Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich aufzer Feiertags. Bezugsprets monatlich 6.— M., bei der Dost 6.— Alb., ohn e#lgeld. Anzeigenpreise: 1 mm dohe. 35 mm dreite Zeite 35 Pfg. Wohnung= und Stellengesuche 10 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Nachlaß Ik. Tarts. Jeder Radatt zib als Kassene ndatt und erlischt bei Konkursen, Zwonasvergleichen, gerichtlichen silagen u. Nichtgaachten der gemachten Zaylungsbedingungen. Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Oolksblatt Delthofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. holzwickeder Zeitung Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die hputer Zettung“ gemübnt dem Uüerunten Ur keön ui Sed ubebenltzied gentt se 300 Mark Anfall. tiggunger Druck u. Verlag u. Cari Soaus, Schmertetflube) — 4 Ferntpracher 50. Telgaruan.-Umse: Schwerte(Rudr.. Dostscheckhonto 2858 Ea Nr. 249. Freitag, den 22. Oktober 1920 55. Jahrgang Preußische Landesversammlung. Pretest gegen die Wahl Dr. Löwensteins. Berlin, 21. Oktober, Zur Besprechung steht die große Anfrage Hergt (D.=natl.) betreffend die Wahl des Dr. Löwenstein zum Stadtschulrat von Großberlin. Die Regierung hatte sich seinerzeit außerstande erklärt, die Anfrage zu beantworten, gleichwohl wurde in die Besprechung eingetreten. Abg. Dr. Richter(D.=natl.) begründet die Anjrage. Wer den Widerstand gegen die Wahl des Dr. Löwenstein auf künstliche Hetze zurückführt, der verkennt die Dolksabstimmung gründlich. hr richtig rechts.) herr Löwenstein ist auf dem Gebicte der Schule kein Jachmann und er läßt das nötige Maß von Selbstkritik vermissen, wenn er sich dafür hält. Herr Löwenstein ist kein Christ, und nicht nur das. Er führt den schärfsten Kampf gegen die religiöse Erziehung der Kinder.(hört, hört rechts.) Obwohl die große Mehrheit der Eltern z. B. in Neukölln sich entschieden dafür erklärt hat. Rein Wunder, daß auch zum größten Ceil die Lehrerschaft der Wahl des Dr. Löwenstein widerstrebt. Wir können unsere Kinder nicht einen Manne ausliesern, der ganz anders seclisch gebaut ist als wir. Wenn die Regierung, die sich heute drückt,(am Regierungstisch ist niemand) diese Wahl bestätigt, dann wird ein Kulturkampf in schärfster Form die Folge sein. Abg. Brückner(Soz.): Die Rechte hat von jeher jedem Fortschritt entgegengewirkt. Das ist allgemeines Dolgsempfinden!(Rufe frechts: Befragen Sie das Dolk über Löwenstein!) Die Rechte sagt einfach, die ganze Richtung paßt uns nicht, der Jude wird verbrannt. Abg. Heß(Str.): Die Rede Heilmanns hat seinerzeit einen ganz anderen Eindruß auf mich gemacht, als die des Vorredners. herr Heilmann konnte sich einer gewissen Verlegenheit wegen der Wahl des Dr. Löwenstein nicht erwehren. Der Dorredner scheint sich aber glatt mit ihr abfinden zu wollen. Gegen die Wahl Dr. Löwenstein erhebt sich nicht nur aus christlichen, sondern auch aus jüdischen Kreisen lebhafter Widerspruch. Löwenstein ist ein jüdischer Laie. Das Jentrum ist immer für die Gleichberechtigung der Juden eingetreten, aber ebenso auch dafür, daß das Schulwesen konsessionell bleibe und hält es für völlig unerträglich, daß ein Jude Stadtschulrat wird. Die Wahl Dr. Löwensteins ist ein unverkennbarer Gewaltakt, nach der Reichsverfassung war sie gar nicht möglich.(Beifall im Jentrum.) Abg. Dominikus(Dem.): Die Wahl des Dr. Löwenstein ist ein vollkommen unverständliche Preußens Haushalt. In der gestrigen Sitzung der preußischen Landesversammlung gab Finanzminister Lüde mann über die Finanzlage Dreußens folgendes Bild: Gegenüber dem ursprünglichen Haushalt haben sich mehr Belastungen in solchem Umfange ergeben, daß wir bereits am 6. Juni ds. Is. mit einem Fehlbetrag von rund 2 Milliarden Mark zu rechnen hatten. Der Finanzausschuß hat gegen meinen Widerspruch Beschlüsse gefaßt, die die Doranschläge wesentlich überschreiten, ohne daß eine neue Einnahmequelle demgegenüber gestellt würden. Ich halte es für staatsrechtlich unerträglich, daß die Landesversammlung den Haushaltsplan in dieser einseitigen Weise abändert, so daß das Gleichgewicht gestört wird. Die meisten Leistungen des Reiches bestehen in Beamtengehältern. Dazu kommen die Erhöhungen der Arbeiter und Angestelltengehälter aus tariflichen Verträgen, die auf 200 Millionen zu schätzen sind. Ferner verursachten bedeutende Summen die Bildung der Sicherheitswehr und ihre durch die Entente erzwungene Umbildung zur Schutzpolizei. Diese Ausgaben werden sich auf rund 800 Millionen belaufen(Bewegung) unter der Doraussetzung, daß das Reich vier Fünftel der Gesamtkosten übernimmt. Große Summen erfordern noch die Erwerbslosenuntrstützung, Baukostenzuschüsse usw., die im ganzen eine Mehrausgabe von 5 Milliarden ergeben. Demgegenüber haben wir aus der Reichseinkommensteuer 2.1 Milliarden zu erwarten bei 9 Milliarden Gesamteinnahme des Reiches. Da aber das Reich aus dieser Steuer nach den letzten Anschlägen 12 Milliarden einnehmen wird. können wir wohl mit Hierüber erfährt die Oeffentlichkeit vorläufig nichts. Es wird sich später bei der Festsetzung der Diedergutmachungsfrage und bei der Lösung anderer wichtiger Probleme herausstellen, ob diese Besprechungen das gegenseitige Mißtrauen der einzelnen Länder gemildert haben. Eins aber muß mit aller Entschiedenheit hervorgehoben werden: Die Verhandlungen zu Brüssel sind kein Ersatz für die uns fest zugesagten aber bisher immer wieder verschobenen Verhandlungen zu Genf, die uns endlich Klarheit darüber bringen sollen, wieviel wir eigentlich an unsere früheren Gegner zu zahlen haben. —00000— Die Neuwahlen in Dreußzen. Ueber die Besprechung der Reichstagsfraktionsführer mit dem Reichskanzler erfahren wir von porlamentarischer Seite folgendes: Bei der Festlegung des Arbeitsprogramms wurde u. a. auch über die Neuwahlen in Dreußen gesprochen. Von einem der Minister wurde darauf mitgeteilt, daß vom preußischen Ministerium des Innern in ziemlich schroffer Weise geantwortet sei, diese Angelegenheit sei eine rein preußische. Der Reichsminister des Innern Koch gab darauf als Ergebnis einer Rücksprache, die er mit Severing hatte, bekannt, daß dieser Neuwahlen in Dreußen frühestens erst im Februar für möglich halte. —000 Sinowjew und Losowski Die Froge, ob die bolschewistischen Heilapostel Sinowjew und Losowski Deutschland bereits verlassen haben oder wann sie ihm den Rücken kehren werden, ist ziemlich gleichgültig, denn sicher ist, daß sie sich nicht als Gäste betragen haben, und daß der Hausherr, und das ist in diesem Falle die deutsche Regierung, vollauf berechtigt ist, die Gäste, die sich seinen berechtigten Wünschen nicht fügen wollen, vor die Tür zu setzen. Es ist schließlich nicht westeuropäische Art, wenn man irgendwo zu Betreter entsandt, such ist, irgendwelche Personen dazu aufzufordern, ihnen auch Deutschland und Oesterreich. Es den hausherrn totzuschlagen be ene ude Beiheuph het un eteaz taut ihmn mu heiber., Dus Ersaht für Drx, 1Tgelenz; also seit Kusbruch des Krieges. Die Konferenz hau ihn zu treiben. Das Gefähl, füir nicht etwa den Zweck, bindende Beschlüsse zu solcher Dinge haben aber Sinowsew fassen; sie soll vielmehr eine Reihe wichtiger Fra= 1 nicht gehabt, sondern sie haben lustig darauf 2.4 rechnen. Milliarden preußischen Anteil —00000— Die Bedeutung der Konferenz. Seit dem 24. September tagt in Brüssel die internationale Finanz= und Wirtschaftskonferenz. Dierundzwanzig Länder haben Vertreter entfans., daß die Regierung bei wichtigen Frage fehlt. Vorgang. Wir bedauern, der Erörterung einer so (Sehr richtig.) Abg. Dollmann(D. Opt.): Wir bitten ebendie Regierung, die Bestätigung der Wahl Löwensteins zu verweigern, da es gilt, unserm Staatswesen eine große politische Gefahr fernzuhalten. Abg. Leie(Unabh.): Ihr Widerstand gilt gar nicht so sehr dem Juden oder dem Dissidenten Löwenstein als vielmehr dem Sozialisten Löwenstein. (Tachen rechts.) Auf sachlichem Gebiet ist der Einfluß des Stadtschulrats Löwenstein sehr gering und Damit auch alle Bedenken wegen seiner Dorbildung hinfällig. Er ist der rechte Mann am rechten Ort. (heiterkeit.) Abg. Koch=Geynhausen(D.=natl.): Ich stelle fest, daß sich alle bürgerlichen Parteien in der Beurteilung der Sache einig sind. Wir beantragen Ueberweisung an den Gemeindeausschuß. Gerade weil wir die soziale Gesundung fördern wollen, glauben wir, auf den Einfluß des Christentums auf die Schule nicht verzichten zu können. Die Ingelegenheit wird dem Gemeindeausschuß überwiesen. gen klärend behandeln. In Brüssel haben die dort vertretenen Staaten eine Art Rechenschaftsbericht über ihre Tage erstattet. Nach einer Reihe von kleinen Staaten kam Deutschland mit dem Führer seiner Brüsseler Delegation, Staatssekretär Bergmann, zum Wort. Seine Rede fand in der Versammlung günstige Aufnahme. Das Wichtigste an der Brüsseler Kondes ferenz scheint es überhaupt zu sein, daß sich nach icher rien erenz scheint es überhaupt zu sein, daß si rehr als sechs Jahren endlich einmal wieder Vertreter aller Dölker ruhig und mit dem Wunsch, sich zu verständigen, über wichtige Fragen aussprechen. Sonst sind in der Brüsseler Konferenz Pläne recht verschiedenen Wertes vorgetragen worden. Seitweise glaubte man, in einer Universitätsvorlesung für Studenten der Dolkswirtschaft im ersten Semester zu sein. Man behandelte ausführlich die Vorteile und Nachteile der direkten und indirekten Steuer, die Bedenken gegen Vermögensbeschlagnahme usw. Mehrere Vertreter ritten ihr Steckenpferd und trugen langatmige, aber für die Draxis nur geringwertige Pläne vor. Kmerika hat durch seinen einzigen Vertreter eigentlich nur erklären lassen, daß sich Europa selbst helfen müsse, und daß Amerika nicht in der Lage sei, das kranke Europa zu heilen. Die Franzosen hatten von Anfang an erklärt, sie würden sich keinesfalls an einer Erörterung des Versailer Vertrages beteiligen oder vn,:.„ 174 dem F.schtemindel auch nur die Aufrollung dieser Frage zulassen. Die 1 kennt, sondern alles nur unter dem Gesichrswinke öffentlichen Berichte über die Brüsseler Verhand= eines fanatisierten Dolitikers ansteht. Sie sind nicht lungen enthalten natürlich nur die Besprechungen Leute, die auf die Dauer in Deutschland Erfolg in der Dollversammlung und kurze Ruszüge aus; haben können. Sie können wohl, wenn sie so gute den Beratungen der Ausschüsse. Wichtiger als Redner sind. wie Sinowjew es zweifollos ist, einen diese amtlichen Aussprachen sollen aber private Augerblickserfolg danon * Unterredungen einzelner Vertreter untereinander Arbeiter, der in seiner großen Mehrzahl den Weltsein. krieg an der Front mitgemacht hat, und der auch gehetzt und haben die Gelegenheit zu bolschewistischer Kgitation denn doch zu ausgiebig benutzt. Wer solche Dinge sagt, wie sie Sinowjew und Losowski sagten, der gefährdet zweifellos das Staatsinteresse, und es ist die Auffassung der Leute zu verstehen, die sagen, daß der Staat sogar die Pflicht habe, die russischen Sendlinge so schnell wie möglich hinauszuwerfen. Aber allzu tragisch braucht die ganze Geschichte doch nicht genommen zu werden, denn so böse wie sich die beiden Bolschewisten anhören, so haben sie doch auch ihr Gutes. Sie werden nämlich letzten Endes gerade das Gegenteil von dem erreichen, was die Redner selbst gewünscht haben. Sie haben den deutschen Arbeitern die bolschewistische Reinkultur gezeigt, und wenn es jetzt auch noch gewisse Kreise gibt, die sich nicht radikal genug gebärden, so wird eines schönen Cages doch auch hier das große Einsehen kommen, und es wird genug Wasser in den bolschewistischen Wein fließen. Man darf aber nicht vergessen, daß die deutsche Arbeiterschaft ein sehr gutes Gefühl dafür hat, wenn jemand wie der„Genosse" Sinowjew auftritt, kugelrund und wohlgemästet, täglich seinen Hühnerbraten und seinen guten Kaviar verzehrt, und der von der llot des russischen Dolkes, von der unendlichen lot der Mütter und Kinder in Sowjetrußland nichts weiß und nichts wissen will. der nichts von menschlichen Entbehrungen die schlimmste Form eines Krieges, den Bürgerkrieg, kennt, wird auch in den tönenden Ciraden Sinowjews und seiner Geistesgenossen bald mehr als ein Haar finden, und so haben die russischen Heilapostel letzten Endes gerade das Gegenteil ihrer Absichten erzielt. Wir sind gezwungen, sie hinauszuwerfen, aber aus den geschilderten Gründen wollen wir ihnen für ihren Besuch, da sie uns einen gguten sbolschewistischen Anschauungsunterricht gegeben haben, sogar in unserem Sinne dankbar sein. —40— Der Streit um die Parteikasse der U. S. P. Die beiden Ceile der U. S. D. machen beide Anspruch auf die Weiterführung des Citels Unabhängige Sozialdemokratische Partei. Uehr noch aber wird der Kampf um die Darteikasse und die Seitungen die Gemüter beider Ceile erhitzen. In einzelnen Städten des Reiches haben allerdings die Anhänger des linken Flügels, d. h. der Abteilung Eichhorn, kurzen Prozeß gemacht und sich mit Gewalt in den Besitz der Parteizeitungen gebracht. Nicht so leicht dürfte das aber hinsichtlich der Parteikasse sein. Der Leil des rechten Flügels unter Crispien ist der Auffassung, daß die Parteikasse bei der ursprünglichen Partei bleiben müsse, da rechtlich nach der Meinung der Angehörigen des rechten Flügels die Mitglieder des linken Flügels durch die Annahme der 21 Punkte aus der Partei ausgeschieden seien und zu einer neuen Partei übergetreten sind. Ob Crispien mit dieser Aufsassung durchdringen wird, ist fraglich. Der linke Flügel betont, daß er die Mehrheit darstelle und demgemäß nach demokratischen Grundsätzen nicht nur die alte Partei weiter vertrete, sondern auch Nachfolgerin in den Besitzrechten sei. Sie stützt sich darauf, daß die von Crispien herangezogene rechtliche Lage nur dann zuträfe, wenn einzelne Glieder aus der Partei zu einer neuen Partei übergetreten seien. Das träfe nicht zu, sondern es seien geschlossene Parteikörper nach Beschluß dafür eingetreten, daß sich die Dartei einer anderen Partei anschlösse, und da dieser Körper die Mehrzahl ausmache, sei er Rechtsnachfolger der U. S. D. Allerdings bleibt es möglich, daß die einzelnen Ortsvereine je nach Jusammensetzung selbständig entscheiden. Bezüglich der„Freiheit" liegt das Problem so, daß die Berliner Parteiangehörigen einen maßgebenden Einfluß sich gesichert haben und somit wahrscheinlich das Blatt für den linken Flügel bleibt. —09000 Rußland und Polen. Ueue polnische Kriegspläne gegen Rußland. Kus Warschau wird gemeldet, daß nach einem Bericht der in kowno erscheinenden Seitung„Lituwa" zwischen Polen und den Agenten Drangels ein Vertrag abgeschlossen wurde, nach dem Lavinkow ermächtigt werden soll, eine polnische Freiwilligen=Armee zu bilden. Im Frühjahr soll dann ein polnisches heer von mindestens sechs Armeekorps gegen Moskau marschieren. Nach lliederwerfung bolchewistischer Widerstände soll dann Polen Baranowitschi. Dünaburg, Libau u. Memel(!!) erhalten, während alle übrigen baltischen häfen bei Rußland bleiben sollen. Finnlands Selbständigkeit wird von allen Seiten anerkannt, wogegen Litauen und Lettland nur innerhalb Rußlands autonom bleiben sollen. Ruch wichtige wirtschaftpoitische Bestimmungen soll der Vertrag enthalten. Die„Hamburger Nachrichten“ melden: Wie der „National Cidende“ aus Helsingfors telegraphiert wird, hat der allrussische bolschewistische Arbeitervecrand einen Aufruf veröffentlicht, in dem das Fernbleiben der Arbeiter von den Fabriken und die Massenklucht aus den Städten auf das schärfste verurteilt u.erden Auf diese Weise müsse die Krheit in den Fahriken allmählich eingestellt werden. Ein Erlaß der Käte=Regierung verkündet die Arbeitspflicht auch für alle Männer der Jahrgänge * 1886 C=. Uußerdem werden Vorbereitungen getiossen, um eine größere Anzahl Arbeiter zu zwingen, in die Städte zurückzutehren. * Aus Stadt und kand. * Schwerle, 22. Oklober 1920. **(In der talten Witterung) schreibt das Meteorologische Gbservatorium Richen; Die Ursache des am Sonntag und Montag in fast ganz Mitteleuropa erfolgten Cemperatursturzes ist darauf zurückzuführen, daß ein kräftiges Cief von der Biskanasee in nordöstlicher Richtung vordrung, während ein umfangreiches hochdruckgebiet sich gleichzeitig ausbreiteté. Ueber dem Festland entstand infolgedessen eine homogene nordöstliche bis östliche Luftströmung, die infolge des sehr großen Luftdruckgefälles. name###lich in Nordwestdeutschland und im Kanalgebiet zeitweilig recht stark und böig wurde. Diese Winde, deren Ursprung im kalten Hochdruckgebiet lag, führten kalte Luft aus dem hohen Uorden heran, und zugleich hörte infolge der mit dem südwestlichen Tiefdruckgebiet verbundenen starken Crübung die Wärmeeinstrahlung auf; auf diese Weise erklärt sich der schnelle Cemperatursturz. Die Morgentemperaturen betrugen am Montag in Rheinland und Westfalen durchweg nur 1 bis 4 Grad; die Ciefstwerte waren meist dem Gefrierpunkte nahe. In der Nacht von Montag zu Dienstag traten in der nördlichen Rheinprovinz und in Westfalen vielfach leichte Fröste auf, an denen allerdings die nächtliche Wärmeausstrahlung einen nicht unwesentlichen Anteil hat. Die mittlere Cagestemperatur war in Rachen am Sonntag um etwa 2 Grad. am Montag um 6 Grad kälter als das langjährige Mittel. Der Einfluß des südwestlichen Ciefs bewirkte in der Hauptsache nur in der südlichen Rheinprovinz, insbesondere an der Mosel, stärkere Regenfälle. Dort war demgemäß auch der Cemperatursturz bei weitem nicht so stark ausgeprägt wie in Nordwest deutschland. **(Sur Wafsenablieferung.) Von heute ab hört jede Drämienzahlung für abgelieferte Waffen auf, doch bleiben die Rblieferungsstellen zur Annahme von Waffen bis zum 1. November geöffnet. Bis zu diesem Cermin läuft die unter Susicherung von Straffreiheit festgesetzte freiwillige Ablieferungsfrist. Da. nach dem 1. November eine sehr scharfe Kontrolle jedes Daffenbesitzes zu erwarten ist und außerdem das Gesetz neben der Ablieferungspflicht auch eine Anzeigepflicht vorsieht, ist dringend zu raten, alle ablieferungspflichtigen Waffen rechtzeitig zur Abgabe zu bringen. Verstöße gegen das Entwaffnungsgesetz werden verfolgt und unnachsichtlich bestraft wenden. **(Störungen im Fernsprech= und Drahtverkehr.) Infolge## plößlich eingetretenen kalten Witterung sind im Fernsprech- und Telegraphen= verkehr empfindliche Störungen eingetreten. Die sich über das genze Reich erstrecken. Das geschäftliche Leben hat darunter sehr zu leiden.. (Schwierigkeiten im Gefangenen-Heimtransport.) Die Heimbeförderung der deutschen Kriegsgefangenen aus Sibirien soll angeblich wieder auf Schwierigkeiten gestoßen sein. Die verlautet. will die Sowjetregierung nur dann ihre Einwilligung zum Rücktransport geben, wenn die im russischpolnischen Kriege über die Grenze getretenen Roten Cruppen. die entwaffnet und in Internierungslagern untergebracht sind, gegen die deuschen Kriegsgefangenen ausgetauscht werden. **(Beethoven=Schulfeiern.) Der 150. Geburtstag Ludwig van Beethovens wird am 16. Oezember überall festlich begangen werden. Der Minister für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung spricht in einem Erlaß den Wunsch aus, daß der Gedenktag in würdiger Weise durch Veranstaltung entsprechender Dorträge oder, soweit es die Verhält nisse gestatten. durch besondere Feiern mit mustkalischen Darbietungen begangen werden möge. In den Schulen sollen an dem genannten Cage die älteren Schulkinder auf die Bedeutung des großen deutschen Conmeisters in geeigneter Weise hingewiesen werden. *:(Aus dem Cheaterbüro.) Da diese Woche für den Umban und die Renovierung des Cheatersaales verwendet wird, sicht sich die Direktion veranlaßt, am Samstag und Sonntag Vorstellungen im Östermann'schen Stale ureim.„Reiche des Wassers" zu veranstalten. Gegeben wird Samstag bei Östermann der köstliche Schrank„G diese Schwiegermütter“ und om Sonmigi findet im„Reiche des Wassere“, d## Erstaufführung, des tollen Schwankes zureil: er konnt: späten die Weiterreise nach hagen antreten. de holzen, 22. Okt.(Der. Cheaterverein„Rosa“) feiert am Sonntag, en 24. ds. Ults. im neu hergerichteten Saale des herrn Mölders(früher Michel) sein diesjähriges herbstfest durch Konzert, theatral. Kufführungen und Canz. Jur Aufführung gelangen verschiedene Stücke ernsten und heiteren Jehalt, auf deren sorgfältige Einstudierung der Derein großen Wert gelegt hat. Näheres wird noch durch Anzeige bekannt gegeben. Hilligst, 22. Gtt.(Ireiwillige Jeuerwehr.) In der gestern ibend beim Wirt Carl Deukmann steitgesundenen Versammlung erstattete der Vorsitzende Bericht über die Kagung des Kreisseuermehrverbandes, sowie des Provinzial-Jeuerwehr= Verbandslages. Herr Rentner Wolters, der dem Verein die Summe von 500.— Mark zur Versügung stellte, wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Der Vorsitzende ersuchte die Kameraden, an der Schlußübung mit nachfelgender Feier der Desthofener Wehr, die am Sonntag 3 Uhr nachm. staitfindet, teilzunehmen. Die Schlußübung der hiesigen Wehr findet am Sonniag. 51. Oktober statt. Aplerbeck, 21. Gkt.(Einen dreisten Diebstahl) führte der 1896 in Berghofen geborene Fritz Walter aus Aplerbeck in der Nacht zum 30. August in hörde aus. Er stieg mittels einer Leiter durch eine Luftklappe in der Mauer in den Dorführungsraum eines Kinos ein und gelangte von da in einen Bodenraum, der sich über dem Sigarrengeschäft von hanna befand. hier schlug er ein Loch in die Decke und ließ sich an einem Seil in das Zigarrengeschäft hinab. Mit 8000 Sigarretten und 100 Sigarren kletterte er wieder an dem Seil empor und nahm noch außer einer Registrierkasse 46 Mark Barpeld mit. Kls er auf demselben Wege, den er gekommen, das haus verlassen wollte, wurde er erwischt. Der rückfällige Dieb wurde, da ihm mildernde Umstände versagt wurden, zu zwei Jahren Suchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. —00 Die Karteffelversorgung des rheinisch=westfälischen Industriebezirks scheint einer schlimmen Katastrophe zuzutreiben. Die Großhändler klagen allgemein, daß die Cransporte ungebührlich lange auf der Bahn liegen. Wagen, die in drei Cagen an Ort und Stelle sein könnten. sind 8, 10 und 14 Cage unterwegs. Ein Waggon brauchte von Dortmund nach Bochum 9 Cage. Die langfristigen Transporte, die unpflegliche Behandlung bei der Verladung und das lichtöffnen der Luken an den Kartoffelwagen haben zur Folge, daß die Kartoffeln vielfach ver dorben ankommen und nur noch als Diehhutter verwendbar sind. Die Belieferung der industriellen Werke ist noch sehr im Rückstand. Die Kälte, die säh und unvermittelt eingesetzt hat, hat die Lage noch wesenflich verschlimmert. Eine Warnung an den Ernährungsminister, Bochum, 21. Okt. Der Kusschuß für Kartoffelüberwachung macht in einem dringenden Celegramm den geznährungsminister darauf aufmerksam. daß erst ein kleiner Teil der von den Werken und Händlern bestellten Kartoffeln eingelaufen sei, noch dazu in einem Justande, der sie fast ungenießbar macht. Unter der Irbeiterschaft herrscht eine bedenkliche Bewegung. Streikdrohung wegen Kartoffelmangel. Essen, 21. Gktober. Dic 4000 Mann starke Belegschaft der Seche Mathias Stinnes beschloß, in den Streik zu treten, wenn die Kartoffellieferung nicht so einsetzt, daß die Familien für das erste versorgt sind. Ein Kartoffel=Ultimatum. Berlin, 21. Gkt. Einer Meldung des„B. C.“ aus Mainz zufolge. hat die Mainzer Arbeiterschaft infolge Surückhaltung und Verschiebung von Kurtoffeln der rhein=hessischen Bauernschaft ein Ultimatum gestellt, zu bestimmter Stunde ortsweise zern Heutner pro Morgen zum Dreise von 25 UIk. kzuliefern, ardernfalls Selbsthilfe Platz greifen cüte 000 Billiger Triumph! Der Pariser„Matin“ schreibt: Um die Rückgahe der fran zösischen Jahnen zu erwirken, die durch die Deutichen während des Kricges 1870/71 erohert wurden und die nun am lage der 50 jährigen Jeier der Republik in Daris sein sollten, hat der Ministerpräsiden: heirn de Gelles nach Berlin entsandi. der dort von einem Sachverständigen des Kriegsministeriums unterstützt werden soll. —.83000— Der neue Staatsgerichtshof. MEB Berlin, 21. Gkt. Der Reichsrat beelte in seiner heutigen Sitzung unter dem Dorsitz des Reichsjustizministers Heinze den Entwurf einer Derordnung über die Wahl des Reichspräsi: denten. Die Verordnung kehnt sich an die Verorden der Reichslogswahlordnung an. Ange nommen wurde der Gesetzentwurf über den Staatsgerichtshof. Der Entwurf nimmt für den Staatsgerichtshof eine zweifache Kompetenz in Aussich: 1. Entscheidet der Gerichtshof bei Verfassungs= und Verwaltungsstreitigkeiten, die auf Grund der Verastungsu- unde entstehen; 2. ist der Gerichtshof zuständig. dei Ministerialanklagen und Anklagen #gen den Reichsprästdenten und den Reichskanzler. Der Staatsgerichtshof soll beim Reichsgericht eingerichtet werden. Der Drästdent ist in der Regel der Reichtgerichtspräsident selbst. Das Verfahren in Verfassungs= und Verwaltungsstreitigkeiten ist grundsätzlich öffentlich, für die Entscheldung in Ministeranklagesachen ist das Verfahren össentlich und auch dos Urteil wird öffentlich gesprochen. Der Reichskanzler ohne Auto. Die Abgeordnete Frau Brönner exzählt in der „Brücke“ über ein zufälliges Zusammentreffen mit Reichskanzler Fehrenbach in Sücbeutschland. Der Reichskanzler hatte wichtige Besprechungen mit dem baverischen Ministerpräsidenten in München und war, wie sich herausstellte, den ganzen Cag von Bummelzug zu Bummelzug gestiegen. Kuf die Frage, warum er denn nicht ein Auto benutze, erklärte Fehrenbach, er halte es nicht für recht, in diesen Zeiten das Reich mit solchen Ausgaben zu belasten. Frau Brönner fügte hinzu, dieses süddeutsche Beispiel könne manch: Stelle im Norden beschämen, die für weit weniger wichtige Funktionen nicht ohne ein Kuto auskommen zu können glaube. Die Gefahr der Besetzung des Ruhrgebietes. TU München, 21. Gk. In der gestrigen Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Landtages machte der Abgeordnete Schlittenbauer einen Dorschlag, um die Gefahr der Besetzung des Kuhrgebietes zu beseitigen. Ec erklärte, man solle das Ruhrgebiet in eine wirtschaftliche Einheit zusammenfassen und für die Kohlenbergwerke eine Beteiligung amerikanischen Rapitals bis zu 25 Proz. herbeiführen. Dieses amerikanische Kapital würde sich der Besetzung des Ruhrgebietes durch Frankreich wohl zu widersetzen wissen. -0000 Die Räumung von Kärnten. Paris 21. Okt. Die Botschaftertonferenz richtete gestern ein Ultimatum an die südslawische Regierung, worin sie fordert, daß binnen 48 Stunden das Abstimmungsgebiet in Kärnten von jugoslawischen Cruppen zu räumen sei. Die Botschafterkonferenz gibt damit ihrer Ansicht Ausdruck, daß sie der Susicherung der serbischen Rehierung. das Abstimmungsgebiet zu räumen, keinen Glauben schenkt. Die aktiven Mionarchen. Crotz des furchtbaren Sturmes, der am Ausgange des Weltkrieges über die Onnastien Europas dahingebranst ist, zählt unser Erdteil noch immer is monarchische Staaten, in welchen verschieene Chroninhaber allerdings nur noch eine sogenamnte Regierungsgewalt ausüben. Diese 15 Staaten. in welchen die Republik noch nicht erklärt worden ist, sind England. Däncmark. Schweden, Norwegen. Niederlande, Belgien, Luxemburg, Spanien, Monaco. Italien, Griechenland, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Cürkei. Republiken gibt es in Europa zurzeit 15, und zwar: Rußzland, Ukraine, Finnland. Lettland, Estland. Litauen, Deutschland, Gesterreich, Ungarn, Cschecho=Slowa= kei, Polen, Schweiz. Frankreich, Portugal, San Marino. Von den aktiven Regenten ist recht wenig die Rede, so wenig, daß beinahe von den entchronten Fürsten mehr gesprochen und geschrieben wird, als ron denen, die noch ihren Chron inne haben. In letzt wer von König Viktor Emanuel von Jialien aus Anlaß der 50jährige. setzung Roms durch 20. September, die Rede.## es lichen Besichten sehr geftiel. Feiern“ steht freilich in zu der wochenlangen so; lien. Dann wurde von der Kundreise des Königs ven Dämemark durch Norkschleswia berichtet. heim Passieren der alten Granze mit seinem D#e stürzte. Sonst ist seir Monaten eigentlich kaun etwars Uennenswertes von den aktiven Potematen berichtet, die es vorgezogen hatten, die Aufmerk samkeit ihrer Völker so wenig wie nöglich enf zu lenken. Wir wollen aber darüber nicht vergessen, daß wir dem König von Spanien, der Königin von Holland und dem König von Schweden in mehr als einer Beziehung zu Dank verpflichtet sind. Es ist unbestreitbar, daß das monarchistische Ansehen in Europa ziemlich tief gesunken ist. aber es ist doch recht fraglich, ob es durch das nusgepräcte Stillschweigen der aktiven Fürsten wieder #ehoben weiden kann. Durch dieses Derhalten wird, sollte man meinen, den Dölkern der Vemeis defür erbracht, daß die Seit. in welcher die Ulorarchen ihte Besähigung für heirorragend. Caren zeigten, vorüber ist. Diese Caten brauchen keineswegs in langen Raden zu bestehen, aber heute. wo die Staatsmänner sich bald zwei Jahre lang be mühen, wendastens das. Europa einen wahren Frieden zu geben, und sich doch nicht über die Einzelheiten einigen können, wäre eigentlich für ein Staatsoberhaupt Anlaß gegeben, mit einer guten und glücklichen Anregung diese Meinungsverschicdnheiten aus der Welt zu schaffen. Wahrscheinlich wäre sogar einem so autokratischen Premierminister, wie es Llord George ist, damit gevient, wenn ihm König Georg von Enzlard mit einem gedeitzlichen Einfall zu Hilfe küm:. Und auch die Italienischen Staatsleiter könnten Ideen gebrauchen. Lönig Cenard sah seit 1904 in dem steng parlamentarischen Englamd seine Hufgabe darin, eine neue Auslandspolitik einzuleiten, nachdem wesentlich durch seinen Einfluß der Burenkrieg zu Ende gebrach: war. Nach britischen Craditionen kam diese RKolle dem lönig nicht zu. sondern nur dem Ministerpräsidenten und dem Minister des Kus wärtigen, aber die Londoner Seitungen schrieben, England könne sich glücklich schätzen, einen solchen. König zu besitzen, der seiner Regierung so tatkräftig beizustehen wisse. Nach dieser modernen eng lischen Auffassung kann also auch der konstitutionelle König mitregieren, wenn dabei Dorteil für den Staat herauskommt. Wenn also König Eduard seine Einkreisungspolitik durchsetzte, warum sollte sein Sohn Georg nicht jetzt eine Entspannungsak tion betätigen, von welcher das Land doch gewiß nur großen Nutzen haben würde? Und Italien könnte ein solches Eingreifen seines Oberhauptes nicht minder gut gebrauchen, von den kleinen F# entestaaten ganz zu schweigen. Ir Spannung in Europa unter den Siegern ist heute lanm geringer, als die Gegensätze auf internatienalem Gebiet vor dem Weltkriege. Gerade weil sich damals kein anerkannter Vermittler sand, sollte jetzt versucht werden, einen zu finden. Die europäischen Bölker würden dankbar sein, selbst wenn dieser Friedeusstifter eine Krone trüge. —. Letzte Drahtmeldungen. Eigener Depeschendienn. Loslésungsbestrebungen in Chüringen EU Halle, 22. Gkt. In halle hat sich ein Konsortium gebildet, das erreichen will, daß verschiedene Großthüringen zugesprochene Gebietsteile Preußen zugesprochen werden. Ebenso machen sich in Meiningen und Gotha Bestrebungen zur Loslösung vom Staate Großthüringen bemerkbar, da dieser Staat nicht lebensfähig sein soll. Zu der Jernsrung der Dieselmotere. aU Basel, 22, Gkt. Iu dem Verlangen der Entente nach Serstörung der Dieselmotore von Deutschland liegt eine bemerkenswerte Ausführung eines sozialistischen elsässischen Blattes vor. Die in Straßburg erscheinende„Jreie Presse“ schreibt, im Anschiuß an die Meldung über den Protest der deutschen Regierung, dag man der privaten deutschen Industrie wertvelle und heute nnersetzbare Ebjekte entziehen und vernichten will. Ein solcher Gedanke könne nur im Kopfe eines Narren oder eineg Renturrenten entstanden sein. Aus dem Volkerbund. (U Brüssel, 22. Gft. Der Völkerbund hielt Mittwoch morgen eine offiziöse Sitzung ab. Es wurde beschlossen, nochmals die Irage von Eupen und Malmedn zu erörtern. Als 2. Frage wird das neue Statut für Armenien zur Sprache kommen. Endlich wird der Rat sich auch mit den Aufgaben der vorübergehend vom Dölkerbund einzusetzenden Missionen befassen. Eisenbahnunglück. CU Karlsruhe, 22. Gkt. heute vormittag engleiste in Singen=hohentwiel bei der Einfahrt der Güterzug 7192, der von 2 Lokomotiven gefahren wurde, welcher gleich hinter sich einen Personenwagen vierter Klasse zur Arbeiterbeförderung gekuppelt hattr. Mehrere Wagen sielen um und wurden schwer leschäligt Personen wurden schwer verletzt. darnnter einer##er beiden Lekometivheiter, 3 sine minder sämer und leichtverletzt. Der Melerislschaden in beseuterd. Beide Geleise in der Richtung Singen-Konstonz sind gesperrt. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen unfrecht erholten. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. Weitere Güterbesetzungen in Itan u EU Lugano, 22. Okt. Die Besitzergreifung des Grund und Bodens durch Landarbeiter und Kleinbauern in Süeitalien, namentlich in Sizilien, vellzieht sich unaufhaltsam. Die Beuern sind in rote, schwarze oder dreifarbene Ernppen eingeteilt, und gehen jeden Tag auf neue Eroberungen aus. Sie besetzten nicht nur unbebaute Ländereien, was in den Verordnungen vorgesehen ist, sondern auch Homänen, die ausgezeichnet kultiviert sind. In Anbetracht der Lage hat der Ickerbauminister die Denutierten von Sozialisten zu sich geladen, um mit ihnen die der Kammer zu unterbreitenden Gesetzentwürfe zur Lösung der Landfrage zu besprechen. Jum englischen Bergarbeiterstreit au London, 22. Ght. die Schiffswerften an der Tero n. in Hartlepol beschlossen, die Werften sc lange wie möglich offen zu halten, damit die Reheitslosigkeir infolge des Streiks der Vergarbeiter nicht noch vergrößert werde. Man erklärt, daß in Cheffield allein 100000 Arbeiter durch den Ernbenarbeiterstreik arbeitslos werden. Die Jahl der durch den Streit arbeitslos gewordenen Seeleute beträt 108 000. Für die Schrisilettung verantwortlich: Fried. Kraus. Druck und Oerlag: Carl Beaue, beide in Schwer## 15 1 9 84 8 ∆ ∆ 40 Me ∆ 0 # 5 M 95 e! K # WE GNT. 1 * 2 MEN Dres 5 6096 Mnterhrn Wun OIANT a PphgWgEr Wons Wrngag Kaahr Ocshionstell WA SEAA EATGTAGUNN O I Marasch Tonbec 9i 5 35 5 Moderne, aparte Stoff- und Flauschmäntel Fesche, vornehme Formen, reinwollene Qualitäten Hochaparte Tuchmäntel, reine Wolle, alle Modefarben Reinwollene Jackenkleider, in schwarz, blau u. lila — Sami-Mäntel Nik. 145.— Nk. 275.Nik. 575. Nk. 575. 198.475.675.- 790.650.—, 775.375. Apm g - Häntel Aparte Blusen e MAMIMMggggentihgeazngz a., zistlsninianeslisllhle 86 Izwaren bringe ich in grosser Auswahl! Beste Qualitäten! Feinste Kürschnerarbeit! Spezialität: Pelzhüte— Pel Umarbeitung von Pelzwarer in eigener Kürschnerei. 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Anschliessend: Fest-Ball. Bekanntmachung. 8 ∆ 5 Karten im Vorverkauf Mk. 3.00, an der Kasse Mk. 4.00. Für Mitglieder der Deutschen Turnerschaft Mk. 2.00. Karten im Vorverkauf sind zu haben im Vereinslokal Klempt, Zigarrennandlung Fritz Schöttler und bei den Mitgliedern. Bei Einkeitt der kälteren Witterung wird darauf hingewiesen, daß sowohl Gasals auch Wassermesser gegen Froßl=Einwirkung zu schützen sind. 6118 Es ist deshalb darauf zu achten, daß durch entsprechendes Schließen der Feuster und Türen die bet=effenden Räume feostfrei bleiben. Am besten umgebe man den Messer mit einem Holzkasten und fülle die Iwischentäume mil Sägemehl aus, sadaß der Messer von allen Seiten mit einer 10 cm ftarken Schicht umgeben ist, jedoch muß das Ablesen jederzeit möglich sein. Die durch Frostschäden entsteherden, Läufig nicht unbeträchtlichen Ausbesserungskosten fallen ausschließlich dem Benutzer des Gat= und Wasserm sse;s zur Last. Schwerte, den 19. Ohiober 1920. 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W. Unna Lünern Hemmerde Werl Bähnn Ostönnen Soest Ab Ai. 702 7% 7• 725 72 737 933 8 944 169 953 207 1000 2½ 1013 223 1022 929 1070 10• 295 41 4.05 4.13 4.20 4.33 4.39 4 40 4.50 4.59 5,06 5.12 5,24 5.30 5,37 6.10 654 7 710 725 732 927 935 941 956 9309 100 1013 1008 1016 1033 1080 104 1017 05 1105 8. 1152 Soeft Ostönnen Westönnen Werl Hemmerde Lünern Unna Unna Hamm ab an— W. E. 3.= Wesl=Europäische Zeil. Soest— Unna. 7. W. f. 7. 7. 701 7300 846 1000 11.27 1213 1“6 4•3 703 906 8K 1105 6.41 Z. 741 89 1018 11.38 1253 19 444 754 J. 8°6 1116 6.51 □ 748 904 1024 11.45 101 153 441 721 6,59 716 754 g12 1084 11,51 165 204 449 728 7,12( an 9“ 1044 12.0) an 216 501 738 844 1123 854 1123 9e7 an Ab Ank. Hamm Ab Unna Ank. Hagen Ab 410 Kabel„ 45 Halden„ 45 Hohenlimburg, 5% Letmathe„ 514 Nachrodt„ 521 Einsal 527 Altena Ank. 533 Altena Einsal Nachrodt Letmathe Hobenlimk Halden Kabel Hagen 7.19]— 9°1 1000 12.08— 233 508 74] 914 7.27 70 W ge. 107 12.15 231 515 751 955 922 W. Unna— Hamm. u. 6u0 9°9 g44 1135 13 204 Jr. so0 gu 106 116 130 700 im 1011 1226 19 234 352 526 700 100 1214 124 Hamm— Unna. 450 507 552 726 1026 1258 207 419 425 616 6°1 9.15 516 525 622 759 1056 117 235 448 404 640 713 9,45 Hagen— Leimathe— Altena. 618 758 624 804 633 811 642 894 619 33 665 837 701 843 Altena— Letmathe— Hagen. 305 312 319 3 335 344 350 400 543 550 557 604 611 617 627 708 720 727 746 803W. 922 1132 90. 810 816 824 832 841 8•7 8•0 929 1159 935 1205 947 1213 95 1220 1002 1228 1008 1235 1019 1247 Hagen, Ab. Haspe Gevelsb.„ Milspe Schwelm„ Barmen=R.„ Barmen 633 714 724 745 7·6 802 814 832 451 610 504 1 613 515 627 653 523] 658 537] 708 548 644 718 555 650 724 754 840 Hagen— 812 907 1220 206 8. 916 1230 240 416 522 926 1241 I 249 427 531 991 1246 255 434 536 940 1254 304 445 555 919 104 1 313 455 60 955 111 242 Elverfeld An. 604 656 735 800 849 855 1001 120 248 Elberfeld— 657 729 754 8.19 910 954 1158 1156 707 740 80; 8.27 917 1006 1206 120“ 716 748 807 Z. J. 1013 1217 730 758 1022 1229 Z. 740 807 □ 1 1031 1288 746 812 □ 1 1 1036 1243 756 821 f 1 1 1043 1252 822 827 833 8,55 944 1949 12687 12•9 Elberfeld. 239 406 51“ 521 550 683 756 920 1011 100s 1126 8. 61: 652 658 709 719 319 502 609 559 627 725 328 511 618 605 633 7° Z. 1135 1146 1152 120 825 1013 1 I. 1211 832 1020 1040 1101 12•2 838 1029 1053 1107 1229 943 950 100 ElberfeldAb 537 Barmen „=R. Schwelm Milspe Gevelsb. Haspe Hagen „ 601 " 614 „ 622 „ 627 655 An 640 - Hagen. 150 2,18 413 453 158 2.31 425 50 2.37 432 509 2.48 442 2,57 451 3,03 450 3.12 504 226 3,18 510 54 8. 6•8 649 655 701 713 718 725 540 731 741 752 800 812 824 830 904 916 925 937 948 955 838 10% 844 1010 1019 1044 1106 1142 1027 1052 1114 1154 S 1902 1214 1222 1227 „ 1235 1055 1121 1165 1919 8 Elberfeld— Köln. 9013. 1035 1200 1256 246 333 6373, 958 112° 1243 150 320 420 737 Köln— Elberfeld. 641 ger 11126. 731 ge“ 1212“ 747 100 10.17 1.07 11358. 143 100 332 626 615 905 1009 96. 820 110 1010 1249 Elber eld=D ub. 61: Du.sseld. Hoh. an: 710 Düsseld Hbh. ab: 4•4 El#e.seld.T. un: 53) 6.5 „ 920 125 25: + 955 223 Düsseldorf 915 * 5 8•5 13 12 13 Hagen— Löttringhausen— Dortmund= S. Hagen Ab Herdecke=Nord„ Wittbräuke„ Löttringhausen Hörde=Hacheney„ Dortmund=S. An 814 W. 914S. 826 926 8•3 842 851 837 933 942 951 957 Dortmund=S.— Löttringhausen— Hagen. Dortmund= S. Ab 648 124 420 Hörde=Hacheney„ Löttringhausen räuke Wittbra Herdecke Nord Hagen An 655 712 721 727 739 131 141 150 156 208 427 437 444 450 501 632 639 650 657 703 713 807 814 826 833 830 850 Hagen Oberhagen Delstern Ambrock Dahl Breckerfeld Rummenohl Dahlerbrück Schalksmühle Brügge Lüdenscheid Ab Ank. Ab Ank. Lüdenscheid Brügge Ab Ank. Ab Dahlerbrück„ Rummenohl„ Breckerfeld ###l Ambrock„ Delstern„ Oberbagen„ 532 5.8 545 55 557 603 608 615 622 63 635 523 W. #5 543 553 558 606 613 620 62: 6#2 6524 8.06 8.11 8.17 8.22 8.27 8.31 8.37 8.42 8.51 9.03 9.23 11.20 W. 11.29 11.35 11,41 11.47 11.52 11.57 12.04 12.10 12.19 12.33 12.43 611 623 626 637 641 647 652 637 702 707 714 7#5 8.23 8.36 8.3 9.0 9.12 9.18 9.28 9.28 9.84 9.42 9.49 9.97 Der Umschwung in Griechenlane. Don einem in Berlin weilenden griechischen Politiker erhalten wir folgende Mitteilungen: Der „Affenbiß" des Königs Klexander erinnert lebhaft an die Rippenfellentzündung seines Daters Konstantin im Jahre 1915. Das Volk glaubt nicht daran. Es glaubt aber an einen politischen Dolchstoß, ausgeführ: von einer verborgenen Hand, die den Umsturz nich ihrem Willen lenken möchte. Denizelos, der„Retter des Daterlandes“, hat vollständig algewirtschaftet. Nachdem er in den letzten beiden Jahren 2000 Menschen, darunter Frauen, wegen„Böswilligkeit gegen die Regierung“ hat erschießen lassen, 45000 Bürger aller Stände und Klassen, Osfiziere, Geistliche und Richter ins Gefängnis oder in die Verbannung geschickt hat, ist er jetzt die Zielscheibe eines ungeheuren hasses des ganzen griechischen Dolkes. Um sich zu retten und zu halten, strebt jetzt Denizelos offen die Republit unter seiner eigenen Diktatur an. Der König ist überflüssig und lästig geworden. Er muß verschwinden. Mit ihm aber das Königtum als solches. Wie will Denizelos dies zu Wege bringen? Der Fall ist längst vorgesehen und schlangenblug vorbereitet. Kls König Konstantin im Sommer 1917 das Land verließ, um als einfacher Kurgast nach Luzern zu gehen, zwang ihn die Entente durch das Medium Denizelos, als seinen Nachfolger nicht den Chronerben, Georg, sondern seinen zweitgeborenen Sohn, Klexander zu bezeichnen. Dies geschah in der Absicht, zu verhindern, daß dem in der deutschen militärischen Schule ausgewachsenen Dater, der in gleicher Weise soldatisch erzogene Sohn folge. So dachte man es sich wenigstens in London und Paris. Aber es steckte etwas innerpolitisch=griechisches dahinter, das der alte Juchs sich ausgedacht hatte. llämlich der § 45 der griechischen Verfassung, der besagt, daß. wenn ein anderer als der Chronerbe König werden soll, die Kammer mit Sweidrittelmehrheit ihre Zustimmung geben muß. So geschah es und Denizelos rief den König Klexander als einen durch die Dolksvertretung Neuerwählten, der auch mit der bisherigen Erbmonarchie nichts zu tun habe. Aber Denizélos hat die Rechnung ohne den wahren Sinn des Verfassungsrechts und ohne den Willen des Dolkes gemacht. In Wahrheit hat König Constantin gar nicht abgedankt. Mit keinem Wort hat er dies in seiner Droklamation gesagt. Es ist verfassungsrechtlich nichts geschehen, was zu der Aunahme berechtigt,Konstantin habe seinen Chron verloren. Wenn es jetzt zum Umschwung der politischen Derhältnisse in Athen kommt, kann Konstantin als König auftreten und vom Chron Besitz ergreifen. Er kann aber auch für seine Person verzichten, worauf Kronprinz Georg, der sich am 13. Oktober mit Prinzessin Elisabeth von Rumänien in Sinaia vermählt hat, ohne weiteres nach Recht und Gesetz König von Griechenland wird. CU Paris, 21. Gkt. Die Reise Professors Oelbot auf Ersuchen von Prosessor Widal im Extrazug von Paris nach Kthen veranlaßt die Blätter, der Chronfolge in Griechenland erhöhtes Interesse zu widmen.— Drinz Paul weilt in Jürich bei seinem Dater, doch dürfte der ehemalige König nur unter gewissen Bedingungen seine Einwilligung zur Nachfolge seines 2. Sohnes geben.„Exzelsior“ meldet, daß Exkönig Konstantin nach Rthen zurückkehren werde, um den Chron wieder zu besteigen. An eine Randidatur des Drinzen Uarl, des zweiten Sohnes des Königs Albert von Belgien, soll man in keinem Falle denken. Alerander v. Griechenland vervendel Becben. Zie Sürfen nlat an fremde* 9 wergund er de u 444c, v.4. CäAn##rhanft ader überlasfen morhen: aus * 11) 4 TU Athen, 21. Gkt. Der Sustand des Königs ist unverändert und muß, obgleich eine leichte Besserung eingetreten ist, immer noch als kritisch bezeichnet werden. —00 dem Bürgerkrieg in Stalien. Wie die Neue Korrespondenz aus Mailand meldet, sollen sich Nitti und die Deputierten Modigliani und Ciolti verbunden haben, um den Abgang des Kabinetts Giolitti zu erzwingen. Don der anderen Seite wird der Rgentur gemeldet, daß Orlando beabsichtige, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit die Mach: an sich zu reißen. Die Regierung will alle öffentlichen Versammlungen verbieten, um weitere Unruhen zu verhindern. Sie hat die weitere Verstärkung der neuen Sicherheitswehr beschlossen, In Bologna wird die Lage täglich ernster. Eine andere Meldung aus Mailand besagt ebenfalls, daß der Bürgerkrieg droht, wenn die Regierung nicht eine starke Hand zeige. In politischen Kreisen wird der Sturz Giolittis vorhergesagt. Der Wahnsinn als Methode. „Ist es gleich Wahnsinn, hat es doch Methode“ dies Wort paßt wie kein anderes auf die Rbsichten der Entente, hinter denen leider Gottes in erster Linie wieder Absichten der Franzosen zu suchen sind, mit dem Plan der Serstörung der deutschen Dieselmotoren. In der deutschen Oeffentlichkeit ist es ein wenig stiller geworden, seitdem man erfahren hat, daß die Jerstörung der Motoren durch die Entente=Kommission, die schon vorbereitet war, im letzten Augenblick noch inhibiert worden ist. Es wäre aber grundfalsch und gefährlich, wenn man jetzt glaubte, daß die Gefahr schon gebannt sei. Die Weltenrichter in Daris, die den Friedensvertrag gemacht haben und die sich auch als die allein befugten Ausdeuter ausdrücklich anerkannt haben, wollen nun die Angelegenheit noch einmal erörtern, um danach ihre Entscheidung zu treffen. Das ist der Welt nachgerade bekannt geworden, das sollte man vor allem aber auch in Deutschland wissen. Um so wichtiger ist es, daß wir unser Recht noch einmal mit aller Deutlichkeit aussprechen. Die Ententekommission beruft sich auf den Artikel 189 des Friedensvertrages, der wörtlich heißt:„Alle Gegenstände, Maschinen und Materialien, die beim Abbau der Leutschen Kriegsschiffe aller Art, seien es Ueberwasserschiffe oder U=Boote gewonnen werden, dür= sen nur für rein industrielle oder Handelszwecke Lander verkauft ober uberlassen werrrn. Aus diesem Artikel gehr aber ganz klar hervor, daß es sich erst einmal überhaupt nur um die beim Ab bau gewonnenen Motoren handelt, die irgendwelchen Beschränkungen unterliegen. Die später angefertigten oder die vorher bereits umgearbeiteten Motoren können für eine solche Jerstörung über haupt nicht in Frege kommen. Aber auch die in Frage kommenden Motoren dürfen nich: zeistört werden, kenn die Verwertung zu anderen irdu striellen Zwecken ist ausdrücklich zugestanden. In keinem Krtikel des Friedensvertraees ist ron einer Jerstörung überhaupt die Rede. Die Unterredung, die Geheimrat Deutsch von der K.=E.= Gesellschaft kürzlich dem Vertreter der„Neuen Jürcher Seitung" in Berlin gewährte, kennzeichnet die Gefährlichkeit der Lage, denn der vendienstvolle Leiter dieses Werkes, das mit eines der größten industriellen Werke in Deutschland ist, sagle, daß. wenn der Artikel 189 so ausgelegt werden soll. wie die Ententekommission es versucht, dann dürfe von morgen an die deutsche Industrie überhaupt nicht mehr arbeiten, denn es gebe tatsächlich keinen Gegenstand, der nicht in ein Kriegeschiff eingebaut werden könnte. Es ist also durchaus notwendig, daß wir uns darüber klar werden, daß aufgeschoben noch nicht aufgehoben heißt. lotwendig ist es aber auch, daß die Regierung die Gefahr der augenblicklichen Situation klar erkennt, daß sie unbeirrt auf ihrem völlig eindeutigen Rechtsstandpunkt beharrt und diesen mit aller Schärfe und Energie und allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln bis auf das letzte verteidigt. —00000 Der christlich-soziale Wahlsieg in Deutsch-Oesterreich. Das Gesamtergebnis der Wahlen zur Nationalversammlung in Deutsch-Gesterreich liegt jetzt vor. Danach hoben die Christlich=Sozialen 78 Mandate (Junahme 15), die Sozialdemokraten 63(Abnahme 5), die Großocutschen und die Freiheitliche Bauernpartei zusammen(6 weniger), die bürgerliche Arbeiterpartei wie im Dorjahre 1. Die Sionisten und Cschechen sind in der neuen Nationalversammlung nicht vertreien. Zu diesen Mandaten kommen noch 15, die nach den Reststimmen verteilt werden. Die Wahlbeteiligung war in Wien sast ebenso stark wie 1919, rund 80 Prozent, in den Ländern gegenüber 1919 bei allen Parteien erheblich geringer. In dem Wahlergebnis spricht sich deutlich das Abschwellen der sozialistischen Flut von 1919 aus, das auch durch den Rückgang der sozialistischen Stimmen um rund 90000 scharf in die Erscheinung tritt. Die christlich=soziale„Reichspost" bemerkt zu dem Wahlausfall: Die Dorherrschaft der Sozialdemokraten in Parlament und Regierung ist vorbei. Die„Neue Freie Dresse“ schreibt: Eines ist aus der Wahl zu ersehen: Die Mehrheit des Dolkes in Oesterreich ist für die Aufrechterhaltung des Privateigentums, gegen radikale Experimente und gegen den kommunistischen Umsturz. Die sozialdemokratische„Arbeiterzeitung" sucht sich mit dem ungünstigen Ausgang der Wahl abzufinden, so gut es geht, und schreibt: Die Sozialdemokratie hatte diesmal unter besonders ungünstigen Bedingungen zu kämpfen und trotzdem ihre Stellung leidlich behauptet. Das Blatt kündigt den Christlich=Sozialen kompf bis aufs Messer an und erklärt: Don uns Sozialdemokraten haben sie nur den unbeugsamen ksampf zu gewärtigen und; die Episode ihres Sieges wird darunter ein rasches Ende finden. Aus den Previnzen. * hagen, 21. Oht.(Seinerk eigenen Bruder er. schlagen.) Festgenommen wurde der Ardeiter Otto Lehre von hier wegen Körperverletzung nu# tödlichem Ausgang. Er hatte am Otenstag seiner Wohnung mit seinem Bruder einen wechsel, wobei er ihn so schwer verletzte, daß### kurz darauf starb. * Menden, 21. Gkt.(Der Mörder) des besitzers Schulte=Cillmann ist in Quisburg festae. nommen worden. Es handelt sich um den früheauf dem Gut beschäftigt gewesenen Knecht ka# Ulink. Der Vorhaftete hat bereits ein Geständnte abgelegt. Es ist noch nicht bekannt gevorden, was den entmenschten Burschen zu der grauenhaften Tor veranlaßt hat. * Bochum, 21. Okt.(Derurteilte Venrolschieber. Das Wuchergericht verurteilte den Bergmann rich horstmann aus Gelsenkirchen, den Schlosser Wilhelm Derse und den Maschinisten Ludwig Habermehl aus Wattenscheid, die mit hilfe gefälschter Urkunden einen Waggon mit 15000 Kilogr. Benzol aus dem Anschlußgeleise der Seche hollan ins Sauerland verschoben hatten, zu je zwei Jahren Gefänguis. * B o c h u m, 2 1. O k t.( S p i t z b e r g e n= S c h w i n d e l. Das Verlangen vieler Bergleute, an der nächst jährigen Spitzbergen=Expedition teilzunehmen, dar ein Schwindler, der sich Ernst Dickert nannte, mir Erfolg für seine unlauteren Zwecke auszunutzen verstanden. Der Gauner warb in Eickel mehrerhundert Bergleute für die Expedition an, ließ sich je 100 Mark für einen„Grenzpaß" zahlen und verduftete. Die man dem„Bochumer Anzeiger“ schreibt, hat er sich nach der Waterkante gewandt. * Hamborn, 21. Okt.(Auflösung des Hamdor ner Arbeiterrats.) Durch Verfügung des Regierungspräsidenten in Düsseldorf wurde der hier noch bestehende Arbeiterrat aufgelöst und gleichzeitig angeordnet, daß vom 18. ds. Ults. ab zu seiner Besoldung keine städtischen Uittel mehr zur Verfügung zu stellen und die von ihm benutzten Bürvräume im Rathause zu entziehen sind. * Quisburg, 21. Okt.(Vergiftungen.) In der Woche vom 10. bis 16. Oktober sind in Quisburg 72 Fälle von Cyphuserkrankungen vorgekommen. Bei 70 dieser Fälle handelt es sich um Infektion durch den Genuß verdorbenen Oferdefleisches. das einer hiesigen Schlächterei entstammt. * Barmen, 21. Okt.(Cod durch Alkoholvergiftung.) Am Ulontag morgen wurde ein in der Wichlinghauserstraße wohnender Arbeiter in seinem Bett tot aufgefunden. Als Lodesursache warde Klkoholvergiftung festgestellt. * Opladen, 21. Okt.(Mord.) Kuf einem hiesigen Gute wurde die Schwägerin des Gutspächters von einem früheren gefangenen Russen, der längere Seit auf dem Gute beschäftigt gewesen war, ermordet. Der Cäter hatte vorher ein Derhältnis mit der Ermordeten, die dieses löste, als er von dem Gute fortging. Der Russe stellte dem Mädchen aber nach, schlich sich gestern früh in die Wohnung und schnitt ihr den hals durch. Ex wurde, als er durch das Fenster flüchten wollte, festgenommen. Lorch a. Rh., 21. Okt.(Fuhrwerk in der Rhein gestürzt.) Während der Fahrt auf einen hohen steilen Weinberg scheute das Pferd eines Wagens vor einem Juge und stürzte mit den Wagen und sieben Winzerinnen über eine hotze Böschung hinab in den Khein. Don den Frauen wurden sechs schwer verletzt. Eine der Verunglüchten starb, zwei andere schweben in Lebensgefahr. Dornenwege. Koman von C. Dressel. (Nachdruck verboten.) „Kommt drauf an, meinte Bena seinftgesäuig. „Ich bin nicht auf den Kopf gefallen, beeinflusse die Menschen ziemlich leicht und, kann dann, wenn ich will, auch liebenswürdig sein. Bisher lohnte sich's nur nicht, und da gesiel ich mir besser als beauté de diable. Uebrigens ist ja Tante Dina auch keine sanfte Taube und deshalb finden sich einsere Geister auf dem Gebiete des Sarkasmus, den ich mit ihrem ersreulichen Talent kultiviere, immer noch am ehesten zusammen. Sag mal," fragte sie darauf in ihrer sprunghaften Lebhafigkeit,„Tein Bruder Eberhald ist wohl bis über die Ohren verliebt?" „In Dich?“ neckte Marion. *„Unsinn, dann fragle ich nicht. Also?“ „Davon weiß ich nichts, Bella. So was erzahlt mir Eberhard nicht. Ueberhaupt so ein junger Leutnant, eben dreiundzwanzig, der denkt doch nicht ernsthaft an Liebesdinge. Wie kommst Du darauf?" „Weil er gegen mich bis zur Möglichkeit ungezogen war. Tante schickte uns nämlich heute morgen in die große Akademische. Ich mache mir nicht viel aus Bildern, tat ihr aber den Gefallen, mit Eberhard loszugondeln. Na, und gelangweilt habe ich mich in seiner werten Gesellschaft, beinahe wie vor unseren stummen Bergriesen. Ein ledernerer Leutnant hat noch nicht im bunten Rocke gesteckt.“ „Sonderbar, Eberhard ist doch sonst in so munterer, schneidiger Mensch.“ („Habe nichts davon gemerkt. Einfach angeödet hat er mich. Fachsimpelte da wie ein Museumsdirektor, dabei liegt ihm die Kunstschwärmerei gar nicht, na, und nich kann man erst recht damit jagen. Tabei hat er mich runtergeputzt, unglaublich, sage ich Dir. Mein Himmel, es ist mir herzlich egal; wie die Malvöller heißen und worin sie exzellieren, und er warf mir Namen und Schlagwörter, wie: Freilichterei, Impressionismus, Prärassaeliten, Sezessionisten usw. nur so an den Kopf, daß mir ganz verdreht wurde.“ * U m n u n n i c h t a l s d u m m e s P r o v i n z m ä d e l neben ihm zu stehen, nahm ich denn auch mal den Mund voll und bewunderte aufs Geratewohl dies oder jenes Bild der zweitausend ausgestellten. Und was hatte er darauf? Ein wahres Hohngelächter. Da wurde ich erst recht rabiat und sand nun alles schön, was er scheußlich nannte, und umgekehrt. Ein heller Streit brach aus, aber da amüsierte ich mich schon besser bei, das brachte wenigstens etwas Leben unter uns. Ueber alle erlaubte Vetterschaft grob wurde er jedoch, als ich ein Bild, von dem er gar nicht los konnte, entsetzlich fad nannte. „Was war's denn?“ „Ein Kindergesicht in einem riesigen weißen Hut und dazu gegen einen Hermeliumuff gedrückt. Schneeflocke hieß das Bild. Ein Wunder, daß sie nicht unter Eberhards Flammenblicken zerfloß, die diese„köstliche Symphonie in weiß“, wie er sich ausdrückte, förmlich ansengten.“ „Ach, Du meinst den entzückenden Pastellkopf von Frida Urban.“ „Entzückend? Na, ich danke. Gerade so langstielig wie unsere einförmige endlose Schncelandschaft lam er mir vor. Ueberhaupt Kinder: ich mache mir nun mal nichts aus diesen unfertigen und dabei höchst anspruchsvollen Kleinheiten. Ein helles Licht ging mir trotzdem auf vor dem Bilde. Tein Bruder muß die Malerin persönlich kennen.“ „Freilich, lange schon. Frida Urban ist nicht nur ein großes Talent, sondern auch meine beste Freundin.“ „So vermutete ich richtig. Er liebt sie oder besser, sie lieben sich“, spöllelte. Ve# „Nein, das glaube ich nahl: Frida hat nichts im Kopf als ihre Malerei.“ „Deshalb kann ihr doch der hübsche Eberhard im Herzen sitzen.“ „Ein kleiner Apoll ist er, das muß mam ihm lassen. Na, meinetwegen. Ein Kunstschwärmer ist doch nicht mein Genre. Ich bin bloß neugierig, was Tante Dina zu seiner Geschmacksverirrung sagen wird.“ „Ich verstehe Tich wirklich nicht, Bella. Erstens habe ich nie ein Einverständnis zwischen jenen beiden bemerkt, und was Tante Dina damit zu schaffen hätte, ist mir vollends untlar.“ „Marion, spielst Tu, oder bist Tu im Ernst die Naive?“ hohnlächelte die schlaue Landcousine. „Nun, denn, wart's ab, die Zeit wird Dich bald genug aufklären. Mich selber interessiert die Weiterentwickelung des Tramas nunmehr in der Weise, wie der unbeteiligte Zuschauer ein Schauspiel betrachtet. A propos, Du selber hast einen noblereu Geschmack. Welch ein stattlicher Mann ist Tein Verlobter, und welche angesehene Stellung er Dir zu bieten hat.“ „Er ist auch mein Stolz, mein Glück.“ Marion sagte es mit jener lodernden Ueberschwenglichkeit, welche immer die erste Liebe kennzeichnet. „Ihr heiratek bald?“ 432.4 F„Wir hofsen es.“ 329 Bella blickte nachdenklich vor sich nieder. „Tante Dina hat vermutlich auch eine Hand an Eurem Schicksalsrade,“ sagte sie dann. „Eine gnädige," bestätigte hier Westerot heiter, der, gerade in den Salon zurückkehrend, noch Vellas Frage vernommen. Er sah äußerst befriedigt aus, als er nun neben seiner Braut Platz nehmend zu dieser gewandt, leiser hinzusügre:„Die Tante meint es in der Tat sehr gut mit Dir,— mit uns,“ verbesserte er sich unter einem vielsagenden Lächeln. „Ja?“ sagte Marion unsicher. * Sie konnte sich nicht helfen, der Gedanks, ihre Heirat hänge zum großen Teil von den guten Willen der Tante ab, hatte nun einm elwas Bedrückendes für sie. Westerot, der Marions Zurückhaltung durch die Gegenwart der Cousinc bedingt sah, verlo## daher seine gute Laune nicht und scherzte jetzt: „Nun hat Eberhard Audienz bei Serenissina. Sobald sie seine Stimme im Vorzimmer hörtr, entließ sie mich gnädigst und befahl ihn hinein. Da sie ausgezeichneter Stimmung war, wird es sich vermutlich um eine besonders freudige Ueberraschung für ihn handeln.“ „Sofern er sie ihr nicht mit einem kunstsinnigen Vortrag über die ausgezeichnete Malerin, Frida Urban, verdirbt und sie ebenso ennuyiert wie mich heut Vormittag,“ warf Bella trocken dazwischen.„ Marion erzahlte darauf Bellas versehlten Nustellungsbesuch und Eberhards wenig gewürdigte Mühen als Cicerone, eine Episode, die sie ganz von der heiteren Seite nahm, ein so undurchdringliches Sphynrgesicht Bella auch jetzt dabei machte. Damit war aber die Unterhaltung in allgemeinere Bahnen gelenkt. Bella kam wieder mehr aus sich heraus und da sie die Gabe sprudelnden Humors besaß, wurde die Stimmung immer ungezwungener. Allerdings konnte sie etz nicht lassen, ab und zu in die harmlose-Fröhlichkeit ihre beißende Sarkasmen wie ein Sprenggeschoß zu werfen. In solchen Momenten nahm ihr hageres Gesicht eine frivole Schärse an, die erkältend, selbst abstoßend wirkte und die Vorsicht nahe legte, sich vor ihr in acht zu nehmen. Man ahnte, daß sie als ernstliche Gegnerin nicht zu unterschätzen sei, trotz ihrer äußerlich so nubedeutenden Persönlichkeit. Forisetzung fo###. 25 *