Die„Schwerter Jeitung“ erscheint täglich auße: F##ertags. Bezugspreis monatlich 14.— M., bei der Pos 14— M., ohre Bestellgend. Anzeigenpreise Die 1 mm hohe. 35 mm breite Jei 80 bj„auswärts 1. M. Sei Wiederho ungen entsprechendet Nuchlaß i#. Taris. Jeder Rabalt glu als Kassenrabalt und erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen, gerichtlichen Klagen u. Nichtbeachten de gemachten Jahlungsbedinounger. Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oolkszeitung Schwerter Oolksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Holzwickeder Zeitung Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Abenneuten für jeden mit Tod endenden Unfall gemäß Nr. 500 Mark Anfall. Alngunge Druck u. Verlag v. Carl Braus. Schweite Ruhr, Fernsprech=Anschluß Nummer 62. Telegramm=Adreise: Braus, Schwerte Nuhr). Postscheckk.: Dorimund S 2, Haunover 21574. Nr. 9 Mittwoch, 11. Januar 1922 Die Steuerfrage. Der Betrag der deutschen Reichssteuern ist abhängig von der Höhe der Reparationszahlungen, die wir der Entente zu leisten haben, und von den inneren Ausgaben. Da uns bisher die Gewißheit fehlte, wie weit die unerfüllbaren Verpflichtungen des Ultimatums auf ein leistungsfähiges Maß herabgesetzt werden würden, so ist die Steuerfrage bisher offen geblieben. Daß eine Einigung darüber erfolgen muß, damit ein Dauerzustand eintritt, ist selbstverständlich, denn den Reichsbankerott können wir nicht anmelden. Das Drucken von Papiergeld kann im bisherigen Umfange, durch den es nur möglich war, alle bestehenden inneren Ausgaben zu leisten, nicht anhalten, denn je mehr Papiergeld wir verstellen, desto mehr verringert sich der Wert der Reichsmark. Die eigene Einsicht muß uns die Papiergeld=Ueberschwemmung noch bestimmter vertreten, als es die Entente tun kann, wir müssen also für die Ausgaben so viel wie möglich Deckung durch bestimmte Einnahmen suchen. Das Ei des Kolumbus ist hierbei, daß die neu zu schaffenden bestimmten Einnahmen nur für die Ausgaben benutzt werden, für welche sie bewilligt sind. Die Durchführung dieses Grundsatzes ist nicht leicht. Denken wir nur daran, wie kurze Zeit es gedauert hat, bis die Einnahmen aus dem Notopfer, die zur Schuldentilgung verwendet werden sollten, zur Bestreitung der allgemeinen Ausgaben verwendet worden sind. Aus den direkten und indirekten Steuern des Reiches ist die Deckung der Ausgaben nicht zu erzielen, so bildet die Einkommensteuer mik ihren 12 Milliarden Einnahmen, die die Steuerkraft schon so erheblich anspannt, nur einen Tropfen auf den heißen Stein. Außerdem wachsen die Ansprüche der einzelnen Staaten und der Städte, besonders der großen, unaufhörlich. Berlin verlangt jährlich 500 Millionen, Hamburg 400, Dresden 300 Millionen. Und die Zahl der deutschen Großstädte ist sehr erheblich. Deshalb steht schon lange die Erfassung der Goldwerte, des Besitzes, am steuerlichen Horizont, doch ist bis heute noch keine Reichstags=Mehrheit für diese Aufgabe vorhanden. In letzter Zeit macht der Ersatz des Reichsnotopfers durch eine ausgebaute Vermögenssteuer von sich reden. Es ist die Frage, ob die häusige Aenderung der Steuergesetze dem ganzen Steuersystem zum Vorteil gereicht, noch mehr aber, ob das deutsche Vermögen, das vielfach versteuert und nicht immer ersetzt worden ist, so bedeutend ist, wie es sich die Steuersucher gegenwärtig vorstellen. Jeder sieht, daß heute viel Geld ausgegeben wird, aber er weiß nicht, ob diese Verschwendung aus wirklichen Vermögen oder aus Tagesgewinnen herrührt, die verschleudert werden, damit sie nicht von dem Fiskus erfaßt werden. Die Steuerflucht ist noch groß, auch Weihnachtsgeschäft in Luxusartikelm ist eine Art von Steuerflucht gewesen. Eine Einigung über neue Steuern, die wirklich etwas einbringen, ist also auch deshalb schwierig, weil solche Abgaben ohne schweren wirtschaftlichen Schaden nicht leicht zu finden sind. Wenn gesagt wird, im letzten Pierteljahr hätten sich die Reichseinnahmen gehoben, so darf auch nicht vergessen werden, daß das Reich viel stärkere Aufwendungen machte, also sich schon daraus stärkere Einnahmen an Steuern ergaben. Diese mußten kommen, sodaß kein glattes Plus dabei vorhanden ist. Die Beschlüsse von Cannes. Die dunklen Nebel, die über Deutschlands Zukunft lagen, beginnen sich langsam zu verteilen. Wir wissen noch nicht, was die nächsten Tage bringen werden, und es wäre verfrüht, in diesem Stadium schon irgendwelchen Optimismus zu zeigen. Aber eine Tatsache muß mit aller Deutlichkeit festgestellt werden, nämlich, daß ein grundsätzlicher Beschluß der Entente vorliegt, einen Aufschub der deutschen Reparationszahlungen zu bewilligen. Dieser Beschluß bedeutet ganz ohne Zweifel einen Schritt nach vorwärts. Aber es kommt— wir wiesen schon deutlich darauf hin— auf die Bedingungen an, die sich an diesen Beschluß knüpfen werden. Durch diese Bedingungen werden zweifellos neue Opfer von uns verlangt werden, und die Bedingungen können nur dann tragbar sein, wenn sie aus derselben Erkenntnis entsprungen sind, denen der grundsätzliche Beschluß entsprungen ist, nämlich, daß man uns leben lassen muß, und daß eine Vernichtung der deutschen Wirtschaft eine Vernichtung der europäischen Wirtschaft üebrhaupt im Gefolge hätte. Die deutsche Delegation, mit Dr. Rathenau an der Spitze, der nunmehr sein inoffizielles mit einem offiziellen Gewand vertauscht hat, wird die Aufgabe haben dem Obersten Rat die Lage Deutschlands in finanzieller, steuerlicher und wirtschaftlicher Hinsicht zu schildern. Es muß angenommen werden, daß der Oberste Rat die deutsche Delegation vor der endgültigen Beschlußfassung über die Garantiebedingungen hört. Wenn man etwa mit der deutschen Delegation nur Ausführungsbestimmungen der beschlossenen Garantiebedingungen vereinbaren wollte, so wäre das nicht nur in unserem Interesse, sondern im gesamteuropäischen Interesse zu bedauern. Wir möchten einstweilen daher nur annehmen, daß Rathenau und seine Begleiter sich grundsätzlich zu den geforderten Garantiebedingungen selbst äußern können. Der weitere Beschluß, daß eine europäische Wirtschaftskonferenz unter Hinzuziehung Deutschlands und Rußlands abgehalten werden wird, ist ebenfalls zu begrüßen. Aber auch bei diesem Beschluß muß von vornherein betont werden, daß die in Aussicht genommene Konferenz nur dann Erfolg haben kann, wenn sie wirklich politische Taten zeugt. Der jetzige Beschluß der Botschafte konferenz über den Zahlungsaufschub hilft uns vielleicht über die nächsten Monate hinweg, aber er stellt doch nur ein Provisorium dar, das durch die europäische Wirtschaftslage notwendig geworden war. Mit Provisorien ist Europa schließlich wenig geholfen, sondern man muß dem Problem des wirtschaftlichen Wiederaufbaues und der europäischen Wiedergesundung nun endlich an die Wurzel gehen. Ob der zukünftigen Konferenz diese Gelegenheit geboten wird und ob sie in der Lage ist, eine etwa gebotene Gelegenheit zu verwirklichen, das muß abgewartet werden. An unserem guten Willen, der von niemand bezweifelt werden darf, soll es dabei gewißlich nicht fehlen. Französische Stimmungen und verstimmungen TU Paris, 10. Januar. Das Kablogramm schreibt: Die Stimme des Volkes urteilt streng über unsere Unterhaltungen. Wenn Briand nicht in den nächsten 48 Stunden der französischen Politik einen energischen Aufschwung gibt, ist er verloren. Dennoch ist Briand nicht an der Entwickelung schuld. Er begeht nur einen Fehler, eine Politik der Linken mit einer Kammer der Rechten treiben zu wollen, und diese Kammer ist bedroht. Deshalb ist die Auflösung der Kammer die einzige Lösung. Wenn der Präsident der Republik vor diesem radikalen Mittel zurückschreckt, so müßten die wirklichen Republikaner einen politischen Streik ankündigen. Das Land muß Gelegenheit haben, sich darüber auszusprechen, ob es wieder die Politik der Gewalttätigkeit oder menschlicher Verständigung will. Die Linksparteien sind unzufrieden darüber, daß England und nicht Frankreich die Initiative zum Aufbau Europas ergriffen habe. Auf der Rechten wird die Regierung des Verrats beschuldigt. Die Gemäßigten konstatieren ganz melancholisch, daß von dem Sieg nichts mehr übriggeblieben sei. Die Revolutionäre freuen sich über die Anerkennung der Sowjet=Regierung, in der sie einen Triumph ihrer Ideen erblicken. Selbst die Freunde Briands zeigen sich unruhig und geben zu erkennen, daß Briand die Schlacht in der Kammer nicht abwarten, sondern schon vorher zurücktreten werde. Der Sonderberichterstatter des„Echo de Paris“ sagt, die französischen Vertreter hätten keinen Widerstand gegen die Tasache der Einladung deutscher Delegierter erhoben, sondern sich damit begnügt, eine Konzession in der Formfrage zu erlangen.„Gaulois“ erklärt, die deutschen Delegierten seien zum Dessert nach Cannes eingeladen worden. Das„Petit Journal“ sagt, Briand habe die These verteidigt, die der Stimmung nach dem Kriege entspreche. Die Deutschen könnten zu den Beratungen des Obersten Rates nicht zugelassen werden. Sie könnten erst gehört werden, nachdem die Alliierten einig seien. Auf der einen Seite seien die Alliierten, auf der anderen ständen die Deutschen. Das sei die normale Lage, die durch den Krieg geschaffen sei. Der„Figaro" fragt, ob das Desastre von gestern unvermeidlich gewesen sei? Die Antwort laute: keineswegs. Alle Gefahren der Konferenz von Cannes seien von Ribot in seiner Senatsrede vom 29. Dezember vorausgesagt worden. Das„Journal“ ist emport über den gestrigen Beschluß. Sein Berichterstatter in Cannes erklärt, er hätte begriffen, daß der Oberste Rat die deutschen Sachverständigen vorgeladen hätte. um sie zu fragen, durch welche Mittel man den Zinsendienst für die innere deutsche Anleihe beschlagnahmen könne, wie man die Hände auf den Goldschatz der Reichsbank legen könne und wie man dafür sorgen werde, die ausländischen Devisen zu erfassen. Er wäre selbst nicht über Gebühr erstaunt gewesen, wenn man die militärischen Sachverständigen berufen hätte, um sie zu fragen, ob sie bereit seien, eventuell die Operationen auszuführen, die von ihnen verlungt werden können. Ein englisch=französisches Bündnis? Als„Garantie“ für Frankreichs Sicherheit. Allmählich beginnt sich auch der Schleier des Geheimnisses zu lüften, warum sich Frankreich zu einem so unerwartet schnellen Nachgeben bereit gefunden hat. Als Gegenbedingung für sein Entgegenkommen in allen Abrüstungsfragen hatte bekanntlich Frankreich eine militärische Verpflichtung Englands gefordert, ihm im Falle eines Angriffes sofort zu helfen. Erst eine solche Allianz wollte man als genügende Garantie für Frankreichs Sicherheit ansehen. Zu einer solchen bindenden Verpflichtung zeigte aber England bisher wenig Lust. Das scheint sich nun geändert zu haben. In London und Cannes haben mehrere Besprechungen zwischen Lloyd George und Briand stattgefunden, die sich mit dieser Frage beschäftigten. Englische Blätter berichten, diese Unterredungen hätten zu einer Vereinbarung über ein weitreichendes System von Garantien geführt, die Großbritannien für die Sicherheit Frankreichs anbieten werde. Das Wort Allianz werde wahrscheinlich nicht gebraucht werden. Eine verstärkte Entente werde jedoch praktisch auf einen Bündnisvertrag hinauslaufen. Reuter berichtet, Frankreich wolle eine Art von Bündnis, der britische Standpunkt sei jedoch, daß etwas Größeres und Umfassenderes erforderlich wäre, wie z. B. eine allgemeine Vereinbarung unter den europäischen Mächten, daß sie die Aufrechterhaltung des Friedens garantieren, etwa in der Art des Viermächte=Abkommens über den Stillen Ozean. Während Reuter sich also noch etwas zurückhält, meldet Havas bereits ziemlich sicher, daß das sich vorbereitende englisch=französische Abkommen eine gegenseitige Verpflichtung zur Hilfeleistung durch Heer, Flotte und Luftstreitkräfte vorsehen werde, deren Mindestmaß genau festgestellt würde. Es ist wahrscheinlich, daß Belgien sich dem Abkommen anschließen wird, das einen Teil der Gründe ausschließen dürfte, die Frankreich zwängen große militärische Lasten auf sich zu nehmen. Es wür de die Verminderung der französischen Heeresbestände gestatten. SS. Oberschlesien. Calonder über seine Aufgabe und die Verhandlungen. Der Vertreter eines Beuthener Blattes wurde von Calonder empfangen. Im Verlauf des Gesprächs ging er mit Rücksicht auf den augenblicklichen Stand der Verhandlungen nicht auf spezielle Fragen ein, sondern legte seinen Standpunkt nur zu allgemeinen Fragen dar. Zunächst betonte er, daß er die Schwere seines Amtes, mit dem ihn der Botschafterrat betraut habe, fühle und sich nur deshalb zur Uebernahme bereit erklärt habe, weil er für die Geschichte und Eigenart des oberschlesischen Volkes große Sympathie hege. Aus dem augenblicklichen Stand der Verhandlungen sei zu entnehmen, daß diese zu einem guten Endergebnis führen und wohl, selbst wenn sich unvorhergesehene Schwierigkeiten ergeben sollten, bis zum 15. Januar beendet sein werden. Die Nachprüsung der abgeschlossenen Verträge in Genf werde sich jedoch bis Februar hinziehen. Fernerhin versicherte Calonder, daß er der wichtigsten aller Fragen, der Minderheitenfrage, ganz besonders warmes Interesse entgegenbringe und diese ganz besonders genau prüfen werde. Für kommende Streitfälle, die sich seiner Ansicht nach sicher noch ergeben werden, sei ein Organ, mit Ausnahme des Vorsitzenden, bereits gebildet worden. Er betonte ausdrücklich, daß er für diesen Posten nicht gewählt sei; vielmehr sei seine Aufgabe mit dem Schiedsspruch über das deutschpolnische Abkommen erschöpft. Zum Schluß erklärte er noch, daß er bereit sei, alle Vertretungen, die ihn sprechen wollten und sich auch schon ungemeldet hätten, persönlich zu empfangen, und daß er auch die Unterlagen selbst prüfen werde. Dies betrachte er als Voraussetzung für eine gerechte Entscheidung, und glaube, sich dadurch das sertrauen der gesamten oberschlesischen Bevölkerung zu erwerben. Aus Stadt und Schwerte, den 11. Januar ** Eine 50=prozentige Brotpreiserhöhung in Aussicht. Wie die Korrespondenz Simon zuverlässig hört, steht eine 50=prozentige Brotpreiserhöhung in Aussicht. Das Reichskubinett wird sich demnächst mit einer entsprechenden Vorlage des Reichsfinanzministers zu befassen haben. Zweck der Vorlage ist der Abbau der Ernährungszuschüsse und deren schließliche gänzliche Beseitigung.— Und die Folge: Weitere Lohn= und Gehaltsforderungen! Das nennt man dann Preisabbau! Kann denn der Schraube ohne Ende gar nicht das Genick gebrochen werden? ** Die westfälischen Sparkassen. Das Jahr 1921 ist den westfälischen Sparkassen recht günstig gewesen. Der Jahresabschluß wird, wie man dem„Münsterischen Anzeiger“ schreibt, eine starke Vermehrung der rund 5 Milliarden betragenden Spareinlagen zeigen. Im November war allerdings ein Rückgang zu verzeichnen— 350 Millionen Mark Einlagen und 450 Millionen Mark Abhebungen—, der auf die Bedürfnisse der zochtonjunktur und auf den Geldbedarf des Publikums für die Beschaffung von Vorräten zurückzuführen ist. Besonders günstig hat sich der Scheck= und Kontokorrentverkehr der Sparkassen entwickelt. Die Zahl der Konten beträgt rund 61.000, die Guthaben sind um 90 Millionen Mark auf 890 Millionen Mark und die Vorschüsse im Kontokorrent um 15 Millionen Mark auf 205 Millionen Mark gestiegen, während der Umsatz sich auf 3 Milliarden Mark belief.— Bei der Landesbank der Provnz Westfalen betrug im November auf jeder Buchseite der Umsatz 2,8 Milliarden Mark gegen 16 Milliarden Mark, die Bilanzsumme 1662 Millionen Mark gegen 1324 Millionen Mark im November vorigen Jahres. Die Provinzial=Lebensve sicherungsanstalt hatte wieder einen Rekordmonat. Es gingen Versicherungsanträge im Gesamtbetrage von 7½ Millionen Mark ein. * Einen Eschelbach=Abend veranstaltet der hiesige kath.=kaufm. Verein„Hansa" am Mittwoch, den 18. d. M. im Saale des Vereinshauses (Hotel Ostermann). Der Name Hans Eschelbach hat in der modernen Literatur einen guten Klang. Sein großer historischer Roman„Der Volksverächter", seine„Erzählungen“, seine Novellen„Liebe erlöst",„Der Wasserkopf".„Im Moor“, und seine Schulgeschichte„Die beiden Merks" haben überall wohlverdiente Anerkennung gefunden und nicht minder haben seine lyrischen Produktionen, die in den Sammlungen„Wildwuchs", Lebenslieder" und„Sommersänge“ erschienen sind, dem Dichter zahlreiche Freunde erworben. Erzeugnisse seiner lyrischen Muse waren es auch, die Hans Eschelbach im Goethebund, wie aus einer Zeitung aus Königsberg hervorgeht, vor einem großen Auditorium vortrug. Bei seinen Gedichten drängt sich sofort die Erkenntnis der Echtheit und Ursprünglichkeit des Talentes und des poetischen Fühlens und Gestaltens auf. Wir können dem Goethebund, so heißt es dori weiter, nur aufrichtig dankbar sein, daß er un die Bekanntschaft dieses echt volkstümlich, terngesund, national und tiefreligiös empfindenden Poeten vermittelt hat. ** Die neue deutsche Arzneitaxe, festgesetzt durch Reichsratsbeschluß vom 15. Dezember 1921, ist für Preußen mit dem 1. Januar 1922 in Kraft getreten. Die Apotheker sind berechtigt, für jede auf ärztliche Verordnung zur Abgabe hergerichtete Arznei einen Teuerungszuschlag von 120 Mark und für Arzneimittel oder Arzneien, die in abgabefertiger Packung abgegeben werden, einen Teuerungszuschlag von 0,60 Mark für jede Packung zu erheben. Die nach den geltenden Bestimmungen auch außerhalb der Apotheken verkäuflichen Arzneimittel, soweit sie unvermischt und ungeteilt abgegeben werden, sind von diesen Teuerungszuschlägen ausgenommen. ** Fahrpreisermäßigung für Kriegsbeschädigte. Nach der allgemeinen Ausführungsbestimmung des deutschen Eisenbahn=Personen= und Gepäcktarifs zu der Eisenbahn=Verkehrsordnung werden Kriegsbeschädigte, die nach Art ihrer Verletzung während der Reise sitzen müssen, in der 3. Klasse zum Fahrpreis der 4. Klasse, in Schnellzügen außerdem gegen tarifmäßigen Zuschlag befördert. Hierbei gelten als Fahrausweise 4. Klasse nicht allein einfache Fahrkarten(Einzelreisekarten) zum regelmäßigen Fahrpreise, sondern auch Monats= und Wochenkarten. Arbeiter=Rückfahrkarten bleiben hiervon jedoch ausgeschlossen. ** Volkshochschule. Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß selbstredend der in unserer Samstags=Ausgabe veröffentlichte Arbeitsplan maßgebend ist, wenn auch in letzter Stunde noch einige kleine Aenderungen eingetreten sind. So finden die Kurse des Studienassessors Warthmann (Bürgerl. Rechnen) im Realgymnasium statt. Frl. Studienrat Dubois beginnt mit„Erzähler aus dem 19. Jahrhundert" erst am morgigen Donnerstag. Die Vorlesung„Unsere großen Tonmeister“ von Studienrat Blauth umfaßt nur 6 Stunden und kostet 10 Mark. ** Drohende Arbeitslosigkeit. Die Beschäftigung in der deutschen Volkswirtschaf; zeigt im November zum ersten Mal einen gewissen Stillstand, nachdem fast eine halbes Jahr lang fast ununterbrochen eine steigende Anspannung der Kräfte stattgefunden hatte. Man findet Anzeichen dafür, daß dieser Stillstand in den seit langem befürchteten Rückschlag#inüberleiten kann, um so mehr als die Jahreszeit bei Land wirtschaft und Baugewerbe usw. die Beschäftigung vermindert. Die Arbeitslosigkeit hat bei den organisierten Arbeitern ein wenig zugenommen. Die Zahl der unbeschäftigten Mitglieder der Fachverbände stieg von 1,2 auf 1,4 Prozent. die Zahl der Erwerbslosen blieb ungefähr gleich. Beim Arveitsnachweis fand ein erheblicher Rückgang des Stellenangebotes statt. ** Zwei Experimental=Vorträge wird die hiesige Vortragsvereinigung am 16. und 17. d. M. veranstalten. Der Vortragende, Physiker Pauck, Dozent für Experimental=Physik der Humboldthochschule, Berlin, ist einer unserer bedeutendsten Experimentatoren und insbesondere ein Fachmann von Ruf auf dem Gebiete der drahtlosen Telegraphie und Telephonie. So sollen sich denn auch seine Darbietungen in unserer Stadt in erster Linie mit dem gesamten Gebiete der drahtlosen Nachrichtenübermittelung und mit ihren physikalischen Grundlagen befassen und dabei in einer großen und unterbrochenen Reihe von Versuchen und Vorführungen in anschaulicher und gemeinverständlicher Weise zeigen, welche gewaltigen Fortschritte wir im letzten Jahrzehnt in unserer Auffassung über die Natur der elektrischen Erscheinungen und in der Anwendung der elektrischen Kräfte gemacht haben. Der erste Vortragsabend wird zunächst eine Reihe von grundlegenden Experimenten bringen, allerhand Neues aus der Wunderwelt der Elektrophysik und Elektrotechnik zeigen und die Bedeutung dieser neuesten Erscheinungen u. Fortschritte namentlich für die Weiterentwickelung der drahtlosen Nachrichtenübermittelung in das richtige Licht stellen. Der zweite Vortrag wird sodann,— wiederum immer an der Hand von Experimenten— die neusten Errungenschaften und Erfindungen besprechen, die es dem Vortragenden ermöglichen, mit Hilfe einer Rahmenantenne, die samt den dazu gehörigen Röhrenempfängern und=Verstärkern auf einem kleinen Tische Platz hat, Funksprüche hörbar zu machen, die aus einer Entfernung von mehreren tausend Kilometern kommen. Die Umwälzungen in der drahtlosen Nachrichtenübermittelung, die wir namentlich der Erfindung und Verbesserung der sog. Glühkathoden= und Elektroenröhren verdanken, werden in den Darbietungen des zweiten Abends einen besonders breiten Raum einnehmen.— Eine glänzende Demonstration der Schwebungserscheinungen mit elektrischen Schwingungen, eines Schwebungsempfängers, der funkentelegraphischen Teilung und der drahtlosen Telephonie mittels eines Röhrensenders werden den Schiuß der erperimentellen Darbietungen bilden. ** Elisabeth=Verein. Die Mitglieder des St. Elisaveth=Vereins seien darauf aufmerksam gemacht, daß die Arbeitsstunde in nächster Woche zwecks Teilnahme an dem Eschelbach=Abend des kath.=kaufm. Vereins„Hansa“" ausfällt. ** Regierungs= und Schulrat Kamp+. Der Landtagsabgeordnete Kamp, Ehrenvorsitzender des katholischen Lehrerverbandes Deutschlands, ist nach längerer Krankheit im 59. Lebensjahr gestorben. ** Vortragsvereinigung. Auf den morgen (Mittwoch) stattfindenden Vortrag Engelhardt sei noch mit dem Bemerken aufmerksam gemacht, daß Einzelkarten zu 5 Mark und Schillerkarten zu 2 Mark in den hiesigen Buchhandlungen zu haben sind. ** Stadtmission. Seine diesjährige Generalversammlung hielt der Gemischte Chor der Stadtmission am Sonntag ab. Die Vorstandswahl ergab Wiederwahl der bisherigen Herren. Bemerkt sei noch, daß sich der frühere Chor„Hoffnung“ mit ersterem vereinigte und beide nunmehr den Namen „Gemischter Chor der Stadtmission" führen. Noch immer werden Freunde des christlichen Liedes zur Mitgliedschaft herzlich eingeladen. ** Die Heiratsziffer ist gegen das letzte Friedensjahr im Laufe von 1921 um 25—30 Prozent gestiegen. Da kann die Wohnungsknappheit natürlich kein Wunder nehmen, obwohl erheblich mehr gebaut worden ist, als allgemein angenommen wird. So ist in Erfurt fast dieselbe Zahl an neuen Wohnungen errichtet worden wie im letzten Friedensjahr. In Merseburg ist diese Zahl sogar im Verlauf von 1921 übertroffen worden. In vielen Dörfern ist mehr gebaut worden als jemals im Verlauf eines Friedensjahres. ** Der heutige Wochenmarkt war außerordentlich spärlich beschickt; Gemüse wurde fast gar nicht zum Verkauf gestellt, nur Fleischwaren, Fische, Woll= und Kurzwaren und ähnliche Bedarfsartikel. Eine gemeinsame Sitzung der Stadtverordneten und der Amtsvertretung des Amtes Westhofen fano gestern nachmittag im Rathaussaale statt, um über Sparkassen=Angelegenheiten zu beschließen. Wegen Erkrankung des Herrn Jöckel leitete Herr Stadtv. Duisberg als Alterspräsident die Sitzung. Die Jahresrechnung der Sparkasse des Jahres 1920 schließt ab mit einer Ist=Einnahme von 71 448004,61 Mark und einer IstAusgabe von 71377532,48 Mark. Der Reingewinn stellt sich auf 117342,60 Mark. Die Hälfte hiervon wird bestimmungsgemäß dem Reservefonds zugeführt, während der übrigeBetrag auf die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen verteilt wird; auf Schwerte entfallen 32269,22 Mark, auf Westhofen 26 402,08 Mark. Der Reservefonds 1 schließt ab mit 1091 334,25 Mark, der Reservefonds 2 mit 170334,47 Mark. Dem Rendanten wurde Entlastung erteilt und ferner beschlossen, die Entschädigung für die Mitglieder des Sparkassen=Vorstandes von 150 auf 300 Mark zu erhöhen. m Tchtigt Der Sparkassen=Vorstand wurde ermachrigt, die Entschädigung für geleistete Mehrarbeit der Beamten nach seinem Ermessen zu regeln. Ueber die unvermutete Revision der Sparkasse, die am 21. Dezember stattfand, berichtete Herr Bürgermeister Rohrmann in eingehender Weise. Gegen die Freigabe der Kaution des in den Ruhestand getretenen Sparkassen=Direktors Herrn Nehring in Höhe von 12000 Mark wurden keinerlei Einwendungen erhoben, desgleichen nicht gegen die Zulassung der Düsseldorfer Allg. Vers.= Akt.=Gesellschaft als Brandversicherungs=Gesellschaft bei der hiesigen Sparkasse. Auf eine diesbezügliche Anfrage des Herrn Otten bezüglich der Besetzung der erledigten Direktorstelle gab Herr Bürgermeister Rohrmann die Auskunft, daß die Flüchtlingsfürsorge in Berlin die Stelle, auch diejenige eines ersten Assistenten bei der Kasse, noch nicht freigegeben habe, trotz persönlicher Bemühungen in Berlin. Es sei zu befürchten, daß die Stellen von dort aus besetzt würden. Er hoffe jedoch zu erreichen, daß die Stellen mit solchen Beamten besetzt würden, die einigermaßen mit den hiesigen Verhältnissen vertraut seien. Herr Duisberg schloß sich diesen Wünschen an, die er als eine durchaus berechtigte Forderung hinstellt. Nach der Sitzung waren beide Körperschaften noch ein Stündchen in zwangloser Unterhaltung beim Glase Bier im Hotel Jöckel beisammen. den Provinzen. Hagen, 10. Januar. Geldstrafen statt Haftstrafen. In den ersten Sitzungen des hiesigen Schöffengerichts im neuen Jahre wurde zum ersten Mal ergiebig von der neuen Verordnung Gebrauch gemacht, die Verhängung von Geldstrafe anstelle kurzfristiger Freiheitsstrafen zuläßt. Gleich in der ersten Sitzung wurden Geldstvafen in Höhe von mehreren Tausend Mark verhängt. Iserlohn, 10. Januar. Der Rathausneubau zurückgestellt. Vor einigen Monaten wurden für den Neubau eines Rathauses und für den Ankauf hierzu notwendiger bebauter Grundstücke 3 Millionen Mark bewilligt. In Anbetracht der immer noch steigenden Materialpreise und der Steigerung der Löhne will die Stadtverwaltung mit dem Neubau warten, bis„bessere" Zeiten kommen. Hoffentlich braucht die Stadt nicht allzu lange zu warten, denn die besseren Zeiten haben wir alle dringend notwendig. Halver, 10. Januar. Spinale Kinderlähmung. Gerüchte über das Auftreten der spinalen Kinderlähmung haben in unserer Gemeinde, die vor 10 Jahren von einem heftigen epidemischen Auftreten dieser Krankheit schwer heimgesucht wurde, zu Befürchtungen Anlaß gegeben. Wie wir aus bester Quelle dazu erfahren, ist aber nur ein Fall epidemischer spinaler Kinderlähmung bisher festgestellt worden, der allerMan körde dcheim un mit eehten Braun gechen Sdokkaiben und fordere die Jehrreiche Oratiebroschüre No 2. Wilhelm Brauns, O. m. b. H. Quedlinburg a. H dings tödlich verlaufen ist. In zwei anderen Fällen handelt es sich um eine harmlosere Form der Krankheit. Diese Kleinen befinden sich bereits auf dem Wege der Besserung. Altenbögge, 10. Januar. Lebendig begraben. Auf der hiesigen Zeche„Königsborn“ verunglückte im Revier 2 der Bergmann Fritz Weischer aus Hilbock. Unter der Arbeitsstelle des W. muß sich ein Hohlraum befunden haben, denn W. versank plötzlich und die Kohlen und Steinmassen schlugen über ihm zusammen. Trotzdem sofort die Rettungsarbeiten ausgenommen wurden, konnte W. bis jetzt nicht geborgen werden. W. stand kurz vor seiner Hochzeit. Wanne, 10. Januar. 35000 Mark verjubelt. Der 18 Jahre alte Schlosser Sauer aus Bayern hatte in Dieberg 35000 Mark gestohlen, die er in Röhlinghausen mit einer Händlerfamilie und deren Tochter bis auf einen kleinen Rest verjubelte. Als die Gesellschaft dieser Tage wieder eine kostspielige Vergnügungsfahrt nach Dortmund unternahm, griff die Behörde ein und machte der Sache ein Ende. Recklinghausen, 10. Januar. Von einer Transmission völlig zerrissen. Der jugendliche Arbeiter Schulz, Gertrudiplatz, geriet im Betriebe der Firma Pfingstmann in Recklinghausen in die Transmission und wurde von dieser vollständig zerrissen. Recklinghausen, 10. Januar. Die Hochzeit ohne Bräutigam. Ein schon ziemlich bejahrtes Mägdelein hatte endlich einen Mann gefunden, der ihr die Hand für den Lebensbund reichen wollte. Alle Vorbereitungen zur Hochzeit waren getroffen, das Aufgebot bestellt und am Abend vorher waren die angehende junge Frau, die Trauzeugen und Freunde in das Vereinsheim eingeladen, um Abschied vom„Junggesellen" zu feiern. Auf die Hauptperson, den Bräutigam wartete aber die Gesellschaft vergebens, er hatte — ob es der bessere Teil war oder nicht, das mögen die Leser entscheiden— sich dünne gemacht und soll den Staub Recklinghausens von den Aibenr eechtct sen. Zwischen Himmel und Roman von Otto Ludwig. 57)(Nachdruck verboten). Noch andere: und wäre welches vorhanden, so würde es vor der Kälte in den Spritzen und Schläuchen gefrieren. Die meisten stellen in angstvoller Beredsamkeit den Gang dar, den der Brand nehmen würde. Stürzte das brennende Dachgebälk, so trieb es der Sturm dahin, wo eine dichte Häusermasse fast an den Turm stieß. Hier war die feuergefährlichste Stelle der ganzen Stadt. Zahllose hölzerne Emporlauben in engen Höfen, bretterne Dachgiebel, schindelgedeckte Schuppen, alles so zusammengepreßt, daß nirgends eine Spritze hieinzubringen, nirgends eine Löschmannschaft mit Erfolg anzustellen war. Stürzte das brennende Dachgebälke, wie nicht anders möglich war, nach dieser Seite, so war das gange Stadtviertel, das vor dem Winde lag, bei dem Sturm und Wassermangel unrettbar verloren. Diese Auseinandersetzungen brachten Aengstlichere so aus der Fassung, daß jeder neue Blitz ihnen als die ausbrechende Flamme erschien. Daß jeder nur eine Seite der Turmdachfläche übrsehen konnte, begünstigte die Fortpflanzung des Irctums. Es war wunderlich, aber man hörte nur von allen Seiten zugleich das Geschrei: „Wo? Wo?“. Sturm und Donner verhinderten die Verständigung. Jeder wollte selbst sehen; so entstand ein wildes Gedränge. „Wo hat es hingeschlagen?“ fragte Apollonius, der eben daher kam.„In die Seite nach Brambach zu“ antworteten viele Stimmen. Apollonius machte sich Bahn durch die Menge. Mit großen Schritten eilte er die Turmtreppe hinauf. Er war den langsamen Begleitern um eine gute Strecke voraus. Oben fragte er vergebens. Die Türmersleute meinten, es müsse ein kalter Schlag gewesen sein, und waren doch im Begriff ihre besten Sachen zusammenzuraffen, um vom Turme zu fliehen. Nur der Gesell, den er am Ofen beschäftigt fand, besaß noch Fassung. Apollonius eilte mit Laternen nach dem Dachgebälk, um sie da aufzuhängen. Die Leitertreppe zitterte nicht mehr unter seinen Füßen; er war zu eilig, das zu bemerken. Innen am Machgebälke wurde Apollonius keine Spur von einem beginnenden Brande gewahr. Weder der Schwefelgeruch, der einen Einschlag bezeichnet, noch gewöhnlicher Rauch war zu bemerken. Apollonius hörte seine Begleiter auf der Treppe. Er rief ihnen zu, er sei hier. In dem Augenblicke zuckte es blau zu allen Turmluken herein und unmittelbar darauf rüttelte ein prasselnder Donner an dein Turm. Apollonius stand erst wie betäubt. Hätte er nicht unwillkürlich nach einem Balken gegriffen, er wäre umgefallen von der Erschütterung. Ein dicker Schwefelqualm benahm ihm den Atem. Er sprang nach der nächsten Dachluke, um frische Luft zu schöpfen. Die Werkleute, dem Schlage ferner, waren nicht betäubt worden, aber vor Schrecken uuf den oberen Treppenstufen stehen geblieben. „Herauf!", rief ihnen Apollonius zu.„Schnell das Wasser! die Spritze! In diese Seite muß es geschlagen haben, von da kam Luftdruck und Schwefelgeruch. Schnell mit Wasser und Spritze an die Ausfahrtür.“ Der Zimmermeister rief, schon auf der Leitertreppe hustend:„aber der Dampf!“.„„Nur schnell!“ entgegnete Apollonius. Die Ausfahrtür wird mehr Luft geben, als uns lieb ist": Der Maurer und der Schornsteinseger solgten dem Zimmermann, der die Schläuche trug, so schnell als möglich, mit der Spritze die Leitertreppe hinauf. Die anderen brachten Eimer kalten, der Gesell einen Topf heißen Wassers, um durch Zugießen das Gefrieren zu verhindern. In solchen Augenblicken hat, wer das Vertrauen, und dem gefaßten Tätigen unterordnen sich die andern ohne Frage. Der Bretterweg nach der Ausfahrtür war schmal; durch die verständige Anordnung Apollonius' fand dennoch alles im Augenblicke seinen Platz. Zunächst Apollonius nach der Tür stand der Zimmermann, dann die Spritze, dann der Mauter. Die Spritze war so gewendet, daß die beiden Männer die Druckstangen vor sich hatten. Zwei starke Männer konnten das Druckwerk bedienen. Hinter dem Maurer stand der Schieferdeckergeselle, um über dessen Schulter, so oft es nötig, von dem heißen Wasser zuzugießen. Andere betrieben des Gesellen vorheriges Geschäft; sie schmolzen Schnee und Eis, und behielten das gewonnene Wasser in der geheizten Türmerstube, damit es nicht wieder zu Eise fror. Andere waren berett, als Zuträger zwischen Dachstuhl und Türmerstube zu dienen, und bildeten eine Art Spalier. Während Apollonius mit raschen Worten und Winken den Plan dieser Geschäftsordnung dem Zimmermann und Maurer mitteilte, die ihn dann in Ausführung brachten, hatte er die Dachleiter schon in der Rechten und griff mit der Linken nach dem Riegel der Ausfahrtür. Die Leute hatten die beste Hoffnung; aber als durch die geöffnete Tür der Sturm hineinpfiff, dem Zimmermann die Mütze vom Kopfe riß und Massen feinen Schneestaubs gegen das Gebälte warf und heulend und rüttelnd den Dachstuhl auf= und abpolterte und Blitz auf Blitz blendend durch die dunkle Oeffnung brach, da wollte der Mutigste die Hand von dem vergeblichen Werke abziehen. Apollonius mußte sich mit dem Rücken gegen die Türe kehren, um atmen zu können. Dann, beide Handflächen gegen die Verschalung oberhalb der Türe gestemmt, bog er den Kopf zurück, um an der äußeren Dachfläche hinaufzusehen.„Noch ist zu retten“, rief er angestrengt, damit die Leute vor dem Sturm und dem ununterbrochenen Rollen des Donners ihn verstehen konnten. Er griff das Rohr des kürzesten Schlauches, dessen unteres Ende der Zimmermann einschraubend an der Spritze befestigte und wand sich den oberen Teil um den Leib.„Wenn ich zweimal hintereinander den Schlauch anziehe, drückt los. Meister, wir retten die Kirche, vielleicht die Stadt!" Die rechte Hand gegen die Verschalung gestemmt, bog er sich aus der Ausfahrttür; in der linken hielt er die leichte Dachleiter frei hinaus, um sie an dem nächsten Dachhaken über der Tür aufzuhängen. Den Werkleuten schien das unmöglich. Der Sturm mußte die Leiter in die Lüfte reißen und— nur zu möglich war's, er riß den Mann mit. Es kam Apollonius zu statten, daß der Wind die Leiter gegen die Dachfläche drückte. An Licht fehlte es nicht, den Haken zu finden; aber der Schncestaub, der dazwischen wirbelt und, vom Dache herabrollend, in seine Augen schlug, war hinderlich. Dennoch fühlte er, die Leiter hing fest. Zeit war nicht zu verlieren; er schwang sich hinaus. Er mußte sich mahr der Kraft und Sicherheit seiner Hände und Arme vertrauen, als dem sicheren Tritt seiner Füße, als er hinaufklomm; denn der Sturm schwankte die Leiter samt dem Mann wie eine Glocke hin und her. (Fortsetzung folgt). Recklinghausen, 10. Januar. Raubüberfall. Die Witwe R. aus dem benachbarten Horneburg wurde auf einem Feldwege in der Nähe der Grenzstraße bei Horneburg plötzlich von einem Strolch angehalten und ihrer Barschaft beraubt. Der Bursche hielt ihr einen Revolver vor und rief: Geld heraus oder ich schieße! Dann entriß er der geängstigten Frau die Geldbörse mit 30 Mark und flüchtete in den nahen Wald. Bielefeld, 10. Januar. Die Urbarmachung der Senne soll noch in diesem Monat in Angriff genommen werden. Zuerst die sogenannte Schäftetrift, die Eigentum des Staates ist, umgepflügt, um verpachtet zu werden. Minden, 10. Januar. Der amtliche Eierpreis. Der Vorsitzende des Kreisausschusses in Lübbecke macht bekannt, daß nach Anhörung der Preisprüfungsstelle der Erzeugerpreis für frische Hühnereier auf 2,50 Mark für das Stück festgesetzt worden ist. Wer den Preis überschreitet, wird wegen Wuchers verfolgt. Siegen, 10. Januar. Wurf mit einem Bierglas. Bei einem Streit in der Bahnhofswirtschaft in Eiserseld warf der Arbeiter Reichmann seinem Gegner Jubt ein Bierglas an den Kopf. Der junge Mann erlitt eine Gehirnerschütterung, der er erlegen ist. Herford, 10. Januar. Kindesmord. Im Püdinghauser Walde wurde die Leiche eines drei Wochen alten Kindes gefunden. Als Täterin ist ein 23 jähriges Dienstmädchen ermittelt worden, das nach seiner Entlassung aus der Entbindungsanstalt in Soest mit der Kleinbahn nach der Station Ringstoff gefahren war, um in den Dienst zurückzukehren. Auf dem Wege dorthin hat das Mädchen das Kind erwürgt und die Leiche im Walde versteckt. Gladbeck, 10. Januar. Begnadigter Mörder. Der Bergmann Arnold, der wegen Ermordung des Bürovorstehers Kohlmann der Zeche Leopold zum Tode verurteilt worden war, ist ebenso wie schon vor einiger Zeit sein Mittäter, der Bergmann Albrecht, jetzt auch zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt worden. Essen, 10. Januar. Vom Admiral zum Redakteur. Admiral Höpfner ist in den Redaktionsstab der„Deutschen Bergwerkszeitung eingetreten. Admiral Höpfner war vonl 16o. bis 1909 erster Offizier der Yacht kleidete von 1911 bis 1919 das Amt des Chefs des Stabes beim Gouvernement Kiautschau und war zeitweilig stellvertretender Gouverneur. Während des Krieges befehligte er das Großkampfschiff„Oldenburg". In der Schlacht Skagerak verlor er den linken Fuß. Zuletzt war Admiral Höpfner Abteilungschef des ReichsWermelstirchen, 10. Januar.„Nadame Schwein". Die Strafkammer verurteilte die Ehefrau des Wirtes Ludwig Hackländer, die aus schmutziger Geldgier sich selbst an zenalische, v satzungssoldaten weggeworfen und ihre blutzu gen Töchter durch Drohungen und Schläge ebenfalls auf den Weg der Schande gebracht hatte, wegen schwerer Kuppelei zu 15 Monaten Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe. In gaug melskirchen herrscht tiefste Enpörung schändliche Treiben dieser Frau, die von.# eng lischen Besatzung mit dem Schimpfnamen„Madame Schwein" belegt wurde. Düsseldorf, 10. Januar. Schulstreik. lische Elternschaft des Stadtteils Flingern hat gestern beschlossen, den Schulstreik fortzusetzen, bis die Verhandungen ein für die Elternschaft haben. Dadurch ist die des Kultusministers ge10. Januar. Verfr hier hatte am Neujahrstage in einer seine eigene Todesanzeige erlassen. und man hat Hoffnung, daß er dem Leben halten bleben wicd. e168 akter Jülich, 10. Januar. Geseg... Die Frau Theodora Capell hierselbst vollendete am Silvester ihr 102. Lebensjahr. Stadt am Jahreswechsel die Beamten= und Angestelltengehälter nicht auszahlen konnte. Man hofft durch eine Anleihe wieder Geld in die Kasse bringen zu können. )( Mühlenbrand in der Altmark. Die Mühle von Arthur Weidling in Stendal wurde von einem Großfeuer heimgesucht, das in kurzer Zeit die ganze Mühle mit sämtlichen Maschinen vernichtete. Nur der Mehlspeicher mit etwa 4000 Zentnern Getreide und Mehl konnte erhalten werden. Der Schaden wird auf etwa 10 Millionen Mark geschätzt, von denen nur 6 Millionen durch Versicherung gedeckt sind. Vierzig Familien sind durch das Feuer brotlos geworden. Man vermutet Brandstiftung. Die Mühle ist schon im Herbst vergangenen Jahres von einem Großfeuer heimgesucht worden, wobei etwa 4000 Zentner Getreide verbrannten. )( I m S c h n e e s t u r m u n t e r g e g a n g e n. Z w i s c h e n Saßnitz und Stubbenkammer ging der Hamburger Dampfer„Attila“, der aus Hamburg kam und nach Stettin unterwegs wa, in Seineesturm unter. Der Dampfer hatte zwölf Mann Besatzung, von denen sechs mit dem Schiff untergingen. Ten anderen gelung es, das im Wasser treibende Rettungsöcol z erreichen. Ein Mann wurde aber sofort wieder über Vord gespult, die anderen sind über Nicht im Boot erfroren. Das Boot trieb unweit Lohme an den Strand. Ter über Bord gespülte Mair####e wurde auf der Höhe des Leuchtturmes von Nanzow an den Strand geworfen. Er ging auf das Licht des Leuchtturmes zu, fand aber die Tür verschlossen, zertrümmerte eine Scheibe und kletterte in den Turm. Am anderen Morgen versuchte er, die nächste menschliche Behausung aufzusuchen, brach jedoch unter Frost zusammen. Die Leute fanden ihn und brachten ihn nach Schloß Ranzow, wo er verpflegt wird. Der Kartoffelpreis. Aus dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft wird mitgeteilt: Die„P. P. N.“ verbreiteten die Nachricht, daß mit einer merklichen Steigerung der Kartoffelpreise zu rechnen sei, da in den nächsten Tagen bereits eine Erhöhung der vom Reichsministerium festgesetzten Richtpreise für Kartoffeln um 10 Mark für den Zentner erfolgen solle. Die Nachricht, die geeignet ist, in den Verbraucherkreisen berechtigte Erregung hervorzurufen, entspricht in keiner Weise den Tatsachen. Zunächst sei bemerkt, daß vom Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft bisher Richtpreise nicht festgesetzt worden sind und in Zukunft eine solche Festsetzung auch nicht beabsichtigt ist. In einem Rundschreiben vom 26. November 1921 hatte das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft den Ländern empfohlen, örtliche Kommissionen zur Ermittelung von angemessenen Einheitspreisen für Kartoffeln einzusetzen, die paritätisch aus Vertretern der Landwirtschaft, des Handels und der Verbraucher zusammengesetzt sein sollen. Als Schulbeispiel für die Berechnung der Kartoffelpreise wurde in diesem Rundschreiben ein Preis von 70 Mark für den Zentner empfohlen, der von dem Ende September durch die Notierungskommission ermittelten Preise von 45—50 Mark ausgeht und im übrigen der seit dieser Zeit eingetretenen Geldentwertung und Verteuerung der Lebenshaltung Rechnung trägt. Trotzdem haben die örtlichen Kommissionen in den meisten Bezirken diesen Preis von 70 Mark noch erhöht. Nach Ansicht des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft liegt daher zurzeit zu einer weiteren Erhöhung der Erzeugerpreise in den einzelnen Bezirken keine Veranlassung vor. In den bisher gepflogenen Verhandlungen ist stets vom Ministerium der Landwirtschaft gegenüber mit Nachdruck betont worden, daß die Preise für die wichtigsten Lebensmittel in den Grenzen gehalten werden müßten, die noch für die Verbraucher erträglich sind, und daß die Landwirtschaft mit Rücksicht auf ihre eigenen Betriebe ein Intereise daran habe, daß diese Grenze nicht überschritten werde. Eine vollständige und rücksichtslose Ausnützung der Preiskonjunktur schädigt letzten Endes die richtig verstandenen Interessen der wirtschaft selbst. rikanten und Pressevertreter haben die ZellstoffFabrikanten erklärt, sie müßten ihren Preis von 3,40 M. für das Kilo auf 6.60 M. heraussetzen, was von den meisten anwesenden zunächst für einen schlechten Sctzerz gehalten wurde Eine Vermittlungsaktion des Staatssekretäis Dr. Hirsch hatte lediglich den Erfolg, daß erklärt wurde, man wolle es sich bis zum Weihaachtsfest noch einmal überlegen Der endgültige Bescheid ist aber noch immer nicht erfolgt, und neuerdings auf den 14 Januar hinausgeschoben worden Ein Teil der Schuld— das sei der Gerech tigkeit halber zugegeben— trifft allerdings die Preispolitik der einzelstaatlichen Forstverwaltun gen, die die Papietbolzpreise im fiskalischen Interisse gar nicht hoch genug hinaustreiben können Andererseits rollt Wagen auf Wagen mit Zellstoff ins Ausland, während eine Reihe von Zellstoff= Fabriken im Inland ohne Zellstoff dasitzt Was deutsche und was fremde Blätter konen. Wer Gelegenheit hat, in einem Kaffeehause oder auf einer ausländischen Reise ausländische Blätter kennen zu lernen, wird über die Bezugs preise der Auslandblätter einigermaßen erstannt sein So kosten englische Blätter wie„Daily Ex preß",„Daily Mirror" und„Daily Ehronicle nach deutschem Gelde etwa 500 M vierteljährlich, was einen Einzelpreis von rund 5 M bedeuten würde. Die Londoner„Moining Post“ kostet rund 950 M., und der Preis der„Times“ beläust sich sogar auf fast 1500 M. für das Vierteljahr Auch die holländischen Blätter warten jetzt mit stattlichen Zahlen auf So muß man rund 100 M auswenden, um für ein Vierteljahr den Nieuwe Rotterdamsche Courant“ durch den Briesträger zu erhalten, und das„Algemeen Handelsblad“ in Amsterdam berechuet seinen Beziehern etwa 900 M. das Vierteljahr. In Stockholm kostet das wichtigste Blatt„Svenska Dagbladet“ 836,18 M. und das„Aftonbladet“ 834,66 M. Schließlich haben sich auch die Bezugspreise für Auslandblätter in deutscher Sprache ungemein verteuert. So kostet der„Baseler Anzeiger jitzt 365,99 M, der Berner„Bund“ 510,06 M., das„Prager Tageblatt“, um auch ein Beispiel aus der Tschecho=Slowakei anzuführen, 175,60 M. Im Vergleich zu diesen Preisen müssen die Bezugskosten der deutschen Zeitungen als ziemlich billig bezeichnet werden. In der Tat bezahlt der Leser mit dem heutigen Bezugspreise deutscher Zeitungen nicht mal den Papierpreis. Bunte Chronik. )( Eine doppelte Hinrichtung. Im Hofe, Waldshuter Amtsgerichtsgefängnisses wurden beiden Raubmörder Ostertag und Reutter hingrichtet. Der 24jährige Ostertag hatte drei Mord auf dem Gewissen, er hatte die Witwe Schmid in Ziegelhausen, den Bankbeamten Heinrich Grünewald aus Frankfurt(bei den Triberger Wasserfällen) und Frau Wilhelmine Brendle in Brunnadern ums Leben gebracht. Der erst 21jährige Friedrich Reutter aus Münsingen hatte ihm bei den Mordtaten an dem Bankbeamten Grünewald und der Witwe Brendle Beihilfe geleistet. ( Eine Falschmünzerwerkstatt ist in Dresden aufgedeckt worden. In Leipzig wurden bei der Verausgabung falscher 50=Markscheine die Händler Rau und Richter festgenommen, wobei ermittelt werden konnte, daß die Scheine in einer Dresdener Druckerei hergestellt worden waren. Die Druckerei wurde ausgehoben, der Drucker und seine Frau verhaftet. Wieder eine zahlungsunfähige Stadt. Wie das Wochenblatt in Kallies mitteilt, ist in der Stadtkasse völlige Leere eingetreten, so daß die Die Not der Presse. Ein Hilferuf an das ministerinen Ueber die ungeheuren Schwierigkeiten, mit denen das Zeitungsgewerbe augenblicklich zu kämpfen hat, um sich rechtzeitig mit eusreichenden Mengen von Druckpapier zu versorgen, ist an dieser Stelle oft gesprochen worden Es sei aber noch auf eine weitere Ungeheuerlichkeit hingewiesen, der die Presse völlig machtlos gegenübersteht. Die Zeitungsverlage wissen heute noch nicht, was das Papier kostet, das sie seit dem 1. Januar zur Herstellung ihrer Zeitungen denutzen. seiten der Druckpapierverbände wurde lediguch mitgeteilt, daß genaue Angaben erst erfolgen könnten, sobald die Zellstoff= Fabrikanten ihren endgültigen Preis genannt hätten; für Januar berechnen, während der Friedenspreis 2000 M und der Preis im November 1921 34 900 M, im Dezember 42000 M. betrug Die Fabrikanten scheinen es mit tgg, Preisfestisezun: gen keineswegs eilig zu haben. auf trag der Zeitungsverleger am 17 November vom Reichswirtschaftsministerium einberufenen gemeinsamen Sitzung der Papiererzeuger, Zellstoff=FabAus dem Reich. die Lüge von der deutschen Kriegsschuld. Die Deutsche Volksparlei hat durch gewaltige Kundgebung in der Philbarmonie eine Offensive gegen die Lüge von der deutschen Kriegsschuld eröffnet. Hauptredner waren der Reichstagsabg Dr. Lutter, Herr v. PalletNarbonne und Admiral Brüninghaus. Alle drei Redner betonten, daß es sich hier nicht um eine Parteiangelegenheit handle, sondern um eine Ehrensache des ganzen deutschen Volkes, da auf der Lüge von der deutschen Kriegsschuld der Versailler Friedensvertrag aufgebaut sei In ihren Beweisen stützten sich die Redner auf Entlastungszeugnisse von Neutralen und Vertretern der Entente, die willig oder widerwillig für die deutsche Schuldlosigkeit Beweise geliesert haben. Das Ergebnis war glänzend. Feindliche und neutrale Staalsmänner und Diplomalen, gische und französische Generäle, Schriftsteller und Gelehrte bezeugten aufs wärmste die Friedferligkeit des deutschen Volkes. Von deutschen Entlastungszeugen wurden nur sozial istische angeführt, z. B. und Kautsky. Die Deutsche Volkspartei wird diese Kundgebungen im ganzen Lande wiederBeratung der Reich-tagr ausschüsse Der sozialpolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrates wird sich in seiner nächsten Sitzung am 3. Januar mit der zweiten Lesung nahmen gegen die kommende Arbeitslosigkeit befassen. Der Ausschuß für Wohnungs= und Siedlungswesen berät am 14 Januar u a. über Abänderungen des Gesetzes über Regelung einer Abgabe zur Förderung des Wohnungsbaues. Der Arbeitsausschuß wird über die Vorbesprechungen zum Gesetzentwurf über die Mieterschutz- und Mieteinigungsämter berichten. Der Arbeilsausschuß des finanzpolitischen Aussahusses wird sich in am 17. Januar konstituteren, und gleichzeitig seinen Arbeitsplan besprechen. Am 19. Januar wird schließlich der finanpotitische Ausschuß zusammentrelen und sich vornehmlich mit den Aenderungen der Vorschriften über das Bankgeheimnis und die Veränderung des Depolzwanges befassen. Die Veihandlungen mit den Bramten. Morgen werden die Besprechungen zwischen der Regierung und Vertretern der Beamnten und Staatsarbeiter im Reichsfinanzministerium fortgesetzt werden. Am letzten Montag traten die Finanzminister der Länder zusammen, um über die Forderungen der Beamten zu handeln. Inzwischen sind dereits Besprechungen mit Vertretern der Kommunalbehörden vorausgegangen und erst nach Abschluß aller schwebenden Verhandlungen wird es möglich sein, mit den Beamten zu bestimmten Vereinbarungen zu gelangen. Allerdings wird der Reichsfinanzminister nicht mehr wie bisher selbständige Abschlüsse mit den Beamtenorganisationen vornehmen. sondern dem Reichstag die letzte Entscheidung überlassen. Letzte Drahtmeldungen. Eigener Depeschen dienst. Vor einem neuen Eisenbahnerkonflikt? TU Köln, 11. Januar. Die sozialdemokratische Partei Kölns hat gestern an die Reichsregierung folgendes Telegramm gerichtet:„Differenzen über die Auffassungen, die zwischen Reichsregierung und Eisenbahner=Organisationen betr. die Besatzungszulage bestehen, drohen zu neuen Verwickelungen zu führen. Wenn das eintritt, steht das Rheinland vor außerordentlichen politischen Konsequenzen. Wir bitten dringend um beschleunigte Erledigung.— Gleichzeitig wurde an den soziademokratischen Parteivorstand in Berlin das nachstehende Telegramm gerichtet:„Wenn es nicht gelingt, über die verschiedenen Auffassungen wegen der zwischen der Reichsregierung und den Eisenbahner=Organisationen getroffenen Abmachungen übe die Besatzungszulage umgehend zu einer Einigung zu kommen, drohen außerordentliche politische Konsequenzen für das Rheinland. Wir bitten dringend, auf die Reichsregierung in diesem Sinne hinzuwirken.“ De Beratungen über die neuen Steuern. TU Berlin, 11. Januar. In parlamentarischen Kreisen erwartet man, daß die gestern vollzogene Vertagung der vereinigten Steuer=Ausschüsse etwas mehr als eine Woche dauern wird, sodaß die Steuer=Ausschüsse erst wieder mit dem Plenum zur Sitzung zusammentreten. Maßgebend hierfür war die Verhinderung der Unabhängigen und des Zentrums durch ihre Parteitage und die außenpolitische Lage angesichts der Verhandlungen in Cannes. Die deutsche Delegation. TU Paris, 11. Januar. Gestern mittag fand auf der deutschen Botschaft in Paris eine eingehende Beratung der deutschen Abordnung statt. Kurz nach 5 Uhr verließ die Abordnung Paris, um nach Cannes zu fahren. Dort werden die Delegierten heute früh vom Obersten Rat gehört werden. Karl hofft noch immer. TU Wien, 11. Januar. Die Blätter veröffentlichen eine Unterredung mit dem Exkönig Karl auf Madeira, der unter anderem erklärte: Meine ganze Hoffnung geht dahin, daß Gott mir gestatten möge, daß ich an den Bestrebungen, Ungarn groß und glücklich zu machen, teilnehmen darf. Der Friede in Irland. TU Haag, 11. Januar. In ganz Irland treffen Nachrichten über die Begeisterung ein, mit der die Bevölkerung den Friedensbeschluß des Dail Eireann ausgenommen hat. In Dublin und einigen anderen Städten zog eine aufgeregte jauchzende Menge durch die Straßen. Die Menge schrie: Gott segne Griffith und Gollins. Großfeuer in einem Gummiwerk. TU Halle, 11. Januar. In dem Gummiwerk Eimbeck vernichtete ein Großfeuer die GummiAbteilung, die Tischlerei und die Speditionsbaracke. Der Schaden beträgt 1½ Millionen Mark. Die Entstehungsursache ist noch unbeP Für die Redaktion verantwortlich: Friedr. Kraas. Druck und Verlag: Carl Braus, beide in Schwerte. Schönes Kaul Schönste Zier! Und dabel so leicht zu erwerben: Durch regelmäßige Pflege mit Javol. Das Kräuerhaarwasser Javol macht das Haar seidenweich, voll, duftig und locker, frei von Kopfschuppen und Schinnen. Javol ist ülberall erhältlich. Für die Stunden der Erholung leiftet dem erniten Hausherrn und der praktiichen Hausfrau die Schwerter Zeitung die belten Dienste. Neben den Neuigkeiten aus Stadt u. Land aus dem In- und Auslande bringt die Schwerter Zeitung spannende Romane Erzählungen und willenswerte Artikel über Haus und Hof. Ein Probe-Abonnement, zu dem wir freund lich einladen, führt zu dauerndem Bezuge Knd ud Heute morgen 11 Uhr verschied sanft und goltergeben nach kurzem, schwerem Leiden, gestärkt durch die Heilsmittel der kath. Kirche mein innigstgeliebter Mann, unser herzensguter, treusorgender Valer, Bruder, Schwager und Onkel derr Laddig eiche im Allter von 33 Jahren. Um stille Teilnahme bilten: Ww. Pauia Robe nebst Kinder. Schwerte, Elberfeld, Hörde, Iserlohn, Wandhosen, Holzen, Wickede, Herlen, den 8. Januar 1922. 3 K Café Astoria Inhaber: Heinrich Keppmann Hagener Straße 14 Donnerstag, den 12.Januar 1922, abend. 8 Uhr Extra-Konzert der bewährten Hauskapelle 162 Solist: Herr Gustav Velten, Klavier.) 2 Die Beerdigung findet Donnerstag, den 12. Januar, nachmittags 2¼ Uhr, vom Sterbehause, Westwall 1, aus statt. Heute morgen 7½ Uhr entschlief sanft und gottergeben, nach kurzem Leiden, unsere lreue, unvergeßliche Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante, Frau,Witwe Anna, ged. Westhoff nach einem arbeitsreichen Leben im 72. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bilten: „Die trauernden Hinlerbliebenen. Schwerte, den 10. Januar 1922. Die Beerdigung findet Freitag, den 18. Ja nuar. nachmittags 2½ Uhr, vom Trauerhause in Schwerle, Brückstraße 26, aus und um 4 Uhr auf dem Friedhof in Hennen statt.— Die Trauerfeier beginnt um 2 Uhr im Trauerhause. Hotel der Bomshochschale beziehen ihren ganzen Bedarf an Bachern und Schleidwnen von der Cart Braus. Bücher, die in den Kursen erwähnt und empfohlen, werden, wenn nicht am Lager, schnellstens besorgt Preußische Klassen= Lotterie Zur nächsten Ziehung am 17. und 18. Ja####ar sind ¼ und 1/8 Lose noch zu haben. A. Saalmann& Sohn, Schwerke Kräftiger sofort gesucht. Schwerter Auf vielseitigen Wunsch! Ab Donnerstag, den 12. Jan. bis einschiieß. lich Samstag der hier so berühmte Handlesekunstler Die Deutung der Handlinien einer jede Person auf das Genaueste im Restaucan „Zum alten Rathaus“ Brückste 1 Sprechstunden den ganzen Tag über. Separates Sprechzimmer Ungegierter Eingang. Für da, neue Geschaft=fahl“ Geschäftsbücher, Briefordner (Leitz) mit oder ohne Register, Briefkörbe in verschied. Größe und Ausführung, alle anderen Bürobedarfs-Artikel, Kontor(Wand.) Kalender, WochenKalender, Tages- Kalender. Bachhaustung Cart Braus. be Kasente seeben er K K eemeen Telefon 244 WEIEE Alllt Welche Familie! würde jungem, gebildeten Herrn ein gutmöbliertes Zimmer (Licht und Heizung) mit Morgenkaffee abgeden. Offerten unter R. R. 100 an die Geschästsstelle erbeten. ∆ ∆ 905 0 des herrn Gumnasiallehrers Karl Richter: Was wird uns die Zukunft bringen: heute Mittwoch abend 81 Uhr, Kuhstraße 7 Zedermann ist herzlich eingeladen. Aobi. Intirr 10(mit Morgenkaffee) an anständigen Herrn zu vermieten. Schriftl. Anged. unter W. 20 befördert die Geschäftsstelle der Zeitung. Vortrags vereinigung. Donnerstag, den 12. Januar 1922, :#im Gemeindehaus, abends 8¼ Uhr: Kulturaufgaben S der Jugendbewegung Engelhardt, Schloß Elgersburg. Ksefihrfen Religiöser Vortrag in der Schule beule Millwoch abend 8½ Uhr. Gemeindehelfer August Erbschloe. Jedermann herzlich eingeladen. Allgemeine Priskrausenkasse für den Amisbeziek Wesihofen. In unserer Streitsache gegen Herrn Geh. Sani. tätsrat Dr. Klug ist vor dem Schiedsgericht insofern eine Einigung erzielt worden, daß wir hierdurch die ausgesprochene Kündigung zurücknehmen und erklären, daß das Ausscheiden des Herrn Dr. Klug auf eigenen Wunsch erfolgte. 157 Der Vorstand. Beranntmachung. Die Heberollen der Westfälischen landwirt. schaftlichen Berufsgenossenschaft für die Stadt Schwerte 94.4) über die für die land= und forstwirtschaftlichen Betriebe nach dem Maßstabe der Grundsteuer zu entrichtenden Genossenschaftsbeiträge, 1über die für Nebenbetriebe und sonstige Veranstaltungen sowie für Betriebsbeamte und Facharbeiter zu erhebenden besonderen Bei##träge und Beitragszuschläge ligen von morgen ab zwei Wochen lang zur Einicht der Beteiligten im neuen Rathause, Zimmer Nr. 11, aus. Die Zahlungspflichtigen können binnen 2 Wohen nach Ablauf der Frist gegen die Beitragsbecechnung beim Genossenschaftsvorstande in Münster, Friedrichstraße 1, Widerspruch erheben. Der Widerspruch entbindet nicht von der Pflicht zur vorläusigen Zahlung des Beitrages. 223 Zahlungspflichtig ist ) für die Grundsteuerbeiträge der Grundstücks eigentümer, der berechtigt ist, sich die Beiträge #svom Pächter erstatten zu lassen, **,) für die besonderen Beiträge und Beitrags zuschläge der Betriebsunternehmer. Der zu entrichtende Grundsteuerbeitrag beträgt nach der neuen Satzung für einen Betrieb bei einer Grundsteuer bis 0,50 M. einschl. mindest. 3.— M. von 0,51 M.„ 1.—„„„ 5.— „ 1.01„„ 2.—„„„ 10.— „ 2.01„„ 4.—„„„ 15.—„ „ 4,01„ nud mehr„ 20.—„ Nach dem Beschluß des Provinzialausschusses vom 23 Juli 1920 sind die Beiträge bis 100 M. auf 50 Pfg, und von mehr als 100 M. auf 1 M. aufgerundet. 163 Schwerte, den 9. Januar 1922. • Der Magistrat: Rohrmann. Reißbretter Zeichen-Utensilien Mal-und Leichen-Adlten Reißzeuge Vinkele Schienen Des greionen CRLBRAUS SCWERTE Große Marktstraße Tüchtiges, in aller Hausarbeit erfahrenes Zweilmädcen mit guten Jeugnissen gegen hoben Lohn und gute Behandlung sofort gesucht. Frau Joh. Wimmer, Barmen,Schützenstr. 71 Betträssen Besreiung sofort. Alter und Geschecht angeben. Auskunft umsonst. Versand sanitärer rtihel. Gg. Englbrecht, München C 344. Kapuzinerstr. O. Wommelsdon " S c h n e i d e r m e i s t e r Schwerte, Moltkestraße 4·# Eerre Flaschent auch Benediktiner=, Rognak- und Goldwasserflaschen kauft Kraumendahl, Westenort 1. 2 Morgen große Weroe in Holzen zu verhaufen Wo, sagt die Geschäftsst. Mehrere hochtragende Erstlingssauen Minden= Ravensberger Rasse und eine hochtragende„ 154 Kuh verkauft Gerhard Eblenkamp Wandhofen. Ortssatzung betreffend die Erhebung von Schulbeiträgen für die Berufsschule in Westhofen. Auf Grund des§ 16 des Gewerbe= und Handelslehrer=Diensteinkommengesetzes vom 10. Juni 1921 (GS. S. 421) wird unter Zustimmung'der Gemeindeversammlung für den Gemeindebezirk„Westhofen nachstehendes bestimmt: S 1. * Die Arbeitgeber der zum Besuche der Berufsschule(Pflichtfortbildungsschule) verpflichteten Schüler und Schülerinnen und sämtliche Gewerbebetriebe, die in der Regel mindestens 5 Ardeiter beschäftigen, haben zur Deckung der Schulunter haltungskosten Schulbeiträge zu zahlen. S 2. Die Schulbeiträge, die für jeden schulpflichtigen Schüler und jede schulpflichtige Schülerin zu zahlen sind, werden wie folgt festgesetzt: a) für Gewerbetreibende, die gewerbesteuerfrei oder nach sGewerbesteuerklasse 4 veranlagt sind, auf 30 Mik. b) für Gewerbetreibende der Gewerbesteuerklasse e) für Gewerbetreibende der d) für Gewerbetreibende der 8 es er § 3. auf 50 Mark Gewerbesteuerklasse auf 50 Mart Gewerbesteuerklasse 1 auf 75 Mark * Gewerbetriebe, die in der Regel mindestens Arbeiter beschäftigen, haben für jedes angefangene Zehnt der Arbeiter den Schulbeitrag für einen Berufsschüler zu entrichten, wenn die Zahl der bechäftigten Jugendlichen unter 18 Jahren weniger als 10 v. H der Arbeiter beträgt. Eine Beitrags erhebung nach§ 2 erfolgt in diesem Falle nicht. S. 4. Gewerbebetriebe, die für ihre jugendlichen Arbeiter eigene staatlich anerkannte Werkschulen ein gerichtet haben, haben die Schulbeiträge nach§ 3 nur insoweit zu entrichten, als die Zahl der die Werkchule besuchenden Jugendlichen unter 10 v. H. der beschäftigten Arbeiter bleibt § 5. Die Veranlagung der Schulbeiträge nach§ erfolgt jährlich, beginnend mit dem 1. April. Die Veranlagung von Zugängen erfolgt jeweils für ein halbes Jahr. Abgänge werden erst nach Ablau des Halbjahres berücksichtigt Veranlagungsmaßstab ist die Durchschnittszahl der Jugendlichen, die in dem dem Veranlagungsjahre vorangegangenen Jahre schulpflichtig waren. Die Durchschnittszahl wird ermittelt, indem die Summe der am 1. Juli und am 1. Januar vorhandenen Schulpflichtigen durch 2 geteilt wird. Bei der Veranlagung solcher Gewerbetreibenden, die erst während des Veranlagungsjahres hinzu kommen, wird die Zahl der Schulpflichtigen zugrunde gelegt, die an dem auf die Betriebseröffnung folgenden Monatsersten tatsächlich vorhanden waren. 0 § 6. Die Veranlagung der Schulbeiträge nach§ 8 erfolgt jährlich, beginnend mit dem 1. April. Die der Beitragserhebung zu Grunde zu legen... Arbeiterzahl wird berechnet, indem dies Gesamtzahl der Arbeitstage, die von den Arbeitern des Betrieb. in dem dem Veranlagungszeitraum vorangegangenen Rechnungsjahre geleistet wurden, durch 300 geteilt wird. Bei den gegen Gehalt oder Vergütung beschäftigten Personen entspricht ein Jahr 300 Arbeitstagen. Besteht der Betrieb noch kein volles Jahr, so wird die Gesamtzahl der geleisteten Arbeitstage durch die Zahl der in die Betriebszeit fallenden Arbeitstage geteilt. Als Arbeiter im Sinne dieser Bestimmungen gelten alle in einem Gewerbebetriebe beschäftigten, der Reichsversicherungsverordnung unterliegenden Personen(Arbeiter und Angestellte). Mitgerechnet werden auch solche von hiefigen Betrieben beschäftigten Personen, die zu auswärtigen Arbeiten(Montage usw.) zeitweise von der Arbeitsstätte im Gemeindebezirk entfernt sind, es sei denn, daß diese Arbeiter an keinem Tage des für die Veranlagung maße. gebenden Zeitraums im Gemeindebezirk gearbeitet, haben. S 7. Die Schulbeiträge sind halbjährlich am 1. Juli und am 1. Januar fällig und an die Gemeindekasse zu zahlen. § 8 ! Die Schulbeiträge sind Kommunalabgaben im Sinne des Gesetzes vom 14. Juli 1893(G. S. S. 152). Das Rechtsmittelverfahren regelt sich nach §§ 69 und 70, die Bestrafung unrichtiger Angaben der Beitragspflichtigen nach§ 79 dieses Gesetzes. Durch Einspruch und Klage wird die Verpflichtung zur Zahlung der Beiträge nicht anfgehalten. § 9 Die Schulbeitragspflichtigen oder deren gesetzliche Verteter sind verpflichtet, auf eine von der zuständigen Behörde an sie gerichtete Aufforderung über bestimmte Tatsachen, die auf die Berechnung der Schulbeiträge von Einfluß sind, innerhalb einer ihnen gestellten Frist schriftlich oder mündlich Auskunft zu erteilen. §S 10 Wer eine nach dieser Satzung ihm obliegende Auskunft nicht oder nicht vollständig oder nicht rechtzeitig erteilt, wird, sofern nicht nach den bestehenden Gesetzen eine höhere Strafe verwirkt ist, mit einer Geldstrafe bis zu 20 Mark bestraft. 8.11 Die an dem Unterricht freiwillig teilnehmenden Schüler und Schülerinnen haben ein Schulgeld von 20 Mark(mindestens 5 Mark) für jede Halbjahrswochenstunde zu entrichten, sofern sie im Bezirk der Gemeinde Westhofen und von 30 Mark, sofern sie außerhalb dieses Bezirks wohnen. Das Schulgeld ist zu Beginn des Schulhalbjahres an die Kasse zu zahlen. S 12 Die Bestimmungen dieser Ortssatzung treten rückwirkend vom 1. Januar 1921 an die Stelle der Bestimmungen in den§§ 4 und 5 des Ortsstatuts vom 1. Oktober 1919. Die nach diesem Ortsstatut für die Zeit seit dem 1. Januar 1921 bereits entrichteten Schulbeiträge werden auf die nach dieser Satzung zu entrichtenden Schulbeiträge angerechnet. Westhofen, den 26. September 1921. Der Amtmann: Der Gemeindevorsteher: gez. Arndt. gez. Elison. # Genehmigt. Arnsberg, den 13. Dezember 1921. Namens des Bezirksausschusses, Abteilung 1. (L.S.) Der Vorsitzende: I. V. gez. Unterschrift. Wird veröffentlicht. 4 Westhofen, den 6. Januar 1922. Der Amtmann: Arndt. besetigen Sie schuel Eckolda F. 11s6ädlich für und gründlich nur mi Sirotc!— u. Haustiere. Zu haben in Drogerie Max Mehlhose. I 3 dasslustige vortragsbuch! Wieder vorrung. Preis:„Gebunden Mark 24.20 was deutscher Humor jemals geschaffen hat! Beiträge von mehr denn 30 Schriftstellern: darunter Greins, P. Keller, Löns Rosegger, Wedekind usm gse Dachhandlung k. Braus. P7 — S%aan sgn SSaan BATERAS Erst ein Kesseltreiben mit viel Geschrei und ebensovielem Geschieße und leidlicher Strecke. Rentier Kloppmann, der im ganzen nur neun Patronen„von wegen die Sparsamkeit“ mitgebracht hatte, hatte bereits fünf ohne Resultat in die frische Winterluft verknallt, als sei er zum Salutschießen für irgendein irgendwo stattgehabtes freudiges Ereignis angestellt worden. Noch sagte aber bei Beendigung des Treibens keiner der drei etwas, obgleich Kloppmann bereits sein trauriges und bekümmertes Jagdgesicht machte. Niemand reagierte darauf. Mochte der alte, reiche Geizkragen sich Patronen genug kaufen und zur Jagd mitbringen! Da trat nach dem zweiten Kessel ein„Neuling“ an den Rentier heran und fragte ganz harmlos: „Haben Sie vielleicht ein paar Nr. 3 übrig, Herr Kloppmann?“ „Ja, danke sehr, geben Sie nur her, habe mich schon total verschossen!“ „Wie? Sie haben mich wohl falsch verstanden, ob Sie——„J————ch?“ staunte Kloppmann den anderen an,„nein, ich kann mir den Luxus nicht leisten, Herr! Wenn mir selbst nicht ein paar mitleidige Weidgenossen aushelfen, dann muß ich auch die Jagd aufgeben.“ Dabei sah er die drei in seiner Nähe stehenden„Verschworenen“ gar traurig an, und als sie sich erkundigt und erfahren hatten, was der Quell seiner Niedergeschlagenheit sei, da überboten sie sich in Anerbietungen, ihm mit Patronen aushelfen zu dürfen. Sichtlich gerührt und dankbar nahm er das Anerbieten der drei Freunde an und hatte nun nach kurzer Schätzung mindestens 30 Patronen in seiner Jagdtasche. Das nächste Treiben, ein Vorstehtreiben, begann. Kloppmann äugte durch seine runden Brillengläser ins Stangenholz. Ha— da kam ein Hase angehockelt, also los! Ein Dunst Federn flog vor den kurzsichtigen Augen Kloppmanns herum; er dachte, es sei das Hasenfell, aber das Biest lief davon, kam, von den Treibern aufgejagt, wieder, Kloppmann kuallte von neuem, Hasenwolle flog, und der Hase sauste durch Kloppmanns Beine durch. Da surrte ein Haselhuhn heran, bäumte dicht vor Kloppmännchen auf, er schoß, Hasenwolle flog auf, er schoß seinen zweiten Lauf ab, Federn flogen und das Biest mit. Und so ging es weiter. Nach jedem Schuß war der kleine Rentier in eine Wolke von Federn oder Hasenwolle eingehüllt, nur lief oder flog das dumme Viehzeug immer wieder davon. Er war suchsteufelswild und begann sich erst beim Frühstück— Fleisch, Kohl und Kartoffeln durcheinandergekocht— mit Glühpunsch wieder etwas zu erholen und zu beruhigen. „Tagen Sie mal bloß, Herr Kloppmann, was haben voraussetzen, daß eine bestimmte obere Begrenzung der Atmosphäre vorhanden ist, was für unser Wissen der Wirklichkeit nicht entspricht. All: diesbezüglichen Untersuchungen haben, wie K. Boll im„Prometheus“ ausführt, zu der Feststellung geführt, daß es eine solche bestimmte Grenze nicht gibt, sondern daß vielmehr die aus einem Gemisch verschiedener Gase bestehende, uns umgebende Luft allmäßlich in den interplanetaren Raum übergeht. Es gilt also, den Begriff der Erdatmosphäre künstlich zu begrenzen, indem man dieselbe nur bis zu jener Höhe betrachtet, aus welcher durch Erscheinungen der einen oder der anderen Art Mitteilungen oder Zeichen zu uns gelangen. Zwei Kräfte wirken auf die in der Luft befindlichen Gasmoleküle hauptsächlich ein: die Gravitation, das ist die Kraft, die das Molekül dem Zentrum der Erde zu nähern sucht, und zweitens die durch die Umdrehung der Erde hervorgerusene Fliehkraft, die das Molekül vom Zentrum weg nach außen zu bewegen sucht, also der Gravitation entgegengesetzt ist. die Gravitation mit zunehmender Entfernung von der Erde immer kleiner, die Fliehkraft hingegen immer größer wird, muß man schließlich zu einer Stelle gelangen, wo die beiden Kräfte sich in ihren Wirkungen aufheben. Die in noch größerem Abstand befindlichen Moleküle sind nicht mehr direkt der Gravitation unterworfen, sind also für die Erde lichtlos geworden. Bei Berechnung der Höhe der Erdatmosphäre ist also nur jene Atmosphäre gemeint, die noch unter die Wirkung der Gravitation fällt. Da nach den Forschungen von M. v. Smoluchowski die Höhe dieser Grenzschicht noch immer am Aequator 35 600 Kilometer, an den Polen 21 600 Kilometer beträgt, muß schließlich der Wissensdurst noch weiter herabgemindert werden, indem man als Höhe der Erdatmosphäre jene Höhe zu ermitteln sucht, von deren Vorhandensein wir noch direkte Kunde zu erhalten vermögen. Diese Kunde wird durch Lichterscheinungen vermittelt. Bereits im 12. Jahrhundert bemühten sich arabische Astronomen, aus dem Ende der Dämmerung, d. h. aus dem Verschwinden des von den höheren Schichten der Luft reflektierten Sonnenlichts, die Höhe der Erdatmosphäre zu berechnen. Die neuesten Versuche folgen derselben Methode, wobei die Genauigkeit allerdings sehr von der Reinheit der untersten Luftschichten und von der Zahl der in höheren Schichten enthaltenen lichtreflektierenden Teilchen abhängt. Der Durchschnitt der Untersuchungen ergab für die Höhe der äußersten lichtreflektierenden Schichten 63 Kilometer. Die interessaniesten Messungen wurden an den Polarlichtern versucht. Die von den verigen Sie mal bloß, Herr Kloppmann, was haben wurden an den Polarlichtern ver Sie für mertwuroige Patronen? Geben Sie doch mal schiedenen Forschern angegebenen eine her!“ meinte der Jagdherr fröhlich, polkte sie mit dem Messer auf und fand— Hasenwolle statt Schrot darin, in einer anderen— Federn!„Aber mein Bester, Sie hätten doch lieber Schrot, hartes Schrot reinladen sollen— oder hat man Sie mit den Patronen angeschmiert?“— In dem nun entstehenden Wirrwarr hörte man Kloppmanns Antwort nicht. Resultat: Er pumpte nie mehr jemanden um Patronen an. Zahlen schwanken, Wie hoch ist die Erdatmosphäre! Die Frage nach der Höhe der Erdatmosphäre, die mit der Kenntnis zahlreicher im Himmelsraum wahrnehmbarer Lichterscheinungen vieljach zusammenhängt, ist in direkter Weise überhaupt nicht zu beantworten, wenn man sich nicht vorher darüber einigt, was man eigentlich als Erdatmosphäre bezeichnen will. Der Ausdruck„die Höhe der Atmosphäre" würde kann man nach Gyllenskiönd für die Durchschnittshöhe 110 Kilometer annehmen. Nur in Ausnahmesällen wurden Nordlichter in Entsernungen von 210 Kilometer und darüber beobachtet. Schließlich geben uns auch die in klaren Nächten zu beobachtenden Sternschnuppen Kunde von der Höhe der fraglichen Erdatmosphäre. Die Sternschnuppen werden beim Eintritt in die Gashülle der Erde durch den Reibungswiderstand zum Glühen gebracht, und aus gleichzeilig von mehreren weit auseinanderliegenden Standorten angestellten Bobachtungen läßt sich die Höhe dieser Erscheinung berechnen. Der Mittelwert für das erste Aufleuchten wurde von der Berliner Sternwarte mit 180 Kilomeier angegeben. Da andere Forschungen weit niedriger gingen, bezeichnet Boll als Mittelmaß hierfür 130 Kilometer. Wenn man alle gemachlen Angaben zusammenfaßt, kommt man also zu dem Schlusse, daß die Erdatmesphäre noch in einem Abstand von 200 bis 300 Kilometer von der Erdoberfläche eine zur Auslösung optischer Erscheinungen genügende Dichte aufweist, also bis zu dieser Höhe für unsere Begriffe noch als eigentliche Atmosphäre bezeichnet werden kann. • S 8 Sg5 S 895S3 8 8355 ESSS # Tas.9. *# 5 S RTANR 93 S:* Soss:s S S665SAE FäSsSaas Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General=Anzeiger für den Kreis Haupt-Annoncenblatt. Unterhaltungs=Geilage zu Nr. 9 Mictwoch, den 11. Jannar 1922 * 19 7 lärtcher Roman von Mar Esch. i3. Zortsetzung.) (Nachdruck verboten.) „Aber vielen Aerger und Verdruß wirst du davon haben, was deinen Nerven durchaus nicht dienlich ist," gab die Mutter zu bedenken,„Du regst dich jetzt bereits über jede Kleinigkeit maßlos auf.“ „Ach was,“ gab Egon zurück,„ohne einbißchen Abwechslung wäre das Leben hier auf Wossin ziemlich langweilig. Etwas Aerger ist mir ganz dienlich, denn er regt meine Nerven angenehm an. Niemals fühlte ich mich wohler, als wenn ich vorher jemand recht tüchtig habe auszanken müssen. Auf den Aerger mit dem Müller freue ich mich jetzt bereits. Es ist übrigens an der Zeit, daß ich ihm die Kündigung zuschicke. Das muß bis spätestens den erst. n April mittels eingeschriebenen Briefes geschehen. Ich habe also bis dahin nur noch fünf Tage Zeit.“ „Und willst du den Streit, wenn der Müller nicht nachgibt, sondern sich verklagen läßt, bis zum letzten Ende durchsechten?" fragte die Baronin. „Ich glaube nur, daß es nicht viel durchzufechten geben wird,“ antwortete Egon. „Der Müller wird kommen und um einen neuen Vertrag bitten. Den kann er haben, wenn er zahlt, was ich will und das Ausstellen eines Dynamo in der Mühle gestattei sowie dessen Bedienung übernimmt.“ „Wenn du dich nur nicht täuschest, Egon,“ unterbrach die Mutter.„Ilgen hat Geld und besitzt einen zähen Charakter. Gutwillig fügt der sich nicht, sondern wird sogar bis vor das Reichsgericht gehen, denn er wird annehmen, daß du nach dem Vertrage die Mühle wirklich umbauen müßtest, um einen vorzeitigen Kündigungsgrund zu erhalten. Gesetzt den Fall, daß er zur Räumung verurteilt würde, wird er dir fortwährende Scherereien bereiten, wenn du die Mühle wieder weiter vernachtest. „Nun, beste Mama,“ schloß Egon jede weitere Erörterung der Angelegenheit ab,„wir werden ja sehen. Ich werde die Kündigung sogleich schreiben, denn solche nützlichen Dinge soll man sofort erledigen. Du entschuldigst nun wohl deinen großen Jungen, Mamachen, zumal du alles erfahren hast, was sich heute auf Wossin ereignete.“ Galant beugte er sich, nachdem er vor den Stuhl der Mutter getreten, über deren zum Abschiede gereichte rechte Hand und küßte sie.„Auf Wiedersehen zum Abendessen, Mamachen.“ Dann war er gegangen. „Das wird mir nun aber doch zu bunt!“ rief mehr belustigt als ärgerlich die Zofe der Baronin aus, als ihr von dem eben die Treppe hinaufgebenden anderen Stubenmädchen etwas zugestüstert worden war.„Was sich der Mensch nur einbildet, daß er mir sagen läßt, die Kiara solle mal zu ihm kommen, er habe ihr was zu sagen.“ „Ob er gerade gesagt hat, du sollst oder möchtest runterkommen, weiß ich nicht mehr genau,“ gab die andere zurück. „Dann ist das freilich etwas anderes, denn so weit bin ich mit dem Ehlert doch noch lange nicht, daß er sich herausnehmen könnte, mir etwas zu befehlen," ließ sich Klara vernehmen. „Tue nur nicht so,“ neckte das Stubenmädchen, „Ehlert ist ein schneidiger Mensch, und als Frau Försterin hättest du an seiner Seite nichts auszustehen.“ Geringschätzig erwiderte die andere:„Pah, als ob es nicht noch ganz andere Partien für mich gibt. Noch ist der Ehlert nicht Förster. Wer weiß, ob er überhaupt lange hier ist. Wenn ich dem gnädigen Herrn sage, daß er mir nachstellt, wird er wohl die längite Zeit auf Wossin gewesen sein.“ „Schneide nur nicht auf. Cin jedes ehrliche Mädchen sollte sich freuen, wenn ein Mann wie Ehlert es zur Frau begehrt!“ gab spitz das Stubenmädchen zuruck. „Du bist doch auch nichts anderes wie ich, bist man auch nur ein Tagelöhnertind. Worauf bildest du dir denn so schrecklich viel ein? Du solltest froh sein, daß der Ehlert dich haben will!“ Ohne eine Antwort abzuwarten, war das Stubenmädchen davongeeilt, die wie mit Blut übergossene Zofe allein auf der Treppe steyen lassend. Zornbebend fragte sich Klara, was das Stubenmädchen mit ihrer Anspielung eigentlich bezwecken wollte. Ob es etwas Näheres wußte? Doch pah, sagte sich, das junge Mädchen, was kann Auguste wissen. io mag sie es doch ruhig wissen, daß mir der gnädige Herr gut ist, das ist doch keine Sunde. Freilich, heiraten tut er mich nicht, aber mein Gutes werde ich daraus schon ziehen und zu weit werde ich nicht gehen, dann bleiben einem Aerger und Enttäuschungen erspart. Als sie mit ihrem Gedankengange so weit gekommen, huschte Klara leichtsüßig die nach dem Parke führende Treppe hinab. Weite Rasenflächen, auf dem Gehölz= und Blumengruppen für die nötige Unterbrechung sorgten, wurden von alten Bäumen umsäumt. Von der Freitreppe aus zog sich jenseits des Fahrweges ein aus Linden gebildeter dicht verwachsener Laubengang um ein Rosarium halbkreisförmig dahin. Eine milde Luft schlug dem jungen Mädchen entgegen, als es die Freitreppe betrat, doch es achtete weder darauf. noch auf das landschaft6 G#StS S 8 S 5 2 S 5 C 5 25 55 8 8 ** 6 S#ELE OUT 5 *S 2* 2 2 0FHE S:s„„ 9 85 BESLSE SSEESS 50 80 5 15 S 5 5 ∆ 35 83 # * S 50 i5 11 lich schöne Bild, das es von der terrassenartigen Freitreppe genaß. Wohl schweiften die Blicke suchend umher, aber nicht den getinesten Eindruck rief das Bild stillen Friedens in dem jungen Mädchen hervor. Aergerlich stampfte Klara auf, denn Ehlert, der sie hierher bestellte, war nirgend zu erspähen. Erst nach einiger Zeit, als die Zose sich bereits anschickte, ins Haus zurückzueilen, gewahrte sie den jungen Mann in dem Laubengange auf sie zukommend. Behend schlüpste Klara in den Gang, Ehlert langsam entgegengehend. Merkwürdigerweise schienen es beide mit dem Zusammentressen gar nicht eilig zu haben, denn nur langsamen Schrittes, oftmals zögernd, näherten sie sich einander. Ehlerts Züge trugen einen finsteren Ausdruck, als er bei dem jungen Mädchen angelangt war, aber auch Klaras Mienenspiel deutete auf Sturm. „Klara,“ redete der junge Mann das Mädchen an, indes seine Rechte krampfhaft den Hirschfängergriff. an seiner Seite umspannte, als wollte er den Siahl ziehen und der vor ihm Stehenden in die Brust stoßen. Drohend schossen seine Augen zornige Blitze nach dem Geschöpfe hinüber, das es mit seiner blendenden Schönheit ihm angetan hatte und von dem er nicht lassen konnte, trotz allem, was er über die Zose erfahren. Zu wiederholten Malen sagte sich der Mitte der zwanziger Jahre stehende Forstgehilfe, daß das junge Mädchen falsch sei und nur sein Spiel mit ihm treibe, es überhaupt nicht wert sei, daß er ihm seine Liebe antrage, wohl führte er sich eine ganze Menge Vernunftgründe vor Augen, die auch so lange Stand hielten, bis Klara vor ihm stand und ihn mit ihren Sirenenaugen in ihren Bann sching. Er konnte nicht anders, war er doch wie verhert von dem jungen Mädchen. Heute aber wollte er sich nicht wieder blenden lassen, sondern der Treulosen deren Verworsenheit vorhalten. Aber jetzt, da Klara in ihrer strahlenden Schönheit vor ihm stand, waren alle Vorsätze wie weggeweht. Ueber das Wort „Klara“ kam er vorerst nicht hinaus. Seine zornige Miene glättete sich, und erst nach geraumer Zeit kam es zgernd über seine Lippen: „Ich habe dich rufen lassen, da ich mit dir etwas Ernstes zu bereden habe.“ Das Mädchen sah seinen Begleiter— beide waren Pritten— von der wohl sein könnte. sofort Ausdruck:„Da bin ich 7¾ dem La laub Seite an und gange weiter geschr fragte sich, was gab dem Gedanken in der Tat gespannt, denn ich wüßte nicht, was das sein könnte.“ „Du wirst es sofort erfahren. Ich sah vorhin vom Parke aus, was sich in der Slube des Barons ereignete," vorwurfsvoll brachte Ehlert es über seine Lippen, indes seine Augen einen unsäglich traurigen Blick nach dem zungen Nädchen hinübersandten, das heftig erschrocken mit brennend rotem Kopfe stehen blieb und Ehiert anstarrte, als müsse es sich erst besinnen, was das zu bedeuten hätte. Dann lachte Klara greil auf, denn noch wollte sie es nicht glauben, was Ehlert da soeben erzählt. Sie vermutete darin vielmehr eine List, die Ehlert anwenden wollte, damit sie sich seinen Liedesbeteuerungen zugängiger erweise, aber so leicht sollte er sie nicht überrumpeln. Hatte der Forstgehilfe die Szene im Arbeitszimmer des Barons wirklich beobachtet, stand es allerdings schlimm für sie, sie war dann seiner Gnade preisgegeren, denn wenn er ein Wort darüber verlauten ließ, würde sie auf dem Gute unmöglich werden und die Baronin jagte sie wohl gar Knall und Fall davon, wenn sie erfuhr, daß sie mit dem jungen Herrn eine Liebschaft unterhielt. Noch immer aber glaubte Klara, daß Ehlert nur auf den Busch geklopft Gebe. „Merkwürdig,“ sagte sie mehr für sich als an Ehlert ggewandt,„was das wieder für eine Geschichte sein wird.“ Eblerts Mienen verdüsterten sich wiederum, als er sah, wie seine Eröffnung anscheinend gar keigen Eindruck auf seine Begleiterin machte. War sie wirklich ein durch und durch verdorbenes, kokettes Wesen, voller Lug und Trug oder war sie vorher nur in einer Zwangslage gewesen und mußte die Küsse des Barons dulden? fragte er sich. Klarheit wollte und mußle er sich verschaffen, brüsk wandte er sich an das junge Mädchen: „Du hast dich von dem Baron küssen lassen und hast seine Liebkosungen stillschweigend erduldet! Das ist—“ „Halt!“ unterbrach Klara, an allen Gliedern zitternd, den leidenschaftlich Erregten. „Schrei doch nicht so. Der Baron dürfte dir das wenig Dank wissen. Komm, ich sehe, ich muß dir eine Aufklärung geben," setzte sie stoßweise hinzu, indes ihre Augen flehende Blicke zu ihrem Gegenüber hinübersandten. Fest hatte letzterer die Arme des jungen Mädchens gepackt und sah ihm forschend ins Antlitz, als wollte er deren geheimste Gedanken zu ergründen suchen. Nach einiger Zeit ließ er die Zitternde und anscheinend ganz Gebrochene los.„So komm,“ bemerkte er rauh,„und verteidige dich, wenn du nicht willst, daß ich dich für eine—“ Das junge Mädchen war indes mit ihrem Plane, wie es Ehlert zum Schweigen veranlassen könne, ins reine gekommen. Als Ehlert es anscheinend mit einem beleidigenden Schimpfworte belegen wollte, unterbrach es:„Nicht weiter, Ehlert. Ich gab dir noch kein Recht, in diesem Tone zu mir zu sprechen und bin dir über mein Tun deshalb also auch keine Rechenschaft schuldig. Aber es ist mir nicht gleichgültig, was du von mir denkst, deshalb will ich dir sagen, daß ich vorhin ganz unschuldig in die peinliche Lage gekommen bin. Der Baron hat mich einfach festgehalten und geküßt, und ich konnte mich nicht befreien, da er meine Hände festhielt. So, nun gehe und erzähle das jedermann. So war es und nicht anders. Und wenn du das nicht glauben willst, dann frage den Baron selber.“ „Und du hast ihm nicht zu verstehen gegeben, daß du dir das von ihm ganz gern gefallen läßt?“ fragte mißtrauisch Ehiert.„ 64 6 u. „Aber, wo denkst du hin, Eyiert. Ich vin ein ehrliches Mädchen,“ gab entrüstet Klara zur Antwort. „Mädchen, Mädchen," bemerkte zweifelnd Ehlert, an Klara herantretend, ihre Hände ergreisend und ihr in die Augen sehend, nachdem er ihren gesenkten Kopf nach oben gerichtet,„wenn ich dir trauen könnte. Ich liebe dich zum Rasendwerden und könnte sonst was anstellen, wenn ich daran denke, daß du mich betrügen könntest. Mädchen, wenn ich das herausbekäme, es gibt ein Unglück. Dann ist einer zu viel auf der Welt!" Bis ins Innerste ergriffen, zog er das junge Mädchen an seine Brust und küßte es. Schweigend duldete es Klara. Sie liebte Ehlert zwar nicht, wie sie überhaupt nicht fähig war, jemand aufrichtig zu lieben, dazu war sie viel zu egoistisch veranlagt, aber vorläufig war sie gerettet. Durch ihre veränderte Taktik hoffte sie sich wieder zur Herrin der Situation ausschwingen zu können, um dann bei passender Gelegenheit den Forstgehilfen als lästige Fessel abzustreifen. Sagte sie dem Baron ein Wort, würde der dem jungen Manne dessen Stellung kündigen, dann müßte er fort von Wossin und sie war ihn los, den Mitwisser ihres Geheimnisses. So duldete Klara die Liebkosungen Ehlerts, erwiderte sie aber nicht. Zein gewonnen, alles gewonnen, überleate sie. (Fertsetzung folgt.) — Denkspruch. Die Anschuld schmückt mehr als Gewand von Seide, und FrohAnn mehr als Glanz der Eitelkeit. Seume. gute A1 Von Ferd. Willy Wingolf. (Nachdruck verboten.) Der Stammtisch„Quassellröte“ war wieder einmal vollzählig beisammen. Man redete über dies und das. In erster Linie aber über die Jagd, zu der ein alter, in der Stadt lebender pensionierter Oberst alle eingeladen hatte, von denen er wugte, daß sie ein Gewehr besaßen. Nur solche Schützen pflegte er nicht mehr einzuladen, die„durchzuziehen“, das heißt: hinter dem Wild herzuschießen pflegen, wenn es die Schützenkette durchbricht. hatte er satt bekommen, da ihn ein in die Stadt zugezogener Arzt, den selten jemand konsultierte, einmal kräftig in die Beine geschossen hakte. „Menschenskind,“ hatte der alte Herr damals im heiligen Zorn gerufen,„wenn keine Patienten zu Ihnen kommen, dann erschießen Sie sich wohl welche? Suchen Sie sich aber in drei Deibels Namen Ihre eigenen Beene und nicht die meinigen aus, und damit pfefferte er in seiner hellen Wut dem ganz verblüfft dastehenden und an allen Gliedern zitternden Medikus eine Ladung Schweinsborsten, von denen er immer ein paar damit geladene Patronen bei sich führte, in die Hosen, daß der hochsprang wie ein angeschossener Hase und sich seitdem bei einem solchen„Raubtier“, wie er den alten Oberst von da ab nannte, zur Jagd nicht mehr einfand. „He, Doktor,“ rief der Oberst jetzt gutmütig dem Arzt über den Tisch zu,„seien Sie man nicht schon wieder tückisch! Zur Schüsseljagd sind Sie mir stets ein sehr willkommener Gast, denn die Truulfestesten von allen, „Recht so, darf ich mithalten?“ „Wenn Sie schweigen können, wie das Grab!" „Ei ei, so toll soll's mal wieder werden?“ * Nein, aber— pscht— Mandermann, nichts ausplauschen!“ wehrte der Adjutant den Forstassessor ab. „I wo werde ich, aber———— Die anderen hatten aufgehorcht und sahen sich nun ein wenig verdutzt an. Denn daß die drei mal wieder was aushecken wurden, war totsicher, und um der Sache jetzt schon genauer auf den Grund zu gehen, fragte der Bürgermeister ganz harmlos: „Soll ich meine Polizeisergeanten oder Nachtwächter etwa instruieren, an einem bestimmten Abend eine bestimmte Stadtgegend zu meiden?" „Aber Herr Bürgermeister!“ riefen pie drei der Jugend, und der Gerichtsassessor setzte ganz pikiert hinzu: „Wie können Sie nur so etwas denken, Herr Bürgermeiter... Si. u. a V. Snmitusgeschichte „Na na, wissen Sie noch die Ommousgeschichte von damals, als die Einquartierung hier war?" „Jaaaah— damals, das war auch die Einquartierung!“ W 469 i an „Gewiß, unter Ihrer brrsründigen, genialen Fuhrung Man erhob sich. 4 6416 „Also, Heer Apotherer, in einer halben Stunde!“ rief der Forstassessor, und nach Verlauf dieser Zeit trat jeder der drei Herren mit einem ziemlich großen Paket die selbst alte studierte Semester glatt unter trinken, sind doch wir beide! Prost!“ isch Der Arzt brummle erst etwas in seinen strubbe„Will sehen, ligen Bart, hob dann sein Glas und knurrte: was sich tun läßt.“, „Na na, so schlimm wiro's mit Ihren Patienten nicht sein!“.... Ii am5 um e n k. em 2. Damit war die Hechelei zwischen den beiden abgeschlossen, und sie vertrugen sich wieder. Am unteren Ende der Tafel saßen stets die Nichtsnutze. Es war die Jugend, die aus dem Bezirksadintanten, dem Forst= und Amtsgerichtsassessor bestand. Diese Herren machten trotz ihres Alters— sie waren alle schon um die 30 herum— stets sehr niedliche kleine Scherze und steckten auch heute wieder einmal die Köpfe lachend zusammen und zischelten und tuschelten leise untereinander, daß der dicke Apotheker ihnen mit dem Finger drohte und in seiner dröhnenden Baßstimme zurief: „Jugend, was macht sie da?“ „Wir konspirieren!“ „Oh oh! Auf wen geht's denn?" „Auf Sie selbst.“ „Hm hm, sehr schmeichelhaft!“ grunzte der dicke Herr und wußte nicht recht, was er nun weiter sagen sollte, denn mit der Bande war nicht gut Kirschen essen, wenn sie was vorhatte. „Nur keene Bange nich,“ tröstete ihn der Forstassessor,„wir wollten nur nachher, wenn die soliden Semester und Philister heimwärtswanken, um in die Arme ihrer teueren Ehehälften zu sinken und ihnen den neuesten Stadtklatsch vorzusetzen, den sie hier empfangen haben, ihrem gemütlichen Probierstübchen einen kleinen Besuch abstatten und da so'n warmes pommersches Punschböwlechen trinken.“ gegangen sein? Die Jagd begann. beim Apotheker ein. Der Forstassessor trug noch einen Hasenbalg bei sich, und der Leutnant ein noch ungerupftes Huhn. Bald saßen sie hinter den dampfenden Gläsern und begannen dabei ihre Schrotpatronen selbst zu machen, wie das damals allgemein üblich war. Was sie mit der herumliegenden Hasenwolle und den Federn des geschlachteten Sperberhuhnes machten, das sah wohl der dicke Apotheker und erfuhr auch, was weiter geschehen sollte, aber bei seinem giftmischerischen Seelenheile hatte er den dreien hoch und heilig schwören müssen, das Geheimnis tief in seinem Busen zu bewahren. Aber gelacht hatte er doch, daß ihm die Seiten weh taten und die wabbeligen Fleischlappen seines feisten Gesichtes nur so hin und her wackelten, als er hörte, was wieder mal los sein sollte. „Sagen Sie mal,“ unterbrach der Adjutant die Stille, die im Zimmer herrschte, und somnit auch die emsige Arbeit,„weiß einer genau, ob der Rentier Kloppmann auch wirklich zur Jagd eingeladen ist und auch kommt? Denn für„lau“ möchte ich hier auch nicht arbeiten.“.. 6u „Gewiß kommt er, ich weisr es ganz genau; denn er hat mich schon gefragt, ob ich die Schützen wieder anstelle, wie jedes Jahr,“ antwortete der Forstassessor. „Und mir hat er wieder etwas von„zu teueren Patronen“ vorgeklöhnt. Wenn die billiger wären, könnte man sich öfter die Freude einer Jagd gönnen; ja dann würde er sogar den Gedanken erwägen, sich selbst eine Jagd zu pachten, dazu haben tät er's ja,“ fügte der Apotheker mit breitem Schmunzeln hinzu.„ „Also arbeiten wir nicht für„lau“, wie Sie, Herr Leutnant, es soeben so schön ausgedrückt haben.“ Endlich war die Arbeit getan, und mit patronengefüllten Taschen und etwas schweren Köpfen von der recht gut geratenen Punschbowle verließen die drei das apothekerliche Geheimkabinett und wanderten seelenveranigt bein.„. Gagd angebrochen. De. ForstNun war der Tag der Jagb ungrerschen. Der Forstassessor hatte, um den Schein der Ehrlichreit zu wahren, für alle 24 Schützen Lose aus Papier angefertigt, und so zog ein jeder seine Nummer. Merkwürdig war nur