutter in die Schweiz nd blieb über ein Jahr bei der Schwester. Nach Hause zurückgelehrt, wollte die Die teri ihren langgeherten Plan, eine Sammlung ihrer Gedichte herauszugeben, verwirklichen. Nach mancherlei Hindernissen erschienen 1838 bei Aschendorff in Münster„Gedichte von Anna Elisabeth von D... H..“ Nur 74 Exemplare waren nach Jahresfrist davon verkauft; riele ihrer Verwandten und Bekannten „konnten nicht begreifen, wie eine sonst scheinbar vernünftige Person solches Zeug hat schreiben können.“ Tagegen äußerten sich Freiligrath, Jakob Grimm und Levin Schükking sehr anerkennend über die Gedichtsammlung. Ihre münsterschen Freunde Schlütter und Junkmann baten sie, in die em Sinne weiter zu schaffen. Als Freiligcath seine Mitarbeit an dem„Malerischen und romantischen Westsalen“ aufgab, fand Levin Schükking durch Annette fleißige und tatkräftige Unterstützung. Sie schickte ihm lange Bei.räge zur Landes= und Volkskunde, Gedichte und Erzählungen. Als die Schwester(1841) zum Besuche nach Rüschhaus kam, erschien ihr der Gejuar heitszustand von Annette so erschüttert, daß die Mutter gern ihre Einwilligung gab, Annette mitzunehmen an den Bodensee, wo der Schwager das herrliche Schloß Meersburg gekauft hatte. Körperlich erholte sich die Dichterin ausgezeichnet. Und als ihr münsterscher Freund Leoin Schücking nach Meersburg gerufen wurde, um als Bibnothekar die umfangreichen Büchersammiungen des Freiherrn zu ordnen, lenkte er die Begabung der Dichterin auf das lyrische Gedicht, so wurde er der„Befreier ihrer Lieder". Zu wenigen Monaten entstand die größte Zahl ihrer herre lichsten Gedichte. Die ferne Heimat, die Heide. die münsierschen Freunde, ihre Lieben, die romantische Meersburg: all das besingt sie in ihren Poesien. Schücking veröffentlichte ihre besten Gedichte und die Erzählung„Die Judenbuche“ im„Morgenblatt" des Verlegers Cotta aus Stuttgart. Bei Cotta erschienen auch ihre„Gedichte". Die Krit.k erkannte einstimmig ihr glänzendes Talent an. Noch einmal kehrte sie nach Rüschhaus zurück. Dann mußte sie auf ärztliches Anraten nach Meersburg. Es war ihre letzte Reise Trotz der sorgfältigsten Pfiege durch ihre Schweste: nahmen die ib perlichen Kräfte langsam aber stetig ab. Todesahnungen erfüllten ihre Se####e wie ihre Gedichte„Meine Todten",„Die tote Lerche".„Der Todesengel“ und viele Stellen aus ihren Biesen zeigen. Am 24. Mai 1848 erlöste ein Herzsch ag sie von ihrem Lei en. Au den Meersburger Friedhof wurde sie begraben. Ein schlichter, in die Kirchhofsmauer eingelassener Stein mit Wappen, Namen und dem Wahlspruch„Ehre dem Herrn", bezeichnen ihre Ruhestätte. Als Dichterin steht Annette unerreicht da. Was sie einst in berechrigtem Selbstbewußlsein von sich schrieb: „Meine Lieder werden leben, wenn ich längst entschwand: Mancher wird vor ihnen beben, der gleich mir empfand. Ob ein Anderer sie gegeben, oder meine Hand: Sieh, die Lieder durften leben, aber ich entshwand". ist längst in Erfüllung gegangen. Wenn sie sich in ihren Jugendjahren auf allen Gcbi##e der Dichtrunst versuchte, so hat der Aufenthalt auf der Meersburg ihr lyrisches Talent zur höchsten Vorlendung gebracht. Ihre Lyrik enthält meistens Naturschilberungen und auch Gedankendichtungen, weshalb viele den Weg zu ihren Werken nicht finden konnten. Ihre träumerische Veranlagung. ihre gewattige Phan asie, ire Vorliebe für Geschichte und Volkskunde ihres Landes, ihr offenes Auge für die Schönheiten des Vaterlandes, ihr tief rengiöser Sinn haben in all ihren Werken ihren Niederschlag gefunden. Reichlich, manchmal zu reichlich für den Leser kommt die—kundart zur Geltung. Männliche Kraft atmen ihre Bailaden. Ihre Sprache ist voll groden Bilverreichtums, dessen Sinn ich oft erst nach mehrmaligen Lesen dem Verständnis erschließt. Daneben finden sich auch arg miglungene Reime, unnötige, ja fehlerhafte Satzreihen. Gutgemeinter Rat, diese Feyler zu bezeitigen, wies sie zurück. Wer sich jedoch einmal durch die es Gestrüpp hindurchwagt in die stille Welt der Dichterin, der atmet warmen Schol endiift. Und daher möchte ich wünschen, daß dieser Gedenktag ihrer Muse manch neuen Freund zugeführt hat, der an ihler aufrichten kann in dieser schweren Not uns jeres Vaterlandes.*) *) Eine gute Gesamtausgabe der Werke Anneites v. Drese=Hü.sh if ließ Schwering bei Bong u. Co., Berthn (40 Mk.) erscheinen. im Kohlenrevier Ich ging den Pfad am Bahngeleif, Den hatte der Reif gezuckert weiß. Lang, dunkelgrün hing Hinsterbusch, Verhüllt von feuchtem Nevethusch. Des Raben Ruf zog öd und leer Mit schweigsam fliehenden Wolken her. Die Bäume kahl. Geklammert fest Nur hie und da ein karger Rest, Gelbbraun, in Kohlen= und Nebeltau. Rauchwolken, weiß und schwärzlich==grau, Durch ziegeldunkle Rinne schoß„. Schwarzdampfend Wasser, und abwarks floß. Fern rammte Maschinen= und Zuggeschiebe Und nah das pochende Zechengetriebe. Glanzfeuchte Schienen— steiniger Weg— Hochösen— Schornsteine— Drahtseilgereg: Ich ging den Pfad am Bahngeleis'. Ich kam zurück am Bahngeleif'.— Da. plötzlich— sieh! Am Wolkentor Wird's heu 9——2 hell— Frau Sonne lugt hervor! Blatgolden zwar, verschlufen gur—? Was tut's,— der Blick macht alles klar. sino ein Silberstrang! Und horch, wie's feruher durch die Luft Schier übermütig schrillt und pufft!— Die Bäume— die kahlen— am Hügelrand, Die tragen— was sag' ich— ein Sammetgewand! (Braunhauchig liegt's in den Aesten getrcte Frau Sonne— sage! Wie hast Dus beeitet2). Juuf# Spie, Und— schau den Ginster: Im Schieierschliß— Strahlend' Getropfe, wie Demantblitz!— Ja. auch mein Rabe— da ist er ja wieder:„ Zufrieden strähit er sein ruppig Gefieder.— Im Fahrweg, dem grauen,— bald grad', bald gewunden— Da haben die Svatzen just Nahrung gefunden. teilen sie eben, mit frechem Geschrei, Und... hurra! Jetzt ist auch die Schule vorbei. Schon kommt es gelaufen in Trüppchen und Hausen, Mit Kärpchen und Muff, Mit Schliddern und Puff. Die Zöpfchen, die tanzen Lrannaugen und blaue, Runde und graue— Buben und Mädel, Risch, wie die Rädel. Und Fensterklirren am Elternhaus— Essendampf wirbelt zur Küche hinaus— Sonne und Mütter,— da sehen sie beide Vereint auf die alte, die jauchzende Freude! „Und die blaßgold'ne Sonne?“ Die lächelt sich rot— tiefrot! Und— dann nickt sie:„Schwarzerde — behüt' Dich Gott!“ A. Leuchtenberg. Te Wir haben zwar W. Grimme. eine„bucklige Welt“. aber auch eine schüne Welt vor uns. Folgen mir die Leier getrost in diese westfälischen„Alpen“, in diese„Wildnis“, in dieses„sauere Land“, und sie werden hoffentlich die Ueberzeugung gewinnen, daß wir dasselbe auch ein„füßes“ nennen dürfen. Sollte sie ein Frösteln überlaufen oder ihnen die Ersteigung seiner himmelblauen Berge und Feisen sauer genug werden, so sei ihnen auch gesagt: es ist hier eben nicht alles Astenberg, Winlerberg und Küstelberg, bei deren Namen uns schon das Frieren kommt, und die Riesenmauer dieser Berge hat nicht allen Sonnenschein verbaut; nicht überall läßt sich wie dort isländisches Moos und Renntierflechte jammeln und der Erntehahn oft erst im November aufstecken; die Flüsse, die jener gewaltigen Gebirgskette entspringen, haben sich auch Täler aufgerissen, und in diesen Tälern ist's gar wonnig und schön, sie lachen dir in Auge und Herz hinein, und sollte das bei dir nicht verfangen, wofern du dem Praktischen lieber huldigst, truchtbare Wiesen und schön bestellte Felder und stotzer Hochwald und b’ühende GHäckei. hinlängliches Genüge bieten, und vist ou gar ein Gourmand, so brauchen wir nur auerländischen Schinsen, Kramtsvögel, uno Steinforellen, Hirsche und Rehe und das fast zur Plage gewordene Schwarzwild zu nennen oder lieber noch an Birk= und Auerhähne und Haselhühner zu gemahnen, und du wirst, wie ein aller Kanonikus, davon erzählten, ausrufen: hähne und Haselhühner? Ach du lieber Heiland!“ Doch auch der Astenberg hat seine Ehre, und ihm, dem Vater der sauerländi Berge, sei die erste Ovation gebracht. Mag es auf seiner kahlen Höhe selbst an manchem Sommertage schneidend kalt sein, St. Michaelstag nicht selten schon Schnee darüber streuen und die Tächer des leichnamigen Tärschens in seiner Senkung mit armlangen Eiszapsen behangen; mögen sogar in dem nahen Dorfe Küstelberg auf dem Laurenzimarkte wie es faktisch geschehen, die Gäste auf dem Hofe des Gasthauses sich mit Schneebällen werfen: er hat und behält seine Ehre, der Sommer erklimmt auch seine Höhen und überspreitet ihn mit dem Gewande der Schönheit. An einem Tage, wo er frei ist von jenem„sauerländischen Nebel“, von dem es heißt, daß man Regen damit sparen könne, da halten wir einmal Umschau auf und von dem meilenweiten Plateau des nahezu 3000 Fuß aufsteigenden Berges und seines Zwillingsbruders, des Ruhrlopfes. Da träumt es sich schön, dem Himmel und dem Treiben der tiefen Welt fern! Wir chreiten sinnend dahin, wie über die Hotheiden Schottlands der Schäfer, der die Gabe des sweiten Gesichts hat— isländisches und deutsches Moos und rankende Wolfsklau umklammert unseren Fuß, aus den braunen Blüten des Heidekrautes surren uns tan#end Bienen leise Melodien zu, blauer Schwaden zittert in der Mittagsluft, unser Tritt stört eine verlorene Heidelerche auf oder Birkhahn, der im Bade lag— der Pfad fehlte uns längst, nicht Baum noch Strauch bezeichnet ihn— nur hie und da sagt uns ein verwittertes Kreuz, dag eben hier im tiefen Winter ein armer Wandersmann den Pfad verlor und im Schnee verunglückte; und die Bäume, die man je und je in weiten Zwischenräumen setzte, um ihm den Weg durch die Schneegefilde zu bezeichnen, haben kein Laub getrieben und starren uns als trockene, schwarze, vielfach zerknickte Stangen entgegen— so schreiten wir wie träumend oder schlaswandelnd dahin, den Blick gesenkt: plötzlich— von Westen her trifft ein scharfer Schein unser Auge— wir schauen rasch auf: ein blitzender Silberstreifen umsäumt den fernsten Horizont: er ist es wirklich, der Vater Rhein, der uns auf dreißig Stunden weit seinen hellen Gruß schickt! Gruß dir zurück, Vater der deutschen Ströme! Gruß dir auf den Welten der Lenne und Ruhr, deren Quelten vor unzerem Fuß entspringen und drunten durch die niesen Täler dir entgegeneilen! Aufgeweckt. erfahren wir nun erst, welche weite, weite Welt uns zu Füßen liegt, wie die langgestreckten Ruhrberge sich Kopf an Kopf, wie neugierige Kinder, zusammendrängen, wie Schlun, in Schluchten zerflieten und verschwimmen, wie Bäche und Flüsse aus der Tiefe aufblitzen, wie helle Waldwiesen gleich grünen Seen zu uns herausängeln, wie vom Istenbeige her uns die Riesen der Vorzeit. die Bruchhauser Steine, schwarz und gespenstisch entgegenstarren, von den Bergyungen uns weiße Dörfchen, aus den Lichtungen Kirchtürme und blanke Städichen entgegenlachen, — und das alles umspannt von grünem Wald und wiederum grünem Wald, aus dem nur hie und da die blauen Dampfsäulen vereinzelter Kohlenmeiler emporsteigen,— wo ist der Maler, der uns diesen Bick festhielte auf einer Rie#enleinwand, die scharfe Zeichnung, die lräftigen Farben, den leichten Tuft, der das Ganze umflort, diese Aussicht, die im Westen vom Rhein und dem Siebengebirge, im Osten von der Withelinshöhe bei Kassel begrenzt wird und im Süden den Vogetsberg und den Westerwald in ihr Bereich zieht, im Norden aber verdämmert in dem nevelumsponnenen Gewirre der übrigen sauerländischen Höhen? Das war der Astenberg im Sonnenschein. Häufiger aber noch„macht“ er in Nebelbildern und ist in diesem Genre geradezu Meister. Nicht nur, daß er oft genug, wenn du mühsam sein Hochplateau erklommen, vor der ganzen, eben noch offenen Welt, welche zu schaue,i ou herramst, Pld. Vorhänge zuzieht und dich selbst#. in einen wolfsgrauen Mantel einhüllt. dich dein Begleiter kaum noch erkennt, nicht nur, daß er morgens fröhlich wie nn rotbäckiges Kind aufstand, mittags aber wie der verdrießliche Alte in der grauen Zipfermütze seine Siesta hält, sondern auch, je nachdem seine Laune ist, er murrte und muäste den ganzen Tag, sieht aber ein, wie schlecht ihm das zu Gesichte stand, fängt an über sich selbst zu lächen und zu lachen, wirft die Verdrießlichkeitsmütze beiseie und steht da wie ein goldener Erzengel. Aber das siehst du selten, weil du dem vormittägigen Griesgram nicht leicht am gleichen Tag deinen Besuch abstattest und seine freundlichere Nachmittagslaune abwarten magst; diese kommt ja auch bei weitem nicht immer. Mitunter— aber dann muß er ganz besonders gelaunt sein— macht er's dir so, wie mir einmal. Hellster Sonnenschein begleitete mich und zwei Gefährten vom Regertale her bis an die„Schafbrücke" unmittelbar an seinem Fuße, auch noch eine Strecke durch den jäh aufsteigenden Buchenwald hinauf! O, wie hold wurden wir für den Alten gestimmt! Doch auf einmal: ein leichter Flor nach dem anderen, zart wie Spinngewebe flog vor unserem Auge vorüber, vergröberte sich zu Seide, zu Sackleinen, zu Filz— stehende Zinsternis von der Erde bis zum Himmel hinan, Gerie#el durch die Zweige, Regen wie mit Mulden gegossen, drei Wanderer, die bald keinen trockenen Faden mehr auf den Leibe hatten und auch nicht mehr zählten, wie oft sie sich den Kopf an den Buchenstämmen stießen und wie oft sie aus dem Walde auf die kahle Hochheide hinausgetreten, den Pfad zu Dorf und Wirtshaus sich nicht etwa mit den Augen, sondern mit den tastenden Händen suchen mußten. O. wie gram waren wir jetzt dem Alten! Einiger=Humor kehrte zurück, als uns beim Wirte die Flamme des Herdes unsere Wolle getrocknet und die Gaben von Kellec und Rüche, die wir tritz dem Mittag bei Lampenschein einnahmen, uns das kalt gewordene Herz erwärmt hatten. Nun löste ich auch mein Versprechen ein, die Gefährten bis auf den höchsten Punkt der Kuppe und der Lennequelle zu begleiten, denn sie wollten trotz alledem doch sagen können, sie seien dort gewesen. Die Kuppe war, obgleich der Regen ruhte, dicht umnachtet wie vorhia— Aussicht unter Rul!— und die Quelle, wie meistens im Sommer, abwesend, gleich der Schwester, die der Ruhrkopf entsendet. Hier nahmen wir mit sehr gemischten Gefühlen voneinander Abschied— sie, um zu Abend in einem Dorfe des Lennetales zu sein, ich, um den Rückweg ins Negertal anzutreten. Ich rief ihnen noch nach:„Da jeid ihr mal aus dem Astenberg gewesea“, und sie gaben zurück:„Dein vielgepriesener Astenbeerg mag uns gestohlen sein:“ Nach kaum zehn Minuten hätte ich jie gern zurückgerufen, um zu sehen, was ich jah. Tenn wie ich übe: die Hochheide dahinschlendere. nichts sehend und noch weniger von jemand gesehen, da— ein Windstoß trifft mich— ein zweiter— ein dritter— ein klaffender Riß waltet den Nebel, wie wenn der Kaufmann ein Stück Tuch durchreißt— ein Lappen fliegt hierhin, ein anderer dorthin— ein Stück Himmelsblau wird sichtbar und sendet Licht aus meinen Pfad, das Blau erweitert sich, und sie ist von neuem aus den Ozean erstanden, die liebe goldene Sonne— und ich mochte wohl da droben stehen wie ein verklärter Heiliger. Und hernieder senkte sich das Licht auf alle Berge und Forsten rundum, in Schlüfte und Klüfte, das Grün blinkte, wie aus dem Bade emporgestiegen, Dampfsäulen, des Nebels Vermächtais, wirvelten von allen Wäldern auf. und das Ganze war eine wahre Wen-Inlumination. Das war der Lohn für des Tages Verdrießlichkeiten, und meinem lieben Astenberg war ich wieder hold, wie kaum je zuvor. Heimatliebe. Ich bin ein Westfale, und zwar ein Stockwestfale, nämlich ein Münsterländer Gott sei Dank! füge ich hinzu— und denke gut genug von jedem Fremden, wer er auch sei, um zu glauben, daß er gleich mir den Boden, wo seine Lebenden wandeln und seine Toten ruhen, mit keinem andern Baden vertauschen würde. Annette von Droste=Hülsbol n Air.ftlassfIO A M dun l n siciet til gohn uv i e uh##l na h nb lung ziipnm gun Sannm 13 2n dunr uit msalpon A chur Mic h vidle ui zkum ch M M Su iin guiß Sphhien S ha#usbiomt aa sg ann zwn un Mg uunh wic Se hue u uenebslich uzut ui hia gum shn uhicn Sang uptg nd t#hl a Spizal e „uidc Mne hn uhheldc gun uhng hn“. Minasn nohg N u ud a na gun Uauhvisb n Duhnhietc aun Auhhi gun i veuuen ne guatzpathe Br30-egg## Aot evo aun 3geis aum S6lgg Hechllanbig our gstutg W Mhin end' ann aic uohenvag ol gumuncg uns#n no ig zum Me uu ahzng atrgg antehna ein apatet zect ett! Auuch zukung uze vg aun ziß anie f une bb gun iin anne ee unng M Mcuhge iuntii bs i Mctiet smc h Mt inung uch unaiigung Bu gnic ung bub# Ksts a Was aus dem Thron des Königs Lustick wurde, Als König Iérörze seine Residenz in Kassel aufgeschlagen hatte, stellte es sich heraus, daß ein zu der natürlich in prunktvollstem Rahmen geplanten Eröffnung der Ständeversammlung passender Thron nicht vorhanden war. Der bedeutendste Kunsthandwerker Kassels, der Bildhauer Johann Christian Ruhl, der erste Lehrer Rauchs, wurde mit der schleunigen Anfertigung eines würdigen Thronsessels beauftragt. In der Zeitschrift„Hessenland“ erzählt A. Woringer nach den Lebenserinnerungen des Hosbaudirektors Julius Eugen Ruhl von dem Schicksal des Thrones, das man geradezu als symbolisch für die ganze Herrlichkeit des Königreiches Westfalen deuten könnte. Bei der zweiten Versammlung der Reichsstände im Jahre 1810 konnte Jérôme, auf dem kostbaren Sessel sitzend, den Huldigungseid der Vertreter seiner neuen Untertanen entgegennehmen. Das war und blieb wohl das einzige Mal, daß der Thron offiziellen Gebrauch fand. Als der Künstler seine Arbeit vollendet hatte, war der König sehr zufrieden; doch als er die Rechnung sah, meinte er:„Für den Thron des Königs müssen Sie das Doppelte Ihres Betrages sordern.“ Es blieb Ruhl, der einen Preis angesetzt hatte, wie er ihn aus der mehr als sparsamen kurfürstlichen Zeit gewohnt war, nichts übrig, als die Rechnung dem Willen Jérômes entsprechend zu ändern, und so erhielt er sie bezahlt. Die Polsterung und die Draperien hatte der Hoftapezier Brucher angesertigt. Als nun am 1. Oktober 1813 die Russen in Kassel einrückten, fanden sie als willkommenes Beulestück, findig, wie sie in solchen Dingen nun einmal sind, recht bald den Thron. Sie schleppten ihn sort und verkauften ihn schließlich in Paris. Dorihin kam sieben Jahre später auf seiner ersten Ausbildungsreise der Sohn Ruhls. Er stieg ab bei seinem Kasseler Bekannien, Herrn Brucher, der inzwischen in der St.=Martin=Straße ein Privathotel eröffnet hatte mit dem pompösen Namen„Hotel du Commerce“. Der hessische Gast erkannte in seinem Zimmer den Teppich, die Stofflapeten, die Beitgardinen, die Damastvorhänge, fast die ganze Einrichtung als königlich westfälisches Eigentum, teilweise noch mit den königlichen Abzeichen, wieder: Brucher hatte beim Zusammenbruch des Königreiches mitgenommen, was er nur erraffen konnle, natürlich ohne es zu bezahlen. So konnte er billig und elegant sein Hotel ausstatten. Aber sogar auch den Thron, der aus der Werkstatt seines Vaters hervorgegangen war, sah Ruhl wieder. Als er nämlich eines Tages im Kasseehaus zu den 1000 Säulen zu Mittag speiste, sah er die maitresse du café höchst würdevoll in einem Sessel sitzen, den er sogleich als den ehemaligen Thron des Königs Jérôme wiedererkannte. Die Büfettdamie nahm in ihm die Huldigungen ihrer Verehrer entgegen, wie König Lustick zehn Jahre vorher die seiner Stände. Sie transit gloria mundi. Inland Transportation Co. of New York and St. Louis für den Verkehr zwischen St. Louis und New Orleans in Dienst gestellt wurde. Die Konstruktion dieses Schiffes bietet vor allem die Möglichkeit, trotz geringen Tiefganges Lasten im großen Umsang verhältnismäßig schnell und leicht befördern, wobei nach den genauen Mitteilungen des„Promethens“, besonders die praktisch ausgebildeten neuen Ladeund Löscheinrichtungen von Interesse sind. Der kahnartige Schiffskörper, der durch seine flache Gestalt auffällt, ist 73 Meter lang und 13 Meter breit. Bei einer Ladung von 500 Tonnen hat das Fahrzeug einen Tiefgang von nur 1,07 Meter, bei der Höchstladung von 1600 Tonnen einen Tiefgang von höchstens 2,29 Meter. Der größte Teil des Laderaumes befindet sich nicht wie sonst unter, sondern über dem Hauptdeck; und zwar wird die Ladung in einem 56 Meter langen Deckhause untergebracht, das auf jeder Seite mit 10 durch eiserne Rolltüren verschließbaren viereckigen Leffnungen zum Befördern der Waren versehen ist. Als Oberdeck des Schiffes dient das Dach des Deckhauses, zum Laden und Löschen wurde ein über die ganze Schiffslänge auf Schienen fahrbarer Portalkran konstruiert mit einem Ausleger, der 21 Meter über die Bordwand hinausragt und Lasten bis zu drei Tonnen aufzunehmen vermag. Um die Notwendigkeit der Handarbeit beim Laden zu verringern und auch besondere Einrichtungen an den Aulegeplätzen überflüssig zu machen, befinden sich im Innern des Deckhauses eine Anzahl endloser Förderbänder, auf denen die Ladung bewegt werden kann. Sowohl der Kran wie diese Förderbänder und auch die übrigen Hilfsmaschinen werden elektrisch betrieben. Auch für das Kochen und Heizen bedient man sich des elektrischen Stromes. Ebenfalls elektrisch wird Kälte erzeugt für die Konservierung von Butter, Eiern und anderen leicht verderblichen Waren. Selbst bei einer Außentemperatur von 35 Grad Celsius können die Kühlkammern auf 1 Grad Celsius erhalten werden. Hinter jeder der vier Schrauben befindet sich ein großes Schwebernder, durch das die Steuerung trotz des geringen Tiefganges wirksam ist. Der ganze Frachtdienst auf der erwähnten Mississippistrecke soll allmühlich durch Motorfrachtschiffe dieses Typs bewältigt Die japanische Erdölgewinnung. Unter den Industrien, die erst in den letzten Jahren in Japan großzügig ausgestaltet wurden, ist die Erdölgewinnung mit an erster Stelle zu nennen. Sie wurde, wie einer Mitteilung des „Prometheus“ zu entnehmen ist, zwar bereits im Jahre 1875 begonnen, doch erst ab 1889 in halbwegs rationelle Bahnen geleitet. Und zwar wurde damals in den großen Erdöllagern nördlich der Insel Hondo hauptsächlich mit ausländischem Kapital gearbeitet. Investiert waren schließlich im Jahre 1908 17 Millionen Yen, die sich auf 95 Gesellschaften verteilten. Erst in den letzten Jahren wurde die Erdölgewinnung in ihrem ganzen Ausmaß aufgenommen, besonders durch eine internationale Gesellschaft, an welcher allein die amerikanische Standard Oil Company sich mit der Summe von 10 Millionen Ven beteiligte. Dadurch brachte man es so weit, daß im Jahre 1915 der Japans an Erdöl zu 60 Prozent im Lande selbst gedeckt werden konnte. Nach japanischen Mitteilungen hofft man schließlich, sämtliche Bedürfnisse des Landes, die man auf 100 000 Tonnen schätzt, ohne Einfuhr befriedigen zu können. und Bei Ein neuartiges Motorfrachtschiff. Zur Verbesserung des Frachtenverkehrs auf Flüssen dient ein in vieler Beziehung ganz neuartiges Motorfrachtschiff, das Humor. Die seine Schule.„Wie auf der grinen Schile, Tochter gesällt es Ihrer der seinen Schule, auf die Sie sie schilen?“ „Oh, sehr gut, aber sie klagt, daß sie keine Zeir z# Lernen hätte.“ Ko1c „ Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General=Anzeiger für den Kreis Hörde Haupt-Annoncenblatt. Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 12 den 14. Januar 1922 farlaticher Fanfker. Roman von Max Esch. (5. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) In dieser Zeit fiel Fröhlich die fortwährend wechselnde Stimmung Ehlerts auf. Zuweilen war er voller Lust und Leben, dann widerum gab es Zeiten, in denen er den Kopf hängen ließ, so daß mit ihm überhaupt kein vernünftiges Wort zu reden war. Der Gehilfe war verliebt, das stand bei Fröhlich fest. Da aber Ehlert über seine Privatverhältnisse nicht sprach, der Baron ihm auch die Stelle, sehr gegen den Willen Fröhlichs, gekündigt hatte, unterließ letzterer jede Frage nach dem Grunde dieses Stimmungswechsels. Fröhlich hatte mit seiner Vermutung, daß Ehlert verliebt sei, recht. Klara hatte sich mit dem Forstgehilfen auf dessen Drängen verlobt unter der ausdrücklichen Bedingung, daß niemand etwas davon erfahren dürfe, bis Ehlert eine Stelle als Förster bekleiden würde. Ob Klara es aber aufrichtig mit ihm meinte, wurde dem jungen Manne aus deren ganzem Wesen nicht recht klar. Zeiten, in denen seine Braut äußerst anschmiegsam und von seltenem Liebreiz war, wechselten mit Perioden, in denen sie geradezu abstoßend durch schroffes Betragen auf Ehlert wirkte. Doppelt fühlte sich Ehlert dann unglücklich, da der Dämon der Eisersucht sich wieder einstellte. Das alte Mißtrauen gegen den Baron flammte in dem jungen Manne abermals auf, besonders als ihm seine Stelle ohne Angabe von Gründen gekündigt wurde. Daß die Mädchen auf dem Gute sich in verschiedenen Andeutungen ergingen, die Ehlert nicht ganz verständlich waren, trug ebenfalls nicht gerade dazu bei, dessen Stimmung zu ändern. Wohl war er eifersüchtig, aber Klara lachte ihn, wenn er ihr Vorwürfe zu machen suchte, aus oder ließ ihn einfach stehen und ging beleidigt fort. Unter diesen Umständen bedurfte es nur des geringsten Anstoßes, um den sich in dem jungen Manne ansammelnden Groll zur Explosion zu bringen. Und dieser Augenblick sollte sich schnell genug finden. Ehlert erlangte die Gewißheit, daß seine Braut ihn hinterging, welche Entdeckung ihn fast niederschmetterte. In ben lag der Glückstempel, den er sich für die Zukunft in Gedanken erbaut hatte. Die Treulose trieb also nur ihr Spiel mit ihm.„„ an dem a. ai. 65. Planlos war er an dem Tage, an dem er die für ihn furchtbare Gewißheit des Verrates seiner Braut erlangte, durch den Wald gewandert, den Kopf voller Pläne, wie er sich für den Verrat rächen könne, denn daß er sich rächen müsse, stand bei ihm fest. Nur übee das wie war er sich noch nicht im klaren. Auf diesemn planlosen Gange kam er in die Nähe der Mühle, ohne groß auf den Weg zu achten, aber instinktmäßig regte sich in ihm der Waldmann, als er Stimmen zu vernehmen glaubte. Lauschend blieb er stehen. Er hatte sich nicht getäuscht, denn deutlich hörte er abgerissene menschliche Laute. Jedes unnötige Geräusch vermeidend, schlich er sich durch das dichte Unterholz der Schallrichtung entgegen. Doch so vorsichtig er auch handelte, sein Vordringen war nicht gerauschlos geschehen. Plötzlich stockte das Gespräch, dafür vernahm Ehlert sich entfernende Schritte. Schneller drang er nun in dem Dickicht vor, bis er auf eine Lichtung stieß, von der aus er erkennen konnte, wie der Müller in Begleitung eines hochgewachsenen Mannes in die Müble trat. „Ruschke und Ilgen im Walde?“ fragte sich verwundert Ehlert. Was mochten die beiden vorgehabt haben? Wenn es etwas war, was das Licht nicht zu scheuen brauchte, dann hätten die beiden das doch in der Mühle besprechen können. Unwillkürlich mußte er an des Müllers verlorenen Prozeß und die Drohungen Ilgens gegen den Baron denken. Das gilt dem Baron, fuhr es ihm durch den Sinn, und schadenfroh ging er seines Weges, gönnte er doch dem gnädigen Herrn, dem Zerstörer seines Glücks, eine Bestrafung. Nicht weit hatte er seinen Weg fortgesetzt, als ihn Fröhlich traf. Verwundert sah der Förster, daß sein Gehilfe ohne Gewehr und Hund, nur mit dem Hirschfänger bewafsnet, im Revier sei. Dieser Verwunderung gab er sofort Ausdruck, aber Ehlert erteilte eine ausweichende Antwort. Fröhlich hielt die Gelegenheit für günstig, dem Untergebenen ins Gewissen zu reden, sich ihm zu offenbaren, was ihn bedrücke, nahm er doch sosort wahr, daß Ehlert wiederum ein gedrücktes Wesen zur Schau trug. Als sein Gefährte beharrlich schwieg, sagte es ihm Fröhlich auf den Kopf zu, daß an seinem sonderbaren Tun eine Frau schuld sei. Da zuckte Ehlert zusammen und murmelte ingrimmig:„Der Teusel wag die Weiber holen, denn sie sind allzusammen keinen Schuß Pulver wert!" „Nun, Ehlert,“ bemerkte Fröhlich,„da ich höre, daß Sie schon wieder etwas mehr als ja und nein sagen können, werden Sie Ihre Krisis bald überstanden haben und wie ein vernünftiger Mensch einhergehen. Sagen Sie mir nun, ob Sie in der Gegend der Mühle etwas Verdächtiges wahrgenommen haben. Ruschke soll sich wieder in der Gegend herumdrücken. Der Mensch fin“ d e i n i r g e n d m e h r e i n e f e s t e S t e l l e u n d f o l l s u c h t s t e u f e l s wilo auf den gnädigen Herrn sein, dem er die Schuld an seiner Arbeitslosiakeit in die Schube schiebt. Holz K*** S5 G m S E8 S## S 9 8 E S o 2•5 2# TEE S 8 853558 5 F E aarTTGZE S OERSNE hauer Radke will ihn gestern im Walde bei der Mühle gesehen haben.“ Ehlert, froh von seinen eigenen Sorgen nichts sagen zu brauchen, berichtete nun seine vorhin gemachte Wahrnehmung. Leise pfiff der Förster durch die Zähne, sah Ehlert an, als ob er ein Wundertier sei und fragte dann: „Also den Müller und Ruschke wollen Sie vorhin zusammen aus dem Walde nach der Mühle gehen gesehen haben?“ Nochmals berichtete darauf Ehlert sein Erlebnis. „Ob Ruschke und Ilgen nun auch wirklich in der Schonung gesprochen haben, kann ich natürlich nicht behaupten. Es war aber niemand anders zu sehen auch führten die Fußspuren nach der Mühle hinab,“ schloß er. „Hm,“ brummte der Förster vor sich hin, dem eine ganze. Anzahl Gedanken durch den Kopf ging. Nach einiger Zeit, während der beide schweigend weiterschritten, fragte Fröhlich mehr für sich als sich an Ehlert wendend:„Ob Ruschke wohl noch in der Mühle sein mag?" „Wir können ja bei Ilgen vorsprechen,“ schlug sein Begleiter vor. „Nein," lehnte Fröhlich ab,„ich mag mich bei Ilgen nicht sehen lassen, denn ich habe ihn im Verdacht, daß er wildert, und da Ruschke bei ihm ist, wird mir dieser Verdacht beinahe zur Gewißheit.“ Ehlert blickte erstannt seinen Vorgesetzten an. Sollte das nur vorgeschobener Grund sein, um dem beim Baron in Ungnade gefallenen Müller keinen Besuch abstatten zu brauchen, oder steckte ein Körnchen Wahrheit dahinter? Ruschke traute er allerdings die Wilddieberei zu, Ilzen indes nicht. Doch behielt er seine Gedanken für sich, es seinen Vorgesetzten überlassend, das, was er für nötig hielt, ihm mitzuteilen. Indes war Fröhlich mit seinem Plane bereits fertig, wie er sich Gewißheit über die Anwesenheit Ruschkes auf dei Mühle verschaffen konnte. Beide wollten sich von entgegengesetzten Seiten an die Mühle heranschleichen, um die beiden Zugänge zu beobachten. Wenn Ruschke dann fortging, sollte er unauffällig verfolgt werden, um zu erjahren, wohin er sich begebe. Vorsichtig pürschten sich die beiden Weidmänner nach den Mühlengebäuden, deren Ein= und Ausgang zu beobachten. Sie hatten es nicht nötig, allzulange zu warten, denn nach kaum zehn Minuten betrat der Müller mit Ruschke den Hofraum. „Es bleibt also dabei, Ruschke,“ hörte Fröhlich den Müller sagen,„Ihr nehmt die Geschichte auf Cuch. Ich werde mich dann ja auch nicht lumpen lasten, wenn alles glückt. Verratet aber um Himmels willen nicht, daß ich dahinter stecke.“ „Keine Angst, Meister Ilgen,“ antwortete Ruschke, zwar etwas gedämpfter wie Ilgen, doch immerhin so laut, daß der unsern im Gebüsch auf der Lauer liegende Förster jedes Wort verstehen konnte, auch als Ruschke fortfuhr:„Ich werde nichts von dem verraten, was zwischen uns in dieser Stunde verabredet wurde, habe ich doch auch ein großes Interesse daran, daß alles klappt. Nachher werde ich mich bei Euch schon melden, darauf könnt Ihr Euch verlassen.“ „Wenn alles nach Wunsch geht, sollt Ihr reich belohnt werden," erwiderte der Müller. Beide schüttelten sich zum Abschiede die Hände. Während Jigen ins Haus trat, trat Ruschke seinen Weg durch den Wald an, gefolgt von den beiden Forstbeamten. Unterwegs setzte Fröhlich seinen Begleiter von dem eben gehörten Gesprache in Kenntnis. Beide dachten über dessen Bedeutung nach, kamen aber zu keiner sie befriedigenden Lösung. Ohne sich umzusehen, schlug Ruschke einen nach einem eine Meile entfernten Bauerndorfe führenden Weg ein. Bis an die Grenze des Wossiner Gutes folgten Fröhlich und Ehlert von weitem. Sie überzeugten sich, daß Ruschke den Weg nach dem Dorse fortsetzte und traten dann, als sie keine Spur von dem Verfolgten mehr wahrnahmen, den Heimweg nach der Försterei an. Ueberrascht fuhr Egon von Felden von seinem Sessel in die Höhe, als ihm am nächsten Tage der Müller Ilgen gemeldet wurde. „Ilgen?“ fragte zweifelnd der Baron und setzte, als der Diener respektvoll die Frage bejahte, hinzu:„Lassen Sie den Kerl noch zehn Minuten warten. Ich habe noch etwas Wichtiges aufzuarbeiten. Dann lassen Sie ihn eintreten, halten sich aber in der Nähe auf.“ Innerlich triumphierte der Baron, glaubte er doch, den Müller so weit zu haben, wie er ihn haben wollte. Nun konnte er seine Rache an ihm nehmen, und das geschah am besten dadurch, daß er Ilgen die Mühle unter keinen Umständen weiter ließ. Das war schließlich die beste Rache, zumal er erfahren, daß die alten Leute mit großer Liebe an der Mühle hingen. Nach dem Verstreichen der angeordneten Wartezeit erschien der Diener wiederum im Arbeitszimmer. Er traf seinen Herrn am Schreibtische sitzend und anscheinend in das Studium des Ilgenschen Aktenbündels vertieft an, doch Baron von Felden kannte den Inhalt der Akten ganz genau, er blätierte nur in dem Bündel, zuweilen eine Seite flüchtig durchlesend.„Führen Sie den Menschen herein," beauftragte er den Diener. Müller Ilgen erschien darauf im Schreibzimmer, dem Baron die Zeit bietend, aber dieser tat, als habe er den Eintritt des Mülkers vollkommen überhört. Erst nach geraumer Zeit, nachdem Iigen sich mehrmals vernehmlich geräuspert, fuhr von Felden ihn an:„Was wollt Ihr denn noch bei mir?! Eine größere Unverschämtheit ist mir denn doch noch nicht vorgekommen!“ Ilgen zuckte zusammen, seine Zähne knirschten und ingrimmig ballten sich die harten Hände zu Fäusten, während die ganze Gestalt etwas Lauerndes annahm, als wollte der Müller sich auf den am Schreibtische Sitzenden stürzen und ihn niederschmettern, doch war der Baron durch den Schreibtisch vollkommen gedeckt, auch schloß ein eichenes Gitter den Teil des Arbeitszimmers ab, in dem der Baron sich befand. Durch dieses gediegene Holzgitter, das durch eine Tür zu öffnen war und das er sich eigens hatte anfertigen lassen, wollte von Felden den großen Unterschied andeuten, der zwischen ihm und seinen Angestellten sowie der Landbevölkerung bestand. Letztere sollten ihm nicht zu nahe treten. Jetzt trennte das starke Holzgitter den Müller von dem Baron, sonst würde letzterer doch wohl nicht gewagt haben, den Wütenden noch zu reizen, zumal er ganz genau wußte, daß ihm unrecht geschehen war. Das letztere indes ließ den Baron vollkommen gleichgültig. Er als Herr von Wossin konnte sich das ja gestatten, zumal er nur so an dem Müller sich rächen konnte. Mit fest aufeinander gepreßten Zähnen stand Ilgen da. Er war in der festen Absicht gekommen, wenn irgend möglich zu einer Einigung mit dem Baron zu gelangen und selbst eine bedeutend höhere Pachtsumme ihm anzubieten, um nicht aus der liebgewordenen Stätte seines langjährigen Wirkens hinauszumüssen, zumal er ein gutes Geschäft darin machte. Er tat deshalb, als habe er den Vorwurf des Barons und die Beleidigung gar nicht gehört, als er antwortete: „Ich komme wegen der Mühle und möchte zu einer gütigen Einigung zu gelangen suchen.“ „Aha,“ brauste der Baron auf.„Jetzt kommt Euer Dickschädel zur Vernunft, nun, da es zu spät ist und das Gericht entschieden hat, daß ich im Rechte und Ihr im Unrechte seid!“ (Fortsetzung folgt.) 33 Su „„* B 1 #erEs SEEE ES S GEgES SESEEE R SHI EGMEESSES 5 5 BEBEERE = L 5 2 Denkspruch. 1— Wenn die Sachen da sind, wo sie hingehören, so verliert man aie Zeit nicht mit Suchen, londern kann Lag und Nacht nur zugrelsen, so hat man's. Jeremias Gottbeil. 13 Der Störenfried. Eine lustige Karnevalsgeschichte von Paul Bliß. (Nachdruck verboten.) Doktor Wolfram war seit einem halben Jahr verheiratet, und die jungen Eheleute lebten glücklich und zufrieden. Er tat, was er seinem kleinen Franchen nur an den Augen absehen konnte, und sie war ihm dafür in dankbarer Liebe zugetan. Da kam eines Tages der Störenfried, Tante Ottilie, ins Haus, und von diesem Tage an war es um das junge Eheglück geschehen. Tante Ottilie war ein Fräulein von fünfzig Jahren, sie war mißtrauisch, leicht erregbar und sehr anspruchsvoll, aber sie war sehr reich, und da Frau Erna Wolfram die einzige Verwandte war, so zog die Erbtante zu den jungen Leuten ins Haus, wofür sie diesen versprach, sie als einzige Erben einzusetzen. Nur mit schwerem Herzen willigte Doktor Wolfram ein, denn er kannte die Eigenarten des alten Fräuleins; da aber Erna bat und bat und man schließlich auch an die zu erwartende Erbschaft dachte, gab er endlich nach. Nach kaum achttägigem Zusammenwohnen kam die liebe Tante eines Morgens zum Doktor und brachte ihm ein dickes Manuskript.„Hier, lieber Doktor, bringe ich Ihnen ein Drama, das ich geschrieben habe," und dabei blickte sie stolz und triumphierend auf ihr Werk. — Dem Doktor wurde es schwarz vor den Augen, aber er bezwang sich und fragte lächelnd:„Aber, Tanichen, Sie dichten auch?“— Und siegessicher antwortete sie: „Lesen Sie nur— Sie werden sehen, daß es ein Theaterstück ist, wie seit Jahren keins dagewesen ist; es wird einen Riesenerfolg haben.“—„Aufführen lassen wollen Sie es auch?“ fragte er bestürzt.—„Aber wozu schreibt man denn sonst Theaterstücke?“ entgegnete sie beleidigt.„Gewiß soll es aufgeführt werden, und Sie sollen es anbringen, Sie haben ja Beziehungen zu allen Bühnen!"— Er ahnte Fürchterliches, aber er schwieg und versprach, das Stück bald zu lesen. Damit war Tante Ottilie zufrieden und ging. Und er las es. Natürlich war es eine ganz wertlose Arbeit, wie sie jeder halt wegs Gebildete zustande bringt, die man nie der Oeffentlichkeit übergeben konnte. Er hatte ja auch nichts anderes erwartet. Wie aber nun der dichtenden Tante dies schonend zu sagen? Er half sich, indem er seine Frau bat, es ihr so nach und nach beizubringen. Es geschah. Aber Tante Ottilie war damit nicht zufrieden, sondern kam in sein Arbeitszimmer und wollte sein Urteil hören. Natürlich sagte er ihr so schonend wie möglich, daß sie keine Spur von Talent habe.„Also wollen Sie es nicht einreichen?“ fragte sie kalt.—„Es ist unmöglich. Kein Mensch führt es auf.“ —„Nun gut— so reiche ich es selbst ein.“—„Aber Sie machen sich lächerlich, Tantchen“, entfuhr es ihm, denn er konnte sich nicht mehr halten.—„Das ist doch wohl meine Sache“, sagte sie nur, und rauschte zur Tür hinaus.— Er ließ sie gehen, aber er ahnte, daß es von jetzt an um den Frieden des Hauses geschehen war. Und er hatte nur zu recht. Die Tante war kühl und wurde mit jedem Tage kühler, und was noch schlimmer, auch Frau Erna war nicht mehr so lieb, wie sie bisher gewesen. Das alles wurde ihm auf die Dauer unerträglich, und oft schon dachte er daran, der Tanic zu sagen, daß es wohl besser wäre, wenn sie wieder allein zöge, aber Frau Erna war ganz und gar dagegen, da sie sich von der Erbtante nicht trennen wollte. So blieb ihm denn nichts anderes übrig, als sich in sein Schicksal zu fügen, wennschon er durchaus nicht einsah, weshalb seine Frau so plötzlich für die Tante Partei nahm. Der Grund dafür aber war: Taute Ottilie hatte die junge Frau eifersüchtig gemacht. Nämlich der Zufall wollte es, daß um die gleiche Zeit eine junge Dame zu dem Doktor kam, die ihm auch ein Drama brachte und um eine Empfehlung bat. Diesmal aber war es eine sehr talentvolle Arbeit, welche er sehr gern empfahl, und die denn auch sofort angenommen wurde. Das alles hatte die Tante erlauscht und erspüht, und nun aus Aerger und Neid blies sie der jungen Frau ins Ohr:„Es ist eine bildhübsche Dame, die er fast täglich empfängt, mit der er oft stundenlang plaudert, mit der er zusammen zum Theaterdirektor gegangen ist, und deren Stück er sosort zur Annahme gebracht hat.“ Anfangs zwar lächelte Frau Erna dazu, als aber die Tante immer von neuem wieder anfing, die Eifersucht zu wecken, wurde sie doch aufmerksamer, und als sie eines Tages sah, wie ihr Mann der schönen Dame die Hände küßte, da stellte sie ihn nachher zur Rede und machte ihm einen Auftritt. Er aber lächelte nur. Sofort erkannte er ihre Eifersucht, und daraus schloß er, daß sie ihn wirklich liebte— ein aufklärendes Wort aber sagte er nicht, denn nun wollte er doch einmal erproben, wie weit sie in ihrer blinden Liebe wohl gehen würde. Seufzend und weinend klagte Frau Erna der Tante ihr Leid.„Siehst du— wie recht ich hatte, mein Kind," bekräftigte Frau Ottilie,„er betrügt dich sicher! Ach, alle Männer sind gleich— aber laß nur, ich werde ihm auf die Finger sehen, und sowie wir den Beweis seiner Untreue haben, machen wir Ernst, dann heißt es: Scheidung!— und dann kommst du zu mir!". Aber daran dachte die junge Frau mit Grausen, und darum weinte und schluchzte sie bitterlich. Von nun an wurde das Zusammenleben der drei fast unerträglich; die beiden Damen hüllten sich in eisige Kälte, und der Doktor tat, als sehe er es nicht; bei ihm stand es fest, jetzt nicht nachzugeben, bis die Tante aus der Wohnung war, wenn anders er nicht ewig die Null im Hause bleiben wollte. So lebten sie denn nebeneinander hin— scheinbar ohne jedes Interesse—, aber nur scheinbar, denn Tante Ottilie spähle mit echt weiblicher Neugierde, ob sie den Doktor nicht auf einem unrechten Pfad ertappen konnte. Eines Tages, nachdem der Doktor fortgegangen war, hatte sie wieder in seinem Zimmer nachgesucht, und da mit einmal glaubte sie, den Beweis gefunden zu haben. Tantchen hatte eine Anzahl Kostümbilder gesunden, von denen der Doktor zwei Blätter ausgewählt und blau angekreuzt hatte: einen polnischen Edelmann und eine Polin. Nun war kein Zweifel mehr für die beiden Damen— der Ungetreue wollte wohl zu dem Kostümfest, das in einigen Tagen stattfand, und dahin wollte er jene schöne Dame mitnehmen, die er so eifrig bevorzugte; denn Tantchen hatte durch das Schlüsselloch gesehen, wie beide vor den Bildern gesessen hatten. Nun war alles klar. Frau Erna schluchzte unaufhörlich, aber die Tante tröstete sie:„Warte nur, Kind, jetzt werden wir ihn fangen—; denn wir werden auch auf das Kostümfest gehen, natürlich ganz vermummt und unkenntlich gemacht, damit wir ihn beobachten können!“ (Schluß folgt.)