Westhofener Zestung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung den Kreis Hörde. Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oolkszeitung= Schwerter Oolksblatt Amtliches Kreisblatt Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Die„Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Adonnenten für jeden mit Tod endenden Unfall gemäß ern Be. 500 Mark Anfall. dingungen Druck u. Verlag v. Carl Braus, Schwerte(Ruhr) Fernsprech-Anschluß Nummer 62. Telegramm=Adresse: Biaus, Schwere(Ruhr). Poltscheck: Dorlmund S S, Kanno#er 21874. Die„Schwerler Zeitung“ erschein käglich außer ###ertags. Bezugspreis monatlich 14.— 2., bei der Pos 14.— M., ohre Bestellgeld. Anzeigenweise: Die 1 mm hohe. 35 mm breite Jei 80 9f„auswärts 1.- M. Bei Wiederho ungen entsprechender Nachlaß Ik. Tarif. Joder Radatt glit als Kassenradatk und erlischt bei Konkursen, Zwangwergleichen, gerichtlichen Klagen u. Richtbeachten der gemachten Zahlungsbedingungen. Nr. 11 Basochenern der gropelrkbatttion Mit dem Zusammentritt der Steuer=Ausschüsse hat nun sogleich die parlamentarische Hochkonjunktur eingesetzt. Der gesamte Fragenkomplex der Reparationen, der Steuerkompromisse und der Regierungsbildung ist sofort in den Mittelpunkt der Erörterungen und Verhandlungen getreten. Infolge der Haltung der Sozialdemokratie, welche ihre Forderung nach Erfassung der Sachwerte nicht aufgeben will, muß die erstrebte Einigung in den Steuerfragen nunmehr vorläufig als gescheitert angesehen werden. Die Besprechungen beim Finanzminister Hermes haben zu keinem Ergebnis geführt. Die Deutsche Volkspartei ist jedenfalls von den Verhandlungen zurückgetreten. In den Kreisen der Volkspartei bedauert man die Entwickelung und ist keineswegs darüber erfreut, daß die Verhandlungen abgebrochen worden sind. Die Partei steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß grundsätzlich an der großen Koalition festgehalten werden müsse, wenn auch durch das vorläufige Scheitern des Steuerkompromisses die Bildung der großen Koalition vorläufig außerordentlich in Frage gestellt wird. Die Situation wird dadurch ferner nicht erleichtert, daß auch die Demokraten erklären, unbedingt an der Seite der Deutschen Volkspartei bleiben zu wollen und im Falle des Scheiterns des Steuerwerkes in keinem Falle in die Regierung einzutreten. Das Zentrum steht nunmehr auf dem Standpunkt, daß es keinen Zweck habe, vor Beendigung der Konferenz von Cannes und vor dem Zusammentritt des Reichstagsplenums erneut die Frage in Angriff zu nehmen. Trotzdem will das Zentrum versuchen, in der Zwischenzeit abermals die Fühlung mit der Sozialdemokratie aufzunehmen und nochmals versuchen, die widerstrebende Sozialdemokratie zu einem Kompromiß heranzuziehen. Man wird gegenüber der Haltung der Sozialdemokratie auch diesen Bemühungen von vornherein nur sehr wenig Aussicht auf Erfolg zusprechen können. Durch diese Entwickelung der Dinge ist natürlich die Stellung des jetzigen Finanzministers Hermes erschüttert. Man wird jedenfalls versuchen, Hermes, der ja unter dem Widerstand der Sozialdemokratie ganz besonders zu leiden hat, vorläufig zu halten, um unter keinen Umständen diesen Posten an die Linke abzugeben. Daß der Gedanke der großen Koalition schwer erschüttert ist, das bestätigt auch eine Meldung der im allgemeinen demokratisch orientierten Korrespondenz„Simon“ die berichtet, daß der Großblock vorläufig aufgegeben worden sei und daß man sich auch im Kabinett davon überzeugt habe, daß die Deutsche Volkspartei nicht gesonnen sei, in die Regierung einzutreten. Die Deutsche Volkspartei will, wie die Korrespondenz schreibt, die Verantwortung für das kommende Diktat von Cannes nicht übernehmen. Unter diesen Umständen wird auch die demokratische Reichstagsfraktion außerhalb der Regierung bleiben. Die Meldung dieser Korrespondenz eilt den Tatsachen zwar etwas voraus, ist aber für die Auffassung, die man in demokratischen Kreisen von der bisherigen Entwickelung hegt, bezeichnend. Unter diesen Umständen werden die Steuervorlagen wohl kaum im Januar schon den Reichstag beschäftigen. Man wird aller Voraussicht nach zunächst die im vergangenen Jahre unerledigten Vorlagen beraten. Das Scheitern des Steuerkompromisses wirft die längst befürchteten Konsequenzen namentlich die Reichstagsauflösung und Neuwahlen auf. Es ist klar, daß die Entscheidungen von Cannes die Dinge entscheidend beeinflussen müssen. Freitag, 13. Januar 1922 Kuckrelrr Brtunds. Tu Paris, 12. Januar. Das Kabinert Briand ist zurückgetreten. Es verlautet, daß Poincaree mit der Neubildung des Kabinetts betraut ist. * Nähere Einzelheiten über den Rücktritt Briands. Ministerpräsident Briand, der vorgestern vormittag in Paris ankam, hat sich in das Ministerium begeben, um dem Präsidenten der Republick über die geführten Verhandlungen zu berichten. Um 11 Uhr hat das Ministerium eine Sitzung abgehalten. Nach Schluß der Sitzung ist folgende amtliche Mitteilung ausgegeben worden: Nach dem Vortrage Briands über den Stand der Verhandlungen habe eine Beratung stattgefunden, nach der der Ministerrat ein vollkommenes und einmütiges Einverständnis mit dem Standpunkt des Ministerpräsidenten erklärt habe. In der Kammer gab Briand eine Erklärung ab, die zum Teil stürmische Unterbrechung herbeiführte. Nachdem er diese Erklärung beendet hatte, teilte er mit, daß er sich nach dem Elysee begeben werde, um dem Präsidenten der Republik seinen Rücktritt zu überbringen. Es ist Die Steuerfragen. Eine Aktion der Linken. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund veröffentlicht eine Erklärung, die eine scharfe Kampfansage der freien Gewerkschaften und der sozialistischen Parteien an die bisherige Steuerpolitik der Regierung, in der bekanntlich die Sozialdemokratie ausschlaggebend vertreten ist, bedeutet. Diese Erklärung lautet: „Die Durchführung des Steuer= und Reparationsproblems scheint immer mehr auf ein stilles Gleis zu geraten. Die Einziehung der Vermögenssteuer und des Reichsnotopfers läßt nach wie vor auf sich warten. Von der Kreditaktion der Industrie und der Landwirtschaft hört man seit dem Beschluß des vorläufigen Reichswirtschaftsrates auch wenig mehr und die Erfassung der Sachwerte, die den Ausgangspunkt für die gesamte Finanzreform bilden sollte, scheint gänzlich begraben werden zu sollen. Nur die Erhebung der Lohn= und Gehaltsabzüge geht prompt vonstatten, sodaß schließlich die Arbeitnehmer allein die Lasten tragen, die das Reich erfordert. Die Gewerkschaften sind aber nicht willens, sich mit diesem Zustande der Lastenverteilung abzufinden, und sie haben deshalb in Gemeinschaft mit den Vorständen der beiden sozialistischen Parteien beschlossen, in der Steuer= und Reparationsfrage mit stärkerem Nachdruck vorzugehen. Sie haben zur besonderen Bearbeitung der Fragen der Erfassung der Sachwerte eine Kommission gebildet, der angehören: Wissel, Tarnow, Albrecht vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund, Aufhäuser, Urban vom Afa=Bund, ferner Bernstein, Kahmann von der S. P. D. und Dr. Hilferding und Dr. Hertz von der U. S. P. Diese Kommission wird ihre Arbeiten unmittelbar nach dem Leipziger Parteitag der U. S. P. aufnehmen. Die Konferenz von Cannes. Geldsackpolitik, nicht Gerechtigkeit. So sehr auch die französische nationalistische Opposition, die sich um Clemenceau und Tardien schart, bemüht ist, die politischen Vereinbarungen, zu denen Briand sich veranlaßt fühlt, als Mißerfolg der französischen Politik darzustellen, so ist doch bei der überwiegenden Mehrheit der hier weilenden französischen politischen Kreise festzustellen, daß mit dem Abschluß des französisch=englischen Sicherheitsbündnisses, dem auch Italien bettreten soll und voraussichtlich beitreten wird, Briand das französische Volk vor der politischen hervorzuheben, daß Ministerpräsident Briand im Laufe seiner Erklärung feststellte, ob es dem französischen Parlament gefalle oder nicht, im Obersten Rat sei eine Mehrheit dafür vorhanden, daß man Deutschland einen Zahlungsaufschub gewähre. In der Reparationskommission habe Frankreich nicht die Mehrheit. Frankreich könne an dieser Tatsache nichts ändern. Briand an Lloyd George. Briand hat an Lloyd George im Laufe des Abends folgendes Telegramm gesandt: Angesichts der politischen Umstände, die ich bei meiner Ankunft in Paris vorgefunden habe, habe ich die Ueberzeugung gewonnen, daß es mir nicht möglich sei, den Platz als Ministerpräsident weiter inne zu haben. Nachdem ich die Demission des Kabinetts dem Präsidenten der Republik übergeben habe, kann ich nicht mehr nach Cannes zurückkehren, um an den Arbeiten des Obersten Rates teilzunehmen. Ich bitte Sie, diese Tatsache den Delegierten=Kollegen mitzuteilen und Ihnen gleichzeitig mit meiner Entschuldigung das Bedauern ausdrücken zu wollen, das ich dadurch haben muß, daß ich die Arbeiten mit Ihnen aufgeben muß. Vereinsammung in der Welt gerettet habe. Die Absicht auf englischer Seite, die Räumung des besetzten Gebietes ausdrücklich in den vorliegenden Vertragsentwurf hineinzubringen, ist am französischen Widerstand gescheitert. Daß diese Räumung als natürliche Folge aus dem Bündnisvertrag über kurz oder lang zustande kommen muß, wird auf englischer, italienischer und auch belgischer Seite durchaus offen anerkannt. Briand hält sich aus an sich begreiflichen Gründen noch etwas zurück, hat aber vorgestern im engeren Kreise zugegeben, daß aus Ersparnisgründen auch die französische Regierung eine schrittweise Verringerung der Besatzungstruppen in Aussicht nehme und billige. Es fällt überhaupt auf, wie bei der Erörterung des französisch=englischen Bündnisentwurfes das Wort„Ersparnisse“ immer wieder in den Vordergrund gehoben wird. Kurzsichtige Raubpolitik. Die Franzosen sind eifrig bemüht, die Zwangserftssung des deutzchen Besitzes in irgendeiner Form in die Bedingungen für die Reparationszahlungen einzuflechten. Sie schlugen vor, die Rückwanderung der den deutschen Großindustriellen gehörenden, im Ausland befindlichen Devisen nach Deutschland auf folgende Weise zu erzwingen: Die dem deutschen Großkapital gehörenden Fabriken, Geschäfts= und Bankhäuser sollen konfisziert und solange den Reparationszahlungen verpfändet bleiben, bis die Besitzer sie mit ihren im Ausland befindlichen Devisen auslösen. Von britischer Seite wurde diesem Argument mit der Erklärung begegnet daß solche Maßnahmen nur zur Vernichtung hochwertiger Produltionsquellen führen würden. England habe selbst erfahren, daß es trotz seiner guten Valuta den Abschub bedeutender Kapitalien nach Holland nicht hindern konnte. Frankreich wahrt seine„Rechte“. Die französische Senatskommission für auswärtige Angelegenheiten hielt unter dem Vorsitz des Senators Poincaree eine Sitzung ab. Nach einer Prüfung der Lage, die durch die Konferenz von Cannes geschaffen wurde, entschloß sich der Ausschuß mit Einmütigkeit aller anwesenden 25 Senatoren, folgendes Telegramm an Briand zu richten: Der Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten hat auf Verlangen einer großen Anzahl seiner Mitglieder und mit Rücksicht auf das allgemeine Gefühl, das sich in den Gruppen des Senats jetzt geltend gemacht habe, mich beauftragt. Ihnen eiligst Kenntnis von der Tages. 55. Jahrgang ordnung zu geben, die angenommen wurde. Der Ausschuß ist der Ansicht: 1. daß der wirtschaftliche und finanzielle Wiederaufbau Frankreichs eine wesentliche Bedingung des Wiederaufbaues Europas ist; 2. daß die Reparationen, auf die Frankreich Anspruch hat, unantastbar bleiben müssen, daß also weder eine neue Revision noch eine Abänderung des Zahlungsplanes vom 15. Mai 1921 angenommen werden kann. Es ist auch unzulässig, die belgische Priorität im mindesten zu erschüttern. 3. Frankreich kann sich zur geplanten internationalen Wirtschaftskonferenz nur begeben, wenn es im voraus die effektive Versicherung erhält, daß alle seine Rechte respektiert werden. 4. Der zwischen Frankreich und England diskutierte Pakt muß vor allem die garantierten Ausführungsmittel und Pfänder, die Frankreich aus den Verträgen zu empfangen habe, bestätigen, um es für die Gegenwart und Zukunft zu sichern. Der Ausschuß ist indessen der Ansicht, daß nichts wirksam werden kann, ohne die Minderheit der Kammer.— Die Mitteilung ist unterzeichnet von Raimond Poincaree. Bündnispläne. Die Reparationsfrage bildet nicht den Hauptgegenstand der Beratungen in Cannes. Wenn das in der deutschen Oeffentlichkeit den Eindruck erweckt hat, so deshalb, weil es sich bei der Reparationsfrage um unsere Haut hierbei handelt. Herr Briand aber ist ernsthaft bemüht, eine andere Frage, eine hochpolitische Frage in den Vordergrund der Erörterungen von Cannes zu stellen. Die Tatsache des Stundungsbeschlusses läßt sich nun nicht mehr bezweifeln. Auch wenn französische Interessen durch diesen Beschluß nicht oder nur sehr wenig berührt werden, so braucht Herr Briand doch einen diplomatischen Erfolg, mit dem er Cannes vor der nationalistischen Kammer rechtfertigen kann. Aus diesem Grunde, aber nicht nur aus diesem Grunde allein, stellt Briand seine Bündnispläne immer wieder in den Vordergrund. Die Bündnispolitik, wohl gemerkt: die Bündnispolitik gegen Deutschland ist das Ziel der französischen Politik seit der Unterzeichnung des Versailler Vertrages gewesen. Damals wurde jenes Dokument von Clemenceau, Wilson und Lloyd George unterschrieben, aus dem heraus der französisch=englisch=amerikanische Garantievertrag entstehen sollte. Infolge der entschiedenen Ablehnung der Vereinigten Staaten kam jener Vertrag nicht zustande, und man darf annehmen, daß auch interessierte englische Kreise das Nichtzustandekommen dieses Vertrages begrüßt haben. Briand hat noch einmal in Washington versucht, etwas Aehnliches wie einen Garantievertrag vorzuschlagen und durchzudrücken. Es ist ihm nicht gelungen, gelungen ist ihm dafür allerdings das andere, daß die Mächte sich um die Landabrüstung Frankreichs nicht gekümmert haben. Frankreich rüstet nicht ab, aber es will doch den Garantievertrag, und dieser Vertrag ist allem Anschein nach der Preis für das französische Zugeständnis, das den Franzosen übrigens nichts kostet, in der Reparationsfrage. Auf englischer Seite will man diesem Vertrag ein anderes Gesicht geben; man will auch die übrigen europäischen Staaten in den Vertrag einbeziehen; man will einen allgemeinen Bündnisvertrag, bei dem auch Deutschland nicht fehlen soll, einen Vertrag, der allgemein den status quo in Europa garantiert. Die französische Tendenz geht aber dahin, daß nur die Staaten einbezogen werden, die abhängig von der französischen Politik sind. Mit Belgien hat Frankreich, so wie so schon ein militärisches Abkommen abgeschlossen, auch mit Polen sind derartige Verträge getätigt; nun will man diese Staaten mit in den großen Vertrag bringen. Dagegen sind auf englischer Seite starke Widerstände. Uns berührt diese Frage nur sehr wenig. Wir können keinen Krieg führen, noch wollen wir einen Krieg führen. Wir haben alles Interesse an einer Wie Gergesundung Europas. Das eine aber ist klar: daß Deutschland nicht eine Gefahr für den Frieden bildet, sondern daß jene Leute in Frankreich, die dem Chauvinismus in allen Tonarten huldigen, es sind, die eine wirkliche Friedensstimmung in Europa nicht aufkommen lassen. Oberschlesien. Kritisches Stadium in den oberschlesischen Verhandlungen. Nach einer in der Presse wiedergegebenen Meldung des„Matin aus Warschau soll die polnische Delegation von der Warschauer Regierung angewiesen worden sein, keiner Verein barung zuzustimmen, die der polnischen Regierung das Recht nehmen würde, das deutsche Eigentum in Oberschlesien zu liquidieren. Sollte diese Nachricht zutreffen, so dürften, wie uns von maßgebender Seite mitgeteilt wird, die deutsch=polnischen Verhandlungen in ein kritisches Stadium treten. Deutschland würde nicht in der Lage sein, einen Vertrag zu schließen, der Polen das von ihm beanspruchte Liquidationsrecht einräumt. Polnische Generalstreikhetze in Oberschlesien Unter den Gruben= und Hüttenarbeitern im oberschlesischen Industriegebiet wird von polnischen Agenten mit allen Mitteln zum Streik gehetzt. Um auch die deutschen Arbeiter hierfür zu gewinnen, werden von den polnischen Agenten wirtschaftliche Momente in den Vordergrund geschoben. Unter der Bevölkerung wird das Gerücht verbreitet, der Generalstreik werde Ende Januar losgehen. Das Streben der Polen geht offensichtlich dahin, die letzten drei Industriestädte Beuthen, Gleiwitz und Hindenburg in die Hände Polens zu bringen. Konstantin und Gunaris. König Konstantin ist kein Alexander. Statt das Schwert zu ziehen, schickt er seinen Unterhändler auf Reisen. Nach dem mißlungenen ersten Streich hofft er auf das Gelingen des zweiten, des diplomatischen. Unerreichbar weit ist die Konstantinstadt am Goldenen Horn wieder von Athen entfernt. Der König harrt, das Heer schläft, Gunaris reist In Paris hat man ihn empfangen wie den Hund in der Kirche, den er hatte das Pech, gerade zu der Stunde einzutreffen, als die Franzosen auf eigene Faust mit den Angoratürken verhandelten. Gunaris hißte die Segel und fuhr nach London. st. iu Aber Lloyd George hielt ihn von einem Tag zum andern mit leeren Reden hin, bis er die Kühle merkte und sich zurückzog, um bei einem zweiten Besuch noch nichtssagender behandelt zu werden. Bei einer so gründlichen Erkältung tut man gut, nach Italien zu gehen. Gunaris kam nach Rom— ausgerechnet vor Cannes Der Nachsatz kennzeichnet sein außergewöhnliches Pech. Die griechischen Zeitungen strömen plötzlich über vor Liebe zu der alten Rivalin, sie finden, daß zwischen Rom und Athen nichts liege als eine Brücke. Und sagt Rom: Wir wollen den Frieden, so antwortet Athen: Wir auch! Dabei denkt aber Italien an Cannes und Griechenland an Angora, das ist der schwierige Punkt, über den nun Gunaris hinwegkommen soll. Er ist gekommen, in aller Form ein Bündnis anzubieten, aber der Marchese della Torretta müßte nicht er selbst sein, wenn er auf eine klare Frage hier eine klare Antwort bereit hätte Was kann dem heutigen Rom mit seiner schillernden Politik ein hilfsbedürftiges, nicht gebefähiges Griechenland sein? Die Stärke, die Zahlungskräftigkeit liegt offenbar auf der anderen Seite, bei den Kemalisten, denn mit ihnen macht heute der Franzose, vielleicht morgen der Brite seine Geschäste. König Konstantin sieht seine Krone in Gefahr, wenn er an den einzigen Ausweg denkt, der ihm bleibt: Friede nach den Wünschen des Feindes zu schließen. Aus Stadt und Land. Schwerte, den 13. Januar. Kohlenmangel und Arbeitslosigkeit. In der Rheinprovinz ist die Arbeitslosigkeit im Steigen begriffen. Von zuständiger Seite erfährt man hierüber, daß als Ursache der Arbeiterentlassungen und Betriebseinschränkungen hauptsächlich Materialmangel und Knappheit an Kohle angegeben werden. Eine besonders starke Zunahme der Arbeitslosigkeit macht sich auch in den Nahrungs= und Genußmittelbetrieben bemerkbar. Im Baugewerbe sind Maurer und Dachdecker zwar noch immer gesucht, wogegen das Angebot von Malern, Anstreichern und Verputzern noch weiter im Steigen begriffen ist. Im Handelsgewerbe hat sich auch die Lage für Verkäuferinnen noch weiter wesentlich verschlechtert. * Was tostet den Angestellten ihre Ver sicherung? In der„Sozialen Praxis“ gibt der Geh.Regierungsrat Düttmann, ein hervorragender Kenner auf dem Gebiete der Versicherungswissenschaft, folgendes zum Besten:„Die Verteuerung ergibt sich aus folgenden Erwägungen: Für die Versicherung von rund 1 500000 Angestellten war im Vorjahre die Täitgkeit von 123 höheren und 3962(zeitweilig sogar 3491) mittleren und unteren Beamten erforderlich, und der Aufwand an Verwaltungskosten stieg von 23,8 Millionen Mark im Jahre 1910 auf 50 Millionen Mark, rund 40 Mark auf jeden Versicherten, im Jahre 1920). Demgegenüber waren bei den Versicherungsanstalten und Sonderanstalten(der allgemeinen Invalidenversicherung) nach den letzten vollständigen Nachweisungen für 1919 bei einem mehr als zehnmal so großen Versichertenbestande neben 196 beamteten Vorstandsmitgliedern und höheren Beamten 4590 andere Beamte tätig, und der Aufwand an Verwaltungskosten betrug 58 Millionen Mark, rund 3,6 Mark auf jeden Versicherten. Dabei ist zu beachten, daß die Organisation der Versicherungsanstalten vollständig ausgebaut ist, daß im Jahre 1919 rund 360000 Renten festzusetzen und 2 Millionen laufende Renten zu überwachen waren, wogegen bei der Angestellten=Versicherung der Ausbau erst in Angriff genommen und mit der Rentenzahlung kaum ein Anfang gemacht ist, also ein erhebliche Zunahme der Arbeit und damit der Kosten für die Mehrzahl der Beteiligten kommen muß.“ ** M.=G.=V.„Sängerbund“. In der HauptJahresversammlung des M.=G.=V.„Sängerbund", welche sich eines sehr guten Besuches erfreute, wurde u. a. auch die Vorstandswahl getätigr. Dieselbe hatte folgendes Resultat: W. Braukhoff, 1. Vorsitzender; Kalt, 2. Vorsitzender; Karl Brandt, 1. Kassierer, Fritz Gebhardt 2. Kassierer; Vonjahr, 1. Schriftführer, Wilh. Schmidt, 2. Schriftführer; Lohenstein und Waslowsky, Bibliothekare; Faber, Ries und Droste, Beisitzer. Chorleiter ist bekanntlich der Musiklehrer Niederstebruch aus Iserlohn, Das Vereinslokal bleibt nach wie vor im„Sängerheim“(Klempt). Der Verein zählt zurzeit 70 aktive und 50 passive Mitglieder. Wahl zur Angestellten=Versicherung. Am morgigen Samstag finden die Wahlen der Beisitzer zur Angestellten=Versicherung statt und zwar in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends. Das Wohllokal befindet sich im Rathaussaale. Alle Angestellten, männlichen und weiblichen Geschlechts, welche dem Angestellten Versicherungsgesetz unterliegen und das 21. Lebensjahr vollendet haben, sind zur Wahl berech tigt, soweit sie im Stadtbezirk Schwerte wohnen. Als Ausweis gilt die Versicherungskarte. ** Der Schwerter Turnverein feiert am morgigen Samstag sein diesjähriges Winterfest im Vereinslokal Specht. Die Feier findet geschlossen statt und haben zu derselben nur Vereinsmitglieder und deren Angehörige Zutritt. ** Falsche Hundertmarkscheine. Von den seit etwa einem Jahre zur Ausgabe gelangten Hundertmarkscheinen der Ausgabe mit dem Aufdruck: „1. November 1920“, sind neue Fälschungen im Verkehr aufgetaucht. Die falschen Scheine unterscheiden sich von den echten Scheinen durch das von dem echten Banknotenpapier abweichende Pavier, durch unklaren und etwas verschwommenen Druck, ferner fehlt bei den Falschstücken das Wasserzeichen und der Faserstreifen. Der Faserstreifen wird durch den Aufdruck von farbigen Strichen nur schlecht vorgetäuscht. Die falschen Scheine sind bei einiger Aufmerksamkeit leicht von den echten Scheinen zu unterscheiden. ** S. S. V. Die Haupt=Jahresversammlung des Schwerter Sportklubs findet heute(Freitag) abend 8½ Uhr im Lokale Potthoff statt. Die Mitglieder seien auch an dieser Stelle auf dieaufmerksam gemacht. ** Die Notwendigkeit des Zeitungslesens. Ein bemerkenswertes Urteil hat kürzlich das Landgericht München 2 nach einer Mitteilung der „Deutschen Gemeindezeitung" über zwei Holzarbeiter gefällt, die wegen Nichtlesens von Zeitungen die Verordnung über unbefugten Waffenbesitz nach der Ablieferungsfrist übertreten hatten. Das Gericht bezeichnete das Nichtlesen von Zeitungen als eine grobe Fahrlässigkeit und ließ auch die Einwendung nicht gelten, daß die Arbeiter in ihren Gebirgsdörfern keine Zeitungen zu lesen bekämen. ** Auch ein Zeichen der Zeit. Der Christliche Mittelstand, Ortsgruppe Köln, hat an den Regierungspräsidenten und den Oberbürgermeister einen Antrag gerichtet, in dem es heißt: Zahlreiche dem Mittelstand angehörende Personen sind infolge der Not der Zeit gezwungen, die in ihrem Besitz befindlichen Gold= und Silberwerte zu veräußern. Wir beantragen Einrichtung öffentlicher, möglichst unentgeltlich arbeitender Schätzungsstellen, denen zweckmäßig ein Sachverständiger aus der Industriebranche beigegeben wäre. ** Geisecke, 13. Januar. Religiöser Vortrag. Es ist der Wunsch geäußert worden, daß sich die evangelischen Eingesessenen von Geisecke=Lichtendorf, die an der Förderung und dem Ausbau des evangelischen Gemeindelebens in diesem Bezirk ein Interesse haben, zusammenschließen möchten. Zur Aussprache über die bestehenden Pläne und Wünsche soll am kommenden Sonntag, nachmittags 5 Uhr, im Saale des Herrn Eichmann eine Besprechung stattfinden. Es wird ein einleitnder Vortrag gehalten werden über das Thema:„Gegenwartspflichten und Zukunftsaufgaben des evang. Gemeindelebens in Geisecke=Lichtendorf". Männer und Frauen, denen die Entwickelung des Gemeindelebens am Herzen liegt, werden zu dieser Versammlung herzlich eingeladen. ** Ergste, 12. Januar. Der Dramatische Dilettantenverein hielt am Sonntag im Vereinslokal seine Jahres=Generalversammlung ab unter recht zahlreicher Beteiligung. Die Tagesordnung wurde flott erledigt; unter anderem wurde auch die Vorstandswahl vorgenommen. Aus der Wahl gingen folgende Herren hervor: Bruno Weber, 1. Vorsitzender; Gottfried Rüssel, 2. Vorsitzender; Max Weber, 1. Schriftführer, Heinrich Schulte, 2. Schriftführer; Karl Finkhaus, Kassierer; Herb. Jonassohn, Regisseur; Alfr. Handke, Regisseur. Ferner wurde beschlossen, am 12. März d. J. einen größeren Theaterabend zu veranstaltern. Die Vorbereitungen wurden einer Kommission überiragen. ** Hennen, 12. Januar. Kriegerverein. Aeußerst zahlreich hatten sich die Mitglieder des Vereins zu der ersten Hauptversammlung im Lokale Kirchhoff=Lehmufer eingefunden. Da krankheitshalber der erste Vorsitzende Bimberg sein Amt niedergelegt hat, wurde die Versammlung vom zweiten Vorsitzenden mit begrüßenden Worten eröffnet und geleitet. Der Barbetrag der Kasse beträgt am 1. Januar 1922 1525,10 Mark. Der Jahresbeitrag wurde auf 15 Mark festgesetzt. Zum ersten Vorsitzenden wurde Kamerad Rippelmeier einstimmig gewählt. Die turusgemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. In Anerkennung ihrer hohen Verdienste um den Verein wurden der bisherige Vorsitzende W. Bimberg zum Ehrenvorsitzenden und der Schriftführer Lehrer Loose zum Ehrenmitglied ernannt. Einem Vortrag des Kameaden Kirchhoff über Bismarcks Entlassung wurde aufmerksam gefolgt und der Redner für seine klaren Darlegungen durch reichen Beifall gelohnt. den Provinzen. Dortmund, 12. Januar. Aus Freiligraths Nachlaß. In der Stadtverordnetensitzung wurde die Schenkung der sozialdemokratischen Fraktion aus dem Nachlaß Freiligraths mit herzlichem Danke angenommen. Die Schenkung besteht aus 150 gebundenen Büchern, 125 Handschriften und 60 Gelegenheitsarbeiten. Diese Dokumente befanden sich bisher in Frankfurt a. M. Dortmund, 12. Januar. Die Grippe erforderte in der Zeit vom 1.—7. Januar 22 Todesopfer. Nach den amtlichen Ermittelungen hat sich die Krankheit zwar nicht weiter ausgebreitet, im Gegenteil ist nach den eingegangenen Meldungen ein gewisser Rückgang zu verzeichnen. Die Bösartigkeit der jetzigen Grippe=Epidemie ist nicht mit derjenigen der Epidemie von dem Jahre 1920 zu vergleichen. Die jetzigen Todesopfer von 22 ist die bis jetzt erreichte Höchstzahl in einer Woche. Dortmund, 12. Januar. Das Nordsternhaus verkauft. Das weithin bekannte Nordsternhaus am Markt, dessen Besitzerin die hiesige Union=Brauerei war, ist durch Kauf für den westfälischen Industrieverband erworben worden. Der Klub will durch den Erwerb seinen Mitgliedern und darüber hinaus der Industrie ganz allgemein ein Heim für Beratungen und Versammlungen bieten, im übrigen aber wird der seitherige Zweck und Charakter des Hauses als modernes Kaufund Bureauhaus durch den Verkauf einstweilen nicht berührt. Essen, 12. Januar. Was man bei Krupp gestohlen hat. Zur Bekämpfung des Diebstahls hat die Gußstahlfabrik Krupp in Essen einen besonderen Ueberwachungsdienst eingerichtet. Diesem sind im Geschäftsjahre 1920=21 659 Diebstähle von Werkseigentum mit einem Gesamtwert von rund 2500000 Mark bekannt geworden. Davon wurden wieder herbeigeschafft für 1400000 Mark. Gemeldet wurden außerdem 34 Diebstahlsversuche, 87 Diebstähle von Privateigentum im Werke und 41 sonstige strafbare Handlungen. Himmel und Roman von Otto Ludwig. 59)(Nachdruck verboten). In Augenblicken allgemeiner Hilflosigkeit klammert sich die Menge an einen Namen, an ein bloßes Wort. Ein Teil schiebt damit die Anforderungen des Gewissens zu eigenem Mühen, zu eigenem Wagnis von sich; und diese sind's, die dem Helfer, hat er nicht geholfen, dann unbarmherzig nachrechnen, was er getan und was er nicht getan. Die andern sind froh, täuschten sie sich nur über den nächsten Augenblick hinweg.„Was soll er?“ rief einer.„Helfen!"„Retten!“ riefen andere.„Und wenn er Flügel hätte, in dem Sturm wagt's keiner.„Der Nettenmair gewiß!, Im tiefsten Herzen wußten auch die Vertrauendsten, er wird's nicht wagen. Der Gedanke, daß die Flamme noch gelöscht werden konnte, wenn sie nur zugänglich war, machte die allgemeine Empfindung peinlicher, da er die stumpfe Ergebung hinderte, wozu die unausweichliche Not mit wilder Härte zwingt. Als die Ausfahrtür sich öffnete und die herausgehaltene Leiter sichtbar wurde, als es schien, es wagt es dennoch einer, wirkte das so erschreckend, als der Einschlag selbst. Und die Leiter hing und schaukelte hoch oben mit dem Manne, der daran hinaufklomm, von Schnee umwirbelt, von Blitzen umzuckt; die Leiter hinauf, die wie aus einem Span geschnitten schien, und wie eine Glocke mit ihm schaukelte, in der entsetzlichen Höhe. Jeder Atem stockte. Aus Hunderten der verschievensten Gesichter starrte derselbe Ausdruck nach dem Manne hinauf. Keiner glaubte an das Wagnis, und sie sähen den Wagenden doch. Es war wie etwas, das ein Traum wäre, und doch Wirklichkeit zugleich. Keiner glaubte es, und doch stand jeder einzelne selbst auf der Leiter, und unter ihm schaukelte der leichte Span in Sturm und Blitz und Donner hoch zwischen Himmel und Erde. Und sie standen doch auch wieder unten auf der festen Erde und sahen nur hinauf; und doch, wenn der Mann stürzte, dann waren sie's, die stürzten. Die Menschen unten auf der festen Erde hielten sich krampfhaft an ihren eigenen Händen, an ihren Stöcken, ihren Kleidern an, um nicht herabzustürzen von der entsetzlichen Höhe. So standen sie sicher und hingen doch zugleich über dem Abgrunde des Todes, jahrelang, ein Leben lang, denn die Vergangenheit war nicht gewesen; und doch war's nur ein Augenblick, seit sie oben hingen. Sie vergaßen die Gefahr der Stadt, ihre eigene über die Gefahr des Menschen da oben, die ja doch ihre eigene war. Sie sahen, der Brand war getilgt, die Gefahr der Stadt war vorüber; sie wußten es wie in einem Träume, wo man weiß, man träumt; es war ein bloßer Gedanke ohne lebendigen Inhalt. Erst als der Mann die Leiter herabgeklommen, in der Ausfahrtür verschwunden war und die Leiter sich nachgezogen hatte, erst als sie nicht mehr oben hingen, als sic sich nicht mehr an den eigenen Händen, Stöcken und Kleidern festhalten mußten; da erst kämpfte die Bewunderung mit der Angst, da erst erstickt: der Jubel:„Zu braver Junge!“ in dem Angstruf:„Er ist verloren!“. Eine alterszitternde Stimme begann zu singen:„Nun danket alle Gott". Als der alte Mann an die Zeile kam: „der uns behütet hat", da erst stand alles vor ihrer Seele, was sie verlieren konnten und was ihnen gerettet war. Die fremdesten Menschen fielen sich in die Arme, einer umschlang in dem andern die Lieben, die er hätte verlieren können, die ihm gerettet waren. Alle stimmten ein in den Gesang, und die Töne des Dankes schwollen durch die ganze Stadt, über Straßen und Plätze, wo Menschen standen, die gefürchtet hatten, und drangen in die Häuser hinein bis in das innerste Gemach und stiegen bis in die höchste Bodenkammer hinauf. Der Kranke in seinem einsamen Bett, das Alter in dem Stuhl, wohin es die Schwäche gebannt hielt, sang von ferne mit; Kinder sangen mit; die das Lied nicht verstanden und die Gefahr, die abgewendet war. Die ganze Stadt war eine einzige große Kirche, und Sturm und Donner die riesige Orgel darin. Und wieder erhob sich der Ruf:„Der Nettenmair! Wo ist der Nettenmair? Wo ist der Helfer? Wo ist der Retter? Wo ist der kühne Junge? Wo ist der brave Mann?“ Sturm und Gewitter waren vergessen. Alles stürzte durcheinander, den Gerufenen suchend; der Turm von Sankt Georg wurde gestürmt. Den Suchenden kam der Zimmermann entgegen und sagte, der Nettenmair habe sich einen Augenblick im Türmerstübchen zur Ruhe gelegt. Nun drangen sie in den Zimmermann, er sei doch nicht beschädigt? Seine Gesundheit habe doch nicht gelitten? Der Zimmermeister konnte nichts sagen, als daß Nettenmair mehr getan habe, als ein Mensch im gewöhnlichen Lauf der Dinge zu tun imstande sei Bei solchen Gelegenheiten, wie die Rettung heute, sei der Mensch ein anderer; hintennach erstaune er selber über die Kräfte, die er gehabt. Aber es bezahle sich alles. Ihn— den Zimmermeister— sollte es nicht wundern, schliefe Nettenmair nach der gehabten Anstrengung drei Tage und drei Nächte„in einem Ritt“ hintereinander fort. Die Leute schienen bereit, so lange auf den Treppen zu warten, um den Braven nur gleich nach dem Erwachen zu sehen. Unterdes hatte ein angesehener Mann auf dem nahen Marktplatze eine Geldsammlung begonnen. Geld lohne freilich solch ein Tun nicht, als der Brawe heut bewiesen; aber man könne ihm wenigstens zeigen, man wisse, was man ihm zu danken habe. In der Stimmung des Augenblicks, die in jedem einzelnen wiederklang, liefen sogar anerkannte Geizhälse hastig heim, ihren Beitrag zu holen, unbekümmert darum, daß sie es eine Stunde später reuen würde. Wenige von den Wohlhabenderen schlossen sich aus; die Aermeren steuerten alle bei. Der Sammler erstaunte selbst über den reichen Erfolg seiner Bemühungen. Wohl eine halbe Stunde hatte Apollonius gelegen. Ehe er sich gelegt, hatte er noch gesorgt, daß die Laternen vorsichtig ausgelöscht wurden. Er hatte die Ausfahrtür geschlossen und die Spritze leeren, die Schläuche in die Türmerstube bringen lassen, damit der Frost keinen Schaden daran bringen konnte. Er vermochte kaum mehr zu stehen. Der Bauherr, der unterdes heraufgekommen war, hatte ihn dennoch halb mit Gewalt in die Türmerstube herunterbringen müssen. Dann hatte der Freund die Tür von innen verriegelt, Apollonius genötigt, die gefrorenen Kleider auszuziehen, und dann wie eine Mutter an seines Lieblings Bett gesessen. Apollonius konnte nicht schlafen; der alte Mann litt aber nicht, daß er sprach. Er hatte Rum und Zucker mitgebracht; an heißem Wasser fehlte es nicht; Apollonius aber, der nie hitziges Getränk zu sich nahm, wies den Grog dankend zurück. (Footsetzung folgt). Bubeder Mädel das ist gleich— beide müssen frühzeitig an die Javol-Haarpflege gewöhnt werden. Die regelmäßige Anwendung von Javol läßt es garnicht erst zur Bildung von Schuppen und Schinnen kommen, das Haar wird und bleibt seidenweich.#### schön, voll, dustig und locker.— Javol ist in allen Apothe. 5.—.— ken, Drogerien, Parfümerien and bei den Friseuren zu haben. Gerichtlich bestraft wegen Diebstahls von Werkseigentum wurden 240 Personen mit insgesamt 17 Jahren Zuchthaus, 32 Jahren und 11 Monaten Gefängnis, 28 Jahren Ehrverlust, 8229 Mark Geldstrafen und 5 Verweisen.— Kein Ruhmes. titel für die Arbeiterschaft. Solingen, 12. Januar. Hochwasser. Die Wupper führt infolge des eingetretenen Tauwetters Hochwasser und ist an vielen Stellen aus den Ufern getreten. In den meisten Schleifkotten an der Wupper mußte die Arbeit eingestellt we den, die Wiesen und Weiden in der Nähe der Wupper bilden große Seen. Düsseldorf, 12. Januar. Ohne Strom. Infolge der mangelhaften Kohlenzufuhr ist das städtische Elektrizitätswerk gezwungen, von heute die Lieferung von Kraftstrom einzustellen. Diese Maßnahme, die von schweren Folgen für des Wirtschaftsleben der Stadt begleitet ist, ist zurückzuführen auf den mangelhaften Eisenbahnverkehr. Die Güterbahnhöfe in der Umgebung Düsseldorfs sind durch die Nachwirkung des jüngsten Eisenbahnerstreiks so verstopft, daß es dem Elektrizitätswerk nicht möglich ist, die für das Werk bestimmten Kohlenzufuhren nach Düsseldorf zu bringen. Emmerich, 12. Januar. Unterstützung der Sozialrentner. In der Stadtverord. netensitzung wurde ein Kredit von 60000 Mk. zur Unterstützung der Sozialrentner zur Verfügung gestellt. Es kommen hiec 110 Familien in Frage, denen bereits Zuschüsse in Höhe von 23.655 Mark vor Weihnachten ausbezahlt worden sind. Aachen, 12. Januar. Schiebungen. Wie das„Echo der Gegenwart" erfährt, ist es dem Leiter der hiesigen Eisenbahnüberwachungsstelle gelungen, große Unterschleife und Schiebungen von Waggonladungen nach dem Kreis Geldern aufzudecken. Es soll sich um etwa 30 bis 40 Waggons handeln. Geschädigt ist ein großes Werk. Verschiedene Angestellte des Werkes wurden verhaftet. Eisenbahner sind mit einer einzigen Ausnahme nicht in die Angelegenheit verwickelt. Als Hehler ist eine angesehene Persönlichkeit aus dem Kreise Geldern verhaftet worden. Das Gerichtsverfahren dürfte zu einem der größten Prozesse führen, die die Staatsanwaltschaft in letzter Zeit beschäftigten. Glückwünsche. Sie blicken an diesem Tage zurück auf ein Leben reich an Mühen und Erfolgen. Ihre erfolgreiche Tätigkeit im politischen Leben der engeren Heimat hat Sie in den großen Wirkungskreis der Reichspolitik hinübergeführt in dem Sie als Parlamentarier, als Präsident des Reichs. tages und der Nationalversammlung und zuletzt als Reichskanzler in besonders schwierigen Zeiten dem deutschen Volke große Dienste geleistet haben. Ich hoffe zuversichtlich, daß Sie in Gesundheit und Frische noch lange Jahre an der Wiederaufrichtung unseres Vaterlandes mitarbeiten können. Nose der Cnlenie über die deutschen Der deutschen Botschaft in Paris wurde die schon lange erwartete Note der Botschafterkonferenz über die deutschen Werke überreicht. Die Nose hat folgenden Wortlaut: Ew. Exzellenz haben die Botschafterkonferenz mit Schreiben vom 15. Nooember 21 die Auffassung Ihrer Regierung über die Frage der deutschen Werke wissen lassen. Ich beehre mich, mitzuteilen, daß die Botschafterkonferenz alle Maßnahmen, die die interalliierte Militärkontrollkommission in diesem Sinne getroffen hat, als vollständig begründet ansieht. ist die Kommission ermächtigt worden zur Durchführung der Umstellung, die sie für erforderlich erachtet, Fristen zu bewilligen, die ausreichen, um die besonderen Interessen der Arbeiterschaft vollständig zu wahren. Bedingung ist dabei, daß diese Umstellung spätestens im Zeitpunkt des Aufhörens jeder effektiven Kontrolle seitens der alliierten Mächte vollständig beendet ist. Die Botschafterkonferenz hat die interalliierte Militärkontroll= kommission angewiesen, diese Entscheidung zur Kenntnis der deutschen Regierung zu bringen und alle Einzelfragen zu regeln, die das Schreiben Eurer Exzellenz vom 16. November aufwirft. Die Note ist von Cambon unterzeichnet. Serbisch=rumänische Verlöbung. Wie die Grazer„Tagespost“ aus Belgrad mel det, bestätigt sich die Nachricht von der Verlobung König Alexanders mit der rumänischen Prinzessin Maria. Bunte Chronik. )( Schneeschmelze im Schwarzwald. Nach dem außergewöhnlich starken Frost, der sich in der Rheinebene und im Schwarzwald bis zu 18 Grad steigerte, ist jetzt ein Wettersturz eingetreten. In, den Schwarzwaldbergen hat starkes Schneegestöber eingesetzt, und die Schneelage erreichte in den höheren Bergen durchschnittlich 1 Meter Höhe. In den tiefer gelegenen Bergen und in der Ebene ging der Schnee in Regen über, und bei 3 Grad Wärme hat Tauwetter und rapide Schneeschmelze eingesetzt. Unter diesen Umständen besteht für ganz Süddeutschland Hochwassergefahr. )( Neue Schneefälle in den Alpen. Zu Beginn dieser Woche haben neue Schneefälle in der Schweiz eingesetzt. Es wehen heftige Stürme bei einer Windstärke von 140 Sekundenkilometern. Große Verkehrsstörungen werden befürchtet. Die internationalen Tele,hon= und Telegraphenlinien haben bereits stark unter Schneestürmen gelitten. Der Südpaß der Alpen ist dagegen seit sechs Monaten ohne Niederschläge. Es wird befürchtet, daß in dieser Gegend der Schweiz alle Kulturen zugrunde gehen. )( Massenvergiftung durch Kohlengas. Bei einer Feier im Kurgarten in München=Nymphenburg erkrankten durch ausströmendes Kohlengas 30 Personen. Sechs Personen wurden ins Krankenhaus gebracht. )( Rätselhaftes Verschwinden eines Hotelbesitzers. Eine dunkle Affäre beschäftigt gegenwärtig die Greifswalder Kriminalpolizei. Seit dem 5. August ist von dort der Inhaber des Hotels„Süddeutscher Hof" WL. verschwunden. Die Frau hat von dem Verschwinden des Mannes keine Anzeige gemacht, und da die Familienverhältnisse ungünstig waren, vermutet man, daß die Frau von dem Verschwinden weiß und daß W. ermordet ist. ) Zugunglück an der deutsch=böhmischen Grenze. Der Personenzug Kaschau—Oberberg ist nachts bei Liptavska infolge Gleisbruchs entgleist. Drei Wagen sind über den Damm gestürzt, 28 Personen sind leicht, 5 schwer verletzt. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. dem Reich. Ebert an Fehrenbach. Reichspräsident Ebert hat an den früheren Reichskanzler Fehrenbach folgendes Glückwunscztelegramm gesandt: Zur Vollendung des 70. Lebensjahres übermittle ich Ihnen meine herzlichsten Die Erfassung der Sachwerie. Der„Vorwärts“ veröffenlicht folgende Mitteilung in Fettdruck: Die Durchführung der Steuerund Reparationsprobleme scheint immer mehr auf ein totes Gleis zu geraten. Die Einziehung der Vermögenssteuer und des Reichsnotopfers läß nach wie vor auf sich warten. Von der Kreditaktion der Industrie unter Hinzuziehung der Landwirtschaft hört man seit den Beschlüssen des vorläufigen Reichswirtschaftsrates nichts mehr. Die Erfassung der Sachwerte, die den Ausgangspunkt für die gesamte Finanzreform bilden sollte, scheint daher begraben werden zu wollen. Für beschleunigte Steuereinziehung. Während Lohn= und Gehaltsempfänger durch den gesetzlich vorgeschlagenen Steuerabzug zur Einkommensteuer restlos herangezogen worden sind, haben die übrigen Einkommensteuerpflichtigen, namentlich die Handel= und Gewerbetreibenden usw. bisher ihrer Einkommensteuer nicht genügen können, da ihre Veranlagung durch die Steuerbehörde zu einem sehr großen Teil noch nicht erfolgt ist. Dieser Umstand hat den allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbund, den AfaBund und den deutschen Beamtenbund veranlaßt, gemeinsam an die Reichsregierung und den Reichstag das dringende Ersuchen zu richten, sofort ein Notgesetz herbeizufüheen, welches i. die noch nicht eingeschätzten Steuerpflichtigen gesetzlich verpflichtet, die rückständigen Steuern aus den verflossenen Jahren vorläufig zum Satz der Selbsteinschätzung, spätestens bis zum 31. Januar 1922 zu entrichten; 2. allen Steuerpflichtigen die gesetzliche Pflicht auferlegt, vor ihrer endgültigen Steuerveranlagung vierteljährlich bis zum 31. März, 30. Juni, 30. September und 31. Dezember jeden Jahres den Selbsteinschätzungsbetrag ihrer Steuern abzuführen. 3. Wer sich bei der Zahlungspflicht nach Ziffer 1 und 2 absichtlich oder schuldhafterweise zu gering einschätzt oder zu geringe Zahlungen leistet, muß nach der endgültigenFestsetzung durch die Steuerbehörde das Mehrfache zahlen. Letzte Drahtmeldungen. Eigener Depeschendienst. Zusammentritt des Reichstages? Berlin, 13. Januar. Man rechnet in parlamentarischen Kreisen damit, daß die Entwickelung der Dinge in Cannes einen früheren Zusammentritt des Reichstages veranlassen könnte. Es wird betont, daß die Einberufung des Reichstages zum 19. Januar in der Voraussetzung geschah, daß nicht der Verlauf der internationalen Verhandlungen eine frühere Einberufung erforderte. Dies scheint aber jetzt doch der Fall zu sein. Das Reichskabinett hielt gestern nachmittag 6 Uhr eine Kabinettssitzung ab, in der es sich außer anderen Angelegenheiten auch mit einigen Einzelfragen, die die Reparationen betrafen, befaßte. Während der Beratung wurde dem Reichskabinett die Demission Briands mitgeteilt. Rathenau in Cannes. TU Cannes, 13. Januar. Die Entschädigungskommission hat die deutsche Abordnung über die drei in dem Briefe der Kommission vom 16. Dezember 1921 gestellten Fragen gehört, nämlich 1. darüber, welche Zahlungen Deutschland am 15. Januar und 15. Februar leisten zu können glaubt; 2. über den Zahlungsmodus des Restbetrages und die im Zahlungsstatut vorgesehenen Teilzahlungen; und 3. über die für die Zukunft zu leistenden Bürgschaften. Nach den Meldungen der Pariser Blätter soll Rathenau die drei Fragen der Kommission ungefähr wie folgt beantwortet haben: Er legte den Fehlbetrag der deutschen Handelsbilanz und die daraus folgenden Schwierigkeiten in der Devisenbeschaffung dar, die nur durch Produktionssteigerung und Ausfuhrver ehrung behoben werden können. Dies wiederum wäre erst nach Abbau der Zollschranken und Einührung einer neuen Weltwirtschaftspolitik möglich. Sodann erklärte Rathenau: Zum 15. Januar und 15. Februar könne Deutschland nicht mehr als zusammen 200 Millionen Goldmark zahlen und zwar in Raten von 80, 90 und 30 Millionen Goldmark. Einige der Bürgschaften, die die Verbündeten für die Stundung verlangten, könne Deutschland annehmen. Zum Schluß forderte Rathenau, vom Obersten Rat gehört zu Das Erwachen Wrangets. TI Berlin, 13. Januar. Wie man nach den letzten hier eingetroffenen Nachrichten urteilen kann, ist General Wrangel eben im Begriff, die Reste seiner Armee, die sich in den Balkanländern befkuden, neu zu formieren, um mit englischer und französischer Hilfe von Wladiwostok aus einen neuen Feldzug gegen die Rote Armee zu unternehmen. Diese Absichten des weißgardistischen Generals sind jedoch längst bekannt worden. Dies geht deutlich aus einem Aufruf eines ehemaligen zaristischen Generals an die im Ausland lebenden russischen Offiziere hervor, in dem auf die Unsinnigkeit dieses Vorhabens Wrangels hingewiesen wird. Für die Redaktion verantwortlich: Friedr. Kraas. Druck und Verlag: Carl Braus, beide in Schwerte. nerden werden. esem Wunsche wird entsprochen Zita wieder in der Schweiz. Die frühere Kaiserin Zita wird voraussichtlich über Basel in die Schweiz einreisen. Sie wird in dem Spital, in dem sich ihr Sohn befindet, Wohnung nehmen und unter ständiger polizeilicher Bewachung stehen. Der Friede in Irland. Aus ganz Irland treffen Nachrichten über die Begeisterung ein, mit der die Bevölkerung den Friedensbeschluß des Dail Eireann ausgenommen hat. In Dublin und einigen anderen Städten zog eine aufgeregte und jauchzende Menge durch die Straßen. Die Menge schrie: Gott segne Griffith und Collins. Griffith ist zum Präsidenten des Dail gewählt. Devalera verließ die Kammer, gefolgt von seiner Partéi. Die Wahl fiel deshalb einstimmig auf Griffith. Dann wurde das Kabinett ernannt, in dem Collins Finanzminister wurde. Bei Eröffnung der Sitzung wurde eine Botschaft des Papstes verlesen, in der er seine Freude über die Einigung Irlands mit England ausdrückte. Die deutsche Konkurrenz in Italien. Italienische und franzosische Blätter stellen fest, daß Italien bereits stark die„verderblichen" Wirkungen der deutschen Konkurtenz für die italienische Eisenindustrie fühlt. Gleichzeitig ist die deutsche Konkurrenz besonders tätig in der Pavierbtänche, in Glaswaren und Farbstoffen. Im italienischen Senat erklärte Orlando, daß die deutsche Einfuhr innerhalb der letzten Monate anf 922 Mittionen Lire ungewichsen ist, von denen ntur etwa 5 Millionen auf Rohstöffe entfallen. Androhung von Zwangsmaßnahmen. TU Cannes, 13. Januar. Nach einer Korcespondenz wurde den deutschen Delegierten mitgeteilt, daß die ersten Zwangsmaßnahmen für den Fall, daß Deutschland seinen Verpflichtungen niht nachkommen sollte, in der Aufhebung des zu: wartenden Moratoriums bestehen. Eine weitere Zwangsmaßnahme würde darin bestehen, daß der Oberste Rat die Fortdauer des Zinsendienstes für die deutschen Renten verbieten würde. Sonntag Abschluß der Konferenz? TU Paris, 13. Januar. Wie der Berichterstatter der„Vossischen Zeitung" erfährt, besteht in Cannes die Absicht, die Konferenz am Sonntag mittag zu schließen, gleichgültig, ob Briand noch als französischer Ministerpräsident aus Frankreich zurückkehre, um die schwebenden Verhandlungen zum Abschluß zu bringen. Lloyd George und die Mitglieder der englischen Delegation beabsichtigen, Cannes am Sonntag abend zu verlassen. Italien für das System der Verständigung. TU Rom, 13. Januar. Der„Populo Romano“ chreibt in einem bemerkenswerten Leitartikel, daß zwischen Briands Haltung und den Richtlinien, die die Kammer ihm nach Cännes mitgegeben hätte, Gegensätze beständen. Ueberdies wären tiefgehende politische Aenderungen bei den politischen maßgebenden Fatkoren Frankreichs zu etwarten. Fidenfalls könne Italien die künftige tolle Polttik gegenüber Deutschland und Rußland nicht mit machan, sondern sich nur einem System der Ver ständigung anschließen. Eisenbahn=Unglück. TUi München, 13. Januar. Nach Mitteilung der Eisenbahndirektion München fuhr gestern ein Güterzug bei Heidenbrück auf eine dort stehende Wagengruppe auf. Zwei Zugbeamte wurden getötet, drei Zugbeamte und ein Viehwagenbegleite wurden teils schwer, teils leicht berlest. 27 gali und zibei Lokomotiben sind entgleist. erordnung betreffend Einlieferung der für die Zeit vom j. april bis zum 31. Dezember 192/verwendeten Steuerkarten und Markenblätter. Auf Grund des§ 444. Abs. 3, der abgabenordnung vom 13. Dezember 1919 (Reichsgesetzbl. S. 1993) wird folgendes bestimmt: Jeder Arbeitnehmer ist verpflichtet, innerhalb des Monats Januar 1922 seine Steuerkarte und die losen Markenblätter, die für den in der Zeit vom 1. April bis zum 31. Dezember 1921 bezogene Arbeitslohn zum Einkleben und Entwerten von Steuermarken verwendet worden sind, der für ihn zuständigen Steuerhebestelle (Kämmereikasse, Stadlkasse, Amtskasse) zu übergeben oder zu übersenden. An Stelle des Arbeitsnehmers kann der Arbeitgeber die lieferung der Steuerkarten oder Markenblätter übernehmen. Die Einlieferung kann gemäß § 202 der Reichsabgabenordnung erzwungen werden. § 2 Auf die Verpflichtung nach§ 1 hat der Arbeitgeber durch Anschlag in den Arbeitsund Geschäftsräumen hinzuweisen. S 3 Arbeitnehmer, deren Steuerkarten oder Markenblätter nicht eingeliefert sind, werden für das Rechnungsjahr 1921 zur Einkommensteuer veranlagt. § 4 Die eingelieferten, für die Zeit vom 1. April bis zum 31. Dezember 1921 verwendelen Steuermarken werden auf die für das Rechnungsjahr 1921 zu entrichtende Einkommensteuer angerechnet Die für die Zeit bis zum 31. März 1921 verwendelen Steuermarken können auf die Einkommensteuer für das Rechnungsjahr 1920 gemäß§ 48 des Einkommensteuergesetzes auch weiterhin an Zahlung Stalt hingegeben werden § 5 Ueber den Rennbetrag der eingelieferten Steuerkarlen ist eine Quittung zu erteilen. Berlin, den 21. Dezember 1921. Der Reichsminister der Finanzen. Bekanntgegeben: Hörde, den 10. Januar 1922. Das Finanzamk: Dr. Schmidt, Regierungsrat. Höchstpreise für Brot. Auf Grund des§ 34 Abs. a des Gesetzes über die Regelung des Verkehrs mit Getreide vom 21. Juni 1921(R. G. Bl. S. 737) wird in Abänderung der Anordnung des Kreisausschusses des Landkreises Hörde vom 16 Dezember 1921 betr. Höchstpreise für Brot und Mehl folgendes bestimmt: 1. Die Höchstpreise für die nachstehend aufgeführten rationierten Backwaren werden wie folgt festgesetzt a) Graubrot. mit einem Verkaufsgewicht von 6 Pfd. 11,90 Mk. mit einem Verkaufsgewicht von 3 Pfd. 6,— Mer. im Anschnitt für 500 Gramm(1 Pfd.) 2,10 Mk. im Anschnitt für 250 Gramm(½ Psd 1,10 Mk. v) Kasseler Beot und Siufen mit einem Verkaufsgewicht von 6 Pfd. 12,— Mk. mit einem Verkaufsgewicht von 8 Pfd. 6,— Mé. im Anschnitt für 500 Gramm(1 Pfd.) 2,10 Mk im Anschnitt für 250 Gramm(½ Psd.) 1,10 Mk. Im übrigen bleiben die Bestimmungen der oben angezogenen Anordnung bestehen. 1I. Diese Verordnung tritt mit dem 12. Januar 1922 in Kraft. Hörde, den 9. Januar 1922. Der Kreisausschuß des Landkreises Hörde. Als Sonderzuteilung wird in den Mehlkleinhandlungen des Landkreises Hörde auf die Mehlmarke(Brotmarke d) der Woche Nr 52, gültig vom 29 Januar 1922 bis 4. Fedruar 1922 je 500 Gramu(1 Pfd.) Kochmehl(amerik. Weizenmehl) zum Preise von 3,75 Mk. für das Pfd Das Kochmehl kann auf diese Marke sofort bis zum 4 Februur 1922 ausgegeben werden. Eine Doppelbelieserung anderer Mehlmarken mit gewöhnlichem Mehl findet nicht statt Hörde, den 10. Januar 1922. Der Kreisausschuß des Landkreises Hörde. Lasset die Kindlein zu mir komnen und wehret ihnen nicht, denn solcher Srt n: is das Himmelreich Heute morgen 8 Uhr nahm der liebe Werner nach kurzer, schwerer, Krankheit wieder zu sich in den Himmel. un m##.(In tiefer Trauer: Familie Ewald Loose nebst Angehörigen Westhosen(Mittelstr), 12. Januar 1922. Die Berdigung findet am Samstag, dem 15. Januar. nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause aus statt. Für die überaus zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Sohnes und unvergeßlichen Bruders sagen wir allen Beteiligten, dem Schützenverein, ## den vielen Kranzspendern sowie dem Herrn Kaplan Schleep für seine trostreichen Worte am Grabe unseren tiefempfundenen Dank. 101 Familie h. Rohrmann. M am Die glückliche Geburt, einer Knaben zeigenjhocherfreut an Dr. Heinrich Berkenkamp u. Fraup Erna geb. Rusch. vontff 22.2g. eangelsche Genetade=Dersanmung Geisecke- Lichtendorf. Sonntag, den 15. Januar 1922, nachm. 5 Uhr beim Wirt Eichmann=Geisecke * 5 Vortrag* 4 Gegenwarts aufgaben u. Zukunftspflichten d. ev. Gemeindelebens in Geisecke=Lichtendorf Alle Gemeindeglieder sind herzlich eingeladen. Mädchen von 14 bis 16 Jahren von 9 bis 11 Uhr vorm. gesuchl. Wo, sagt die Geschäftsst. Schwerter: Turn=vereinz (m. o. d. k.) s6 70 * *•1 Wieder vorrung. ## Wieder va. Lahrer hinkende Bote. was deutscher Humor jemals geschaffen hat! Heiträge von mehr denn 80 Schriftstellern: darunter Greins, P. Keller, Löns Rosegger, Medekind —— Zusw. usw. Wir retten Ihre Haare Verlangen Sie kostenlos Prospekt. Kur- und Hollanstalt Schloß Falkenberg bei Grünau 980(Mark). 5883 Bedeutendstes Institut für Haarwissenschaft. Bekanntmachung. Die Wahl des Bergmanns Wilhelm Wiesemann zu Höchsten zum l. GemeindevorsteherStellvertreter der Gemeinde Niederhofen hat die Bestätigung des Herrn Landrats gefunden. Verpflichtung ist durch mich erfolgt. 179 Wellinghofen, den 9. Januar 1922. Der Amtmann: Dresing. Bekanntmachung. Die Arbeiter=Legitimationskarten für die im hiesigen Stadtbezirk beschäftigten ausländischen Arbeiter sind zwecks Umtausch bis zum 25. nuar 1922 im neuen Rathause, Zimmer Nr. 2, abzugeben. Die Umtauschgebühr beträgt 40.— Mark. Schwerte', den 12. Januar 1922. 180 Die Polizei=Verwaltung. I. V.: Melchheier. Samstag, den 14. Januar 1922, Fabös. 7½ Uhr beginnend, wird im vereinslokal das diesjährige * 4 4518 557 Winter=Fest abgehalten.* Das Fest findet geschlossen statt. Die Turngegenossen werden mit ihrer: Jamilie herzlichst eingeladen.# un nt Der Festausschuß. Der Vorstand. Für dus neue Geschaftefahr! Geschäftsbücher, Briefordner (Leitz) mit oder ohne Register, Briefkörbe in verschied. Größe und Ausführung, alle anderen Bürobedarfs-Artikel, Kontor(Wand=) Kalender, WochenKalender,- Tages- Kalender. Buchhandlung Carl Braus. WAER S. S. v. 06. Freitag, den 14. Januar, abends 8½ Uhr, bei Potthoff: HauptJahresversammlung Tagesordnung wird dort bekannt gegeben. Vollzähliges Erscheinen erwartet Der Vorstand. händler=u. hansitererverein Ichwette. Am Sonnabend, dem 14. Jan, abends 7 Uhr, findet im Lokal„Zum alten Rathaus“ eine Versammlung statt, wozu die Mitglieder eingeladen werden. 186 Der Vorstand. D. Wommelsdor * Schneiderneister* Schwerte, Molbkestraße 4# Unser diesjähriger Inventur-Ausverkauf findet vom 18. bis 25. Januar einschliesslich statt. In diesem sollen sämtliche Restbestände von Damen-Mäntel Herren-Paletots Damen-Strickjacken Herren-Raglans Dallieneiausehljäcken Fierreirsehupter mit ganz geringen Anzahlungen 200.- M. von 100.- bis verkauft werden.— Ausserdem kommen noch: Ktlltl Jamilie? würde jungem, gebildeten Herrn ein gutmöbliertes Zimmer (Licht und Heizung) mit Morgenkaffee abgeben. Offerten unter R. R. 100 an die Geschästsstelle erbeten. für ganze oder halbe Tage für sofort gesucht. Zu erfragen in der Geschäftstelle. Damen=Schneiderin sucht Kundschaft außer dem Hause. Bechestraße 31 P. von Mk. an. Damen=Kostüme Rostuhl-RSCRe Damen=Kleider Herren-Anzüge Burschen-Anzüge Cutaway gestr. Hosen Konlcollkasse (mögl. National oder Anker) kaufe sofort ab Standort geg. Barzahlg. Preisanged. mit Fabr.=Nr. erb. an R. Jaeschke, Breslau 2, Neudorfstr. 378. Horsen-Schsehdens Maßanferägung. Arae L zum Verkauf, Auf sämtliche Damen- und Herren-Mäntel gewähren wir einen Sonder-Rabatt von 10“ welcher von der Kaufsumme in Abzug gebracht wird. auswärtige Käufer wird bei Vorzeigung dieser Anzeige die Fahrt vergütet. Klavierstimmer Gendrong Hörderstrasse 12. Reparaturen an sämtl. In. strumenten. hiermit nehme ich die gegen herrn Obermstr. KarlMöller inschwerte ausgesprochene Beleidigung als unwahr u. mit dem Rusdruck des Bedauerns zurück! Wilhelm Tuleweit. m.b. H., früher) Lokal der Firma Friedrich Wolt& Co., Hörde, Piepenstockplatz 3. Hörde, Piepenstockplatz 3 Reißbreuer Zeichen-Lkensitten Mal-und Zeichen-Kästen Reißzeuge Vinkel e Schienen ben preinuen GRL BRAUS * SCWERTE Hotel oder Gasthof Gegend gleich, oder ein Grundstück zur Einrichtung eines Geschäftes passend, zu kaufen gesucht.(Leiste jede Anzahlung), Agenten verb. Ausf. Angeb. an H. 161 „Stella“ Ann.=Expedition Hannover, Eckerstraße 15. sgutesiegen tragend, umständehalber zu verkaufen.