“ 4 7IN A Die„Schwerter Zeitung“ erschein säglich auf ##entage. Bezugspreis monatlich 14— M., de der 7 o 14— M., obie Bestellgeld. Anzeigen eise Die 1 min hobe. 35 mm breite Jei „auswärts 1. M. ei Wiederho audgrachencter dadlich u. Tatl, Joeden Rahll. eill als Kassenrabalt und erlischt bei Konkursen. zwangsvergleichen, gerichtlichen Klagen u. Nichtbeachten de gemachten Jahlungsbedingungen. Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oolkszeitung 2 5 77 Westhofener Zeitung Azlerdecker Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Dolksblatt Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Holzwickeder Zeitung Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die Shputer Zeituuf grmtbet hem nenten für jeden mit Tod endenden Unfall gewüß rrs de. 500 Mark Unfall. Mogenges Druch u. Verlag o. Carl Bravo. Schwerte(Rotze) Feensprech-Anschluß Nummer 62. Telegraunn=Abresse: Braus, Schwerse Postscheckn.: Dornmund:8 2, Hannover 21874. Nr. 7 Montag, 9. Januar 1922 55. Jahrgang Das Ende der Revanche=Entente. Die chauvinistische Strömung in Frankreich hat sich mit einer Leidenschaft auf die auswärtige Politik gestürzt, wie noch niemals seit dem Ende des Weltkrieges. Sie nimmt keine Rücksicht darauf. daß Lloyd George und Briand in Cannes mit dem Obersten Rat der Entente tagen, sondern plaudert die geheimsten Gedanken der„Seele Frankreichs" gegenüber England mit einer Offenherzigkeit aus, die nichts zu wünschen übrig läßt. Es ist eine Art Quittung auf die Aeußerung des Ministers Balfour in Washington, daß die Londoner Regierung in den militärischen und maritimen Maßnahmen Frankreichs eine Bedrohung von Großbritannien erblicken müsse. In der Pariser Presse wird trocken herausgesagt, daß die 1904 von König Eduard und Delcasse eingeleitete alte Entente mit dem Waffenstillstande von 1918 ihr natürliches Ende gefunden und seitdem eine neue Entente begonnen habe. Das heißt mit anderen Worten, daß Frankreich die Protektor=Rolle Englands und seine eigene Schützlings=Rolle als beendet ansieht und sich Großbritannien gegenüber mindestens als gleichwertig, wenn nicht gar als überlegen betrachtet. Die Franzosen halten sich für stark genug, dies Ziel mit-ihren Gefolgsstaaten, Belgien, Polen, Tschechei, Südslawien usw. allein zu erringen, sie pfeifen auf die„Ruhe in Europa“. Das Bündnis, das Briand mit den Briten in Cannes perfekt zu machen wünscht, sieht in den Köpfen seiner Landsleute so aus: England soll den französischen Besitz von heute garantieren, soll aber Frankreich nicht hindern, seinen Umfang nach Möglichkeit zu vermehren. Wird die französische Nation beruhigt sein, wenn sie durch Güte oder Gewalt ebensoviele Seelen zählt wie Deutschland? Wohl kaum! Sie wird dann irgend etwas anderes ausfindig zu machen, aber zufrieden wird sie nie sein. Wenn in einem neuen französisch=englischen Vertrage unzweidentig festgesetzt würde, daß das deutsche Rheinland von allen Okkupationstruppen zu räumen sei, weil dies Gebiet militärisch für neutral erklärt werden solle, so könnten wir uns damit einverstanden erklären, denn an einen deutschen Angriff auf Frankreich ist nicht zu denken. Aber wenn auch noch so viel über diese Angelegenheit gesprochen und geschrieben werden wird, so dürfen wir doch nicht früher mit der Möglichteit rechnen, als bis wir die betreffende ereinbarung schwarz auf weiß vor uns sehen. haen mich evensowenig Gründe, auf den Klan einer internationalen Kredit=Gesellschaft große Erwartungen zu setzen, bis wir nicht darüber beruhigt sind, daß die Elle nicht länger wird als der Kram. Alle Unternehmungen, an welchen Frankreich beteiligt ist, dürfen wir nicht anders einschätzen, als Frantreich uns selbst beurteilt. Engländer gegen die Schuldüge. In der Novembernummer setzt die bekannte englische Zeitschrift„ho:“ zn Affairs“ den Kame# gegen die Schuldfrag; mit verschiedenen nertvollen Beiträgen tort. Mit der ihm eigenen Klarheit und Kraft saßt der Herausgeber Morel in einem Hauptartikel alles zusummen, was gegen die Genfer Entscheioung über Oberschlesien gesagt werden kann, und zeigt, daß auch dieses Fiasko der englischen Politik, im letzten Grunde in der Schuldlüge wurzelt. Er schreibt: „Die Folgen einer dreiljährigen unrechten, schwankenden und falschen Auslandspolitik Englands machen sich nun in der Tat bemerkbar. Und die Grundursache bleibt, was sie immer war. Der Krieg war„ein deutsches Komplott". teuflisch geschmiedet gegen ein friedliches Europa. England insbesondere war„ungerüstet",„völlig überrascht". Ein Volk, das imstande war, so übermenschlich böse Heirscher zu besitzen und sie im Krieg zu unterstützen, muß„gestraft“ werden, so daß„nie wieder“ usw. Die Schuldluge fährt Ein teilweiser Zahlungsaufschub. Cannes, 7. Januar.(Reuter). Die Konferenz beschloß, Deutschland unter noch festzusetzenten Bedingungen für einen Teil seiner Zahlungen Aufschub zu gewähren. Der Beschluß des Zahlungsaufschubes an sich bedeutet weder etwas Ueberraschendes noch etwas für Deutschland entscheidend Günstiges. Es durfte als ziemlich selbstverständlich(weil zwangsläufig) gelten, daß die Entente die offenkundige deutsche Zahlungsunfähigkeit, mit deren Eintritt das Lond wer Ultimatum eben bereits praktisch über den Haufen geworfen war, schließlich auch irgendwie anerkennen mußte. Einen Toten macht man durch gutes Zureden und lebhaften Druck nicht lebendig, einen Bankerotten nicht zahlungsfähig,— und so blieb den Weisen Ministerpräsidenten jeder Nation an dieser Konferenz teilnehmen. Die Konferenz soll geeignete Mittel suchen, um die Wiederaufnahme des internationalen Handels und die Entwickelung aller Hilfsquellen aller Länder sicherzustellen. Um dieses Ziel zu erreichen, sei eine gemeinsame Anstrengung aller stärkeren Mächte notwendig. Diese Anstrengung müsse sich erstrecken auf die Beseitigung aller Hindernisse politischer Art, die den Handel beeinflussen, ferner auf die Zuerkennung von Krediten an die schwächeren Staaten. Gewisse grundlegende Garantien seien für die Realisierung dieser Anstrengungen unerläßlich. Sie sollten aber die Souveränttät keiner Nation beeinträchtigen. Lloyd George habe als zweiten Grundsatz aufgestellt, daß, bevor fremde Kapinicht zahlungsfähig,— und so blieb den Weisen ie#ue zim. 9.25 von Cannes wirklich nichts anderes übrig als die###anen irgend einem Lande „ sinen Dahlungs, die Wcherheit hahen missse, Feststeuung, man musse in seinen Zahlungsansprüchen gegen Deutschland Geduld üben. Mit dieser Feststellung ist aber das für Deutschland Entscheidende noch keineswegs gesagt: welche Folgerungen werden die zu erwartenden Beschlüsse über diese Bedingungen noch bringen? Hierüber Einvernehmen zu schaffen, ist die eigentliche Hauptaufgabe der Canner Besprechung, soweit sie das Reparationsproblem betrifft; und erst die Kenntnis der zu erwartenden Beschlüsse über diese Bedingungen wird der deutschen öffentlichen Meinung gestatten, die Bedeutung des in Aussicht gestellten Teilmoratoriums zu beurteilen. Daß allendings für das Endurteil aller Pessimismus berechtigt ist, bestäitgt uns jeder Blick in die feindliche Presse. In Cannes wird um nichts weniger als um die Reste der deutschen staatlichen Selbständigkeit gefeilscht. Lloyd Georges vorschlag. Der Sonderverechterstatter von Hanas meldet: Der von Lloyd George vorschlagene Text über de Einberufung einer Wirtschaftskonserenz sieht die Zusammenarbeit de alliierte# Mächte, sowie Deutschlands und Rußlands vor. Die Konferenz sei für Februar, spatestens Anfang März geplant. Es sei zweckmißig, daß die ligt werd die Sicherheit haben müssse. d. rückgezahlt würden. Als dritte Garantie wird die Sicherheit der öffentlichen Schulden und der Verpflichtungen für die Vergangenheit und die Zukunft verlangt. Im dritten Teile des Vorschlages von Lloyd George wird von der Verpflichtung gesprochen, sich jeder Propaganda mit Bezug auf die Politik und das politische System anderer Länder zu enthalten. Ferner übernehmen alle Länder die Verpflichtung, keinen ihren Nachbarn anzugreifen. Der Schlußparagraph erklärt, daß die verbündeten Mächte zur Anerkennung der Sowjet=Regierung bereit seien, wenn die russische Regierung die im Resolutionsentwurf enthaltenen Bedingungen annimmt. Lloyd Georges erster Erfolg ist also der, daß er es fertig gebracht hat, die deutschen Zahlungsfagen, auf die Frankreich am hartnäckigsten erpicht war. als minderwichtig in den Hintergrund zu drängen und statt dessen seinen Plan einer allgemeinen natürlichen Gesundmachung des europäischen Wirtschaftslebens durch den Beschlaß auf Einberufung der internationalen Konferenz unter Teilnahme Deutschlands und Rußlands als das Wichtigste zuerst durchzudrücken. Das Weitere müssen wir abwarten. fort. die Quelle des Eisartigen Krebses zu sein, de an den Eingeweld'n Europas nagt. Und so greift sie weiter um sich und muß fortfihren, um sich zu greifen, bis die Menschen zur Venun kommen und die Quelle der Ansieckung erkennen: bis sie erkennen, daß be dammung und miht Seligkeit die Folge einer Politik sein muß, die ils ihre Grundlage, als ihre Entstehungsursache und je die Triebkraft die grüßte uuge hat, unalen der Geschehe schändete.“ In einem zweiten Artikel bespricht der bekannte englische Publiz#st und Volkswirt J. A. Hobson mit voller Zustimmung die Flugschrift des Prinzen Max:„Die moilische Offensive“, ren Ueversetzung ins Englische er für überaus wün chenswert hält. Er schreibt unter anderem: „In dem gemeinsten alle: Paragranhen des reich“ 1911 von Deutschland ohne Herausforderung überfallen worden sei. Wie Carlyle in seinem berühmten Brief an den„Temps“ vom Dezember 1870, meist auch Farrar an der Hand ne tlicher Tatfachen nach, daß nicht Deutschland eranfreich, sondern immer wieder Frankreich Deutschland überfalle und vergewaltige. Recht bemerkenswert ist in der Nummer vom„Foreign Affairs" noch eine Mitteilung, die der Sekretär der Dundeer Gewerkschaft der Jute= und Flachsarbeiter, Mr. Sime macht. Sime erzählt, daß 9 Bei dieser Debatte wird von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein das Buch des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Rittt: „Das friedliche Europa“, über das bereits seinerzeit die Presse eine Ankündigung gebracht und auch teilweise Zitate aus ihm veröffentlichte. Es mag aber gut sein, sich die interessanten Einzelheiten dieses Buches über die politische Lage Europas bis zum Jahre 1914 vor Augen zu stellen. Nitti zeigt, wie der K ieg mit Notwendigkeit aus den sich zuspitzenden Gegensätzen der Großmächte und aus den französischen Intrigen hervorgehen mußte. Wenngleich er auch den deutschen Imperialismus als etwas Beklagenswertes bezeichnet, so legt er doch die eigentliche Schuld der englisch=französischen Politik bei, die es verstanden habe, Deutschland und Rußland in einen Gegensatz zueinander zu bringen, der zum eurochen Konrlikt fühte. Die aktuelle Ursache des Krieges liegt nach Nitti in der agressiven Haltung Rußlands. Lediglich diese sei es gewesen, die die und slarische Bewegung angefacht habe. zemerkenswert ist hinsichtlich der englisch=französischen Kriegspolitik das Zugeständnis Nitti's, daß es oiesen Ländern an einer„wachsamen Demokratie“ gefehlt habe, uns daß alle Entscheidungen von einigen Einzelver sonen abhängig waren, die in srupelloser Weise die Völker in den Krieg gehetzt haben. Mit dankenswerter Klarheit bezeichnet Nitti weiter die Lüge von der Schuld Deutschlands um Kriege als die Grundlage des Versailler Vertrages und kennzeichnet diesen geradezu als eine „Form der Fortsetzung des Krieges". Während England und Italien in Versailles eine gewisse Mäßigung gezeigt hatten, habe Frankreich nur das eine Ziel verfolgt, Deutschland zu zerstückeln und seine Einheit zu zerbrechen. Indem man unerträgliche Lebensbedingungen geschaffen, Deutschland beraubt, sein Verkehrswesen zerstört und ihm ein Zwangsystem von Kontrollmaßnahmen auferlegte, habe man die Einheit Deutschlands zu zerschlagen versucht, habe aber damit nichts erreicht, sondern nur die politische und wirtschaftliche Lage ganz Europas zu einer vollkommenen Verzweiflung gebracht. Durch Zerstörung der Produktion sei ein großer Teil Eurovas unfähig zum Austausch und dadurch sei in der ganzen Welt, selbst in Amerika eine bedrohliche Krise entstanden und jeder internationale uerausch zwischen den einzelnen Staaten zerstört worden. Sehr bemerkenswerte Worte findet Nitti noch französische Politik und beont, der Sieg have Frinkreich sein größtes Prestige genommen, nämlich sein Prestige als demokratisches Land. Heute blicken alle Demoraten der Welt mit Mißtrauen und BesorgNr. Versailler Vertrages ist Deutschland gezwungen worden, ein Bekenntnis seiner alleinigen Schuld an dem Kriege zu unterzeichnen, obgleich die verbündeten Regierungen, die ihm die Erniedrigung aufbürdeten, wohl wußten, daß Deutschland damit eine Erklärung unterzeichnete, die es für falsch hielt, kein Wunder, daß das alle gebildeten Deutschen nicht ruhen läßt, die wohl wissen, daß sich die Schuld am Kriege auf alle Kriegführenden verteilt, daß auch die Verbündeten sich barbarischer Kriegführung und vieler Verlezungen von Recht und Verträgen schuldig machten, und daß sie durch ihre Presse einen planmäßigen Lügenfeldzug führten.“ In einem dritten Artikel bekämpft I. A. Farrar, der sich durch eine große geschichtliche Arbeit über die napoleonischen Kriege ausgezeichnet hat, „Die französische Kriegslegende", nämlit die Lüge, daß ein„friedliches und argloses FrankWinston Churchill(dessen Wahlkreis der von Dundee ist) ihm gegenüber geäußert habe, die Entschädigungszahlungen seien kein Vorteil für die britischen Arbeiter. Sie seien aber England von Frankreich aufgezwungen, das immer mehr zum„militärischen Dittator“. Europas werde. Die Aeußerungen von Churchill, den man kaum eigentlich einer Deutschf eundlichkeit bezichtigen kann, zeigen deutlich wie auch in maßgebenden englischen Kreisen die Unmöglichkeit des auf der Schuldlüge aufgebauten Versailler Verteiges anerkannt wird. nis Der uui Frankreich, das die größte Armee der unterhült und die kultiviertesten Städte schlands durch farvige Truppen besetzen läßt. Nitti zeigt sich auf das Ernsteste vor der Gefahr ner französischen Vorherrschaft in Europa besorgt, die er als besonders groß insieht, weil sowohl England wie Amerita sich immer mehr von europäischen Angelegenheiten zurückziehen. dur moralischen Kriegsschuldfrage. Die soeben von Th. Wolff im„Berliner Tageblatt" veröffentlichten Dokumente zur Kriegsschuldfrage sind so belastend für den Prüsidenten Poinrarte, daß sich die deutsche Oeffentlichkeit viel mehr denn bisher mit dieser Angelegenheit befassen sollte. Die Debitte über die moralische Kriegsschuld kommt in Zluß und wird gserade von deutscher Seite aus mit Sachlihkeit, Leiden= schaftslosigkeit, aber doch mur Zihirlett und Energie geführt werden müssen bis zum andgültigen Siege der Wahrheit. Der Moskauer Gesandtenmord. Karl Radek, der in der Sowjer=Regierung die Presse und Provaganda=Angelegenheiten zu versehen hat, hat sich in dieser Eigenschaft mahrfach über das Verhältnis zwischen Deutschland und Rußland geäußert. Man geht daher wohl nicht fehl, in der Annahme, daß dus, was Radek chriftstellerisch von sich gibt, die Meinungen und Auffassungen der Sowjet=Gewaltigen sind. Radek hat uns mehrfach mit guten Lahran versahem. Er hat mehrfach darauf hingewiesen, daß man doch nicht auf das politische Glubansbekonntnis der Leute sehen solle, denen man Unterhosen verkaufen wolle. Soichen Ansichten haben wie wohl zustimien können, und die deutsche Regierung selbst it örker erflört, daß sie sich nicht in die inneren Verhäln sse Rußzlands einmische, und der Güteraustausch zwischen Deutschland und Rußland fängt auch langsam an, sich zu beleben. Diese Herstellung der deutsch=russischen Verbindungen hat natürlich bei den inte#essierten Kreisen auf beiden Seiten den Wunsch geweckt, daß auch die offiziellen diplomatischen Verbindungen wiederhergestellt würden, damit eine feste rechtliche Unterlage geschaffen werden könne. Die Hindernisse haben nicht auf deutscher, sondern auf russischer Seite gelegen und eines der Hindernisse war die Tatsache, daß der Mord an dem deutschen Gesandten, dem Grafen Mirbach, der 1918 in Moskau erfolgte, immer noch ungesühnt geblieben ist. Es wird nun um so eigentümlicher berühren, daß ein Mann, wie Radek, dem an der Herstellung der deutsch=russischen Beziehungen etwas liegt, plötzlich in der„Prawda“ erklärt, daß die Frage der Sühne für die Ermordung des Grafen Mir. bach für Rußland indiskutabel sei. Die Frage sei erledigt. Eine solche Aeußerung bedeutet ganz zweifellos eine Brüskierung und entspricht in keiner Weise den Tatsachen. Es ist daher durchaus zu begrüßen, daß das führende Zentrum: organ, die„Germania", allem Anschein nach p ziös inspiriert, Herrn Radek eine Antwort zuteil werden läßt, die allgemeine Zustimmung finden kann. In dem angezogenen Artikel heißt es u. a.: „Entweder die Sowjet=Regierung ist gezwungen, nach wie vor Rücksichten auf diejenigen Elemente zu nehmen, die hinter den Mördern des deutschen Gesandten standen und noch stehen, dann ist sie eine eRgierung, die das Heft nicht in der Hand hat, und die für uns alsVerhandlungsgegner nicht die Garantie gibt, die wir von einer sich politisch reif haltenden Regierung verlangen müssen. Dann ist kein deutscher Vertreter davor sicher, ein Opfer der politischen Zwecke der Regierung zu werden, bei der er akkreditiert ist.“ Im anderen Falle ist die Sowjet=Regierung stark genug und sie will die Sühne verweigern, dann ist das gleichzeitig ein Zeichen dafür, daß sie auf die deutsch=russischen Beziehungen wenig Wert legt. In jedem Falle ist die jetzige Stellungnahme zu bedauern. Es kann nur gehofft werden, daß eine Aenderung des Standpunktes vorgenommen wird; daß in dieser Frage Klarheit geschaffen wird, liegt sowohl im Interesse Deutschlands als auch Rußlands sebst. Vorjahres, 76,1 v. H. Stärker als in den Vormonaten trug zu dieser Steigerung im Berichtsmonat die Erhöhung der Kosten für Heizung und Beleuchtung bei, während die Wohnungsmieten nur in verhältnismäßig wenigen Gemeinden anzogen. Daneben wurden aber auch weitere, teils beträchtliche Steigerungen für Lebensmittel festgestellt. Die Indexziffer für die Ernährungsausgaben allein ist um 174 Punkte oder 9,1 v. H. auf 2088 gestiegen. Zu der Erhöhung der Ernährungsausgeben trugen im Berichtsmonat fast sämtliche Lebensmittel bei. Die Preise für Brot, Nährmittel, Hülsenfrüchte und besonders Fleisch zogen erneut an, auch Gemüse, Kartoffeln und Eier wurden wiederum teurer. Die Preisbewegung für Fette war(bis Mitte Dezembe:) nicht einheitlich. die Ablieferung der Steuerkarten und Markenblätter. Der Reichsminister für Finan= zen hat unte: dem 20. Dezember 1921 auf Grund der Reichsabgabenordnung eine Verordnung erlassen, die jeden Arbeitnehmer verpflichtet, innerhalb des laufenden Monats seine Steuerkarte und Lohnmarkenblätter, welche für den in der Zeit vom 1. 4. bis 31. 12. 21 bezogenen Arbeitslohn durch Einkleben und Entwerten von Steuermarken verwendet worden sind, der für ihn zuständigen Steuerabgabestelle der Finanzkasse zu übermitteln. Anstelle des Arbeitnehmers kann auch der Arbeitgeber die Ablieferung der Steuerakrten der Markenblätter übernehmen. Weiter verpflichtet die Verordnung die Arbeitgeber zur ekanntgabe der Ablieferungspflicht der Steuerbücher durch Anschlag in den Arbeits= und Ge** Mandatsniederlegung. Herr Direktor Terbrüggen vom Nickelwerk hat sein Amt als Stadtverordneter niedergelegt, da seine beruflichen Pflichten ihn derart in Anspruch nehmen, daß er sich der Ausübung genannten Ehrenamtes nicht mehr in wünschenswertem Umfange widmen kann. Bekanntlich gehört Herr Direktor Terbrüggen dem Stadtverordneten=Kollegium seit langen Jahren an, früher als Stadtverordnetenvorsteher und im jetzigen Kollegium als Stellvertreter desselben. Sein Nachfolger im Stadtparlament wird Herr Stellmachermeister Fund von der Teichstraße. * Der Verein der Hundefreunde hielt im Restaurant„Zum scharfen Eck“ seine Jahresgeneralversammlung ab unter recht zahlreicher Beteiligung. Neben der Dressur der Hunde für Polizeizwecke gedenkt der Verein in diesem Jahre seine Fuchsbau=Anlage wieder in Betrieb zu setzen, um die Dressur auf Raubzeug aufzunehmen; vornehmlich soll mit Rattenwürgen begonnen werden, damit auch dadurch der Allgemeinheit gedient wird. Herr M. Balster, der seit Gründung des Vereins 1. Vorsitzender war, wurde in Anbetracht seiner Verdienste um den Verein zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Aus der Neuwahl Vorstandes gingen folgende Herren hervor: L. Müller, 1. Vorsitzender, W. Honsalek, 2. Vorsitzender, Fr. Saure, 1. Schriftführer, K. Kappert, 2. Schriftführer, R. Köster, 1. Kassierer, S. Friedrichs, 2. Kassierer, W. Böcker, Beisitzer. Der Verein gedenkt, sobald ein passendes Lokal sich findet, in diesem Jahre eine Ausstellung von Die volkshochschule Schwerte Steuer r für d Stadt und Schwerte, den 9. Janua#. *7 Des Winters Herrlichkeit hat nicht lange angedauert; in den gestrigen Nachmittags= und Abendstunden ist sie jählings zu Wasser geworden und mit den Rodelfreuden ist es vorläufig wieder vorbei. Unsere Straßen und Plätze sind mit großen Wasserlachen bedeckt und wer jetzt nicht ganz dichtes Schuhzeug hat, kann sich den schönsten Schnupfen holen. Ob der Vorrat von Frau Holle für dieses Jahr schon erschöpft ist? ** Ueber die Teuerung im Dezember 1921 teilt das Statistische Reichsamt mit: Obwohl durch die Steigerung der Kaufkraft der Mark zu Beginn des Dezember die Großhandelspreise zurückgingen, setzte sich die Auswärtsbewegung der Kosten der Lebenshaltung von November zum Dezember infolge des vorhergehenden Sturzes der Reichsmark weiter fort. Nach den Berechnungen des Statistischen Reichsamtes, denen die Ausgaben für Ernährung, Heizung und Beleuchtung der Wohnung nach dem Stande von Mitte Dezember zugrunde liegen, ist die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten vom November zum Dezember von 1397 auf 1550, demnach um 153 Punkte oder 11 v. H. gestiegen. Gegenüber Dezember 1920 beträgt jetzt die Steigerung 66 v. H. und gegenüber Mai, des billigsten Monats des e Zeit bis 31 3. 21 können auf die Einsungsjahr 1921 gemäß 48 des Einkommensteuergesetzes auch weiterhin an Lahiungsstatt hingegeben werden. ** Der M.=G.=V.„Cäcilia“ hatte gestern abend seine Mitglieder und deren Angehörige zu einer stimmungsvollen Weihnachtsfeier unter dem brennenden Christbaum im Saale des Vereinshauses (Spacht) versammelt. Der Saal war bis auf das allerletzte Stehplätzchen besetzt und bei den mencherlei Darbietungen des Abends verlebten die Teilnehmer an der Feier recht genußreiche Stunden. Vorträge des Vereins wechselten mit gemeinschaftlichen Liedern und gut einstudierten Theateraufführungen ab und ließen keine Langeweile aufkommen. Im Mittelpunkte des Abends stand eine großangelegte Festansprache des Herrn Pferrer Schnurbus der seine Zuhörer zu packen und zu fesseln verstand. Die ganze aufs Beste vorbereitete Veranstaltung hat das Zusammengehörigkeitsgefühl der zahlreichen Mitglieder der„Cäcilia" neu gestärkt und gekräftigt. ** Ueberfüllung im Lehrerberuf. Aus Lehrerkreisen wird geschrieben: Wohl kein Stand leidet so an Ueberfüllung wie der Volksschullehrer. Nach dem Stande vom 20. Juni 1921 waren in Preußen 17826 Bewerber und 8236 Bewerberinnen, insgesamt 26.062 ohne Anstellung. Nicht eingerechnet sind die Anwärter Oberschlesiens, durch die sich die Zahl auf 27367 erhöht. In der Ausbildung sind bis zum Jahre 1926, in welchem Jahre die bestehenden Seminare abgebaut sein werden, insgesamt 28000 Seminaristen und Seminaristinnen begriffen. Die Berufsverhältnisse werden infolge des Sinkens der Schülerzahl noch weit ungünstiger. Die Folgen der Kriegsjahre werden in den Jahren 1925 bis 1930 besonders traß zutage treten; denn in dieser Zeit wird der Ausfall im ganzen Reiche fast 2,4 Millionen Schulkinder betragen, das sind nahezu 24,5 Prozent der Gesamtzahl der gegenwärtig die Volksschule besuchenden Kinder. Hunden aller Rassen abzuhalten. ** Die Verleihung von Eisernen Kreuzen ein gestellt. Das preußische Staatsministerium hat die Verleihung von Kriegsauszeichnungen (Eiserne Kreuze 1. und 2. Klasse, Verdienstkreuze für Kriegshilfe) unter dem 31. Dezember 1921 endgültig abgeschlossen. Aus diesem Grunde werden, wie mitgeteilt wird, die noch laufenden Anträge größtenteils voraussichtlich keine Berücksichtigung mehr finden können. ** Die Leistung der Angestellten=Versicherung. Durch das Abänderungs=Gesetz vom 23. Juli 1921 zum Versicherungsgesetz für die Angestellten sind die Angestellten mit einem Jahresverdienst von mehr als 15000 Mark bis 30000 Mark versicherungspflichtig geworden. Für einen solchen Neuversiche ten beträgt das jährliche Ruhegeld nach 10 Jahren 2280 Mark. Nach dem Tode des Versicherten werden dann an die Witwe, auch wenn sie voll arbeitsfähig ist, 1236 Mark Jahresrente und an die Kinder unter 18 Jahren je 475,20 Mark Renten gezahlt. Nach dem Ableben der Witwe erhält jedes Kind 552 Mark Rente. Außerdem kann derselbe Versicherte vorher ein Heilverfahren genossen haben: die Durchschnittskosten haben schon im Jahre 1920 für einen Aufenthalt in einer Lungenheilstätte 2578 Mark, in einem Sanatorium 1440 Mark, in einem Bade 1332 Mark betragen. Von diesen Leistungen kommt das bloße jährliche Ruhegeld dem Gesamtbetrage nahe, den der Versicherte in den 10 Jahren selbst aufgebracht hat. 2880 Mark). ist gestern nachmittag mit einer schlichten im Saale des Gemeindehauses an der Hagenerstraße eröffnet worden. Der Besuch dieser Veranstaltung entsprach allerdings nicht den Erwartungen, die man angesichts der zahlreichen Anmeldungen zu den einzelnen Kursen hegen durfte. Nach dem Händel'schen„Largo", welches Herr Lehrer Otten auf dem Harmonium zum Vortrag brachte und begrüßenden und dankenden Worten des Herrn Studienrats Dr. Hoffmann, des Vorsitzenden des vorläufigen Ausschusses, hielt Herr Prof. Weinel aus Jena einen großzügigen Vortrag über„Erfahrungen auf dem Gebiete des Volkshochschulwesens" und verbreitete sich eingehend über die Ziele und Aufgaben der deutschen Volkshochschulen. Völlige Lehr= und Lernfreiheit bietend, frei auch von jeder Parteischablone und konfessionellen Fesseln. sei die Volkshochschule, die allerdings für gereifte Menschen und für die Jugend, wenn sie in eine gewisse Reife eintritt, geschaffen, wie keine an dere Einrichtung geeignet, Klassen= und Standesgegensätze zu beseitigen und die Menschen einarder näher zu bringen. Aus dem reichen Schatz seiner Erfahrungen gab der Redner, der als Autorität auf dem Gebiete des Volkshochschulwesens gilt, zahlreiche Mittel und Wege an, wie die Arbeit an der Volkshochschule ersprießlich und fruchtbringend zu gestalten ist. Reicher Beifall dankte dem Redner für seine lichtvollen Ausführungen. Ein Musikvortrag(Klavier und Geige) zweier Schüler leitete über zu einer kurzen Ansprache des Herrn Bürgermeister Rohrmann, der das lebhafteste Interesse der Stadtverwaltung an der neuen Bildungsstätte zum Ausdruck brachte und dessen eifrigste Förderung in Aussicht stellte. Mit einem Schlußwort des Herrn Dr. Hoffmann und dem Gesang der ersten Strophe des Westfalenliedes erreichte die stimmungsvolle Feier gegen 7 Uhr ihr Ende.— Die Volkshochschule Schwerte öffnet nun morgen allen Bildungshungrigen ihre Pforten. Den genauen Arbeitsplan haben wir ja in der Samstags=Nummer veröffentlicht. Mögen nun auch alle Kreise unserer Bürgerschaft die neue Bildungsstätte nach jeder Richtung hin fördern helfen. Nur dann kann die so viel begehrte Einrichtung den erhofften Segen bringen, nur dann kann die Anstalt wachsen, blühen und gedeihen.— Es sei darauf auf: merksam gemecht, daß auch heute noch Hörerkarten zu den einzelnen Kursen im Lyzeum oder im Realgymnasium zu haben sind. Der Beginn der Vorträge des Herrn Kreisschulrats Dr. Appens:„Staatsbürgerkunde", muß wegen Erkrankung des Dozenten vorläufig noch hinausgeschoben werden. Um Zweifel zu beheben, sei noch darauf hingewiesen, daß nicht der einzelne Vortrag 10 bezw. 20 Mark kostet, sondern der ganze Kursus. Berghofen, 7. Januar. Erhängt. Der Schreiner A. T. machte seinem Leben durch Erhängen ein Ende. T. wurde seit Sonntag nicht mehr gesehen und als man gestern gewaltsam in seine Wohnung eindrang, fand man ihn im Schlafzimmer als Leiche vor. Was dem alten Junggesellen Veranlassung gab, Hand an sich zu legen, ist uns nicht bekannt geworden. den Provinzen. Hagen, 7. Januar. Das Urteil im Lüdenscheider Attentatsfall. Vor der Hagener Strafkammer wurde gestern das Lüdenscheider Attentat vom 18. 9. 21 verhandelt, das seinerzeit auf den Abgeordneten Stresemann auf dem Parteitag der Deutschen Volkspartei in Lüdenscheid verübt wurde. Es wurden verurteilt: Wilhelm Brinkmann wegen Waffentragens zu 300 Mark, Karl Brinkmann wegen Waffenbesitzes und Sachbeschädigung zu 6 Monaten Gefängnis, August Schmidt zu 8 Monaten Gefängnis und Dietrich Diekmann zu 4 Monaten Gefängnis. Himmel und Erde. Ronum von Otto Ludwig. 56) (Nachdruck verboten). Der alte wackere Bauherr drang in den Leidenden; er hatte sich das Recht erworben, sein Vertrauen zu fordern. Apollonius lächelte trüb; er schlug ihm sein Verlangen nicht ab, aber er schob die Erfüllung von Tag zu Tag weiter hinaus. Von Tag zu Tag, vonr Stunde zu Stunde sah die schöne junge Braut ihn bleicher werden und blickte ihm nach. Nur der alte Herr in seiner Blindheit sah die Wolke nicht, die mit dem Schlimmsten droht. Es war wieder schwül geworden und wurde noch immer schwüler, das Leben in dem Hause mit den grünen Läden. Kein Mensch sieht's dem rosigen Hause an, wie schwül es einmal darin war. 20 Es war in der Nacht vor dem angesetzten Ve lobungstag. Plötzlich war Schnee, und dann große Kälte eingetreten. EEinige Nächte schon hatte man das sogenannte Sankt Elmsfeuer oon den Turmspitzen nach den blitzenden Sternen am Himmel züngeln sehen. Trotz der trockenen Kälte empfanden die Bewohner der Gegend eine eigene Schwere in den Gliedern. Es regte sich keine Luft. Die Menschen sahen sich an, als fragte einer den anderen, ob auch er die seltsame Beängstigung fühle. Wunderliche Prophezeiungen von Krieg, Krankheit und Teuerungen gingen von Mund zu Munde. Die Verständigeren lächelten darüber, konnten sich aber selbst des Dranges sticht erwehren, ihre innerliche Beklemmung in entsprechende Bilder von etwas äußerlich drohend Bevorstehendem zu kleiden. Den ganzen Tag hatten sich dunkle Wolken übereinander gebaut von entschiedener Zeichnung und Farbe, als sie der Winterhimmel sonst zu zeigen pflegt. Ihre Schwärze hätte unerträglich grell von dem Schnee abstechen müssen, der Berge und Tal bedeckte und wie ein Zuckerschaum in den blätterlosen Zweigen hing, dämpfte nicht ihr Widerschein den Glanz. Hier und da dehnte sich der feste Umriß der dunklen Wolkenburg in schlappen Busen herab. Diese trugen das Ansehen gewöhnlicher Schneewollen, und ihr trübes Rötlichgrau vermittelte die Bleischwärze der höheren Schicht mit dem schmutzigen Weiß der Erde und seinen schwärzlichen Scheinen. Die ganze Masse stand regungslos über der Stadt. Die Schwärze wuchs. Schon wei Stunden nach Mittag war es Nacht in den Straßen. Die Bewohner der Untergeschosse schlosZwei Stunden nach Mittag hatte sie schon so gestanden; gegen Mitternacht stand sie noch unverändert so. Nur schwerer schien es, war sie geworden und hatte sich tiefer herabgesenkt. Wie sollte sie auch rücken? da nicht ein leiser Lufthauch auf den Flügeln war; und solche Masse zu zerstreuen und fortzuschieben, hätte es einer Windsbraut bedurft. sen die Läden; in den Fenstern der höheren Stockwerke blitzte Licht um Licht auf. Auf den Plätzen der Stadt, wo ein größeres Stück Himmel zu übersehen war, standen Gruppen von Menschen zusammen und sahen bald nach allen Seiten aufwärts, bald sich in die langen, bedenklichen Gesichter. Sie erzählten sich von den Raben, die in großen Zügen bis in die Vorstädte hereingekommen waren, zeigten auf das tiefe, unruhige stoßende Geflatter der Dohlen um Sankt Georg und Sankt Nikolaus, sprachen von Erdbeben, Bergstürzen, wohl auch vom jüngsten Tage. Die Rutigeren meinten, es sei nur ein starkes Gewitter. Aber auch das schien bedenklich genug. Der Fluß und der sogenannte Feuerteich, dessen Wasser auf unterirdischen Wegen augenblicklich edem Teile der Stadt zugeleitet werden konnte, waren beide gefroren. Manche hofften, die Gefahr werde vorübergehen. Aber so oft sie hinaufsahen, die dunkle Masse rückte nicht von der Stolle. Es schlug Zwölf vom Sankt Georgenturm. Der letzte Schlag schien nicht verhallen zu können. Aber das tiefe, dröhnende Summen, das so lange anhielt, war nicht mehr der verhallende Glockenton. Denn nun begann es zu wachsen; wie auf tausend Flügeln kam es gerauscht und geschwollen und stieß zornig gegen die Häuser, die es aufhalten wollten, und fuhr pfeifend und schrillend durch jede Oeffnung, die es traf; polterte im Hause umher, bis es eine andere Oeffnung zum Wiederausfahren fand; riß Läden los und warf sie grimmig zu; quetschte sich stöhnend zwischen nahestehende Mauer hindurch; pfisf wütend um die Straßenecken; zerlief in tausend Bäche; suchte sich und fuhr klatschend wieder zusammen in einen reißenden Strom; fuhr vor grimmiger Lust herab und hinauf; rüttelte an allem Festen, teilte mit wild=spielendem Finger die verrosteten Wetterhähne und Fahnen, und lachte schrillend in ihr Geächze; blies den Schnee von einem Dach aufs andere, fegte ihn von der Straße, jagte ihn steile Mauern hinauf, daß er vor Angst in alle Fensterritzen kroch, und wirbelte ganze tanzende Riesentannen, aus Schnee geformt, vor sich her. Da man ein Gewitter voraussah, war alles in den Kleidern geblieben. Die Rats= und Bezirks=Gewitternachrichten, sowie die Spritzenmannschaften waren schon seit Stunden beisammen. Herr Nettenmair hatte den Sohn nach der Hauptwachtstube im Rathause; gesandt, um da seine, des Ratsschiederdeckermeisters Stelle zu vertreten. Die zwei Gesellen saßen bei den Turmwächtern, der eine zu Sankt Georg, der andere zu Sankt Nikolaus. Die übrigen Ratswerkleure unterhielten sich in der Wachtstube, so gut sie konnten. Der Ratsbauherr sah bekümmect auf den brütenden Apollonius. Der fühlte des Freundes Auge auf sich gerichtet und erhob sich, seinen Zustand zu verbergen. In dem Augenblick brauste der Sturmwind von neuem in den Lüften daher. Auf dem Rathausturme schlug es Eins. Der Glockenton wimmerte in den, Fäusten des Sturmes, der ihn mit sich fortriß in seine wilde Jagd. Apollonius trat an ein Fenster, wie um zu sehen, was es draußen gebe. Da leckte eine riesige, schwefelblaue Zunge herein, bäumte sich zitternd zweimal an Ofen, Wand und Menschen auf und verschlang sich spurlos in sich selber. Der Sturm brauste fort; aber wie er aus dem letzten Glockenton von Sankt Georg geboren schien, so erhob sich jetzt aus seinem Brausen eiwas, das an Gewalt sich so riesig über ihn emporreckte, wie sein Brausen über den Glockenton. Eine unsichtbare Welt schien ihn in den Lüsten zu zertrümmern. Der Sturm brauste und pfiff wie mit der Wut des Tigers, daß er nicht vernichten konnte, was er packte; das tiefe, majestätische Rollen, das ihn überdröhnte, war das Gebrüll des Löwen, der den Fuß auf dem Feinde hat, der triumphierende Ausdruck der in der Tat gesättigten Kraft. (Fortsetzung folgt), Allen Angeklagten wurden mildernde Umstände zugebilligt. Haspe, 7. Januar. Ertrunken. Ein zehnjähriges Mädchen begab sich gestern zur Böschung der Stennert, wo die Ennepe vorbeifließt, zum Rodeln. Das Kind vermochte offenbar beim Hinabfahren den in vollem Tempo befindlichen Schlitten nicht mehr zu halten und fuhr über den schmalen Userrand in die Ennepe, in der es ertrank, obwohl sofort Hilfe herbeigerufen wurde. Soest, 7. Januar. Von der Möhnetalsperre. Das 135 Millionen Kubikmeter Wasser assende Staubecken der Möhnetalsperre war in den letzten Dezembertagen zu einem winzigen See von 7½ Millionen Kubikmeter zusammengeschrumpft. Der Druck auf die Turbinen des Kraftwerkes war ein dermaßen minimaler geworden, daß am 26. v. M. nicht nur keine elektrische Kraft erzeugt werden konnte, sondern die mit Dampfkraft arbeitende Zentrale in Kruckel bei Dortmund, mit der das Leitungsnetz in Verbindung steht, zum ersten Male seit Fertigstellung der Möhnetalsperre gezwungen war, 75000 Kilow. nach hier abzugeben. Diesem Uebelstande haben die Regen und Schneemassen der letzten Niederschlagsperiode ein Ende gemacht. Das Wasser wächst dauernd. Der 2. Januar allein brachte eine Wasserzunahme von 7 Millionen Kubitmeter. Auch die Stromerzeugung ist mit dem heutigen Tage wieder auf 5000 Kilow. Tagesleistung gestiegen. Soll aber die Höchstleistung vom 25. Januar 1920 mit 106 520 Kilow. wieder erreicht werden, müßte noch ein schnee= und regenreicher Nachwinter kommen.— Das im Jahre 1913 gesunkene, dem Ruhrtalsperrenverein Essen gehörige schwere eichene Fährboot konnte in den letzten Tagen in einer Bucht des Stausees wieder gehoben werden. Epe, 7. Januar. Unglück am Feldweg Am Montag geriet der Landwirt Büscher unter einen Wagen, der mit Kalt beladen war und au Feld gebracht werden sollte. Der Wagen, der in eiligem Tempo vorwärts gelangte, mußte eben einen schmalen Feldweg überwinden. Büscher tat gerade einen prüfenden Blick zurück auf den Wagen, als er mit dem Fuße in Doinengestrüp am Wegrande geriet, zu Fall kam und vom Vorderrande des schweren Fuhrwerks gefaßt wurde, obwohl er sich krampfhaft an der Steuerleine festhielt, die dadurch entzwei riß. Büscher erhielt schwere Verletzungen am Leib, hatte aber noch die Geistesgegenwart, daß er seine zwei Mitarbeiter auf die Befreiung mittels Spatens aufmerksam machen konnte. Obwohl gleich zwei Aerzte zur Stelle waren, konnte Büscher nicht mehr gerettet werden. Noch in derselben Nacht trat der Tod ein. Büscher ist Vater von fünf kleinen Kindern. Werther, 7. Januar. An Wildwest erinnert ein Raubüberfall, der sich in unserer Gemeinde zugetragen hat. Gegen 9,30 Uhr abends erschienen bei dem Zigarrenfabrikanten Heinrich Wißmann=Wertherberg vier maskierte Männer, die mit vorgehaltenen Revolvern das im Hause befindliche Geld forderten. Die Räuber durchsuchten sämtliche Schränke und nahmen 23000 Mk. darunter 4000 Mark in Bielefelder Seidenscheinen und für 7000 Mark Zigaretten mit. Bottrop, 7. Januar. Ein netter Kavalier. In einem hiesigen Kaffeehause ereignete sich ein Vorfall, der ein bezeichnendes Schlaglicht auf den Durchschnittstyp des modernen Kavaliers wirft. Gegen Abend hatte ein junger Mann mit einer Dame in einem lauschigen Winkel Platz genommen und„eröffnete“ eine regelrechte Kneiperei, verbunden mit der dazu gehörigen Zufuhr an Torten u. dergl. Als die Rechchnung sich immer höher schraubte, mußte dem jungen Manne wohl die Erleuchtung gekommen sein, daß er die Rechnung nicht begleichen konnte. In dieser argen Verlegenheit griff er nun zu einem Trick: Er entfernte sich unter dem Vorwande, daß er noch ein dringendes Telephongespräch zu führen habe. Da die Dame dem Herrn vertraute, erblickte sie aruch in diesem Vorwand keinen besonderen Grund zum Zweifel. Der junge Mann jedoch ließ sich nicht mehr sehen, so daß die Dame ihre Uhr, ihren Pelz und Muff als Pfand zurücklassen mußte, da auch sie die Rechnung nicht bezahlen konnte. Elberfeld, 7. Junuar. Raubmordversuch. Gestern abend wurde in der Kaiserstraße ein verwegener Raubmordversuch verübt. Kurz vor 7 Uhr trat in das Geschäft von Höpfner, das den Ankauf von Gold= und Silberwaren betreibt, ein Mensch von etwa 26 Jahren und bot dem im Luden anwesenden Geschäftsinhaber Silber zum Kauf an. Im nächsten Augenblick zog er einen Hammer hervor und hieb damit auf den Geschäfts inhaber ein, der ohnmächtig zusammenbrrch. Dann eilte der Räuber in die neben dem Laden liegende Küche und schlug auch auf die darin tätige Frau Höpfner ein. Infolge der Hilferufe der Frau und weil der Mann inzwischen wieder zu sich gekommen war, ergriff der Täter, ohne daß er irgendwelche Beute machen konnte, die Flucht. Leider ist er unerkannt entkommen. Die Verletzungen, die die Eheleute erlitten haben, sind glücklicherweise nicht ernstlicher Natur. Velbert, 7. Januar. Verkehrsstraße zwischen Ruhr und Wupper. Der RuhrSiedlungsverband plant die Anlage einer großen Verkehrsstraße, die Ruhr und Wupper verbinden soll. Ihr Ausgangspunkt soll Essen sein, und ihr Ende in Solingen. Diese Straße, die etwa 23 Meter breit werden soll, soll zur Entlastung der Landstraße Essen—Werden—Velbert—Tönisheide usw. dienen. Zunächst soll sie nur im Bezirk des Siedlungsverbandes ausgeführt werden. Das hieße aber nur halbe Arbeit tun. Deshalb hat sich der Siedlungsverband mit der Velberter Stadtverwaltung in Verbindung gesetzt zwecks Durchführung der Straße bis an die Elberfelder Stadtgrenze. Köln, 7. Januar. Eine gemeine Tat. Eine Näherin hatte sich von einem Manne 500 Mark geliehen, da sie augenblicklich in Not war. Als Pfand hatte sie ihm ihre ganzen Schmucksachen, die sie geerbt hatte, im Werte von etwa 80000 Mark übergeben. Der Darleiher hat aber die Erbschaft unterschlagen und bereits teilweise verkauft. Er wurde verhaftet. Ein Am ersten Weihnachtsfeiertag hat sich in Berlin das 38jährige Fräulein Müller=Hehling, die bei einer Familie Daber wohnte, vergiftet. Dieser Selbstmord hat eine merkwürdige Vorgeschichte. Fräulein M. war durch eine Freundin in okkultistische Kreise eingeführt worden und die sonst so heitere, unbefangene Dame war seit dieser Zeit merkwürdig verändert. Sie wurde lebenslängliches Mitglied der„Okkultistischen olksbochschule“, die von einem angeblichen„Professor". Weber=Robine geleitet wird. Von den Sitzungen dieser Volkshochschule kam sie stets ganz verzückt nach Hause, sprach von überindrischen Dingen und schwärmte von Weber=Robine, in dessen Haus sie verkehrte. Bei dem„Professor" verlebte sie auch den ersten Weihnachtsfeiertag und kam erst spät und wieder ganz begeistert nach Hause. Mit der Bitte, am anderen Morgen nicht geweckt zu werden, begab sie sich in ihr Zimmer. Am anderen Tage erschien Weber=Robine in der Wohnung und wünschte Fräulein M. zu sprechen. Auf die Antwort, daß diese noch schlafe, erwiderte er:„Sie wird wohl nicht mehr leben!" Frau Daber eilte erschreckt zum Zimmer des Frl. M. Man fand diese bewußtlos, aber noch lebend im Bett. Auf dem Tisch stand ein Kasten, der die Wertsachen des Frl. M. enthielt und auf dem sich ein offener Brief befand, in dem Professor Weber=Robine als Testamentsvollstrecker und Universalerbe bezeichnet wurde. Ein Arzt veranlaßte die Ueberführung der Selbstmörderin in ein Krankenhaus, wo sie drei Tage später verschied. Es wurde festgestellt, daß Frl. M. sich mit Veronal und Morphium vergiftet hatte. Weber=Robine eignete sich am Tage nach dem Tode auf Grund des Testamentes sofort die Sachen der Verstorbenen an und erklärte dabei:„Die Statuten unseres Ordens bestimmen es, daß jedes lebenslängliche Mitglied mich zum Testamentsvollstrecker und Erben einsetzt.“ Es scheint bei den bisher angestellten polizeilichen Nachforschungen die Annahme nicht ganz unrichtig zu sein, daß Frl. M. unter dem Einfluß Weber=Robines gestanden hat und daß die „Okkultistische Volkshochschule" nichts mit einer ernsten wissenschaftlichen Vereinigung gemeinsam hat. Der Fall wird noch weiter, hoffentlich restlos, aufgeklärt werden. darüber ist, daß seine Zeitung immer„teurer" wird. Im Gegenteil darf man ruhig erklären, daß es im Grunde ein Wunder ist, wenn sie nicht — noch teurer geworden ist. Man vergleiche nur den Preis, den heute ausgesprochene Genußmittel wie z. B. Kakao haben, mit dem von 1914. Man entrüstet sich darüber, daß eine Schachtel Streichhölzer heute mit 50 Pfg. bezahlt werden muß, die früher nur 1 Pfg. kostete, aber man bezahlt; wenn indessen der Bezugspreis für die Zeitung um einen verhältnismäßig geringen Betrag steigt, grollt der Familienvater ihr ernstlich, dessen Sorgen allerdings heutzutage wirklich nicht klein sind. Kann er aber im Interesse seiner Existen;, seines geistigen Lebens gerade heute auf eine Zeitung leichter verzichten als früher? Ist nicht jeder, der im Wirtschaftskampf steht, verpflichtet, sich über die Vorgänge im öffentlichen Leben aller Gebiete auf dem laufenden zu halten, um ausgerüstet mit den erforderlichen Kenntnissen zu sein? Darf er dem Zeitungsgewerbe versagen, was er dem Kaufmann, dem Industriellen zuge steht? Er bedenke immer, daß seine Zeitung trotz allem nach wie vor verhältnismäßig billig ist, und daß es für ihn selber einen ernsten Schaden bedeuten würde, falls sie eines Tages nicht mehr auf seinem Tisch läge, weil sie, die nicht wie jedes beliebige Industrie=Unternehmen dem wachsenden Ausgabenkonto ein entsprechendes Eire nahmekonto entgegenstellen kann, den Kampf notgedrungen aufgeben mußte. Wer die Entwicktlung genauer verfolgt, wird nämlich beobachtet haben, daß immer wieder die Nachricht von dern Eingehen von Zeitungen erscheint, ein Zeichen, daß das Zeitungsgewerbe in der Tat weniger stark im Kampfe um seine Existenz ist als andere Erwerbszweige. Gerabe weil jedermann zugeben sollte, daß das Zeitungsgewerbe nicht minder als andere ein Recht darauf hat, im Dienste der Allgemeinheit weiterwirken zu können, sollte er auch für seinen Teil die Pflicht anerkennen. ihm die Fortsetzung dieses Kampfes zu ermöglichen. Es wäre ein schweres Verhängnis für das deutsche Volk, wenm es nicht Sorge trüge, daß ihm eine leistungsfähige Presse erhalten bleibt. Erhalten bleibt in Zeitläuften, in denen wieder und wieder um sein Schicksal die Würfel geworfen werden, und wo es mehr als je zuvor darauf ankommt, daß die Stimme Deutschlands im Chor der anderen Völker und Staaten möglichst vernehmbar bleibt. Die„teure" Zeitung. Dieser Tage hat eine typographische Darstellung der unabhängigen„Leipziger Volksztg.“ allgemeines Interesse hervorgerufen, die einen sehr anschaulichen Ueberblick über die enorme Preisentwickelung auf dem Gebiete der„Rohstoffversorgung“ des Zeitungsbetriebes gab. Danach sind die Löhne um das 14=fache der Sätze von 1914 gestiegen, Druckfarbe kostet heute 27 mal soviel wie damals, für Papier ist der 32=fache Betrag zu erlegen und die Kohle ist 35 mal so teuer geworden, wie damals. Das Blei zum Gießen kostet 50 mal soviel und die Preise für Maschinenfette und Oele gar 100 mal soviel wie vor 7 Jahren. Auf der Gegenseite stehen die Bezugspreise, die dieser gewaltigen Preissteigerung auf allen Gebieten noch lange nicht gefolgt sind. Ein Vergleich ist also wirklich sehr lehrhaft, besonders wenn man bedenkt, daß auch bei Berücksichtigung der Einnahmen aus dem Inseratengeschäft diesen und denen aus den Bezugsgeldern auf der Kehrseite der Medaille noch die gerade in letzter Zeit so exorbitant gesteigerten Frachtund Portospesen, die Ausgaben für Licht und Kraft u. a. m. gegenüberstehen. Dies sollte jedermann bedenken, der von Zeit zu Zeit unwillig Unsere völlige Entwaffnung. Riesenmengen Kriegsmaterial zerstört. Von zuständiger Stelle wird folgende Zusammenstellung der auf Grund des Ultimatums und der Entwaffnungsnoten vom Mai 1921 von der Reichstreuhandgesellschaft zur Zerstörung übernommenen Bestände an Waffen, Munition und Kriegsgerät nach dem Stande vom 15. November 1921 gegeben: 546 Geschütze, 546 Geschützrohre, 978 Lafetten, 2 465 143 Stück Artillerie=Munition und Minen, 3 950 661 Kilogramm Pulver und Sprengstoff, 1177 Minen= und Granatwerfer, darunter 334 Signalwerfer, 99802 Maschinengewehre, 415 512 Gawehre, Karabiner und Tankgewehre, 27242 Revolver und Pistolen, 246 482 blanke Waffen, 2 419 356 Gewehr=, Wurf= und Handgranaten, 2 849260 Zünder für Handgranaten, feiner 62735477 Stück Handwaffenmunition, 420 812 Katluschen aller Art, 839 963 Sprengladungen und Sprengpatronen, 18283 Wagen aller Art, 1337 Feldküchen. Außerdem große Mengen an sonstigem Kriegsgerät, wie Geschütz=Ersatz= und =Zubehörteilen, optischen Geräten, Nachrichtengerät, Brückengerät und Pontons, Gasschutzgerät, Werkzeugen aller Art, Feld= und Förderbahngerät, Geschirr= und Stallsachen, Wagenzubehörteilen, Textilien, Feldküchengeräten, Schiffszubehörteilen, ferner 120 Feldbacköfen, 214 Kraftwagen, 35 Kraftwagenanhänger, 18 Motorräder, 289 Fahrräder, 12232 Armeesättel, 2557 Röcksättel, 2321 Sielengeschirre, 500000 Platzpatronen. Drahtmeldungen. Eigener Depeschendienst. Die Konferenz in Cannes. Berlin, 9. Januar Die Konferenz des Obersten Rates, die am Sonnabend abgehalten wurde, dauerte bis abends 9 Uhr, in deren Verlauf Lloyd George hervorhob, daß die Deutschen zur Konferenz von Cannes geladen würden. Briand sowohl wie der britische Ministerpräsident erklärten daß man die Deutschen erst einladen dürfte, wenn man sich über die Bedingungen, die man Deutschland stellen würde, geeinigt hätte, namentliich was die Garantie betresse, die von Deutschland verlangt werden sollen. Darauf beschloß man, zunächst eine deutsche Delegation nach Paris zu berufen, weil sie von Paris aus schneller nach Cannes gelangen könne, als von Berlin aus. Einladung des Obersten Nates an Deutschland. TU Berlin, 9. Januar. Gestern vormittag 11 Uhr ist das Telegramm des Obersten Rates, in dem die deutsche Regierung ausgefordert wird, sofort offizielle Vertreter nach Paris zu entsenden im Auswärtigen Amt eingelaufen Das Telegramm war an den Reichskanzler Dr. Wirth, als den dekzeitigen Außenminister gerichtet In den selben wird zum Ausdruck gebracht, daß der Oberste Rat das Bedürfnis fühlt, offizielle deutsche Vertreter zu hören und daß sich zu diesem Zweck eine Avordnung zunächst nach Paris begeben möge. Nachmittags fand ein Kabinettssitzung unter dem Vorsitz des Reichs kanzlers statt, die sich mit der Reparationsfrage insbesondere mit der Einladung des Obersten# Rates beschäftigte. Es wurde beschlossen, de Einladung Folge zu leisten und eine Delegation zu entsenden, die unter der politischen Führung des Wiederaufbauministers a. D. Dr. Rathenag stehen wird. Bergarbeiter=Versammlungen. TU. Bochum, 9. Jan. Im Ruhrgebig fanden gestern etwa 70 Versammlungen de Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter stat die sich mit der Stellungnahme der christlich organisierlen Bergarbeiter zur Weltwirlschafts krise befaßten. In Bochum sprach Gewerh schaftssekretär Kuhnern aus dem Saargebie Er gab ein erschütterndes Bild über die Lag des Saargebietes unter der Franzosenher### schaft und beleuchtete dann den Kohlenüben fluß auf dem Wellmarkte und die Kohlennz# in Deutschland. Er wies weiter auf der Weitbewerbskampf zwischen Kohle und Heiz öl hin und betonte, daß wir noch eine schwet Zeit durchzumachen hätten. Die Arbeit müßten aus diesen weltwirtschaftlichen Voy gängen die rechte Lehre ziehen Nicht der Sozialismus, sondern dem christlichen So# darismus gehöre die Zukunst. K ieg ohne Giflgas. TU. W shington, 9. Jan. Gistgase a Kriegsmittel sind von der Washingtoner Kot ferenz als ungesetzlich erklärt worden. Di# Vertreter Großbrikanniens. Frankreichs, Ite iens und Japans haben dem amerikanisch## Vorschlag zugestimmt, deren Gebrauch verbieten. Gegen die neuen Mietszuschläge. TU. Beilin, 9 Jan. In Berlin prot stierlen die Hausbesitzer in einer Riesenve sammluug gegen die unzureichenden neu# Mietzuschläge. In einer Resolution win mit dem Streik der Hausbesitzer gedroht un eine Erhöhung der Mielszuschläge verlang Wetteraussichten für mehrere Tage im voraus 10 Januar: wenig verändert. 11 Januar: veränderlich, naßkalt, Wind. 12 Januar: kaum verändert. 18 Januar: Wolken, Niederschläge, naßkalt, se windig 14 Januar: Vielsach Niederschlag, milde. Für die Redaktion verantwortlich: Friedr. Kra### Druck und Verlag: Carl Braus, beide in Schu Einladung zur Sitzung der Stadtverordnet am Dienstag; dem 10. Januar 19 nachmitlags 4 Uhr, im Rathaussaale hie se, Tagesordnung Oeffentliche Sitzung: 1. Festsetzung der Jahresrechnungen der Spar und des Sparkassenreservesonds aus dem I. 1920, Entlastung des Rendanten und Bewillic eines Betrages für die Mitglieder des Sparka# Vorstandes. 2. Unvermutete Revision der Sparkasse. 3. Freigabe der Kaution des in den Ruhestand# setzten Sparkassen=Direktors Nehring.1 4. Zulassung der Düsseldorfer Allgemeinen sicherungs=Aktien=Gesellschaft zu Düsseldorf Brandversicherungsgesellschaft bei der hie Sparkasse. Schwerte, den 4. Januar 1922. Der Stadtverordneten! Win 15. Junda!, Jeüh 8½ Uhr, begnnt der weil Horrou G. Khaden-Ristaung kaufen Sie schr vertollhaft in dem Spazialhaus# W/#. P# cmm für Herren und Knaben-Kleidung der Hrms A. Hien Scomp. Ostenhellweg 23(gegenüber j. Fischer in Dortmnud.) Statt jeder besonderen Anzeige. Heute Abend 7 Uhr entschlief sanft und gottergeben infolge Altersschwäche, als ältester Bürger unsrer Gemeinde, unser lieber Vater, Großvater und Urgroßvater, der Rentner Wilhelm Brenne im vollendelen 97. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Familie Wilhelm Brenne. Holzen, Höchsten, Wanne, den 6. Januars1922. Die Beerdigung findet am Montag, dem 9., vom Sterbehause, Holzen Nr. 9, aus statt. Weinet nicht an meinem Grabe. Gönnel mir die ewige Ruh. Denkt. was ich gelitten habe, Ehe ich schloß die Augen zu. Gott dem Allmächtigen hat es in seinem unerforschlichem Ralschluß gefallen, gestern Abend 8 Uhr, plötzlich und unerwartet, unsern innigstgeliedten Sohn. unsern guten, unvergeßlichen Bruder. Schwager und Onkel Hubert Rohrmann im Alter von fast 43 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. In liefer Trauer Heinrich Rohrmann. Schwerte, Onisburg, Lelmaihe Allena, Heinsberg und Bösperde, den 7. Januar 1922. Die Beerdigung findet Dienstag, den 10 Januar, nachm. 4 Uhr vom Marienhospital aus statt. Das Seelenemt findet Mittwoch morgen in der katholischen Pfarrbirche statt. Abreißkalender 1922 Neukirchener Abreißkalender 6.50 Tagesabreißkalender 12.50 9.50 S.- 6.50 5.Kalenderblocks 4.- 2.30 1.50 Ludwig Richter=Kalender 12.— Spemanns Kunst=Kalender 9.75 Buchhandl. Carl Braus Freiwilliger Verkauf! Am Mittwoch, dem 11. Januar, vormittags 10 Uhr anfangend, werde ich im Auftrage im Lokale„Zur Sonne“, W. Möller, Westenstraße 15, solgende Sachen gegen bar versteigern: 1 Küchenschrank, 3 Tische, 2 Stühle, 1 Gasofen, 1 Bettstelle mit Matratze, 1 Waschkonsole, eich. Ladentheke, 1 Theke mit Dütenhalter, 1 Ladenregal mit Glastüren, 1 großes Ladenreggl, 1 kleines Ladenregal, 1 Schaukasten, 1 kiste, 1 Dezimalwage, 1 Oelbehälter, 1 Oelpumpe, 8 Bonbongläser, 2 Ausschnittschüsseln, 1 Käseschabe, 1 Käseglocke, 1 Schneidebrett, 1 Schreibkasse, 1 Fußbrett, mehrere leere Fässer usw. Schwerte, den 7. Januar 1922. 134 Heinrich Böcker, Versteigerer. Anunsere werte Kundschaft Infolge der enormen Porioerhöhung ist es für uns nicht mehr möglich, für die verhältnismäßig kleinen Beträge unserer Buch= und Schreibwatenhandlung, besonders bei Schularlikeln, jeden Monat Rechnungen zu versenden. Wir bitten hiermit unsere verehrten Geschäftsfreunde, ihren Kindern beim Bezuge von Schulbüchern und Heften usw den entsprechenden Geldbetrag mitzugeben, da wir künftig Waren unter Mk. 10.— nur gegen sofortige Jahlung abgeben werden. Buchhandlung Carl Braus Bekanntmachung. An Stelle des Landwirts L. Plässer zu Holzen, der sein Amt als Gemeinde=Verordneter niedergelegt hat, tritt der Stellmacher Gustav Steinkühle zu Holzen als Mitglied in die Gemeindevertretung ein 1 Westhosen, den 6, Januar 1922. #.-Der Wocsitzende des Wahlansschusses: 4 Aendt, Amtmann. Schützenbund. Zur Beerdigung des verstorbenen Schützenbruders Hubert Kohrmann tritt der Verein am Dienstag, dem 10. Januar, nachm. 3½ Uhr im Ver einslokal an. 136 Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. Welche würde jungem, gebildeten Herrn ein gutmöbliertes Zimmer (Licht und Heizung) mit Morgenkaffee abgeben. Offerten unter R. R. 100 an die Geschästsstelle erbeten. 4 Zur Bedienung von Pressen und für andere leichte Arbelt werden noch jurge eingestellt. Fahrt wird vergütet. 116 K. u. Dascher, Iserlohn, Weststrasse 39. zür leichte Sortierarbeiten einige Gnochen im Alter v.14—17 Jahren gesucht. Nickelwerk Schwerte. Tüctiges, in ale Hausarbeit erfahrenes Zweilmädchen mit guten Zeugnissen gegen sohen Lohn und gute Begandlung sofort gesucht. Frau Joh. Wimmer, Garmen, Schützenstr. 71 Knabe oder Mädchen für leichte Arbeit gesucht. Buchdruckerei C. Saatmann, Oftenstraße 19. 133 Terre Flüschen auch Benediktiner=, Kognak= und Goldwasserflaschen kauft Kraumendahl, Westenort 1. Sehrling für ein hiefiges Manufakturwarengeschäft gesucht. Gute Schulbildung unbedingt erforderlich Junge Leute mit höherer Schulbildung werden bevorzugt.— Selbstgeschriebene Offerten unter K. 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Alle Beamten des Amtes Westhofen, welche sich für die Geündung eines Beamlen=Vereins interessieren, werden zu einer Besprechung auf Mittwoch, den 11. Januar, abends 7½ Uhr, in das Lokal des Herren Schulte,„Zum Amtshaus“, eingeladen. 135 Der Einberufer. Dasslustige vortragsbuch! Wiedervorrulig. # Preis:„Gebunden Mark 24.20 enlthalt dad Beste was deutscher Humor semals geschaffen hat! Beiträge von mehr denn 80 Schriftstellern: darunter Greins, P. Keller, Löns Kosegger, wedekindg usw. usw. Bachhanblung e. Braus. allten weine 11 Für die Jugend! Bongs Goldne Klassiker-Bibliothek in Geschenkband, Halbleinen oder Ganzleinen gebunden. Buchhand ung Carl Braus. und gründlch mr uu Eckolda E. Ahmie. B. bün un Drogerie Max Mehlhose. „AIO mache ieh öhner n eigener Huffabrik Jauberste Arbeit von gelernten Hmachemn aufberöhr. Uingfte Preisberechnung ROBERT LIPPMANN KNVTNTT Vorraltgla“ PoyneskIllustr. Fomilien=Kalenderk 1922 Paynes Kalender„Nab und Fern“. 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Dann gehen wir nach Ostpreußen, wo mein Fritz ein kleines Gut besitzt. Fritz wurde schwerverwundet in das Lazarett gebracht, wo ich Dienst tat. Da habe ich ihn gesund gepflegt und ihn liebgewonnen.“ Sie sagte nicht:„Komm zu uns, lieber Vater.“ Aribert aber mochte sich nicht aufdrängen. Er war nicht gefragt worden, die Tochter bat nicht um seinen Segen. Wic zwei Fremde saßen sie sich gegenüber. Es fehlte jeder Anknüpfungspunkt zwischen ihnen. Als Margot nach kurzer Zwiesprache sich wieder entfernt hatte, fror es den einsamen Mann bis ins innerste Mark. Aus war es mit den süßen Tändeleien, ein stumpfes Dahinvegetieren sein Los. Das also war der Winter seines an Abwechselungen und Erfolgen reichen Lebens! Aber vielleicht kam es doch noch einmal anders! Enkelkinder wollen ihren Großpapa sehen, sie haben mit ihrem kindlichen Sinn schon größere Hindernisse überbrückt, als sie hier vorhanden waren. Draußen tobte der Schneesturm. Mühselig hatte Aribert sich bis zum Spiegel geschleppt. Ein Blick belehrte ihn, daß wenige Stunden genügt hatten, ihn um Jahre älter zu machen, das Werk der Zerstörung in seinem Gesicht zu beginnen. Die Stunden schlichen, quälende Gedanken kamen, und mit ihnen schlich die Reue in das Herz des Einsamen, die Rene über sein oberflächliches, im Egoismus verbrachtes, verlorenes Leben. Die Elzeviere. Rund 300 Jahre sind jetzt vergangen seit dem Tode des Begründers der berühmtesten aller Buchdruckerfamilien: der Elzeviere. Mit dem Namen schon verbindet sich jedem Bücherliebhaber der Begriff des Schönen, Feinen, Zierlichen in bezug auf Druck und Ausstattung von Büchern. Es ist der Ehrgeiz der meisten Sammler, einen echten Elzevier zu besitzen, der stets teuer bezahlt werden muß, um ihn mit befriedigtem Sammlerstolz dem Besucher zu zeigen. Fast immer handelt es sich um Bücher kleinen Formats. Diese Duodez=Ausgaben haben den Ruf der Firma überallhin verbreitet und werden dauernd ihren Ruhm bilden. Der feine, scharfe Schnitt der Typen, der klare, saubere Druck, das schöne Papier entzücken noch heute jeden Bücherfreund und fanden damals im 17. Jahrhundert, als sie von Leiden aus in gleichmäßiger Ausstattung, je etwa 500 Seiten stark, zum Preise von einem Gulden auf den Markt kamen und ihren Siegeszug über die ganze gebildete Welt antraten, allgemeinen Beifall. Die lateinischen Klassiter, aber auch viele Werke zeitgenössischer Gelehrter und Schriftsteller, gelangten so in äußerst handlichen und billigen Ausgaben in Kreise, bei denen sonst der Kauf von Büchern zum unerschwinglichen Luxus gehörte; am wenigsten drangen sie wohl unter allen Kulturländern in Deutschland ein, das in jener Zeit von den lange nachwirkenden Schrecknissen des Treißigjährigen Krieges heimgesucht wurde. Zu den Vorzügen der Elvezierdrucke gehört auch die meist auf die Textgestaltung der Klassiker verwendete Sorgfalt; stand doch der berühmte Gelehrte Taniel Heinsius als literarischer Beirat im Dienst der wahrhaft großzügig arbeitenden Firma. Er verfaßte auch die lateinischen Einleitungen und Widmungen zu den Büchern, die aus Elzeviers Verlag und Offizin hervorgingen. Den Grund zu dem Weltgeschäft hatte Ludwig Elzevier gelegt, der um das Jahr 1540 zu Löwen geboren wurde. Er ließ sich zunächst als Buchbinder in Antwerpen nieder, mußte aber 1567 bei Albas Ankunft flüchten, da er Protestant war, und ging nach Wesel. Nach einem kürzeren Aufenthalt in Touai(alles Namen, die uns heute wieder ins Gedächtnis gehämmert sind) nahm er 1580 seinen dauernden Wohnsitz in Leiden, wo er mit der Buchbinderei einen Buchhandel verband und nach sechs Jahren auch noch den Posten eines Universitätspedells annahm, wohl aus dem Grunde, weil er sein Unternehmen ohne genügende flüssige Mittel ins Werk gesetzt hatte. 1583 mußte er seine zwei Häuser für Bücherschulden verpfänden. Allmählich arbeitete er sich aber aus der Bedrängnis heraus, zumal als er gleich mit dem ersten Buch, das er 1592 in eigenem Verlag herausgab, starken Erfolg hatte. 1594 erhielt er das Bürgerrecht. Bis zu seinem Tode, im Februar 1617, verlegte er noch fast hundert Werke. Auf der Frankfurter Messe war der neue Verleger bald ein bekannter Mann geworden, und seine Geschäftsverbindungen dehnte er immer weiter aus, namentlich nach Paris. Er soll im Druck zuerst die Unterscheidung des u als Vokal und als Konsonant(v) eingeführt haben. Was der Vater so glücklich begonnen, setzten die Söhne und Enkel energisch und zielbewußt fort. Von den sieben Söhnen Ludwigs I.(die Elzeviers werden wie eine Dynastie gezählt) folgten fünf dem Beruf des Vaters. Der Enkel Isaak gründete die Buchdruckerei, die dem Geschäft erst das ganz eigene Gepräge gab, und wurde 1620 akademischer Buchdrucker. Für fast ein Jahrhundert wurde dadurch die Familie mit der Universität Leiden eng verbunden. Doch schon 1625 zog sich Isaak Elvezier von dem Geschäft zurück; er überließ es für 9000 Gulden seinem Onkel Bonaventura und seinem Bruder Abraham und trat in den Marinedienst über. Unter den neuen Besitzern erlebte die Firma ihre Hauptblütezeit. Sie brachten neben anderen Werken größeren Formats jene herrlichen Duodezbändchen heraus. In dieser Zeit eröffnete Ludwig III. Elzevier ebenfalls einen Verlag mit Druckerei in Amsterdam und machte sich schnell bekannt, als es ihm gelang, u. a. Hugo Grotius und Cartesius zu gewinnen, daß sie ihm den Druck ihrer Werke übertrugen. Später gab er gleichfalls Duodez=Klassiker heraus, und nun entstand ein lebhafter Wetteifer zwischen den beiden Elzevier=Häusern, die einander an Schönheit ihrer Bücher zu übertreffen suchten. Im ganzen sind etwa 2000 Werke von den Elzeviers verlegt.—41— Humor. Pflichtgekron. Das Auto war gegen einen Baum gefahren und hatte im Stürzen den Eigentümer unter sich begraben, aber der Dorfgendarm ließ sich nicht so leicht von seiner Pflicht abhalten. „Es nutzt Ihnen gar nichts, wenn Sie sich verstecken,“ bemerkte er in strengem Ton,„Sie müssen mir deshalb doch Namen und Adresse angeben.“ Schrecklich!„Ich glaube, die Kleine hat Ihr Haar, gnädige Frau“, sagte das neue Kindermädchen mit freundlichem Lächeln. „Um Himmels willen,“ rief die Dame und blickte von ihrem Roman auf,„laufen Sie schnell ins Kinderzimmer und nehmen Sie es ihr ab! Schrecklich, was das Kind alles anstellt!“ I Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General=Anzeiger für den Kreis Hörde. Haupt-Annoncenblatt. 116 Roman von Max Esch. (2 Foitsetzung.) (Nachdruck verboten.) „Leider wirst du auch varan zu tragen haben,“ erwiderte besorgt die Mutter,„denn du weißt ja nicht, was es heißt, zur Erntezeit keine Arbeitskräfte zu besitzen, Egon.“ „Beruhige dich, Mamachen,“ antwortete der Sohn. „Wenn ich die alten Leute schon gehen lasse, sage ich mir doch selbst, daß ich wieder neue dafür einstellen muß. Nun habe ich bereits vollen Ersatz und noch dazu billigeren, allerdings stammt er aus Polen. Das aber tut nichts zur Sache, da ich für polnisch sprechende Unteraufseher gesorgt habe, so daß die Sprachenfrage für die Inspektoren erledigt ist. Daß es eben Slaven sind, kümmert mich sehr wenig, denn die Leute sind billiger und lassen sich mehr gefallen als unsere deutschen Arbeiter. Sie sind noch nicht so aufgehetzt wie diese.“ „Es sind die ersten Polen, mein Sohn,“ warf die Mutter ein,„die auf dem Stammsitz der Feldens beschäftigt werden. Mir wäre es lieber, wenn das bisherige Verhältnis zwischen Herrschaft und Arbeitern auf Wossin nicht gestört worden wäre.“ „Auch mir, Mama,“ beeilte sich, peinlich berührt, Egon zu versichern,„hätte gar nichts Angenehmeres passieren können, als wenn die alten Leute geblieben wären. Da das aber durch deren Schuld nicht der Fall ist, wird Egon von Felden den Kerlen nicht nachlaufen, sondern ruhig in den sauren Apfel beißen und die Polen auf dem Stammsitz seiner Vorfahren ihren Einzug halten lassen. Dafür bin ich dann auch wieder Herr auf meinem Grund und Boden. Es war einfach für mich eine gebietende Notwendigkeit, polnisches Personal zu werben. Wenn ich das jetzt nicht tat, hätte ich diesen Schritt später doch unternehmen müssen, da mit den deutschen Arbeitern überhaupt kein Auskommen mehr ist." „Papa hat niemals über die Arbeiter zu klagen gehabt,“ bemerkte die Baronin. „Das ist ganz einfach, Mamachen,“ gab ironisch Egon zur Antwort,„Papa ließ in seiner Gutmütigkeit den Beamten und den Leuten allen Willen und sah nicht, wie er auf allen Ecken und Enden bestohlen wurde, wenn er nur Ruhe hatte.“ „Halt, Egon,“ unterbrach die Mutter,„Papas Gutmütigkeit hatte der Unehrlichkeit gegenüber eine feste Grenze. Da konnte er sehr energisch mit den Leuten reden, wenn er sie auf Unredlichkeiten ertappte, und darin war er bei allen gefürchtet. Zwar zeigte er niemand wegen Diebstahls an, aber seine väterlichen eindringenden Mahnungen wirkten nachhaltiger, wie alle Gerichtsstrafen. Daher ist es gekommen, daß ein Diebstahl auf Wossin zu Papas Lebzeiten fast undenkbar war.“ „Na ja,“ erwiderte in spöttischem Tonsalle der Sohn, „da sieht man wieder, wie leicht der liebe, herzensgute Papa zu täuschen war. Er war zu gut für diese Welt, deshalb mußte er leider die Augen zum ewigen Schlummer schließen, aber für uns war das gerade kein Unglück, denn hätte Papa noch einige Jahrzehnte in der bis herigen Weise weiter gewirtschaftet, dann würde es reiche Beamte und Tagelöhner, aber gänzlich verarmte Besitzer auf Wossin gegeben haben, dank Papas Gutmütigkeit. Es war hohe Zeit, daß eine energische Hand die Zügel auf Wossin ergriff, daß die Kerle endlich gewahr wurden, wo das Herrenrecht beginnt. Ich will dem lieben Verstorbenen keinen Vorwurf machen, Mama, aber gesagt mußte das einmal werden. Du wirst sehen, daß du dich bald genug in die neuen Verhältnisse eingelebt haben wirst, zumal wenn du siehst, daß der aus dem Gute herausgewirtschaftete Ertrag ständig höher wird. Das tut aber auch dringend not, denn das geringe Barvermögen, das Paxa hinterlassen, ist lange noch nicht ausreichend, um von den Zinsen die Zulagen für Fritz und Jeodor zu beschaffen. Gehörig muß ich in die Gutskasse greifen, um das Fehlende zu ergänzen, da ich es dir nicht zumuten möchte, die Zinsen deines Vermögens zu diesem Zwecke anzugreifen.“ Das Erwähnen ihres nicht unbeträchtlichen Vermögens war der Baronin unangenehm, denn sie vermutete schon in der bloßen Anspielung auf das Vorhandensein des Kapitals etwaige Gelüste auf das Geld selbst, das sie unter allen Umständen den jüngeren Söhnen hinterlassen wollte. Peinlich war Egon überrascht, als die Mutter ihm zur Antwort gab:„Du weißt aber auch, Egon, daß Papa sehr viel für die Hebung des Gutes getan hat. Die Drainage des ganzen Terrains, die Trockenlegung und Urbarmachung des Moores, das ständige Aufforsten des fast ganz abgesetzten Waldes verschlangen große Summen, um die die Besitzung heute wertwoller ist und die Papa sicher für deine Brüder herausgewirtschaftet hätte, wenn er am Leben geblieben wäre.“ Dieses Hinweisen auf seine moralische Pflicht, den Brüdern die Offizierszulage zu zahlen, war Egon äußerst unangenehm. Verdrießlich wandte er sich an die Mutter:„Gewiß war es sehr lobenswert von Papa, daß er das Gut verbesserte, den Segen aller Verbesserungen, mit Ausnahme der Aufforstung, aber hat er doch zum größten Teile schon selbst genossen. Dankbar werde ich Papa ja ständig sein, daß er die Verbesserungen einführte und darum auch den Brüdern, solange sie des Zuschusses bedürfen, diesen freiwillig zahlen. 2 5 STE SS 1 P FEESOS 66 * SEGGESE S T „S 65 EEES * □ ##S S 8 S SUET —— 8.15 5 5 5 85 S 8 87 8 S„ 8 1D S 15 S 5 S 5S E 48 12" 8 2 0 5 * * S 65 SES SSSE * 8 STFE 00 E**** * SSSAESE S.8 6PSg D SGBENSE Aber, Mama, rund heraus möchte ich es einmal erklären, daß ein gesetzlicher Zwang für mich nicht besteht. Weder in Papas letzter Willenserklärung, noch sonst traf er darüber irgendwelche schriftlichen noch mündlichen Anordnungen. Es ist ja selbstverständlich, daß ich als nunmehriger Chef der Familie alles zu tun bereit bin, damit deren Angehörige standesgemäß leben können, aber sie haben dafür mir auch zu folgen, sich meinen Anordnungen zu fügen, da neben den Pflichten auch die Rechte des Familienoberhauptes auf mich übergegangen sind.“ Bestürzt sah die Mutter zu dem Sohn hinüber, war das doch auch eine Absage in der deutlichsten Form an sie, die eigene Mutter. Aber so leicht wollte sie sich das Heft nicht entwinden lassen, obgleich sie sich selbst eingestand, daß die Stunde immer näher rückte, in der es zu einem völligen Bruche mit dem Sohne kommen mußte. Doch überstürzen wollte sie nichts, deshalb erwiderte sie, nachdem einige Zeit Schweigen in dem behaglichen Raume geherrscht, in gleichgültigem Tone: „Wozu regen wir uns über selbstverständlichen Formelkram auf, Egon. Mir gibt die Drohung, die der Ruschke ausgestoßen, zu denken Anlaß. Sieh dich vor, wenn du auf die Jagd gehst.“.. Liums s. „Pah, Mama,“ antwortete Egon,„ou nimmst die Sache zu tragisch und mißt ihr eine Bedeutung bei, die ihr absolut nicht zukommt. Wenn ich den Kerl noch einmal tressen sollte, wird er Fersengeld geben. Derlei Pack ist ja feige, wenn man ihm die Zähne zeigt.“ Daß er von dem feigen Pack zwei derbe Bakkenstreiche erhalten, hatte er der Mutter wohlweislich verschwiegen, trotzdem sie noch jetzt heiß zu brennen schienen, da die Mutter des Vorfalls Erwähnung getan. Um neuen unbequemen Fragen aus dem Wege zu gehen, lenkte er das Gespräch auf den Müller Ilgen.„Weniger der Ruschke, als Ilgen gibt mir zu Sorgen Veranlassung,“ nahm er das Gespräch wieder auf.„Der Müller bewöhnt mit seinen Leuten das mitten im Walde gelegene Gehöft ganz allein, auf mehrere Stunden in der Umgebung besitzt er keinen Nachbar. Die bewaldeten hohen Bachufer besitzen den besten Rehwildstand auf ganz Wessin, da die Tiere in dem dichten Unterholze genügenden Schutz haben. Wenn nun der Ilgen aber ein Wilddieb ist, wie Frählich sagt, dann kann der Kerl mir den ganzen Wildstand ruinieren. Dem muß ein Ende gemacht werden, und zwar 1„Wenn Fröhlich den Müller des Wildfrevels beschuldigt,“ gab zweifelnden Tones die Mutter zur Antwort,„muß ich an das Vorhandensein eines Grundes zu einer solchen Beschuldigung glauben, denn Fröhlich in jedem Jahre noch auf die Pachtsumme draufzulegen, wenn ich nach dem Buchstaben des Vertrages gehen wollte.„ 44—4 Ki. M. „Du übertreivst, Egon,- unterbrach die Mutter. „Billig genug hat Ilgen die Mühle ja, so daß er gut und gern tausend Mark mehr Pacht aufs Jahr zahlen könnte, aber die Reparaturen verschlangen doch niemals mehr als die Hälfte der Pachtsumme. In verschiedenen Jahren wurden überhaupt keine nennenswerten Reparaturen ausgefährt....„Bumg“ bif Eaan den „Du siehst also selost ein, Mama, grig ogon den Faden auf,„daß der Müller gut tausend Mark mehr auf das Jahr zahlen könnte. Das macht in den zwöl Jahren, die der Vertrag noch läuft, zwölftausend Mart Mehreinnahme für mich, ohne die Zinsen.“ „Schlimm für dich, Egon, daß du an den Vertrag gebunden bist,“ gab die Baronin bedauernd zur Antwort,„sonst könntest du den Müller ja kündigen, denn das Geld ist heute für jedermann eine sehr begehrte Ware, von der man niemals zu viel besitzen kann Wirklich schade, daß du an den Vertrag gebunden Nachdenklich sah der Sohn zum Fenster hinaus. Nach einiger Zeit wandte er sich an die Mutter:„Ich werde den Vertrag zu lösen wissen, und wenn Ilgen nicht gutmütig auf meine Vorschläge eingeht, mag ihn das Gericht zwingen.„„„ „Du wolltest den Vertrag in der Tar kundigen?“ fragte erstaunt die Baronin..... ge Sog „Das ist meine feste Absicht,“ gab der Soyn zur Antwort.„Die Sache hat ihre Richtigkeit, und ein jedes Gericht wird mir recht geben, wenn der Müller sich auf die Hinterbeine setzen sollte. In dem Vertrage heißt es im Paragraph 15, daß das Pachtverhältnis nach voraufgegangener einhalbjähriger Kündigung gegen Zahlung einer Abfindungssumme von dreitausend Mark an den Müller gelöst werden kann, wenn die Gutsverwaltung die Mühle zu einer gewerblichen, insbesondere zu einer elektrischen Anlage verwenden will.“ willst du denn eine elektrische Zentrale in der Mühle errichten?“ fragte staunend die Mutter. „Von einem solchen Plan hast du mir ja noch keine Silbe verraten.“. „Denke gar nicht baran,“ gab der Sohn trockenen Tones zurück.„Wenn der Müller Vernunft annimmt, bleibt alles beim alten, nur soll er das Doppelte der bisherigen Pachtsumme entrichten, sonst muß er die Mühle räumen. Einen Pächter, der das zahlt, was ich verlange, bekomme ich jeden Tag. Das nächste wird sein, daß ich einen Ingenieur mit den Vorarbeiten betraue, dann denkt der Müller, die Bauerei soll beee. i hester Pcamter als daß er ohne einen ginnen. Den Inspektoren habe ich bereits davon Mitst ein zu. gewiseyh Zutlagg zen rusrde Aber n##.. sch L# solchen eine so schwere Anttage erheden wurde. Aber ich kann nicht umhin, dir zu bemerken, daß Ilgen ein durchaus ehrlicher Mann ist, der den Vater vor langen 910 teilung gemacht, daß ich die Mühle umzubauen beabsichtige. Sie werden schon dafür Sorge tragen, daß der Müller davon erfährt, so trifft ihn die Kündigung hot v. irgend einen Pfennig Ziusen zu nehmen.„Weun, du glaubst, daß du mit deinem Plane *“ Hacer„#. S en dak Fröblich Ich möchte oayer noch immer annehmen, daß Fröhlich einer Mystifikation zum Opfer gefallen ist." n biß sich auf die Lippen, vermutete er doch nicht, daß seine Mutter des Müllers Partei nehmen würde. Um seine ungemütliche Stimmung nicht auf; kommen zu lassen, erwiderte er hastig:„Den Daar hat Papa dem Müller geradezu fürstlich betätigt. Bei der Mühlenpacht, die Ilgen zahlt und nach dem neuen Vertrage auf zwölf weitere Jahre zu entrichten hat, muß er ein steinreicher Mann werden, wir aber haben weiter nichts zu tun, als auf die Pachrsumme jährlich noch ein hübsches Sümmchen zu legen, damit die nötigen Reparaturen am Wehre, dem Werke, den Ufern, den Turbinen und den Gebäuden vorgenommen werden können, die wir laut Vertrag auszuführen haben. Wie Papa, wenn er selbst Grund zur Dankbarkeit dem Müller gegenüber zu haben glaubte, uns eine solche Belastung hinterlassen konnte, ist mir ein=Rätsel. Ich habe burchtommft, nur dem Sohne bei. zu, Egon,“ pflichtete die Baronin „Aber selbstverständlich, Mama,“ gab der Baron lächelnd zurück.„Ilgen wird ja schimpfen und wettern, aber zahlen muß er, oder er geht. Etwas anderes kann es gar nicht geben. Der Vertrag lautet ja deutlich genug. Was nach seiner erfolgten Aufhevung zu geschehen hat, steht ja nicht darin verzeichnet. Dann kann ich immer noch tun und lassen, was ich will. Wenn ich einen kleinen Dynamo einbaue, ist dem Buchstaben des Vertrages schon Genüge geschehen. Elektrisches Licht und ebensolche Energie für das Gut fallen nebenbei ab. Selbstredend bleibt die Mühle im vollen Umsange als solche weiter bestehen. Und ich möchte das Gericht sehen, das eine andere Entscheidung fällen wird." (Fortsetzung folgt.) „SDSER GSS LSn S#g C Wenkspruch. Wenn an jedes lose Maul En Schleß müßt' angehängt werden. Dann wär die edle Schlosserkunst Die beste Kunst auf Erden. GHandwerkerspruch.) 13 Winter. Von Robert Eckert. (Nachdruck verboten.) ##an nauute ihn immer noch den schönen Aribert. Seine aufrechte, elastische Gestalt, das faltenlose Gesicht unter dunkelglänzendem, sorgfältig gezogenen Scheitel täuschten über sein Alter hinweg, ließen ihn jugendlich erscheinen. Und doch hatte er die Mitte der Fünfzig bereits überschritten. Er erinnerte sich nicht gern daran. Wer ihm zu keinem Geburtstag gratulierte, den wünschte er ins Pfefferland, Fragen nach seinem Alter ließ er mit der ihm eigenen liebenswürdigen Manier unheuch Er war ein Lebenskünstler, wollte die Freuven des Daseins auskosten bis auf die Neige. Seit zwanzig Jahren Wilwer, führte er das ungebundene Leben eines Junggesellen. Als seine junge Frau damais, nach einer zweijährigen, an Enttäuschungen reichen Ehe für immer die Augen schloß, da wagte sich neben der Trauer um die Dahingeschiedene alsbald das Frohgefühl über die wiedererlangte Freiheit hervor. Sein Töchterchen, die kleine Margot, brachte er bei fremden Leuten unter, welchen er pünktlich an jedem Monatsersten durch seinen Bankier ein reichliches Pflegegeld senden ließ. Auf diese Weise glaubte er seiner väterlichen Pflicht vollauf genügt zu haben. Niemals äußerte er den Wunsch, Margot zu sehen, und bei den wenigen Zusammenkünften, die er mit ihr gehabt, war kein vertrauliches Wort zwischen ihm und seinem Kinde gesprochen worden. Die mehr als zierliche Kleine mit dem hageren Gesicht und den spitzen Schultern war und blieb für ihn, den Anbeter vollendeter Frauenschöne, ein fremdes Wesen, mit welchem nichts ihn verknüpfte als jenes Band, welches er verleugnet haben würde, wenn das in seiner Nacht gestanden häütte.#.; griagshegl, Margot war längst erwachsen. Bei scriegsbeginn hatte sie ihr Examen als Krankenpflegerin gemacht. Seitdem hörte er fast gar nichts mehr von ihr. Er fand es sehr seltsam, daß ein blutjunges Mädchen sich in dem Dienst der Nächstenliebe gefiel, doch was ging es ihn an, mochte doch jeder nach seiner Fasson selig Der Wintersturm rauschte sein schauriges Lied, drang mit eisigem Atem durch die feinsten Ritzen ins Aribert sandte einen anklagenden Blick zum wollenverhangenen Himmel hinauf. Der Schnee hing nur Wollte sich heute kein Stückchen Himmelsblau Aribert hatte dach mit einer füßen Kleinen ein Zusammentrefsen im Stadtpark verabredet! Etwas besonders Reizendes und Zierliches war es, was ihn hinauslockte. Plötzlich zuckte er zusammen. Da war wieder dieser ziehende, reißende Schmerz vom Knöchel bis zur Hüfte. Wie ein Erzittern ging es durch die schlanke, sehnige Gestalt des alternden Mannes. Schwer mußte er sich stützen. Das war doch, als versage das linke Bein ihm den Dienst! 1 IAns#uu!“ ar riß sich zusammen. Durch so ein btichen Ziehen in den Gliedern läßt man sich doch nicht beunruhigen! Es war übrigens schon vorüber. Aribert hatte mit gewohnter Sorgfalt Toiletie gemacht, er nahm den Mandel um und schritt hinaus Wie kam es nur, daß es ihn heute so eisig durchEr versuchte es, sich die Reize der autzückenden Kleiuen vorzustellen, welche ihn vielleicht schon sehnMit diesen zuschuldsvollen Mädchen von zwanzig Jahren baudelte er am liebsten an, sie waren so empsänglich für Schmeichelworte, sahen so gläubig und vertrauend zu ihm auf. Die Stadien der bis zum ersten Kuß bereiteten ihm, dem Erfahrenen, jedesmal den höchsten Genuß. Danach pflegten dann noch einige Zusammenkünfte zu folgen, und wenn schüchterne Zuneigung sich in heiße, sordernde Leidenschaft zu wandeln begann, wußte Aribert unter einem Vorwande zu verschwinden auf Nimmerwiederkehr. Mit der braunkockigen Frieda hatte er das erste Stelldichein. Im Vorgesühl der reizenden Skunden, die seiner warteten, schritt Aribert schneller aus. Ihm Kun war er wieder jung! Der schneidend kalte Wind kennte ihm nichts anhaben. Mit federndem Gange schritt er vorwärts. Frieda war nicht zur Stelle. Aber sie wurde natürlich kommen!.. L.ar Schritg, Bsick Aribert machte ein paur Schrilte, vlieb stehen, Er war es nicht gewohnt, zu warten. Verstimmt trat er von einem Fuß auf den anderen. Es begann zu schneien. Die kalten Flouen erreven Pötzlich durchschauerte es ihn eisig, und zugleich packte ihn ein so grausamer, krampfartiger Schmerz in der linken Hüfte, daß er nur mit Mühe einen Ausschrei unterdrückte. Er taumelte und mußte einen. Baumstamm umklammern, um nicht zu Boden zu fallen. Sein Gesicht verzerrte sich; denn der Schmerz ließ nicht nach, sondern wurde heftiger. Es kostete ihn eine so gewaltige Anstrengung, sich aufrecht zu halten, daß er nach wenigen Minuten wie badet war. Er fühlte sich einer Ohnmacht nahe. Er verwünschte es, daß er bei dem schlechten Wetter ausgegangen war. Wenn er hier zusammenbrach, war er verloren, denn weit und breit war kein Meusch Es wurde nicht besser. Er wagte keinen Schritt gehen. Verzweiflungsvoll vor sich hinstöhnend, stand er wie festgebannt. Er war unfähig, sich vorwärts Da endlich bemerkte er ein weibliches Wesen in Schwesterntracht. Sie kam rasch näher, beim Anblick des Schwerleidenden stutzte sie, blieb stehen und fragte: „Kann ich Ihnen helfen, mein Herr?“ Ein lebhaftes graues Augenpaar blickte teilnahmsvoll zu dem Manne auf. In demselben Moment ertönte aus beider Munde ein Ausruf: „Vater!"....„Margot!“ Vater und Tochter hatten sich erkannt. Auf den Arm seines Kindes gestützt, gelangte Aribert nach Hause. Margot sorgte, daß er sogleich in wollene Decken gehüllt wurde. Ohne zu widertprechen, ließ er es sich gefallen. Der Anfall war zu schreulich, In halb liegender Stellung saßz er auf seinem Ruhebett. Er fühlle, daß der Winter seines Lebens gekommen war. Ein herbes Weh wollte ihn beschleichen, h er wehrte sich dagegen. Er hatte ja seine T## gefunden, sie würde ihn umhegen und pflegen. eich diese Weise ließ sich wohl auch das Alter ertragen.