OANVUF Die„Schwerter Zeitung“ erscheint, läglich auher Feiertags. Bezugspreis monaklich 6.Mu., bei der Post 6.— Mb., ohne Begellgeld. Anzeigenpreise: 1 mm hohe. 35 mmn breite Jeite 35 Pfg. Wohnungs= und Stellengesuche 30 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Nachlaß II. Taris. Jeder Rabatt gilt als Kassenendatt und erlischt bei Konkursen. Zwanz svergleichen. gerichtlichen Klagen u. NichtJeachten der gemachten Jablungsbedingungen. Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung Schwerter Oolksblatt Oesthofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. holzwickecker Zeitung 6 Erstes und ältestes Togesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Avonnenten für jeden mit Tod endenden Unfall gemäß drn Se. 300 Mark Anfall. blggugen Druch u. Ver.ag u. Carl Braus, Schwerte(Ruhr) — 4 Fernsprecher 62. Telegramm=Adresse: Braus, Schwerte(Ruhr). Dostscheckhonto 2852 Cöln. Nr. 258. Samstag, den 9. Oktober 1920. 55. Jahrgang. Das deutsche Blut. „Blut ist ein ganz besonderer Saft!" Dieser satz bewährt sich jetzt in der trüben Seit, die dem Deutschtum in der ganzen Welt beschieden ist. Die Jahl derjenigen, die zur Gewinnung von materiellen Interessen bereit waren, ihr Daterland und deutsche firt zu verraten, war so gering, daß die Creue der Millionen von Gutgesinnten um so glänzender sich hervorhebt. An Lockungen, Drohungen und Gewaltmitteln hat es wahrlich nicht gefehlt, aber wie steter Druck den Stein höhlt, so ist auch die Entschiedenheit, mit der für die deutsche Stammesgemeinschaft eingetreten wird, nur noch bestimmter geworden. Und am stärksten dort, wo die Uot am größten ist, an unseren Grenzen. Und darüber hinaus, ganz besonders in Deutsch-Oesterreich. Wir sehen das, und wir dürfen die Gewißheit hegen, daß diese Anhänglichkeit zum armen, gedrückten und getretenen Deutschtum siegreich triamphieren wird über alle Phantasien und Illusionen von internationalem Jusammenschluß. Das volksempfinden ist eine der wenigen idealen Blüten, die der Weltkrieg nicht hat zerstören können, und die auch unter dem Oesthauch des Schiebertums nicht verwelken wird. Sie wird schließlich auch die Unmoralität, diese Ducherpflanze, überwinden. Die Millionenzahl, welche das Deutschtum darstellt, wird trotz des jähen kliederganges der deutschen Größe gefürchtet. Wir Deutsche selbst halten das kaum für möglich, da wir wehrlos gemacht sind bis zum äußersten, aber in Daris wird das imner wieder ausgesprochen. Marschall Foch, der „Sieger", erklärt immer wieder, Frankreich könne nur dann wirklich ruhig schlafen, wenn die Kheingrenze in seinen Händen sei. Und andere Stimmen von der Seine fügen erklärend hinzu, Deutschland sei zwar heute schwach, aber niemand könne dafür bürgen, daß sich die Millionen Deutscher nicht einmal in der Gesinnung zusammenfinden würden, die Niederlage von 1918 wieder gut zu machen. Die Franzosen halten also allen deutschen Parteihader nur für ein Intermezzo, aus dem sich eines Cages die echte und wahre nationale Kraft wieder erheben wird. Die Deutschen im Osten sträubten sich gegen die Dolen, die gegen unsere Landsleute am rücksichtslosesten verfahren. Die Deutschen wehren sich gegen Litauer, Dänen und Belgier, so oft auch immer wieder versucht wird, ihnen die Schlinge der sremdartigkeit über den hals zu werfen. Sie leisten den zähesten Widerstand gegen die Franzosen im Saargebiet und lehnen das Eingehen auf die Pariser Cendenzen im okkupierten Rheingebiet. mit allem Nachdruck ab. Der Rheinländer hat eine heitere Art, es ist von dort her früher manches Vort gegen das starre und historische Dreußentum gefallen, aber wenn es sich darum handelt, ob Deutsch oder Verkappt=Französisch, dann tut sich doch eine Kluft auf, die heute nicht mehr überschritten werden kann. In Daris denkt man an die Seiten des Kheinbundes und der Frangosenherrschaft am Rhein unter llapoleon, aber sie haben damals nicht zu ergründen sich bemüht, wie viele Deutsche, die gezwungen unter den napoleonischen Fahnen stehen mußten, nun wirklich sich als Franzosen gefühlt haben. Denen ist die Besinnung gekommen, als sie von einem Kriegsschauplatz auf den anderen ziehen mußten, und das Elend zu Hause fahen. Und erst recht war das bei den Süddeutschen der Fall. Wenn die Franzosen die Gedanken an die Seit vor hundert Jahren zu wecken sich bemühen, so wird damit auch die deutsche Erinnerung an die Erzählungen unserer Doreltern aus dieser Leidenszeit wach. Darum muß auch der Erfolg aller Bestrebungen ausbleiben, die Westdeutschen und Süddeutschen ihrem großen Heimatland zu entfremden. Er bleibt auch aus in Deutsch=Oesterreich, uml das sich die Franzosen zur Erlangung der politischen Dornrundschaft bemühen, während die Italiener in dem ihnen zugefallenen Süd=Cirol die dortigen Deutschen verwelschen wollen. Die Deutschen dort, wie auch im früheren Ungarn und erst recht in Böhmen und in Kärnten und Krain haben alle ihr deutsches herz entdeckt, und ihre Gedanken wandern aus der zerschlagenen ehemaligen habsburgischen Doppelmonarchie ins Deutsche Reich. Auch die Deutschen in Uebersee fühlen sich heute der alten Heimat wieder stark verbunden. Wir sind bös zur Ader gelassen, aber verblutet sind wir nicht. Das deutsche Blut ist eine Uacht geblieben über Flüsse, Gebirge und Ueere hinweg. Deutschland und Frankreich. Die Anwesenheit des französischen Botschafters in Berlin, Laurent, gibt einer Reihe von Blättern Anlaß zu allerlei Vermutungen über den Jweck, den Laurent verfolgt. Im„Eclair" wurde von offiziöser Seite versichert, daß im Laufe der Besprechungen zwischen Laurent und Simons nichts Bestimmtes verabredet wurde. Kußerdem wurde im „Eclair" bedauert, daß die Deutschen dasjenige bewußt aufbauschen, was im Laufe dieser Unterredungen gesagt wurde. Crotz dieser offiziellen Erklärung ist der„Eclair“ geneigt, zwischen der Reise Laurents und dem Besuch Dr. Ulayers bei Leygnes einen Jusammenhang zu finden. Er fragt, ob die französtsche Regierung eine neue Dolitik gegenüber Deutschland in Aussicht nehme. Aus der offiziellen Mitteilung geht weiter hervor, daß Laurent keinerlei bestimmte Dorschläge der deutschen Regierung wegen des deutschen Entschädigungsproblems nach Paris überbrachte. Der„Cemps“ behauptet, daß wenigstens gegenwärtig keine Rede von Verhandlungen wegen der Regelung der Entschädigungsfrage sein könne. Es handle sich nur um die Beschaffenheit und die Mängel jener Produkte, die zwischen Deutschland und Frankreich ausgetauscht werden können. Hierzu kann mitgeteilt werden, daß der wahre Sachverhalt sich etwa folgendermaßen darstellt: Bestimmte schriftlich formulierte Dorschläge, wie die deutsche Regierung sich die Lösung der Entschädigungsfrage denkt, brachte Laurent zweifellos nicht nach Paris, aber die Susicherung scheint er erhalten zu haben, daß Deutschland dem Wunsche Frankreichs, das Entschädigungsproblem zunächst unter vier Augen zwischen Frankreich und Deutschland zu erörtern, keinen grundsätzlichen Widerspruch entgegensetzen würde. Bei diesen Besprechungen wird es sich natürlich nicht um feste Abmachungen handeln, sondern mehr um ein Sondieren des Cerrains. Indem die deutsche Regierung unverbindlichen Vorbesprechungen mit der französtschen Regierung in der Entschädigungsfrage zustimme, beweise sie ihre redliche Absicht, nichts unversucht zu lassen, um mit Frankreich zu einem Einvernehmen zu gelangen. Indem sie aber auf den Jusammentritt der Genfer Konferenz beharrt, tut sie nichts anderes, als daß sie die Verwirklichung eines ihr gegebenen Versprechens anstrebt, welches zu hintertreiben für Frankreich jetzt um so wendger Anlaß bestehen kann, als Deuschland seine Nachgiebigkeit soweit bewiesen habe, daß es vorerst einen privaten Gedankenaustausch mit Frankreich in der Entschädtgungsfrage pflegen will. Die deutschen Vorschläge in Paris. Eine Reihe Pariser Seitungen beschäftigt sich mit dem Gedankenaustausch zwischen Frankreich und Deutschland in der Entschädigungsfrage. Das sei eines der direkten Ergebnisse der Brüsseler Konferenz. Die Verhandlungen seien in den Wandelgängen der Brüsseler Kammer zwischen deutschen und französischen Sachverständigen eingeleitet worden. hieraus schöpfte herr von Bergmann den Mut, seine Vorschläge an maßgebender Stelle in Paris zu unterbreiten. Diese direkten Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich bedeuten keinen Bruch Frankreichs mit der Entente. sondern nur diejenigen Jahlungen, die Deutschland an Frankreich zu leisten hätte, z. B. die Lieferung von Eisenerzen. Die Grundlage des deutschen Projektes bestehe darin, die Entschädigung in Form von Leistungen und Fertigwaren zu vollziehen. Die Rohmaterialien sollten Deutschland geliefert werden, und die Lieferanten würden daran das Eigentumsrecht behalten bis nach Fertigstellung und Versand der Waren. An dem lutzen würde der französische Staatsschatz seinen Anteil haben. Der lutzen würde für das Wiedergutmachungskonto gebucht werden. Die Entscheidung müßte rasch getroffen werden, und die Diedergutmachungskommission arbeite dafür zu langsam. 0 Neuerungen im Oktober Die kriegswirtschaftlichen Vorschriften auf dem Gebiete der öffentlichen Fleischversorgung traten mit dem 1. Oktober außer Kraft; mit dem gleichen Cage wurde auch die Verordnung über die Genehmigung von Ersatzmitteln aufgehoben. Eine neue Verordnung über die weitere Verlängerung des haferbestandes trat am 1. Oktober in Wirksamkeit. Im Oktober findet eine Enteschätzung für Spätkartoffeln statt. Mit dem 1. Oktober begann die Frist zur Abgabe der zweiten Luxussteuererklärung für die Seit vom 1. Juli bis 30. September ds. Jahres. Die Frist zur Anmeldung deutscher Forderungen aus Versicherungsverträgen beim Reichsausgleichsamt läuft am 15. Oktober ab. Die gesetzlichen Bestimmungen über die Lohnpfändungen der Angestellten und Arbeiter erfuhren mit dem 1. Oktober eine Rbänderung. Ulit dem 1. Oktober begann die Wirkung des Gesetzes über die öffentliche Krüppelfürsorge. Der Gesamtbestand der Reichswehr wurde mit dem 1. Oktober auf 150 000 Uann herabgemindert: mit dem gleichen Cage ging die Ulilitärgerichtsbarkeit auf die bürgerlichen Gerichte über und begann für alle angehörigen der Reichswehr ein zivilberuflicher Unterricht. Die Fernsprechkaution wurde am 1. Oktober fällig. Für verloren gegangene Dostpakete trat mit dem 1. Oktober ein neues Ersatzleistungsverfahren ein; Fensterbriefumschläge mit eingeklebtem Fenster sind versuchsweise zugelassen. Der Winterfahrplan der deutschen Eisenbahnen beginnt am 24. Oktober. Mit holland und Cschecho=Slawakien erfolgte am 1. Oktober eine lleuregelung der Gütertarife. Der Deutsche Reichstag tritt am 19. und der Reichsschulausschuß Ende Oktober zusammen. Aus Stadt und Land. ** Schwerte, 9. Oktober 1920. **(Die neue preußische Polizei.) Die Neuregelung für die Sicherheitspolizei sieht für Westfalen eine Besatzung von 5110 Mann vor: Münster 1040, Recklinghausen 200, Buer 200, Paderborn 120, Bielefeld 200, Soest 580, Hagen 570, Bochum 570, Dortmund 1000 Mann. Als Kufgaben sind der neuen Polizei zugewiesen: Schutz des Staates und des Gemeinwesens, der Oersonen, des Eigentums. Verhütung von strafbaren Handlungen, Erhaltung der öffentlichen Sicherheit bei Versammlungen, öffentlichen Aufzügen, sowie bei Gelegenheit des Zusammenströmens größerer Ulenschenmengen, Erhaltung der Ordnung. Ruhe und Reinlichkeit, Schutz der öffentlichen Anlagen. Ferner kommt in Frage Fürsorge für Hilfsbedürftige, äußere Einhaltung der Sonn= und Feiertage, Bahnhofsdienst, Gefangenentransportwesen, Uitwirkung auf dem Gebiete der Wirtschaftspolizei. *(Das neue Reichshöchstmietengesetz) soll beschleunigt fertiggestellt werden, da beabsichtigt wird, die Ueuregelung bereits mit dem 1. April 1921 in Kraft für das ganze Reichsgebiet treten zu lassen. Der Entwurf sieht vor Grundmiete, Betriebskostenbeitrag, Instandsetzungsbeitrag. Unter den Betriebskostenbeitrag fallen Kohlen, Wasser, Müllabfuhr, Versicherungsspesen. Die Grundmiete soll zur Deckung der Zinsen der am 1. Juli 1914 eingetragen gewesenen Hypotheken dienen und des eigenen hausbesitzerkapitals. Das eigene Kapital wird mit 1 Drozent über der letzten eingetragenen Hypothek verzinst. Die Instandsetzungskosten sind alle Kosten für haus= und Wohnungsreparaturen. . Die Mieterausschüsse erhalten Kontrollrecht. Durch den Entwurf sind alle laufenden Verträge einer Revision zu unterziehen. Der Entwurf hat die Cendenz, die Vermieter zu entlasten und die Mieter zur Sparsamkeit anzuhalten. Jweifelhaft bleibt aber, ob der vorliegende Entwurf überhaupt praktisch ausführbar ist, denn er kann nur allgemeine Richtlinien geben und vermehrt die Streitigkeiten zwischen Vermieter und Uieter um das Dielfache. *(Die Aussichten der deutschen Suckerrübenernte) faßt das Statistische Büro von J. O. Licht dahin zusammen, daß sich besonders im Südosten der Provinz Sachsen sowie in Ceilen von Dommern und Mecklenburg Enttäuschungen Lemerkbar machen. Gute Erträge werden aus den westlichen Gebieten sowie aus Schlesien gemeldet. Im Durchschnitt erschelnt die Annahme einer Rübenernte von 140 bis 150 Millionen Jentner berechtigt, so daß die Möglichkeit einer Suckererzeugung von 22 Uillionen Jentner besteht. Bedingung ist dabei allerdings, daß alle geernteten Rüben restlos auf Sucher verarbeitet werden. **(Keine Iwangsanleihe in Vorberettung.) Die aus dem Reichsftnanzministerium mitgeteilt wird, sind die Nachrichten von neuen großen Steuerreformplänen, an denen das Reichssinanzministerium arbeiten soll, unrichtig. Der Reichsfinanzminister plant vielmehr, einstweilen nur eine beschleunigte Eintreibung des Reichsnotopfers und der Vermögenszuwachssteuer durchzuführen und durch äußerste Sparsamkeit die Ausgaben des Reichstages zu verringern. *(Die freiwillige Jeuerwehr) hält morgen (Sonntag) nachmittag, 3 Uhr beginnend, ihre Schlußübung ab. Uit derselben ist eine Ehrung der Vereinsjubilare durch die Vertreter der Stadt verbunden. **(Die Schulkinder im Cheater.) Gegen den verfrühten Cheaterbesuch der Schulkinder wendet sich ein Bescheid des Uinisters für Dolksbildung an den Zweckverband einer Lehrerschaft. Zweckmäßiger als ein allgemeines Verbot erscheint dem Minister die Einwirkung auf die Kinder, Aufklärung in der Presse, Belehrung der Eltern bei Elternabenden und ähnliches. Daß man durch dergleichen Maßnahmen dem Uebel entgegenwirken kann, zeige das dankenswerte Vorgehen der Lehrerschaft des Verbandes. *(Die Lohnfrage im Kuhrbergbau.) Die Vertreter der vier Bergarbeiterorganisationen im Kuhrbergbau traten in Bochum zu einer Konferenz zusammen, in welcher eingehend die Lohnfrage, wie sie sich nach den Berliner Verhandlungen gestaltet hat, besprochen wurde. Es wurde nach eingehenden Verhandlungen an den Reichsarbeitsminister folgendes Celegramm gerichtet:„Konferenz der vier Bergarbeiterverbände erwartet im Hinblick auf die steigende Erregung in Bergarbeiterkreisen sofortige Regelung der Lohnfrage, Bedarfsartikel steigen andauernd im Preise. Lohnerhöhung muß sofort erfolgen. Die vier Bergarbeiterverbände."(Es ist ja allgemein bekannt, daß die Ceuerung nach wie vor weiterbesteht, aber wo bleiben die anderen Berufskategorien mit bedeutend niedrigeren Löhnen, abgesehen von den vielen Vergünstigungen in Bezug auf Kleidung, Lebensmittel, kohlen, welche die Bergleute diesen gegenüber genießen. Eine wesentliche Lohnerhöhung würde die Kohlenpreise noch höher schrauben und das muß unbedingt vermieden werden, da die Kohlen für die minderbemittelten Kreise jetzt schon nicht mehr zu erschwingen sind. Schriftl.) *e(Kohrbruch.) An der hörderstraße entstand vorgestern in den Nachmittagsstunden in der Nähe der Besitzung des herrn Bruch ein Kohrbruch, in dem ein Kohr der Dortmunder hauptleitung von einem Meter lichter Weite platzte. Das Wasser drang in ungeheuerer Ulenge aus dem Boden, unterspülte die Gleise der Straßenbahn und ergoß sich in die Wiesen an der Ecke Damm= und hörderstraße, sie seeartig füllend. Der Straßenbahnverkehr mußte gestern bis zum Einsetzen eines neuen Kohres durch Umsteigen aufrecht erhalten werden.— Fast um dieselbe Seit wie in der hör berstraße platzte auch in der klähe der Villigster Oumpstation des Dortmunder Wasserwerks ein grodes Kohr. Das in starken Strömen herausquellende Wasser füllte die sogen. Jiegelwiese in kurzer Zeit. Die Stadt Dortmund war anderen Cages gegen 1! Uhr morgens infolge dieser Kohrbrüche ohne Wasser. Durch angestrengtes Arbeiten unter Hinzuziehung von hilfskräften war es der umsichtigen Leitung des großen Wertes möglich, die empfindlichen Störungen dieses wichtigen Wirtschaftsbetriebes recht bald zu beheben. **(Kuhrtaler=Konzert.) Wir machen auf das morgen nachmittag am Freischütz stattfindende Konzert auch an dieser Stelle nochmals besonders aufmerksam. Nicht nur die Freunde des Männergejanges, sondern auch die Verehrer einer guten Instrumental=Musik werden auf ihre Rechnung kommen, da die ganze Iserlohner Stadtkapelle(Streich= musik, 25 Musiker) für das Konzert verpflichtet ist. *(Im Silberkranz.) Am heutigen Cage können die am Südwall wohnenden Eheleute heinr. Brand und Frau, Wilhelmine geb. Loose, das Jest der silbernen hochzeit feiern. Wir sprechen dem Jubelpaar unsern besten Glückwunsch aus und hoffen gern, daß sich das jetzige Silber vereinst in Gold verwandelt. *(Aus dem Cheaterbüro.) Heute abend geht der mit so großem Erfolg ausgenommene Schwank „Kilometerfresser" zum letzten Mal in Szene. In den hauptrollen sind Rosl Hartmann, henny Weittmann, Dir. Gütschow, Dir. Weittmann, Sascha Amberger und Max Seibecke beschäftigt. Am Sonntag geht nochmals„Goldschmieds Cöchterlein“ über die Bretter. Dieses beliebte Werk dürfte wieder sehr große Anziehungskraft ausüben, so daß nur empfohlen werden kann, sich rechtzeitig mit Eintrittskarten zu versehen. *(Die Provinzial=Lebensversicherungsanstalt von Westfalen) zu Münster i. W., die bekanntlich mit der Landesbank der Provinz Westfalen verbunden ist, hatte im September 1920 einen Jugang von 250 Versicherungsanträgen mit einer Versicherungssumme von 2300000 Mark. Der Bestand der Anstalt, die erst im Januar 1915 errichtet worden ist, beläuft sich Ende September bereits auf 27752 Versicherungen mit einer Versicherungssumme von 66 150000 Mark. *( L i c h t s p i e l e„ J u m a l t e n R a t h a u s"). D a s heutige neue Programm bringt den ersten Ceil eines neuen großen Episodenfilms„Judex" zur Aufführung. alle, die den Film„Die Dampire" gesehen haben, dürfte es interessieren, daß in„Juder" dieselben Schauspieler die Hauptrollen inne haben; so der beliebte Fridolin Ueier mit seinem kleinen Gehilfen Fritzchen„der kleine Meier".— Außerdem enthält das Programm ein schönes Leibensbild in s Akten„So mögen die Karten entscheiden“ und ein reizendes Lustspiel. *(Ein Schwindler) treibt seit einiger Seit hier sein Unwesen. Verselbe verkauft Kohlenscheine von der Seche„Glückaufsegen", über 4 Kasten lautend, zum Preise von 200 Mark. Selbstredend werden die kohlen nie geliefert und die mit den schönen Scheinen Beglückten sind um eine Erfahrung reicher und um 200 Mark ärmer. Der Bursche nennt sich Langenbach und gibt an, aus Lichtendorf zu stammen; vor demselben sei hiermit gewarnt. verpflichten müssen, dafür ein Jahr in der Dienststelle zu bleiben. Nach 2 Monaten rückte die Maid jedoch heimlich aus. 30 Mark Geldstrafe wurden als ausreichende Sühne erachtet. Der Drahtwalzer Diedrich Schn. von hier hatte sich der Körperverletzung schuldig gemacht. In der Moltkestraße bekam er mit zwei Straßenpassanten Streit und schlug mit seinem Stock derart zu, daß der Stock zerbrach und einer der Angegriffenen sich in ärztlich Behandlung begeben mußte. Diese Roheit muß Scz. mit einer Geldstrafe von 200 M. büchen. Der Landwirtsch#stseleve 3., fruher im Dienste es Gutsbesitzers Comberg zu Ostberge, hatte ein Pferd desselben in roher Weise mißhandelt und war dieserhalb mit einem Strafbefehl in höhe von 20 Mark bestraft worden. Sein Einspruch hiergegen wurde verworfen. Die Eisenbahnarbeiter Daul E. von holzen und Gustav B. von hier waren beschuldigt, fünf Weidenkörbe von einem Eisenbahnwaggon entwendet zu haben. Ihre Argabe, sie hätten die Körbe nur zum Cransport von Kohlen benutzen wollen, konnte nicht widerlegt werden und mußte daher auf Freispruch erkannt werden. Weil sie in der Straßenbahn ohne Fahrschein angetroffen wurde, war gegen Frau heinr. Ul. von Berghofen Anklage wegen Fahrgeldhinterziehung erhoben worden. Ihre Angabe, der Schaffner sei nicht an sie herangetreten, trotzdem sie das Jahrgeld in der Hand gehalten hätte, wurde durch die Beweisaufnahme widerlegt. Urteil: 30 U. GeldBe Der Werkmeister heinrich 5r. von gier wurde wegen einfacher Körperverletzung in eine Geldstrafe von 40 Mark genommen. Die Arbeiter Heinrich J. und Karl Gr. wurden wegen Schleichhandel mit Mehl zu je 500 Mark Geldstrafe, außerdem Gr. zu 3 Cagen Gefängnis verurteilt. Das gehamsterte Mehl hatten sie hier an den Bürstenmacher I. in der Wilhelmstraße, das Dfund zu 6 Mark, verkaust. Letzterer hatte gegen einen Strafbefehl von 100 Mark. Einspruch erhoben, denselben jedoch in der Sitzung zurückgezogen. Die Eisenbahnschaffner Jos. J. und Jakob de B. hatten sich des Eisenbahndiebstahls schuldig gemacht. Beide hatten gemeinschaftlich einen Sack Amoniak aus einem plombierten Wagen entwendet, wurden aber dabei ertappt. Jeder erhielt zwei Wochen Gefängni: auto überfahren und so schwer verletzt, daß kurz darauf starb. * hagen, 8. Okt.(Großer Auftrag des belgischen Staates in Eisenbahnwaggons.) Die Waggonfabrik Killing u. Sohn hier hat kürzlich vom helgischen Staate einen Auftrag zur Lieferung von bundert Güterwagen, von denen die Hälfte mit Bremsen versehen sein muß, erhalten. 30 Wagen sind bereits nuch Belgien abgegangen. Um eine schleunige Fertigstellung herbeizuführen, wird für jeden Wagen, der vor der vereinbarten Lieferfrist zur Ablieferung kommt, eine Sondervergütung von 1000 Mark gezahlt. * Bottrap, 8. Okt.(Eine Unglückszeche) scheint die Seche Arenberg=Fortsetzung hier zu sein. Nicht weniger als 5 Bergleute sind in den letzten Cagen hier bei Ausübung ihrer Berufsarbeit zu Code gekommen. Der Schachtreparaturhauer Fühng wurde beim Einbauen eines neuen Korbes von einem ½ Jentner schweren Stein, der an 30 Meter höhe herabgestürzt war, erschlagen. Fast zu gleicher Seit fanden die Bergleute Breidenbach, Kupka und Dieper infolge angesammelter Sprenggase den Erstickungstod. Bald darauf geriet der Rutschmann Melitor in einen Sprengschuß und wurde tödlich verletzt. * Köln, 8. Okt.(Ducher.) Der Direktor des hotels„Kronprinz“ in Köln hatte zugelassen, daß einem dort logierenden Drokuristen=Ehepaar aus Barmen für Cee mit etwas Sucker und Büchsenmilch 9 Mark,, sowie für Oeffnung einer Konservenbüchse und Verleihen eines Cellers 5 Mark berechnet wurden. Das Kölner Duchergericht setzte 5000 Mark Geldstrafe fest. Die ganze Rheingegend, führte der Dräsident aus, müsse von dem, Odium, eine Duchergasse zu sein, freigemacht. werden. —00000 # wird seit über 25 jahren von Arzten and Zahnärzten empfohlen als eins der zuverlässigsten Mittel zur Pflege des Mundes und der Zähne. Probetuben versenden kosienfrei P. Beiersderi& Co., d.m.b.H. Hamburg 30. Der Fehlbetrag der Durch die Dresse geht die Nachricht, daß sich das Defizit der Reichseisenbahnverwaltung für das Etatsjahr 1920 auf 25 bis 25 Milliarden belaufe und für das Rechnungsjahr 1921 sogar die Höhe von 40 Milliarden Mark erreichen soll. Diese Angaben sind völlig unzutreffend. Nach den abgeschlossenen Statsarbeiten für 1920 beziffert sich der, Fehlbetrag der Reichseisenbahnverwaltung auf rund 14.4 Milliarden. hinzu tritt noch der Bedarf im Fabrraddiebstahl wurde dem Schlosser Carl M., außerordentlichen haushalt mit etwa 2 MilliarAus dem Flur der zurzeit in Haft, zur Last gelegt. Wirtschaft Kordeck hatte er ein Rad entwendet. In Westhofen wurde ihm jedoch das Rad schon von der Polizei abgenommen. Er wurde zu zwei Mlonaten Gefängnis verurteilt, von denen ein Monat auf die erlittene Untersuchungshaft angerechnet Burde. Eine weitere Sache wurde vertagt. —000 * Ergste, 9. Sept.(Die Ausgabe der Mahlscheine) für die Seit vom 17. Oktober bis 15. Degember findet auf dem hiesigen Amtsbüro wie folgt statt: Hennen: Montag, den 11. Oktober, nachm. 8 Uhr. Drüplingsen Dienstag, den 12. Gkt., vorm. 8 Uhr, Kalthof, Refflingsen und Leckingsen am gleichen Cage, nachm. 3 Uhr, Rheinen und Dilligst am 14. Okt., vorm. 8 Uhr, Ergste am gleichen Cage, machm. 2,30 Uhr und Berchum ebenfalls am 14. Oktober, nachm. 4 Uhr. Die Cermine sind genau innezuhalten. An fremde Personen wird kein Mahlschein verabfolgt. * Berchum, 8. Okt.(Diebstahl.) In der vorletzten Nacht wurde in das hiesige Pfarrhaus eingebrochen. Die Diebe, die wie bei früheren Eindrüchen einen hund mit sich führten, raubten silberne Geräte und Wäsche. Für die Ermittelung der Cäter wird eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. ** Aplerbeck, 9. Okt.(Dienstjubiläum.) Der Polizeiwachtmeister hartleif blickt heute auf eine 25jährige Dienstzeit in unserer Gemeinde zurück. Ala pflichtbewußter und gewissenhafter Beamter ers#eut er sich der allgemeinen Beliebtheit und konnte Kürzlich, allseitig beglückwünscht, das Fest der filbernen Hochzeit feiern. 0 Schöffengericht. Das Schöffengericht, welches gestern unter dem Vorsitz des Herrn Amtsgerichtsrat Dr. Alffers tagte, hatte ein reiches Arbeitspensum zu erledigen; es standen u. a. folgende Strafsachen zur Verhandlung: Das Dienstmädchen Auguste C., früher in holzen in Dienste des Eisenbahnossistenten Lissy, hatte in dic'er Eigenschaft eine größere Inzahl Wäschestücke sowie einen Schinken und ein Stück Speck entwendet hierfür wurde sie zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Unterschlagung wurde dem Dienstmädchen Luise v. aus Dortmund, früher bei der Wwe. Braß zu Rückshausen in Stellung, zur Last gelegt. Ueben ihrem Lohn hatte das Mädchen von der herrschaft mehrere Leildungsstücke erhalten, hatte sich aber Curnen und Sport. Fußball. Die erste Spielreihe der Meisterschafts= und Verbandsspiele findet morgen weitere Rbwickelung. Sportvergg. 1. Elf muß nach hagen zur 1. von Jahnhagen(Dergg. von Rasenspielverein und C.=D. Jahn), ein starker Gegner, dem die Dunkte schwer zu nehmen sein werden. Die 2. der Sportvgg. bekommt Besuch der 2. des D. f. B.-Arnsberg. Der Ausgang des Spiels(um 3.40 Uhr beginnend, Sz ielplatz hinter der Cöchterschule) ist offen. Auch das Spiel der 3. gegen die 3. von Arnsberg in Arnsberg läßt sich im Ausgang nicht mit einiger Wahrscheinlichkeit bestimmen.— Hennens 1. sucht die sympathische 1. des D. f. K.=Uenden in Ulenden auf. während die 2. Mannschaften umgekehrt spieien. Das Spiel der 2. ist auf 4 Uhr auf dem Sportplatze in Geisecke angesetzt. O. f. B.=Ulenden(der Javorit in der B=Klasse) verbürgt guten Sport und wird'n beiden Spielen kaum zu schlagen sein. In der C. Klasse steigt eins der voraussichtlich spannendsten Treffen, der Kampf der gleichwertigen guten Eegner Union 1.: Holzen 1. Wer wird Sieger in diesem bei der nahen Nachbarschaft der Vereine fast als„Lokalderby“ anzusprechenden Kampfe? Union hat den Dorteil des eigenen Platzes, was entscheidend mitsprechen könnte. Das Spiel findet um 3 Uhr auf dem Ebberge statt. Beide Mannschaften sind in Ferm, das bedeutet heißes Ringen um den Sieg, für den die scheinbar etwas vorgeschrittenere Westhofener Mannschaft ein kleines Uebergewicht mitbringt. In Langschede empfängt die 1. von Langschode um 3 Uhr die gleiche von Bösperde, die gegen die starke Platzmannschaft keine Aussichten hat.— In der O=Klasse gibt es folgende Begegnungen: Holzen 2.: Union 2. um 1 Uhr auf dem Ebberg: Crgste 2.: Westhofen 2. um 3 Uhr in Ergste; Bösverde 2.: Langschede 2. um 2½ Uhr in Bösperde. Ausgenommen das letzte Spiel, in dem der Platzverein Sieger bleiben dürfte, handelt es sich um offene Entscheidungen.— Ueben diesen Spielen der Erwachsenen sind nunmehr auch Jugend=Verbandsspiele angesetzt, wovon uns indessen Gegner, Plätze und Seiten bis zur Stunde nicht bekannt wurden. —00— Aus den Previnzen. * hörde, 8. Okt.(Kind überfahren.) Gestern morgen wurde das dreijährige Söhnchen einer Familie in der Benninghoferstraße von einem Bierden, so daß der Zuschußbedarf der Reichseisenbahnverwaltung für das Haushaltsjahr 1920 im ganzen etwa 16,5 Milliarden betragen wird. Für die Beurteilung des Finanzausschusses im Rechnungsjahr 1921 liegen zurzeit zahlenmäßige Feststellungen nicht vor. Es kann daher noch nicht gesagt werden, wie der Etat für dieses Jahr sich gestalten wird. Soviel steht aber fest, daß von einem Oefizit von 40 Milliarden überhaupt keine Rede sein kann. (Amtlich.) Eisenbahnunglück in Italien. WUB Denedig, 9. Okt. Nachts stieß auf der Brücke über die Lagune der Jug Denedig—Bologna auf den Schluß des nach Mailand bestimmten, wegen Bremsschadens aufgehaltenen Juges. Zwei Wagen dritter Klasse des Mailänder Juges und die Lokomotive, der Dackwagen und der Postwagen des nach Bologna bestimmten Suges wurden beschädigt, acht Cote und mehrere Derwundete, deren Jahl noch nicht festgestellt ist, sind zu beklagen. WaB Denedig, 10. Okt. Bei dem Eisenbahnunglück sind bisher 23 Cote festgestellt worden. Ulan fürchtet aber, daß diese Jahl noch steigen wird, da der Justand mehrerer Verletzter hoffnungslos ist. Der Jugverkehr ist wieder aufgenommen worden. Die Hasenarbeiter und die Arbeiter mehrerer Fabriken haben zum Seichen der Crauer die Grbeit eingestellt. —00000-— Zur Aartoffelpreisfestsetzung. CU Berlin, 10. Gkt. Zu der am Mittwoch erschienenen amtlichen Erklärung, daß die Regierung von einer Höchstpreisfestsetzung absehen wird, erfährt die Tel.=Union, daß sich die Vertreter der Landwirtschaft, der Verbraucher und des Handels bereits am Sonnabend über die einzuschlagenden Maßnahmen verständigen wollen, um noch bald zur Schaffung geeigneter Erundlagen für eine normale Entwickelung des Kartoffelmarktes zu kommen. 12 Eisenbahnwagen mit Munition beschlagnahmt. cU Halle, 1o. Gkt. Kuf dem Eüterbahnhof in Gera sind in den letzten Tagen insgesamt 12 volle Eisenbahnwagen mi: Munition, die für das Kusland bestimmt waren, beschlagnahmt worden. Das Reichsschatzministerium hat bestimmt, daß die Ladungen dem Entwaffnungskommissar für Thüringen zur Verfügung gestellt und der Einschmelzung zugeführt werden. von der Brüsseler Ronferenz. aU Brüssel, 10. Gkt. Gestern legte die 4. Kommission dem Präsidenten der Konferenz ihre schriftliche Denkschrift vor. Jum Iwecke der weiteren Ausarbeitung aller weiteren Ausführungsbestimmungen soll vom Völkerbundsrat eine Komnission von Iinanzleuten und Fachmännern ernannt werden. Zur Frage der Fertigwarenherstellungsgebiete schlägt die Kommission für das internationale Kreditwesen vor, eine Kommission damit zu beauftragen, einzelne Maßnahmen für die Verwirklichung dieser Arbeiten und Kredite in Vorschlag zu bringen. Eine neue Note Englands an Rußland aU London, 10. Gkt. Nach Reutermeldungen wird allem Anschein nach die englische Regierung eine neue Uote nach Moskau senden, da die Antwort der Sowjetregierung auf die klote Curzons über die britischen Gefangenen und die bolschewistische Propaganda nicht befriedigt. Eine französische Landung in Odessa? CU Stockholm, 10. Gkt. Die französische Flotte ist nach dem Schwarzen Meere abgegangen. Man rechnet mit einer französischen Landung in Gdessa. England beharrt auf Einberufung der Genfer Konferenz. CU Paris, 10. Gkt. In einer lote an die ranzösische Regierung beharrt Curzon auf die baldige Einberufung der Genfer Konferenz, die trotz der Bemühungen Englands noch immer nicht stattgefunden hat. Hungersnot in China. EU Washington, 10. Gkt. In China sterben täglich mehr als 1000 Personen den hungertod und über 30 Millionen leiden schwer unter dem Mangel an Nahrungsmitteln. So berichtet das Rote Kreuz, welches das amerikanische Staatsdepartement ersuchte, sofort eine Hilfsaktion einzuleiten. Letzte Drahtmeldungen. Eigener Depeschendienst. Unhaltbare Zustände durch Freigabe des Handels in Hessen. EU Kassel###10. Gkt. In der Provinz Hessen=Nassau haben sich durch die Freigabe der Fleischbewirtschaftung unhaltbare Justände herausgebildet. Das Reichsernährungsministerium hat die bessische Regierung aufgefordert, für die ganze Provinz einheitliche Richtlinien festzulegen, unter denen sich die Fleischbewirtschaftung in der nächsten Jukunft vollziehen soll. Verlangen auf Wiedereinführung der Zwangswirtschaft. (U Karlsruhe, 10. Gkt. In der Landesversammlung amtlicher badischer Preisprüfungsstellen beschloß man, die badische Regierung zu ersuchen, sofort die nötigen Schritte zur Diedereinführung der Iwangswirtschaft zu unternehmen, da durch die Aufhebung der Zwangswirtschaft der Jusammenbruch des Ernährungswesene bevorstehe. Wetter=Aussichten für mehrere Tage im Voraus. 10. Gkt.: Wolkig, teils bedeckt, Sonne, normal temperiert, windig. 11. Gkt.: Wolkig, milde. 12. Okt.: Wolkig, teils Sonne, milde. 13. Okt.: Veränderlich, teils Uebel, strichweise Regen. 14. Okt.: Wolkig, milde, windig, vielfach Regen. 15. Gkt.: Wenig verändert. Ohlig. Sottesdienst= Ordnung für Sonntag, 10. Oktober. Kleine Kirche. 10 Uhr: Pastor 5 Uhr: Pastor Ohlig. Große kirche. 9 Uhr: Beichte. 9½ Uhr: Pastor Uell, hl. Abendmahl. 11 Uhr: Kindergottesdienst. Westhofen. 9½ Uhr: Pastor Klinker. Kath. Kirche. 6 Uhr: Stille hl. Messe. Dater Bröring. 7½ Uhr: Frühmesse mit Predigt. Monatskommunion der Mütter. 8¾ Uhr: Schulmesse mit Predigt. Dfr. Schnurbus. In allen hl. Mlessen Kollekte für die Heidenmission. 2½ Uhr: Missionsandacht für die Schulkinder mit Rollekte. Für die Schriftleitung verantwortlich: Fried. Krags. Druck und Verlag: Carl Braus, beide in Schwerte. Zur Aufklärung! „Kukirol“, das schneil und sieher wirkendelMittel gegen Hühneraugen, Hornhaut In grossem Pormat Jer 4 Schwielen und Warzen ist Käufer vorteilhafter, als in kleinem. Oa„Kukirol“ lange Zeit haltbar ist, so wird es von jetzt nur noch in grossem Format hergestellt, zumal der Preisunterschieg nur 50 1M. beträgt. Preie des alten Pormats M. 2.50, des neuen M. „Kuhlrei“ ist in der Dregerte Nehlhese erhältlich Nr. 23 Bes wirtsch Aus maßgeben geldet: Die wirt sechenden Win pird, dürfte in I die Aufträge. di sletall=, der Tex ##dustrie zugehen seltung der wicht und. Fragliche mbarten Lieferu einen, was aber uls die genügen ##d. Die Kohlen küre steht, wird zufangreiche Be en könnten. I nan die notwen ung großer Bet benn der Winter Uirtschaftslagei indertes Bild ze nuerdings die 1 i Wirtersaison genmäßige Dor #uft zu treffen. Don der Rul Aus Bergarbe vlksstimme Dui presse bringt ma diesem, bald aus baidigen Dutsch digen. Diese 1 zugenblicklich vie gebiet aufhalten Propagandafonds Bergleute zu ner ten. 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Okteber 1920. stsetzung. der am Mittwoch daß die Regier. ng absehen wird, die Vertreter der und des Handels einzuschlagenden um noch bald zur für eine normale es zu kommen. t Munition it. dem Eüterbahnhof insgesamt 12 volle die für das Aushmt worden. Das amt, daß die Lassar für Chüringen Einschmelzung zukonferenz. stern legte die 4. r Konferenz ihre Zwecke der weiin Ausführungsbedsrat eine KomJachmännern erFertigwarenherstelion für das interKommission damit hmen für die Ver) K r e d i t e i n V o r s an Rußland Reutermeldungen inglische Regierung enden, da die Antdie klote Curzons und die bolschewigt. ng in Odessa? Die französische Meere abgegangen. sischen Landung in nberufung der renz. einer lote an die kurzon auf die balKonferenz, die trotz immer nicht stattChina. it. In China sterdnen den hungertod schwer unter dem So berichtet das eikanische StaatsdeHilfsaktion einzuTage im Doraus. t, Sonne, normal milde. Uebel, strichweise g. vielfach Regen. bktober. Ihr: Pastor Ohlig. Beichte. 9½ Uhr: Uhr: Kindergottesstor Klinker. tille hl. Messe. Pater mit Predigt. Mo8¾ Uhr: Schulmesse In allen hl. Messen 2½ Uhr: Missionsmit Kollekte. ortlich: Fried. Kraas. ), beide in Schwerte. trung! wirkendelMittel gegen Hornhaut grossem Pormat für st, so wird es von jetzt ab zumal der Preisunterschied s M. 2.50, des neuen M. chlh ese erhältlich Besserung der wirtschaftlichen Lage. Aus maßgebenden Wirtschaftskreisen wird gegeldet: Die wirtschaftliche Krise, die im heranbechenden Winter ihren höhepunkt erreichen gird, dürfte in Deutschland bald überwunden sein. die Aufträge, die der Industrie, besonders der gletall=, der Cextilwaren= und der Schuhwaren##dustrie zugehen, sichern zunächst eine Aufrechteraltung der wichtigsten Wirtschaftszweige in Deutschund. Fraglich erscheint zunächst nur, ob die vergbarten Lieferungsfristen innegehalten werden tinen, was aber insofern höchst wahrscheinlich ist, uls die genügenden Produktionsmittel vorhanden #d. Die Kohlennot, die in diesem Winter vor der fire steht, wird nicht so groß sein, das dadurch zufangreiche Betriebsstillegungen notwendig wern könnten. Im Reichskohlen=Kommissariat hat gan die notwendigen Ulaßnahmen zur Verhinderug großer Betriebsstörungen bereits getroffen. Penn der Winter überwunden sein wird, wird die hirtschaftslage in Deutschland ein erheblich ver#ndertes Bild zeigen. In Börsenkreisen hat man zuerdings die Möglichkeit ins Ruge gefaßt, über m Wirnersaison hinauszusehen und jetzt schon ganmäßige Dorbereitungen für die weitere Ju#uft zu treffen. —0900 von der Stimmung der Ruhrbergleute. Aus Bergarbeiterkreisen wird der sozialistischen volksstimme Duisburg geschrieben: In der Werkspresse bringt man in den letzten Cagen bald aus diesem, bald aus jenem Orte Nachrichten, die einen baidigen Dutsch von seiten der Bergleute ankündigen. Diese Meldungen verkünden, daß sich zugenblicklich viele Kussen und Dolen im Industriegebiet aufhalten, die aus dem bolschewistischen Propagandafonds unterhalten würden und die Bergleute zu neuen Unruhen aufzuputschen versuchten. Don„vielen“ Russen und Polen kann gar keine Rede sein, wohl von einigen moskowitischen Umderrednern, die kommunistischen und moskowiüschen Irrwahn verzapfen möchten, die jedoch keiverlei Anklang finden. Do sie eigne Versammlungen zu veranstalten #chen, bleiben die Besucher aus. Selbst in hamborn, der einzigen Stadt, in welcher nach dem Urteil Klara Jetkins das Proletariat„reif" ist, einen sie nur noch hohngelächter. Für Moskau und erst recht für Dutsche herrscht unter den Bergmbeitern absolut keine- Stimmung und auch die Abrige Arbeiterschaft will von dem Wortradikalisnus, den revolutionären Maulhelden nichts mehr vissen. Es bestehe unter den Bergarbeitern nicht die mindeste Streikstimmung. Um so notwendiger tes, den russisch=polnischen Enten in der Werkspresse möglichst schnell den hals umzudrehen, damit es Kartoffelkrieg! Steht der Winter vor der Cür, Weil er will regieren, Muß ein jeder nach Gebühr Sich verproviantieren; 2 Wer da säumt, der könnte leicht Darben und auch frieren, Doch so lang der Dorrat reicht, Kann ihm nichts passieren. Vorrat für die Winterzeit Muß ein jeder haben, Dazu stehen ja bereit Reicher Ernte Gaben; Darum folge dem Gebot: Fülle deine Keller, Opfre für die Seit der klot Deinen letzten Heller! Leicht ist's für den reichen Mann Gut sich zu versorgen, Aber, wer nicht zahlen kann, Dem wird keiner borgen; Darum stöhnen viele Leut' Im Verbraucherkreise: Ungeheuerlich sind heut Die Kartoffeipreise! Daß man diesem Uebelstand Sich nicht willig füge, Kam es zwischen Stadt und Land Jum Kartoffelkriege; Die des Hermsten Cischlein deckt, Die beliebte Knolle, Spielte nun als Streitobjekt Eine große Rolle. Und das ist von uns'rer klot Wohl das schlimmste Seichen, Laß zu besser'm Angebot, Landwirt, dich erweichen; Lehn es ab, aus dieser Seit Kapital zu schlagen, Hat das Dolk an klot und Leid Richt genug getragen? Haben Ein'ge hier und dort Etwas„nachgelassen", Folgt ihr andern, euch sofort Diesen anzupassen; Besser ist es, Stadt und Land Kommen sich entgegen, Reicht versönlich euch die hand, Frieden nur bringt Segen! Jeder inn're Kampf und Streit Schadet unserm Lande, Und ein Dolk, das sich entzweit, Drängt zum Abgrund=Rande; Uötig ist der Aufwärtsstieg, Den verfolget weiter. Und schafft den Kartoffelkrieg Aus der Welt! Ernst Heiter. —99000— Die Heimschaffung der Kriegsgefangenen Von Fritjof Uansen. Seit ich vom Dölkerbundsrat ersucht worden bin, die Frage der Heimschaffung der Kriegsgefangenen, die noch nicht in ihr Daterland zurückkehren konnten, zu prüfen, habe ich mich mit allen Kräften bemüht, die mir gewordene Aufgabe zu erfüllen. Auf Grund meiner Schritte bin ich der Ansicht, daß es nicht möglich ist, die Jahl der Kriegsgefangenen, die bisher noch nicht die Möglichkeit gehabt haben, in die Heimat zurückzukehren, genau oder zuverlässig zu schätzen. Die Sahl der Gefangenen in Rußland, die sich noch im östlichen Sibirien aufhalten, ist, wie ich glaube, beträchtlich unterschätzt worden. Seit die Beschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit durch die tatsächlich die Gewalt in den Händen habenden russischen Behörden aufgehoben sind, ist die Wanderung der Gefangenen so stark geworden, daß es ein Ding der Unmöglichkeit ist, ihre Sahl an einem bestimmten Platz anzugeben. Es ist jedoch sicher, daß nur ein kleiner Leil sich noch im östlichen Sibirien aufhält, und daß der weitaus größere Ceil sich über Westsibirien und Zentral= und Südrußland ausgebreitet hat. Ganz zweifellos ist es, daß während der letzten vier oder fünf Jahre die Gefangenen tatsächlich große Leiden ausgestanden haben, und daß eine große Anzahl von ihnen durch Kälte, Krankheit, Unterernährung und andere Ursachen umgekommen ist. Ihre äußere Lage ist im Augenblick wahrscheinlich besser als früher, aber das schwerste ihrer Leiden besteht in der seelischen Qual, daß sie alle Verbindung mit ihrer Heimat und ihren Familien verloren haben und diese Qual wird mit jedem Monat schlimmer. Und nicht minder leiden darunter ihre Familien. Die Jurückführung der Kriegsgefangenen ist also nicht nur eine Frage von größter humanitärer Bedeutung, sondern auch eine solche von großer politischer Wichtigkeit, denn sie berührt aufs empfindlichste die heiligsten Gefühle von Millionen von Männern, Frauen und Kindern in Rußland und Jentraleuropa. Abgesehen von den politischen Hindernissen bestehen die hauptschwierigkeiten bei der Rückführung in drei Catsachen: dem Susammenbruch der Regierungsgewalt in vielen Gegenden, in denen sich die Gefangenen aufhielten, in der vollständigen Unterbrechung der Verbindung zwischen Rußland und der übrigen Welt, und schließlich darin, daß einige der beteiligten Regierungen nicht imstande sind, die kosten für den Cransport ihrer Staatsangehörigen zu bezahlen. Diese Schwierigkeiten waren so groß, daß lange Monate nach bschluß des Waffenstillstandes im llovember 1918 für die Rückführung der Kriegsgefangenen niemand einen anderen Weg vorschlagen konnte, als den Seetransport von Wladiwostock. Ich muß betonen, daß dieser Weg ungeheuer lang und kostspielig ist, und daß es praktisch unmöglich sein würde, eine halbe Million Menschen nach und von Wladiwostok fortzuführen. Dank der verständnisvollen und entgegenkommenden haltung der Regierungen von Estland und Finnland ist dder Austausch der Gefangenen über die baltischen häfen von Uarwa seit einiger Seit im Gange. Die Brauchbarkeit dieser Wege durch das Baltikum hängt von zwei Jaktoren ab, dem Klappen des Eisenbahntransportes von Rußland und dem richtigen Eingreifen der Schiffahrt von diesen Häfen zur deutschen Nordküste. Die russischen Behörden haben nun bei weitem mehr Jüge für den Cransport der Gefangenen zur Verfügung gestellt, als angenommen werden konnte, und die Gefangenen kommen in schneller Folge in Uarwa an. Ich halte es deshalb für richtig, im Augenblick unsere Kräfte auf die Ausnützung dieser Wege zu verwenden. Dementsprechend sind die Gefangenen in Westsibirien und in underen Ceilen Rußlands angewiesen, sich in Moskau zu sammeln; auf meinen Dorschlag hat das schwedische Rote Kreuz die Unterstützung der Behörden in der Fürsorge für die Gefangenen im Tager Narwa übernommen. In den letzten Wochen habe ich folgende Beihilfen erhalten: von Norwegen, Schweden und Dänemark je 35000 Pfund Sterling, von holland 45000 Pfund Sterling und gleichzeitig die Jusage auf weitere 10000 Pfund Sterling für den Fall, daß andere Dölker ihren Anteil übernehmen, von der Schweiz 48000 Pfund Sterling und von Großbritannien 113 500 Dfund Sterling mit dem Versprechen, daß die anderen Dölker sich beteiligen. Frankreich hat vorläufig 115000 Pfund Sterling und Italien 85000 Pfund Sterling versprochen. Das amerikanische Rote Kreuz hat rund eine Million Dollar gegeben und der amerikanische Verein Christlicher junger Männer hat eine große Stiftung für die Besserung der Lage der Kriogsgefangenen, für Nahrung und Lebenserleichterung gemacht. Die bisher empfangenen Summen gestatten die Fortsetzung des Werkes bis zum Oktober. Wenn dann die Beiträge von Frankreich und Italien in meinen Händen sind, wird das Werk bis zur Rückkehr aller Kriegsgefangenen sich fortsetzen lassen. Hier mag eingeschaltet werden, daß alle kosten für die Rückführung der deutschen Kriegsgefangenen von der deutschen Regierung selbst getragen werden; diese Kosten belaufen sich in die Millionen. Um die heimkehr durchzuführen, ist im klamen des Dölkerbundes eine Flotte gechartert worden, deren meisten Schiffe zwischen Deutschland und Rußland in der Östsee verkehren, während andere die lange sechswöchige Reise von Hamburg nach Wladiwostock machen. Auf der Ostsee, der wichtigsten Jahrstraße, verkehren 15 Schiffe zwischen Stettin und Uarwa, Riga und Björko. Bisher sind auf dem Ostwege je 40 000, im ganzen also 80 000 Gefangene in ihre Heimat zurückgeführt. Gegenwärtig werden wöchentlich 8000 Mann befördert, und wir hoffen. binnen kurzem 16 000 bis 20 000 Gefangene befördern zu können. Der zweite Weg führt von Hamburg durch das Rote Ueer nach Wladiwostock. Auf ihm sollen 20bis 30000 Gesterreicher, Ungarn, Rumänen und Polen aus Ostsibirien in die Heimat und etwa ebenso viel ostsibirische Russen aus Deutschland zurückgeführt werden. Frachten sind gesichert, trotz der Schwierigkeit, Exportwagen von Deutschland nach dem fernen Osten zu finden. Ein dritter Weg wird hoffentlich von Südrußland, wo noch viele Gefangene sich aufhalten, durch das Schwarze Meer nach Criest eröffnet, und es besteht Aussicht, daß Italien das Schiffsmaterial für diesen Weg stellt. Ich bin überzeugt, daß, wenn nicht alle interessierten Dölker unmittelbar und ohne Wiederstreben dem Werke ihre Hilfe leihen. Causende von Menschen, die jahrelang die schrecklichen Leiden erduldet haben, im kommenden Winter den Cod finden werden. Die Welt steht bei dieser halben Million von Duldern, die zwei Jahre nach dem Daffenstillstand noch unter schrecklichen Umständen in Gefangenschaft gehalten sind, in tiefster Schuld, und keine Anstrengung darf versäumt werden, um sie ihrer Heimat wiederzuzuführen. Verantwortlich für die Schriftleitung: Fried. KraaDruck und Verlag: Carl Braus, beide in Schwerte. 1) Dornenwege. Roman von C. Dressel. (Nachdruck verboten. Zum offenen Fenster, an dem Marion malke, lachte der blühende Frühling herein. Sie selber, stisch und lieblich wie das junge Jahr, hielt jetzt einen Augenblick in ihrer Arbeit inne, als der Luftzug starken Fliederduft herauftrug, den sie nit geweiteten Nüstern aussog. Dabei sah sie kast zärtlich in den grünen, sonnebeglänzten Erdwinkel hinab, den man in der Großstadt einen Garten hieß. Ein winziges Stückchen Welt, das da in Blüten stand. Kaum mehr als ein Rasengrund, von etlichen Remontants umfriedet, deren Rosenprangen einstweilen noch in bräunlichen Knospenhüllen steckte. In den Ecken aber, die man dem Rasenkreise abgetrennt, wucherte allerlei blühendes Gesträuch. Zumeist Azalcen und Syringenbüsche, welche die geringen Mühen um sie-dankbar lohnten und so farbenfröhlich und duftberauschend sproßzten, als ständen sie in den Gärten der besperiden und nicht zwischen den hohen Steinbänden einer Charlottenburger Straße. Und koch einen Reiz besaß diese blühende kleine Vildnis, nämlich eine Perspektive, die sich in #uftblauer Ferne auf den alten Schloßgarten Esnete und der Phantasie gar keine Grenzen zog. Marion, welche ihren ermüdeten Augen miteter die traumweite Fernsicht gönnte, versagte sch gegenwärtig den beliebten Genuß. Nur so vel Zeit nahm sie sich, um den erhöhten Farbensluber der bunten Blütendolden im blanken connengolz zu beachten, und als sie so ihr Achetisches Intereise befriedigt hatte, gab sie dem Arückgelehnten Körper einen straffen Ruck und jetzte ihren Pinsel von neuem in eilende Bewegung. Die heitere Genußfreude schwand aus dem lungen Gesicht, das sich nun mit einem Ernst über die Fächermalerei neigte, der etwas von berufsmäßiger Sammlung hatte. Dem lockenden Maienzauber nicht den kleinsten Blick mehr schenkend, malte sie so eifrig, als ginge es ums liebe Brot. Ganz so wichtig war die Sache nun nicht, wenn auch mehr als Zeitvertreib. Marions Vater, Oberst Nardeck pflegte sie häufig zu necken wegen ihrer Liebhabertünste. Kürzlich noch hatte er gespöttelt, ihre Fächersammlung werde nächstens an Zahl, wenn auch nicht an Wert, die einer Prinzeß übersteigen, Marion aber hatte den mokanten Scherz ruhig hingenommen. Hätte sie gestanden, daß diese Fächerkollektion nebst manchem anderen von ihr gefertigten Zierstück längst aus dem Hause gewandert sei in ein Berliner Luxusgeschäft, das ihr seit einiger Zeit kunstgewerbliche Aufträge zuwies, sie würde einen peinlichen Auftritt herbeigeführt haben, während sie sich doch so ängstlich mühte, dem nervösen, kränkelnden Mann jede ihn aufregende Verdrießlichkeit zu ersparen. Wie viele pensionierte Militärs, quälte auch ihn, der Soldat mit Leib und Seele gewesen, die Dienstlosigkeit mit starker Langeweile. Und sie hatte ihn so reizbar gemacht, daß es nicht immer leicht war, mit ihm fertig zu werden. Ein schlechter Gesundheitszustand— er litt an nicht unbedenklichen Herzaffektionen— kam dazu, um seine Kinder, des ärztlichen Rates eingedenk, an die vorsichtigste Behandlung ihres Vaters zu gemahnen. Marion, die bei großer Feinfühligkeit auch etwas zaghaft war, ging wirklich mit ihm um wie mit einem rohen Ei. So hatte sie auch gar nicht den Mut, den Vater mit ihren Wirtschaftssorgen zu behelligen, während es in dem vornehmen Haushalt häufig genug an allen Ecken und Enden fehlte, obschon sie der Ersparnis halber bereits die Hausdame entlassen und sich nun mit einem einzigen Mädchen behalf. Ebensowenig wie die ungenügende Wirtschaftskasse, wollte ihr schmales Nadelgeld reichen, und da sie einen Apell an wo. habende Verwandte erst recht scheute, verfiel sie darauf, ihr nettes Maltalent zu verwerten. Lieber Gott, Großes erreichte sie nicht damit. Und wenn sie geahnt hätte, daß sie, gleich so manchen anderen jungen und alten Damen höherer Stände, mit diesem Taschengeldmalen um jeden Preis den Erwerb der Berufsmalerei existenzgefährdend herabdrückte, sie würde sich lieber auf das knappste beschränkt haben, als sich in eine so mörderische Konkurrenz einzulassen. Allein sie fehlte in völliger Unkenntnis und hatte ihre helle Freude daran, dem Vater nun hin und wieder einen Leckerbissen oder einen besseren Bordeaux auf den Tisch setzen und sich selber mal ein hübsches Kleid, einen modernen Hut anschaffen zu können. Nur daß sie den ihren die kleine Erwerbsquelle verheimlichen mußte, hatte zuweilen etwas Bedrückendes für sie, aber auch das tat sie ja nur aus pietätvoller Schonung für ihres Vaters Empfindlichkeit, nicht etwa, weil sie sich des Geldverdienens schämte, und schließlich fand sich ihr zartes Gewissen mit der heimlichen Tätigkeit ganz gut ab, und sie hatte nur noch das erfreuliche Resultat im Auge. An dem Apfelblütenzweig, den sie mit ziemlichen Geschick und in viel gewissenhafterer Ausführung auf den Gazefächer gemalt, als es die billige Dutzendware im Grunde verlangte, war jetzt der letzte Strich getan. Marion ließ ihn einstweilen auf der Unterlage haften und sah unschlüssig zu der eleganten Bouleuhr hin, welche den Aufsatz eines zierlichen Rokokomöbels krönte. Der kostbare Zeitmesser mochte sich gegenwärtig deklassiert erscheinen. Ehedem, mehr Zierstück als Notwendigkeit, hatte er natürlich keiner gewerbmäßigen Arbeit die Stunden teilen müssen, sondern war das Eigentum einer schönen Frau, der glücklichen Verschwenderin sorgloser“ Zeiten gewesen. Auch die übrige Ausstattung des Zim. mers redete von den luxuriösen Bedürfnissen einer verwöhnten Dame. Marion hatte die hübsche Einrichtung, welche einem Boudoir ihrer frühgestorbenen Mutter entstammte, von dem Vater für ihr eigenes Zimmerchen erhalten, als sie erwachsen aus der Pension heimkehrte. Freilich war an der inzwischen verblichenen und teilweise schadhaft gewordenen Pracht der einst kostbaren Sachen nichts restauriert worden. Von Ergänzungen oder gar Neuanschaffungen konnte seit des Obersten Pensionierung keine Rede mehr sein. Den vornehmen Ursprung verleugneten die zierlichen Möbel aber keineswegs, und der große schlichte, aus Eschenholz gefügte Arbeitstisch an seinem hellen Fensterplatz wollte schlecht zu ihnen passen. Im Familiensalon wäre der aufdringliche Proletarier auch nicht geduldet worden, hier aber war Marion Gebieterin; hier ließ sie die Zweckmäßigkeit entscheiden, ohne sich durch den Mißton stören zu lassen. „Ob Günter mich zu einem Spaziergang holen kommt?“ dachte sie.„Hoffentlich lockt auch ihn dies himmlische Wetter hinaus. Vor fünf Uhr wird er aber schwerlich hier sein können, bleibt mir also noch eine volle Stunde. Die darf ich aber unmöglich vertrödeln. Drum rühr Dich, liebe Marion. Wenn Günter zum Abend bleibt, wird's heut doch nichts mehr. Ein hübsches Sommerkleid hast Du aber recht nötig. Kannst doch nicht ewig mit derselben Fahne vor dem Herrn Assessor paradieren. Der liebt noch weniger dieselbe Conleur in Blau als Du.“ Sie lachte laut vor sich hin. Ein helles herzfrohes Lachen, dem nicht die leiseste Bitterkeit anhaftete. Dann stellte sie hurtig den Fächer beiseite und machte sich an einem Mappendeckel in Lederschnittarbeit zu schaffen. Fortsetzung folgt. Einige Winke für Schweinemäster. Vom auen Praktikus. (Nachdruck verboten.) Der unselige Krieg hat es mit sich gebracht, daß der Schweinebestand um ein beträchtliches zurückgegangen ist. Um so wichtiger ist es nunmehr für die Schweinemäster, dem Rest der noch verbliebenen Tiere eine gute Pflege angedeihen zu lassen. Will man trotz aller Futterknappheit dennoch die günstigsten Resultate erzielen, dann halte man auf größte Regelmäßigkeit in jeder Beziehung, denn dies ist ein ausschlaggebender Faktor jeder gedeihlichen Mast. Zu Beginn derselben genügt dreimalige Fütterung täglich und zwar morgens, mittags und abends. Sobald aber die Mast günstige Fortschritte macht, gehe man zur viermaligen Fütterung über. Sehr zweckmäßig sind dann die folgenden Fütterungszeiten: morgens um 5 Uhr, vormittags um 10 Uhr, nachmittags um 3 Uhr und abends um 8 Uhr. Sind genügende Futtermittel vorhanden, dann kann man gegen Ende der Mast auch fünfmal täglich füttern. Man beginnt dann gleichfalls um 5 Uhr morgens und füttert in einem Zeitabstand von 4 zu 4 Stunden, so daß demnach die letzte Futtergabe um 9 Uhr abends erfolgt. Die für jede Mastperiode festgesetzten Fütterungszeiten müssen mit peinlichster Genauigkeit innegehalten werden. Ferner ist sehr sorgfältig darauf zu achten, daß die Futtertröge stets blank und sauber sind; etwaige nicht verzehrte Futterreste sind aus denselben zu entfernen, und dann muß unbedingt der Futtertrog gut gereinigt werden, ehe man das frische Futter hineintut. Niemals darf man frisches Futter mit altem zusammenmengen, denn dies zerstört die Freßlust der Schweine und beeinträchtigt so in nicht geringem Maße die Mast. Auch sind die Futtermengen unter keinen Umständen nach Gutdünken zu verabfolgen, sondern sie müssen genau abgemessen respektive abgewogen werden. Es ist für eine einträgliche Mast besonders günstig, wenn im Schweinestall möglichste Ruhe herrscht, damit die Schweine nach jedesmaliger Mahlzeit sich hinlegen können, um das Futter in aller Ruhe zu verdauen. Je weiter die Mast fortschreitet, desto größere Ruhe ist für die Tiere erforderlich. Zu Beginn der Mast schadet Bewegung nichts; es ist sogar gut, wenn dem Schweinestall eine nicht zu kleine Bucht angegliedert ist, um im Sommer die Tiere sich im Freien ergehen zu lassen. Gelegenheit zum Baden der Tiere muß unbedingt vorhanden sein, gleichfalls muß ein mit frischem Wasser gefüllter Trog da sein, um das erhöhte Durstgefühl der Schweine vollkommen zu befriedigen. Für häufige Erneuerung des Wassers ist immer zu sorgen. Wenn man so im Sommer besorgt sein muß, den Tieren die Hitze einigermaßen erträglich zu gestalten, so ist es im Winter nötig, sie vor Kälte zu bewahren. Größere Schweinestallungen müssen daher bei strengerem Frostwetter gut durchgeheizt werden: dabei achte man darauf, daß durch genügende Ventilation die Luft möglichst rein bleibt. Schlechte, dumpfige Luft ist den Tieren gefährlich. Um jederzeit die Masterfolge genau verzeichnen zu können, ist eine gute Viehwage geradezu unentbehrlich. Wenn möglich, stelle man das Gewicht der Tiere jede Woche einmal fest und führe hierüber genau Buch. Auf diese Weise sieht man, ob die derzeitige Fütterungsweise die richtige ist oder ob man zu einer anderen übergehen muß. Man nehme indessen immer nur kleine, allmähliche Aenderungen in der Fütterungsart vor, weil jeder, allzu schroffe Wechsel ungünstig auf die Mast einwirkt. Die tägliche Gewichtszunahme soll 0.50 bis 0,75 Kilogramm betragen, bei leichteren Tieren und Ferkeln entsprechend weniger. Die Personen, welche man mit der Fütterung und Wartung der Schweine betraut, müssen ständig beaufsichtigt werden, um sie auf etwaige Fehler aufmerksam machen zu können. In vorstehender Weise ausgeübt, wird jede Schweinemast die gewünschten Erfolge zeitigen. Räben einen Sranvraum zu geben, umgekehrtem Verhältnis zur Ondiscät der Bodens steht. Andererseits sollten die Rüden keinen Standraum erhalten, der ihre Blattproduktion hindert, dabei aber auch wieder so eng bemessen sein, daß die Beschattung der Zwischenräume eine möglichst vollkommene ist. Die Futterrüben werden zumeist zu weit gepflanzt, und es trifft nicht zu, daß, wie bemerkt, hohe Futterrübenernten durch weiten Standraum, der allerdings größere Einzelpflanzen erzeugt, zu erzielen sind. Ganz besonders tritt dies bei den trockensubstanzärmeren Rüben hervor, die ihren Körper so wie so mit einer größeren Menge Wasser aufbauen. Den trockensubstanzreicheren Spielarten wird- ein größerer Weitstand weniger schaden, wie den durch größeren Saftgehalt sich auszeichnenden Sorten. Um nur eine Zahl aus meiner Untersuchungsreihe herauszugreifen, war z. V. bei einer Eckendorfer Futterrübe von 2800 Gramm Wurzelgewicht die Trockensubstanz 9,74, bei einer nur 796 Gramm schweren Rübe derselben Familie aber 12,26, was einem Wassergehalt von 90,26 zu 87,24 v. H. entspricht. Uebertragen wir diese Verhältnisse auch nur annähernd auf die Gesamternte, so können wir ermessen, daß das Mehrgewicht der größeren Rüben zumeist aus Wasser besteht. Die einmal ausgesprochene Ansicht, daß dem Landwirt für den Wasserbedarf seines Futters eine einfachere und ergiebigere Quelle in seinem Brunnen zur Verfügung stände, ist natürlich übertrieben, da dem Vegetationsoder Fruchtwasser eine gewisse diätetische Bekömmlichkeit nicht abzusprechen ist, doch sollte andererseits auch nicht übersehen werden. daß das wässerige Rübenfleisch den Magen unnötigerweise füllt und den Organismus auf diese Weise um seinen Nährwert betrügt. Jedenfalls erreicht die Mehrzahl kleinerer, durch engeren Standraum erhaltenen Rüben die Ernte der bei weiterem Standraum gezogenen, größeren Rüben nicht nur an Masse, sondern übertrifft sie sogar oft ganz erheblich, wobei dann auch die Nährwerte sich zu Gunsten der kleineren Rüben hinstellen. Bei Weitstand (24 mal 15 Zoll) erwuchsen z. B. 7750 Rüben, bei 14 mal 9 Zoll waren es 15573 Stück, waz dort einer Ernte von 240,7 Zentnern, hier einer solchen von 301,8 Zentnern pro Morgen entspricht. Das Durchschnittsgewicht der weitgestellten Rüben war 1553 Gramm mit 7,86 v. H. Zuckergehalt, das der enger gestellten 969 Gramm mit 8,22 v. H. Zuckergehalt. Die beste Standweite für Futterrüben dürfte nach vielen Anbauversuchen 14 mal 9 Zoll, fünsreihig gedrillt, sein. Der Landwirt sollte demnach bedenken, daß er es durch die Wahl der richtigen Standweite in der Hand hat, bei einer Ernte von 300 Zentnern 250 oder 270 Zentner wässerige Bestandteile von seinem Acker abzufahren. Pl.=App. Gartenbau. Pflanzweite der Rüben. *(Nachdruck verboten.) Im Gegensatz zum Zuckerrübenbau ist für Futterrüben die Standweite immer noch recht wechselvoll, da hier nicht immer nur auf Nährwerte, sondern auch auf die Größe der einzelnen Rüben gesehen zu werden pflegt. Dabei stellt sich der Nährwertertrag gegen die Erntemasse oft ganz anders ein, wie es nach diesen äußeren Merkmalen scheinen sollte, da z. B. die bei engerer Stellung erhaltene größere Anzahl von kleineren Rüben die geringere Anzahl größerer Rüben bei weiterem Standraum vielfach aufwiegt oder sogar übertrifft. Allgemein ist hier die Regel beherzigenswert, den Meltaubekämpfung bei Rosen. (Nachdruck verboten.) Der Meltau wird hervorgerufen durch mikroskopisch feine Pilze, die mit ihren Fäden in kurzer Zeit alle Teile der Pflanzen mit einem weißen, mehlartigen Schimmelüberzug versehen. Durch die ungemein zahlreichen Saugfäden, die sich in die Rinde senken und hier ihre Nahrung suchen, wird die befallene Pflanze in ihrer Entwicklung und ihrem Wachstum gehemmt und geschwächt. Blätter, Triebe und Knospen kommen nicht voll zur Entfaltung und verkümmern. Am meisten tritt dieses Uebel auf bei naßkalter Witterung. weil diese das Wachstum der Pilze begünstigt. Aber nicht alle Rosenarten werden gleichmäßig davon befallen. Am meisten empfänglich scheinen die Teerosen und Teehybriden zu sein, auch einige Schlingrosen, wie z. B. Tausendschön und Crimson Rambler, während Lady Gey bei uns nie von Meltau befallen wurde, obgleich sie mit den vorgenannten Arten— die sehr stark unter Mehltau litten— zusammen Ein altbekanntes Mittel, den Meltau zu bekämpfen, ist gemahlener Schwefel. Mit einem Zerstäuber wird derselbe bei trockenem, sonnigem Wetter über die ganze Pflanze gestäubt, so daß alle Teile, auch die Unterseite der Blätter, mit einer dünnen Schwefelschicht überzogen werden. Dieses Verfahren muß aber mehrmals wiederholt werden, wenn es eine nachhaltige Wirkung zeitigen soll. Aber gerade deswegen, weil die Schwefelbestäubung recht umständlich und zeitraubend ist, auch die geschwefelten Pflanzen nicht gerade schön aussehen, unterbleibt diese Arbeit häufig. In neuerer Zeit hat sich nun aber ein anderes Mittel bewährt, dem die vorgenannten Uebelstände nicht anhaften und das leicht durchzuführen und von uns selbst als ganz vorzüglicheerprobt ist. Es beruht auf der Pilzsporen tötenden Wirkung der Salizyksäure. Wir stellten eine Lösung von 1 Liter Wasser und 2 Gramm Salizolsäure her und spritzten damit mittels einer Blumenspritze die mehltaukranken Rosen tüchtig und gründlich ein. Die Wiekung war einsach großartig. Schon am nächsten Tage zeigte sich ein Rückgang des Schimmelbelages, und am vierten Tage waren die ganzen Pflanzen völlig rein. Der Sicherheit wegen spritzten wir dann noch einmal. Ueber Mehltan haben wir seitdem nicht mehr zu klagen gehabt. Dieses Mittel ist so einfach und so leicht anzuwenden, daß jeder einmal einen Versuch damit machen sollte, er wird es nicht bereuen, zumal die Pflanzen selbst dabei rein und sauber bleiben im Gegensatz zu der Schweselbestäubung. Nun warte man aber nicht erst so lange, bis sich der Meltau zeigt, sondern spritze schon sobald sich die ersten Triebe zeigen. Schönes Wachstum und reicher Blütenflor wird die aufgewandte geringe Mühe hundertfach belohnen. Zur Tomatenkultur. (Nachdruck verboten.) Die Nachfrage nach dieser ebenso köstlichen wie nahrhaften Frucht nimmt andauernd zu. Während sie noch vor wenigen Jahren eine Delikatesse war, ist sie jetzt aus dem Wege, ein allgemein begehrtes Nahrungsmittel zu werden. Die Kultur der Tomate sollte deshalb überall gepflegt werden, wo diese nur irgend möglich ist; sie ist dankbar und lohnend. Wem die Aussaat ins Freie nicht gefallen mag, des langen Wartens wegen, dem sei gesagt, daß das Vortreiben im Zimmer bei der Tomate sehr leicht und zur Freude des Züchters von statten geht. In einen Blumentopf von etwa 10—12 Zentimeter Durchmesser lege man, nachdem man ihn mit möglichst humoser Erde gefüllt hat, etwa 20 Samenkörner flach hinein und bedecke sie etwa 1 Millimeter hoch mit Erde, die man leicht andrückt. Das erste Gießen sollte erst am nächsten Tage geschehen. Den Topf stelle man dicht ans Fenster und halte die Erde stets feucht. Wenn die zarten Pflänzchen erscheinen, decke man zeitweilig ein Konservenglas darüber, unter dem es warm und mollig ist. Fällt die Sonne gar zu grell gegen die Scheiben, so bedeckt man die Pflänzchen mit einer Zeitung, um sie vor dem Verbrennen zu schützen. Sind die Pflänzchen etwa 3 Zentimeter hoch, so kann man sie einzein in Töpfe versetzen und mit der Abhärtung beginnen, indem man sie allmählich durch das Oeffnen der Fenster an frische Luft gewöhnt. Sind keine Nachtfröste mehr zu befürchten, pflanzt man sie ins Freiland und gibt ihnen, wie der Gärtner sagt,„etwas unter die Füße", d. h. erwas tierischen Dünger mit in die Erde. Zu beachten ist bei dem Auspflanzen, daß die Pflänzchen sofort genügend angegossen werden. Da sie bereits abgehärtet sind, mussen sie sofort stehen, wie in diesem Boden gewachsen, und dürfen nicht matt und welk werden. Lustig werden nun unsere Pfleglinge wachsen und gedeihen und uns die auf sie verwandte Mühe reichlich lohnen. Auf diese Weise ist ein Mistbeet für die Kultur der Tomate nicht nötig. Der Standort der Pflanzen soll ein möglichs: sonniger und windgeschützter sein; im übrigen aber bedarf die Kultur außer aufmerksamem Gießen und gelegentlichem Lockern des Bodens keiner besonderen Pflege. Hacker. Außerdem muß man die Ameisembohnungen in der Nähe des Hauses ausfindig murhen und durch ungelöschten Kalk, den man wiederholt in die Nester bringt, zu zerstören suchen. Petroleum und kochendes Wasser, in größeren Mengen in dieselben gegossen, tun auch diePflanz Rußzbäume. Vaterländisches Empfinden pflanzt auf Plätzen und in Anlagen Erinnerungseichen, vaterländisches Empfinden sollte jetzt der Kultur des Baumes wieder stärker sich zuwenden, der uns für manche Kriegszwecke schwer entbehrlich ist und dessen Bestände schon knapp sind: Nußbäumen. Die Nachfrage nach diesem wertvollen Holz he jetzt schon stellenweise zum Abholzen noch nicht schlagreifer Bestände geführt. Es muß beizeiten Vorsorge getrossen werden, den Ausfall zu ergänzen und unsere Bestände zu vermehren. Jeder Landwirt auf seinem Hofe und seiner Wiese, jede Gemeinde in ihren Anlagen und Plätzen, jede Provinz auf Landstraßen könnten Nußbäume anpflanzen. Neben dem wertvollen Holz bieten auch die Früchte und Blätter des Baumes gute Einnahmequellen. Pflanzt Brombeeren an! Von Asper. (Nachdruck verboten.) Viele meiner Freunde, denen ich geraten habe, Brombeeren anzupflanzen, beklagten sich bei mir bitter darüber, daß ihre Brombeeren nicht wachsen wollten. Das ist nämlich eine Eigentümlichkeit der Brombeeren, daß sie nich so leicht und gern anwachsen wie Himbeeren und Johannisbeeren. Aber schon nach zwei Jahren haben sie ihren scheinbaren r11e tumsstillstand überwunden und geben Einen. die sich von Jahr zu Jahr in großartiger Weise steigern. Ich kann mir nicht denken, daß irgendeine Beerenfrucht einen so reichen Ertrag bringt wie die Brombeere. Das hängt mit iyrer spaten Blüte zusammen. Wenn die berüchtigten Maifröste auftreten, dann sind die Brombeeren noch in der Knospe. Ihrer später Blüte wegen überstehen sie also die Spalscost lusgezeichnet und warten mit außerordentlich teichen Ernten auf. Aber so reich auch die Ernten sino, so gut lassen sie sich verwerten. Das Brombeergeleeist wohl das wohlschmeckendst Gelee, das man sich denken kann. Kein Wein läßt sich dem Brombeerenwein an die Seite stellen, und auch der Brombeersaft hat wohl schwerlich seinesgleichen. Obstbau. Das Welken der Rinde bei frischgepflanzken Obstbäumen ist namentlich eine Erscheinung, die am häufigsten bei der Frühjahrsanpflanzung infolge anhaltender Trockenheit, nach Ausführung derselben, beobachtet wird. Ein frischgepflanzter Baum kann mit seinen Wurzeln nicht so viel Feuchtigkeit aus dem Boden aufnehmen, wie Stamm und Zweige verdunsten. Bei derartig geschrumpften Bäumen sind der Stamm und auch die stärkeren Zweige mit feuchtem Moos zu umwickeln. Das Moos muß ständig feucht gehalten werden. Nach einiger Zeit werden die so behandelten Bäume sich erholt haben und frisch austreiben. Im Laufe des Sommers kann das Moos wieder entfernt werden. Gemeinnütziges. Hausameisen zu vertreiben. (Nachdruck verboten.) Bekanntlich vertragen Ameisen keine schar. fen Gerüche. Solche Mittel wende man darum zunächst an. Da die Ameisen in der Regel bestimmte Zugangsstrecken benutzen, so verleide man ihnen diese Wege durch Auslegen folgender Dinge: Alaun, Alaunwasser, Branntwein, Fischwasser(worin Fische gekocht wurden), alte Heringe, Kampfer, Moschus, Inseltenpulver, Naphthalin, Ofenruß, Petraleum, Abkochung von Tabakblättern, Tran auf Löschpapier.„Auch mit Schlemmkreide oder Terpentinöl dicht gezogene Striche überschreiten die Ameisen nicht. Ferner spüre man ihre Gänge und Schlupfwinkel auf und verschmiere dieselben mit Zement, dem etwas Petroleum zugesetz“ ist. Ebenso ist eine dreiprozentige Lysollösung ein vorzügliches Mittel zu ihrer Vertreidung. Meist wird man wohl Brombeeren an Zäunen anpflanzen. Sie machen den Zaur dicht und verhindern so das Uebersteigen. Empfehlenswert ist, den Boden zu rigolen. Auch bei der sorgfältigsten Pflanzung wird man einige eingegangene Pslanzen haben. Gewöhnlich bleiben 5—6 Stück von 20 Büschen aus. D.e eigentliche Fruchtbarkeit beginnt vom fünften Jahre. Dann entstehen daumendicke, oft 3 Meter hohe Ruten, die voll schöner Früchte hängen. Die besten Sorten. Wollen wit reiche Ernten erzielen, dann kommt es ganz besonders auf die Sorten an. Noch immer empfehlenswert ist die Sandbrombeere Theodor Reimers. Sie ist woyl die anspruchsloseste Brombeere, läßt sich auch gut zum Betleiden von Wänden und dergleichen benutzen. Eine Pftanze, die etwas 6 Jahre steht, lieser schon jährlich für 6—8 M Früchte— und das regeimäßig. Lucretia zeichnet sich allerdings durch starken Wuchs aus, aber sie ist nicht winterhart. Wilsons Frühe dagegen wächst aufrecht. Sie hat den Nachteil, daß sie nicht rankr. Sie muß daher an 2,50 Meter lange Pfähle gepflanzt werden. Da sie etwa 3—4 Wochen früher als Theodor Reimers ist, erzielen die Beeren höhere Preise. Besonders von Wilsons Frühe muß erwähnt werden, daß sie tief gesetzt werden müssen, weil sie sonst leicht erfrieren oder zurücktrocknen. Das gilt übrigens von allen Brombeeren. Eine neuere Sorte ist jetzt gegenwärtig verbreitet, das ist Wilsons Early, die an den Boden nicht besonders anspruchsvoll ist und trotzdem sehr reiche Ernten an großen Früchten ergibt. Die Brombeeren sind bis jetzt die Stiefkinder im Obstgarten gewesen. Sie lassen sich so vielfach verwenden, daß nur geraten werden kann, möglichst viele Brombeeren, besonders an Zäunen, anzupflanzen. 85 Otio Loose · Hobenlimburg i. W. Goethestr. 7—12 u Ruf 380. Spezialgeschäft für mod. kompl. Wohnungseinrichtungen in jeder Preislage, daher empfehlenswerte Bezugsquelle für Brautleute. Eigene Schreiner- u. Malerverkstätten. Angenehme Zahlungsweise. Bei Kauf wird Fahrgeid vergütet. 4313 Kunst- u.Leben Kalender 19219 soeben erschienen Buchhandlung Carl Braus. BAOORacdance In einer Stunde beseit. Sie unt. Garantie jede Läuse-Plage auch Flöhe s. Brut(Niss) bei Mensch u. jed. Tier m. m. ges. gesch. Mittel Eckolda. Für Haul u Haar unschödl. Erste Wesld. Ungez.=Vertr=Anst. Inh. Ed. Eckold, Essen Zu haden in Schwerte bei Ww. D. Grischy, Hüsingstraße 26. Echolda(W) Radistalmittek gegen Panzen überall vorrätto I gebrauchter 5586 O 0 5 ca. 300 kg. Tragkraft zu kaufen erfragen in der Geschäftsstelle dieser Zeitg. Krauerurteis liefert schn ellstens Druckerei E. Braus. 2 — S 9 * S#s S 80 S#50 892A Damais freilich entlud sich ein Hohngelächter über dem Haupte des menschenscheuen und lebensiremden Jungg.sollen; die Männer geißelten mit giftigen Worten seine Vorschläge und behaupteten, es werde eher die Bahn nach dem Mond erfunden werden, als daß sich Hippels Pläne über Frauenemanzipation verwirklichen würden. Die Bahn nach dem Monde haben wir freilich noch nicht, aber dafür die erfolgreiche Betätigung des weiblichen Geschlechtes in zahlreichen Berufen, die ihm bis dahin verschlossen waren.. Unter den Gewerben und Arbeitsgebieten, in denen der Vorkämpfer und Prophet des weiblichen Geschlechtes Frauen schalten und walten lassen wollte, stand z. B. an herdorregender Stelle das Rasier= und Vabiergeschäft, das Hippel ganz und gar für die Domäne der Frau hielt. Er bevonte nämlich, daß die Frau eine leichtere und sichere Hand habe, um dem Manne den Bart und das Haar zu scheren oder ihm die garstigen Stoppeln aus dem Gesicht zu kratzen. In der Apotheke wünschte er ihre Hilfe, im Aerzteberuf und Krankenhaus, da eine Frau mit ihrer empfindsamen Seele sich weit eher in die Schmerzen und Gebrechen des Kranken versetzen könne und infolgedessen besser zu helfen imstande sei, als der Mann. Das Uhrmacher= und Goldarbeiterhandwerk, das eine leichte und eeschickte Hand bedinge, war nach seiner Auffassung weit eher ein weiblicher Erwerbszweig, denn ein männlicher. Aber auch in Aemtern, die geistige Klarheit und Kraft fordern, wünschte Hippel für die Frauen einen Platz. In Gerichts=, Stadt=, Gemeinde= und Kaufmannsstuben wollte er sie als Schreiberinnen sehen, die besonders geweckten sogar als Organisatorinnen und Inspektorinnen. In der Frau liege ja so viel Ehrgeiz, gutes Wollen und tapferes Aushalten, und geradezu töricht sei es, die Kraft„der 1 Hälfte der Menschheil" ungenutzt liegen zu lassen. Bloß die Bequemlichkeit der Männer, ihre Tyrannensucht und letzten Endes ihr nackter Konkurrenzneid versperrten den weiblichen Wesen den Zutritt zu allen diesen Geschäften! 1. Die Frau sei vermöge ihres Pflichtgefühls, ihrer Anpassungs# fähigkeit und ihrer Ausdauer recht gut geeignet, ihren Platz zu behaupten, wohin man sie stelle! Und er untersrich sein Loblied auf Tugend und Können des Weibes in zahlreichen Bildern aus dem Leben mit zahlreichen guten, schönen Worten. Es war umsonst. Selbst die Frauen vor, 100 Jahren trauten seinen klugen Reden nicht, und sie ließen es geschehen, daß die Männer sich auf ihre Kosten lustig machten. An Hippels Ausführungen über diese Fraurnfragen, denen er ein ganzes Buch widmete, wird man heute lebhaft erinnert, wenn man die Frauen auf Arbeitssätten sieht, auf denen bis dahin ausschließlich Männer Kanden, Männer, die jetzt auszogen, um Heimat, Weib und Herd vor den Feinden zu beschirmen.... Alkoholisierte Meerschweinchen. Zur Erforschung der schädlichen Folgen des Alkoholgenusses wurden vielfach Tierversuche gemacht; so suchte bereits im Jahre 1910 der amerikanische Embryologe Ch. R. Stockard abnorme junge Fische durch Zusatz von 3—9 Prozent Alkohol zu dem Seewasser zu erzielen, in welchem sich die Eier entwickelten. Tatsächlich zeigten in einigen Fällen fast alle Embryonen Rängel an Nervensystem und Sinnesorganen, die bei den Angen oft bis zu völliger Blindheit gediehen waren. Die neuesten Forschungsergebnisse aber wurden, wie den„Naturwissenschaften“ zu entnehmen ist, durch fortgesetzte Gaben von Alkohol an Meerschweinchn erzielt, indem man die Folgen bei den Nachkommen dieser Meerschweinchen genau beobachten konnte. Es wurden nur kräftige, gesunde Meerschweinchen benützt, und zwar aus zwei verschiedenen Zuchten, die stets normale Junge geliesert hatten. Die Alkoholisierung nahm man vor, indem man die Meerschweinchen zu vier oder fünf in einen geschlossenen Behälter auf ein Drahtnetz brachte, unter dem sich die mit Alkohol bejeuchtete Watte befand. Sechsmal in der Woche wurden die Tiere jedermal eine Ernnde lung dem Altcholdt was aufangs die Schleimhaut der Atemorgane stark reizte, doch schließlich gewöhnten sich die Meerschweinchen daran. An den Augen aber wurden Hornhaut und Linse erst trübe, dann in einigen Fällen wieder klar, während in anderen dauernde Blindheit eintrat. Andere Schädigungen zeigten sich nicht, die Tiere fraßen gut und wurden sogar fett. Erst wenn man die Versuchstiere sich mit normalen oder alkoholisierten Tieren paaren ließ, zeigte sich an den Nachkommen, in welchem Maße die Keimzellen der Eltern gelitten hatten. Es wurden 90 Paarungen von normalen Weibchen mit alkoholisierten Männchen vorgenommen. Man erzielte nur 48 Prozent lebende Junge im Gegensatz zu 73 Prozent bei nicht alkoholisierten Eltern, 11 Prozent Totgeborene gegen 2 Prozent bei normalen Eltern, und von den lebenden Jungen starben bereits nach kurzer Zeit 43 Prozent gegen 16 Prozent bei gewöhnlichen Vorbedingungen. Wenn bei den Eltern beide Partner alkoholisiert waren, kamen nur 41 Prozent der Jungen lebend zur Welt, von denen die Hälfte nach kurzer Zeit starb. Es wurden dann weitere Paarungen in der zweiten und dritten Generation veranlaßt, und es stellte sich heraus, daß die immer größer wurden, die jüngste Generation scheint überhaupt unfruchtbar zu sein. Wie bei den Fischen, schädigte der Alkohol hauptsächlich das Nervensystem und die Sinnesorgane, besonders die Augen entarteten bis zum völligen Schwund des einen oder beider. Auch Entartungen der Beine werden oft durch den Alkohol hervorgernfen. Goethe und der deutsche Gruß. Bekanntlich ist seit ein paar Jahren eine Bestrebung im Gange, das— in vielen Fällen gewiß gesundheitsschädliche, in allen aber devote (denn es bedeutet ureigentlich ein Zeichen der Unterwerfung) — Grüßen durch Hutabnehmen und„die Mütze schwenken“ durch Handanlegen, wie beim Militär, zu ersetzen. Wie weniger bekannt zu sein scheint, hat vor 100 Jahren auch schon Gorthe einmal auf seine Weise zu dieser Frage in folgenden Versen Stellung genommen: „Ehret die Frauen! Begrüßt sie mit Neigen, Begrüßt sie mit freundlichem, sittigem Beugen Des bedeckten männlichen Haupts. Glaubt's dem Erfahrnen! Jede erlaubt's! Wollt ihr, trotz hippokratischem Schelten, Denn mit Gewalt das Genie euch erkälten? Lasset die Hüte, die stattlichen Mützen Fest auf den Locken, auf Glatzen sest sitzen. Grüßet mit Worten, grüßt mit der Hand, Ehret die Sitte, schont den Verstand!“ Namentlich während Kälteperioden ist es angebracht, an diese Vorschläge zu erinnern. bes eer e 1 * 9 OESS SSS SSS SagSSaSSSSSSpgs S 832 krstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General=Anzeiger für den Kreis Dautet= Annoncendlatt.. Unterhaltungs-Beilage zu Nr. 238 Samstag 9. Okto' er Siühender Eöroret! Roman von A. Seyffert=Ulinger. (18. Fortsetzung.) 14. Kapitel. ald darauf prangte das Bild in Frau Beeskows Salon, ein paar Tage nur; denn es sollten verschiedene Kunstausstellungen damit beschickt werden. Wieder war es kurz vor der Reisesaison, einer der letzten Teeabende der Hausfrau; sie hatte aber auch Einladungen ergehen lassen, außerdem gelagar unter den Bekannten die Kunde, daß Beeslo## ein neues Werk vollendet habe, bald von Mund zu In fiebernder Erwartung sah Marion dem Tage entgegen. Würde Tondorf kommen, und wie sein Urteil lauten? Ihre Gedanken ließen nicht ab von ihm, sie glaubte, ihn durch diese Art Hypnose herbeiziehen zu können. Ihr war so unendlich viel an seinem ErWenn man ihm von dem Bilde erzählte, würde er die Achsel vielsagend zucken.„Wer einmal lügt"... Es war ein Abend wie alle anderen, und doch von einer besonderen Weihe durchweht. Frau Thusnelda verstand es, ihre Festabende reizend und interessant zu gestalten. Heute aber glänzte sie wieder einmal, eine unsichtbare Glorie schien sie zu umschweben, sie strahlte Glück und Wörme aus....„. Manschen Marm Viel feine, schlichte und geistvoue Menschen waren gekommen, und alle feierten mit begeisterten Worten das Bild, mit oder ohne Verständnis, die Herzen gewann es sich, und das war die Hauptsache. Hatte Beeskow auch Lindens glänzende Technik nicht erreicht, so wurde dieser Mangel durch das reizende Sujet ausgeglichen... J2 Gisten ruhle. 85 Auf einem Thron von dustenden Bluren ruhte die Maienkänigin, die Jrählingssee. Aus rosigen Wollen warfen Amoretten ihr Blumen zu, die sie mit vollen Händen ausstreute über Arme und Reiche, Glückliche und Unglückliche; alle schauten verklärt zu ihr empor. Viel Hübsches war an dem Bilde zu bewundern, das Schönste aber die holde Fee=Marion, umflossen von dem Zauber süßer, rührender, allerbarmender Schönheit. Diesmal stand das Bild ganz frei, kein Wandschirm, keine Draperie in der Nähe. Nur seitlich an der Wand ein Palmenarrangement; niemand kunnte vermuten, daß dahinter sich ein Platz befand, der niich eine unauffällig gezogene Gardine von grüner E##e verdeckt wurde. (Nachdruck verboten.) Und doch war es so. Ein schmaler Sitz, von dem aus man beobachten und belauschen konnte, war verhanden. Auf diesem kauerte seit einigen Minuten hatte Tondorf unter den Ankommenden bemerkt und wartete nun mit einer unbeschreiblichen Spannung darauf, daß er kommen und sein Urteil, an dem ihr so viel gelegen, abgeben solle.„i6 gesegt, Ihre Aufregung hatte sich kaum ein weneg da hörte sie schon seine Stimme, er kam mir einigen anderen Herren zusammen, von gleichgültigen Dingen plaudernd. Man hatte ihn förmlich hierherzerren müssen, warum sollte er irgendem Bild bewundern, welches Beeskow nicht gemalt hatte, nicht gemalt haben „Donnerwetter! hörte Marion da plötzlich seine hohe, scharfe Stimme,„Donnerw— am Ende kann der Kerl, der Beeskow, doch was— das ist— ge Wie Marion erbebte, o wie die Freude in aufflammte, daß dem Ringenden endlich Lohn und Die Schleppe hatte sie fest an sich gedrückt, durch einen winzigen Spalt der Gardine spähte sie in Tondorfs Gesicht. Er hatte die Brauen hochgezogen, ein selbstvergessenes Lächeln umspielte seine dünnen Lippen, so parteilos bewunderte er das Gemälde. Zwige, aug Umständlich setzte er den goldenen war gleich darauf in kritische Betrachtung versunken. Nach einer Weile wandte er sich den Dewieg und Herren, welche gleichfalls bewundernd das Bu# um„Eine ueberaschung, meine verehrten Eregrße, Eine ehrliche, anerkennenswerte Arbeit, nach der wir ihm die Begeisterung, welche man ihm entgeger Sie hut Fir den Beg, Fähgr. er encb se s des Fiutzstums kann er entbehren, er lebt sa von dem Gel.: seiner Frau!“ 22 E — S Ö15 SS SSS S 5 zTag • 9 812 S S# C.0 FbSES 5 N Ste entfernten sich, andere kamen und gingen, bewunderten und kritisierten; unauffällig schlüpfte Marion aus ihrem Versteck. Sie war so voll Freude, daß sie am liebsten gleich zu ihrem Schwager ins Atelier geeilt wäre, um ihm die fruhe Botschaft zu bringen, daß sein erklarter Feind, der kritische Tondorf, ihn bedingungslos anerkannte. Nun würde es auch dahin kommen, daß niemand mehr die Autorschaft seiner Signora bezweifelte. Dann h###e Reinhold seine Schuld gesühnt. Und wenn er n iner Malschule Erfolg hatte, mußten auch die ges igen Stimmen verstummen, die ihm jetzt den Reichlum seiner Frau zum Vorwurf machten. Heimlich drückte sie ihrer Schwägerin die Hand. „Es ist ein vollkommener Erfolg, Thussi, du kannst mit deinem Künstler zufrieden sein!" „Ach, Marion, wenn ich Reinhold hier an meiner Seite hätte, mein Glück wäre vollkommen!“ „Du darfst dich darum nicht weniger glücklich schätzen, Liebe, daß Reinhold sich u zweifelhaften Glückwünschen euerer Bekannten entgieht. Ein Salonheld wird er niemals werden.“ „Nein, nein, leider nicht. Und ich würde so gern ein wenig mit ihm paradieren.“ Nach diesem Freudentag fand Marion keine Ruhe. Als alle schon schliefen, brannte noch die Lampe in ihrem Zimmer. Lange schritt sie auf und ab.„Erlöst!“ jubeite es in ihr,„erlöst!" Das Glück wollte sie wie ein goldiger Strom überfluten, doch da war ein Hemmnis, eine verborgene Schuld, die alles eindämmite.Endlich setzte sie sich an ihren Schreibtisch und schrieb an Linden: „Geliebter Freund! Heute endlich habe ich eine Freudenbotschaft für Sie! Nachdem ich bereits alles aufgegeben, Reinhold Beeskow, unser Glück, seine und unsere Zukunft, hat er mit seinem Bilde, das er unter unsäglichen Mühen geschafsen, einen Riesenerfolg erzielt. Er muß furchtbar gerungen haben; denn er ist herunter, kaum zum Wiedererkennen. Aber ein Licht strahlt aus seinen Augen, das mir und allen, die ihn näher kennen, die Hoffnung einflößt, daß er eine große Zukunft vor sich hat. So weit würe nun alles gut, mein Freund, und doch wage ich nicht aufzuatmen. Es ruht wie die Ahnung kommenden Unheils auf mir, eines Verhängnisses, das ich selbst heraufbeschworen. An jenem Tage, als Beeskow sich mit Ihren Lorbeeren schmückte, packte mich kleinlicher Zorn, und da habe ich Tondorf unbedachterweise alles verraten, sogar den Namen der Dame, deren Porträt nach wie vor jeden entzückt. Ich fühle mich so schuldig, Ihrer unwert, tief unglücklich. Was soll ich tun? Darf ich länger in dem Hause bleiben, dessen Gastfreundschaft ich monatelang genossen? Ich komme mir oft wie eine arglistige Heuchlerin vor; denn Beeskows ahnen ja nichts davon, daß gerade Sie es sind, der meinem Herzen so nabe steht. Sollte ich nicht endlich Farbe bekennen? Reinhold ist ein so gutiger, hochherziger Menscy, der des Lobes voll war über Ihr ausgestelltes Bild, es für wertvoller erklärt, als sein eigenes Werk. Auch ich beglückwünsche Sie zu dem herrüchen Werk. Mir zaubert Ihre„Burgruine“ die Erinnerung an Tage des reinsten, friedlichsten Glückes hervor. Doch über all meine Freude ziehen die dunklen Schatten, welche ich durch meine vorschnelle Zunge heraufbeschwoten. Raten, heisen Sie mir! Geben Sie bald Rachricht Ihrer sehnsüchtig darauf wartenden Marion!“ Erst nachdem sie sich dies alles von der Seele heruntergeschrieben, sand die junge Frau Schlaf. Lunge Tage mußten vergehen, ehe das Schreiben in Lindens Hände gelangte, dann wieder bestimmte Zeit, ehe die Antwort kommen konnte. Mit begreiflichem Zagen und heimlichem Bangen wartete Marion. Im Hause Beeskow herrschie eitel Glanz und Sonnenschein. Besuche kamen und gingen. Es trasen Glückwunschtelegramme, Blumenspenden, auch einige Schreiben mit neuen Aufträgen ein. Berühmte Modelle klopften an die Atcliertür, Damen der Gesellschaft zeigten sich bereit, ihre Schönheit dem Meister zu einem neuen Bilde zur Verfügung zu stellen. Marion hielt sich dem frohen Treiben in auffälliger Weise fern sie sah blaß und leidend aus, so daß es zuletzt selbst Reinhold befremdete. So wie damals, als er sie zum Modell wünschte, ging er auch heute zu ihr, fragte an der Portiere, ob er eintreten dürfe. Marion war so versunken gewesen, daß sie erschreckt zusammenfuhr. Verwirrt bat sie Reinhold, näher zu kommen. Mit freundlichem Vorwurf streckte er ihr beide Hände entgegen.„Marion, was fehlt dir? Du beteiligst dich nicht an unserer Freude, erscheinst teilnahmlos und bedrückt, ich weiß aber, daß du im tieisten Herzen über mein, o großer Gott, so schwer errungenes Glück innige Befriedigung fühlst.“ Marion wäre dieser Aussprache gern ausgewichen. Doch da es nicht mehr möglich war, so erwiderte sie Beeskows Händedruck und entgegnete in leiser Befangenheit: „Ich danke dir, Reinhold, daß du meine scheinbare Teilnahmlosigkeit nicht falsch beurteilst. Es ist, wie du sagst: niemand kann deinen Erfolg herzlicher mitempfinden, als ich. Wie mußte ich dich anfänglich bedauern, als die Arbeit durchaus nicht werden wollte! Und daß ich es nur offen eingestehe, ich gab dich auf, würdigte monatelang deine Arbeit keines Blickes, glaubte nicht, daß da noch Beachtenswertes zustande komme. Und nun hast du es doch geschafft, dir ehrlich die Lorbeeren verdient, welche man dir so bereitwillig entgegenbringt!“ Sie hatte ihren Schwager zu einem Platz gezogen und sah ihn aus den tiefen, dunklen Augen innig an. „Glückauf, Reinhold, du hast bewiesen, daß der göttliche Funke in dir ist, nun heg' und pflege ihn, bis er zur hellodernden Flamme wird, das ist der aufrichtige Wunsch einer treuen Freundin! Ich bewundere und verehre dich. Du hast all meine Zweifel überwunden. Ich bin überzeugt, daß du eine große Zukunst vor dir haft!“ „O, Marion, wie danke ich dir, wie danke ich dir, wie glücklich machst du mich durch deine Zuversicht.... Aber— nicht wahr, etwas steht zwischen uns, du verschweigst mir, was du gegen mich hast—“ Nur kurz zögerte Marion, das Peinliche einzugestehen, Röte und Blässe wechselten auf ihrem zarten Antliz, wie um Vergebung bittend sah sie Reinhold an aus ihren unergründlichen Märchenaugen. „Ich weiß, Reinhold, daß der geraubte Lorbeer auf deiner Stirn glütte wie ein unsichtbares und doch unauslöschliches Brandmal. Ich sah deine Lual, ohne dir helsen zu können, verachtete und bemitleidete dich zugleich, bewunderte später deine Ausdauer und kann noch jetzt nicht begreifen, daß es dir wirklich gelungen, eine so schöne Arbeit zu volloringen.“ „Also du weißt“— wiederholte Reinhold mit schwerer Stimme,„kennst mein dunkles Geheimnis, unter dem ich so unbeschreiblich leide?“ Marion nickte. Reinhold preßte die Lippen zusammen.„Durch wen?“ fragte er nach einer Pause. (Jolisetzung folgt.) 2 —. Die Probefahrt. Eine Sportgeschichte von Hans Bongard. (Schluß.)(Nachdr. verboten.) Der wichtige Tag der Probe kam. Die Prüfung sollte an einem besonders kritischen Berge erfolgen, auf dessen Gipfel wir dann das frohe Ereignis gebührend zu feiern gedachten. Die Stunde der Abfahrt hatte geschlagen. Warum wir diesmal gerade mit dem sunselnagelneuen„Zeugerl“ an der benachbarten Ecke vorbeifuhren und unserem Rivalen, der eben auch fertig machte, wie ehemals ein ganz besonders fröhliches:„Na, kommen's mit? Heute geht's auf den F=Berg!" zuriefen? Wer kann das Menschenherz ergründen? Die kleine Episode war auch zu bald vergessen, denn wir sausten nun Göttern gleich auf der ebenen Straße dem Gebirge zu. Es hatte recht nett geschneit, und je höher wir kamen, um so dichter wurde die Schneedecke. Fein, fein, um so geräuschloser flitzte das herrliche Fahrzeug über den weichen Teppich! Der Berg war da. Oben auf dem Gipfel leuchtete verlockend das Unterkunftshaus im Strahle der Wintersonne. Es war eine ganz ansehnliche Höhe. In ihrem weißglitzernden Schneegewand sah die gerade Zufahrtsstraße noch bedeutend steiler aus. Unser universaler Kartenmensch wußte allerdings einen viel bequemeren Weg, eine Serpentine, die auf den Gipfel führte. Aber sein Vorschlag wurde abgelehnt. Das wäre ja doch keine Prüfung für 75 frische Gäule. Sie müssen's schaffen— spielend, so sagten wir uns. Mit Vollgas ging es also empor, erst wie im sansenden Galopp, dann allmählich, im langsamen Trab. Dann hatte man das Gefühl, als wenn die feurigen Renner manchmal gleich zu Dutzenden stürzten. Ruckweis stand sogar der Wagen. Dann schienen sie sich zu erheben und keuchten wieder vorwärts. Wieder versagten die Triebräder. Wenn sie aber wieder Grund spürten, prallten sie gewaltig vor. Endlich war Stillstand. An der Kraft lag es natürlich nicht. Die 75 Rösser arbeiteten mit Wucht. Sie scharrten, schlugen nach hinten aus, daß Funken und Steine sprühten, dem Ziele kamen sie doch nicht näher. Wir stiegen aus und ließen den Wagen allein laufen. Nur bis zum Waldrand kam er noch. Aber dort bohrte sich unser schöner Probewagen so hoffnungslos in eine Wehe, daß wir die Weiterfahrt endgültig aufgeben mußten. Ein kurzer Kriegsrat. Dann wird der Rückzug beschlossen. Aber da, ein neues Hindernis! Auf der schmalen Straße war an Umkehr nicht zu denken. Ein Seitenweg mit einer Ueberbrückung des Grabens ist dazu unbedingt nötig. Unser Quartiermeister war auch darin glücklich. Er fand die gesuchte Stelle. Aber nun aufgepaßt! Daß unser Fahrer auch im Rückwärtsfahren die äußerst schmale Brücke ins Feld findet. Zwei Mann nehmen an der tiefverschneiten Brücke Posto. Nun ganz vorsichtig zur Rückwärtsfahrt angesetzt. Ein Rad findet die richtige Spur, aber das andere kommt ins Rutschen und neigt dem Graben zu. Allgemeines Entsetzen! Als hätte das arme Gefährt Rückgrat und alle Knochen gebrochen, so hing es da, ein Bild des Jammers. Gähnend sperrte uns der Graben seinen weiten Rachen entgegen, über dem in der Luft das eine Hinterrad schwebte. Und von menschlicher Hilfe so weit!! Sollten wir den Unglückskarren mit einem Wachtposten zurücklassen? Wir hätten dann eine mehrstündige Gebirgswanderung antreten müssen. Wieder ein Kriegsrat. Dann der Beschluß: für das gefährdete Rad muß eine Extrabrücke gezimmert werden. Im gibt es Holz. Beil und Säge sind auch zur Stelle. Aber es wäre doch ein gutes Stück Pionierarbeit nötig gewesen. Schon neigte sich der Tag dem Ende zu, und wir standen noch immer unentschlossen. Die Flocken fielen dichter und verhüllten mitteidig die Anglücksstelle. Da schmettert ein helles Hupensignal vom Bergesgipfel. Der blitzschnelle Gedanke an Hilfe wird ebenso schnell wieder abgewiesen. Denn Hilfe ist Blamage. Da, wieder— es klingt schon näher und so bekannt. Es klingt wie nachbarliche Hupentöne. Um Gottes willen, der„Herr von der Ecke“ und diese Bescherung! Er ist natürlich den bequemen Weg gefahren und eilt jetzt, frohgemut, abwärts, der Heimat zu. Rette sich, wer kann, vor seinen schadenfrohen Blicken, oder möge ihn der Herr mit Blindheit####lagen! Da prescht er auch schon in voller Geschwindigkeit daher. Es ist ihm allerdings nicht möglich, zu halten, und so geht das Schlimmste vorüber. Im nächsten Augenblick ertönt die übermütige Stimme unseres findigsten Genossen, des Quartier= meisters:„Heureka, ich hab's gefunden!“ Es ist zwar nicht der Stein der Weisen, den er entdeckt hat, aber was uns in diesem Falle noch wertvoller ist, einen kompletten Steinhaufen zur Wegeverbesserung hat er gefunden, Alle Mann heran! Den leeren wir ab! Tücher werden herbeigeholt, eine alte Automütze wird freiwillig geopfert, und nun etablieren wir uns als Steinträger. Der tückische Graben füllt sich zusehends. Eine kleine Handwinde tut das übrige. Unser armer Weihnachtswagen nimmt nach und nach wieder Haltung an. Endlich steht das Auto wohlbehalten auf der Straße. Beglückt setzen wir zur Heimfahrt an. Als der Mond hinter dem Berg heraufstieg, belächelte er an der Straßenseite einen dunklen Fleck, wo der bewußte Steinhaufen gestanden hatte. Aber noch in der Nacht verwischten wohltätige Schneeflocken die Spuren unserer Verzweiflungstat. Ob der Straßengewaltige im Fruyjayr bei der Schneeschmelze auch gelächelt hat, als er den verschwundenen Steinstapel endlich im Seitengraben als schweres Hindernis für die herabstürzenden Bergwässer wiederfand? So wie wir ihn kennen, wird sein Gesicht in Zornesglut geleuchtet und sein Auge Blitze geschleudert haben. Er hat es aber bei guter Zeit fahren und die Ursache auch dazu. Nur einen weihten wir viel später erst in unser Geheimnis ein— ünseren bisherigen Rivalen. Aber die verunglückte Probefahrt hatte uns einen gesunden Läuterungsprozeß durchmachen lassen, dessen Resultat etwa so lautete: Auch mit 75 Pferden kann man im Schnee stecken bleiben, und ein Mensch, der bloß 40 Pferdestärken sein eigen nennt, kann ein sehr anständiger Weggenosse sein. Wir nahmen mit der Zeit, besonders nachdem auch bei ihm der erste Sportrausch verflogen war, eine ganz andere Haltung zu ihm an. Oft sind wir später mit ihm zusammen im gemütlichen Tempo hinausgefahren in die herrliche Gotteswelt. Es war ein prächtiger Mensch dieser gefürchtete„Herr von der Ecke“! Denkspruch. Rut dem Markt lerni man die Leute deller kennen als in der Kiche. SSptichwert) Ein Frauentorkämpfer und Prophet vor hundert Jahren. Jetzt erfält es sich, was vor etwa 1½ Jahrhunder! der Königsberger Philosoph, humoristische Schriftsteller und iz=sLircktor Theodor Gottlieb von Hippel über die Frauen in zaärnlichen Berusen und Handwerken geschrieben haite. 8 Bon Die Verlobung ihrer Tochter Kläre mit dem Kaufmann Herrn Paal Beckhaus geben hiermit bekannt G. Büscher und gFrau Klara geb. Staupendahl. Schwerte, Oktober 1920. Kläre Büscher Paul Beckhaus Verlobte Schwerte Braunschweig Oktober 1920. Lichispiele zum i. Lichspiale Elisabeth Kaufhold Joseph Gendrong Verlobte Schwerte. Iim Oktober 1920. 10 M 18 61 VI Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimzange unserer lieben, * guten Tochter und Schwester sagen wir allen, besonders Herrn! Pastor Nell für die trostreichen Worte am Grabe auf diesem Wege unsern innigsten Dank. 5841## Familie Heinrich Rickert. Schwerte, den 9. Oktober 1920. 98.Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teil nahme beim Begräbnis unseres lieben Ent schlafenen sagen wir allen unsern herzlichsten Dank. 58-9 ImzNamen der Hinterbliebenen: Paul Assmann. 8 Danksagung. Für die uns in so reichem Masse erwie- 6 sene Teilnahme und die vielen Kranzspenden 2 beim Hinscheiden unserer innigstgeliebten Enkelin und Schwester Else, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pastor Ohlig am Grabe der Entschlafenen sprechen wir, allen an dieser Stelle unsern aufrichtigsten# 5832 k Die Preise Zichenwiedst an. Deshalb kaufen Sie sofort, da mein Pelze Lager gut sortiert ist, wie Ihnen nach:: folgende Preise sagen: Prachtvoller AO Pelz 10.schöner Frauenpelz schwarzer Aß Schult.-Krag. Gu.“ moderner 08 Rollkragen CUFüchsen s von 375.- Mk. an bis 4000.- Mark Pelzhle Hir dergarnilurens " Not vennrapen in großer Auswahl zu billigen Preisen. Verkauf findet nur 1 Treppe hoch statt Pelzhaus ROye. Dortmund Hansastr. 38, 1 Treppe — Kein Laden. 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Schmidt zu Rüdinghausen. Als Sperrbezirk werden bestimmt: Das verseuchte Gehöfte. Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter I meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 2. August 1920 Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zeitung) vom 13. August 1920 enthalten ist. 5845 Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Abschnitte III—VII einschließl. der genannten Anordnung bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz des§ 5 Ziffer 1 wie folgend geändert wird. In der Gemeinde Rüdinghausen wird verboten. Hörde, den 5. Oktober 1920. Landrat. I. V.: gez. Drewes. Schwerte Mitgl.d Deutsch. Turnerschaft Sonntag, den 10. Oktober 1920, abends 8 Uhr. im Vereinslokal Klempt, Mährstraße: Monats-Versammlung. 1585 Der Vorstand. ArbeiterTurn-Verein „Freihen 466 Schwerte. 5 Hiltglieder“ Versammlung. Jonntag, 10. Oktober. vormittags 9½ Uhr im Lokale Zur Reichskrone. Wegen Wichtigkeit der WAcer Dank aus. Familie Gust. Brüning. Die Geschwister. Zentral-Hotel Sternberg. Sonntag, den 10. Oktober 1920: KONZERT. Erstklassige Musik. Eintritt frei. Anfang 5 Uhr. Aueschank Dortmunder Vollbier, 8% C. lungesblut. Auf zur Aplerbeckermark. Sonntag, den 10. Oktober veranstaltet der unggesellen-Verein„9 Uhr-Zug“ im Saale Wirts Venghaus Gressus-Tvels-Tunzan. Est#sind wertvolle Preise ausgesetzt! DUUGGUUEGGGGGUUG 9 Hotel Duisberg *„Kaffes-Restaurant. □ Sonntag, den 10.fOktober 1920: □ Grosses Künstier-Konzert# unter Mitwirkung des Konzertsängers Heinr. Kruse, Hagen(Bass). Anfang 4 Uhr. 5831 Eintritt frei. Ausschank von 8% StadeVollbier. Prima Doppelriegel nur 6.30MMark empfiehlt Hamburger Aaffeelager & Garfs Schulstrasse 6 am Markt. 1o7! Direkt aus der Fabrik! Ohne Zwischenhandel! daber 5856 nur Qualitätsware. Billigste Preise. Precht's Spezial—9 für Bahnhofstrasse Benchten Sie die Schaufenstel 26. 829 Ordentliches Lehrmädchen für sofort gesucht. C. Friebertshäuser Raunfaktarwaren-Geschäft. 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S. 519) mit Ermächtigung des Herren Regierungspräsidenten folgendes bestimmt: Nachdem nach amtstierärztlicher Feststellung die Maul= und Klauenseuche unter dem Viehbestande des Heinrich Kleff zu Aplerbeck, Pariserstr. 14 abgeheilt und eine Neuerkrankung nicht vorgekommen, die Desinfektion vorschriftsmäßig ausgeführt und durch den Kreistierarzt abgenommen ist, gilt die Seuche auf dem erwähnten Gehöft als erloschen. Die in meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 23. 8. 1920 angeordneten Schutzmaßregeln hebe ich daher hiermit auf. 5844 Hörde, den 5. Oktober 1920. Der Landrat. V.: gez. Drewes. Bekanntmachung. In der Bevölkernng ist die Ansicht verdreitet bei Tagesordnung wird er-Ader Adgabe der Militärwaffen würde zwar die ausgesetzte wunscht, recht zahlreich!1 cämte bezahlt, zu gleicher Zeit aber der Ablieferer der zu erscheinen. 5880 iaffe wegen gesetzwidrigen Waffenbesitzes bestraft. Unter Turnen findet jeden Bezugnahme auf den folgenden§ 4 des EntwaffnungsSonnabend von 6—9 Uhrgesetzes trifft dieses nicht zu. Allen Personen, welche in der Turnhalle desdie in ihrem Gewahrsam befindlichen Militärwaffen Gymnasiums statt. A Iin erhalb der vom Reichskommissar festgesetzten Frist abliesern, oder welche die gemäß§ 1 Abs. 2 erforderliche Anmeldung innerhald dieser Frist erstatten, wird Straffreiheit wegen unbefugter Aneignung sowie wegen Iwiderhandlungen gegen die über Anmeldung oder Tolieferung von Waffen und Munition bisher erlassenen Vorschriften gewährt. Soweit Straffreiheit gewährt wird, werden die verhängten Strafen nicht vollstreckt, die anhängigen Verfahren eingestellt und neue nicht eigeleitet. Hörde, den 30 Septemder 1920. 5830 Der Vorstand Freiwillige Feuerwehr Schwerle. Sonntag. 10. Oktober, nachm. 3 Uhr findei die diesjährige 5854 Schlußübung statt. Anschließend die Verteilung der Abzaichen für langjährige Dienste. Das Erscheinen sämtlicher Kameraden, auch der Wachmannschaften, ist dringend erwünscht. Der Vorstand Der Landrat. gez.: Hansmann. Bekanntmachung. 7 Als Mastfulter für Schweine empfehle: e sahrenes Zweit□ □ □ □ □ □ □ □ □ Gallensteine beseitigt schmerzlos unserärztl. empfohl. Beugamit. Prospekt gratis. 5609gmit Kenntnissen im Nähen a*, gzin agedote mit JeugnisabBeumers& Co., Hoi# hriften und Gehaltanspr. Saliering 55.34 ft zu richten an Zimmerstrasse 12. In unser Handelsregister Adi. B ist heute unter 34 bei der Firma Ruyrkohlensandsteinbrüche Kühliag& Co. Gesellschafft mit beschränkter Hastung in Westhofen(Weslsalen) folgendes eingelragen worden: Der Diplom-Ingenieur Richard Borchers in Dortmund ist durch Tod als Geschäftsführer ausgeschieden, an seiner Stelle ist der Kaufmann Heinrich Ochs durch Gesellschaftsbeschluß vom 3. August 1920 als Geschäftsführer bestellt worden. . Durch Beschluß derselben Gesellschaftsversammlung HarmoniUtn die Ziffer 5 des Gesellschaftsvertrages vom 10. März 919 wie folgt geändert worden Die Gesellschaft wird durch den einen oder mehrere Geschäftsführer vertrelen. Im letzteren Falle ist jeder Geschäftsführer allein vertretungsberechtigt. 5846 Schwerte, den 4. Oktober 1920. Klavier und Stimmen, Repara turen, Aufpolieren Gendrong Schwerte Hörderstraße 12. Eingang Kuhstraße. Plc. Siien-Saa e Das Amtegericht. Bohnenmer! plättet 5690 GUUGUEHEATSCIGDBGBG Schwimm-Verein Schwerte. Sonntag, den 10. Oktober, vormittags 10 Uhr: General=Versammlung. ½ Stunde vorher Vorstandssitzung. Da wichtige Punkte besprochen werden, ist vollzähliges Erscheinen sämtlicher Mitglieder dringend nötig. 5838 Der Vorstand. Grobzreler für dicke Drähte sofort gesucht. Angebote nnter K 5848 a. d. Gesch. alles garantiert rein. eigene Mahlung L. Weinberg. 5858— A Halte ständig und Gardinen Morgenspannt maschen Schröer, Haselackstr. 14 für sofort gesucht. Kampstrass 13. Junger Lehrer erteil gründlichen Klavier-Un.##g terrioht nach konservatoli. 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Schwerte dortselbst verabfolgt. in öffentlichem Verding) Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Die Arbeilen umsassen im die Nichtbefolgung dieser Aufforderung die Richtwesentlichen:(belieferung mit Hafer nach sich zieht. elwa 370 ga 1/4 Glas.“ Schwerte, den 5. Oktober 1920. Verglasung und 94 gm Taden Münsche mit einem eo Mädchen im Alter von 20 bis 28 Johren, welches eine ten gef Stiefmutter hat, bekannt zu zu mienen ves. Orl gleich werden. Off unt. K 5859/ Offerten unt K 5836 a. an die Geschäftssteue o. Jig die Geschäfisst. d. Jig. undurchsichtige Verglasung. Ausführungszeit 4 Woch Angebote sind verschlossen, pestfeei und mit der Ausschrift„Angebot auf Ausführung der Glaserarbeiten der Verwaltungsgebäudegruppe“ bis zum Eröttnungstermin, Mittwoch, den 20 Oktober d. Is vormittags 11 Uhr, andie unterzeichnete Bauabteilung einzureichen. Verdingungeunterlager liegen im Dienstgebäude. Ostenheide Nr. 2, zur Ein sicht aus. Verdingshesle sind, soweit der Vorrat reicht, zum Preise von 60 M. von hier zu beziehen. Schwerle, 6. Okt. 1920. Eisenbahn bauabtellung 1. Der Magistrat. dlung. Sprechstunden von 9—12 und 2—5 Uhr. soenabend und Sonntags nur in dringenden Pällen Elly Hensel, Hörde, Schalstraße 21. R##gl. Vertreterin der Falke-Hellweise. *„ kauft Cark Braus. A Herren- Anzüge 375° 3352* 2959 1950 Herren-Paletots 575°597°225° 196 80 #erau Handschuhe Demen-Trikot-Handschuhe schöne Qualität, Leder- Imitet, mit weihem Vorstoß Paar Damen-Trikot-Handschuhe reine Seide, in schwarz u. in aparten Farben..... Paar 29.50 u. Herren-Trikot-Handschuhe Leder-Imitat in schönem Farbensorüment Paar Herren-Trikot-Handschuhe Waschieder-Imitat mit schwarzer Raupen-Aufnaht Paar Damen-Olacé-Handschuhe la. Ziegenleder in echwarz u. hübschen modernen Parben..... Paar Herren-Glacé-Handschuhe in schwarz und farbig Paar 4750 Strümpfe Schirme Kleiderstoffe Damen-Strümpfe, 1+-1 gestrickt, krättige □ 75 Qualltät, schwarz..... 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Wer das beurteile einen Blick zu werfen. Manuskript!(Stürmisch rechts) wollen wohl denburg=Januschan hier Lachen rechts.) Die bü nur Angst um ihren E# Gesetz mit Füßen getre keit.) Aber das Heil l menten.(Lebhafter Zu Ausnahmegesetz gegen? beschließen. Es ist ein neutes Gelächter.) Wa Aufreizung zum Klasse ter.) Das Allgemeinwoh feren Händen befinden die Massen ein.(Anha Abg. Heilmann(So der Dorredner ein Sta das neue Groß=Berlin entbehren muß.(Groß an, daß eine Millionen verwaltet wird.(Groß Magistrat muß so rasch beginnen. Deshalb tion ab. Nach kurzen, zusti Abgg. Dr. Leidig(D. wird das Gesetz mit de genammen. Es folgt die zweite Susammensetzung der! Abg. Gelze(Ont.) Gesetz, durch das das tische Körperschaften sitzende der Deputatio ernannt, nicht gewähl unbedingt der Deputa Abg. Schnaken Besetzentwurf zu. Abg. Richter=Licht Gesetz, weil es trotz kirchliche Reaktion st Abg. Cottwald(: hollmann(D. Op.) sti wenn der Antrag v. wird, wonach der D ernannt wird. Das Gesetz wird genommen. „Schwerter under Faietlagz. Denagprnt amalie a.= Ms., bei der Post 6.—, Mb., ohne Beellgeld. Anzeigenpreise: 1 mm hohe. 35 mm breite Jeile 35 Pfg. Wohnungs= und Stellengesuche 30 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Nachlaß U. Taris. Jeder Radalt gill als kassenenbatt und erltscht bei Konkursen. Zwangsvergleichen, gerichtlichen silagen u. RichtBeachten der gemachten Jahlungsbedin ungen Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oolkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. holzwickecker Zeitung Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Shwerter Zeihungk genihrt shren übennenten für jeden umnt Tod endenden Unfall gemäß dren Be. 300 Mark Unfall. Angungen Druch u. Verlag v. Carl Braus, Schwerte(Ruhr) — 4 Fernsprecher 62. Telegramm=Adresse: Braus, Schwerte(Ruhr). Dostscheckkonto 2852 Cöln. Mentag, den 11. Oktober 1920. Preußische Landesversammlung, Der Kampf um Groß=Berlin. Berlin, 9. Oktober. die letzte Sitzung des Dreußen=Darlaments beschäftigt sich zunächst mit dem Gesetz Groß=Berlin, dessen dritte Lesung vorgenommen wird. Die Art und Weise, wie die unabhängig=sozialdemokratische Mehrheit ihre neugewonnene Macht in der Gemeinde Groß=Berlin auszunutzen sucht, hat die bürgerlichen Parteien veranlaßt, noch in zwölfter Stunde einige Anträge zu stellen, die den ärgsten Nißbrauch hindern sollen. Gegen diese Anträge wettert der Abg. Kilian (U.=S.), doch wird seine Aufregung vom Hause nur komisch genommen, er wird einfach ausgelacht. Er meint: Wer diesem Gesetzentwurf zustimmt, beteikigt sich an einem Attentat auf die Erundrechte des deutschen Dolkes.(Lebh. Sehr wahr! bei den U.=S.)(Dizepräsident Frentzel rügt den Ausdruck.) Ein eben beschlossenes Gesetz will man abändern! die bürgerlichen Parteien fragen danach nicht. Sie wollen lediglich ihre Macht von neuem stützen. (Tachen rechts. Sehr richtig! bei den U.=S.)— Große Unruhe.) Man will ein Ausnahmegesetz schlimmster Art schaffen.(Wiederholtes Lachen rechts.) Gegen diese schwarzen reaktionären Pläne werden die Massen aufstehen.(Großer Lärm rechts— Juruf: Lesen Sie mal weiter!— heiterkeit.) Wer das beurteilen will, braucht nur einmal einen Blick zu werfen...(Suruf rechts: In Ihr Manuskript!(Stürmische Heiterkeit.) Sie(nach rechts) wollen wohl die Manieren des herrn Oldenburg=Januschan hier einführen!(Wiederholtes Lachen rechts.) Die bürgerlichen Oarteien haben nur Angst um ihren Geldbeutel. Daher wird das Gesetz mit Füßen getreten!(Anhaltende Heiterkeit.) Aber das Heil liegt nicht in den Parlamenten.(Lebhafter Suruf: Moskau, Moskau!) Ein Ausnahmegesetz gegen die Kulturarbeit wollen Sie beschließen. Es ist ein Schauspiel für Götter.(Erneutes Gelächter.) Was man jetzt hier treibt, ist Aufreizung zum Klassenhaß.(Wiederholtes Gelächter.) Das Allgemeinwohl kann sich aber nie in besferen Händen befinden als bei uns. Das sehen die Massen ein.(Anhaltender Widerspruch.) Abg. Heilmann(Soz.): Ich bedauere nur, daß der Dorredner ein Stadtrat in Halle ist, und daß das neue Groß=Berlin diese hervorragende Kraft entbehren muß.(Große heiterkeit.) Es geht nicht an, daß eine Millionenstadt wochenlang provisorisch verwaltet wird.(Großer Lärm bei den U.-S.) Der Magistrat muß so rasch wie möglich seine Cätigkeit beginnen. Deshalb lehnen wir jede Obstruktion ab. Nach kurzen, zustimmenden Heußerungen der Abgg. Dr. Leidig(D. Op.) und Dominikus(Dem.) wird das Gesetz mit den bürgerlichen Anträgen angenammen. Es folgt die zweite Lesung des Gesetzes über die Susammensetzung der Schuldeputationen. Abg. Gelze(Ont.) übt scharfe Kritik an dem Gesetz, durch das das politische Moment in unpolitische Körperschaften getragen werde. Der Dorsitzende der Deputation müßte vom Bürgermeister ernannt, nicht gewählt werden. Der Ofarrer müßte unbedingt der Deputation angehören. Abg. Schnakenburg(Dem.) stimmt, dem Besetzentwurf zu. Abg. Richter=Lichtenberg(U.=S.) ist gegen das Gesetz, weil es trotz gewisser Verbesserungen die kirchliche Reaktion stärke. Abg. Gottwald(Str.), König=Frankfurt(Soz.), hollmann(D. Op.) stimmen dem Gesetz zu, letzterer, wenn der Antrag v. Richter(D. Op.) angenommen wird, wonach der Dorsitzende der Schuldeputation ernannt wird. Das Gesetz wird mit dem Antrag v. Richter angenommen. Reichstages. Der Präsident des Reichstages, Löbe, hat den Reichstag auf den 19. Oktober, nachmittags 3 Uhr, einberufen. Am ersten Tage des Jusammenseins wird der Reichstag außer etwa 25 kleinen Anfragen einen schleunigen Antrag der Unabhängigen auf Aufhebung des gegen den Abg. Kasten beim Reichsgericht schwebenden Verfahrens zu erledigen haben. Ferner stehen auf der Cagesordnung die erste Beratung des Gesetzes gegen die Kapitalflucht und einige Haushaltungsrechnungen. In der weiteren Cagungsdauer wird der Reichstag, wie der„Dorwärts" berichtet, u. a. die Rbänderung des Besoldungsgesetzes und den Entwurf eines Gehaltssperrgesetzes zu beraten haben. Das letztere soll verhindern, daß die Einzelstaaten durch weitergehende Gehaltsbewilligungen das Reich in eine Zwangslage bringen. Ferner ist ein Gesetzentwurf auf Verlängerung der Gültigkeitsdauer der Verordnung über die Entlassung Schwerkriegsbeschädigter und das Gesetz über die Abänderung des ReichsUotopfers zu beraten. Don größeren gesetzgeberischen Arbeiten, die in der nächsten Sukunft an den Reichstag kommen werden, sind zu nennen: Gesetzentwürfe über den Volksentscheid und den Staatsgerichtshof, ferner ein Disziplinargesetz für Angehörige der Wehrmacht und ein neues Konsulatsgebührengesetz. Kußer den großen haushaltsentwürfen für 1920 dürften dem Reichstag bald nach seinem Susammentritt noch Wirtschaftsabkommen mit der Cschechoslowakei, mit Ungarn und mit Frankreich zugehen. Das letztere wird Rblösungen in Elsaß=Lothringen betreffen. Von Wichtigkeit wird auch ein Abkommen sein, das mit dem Freistaat Danzig über die Rechtspflege zu treffen ist. 000 mission der französischen Kammer am 14. Juni 20 ferstattet hat. und dessen authentischen Wortlaut wir uns erst vor kurzem beschaffen konnten, schätzt die kosten der Besatzungsarmee bis 1. Mai 1920 auf 4 Milliareen Coldmark, was einem Betrage von 40 Milliarden Dapiermark entspricht. Es ist nicht ersichtlich, ob herr Loucheur hierbei lediglich die kosten der französischen Besatzungsarmee oder die Gesamtkosten der Besatzung im Auge hat. Geht man von letzterer Doraussetzung aus, so ergibt sich eine monatliche Ausgabe von 2,5 Milliarden, d. h. eine Jahresausgabe von 27,6 Milliarden Dapiermark. Wenn wir demnach nur 15 Milliarden in den Etat eingesetzt haben, so geschieht dies in der Erwartung, daß die ganze Besatzungsfrage einer radikalen Cenderung unterzogen wird. Die Milliardenkesten der Besatzung. Die Aufstellung eines geordneten Stats unmöglich. Der Reichsrat hatte auf Mittwoch zur Erstattung des Berichtes des Ausschusses über den haushaltsplan des Reichsschatzministeriums eine Dollsitzung anberaumt, in der der Berichterstatter sich außerstande erklärte, das Referat zu erstatten, weil in der Zwischenzeit bekannt geworden war, daß riesige Erhöhungen der Aufwendungen für die Besatzungstruppen erforderlich werden. Der Berichterstatter stellte infolgedessen die Anfrage an den Uinister, welche Bewandtnis es mit dieser Erhöhung habe und wie hoch sich nach Ansicht des Ministes der Gesamtaufwand stellen würde. Reichsschatzminister v. Raumer führte u. a. aus: Bei der Aufstellung des Etats im Februar 1920 fehlte jede sichere Unterlage. Die Anfrage bei der Kheinlandkommistion über die Stärke der Besatzunz über die Gebührnisse an Geld, Derpflegung, Wohnung, Verbrauchsgegenständen ufw. ist bis heute unbeantwortet geblieben. Der Marschall Foch hatte im Oktober 1919 auf eine Anfrage der deutschen Waffenstillstandskommission geantwortet, die deutsche Regierung habe keine Kontrolle zu üben über die Verwendung der angeforderten Markvorschüsse, die ihr auf die Besetzungskosten gutgeschrieben würden. Der einzige Anhalt für die Kufstellung des Etats 1920 ergal sich für das Reichsschatzministerium aus einer Erklärung des Vorsitzenden der Interalliierten Kommission, herrn Loucheur, bei, den Verhandlungen in Versailles im Kugust 1919.] herr Loucheur hat damals auf die Feststellung des Staatssekretär Dr. Lewald, daß im beselten Gebiet Kasernements für 70000 Mann Besetzungs=) truppen eingerichtet und daß hoffenlich diese Jahl auch nicht überschritten werde, erwidert, die mitgeteilte Jahl würde wohl um etwas höher sein. Der Bericht des französischen Abg. Loucheur, den er im Namen der französischen BudgetkomFrankreichs Forderung. 100 Milliarden Kriegsentschädigung für 1921. Das französische Finanzministerium teilt mit, daß nunmehr alle übrigen Ministerien ihre Ausgaberechnungen für 1921 eingereicht haben und das Kriegsministerium seine Ausgaben derartig erhöhte, daß der Budgetentwurf 26 Milliarden 1 F r a n c s f ü r r e g e l m ä ß i g e A u s g a b e n b e a n s p r u c h e n werde gegenüber 22 Milliarden Francs 1920. Dazu komme ein Budget von außergewöhnlichen Ausgaben in Höhe von 24 Millickrden Francs für den Wiederaufbau der vom Kriege betroffenen Provinzen und für die Unterhaltung der Cruppen im besetzten Gebiete. Diese Riesenausgaben sollen einfach als Kriegsentschädigung Deutschland zugeschrieben werden. An der Dariser Börse wunden vorgestern 100 Mark mit 22 Francs notiert, so daß nach der Aufstellung des Budgetentwurfes Deutschland allein 1921 nahezu 100 Milliarden Ulark an Frankreich zu zahlen hätte. Nach dem Versailler Friedensvertrag muß Frankreich sechs Monate nach vorhergegangenem Einvernehmen mit seinen Bundesgenossen die Gesamtsumme seiner Entschädigungsforderung bekanntgeben. Man kann sich vorstellen, welche fabelhafte Summen sich auf der Grundlage dieses Budgetentwurfes für 1921 aufbauen ließen, wenn die Bundesgenossen Frankreichs eine derartige Berechnung anerkennen wollten. —000— Dor dem Ende der Sewjet-Regierung? Allen Ernstes werden in London an mehreren Stellen teils mit englischen Regierungspersonen Verhandlungen geführt zwischen russischen Dolitikern der früheren Jaren=Regierung, um eine neue russische Regierung zu bilden. Daran nehmen auch eine Anzahl Mitglieder der ersten russischen Duma steil, sowie mehrere Minister der früheren Sarenregierungen. Jetzt hat auch General Orangel Verstreter nach London gesandt, die sich an den Verhandlungen beteiligen sollen. Es wird zunächst versucht, die verschiedenen Richtungen, die besondere Ziele verfolgen, miteinander zu vereinen. Alle diese Kussen sehen das Ende der Sowjetregiejrung nahe bevor, stimmen aber darin überein, daß ssich eine neue Revolution unvermeidlich zeigen wird, weil die Bolschewisten das Feld nicht freiwillig räumen werden. Das russische Bürgertum wird als kampfesmutig bezeichnet und die geheiimen Organisationen in Rußland als äußerst wirksam arbeitend erlärt. Von Wrangel ist in Mittelfrußland ein politischer Feldzug unternommen, er große Erfolge hat, wodurch man der bolschewistischen Knarchie einen starken Wall entgegenzu55. Jahrgang. setzen hofft.. Orangels hoffnung geht dahin, das europäische Rußland, soweit sich die Macht von Moskau ausdehnt, zu vereinsamen und von Esien abzuschneiden, so daß er mit seiner Armee vom Dongebiet und von Klexandrowo aus die Scheidewand zwischen Osten und Westen ziehen kann. Nach Aeußerungen verschiedener russischer Politiker wird von gewisser Seite versucht, Dolen bei Ausbruch der Ereignisse eine besondere Rolle zu übertragen, womit die Russen aber nicht einverstanden sind. Sie suchen deshalb Hilfe bei England in der Erwartung, daß England sich den polnischen Zielen widersetzen wird. Die englische Regierung läßt sich augenblicklich nur zwecks Unterrichtung in den Verhandlungen vertreten und nimmt amtlich keinen Anteil daran. Auch der Vertreter Drangels, der amtliche Beziehungen in dieser Richtung anzuknüpfen hofft, wurde abschlägig beschieden. Auf die handelsberatungen, die in England mit den Sowjet=Vertretern geführt werden, hat die neue polttische Bewegung einen hemmenden Einfluß gehabt, da sich viele Firmen einstweilen wieder zurückgezogen haben, um abzuwarten, was aus der neuen Politik werden kann. —0000 Schluß des Betriebsrätekengresses. Am Dannerstag, dem dritten Cage des Betriebsrätekongresses ging es wieder sehr lebhaft zu. nächst hielt Dißmann von der UsD. ein längeres Referat über die Aufgaben der Betriebsräte. Sie hätten den Unternehmer nicht zu bitten, sondern ste hätten zu fordern. Auf wirtschaftlichem Gebiete sollten sie die Revolution vorbereiten. Polittsche Räte kämen erst in Frage, wenn die Arbeiterschaft die politische Macht hätte. Wichtig sei die Zusammenarbeit von Hand= und Kopfarbeitern. Die Leitung müsse in den Händen der Gewerkschaften sein. Mlan solle den Generalstreik nicht als allheilmittel, sondern als letztes Ulittel in der llot betrachten. Der Kongreß beschloß dann eine scharfe Resolution gegen die Aussperrung im Berliner Seitungsgewerbe. Kls Korreferent zu Dißmanns Referat sprach der Kommunist Brandler, der den Bürgerkrieg zur Errichtung der Diktatur des Proletariats predigte. Richard Müller trat für eine selbständige von den Gewerkschaften unabhängige Rätezentrale ein. Die weitere Debatte verlor sich in Jänkereien mit der kommunistischen Opposition. Auch ein russischer Gewerkschaftler, Losowsky, trat auf, schnitt aber nicht gerade rühmlich ab. Zum Schluß stellte sich die überwiegende Mehrheit des Kongresses auf den Standpunkt Dißmanns. der die Leitung der Betriebsräteorganisation in den Händen der Gewerkschaften sehen will. 00 Sozialdemokratischer Parteitag. EU Kassel, 10. Okt. Der Sozialdemokratische Parteitag in Kassel wurde gestern abend mit einer Ansprache des Kasseler Oberbürgermeisters Scheidemann eingeleitet. Scheidemann führte aus: Was die Innenpolitik anbetrifft, so besteht das Siel in der Gewinnung eines starken Einflusses, als wie er in der früheren koalition ausgeübt wurde. Die Massen nach dieser Richtung aufzuklären, ist die Aufgabe des Kasseler Parteitages. Scheidemann ertnnerte daran, daß genau vor 30 Jahren, im Oktober 1890. in halle der 4. sozialdemokratische Parteitag nach dem Fall des Sozialistengesetzes stattfand. Dort werde jetzt der unabhängige Parteitag beginnen. Er stellt dann die offene Frage an die Arbeiterschaft Deutschlands und der ganzen Welt, wo der wahre Sozialismus zu finden sei, dort, wo man sich selbst zerfleische oder hier. Der Kasseler Parteitag werde neue Wege führen, vorwärts führen, aber ohne Kompromisse. Nachdem der##0### jährige Pfannkuch den Darteitag für eröffnet erklärt hat, wurden Hermann Müller und Scheide