ese Woche. 1 Pfd. 2.50 Mk. Pfd. 15.50 Mk. 1 Pfd. 1.72 Mt. 1 Pfd. 2.50 Mk. Reis und dergl. Pfd. 16,00 Mk. teil 200 gr. hlossen. d Zahlzettel am se. bei Fr. Giesbert, 20. 4600 Der Magistrat. usgabe. ugust 1920 o. 1 bis 700 ssen. August 1920 . 701 bis 1400 1401" 2100 gust 1910 2101 bis 2800 2801" 9500 August 1970 3501 bis Schluß. irden Brotmarhen auf 91. werden Brolmarken Brolmarken am nittags auf Zimmer 20 gemacht, daß nur dei ken belabfolgt werden. 929. Der Mogistrat. Schlachcho on morgens 10—11 ensmittelkarten von 4606 er nigei Veteranen und züg n 1864/66 und J hre in Schwerte weniger als 900 Mk. jahre einen Ehrenn Einwohner wollen tärpapiere und einer n Rathause, Zimmer 920 melden. ts im vorigen Jahre en, bedarf es eines just 1920. Der Magistrat nelsdorf alurkreunde un einen guten off verhaltend dem Mertellchres50 le Moneichete und Schrifsteller% urch dle arBraus erte. Prebeheit 80 Pf. Die„Schwerter Zeitung" erscheint läglich außer Feiertags. Bezugspreis monatlich 6.— Mk., bei der Post 6.—, Mb., ohne Bestellgield. Anzeigenpreise: 1 mm hohe, 35 mm breite Jelle 35 Pfg. Wohnungs= und Stellengesuche 30 Pfg. Bei Wiederholungen enisprechender Nachlaß lk. Taris. Jeder Rabatt gilt als Kasseur:batt und erlischt bei Konkursen, ##anzsoergleichen, gerichtlichen Klagen u. Nichtbeachten der gemachten Jahlungsbedingungen. Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Doikszeitung Schwerter Oolksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Jeitung“ gewährt ihren Avonnenten für jeden mit Tod endenden Unfall gemäß bren Se. 300 Mark Anfall. Aongen Druck u. Verlag v. Carl Braus, Schwerte(Ruhr) Femsprecher 62. Telegramm=Adresse: Braus, Schwerte(Ruhr). Postscheckhonto 2852 Cdin. Nr. 187. S Mittwoch, den 11. August 1920. 55. Jahrgang. Die deutsche Neutralität] Die polnische Katastrophe. klicht gegen Rußland, aber auch nicht für Rußland! Keine Uebertreibungen! Alle Parteien, von der äußersten Rechten bis zur Linken, sind sich darin einig, daß die einzig gegelene Stellungnahme Deutschlands im russisch= polnischen Kouflikt die strikteste Ueutralität ist. Kaum ein Mensch in Deutschland empfindet für Polen, das uns im Kriege heimtückisch verraten, uns durch die Hilfe der Entente große Landstücke cutrissen hat und die in seinem Gebiet wohnenden Deutschen quält und peinigt, wo es nur kann, Sympothien, aber andererseits sieht auch die große Mehrheit des deutschen Dolkes in dem System des Beischewismus den gefährlichsten Feind für unser wiederaufzubauendes Wirtschaftsleben, der uns völlig und endgültig in den Kbgrund stürzen würde. Und auch die Kreise in Deutschland, die offen mit Sowiet=Rußland sympathisieren, sehen ein, daß wir augenblicklich in Deutschland, da Fochs Armeen Gewehr bei Fuß am Rheine stehen, außerstande sind, die Ueutralität zugunsten Rußlands brechen, auch wenn wir es wollten. So sind sich denn alle hierin einig, und die Re#r#ung findet die Unterstützung des gesamten Dolkes, wenn es heißt, die Ueutralität zu wahren. Doch eines muß hierbei betont werden, die Leitung der politischen Geschäfte und die Verantwortung hierfür ruht einzig und allein in den Händen der Regierung. Sie in erster Linie hat dafür zu sorgen, und darüber zu wachen, daß die Ueutralität gewahrt wird, sie hat die Maßnahmen zu treffen, die sie schützen. Es ist selbstverständlich, daß sie hierbei die Unterstützung der weitesten Kreise des Dolkes findet, wenn sie ihrer bedarf. Aber es muß zu schweren Bedenken veranlassen, wenn einzelne Ceile des Dolkes, die keine politische Verantwortung tragen, von sich aus selbständig in das politische Grtriebe eingreifen. In diesem Sinne ist es zu werten, wenn Eisenbahner oder Arbeiter, wie es in den letzten Cagen häufiger vorgekommen ist, die regelmäßigen Cransporte der Entente nach Eberschlesien, Tschecho-Slowakei u. a. anhalten, weil sie glauben, es handelt sich um Munitionsusw. Cransporte für Polen. Diese Swischenfälle können zu unliebsamen Konflikten„führen, die mehr schaden als nützen. So sehr begrüßenswert es ist, wenn Eisenbahner und Cransportarbeiter von ihren Organisationen verpflichtet werden, alle Cransporte in ihrem Bereiche zu überwachen, und sie dieser Verpflichtung nachkommen, so sehr muß man auch vor Uebertreibungen warnen. Die Entscheidung darf einzig und allein in der Hand der verantwortlichen Stellen bleiben, und das sind nicht die parteipolitischen und gewerkschaftlichen Organisationen, sondern einzig und allein die Regierungsstellen. Aufruf an die deutschen Arbeiter. Der Verband der deutschen Gewerkvereine, der Gewerkschaftsbund der Angestellten und der allgemeine Eisenbahnerverband erlassen einen Aufruf an die deutschen Arbeiter=, Angestellten= und Beamtenschaft, in dem es heißt: Die deutsche Regierung hat im Kriege zwischen Rußland und Polen unbedingte Neutralität verkündet. Alle Darteien haben diesem Standpunkt zugestimmt. Ob Cransporte geeignet sind, die Neutralität zu verletzen, muß von der Regierung festgestellt werden. Es ist deshalb nicht angängig, daß von irgendeiner Seite selbständig über die Sulässigkeit oder Nichtzulässigkeit fraglicher Cransporte entschieden wird, weil bei Mißgriffen Deutschland und das deutsche Dolk die Seche bezahlen müßte. Daher haltet die Rugen offen und meldet unverzüglich alle verdächtigen Cransporte nach Verständigung mit Eurer Organisationsleitung der zuständigen Regierungsstelle bezw. dem Reichsverkehrsministerium und dem Auswärtigen Amt. haltet Euch fern von allen selbständigen Eingriffen gegen laufende Cransporte. Vermeidet besonders Jusammenstöße mit Angehörigen der früheren keindlichen Staaten. Neue polnische Niederlagen. Marienwerder, 10. Aug. Die russische Armee hat sich der Stadt Warschau auf 40 Kilometer genähert. Eine Beschießung durch Artillerie hat noch nicht stattgefunden, da das am weitesten vorgedrungene Kavallerie=Korps nur leichte Feldgeschütze hat. Nach sicheren Nachrichten hat sich die Lage an der Front folgendermaßen gestaltet: Die Holen haben die alten deutschen Stellungen bis Jwangorod und Sochanow nicht gehalten. Nach der Einnahme von Praschnin sind die Kussen mit 2 Stoßtrupps um Ullawa und Joßanow vorgedrungen. Darum ist die dritte Bahnlinie Warschau=Mlawa=Danzig unterbrochen, und die Polen haben nur noch die Strecke über Danzig-Bromberg=Chorn offen. Die bolschewistische Kavallerie ist bis an den Soldauer Sipfel herangeritten, hat aber die ehemalige deutsche Grenze noch nicht überschritten. Ein Befehl, der schon in deutschen Seitungen veröffentlicht wurde, ist noch nicht ergangen. Schon aus der ganzen strategischen Lage ist dieser Befehl unmöglich, da durch den polnischen Korridor eine Ueberflügelung des äußersten Nordflügels der Russen dann möglich wäre, weil die Dolen über die Bahn Danzig=Chorn und über Konitz=Graudenz=Straßburg Reserven in die Flanken der Russen heranbringen könnten. Weiter südich haben die Polen die große Schlacht zwischen Ostrolenka und Bug abgebrochen, nachdem ihr kurzer Widerstand bei Ostrowo gebrochen. Die Russen haben den Vormarsch auf Wiegschow angetreten. Don Sokolow hat der Russe den Dormarsch auf Wegowon eingeschlagen. Westlich ist bereits Bialla erreicht und der Bug bei Wlodawa in breiter Front überschritten. Die Stoßrichtung, die früher auf Lublin gerichtet war, hat durch die Serstörung des polnischen Uordflügels Fortschritte gemacht. Die Polen beginnen nachzugeben. Susammenfassend läßt sich die Lage dahin beurteilen, daß die polnische Armee in ihren Grundteilen nicht mehr ernsthaften Widerstand leisten kann. Die Bahnlinie Danzig—Warschau abgeschnitten. waß Warschau, 10. Aug. Der polnische heeresbericht gibt zu, daß die Bolschewisten Ziechande genommen und damit die Eisenbahnlinie DanzigWarschau abgeschnitten haben. Die Einnahme Warschaus bevorstehend. WaB Amsterdam, 10. Rug. Die„Cimes" meldet, daß man in bolschewistischen Kreisen in London den Einzug des roten heeres in Warschau noch im Laufe dieser Woche erwartet. Pläne für die sofortige Einsetzung einer Sowjetregierung seien bereits festgestellt. Weiteres Vorrücken der Russen. war. Auch auf der Südfront, wo die Dolen sich noch am besten hielten, scheint ihr Rückzug haltlos zu werden. Keine Cruppen, nur technische Berater und Munition für Polen. llicht in hythe, sondern nach der Abreise der beiden Ministerpräsidenten wurde die Formel gefunden, die äußerlich die Einheit zwischen Frankreich und England wiederherstellt, die die Russen nicht beleidigt und die Weiterführung der Verhandlungen ermöglicht. Grundsätzlich beschlossen die Alliierten, den Polen technische Berater und Munition zur Verfügung zu stellen und wenn es nötig sein sollte, Maßregeln zur See zu ergreifen. Die französische Dresse bezeichnet es als einen Erfolg. wenn die militärischen Sachverständigen Frankreichs und Englands sich über später zu ergreifende Maßregeln gegen Rußland einigten und gibt ihrer Sufriedenheit darüber Ausdruck, daß man in Hyihe von der Absendung von Cruppen nach Polen Abstand nahm. Der Hoffnung wird Ausdruck gegeben, daß es möglich sein wird, die russischen Randstaaten gegen dieses zu einigen, so daß noch einmal eine feste Iront gegen Rußland aufgebracht werden könnte. Don der sofortigen Verhängung der Blockade ist keine Rede. Ulan will bis zum 11. August warten, ob zwischen Rußland und Polen in Minsk Vereinbarungen getroffen werden können. Sollte sich dann herausstellen, daß dies nicht möglich sein werde, so soll sofort die Blochade verhängt und Kamenew und Krassin veranloßt werden. Lendon zu veranlassen. Dieses Abkommen bedarf natürlich der Genehmigung des englischen Parlaments, in dem jedenfalls heute eine Aussprache stottfinden wird. Das englische Kabinett billigte lereits gestern in einer Sitzung die in Hythe getroffenen Vereinbarungen. Das ukrainische Pressebüro meldet nach dem Achtuhrabendblatt: Wie verlautet, haben England und Frankreich Dolen in einer llote wissen lassen. es ihnen praktisch unmäglich sei, im gegenwärtigen Augenblick Cruppen in einer zur Rettung Polens genügenden Sahl zu senden. Die Note setzt ausführlich die Gründe auseinander, welche eine militärische Hilfsexpedition nach Polen unmöglich machen. Als einer der Hauptgründe wird die innerpolitische Lage bezeichnet und die Catsache, daß es feststehe, daß die englisch-französischen Arbeiter eine Bekämpfung ihrer russischen Genossen nicht ruhig hinnehmen würden. Weiteres Entgegenkommen Rußlands an die Alliierten. Die„Daily Mail“ meldet: Kamenew machte gestern nacht folgende nauen Dorschläge: 1. Auerkennung der Schulden, die die zaristische Regierung in Frankreich ausgenommen hat. 2. Justimmung, daß eine Konferenz in London Wäs Berlin, 10. Aug. Verschiedene Abendd zwischen Rußland und den alliierten Staaten erblätter melden von der ostpreußischen Grenze: Die] foigt. Russen stoßen gegen die Nordfront vor, nachdem es ihnen gelungen war, die direkte Bahn Warschau— Ulawo—Danzig zu unterbrechen, und weiter in Richtung Chorn, um auch die andere Eisenbahnlinie zwischen Danzig und Warschau über Bromberg— Chorn zu unterbinden. Ju diesem Zweck wurde der russische Nordflügel durch neue Cruppen außer3. Jurückziehung der russischen Cruppen bis zur ethnographischen Grenze Dolens. 4. Döllige Amnestie für General Wrangel und seine Cruppen, wenn sie Rußland räumen. Sollt auf dieser Grundlage ein Einvernehmen nicht erzielt werden können, so wird England, allerdings nur theoretisch, die Blockade über Rußland ordentlich verstärkt. Der polnische Südflügel, der verhängen. Es wird aber bestimmt angenommen, unter großem Munitionsmangel leidet, befindet sich in voller Auflösung. Iwischen Ostrolenka und Bug brachen die Polen die große Schlacht ab, nachdem ihr kurzer Widerstand bei Montrowo gebrochen und namentlich maßgebende italienische Persönlichkeiten sind der Ansicht, daß England die Blockade wohl mehr auf dem Dapier als auf dem Ueere durchführen werde. K Der allgemeine deutsche Gewerkschaftsbund, die sozialdemokratische, die unabhängige und die kommunistische Partei erlassen folgenden Aufruf: Von Cag zu Cag mehren sich die Gerüchte; daß Ententetruppen am Rhein zusammengezogen, daß dort Kriegsmaterial und Lebensmittel angehäuft werden, die dazu bestimmt sind, in dem durch Schuld der polnischen Regierung entfesselten polnisch=russischen Kriege die Dolen gegen die russischen Roten Armeen zu unterstützen. Erzwingt die Entente den Durchtransport von Cruppen und Kriegsmaterial durch Deutschland, so bedeutet dies den Bruch der deutschen Neutralität und hat zur Folge, daß Deutschland Kriegsschauplatz wird. Die deutsche Arheiterklasse muß dies mit allen Mitteln verhindern. Deshalb fordern wir die deutschen Arbeiter auf. den Versuchen der Ententemächte. Cruppen. Kriegsgerät und Munition durch deutsches Gebiet zu transportieren, jegliche hilfe zu verweigern. Die Eisenbahnarbeiter und Cransportarbeiter haben die Gefahr bereits erkannt und die größte Wachsamkeit gezeigt. Sie dürfen der Unterstützung der gesamten Arbeiterschaft sicher sein. Wir erwarte; mit aller Bestimmtheit, daß auch die französischen und englischen Arbeiter sich ihrer internationelen Pflicht bewußt sind und sie betätigen. Haltet Euch bereit! Hoch die internationale Solidarität des Proletariats! —40006— Unsere litauischen Nachbarn. Der Vormarsch der Sowjettruppen, die bei der Verfolgung der Polen in unmittelbare lläbe der ostpreußischen Grenze gekommen sind und das offen zutage getretene Bestreben der derzeitigen Macht: haber in Rußland, einen Korridor zu schaffen, der an die deutsche Grenze führt, läßt es notwendig erscheinen, daß wir uns in diesen Cagen mit besonderer Aufmerksamkeit unseren litauischen Nachbarn zuwenden. Leider ist in Deutschland die Kenntnis der litauischen Verhältnisse immer noch nicht so verbreitet, wie man es wünschen müßte und auch unsere Rußenpolitik hat in dem Verhältnis mit Litauen noch wenig Aktivität gezeigt oder zeigen können. Der junge litauische Staat hat zweifellos schwere Cage hinter sich, aber er hat vielleicht die schwersten Cage erfolgreich überstanden. wenn man bedenkt, daß Litauen bis jetzt sich gegenüber den andrängenden Dolen hat behaupten könen. Litauen kommt durch die gegenwärtige Kampflage in eine recht günstige Pasition, denn es ist anzunehmen, daß bei dem Friedensschluß zwischen Somietrußlond und Dolen Litauen auch einen Leil der Gebiete erhält, die bisher von den Polen besetzt gewesen sind. Das gilt besonders für die Stadt, auf die die Litauer als Hauptstadt besonderen Wert legen, für Wilna. Nach allen Metdungen scheint es doch so, als ob diese Stadt, die tatsächlich eine litanische Gründung darstellt, dem jungen Staate wieder eingefügt würde. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, daß der Nationalitätenkampf in Wilna immer noch nicht endgültig ausgefochten ist, denn Catsache ist, daß ein recht beträchtlicher Prozentsatz der Bewohner Wilnas Polen sind, und es wird nicht zuletzt auf diese selbst ankommen, wie sie sich zu der Neugestaltung der Verhältnisse stellen. Die Litauer haben aber mit großem Geschick die Verhandlungen mit Somjetrußland geführt, und haben hier auch einen diplomatischen Sieg errungen, denn mehr Wert als die Knerkennung dieses jungen Staates durch die Westmächte muß ihnen nach Lage der Dinge die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit und Selbständiekeit durch Sowjetrußland sein. Im Innern selbst ist aber auch heute die Lage noch ziemlich unüdersichtlich und es läßt sich schwer sagen, ob die gegenwärtige Regierung am Ruder bleiben wird. wenn Bolschewisierungsversuche, die aus dem Lande selbst herauskommen. Macht gewinnen. Unsere Politik kann nur darin bestehen, zu den Litauern in ein verträgliches Verhältnis zu kommen und vor allen Dingen in ein Verhältnis, das für beide Leile einen wirtschaftlichen Nutzen hat. Der derzeitige Kußenminister Duryskis war früher Gesandter der litauischen Regierung in Berlin Er kennt deutsche Verhältnisse recht gründlich und hat sich wiederholt für eine wirtschaftliche Annöherung Deutschlands ausgesprochen.— Eleichzeitig muß aber auch darauf hingewiesen werden, daß sowohl die Franzosen als auch die Engländer versuchen. Litauen wirtschaftlich zu durchdringen und es wurd deshalb Aufgabe unserer Dolitik als auch unserer Geschäftswelt sein, den französischen Flachskäufern und den Engländern, die litauisches Bolz kaußen möchten, zuvor zu kommen. Freilich gibt es noch allerlei Reibungspunkte. Es sei nur die Uemeler Frage genannt, aber, den guten Willen der Litauer vorausgesetzt, ist zu hoffen, daß über kurz oder lang auch hierin eine Einigung erzielt wird, damit Deutschland den jungen litanischen Staat stützen Gann, und Citauen seinersetts nach seinen wirtschaftlichen Kräften am Diederaufbau Deutschlands holfon kann. —000— Frankreich hetzt weiter! Alle englischen Blätter bekunden, daß in Kreisen des englischen Uabinetts wegen des Ausganges der Konferenz von Hythe Optimismus herrscht. Ruch das Reutersche Bureau erklärt in einer offiziösen Kuslassung, daß die englischen Ceilnehmer an den Besprechungen inbezug auf die Lösung der russisch=polnischen Frage optimistisch selen. Der „Newyork herald" behauptet, daß zwischen Lloyd Seorge, Krassin und Kamenow am Sonnabend wieder eine längere Besprechung abgehalten wurde. In allen Dunkten bis auf einen wurde Uebereinstimmung erzielt. Lloyd George soll namentlich gefordert haben, daß er noch Sonntag in Hythe im Besitz einer russischen Antwort sein müsse, die die Einstellung der Feindfeligkeiten gegen Holen ankündigt, damit er Millerand von dieser Catsache Mitteilung machen könne. Dagegen sollen die Bolschewisten darauf bestehen, ihren Einzug in Warschau zu halten. Es scheint nicht, daß die Meinungsverschiedenheiten in diesem Punkt das Scheikern der Verhandlungen zur Folge haben könnten, denn Lloyd George würde sich, einer Meldung des „Sunday Expreß" zufolge, damit zufrieden geben, wenn die Russen nach Ablauf von zehn Cagen die Waffenruhe eintreten ließen. Die Friedensbedingungen zwischen Rußland und Polen werden in Minsk fortgesetzt. Obwohl also zwischen England und Rußland in den grundlegenden Fragen ein Einvernehmen erzielt zu sein scheint, ist damit noch nicht gesagt, daß die Besprechungen von Hythe nun das Ergebnis haben werden, daß der Krieg im Osten Europas aufhört, denn alles hängt jetzt von der haltung Irankreichs ab, das, den Ausführungen der Pariser Oresse zufolge, einem friedlichen Ausgang der polnischen angelegenheit nicht geneigt zu sein scheint, sondern alle Anstrengungen macht, für das Schicksal Polens Deutschland büßen zu lassen. Am meisten besorgt zeigen sich die Pariser Blätter angesichts der Möglichkeit, daß Deutschland an der Londoner Konferenz teilnehmen könnte. Dagegen wird mit allen Mitteln der Verhetzung und Verleumdung Iront gemacht. Der einzige Sweck der Konferenz von Hythe besteht darin, so sagt der„Matin", zu verhindern, daß Deutschland aus dem polnischen Chaos Dorteil zieht. Der„Detit Parisien" bemüht sich nachzuweisen, wieviel Anlaß Deutschland zum Mißtrauen gibt. Den Abschluß eines Vertrages zwischen Deutschland und Rußland sieht das Blatt als erwiesen an. Die Ueutralitätserklärung Deutschlands sei ein feindlicher#ikt gegen Polen. Der Dorfall vor der französischen Botschaft in Berlin ist ebenso bezeichnend, wie die an Polen gerichtete llote wegen der Dorfälle in Posen. Das„Echo de Daris“ fügt diesem Sündenregister noch hinzu, daß auch im Elsaß eine von Deutschland betriebene Agitation sich bemerkbar mache. Aus allen diesen Dingen wollen politische u. andere französische Blätter den Schluß ziehen, daß man Deutschland nicht zur Londoner Konferenz zulassen würde. Der „Detit Parisien“ fragt auch, ob es nicht genüge, wenn Polen und Rußland Frieden schließen werde. Das„Journal“ gerät bei dem Gedanken, daß die Londoner Konferenz zustande kommen könne, beinahe außer Rand und Band. Es behauptet, daß ein endgültiger Sieg Rußlands über Polen ein Sieg Deutschlands wäre. Die ganze Jukunft Frankreichs hänge von der Konferenz von Hythe ab. Es verit ie bren, u ug uu er bco Latsgertrages grungen. Der Athitzebererdeand, Barsarge Enlassenen werden von der Teuppe an sier besten en Beighen die Aagelung übetgeben Burde, hat, wie den Ort entlassen, desen Aebelsnachwes für se teciten poht. der„Röln. 3ig; mitgzetelt wird, die Dircktion verpflichtet, die erzwungenen Abmachungen zu widerrufen. Crotz sofort eingeleiteter Verhandlun60 Millionen Flinten als Wandschmuck. Wir lesen in der„Köln. Stg.“: Mit was für alberne Märchen die französische Presse ihre Leser füttert, um sie dauernd im Zustande entrüsteter Erregung wider die bösen Deutschen zu erhalten, sei an einem besonderen blöden Beispiel gezeigt. Im„Petit Journal“ ist auf der Citelseite unter einer dreizeiligen fetten Ueberschrift zu lesen, der gute Franzose dürfe über den Ereignissen in Polen nicht die Frage der deutschen Entwaffnung vergen wiederholten sich Ende der Woche die Ansammlungen der Arbeiter, um die Forderungen mit Gewalt durchzusetzen. Dazu kamen unerfüllbare Lohnanträge besonderer unzuständiger Arbeiterausschüsse. Der Einfluß des Arbeiterrats wurde durch terroristische Wühlereien ausgeschaltet und gleichzeitig setzte in einzelnen Ceilen des Werkes eine planmäßige Arbeitsverweigerung ein. Daraufhin wurde es von der Werkleitung nicht mehr für möglich erachtet, den Betrieb ordnungsmäßig weiterzuführen. Die Autorität war unterwühlt, die geregelte Fortführung der Droduktion nach der Natur des chemischen Betriebes durch die Machenschaften der Arbeiterschaft aufs schwerste gefährdet. Somit blieb der Fabrikleitung nichts anderes mehr übrig, als die ganze Fabrik mit Ausnahme der lebenswichtigen Betriebe mit Wirkung von Montag, den 9. August, vormittags 6 Uhr, an zu schließen. gnAufhebung der Kartoffelzwangswirtschaft. Was Berlin, 10. Aug. Im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft haben in letzter Seit Verhandlungen über die Frage der Aufhebung der Kartoffelzwangswirtschaft mit Vertretern der Landwirtschaft, des Handels und der Konsumenten Tabalaier 4 stohon stattgefunden. Die gleiche Frage war Gegenstand len, daß so dumme Fabeleien in einem Blat. 1.=.., eingehender Erörterungen im Unterausschuß für das in der„Lichtstadt“ Paris erscheint und mit Ernährung und Landwirtschaft des Reichswirteiner halben Million Abnehmer prunkt. Und doch schaftsrates und im landwirtschaftlichen Ausschuß ist's bo. Iu lesen in der kummer vom 7. August, dez Reichstages. mit Rückscht auf die guten Ernteaussichten haben diese Ausschüsse übereinstimmend der Reichsrezierung vorgeschlagen, vom 15. gessen, um so weniger, als die Berliner Regierurg eine krankhafte Findigkeit zeige, sich der ihr auferlegten Waffenabgabe zu entziehen. Wie die deutsche Regierung dieses Kunststück fertig bringt? Das„Detit Journal“ verrät die teuflische deutsche List, die ihm kund geworden ist, durch„Reisende, die von jenseits des Rheins zurückgekehrt sind": Jeder Einwohner hat zur Rufbewahrung in seinem heim ein Gewehr und Datronen erhalten. Die in ihre Leile zerlegte Wasse gilt als Kriegserinnerung und dient nun allgemein als harmloser Wandschmuck. Indes richtet man in jedem Dorf Lehrgänge ein, wo die Reinigung, Jusammensetzung und Serlegung des Gewehres gezeigt und geübt wird. Nach der Ansicht eines ehemaligen Offiziers des deutschen heeres, der gegenwärtig seine Naturalisierung in Frankreich betreibt, haben wir es: da mit einem ausgedehnten Dlan einer zivilen Mobilmachung zu tun, um die sich die Verbandsmächte besser kümmern sollten, als es bisher geschehen ist. Der deutsche Leser wird es kaum glauben wolvorn, fünfte Spalte. Der„politische Direktor“ des„Detit Journal“ ist nicht irgendein Schmok, sondern Stephen Dichon— unter Clemenceau Minister des Geußern der französischen Republik! Die Lage in Irland. Was London, 10. Aug. Erzbischof Monniz, der durch seine verschiedenen, sinnfeinerfreundlichen Reden in Irland bekannt geworden ist und dessen Landung in Irland gestern durch die englische Regierung verboten wurde, wurde gestern in Denzance durch einen Serstörer, der ihn vom Dampser übernommen hatte, gelandet. Der Erzbischof reiste nach London weiter. Die Iren in Liverpool haben Massenkundgebungen anläßlich der Ankunft Monnix geplant. WaB London, 10. Aug. Der Erzbischof Monniz traf in London ein und wurde nach einem unbekannten Aufenthaltsort gebracht. In den Straßen September 1920 ab die öffentliche Bewirtschaftung der Kartoffeln mit der Maßgabe aufzuheben, daß die auf Grund der Verordnung vom 21. Mai abgeschlossenen Verträge bestehen bleiben und eine starke Reichsreserve zur Ueberwindung etwaiger während der herbst= und Wintermoate eintretender Notstände gebildet wird. Es ist darauf zu rechnen, daß ein entsprechender, vom Reichsministerium für 1 Ernährung und Landwirtschaft ausgearbeiteter Verordnungsentwurf Mitte August vom volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstages angenommen wird, so daß dem handel von da ab die zur Anknüpfung seiner geschäftlichen Beziehungen erforderliche Bewegungsfreiheit gegeben und er in den Stand gesetzt ist, Kartoffeln zur Belieferung nach dem 14. September 1920 anzuschaffen. Um die Preisbildung auf dem Markt für Speisekartoffeln Dublins wurden gestern abend zu Ehren des Erzbischofs Freudenfeuer angezündet. Als die Mlenge sich weigerte, auseinander zu gehen, seuerten die Cruppen. Eine Person wurde getötet, eine verletzt. —00000— Schließung der großen Farbenfabrik Leverkusen. Die bereits mitgeteilt wurde, hatten die Arbeiter der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer u. Co. am Samstag, den 31. Juli, gestützt durch die Handlungsweise drohender Arbeitermassen, die Bewilligung einer Cahnaufbesserung bezw. Ceuerungs„. nicht zu beunruhigen, sei schon jetzt darauf hingewiesen, daß die kartoffelverarbeitende Industrie, insbesondere die Brennereien, mit einer Einschränkung ihrer Betriebe zu rechnen haben werden. 00 Fürsorge für die zu entlassenden Soldaten. Die Verminderung des Heeres von 200 000 auf 100000 Mann macht eine besondere Fürsorge für die zur Entlassung kommenden Heeresangehörigen notwendig. Diese Fürsorge wird den *“ Fürsorgestellen für Entlassene anvertraut, die im * Bereich jedes Wehrkreiskommandos und der fehlsstelle 6 bis zur Höchstzahl von je 3 Fürsorgezuständig ist. Sie enthalten bei ihrer Entlassung die von ihnen bis zum 10. Juli verdiente Treuprämie ausgezahlt. Bis zum Ablauf der Monatshälfte, in der sie eine Arbeitsstelle antreten, längstens aber in 2 Monaten erhalten die sie vor ihrer Entlassung aus der Reichswehr nach der Besoldungsordnungzuständigen Gebührnisse. Wenn sie über eigene Zioilkleidungsstücke nicht verfügen, wird ihnen Gelegenheit gegeben, zu erträglichen Preisen Zivilkleidungsstücke, Wäsche und Stiefel zu erwerben. Für etwa 550 Mark sollen sie einen Zivilanzug, ein Paar Schnürschuhe, eine Zivilmütze, eine Unterhose, ein Hemd und ein Paar Strümpfe kaufen können. Zur weiteren Ausbildung der Ausscheidenden sollen Unterrichtskurse eingerichtet werden. Zur zweckmäßigen Erledigung der Arbeitsvermittlung werden bei den Fürsorgestellen Wirtschaftsbeiräte eingerichtet. —0 Rheinisch-westfälisch-lippischer Handwerkertag. Vorgestern fand unter außerordentlich starker Beteiligung der Mittelstandskreise aus dem Westen Deutschlands im städt. Saalbau zu Essen der rhein.=westf.=lippische Handwerkertag statt. An der Tagung nahmen die Vertreter des Oberpräsidenten, des Regierungspräsidenten von Düsseldorf, der Handelskammervereinigung für den rhein.= west. Industriebezirk, der Stadtverwaltung Essen, der Handwerkskammer von Düsseldorf und Dortmund, sowie eine Anzahl Innungsausschüsse von nah und fern teil. Die Regierungsvertreter begrüßten die Tagung mit dem Hinweis darauf, daß die Mittelstandsbewegung berufen und befähigt sei, das zerrüttete deutsche Wirtschaftsleben wieder in geordnete und gesunde Bahnen zu lenken. Regierungsrat Dr. Quaatz streifte die heutige und die frühere Wirtschaftslage in Deutschland und überbrachte die Grüße des rhein.=westf. Handels und der Industrie. Er sprach die zuversichtliche Hoffnung auf die Wiedergeburt Deutschlands aus, die mit Hilfe der Mittelstandsbewegung erfolgen werde. Oberbürgermeister Dr. Luther erwartet in seiner Ansprache, daß die Tagung, die erstenmals alles, was das Handwerk an schaffenden Kräften besitze, zur einheitlichen Arbeit sammle, den Aufstieg unseres Wirtschaftslebens anbahnen helfe. Er orückte seine besondere Genugtuung darüber aus, daß die Aktion von der Großindustriestadt Essen ausgehe. Es sprachen dann in längeren Vorträgen über Handwerkerfragen Dr. Lübbering und Dr. Menrer=Essen, sowie der Führer der Handwerkerbewegung im rhein.=westf. Industriegebiet Kükelhaus=Essen. Einen großzügig angelegten Vortrag hielt der Vorsitzende des reichsdeutschen Mittelstandsverbandes Bürgermeister Dr. Eberle=Dresden über: Benutzung der geschaffenen Organisationen im Freiheitskampf des rhein.=westf.=lippischen Handwerks gegen einen übermächtigen Kapitalismus, grgen Sozialisierung und Kommunalisierung. Zum Schluß der Tagung wurde eine Entschließung angenommen, in der die Grundsätze für die Finanzierung der Berufs=Fachorganisationen niedergelegt sind. Die Handwerkerbewegung im rhein.=westf.lippischen Wirkungsgebiet umfaßt gegenwärtig rund 1000 Fachinnungen mit 70000 Handwerksbetrieben. Die Summe der Jahresausgaben beträgt rund 5 Millionen Mark, von denen 90 Prozent durch direkte Beiträge der Handwerker aufgebracht werden. —— winligung einer Lohnausbessetung beza, Gruerungs= fehlsstelle 6 bis zur Höchstzahl, von je 3 Fürsorgezulage durch Uebernahme des Steuerabzuges un= steuen aufgestellt werden. Die Fürsorge beginnr ter Bruch des von Arbeitnehmern und Arbeit= am Tage nach der Entlassung aus der Der Luftverkehr Aopenhagen— Hamburg— Umsterdam— London die erste große internationale Luftverkehrslinie, die über deutsches Gebiet führt, ist am Dienstag eröffnet worden. Schwedische, dänische, deulsche, holländischZuge der Not. Koman von C. Oressel. 9) (Nachdruck verboten.) ####uc sie für Geld zu haben?“ schoß es Vollrad durch den Sinn. Unangenehm berührt, so#hne sich doch recht sagen zu können weshalb, ließ er den gefälligen Schwätzer stehen. 9„Eine geborene Baroneß Rieger,“ ergänzte der noch, die Tür weit vor dem Hotelgast aufreißend,„alte Familie.“. er be Vollrad aber dachte im schweigenden Hinausgehen:„Doch keine Geldheirat. Wenigstens nicht von seiner Seite. Ich werde jedenfalls auch nicht auf Geld sehen. Allerdings ein komisches Exempel, wenn man Null mit Nulh multiplizieren wollte. Ob ich das rauskriege? Na, vielleicht lernt sich auch das unter der Zwangsfuchtel.“.g. 86 Nun trat er auf die Straße, deren hügliges, Gefälle ihm auffiel, und bemerkte alsbald, daß viele Straßen der Altstadt über gleiche Bodenwellungen liefen, und das war ihm, dem Sohn; niedersächsischer Marschebene, etwas Unbekanntes und Interessantes. Dann erinnerte er sich, daß die pommersche, HHafenstadt Jahrhunderte durch Festung gewesen, sei, und dachte, diese erhöhte Lage müsse sie besonders hierfür prädestiniert haben. Ihrene inatürlichen Schutzgürtel von Wasserläufen und Erdwällen hatten dann künstliche Befestigungen nachgeholsen, die schon unter den pommerschen Herzögen begannen, unter den Schwedenkönigen ffortgesetzt wurden, bis Stettin im Stockholmer Frieden an Preußen siel und unter Friedrich Wilhelm I. besonders stark befestigt wurde. # Aber der Schanzenschutz verhinderte auch Die räumliche Ausdeynung der Stadt und Hemmte in gewisser Hinsicht ebenso ein: rec geistige Entwicklung. Während andere Städte mit kräftigen Armen ins weite Land griffen und einene zapiden Aufschwung nahmen mit der Terrainzunahme, dlieb Stettin ein schlummerndes Dornröschen, bis dann endlich seine Erlösung kam, indem die Festung in der siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf; gehoben wurde. Nun reckte und dehnte es sich mit einer Kraft, die in der langen Ruhe still gewachsen war. Die technischen Errungenschaften der Neuzeit, ihr Unternehmungsgeist wirkten ein Erlösungswerk von schier unbegrenzten Möglichkeiten. „Der denkbar interessanteste Werdegang in wenig mehr denn dreißig Jahren, in denen sich die ehemalige unschöne Festung zur glänzenden Großstadt entwickelte,“ folgerte Vollrad, und er begriff den Stolz ihrer Bürger. „Stettin ist auf dem Wege, eine der schönsten und gesündesten Städte zu werden," hatte der Oberkellner von„Drei Kronen“ schon am gestrigen Abend vor ihm gerühmt.„Es ist einsach großartig, wie es sich seit Abtragung der Festungswerke entwickelte. Sehen, sie sich die alten Tore an, die früher unsere Stadtgrenze bildeten. Man hat sie als Wahrzeichen an ihrem Platz belassen. Da stehen sie jetzt, sozusagen, mitten in der Stadt. Zehn Jahre weiter und wir geben Ihrem Hamburg nichts nach, mein Herr. Und wenn wir erst den direkten Kanalweg nach Berlin haben, sind wir Ihnen über, denn so was kriegen Sie doch nicht.“ Vollrad hatte dazu gelacht, aber nun merkte er's schon selber, es schlug ein ungemein kraftvoller Puls in der jungen alten Stadt. Es ließ sich in ihr leben, es verlohnte sich wohl, sie des näheren kennen zu lernen. Nun, er hatte Zeit. Nach einem Jahr würde er gründlich Bescheid wissen, daß sie aber jemals den Vergleich mit seinem Hamburg aushalten könne, bezweifelte er dennoch. Zum Beispiel das schmale Bollwerk der Oder entz nüchterte ihn bedeutend. Den gewaltigen Hamburger Maßstab durfte er keinesfalls an das mäßige- Betriebe hier legen. Mochte hier immerhin ein bedeutender Handel florieren, an den Hamburger reichte er nicht hinan. Das war eben Welthandelsstadt seit Jahrhunderten. An ihre Kais schlug die Flut weiter Meere, klopfte der Pulsschlag des ganzen Weltalls, Und es war auch der Kulminationspunkt seiner Lebensnerven gewesen. Nun hatte die finstere Schicksalsnorne mit ihrer mitleidlosen Meisterschere alle Fäden abgeschnitten, die ihn in froher Daseinsbetätigung mit diesem Zentrum vertnüpft....„ ic Erinnssmeh. Vollrad seufzte. Gleich Spinngewebe zerrissen, was er für lebenskräftige Herzfasern gehalten. Nein, er besaß keine Heimat mehr. Wie er aber oderabwärts den Weg fortsetzte und ihn der spezifische Geruch einer Handelswasserstadt umwehte, jenes Gemisch von frischer Feuchtigkeit und Tang und Teer und Fischen und all jenen überseeischen Artikeln, die aus Tonnen, Kisten, Körben und Säcken heraus ihr undefinierbares Arom verbreiten, an dem wieder noch der eigenartige Schisssgeruch hängt, der sich aus Seesalz, Segeltuch, Leder, Farbstoffen und hundert anderen Dingen zusammensetzt, dies ganze wohlbekannte Konglomerat, das an alle Weltteile erinnert, und ihren weitkreisenden Handel und Wandel, da zog ein Lächeln über Vollrads ernst gewordenes Gesicht und gierig weiteten sich seine Nüstern. Das war ja beinahe Heimatslust. Und diese srohgemute Miene blieb ihm. Nun interessierte ihn auch das Schiffsvolk. Fremdlinge aus aller Herren Ländern, die hier im Oderbollwerk Hand in Hand mit deutschen Matrosen und Heuern arbeiteten, oder durch einen Schwatz Fühlung mit ihnen suchten. Auch das reichte ja löngst nicht an das Alstergewimmel heran, war aber immerhin erwas Bekanntes und darum Versöhnendes für ihn. Dazu spielte sich das alles in dem verklärenden Licht einer milden Oktobersonne ab die ihm auch nun die eigene Lage freundlicher zeigte, als es gestern der bedrückende Nebeltag getan, dem nur zu guter Letzt ein tröstlicher Schein geleuchtet aus eines lieben Mädchens warmen Augen. Ach, nach denen sehnte er sich auch jetzt in dieser strahlenden Tageshelle. Vielen Mädchen spähte er suchend unter den Hut, manch eine war des Ansehens wert, aber keine hatte Annelises süßes Gesicht. Was sollte sie denn auch hier bei den Fischbutten zu tun haben! Sie packte wohl schon den Koffer für Berlin. Endlich gab er dies angestrengte fruchtlose Suchen auf und wandte sein Interesse den Fabrikanlagen, den Docks und Schiffswerften zu, die sich zahlreich längs des Ufers aneinander reihten. Und so schlenderte er weiter und weiter, bis die ungeheuren Schlote eines Riesenwerks, das zahlreiche Maschinengebäude, Werfien und Docks umfaßte, vor ihm aufragten, und er den weltbekannten Namen„Vulkan“ an den Dachkirsten las. Himmel, wo geriet er hin? Er mußte die Statt schon hinter sich gelassen haben. Den Bulkan würde er natürlich eingehend besichtigen, wenn auch nicht gleich. Dazu gehörte Zeit, die er jetzt nicht mehr halte. (Fortsetzung folgt.) Dier Linge kommen nicht zurück: Das gesprocheue Wort, der abgeschossene Pfeil, das vergangene Leben und die versäumte Gelegenheit. r. Die aus der i der Truppe an nachweis für sie ihrer Entlassung verdiente Treuauf der Monatstsstelle antreten, zalten die sie vor zswehr nach der ebührnisse. Wenn e nicht verfügen, , zu erträglichen ische und Stiefel Mark sollen sie schnürschuhe, eine Hemd und ein Zur weiteren sollen Unterrichtsur zweckmäßigen ung werden bei eiräte eingerichtet. -lippischer ag. rordentlich starker se aus dem Westen au zu Essen der ertag statt. An ter des Oberpräsien von Düsseldorf, für den rhein.= verwaltung Essen, sseldorf und Dortingsausschüsse von rungsvertreter beHinweis darauf, rufen und befähigt schaftsleben wieder ahnen zu lenken. ifte die heutige und Deutschland und ein.=westf. Handels die zuversichtliche Deutschlands aus, sbewegung erfolgen Luther erwartet ung, die erstenmals schaffenden Kräften immle, den Aufstieg bahnen helfe. Er uung darüber aus, industriestadt Essen längeren Vorträgen Lübbering und Dr. er der Handwerkerdustriegebiet Kükelangelegten Vortrag chsdeutschen MittelDr Eberle=Dresden enen Organisationen estf.=lippischen Handtigen Kapitalismus, munalisierung. Zum ie Entschließung ansätze für die Finansationen niedergelegt ing im rhein.=westf.ißt gegenwärtig rund Handwerksbetrieben. gaben beträgt rund in 90 Prozent durch r aufgebracht werden. hagen— — London ionale Luftvertsches Gebiet eröffnet worden. uische, holländische ihnen suchten. Auch cht an das Alfterber immerhin erwas ersöhnendes für ihn. alles in dem verden Oktobersonne ab. ine Lage freundlicher bedrückende Nebeltag Letzt ein tröstlicher ies lieben Mädchens ite er sich auch jetzt helle. Vielen Mädchen en Hut, manch eine ber keine hatte Annesollte sie denn auch zu tun haben! Sie sfer für Berlin. ingestrengte fruchtlose e s e i n I n t e r e s s e d e n und Schiffswerften des Ufers aneinander eer weiter und weiter, te eines Riesenwerks, sebäude, Werfien und aufragten, und er den Zulkan“ an den Dachr hin? Er mußte die gelassen haben. Den eingehend besichtigen, sazu gehörte Zeit, die Fortsetzung folgt.) ht zurück: Das gesproPfeil, das vergangene selegenheit. und englische Luftverkehrs=Gesellschaften, nämlich Svenska- Lustcafik=Aktiebolagel, Danske=Luflfahrt-Selskab, Deutsche Luftreederei, Koninkliske Luftvaart=Maatschappij vor Nederland, Handley=Page Company und Aircraft Transport and Iravel Co. haben sich hierzu zusammengesch, Jop, in„ Tosche Wasserflugzeuge starten um 2uhl hagen und bringen nach einer Zwischenlandung in Malmö den Passagier in dreistündigem Flug nach Warnemünde, von wo ihn Anschlußflugzeuge nach Hamburg und Berlin bringen. In Hamburg startet gegen 2 Uh. mittags das Flugzeug, das nach Amsterdam fliegt. In Bremen wird eine Zwischenlandung gemacht, weil dort ein Anschlußflugzeug aus Berlin eintrifft Gegen 7 Uhr abends soll dann planmäßig die Landung in Amsterdam stattfinden, von wo englische Flugzeuge nach London verkehren. Der erste Flug am Dienstag verlief durchaus planmäßig. Die Flugzeit beträgt von Kopenhagen— Warnemünde 8 Stunden, Warnemunde. Haag 8 Stunden, Haag—Bremen 2 Stunden, Berlin—Bremen 3 Stunden, Bremen— Amsterdam und Amsterdam—London auch je 3 Stunden, sodat man von Kopeghagen die Amsterdam in 11 Stunden, vozann: gine London in 9 Stunden fliegennn. Einsehr bemerkenswerte Zeitersparnis. Wir wol len unsern Lesern auch nicht die Flugpreise vorenthalten, sie betragen pro Person: Kopenhagen—Malmö 80 schwed. Kronen, Malmö—Warnemünde 220 schwed. Kronen, Warnenünde—Hamburg 1200 MHa nhargenghne Verin(ühglich) 959 Mph., erbam 22002e. men 600 Mk., Bremen—Ams„„ Bremen—Berlin 2000 Mk, Amsterdam—Condon 150 Gulden. Ein Flug Aogggßeggn, London käme also auf rund Berlin—London 6000 Mk. Das ist nicht viel, wenn man sich's leisten kann. —000— Die Anterzeichnung des furhischen Iiebensbeinagt. Paris, 10. Aug. Der letzte Friedensvertrag mit den Mächten, die mit den am Dienstag nachmittag unterzeichnet. Um 4 Uhr betrat Millerand den Ehrensaal, in dem bereits die Bevollmächtigten an einem Cisch Platz genommen hatten. Gleich darauf wurde die türkische Oelegation hereingerufen. Sie hatte Kleidung angelegt und trug rote Feze au dem Kopfe. Die letzteren wurden einem Land#### brauche gemäß während der ganzen Jeremonie aufgehalten. Sofort nach Eintritt der türkischen Delegation erhob sich Millerand und erwähnte in einigen kurzen Worten an die Delegierten der Mächte und die türkischen Bevollmächtigten, daß der Wortlaut des ihnen unterbreiteten Vertrages demjenigen entspreche, der ihnen bereits fr. vorgelegt worden sei. Hierauf wurden die Cürken zu einem huseisenförmigen Eische ertgoitzetz, Sp#. den sich der zu unterzeichnende Vertrag befanc, in sie unterzeichneten. Darauf unterschrieben die Vertreter der alliierten Mächte. Die Seremonie war um 4 Uhr 25 Min. beendet. Gleichzeitig wurde das italienisch=griechische Kbkommen unterzeichnet. bebe eb groso, sowie einen bedentenden Kvala bis nach Brosso, Ledeutenden Leil der Kohlenbergwerke von hiraklia. Griechenkand erhält Smyrna, Frankreich Syrien und Cincien und England Mesopotamien und Palästina. —.00090 Italienermetzeleien in Amerika. 40 Cote, über 109 Verwundete. Rom, 10. Nug. Einer Meldung des„Newyork Herald" zufolge hat in Westfrankfort(Illinois) ein furchtbares Italienermassaker stattgefunden. Wegen der Ermordung zweier Knaben durch einen Sizilianer zerstörte die rasende Mlenge dus nerviertel, wobei viele Italiener getötet und hundert verwundet wurden, die italienische nie. Ulehrere tausend Personen mußten fliehen. Fünf Kompagnien Bundestruppen griffen ein, um die Ruhe wieder herzustellen. Eine Ueuyorker Depesche des„Messagero" beziffert die Sahl der getöteten Italiener auf 40. Es habe sich um einen wahren Pogrom gehandelt, wie er scheußlicher nicht in Rußzland stattgefunden hat. Die Italiener wären gezwungen worden, das Sternenbanner zu küssen und seien dann gesteinigt und mit Knütteln erschlggen worden. anS— Aus Stadt und *:(Bretmarken.) Wir machen auf die in heutiger Uummer veröffentlichte Knordnung der * Schwerte, 11. August. **(Segen eine weitere Erhöhung der Eisenbahntarise.) Nach der„Doss. Stg.“ erklärte Reichsverkehrsminister Gröner in der Handelskammer in Essen in einer Besprechung mit führenden Persönlichkeiten von Industrie, Handel und Schiffahrt, aus dem niederrheinisch=westfälischen Industriegebiet, daß er eine weitere Erhöhung der Personenund Gütertarise nach Durchführung der Carifumgestaltung ablehne. Kreisausschusses des Landkreises hörde betreffend „Die herstellung, den Verbrauch und Verkehr mit Backwaren und Uehl“ aufmerksam. Insbesondere ist zu beachten, daß bei der neuen Ausgabe von Brotmarken nur pro Kopf und Woche vier Brotmarken ausgegeben werden. Die Wochenbrotmenge bleibt dieselbe wie bisher.— Bei dieser Gelegen heit seien diejenigen Eingesessenen unserer Stadt, sorger gelten wollen, darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich umgehend auf Simmer 20 des neuen Rathauses zu melden haben. *(Die Pilze suchende Bevölkerung) wird dringend davor gewarnt, mit Rücksicht auf die gegenwärtig stark auftretende Maul= und Klauenseuche die Diehweiden zu betreten, weil damit die große Gefahr verbunden ist, daß die Seuche verschleppt wird, was unter allen Umständen vermieden werden muß. Es liegt dies nicht nur im Interesse des Landwirts, sondern auch im Belange der Stadtbevölkerung, da durch die Verbreitung der Seuche die Milch= und Fleischversorgung der Städte stark beeinträchtigt wird. **(Winterkartoffeln) muß jeder haben. Die Beschaffung wird erleichtert durch den Erwerb von Sparmarken an der Stadtkasse. Wer jetzt Sparmarken kauft, hat das Geld zum Ankauf von Winterkartoffeln sichergestellt. *(Fast 2 Milliarden neues Papiergeld.) Der vorliegende Ausweis der Reichsbank für die letzte Juliwoche zeigt im wesentlichen im Susammenhang mit den Ultimoansprüchen eine außerordentlich starke Zunahme der Anlagekonten. Die gesamte Kapitalanlage stieg um 6613 Millionen Mark auf 46 410,5 Millionen Mark, die bankmäßige Deckung für sich allein genommen um 6641 Millionen Mark auf 46,095,4 Millionen Mark. Der Gegenwert dieser neu in Anspruch genommenen Kredite ist der Bank zum überwiegenden Ceile auf den Konten der fremden Gelder verblieben, so daß diese um 4 985,4 Millionen Mark auf 17 281,8 Millionen M. zunahmen. Die Nachfrage nach papiernen Sahlungsmitteln war in der Berichtswoche wieder ungemein stark. Abgesehen davon, daß Barbeträge anscheinend in erheblichem Umfange aufgespeichert sind, beansprucht auch die Einbringung der diesjährigen Ernte infolge der gestiegenen Arbeitslöhne erheblich höhere Summen als in früheren Jahren. Unter diesen Umständen mußten an Banknoten und Darlehnskassenscheinen zusammen 1948,5 Millionen Mark neu in den Verkehr gesetzt werden. Im einzelnen erhöhte sich der Banknotenumlauf um 1785,4 Millionen Mark auf 55 768,6 Millionen Ulk. und der Umlauf an Darlehnskassenscheinen um 165,1 Millionen Uark auf 13 327,9 Millionen M. **(Kath. kaufm. Vereine.) Der 40. Rongreß der kath. kaufmännischen Vereine Deutschlands, der in Bochum tagte, befaßte sich auch mit dem Steuerabzug, der als erbitternde Mlaßnahme bezeichnet wurde. Die Regierung soll ersucht werden, von dieser unsozialen Ulaßnahme abzusehen. Uit dem Bestreben verschiedener Kreise, die Angestelltenversicherung mit der Invalidenversicherung zu verschmelzen, kann sich der Rongreß nicht einverstanden erklären. Er fordert im Gegenteil den organischen und selbständigen Ausbau der Angestelltenversicherung. Der nächste Kongreß soll in Mannheim stattbe... Krienergräber ir Tragi **(Schändung deutscher Kriegergrare. in Kankreich.) Es mehren sich die Nachrichten, daß in Frankreich deutsche Kriegergräber und Soldatenf##iedhöfe zerstört, Denkmäler und Gedächtnistafeln zerstört, Gebeine in Kisten verpackt und weggeführt werden. Sogar die Sammler sollen sich in einer allem menschlichen Empfinden hohnsprechenden Weise der Cotenschädel bemächtigen. Eine solche barbarische handlungsweise, die anscheinend von den französischen Behörden geduldet wird, hat in Deutschland größte Entrüstung und Erregung hervorgerufen. Die württembergische Regierung hat deshalb ihren Berliner Gesandten angewiesen, die Aufmerksamkeit der Reichsregierung auf diese Dorgänge zu lenken und nachdrücklichst zu fordern, daß alles geschehe, damit dieses jeder Kultur und Sittlichkeit hohnsprechende Creiben aufhöre. *(Reichsviehzählung am 1. September.) Auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen findet am 1. September im Deutschen Reiche eine Diehzählung statt, die sich nach einer Mitteilung des Reichsernährungsministers auf Rindvieh, Schafe, Schweine, und Siegen erstreckt. In Dreußen werden auf Grund der ministeriellen Knweisung am 1. September auch die Pferde ohne Militärpferde mitgezählt. Eine Sählung des Federviehs, sowie der Raninchen findet diesmal nicht statt. *(Tragt keine hüte!) ist der Kuf des modernen Gesundheitsapostels. Catsächlich steht man jetzt viel mehr hutlose Menschen umherlaufen, als vor dem Kriege. Männer und Frauen finden den teuren hut entbehrlich. Der hut behindert vor allem im Sommer die Ausdünstung des haarbodens, schmälert nicht selten auch die Zufuhr des zur haarentwickelung nötigen Blutes, weil der hutrand zu sehr die Kopfhaut drückt. Erklärlich ist darum der vorzeitige haarausfall bei Personen, die vom Morgen bis zum Rbend den hut auf dem kopfe tragen. Unter Sigeunern und sogen. Kastelbindern, die ihren haarboden Wind und Detter preisgeben, findet man höchst selten einen kahlkopf! Diese Leute werden auch wenig krank. Der Glaube, daß man sich bei entblötztem Kopfe bei Wind leicht einer krankung aussetze, ist somit ein Aberglaube. Richt lang währende Jugluft ist eher heilsam als schädlich, auch für den haarboden! *(Sommertheater.) Kus dem Cheaterbüro wird uns geschrieben: Es wird nochmals auf die heutige Kufführung von Schwarzwaldmädel hingewiesen. Der Erstaufführung von Sudermanns Raschhoff am Freitag dürfte auch hier das größte Interesse entgegengebracht werden. Dir. Weittmann spielt den alten Raschhoff. In den übrigen Hauptrollen sind Frl. Ellen Crempert, Lissy v. Schenk und herr Sünemann beschäftigt. **(Der heutige Wochenmarkt) war nicht so gut beschickt, wie derjenige der Dorwoche; die Nachfrage überwog bei weitem das Angebot, so daß viele Wünsche unserer hausfrauen nicht befriedigt wer den konnten. Die Preise sind etwas heruntergegangen. Oflaumen kosteten 1 bis 1,50 U., Repfel 80—120 Pfg., Birnen 60—70 Pfg., Cafelbirnen 1.50 UI., Cafeläpfel 1,20—1,80 UI., Comaten , Wirsing 50 Pfg., Weißkohl 40 Ofg., 70 Pfg., Butterkohl 30 Pfg., Kohlrabi 30 Pfg., Möhren 40 Pfg., Stielmus 12—15 Pfg., Rhabarber 30 Pfg., alles per Pfund; Gurken Stück 1,50 UI., Salat 25 Ofg., Swiebeln Ofd. 50 Ofg., Fisch Pfd. 50 Mark. ** Splerbeck, 10. Aug.(Wirtschaftliche richten.) In dieser Woche gelangen an Lebensmitteln zur Ausgabe: An Hand der Kundenlisten 250 Gr. vollfetten Edamer Käse zu 7,75 M. und 125 Gr Reis zu 1,13 Ul. Für Kranke entfällt auf Fett zusatzkarte Nr. 33 und 34 für die Seit vom 8.—21. 8. 20 je 50 Gr. Streichfett. Die Ausgabe der neuen Mahlkarten findet wie folgt statt: Für die Gemeinden Aplerbeck, Berghofen, Schüren und Sölde am Ulittwoch, den 11. 8. 1920 von 7½—12½ und 3—6 Uhr im Amtshause, Simmer Ur. 6; für die Gemeinden holzwickede, Hengsen und Opherdicke am Donnerstag, den 12. ds. Ults., von 7½—2½ Uhr im Gemeindehause in holzwickede. Die Ausgabe der Mahlkarten erfolgt nur gegen Vorlage der Lebensmittelkarten. —000— Aus den Previnzen. * hagen, 10. Aug.(120 000 Mark gestohlen.) Einem Händler in Altenhagen wurde aus seiner verschlossenen Wohnung eine Geldkassette mit 120000 Mark Inhalt, die er im Bett versteckt hatte, gestohlen. * Dortmund, 11. Aug.(Jum Grubenunglück) auf Kaiserstuhl 2 wird mitgeteilt, daß sämtliche 30 Cote geborgen sind. Die Bergbehörde ist gegenwärtig noch mit der Untersuchung über das Unglück beschäftigt. Der Cag der Beisetzung wird erst nach dem Abschluß der Untersuchung festgesetzt werden. * Arnsberg, 10. Rug.(Don schwerem Mißgeschick) wird der Stellmacher Bernholz von hier heimge sucht. Dor acht Cagen wurde seine Gattin zu Grabe getragen, ein Opfer des Cyphus. Surzeit liegt der Mleister mit einer Cochter und einem Lehrling an derselben Krankheit darnieder. Gestern brannte die neuerbaute Werkstätte des Genannten nieder. Der Feuerwehr gelang es, wenigstens das nahe gele gene Wohnhaus zu retten. * Bielefeld, 10. Kug.(Erst Brot, dann Schnaps,) In Anbetracht des Umstandes, daß in den benach barten Kreisen die Kartoffelaufkäufer ihr Unwesen treiben, insbesondere die Aufkäufer von Spritfabriken bis zu 80 Mark für den Jentner Kar toffeln bieten und dadurch den Preis für Kartoffeln ungebührlich in die höhe treiben und die Oersor gung dek Bevölkerung ernstlich gefährden, hat der Magistrat beschlossen, in einer Eingabe an den Reichsernährungsminister, den Reichswirtschaftsrat, und den Vorstand des deutschen Städtetages erneut den schleunigsten Erlaß eines Derbotes jeglicher Verarbeitung von Kartoffeln und Brotgetreide zu Spiritus bezw. Branntwein zu beantragen. * Eladbeck, 10. Rug.(Aus Unvorsichtigkeit sich selbst erschossen.) Der Schlossermeister Kloppenburg besserte eine alte Selbstladepistole aus, in der sich noch ein Schuß befand, der sich plötzlich entlud und den Meister in den Bauch traf. Er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert, wo er inzwischen gestorbden ist. n* Curnen und Sport. Curnen. Das 55. harkortbergfest vereinigte in diesem Jahre 760 Wetturner, von denen 267 einen Kranz errangen. Der bereits vor 14 Jahren von der Stadt Wetter für einen Sieger im Dierkampf mit voller Punktzahl in jeder Uebung gestiftete goldene Kranz wurde erst diesmal erkämpft. Josef Schäfers vom Curnverein„Jahn"=Paderborn ist der glüc liche Gewinner. Er erreichte mit 8 Ueberpunkten zusammen 88 Punkte. Adolf Weigel vom l.=D. Arueberg, der mit sogar 15 Ueberpunkten zusammen 94 Punkte erzielte, mußte sich mit dem silbernen Kranze begnügen, weil ihm in einer Uebung„nur 19 Punkte gelangen. hervorragende Einzelleistungen wurden im Speerwerfen(33,24 Meter durch Schäfer=Essen) und Stabhochsprung(3.20 Met. durch Greeb=Siegen) gezeigt. ** Wandhofen, 10. Jug.(Turnerpreise.) Auf einem am Sonntag in heeren stattgefundenen Curnerwettstreit wurde der Curnverein„Gut Hed!“ mit dem 1. Chrenpreis im Aufmarsch ausgereichnet. Kuherdem errang der Lurner h. Garde die Meisterschaft am Barren. Auf dem am selben Cage in Bittermark stattgefundenen Curnerwettstreit errang der Verein den 2. Ehrenpreis im Aufmarsch. Der Curner Pfeiffer konnte den 1. Ehrenpreis am Reck, die Curner H. Garde und Klarhold den Ehrenpreis bezw. 1. Preis am Barren heimbringen. Gut Bei!! —00000— Letzte Drahtmeldungen. Eigener Depeschendienst. Der polnische Heeresbericht. EU Warschau, 1I. Aug. Amtlicher Heeresbericht vom 10. Rug. Die Kämpfe um Ciechanow deuern weiter an. Die Besatzung von Ulawa weist alle Angriffe des Jeindes erfolgreich ab. Zwischen Narew und Bug haben sich hartnäckige Kämpfe entwickelt, in denen der Feind ungeachtet seiner blutigen Verluste unsere Front nicht durchbrechen konnte. Westlich von Wengrow dauern die Kämpfe an. Gestlich und südlich von Siebloe finden weitere Umgeuppierungen unserer Abteilungen statt, jedoch ohne Fühlung mit dem Jeinde. Gestlich von Sokal, in der Gegend von Gorochow, haben Abteilungen der l. regulären Division die 72. Sowjet=Insanteriebrigade aufgerieben. Acht Geschütze und einige hundert Gefangene blieben dabei in unserer hund. Swischen Sereth und Strypa örtliche Kämpfe, die für uns und die ukrainischen Cruppen günstig verlaufen. Russisch-polnische Verhandlungen. Warschau, 11. Kugust. Entgegen anders lautenden Gerüchten gibt das polnische Ministerium des Neußern bekannt, daß bis zum 5. ds. Alts. noch keine Antwort aus Roskau auf das polnische Angebot eingegangen sei. Dagegen erschienen gestern vor unseren Dorposten bolschewistische Parlamentäre mit der weißen Ilagge und erkundigten sich, weshalb noch keine polnischen Abgesandten zu der Jusammenkunft erschienen seien. Durch die verschiedenen Funksprüche seien mehrere Mißverständnisse entstanden. Die polnische Regierung hat sich daher zur Behebung dieser Mißverständnisse zu der Entsendung einer Oelegation entschlossen. Die Delegation ist bereits zur Front abgereist. Der Angriff auf Warschau 7U Basel, 11. Aug. Das polnische Pressebureau meldet aus Warschau: Die Rote Krmee wird in den letzten drei Tagen umgruppiert. Aus dem Innern Rußlands sind starke Kräfte im Anmarsch. Der allgemeine Angriff auf Warschau wird von der russischen Nordarmee verbereitet. Aus vorgefundenen Tagesbefehlen soll hervorgehen, daß die Hauptstadt durch kanzentrische Angriffe vom Norden, Osten und Südosten eingenommen werden soll. Gegenmaßnahmen sind getroffen. England kann nicht helfen! Basel, 11. Aug. Der„Warschauer Kurier" meldet, daß der englische Botschafter im Namen seiner Regierung dem polnischen Staatspräsidenten offiziell mitteilte, England sei gegenwärtig außerstande, den Polen die verlangte Cruppenhilfe zu gewähren. Der Memelgau bleibt unter französischer Herrschaft. Königsberg, 1I. Kug. Nach einer#t lichen Auslassung des Präfekten für den Niemel= gan, Petisne, ist für den Memelgau weder ein Auschluß an Deutschand, noch an Litauen zu denken. voraussichtlich bleibt das Gebiet unter französischer Verwaltung, wenn auch ein wirtschaftlicher Anschluß en Litauen erfolgt. Verantwortlich für die Schriftleitung: Fried. Kraas, und Verlag: Carl Braus, heide in Schwerte, Meine Izeigen alfer h.“ wie Stellen-Angebote Stellen-Gesuche verpachtungen Wohnungsgesuche An- und Verkäufe Familien-Anzeigen finden in der Schwerter Zeitungwelleste Verbreitung 0 Statt besonderer Anzeige. Heute nachmittag 2 Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden, mehrmals gestärkt durch den Empfang der bl. Sterbesakramente, mein lieber Mann, unser lieter Vater, Schwieger- und Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel, der 4621 Schuhmachermeister Anton-Kaf ser Im 57. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten: Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte. Hamborn, Berge, Wallen, Vorhalle, Münster, Halle a. S., Fröndenberg. Gelsenkirchen, Wandhofen, Holzen, Düsseldort, den 10. August 1920. Die Beerdigung findet Freitag, den 13 August, nachm 3¾ Uhr vom Sterbehause, Neumarkt 6, aus statt. Seelenamt am Samstag, 6 Uhr vormittags. 4395 auch in klein Beträgen, an Leute jed. Standes gegen Zinsen u. Ratenzahlung oom Selbstgeber auszuleihen durch W. Brelländer Dörtmund Wessendellweg 17. 4. E. Anordnung betreffend die Herstellung, den Verbrauch und Verkehr von Backwaren und Mehl für den Landkreis Hörde. A Herm. Fröhlich, Schwerte Telephon 497 Westenstr. 9 5 * Ausführung von Dachdecker- und E &a Klempner-Arbeiten gewissenhaft und prompt, * Abprobieren von Blitzableitern,* Abbrüche etc. zu Konkurrenz.* * Preisen. 5 4616— Gefunden! Geld u. 1 Benzinkasten Die Polizeiverwaltung. Fräulein sucht sotort SOGGGOOD AOLGGBGGG Empfehle mich zur Ausführung sämtlicher II Reklamearbeiten jeder Art. la. Wagen-Lakiererei, sowie MalerII und Anstreicher-Arbeiten. 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Angenehme Zahlungsweise Bei Kauf wird Fahrgeld vergütet. 4318 Bekanntmachung betreffend Aufhebung der Handelsverbote mit Ballen, Kühen, Färsen und Jungrindern Das unler Ziffer 3 meiner Bekanntmachung detressend Viehabgabe an Frankreich und Belgien vom 10. 1. 1920 ausgesprochene Verdot des An- und Verhaufs von Bullen, Kühen, Färsen und Jungrindern sowie das Verdot der Ausfuhr der genannten Tiere aus der Prooinz und aus einem Kreiskommunaloetdand in den anderen werden hiermit aufgehoden. Münster, den 23. Juli 19.0. 4605 Der Oberpräsident der Provinz Westsalen Aufgevor. Erleile gründlichen ViolinenUnterricht 4620 Kuhste. 19. Bin unter 50 Nr. 497•20 an das Fernsprechomt ar geschlossen. 46•4 Hermann Fröhlich. Dachdecker- Geschäft, Schweite, Westenstr. 9. AR in allen Größen auf Lager Rüferei Häberlein, Hellpothstsasse. la. süddeuisches Wiesen moncchen ferner Sttoy drahtgepresst u. gebündelt, fliefert billigst M. Birnbaum& Sohn Mannheim. — Teleson 2136.— Telegramm=Adresse: Biruso. 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Einige schöne alte Mahagonistühle und =Sessel wenn auch mi. beschädigtem Sitz. sowie Mahagoniglasschrank zu kausen gesucht Angeb. unter H. 4625 an die Geschst. d Ilg. * beselol„ehrperine mnerhelb er Stunden unser Beugamit Prospahns and vielen Oeckscheiber grelte Ee 5=fach stark, geruchlos, in Apotheken u. Drogerten. Frauen alerhatten in allen Angelegenheiten Rat u. Hilfe. Diskr. Versand. Ladorat Phil. Lämmie, Drosden- A Gerokstr. 53 1, früher NeuUlm. 4575 hochteig auch sum Einschlagen von Eßwaren vorrätig. Carl Braus Unter Aufhebung entgegenstehender Anordnun gen betreffend die Herstellung, den Verbrauch und Verkehr mit Backwaren und Mehl für den Landkreis Hörde wird auf Grund der Reichsgetreideordnung für die Ernte 1920 vom 21. Mai 1920 (R. G. Bl. S. 1027 ff) für den Landkreis Hörde folgendes angeordnet: I. S 1. Nur folgende Backwaren dürfen für den Verkauf hergestellt und veräußert werden: a) Graubrot mit einem Verkaufsgewicht von 3 oder 6 Pfund, b) Schwarzbrot mit einem Verkaufsgewicht von 3 oder 6 Pfund c) Krankenbrot(sogenanntes Grahambrot) mit einem Verkaufsgewicht von 4 Pfund d) Zwieback oder Micken. Den Bäckereien und Konditoreien ist gestattet, guch Kuchenteige, die außerhalb ihrer Betriebe her gestellt sind, in ihren Betrieben und Räumen auszubacken. Ueber die angenommenen Aufträge ist von den fraglichen Betrieben eine genaue Liste nach vorgeschriebenem Muster zu führen, die auf Verlangen den zuständigen Ortsbehörden, den mit der Kontrolle beaustragten Personen, sowie den Polizei. organen zur Einsicht vorzulegen ist. Die gewerbsmäßige Herstellung und der Verkauf von Brötchen, Kuchen und Torten ist verboten. Die Herstellung und der Verkauf von Krankenbrot, Zwieback und Micken ist nur in den von den Ortsbehörden hierzu beauftragten Betrieben zulässig. S 2. Das Verkaufsgewicht muß bei Einheitsbroten 21 Stunden nach der Fertigstellung vorhanden sein. Bei der Herstellung der unter a bis d in§ 1 genannten Backwaren wird eine Fehlergrenze von höchstens 2,4 Prozent nachgelassen. Der Hersteller macht sich strafbar, wenn bei Nachprüfung mehrere sechspfündige Brote ein Mindergewicht von mehr als 72 Gramm, mehrere dreipfündige Brote je ein solches von mehr als 36 Gramm aufweisen, sofern nicht gleichzeitig von ihm bei anderen Broten ein Ausgleich durch Mehrgewicht nachgewiesen wird. Die unter§ 1 Ziffer a bis d genannten Backwaren sind Brot im Sinne dieser Anordnung. II. S 3. Die Abgabe und Entnahme von Brot oder Mehl darf nur auf Grund von Ausweisen(Brotscheinen) erfolgen, die vom Kreisausschuß des Land kreises Hörde ausgegeben sind. Den vom Kreisausschuß des Landkreises Hörde ausgegebenen Brotscheinen stehen die in den Stadt= und Landkreisen des Regierungsbezirks Arnsberg ausgestellten Brotscheine gleich, sofern nicht einzelne Kommunalverbände die Freizügigkeit ihrer Brotscheine beschränkt oder aufgehoben haben. Der Verkauf von Brot ist nur solchen Bäckern und Kleinhändlern gestattet, denen auf Grund der Anordnung des Kreisausschusses, betreffend die Zulassung zum Handel mit Backwaren vom 1. August 1918, die Erlaubnis hierzu erteilt worden ist Die Klinhändler dürfen ihren Brotlieferanten nur mit Genehmigung des Kreisausschusses, nachdem sie den Nachweis erbracht haben, daß sie bei den bisherigen Lieferanten ihrer Brotmarkenliefe. rungspflicht nachgekommen sind, wechseln. Die Abgabe von Mehl im Kleinhandel dar nur in solchen Geschäften erfolgen, die regelmäßige Ueberweisung anderer öffentlich bewirtschafteter Lebensmittel und Gegenstände des täglichen Bedarfs zum Verkauf an die Verbraucher erhalten. Der Kreisausschuß setzt fest und gibt durch die Tageszeitungen bekannt, weiche Menge und was auf jeden Brotschein entnommen werden kann. Die Bekanntmachung des Kreisausschusses ist in den Verkaufslokalen an sichtbarer Stelle auszuhängen. S 4. Die Entnahme von Krankenbrot ist nur den Inhabern eines Ausweises zum Bezuge von Krankenbrot gegen Abgabe der entsprechenden Brotmarken, die Entnahme von Zwieback oder Micken nur den Inhabern einer Zwiebackkarte gegen Abgabe der ensprechenden Zwieback= und Brotmarken gestattet. § 5. Jeder Einwohner, der nicht Selbstversorger ist, erhält wöchentlich 4 Brotscheine. Die Brotscheine a und b jeder Woche berechtigen zum Bezuge von je 750 Gramm Brot, der gekreuzte Brotschein c zum Bezuge von 250 Gramm Brot. Auf zwei Brotscheine d werden 125 Gramm Mehl oder auf drei Brotscheine d 250 Gramm Brot abgegeben. § 6. a) Die als Schwerstarbeiter anerkannten Personen erhalten auf Antrag durch Vermittelung ihres Arbeitsgebers einen Zusatzbrotschein SS, gültig, für 625 Gramm Brot. Wer als Schwerstarbeiter anzusehen ist, richtet sich nach den hier über jeweils erlassenen Bestimmungen. b Bergarbeiter erhalten nach den jeweils gültigen Bestimmungen für geleistete Ueberschichten Ueberschichtenmarken, gezeichnet C. Jede Ueberschichtenmarke berechtigt zum Bezuge von 250 Gramm Brot und haben in den Regierungsbezirken Arnsberg, Düsseldorf und Münster Gültigkeit. Die im Regierungsbezirke Düsseldorf angegebenen besonderen Zusatzbrotscheine für Schwerstarbeiter und Ueberschichten im Bergbau gelten den hier ausgegebenen Zusatzbrotscheinen e) Kriegsbeschädigte, welche auf Grund einer Kriegsbeschädigung von 50 v. H. und darüber Rente beziehen, erhalten wöchentlich einen Zusatzbrotschein K, der zum Bezuge von 375 Gkamm Brot berechtigt. d) Hoffende Frauen erhalten auf Antrag unter Vorlage einer Bescheinigung des Arztes oder der Hedamme für die letzten 5 Monate der Schwangerschaft wöchentlich 4 Zusatzbrotscheine* gültig für je 250 Gramm Brot oder 170 Gramm Mehl. e) Die Schwerstarbeiter= und Ueberschichten-Marken sind ohne Stempel des Arbeitgebers ungültig. S 7. Zum Bezuge von Brotscheinen ist nur berechtigt, wer im Landkreise Hörde seinen dauernden Aufenthalt polizeilich angemeldet hat. Die einzelnen Brotscheine sind nicht übertragbar. Auch jeder andere Erwerd und jede Abgabe von Brotscheinen, die in Stadt= und Landkreisen des Regierungsbezirks Arusberg ausgegeben sind, ist untersagt Beim Wegzug sind vor der polizeilichen Abmeldung sämtliche Brotscheine bei dem zuständigen Lebensmittelamt abzugeben. Dieses erteilt hierüber einen Lebenmittelabmeldeschein gemäß der Bundesratsverordnung vom 24. Oktober 1818(R.=G.=Bl. S. 1263) der bei der polizeilichen Anmeldung sam Zuzugsorte vorzulegen ist. Für die Brotversorgung bei vorübergehender Anwesenheit und Abwesenheit geiten die besonderen Bestimmungen des Kreisausschusses des Landkreises Hörde über den Verkehr mit Reichsreisebrotscheinen. 8 8. Wer als Selbstversorger anzusehen ist, und seine Versorgung mit Brot und Mehl beansprucht, richtet sich nach den§§ 63 und 64 der eingangs erwähnten Reichsgetreideordnung und der vom Kreisausschuß des Landkreises Hörde erlassenen Anordnung betreffend Verbrauchsvorschriften für Selbstversorger und Vorschriften für Mühlen und sonstige Betriebe, die gewerbsmäßig Früchte für Selbstversorger verarbeiten vom 22. Juli 1920. S 9. III. Bei Entnahme von Brot und Mehl hat der Inhaber die Brotscheine vorzulegen. Der Veräußerer hat die Scheine, die der veräußerten Gewichtsmenge entsprechen, sorgfältig einzuziehen. Für die Befolgung dieser Vorschrift haften neben dem Veräußerer Angestellte oder sonstige Personen, deren er sich zur Veräußerung bediente. S 10. Jeder Brotschein gilt nur für die durch den Aufdruck bezeichnete Kalenderwoche; jedoch darf die Einlösung schon am Sonnabend der vorhergehenden und noch am Sonntag und Montag der folgenden Woche erfolgen. S 11. Die Bäcker und Händler haben die abgetrennten Brotscheine zu sammeln und so aufzubewahren, daß ein Verlust durch Diebstahl usw. nicht stattfinden kann. In Verlust geratene Brotscheine werden nicht ersetzt.„.. Wiom Wratschet Die jede Woche eingegangenen Vrotscheine, getrennt nach Stadt= und Landkreisen des Regierungs: bezirks Arusberg, sind an das Kreiswirtschaftsamt in Hörde, Kreishaus, mit einer Nachweisung einzureichen, welche die Gesamtzahl der Brotscheine nach den verschiedenen Stadt= und Landkreisen gesordnet, enthält. Die Richtigkeit der Nachweisung ist von den Abgabepflichtigen zu bescheinigen. Die Anzahl der Scheine in einem Bündel soll regelmäßig einem Sack Mehl entsprechen. Betriebe, die gewerbsmäßig Mehl zu Backwaren verarbeiten, erhalten für a) 175 Stück Brotmarken a und d über je 250 Gramm Brot, b) 526 Stück Brotmarken e, Zusatzscheine U für Bergleute und F für hoffende Frauen über je 250 Gramm Brot, e) 350 Stück Brotmarken K für Schwerkriegsbeschädigte über 375 Gramm Brot, d) 210 Stück Brotmarken SS für Schwerstarbeiter über 625 Gramm Brot, e) 1578 Stück Brotmarken d, der vierte Brot= oder Mehlschein jeder Woche, je einen Doppelzentner Mehl. Scheine, welche ein mehr als vier Wochen zurückliegendes Datum haben, verlieren ihre Gültigkeit und wird Mehl hierauf nicht abgegeben. IV. S 12. Krankenhäuser, Privatkliniken, Waisenhäuser und ähnliche öffentliche und private Anstalten erhalten eine jeweilig der Zahl der Insassen entsprechende Anzahl von Brotscheinen. S 13. Eine besondere Abgabe und Entnahme von Brot und Mehl ohne Brotmarken für den Betrieb der Gast=, Schank=, Speise= und Kafseewirtschaften ist nicht statthaft. Die Inhaber dieser Betriebe sind verpflichtet, zu gestatten, daß mitgebrachtes Brot in ihren Räumen verzehrt wird. S 14. Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung werden gemäß§ 80, Abs. 1, Ziffer 12 der Reichsgetreideordnung für die Ernte 1920 mit Gesängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu 50000 Mk. oder mit einer dieser Strafen bestraft. Der Versuch ist strafbar. Neben der Strafe kann auf Einziehung des Mehles bezw. der Backwaren erkannt werden, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, ohne Unterschied, ob sie dem Täter gehören oder nicht, soweit sie nicht gemäß§ 72 a. a O. für verfallen erklärt sind. Ist eine strafbare Handlung gewerbs= oder gewohnheitsmäßig begangen, so kann gemäß§ 81 a. a. O. die Strafe auf Gesängnis bis zu fünf Jahren und Geldstrafe bis zu 100000 Mk. erdöht werden. Neben Gefängnis kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. V. Diese Anordnung tritt mit dem 14. August 1920 in Kraft. Hörde, den 5. August 1920. Der Kreisausschuß 568 des Landkreises Hörde.?] * 8 9 a „SOgs SSuu S.. 50 8— S .• S# * 9 S Sosss S 5.5 2.— □ g F#UTS n 52 2 9 59. * 5S9 2 S Fageg & Gyg. S 55 i 53 *" S 8 5 S.R 9 Bn b. * S• 005 # * 8 * 7 85. ** S 5 S.9: 9183 3 J0Sg S S88M S SgSnSs P SgTas S291 S SSTES ###EH *„••9 2 F K.□05 S 2 20 S 5 759• F SS S 2.— S.E T. 888" S.##o 2 Sn S 95 S Son F F S0 . bo. S 83 — 88 83 P SGSE s 8 55 8 5 TS9y * S 2.nn e nE „#S S G. 8— 5U9 8 0S 4Pg.. STSOTS 825S S S. *S e 5* 5 9s S a.nu. 6 S—#g = Scges Ogsg SGgc BGENTE ##Sgs R a gsg PrtanE worben, der in der Geschichte der deutschen Bühne im Zusammenhang mit dem Sieg des Wagnerschen Musikdramas immer fortleben wird. Denn Niemann war das Ideal des Sängers, das sich der Meister ersehnte, und das seit langem allgemein anerkannt wurde. Wenn wir aber diese kleine, heute wieder so aktuelle Episode, die den Künstler zuerst populär machte, erwähnen, so geschieht es deshalb, weil sich sein leidenschaftlich losbrechendes Temperament in solch plötzlichen Entladungen am stärksten offenbarte. Auch Niemann hat den Dornenweg des Anfängers in seiner Künstlerlaufbahn durchmessen müssen; nichts blieb dem jungen Manne erspart, der, durch die schlechten Vermögensverhältnisse des Vaters gezwungen, aus der Maschinenfabrik zur Bühne ging. Bei seinem ersten Auftreten in Halberstadt blieb er in den paar Worten seiner Bedienteurolle stecken und mußte unter Gelächter des Publikums die weltbedeutenden Bretter verlassen. Dann fristete er sein Leben durch Rollenausschreiben; sein erstes Auftreten in Berlin war ein gänzlicher Mißerfolg. dieser Widrigkeiten aber hat die Einzigartigkeit seiner Erscheinung, die Urgewalt seiner Natur, von Anfang an die Aufmerksamkeit der Kenner auf ihn gelenkt. Sein Genie brach sich durch, so schon während seiner Dessauer Lehrzeit, wo ein einziges Wort als Hauptmann im „Propheten“ ihm den stürmischsten Beifall eintrug. Als er dann in Hannover für den plötzlich erkrankten Heldentenor in letzter Stunde als Masaniello eintrat, da war der große, bleibende Erfolg da, der ihn rasch auf die Höhen der Kunst und des Lebens hob. Schon durch sein Aeußeres war Niemann als ein Liebling der Götter und Menschen gekennzeichnet. Mit seinem herrlichen Wuchs, seinen unvergleichlich edlen Bewegungen, dem wundervollen Ausdruck seiner Augen bot er das Urbild des altdeutschen Helden, und für seine unverwüstliche Körperkraft brauchte er andere Beschäftigung, als das Theaterspiel ihm bot, das edle Weidwerk und die Fischerei, Spielen und Zechen und ab und zu auch ein gehöriges Dreinschlagen. Mochte er noch so eine große und schwere Rolle haben, er ging doch bei Sturm und Wind auf die Jagd oder stand mit Kanonenstiefeln im Wasser und fischte Forellen. Seine Zornausbrüche waren von Intendanten, Kollegen und Kritikern gleichermaßen gefürchtet. In Hannover wurde er einmal zu einer vierwöchigen Haft verurteilt, weil er in gereizter Stimmung dem Kapellmeister den Hut vom Kopfe geschlagen hatte. Er verbrachte diese unfreiwillige Muße in einem höchst„sidelen Gesäugnis“, von dem sich die Hannoveraner noch jahrelang zu erzählen wucten.... Liner Eünengestalt geZu der gebietenden Wurde seiner Hunengestan gehörte auch sein schöner Vollbart, den er als eine Art Talismann betrachtete, und an den er kein Schermesser heranließ. Niemanns Bart spielte in der„Niemann= Epidemie“, die durch ein Vierteljahrhundert in Deutschland herrschte, eine große Rolle, und er war mit den von ihm dargestellten Rollen so eng verknüpft, daß man sich jahrzehntelang Tannhäuser und Lohengrin nicht bartlos vorstellen konnte. Als Niemann den Parsival spielen sollte, ging das Gerücht, er werde sich dazu den Bart abnehmen lassen; er sollte gesagt haben:„Für den Meister lasse ich mir nicht nur den Bart, sondern auch die Nase abschneiden.“ Dieses Gerücht rief aber schmerzbewegte Proteste seiner Verehrerinnen hervor. So königlich und stolz, wie Niemann auf der Bühne gewandelt, hat er sie verlassen. Eines Abends, nach einer Vorstellung von„Tristan und Isolde“, in der er noch einmal die ganze brausende Leidenschaft und den übermenschlichen Schmerz seiner Kunst in diese Gestalt gelegt hatte, sagte er nachher wie beiläufig zu den Kollegen:„Heute abend habe ich Schluß gemacht.“ Er sollte damals zum erstenmal den Siegfried in der „Götterdämmerung“ singen und damit seine Darstellung des Nibelungenringes krönen, da sagte er kurz vor der Aufführung ab. Er bedurfte nicht der Sensationen und des Erfolges, wie andere, die nur Schauspieler sind. Wie Shakespeare, ging er im Vollbesitz seiner Kraft von seinem Werk, und ähnliche Gefühle einer über allem Irdischen stehenden Reife mögen ihn beseelt haben, wie sie der Dichter im„Sturm“ ausgedrückt. C. K. Warum er ihn sprechen wollte. Ehemann auf dem Polizeibureau:„Ich höre, Sie haben den Kerl erwischt, der neulich nachts in unser Haus eingebrochen ist?“ Wachtmeister:„Ganz recht, wollen Sie ihn sehen?“ Ehemann:„Allerdings, ich möchte ihn gern fragen, wie er hereingekommen ist, ohne meine Frau aufzuwecken. Ich versuche das schon seit zwanzig Jahren, und es ist mir noch nie gelungen.“ Der Bildungsgrad des afrikanischen Soldaten. Ein englischer Hauptmann A. M. Sorry erzählt in„Scribners Paper“ über einen südafrikanischen Soldaten, der ihm in Europa als Ordonnanz diente. Der Schwarze sei zwar von Haus aus ganz klug, aber sein Bildungsmangel habe geradezu gigantische Formen. Als der Schwarze zum erstenmal eine Zeitung in den Händen des Hauptmanns erblickte, mußte man ihm erklären, was überhaupt der Begriff des Lesens bedeute. Einige Tage später näherte er sich dem Hauptmann, der wieder die Zeitung las, und fragte:„Was liest man eigentlich auf dem Papier— das Schwarze oder das Weiße?“— Trotzdem ist natürlich der Schwarze vorzüglich geeignet, uns Deutschen zu höherer„Kultur" zu verhelfen. Alern er Ein Rekord der Schweigsamkeit. Einen Rekord der Schweigsamkeit trug, nach den„Times“, der englische Bürger Thomas Williams davon. Dieser sonderbare Mann, der kürzlich im Alter von 71 Jahren gestorben ist, schwor sich eines Tages aus unbekannten Gründen zu, prinzipiell kein Wort mehr zu reden. Und tatsächlich soll er dieses Versprechen während der letzten 30 Jahre seines Daseins unerbittlich innegehalten haben. Um sich aber nicht Verführungen zum Bruch dieses Schwures auszusetzen, hatte er sich in eine kleine Hütte am Ende eines Dörschens zurückgezogen. Die Bauern besuchten ihn mehrmals und gaben sich alle Mühe, ihn zum Sprechen zu bewegen. Sämtliche Versuche scheiterten an seiner Energie, die wohl einer vernünftigeren Sache wert gewesen wäre. Als man nach dem Tode des sond erbaren Greises in seine Hütte eindrang, fand man sie vollgestopft mit allen möglichen englischen Tageszeitungen Vielleicht hat diese Lektüre ihn veranlaßt, sich ein für allemal von der Welt zurückzuziehen. und ältestes Cagesorgan des Kreises. General-Anzeiger für den Kreis Hörde Daupt=Annoncenblatt. Unterhaltungs-Beilage zu Nr. 187. Mittwoch, den 11, August 1920. einholds Antwort war eine Schmeichelei. Er mit seinem reichen Gemüt konnte Thusneldas Bemerkung nicht verstehen. Er dichtete ihr alle möglichen verehrungswürdigen Eigenschaften an, und als sie ihn dann neckend auslachte, wobei ihre blauen Augen wie Edelsteine blitzten, da bedeckte er Thusneldas ringgeschmückte Hände mit heißen Küssen und stammelte das Geständnis seiner Liebe. Das schöne stolze Mädchen sog die zärtlichen Worte ein, ohne ihn zu unterbrechen. Dann legte sie den Kopf mit dem goldig schimmernden Haar an seine „Nimm mich hin, ich bin dein!“ sagte sie leise, aber fest.„Wir wollen sogleich zu meinen Freunden gehen und ihnen Mitteilung von unserer Verlobung machen; sie sollen sogleich erfahren, daß ich einen berühmten deutschen Künstler heiraten werde.“ Bei diesen Worten rieselte es Reinhold kalt über der Rücken. Gehören deine Freunde auch dem Künstlerstande on, Thusnelda?“ fragte er in verhaltenem Ton. Die junge Dame lachte harmlos. Wittikows wissen von dei Kunst ungefähr so viel, wie du von der Bemirtsaaflung einer Farm, mein Lieber. Herr von Wittikon war mit Leib und Seele Soldat und hat es bis zum Majer gebracht. Er bekam aber schon vor Jahren seinen Adschied. Papa lernte das Ehepaar auf einer Reise kennen. Man tauschte Briefe, und als die Frau Major mich aufforderte, mich an der Korrespondenz zu brieiligen, kam ich ihrem Wunsche gern nach, schen darum, well ich ganz richtig vermutete, daß mir die guten Leute fruder oder später nützlich sein könnten.„„ Pang Kar k. an 1. Vor zwei Jahren pard Pupa. Von oa an trieb mich die Sehnsucht nach Deutschland. Ich bedrängte meinen Sachweiter einen treu ergebenen Menschen, einen großen Teil meiner vom Vater ererbten Ländereien zu verkauser und das Geld in soliden Unternehmungen anzuiegen. Das ist geschehen, und ich weiß nun ungefähr, wieriel ich besitze. Es sind reichlich fünf Millionen, die Zinsen betragen über eine Million, davon können wir anständig leben.“ Ein Schwindel packte den Künstier. Er griff an eine Stirn. War dies Traum oder Wirkischkeit? Er, der armseligste Tropf von all seinen Kollegen, welcher in einer erbärmlichen Kammer auf elendem Lager schlief, in einer alten Hoizliste Brot und Butter aufbewahrte, sollte demnächst über Tausende und aber Teusende verlühender Torbeer. Roman von A. Serffert=Alinger. (1. Fortsetzung.) * Gaidnd Schslnd fügen, ein himmlisches Weib sein eigen nennen, alle Annehmlichkeiten des Daseins genießen! Lange hielt er die weiche, bestrickende Gestalt des schönen Mädchens in stummer Seligkeit umfaßt. Und noch höher schlugen die Wogen des Glücks in ihm, wenn er sich sein ganzes bisheriges Leben vergegenwärtigte, das nur wenige Lichtblicke aufwies. Kampf und Entbehrung drückten demselben den Stempel auf. Arbeit bis zur Uebermüdung, vergebliche Arbeit; denn was Reinhold schuf, erreichte kaum das Mittelmaß. Er war stets gezwungen, seine Bilder zu wahren Schleuderpreisen zu veräußern, um auf halbwegs anständige Art sein Leben zu fristen. Seinen äußeren Menschen hatte er nie vernachlässigt. Der Gesellschaftsanzug, welchen er heute trug, war mit Lindens Hilfe bereits vor SpgijZeyr gein, schafft worden, hatte geändert, einer cheme#nigung unterzogen werden müssen, aber er saß labellos, und kein noch so kritisches Auge hätte etwas daran auszusetzen gefunden. Ebenso hielt Reinhold auf einen guten Straßenanzug, zur Belustigung seiner Kollegen, die lieber ein Honorar in angenehmer Gesellschaft verjubelten, als sich ein notwendiges Kleidungsstück dafür In ihren Augen war Beeskow überhaupt kein rechter Künstler, dazu hatte er viel zu viel pedantische Gewohnheiten. Der Zug ins Große fehlte ihm, das merkte man an allen Ecken und Enden. Dies war wenigstens die Anschauung seiner unbemittelten Kollegen, von denen einige, bereits verloddert, es mit ihrer Kunst nicht mehr ernst nahmen, andere, vom Kampf ums Dasein zermürbt, resionierten. Die meisten von ihnen hatten ihre beste Kraft in nußlosem Ringen zersplittert und vegetierten dahin, untauglich für jede ernste, geordnete Tätigkeit. Zu diesen Verlodderten gehörte Felix Linden nicht. Er war talentvou, arbeitsfreudig, sein Name wurde in Portrafisg, gerggen Tgenbee, Diese Gedanten durchschpierten im Trezenega, Liosda dier auise Sien ang diech heshasl aus sche. Er konnte nicht anders. Zu viel hatte er gedarbt und gelitten Nicht nur die Liebe, der Besitz des schönen Madchens. machte ihn glücklich, sondern auch die Aussicht aus ein sorgenfreiee, geordnetes Leben. Thusrelda erhot sich zuerst.„Komm nun zu eunden,“ sagte sie stolz und froh,„sie sollen erfahren, daß ich die Braut eines berühmten Mannes Und wie Beeskow an ihrer Seite frei und hochaufgerichtet dahinschritt, konnte man ihn schon für einen Ezusnelda brückte befriedigt seinen Arm. man dir in der Soldatenfamilie nicht mit der gebührenden Anerkennung begegnet, so laß bsapgomene in der weiten Welt keinen Menschen um Solche Worte hörte Reinhold gern, und sie gaben gutes Endernehmen werde. 2. Kapitel. Darüber war etwas mehr als ein Jahr vergangen. Die Märzveilchen blühten, und der Himmel strahite Felix Linden hatte die großen Atelierfenster weit geöffnet, so daß die herbe, klare Märzlust ungehindert Eine liebevolle Hand schien in dem Atelier zu walten; denn in verschiedenen Vasen ten die lieblichen Frühlingsblumen, Maiglöckchen, TaVor einem nahezu vollendeten Büdnis stand mit trtisch zusammengezogenen Brauen der, Schenherzgnsig „Nicht so übel,“ murmelte er,„sprechend ähnlich und doch idealisiert. Ich habe der Signora die liebenswürdigen Eigenschaften ihres Charakters gleichsam als Geleitbrief ins Gesicht gezeichnet. Ihre Fehler geyen ja auch nur den eigenen Mann etwas an, wozu sollte ich sie aller Welt offenbaren? Die schöne Frau ist launisch, wankelmütig und gefallsüchtig, ich hätte das Porträt durch ein paar Pinselstriche dem lebenden Original so ähnlich gestalten können, daß es auf jedermann wie eine Warnung gewirkt hätte. Aber wozu? Es ist das gute Recht des Künstlers, zu idealisieren, und das der Frau, ihre Fehler zu verweiter zurück und dann wieder näher heran, begutachtete mit scharfer Selbstkritik jede Linie wieder und wieder, aber es war setzen an dem Werk, das lebensvolle Antlitz trat förmlich aus dem dunklen Hintergrunde hervor, die braunen Augen der Südländerin sprühten folmung, die vollen roten Lippen lächelten so bestrickend, daß man versucht ein konnte, sie zu küssen,... 6.4. hinein. Wesch Lautlos lachte der Maier in sich hinen„. ein sischblütiger Narr bin ich doch,“ dachte er,„daß ich für diese füße Schönheit nichts anderes als kühle Freundlichkeit fühle! Wie ein Barbar komme ich mir vor, und doch kann ich's nicht ändern. Ganz kurze Zeit schien es ja, als schlage mein Herz rascher bei ihrem Anblick, aber als sie dann ihr kokettes Spiel begann, war ich bald ernüchtert. Und so geht es mir bei jeder Frau. Ich mag die lieben Engel alle gern, was wäre ohne ste das Leben? Aber einer einzelnen jahraus, jahrein zu huldigen, wie Freund Beeskow, das würde Die Klingel schrillte, und Linden ging zur Ateliertür, um zu öffnen; freudig überrascht streckte er die Hand aus. Ah— Lupus in Fabula, tritt näher, Freund Beeskow, soeben sprach ich von dir, oder vielmehr: Helahod Beskow hate füchig Linderz, Hände. druck erwidert, seine Blicke, waren mit einen. Asbruck, den man als glühende Gier bezeichnen mußne, auf das fast vollendete Porträt gerichtet. Er stand davor, ehe Linden es hindern und starrte wie fasziniert auf das wundervolle Bild. Der Schweiß stand ihm in großen Perlen auf der Stirn, die Lippen hatte er so fest zusammeggerreht, daß sie eine kaum sichtbare Lini=.. Z.x Verzweilung Haltung lag etwas Trostloses, das der Verzweitung habe nicht gern, wenn fremde einer unvollendeten Arbeit von mir ruhen, sagte Linden; man sah ihm an, daß er ärgerlich war.„D# weißt, ich bin abergläubisch, Reinhold, und fürchte, v### mein Werk, die mühselige Arbeit vieler Stunden, mißlingt, wenn vor der Zeit Aufhebens davon„Hemacht wird...„Diesmal hat es aber wohl nichts 3u). denn das Porträt ist nahezu vollendet. Du wirst mir sa keine Enttäuschung ins Haus tragen, IP nie jg, pingen Aerger, und so will ich nur jede Besorguss schemden „Es ist ein Meisterwerk ersten Ranges und muß dich mit einem Schlage zu einem berühmten Manne machen. Alle Erwartungen, welche unsere Meister auf dich setzen, erfüllst du mit diesem Werk. Laß dir gratulieren, Linden! Du gehörst nun zu den Erster Felitx schlug krästigin die dargereichte Hand. Seine Augen leuchteten, stolz dehnte sich seine sebnige Gestalt. „Ich danke dir, Reinhold. Dein Loo hure ich gern; denn ich weiß, es kommt von aufrichtigen Lippen.... Ja, ich habe selbst das Gefühl, daß ich mit dem Bilde da etwas Gutes geschaffen, und dieses stete Aufwärtstlimmen macht mich sehr froh und glücklich,„Kärtlicheg kann eine Mutter ihr leihliches Kind nicht#####, wie ich mein geistiges. Es ist so wunderbar schön und wohlgelungen. Am liebsten taufte ich es Mona Lisa Nr. 2. Aber jetzt wollen wir die lieben Augen verhüllen, die noch gar nicht das Recht haben, so siegesIu seiner Stimme lag ein weicher, lnniger Klang, der seiner herben Natur eigentlich fernlag. Vorsichtig legte er ein grünes Tuch über das Gemälde. „Wenn du dem Original ebenso zugetan bist, wie dem Bilde, dann läßt sich deine Begeisterung, die dich zu einer so vollendeten Leistung anspornte, erklären, meinte Beeskow mit leichter Ironie. „Ich werde niemals einem Ehemann Grund zur Eifersucht geben, Reinhold, am wenigsten aber dem Gatten der Signora, der meine Arbeit fürstlich honoriert.“ Er seufzte, aber dabei blitzte der Schall aus seinen Augen.„Ich habe das Malheur, an jeder schönen Frau neben all ihren Reizen auch Mängel der verschiedensten Art zu entdecken. Das stimmt meine Schwärmerei sehr bald auf einen Grad herab, von dem völlige Ernüchterung nicht weit entfernt ist.“ Reinhold nickte zustimmend. Mit einer müden Bewegung glitt seine Rechte, an welcher breit und schwer der Trauring glänzte, durch sein dichtes, dunkles Haar.„Recht hast du, Felix, und was du als Malheur bezeichnest, solltest du als dein Glück preisen. Leider kann nicht jeder, welcher die Fehler und Schwächen der Weiber erkannt hat, so nüchtern und objektiv empbuden wse du hüter aus dem Munde eines jungen Ehemannes,“ bemerkte Felir im Ab= und Zugehen. Er holte Gläser und eine Flasche aus dem Neven„Nun wollen wir zunächst auf deine und Frau Thusneldas Heimkehr anstoßen. Ein volles Jahr auf Reisen! Welch eine Fülle von Eindrücken mußt du gesammelt haben! Ich freue mich schon auf deine reichhaltige Skizzenmappe. Hoffentlich hat dein Künstlerfleiß nicht gar zu sehr unter deiner Verliebtheit gelitten?“ (Fortsetzung folgt.) ese 3 22 5** * 5 S #n 5#### E * S 2 S 5 ** S 6 3 2 ** 2 S 95 8 S 2 * 2 10* S 2 *“ 5— 6 " 52" 8 S SSTE *WTDIS SaSpySTESSSSESGISERR S S0SSAEE 5 8 ——— Eine Französin, die D kennt. (Nachbruck verb. sten.) Aus Lille wird uns geschrieben: Man ist es gewohnt, daß die Franzosen, 5,g Lictz ägg. esitz, gler Kultur glauben, verächtlich über ensschland und beutsches Wesen denken. Sie tun wenigstens so, als wenn das Land der„Boches“ lauter ungebildete, rohe„Barbaren“ berge; die französische Presse lügt das übrige dazu, und das unwissende Volk glaubt blindlings daran. Und doch gibt es auch unter den Franzosen Ausnahnen, die der Wahrheit die Ehre geben und sich nicht um das fanatische Geschwätz ihrer Landsleute kümmern. Vielleicht sind diese Ausnahmen zahlreicher, als man weiß, weil man in Frankreich systematisch jede freie, offene Gedankenäußerung unterdrückt... Ich hatte., Tage Gelegenheit, eine solche Ausnahme kennenzulernen. In Lille, der Hauptstadt Französisch=Flanderns, war es, wo ich inich abends im Dunkeln in den Gassen verirrt hatte und eine des Weges daherkommende Dame um den rechten Weg befragte. Zu meinem Erstaunen bekam ich auf meine sprachlich gutgemeinte, abeg wohl nicht ganz richtige Frage eine in tadellosem Deut## pehaltene Antwort.„Verzeihung,“ sagte ich verwundert,„ich konnte nicht annehmen, hier eine beutsche Frau zu treffen.“„Nein,“ entgegnete die junge Dame, „ich bin auch keine Deutsche, sondern eine Französin. Uebrigens haben Sie sich gründlich verlaufen. Ihr Weg geht...“„Danke, meine Gnädigste! Aber selbst auf die Gefahr hin, unhöflich zu sein, gestatte ich mir eine Frage: Woher stammt Ihre tadellose deutsche Aussprache?„Die Franzosen sagen doch häufig genug, daß die deutsche Sprache schwer zu erlernen sei. Um so mehr wundere ich mich über Ihr Ihnen gern erklären,“ meinte die unge Dame;„ich habe jahrelang in Deutschland geweilt und dort an mehreren Universitäten Germanishti, studiert.“„Da sind Sie also Lehrerin?“„Gunz recht! Ich bin Oberlehrerin in Nancy, weilte im Sommer 1914 auf Besuch einer Freundin in Lille und bin ge# nun noch, dank ihrer Liebenswurdigkeit!“ ! Eigentümlich: die junge, elegante Französin und der deutsche Soldat plauderten im Abenddunkel an einer menschenleeren Straßenecke, als Sgerzhrter, eagte Freunde wären!„Nun,“ meinte ich,„Sie könnn gar bald wieder nach Nancy fahren, wenn Frantreich das „Ja, und daß wir das nicht tun, das ist das Dümmste, was Frankreich bisher getan hat!“, Ueberrascht, gute gegnete ich:„Da sind Sie also nicht der Ansicht, vaß Deutschland den Krieg gewollt hat, daß wir als das Barbarenvolk friedliche Völker überfallen, daß wir belgischen Frauen und Kindern die Hände abgeschnitten „H nein!“ antwortete die Französin,„das sind ja alles Ammenmärchen, ersunden, um uns dummen Franzosen das Blut der Entrüstung ins Gesicht zu treiben. Ich, die ich jahrelang in Deutschland weilte, weiß, auf welch hoher Kulturstufe Ihr Land steht; ich kenne deutsches Wesen und deutsche Art, deutsche Wissenschaft und Technik; ich kenne die deutschen Dichter und Künstler; ich kenne das deutsche Familienleben. Und ich bin empört über unsere französischen Zeitungen, die unser armes Volk derart betören, daß man hierzulande entgegengesetzter Meinung ist.“ deshalb erfüllt es mich mit bitterer Wehmut, zu sehen, wie unser schönes Land durch den verblendeten Wahnsinn der Machthaber, durch die unsinnige Allianz mit England an den Rand des Verderbens getrieben wird, So wie ich die Dinge überschaue, sehe Lur, G. kommen, daß Frankreich eines Tages von per Lunv##n verwelchen Ursachen, mein Fräulein?“„Ich will Ihnen offen auf diese Frage antworten: Ich weiß, wie zu denen Deutschlands; ich kenne das große Grundübel unseres leichtfertigen Volkes, ich sehe von dem Zerfall des Familienlebens, ich schäme mich über die abgrundlose Ausbeutung des Landes durch ehrgeizige Advokaten und Maulhelden, die sich an oir Spitze der megierung gesetzt haben. Und daneven das große, einige Deutschland! Das Land der Ideale! Das Land der Gelehrten, der Künstler! Das Land des festen Wollens! Wo es noch Keuschheit und edlen Familiensinn gibt. Ein solches Land ist gefeit gegen alle selbst das solze, mächtige England wigd, Iren, 8e nichts anhaben können. Oh, ich kenne Fr. gun habe jahrelang dort gelebt und gelernt, Luno und Volk zu achten, ja zu bewundern. Und deshalb weiß ich, daß ihr Deutschen siegen werdet, daß die Welt:gth„ ja, das wort kenne ich auch— an deutschen. Sesen n Ergriffen hatte ich den Worten der jungen Frauzösin gelauscht. Als ob sie jäh aus einem Traume erwacht sei, verabschiedete sie sich plötzlich von mir und war hald in dem Dunkel des späten Abends verschwunden. Ich aber ging nachdenklich nach Hause. Es gibt also doch Franzosen, die die Wahrheit kennen. Wie viele sind es ihrer? Und wann wird oas ganze Volk die Wahrheit wissen? Wie lange werden Dummheit und Machtdünkel noch triumphieren? So lange, bis es für das einst so stolze Frankreich keine Rettung mehr gibt?....(z. B.) E „Wenr sollten bin stolz darauf, eine Französin Die Freiheit, für die man kämpfl, ist eine Geliedte, um die man lich bewirdt; die Freideit, die man hat, ist eine Gattin, die uns unbestritten bleibt. Glauben Sie, daß ein braver Mann sein Weib nicht liebt, well kein Herz still und fniecklich int? Erinnerungen an Albert Niemann. Als die Deutschen sich 1852 end E, segoig, Hosten Lewaltigung des stammverwandtex. Schlezwig=Holkrin durch Dänemark erhoben hatten, va wolllen vie länder, die sich ja stets als die rücksichtslosen Polizisten an dem Abend, uls deser 9guhzint, gegeben. Die stolzes England, schäme dich!“ Begeistert jubelte das Publikum zu und verlangte gegen das Theatergesetz so stürmisch sein Erscheinen, daß er noch einmal hervortreten mußte. Viele Dantschreiben gingen ihm Herzen sprach, bekannt wurde, zisd,##r„ Zame des Seitdem hat sich Albert Niemann durch seine unvergleichlichen künstlerischen Leistungen einen Ruhm er=# 1