B Die„Schwerter Jettung“ erschein läglich guße Feiertags. Bezugsprets monatlich A.— M., bei der Dost 15.— M., ohne Bestellgelo. Anzeigenpreise: Die 1 mmn hohe. 35 mm breite Jei.80%„auswärts 1. M. Lei Wiederho.ungen entsprechende: Auchlaß u. Taris. Jeder Rabal: gi als Kassenradatt und erlischt bei Kondursen, Zpengovergleichen, gerichtlüichen blagen u. Züchtbeachten bei gemudten Jahlungsbedingungen Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oolkszeitung Schwerter Oolksblatt 56 2 Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Holzwickeder Zeitung Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Du„Schwerter Zellung“ gewührt ihren Adonnenlen für jeden mit Tod endenden Aufall gemaäß bren Se. 500 Mark Unfall Naginges Druck u. Ver.ag u. Curi Sr#u#. Fernsprech- Arselub Grau::* Telegramm=Adretze: Biamn, Godern Rudr. Dosaumub B. J, Somssent 21c74. Nr. 2 Boss un Neujahrsempfang beim Reichspräsidenten. Der Reichspräsident Ebert hat am jahrestage die Chefs aller Berliner fremden diplomatischen Vertretungen aus Anlaß des Jahreswechsels empfangen. Der Apostolische Nuntius Mons. Pacelli als Doyen des diplomatischen Korps hielt folgende Ansprache: Herr Präsident! Zum erstenmale seit dem Weltkriege versammelt sich das diplomatische Korps in Berlin aus Anlaß des Neujahrsfestes vor dem höchsten Beamten der Deutschen Republik. Ein glückliches Ereignis, ein Sinnbild der fortschreitenden Rückkehr der Menschlichkeit zum Ideal der Brüderlichkeit und des Friedens zwischen den Völkern. Möge die göttliche Vorsehung, die die Menschen zum edlen Streben anfeuert und sie leitet, es Ihnen ermöglichen, trotz der Verschiedenheit der Stämme und Staaten, in diesem Jahre die wirkliche und dauerhafte Versöhnung zu vollenden, die von Allen aufrichtig ersehnt wird und sich auf Beachtung des Rechtes, auf der fruchtbaren und friedlichen Arbeit und auf den ewigen Gesetzen der Gerechtigkeit und der Wahrheit gründen. Von diesen Gefühlen durchdrungen, bringen wir Ihnen heute, Herr Präsident, inmitten der schwierigen Aufgabe der Gegenwart unsere Huldigung und gleichzeitig unsere Glückwünsche für Sie und das deutsche Volk dar. Der Reichspräsident erwiderte darauf mit folgenden Worten: Herr Nuntius! Für die Glückwünsche, die Eiv. Exzellenz als Sprecher des diplomatischen Korps zum Jahreswechsel dem deutschen Volke und mir als seinem Vertreter dargeboten haben, bitte ich, meinen tiefgefühlten Dank entgegenzunehmen. Gern folge ich Ihnen in dem Gedanken, den heutigen Besuch der Herren Vertreter der fremden Mächte als Symbol einer allmählichen Rückkehr der Menschheit zum Frieden zu betrachten. Der Umstand, daß diese Worte aus dem Munde des Vertreters Seiner Heiligkeit, des Papstes kom= men, der sein vornehmstes Ziel darin erblickt, Frieden auf Erden zu schaffen und zu erhalten, gibt ihnen in meinen Augen besondere Bedeutung. Das deutsche Volk wünscht für sich nichts anderes, als in friedlicher Arbeit neben den übrigen Völkern sein nationales Dasein wieder aufzubauen. Es gibt sich der Hoffnung hin, daß im kommenden Jahre die Erkenntnis der Weltnotwendigkeiten weiter wächst, und daß in dieser Erkenntnis jede Nation sich bemühen werde, durch fruchtbare Zusammenarbeit mit allen übrigen Völkern der Menschheit den wahren und aufrichtigen Frieden zu geben. Mit dieser Hoffnung im Herzen und durchdrungen von dem Bewußtsein. daß ihre Erfüllung geboten ist, bitte ich Sie, meine Herren, auch meine Glückwünsche für IhrWohlergehen und für das Gedeihen der von Ihnen vertretenen Regierungen und Völker entgegenzunehmen. Dienstag, 3. Januar 1922 §5. Jahrgang Wie deutsch-Rmerikaner herrn Briand heimleuchten. seiner bekannten Rede im„Lotos=Club" hatte der französische Ministerpräsident Briand unter anderem das folgende gesagt: „Im Kriege kämpften Deutsch=Amerikaner als Soldaten der 32. Division Schulter an Schulter mit uns... Sie kämpften und sie sagten uns, daß sie nicht gegen Deutschland, sondern gegen den Geist der Unterdrückung, gegen das Deutschland der Hohenzollern, gegen das Deutschland der militärischen Tendenzen kämpften... Hier stehe ich und rufe diesen Deutsch=Amerikanern zu: „Warum erhebt Ihr nicht Eure Stimme, daß sie über den Ozean dringe zu jenen, deren Blutes Ihr seid? Warum ratet Ihr ihnen nicht, uns entgegenzulommen und alles in ihren Kräften Stehende zu tun zur Wiederherstellung der Ruhe? Sagt Ihnen, daß sie von Frankreich nichts zu fürchten haben.“ Darauf wird im Sonntagsblatt der„Neuyorker Staatszeitung“ eine Antwort der DeutschAmerikaner veröffentlicht, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt und die in Deutschland gar nicht weit genug bekannt werden kann, um zu beweisen, wie man drüben über Frankreichs Erpresserpolitik gegenüber Deutschland denkt. Diese Antwort lautet: „Ja, Herr Briand, die Amerikaner deutschen Stammes haben auf französischem Boden ihr Blut vergossen; sie haben gegen das Land ihrer Väter und Mütter und Geschwister gekämpft; und sie haben als Amerikaner in Erfüllung ihres Bürgereides gekämpft, weil es einem Woodrow Wilson in seinem Ratschlusse gefiel, unser Land in diesen Krieg zu treiven... unser Land— my rountry right or wrong. Sie haben gekämpft„für Freiheit und Gerechtigkeit, für Selbstbestimmung und Demokratie"— sie haben aber nicht gekämpft für die Befriedigung der französischen Rachegefühle, habein ncht gekämpft für die Losreißung deutscher Landesteile vom deutschen Mutterland, nicht für die Rückgabe des deutschen Elsaß=Lothringen, das Frankreich einst im Frieden gestohlen; nicht für den Raub des deutschen Malmedy=Eupen, nicht für den Raub von Danzig Memel, Tirol; nicht für die Knechtung des Saargebietes; nicht für die Vergewaltigung Oberschlesiens. Sie haben gekämpft für die Gerechtigkeit und den Frieden, aber nicht für das Verbrechen an Recht und Frieden—, nicht für den Vertrag von Versailles... nicht für die Vernichtung Deutschlands. Unsere Söhne, diese treuen Amerikaner, in dern raten, den Franzosen entgegenzukommen und Sie, Herr Briand sagen— gegen das Deutschland der Hohenzollern und gegen deutschen Militarismus ins Feld gezogen. Nehmen wir einmal an, daß Ihre Auslegung zutreffe. Haben wir unsere Söhne über den Ozean geschickt, haben unsere Söhne Gesundheit und Leben geopfert, damit das Deutschland der Hohenzollern, damit der deutsche Militarismus zerstört und aus seinen Ruinen das Frankreich Louis des Vierzehnten und Napoleons des Ersten und der weit schlimmere, maßlos freche und unerträgliche französische Militarismus aufsteige? Wir Deutsch=Amerikaner sollen unseren Brüden raten, den Franzosen entgegenzukommen und alles in ihren Kräften zur Wiederherstellung des Friedens zu tun! Wie könnten wir das mit gutem Gewissen verantworten? Ist Deutschland, machtlos und waffenlos, nicht bis zum äußersten gegangen? Hat es nicht den Schwertfrieden unterzeichnet, den Diktaten von Spa, Boulogne, Genf, nicht allen Diktaten sie gefügt? Tut es nicht alles in seinen Kräften, tut es nicht, alles über seine Kräfte, gibt es nicht den letzten Heller, das letzte Hemd, das letzte Brot, um den Heißhunger, die Gier und die maßlose Gefräßigkeit der Franzosen zu stillen? Was soll es denn noch tun? Sollen wir ihm raten, daß es die Hand noch küßt, die mit sadistischer Lust ihm den letzten Blutstropfen aus dem Herzen drücken möchte? Sie sagen, Deutschland habe von Frankreich nichts zu fürchten... Und wo ist der Beweis dafür? Nicht am Rhein und nicht in Oberschlesien, nicht in der Eintreibung der Reparationen und nicht in den ewigen endlosen Drohungen— und am allerwenigsten in der verlogenen, verhetzenden, verleumdenden Rede, die Sie, Herr Briand, vor der Konferenz in Washington zur Sanktionierung des französischen Militarismus und Imperialismus gehalten haben. Wir wollen und werden unsere Stimme erheben, nicht, daß sie über den Ozean, daß sie nach Washington dringe. Wir wollen und werden im Namen der Gerechtigkeit und des Friedens, im Namen unserer für Gerechtigkeit und Frieden gefallenen Söhne eins fordern und so lange fordern, bis unser Wunsch erfüllt ist: die Revision des Schandvertrages von Versailles— damit der Herrschaft und Tyrannei des militaristischen Frankreichs ein Ende bereitet, damit der Welt endlich wieder Frieden werde.“ Der U=Boot=Streit in Washington. Die Abrüstungskomödie in Washington soll allem Anschein nach noch eine Zeitlang weitergespielt werden. Alle Bemühungen der Konferenz, eine Verminderung der Rüstungen herbeizuführen, scheitern stets an der ablehnenden Haltung der französischen Delegierten. Die Frage der Abrüstung zu Lande wurde auf Verlangen Briands von der Tagesordnung abgesetzt und war damit von vornherein erledigt. Bei der Regelung der Abrüstung zur See wäee es beinahe ebenso gekommen. Frankreich stellte plötzlich maßlose Flottenforderungen, durch die das ganze Abrüstungsprogramm der Washingtoner Konferenz über den Haufen geworfen zu werden schien. Diesmal jedoch gaben die übrigen Mächte nicht so leicht nach und die französische Regierung mußte ihre Ansprüche erheblich zurückschrauben. Trotz dieser offensichtlichen diplomatischen Niederlage gaben die französischen Delegierten ihre Sache noch nicht verloren und suchten den Verzicht auf die Großkampfschiffe durch Vermehrung der 1Boot=Tonnage wett zu machen. Seit Wochen wird jetzt in Washington über die Zahl der Boote gestritten, die künftig jede Seemacht haben soll. Nachdem England mit seiner Forderung, die Unterseeboote als Kriegswaffe überhaupt abzuschaffen, allein geblieben war, hatte jetzt der mit dieser Frage betraute Fünfzehner=Ausschuß sich auf den amerikanischen Vorschlag geeinigt, für Amerika und England je 60000 Tonnen und für Frankreich, Japan und Italien annähernd ihre bisherige Tonnage, je 31000 Tonnen, festzusetzen. Dieser amerikanische Vorschlag bedeutet eine Herabsetzung der U=Boot=Tonnage für Amerik und England um 30000 Tonnen gegenüber den ursprünglich vorgesehenen 90000 Tonnen. Eine Einigung kam jedoch nicht zustande, weil Frankreich in dem Augenblick, wo die Welt abrüsten soll, die dreifache Zahl von U=Booten forderte, als es bisher hatte. Der französische Admiral Lebon wies darauf hin, daß 90000 Tonnen die niedrigste Ziffer sei, die überhaupt für ein Land, das U=Boote halten wollte, in Betracht komme. Eine geringere Zahl käme einem Verbot, U=Boote bauen, gleich. Der englische Delegierte Balfour erklärte hierauf, diese Forderung Frankreichss stelle eine Bedrohung der Sicherheit Großbeitanniens dar. Natürlich beeilte sich der französische Minister Sarxant, seit Briands und Vivianis Abreise Führer der französischen Delegation, zu betonen, daß Frankreich diese Zahl von U=Booten lediglich zu Verteidigungszwecken brauche. Die französische Erklärung, daß Frankreich mit noch weniger als 90000 Tonnen U=Boote nicht auskommen könne, ist um so merkwürdiger, als Italien sich ohne weiteres bereit erklärte, nur 31000 Tonnen zu haben, wenn Frankreich sich mit dieser Ziffer zufrieden geben würde. Selbst das Inselreich Japan, bisher eine der größten Seemächte, verlangt als Mindestziffer bloß 54000 Tonnen an U=Booten. Offenbar handelt es sich bei der U=Boot=Forderung der französischen Delegation nur um einen neuen Schachzug der französischen Politik, die durch einen Verzicht auf die U=Boote neue Vorteile auf einem anderen Gebiete erreichen will. Der Washingtoner Sonderberichterstatter der„Chicago Tribune“ weiß bereits zu berichten. Frankreich werde möglicherweise ein FünfMächte=Abkommen für den Atlantischen Ozean und die anderen europäischen Gewässer nach dem Vorbilde des Viermächte=Abkommens für den Stillen Ozean vorschlagen. Dies würde Frankreichs Bedingung für die Annahme einer Verminderung seiner Unterseeboots=Tonnage unter 90000 Tonnen sein. sie haben sich doch die Ansichten über die UBoote seit dem Kriege geändert! Frankreich, das, so lange Deutschland in dieser Waffe die Führung hatte, nicht genug gegen das„barbarische" U=Boot wettern konnte, glaubt jetzt auf das „völkerrechtswidrige Kriegsmittel" nicht verzichten zu können und stellt darüber hinaus, ohne Rücksicht auf England, das seine Seeherrschaft durch diese Schiffsart bedroht sieht, weitgehende Forderungen, denen die Washingtoner Abrüstungs=Konferenz niemals zustimmen kann, wenn sie sich nicht vor aller Welt lächerlich machen will. Oberschlesien. Die deutsch=polnischen Wirkschaftsverhandlungen. Die Unterkommission für Eisenbahn hat in Kattowitz als erste der Unterkommissionen für die deutsch=polnischen Wirtschaftsverhandlungen ihre Verhandlungen mit den polnischen Delegierten wieder ausgenommen Ebenfalls festsetzungskommission nach einer kurzen Weihnachtspause ihre schwierigen Arbeiten wieder ausgenommen und beschäftigt sich im Kreise Rativor mit der Festlegung der endgültigen Grenze. Dabei kam es zu einer bemerkenswerten Demonstration, indem 700 Einwohner des Dorfes Hohenbirken, welches östlich von Ratibor liegt, bei der Grenzfestsetzungskommission gegen eine Zuteilung an Polen protestieren. Die Einwohner erklärten, unbedingt mit der Stadt Rativor, von der ja alle Lebensmöglichkeiten kämen, vereint bleiben zu wollen Ueberhaupt wird ja der Kreis Rybnik und der östliche „Teil des Kreises Rativor nach der endgültigen Zukeilung an Polen bald genug Lebensmittelmangel in größerem Maße zu spüren haben, erhält doch dieses Gebiet seine gesamte Lebensmittelzufuhr aus dem Kreise Rativor westlich der Oder. Gott sei Dank ist auch im polnisch werdenden Oberschlesien nach der ersten Vestürzung eine ruhigere Auffassung sder Lage unter den Deutschen eingetreten. Wie lietzt bekannt wird, hat sich bereits eine größere Anzahl von Bürgermeistern und leitenden Gemeindebeamten bereit erklärt, ihren Posten auch nach der Uebergabe des Landes an Polen beizubehalten. Auch eine Anzahl von deutschgesinnten Lehrern, meist„Deutsche, die der deutschen und polnischen Sprache mächtig sind, hat sich bereit erklärt, unter polnischer Herrschaft auszuharren Dagegen scheint bis jetzt kein einziger deutscher Richter zum Bleiben beiogen worden zu sein. In Kattowitz arbeiten die Polen in einer Zentralstelle fieberhaft an der Organisation der polnischen Verwaltung für das polnisch werdende Oberschlesien und geben einen dauerndeu Bericht in Form eines Interviews über den jeweiligen Stand der Arbeiten heraus. Von Interesse ist vielleicht auch das, was ein Pole vor einigen Tagen über die Zukunft von Kattowitz unter polnischer Herrschaft sagte. Die Stadt wird bekanntlich Hauptstadt der Woywodschaft Schlesten. Sie soll ein Amtsgericht, ein Landgericht und die Woywodschaftsverwaltung selbst erhalten. Der Woywode würde im Schlosse des Fürsten Pleß in Pleß residieren. Die Vororte von Kattowitz sollen eingemeindet werden. Der Zuzug vieler Beamten(wahrscheinlich aus Kongreßpolen) und die Benötigung vieler Räume zu Verwaltungszwecken bedinge eine Erhöhung der Bautätigkeit, sagte der polnische Herr weiter und so würden große Baugelände seitens der Stadt und des Staates angekauft werden, auf welchen im Frühjahr mit der Errichtung vieler staatlicher Gebäude und Wohnhäuser begonnen werden würde. Ich glaube, daß unter der deutschen Bevölkerung des polnisch werdenden Oberschlesien doch gewisse Zweifel, die ja leider nur allzu berechtigt sind, über diese Projekte herrschen werden. — Die Not der Zeitungen ist weiter verschärft worden. Der Papierpreis, der gegenüber dem Friedenspreis eine Verteuerung von etwa 300 Prozent erfahren hatte, ist weiter vom 1. Januar ab von 348 Mark auf 679,50 Mark für 100 Kilo gestiegen, ohne Eisenbahnfracht. Außer diesem Hauptfaktor zur Herstellung einer Zeitung kommt die erneute Lohn= und Gehaltssteigerung der letzten Wochen, sowie der Preisaufschlag aller Materialien dazu, die Verteuerung von Licht, Gas, Heizung und die für den Nachrichtendienst einer Zeitung erheblich ins Gewicht fallenden Erhöhungen bei Post, Telegraph und Fernsprecher in Betracht; alles zusammen eine Unsumme neuer Mehrlasten, die leider eine Erhöhung des Bezugspreises aller deutschen Blätter zur gebieterischen Notwendigkeit machen. Nur schweren Herzens haben wir uns zu dieser Maßnahme entschlossen, aber wir tun es im Hinblick auf die Einsicht unserer Leser, die uns hoffentlich auch in dieser schweren Zeit die Treue wahren werden. An dem weiteren Ausbau unserer Zeitung werden wir unablässig weiter arbeiten. Die„Schwerter Zeitung" kostet von jetzt ab monatlich 14 Mark einschließlich Trägerlohn. zu Personalentlassungen, wenn nicht zur gänzlichen Schließung des Betriebes genötigt sein. Wertvolles Material, das für die besonderen Zwecke angeschafft wurde, liegt auf diese Weise brach, und der Vorteil, der der Reichsdruckerei erwächst, führt zu einer schmeren Schädigung der Privatindustrie. Der Erlaß selbst verstößt auch gegen die frühere Zusage der Ministerien, die auf die Bedenken gegen die Kreditbewilligung für Erwerb, bezw. Vergrößerung der Reichsdruckerei die beruhigende Vesicherung abgegeben haben, daß eine Konkurrenz mit dar Privatindustrie vollkommen ausgeschlossen sei. Konkurrenz der Reschsdruckerei gegen Privatdruckereien. Auf Grund eines Erlasses des Reichsfinanzministeriums ist kürzlich den Privatdruckereien, welche auf Grund von Verträgen Drucksachen für Behörden herstellen, die Kündigung der Lieferungsverträge in Aussicht gestellt worden, und zum Teil ist diese Kündigung auch bereits ausgesprochen worden. Der innere Grund dieser Kündigung ist der, daß die Reichsdruckerei in den letzten Jahren so erheblich vergrößert worden ist, daß ein Ueberschuß an Gebäuden, Maschinen und damit auch an Arbeitspersonal eingetreten ist. Da die Arbeiten in der Reichsdruckerei nun nachgelassen haben und die Maschinen, sowie das Personal infolgedessen nicht mehr voll beschäftigt sind, will man jetzt den Privatdruckereien die zum großen Teil langjährigen Verträge kündigen und hofft, auf diesem Wege ein Defizit der Reichsdruckerei zu vermeiden. Die Folge wird naturgemäß sein, daß bei einem wiederkehrenden stärkeren Bedarf des Reiches an Drucksachen neue große Bauten und Maschinenanschaffungen sich als nötig erweisen. Der augenblickliche Zweck jedoch, den der Erlaß haben soll, dem augenblicklich beschäftigungslosen Personal der Reichsdruckerei Arbeit zu geben und auf diese Weise Entlassungen zu vermeiden, wird nicht erreicht. Dagegen wird eine große Zahl von Privatdruckereien in große Not und Bedrängnis geraten und Stadt und Land. Schwerte, den 3. Januar. ** Unsere Einwohnerzahl. Nach der nunmehr erfolgten Feststellung der Personenstandsaufnahme beträgt die Einwohnerzahl 15149 und zwar: 9653 evangelischer Relegion, 5260 katholiReligion, 85 jüdischer Religion, 151 T denten. ** Beschleunigte Personenzüge 4 Klasse. Die Reichsbahn, die zum 1. Februar, um der allgemeinen Preissteigerung zu folgen, die Personentarife um 75 Prozent erhöhen muß, wird zum Ausgleich für die unvermeidliche Härte beschleunigte Personenzüge mit 4. Klasse einführen, die auf weite Entfernungen durchgehen und für die Hauptverkehrsplätze günstige Verkehrszeiten aufweisen. Die Züge werden mit der bei Personenzügen üblichen Geschwindigkeit verkehren, aber erheblich weniger Zeit als die heute verkehrenden Personenzüge brauchen, da sie nur an den wichtigsten Stationen Aufenthalt nehmen sollen. Die Einführung der Züge ist mit dem Inkrafttreten des neuen Fahrplanes, d. h. zum 1. Juni 1922 geplant. Die Züge werden für die wichtigsten Verkehrsbeziehungen, z. B. Berlin—München, Berlin=Frankfurt, Berlin—Hamburg u. a. m. geschaffen werden. Sie werden die 3. und 4. Klasse führen, die 2. Klasse nur in Ausnahmefällen. Der Fahrplan und die Fahrzeiten der Züge stehen noch nicht fest, doch wird man den Fahrplan im allgemeinen so einrichten müssen, daß man etwa am früheen Morgen in Berlin abfährt und am späten Abend in München ankommt oder umgekehrt. Aehnliches würde für die anderen Verkehrsbedingungen getroffen. ** Vortragsvereinigung. Durch einen unvorhergesehenen Zufall wird der Januar drei Vorträge bringen: für den 16. und 17. waren Experimentalvorträge aus dem Gebiet der modernen Elektrizitätswissenschaft vorgesehen; nun meldet sich für den 12. Januar Herr Pfarrer Engelhardt, der seinen für später bestimmten Vortrag jetzt schon halten muß, da er im März nach Schweden geht. Herr Pfarrer Engelhardt, der Gründer der vorbildlichen Volkshochschule in Hamburg, wird über„Kulturaufgaben der modernen Jugendbewegung“, sprechen, und er ist wohl berufen, das Wort zu diesem Thema zu ergreifen, hat er doch schon gestaltend und sördernd auf die Jugendbewegung eingewirkt. Auf der lieblichen Elgersburg, die ihm ein deutscher General zu dem Zweck überlassen hat, hat er eine Gemeinschaftsstätte gegründet. Hier versammelt er die suchende, strebende Jugend um sich, zeigt ihr bedeutende Lebensziele und weist ihr die Wege zur Erreichung dieser Ziele. Aus dieser Schar sucht er Führernaturen zu gewinnen, die,„gesichert in einem deutschen Glauben, vorbildliche Verantwortungsgefühl in sich entwickeln“. Solche Gesinnung pflegte er in dem Verbandsblatt des Bundes deutscher Jugendvereine„Die Treue" in seinen Flugschriften und Büchern, in den Vorträgen und Tagungen, welche auf der Elgersburg stattfinden. ** Kirchliche Statistik. In der hiesigen evang. Gemeinde wurden im vergangenen Jahre 156 (165 Knaben) und 145(135) Mädchen, zusammen also 301(300) Kinder geboren bezw. getauft. Es starben 160 Personen gegen 197 des Vorjahres. In den vier Konfirmationsbezirken wurden zusammen 169(166) Knaben und 162(157) Mädchen, insgesamt 331(323) Kinder konfirmiert. Den Bund für das Leben schlossen am Traualtare 186(172) Paare. Damit ist in der Gemeinde die Höchstzahl an Trauungen seit ihrem Bestehen erreicht worden. Am heiligen Abendmahl nahmen 1310(1426) männliche und 1712(1040) weibliche Erwachsene, zusammen 3022(2466) Personen teil; die Zahl der Hausausteilungen des Sakramentes belief sich auf 28(48). Zur evangelischen Kirche traten über 5(4) Personen; an Austritte und damit aus der Landeskirche sind 35(62) Fälle zu verzeichnen. Ein Gemeindemitglied, welches 1919 ausgetreten, ist im vergangenen Jahre wieder eingetreten. Die eingeklammmerten Ziffern beziehen sich auf das Jahr 1920. ** In der kathol. Gemeinde wurden im vergangenen Jahre 161 Kinder getauft gegen 164 im Jahre 1920; den Bund fürs Leben schlossen Paare gegen 77; es starben 59 Personen gegen 87, also eine Abnahme von 28 Todesfällen; die Zahl der Erstkommunikanten stellte sich auf 143 gegen 142 im Vorjahre, die der Kommunionen überhaupt stieg von 48000 auf 54000. ** Ortskrankenkasse. Auf die heutige Bekanntmachung der Ortskrankenkasse betr. Beitragssätze sei auch an dieser Stelle aufmerksam gemacht.., seierte um ** Der kathol. Gesellenverein feierte um Sonntag im Vereinshause(Specht) sein Weihnachtsfest unter dem brennenden Christbaum bei einer Beteiligung, welche auch die kühnsten Erwartungen weit übertroffen hatte; der Saal war total überfüllt. Eine wirkungsvolle Ansprache des Herrn Kaplan Winter, Musik und Gesang und Theateraufführungen bildeten das Programm der gut vorbereiteten Feier, welche Mitgliedern und Gästen genußreiche Stunden bot. ** Neue Briefmarken. Vom 1. Januar ab kennen die Posttarife nur Werte von 40 Pf. bis 40 Mark. Die Werte unter 40 Pf. sind eigentlich wertlos und von den neuen Werten, 75 Mark, 2 Mark, 3 Mark, 4 Mark, 5 Mark, 6 Mark, 7 Mark, gibt es nur geringe Mengen oder es gibt diese Werte überhaupt noch nicht. Um den Mangel zu beheben, hat die Reichsdruckerei jetzt neue Marken zu 2 Mark, 3 Mark und 4 Mark hergestellt. Sie sind zweifarbig, bestehen aus einem helleren Unterdruck in Guillosemuster und einem dunkleren Ueberdruck, dem eigentlichen Markenbild. Die Marken haben die Umschrift Deutsches Reich— Mark, der Wert ist an den vier Ecken in Zahlen angegeben, in der Mitte ist das Posthorn, Wertbezeichnung und Posthorn sind weiß. Unterdruck der 2 Mark=Marke ist rosa, der Ueberdruck dunkel=lila(Gesamteindruck lila), der Unterdruck bei der 3 Mark=Marke gelb, Ueberdruck hellrot(Gesamteindruck rot=orange), der Unetrterdruck der 4 Mark=Marke ist hellgrün, der Ueberdruck dunkelgrün(Gesamteindruck dunkelgrün). Die alten Werte von 5 Pf., 10 Pf. 15 Pf., 20 Pf., 25 Pf., 30 Pf., 35 Pf. werden nach Aufbrauchung der natürlich sehr erheblichen Porräte verschwinden, die 60 Pf.= und 80 Pf.=Marken bleiben vorläufig Ergänzungsmarken; derartige Werte kennt der Posttarif in diesem Jahre nicht mehr. Auch die neue Drucksachenmarke(50 Pf.) wird vielfach knapp werden, hier sollen die 30 Pf.= und 20 Pf.Marken aufgebraucht werden. ** Volkshochschule Schwerte. Unseren Lesern teilen wir mit, daß der Arbeitsplan der Volkshochschule inzwischen erschienen und in den hiesigen Buchhandlungen zum Preise von 2 Mark zu erhalten ist. Da der Unterricht am 9. Januar beginnt, empfiehlt sich schleuniger Kauf des Arbeitsplanes. Aus ihm erkennt jedermann, worüber und von wem gelehrt wird, wann die Lehrgänge beginnen und wo sie abgehalten werden, was die Hörerkarte kostet usw. Die Hörerkarten kaufe man rechtzeitig in den durch Aushang kenntlich gemachten Verkaufsstellen. Auch unserer Volkshochschulabteilung werden Sonderveranstaltungen angegliedert, die monatlich bekannt gegeben werden. Wer Anspruch auf ermäßigten Eintritt macht, kaufe sich seine Mitgliedskarte zu 8 Mark, die freilich ihre Gültigkeit mit Ablauf des Geschäftsjahres am 31. März 1922 verliert. Sie ist an den Stellen zu erhalten, an denen die Arbeitspläne und Hörerkarten verkauft werden. Mitbürger und Mitbürgerinnen! Die Volkshochschule öffnet uns nun ihre Pforten! Es liegt an Euch, daß Ihr ihr zum Leben verhelfet und durch treues Ausharren und ernstes Streben ihre Fortdauer sichet. Unsere Bürgerschaft erhält hiermit eine Stätte der Bildung, zu der jedermann, ohne Rücksicht auf Partei, kirchliches Bekenntnis, Allgemeinbildung usw. Zutritt hat. Mögen nun auch alle Kreise unserer Bevölkerung sich zu ihr bekennen. Nur so kann diese so viel begehrte Einrichtung den erhofften Segen bringen, nur so kann sie wachsen, blühen und gedeihen. Und das wünschen wir unserer Volkshochschule von ganzem Herzen. Die Eröffnungsfeier geht am Sonntag, den 8. Januar, 5 Uhr im evangelischen Gemeindehaus vor sich. Herr Universitätsprofessor Dr. Weinel aus Jena wird an diesem Tage über„Christentum und Sozialismus“, sprechen und unserer Volkshochschule mit dieser Veranstaltung Leben und Zielsetzung geben. Glückauf! ** Diebstahl. In den gestrigen Abendstunden wurde dem Fabrikanten Meyknecht ein HerrenFahrrad vom Hofe gestohlen. Auf die Aufklärung des Diebstahls ist eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. ** Aplerbeck, 2. Januar. Furchtbares Familiendrama. Am Sonnabend nachmittag kam es in der Familie des Bergmanns Wilhelm Voß wegen anscheinend größeren Geldverbrauchs zu Zwistigkeiten, in deren Verlauf der 18jährige Sohn Heinrich Voß von seinem oftmals dem Trunke ergebenen Vater durch einen Messerstich in die Achselhöhle getötet worden ist. Inzwischen kam nun auch der andere Sohn Wilhelm, der im Alter von 20 Jahren steht, von der Schicht heim und sah das im Hause angerichtete Elend. Auch er geriet mit dem Vater in Konflikt, sodaß dieser unter den Schlägen seines Sohnes fast zusammenbrach und an den erhaltenen Verletzungen auf dem Wege zur Polizei bezw. zum Krankenhause verstorben ist. Der Sohn Wilhelin ist mit Rücksicht darauf, daß er die Tat in einem Anfalle von Verzweiflung verübte, nicht in Haft genommen worden. Die Untersuchung ist im Gange. Aus den Provinzen. Hörde, 2. Januar. 80000 Mark unterschlagen. Wegen Unterschlagung, Betruges und Urkundenfälschung ist hier ein Händler festgenommen worden. Durch die Machenschaften des Festgenommenen ist die Firma Alfred Rüßmann um 80000 Mark geschädigt worden. ## 2 Zwischen Himmel und Erde. Roman von Otto Ludwig. 52)(Nachdruck verboten). Darin hatte er von je, seiner Natur nach, die höchste Eigenschaft eines vollkommeeen Schieferdeckers gesehen und in der Zeit seiner Tätigkeit genug Beweise davon gegeben, die der Oeffentlichkeit nicht unbekannt geblieben waren. Dann hatte er geäußert, jetzt wolle er sein Meisterstück machen, und war stark berauscht von der Schenke nach Sankt Georg gegangen. Alles Umstände, die herumkamen und die einmal gefaßte Meinung nur bestätigten. Ein glücklicher Zufall hatte alle Arbeiter von Sankt Georg entfernt; von dem Kampfe vor dem Sturz wußten außer Apollonius nur die Dohlen, die dort wohnten. Der Bauherr hatte sogleich, nachdem er die Geschichte erfahren, seinen Liebling aufgesucht und brachte diese auf den Turmboden, wo er den Erschöpften sitzend fand, schon fertig mit. So fiel es niemand ein, diesen zu fragen. Man erzählte ihm, anstatt ihn erzählen zu lassen. Es hatte ihn bei seinem Schmerz in der Seele des Vaters gefreut, daß nttemand den wahren Sachverhalt ahnte; die Schande des Bruders und damit des ganzen Hauses konnte niemand helfen und den Vater töten. Er schwieg daher über das, worum man ihn nicht fragte. Der alte Herr erriet, der verlorene Sohn hatte den Tod absichtlich gesucht. Er fand, es war sogut. Alles, was er vernahm, bewies ihm, der Unglückliche wollte die Ehre seines Hauses schorert Dennoch ängstigte ihn die Möglichkeit, es möchten noch Unistände bekannt werden, die den allgemeinen Irrtum berichten könnten. Natürlich aber ließ er sich weder seine Meinung, noch seine Furcht absehen. Er zeigte sie selbst Apollonius nicht, der im Glauben, der alte Herr teile die Ueberzeugung der ganzen Stadt, ihm nun auch verschwieg, wovon er fürchten mußte, es würde den Vater unnötig erschrecken und beängstigen. So blieb die erste Meinung unwiderlegt, die Gerichte fanden keinen Anlaß, untersuchend einzuschreiten, und die Gefahr, die der Ehre der Familie gedroht, ging glücklich vorüber. Eines Abends sah man denn die schwarze Bahre vor dem Hause mit den grünen Fensterläden, das darüber wegsah, um sein rosiges Aussehen zu rechtfertigen. Etwas entfernter standen Frauen und Kinder in Gruppen zusammen, bald leise fliisternd, bald voll Aufmerksamkeit, die zeitweilig bis zur Ungeduld stieg. Dasselbe Treiben, dieselben Empfindungen, mit der die gebildete Schicht der Bevölkerung des Augenblicks harrt, wo der Vorhang vor den rührenden Gebilden des Dichters auftauchen soll, dasselbe Bedürfnis hat die blauen Schürzen hierher gezogen, das dort die schönsten Gewänder der Stadt versammelt. Zuweilen kommt ein schwarzer Mantel unter dreieckigem Hut in düsterer Gravität die Straße daher und tritt hinter der Bahre hinweg ins Haus. Endlich geht die Türe doppelt auf. Der Sarg steht auf der Bahre, das Leichentuch bedeckt beides; leise und in gleichmäßiger Bewegung hebi sich die schwarze, wallende Masse; nun ist sie an ihrer Stelle, denn die Träger rücken den Hut zurecht. Und nun bewegt sich's schwankend, flatternd. Obenauf blitzt der Deckhammer, den Valentin poliert hat, und sagt, was man jetzt der Erde übergibt, hat ehrlich zwischen Erde und Himmel hantiert. Die alten Weiber schwemmen mit süßen Tränen hinweg, was von Schmutz auf seinem Andenken liegt. Innerlich geben sie sich das Wort, niemand, den sie daran hindern können, soll Schieferdecker werden. Es ist gefährlich, das Schieferdeckerhandwerk zwischen Himmel und Erde; das predigt der Mann, der unter dem schwarzen Flattern zwischen den Brettern liegt, so stumm er ist, mit erschütternder Beredtsamkeit. Dann mustern sie den alten Herrn, den zwei Leidtragende führen. Er sieht aus, wie der Geist des ehrlichen Begräbnisses selbst. Doch über den schlanken, hohen Apollonius neben dem würdigen Bauherrn, vergessen sie die ganze Milde, die sie vorhin geübt; sie graben den Toten wiederum aus den nassen Totenblumen heraus, womit man seine menschliche Blöße bedeckt. Seinetwegen wäre der Hammer über ihm voll dunklen Rosts der Schande, Apollonius ist's, dem er dankt, daß das Werkzeug so ehrenblank über seinem letzten Bette liegt. Und ob er's um ihn verdient hat? Das will keine sagen. Könnte sie der Tote hören vor den Brettern und dem schwarzen Gefltter darum, er hätte dem Bruder noch mehr zu verzeihen. Oder auch nicht zu verzeihen; er hatte ihm nichts verziehen, nicht, was er an Apollonius, nicht, was dieser an ihm getan. Und könnte er vollends dem Bruder in das Herz sehen, aus dem sein Tod allen Groll verwischt, das sich Vorwürfe macht, weil es einen Bösewicht sah, wo es den unglücklichen Wahnsinnigen hätte bedauern müssen, er steifte sich noch tiefer in den Neid der Teufel. Dann kommt die junge Frau an die Reihe, und völlig in der Weise ihres Geschlechts schlugen die Klageweiber in Ehestifterinnen um. Und wahrlich! sie haben nicht unrecht; ein schöneres Paar, eines, das besser zusammenpaßte, das seiner gegenseitig so wert wäre, wie dieses, fänden auch tiefere Beobachter im Bereich der ganzen Stadt nicht aus. Der Zug ging am roten Adler vorbei. Es war schon wieder ein Ball da oben, bei dem Fritz Nettenmair fehlte; gewiß ein lederner Ball! Da ist er jal da ist er jal klang dem Zug entgegen und begleitete ihn unermüdlich die ganze Straße entlang. Aber famos konnte es nicht werden trotzdem. Es war derselbe Weg, den Fritz Nettenmair zurückging, nachdem er den Gesellen begleitet hatte. Damals sah er im Geiste den Bruder unter dem Deckhammer und dem wallenden schwarzen Behänge und er ging leidtragend hinter ihm drein. Nun war's umgekehrt Wirklichkeit geworden, aber Apollonius fühlte wirklich, was der Bruder nur zur Schau trug. Und fort ging's immer die Straßen hin, die Fritz Nettenmair damals hergekommen war. Und draußen vor dem Tore zerflossen wiederum die Weiden in Nebel oder Nebel gerann zu Weiden. Hüben und drüben trugen Nebelmänner Nebelleichen neben der wirklichen her. An dem Kreuzweg, wo Fritz Nettenmair damals den Gesellen im Nebel verschwinden sah, verschwand er heute selbst darin. Ob es ihn freuen würde, wenn ihm einer sagte, er wird den Freund wiedersehen? Er werde ihn wieder begleiten— wohin? Eben. trugen sie in Tambach ihn hinaus. Sie haben viel zu sprechen miteinander. Fritz Nettenmair kann dem Gehilfen sagen, wie sorgsam er den Gedankenkeim, den jener gegeben, bis zum Zerschneiden des Seiles ausgebrütet hat, und der Gesell dem ehemaligen Herrn, daß er unter dem Seilschnitt verunglückte, den dieser gemacht. Der Geistliche, der Fritz Nettenmair die Grabrede hält— denn Fritz Nettenmair wird mit allen Ehren begraben, die seinem Stande ziemen und für Geld zu haben sind— weiß nicht, welch furchtbares Thema ühm entgeht. (Fortsetzung folgt). Dortmund, 2. Januar. Mordversuch. Der in Dorstfeld wohnende Monteur Gustav Voß versuchte am Donnerstag abend den Portier des Metropol=Kaffees, als dieser dem Voß den Zutritt verwehrte, mit einem Rasiermesser den zu durchschneiden. Durch das schnelle Einschreiten der Polizei wurde er aber an seinem Mordpliin gehindert. Der sich wie rasend gebärdende Voß wurde verhaftet. Hagen, 2. Januar. Verschacherungsversuch Kruppscher Patente. Ein Angestellter der Firma Krupp in Essen versuchte in einer hiesigen Wirtschaft den Verkauf von Zeichnungen, Beschreibungen usw., wichtigen Patenten und Fabrikgeheimnissen. Er hatte hierfür drei Genossen gefunden und auch bereits ausländische Beziehungen angeknüft. Die Werksleitung hatte von dem beabsichtigten Verkauf Kenntnis erhalten und veranlaßte das Eingreifen der Behörde, welche die Beteiligten in dem Augenblick festnahm, als die Uebergabe der Papiere erfolgt war. Geseke, 2. Januar. Vor 300 Jahren. Am 2. Januar 1622 war es, als des tollen Christians Raubscharen in Lippstadt eintrafen, um nach kurzem Aufenthalte in die Soester Börde einzufallen. wo die Dörfer Lohne und Ellingsen zerstört wurden, während Dinker, Welver und Borgeln 700 Taler bezahlen mußten. Im April wandte er sich gegen Geseke, das trotz eines viermaligen Sturmes nicht zu erobern war. Die Geseker Bürgerschaft hatte mit hohem Ruhm sich bedeckt und feierte seitdem dieses Ereignis alljährlich durch die„Tollen=Prozession“ mit drei Predigten. Im kommenden Jahre soll, wie der„Glocke“ geschrieben wird, eine weltliche Feier damit verbunden und die 300jährige Wiederkehr der Befreiung der Stadt durch die Errichtung eines schlichten Denkmals ausgezeichnet werden, vielleicht in Gestalt eines Findlings, ähnlich dem Kriegerdenkmal in Büren. Die Habsburger. Wie der habsburgische Vermögensverwalter Schager=Eckartsau, dem„Neuen Wiener Journal“ mitteilt, besteht die Absicht Kaiser Karl und seiner Familie für das Frühjahr und den Sommer Aufenthaltserlaubnis auf der Insel Wight zu bewilligen, wo ein englischer Lord ihm ein Schloß zur Verfügung gestellt hat Der ungarische Hoch adel werde alle drei Monate ein Ehepaar zum Obersthofhalter delegieren. Gegenwärtig seien Graf und Gräfin Huniadi in Madeira Von den herzögen würden Eugen in Basel, Peter Ferdinand in Luzern bleiben, Max und Friedsich in Tegeinsee, Albrecht mit seiner Mutter Isabella in Budapest, wo auch Erzherzog Joseph verbleibt, während Erzherzog Stefan auf dem Schsoß Saybusch, das ihm jüngst vom polnischen Staat wiedergegeben wurde, zurückkehren werde. Erzherzog Leopold Salvator sei in einem kleinen Landhause bei Barcelona in schwierigen finanziellen Verhältnissen Die Erzherzoge Joseph Feidinand und Heinrich Ferdinand, die auf ihre Zugehörigkeit zum hause verzichteten, dürfen ihren Aufenthalt in Deutschösterreich nehmen. Die Erzheizogin Maria Josefine, die Mutter des Kaisers, weilt noch in Luzern, obwohl sie aus der Schweiz ausgewiesen, weil sie keine Einreisebewilligung in irgend einen Staat erhalten konnte Sie möchte bei Prinz Max von Sachsen, ihrem Bruder, in Freiburg Aufenthalt nehmen, hat aber noch nicht das deutsche Paßvisum bekommen. Auch die Erzherzoginnen Maria Annunciata und Maria Theresia konnten die Schweiz mangels andeiweitiger Einreisebewilligungen noch nicht verlassen Die Kaiserin Zita wird, nachdem die Blinddarmoperation an dem jungen Erzherzog Joseph vollzogen sein wird wohl bald nach Neujahr aus der Schweiz nach Madeira zurückkehren können. Zita sowohl wie Karl sollen entzückt davon sein, daß sie auf Madeira als Souveräne behandelt wrrden. Insbesondere seien sie von dem Verhalten der englischen Kolonie entzückt lich der Arbeitsvermittlung für erwerbsbeschränkte Personen widmen und eine Art Fürsorgetätigkeit ausüben, sollen erhalten, aber der Aufsicht der öffentlichen Arbeitsnachweise unterstellt werden Der Benutzungszwang ist für die öffentlichen Arbeitsnachweise nicht eingeführt, wohl fakultativ eine Anmeldungspflicht für alle offenen Stellen Im Reichswirtschaftsrat war der Gesetzentwurf beträchtlich abgeändert worden, und hatte dort zu scharfen Diskussionen geführt. Vor allem hatte die Frage, ob die Angestellten mit in das Gesetz einzubeziehen seien und das Verbot der Chiffreanzeigen zu Meinungsverschiedenheiten geführt. Das letztere Verbot war im Entwurf nicht enthalten, aber durch einen Antrag Umbreit gesordert worden. Georg Bernhardt bekämpfte im Interesse der Angestellten und der Presse diesen Antrag, der dann abgelehnt wurde. Zu den Personalveränderungen im teilt das Reichswehrministerium mit Die Veränderungen bekreffen zunächst einen im dienstlichen Interesse gelegenen nach und nach beabsichtigten. Austausch von Hauptleuten und Stabsoffizieren, um das alte Verhältnis wieder herzustellen, daß im allgemeinen Hauptleute Kompagnien und Stabsoffiziere Bataillone usw führen. Die im Frühjahr 1922 zu erwartenden Verabschiedungen haben mit diesem Austausch nichts zu tun. Sie beruhen lediglich auf dienstliche Erwägungen und halten sich in engen Grenzen. Die davon betroffenen Offiziere sind bereits sämtlich benachrichtigt. Die in der betieffenden Notiz erwähnten Verabschiedungen der Generale von Hammerstein und Müller eruhen auf freier Erfindung. Von neuaufgestellten Foiderungen des Generals Nollet ist im Reichswehrministerium nichts bekannt. Es ist deshalb auch nicht gut möglich, daß die erwähnten Verabschiedungen auf seinen Befehl zurück zuf ühren seien Weltrundschau. Aus dem Reich. die diehseuchen in Westfalen. In der Zeit vom 1. bis 15. Dezember v. I. ging die Zahl der in Deutschland von der Maulund Klauenseuche befallenen Gehöfte von 5108 auf 4659 zurück. Unsere Heimatprovinz ist an diesem Rückgang freilich nicht beteiligt, vielmehr sind in der angegebenen Zeit in Westfalen die verseuchten Gehöfte von 18 auf 49 gestiegen. Der Stand der Schweineseuche und Schweinepest ist in der Provinz Westfalen fast der gleiche geblieben: 152 gegenüber 157 am 30. November. Die Maul= und Klauenseuche herrschte am 15. Dezember im Regierungsbezirk Arnsberg in 33 Gehöften(am 30. November in nur 13 Gehöften), im Regierungsbezirk Münster in 10(4) Gehöften und im Regierungsbezirk Minden in 6(1) Gehöften. Ganz frei von dieser Seuche sind gegenwärtig nur noch Schaumburg=Lippe, die Landesteile Lübeck, Birkenfeld und der Regierungsbezirk Osnabrück. Von der Räude der Einhuser waren am 15. Dezember verseucht im Regierungsbezirk Arnsberg 14(10) Gehöfte, im Regierungsbezirk Münster 9(8) Gehöfte. Die Schweineseuche und Schweinepest ist im Regierungsbezirk Arnsberg von 59 Gehöften am 30. November auf 64 Gehöste am 15. Dezember gestiegen; im Regierungsbezirk Münster stieg sie von 3 auf 7 Gehöfte, während die verseuchten Gehöfte im Regierungsbezirt Minden von 96 auf 21 zurückgingen. Der Regierungsbezirk Minden, der in letzter Zeit immer an der Spitze stand, ist jetzt vom Regierungsbezirk Schleswig(82 verseuchte Gehöfte) überhol; worden. Tollwut wurde am 15. Dezember sestgestellt im Kreise Münster und Warendorf in je 1 Gehöft, Rotz nur im Kreise Halle i. W. in 1 Gehöft. Lungenseuche, Pockenseuche und Beschälseuche herrschen in Westfalen nicht. Trübe Prophezeiung des Reichskanzlers Der Berliner Vertreter des„El Paefe“ hatte eine Unterredung mit dem Reichskanzler Dr. Wirth Dieser erklärte, die Bedingungen des Ultimatums seien unerfüllbar, jedoch würden die tatkräftigsten Vorkehrungen getroffen, um den Reparationsver pflichtungen nachzukommen. Gegenwärtig sei die Regierung im Begriffe, den Reichshaushalt gesund zu machen. Um das Gleichgewicht in der allgemeinen Staatsbilanz herzustellen, sei eine starke Lebensverteuerung unvermeidlich Der Jauuar werde infolgedessen neue Erhöhungen des Brotpreises, des Kohlenpreises und der Gehälter bringen. Aber trotz dieser schweren Konsequenzen sollen die Maßregeln durchgeführt werden, um zu zeigen, daß Deutschland der Weltwirtschaft keine allgemein: Konkurrenz machen wolle, indem es die Preise künstlich niedrig halte. Das Reichsentschädigungsamt für Kriegsschäden. Das Reichsentschädigungsamt für Kriegsschäden nimmt am 1 Januar 1922 seine Tätigkeit auf. Mit diesem Tage geht das Arbeitsgebiet der Geschäftsstelle des Reichsentschädigungsrates auf das Amt selbst über. Mit der vorläufigen Wahrnemung der Geschäfte des Präsidenten des Reichsentschädigungsamtes ist der Unterstaatssekretär z D. Cronau beauftragt. Der Eulwurf eines Arbeitsnachweisgesetzes Der sterbende Brief. Nach den neuesten Postsätzen soll ein einfacher Brief am Ort 1,25 M., nach auswärts 2 M. kosten. Damit hört das Briefschreiben so ziemlich auf. Nicht schade um den vielgeschwätzigen, müßigen Tratsch= und Klatschbrief, der aus Langweile geschrieben und mir Langweile gelesen wurde, der selten Freude, aber häuftg Unheil anstiftete! Nicht schade um den zwangläufigen den man nur lästiger Pflicht zuliebe abfassen und empfangen mußle, weil er eben zu der und der Zeit„fällig" wai! Nicht schade um den Nörgler, den Hetzer, den Verleumder, den Quälgzeist, den Querulanten, den Stänker, den anonymen Schurken unter ihnen! Es ist sehr zu fürchten, daß für sie kein Porto zu hoch ist, um sie ganz zu ersticken Aber schade für alle die vielen lieben Zeilen, die Herzen zu Herzen führten, die Fernen verbanden, die Heimathauch brachten und Muitersegen trugen, die den Freund zum Freund, das Schöne zum Guten, den Geist in die Wildnis pflanzten! Schade für alle die Hunderte und Tausende, die ehrliche, redliche Geschäfte förderten und Verständigung, Rat und Hilfe auf ihren Schwingen brachten! Wie viele, viele gerade von ihnen werden ungeschrieben bleiben, weil die Gebühr nicht mehr erschwungen werden kann! Wie unendlich viel Gutes, Schönes, Versöhnliches, Milderndes, Tröstendes wird ungesprochen und ungelan sein, so daß man wirklich zweiseln mag, ob das, was der Postsäckel gewinnt, einen genügenden Ersatz für all den Segen bedeutet, den das Volkswohl entbehren muß. Armer sterbender Brief! Auch du bist ein Opfer unserer grausamen Zeit, der Trauer wert, die den Veriocrnen gs6. ist, jetzt dem Reichstage zugegangen, nachdem der Reichsrat die Zustimmung zu dem Entwurf erteilt hat Die Grundzüge des Entwurfes sind bekannt. Das Gesetz sieht den lückenlosen Ausbau der öffentlichen Arbeitsnachweise und ihre Zusammenfassung durch Landes= bezw Provinzialstellen und eine Reichsstelle, ferner den Uebergung der bisherigen Arbeitsnachweiseinrichtungen der Arbeitgeber= und Arbeitnehmerorganisationen auf diese össentlichen Arbeitsnachweise als Fachabteilungen und das Verbot der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung vom 1. Januar 1921 ab vor. Die caritativen Arbeitsnachweise, die sich vornehmZu den Unruhen in KX Fledlg „—Jamiele. ##c 80 550 S 8 Töhs.: Wsse Bense Mer-ke. chie bar“ a; Gssrfgraftah üste d#s Eine Tioler Verwahrung gegen Aufteilungspläne. Der großdeutsche Nationalra! Dr. Straffler hat gestern im Namen der großdeutschen Volkspartei einen Bericht über die politische Lage erstattet. Er kam dabei auch auf die Austeilungs- und Anschlußpläne sowie die Aspiralionen in Tirol zu sprechen. U. a. sagte er, die stärkste Parlei des Landes, die Christlich Sozialen, strebten mehr denn je strengsten Separatismus und Föderalismus an. Nachforschungen haben ergeben, daß die genannte Tiroler Partei nicht den Anschluß an das deutsche Reich im Sinne hat, sondern die Gründung eines süddeutschen Siaates erstrebt. Solchen Separatismus machen wir nicht mit. Das währe Volksverrat. Straffler erklärte weiter:„Tatsächlich bestehen französische Pläne, dieses Süddeutschland zu schaffen und damit Großdeutschland auseinanderzureißen. Sollte in Tirol der Plan bestehen, solche Anschläge reifen zu lassen, so müsse dies unter allen Umständen verhindert werden.“ Hardings Pläne. „Daily Expreß" zufolge hat Präsident Harding endgültig beschloffen, keine Wirtschaftskonferenz einzuberufen, dagegen werde er vei suchen, vom Kongreß die Befugnis zu erhalten, eine Regelung der alliierlen Schulden zustande zu bringen. Eine allgemeine Revision des Londoner Reparationsplanes stehe augenblicklich nicht auf dem Programm der Konferenz von Cannes. Es werde sich Frankreich im gegenwärtigen Stadium bis zum Aeußersten widersetzen und möglicherweise auch Belgien. Der Oberste Rat werde jetzt in Cannes zu entscheiden haben. Wilson„euthüllt“. Die„Neuyork Times“ kündigt an, daß sie vom Januar ab alle Sonnlage einen Abschnitt aus den Aufzeichnungen des Expräsidenten Wilson über die Pariser Friedenskonferenz veröffentlichen werde. Der Stoff reiche für ein ganzes Jahr aus Die Aufzeichnungen sind durch Ray Stanard Baler bearbeitet worden. Viele Mitglieder des Kongresses sind mit dieser Veröffentlichung nicht einverstanden, und der Abgeordnete für Ohio, Begg, hat bereits bekannt gemacht, daß er im Abgeordnetenhause den Antrag stellen werde, die Veröffentlichung zu untersagen. Man erklärt es für unwürdig, daß ein früheres Staatsoberhaupt auf diese Weise Staatsgeheimnisse in klingende Münze umsetzt. Dazu kommt, daß Wilson sich seinerzeit hartnäckig geweigert hat, die Berichte der amerikanischen Beamten und Verkreter dem Senat vorzulegen. Sammlung veruanischer Kinder. TU Dresden, 3. Januar. Aus den Erträgnissen einer Sammlung der Kinder Perus zugunsten darbender und kranker Kinder in Deutschland und Oesterreich sind dem Dresdener Oberburgermeist2e 100000 Mk. für die notleidende Jugend Sachsens übermittelt worden. Polnische Zugeständnisse an die deutschen Beamten und Arbeiter. TU Warschau, 3. Januar. Offiziösen Meldungen zufolge beschloß der polnische Ministerrat, in bestimmten Fällen keine Liquidationen im polnisch gewordenen Teil Oberschlesiens vorzunehmen und zwar sollen von der Liquidation befreit bleiben bewegliches und unbewegliches Gut von Personen, die in industriellen oder kommerziellen Unternehmungen des polnisch werdenden Gebietes auf Grund von Dienstverträgen mit ihren Eigentümern tätig sind, ebenso das bewegliche und unbewegliche Gut staatlicher oder kommunaler Beamter des polnisch werdenden Gebietes, soweit diese Personen im künftigen polnischen Gebiet erst nach dem 1. 1. 1908 ansässig geworden sind, wenn sie gegenwärtig und noch wenigstens 12 Monate dort auf ihrem Posten bleiben. Auch Braunkohlen für die Entente. Dresden, 3. Januar. Nach einer Mitteilung aus Halle soll nunmehr auch das mitteldeutsche Braunkohlengebiet für die Kohlenlieferungen für die Entente herangezogen werden. Die Verhandlungen mit den Eisenbahnern. Berlin, 3. Januar. Laut Berliner Tageblatt sind die Vorbereitungen für die am 5. Januar beginnenden Verhandlungen, in denen eine grundsätzliche Regelung der Lohnverhältnisse erfolgen soll, im vollen Gange. Gleichzeitig sollen bei diesen Verhandlungen auch die Gehälter der Beamten geregelt werden. Die Furcht vor deutschen Geschäftsleuten. Paris, 3. Januar. Der„Figaro" wendet sich in einem sehr heftigen Artikel gegen England. Die Zeitung warnt davor, den deutschen Geschäftsmännern zu trauen, die halb und halb auf Englands Ermutigung hin nach Paris kommen, um die Reparationskonmmission einem strengen Examen zu unterziehen. Sie müßten energisch zurückgewiesen werden, bemerkt das Blatt, wenn Einigkeit unter den Verbündeten bestände. Ein Bomben=Attentat. Dinkesbühl, 3. Januar. In der Sylvesternacht kurz nach 12 Uhr warf auf dem dicht bevölkerten Marktplatz vor der Kirche, von welcher aus Choräle herabgeblasen wurden, ein junger, ungefähr 22jähriger Mann, dessen Identität noch nicht festgestellt ist, eine selbstverfertigte Bombe, in welcher sich Dynamit, Kupferstücke, Glas und Eisenteile befanden, in die Menge. Nach den bisherigen Feststellungen wurden wenigstens 50 Personen verletzt, darunter 20 schwer. 11 Verletzte wurden ins Kraneknhaus eingeliefert. Anscheinend war das Attentat gegen die Schutzleute gerichtet, die sich in nächster Nähe der Explosionsstelle aufhielten. Eine Reihe von Personen wurde verhaftet. Briefkasten. Ch. R. Wenden Sie sich doch an das Steuerbüro im Rathause, wo Ihnen gern jede gewünschte Auskunft gegeben wird. Für die Redaktion verantwortlich: Friedr. Kraas. Druck und Verlag: Carl Braus, beide in Schwerte. 25 Drahtmeldungen. Eigener Depeschendienst. Schreibwaren u. Briefpapiere 86 Aissua. K henerklärung.## Landesgrenzen bein Kerawenenstraben Tarret E N Don Abu Ramed: Esenbahnen# Se Get er W Dr. Stresemann über das neue Jahr. Berlin, 3. Januar. Auf eine Anfrage erllätt: Dr. Stresemann: Ich erhoffe von dem neuen Jahre die Fortsetzung des langsamen aber sichevon inneren Aufstieges, in dem wir uns seit den Fiebertagen des Novembers 1918 befinden und nach außen durch Wahsen der Erkenntnis, daß Deutschlands Niederbruch den Niederbruch der Weltwirtschaft nach sich zieht. Erst mit dieser Erkenntnis wird die Bahn frei für die Beseitis gung der unerträglichen Fesseln des Versailler h Beim Heimgange unserer lieben Martha, sprechen wir allen Beteiligten für die uns erwiesene Aufmerksamkeit, besonders Herrn Pastor Nell für die trostreichen Worte am Grabe, unseren innigsten Dank aus. Familie Fischer. Gustav Fehlau. Schwerte, den 1. Januar 1922. Danksagung Für die überaus zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben, unvergeßlichen Sohnes, für die vielen Blumenund Kranzspenden, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pastor Wischnath sprechen wir hiermit unseren tiefgefühlten Dank aus. Schwerte, den 2. Januar 1922. Familie Ballu DYTGAZ der Ein- und Verkaulsgenossenschan d. u. m. b. N. zu Schwerie am 30. Juni 1921. Passiva Aktiva Eflekten-Konto Kassa Konto Utensilien-Konte Konto.Korrent-Konte Waren-Konte 1915.— 1799,67 1.— 103037,57 19810,55 KoAER870 Per Geschäf santeil-Konto der Genossen 29 „ Darlehus-Konto III „ Reservefouds-Konto „ Rücklagefonds-Konto „ Koato Korrent. Konto Gewinn- und Verlust Konte 2152,72 676 Soll. ür g Gewing- und Verlast-Konio am 30. Juni 1921. Seger oruste s amn Haben #2 An Unkosten-Konto Reservefonds-Konto Rücklagefonds-Konto Bilanz Konte 18779,83 253.26 126,63 2152 76 213110 Per Waren.Konto „ Zinsen Konte Ncht Kraer # 19918.19 1369.79 1319e Danksagung! Für die vielen Beweise herzlicher Teinayme### beim Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sprechen wir allen Verwandten und Bekannten, insbesondere den Beamten und Arbeitern der# Uneuen Eisenbahn=Maschinenwerkstätte, den beiden Turnvereinen Lichtendorf und Sölderholz, sowie Herrn Pastor Nell für seine trostreichen Worte, unseren tiefgefühlten Dank aus. Familie Eduard Hosang, Lichtendorf. Mitgliederzahl am 1. Juli 1920 Zugang im Laufe des Geschäftsjahres 1920/21 Abgang im Laufe des Geschäftsjahres 1920/21 Mithin Mitgliederzahl am 30. Juni 1921 28 2 1 20 * Die Haftsumme, wofür die Mitglieder aufzukommen haben, beträgt M. 14500.Das Geschäftsguthaben der Mitglieder beträgt M. 290.Ein- und Verkaulsgenossenschan 6. 8. m. b. H. zu Schuerle. 24 Alleinhersteller: Werner& Mertz Ar6. Mainz. Hohenschwert. Becker. Plbsser Allgemeine Ortskrankenkasse Schwerte-Kuhr. shalt Bekanntmachung. (lasse TäglicherVerdienst Grundlohn Krankengeld In allen Ländern der Erde vereinigen sich die Menschen, die Golt kennen, in der ersten Woche des angefangenen Jahres zu gemeinsamem Gebet. Wir laden hierdurch für Schwerte und Umgebung herzlich dazu ein. Schwer ist die gegenwärtige Prüfungszeit, dringender denn je der Zusammenschluß. Mitglieder, Freunde, Gäste, kommt eilend! Diese sechs Abendstunden gehören Gott! Jeden Abend 8½ Uhr. Stadtmissionshaus, Ruhstraße 7. Gen'ss Vorstandsbeschluss vom 1. 1. 1922 werden die SS 18, Abs. 1, 19 4bs. 6, und 41 Abs. 1 wie folgt goändert: Wöchentlicher Beitrag bei 6 Arb.-Tag. 7 Arb.-Tag. 1.68 1.96 2.94 3.43 4.20 4.90 5.88: 2 14 6.86 7.56 66 8.82 9.24 FFEEL 10 78 11.34 3 K18.23 13.86 uum 16 17 6 19.11 19.82 22.54 22.68" KMEE 26.46 25.20 852259. 29.40 für meinen Haus(3 Personen) ein ä dchensd für Vormittage od. ganze Tage. Frau Prof. Feldhügel, Hagenerstr. 54 1. Die welche am Donnerstag, dem 29. Dezember 1921, vormittags von 10 bis 2 Uhr im Wartesaal des evangelischen Krankenhauses war, wird höflichst um Bekanntgabe ihrer Adresse gebeten. Zuschriften unter A 38 befördert die Geschäftsstelle der Schwerker Zeitung. I unter M. II v. M. 5.50b. M. 7.99 III v.M. 8.—b M 10.99 IV.:v M.11.—b.M. 14.99 V v. M. 15.— b. M. 18.99 VI Ev. M. 19.—b. M. 23.99 „VII v. R. 24—b M. 28 99 VIII Sv. M.29.—b M.84.99 X V M.35.— b. M. 40 99 X5 v M.41.— b.M.48.99 JXI Lgv.M.49.—b. M.56.99 XII v.M.57.— und höher ser. Ulr. Belöhnung A demjenigen, der mir die zweijJungen im Alter von 14 Jahren namhaft macht, welche im Namen des Sportklub„Union“ am 18. November unter Vorzeigen eines Zettels mit Unterschrift des Vorsitzenden 2 Fußbälle und 2 Paar Fußballstiefel abgeholt haben. End Schrirwerzoporiarikkel. 4.— 7.— 10.— 14.— 18.— 22.— 27.— 38— 39.— 46.— 54.— 60.— 2.— B 8.50 11.— 13.50 16.50 1950 28.— 27.— 90.— Für besseren auswärtigen Haushalt tüchtiges Mädchen gesucht. A. Tütel, Gr. Marktstraße 4. nit Wickung vom 1. 1. 1922. Die Herren Arbeitgeber werden ersucht, umgehend Lohnübersichten zwecks Veueinteilung der Verwaltung. Moltkestrasse 44, einzureichen. Bei nicht Angabe erfolgt Einteilung durch die Geschäftsstelle. ##E Schwerte, den 1. Januar 1922. Wirt, 45 Jahre, Nähe Hagen, sucht passende Der neue Pstas ab 1. Januar A### 50 pfg. Hagen, sucht passende Lebensgejährlin! Buchhandlung Carl Braus. St Der Vorstands-Vorsitzende: Franz Stelbrink. Nur ernstgemeinte Zuschriften wolle man richten unter A. 35 an die Geschäftsstelle der Zeitung. „„ g„ 9I künggr in jodar Pri Moderne Colliers, Medalllons, Anhängel in jedel All, X. Damen= und Herrenringe in den modernsten Formen, Ohrgehänge und Broschen, Armbänder, Kreuze, Vorstecknadeln, Damen= u. Herren-Uhrkelten in 10 verschiedenen Qualitäten, ## Brillani=Ringe, Brillank=Broschen, Brillant-Ohrgehänge 2c. Sehr große Auswahl! Billige Preise! A. EichsSolp,Vollmunr Balkenstraße 36—38. z22 Balkenstraße 36—38. dor. alller 6 654 Gestern Abend ½7 Uhr ist mir aus meinem Hofe ein Herren=Fahrrad(Fabrikal: Stahlrad Suhl Nr. 1809) gestohlen worden. Derjenige, der mir zur Wiederherbeischaffung des Rades und Ermittlung des Täters zweckdienliche Angaben machen kann, erhält obige Belohnung. Aug. Aleyrnecht. C e rächtige Veionarbeiter F. gesucht. Zu melden am Wasserwerk in Langschede. storessen= u. bermittlungs=Fentrale wilh. voß, Schwerte, Beckestraße Nr. 82 Vermittlung von. An= und Verkäufen. von Grundstücken,„Häusern, Wirtschaften und sämtlichen Geschäften W### sowie Hypotheken, Darlehen, Heiraten Versicherungen sowie Auskünfte auf sämtliche Plätze des In=und Auslandes. Bekanntmachung. Es wird darauf hingewiesen, daß Pacht= und Mietverträge, auch die mündlichen und diejenigen über möblierte Zimmer, bis Ende Januar bei den Zollämtern oder Stempelverteilern durch die Verpächter oder Vermieter zu versteuern sind, sowie daß die Versteuerung der Automaten und Musikwerke bis Ende Innuar bei den Zollämtern erfolgen muß, und daß die Unterlassung bestraft wird Hörde, den 29. Dezember 1921. Der Landrat. 19 J. V: gez. Büscher Lehrling für Kontor u. Lager für jetzt oder Ostern gesucht. Selbstgeschr. Offerten unt A. 23 an die Geschäftsstelle der Zeitung. Boten für die Dortmunder Zeitung gesucht. Zu melden Kleppingstraße 11. S 3. Zimmer=Wohnung mit Stallung und groß. Garten in Ergste ist geg. eine 3=Zimmer=Wohnung in Schwerte oder dessen Nähe zu vertauschen. Offert sind zu richt. unt. A.,33 an die Geschäftssi. Achtung! Achlung! Nur noch einige Tage! Der hier so berühmte Handleseküustler Die Deutung der Handlinien einer jeder Person auf das genaueste. 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Strack, Hüsingstr. 16 Zwiebackmarken-Rusgabe. Die Ausgabe der Zwiebackmarken erfolg! auf Zimmer Nr. 20 des neuen Rathauses hierselbst genau nach der Reihenfolge wie bei der Brotmarken=Ausgabe„und zwar ab Mittwoch. den 4. Januar 1922. Mittwoch Nachmittag zeschlossen. Es sind vorzulegen: Aerztliches Attest, Altersausweis, Familienstammbuch und Lebensmittelkarte. Schwerke, den 2. Januar 1922. Der Magtstrat. „ kauft zu höchstem Tagespreis Carl Braus, Schwerte Kalender in jeder Oröße und Ausführung. R. Saatmann& Sohn Buch- und Kunsthandlung. Ia hochtragendes, 3=jähr Arito zu verkaufen. August Heinke, Berghofermark. Zuverlässige 18=jähr. Mädchen, welches dle Houtorbeten nengen sucht bald Stellung Wer liefert täglich in klein. Haushalt. Offert 1für einen Kranken unter D. P.29 an die Ge) 1] hie 1#san schäftsstelle der Zeitung. s2 Ds0 1 Eiu 0a..... J„ bei hoher Bezahlung u. Extravergütung sofort gesucht. Schwerter Zeitung. Fetansche Käochen getucht. 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Sie rief die Mutter herbei.—„Wie ein Schmuckkästchen sieht sie aus,“— lobte die Mutter bewundernd. Näher und näher rückte der Abend. zing nicht mehr vom Fenster. Tauchte dann in der Ferne eine Gestalt auf, glaubte sie den Bruder zu erkennen, sie wurde jedesmal bitter enttäuscht. Cin herrlicher Sommertag ging zur Neige. In einem Glutmeer versank die Sonne am Horizont. Die ersten Schatten der Dämmerung legten sich über den kleinen Raum, umwoben Mutter und Tochter mit stiller Sehnsucht. Bange Müdigkeit lähmte ihre Glieder. Ihre Herzen schlugen im Gleichtakt der Sorge und Ungewißheit. Wehes Ahnen durchzog ihre Sinne. So saßen sie sich gegenüber, bis es Zeit war, Licht zu machen. Milde und warm bestrahlte sie die Lampe. Doch keine vermochte der anderen frei ins Antlitz zu sehen, keine die Lippen zu einer Frage zu öffnen. Angstvoll horchten sie auf jedes Geräusch von außen. 1.(Schluß folgt.) 3 Weltspiegel. Die Teufelslänze in Ceylon. Die Eingeborenen auf der Insel Ceylon glauben, daß jede Krankheit durch Teufel verursacht würde, die in den Menschen eindringen, und die man durch gecignete Riten wieder vertreiben muß. Neb Talismanen und Opsergaben kommt als wirksamstes Mittel der Teufelstanz in Anwendung. Zuerst taucht dieser Brauch unter König Siri Sangabo etwa im Jahre 252 auf als Folge einer sehr gesährlichen epbemister gm gage 1668 die man sich gar nicht erklären konnte. Im setzte der holländische Gouverneur L. van Pyl hohe Strafen auf den Teuselsdienst; aber selbst die Buddhisten der Insglauben noch heute an die Tämonen, die zur Strafe in die Menschen hineinfahren. Die Zeremonien, obwohl nicht überall gleich, gehen etwa so vor sich: Nach Sonnenuntergang, wenn ohne Dämmerung die Tropennacht hereinbricht, erklingt ein langer Trommelwirbel. Eine Anrufung der Göttin Kali bittet um Erlaubnis zur Abhaltung des Festes. Ein Zauberer wirft ein Stück Harz auf ein Kohlenbecken und beräuchert das ganze Haus. Der Kranke wird vor dem Hause gebettet und durch einen Vorhang verdeckt, bis alle Vorbereitungen getroffen sind. Die Nachbarn kommen mit Opfergaben für die Dämonen herbei. Aurufung an Kalu den schwarzen Teufel, und an den Buddha folgen. Nach Beendigung der Gebete beginnen die Zauberer einen wilden Tanz, begleitet von lautem Gesang und Trommelschlag. So wird der Kranke verhindert, an etwas anderes zu denken und gezwungen, seine Aufmerksamkeit auf seinen Zustand zu richten. Die Zauberer bilden mit ihren Fackeln einen Flammenkreis um den Kranken, dann legt sich einer neben ihn auf ein Bett und spricht lange Gebete. Sodann 2 Assistenten eine menschliche Figur, die den Leichnam des Kranken vorstellt, und in die der Dämon fahren soll. Während der eine Zauberer die Harzdämpfe des Kohlenbeckens einatmet, pflücken andere den aus Kokushlättern bestehenden Schmuck des Priesters ab und werfen diesen über seinen|## Rücken ins Feuer, worauf er sich durch Genuß von Kokosmilch und Betel erholt. Gleichsam zu neuem Leben gelangt, fängt er wiederum einen wilden Tanz an, das begleitende Trommelkonzert dauert die ganze Nacht. In dem werden nun die 18 Inlarnationen des Dämous Sanni Yakka dargestellt. Die meisten dieser Figuren stellen bestimmte Krankheitsformen vor, schließlich kommt der Fürst der Hölle selbst, mit göttlichen Attributen geschmückt. Gegen 6 Uhr morgens ist die Feier vorbei. So regieren Unwissenheit und Schrecken heute noch auf der Insel. * Schonend beigebracht. Der Kassierer einer größeren Firma war durchgegangen. Die Angestellten berieten, wer hingehen solle, um dem Chef die traurige Tatsache schonend mitzuteilen. Keiner wollte die unangenehme Aufgabe übernehmen, aber schließlich wurde der Bureauchef damit betraut, der sich auf den Weg machte, um die Privatwohnung des Chefs aufzusuchen. „Nun, Schmidt,“ empfing ihn dieser,„was wollen Sie denn schon so früh hier?“ „Ach, Herr Neumann,“ stammelte der Angeredete,„ich —— wollte nur—— wegen der freigewordenen Stelle „Freigewordene Stelle? Was denn für eine?" !„Wir brauchen einen Kassierer, Herr Neumann.“ „Aber Schmidt, was faseln Sie denn da?“ „Ja, Herr Neumann, wir brauchen wirklich einen; der alte ist nämlich seit heute morgen verschwunden; und das ganze Geld aus dem Kassenschrank mit“ Nach der Art, wie der alte Herr die Mitteilung aufnahm, schien es dem Bureauchef, als ob er es ihm doch nicht schonend genug beigebracht habe. Seine Stellung. „Du bist schon seit langer Zeit bei dieser Firma, nicht wahr?“ fragte der alte Schulfreund. „Allerdings,“ erwiderte der Mann mit dem geduldigen Gesichtsausdruck. „Was für eine Stellung nimmst du denn ein?“ „3ch bin Angesteller.“.. en uen 64m „Natürlich, aber ich meine, wie nennt man bich denn, du mußt doch irgend etwas sein?“ „Ich habe kein besonderes Amt. Die Sache ist nämlich so: Wenn der Chef irgend etwas getan haben will, dann sagt er es dem Kassierer, und der Kassierer sagt es dem Buchhalter, und der Buchhalter sagt es dem zweiten Buchhalter, und der zweite Buchhalter sagt es dem Bureaugehilfen, und der Bureaugehilfe sagt es mir.“ „Na, und dann?“ „Na, da ich keinen habe, den ich es sagen kann, so muß ich eben hingehen und es tun.“ 3 Humor. Der Hoteldieb. Eine Dame besuchte ein Gefängnis und fragte einen der Sträflinge, einen hübschen, wohlgenährten Menschen:„Sagen Sie mir, guter Mann, weshalb sind Sie denn eigentlich hier?“ Der Gefangene erwiderte:„Wegen Diebstahl in einem Hotel im Sebade.“. H „Ach so,“ sagte die Dame,„waren Sie der Besitzer oder der Oberkellner?“ Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General=Anzeiger für den Kreis Hörde. Haupt-Annoncenblatt. Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 2 Dienstag, den 3. Januar 1922 Frei. Roman von A. Regnilk. (58 Fortsetzung). (Nachdruck verbotert. „Beruhige dich, Liebchen,“ tröstete er,„du siehst deinen Schatz ja bald wieder, und wenn du große Sehnsucht hast, kommt er bald einmal herübergerutscht.“ „O nein, nein, im Gegenteil, ich mag ihn nicht — o lieber Papa, ich kann Harold nicht heiraten!“ Der Rat trat unwillkürlich einen Schritt zurück. Seine Stirn rötete sich.„Ich habe mich doch wohl verhört,“ sagte er strenge,„oder du bist von der Reise krank geworden!“ „Papa,“ stammelte Margot, ihres Vaters Hand fassend und ihr tränenüberströmtes Gesicht darauflegend,„ich weiß wohl, daß ich dir und der Mama jetzt Schmerz bereite, aber bitte, bitte, zürne mir nicht zu sehr, ich fühle mich unglücklich in Harolds Nähe, ich gehe zugrunde, wenn ich seine Frau werde! Ich liebe ihn nicht, die Verlobung muß gelöst werden!" Der Rat sah seine Frau mit durchdringender Strenge an.„Was soll ich von diesem Gefasel halten, Marie? Oder hat Waldenstein sich etwas zuschulden kommen lassen? Ich bitte mir unbedingte Wahrbeit aus!“„ A4# Seine Gattin war völlig bestürzt. Sie machte sich die bittersten Vorwürfe, ihr Kind tagelang sich selbst überlassen zu haben. „Waldenstein und Margot verkehrten immer anders, wie sonst Brautpaare zu tun pflegen. Mir ist nichts aufgefallen. Es war doch alles gut bis zuletzt. Margot hat sich nie beklagt, sie war im Gegenteil immer fröhlich und guter Dinge. Waldensteins Stimmungen schwanken stets zwischen Schwermut und überspannt zur Schau getragener Seligkeit. Anders habe ich ihn nicht kennengelernt. „Höre auf zu weinen!“ rief der Rat mit erhobener Stimme,„wir haben dich vor der Verlobung warnend darauf aufmerksam gemacht, daß du einem Theaterdirektor viel zugute halten mußt, seine Handlungen als die eines außergewöhnlichen Menschen anzusehen hast. Und wie lautete deine Antwort? Alles wolltest du auf dich nehmen. Deine Liebe sei groß genug, um alle Fährnisse zu besiegen, du wüßtest vollkommen, daß ein Schauspieler nicht dir allein, sondern der ganzen Weit gehört. Du wollest ihm nachstreben, so groß und frei an Geist zu werden, wie er!" „Ich habe es versucht, Papa, wollte lesen, mit Harold zusammen mir die Wege zum besseren Vertändnis I der Literatur bahnen. Ich habe es mir nicht so schwer gedacht. Nein, ich kann nicht ausführen, was ich mir vorgenommen, aber mein Geist, mein Wille versagten vollständig. Ich wurzele in den Alltäglichkeiten des Lebenz, ie wie beh vier lehich und ohne Aufrubr, glücklich und froh. Und hier will ich 39 ertebe, e orinsdgude ur Eiterner die wier gte te bof zich eie brwngen un Z em Klatsch aus dem Weze votich bein den Mund der Leute, beide handeln, ohine die geringste Rüchschr out, Leiger g.uchz emi dir euin Aeußersten kornrjeg,„Riz, meiner Einwiligung wird e geden zurze eimn beider Trzgeglngt un. Pargot, As9 e hite fie. e,. Der Gedanke, daß ich in die Fremde binaus soll, ist mir geradezu entsetzlich. Laß mich bei euch bleiben! Laß die Leute reden, einmal müssen sie ja doch wieder aufhören. Soll ich mich den bösen Zungen zuliebe auf Lebenszeit unglück„Du denkst immer nur an dich! Die grausame Enttäuschung, welche du deinem Verlobten bereitest, scheinst du nicht in Betracht zu ziehen!“ „Geh in deine Stube, Kind!“ mischte sich jetzt Frau Marie ein,„ich will mit dem Papa allein sprechen, „geh und warte, bis ich dich rufe! Denn schlafen ir Margot schütelle nur, troslos vor sich binschluchIn ihrem Stübchen stellte sie sich an das nach dem Garten hinaus gelegene Fenster und starrte mit Und sie mußte ihrer Schwester gedenken, welche vor Jahren wohl hier auf derselben Stelle und die Hände gerungen hatte, deren flehende Butten an dem harten Sinn des Vaters gescheitert waren, wie ein Nachen an starrer Felsenklippe, wenn die Arme Juttal Wieviel durchwachte Nächte mochten dem Entschluß, aus dem Elternhause zu fliehen, gegangen sein, wie oft mochte sie in diesem Zimmer gekämpft haben zwischen Kindesliebe und dem Drange Und wieviel heiße Tränen mochtesie in jener Nacht geweint haben, wo sie dieses traute Stübchen verließ, um einer ungewissen, dornenvollen Zukunft entgegenzugeben. 8 S S 1 S S 5 S SES: * # *% * 65 5 * E 8 8 5 S e 490 F 2· 55 Salg „ S 12 e F 938 .# 9—(0) S 85 2 m gOag E S m SOSEEFSEBE SSEE E S9EE 8 5 1 5— .. 9•.• a. S E CESCES S S 5 * 8 8 6 * S 1 5 2 S 15 8 9—* * S 9 SS##HE SeF SSEISTE GEESE S.2: •3 * 0 55 — 5 ESHE S S S E 2 S E 5 Sp E S 6 SSEE SerEEES S 555EGES #SESSGESHS S#EES S 8 E S S1E S# 5 *** 5 er Kalte Schander durchrieselten Margot, wenn sie sich vergegenwärtigte, daß auch sie gezwungen sein könne, bei Nacht und Nebel dieses große, sichere Haus zu verlassen, wo aus jeder Ecke ein Stückchen Kindheit ihr entgegenschaute. Wie im Fieberfrost schlugen ihre Zähne zusammen, schon diese Vorstellungen brachten sie außer sich. Nein, sie hätte den Mut zum Bruch mit den Eltern nicht gefunden, sie nicht! Sie war nicht imstande, sich ihr Glück aus eigener Willenskraft zu erringen, ihre Zukunftlag in den Händen ihrer Sitern, wenn sie ihren Bitten unzugänglich blieben, würde Margot sich jügen. Aber ein leises Hoffen war in ihr, daß sich alles zum Guten wenden würde. Und so egoistisch, wie die Eltern glauben mochten, war sie doch nicht. Sie hatte diesen Kampf nicht nur ihretwegen begonnen, sondern auch, um Jutta zu ihrem Glück zu verhelfen. Waldenstein sollte frei werden für Jutta. Nachdem Frau Marie das erste Entsetzen über Margots Erklärung, die unvorbereitet wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Eltern traf, überwunden, beruhigte sich ihr praktischer Sinn. „Wäre eine Ehescheidung nicht ein viel größerer Skandal?" machte sie ihrem Galten gegenüber geltend, „und welche trostlosen Erfahrungen brächte das arme Kind vielleicht in einem Jahre heim? Wenn aus dem sonnigen Geschöpf binnen kurzem eine innerlich gebrochene Frau würde, welche sich niemals wieder von den Stürmen in der Ehe erholen könnte, wäre das nicht ein dauernder, schmerzlicher Vorwurf für uns? Könnten wir es verantworten, sie in die Konflikte einer unharmonischen Ehe hineingetrieben zu haben?" „Auf all das haben wir Margot ausmerksam gemacht, ehe es zur Verlobung kam!“ grollte der Rat. „Margot war ein Kind, welches ohne Besinnen nach der leuchtenden Blume griff, welche an ihrem Wege blühte; ihre Verliebtheit und jetzige Verzweiflung sind vom rein menschlichen Standpunkt aus sehr begreiflich. Waldenstein ist ein schöner, mit hervorragenden Geisiesgaben ausgestatteter Mann, welcher sich alle Frauenherzen ohne sein Dazutun erobert. Man kann es Margot kaum verargen, daß sie sich durch dieses strahlende Licht blenden lies.“ „Wenn ich dich recht versiehe, hast du die Verlobung von vornherein als ein Experiment betrachtet. Der leidende Teil, der Verlobte unserer Tochter, kann zusehen, wie er mit seiner mißbrauchten Ehre vor den Leuten besteht.“ „So wie ich Waldenstein jetzt beurteile, wird er die Lösung dieses Bundes nicht tragisch nehmen. Vielleicht hat auch er den Irrtum schon eingesehen. Es fiel mir bereits auf, daß von der Hochzeit gar nicht mehr die Rede war. In den ersten Tagen nach dem Wiedersehen wurde der Termin der Vermählung mit großem 95 Dann erlosch das Interesse daran immer Eiser erörtert. mehr.“ „Vielleicht hat Waldenstein unser Kind verletzt und sich dadurch ihre Liebe verscherzt. Aber das müßtest du doch wissen, du warst ja immer mit den beiden zusammen.“ „Harold ist ein so feinsinniger und pflichtbewußter Mensch, daß man ihm volles Vertrauen schenken kann,“ suchte Frau Marie eine Antwort zu umgehen,„aber ich muß offen gestehen, daß mir selbst schon Bedenken über diese Berbindung gekommen sind. Das beste ist, man sieht die ganze Sache als einen Irrtum an. Margot mit ihrer immerhin zarten Gesundheit wäre dem ganzen Aufruhr nicht gewachsen. Das Einstudieren neuer Werke, die vielen Proben, die Freundschaft mit den Darstellerinnen der Hauptrollen, das ganze Milieu dort verlangt eine verständnisvollere, intelligentere Genossin für Waldenstein, als Margot sie ihm jemals sein kann. Das Kind ist wie zum Glück geschaffen, doch für schlicht=bürgerliche Verhältnisse.... Ich muß sagen, je länger ich mir die Sache überlege, um so zufriedener bin ich, daß Margot nicht in ein ungewisses, an Enttäuschungen reiches Leben hinausgehen will. Sie bleibt uns, kann sich später hier verheiraten, und wir sind dann nicht so ganz vereinsamt.“ „O ihr Frauen!“ rief der alte Herr grimmig,„nun es dir passend erscheint, wiederholst du meine eigenen Worte, mit welchen ich damals gegen diese Verlobung opponierte!“ Frau Tornow atmete auf. Sie glaubte, gewonnenes Spiel zu haben. Der Sturm war auffallend schnell abgeflaut. Ihrem Manne mochte es auch willkommener sein, daß er seinen vergötterten Liebling noch behalten sollte. Sein ehrliches Herz gab nur nicht zu, daß das Vertrauen eines Menschen durch Margot getäuscht werden sollte. Sie legte schmeichelnd den immer noch hübschen Kopf mit dem vollen, dunklen Haar, in welchem kein Silberfaden sichtbar war, an seine Brust.„So glatt und sonnig, wie mein Leben an deiner Seite dahingeflossen ist, Papachen, scheint es unseren Kindern nicht beschieden zu sein. Damit müssen wir rechnen.„Dauken wir Gott, daß sie nicht auch in der Verzweiflung heimlich auf und davon ist. Und nun laß es gut sein, mein Alter! Wir haben die Pflicht, auch die Herzensregungen Margots zu respektieren, können nicht nur unsere eigenen Wünsche geltend machen. Darf ich Margot rusen, Papachen?“ Sie küßte ihren Gatten zärtlich auf den Mund,„willst du ihr ein paar gute Worte sagen, sie aus Angst und Verwirrung erlösen?" „Was kann ich denn weiter tun? Es bleibt mir ja nichts anderes übrig.“ Er streichelte ihr volles Haar und gab ihren Kuß zurück, seine Stimme bebte leicht, als er fortfuhr: „Solch eine Frau, wie du, gibt's nicht zum zweiten Male, Marie, das muß ich dir noch sagen. Margot reicht dir nicht das Wasser. So laß die Jungen denn ihre eigenen Wege gehen, wenn wir uns nur nicht verlieren! Ich bin froh, daß ich dich wiederhabe; was ist das Leben ohne dich!“ „Und was ich erst fühle, daß ich meder in meinen eigenen vier Pfählen bin und dich ges und munter vor mir habe! Nein, lieber Mann, Sir können uns nie verlieren, dazu wurzeln wir ese beide zu tief in einer längst verrauschten Zeit. Im Hinblick auf unsere Kinder aber müssen wir auch der Gegenwart einige Konzessionen machen! Sie sind moderne Geschöpfe, von denen wir nicht verlangen können, daß sie ebenso empfinden, wie wir vor fünfundzwanzig Jahren!" „Marie,“ betonte der Rat mit sanftem Vorwurf, „wir haben nur eine Tochter, vergiß das nicht!“ „Ach, Friedrich, auch Jutta ist unser Kind, und wir haben damals nicht recht daran getan, sie zur Verzweisung zu treiben.“ ine 8. Nach diesen Worten eilte die Dame ins Nebenzimmer und rief laut Margots Namen. Diese mochte längst mit pochendem Herzen in die Stille hinausgelauscht haben; denn in einer Sekunde war sie zur Stelle. Als sie das Wohnzimmer betrat, standen die Eltern dicht zusammen. „Wenn du es nicht verantworten zu können glaubst, daß du Waldensteins Frau wirst, so löse denn meinetwegen die Verlobung,“ sagte der Rat ernst,„aber überlege es wohl, Waldenstein ist ein tadelloser Charakter, einer von den Männern, welchen ein Frauenherz sich bedingungslos anvertrauen kann!" „Es liegt mir fern, lieber Papa, Harolds vortreffliche Eigenschaften herabsetzen zu wollen,“ erwiderte Marget leise,„ich werde ihn immer als einen großen Künstler verehren, aber zum Manne möchte ich ihn nicht. Und nun seid mir nicht böse! Nein?“ (Fortsetzung folgt.) Das war sein VerAn auer Wesen Lust und Schmerz Veströste sich des Menschen Heiz and schlage liebend soncer Rub' Dem Orean der Gettheit mul. C. v. Feuchtersleden 3 untwortung, vergig das nie.“ mächtnis an sie gewesen. „Verantwortung!“— Riesenhaft wuchs das plötzlich in ihrer Seele empor, rüttelte an ihrem Gewissen, daß sie im Innersten erbebte. Scharf und grell reihte sich Erinnerung an Erinnerung, Bild an Bild und führte sie unbarmberz### zur Erkenntnis ihrer Schwäche und Nachgiebigkeit für den einzigen Sohn. War sie nicht immer der Spielball seiner Willkür und Launen gewesen? Hatte sich durch Schmeicheln und Bitten betören lassen, sott mit Strenge vorzugehen und Böses schon im Keime unterdrücken? Stizze von Martha Henzler. (Nachdruck verbeten.) #e hatte ihr der Postbote den langersehnten Bries Sine Weile hielt Frau Wober ihn unschlüssig zwischen den zitternden Fugern, horchte gespannt ins niehenzimmer— und zog, als sich darinnen nichts zührte, leise und vorsichtig die Tür ins Schloß. Gut, daß ihre Tochter noch schlief. So konnte sie den Brief erst allein lesen. Seit Ronaten hatte ihr der Junge nicht geschrieben. Das war immer ein schlechtes Zeichen, seine Nachrichten brachten dann selten etwas Erfreuliches. Seufuend setzte sie sich ans Fenster, öffnete das Kuvert und entfallete den Bogen. In ein paar flüchtig hingeworfenen Zeilen teilte ihr der Sohn seine Heimkehr mit.— „Ich brauche Ruhe und Erholung nach all dem nutzlosen Kimpfen und Ringen. Ich bin natürlich wieder mal ohne Stellung. Doch ich hoffe und wünsche, daß ihr mir deshalb keine Vorwürse macht. Der eine erreicht eben sein Ziel, der andere nicht. Jedenfalls gehöre ich zu den Reuschen, die kein Glück im Leben haben, damit müssen wir uns abfinden. Alles weitere mündlich.“—— Das kleine Blatt Papier flatterte langsam zu Boden. Frau Weber saß mit leerem Blick. Schwer sank ihr der Kopf vornüber. Ihre Hände zuckten wie das angstvoll pochende Herz und halblaut kam's von ihren erblaßten Lippen:„Ohne Stellung, ohne Ziel.“ Vor ihrem Geist stand der blühende, kraftvolle Sohn. Gesund an Leib und Seele war er vor Jahren von ihr gegangen. Noch klangen ihr seine Abschiedsworte im Ohr.„Habt Dank für all' eure Liebe und Opferfreudigkeit. Ich komme nicht eher zurück, bis ich euch ein sorgenfreies, behagliches Alter bereiten kann, und was ich euch verspreche, soll mir heilig sein.“ So lauteten auch im Anfang all seine Briefe. Er ließ sie in eine glückverheißende Zukunft blicken; spann sie in Wünsche und Träume ein, die ihnen ihr arbeitsschweres Dasein erhellten, sie weich und zärtlich für ihn machten und ihm darum seine ständigen Bitten um Geld nicht abschlagen konnten. Ihre Ersparnisse, die sie als Notgroschen für die kränkliche Tochter zurückgelegt hatte, gingen erschreckend rasch zu Ende. Sie mußte ihn eines Tages darüber aufllären und ihm weitere Hilse versagen. Sie wies ihn ernst und liebevoll darauf hin:„daß er ja eine gründliche Ausbildung genossen und dementsprechend auch vorwärts kommen müsse.“ Von da an ließ er nichts mehr von sich hören— und heute nahm er ihnen noch die letzte Zuflucht und Hoffnung. In dumpsem Brüten verharrte sie regungslos. Sie ging sein Leben zurück, bis in seine Kindheit. Die war voll Sonne und Licht. Voll Liebe und Schönheit. Sie hatte sie ihm bereitet, daß ihn die Erinnerung daran wie ein guter Stern begleite. Sein Vater starb, als er eben fünf Jahre geworden:„Erzieh mir den Jungen zu einem tüchtigen, tatenfrohen Mann. Du übernimmst eine große VerWar sie nicht schuld, wenn er als Verlorener nach Hause kam?— Sie ging hart mit sich ins Gericht. Aber,— hatte sie nicht stets sein Bestes gewollt? Nur durch Liebe das Gute in ihm wecken und zur Reife bringen wollen? Und vielleicht brauchte der Junge jetzt ihre Liebe mehr denn je. Hatte sie ein Recht, an ihm zu zweifeln, ehe sie ihn sah, von seinem Leben und Kümpfen da draußen wußte?— Warum denn immer gleich das Schlimmste befürchten?— Ein stilles, warmes Leuchten kam in ihre Augen. Leises Hoffen zitterte wieder durch ihre Seele.#kles Dunkle und Schwere wich der frohen Erwartung. In ihrem Herzen war ein Singen und Klingen. Are Gedanken eilten dem Sohn entgegen, umschlossen ihn mit unerschütterlichem Vertrauen. Elsbeths herzliches„Guten Morgen“, rief sie in die Gegenwart zurück, Sie trat eben über die Schwelle,— sah das Briefblatt am Boden und eilte freudig darauf zu. Frau Weber kam ihr zuvor, bückte sich, hob es auf, zerriß es in kleine Stücke und sagte lachend:„Nun hättest du mir beinahe den ganzen Spah verdorben. Es soll doch eine Ueberraschung für dich sein.“ Elsbeth griff halb unbewußt nach dem Kuvert, das noch auf dem kleinen Tischchen lag. Erkannte des Bruders Handschrift, warf sich aufjubelnd der Mutter in die Arme und sprudelte zwischen Lachen und Weinen hervor: „Mutter! Hans kommt zurück und holt uns zu sich!? Ich fühl's an deiner stillen Freude. Oh, nun wird alles wieder gut! Ich hab' ja immer an ihn geglaubt! Weißt du, ich sehne mich manchmal doch recht nach besseren Tagen,— jetzt darf ich's dir ja verraten,— lange hätte ich diese Ueberlast an Arbeit und Sorge nicht mehr ausgehalten. Sie ließ die Mutter nicht zu Worte kommen. Ihr ganzes Wesen vibrierte in seliger Zukunftsfreude. Eine neue Welt tat sich vor ihr auf. Alle Versprechungen des Bruders wurden ihr lebendige Zeugen der Erfüllung. Frau Weber nickte stumm und sah in hilfloser Rührung auf das erregte Mädchen, deren welke Züge, vom Glück überstrahlt, fast jung und schön erschienen. Konnte und durste sie ihr jetzt die Wahrheit sagen? War sie nicht selbst im innersten Herzen eins mit der Tochter Hofsen und Wünschen?— Lächelnd und heiter bejahte sie ihr alle Fragen. Sie saßen heute länger als sonst beim Frühstück. Dann ging Elsbeth an die Arbeit, sie hatte für den Nachmittag Stickereien abzuliefern und neue zu holen. Auch die Mutter wollte die bestellten Maschinenarbeiten bis zum Nachmittag fertig haben. Seit Jahren mußten sie sich auf diese Weise ernähren, denn die kleine Witwenpension schützte sie kaum vor äußerster Not. Hans, der Junge, ahnte natürlich nichts davon. Kannte noch nicht die ärmliche Stube, aus der nach und nach alle guten Möbel verschwunden waren. — S