Die„Schwerler Zeitung“ erschein läglich auß. ertags. Bezugspreis monatlich 10.— M., bei der Pes. 10.— M., ohne Bestellgeld. Anzeigenpreise: Tie1 mm hode. 35 min breite Jei 80 Li„ auswärts 1. M. Bei Wiederholungen entsprechender Nachlaß u. Taris. Jeder Rabatt gllt als Kassenrabalt und ertischt bei sionkursen, Zwangsvergleichen, gerichtlichen Klagen u. Nichtbeachten der gemachten Zahlungsbedingungen. Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung S. 188— Schwerter Oolksblatt Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Holzwickeder Zeitung Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. mamuum Nr. 289 Samstag, 10. Dezember 1921 Im preußischen Landtage griff der alte Gewerkschaftler Hué bei Fortsetzung der Beratung des Haushaltes der Bergverwaltung das Unternehmertum heftig an. Dieser begründete die Erhöhuns des Kohlenpreises mit den höheren Arbeitslöhnen. Dabei betragen die Mehrausgaben der Löhne nur 60 Mark pro Tonne, die Erhöhung des Kohlenpreises dagegen 200 Mark. Von Kohlenmangel könnte in Deutschland keine Rede sein. An Vraunkohlen ständen wir sogar einer Ueberförderung gegenüber. Trotzdem würde immer wieder von einer gewissen Seite über Arbeitsunlust geklagt und gegen die Tarife gehetzt. Der Großlapitalismus sei immer mehr von einer Negation dem Staate gegenüber getragen. Der Arbeiterschaft habe sich die größte Erbitterung bemächtigt. Sie lehne es ab, so sehr sie dem Staate geben wolle, was dem Staate gebührt, dazu beizutragen, den Privatkapitalismus zu stärken. Deshalb sei die Parole nach wie vor: Sozialisierung. Der Zentrumsabg. Steger wies auf die erhöhte Kohlenförderung hin und betlagte, daß die Sicherheitsmaßnahmen auf den Gruben immer noch zu wünschen übrig ließen. Für die Deutschnationalen sprach der Abg. Waldhausen. Er machte die Eisenbahnverwaltung mit ihrer mangelnden Wagengestellung für den Kohlenmangel verantwortlich. Für die Deutsche Volkspartei gab der Abg. Seidel ein Exposee über Deutschlands Lage dem Weltmarkt gegenüber. Er verlangte sinngemäße Auslegung des Spa=Abkommens. Die Weiterberatung wurde auf Samstag vertagt. Die letzte Woche. so geklärt, daß die Regierung in Peting für alle strenge Bilraschaft übernehnen könnte. Der##s hai auch in China schon zu 1 iederhollen Mahen recht bedenkliche Blüten gerrieben, unter denen die Weitzen arg zu leiden ten Die schweren Plünderungen und Raubzüge in Wien zeigen, daß der Moskauer Bolschewismus trotz gelegentlicher friedlicher Versicherungen und trotz der Emsigkeit, mit dem westeuropäische Kreise an den Wiederaufbau Rußlands denken, doch nicht von seiner Art lassen kann. Er hofft immer noch, die deutschen Volksschichten in seinen Bann zu ziehen. Aber sein Einfluß auf alle Menschen, die ein gutes Stück Lebenserfahrung hinter sich haben, ist bereits verpufft, und die jungen Stürmer und Draufgänger werden auch noch vom Leben in die Schule genommen werden, wenn sie von Moskau sich blenden lassen. Während das deutsche Volk auf den Weihnachtsmarkt geht, um seiner Jugend die ersehnte Freude zu bereiten, muß die Reichsregieru## bei der Entente um Kredit bitten, um zu verhüten, daß für die Nichtzahlung der am 15. Januar fälligen Reparationsrate uns eine neue„Sanktion“ auferlegt wird Die Unmöglichkeit, in Goldmark zu zahlen, stand fest, also blieb nichts anderes übrig, als den schweren Schritt in London zu tun, der den Beginn einer abermaligen Unterzeichnungs=Aktion bedeutet. In Versailles, in Spa, das Ultimatum haben wir unterschrieben, und jeder Federstrich hat uns eine weitere Unerfüllbarkeit gebracht. Hüten wir uns daher beim vierten Male. Die Entente sieht ein, daß die Markentwertung Unheil für uns besiegelt hat. Die Entente gibt auch zu, daß Deutschlands Zusammenbruch eine Krisis für ganz Europa bedeuten würde, aber die vollen Folgerungen zieht sie daraus nicht. Frankreich natürlich noch weniger als England. Wenn der englische Schatzkanzler gesagt hat, Deutschland habe arus Reichsmitteln den Brotpreis vermindert, um der Industrie billigere Arbeitskräfte zu schaffen, so übersieht er die Lage in Deutschland sehr oberflächlich. Um die Ernährung des verarmten Volkes handelt es sich, nicht um Wohltaten für die Industrie. Außerdem ist der Preis für Lebensmittel und erst recht für Kohlen reichlich hoch. Tausende darben und frieren schon jetzt. Bei den gewaltigen Abgaben noch höhere Preise bedeutet für sie eine neue Hungerära. Auch eine weitere starke Steigerung der Eisenbahntarife ist nicht möglich. Wenn uns Bedingungen dieser und ähnlicher Art gestellt und dadurch Ersparnisse in den deutschen Reichsausgaben herbeigeführt werden sollten, so bedeutet das keine Hilfsaktion für uns. sondern das Bestreben, uns in immer tiefere Abhängigkeit hinein zu zwingen, und unsere Industrie im Auslande konkurrenzunfähig zu machen. Nachdem es Lloyd George gelungen ist, die Versöhnung zwischen England und Irland endlich zum Abschluß zu bringen, wird er vielleicht doch noch nach Washingion fahren. Er wird aber dort mit Harding und Hughes mehr über andere Fragen beraten als über die Abrüstung selbst. Die Vereinbarungen, die in Washington getroffen werden können, gleichen doch nur Netzen mit großen Löchern, an denen in Zukunft noch viel zu tun übrig bleibt. Die Verhältnisse in Ostasien namentlich sind keineswegs Die Kreditaktion der Industrie. In einer Veranstaltung der Deutschen Volkspartei in Dresden hielt der Präsident des Reichsverbandes der deutschen Industrie, Dr. Sorge, einen Vortrag über die Kreditaktion der den:schen Industrie, wobei er nochmals ausdrücklich feststellte, daß die Anregung vom Reichskanzler 1 Dr. Wirth und nicht von der Industrie ausgegangen war. Seinen weiteren Ausführungen war zu entnehmen, daß gegen den Grundgedanten der Kreditaktion sich augenblicklich niemand von der deutschen Industrie gewandt habe, sodaß man durchaus von einer Einstimmigkeit in der deutschen Industrie sprechen dürfte.— Dr. Sorge streifte auch die Kreditverhandlungen mit England und teilte mit, daß der englische Bankier Rothschild während seines Aufenthaltes in Berlin im Oktober dieses Jahres die Möglichkeit eines englischen Kredites für Deutschland in Aussicht gestellt habe unter der Bedingung, daß dieser Kredit nicht kurzfristig sei und Deutschland eine längere Zahlungsruhe gewährt werde. Die 2. den deutschen Ersparnissen im Auslande, die mit der Wiederbelebung des deutschen Handels anwachsen, 3. den nach Deutschland gebrachten Devisen, 4. Unternehmungen, Immobilien, die von Deutschen im Auslande erworben werden, 5. einen Bankdienst für Operationen in ausländischen- Devisen. Eine Kundgebung der deutschen Landwirtschaft. Wie die„Tägliche Rundschau" von unterrichteter Seite hört, wird am 15. Dezember im Berliner großen Saale des Herrenhauses eine Kundgebung der gesamten Landwirtschatf stattfinden. Der Reichslandesbund und die Vereinigung der Deutschen Bauernverbände haben folgendes beschlossen: Die deutsche Landwirtschaft zu dieser Kundgebung aufzurufen. Gegenstand der Tagung ist das Reparationsproblem und die damit zusammenhängenden Steuerfragen. Ferner soll zur Frage der Lebensmittelversorgung des Volkes Stellung genommen werden. An der Kundgebung werden unter anderem teilnehmen: Rösicke, Dr. Heim und Edler von Braun. Abkommen zwischen der Reichsbank und der Bank von England. Wie die Blätter hören, haben die Verhandlungen zwischen dem Präsidenten der Reichsbank und der Bank von England in London zu einem Ergebnis geführt. Die vor dem Kriege bestandenen Verbindungen zwischen den beiden großen Zontralnotenbanken sind wieder hergestellt worden. Wie die„Vossische Zeitung“ mitteilt, hat die Reichsbank ein Konto bei der Bank von England angelegt und sich dort ein Guthaben geschaffen. Dieses ist als eine große Erleichterung beim Zahlungsausgleich mit England zu betrachten. Der Deutschen Allgemeinen Zeitung zufolge habe man auch mit anderen Zentralnotenbanken die gelösten Beziehungen wieder ausgenommen. Es steht zu erwarten, daß auch hierüber bald ein Resultat wird gemeldet werden können. mit brennende Frage, die England aber erst zu lösen habe, sei Irland. Um die Verhandlungen mit England hätten sich zugleich drei Persönlichkeiten bemüht, nämlich Stinnes, Rathenau und Dr. Havenstein, Präsident der deutschen Reichsbank. Die Januarrate müsse unter allen Umständen an die Feinde gezahlt werden. Augenblicklich fehlen an ihr noch 270 Millionen Goldmark, für die nach der persönlichen Ansicht Dr. Sorges der Goldbestand der Reichsbank durchaus verwendet werden könne. Gegenüber vielfachen Entstellunggen betont Dr. Sorge ausdrücklich, daß eine Entstaatlichung der Eisenbahn keineswegs verlangt worden wäre, ja, daß sogar sehr gewichtige Gruppen sich dagegen erklärt hätten. Was man aber fordern müsse, das sei die Loslösung der Eisenbahn von politischen Einflüssen, von der staatlichen bürokratischen Verwaltung und die Einführung einer wirtschaftlichen kaufmännischen Orzanisation. Die Schwierigkeit der Lösung der ganzen Frage liegt nach der Ansicht Dr. Sorges weniger an der Industrie und an der Reichsregierung, als vielmehr an den Bestimmungen des Versailler Diktates. Mit bemerkenswerter Schärfe sprach sich Dr. Sorge auch bei dieser Gelegenheit gegen die sensationslüsterne Indiskretion eines Teiles der Berliner Presse aus, die von einem ganz auffallenden Mangel an Verantwortlichkeitsgefühl Zeugnis ablegen. Damit sei aber, was besonders die Kreditaktion und ausländische Anleihen überhaupt betreffe, ein Schaden angerichtet worden, der nicht wieder gutzumachen sei. Devisenbeschaffung unter Ententekontrolle. Der Pariser„Mätin“ glaubt in der Lage zu sein, auf Grund von Erkundigungen seines Berichterstatters Sauerwein in Brüssel, Berlin und Paris, einen Reparationsplan mitteilen zu können, der Deutschland die nötigen ausländischen Devisen sichern soll. Die Unterlagen hierzu würden bestehen aus 1. dem Werte der Frachten, der in fünf Jahren, wenn die deutsche Handelsflotte wieder aufgebaut sein wird, dem Reiche dieselben Einnahmen verschaffen könnte, wie vor dem Kriege, vervielfältigt um 1¾, d. h. mit der allgemeinen Quote der Erhöhung der Frachtsätze, Die irische Frage scheint gelöst zu sein. Lloyd George und die Sinnfeiner haben endlich das von aller Welt mit Spannung erwartete Uebereinkommen abgeschlossen. Acht Wochen dauerten die Verhandlungen mit den Iren; eine Zeit lang sah es so aus, als wollte Lloyd George zurücktreten, das Parlament auflösen, Neuwahlen ausschreiben und durch den Verzicht auf seine Washingtoner Reise der amerikanischen Konferenz und der internationalen Politik ein anderes Gesicht geben. Die eigentliche Schwierigkeit lag zuletzt nicht bei den Sinnfeinern, so wenig wie bei den Engländern, sondern bei einer ganz kleinen Minderheit, den Unversöhnlichen von Ulster. Der Premierminister dieses vor einem Jahr errichteten Zwergstaates, Sir James Craig, bildete das„Zünglein an der Wage". Erst nachdem Lloyd George mit Craig in Sonderverhandlungen einig geworden, konnte er an den Abschluß mit Irland gehen. Ganz Genaues über die entscheidenden Sitzungen wird bei ihrem geheimen Charakter wohl nie bekannt werden. Aber man weiß ja, wie es anfing und um was es sich drehte:„Die Nation, die wir vertreten,“ so hieß es in der Anfang dieses Jahres veröffentlichten Denkschrift des Dail Eircam, der irischen Nationalversammlung, „genoß über tausend Jahre lang das Dasein eines unabhängigen Staates, bis England, das von uns die Segnungen der Zivilisation und Erziehung erhalten hatte, über uns herfiel, unsere Verfassung untergrub, unsere Industrie unterdrückte, unseron Handel nahm, unsere Einnahmen stahl, uns der Vorteile unserer gengraphischen Lage beraubte, uns von unserem ehemaligen Verkehr mit anderen Völkern abschnitt und unseren Namen aus der Liste der Nationen ausstrich...“„Wer denkt bei solchen Weherufen nicht an— Deutschland nach dem Versailler Vertrag?) Lloyd George war der Mann, der trotz dieser Zornesflüche und trotz des blutigen Bürgerkrieges, der unterdessen wieder in Irland entbrannte, daran ging, eine Versöhnung anzubahnen. Er bot don Iren, was er konnte: Homerule, eigene Polizei und eigenes Parlament, eigene Verfassung, wie es ähnlich das kangdische Dominion hat. Nur die Krone sollte über allem bleiben. Die Krone ist das Symbol der englischen Macht und Einheit. Und ein zweites: die englische Flotte soll auch in den irischen Gewässern ihre alte Stellung behalten. Auf all das hat Irland zunächst nur eine Antwort gehabt: erst völlige Abscheidung von England und dann soll sich das Uebrige finden.„Das Uebrige,“ so hat de Valera mehrere Male ausgeführt, soll in irgendeiner Form in einer„Assoziation mit England" bestehen. Es ist nicht zufällig, daß er dasselbe Wort benutzte, das Präsident Harding gebraucht, wenn er von der Völkergemeinschaft spricht, die Amerika will. De Valera hat ferner selbst ein Rüstungsabkommen und Sicherheitsgarantien für England für möglich erklärt— immer die Sczession vorausgesetzt. Eine Auseinandersetzung über den Anteil Irlands an Englands Staatsschulden ist auch für ihn diskutabel— die Sezession vorausgesetzt. Eine fremde Macht kann dabei als Schiedsrichter fungieren, ebenso wie„zwischen der großen Mehrheit des irischen Volkes und seiner politischen Minorität"; damit ist Ulster gemeint— nach der Sezession. Also: Nach dem Ausscheiden Irlands aus dem Staatsverband des britischen Reiches, nach seiner ausdrücklichen Entlassung aus dem Treueverhältnis zum König von England, mich diesem„idealen Alt“, der bei dem außerordentlich weiten Entgegenkommen Englands Irland praktisch doch nur ein kleines Stück weiterführen würde, als England sich selbst bereit erklärt hat, Irland gehen zu lassen. Man hatte erwartet, daß die jedenfalls harten Verhandlungen mit Irland sich schlimmstenfalls nur um den„Dominialstatus" Irlands, um die Umschreibung seiner Freiheit innerhalb des Reiches drehen würden. Darauf hat de Valera für Irland die der Welt unsterbliche Antwort gezeben, daß die Sczession die Vorbedingung zu allon prattischen Regelungen sei. Zuerst dahin gelangen, wo Amekika seit 1778 steht— dann alles weitere. Erst ganz zuletzt, als die Verhandlungen endgültig zu scheitern schienen, als Lloyd George, die Zustimmung Craigs in der Tasche, die Drohung aussprach, England sei zur Fortsetzung seiner Politik mit den Waffen des Bürgerkrieges bereit, haben die Sinnfeiner beigegeben und sich zu einem Kompromiß in der Treueidfrage bequemt. Die genaugu Einigungspunkte wird man demnächst erfahren. Werden sie von den Parlamenten in Dublin und London ratifiziert, so ist, darf man wohl sagen, eine neue Aera in der Geschichte Großbritanniens und Irlands angebrochen. Stadt und Land. Adventserwartung. Wenn es dunkelt im Advent Sitzen wir zusammen. Unser Sternenlämplein brennt Und die Herzen flammen. Vor uns glänzt die heil'ge Nacht In des Christbaums Schimmer, Und ein Enzel sanft und sacht Schwebt durch unser Zimmer. Weihnachtslied auf Weihnachtslied Klingen durch die Räume, Und die stille Seele flieht In das Land der Träume. ** Der silberne Sonntag ist nun auch vor der Tür, es sind noch zwei Wochen bis zum Weihnachtsabend. In der letzten Woche ist fleißig eingekauft worden, wenn auch nicht überall gleichmäßig, und der kommende Sonntag wird ein gues Geschäft bringen. Wenn der Haupteinkauf für Weihnachten nun gerade in den Tagen geschieht, in welchen die Reichsregierung den schweren Gang um die Kreditbitte nach London tut, so ist das ganz gewiß keine Unterschätzung unserer heutigen Laje, sondern es liegt darin das herzliche Bestreben, der Jugend und den Angehörigen Freude in diesen Schicksalsjahren zu bereiten, die niemand für möglich gehalten hat. Mag dieses Stück Weihnachtsfreude für den einzelnen nur bescheiden sein, sie erwärmt doch die Herzen, steigert Lebensmut und Lebensziele, Arbeitslust und Arbeitskraft. ** Dezemberwetter vor hundert Jahren. Der Dezember 1821 brachte statt der jetzigen Kälte äußerst milde Witterung. Hierüber berichtet Lep pings Chronik: Am 5. Dezember blühten Aurikeln, kleine Rosen, Nelken, Goldblumen; auch sah man einen Birnvaum in voller Blüte. Doch am 24. Dezember Gewitter. Bis Ende des Jahres kein Schnee. ** Voltshochschule Schwerte. Die interessie ten Kreise seien nochmals dringend gebeten, die Anmeldung zu den Kursen möglichst umgehend zu bewirken, dermit man einen Ueberblick über die Zahl der Teilnehmer bekommt. Anmeldelisten und Programme sind in den Buchhand lungen unserer Stadt, sowie in den Lotalen der Gewerkschaften ausgelegt, woselbst auch etwaig Wünsche anzubringen sind. Eile ist dringend geboren!— Im Anschluß an unseren Bericht über die Gründungsversammlung am Sonntag sei nock mitgeteilt, daß es Herr Bürgermeister Rohrmann aus dem Grunde für zweckmäßig hielt, an seiner Stelle einen anderen Vorsitzenden des vorläufigen Ausschusses zu wählen, als es sich um keine städtische Einrichtung handele, sondern um eine freie Vereinigung, wenn auch in Anlehnung die Stadt. Bekanntlich wurde dann Sndien### Dr. Hoffmann zum Vorsitzenden des vorläufige Ausschusses gewählt, der im übrigen sich wie foigt zusammensetzt: Studienrat Dr. Hoffmann, Schulvorsteherin Frl. Tütel, Stadtverordnete Breinshey, Pfarrer Wischnath, die Stadtverord neten Kemmerling, Möhle und Otten, Gewerkschaftssekretär Herbel, Geschäftsführer Scharfe, Dreher Bozetti und Redakteur Kraas. Finanzamt Hörde schreibt uns: Die Gültigkeit der behördlichen Bescheinigungen über die gewerbliche Weiterveräußerung von dem im § 21 des Umsatz=Steuengesetzes genannten Luxusgegenständen endet mit dem 31. Dezember 1921. Die Ausstellung neuer Bescheinigungen für das Kalenderjahr 1922 ist von den Inhabern der in Frage kommenden Unternehmen vor Ablauf dieses Jahres beim Finanzam: Hörde(Abt. Umsatzstener) zu beantagen.„ Mt, ** Frachtbriefvordrucke. Nach einer Milllung der Eisenbahndirektion Elberfeld dürfen die doppelseitig bedruckten Frachtbriefe, sowie die einseitig bedruckten Frachtbriefe, auf denen in der Bemerkung am oberen Rande zwischen den Wortin„Eigentumsmerkmal" und„des Wagens“ die Einschaltung„sowie das Ladegewicht" fehlt, weiterhin bis zum 31. März 1922 benutzt werden. ** Die Freiwillige Feuerwehr hat ihre Mitglieder für heute(Samstag) abond in den„Westfälischen Hof“ zur Jahresversammlung einbernfen. Außer der Erledigung einer sehr reichhaltigen geschäftlichen Tagesordnung soll auch eine Ehrung von Vereinsjubilaren vonenommen wer*„* ** Weiteres Steigen des Preises für Druckpapier. Die Zellstoffabrikanten haben den Beschluß gefaßt, für den Monat Januar den jetzigen Preis für Druckpapierzellulose von 340 Mark um 320 Mark, also auf 660 Mark füx je 100 Kg. zu erhöhen. Das bedeutet beinahe eine Verdoppelung der erst im vorigen Monat heraufgesetzten Prei Die Druckpapierfabriken sahen sich durch diese Erhöhung veremlaßt, auch ihrerseits die Preise für Druckpapier um weitere 80 Mt.“für je 100 Kg. heraufzusetzen. Dazu kommen noch erhöhte Forderungen der Holzstoffabrikanten, die Kohlenpreiserhöhung usw. Die Folge davon ist, daß der schon jetzt auf das Zwanzigfache aelgenüber dem Friedenspreis gestiegene Papierpreis im Januar zum mindesten auf das Dreißigfache steigen würde. Die Nachwirkungen, die diese phantastischen Preissteigerungen für das Buckdruck= und Zeitungsgewerbe haben werden, liegen ohne weiteres auf der Hand. ** Sauerländischer Gebirgsverein. In der letzten Jahreshauptversammlung am vergangenen Donnerstag, unter Leitung des Herrn Lehrers Jacobs, wurde nach Erstattung des Jahres= und Kassenberichtes der Vorstand, bestehend aus folgenden Herren, neu bezw. wiedergewählt: 1. Vorsitzender: Prokurist Gathmann; 2. Vorsitzender und Leiter des Wanderausschusses: Norbert Kaufhold; Schatzmeister: Karl Twittmann; 1. Schriftführer: C. Thomee; 2. Schriftführer: Carl Frage jr. Beisitzer: die Herren Jacobs, Roever, Lehrer Steinberg und Walter Honsalek. Die Abteilung Schwerte hatte im laufenden Jahre einen erfreulichen Zuwachs und zählt heute bereits 220 Mitglieder. Die Abgabe an den Hauptverein beträgt vom nächsten Jahre ab 6 Mark jährlich, der Jahresbeitrag der Abteilung Schwerte mußte deshalb auf 12 Mark erhöht werden. Dafür bekommt jedes Mitglied die Vereinszeitschrift des„Sauerl. Gebirgsboten“ kostenfrei durch die Post zugestellt. Der Beitrag für jugendliche Mitglieder(zwischen 15 und 20 Jahren) wurde auf etwa 5 Mark jährlich festgesetzt, bei genügender Beteiligung soll demnächst eine besondere Jugendgruppe gebildet werden.— Der ebenfalls neu gewählte Wanderausschuß wird gleich anderen Abteilungen einen besonderen Wanderplan für das ganze Jahr aufstellen und frühzeitig bekanntgeben. Etwaige Wünsche und Vorschläge seitens der Mitglieder werden hierfür gern angenomen und bescsichtigt....Mung läst Hi. Bor. ** Auf die Straßenreinigung lßl die Polizei hiermit nochmals hinweisen. Alles Eis muß entsernt, der Schmutz zusammengefegt und weggeschafft werden, andernfalls tritt Strafe ein. Nach der Straßenordnung muß in der Zeit von 2 bis 4 Uhr nachmittags gereinigt werden. Holzen, 10. Dezbr. Kirchenbauverein. Am morgigen Sonntag nachmittag 5 Uhr findet im Lokale Schneider die Generalversammlung des tathol. Kirchenbauvereins statt. Zur Beratung stehen mehrere wichtige Fragen. der Bachstraße zu Köln=Mülheim einbrechen wollte, wurde von der Polizei überrascht und ergriff die Flucht. Als er auf Anruf des Beamten nicht hörte, schoß derselbe und traf die Schlagader am Halse. Obgleich ihm sofort ein Notverband angelegt wurde, trat der Tod schon nach 10 Minuten ein. Der Einbrecher ist ein Mülheimer, ist verheiratet und hat mehrere Kinder. Mayen, 9. Dezbr. Ein schweres Unglück ereignete sich in der Geringer Schiefergrube„Antoniusschacht" bei Kehrig. Dort ging eine große Strecke Schiefer zu Bruch und begrub unter sich zwei Arbeiter. Die Verunglückten konnten nur als Tote ans Tageslicht gebeacht werden. Der eine von ihnen war der einzige Ernährer seiner hochbetagten Mutter, der andere hinterläßt in Kaisenheim Frau und ein kleines Kind. dem Reich. Man küerde dcheim uur mit echlen Brauns ochen Stolkorbon und fordere die lehrreiche Gratisbroschüre No. Z. von Wilhelm Braune, C. m. b. H., Quedlinburg a. Hi. Aus den Provinzen. Münster, 9. Dezbr. Scharfes Vorgehen der Wuchergerichte. Im September d. J. hatte auf einer der von der Westf. Gemüsebauvereinigung veranstalteten Gemüse=Auktionen ein hiesiger Gärtner sogenannte Döpp=Bohnen für 51 und 64 Pfennig je Pfund eingekauft und diese Bohnen am selben Morgen auf dem hiesigen Wochenmarkt das Pfund mit 2,50 Mark wieder verkauft. Auf das von der städtischen Preisprüfungsstelle wegen Preistreiberei daraufhin eingeleitete Verfahren wurde dieser Gärtner jetzt vom hiesigen Wuchergericht mit 2 Wochen Gefängnis und 5000 Mk. Geidstrafe, eventl. für je 15 Mark 1 Tag Gefängbestraft. Daneben wurde auf Einziehung des levergewinnes von 75 Mart, sowie auf öffentliche Bekanntmachung des Urteils in zwei hiesigen Zeitungen erkannt. Mörs, 9. Dezbr. Ein Personenauto gegen Straßenbahn. Hier fuhr ein Personenauto in voller Fahrt gegen einen Straßenbahnwagen. Einer der Insassen erlitt Schädelbruch und eine Gehirnerschütterung, der Chauffeur, sowie zwei andere Fahrgäste wurden schwer verletzt. Köln, 9. Dezbr. 12 Jahre Zuchthaus. Vor dem hiesigen Schwurgericht hatte sich vorgestern ein polnischer Arbeiter wegen Totschlags zu verantworten. Er war in das Lohnbüro einer Grube in Frechen bei Köln eingebrochen. Ein Fuhrmann, der ganz zufällig den Einbrecher überrascht hatte, lief zwar, nichts Gutes ahnend, davon, wurde aber von einer Kugel erreicht, die ihm der Einbrecher nachsandte. Der Angeklagte wurde wegen Totschlages und Einbruchsdiebstahls zu 12 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Köln, 9. Dezbr. Erschossener Einbrecher. Ein Einbrecher, der in einem Kurzwarengeschäfte in Reichstagssitzung. Die nächste Sitzung des Reichstages findet Dienstag, den 13. Dezember, nachmittags 3 Uhr, statt. Auf der Tagesordnung stehen außer mehr als 30 kleinen Anfragen die erste und zweite Beratung einer Anzahl Gesetzentwürfe, die Abänderung der Verordnung über Lohnpfändung, die Abänderung des Börsengesetzes u. a. m., ferner mündliche Berichte des Reichsausschusses über drei Anträge, die die sofortige Außerkraftsetzung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. September betreffen. Deutschlands Dank an die Amerikahilfe. Der Reichskanzler hat an den Zentralausschuß des amerikanischen Hilfswerkes für die Linderung der Not in Deutschland und Oesterreich zu der am 5. Dezember in Cincinnati eröffneten dritten Jahresversammlung ein Begrüßungstelegramm gerichtet, in dem er den Komitees, deren unermüdliche Hilfsbereitschaft Deutschland bewundere, tiefempfundenen Dank sendet mit dem Wunsche, daß die Beratungen zur weiteren Förderung des menschenfreundlichen Hilfswerkes von Erfolg begleitet sein mögen. Sanierung der Staatsbetriebe. Wie von zuverlässiger Seite verlautet, beabsichtigt die Regierung, demnächst dem Reichstag eine Vorlage über die Sanierung der Staatsbetriebe zugehen zu lassen. Es ist hierbei die Einführung des gemischt=wirtschaftlichen Systoms geplant, wobei die oberste Verwaltung weiterhin vom Staate ausgeübt würde, während der Betrieb selbst nach kaufmännischen Grundsätzen verwaltet werden soll. Die Finanznot der Gemeinden. In einer dem Reichstag eingereichten Denkschrift, in der die Forderungen der Gemeinden eingehend dargelegt und begründet werden, fordern der Deutsche Städtetag und der ReichsStädtebund eine grundsätzliche Aenderung der bisherigen Reichssinanzgesetzgebung, und zwar: 1. Erhöhung der Anteile der Gemeinden und der Gemeindeverbände an Einkommensteuern, Körverschaftssteuern und Umsatzsteuern; 2. grundsätzliche Fernhaltung des Reiches von einer Reihe von Steuern, die nach ihrer Natur in engeren Beziehungen zum Gemeindeleben stehen als zum Reich. Der Reichswirtschaftsrat nahm in seiner letzten Sitzung den von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurf über den Verkehr mit ausländischen Zahlungsmitteln an. Das Gesetz soll der wahnsinnigen, gewissenlosen Devisenspekulation, die jetzt bekanntlich schon zu Bankkrachs geführt hat, einen Riegel vorschieben. In einer hierzu angenommenen Entschließung verlangt der Reichswirtschaftsrat ein Verbot der Zahlung in fremder Valuta bei Inlandsgeschäften oder sonstigen Vorträgen zwischen Inländern. Dann trat man in die Beratung des Entwurfes eines Arbeitsnachweisgesetzes ein, erzielte aber keine Einigung, sondern vertagte die Beratung auf Donnerstag. Zum Schluß besprach man die von der Regierung geforderte Aufhebung gewisser Zollerleichterungen für Lebensmittel usw., die gemäß den Ausschußbeschlüssen einstimmig abgelehnt wurde. Mehrere Mitglieder des Reichswirtschaftsrates haben ihr Mandat niedergelegt, darunter der Arbeitnehmervertreter der Seeschiffahrt, Paul Müller=Hamburg(an seiner Stelle eingetreten: Franz Köhle=Hamburg), der Arbeitnehmervertreter des Kohlenbergbaues, Otto Hue, und der Vertreter der Aerzteschaft Dr. Hartmann=Leipzig. Um Dr. Stresemann. Vorgestern hielt der Ortsverein der Deutschen Volspartei in Dresden eine Sitzung des Gesamtvorstandes ab, die sich mit dem Stuttgarter Parteitag und dem Fall Dr. Stresemann—Dr. Kaiser beschäftigte. Es wurde gegen drei Stimmen folgende Entschließung angenommen: In der Ueberzeugung, daß der Stuttgarter Parteitag in Uebereinstimmung mit dem Parteiführer Dr. Stresemann die große Koalition gefordert hat, begrüßt der Vorstand des Dresdener Ortsvereins diese Stellungnahme auf das wärmste. Er sieht in der großen Koalition eine der Hauptforderungen der vaterländischen Politik und will sie ausdrücklich. Weltrundschau. Frankreichs Schützling. Die Rheinlandkommission, die sofort nach der Verhaftung des rheinischen Sonderbündlers Smeets benachrichtigt wurde, hat, wie Havas meldet, unverzüglich beschlossen, die Fortführung des Beschuldigten aus dem Rheinland zu untersagen. Sie hat außerdem die zuständigen deutschen Behörden aufgefordert, ihr in kürzester Frist genaue Nachrichten über die Gründe und die näheren Umstände der Verhaftung zugehen zu lassen. Die Ergebnisse der Untersuchung werden demnächst bekanntgegeben werden.(Bekanntlich hatte die englische Besatzungsbehörde in Köln die Verhaftung Smect's als berechtigt anerkannt.) Der französischen Abg. Barres hatte sich sofort nach der Nachricht von Smeet's Verhaftung an Briand gewandt, der ihm geantwortet hat, daß er die obige Entscheidung der Rheinlandkommission veranlaßt habe. Tiroler Anschlußkundgebung. Aus Innsbruck wird gemeldet: Eine Versammlung der Parlamentsmitglieder der Tiroler Volkspartei(Christlich=soziale Partei) nahm eine von dem früheren Bundeskanzler Dr. Mayer entworfene Entschließung an. Darin wird gesagt, daß Deutschösterreich bei längerer Fortdauer des gegenwärtigen Zustandes dem wirtschaftlichen Zusammenbruch und dem politischen Verfall entgegencile, daß infolgedessen unverzüglich alle notwendigen Vorkehrungen getroffen werden müßten, um dem Lande Tirol einen neuen unvorbereiteten Zusarmmnbruch wie im Jahre 1918 zu ersparen. Die Regierungsstellen Tirols werden aufgefordert, raschestens eine Aenderung des gegenwärtigen Zustandes auf der Grundläge der durch den Artikel 88 des Staatsvertrages von St. Germain gegebenen Möglichkeiten des Anschlusses an das Deutsche Reich herbeizuführen. Die Abstimmung in Oedenburg. In der Oedenburger Abstimmungsfrage sind neue Schwierigkeiten aufgetaucht. Die österreichischen Abstimmungskommissare haben in einem gemeinsamen Beschluß erklärt, daß sie ihre Aemter niederlegen, falls nicht bis zum 10. Dezember eine solche Regelung bezüglich der Abstimmung in Oedenburg getroffen werde, welche die unbeeinflußte und freie Abstimmung, wie sie die Entente in dem Auftrage an die interalliierte Kommission verlangt hat, garantiert. Zwischen Himmel und Erde. Roman von Otto Ludwig. 33) Nachdruck verboten. Da wird ihm leicht, als wäre nun alles gut. Im Halbschlummer hört er in der Stube leises Gehen, leises Weinen und dazwischen ist es wieder still. Das leise Schluchzen, das zum lauten wird und sich wiederum bewältigt, als sei ein Schlafender in der Nähe, den es nicht wecken will, und wieder ausbricht, daß es den Schläfer nicht wecken kann, und wieder leise wird, weil es wie über sich selbst erschrickt, daß es laut ist, wo alle Menschen leise sind: wer kennt es nicht? Wer errät es nicht, wenn er es nicht kennt, Fritz Nettenmair weiß es im Halbschlaf: i. der Stube liegt ein Toter. Sie haben ihn gebracht.„In das Unabänderliche muß der Mensch sich ergeben. Zum erstenmal feit vielen Monden schläft er wieder ruhig. Und warum sollte er nicht? Aus dem leisen Weinen wird ein lustiger, schottischer Walzer.„Da ist er ja! Nun wird's famos!“ klingt es aus der Ferne vom roten Adler herein in seinen Schlaf. Das Leisegehen und Leisereden aber war wirklich und dauerte fort; und eine Leiche war in der Stube, eine schöne Kinderleiche. Während Friz Nettenmair von Leitern und Fahrzeugen träumte hatte des kleinen Aennchens Seele sich zu einem besseren Vater gerettet. Der Leib lag starr in dem kleinen Bettchen. Der Zwist der Eltern hatte das Kind krank gemacht; Schmerz über die wilde Tat des Vaters an der Mutter hatte ihm das kleine Herz gebrochen. Fritz Nettenmair schlief noch den Schlaf eines Bewahrten, als der neue Tag anbrach. Apollonius war schon lange munter; vielleicht hatte er gar nicht geschlafen. Den Kampf, den sein Bruder noch in seinem Angesicht gelesen, als er ihn mit dem Bauherrn das Haus verlassen sah, und den die Mühen des Tages kaum zurückgedrängt, scheuchte nachts den Schlummer von seinem Bett. Der Bruder hatte recht gesehen, seine scherzhafte Wendung des Gesprächs hatte ihren Zweck nicht erreicht. Und wenn Apollonius das Buch seiner Erinnerungen zurückblätterte, mußte er sich in seiner Meinung, der Bruder sei eifersüchtig auf ihn, bestärkt fühlen. Gar manches, das er nicht begriffen, als er es geschehen sah, erhielt Licht von dieser Annahme und half sie wiederum bestätigen. Die Abneigung der Frau schien ein bloßer Vorwand des Bruders, ihn von ihr fern zu halten. Der Bruder mußte gemeint haben, er könnte sie anders als mit den Augen eines Schwagers und Bruders ansehen. Und das schien begreiflich, da Fritz wußte, sie war ihm mehr gewesen, bis sie seine Schwägerin wurde. Er hätte das dem Bruder gern in Gedanken zum Vorwurf gemacht, mußte er sich nicht gestehen, sein Mitleid, das des Brudens rohe Behandlung der Frau hervorgerufen, hatte seinen Empfindungen für sie eine Wärme gegeben, die ihn selbst beunruhigte. Er fürchicte nicht, daß ihn diese hinreißen könnte, des Iruders Furcht wahr zu machen, aber seine strenge Gewissenhaftigkeit machte sich diese Wärme schon zum Verbrechen.„Aber,“ fiel ihm dann ein,„hat die Frau nicht wirklich ihm Abneigung gezeigt? Und fühlte sie Abneigung gegen ihn, wie konnte der Bruder dann fürchten? Der Bruder hatte im Tone des Vorwurfs sie ein Märchen genannt, arlso glaubte er nicht daran, und meinte, die Frau heuchle sie nur und empfinde sie nicht.“ Der Vetter hatte oft von der Natur der Eifersucht gesprochen, wie sie aus sich selbst entstehe und sich nähre, wie ihr Argwohn über die Grenzen des Wirklichen, ja des Möglichen hinausgreife, und zu Taten verführe, die sonst nur der Wahnsinn vollbringt. Einen solchen Fall sah Apolloniusvor sich und bedauerte den Bruder und fühlte schmerzlich Mitleid mit der Frau. Aus solchen Gedanken und Emphindungen schreckte ihn Valentin, der ihn hinunterrief. Er kam unruhiger wieder herauf, als er heruntergegangen war. Es war nicht allein Aennchens Zustand, die er wie ein Vater liebte, was auf seiner Seele lag; auch das Mitleid mit Aennchens Mutter war gewachsen, und eine Furcht war neu hinzugekommen, die er sich gern ausgeredet hätte, wäre solch ein Verfahren mit seinem Klarheitsbedürfnis und seiner Gewissenhaftigkeit vereinbar gewesen. Als der erste Schimmer des neuen Tages durch sein Fenster fiel, stand er auf von dem Stuhle, auf dem er seit seiner Zurückkunft gesessen. Es war etwas Feierliches in der Weise, wie er sich aufrichtete. Er schien sich zu sagen:„Ist es, wie ich fürchte, muß ich für uns beide einstehen; dafür bin ich ein Mann. Ich habe gelobt, ich will meines Vaters Haus und seine Ehre aufrecht erhalten und ich will in jedem inne erfüllen, was ich gelobt!“— Fritz Nettenmair erwachte endlich. Er wußte nichts mehr von den Traumbildern der Nacht; nur die befriedigte Stimmung, das Werk derselben, war ihm geblieben. Er besann sich vergebens, was diese Stimmung, die ihm so lange fremd gewesen, hervorgerufen haben könnte. Was ihm von den Erlebnissen der vergangenen Nacht einfiel, wer nicht geeignet, sie zu erklären. Er wußte nur noch, daß seine Frau ein„Pimpeln“ des„Spions" zu einer Krankheit vergrößert hatte, um einen Vorwand zu erhalten, mit ihm zusam men zu sein. Mit ihm! Nicht bloß im Gespräch mit dem Gesellen, auch mit sich und seiner Frau nannte er Apollonius' Namen nicht; vielleicht weil sein Haß gegen den Mann auf seinen Namen übergegangen war, vielleicht, weil er Tag und Nacht nur an zwei Menschen dachte, und diese nicht miteinander zu verwechseln waren. Er hatte nichts mehr auf der Welt, als seinen Haß; und er kannte nur zwei Menschen,„ihn und sie". Er dachte schon, wie er der Pimpelei ein Ende machen wollte. Mit diesem Gedanken trat er aus der Tür und stand— vor einer Leiche. Ein Schauder faßte ihn an. Da stand das tote Kind vor ihm wie ein Warnungszeichen: nicht weiter auf dem Wege, den du eingeschlagen hast! Da lag das Kind, das sein Kind war, tot. Sonst scheuchte er es von sich; jetzt blieb es und fürchtete sich nicht mehr und fragte ihn, ob er es noch hassen kann, ob er es noch mit dem Namen nennen kann, mit dem er es im Hasse genannt. Gestern sah er es nicht, wie er über seine Angst hin den Schlag führte; der Vater des Kindes nach der Mutter des Kindes und über den sterbenden Leib des Kindes hin. Gestern sah er es nicht, wie er darüber gebeugt stand; jeßzt sieht er es, wohin er die entsetzten Augen wendet, um dem Anblick zu entfliehen. Da steht das Kind vor ihm, ein Ankläger und ein Zeuge. Es zeugt für die Mutter. Sie wußte es sterbend, und am Sterbebette des Kindes tut die Verworfenste nicht, was er ihr zugetraut hat. Es klatt ihn an. Er hat eine Mutter am Sterbebette ihres Kindes geschlagen. Das kann kein Mann, und wär' das Weib schuldig. Und sie war es nicht; das zeugt das Kind. Jetzt weiß er, was das bleiche, stumme Antlitz der Mutter rief:„Du tötest das Kind; schlag' nicht!“ Und er hat doch geschlagen. Er hat das Kind getötet. u2:—“ 4 Fortsetzung folgt. Nr. 289(2. Blatt) Schwertei(eit* r Samstag, 10. Dezember 1921 Die Kotlage der Zeitungen. Die deutsche Presse wird plötzlich vor die befürchtete, mit allen möglichen Mitteln bisher verhinderte Kalastrophe gestellt.— Die deutschen Zeitungen haben von den bis auf das Hundertfünfzigfache gesteigerten Preisen der Materialien und der Herstellungstosten nur einen Teil auf Leser und Inserenten überwälzen können. Nun war der Wagen Druckpapier, der im Frieden 2000 Mark kostete, bereits Ende November wieder erheblich verteuert worden, sodaß der Preis für Dezember auf 37000 Mk. gestiegen war: Plötzlich wird hierauf ein weiterer sofortiger Aufschlag nochmals um mehr als das Doppelte des Friedenspreises verlangt, und hierzn kommen dig allgemeinen speunghaften Verteuerungen und die enorme Erhöhung der Löhne. So wachsen plötzlich die gesamten Produktionslasten in Riesensummen zusammen, zu denen auch eine Verdoppelung des bisherigen Bezugspreises in gar keinem Verhältnis stünde. Ob und wie lange unter diesen Umständen das Zeitungswesen noch aufrecht zu erhalten ist, darüber herrschen in den Kreisen der Sachverständigen die schlimmsten Befürchtungen. Wir treiben aber offenbar in eine Krise hinein, in der die Aufrechterhaltung der Presse mehr als je auch die Aufrechterhaltung der Hoffnung, der Ordnung, des Staatslebens bedeuten wird. Nur Kurzsichtigkeit und Unkenntnis kann das verkennen. Außerordentliche Verhältnisse erfordern außerordentliche Mittel. Das muß verstanden und gewürdigt werden in dem Augenblick, wo es nun tatsächlich geht um Sein oder Nichtsein der deutschen Presse. Wir erwarten daher zuversichtlich, daß die unbedingt notwendigen außergewöhnlichen Erhöhungen der Bezugs= und Anzeigenpreise nicht zuletzt deshalb getragen werden, weil nur so die wirrschaftliche Unabhängigkeit der deutschen Presse und ihre Unavhängigekit von ausländischen Einflüssen zu erhalten ist. Wir wollen, solange es irgend möglich ist, die deutschen Zeitungen vor dem Erliegen schützen. Und wenn es leider bei der stürmischen Entwicklung zum Schlimmen nicht helingen wird, manche alteingebürgerte und werivolle Organe der öffentlichen Meinung vor dem Zusammenbruch zu retten, so dar; uns doch der Pessimismus nicht dahin bringen, daß wir widerstandslos den Dingen ihren Lauf lassen. Die Presse, die— jede Zeitung in ihrer Richtung— mehr als je kämpft für das Wohl der Volksgesamtheit in diesen Zeiten, bedarf auch in erhöhtem Maße der Einsicht ihrer Leser bedarf. Die Lage ist keiner früheren vergleichbar. Möge das allenthalben erkannt werden, solange es noch Zeit ist! Der Vorstand des Vereins deutscher Zeitungsverleger. Herausgeber d. deutschen Tageszeitungen) E. V. Bedrohliche Lage in Deutschlands Kohlenversorgung. Von Tag zu Tag verschärft sich, wie der Reichs=Kohlenkommissar mitteilt, die seit dem letzten Polenputsch in Oberschlesien bedrohliche Lage in der Kohlenversorgung Deutschlands. Während in früheren Jahren die verhältnismäßig verkehrsschwachen Sommermonate zur Bevorratung der lebenswichtigen Betriebe mit Kohlen vorgenommen werden konnten, ist dies angesichts der durch ass un ens unmu mssmssn ssrrrs an den Polenaufstand eingetretenen Mehrbelastung des Ruhrtohlenbezirks, welches die Ausfälle der oberschlesischen Leistung während fast 10 Wochen decken hatte, in diesem Jahre so gut wie ausgeschlossen gewesen. Zu dieser an sich ungünstigen Lage traten noch eine Reihe weiterer Zufälle, z. B. die infolge der Mißernte in Westdeutschland erforderlichen beträchtlichen Kartoffel= und Feldfruchttransporte, die starke Inanspruchnahme des Eisenbahnwagenpartes durch die vollveschäftigte Industrie und schließlich auch durch den niedrigen Wasserstand fast sämtlicher deutscher Stromgebiete, die den Wagenumlauf wesentlich verlängerten und eine Mehrbelastung über das sonst übliche Maß hinaus herbeiführte. Die letzten Novemberwochen haben trotz aller Bemühungen eine Besserung herbeizuführen, eine weitere Verschärfung gebracht. Nebel und Kälte haben das Rangiergeschäft in westdeutschen Eisenbahndirektionen bedeutend verschleppt und eine weitergehende starke Inanspruchnahme des Güterwagenparks durch die völlige Einstellung der Schiffahrt und die zum 1. Dezember eingetretene Tariferhöhung auf den Eisenbahnen herbeigeführt. Die Kündigung der Ueberschichten hat einen Rückzang der Kohlenförderung zur Folge gehabt, der sich i Monat zu Monat vergrößert hat. sten ist die Belieferung der Gas= und Kreimten in Sü. bentschlund gegen die Vorjahre anch in Norddentschland macht s en#gmeine Mohlentnappheit bemerkbar. und andereden Verkehr bende Nalurerscheinungen können jederzeit den völligen Zusammenbruch der Kohlenversorgung bringen. Interesse der Bevölkerung wie auch der Industrie müssen vorbeugende Maßnahmen unverzüglich getroffen werden, um eine Katastrophe zu verhindern, die um so sicherer bevorzustehen scheint, als in Anbetracht der bevorstehenden Verhandlungen der Wirtschaftskommissare in Oberschlesien mit einer Steigerung der Zufuhren an oberschlesischer Kohle nicht gerechnet werden kann, da die Polen schon jetzt die bevorzugte Belieferung der polnischen Kohlenverbraucher aus dem an sifallenden Kohlenbezirk verlangen. Auch das Erscheinen der Zeitungen bedroht. Seit einigen Tagen haben die meisten sächsischen Papierfabriten infolge Kohlenmangels ihren Betrieb ganz oder teilweise einstellen müssen. Dadurch ist das Weitererscheinen der Zeitungen im höchsten Grade gefährdet. Provinzen. Dortmund, 9. Dezbr. Konflikt im Kreistag. In der Kreistagssitzung brachten die Sozialdemokraten einen Antrag ein, worin sie einen besoldeten Kreiskommissar forderten, zwecks Bruches mit dem alten System. Die Sozialdemokraten verlangten auf Grund des Paragraphen 87 der Kreisordnung einen sozialdemokratischen Vertrauensmann in der Verwaltung. Die bürgerliche Arbeitsgemeinschaft gab die Erklärung ab, daß sie den sozialdemokratischen Antrag ablehne, erstens, weil kein Bedürfnis für einen solchen Posten vorhanden sei, und zweitens, weil sich der Posten nicht gesetzlich rechtfertigen lasse. Sollte der Antrag dennoch angenommen werden, so würde man eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts herbeiführen. Auch der Vorsitzende, Landrat Klauser, empfahl, eine Entscheidung der oberen Instanz zu beantragen. Im Paragraphen 87 der Kreisordnung sei von einem Bedürfnis für einen solchen Posten die Rede. In Anbefiüe Weit und Wissen. Altwestfälische Holzindustrie. Neuwestsalen ist das Land der Eisenindustrie. Wir singen stolz in unserem Westfalenlied:„Wo in den Bergen ruht das Eisen.“ Altwestfalen wa in hervorragender Weise das Land der Holzindustrie. Früher war Westfalen noch viel mehr mit Wald bedeckt als heute. Die Namen der auf den alten Rodungen entstandenen Güter, Höfe und Ortschaften weisen noch heute darauf hin. Der alte Westfalenherzog Widukind hat ja auch seinen Namen von dem Wald, denn Widukind heißt Sohn des Waldes. So waren die Altwestfalen auf das innigste mit dem Walde verknüpft. Der Wald bot ihnen Zuflucht und Schutz. Mit dem Holz der Waldbäume bauten sie ihre Häuser, die ursprüglich mehr Blockhäuser, später mehr Häuser in Fachwerkbau waren. Aus Holz schnitzten sie ihr Hausgerät und ihre Werkzeuge, aus Holz verfertigten sie ihre künstlerischen Arbeiten, schnitzten sie die Heiligengestalten und die Alterbilder für ihre Kirchen und Kapellan. Unsere Sotdaten, die in Litauen waren, erzählen uns, wie dort alles Hausgerät heute noch aus Holz ist. So ähnlich ist es in Altwestfalen gewesen. Alles Küchengeschirr ist von Holz, auch Pfanne und Topf, Schüssel, Krug und Becher. Friedrich Wilhelm Weber hat die alte westfälische Zeit recht gesehen, wenn er in „Dreizehnlinden“ sagt: Nächst dem Herd auf Buchenschemeln Eiferten die ernsten Knechte; Wer aus knorrigem Maßholder Feinsten Hausrat schnitzen möchte: Glatte Löffel, schön geschwungen, Honigschalen, Buttertöpfe, Und zu zartem Angebinde Pfeile für die Mädchenzöpfe. Isenhard, der Meier, spellte Säuberlich die junge Birke, Daß er, Strang in Strang geflochten, Schwanken Peitschenstiel sich wirke. In alten Urkunden finden wir Nachrichten, daß die Abgabe an Klöster und sonstige Herrschaften hölzerne Schüsseln und Becher waren. Georg von Delten berichtet uns in seiner Schrift„Der Wald als Wirtschafts= und Kulturelement", daß zu dem altwestfälischen Küchengerät auch das hölzerne, große, häufig mit Schnitzereien versehene Salzfaß in die Nähe des Herdes und der sogen. Löffelspan in die Nähe des Küchentisches gehörte. Der Löfselspan ist ein einfaches, mit Löchern versehenes Brett, in das man nach dem Essen die gebrauchten Löffel steckte. Wir brauchen nicht besonders zu erwähnen, daß die Westfalen aus dem vielen Holz ihr Hausgerät, ihre Truhen, Betten, Wiegen usw. verfertigten. Den Holzschuh trut#en selbst die vornehmen Leute. Und am Hausgiebel ragte der hölzerne Pferdekopf empor. Besonders reiche Entfaltung fand die Holzschnitzkunst in den Kirchen, an Chorschränken,=stühlen, Kanzeln und Orgelgehäusen. In mancher westfälischen Kirche findet man solch geschnitztes Kirchengerät meist aus gotischer Zeit, weniger merkwürdigerweise im holzreichen Sauerland, als im Münsterland, Soest, Dortmund. Wir freuen uns noch heute über die Schnitzwerke, die die sogen. Hilligen= oder Beldenschniederbesonders in Münster und Osnabrück, herstellten. Welch inniges religiöses Empfinden und starkes künstlerisches Können tritt uns da entgegen! In der Renaissancezeit nimmt auch bei den bürgerlichen Wohnhäusern die Holzschnitzerei einen weiten Raum ein, zumal am Balkenwerk der vorgekragten Obergeschosse, so vor allem in Soest, Hersord, Rheine usw. Die künstlerische Holzausstattung drang auch in das Innere vor, Holztäfelungen und Holzdeckon brachten in Treppenhaus, Sätracht der Geschäftslage in der Kreisve valtung müsse das Bedürfnis für einen solchen Posten aber verneint werden. Der sozialdemoknarische Antrag wurde mir 20 gegen 19 Stimmen angenommem Die Bürgerlichen gaben ihren Einspruch zu Protokoll. Altena, 9. Tezbr. Mädchenhändler. Zwei hiesige Mädchenhändler, 14= und 16jährig, die einem entsprungenen Zuchthäusler, dem Friseur F. Siebel, der hier in den Wirtschaften spielte, blindlings hinter dem Rücken ihrer Eltern folgten, und mit ihm nach Hamburg fuhren, saßen eines Tages mittellos, da ihr Begleiter sie unter Mitnahme ihrer Barschaft und ihrer Koffer verlassen hatte, nachdem er sie vorher zu Dirnen herabsetzen und sie selbst für 3000 resp. 5000 Mark verkaufen wollte. Zum Glück wurde der„Mädchenhändler“ mit seiner Beute erwischt und der erstere eingelocht und die leichtsinnigen jungen Mädchen wieder nach der Heimat befördert. Das Hagener Schwurgericht verurteilte den Verführer zu 2 Jahren Zuchthaus. Altena, 9. Dezbr. Ein Bettler. Im Polizeigefängnis aufgenommen wurde ein Arbeiter, der laut Beschluß des Amtsgerichts wegen Bettelns der Landespolizeivehörde überwiesen ist und dem Arbeitshaus zugeführt wird. Der Berreffende ist nicht weniger als 103 Mal wegen Bettelns vorbestraft, darunter allein 13 Mal mit Ueberweisung in ein Arbeitshaus. Das dürfte ein Retord sein. Steele, 9. Dezbr. Teures Backwerk. In eine Konditorei trat laut„Steeler Zeitung“ eine Frau und kaufte für zehn Mark Backwaren. Nachdem die Veräuferin die Sachen eingepackt hatte, nahm die Frau dieselben schnell an sich, legte zwei Fünfmark=Silberstücke hin und verschwand. Ehe die Verkäuferin hinter der Theke die Frau zurückrufen konnte, war diese auf und davon. Sie war jedenfalls froh, die außer Kurs befindlichen Silberstücke untergebracht zu haben und wußte nicht, daß deren Wert heute 150 Mark beträgt. Gelsenkirchen, 9. Dezbr. Eine entsetzliche Familientragödie hat sich gestern im Hause Bahnhofstraße 76 ereignet. Dort hat der 70 Jahre alte Pensionsinhaber Böcker in einem Anfall geistiger Umnachtung zuerst seine seit einigen Monaten verheiratete Tochter und dann sich selbst durch mehrere Revolverschüsse lebensgefährlich verletzt. Beide wurden in das Krankenhaus eingeliefert, wo sie kurz darauf starben. Nachen, 9. Dezbr. Verurteilte Kaffeeschieber. Die Aachener Strafkammer verurteilte wegen umsangreichen Kaffeeschmuggels einen Handlungsgehilfen und einen Händler aus Niedermerz zu je drei Monaten Gefängnis und 564000 Mark Geldstrafe. Sie nahm als erwiesen an, daß die Angeklagten gemeinsam mit einem jetzt geisteskranken Ingenieur von Bonn im September vorigen Jahres fortgesetzt Kaffee eingeschmuggelt haben. Die Menge des geschmuggelten Kaffees wird auf 10000 Pfund geschätzt, die der Ingenieur mit einem Luxusautomobil ins Land brachte. Sieker, 9. Dezbr. Die Vogelflinte im Schraubstock. Das unvorsichtige Umgehen mit einer Schußwaffe hat wieder ein bedauernswertes Opfer gefordert. Der 21jährige Sohn der Witwe Brinkmann aus Brockmanns Hof war damit beschäftigt, eine Vogelflinte in Ordnung zu bringen. Er hatte sie zu diesem Zweck in einen Schraubstock gespannt. Als die Mutter nach kurzer Zeit in die Werkstatt kam, fand sie ihren einzigen Sohn tot vor. Eine Kugel war ihm ins Herz gedrungen und hatte ihn auf der Stelle getötet. len und Zimmern Behaglichkeit und Wärme. So finden sich gerade in Westfalen die herrlichsten Täfelungen im Kapitalsaal zu Münster, von Joh. Krupper zwischen 1530 und 1555 ausgeführt. Es wäre wirklich an der Zeit, der Holzschnitzkunst wieder mehr Aufmerksamkeit und Liebe zuzuwenden. Heut und morgen. Neue Zeiten, neue Sorgen! Vieles geht uns wider'n Strich. Ach, wie ist von heut' auf morgen Doch die Welt veränderlich! Heute so und morgen so, Selten werden wir noch froh, Hoffnung, die wir heute haben, Müssen morgen wir begraben. Wenn wir heute etwas lesen, Was uns wirklich mal gefällt, Morgen ist's nicht mehr gewesen, Und enttäuscht ist alle Welt! Und wenn heut' geschrieben steht, Daß es bald zum bessern geht, Können morgen wir erfahren, Das dies gute Wünsche waren. Steigt der Dollar heut' hernieder Von der schwindelhaften Höh', Morgen steigt er aufwärts wieder, Daß ich keine Bess'rung seh! Freilich zeigt ein solcher Fall, Seine Wirtung überall, An der Börse, an den Banken, Und der Kurs gerät ins Schwanken. Heute denkt man froher Weise, Daß die Welt gesunden kann; Morgen aber zieh'n die Preise Dafür wieder doppelt an. Nicht ein Preis hat sich gesenkt, Es kommt anders, als man denkt, Ständig bringen diese Zeichen, Neue Widerwärtigkeiten. Heute heißt es: der Alliierten Schulden streicht Amerika. Daß auch wir dann profitierten, Liegt naturgemäß sehr nah'. Schon geht der Gedanke um An ein Moratorium. So heißt's heute, aber morgen, Drücken uns die alten Sorgen. Heute will Lloyd George reisen Rüber nach Amerika, Morgen wird als falsch erweisen, Sich die Nachricht, er bleibt da. Heute findet Abrüstung Ueberall Verständigung. Morgen ist man im Begriffe, Zu erbauen neue Schiffe. Ach, wie ist von heut' auf morgen, Doch die Welt veränderlich! Neue Zeiten, neue Sorgen. Vieles geht uns wider'n Strich. Heute ist die Hoffnung groß, Morgen sind wir hoffnungslos, Und das alte Leid drückt weiter Und die alte Last Ernst Heiter. Wetteraussichten für mehrere Tags im voraus. 11. Dez.: Wolken mit Sonne, wilde. 12. Dez.: Wenig verändert, nachts kalt. 13. Dez.: Veränderlich, naßkalt. 14. Dez.: Wolken, teils bedeckt, Niederschläge, ziemlich milde. 15. Dez.: Geringe Aenderung, windig. 16. Dez.: Wolken, Sonne, milde, windig, strichweise Niederschlag, teils stürmisch. 17. Dez.: Wenig verändert. Für die Redaktion verantwortlich: Friedr. Kraas. Druck und Verlag: Carl Praus, beide in Schwerte. Die Sonne näher, als man dachte. Der bekannte englische Astronom Dr. A. C. Cromelin veröffentlicht in der Daily Mail einen Aufsatz, daß die Ergebnisse der neuesten astronomischen Beobachtunngen und Berechnungen die Entfernung der Sonne von der Erde mit größerer Genauigkeit bestimmt hätten und zeigten, daß die Sonne uns näher sei, als man bisher dachte. Die Griechon kannten bereits die Entfernung des Mondes von der Erde ganz genau, und sie glaubten, die Sonne wäre nur 19 mal weiter entfernt, also 5 Millionen englische Meilen. Diese Schätzungen blieben 2000 Jahre lang unverändert. Nach der Entdeckung des Fernrohres aber fanden die Astronomen heraus, daß diese Entfernung viel zu gering angenommen sei. Die ersten Beobachtungen mit dem Fernrohr ergaben einen Abstand von 60 Millionen Meilen, und mit der Verbesserung der Instrumente kam man in den letzten 60 Jahren zu einer ungefähren Schätzung, die zwischen 93 Millionen Meilen und weniger als 93 Millionen Meilen hin und her schwankte. Dieser etwa 2 Millionen Meilen betragende Unterschied ist nun auf die verhältnismäßig geringe Summe von 75000 englische Meilen verkleinert worden, und damit ist eine sehr viel größere Sicherheit der Schätzung erreicht, die als ein Triumph der modernen Wissenschaft gelten kann. Die Möglichkeit zur genaueren Bestimmung der Entfernung gab einer der vielen kleinen Planeten, die zwischen dem Mars und dem Jupiter liegen und von denen wir jetzt etwa 1000 kennen. Der größte Teil dieser Planeten hat für den Astronomen kein Interesse, aber einige haben sich in der letzten Zeit als wichtig erwiesen, weil man mit ihrer Hilfe den Abstand zwischen Sonne und Erde besser berechnen kann. Man hat zu diesem Zweck hauptsächlich den im Jahre 1898 von dem Berliner Astronomen Witt entdeckten Planc= ten Eros verwendet. Früher bediente man sich zur Bestimmung des Abstandes des Planeten Venus. Doch bietet der Eros sehr viel sichere Anhaltspunkte und auch noch zwei andere Himmelskörper kommen dabei in Frage, nimlich der 1918 ron dem Heidelberger Astronemen Wolf entdeckte P..net Alinda und ein dritter Himmelskörper, der 1920 von Dr. Baade uuf der Vergedorfer Stern warte bei Hamburg gesinken wurde. Die Eujenung der Sonne von der Erde wirn sich genau im Feoruar 1931 feststellen lassen, denn dann ist der Planet Eros in seiner Laufbahn der Sonne am nächsten. Wieviel Vogelarten gibt es auf der Welt? Auf Grund des Vogelkatalogs des britischen Museums, der eine annähernd sichere Schätzung der Zahl der lebenden Vogelarten ermöglicht, darf man etwa 11600 verschiedene Arten von Vögeln annehmen, die sich auf 2255 Gattungen verteilen. Wenn auch diese Zahlen dem laufenden Stande nicht völlig gerecht werden dürften, wenn man annehmen muß, daß eine Reihe von Arten unentdeckt geblieben ist, so werden sie kaum mehr als auf 1400 Stück zu veranschlagen sein, sodaß die Gesamtsumme der lebenden Arten sich auf schwerlich mehr als 13000 Arten beziffern wird. Das Britiche Museum enthält übrigens mit über 400000 Stück die reichste Sammlung von Vogelbälgen; vielleicht die zweitgrößte besitzt Baron Walter von Rothschild in Tring, die etwa halb so umfangreich sein dürfte Einereichhaltige Auswahl in Geschenkartikeln jeglicher Art ∆ Christbaumschmuck Bücher, Musikalien, Schreibzeuge und Büroartikel,#ilder(gerahmt und ungerühmtf, feinere Trverwuren, Herbarten Riesige Auswahl malerei, Taubsäge und Kerbschnid usw. Mäßige preise : B u c h h a n d l u n g s a r l B r a u s, Bekanntmachung betreffend Wahl der Vertrauensmänner und Ersatzmänner(§§ 145 ff. des Versicherungsgesetzes für Angestellte) für den Bezirt der Acmter Annen, Aplerbeck, Barop, Kirchhörde, Wellinghosen und Westhofn des Kreises Hörde. Die Wahl der Vertrauensmänner und Ersatzmänner für die Angestellten=Versicherung findet statt: für die Arbeitgeber und für die Angestellten: am Sonntag, dem 22. Januar 1922. von 10 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags. Gewählt wird: für Stimmbezirk 1 in Annen, Deutsches Haus(Konrad Weber), Wahlvorsteher Amtmann Boettcher für den Umfang des Amtes Annen, für den Stimmbezirk 2 in Aplerbeck, hof Westermann, Wahlvorsteher Amtmann Leonhard für den Umfang des Amtes Aplerbeck, für Stimmbezirk 3 in Hombruch, im Jägerhof an der Bahnhofstraße, Wahlvorsteher Amtmann Müller in Hombruch für den Umfang der Aemter Barop, Kirchhörde und Wellinghofen, für Stimmbezirt 4 in Westhofen, Gastwirtschaft Schulte(früher Neuhaus), Wahlvorsteher Amtmann Arndt für den Umfang des Amtes Westhofen. Als Vertreter der Wahlvorsteher werden die gesetzlichen Vertreter der Amtmänner(Amtsbeigeordnete) bestimmt. Es sind zu wählen 6 Vertrauensmänner und 12 Ersatzmänner. Die Vertrauens= und Ersatzmänner werden je zur Hälfte aus den versicherten Angestellten, die nicht Arbeitgeber sind, und aus den Arbeitgebern der versicherten Angestellten gewählt. Die Vertrauens= und Ersatzmänner aus den Arbeitgebern werden von den Arbeitgebern der versicherten Angestellten, die übrigen von den versicherten Angestellten gewählt. Wahlberechtigt sind volljährige Deutsche, männlichen und weiblichen Geschlechts, sofern sie zu den versicherten Angestellten oder deren Arbeitgebern gehören und im Bezirk der Aemter Annen, Aplerbeck, Barop, Kirchhörde, Wellinghofen und Westhofen wohnen. Wird ein versicherter Angestellter bei mehreren Arbeitgebern beschäftigt, so sind sämtliche Arbeitgeber wahlberechtigt. Auf die Wahlberechtigung und das Stimmrecht von Arbeitgebern ist der Umstand, daß ihre Angestellten auch von anderen Arbeitgebern beschäftigt werden, ohne Einfluß. Bei Firmen mit mehreren Zweigniederlassungen ist es Tatfrage, wie weit auch den Filialleitern ein Wahlrecht als Arbeitgeber zusteht. Im allgemeinen ist daran festzuhalten, daß Leiter von Zweigniederlassungen der Firmen. die unabhängig von dem Hauptgeschäft eine gewisse Selbständigkeit in der Verwaltung(selbständige Annahme und Entlassung von Angestellten, getronnte Buchführung und dergleichen) haben auch als Arbeitgeber wahlberechtigt sind. Es ist Sache der Verwaltungsbehörde, über die Wahlberechtigung zu entscheiden(§ 149 Abs. 3 des Versicherungsgesetzes für Angestellte). Gegen diese Entscheidung kann dann Beschwerde bei der höheren Verwaltungsbehörde eingelegt werden. Bei Arbeitsgemeinschaften mehrerer Personen— z. B. mehrerer Rechtsanwälte kommt es auf das innere Vertragsverhältnis an, je nachdem dieses die Befugnis zur Einstellung und Entlassung des Personals, die Entscheidung über Rie Obliegenheiten und Bezüge usw. einem oder mehreren oder allen Mitgliedern der Gezuweist. Jcder hiernach Mitberechtigte als Arbeitgeber anzuerkennen sein, und zwar unabhängig von den gleichen Befugnissen der übrigen, sowohl hinsichtlich der Wahlberechtigung mach§ 147 des Versicherungsgesetzes für Angestellte, als auch hinsichtlich der Wählbarkeit nach§ 151 a. a. O. Nicht anwendbar sind hier die Bestimmungen über die Wahlberechtigung juristischer Personen in§ 5 Abs. 1 Nr. 2 und§ 6 der Wahlordnung vom 3. Juli 1912. Wahlberechtigt als Arbeitgeber sind, wennn sie nicht als Angestellte wahlberechtigt sind, auch Sie(Versicherte wie Arbeitgeber) müssen volljährige Deutsche sein. Die Volljährigkeit muß am Wahltage bestehen. Wählbar als Arbeitgeber sind— wenn sie nicht als Angestellte wählbar sind— auch: die gesetzlichen Vertreter geschäftsunfähiger und beschränkt geschäftsfähiger natürlicher Personen, 2. bei juristischen Personen die Mitglieder des Vorstandes, bei Gesellschaften mit beschränkter Haftung die Geschäftsführer, bei anderen Gesellschaften die persönlich haftenden Gesellschafter, soweit sie nicht von der Vertretung ausgeschlossen sind. Sind hiernach für eine jurisrische Person oder Gesellschaft mehrere wahlberechtigte Personen vorhanden, so darf nur eine von ihnen das Wahlrecht ausüben. Vorstandsmitglieder juristischer Personen sind als Arbeitgeber nach§ 5 der Wahlordnung vom 3. Juli 1912 nur dann wahlberechtigt, wenn sie nicht als Angestellte Wahlrecht besitzen. Ist ein Vorstandsmitglied, das nicht Angestellter ist, nicht vorhanden, dann kann die juristische Person das ihr zustehende Wahlrecht nicht ausüben. Das Wahlrecht einer Gewerkschaft als Arbeitgeber auszuüben, sind gemäß§ 5 Nr. 2 der Wahlordnung vom 3. Juli 1912 nur Mitglieder des Vorstandes, und zwar immer eins für le, d. h. im Namen der Gewerkschaft berechtigt. Wählvar sind dagegen nach§ 6 a. a. O. auch bevollmächtigte Betriebsleiter, z. B. die Direktoren. Bedingung für das Recht, als Arbeitgebervertreter zu wählen oder sich wählen zu lassen, ist aber unter allen Umständen die persönliche Freiheit von der Versicherung. Die Mitglieder von Ersatzkassen können nur ausnahmsweise ihr Wahlrecht bei den Vertrauensmännerwahlen ausüben, nämlich nur dann, wenn sie in der Lage sind, den Nachweis zu führen, daß sie innerhalb der letzten 12 Monate vor der Wahl einen Beitrag an die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte geleistet haben(§ 119 Abs. 1 Satz 3 des Versicherungsgesetzes für Angestellte,§ 18, letzter Satz der Wahlordnung vom Juli 1912). Gegen ihre Wählbarkeit bestehen keine Bedenken, da sie nach§ 373 des Versicherungsesetzes für Angestellte Versicherte im Sinne des Gesetzes sind. Sie sind als Vertrauensmänner wahlberechtigt bei den von diesen auszuführenden Wahlen; es bestehen auch keine Bedenken gegen ihre Wählbarkeit bei diesen Wahlen. Da die Arbeitgeber in den Ersatzkassen versicherte Angestellte beschäftigen, so sind sie in gleichem Umfange wie die sonstigen Arbeitgeber wahlberechtigt und wählbar. Nicht wahlberechtigt sind Personen, die nach § 9 Abs. 2, 3,§ 10 Nr. 1 des Versicherungsgesetzes für Angestellte versicherungsfrei sind. Darüber, ob die Voraussetzungen der Versicherungsfreiheit gegeben sind, entscheidet nach§ 9 Abs. 3,§ 10 Abs. 2 a. a. O. die oberste Landesverwaltungsbehörde. So lange eine solche Entscheidung nicht erzangen ist, sind die fraglichen Personen als versicherungspflichtig zu behandeln, also auch wahlberechtigt. Wählbar sind nur Versicherte, die nicht Arbeitgeber sind. und Arbeitgeber der versicherten Angestellten, die im Bezirk der Aemter Annen, Aplerbeck, Barop, Kirchhörde, Wellinghofen und Westhofen wohnen oder beschäftigt werden oder ihren Betriebssitz haben. die gesetzlichen Vertreter geschäftsunfähiger und beschränkt geschäftsfähiger natürlicher Personen,,,„ss A I. 2. die Mitglieder des Vorstandes einer juristischen Person, die Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die persönlich hastenden Gesellschafter bei anderen Handelsgesellschaften, soweit sie nicht von der Vertretung ausgeschlossen sind, 3. die bevollmächtigten Betriebsleiter. Weder wahlberechtigt noch wählbar ist, wer 1. infolge strafgerichtlicher Verurteilung die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter verloren hat oder wegen eines Verbrechens oder Vergehens, das den Verlust dieser Fähinkeiten zur Folge haben kann, verfolgt wird, falls gegen ihn das Hauptverfahren eröffnet ist, 2. infolge der gerichtlichen Anordnung in der Verfügung über sein Vermögen beschränkt ist. Angestellte, die nach§ 390 des Versicherungsgesetzes für Angestellte von der Beitragsleistung befreit sind, sind sowohl wahlberechtigt, als auch wählbar. Gewählt wird schriftlich nach den Grundsätzen der Verhältniswahl. Die Wahlberechtigten werden aufgefordert, Vorschlagslisten für die Wahl bis spätestens drei Wochen— 1. Januar 1922— vor dem Wahltag bei dem unterzeichneten Wahlleiter einzureichen. Die Vorschlagslisten sind für die Arbeitgeber und die versicherten Angestellten getrennt aufzustellen. Jede Vorschlagsliste soll mindestens so viel Namen enthalten, als Vertrauensmänner und Ersatzmänner zu wählen sind; sie darf höchstens die doppelte Zahl solcher Namen aufweisen. Die Vorgeschlagenen sind nach Vor= und Zunamen, Stand oder Beruf und Wohnort zu bezeichnen und in erkennbarer Reihenfolge aufzuführen. Mangels anderer ausdrücklicher Erklärung wird angenommen, daß die an erster Stelle Aufgeführten als Vertrauensmänner vorgeschlagen werden. Die Vorschlagslisten müssen von mindestens 5 Wahlberechtigten unter Benennung eines für weitere Verhandlungen bevollmächtigten Vertreters unterschrieben sein. Die Vorschlagsliste soll die Wählervereinigung, von der sie ausgeht, nach unterscheidenden Merkmalen kenntlich machen. Hat ein Wähler mehreve Vorschlagslisten unterzeichnet, so wird seine Unterschrift auf allen Vorschlagslisten gestrichen. Die Vorschlagslisten sind ungültig, wenn sie verspätet eingereicht werden, oder nicht vorschriftsmäßig unterschrieben sind und der Mangel nicht rechtzeitig behoben wird. Zwei oder mehr Vorschlagslisten können in der Weise miteinander verbunden werden, daß sie den Vorschlagslisten anderer Wählervereinigungen gegenüber als eine einzige Vorschlagsliste gelten. In diesem Falle müssen die Unterzeichner der Vorschlagslisten oder die bevollmächtigten Verireter übereinstimmend spätestens bis zum Ablauf des elften Tages vor dem Wahltag— 11. Januar 1922— die Erklärung abgeben, daß die Vorschlagslisten miteinander verbunden sein sollen. Andernfalls ist die Erklärung über die Verbindung ungültig. Wird von den Arbeitgebern oder von den versicherten Angestellten bis zum 1. Januar 1922 nur eine Vorschlagsliste eingereicht, so findet für die betreffende Gruppe keine Wahl statt. Die in der Vorschlagsliste gültig verzeichneten Personen gelten dann in der für den Wahlbezirk erforderlichen Zahl in der Reihenfolge des Vorschlags als von dieser Gruppe gewählt. Die Wähler haben sich über ihre Wahlberechtigung auszuweisen. Für die versicherten Angestellten dient die Versicherungskarte als Ausweis, falls in derselben wenigstens ein Beitrag innerhalb der letzten zwölf Monate vor der Wahl nachgewiesen ist, für die Arbeitgeber eine von der Gemeindebehörde ihres Betriebssitzes ausgestellte Bescheinigung. Die Arbeitgeber werden aufgefordert, sich die Bescheinigung ausstellen zu lassen. Das Wahlrecht wird in Person und durch Abgabe eines Stimmzettels ausgeübt. Die Stimmzettel dürfen nicht unterschrieben sein und keinen Protest oder Vorbehalt enthalten. Sie sind außerhalb des Wahlraumes handschriftlich oder im Wege der Vervielfältigung herzustellen. Den Arbeitgebern ist es gestattet, an Stelle der persönlichen Stimmabgabe ihren Stimmzettel dem Wahlleiter unter Beifügung des Ausweises über ihre Wahlberechtigung brieflich einzusenden. Die erforderlichen Umschläge erhalten die Arbeitgeber auf Verlangen von dem Vorsteher der Wahl des örtlichen Stimmbezirks ausgehändigt. Der Brief muß spätestens am 20. Januar 1922 bei der unterzeichneten Behörde eingegannen sein. Nachträglich eingehende Stimmzettel sind ungültig. gr Ju. Sr 8 Jeder Wahlberechtigte hat eine Stimme. Arbeitgeber, die mehr als fünfzig, aber nicht mehr als hundert versicherte Angestellte beschäftigen, haben zwei Stimmen. Für je weitere angefangene hundert versicherte Angestellte erhöht sich die Zahl um eine Stimme. Kein Arbeitgeber hat mehr als zwanzig Stimmen. Es ist die Zahl der sämtlichen versicherten Angestellten des Arbeitgebers, auch der außerhalb seines Wohnortes beschäftigten zugrunde zu legen. Bei dieser Feststellung können auch die außerhalb des Wohnortes des Arbeitgebers wohnenden Versicherten mitgerechnet werden. Wählen aber dürfen sowohl die Arbeitgeber, als auch die versicherten Angestellten nur an ihrem persönlichen Wohnorte. Auf Antrag stellt die Reichsversicherungsanstalt den Arbeitgebern eine Bescheinigung über die Zahl der von ihnen beschäftigten versicherten Angestellten aus. Diese Bescheinigung soll als Unterlage für den von der Gemeindebehörde gemäß § 149 Abs. 1 des Versicherungsgesetzes für Angestellte auszustellanden Wahlausweis dienen. Hat ein Arbeitgeber mehrere Stimmen, so hat er jeden Stimmzettel in einem besonderen Umschlag zu verschließen. Enthält der Umschlag mehrere Stimmzettel, so gelten sie als Stimmzettel, wenn sie gleichlautend sind; andernfalls sind sie Der Wahlberechtigte darf sein Wahlrecht nur in dem Stimmbezirk, in dem er wohnt, ausEs lann nur für unveränderte Vorschlagslisten gestimmt werden; auch die Reihenfolge der Vorgeschlagenen in der Vorschlagsliste darf nicht geändert werden. Ungültig ist die Wahl einer Person, die zur Zeit der Wahl nicht wählbar ist. Ungültig ist ferner die Wahl einer Person, von der oder zu deren Gunsten von Dritten die Wahl rechtswidrig(§§ 107 bis 109, 239, 240 des Reichsstrafgesetzbuches) oder durch Gewährung oder Versprechung von Geschenken beeinflußt worden ist, es sei denn, daß dadurch das Wahlergebnis nicht verändert worden ist. Mit meiner Vertretung als Wahlleiter habe ich den Kreissekretär Büscher in Hörde beauftragt. Hörde, den 3. Dezember 1921. Der Wahlleiter. gez. Hansmann. Landrat. gnSSs s. g 9„ beng Ep 2 S SSSSFS E BTH FS MSSSS NRRSSRSSS X F a s o n e 2 anm 5 5 S 8 85 S S S. Oheims am meisten anspricht. Man fühlt sich zu Silvios Bild unwillkürlich hingezogen und wundert sich nicht, daß es dem großen Dichter des Sujet zum„Max“ im„Wallenstein“ geliefert habe. Was diesen Beinamen betrifft, so scheint es sein Firmungsname gewesen zu sein; ansangs nur als Joseph Silvio bezeichnet, wird bei späteren Urkunden das„genannt Max“. beigefügt. Ist auch die von Schiller poetisch verherrlichte Liebe desselben zur schönen Tochter Wallensteins nicht historisch(Thekla war zur Zeit der Egerer Affäre 1634 erst vierzehn Jahre alt) und seine Verwandtschaft zu Octavio eine andere— bei Schiller ist er der Sohn Octavios—, hat sein Tod wie sein Begräbnis nichts mit der Darstellung Schillers gemein, so ist nichtsdestoweniger Joseph Silvio Piccolomini,„genannt Max“, doch in Wahrheit derselbe edle und seinem kaiserlichen herrn bis in den Tod getreue Held gewesen, wie ihn uns der groste Dichter so meisterhaft zu zeichnen verstanden. 2. K. „Ratschläge fürs ** Um Schuhereme zu sparen und gleichzeitig das Schuhzeug zu schonen, reibe man es, nachdem man es sorgsältig vom Staube befreit hat, mittels eines weichen Läppchens mit Glyzerin ein. Dann lasse man die Schuhe zehn Minuten stehen und bürste sie nachher. Schuhe, die auf diese Weise behandelt werden, bleiben mehrere Tage glänzend, ohne daß man neue Ereme aufzutragen braucht. Außerdem bleibt das Leder weich und schmiegsam. Wenn Soda zur Wäsche verwandt wird, so muß sie immer zuerst in heißem Wasser aufgelöst werden, ehe sie der Wäschebrühe zugesetzt wird. Kommt die Soda in direkte Berührung mit den nassen Stoffen, so verursacht sie gelbe Flecken, aus denen sehr oft später Löcher werden. Weiße Schuhe zu reinigen. Man schabt ein wenig Pfeisenerde in eine Untertasse und fügt so viel kaltes Wasser hinzu, daß man einen glatten Brei von sahnenartiger Beschaffenheit erhält. Nun bürstet man die Schuhe gut ab und reibt sie dann mit dieser Mischung tüchtig ein, wobei darauf zu achten ist, daß man keine Stelle übergeht. Nun läßt man sie in der Sonne trocknen, und sie werden wie neu aussehen. Vorleger und Matten haben sehr oft die unangenehme Eigenschaft, nicht an ihrem Platze liegen zu bleiben, sondern sich fortgesetzt zu verschieben. Um dies zu verhindern, schneide man von alten Handschuhen die Druckmöpfe samt einem Stück Leder ab, nähe an jede Ecke der Matte eine Druckknopfhälfte, und besestige die entsprechenden Hälften mit kleinen Blaustiften auf dem Boden. Auf diese Weise wird die Matte immer ordentlich liegen bleiben. Blaue Male, die durch Stoß oder Schlag entstehen, können vermieden werden, wenn man die betroffene Stelle I sofort in heißem Wasser badet Obstkonserven in Gläsern oder Büchsen sollten nie I dem Licht ausgesetzt werden. Am besten bewahrt man sie in einem Schrank auf, der aber durchaus nicht feucht sein barf. Grasflecken lassen sich aus Waschstoffen entfernen, wenn man sie mit frischem Schmalz einreibt, das man eine Zeitlang einziehen läßt. Hierauf wäscht man sie in der gewöhnlichen Weise aus, und man wird finden, daß sie gänzlich verschwunden sind. Tintenflecke aus Wäsche beseitigt man, wenn man sie 24 Stunden in Leinöl legt und dann in warmem Terpentinöl auswäscht. Ist der Fleck beim ersten Male nicht verschwunden, so wiederholt man die Behandlung. Unansehnlich gewordene Ledertaschen kann man auffrischen, wenn man sie mit zu Schnee geschlagenem Eiweiß tüchtig einreibt, worauf man sie mit einer Mischung aus Wachs und Terpentin behandelt und sie mit einem weichen, reinen Tuch nachpoliert. Bügeleisen zu reinigen. Man taucht ein weiches Tuch in Wasser, wringt es dann wieder aus und reibt es tüchtig mit Seife ein. Nun scheure man das Eisen kräftig damit ab, und man wird erstaunt sein, wie durch diese Behandlung alle rauhen und fleckigen Stellen verschwinden. Zuletzt poliere man das Eisen mit einem weichen, trockenen Tuch Ein paar Tropfen Zitronensaft im Waschwasser machen fettige Gesichtshaut trocken und glatt. Reibt man abends beim Schlafengehen etwas Zitronensaft in die Gesichtshaut ein, so werden dadurch Sommerflecken entfernt, und die Haut wird nach und nach weißer. Setzt man die Behandlung lange genug fort, so verschwinden alle UnI reinheiten des Teints, die nicht ihre Ursache im Blut oder I einer inneren Krankheit haben. I Ein angenehmes Sommergetränk, das naI mentlich Radfahrern, Tennisspielern und sonstigen Sporttreibenden zu empfehlen ist, stellt man sich auf folgende 1 Weise her: In 1 Liter Wasser gibt man die dünn abgeI schnittene äußere Schale von zwei Zitronen, sowie acht 1 Würfel Zucker, und läßt dies 10 Minuten lang kochen. Nun vermischt man zwei Dessertlifsel voll Gerstenmehl mit kaltem Wasser zu einem glatten Teig, rührt diesen unter die Flüssigkeit, läßt sie noch weitere 10 Minuten sieden und dann kalt werden. Nach dem Abkühlen passiert man sie durch einen Mullappen und fügt dem Getränk beim Gebrauch nach Belieben Eis und Zitronensaft zu. Es ist außerordentlich erfrischend. Bei Brandwunden gibt es ein Linderungsmittel, das sich wohl in jedem Haushalt vorfindet, während Kollodium, das auch sehr günstig wirkt, nicht immer bei der Hand ist. Es ist dies Eiweiß, das man sofort auf die Wunde träufelt, wodurch sich diese mit einer dünnen Haut überzieht. Es wirkt bedeutend kühlender als Oel auf Watte, das man früher für das beste Mittel hielt. Um kleine Löcher in Schirmen auszubessern, nehme man ein entsprechend großes Stück schwarzes englisches Pflaster und lege es in Wasser, bis es ganz weich ist. Tann legt man es von innen auf die schadhafte Stelle und läßt es trocknen. Diese Methode ist besser als Stopfen, weil die Ausbesserung auf der rechten Seite kaum zu sehen ist. * Zumor. Gast zum Kellner:„Es ist mir gein diesem Lokal den Kellnern streng Ungehorsam. sagt worden, daß es in verboten ist, Trinkgelder zu nehmen.“ Kellner:„Das stimmt, gnädiger Herr. Aber leider bin ich schon seit den Tagen meiner. Kindheit wegen meines Ungehorsams berüchtigt. Meiner Mutter ist fast das Herz darüber gebrochen. Ich— oh, danke bestens, Herr Baron!“ 1 0 S 5 BS SSEE Wlltttlllllllllllllllllllllll Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General=Anzeiger für den Kreis Hörde. Haupt-Annoncenblatt. Natochaltunggs=Beilagg ze Nr. 890. Somstag den 10. degemberrec) Shlatich fei. Roman von A. Regnilk. (23 Fortsetzung). P: „Man müßte Ihren Gatten durch List dazu bringen daß er unterschreibt!“ „Ich kenne ja nicht einmal seinen Aufenthaltsort, da er seit Jahren im Auslande lebt.“ Waldenstein fragte nicht weiter. Liebte die Schauspielerin den Mann noch, der sie in so schwere Konflikte, in eine schiefe Lebensstellung brachte?“ Ihr Schicksal interessierte ihn, wie wäre es auch anders möglich gewesen? So jung, so schön und schon zur Einsamkeit verurteilt zu sein, das war ein hartes Los. Sie waren bis zur nächsten Straße gegangen und kehrten nun wieder um. In wenigen Minuten hatten sie die Wohnung der Schauspielerin erreicht. Ihr dunkler Blick richtete sich auf die Fensterreihe, die all ihr Glück barg, welches das harte Leben ihr gelassen. Und dieses Glück drohte nun auch zu versinken. Aber das durfte nicht sein; das Kind mußte sie sich erhalten, während der ganzen Nacht wollte sie an seinem Bettchen wachen, trotzdem die Pflegerin da war. In der Erregung hatte sie nicht auf den Weg geachtet und stieß gegen einen Stein; sie taumelte und wäre vielleicht gefallen, wenn Waldensteins starker Arm sie nicht umfangen und gehalten hätte; sein Fuß stieß den Stein zur Seite.„Haben Sie sich sehr erschreckt?“ fragte er besorgt. „Ich danke Ihnen! Es ist schon gut..... So ist mein ganzer Lebensweg mit Steinen besät und immer Gefahr, daß ich an ihnen Schaden nehme.“ Der Ton, in welchem sie das sagte, ging Waldenstein durch und durch. Einem inneren Zwange folgend streckte er ihr seine kräftige Rechte hin. „Ich will Ihr Freund sein in guten und bösen Tagen, Frau Kollegin, Sie werden nicht mehr alleinstehen. ! So wie ich Sie soeben vor Schaden bewahrt, will ich Sie immer schützen und halten. Wir werden die Welt bekehren, ihr beweisen, was so oft bezweifelt wird, daß es auch zwischen Mann und Weiv eine ideale Freundschaft gibt.“ ] Jutta schüttelte langsam den schönen Kopf. Die dargebotene Hand ergriff sie nicht. „Sie meinen es gut mit mir, Herr Direktor!“ sagte sie, die formelle Anrede betonend,„aber ich fürchte, die Welt würde auch in diesem Falle wieder einmal recht behalten. Ich selbst glaube nicht an solche Freundschaft.“ *„Aber ich bitt' Sie, eine alleinstehende Frau braucht doch unbedingt einen Freund und seinen Schutz!“ „Sehr richtig. Was aber würde Ihr Fräulein Braut I zu einem derartigen Schutz= und Trutzbündnis sagen?“ (Nachdruck verboten). „Nun, ich hoffe,“### meinem ehrenhaften Sinn so viel Vertrauen scheat—“ 6.542 „Nein, Sie dürsen der jungen Dame eine solche Zumutung nicht stellen, Sie würden dadurch Ihr Glück untergraben! Es hat noch niemals eine Ehefrau Ursache gehabt, auf mich eifersüchtig zu sein, und so gedenke ich es auch fernerhin zu halten. Daher bin ich ja so vereinsamt. Aus der Freundschaft des Mannes zu einer Frau entwickelt sich wohl immer eine stärkere Neigung: wird er von einer Praut oder Gattin eifersüchtig überwacht, so entstehen Mißverständnisse und Konflikte. Und wie bald ist ein Glück zerstört!" „Was Sie da geltend machen, verehrte Kollegin, kann ich nicht einsehen. Es hat allezeit ideale Freundschaften zwischen Frauen und Männern gegeben.“ Jutta zuckte die Achsel.„Ich glaube nicht daran, oder och nur dann, wenn eine Frau häßlich wie die Nacht ist! Die eigene Gattin sollte die beste Freundin des Mannes sein. Auch ich würde keine andere Göttin neben mir dulden, und bin überzeugt, daß die Männer, welche mit ihren Frauen in vollster Harmonie leben, kein Verlangen nach einer Freundin haben. Nur wer sich daheim unbefriedigt fühlt, sucht nach Ersatz! Ich glaube, Sie werden mir noch einmal recht geben. Und nicht wahr, Sie zürnen mir nicht, daß ich das kostbare Geschenk Ihrer Freundschaft zurückweise?“ Er zuckte nur die Achsel.66u Sie waren wieder vor dem Hause angelangt, und Jutta reichte ihm abschiednehmend die Hand „Gute Nacht, Herr Direktor, haben Sie Dank für Ihre Güte!“..„. 66 bng C24 14 „Gute Nacht! Ihrem kleinen Liebling wünsche ich baldige Besserung.... Sie werden uns doch morgen abend nicht im Stich lassen? „Sie können fest auf mich rechnen!“ Jutta sah der hohen Gestalt nach, bis sie im Dunkel der Nacht verschwand. Dann schlich sie müde die Treppe hinauf. Vor der Korridortür lehnte sie eine Weile an der Wand, als sei sie bis auf den Tod erschöpft. Dann erst schloß sie auf. Walbenstein schritt langsam, nachdenklich weiter. „Nicht gebunden und nicht frei“, hatte die Künstlerin gesagt. Dabei drängte sich ihm unwillkürlich das Bild einer Ranke auf, welche, Wind und Wetter preisgegeben, haltlos hin= und herschwankt. Doch nein, die Vorstellung paßte nicht auf die mutige, selbständige Künstlerin! Jedensalls war auch in ihr das Verlangen nach Glück; dem sie niemals nachgeben durste. So hatte sie es auch wohl gemeint. — 9 20 6 11265 Mcua ubb Me u SR S 5 W 99 S 2 S 8• 1 SEe ##SuSeE S.2—SPSLign s0ES3 S g S S BS 5— FSSELBSOE S Ggygs SS5SEE, .# SB SDETSES S S9-BEEEE B#n ag SDSEESS EESS“ 5 * 3n S#s 22 er ronnte ihr auch nicht zürnen; denn sie hatte mit allem recht gehabt. Margol####irde sich durch ein solches Freundschaftsverhältuis tief gekränkt gefühlt haben. Ihr süßes, vom Liebreiz erster Jugend umflossenes Köpfchen stieg wie eine Magnung aus dem Dunkel der Nacht vor ihm auf. Er gedachte ihrer voll tiefer Zärtlichleit. Sir war noch ein Kind, doch mit glänzenden Vorzügen des Geistes und Herzens ausgestattet. Sie würde es lernen, ihn zu vers####en. Und d er ihr alles ossenbaren, die Stimmungen seiner Künstlernatur ihr anvertrauen durfte, bedurfte er keiner Freundin mehr, dann sand er all sein Glück bei der Einzigen, bei seinem Weite. Er nuhm einen Wagen und fuhr nach dem Restauwarten können!“ schmonle gegangen, da kamen wir. Du nicht nett, wir haben in dem — wer weiß wie lange— hern: für selbstverständlich hielt, daß Aber du hast vielleicht gar „Rein,“ unterbrach Walden überh 51 in sie habe ich nicht! Wie konnle ich auch, da ich nach der Vorstenung mich zunächst zum Genen Bürgermeiner besen mußte. Dann gad es nach allerhand mit den Schauspielern zu berrrechen. Uher was laston zu dem kolessalen Erseig, weichen sich die Manda er n? So etwas Großarliges hatiest du noch nicht gesehen, hm!“ „Danach frage die Mama! Sie ist aufgelöst seit lost,“ sie errötete flüchtig,„ich habe kaum die Vorgänge auf der Bühne beachtet, wirklich nicht viel davon gesehen. 5 wellte nur dich, uns du hast mich gründlich enttäuscht, mich genissentlich übersehen der Marhor, kannst du dir nicht vorstellen, wieviel ich zu überiegen und zu bedenken hatte, und daß von dem Erfolg der gestrigen Vorstellung unendlich viel jür mich abhing?" u d w e n n s c h e n, d u h ä t t e s t m i c h p e r s ö n l i c h b e grüben, und mir von der Bühne aus verstohlen zunicken tönnn!— Aber ich war ja überhaupt nicht vorhanden sin rich! Oh, ich hatte mich unbeschreiblich auf den Abend ge'reut, und wurde gekränkt wie nie zuvor. Dazu noch Mamas Aufgeregtheit— ich war außer mir, habe geweint und geschluchzt und in der Nacht fast kein Auge zugeian!" Walbenstein schüttelte verständnislos den Kopf. Ehe er auworten konnte, rauschte die Frau Steuerrat herein. Unwillkürlich pralkte er vor ihr zurück. Die alte Dame war ja seit gestern um zehn Jahre gealtert. Was mochte da vorgegangen sein? Er küßte ihr die Hand und fragte teilnahmsvoll nach ihrem Befinden. Er liebie sie wie eine Mutter, fühlte er doch, daß er hier besser verstanden wurde, als von Margot. Frau Marie begrüßte ihren Schwiegersohn mit großer Herzlichkeit, es war, als wolle sie gutmachen, was Margot in ihrem Egoismus anrichtete. „Mich hat die Vorstellung so angegrissen,“ erklärte die alte Däme; Waldenstein bemerkte, daß sie mir einer großen Verlegenheit kämzsie; 213 war ja so packend, an Herz und Nieren gecisend daß man sich von dem Eindruck stunderleng n#: er dien konnte. Wir sind beim Theater in ein Auto gestiegen und beinahe eine Stunde lang herumgejahren; dann auch noch eine Strecke gelaufen, damit meine Nerven zur Ruhe kamen. Margot hatie genug zu tun, um mich wieder ins Gleichgewicht zu bringen!“ „Ja, ja,“ nickte Waldenstein,„das ist eine Künstlerin von Gottes Gnaden, eine, vor der man den Hut ziegen muß, ob es sich nun um ihre Kunst oder ihre Persönlichkeit handelt!" Und Margot wieder an sich schmiegend, sagte er leise,„einen so bösen, aufreibenden Abend hat mein Lieb also gehabt, das tut mir wirklich furchtbar leid!“ „Du warst schuld!“ gab Margot flüsternd zurück, und seinen Kuß erwidernd,„du warst unaufmerksam und gleichgültig gegen mich, das mußt du selbst einsehen“ „Aber Kind, kommt es dir wirklich nicht zum Bewußrsein, welche hohe Ehre es ist, und was; heißi, vor einem so gewählten Auditarium zu spielen." Er wändte sich wieder seiner Schwiegermutter zu, deren Augen geleuchtet hatten, als er so r spektvoll von Jutta sprach. „Dich scheint die Künstlerin sehr zu interessieren, liebe Mama, und ich merke, Zu erfährst gern etwas res von ihr. Was ihr Spiel gestern so ma. te, das war leider der Schmerz; sie hat großen Kummer, die beklagenswerle, unglückliche Frau. Ihr s Töchterchen ist schwer erkrenlt. Sie war verzweifelt, die Aermsie, und doch hei sie sich ausgerafft und ihre Pflicht gekan. Siel mein Schatz, an so viel Tapferleit und Beyerrschung könntest du dir ein Beispiel nehmen!“ „Wenn die große Schauspielerin einen Bräutigam hat, wird sie es auch nicht ruhig hinnehmen, wenn er sie vernachlässigt!“ verjetzte Margot trocken. „Schau, da magst du recht haben, nur kann ich nicht einehen, daß ich dir Anlaß zur Klage gegeben haben soll. Begraben wir also die Streitart und schließen einen dauernden Waffenstillstand! Gib mir den Versöhnungsluß.“ „Ihr einziges Kind schwer erkrankt,“ sagte Frau Marie vor sich hin,„das ist eine harte Prüfung!" Ihre Augen standen voll Tränen. Und als das Brautpaar schon wieder lachte und schergte, flüsterte die ältere Dame:„Sie ist so tapfer, daß man sie bewundern muß. Ein krankes Kind und dabei Komödie spielen, das macht ihr so leicht keiner nach!“ Harold hatte jedes Wort verstanden. Er wußte selbst nicht, warum, aber ihn sreute diese Teilnahme so, daß er seine Schwiegermutter am liebsten umarmt hatte.“ Er erzählte, daß der Bürgermeister ihr seine Anerkennung hatte aussprechen lassen, daß Jutta aber gleichgültig gegen diese Auszeichnung sei, weil ihr Kind mit dem Tode ringe. „Kennst du die Schauspielerin näher?“ fragte Frau Marie, und Harold wollte es scheinen, als zittere ihre Stimme. „Nein,“ entgegnete er,„ich habe sie erst vor einigen Wochen engagiert. Sie ist auch sehr zurückhaltend, und ich weiß von ihren persönlichen Verhältnissen so gut wie nichts.“ Das, was Julta ihm vertraut hatte, wollte er hier nicht offenbaren, er wußte ja, daß seine Damen leicht zu Vorurteilen neigten. „Heute abend könnt ihr Frau Gerlach als Emilia Galotti bewundern,“ fuhr er fort,„auch in dieser Rolle bietet sie eine wundervolle Leintung!" (Fortsetzung folgt.) ∆ 5 S 58 S 8 8 S O S S 8 50 W 0 S 8 S 63 # Sn S CARNG 84483 Denkspruch. Kränkungen der Menschen muß man betrachten, als ob sie nicht (wie sie eigentlich auch ja nur selten sinch von ihrem Willen abhängig wären. Dann werden sie gar nicht oder doch nur halb verletzen. Die Natur verietzt nie. Hebbel. Mark Twain mit jeder Zeile Der amerikanische Humorist Mark Twain zählte wohl zu den allerbest bezahltesten Schriftstellern der Gegenwart. Da er bekanntlich nicht allein, wie Pierpont Morgan, einer seiner Verehrer, anerkennend sagte,„Humor für zehn, sondern auch Geschäftsgeist für zmanzig“ besaß, so wußte er seine Verleger zu zwingen, ihm ganz ungewöhnliche zu zah###, ungewöhnlich selbst für amerikanische Verhältnisse, an welche unsere deutschen nicht im entserntesten heranihen während der Krankheit Mark Twains kraf wie aus Neuyork mitgeteilt wird, in der Vorahnung seines Todes alle Anordnungen, die seinen Nachlaß betreffen, und da das Testament öffentlich bekannt wurde, hatte man auch Gelegenheit, Einblick in die Summen zu gewinnen, die Mark Twain durch seine Werke verdiente. Die fabelhafte Höhe seiner Honorare datiert erst seit dem Jahre 1872, in welchem sein Buch„Roughing it“ erschien, binnen weniger Monate waren von diesem Werke an 100 000 Exemplare verlauft und brachten dem glücklichen Autor rund 50000 Dollar. Da das Buch etwa 10.000 Zeilen enthält, lt. terhin so machte sich jede Zeile mit 5 Tollar b ein sehr beachtenswertes Houorar, und u folgreiche Schriftsteller werden seufzend zug. auch mit einer etwas geringeren Taxierung wären. Nunmehr begann für Mark Twain hafter Tätigkeit, er produzierte jedes Jahr m oft auch mehrere Bände, und da sein Name amerikanischen Publikum guten Klang besaf der Erfolg sicher.„Ich schrieb in jenen Jahren,“ zählte Mark Twain selbst,„jeden Tag genau acht Stundund brachte in dieser Zeit ein Mannstcipt von 400 Zeilen zu Ende. Jede Zeile wurde mir mit 6, 7, ja sogar in Ausnahmefällen bis zu 10 Dollar bezahlt. Das heißt ne nicht von vornherein, obgleich der Verleger mit meinen Büchern ein ziemlich sicheres Geschäft in der Hand hatte, aber die Auflagen erreichten eine solche Höhe, daß für mich ehen, daß sie friedengestellt K idestens einen, bei dem so war ihm hreu,“ so erein solches Honorar absiel.“ Im #re 1884 vereinigte sich Mark Twain mit dem Verleger Ch. Webster zu einer Firma und war nun am Ertrage seiner Bücher mit der Hälfte beteiligt. Allein sein Kompagnon ließ sich in gewagte Spekulationen ein, und die Firma fallierte, wobei eine Schuldenlast von 400000 Dollar angehäuft wurde; die Mark Twain zum großen Teile aus eigener Tasche bezahlen mußte. Es wäre ihm dies wohl niemals gelungen, wenn er nicht jene unermüdliche Arbeitskraft besessen und jene enormen Auflageziffern erreicht hätte. Seine letzten Skizzenbücher wurden jedes in über zwei Millionen Exemplaren verkauft.„Es ist geradezu widerwärtig,“ pflegte der Dichter zu sagen,„wohin ich komme, finde ich meine alten, abgelegten Gedanken". Während der letzten Jahre seines Lebens war Mark Twain ein überaus kostspieliger Mitarbeiter. Als die„Neuyork Times“ von ihm zu Weihnachten 1907 einen Beitrag erbat, forderte er für eine Geschichte im Umfange von 300 Druckzeilen 3000 Tollar— und erhielt sie auch. Da er überaus sparsam lebte und eigentlich sich nur in seiner Garderobe besonderen Luxus erlaubte, war er in der Lage, mehrere Millionen, wie es Millionen Dollar bees wenige Schriftin klingende heißt, soll der Gesamtnachlaß tragen, anzuhäusen. Jedenfalls steller, die es gleich ihm verstander Münze umzusehzen. Hat Max Piccolominig Der Schillersche Max Piccolomini, der Held, d seine Liebe zur Tochter Wallensteins und sein Ende in der Schlacht als eine der bedeutendsten Figuren der Trisogie „Wallenstein“ in den Vordergrund gestellt wird, dieser Max Piccolomini wird gewöhnlich mythisch erklärt. Vor etwa zehn Jahren stellte der Freiherr Arnold v. Weyhelimke über diese Persönlichkeit Forschungen an, u hat sich Wilhelm Edler v. Janko mit derselben Frage quel#enmäßig beschäftigt. Wir geben das Wesentliche daraus in folgendem wieder: Joseph Silvio, genannt„Max“, war der Sohn des Silvio Aeneas Piccolomini und der Katharinä v. Adimari. Der Vater war in einem Treisen des Treißigjährigen Krieges geblieben, daher nahm sich dessen bei weitem jüngere Bruder, der berühmte Feldherr Octavio— mithin der Oheim des Max — des verwaisten Knaben an, ja er erkor ihn zu seinem Erben, nachbem ihm Kaiser Jerdinand II.(1619—1637) nach der Verurteilung des Grafen Adam Terzky zu Eger 1634 dessen Besitztum Nachod geschenkt hatte. Joseph Silvios Leben verfloß fast ganz im Feldlager; er wurde schon im jugendlichsten Alter Oberst eines Reilerreziments, an dessen Spitze er sich in manchem heißen Kampfe der Tapferkeit seines Vaters und seines Oheims würdig zeigte. Es war im Bezinn des Jahres 1615, als der geniale Jeldherr der Schweden, Lienhardt Torstenson, im Begriff stand, den Kaiser im Herzen seines Reiches anzugreifen. Um die Folgen des Ungewitters, welches sich hier zu entladen drohte, abzuwenden, ließ Kaiser Ferdinand III.(1637—1657) an Truppen zusammenraffen, was man vermochte, und begehrte gleichzeitig rasche Hilfe von Kurbayern und Kursachsen. Schon im Anfang des Monats März standen sich beide Armeen, Schweden und Kaiserliche, bei Jankau gegenüber, und hier kam es am 6. März zur heißen, für Oesterreichs Waffen unglücklichen Schlacht. Ob Joseph Silvios Kürassierregiment, zum Unterschiede von jenem seines Oheims„Jung=Piccolomini“ genannt, auf dem rechten oder linken Flügel dabei focht, läßt sich nicht mit Bestimmtheit angeben, aber so viel steht fest, daß Silrios Regiment mit größter Bravour sich schiug. Aber die heldenmütigste Tapferkeit konnte den für Oesterreich unglücklichen Ausgang des Tages nicht wenden. Joseph Silvios Pferd ward bei einem Angriff von einer Kugel so schwer getrossen, daß es zusammenbrach, er selbst wurde gefangengenommen und als Gefangener von den Schweden ermordet. Octavio war ganz außer sich, als er dies erfuhr, er hatte, wie eine alte Schrift sagt,„ob seines heroischen Gemüthes seine ganze Speranza(Hoffnung) aus ihn gesetzt“. Die Existenz des Grasen und Obersten Joseph Silvio Piccolomini, seine nahe Verwandtschaft zu dem Feldmarschall Octavio und sein Heldeuted bei Jankau ist somit außer Zweisel. Nachdem Schiller während seines Aufenthaltes in Böhmen zum Zwecke der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges Studien gemacht und dabei auch das Schloß Nachod besucht hatte, mußte ihm wohl unter den vielen Bildnissen des Piccolomini auch jenes unseres Helden ausgefallen sein, das uns in der kleidsamen Tracht der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, mit seinen großen schwürmerischen Augen freundlich ausehend, nebst dem Porträt seines oft erwähnten Die Ententepresse zum irischen Abkommen. Ausnahme der Morningpost begrüßt die ganze Londoner Presse das irische Abkommen als einen glänzenden Erfolg. Die Blätter verbreiten ganze Auszüge aus der französischen und der amerikanischen Presse, die das Ergebnis der Verhandlungen loben. Zum Beispiel erklärt die Pariser Presse, Lloyd George habe jetzt die Hände frei für größere europäische Fragen. Es dürfte aller Unverschämtheit der Franzosen die Krone aufsetzen, das französische Truppenkommandanten bei Verlegung ihrer Truppen in andere Garnisonen des besetzten Gebietes jetzt eine Bescheinigung von den deutschen Behörden der letzten Garnisonstadt darüber verlangen, daß sich die in den betreffenden Orten untergebracht gewesenen französischen Truppen tadellos geführt haben. Französische Subalternoffiziere verlangten auf Befehl ihrer Vorgesetzten diese Bescheinigungen von den Bürgermeistern verschiedener deutscher Städte und Gemeinden am Rhein. Da sich mehrere Bürgermeister weigerten, einesteils, weil der Inhalt dieser Schriftstücke der Wahrheit widerspricht, andernteils, weil sie als deutsche Beamten ohne Genehmigung ihrer vorgesetzten deut schen Behörden ein derartiges Schriftstück von eventuell weittragender, politischer Bedeutung nicht unterzeichnen dürfen, suchten die französischen Offiziere diese mit Gewalt zu erzwingen. Sie erklärten, auf ihrem Verlangen bestehen zu müssen, denn es sei in Frankreich allgemein gebräuchlich, daß den abziehenden Truppen von dort.„maires" Leumundszeugnisse ausgestellt würden. Die besetzten Gebiete sind aber gottlob noch lange nicht Frankreich. Der Protest der meisten dieser rheinischen Bürgermeister kann ihnen nicht hoch genug angerechnet werden. Indes haben einige schwache Charaktere unter den Bürgermeistern am Rhein leider den Drohungen der französischen Offiziere keinen Widerstand entgegenzusetzen vermocht und den Anforderungen zur Unterzeichnung der Bescheinigungen notgedrungen Folge geleistet. Mit diesen erpreßten, wenn auch salschen Zeugnissen, werden nun die Franzosen beweisführend auftreten und behaupten, daß es eine Schwarze Schmach am Rhein überhaupt nicht gäbe. Auch diese Verstöße der französischen satzungstruppen Vertrages von V laufen den Bestimmungen ersailles zuwider. Drahtmeldungen Ein fünf jähriges Moratorium. London, 10. Dezbr. Während in den letzten Tagen alle Meldungen über die Moratoriumsfrage nur als Gerüchte zu bewerten waren, läßt sich jetzt mit einiger Bestimmtheit über die Besprechungen folgendes sagen: Lloyd George, Sir Robert Horne und Loucheur werden zu einer Besprechung zusammentreten. Auch der englische Vertreter in der Raparationskommission, Bradbury, wird an dieser Besprechung teilnehmen. Die Lösung scheint bereits in großen Zügen gefunden zu sein. Sie besteht darin, daß das Wiesbadener Abkommen auf sämtliche Ententestaaten ausgedehnt wird. Deutschland würde also in großem Umfange von seinen Reparationszahlungen befreit werden und seine Reparationsverpflichtungen zum größten Teile in Sachleistungen erfüllen können. Das englische Kabinett soll bereits seine grundsätzliche Zustimmung erteilt haben. An dor Bezahlung der Januarrate, die nach Abzug der Sachleistungen noch 400 Millionen Goldmark beträgt, soll aber unter allen Umständen festgehalten werden. Rathenaus Erfolg. T. U. Berlin, 10. Dezbr. Das Journal glaubt sagen zu können, daß Dr. Rathenau zwar mit sehr guten Ratschlägen aber ohne Geld und ohne Versprechungen nach Berlin zurückfahren wird.(? In der City habe er noch Glück gehabt, auch bei der Regierung. Man habe ihm Kredite zugesagt, vorausgesetzt, daß das Budget Deutschlands in Ordnung gebracht wird. Man habe auch Erleichterungen für den Ankaurf von Effekten zugestanden und endlich von Dispositionen zur Aufnahme von Bantbeziehungen gesprochen. Rathenau werde also nicht mit leeren Händen zurückkehren, habe aber die Regierung nicht davon überzeugen können, daß Deutschland die Zahlungen im Januar und Februar nicht zu leisten vermöchte. Amerika für Revision des Versailler Vertrages. T. U. Washington, 10. Dezdr. Senator Vorah hatte ein Interview, in dem er erklärte, daß die Zerstörung Deutschlands Europa in den Abgrund stürzen würde und daß Washington mehr für die Aenderung des Versailler Vertrages eintrete, als für den Erlaß der Alliierten=Schulden. Auch Hoover und Vanderlip setzten sich eindringlich für eine Abänderung der Reparationsregelung ein. Eine teilweise Entstaatlichung der Eisenbah: Berlin, 10. Dezbr. Wie die„Rote Fahne“ von zuverlässiger Seite erfahren haben will, wird der Widerspruch, den die völlige Entstaatlichung der Bahnen gefunden hat, die Beteiligten veranlassen, folgenden Vorschlag zu machen: Beteiligt werden an den Bahnen zum kleineren Teil der Staat, zu dem größeren die Industrie. Dafür teilt sich die Industrie in der Verwaltung dieses größeren Teiles mit den Gewerkschaften. Die Opfer von Saarlonis. T. U. Saarbrücken, 10. Dezbr. Wie die Saarburger Landeszeitung meldet, beträgt die Zahl der Toten bei dem Explosionsunglück in Saar. lingen 13, die der Schwerverletzten 6 und der Leichtverletzten etwa 40. Indien beansprucht das gleiche wie Irland. T. U. Washington, 10. Dezbr. Auf der Konferenz mit den englischen Journalisten wurde die Freige aufgeworfen, welchen Einfluß die irische Regelung auf Indien haben würde. Der indische Delegierte erklärte hierauf, daß zweifellos in Indien die Meinung vertreten sei, daß man Indien dieselben Vorrechte wie Irland geben müßte. Was man Irland gebe, könne man unmöglich Indien verweigern. Sollte dieses nicht geschehen, so würden Unruhen die erste Folge sein. Indische unruhige Elemente seien der Ansicht, daß nur dann etwas zu erreichen sei, wenn man zu denselben Mitteln greife wie Irland. für Sonntag, 11. Dezember. Kirche. 9½ Uhr: Pastor Terberger. : Kindergottesdienst. Kirche 10 Uhr und 5 Uhr: Pastor Weber. Statt besonderer Anzeige NOCE 900) Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen, heute nachmittag ½6 Uhr meinen lieben Mann, unsern herzensguten Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel, den LandwirPholnrion-Hose nach kurzem schwerem Leiden im Alter von 55 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um stille Teilnahmelbitten: Die trauernden Kinierbliebenen.“ Reingsen, Rotehaus, Sundwig, Tiefendorf, Hennen und Kalthof, den 9. Dezember 1921. Dauernde gewinnbringende Eristenz! Große 11 Uhr: Kleine Ohlig. Westhofen. 10 Uhr: Bundessekretär 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Kathol. Pfarrkirche. 6 Uhr: Stille hl. Messe(Pfarrer Schnurbus), 7½ Uhr: Frühmesse mit Predigt(Monatskommunion der Mütter), ¾ Uhr: Schulmesse m. Predigt(Kaplan Winter), 10 Uhr: Hochamt mit Predigt(Kaplan Schleep), Uhr: Andacht. Lichtendorf: ½8 Uhr: Frühmesse mit Predigt und hl. Kommunion der Knaben und Jünglinge. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. ½3 Uhr: Andacht mit Segen. Für die Redaktion Druck und Verlag: Carl Braus, 1885 Nachmittags Die Beerdigung findet Dienstag, den 13. Dezember, nachmittags 2½ Uhr, vom Sterbehause aus nach Ergste statt. 6774 Donnerstag Nacht verschied unerwartet meln lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Invalide Heinrich Heine im Alter von fast 83 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, den 9. Dezember 1921. Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 11. Dezember 1921, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause, Senningsweg 6, aus statt. 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Bezugspreis der Post 10.— M., ohne preise: Die 1 mmn hob30 f.„auswärls 1.—9 entsprechender Nachlaß l gilt als Kassenrabalt und Zwangevergleichen gerte deachten der gemachten Nr. 290 Am Samstag beten Lesung des§ Wegschneider Durchführung eine Besonders sollte Frauen anvertraut Abg. Dr. v. Car ulturausgaben des müsse die große der Wir müssen wiede daß unser Volk das erhält. Abg. Oelze( Kulturpolitik; er#t# törperlichen Ertücht in Leibesübungen) Kirche durch ihre ir cherstellung durch de Prof. Dr. Lauf Angriffe auf den K nationaler sowohl ausgegangen sind. gionsunterrichtes. Kultusminister Ziel eine einheitlick mus und Protesta gleichberechtigte 0 Frömmigkeit, doch n geben, die Gewissen außerhalb der Kirc Der Kommunist Verträge des Staa Abg. Holt(U. Trumpf, auch im trum habe sich nicht Arbeiter sei nichts erwarten, der vom Um 5½ Uhr Dienstag 12 Uhr lagen. 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