Lie„Schweitar Vellung“ erschein täglich außer Fe#eriagt. Bezugspreis monatlich 4.50 M., dei der Post 4.6) Md., ohne Destellgeid. Anzeigenpreise: 1 mm hohe. 35 min briite Zeile##### Pfg. Wodnung= und Stellen esuche 890 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Tlachlat, Ik. Tarik. Jeder Rabalt ziu als Kasseor datt und eritscl bei Konnursen, Zwanasvergleichen, gerichtlichen stlagen u. Nichtwrachten de: gemachten Jahlungsbedingungen. Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung Schwerter Oolksblatt Welthofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Die„Schwerter Zeitung“ gewährt ipten Adon= nenten für jeden mit Tod endenden Unfall gemöl drn dr. 300 Mark Anfali. Angugen Drucz u. Verlag v. Carl Draus, Schwoi Ruhr) Amtliches Kreisblatt für den Kreis Börde. Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde Fernsprocher 62. Telegralam=Adresse: Braus, Postscheckdonto 2802 Cöti. Nr. 132. Samstag, den 19. Juni 1920. Nach dem Sturm. Diel Unruhe, viel Sturm war in deutschen Landen. Uun sind die unruhigen Wahlzeiten vorüber. Ob nun auch der Sturm vorüber ist? Ob nun die Stille kommt? Das bedeutet eigentlich der Sturm draußen in der Natur? Wenn die Luftschichten zu verschiednartig sind, wenn sie hier zu heiß und underswo zu kalt sind, dann stellt der Sturmwind einen schnellen Ausgleich unter den verschiedenen Luftschichten her. Die Wahlzeit hat uns gezeigt, daß unsere Dolksschichten sich teilweise noch sehr seindselig gegenüberstehen. Es wogte noch wild durcheinander. Und doch muß allmählich die Ruhe kommen. Ein Ausgleich muß erfolgen, wenn wir #s Dolk weiter existieren wollen. Das ist sicher, in allen Massenbewegungen steckt etwas klaturhaftes. etwas Elementares, etwas, wobei wir uns lo ganz schwach und machtlos vorkommen. Und doch ist es etwas anderes als draußen in der Ulatur. Es handelt sich hier nicht um Luftschichten. sondern um Dolksschichten, um Einzelmenschen, die einen freien Willen haben, die tatkräftigst einwirlen können auf die wilden Wogen des öffentlichen Lebens. Auf Wind und Wetter können wir nicht einwirken, wohl aber auf Ruhe und Ordnung im Volksleben. Deshalb brauchen wir Menschen, die starken Willen und trotzigen Mut haben und die sich Sturm und Wetter kühn entgegenstemmen. Und alls viejenigen, die Ruhe wollen, müssen sich zusammerschließen und eine einheitliche Grundstimmurg unter sich schaffen und andere Uenschen in der Nachbarschaft mit in ihren Bann ziehen. Wir müssen Liebe und Versöhnung predigen, aber nicht nur das, wir müssen die Last, die die andern tragen, erkennen und sie mit tragen helsen. Cun wir das, so wird es allmählich immer besser. Wohl gibt es hier und da Kreise, die das Gegenteil tun, die Haß predigen und den Bürgerkrieg wollen. Diese müssen überwunden werden. Sie werden überwunden durch stille Creue und solbstlose Arbeit. Arbeiten ist besser, denn wählen, Tun ist besser, denn Reden. lach der Wahlzeit voller Unruhen muß die stille und treue Arbeitszeit kommen, nicht nur für die Gewählten, die in den neuen Reichstag einziehen, auch für die Wähler, die noch eben von Versammlung zu Versammlung zogen. Dor allen Dingen müssen wir Christenmenschen zu diesen treuen Arbeitern gehören; das Christentum hat stets zu treuem Cun ermutigt: Seid aber Cäter des Worts und nicht hörer allein, damtt ihr euch nicht selbst betrüget. —9900 Der neue Reichstag. (U Berlin, 19. Juni. Der„Reichsanzeiger“ veräffentlicht nunmehr das amtliche Ergebnis der Reichslagswahlen. Danach wurden insgesamt 26 017590 Stimmen abgegeben. Die 466(vierhundertsechsundsechzig) Abgeordneten verteilen sich auf die einzelnen Darteien folgendermaßen: Dor der Kabiseltsbileung. —0000— Beseitigung der Zwangswirtschaft. aI1 Berlin, 19. Juni. Wie gemeldet, haben in den letzten slagen im Ernährungsministerium wichtige Besprechungen stattgefunden, in deren Mittelrunkt die Aufhebung der Zwangswirtschaft stand. Das Ergebnis der Besprechung scheint eine allgemeine Aufhebung der Zwangswirtschaft zu sein. Die Fesseln sollen spätestens bis zum 1. Oktober ds. Is. gefallen sein. Für die Beseitigung der Zwangswirtschaft ist ein gewisses Drogramm aufgestellt worden, das mit der Aufhebung der Iwangswirtschaft für Fische beginnt; es folgen dann Gemüse, someit da überhaupt noch einschränkende Bestimmungen bestehen, Fleisch und Fette, sowie Oele, Der Block der Mitte gesichert. CUBerlin, 19. Juni. Die demokratische Fraktion ist nicht, wie ursprünglich geplant, gestern nachmittag zu einer zweiten Sitzung zusammengetreten, sondern vertagte sich auf heute vormittag, da man hofft, daß bis dahin noch verschiedene Mitglieder, die gestern noch nicht in Berlin angekommen waren, hier eingetroffen sein werden. In parlamentarischen Kreisen rechnet man, nach dem„Berl. Lok.=Anz.“, bestimmt damit, daß die Demokraten in den bürgerlichen„Block der Mitte“ eintreten werden. Zwar verlautet, daß die Fraktion nochmals Forderungen aufstellen wird. Diese werden aber, wie man glaubt, so gehalten sein, daß sie für die Dolkspartet und das Sentrum als Derhandlungsbasts gelten können. CU Berlin, 19. Juni. Ueber den Standpunkt der Demokraten, deren Beratungen auf heute vertagt burden, erfährt das„Berl. Cagebl.“: Auch diejenigen demokratischen Abgeordneten, die der Meinung sind, daß die Dartei im hinblick auf die bevorstehende Konserenz in Spaa und in Erwägung der Gesamtlage ihre Beteiligung nicht verweigern könne, stehen auf dem Standpunkt, daß ein solcher Entschluß nur gesaßt werden dürfe, wenn— ganz abgesehen von allen Personenfragen— nach zwei Richtungen hin zuvor der Weg geebnet wäre. Die Programmerklärung, mit der die neue Regierung sich dem Reichstag vorstellen wird, dürfte nach Ansicht dieser Abgeordneten so lauten, daß die Beteiligung der Deutsch=demokratischen Partei am Kabinett verständlich und begründet erscheint. Rußerdem muß die sozialdemokratische Fraktion bereit sein, beim Zusammentritt des Reichstages der neuen Regierung ihr Dertrauen zu bezeugen. Ein Rechtsertigungsversuch der Unabhängigen. Die„Freiheit“ bringt an erster Stelle in Fettdruck eine längere Erklärung, die den Iweck hat, die Weigerung der Unabhängigen, sich an der Regierungsbildung zu beteiligen, vor der Dartei zu rechtfertigen. Es heißt darin: In Deutschland ist eine koalitionsregierung, die sich aus Vertreteca der kapitalistischen Klasse und der Arbeiterklasse zusammensetzt unmöglich. Die bürgerlichen Darreien dulden nur solche Sozialisten in der Regierung,: die ihre sozialrevolutionäre Ueberzeugung abgeschworen und sich zum reinen Reformsozialismus bekannt haben. Ruch die Ulöglichkeit einer koalitionsregierung mit den Sozialdemokraten ist für die U. S. D. D. nicht gegeben, solange die rechtssoztalistischen Gewerkschaftsführer durch ihre Dolitik der Arbeitsgemeinschaft der kapitalistischen Produktion goldene Brücken bauen. Erst eine klare und unzweideutige Abwendung der Rechtssozialisten von ihrer schwächlichen und unfruchtbaren Reformpolitik und ein Bekenntnis zu dem Programm des revolutionären Sozialismus könnte unsere Dartei veranlassen, dem Gedanken einer Koalition mit der rechtssozialistischen Partei näher zu treten. An die Reichsmarine hat der Reichspräsident einen Erlaß gerichtet, in dem er sagt: Die Märzunruhen und ihre Folgeerscheinung hatten in der Ularine zu scharfen Gegensätzen geführt und die Erhaltung der ungebrochenen Wehrkraft zur See ernsthaft in Frage gestellt. Mit Befriedigung habe ich daher die Uleldung des Reichswehrministers empfangen, daß am 51. Uai, dem Jahrestage der Seeschlacht vor dem Skagerrak, die Offiziere, die nach Drüfung der Dorgänge unbelastet befunden worden sind, den ihnen zusallenden Dienst vorschriftsmäßig wieder aufnehmen können. Damit ist die militärische Ordnung in der Marine, wie sie die gesetzlichen Bestimnmungen und Dorschriften verlangen, wiederbergestellt. Allen denjenigen, die in den Cagen der Unruhen treu zur Reichsverfassung und zur verfassungsmäßigen Regierung gestanden haben, dankt der Präsident und beiont, daß es Pflicht jedes einzelnen ist in unbedingter Verfassungstreue, in selbstloser hingabe an das Dolksganze und unter Beiseitestellung alles Crennenden redlich mitzuwirken, daß treue kameradschaft und gegenseitiges Vertrauen alle Angehörigen und Ceile der Marine verbinde. Nachdem auf die Einrichtungen der Macinekammern hingewiesen ist, fordert der Erlaß alle Offiziele auf, die Reihen zu schließen, zu freier Mitarbeit zum Diederaufbau in der Marine und zum Besten des Landes und seiner Zukunft. — Der Feind im Lande. Deutsche dürsen keine deutschen Lieder singen. Laut einer amtlichen Bekanntmachung des Chefs des Generalstabes hat der Kommandierende Geneval der Kheinarmee in der durch die französische Armee besetzten Jone„infolge von Zwischenfällen und um Anlässe zu Unruhen zu vermeiden"(!) verboten, daß in der Oeffentlichkeit oder unter Verhältnissen, die der Oeffentlichkeit gleichkommen, deutsche Hymnen oder Lieder, welche einen feindseligen, provozierenden Charakter gegen Frankreich tragen, gesungen werden. Derboten sino u. a.: „Die Wacht am Rhein",„Deutschland, Deutschland über alles",„Heil Dir im Siegerkranz". Ferner wird in der französisch besetzten Jone unter allen Umständen das Flaggen in nationalen Farben, sei es in den alten oder in den neuen, verboten. Jede Uebertretung wird als Ungehorsam gegen den von den französischen Militärbehörden gegebenen Befehl betrachtet und als solcher bestraft, entsprechend Artikel 6 der Ordonnanz Ur. 1 der interalliierten Kommission. Die Drangsalierung der Pfalz. An die Stadt Ludwigshafen haben die Franrosen neue unerfüllbare Forderungen gestellt. Die Franzosen verlangen für ihre Familien, die bei deutschen Familien untergebracht sind, eine eigene Küche. Weiter sollen innerhalb ganz kurzer Seit 13 geräumige Wohnungen für französische Familien zur Verfügung gestellt werden. Ohne Rücksicht auf den Wohnungsmangel wird bei Lichterfüllung mit Ausweisung der verantwortlichen Bürgermeister gedroht. Die französische Grubenverwaltung verlangt von den Pfalzwerken für die zur Stromversorgung der Pfalz bestimmten Kohlen einen Preis von 450 Franken pro Conne, d. h. das Fünffache des bisherigen Dreises. Es ist vorauszusehen, daß infolge dieser Maßnahmen der Straßenbahnbetrieb eingestellt werden muß und daß auch die Industrie bei derartigen Kohlen= bezw. Strompreisen nicht mehr existieren kann. In den Verhaftungen in der Badischen Anilinund Sodafabrik wird noch bekannt, daß die Franzosen die Verhafteten nach Ulainz geschafft haben. Ueber den Grund dieser Verhaftungen heißt es, die Verhafteten hätten sich in Versammlungen über die schikanösen Wohnungsforderungen der Franzosen abfällig geäußert. Es wird aber vermutet, daß die Franzosen kommunistische Fährten(7) auszuspüren gedachten. Die schwarze Schmach. Im Hinblick auf die durch die Besatzungsbehörden erfolgten Verbote von Seitungen im besetzten Gebiet, die mit der Veröffentlichung unfreundlicher Artikel über die schwarzen französtschen Cruppen begründet werden, hat der Verband der rheinisch=westfälischen Presse folgende Erklärung beschlossen: „Der Vorstand des Verbandes der rheinisch= westfälischen Dresse erhebt Einspruch gegen die Knechtung der freien Uleinungsäußerung, die durch das Vorgehen der obersten Kheinlandkommission gegen eine Knzahl von Zeitungen im besetzten Gebiet erreicht werden soll. Die rheinisch=westfältsche Dresse ruft die Aufmerksamkeit der Presse der Welt wach gegenüber der Schmach, die der weißen Rasse zugefügt wird durch die Verwendung der schwarzen französtschen Cruppen im besetzten Gebiet.“ Die Erklärung schließt, indem sie betont, es sei die Pflicht aller unabhängigen Journalisten, die Verfügung der französischen Besatzungsbehörde ganz energisch zu bekämpfen. 55. Jahrgang. Dieder neue französische Uebergriffe in Oberschlesien. Auf der Malakaner Straße wurde ein Lehrer ohne jede Veranlassung von einer Anzahl Franzosen von hinten angefallen, gestoßen und solleßlich von einem von ihnen geohrfeigt. Nur dem Dazwischentreten eines höheren französischen Offiziers ist es zu verdanken, daß der Lehrer von weiteren Mißhandlungen verschont blieb. Crotzdem die Offiziere sich täglich von dem empörenden Verhalten der Cruppen überzeugen können, werden die Uebergriffe von Cag zu Cag schlimmer, ohne daß von höherer Stelle Einhalt geboten wird. Der Jubel im befreiten Flensburg. Flensburg ist jetzt wieder dem deutschen Reiche ganz zurückgegeben; Mittwoch mittag 12 Uhr sanken die vier Flaggen der internationalen Kommission auf dem Dache des Flensburger hofes. Es war ein Schauspiel von nur wenigen Minuten. Der Platz war durch Alpenjäger besetzt. Kls die Jahnen niedergingen, prösen#####en#e. Generalsekretär Bruce, der die internationale Kommission vertrat, und die französischen Offiziere grüßten ihre Farben, dann schritt herr Bruce die Front ab, und die Cruppen zogen wieder fort. Das Publikum brach im entscheidenden Augenblick in Jubel aus. Das Schleswig=holsteinlied und„Deutschland, Deutschland, über alles" rauschten auf. Plötzlich erschienen oben im Jenster des Dachgeschosses des hotels zwei kleine schleswig=holsteinische Fähnchen, die von Angestellten des Ilensburger hofes herausgesteckt worden waren. Aus dem zweiten Stock des Uebenhauses wurde eine deutsche Jahne entrollt. Brausende hurras ersüllten die Luft, als man das gewahrte. Die blau weiß=roten Fähnchen mußten auf Geheiß der Kommission sofort wieder entfernt werden. Beim abmarsch der Alpenjäger ging ein Pfeifen und Johlen durch die Ulenge, und die Fäuste der Franzosen ballten sich; zu Iwtschenfällen ist es jedoch nicht gekommen. Nach Aufhebung der Absperrung wogte die Alenge vor dem Hotel auf und ab, und Herr Bruce, mit dem Monokel im Auge, sah mit einem verächtlichen Sug um den Aiund auf das Dolk, das seine Freude, nun endlich wieder frei zu sein, kaum zu zügeln vermochte. — Der Freiheitskampf der Türkei. Nach einer Havasmeldung aus Ceheran vom 14. Juni hat sich die schon beunruhigende Lage in Mesopotamien in den letzten Cagen verschlimmert. In Mosul seien schwere Unruhen ausgebrochen. 6000 Araber hätten die Staatsgebäude angegriffen. Man meldet zahlreiche Cote. Die Verbindungen mit Bagdad jeten abgeschnitten; auch in Hambra hätten blutige Jusammenstöße stattgefunden. In Bagdad seien die Manisestanten vor das Polizeikommissariat gezogen, um die Befreiung der politischen Gefangenen zu verlangen. Auf dem Cigris leien englische Schiffe geplündert und die Besatzung getötet worden. Nach einer Londoner Meldung des„Cempo“ kursiert schon seit einiger Seit das Gerücht, daß, um zu verhindern, daß Kleinasien der Knarchie verfalle, der Oberste Rat gewisse bedeutende Abänderungen der türkischen Friedensvertragsklauseln ins Auge fassen könnte. Eine Atmosphäre der Beunruhigung scheine in Konstantinopel zu herrschen, seitdem sich die nationalistischen Streitkräfte von Uustafa Kemal Dascha nicht nur ganz Kleinastens, sondern auch der asiatischen Küste der Marmarameeres mit Ausnahme von Jonnid, wo sich noch eine britische Garnison halten könne, bemächtigt hätten. Die türkischen Nationaltsten hätten sich auch der Insel Marmara bemächtigt, die die Schiffsroute, die von Gallipoli nach Konstantie nopel führe, beherrsche. klach einer Orivatmeldung des„Cemps“ aus Konstantinopel sollen vier Anhänger von Mustafa Uemal Dascha, darunter zwei Offiziere, als Urheber eines Komplotts gegen den. Großwesir auf dem freien Platz vor dem Kriegsministerium gehängt worden sein. Die Beziehungen zwischen dem Großwesir und Mustafa Kemal Pascha nähmen jeden Cag mehr den Charakter persönlichen Hasses an. —0000— Giolittis Rabinett freudig begrüßt. Die ttalienische Dresse begrüßt das Kabinett Giolitti mit, großer Wärme. Der Mlessagero erblickt namentlich in der Ceilnahme des Grafen Sforza die Sicherheit, daß die Richtlinien der auswärtigen Dolitik Nittis auch vom neuen Kabinett aufrechterhalten werden sollen. Der katholische Corriere d'Italia erklärt, daß die Einstimmigkeit, mit welcher der llame Giolittis von der Oeffentlichkeit begrüßt wurde, der katholischen Partei große Genugtuung gebe. Das offiziöse Organ des Datikans, der Össervatore Romano, erklärt, daß die Aufgaben des neuen Kabinetts außerordentlich groß seien, aber durch die Jusammensetzung und durch die Kenntnisse der Mitglieder des Kabinetts werde Giolitti die Unterstützung aller Parteien finden. Rom, 18. Juni.(Stefani.) Giolitti übersandte allen Präsekten ein Kundschreiben, worin er darauf hinwies, daß die schwierige Lage, worin sich das Land gegenwärtig befinde, nur durch Anspannung aller Kräfte behoben werden kann. Jum Schluß betont er, daß das von ihm beabsichtigte Programm in der sozialen Gerechtigkeit, der wirtschaftlichen, finanztellen Wiederaufrichtung und in der Beachtung der Gesetze gipfele. —00000— Volkswirtschaft. Die Krise in der bergischen Industrie. Die Krise in der bergischen Industrie hat nunmehr auch die Cextilbranche erfaßt. In einer Tagung des Sekretariats des christlichen Cextilarbeiterverbandes in Lennep wurde bekanntgegeben, daß zahlreiche Betriebe die Stillegung angekündigt hatten. Uan will zuständigerseits nun dahin vorstellig werden, daß alsbald volkswirtschaftlich wichtige klotstandsarbeiten vorgenommen werden und dahin wirken, daß ein Preisabbau für inländische Lebensmittel herbeigeführt wird. Wenn in dieser Frage nicht volles Verständnis gezeigt werde, werde das Sinken der Kaufkraft breiter Volksschichten sich zu einer ernsten volkswirtschaftlichen Gefahr auswachsen. Um größeren Entlassungen kaufmännischer Angestellten in der Solinger Industrie vorzubeugen, fanden Besprechungen zwischen dem Verein zur Wahrung der kaufmännischen Interessen und der Arbeitgeberorganisation statt, wobei man zu dem Ergebnis kam, daß, wenn erneute Gehaltserhöhungen nicht gefordert werden, besondere härten in der Entlassung vermieden werden. Eisenbahner gegen die Erhöhung der Carife. Der in hannover tagende Eisenbahnerrat der Bezirke Hannover und Münster faßte nach einem Dortrage des Eisenbahndirektionspräsidenten Wesener einstimmig folgende Entschließung:„Eine Gesundung des Eisenbahnwesens, sowie der deutschen Dolkswirtschaft ist von der fortgesetzten Erhöhung der Carife nicht zu erwarten. Die Wurzel des Uebels liegt in der allgemeinen Einführung Taifun. Komar von heinz E'Monts. 96) (Nachdruck verboten.) „Willkommen in der Heimat, Wilhel: Orth!“ ##. Holday maß die Sprecherin mit unsicherer Ueppig schönes, tiefdunkles Haar, tadello Figur, die in dem knappen, schwarzen Tuck kostüm sich glänzend präsentierte. „„Dame der Gesellschaft, dachte Holday. Woz sonst die Maske, wo doch einzig ein phan tastischer Riesenhut an ihr auf den heutige Tag hinweist. „Doch sofort verwarf er diesen Gedanke wieder. uls Wilhelm Orth hatte er keine Dum gekannt, die irgendwie Anspruch erheben konnte zur Gesellschaft gerechnet zu werden. Blieb also nur—— Wieder ein durchdringender, scharfer Blic seiner Adleraugen. Nein, Fränze war das nicht. Nochmals das gleiche, verlende Lachen. „Hat dich die Ueberraschung des Sprech vermögens beraubt?“ Es lag ein feiner Unterton von Spott i den Worten, etwas wie Herausforderung, wi der Lufthieb einer blanken Klinge. „Wer bist du?“ Da schob die Fremde ihren Arm unter der Holdays, und Seite an Seite schoben sie sich nun weiter durch das Gedränge. Von recht und links sausten die Pritschenschläge niede auf das Paar. Man war aufmerksam geworder und ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen den' anscheinend fremden Vögeln das Gefiede etwas zu zausen. des Achtstundentages, der ohne internationale Kegelung für Deutschland vollständig unmöglich erscheint.— Die Verkehrslage im Kuhrgebiet. Nachdem in den letzten Cagen des Juni die Schwierigkeiten im Abtransport der Brennstoffe, die sich in der zweiten Hälfte des Monats Mai herausgestellt hatten, behoben sind, hat sich die Wagengestellung, sowie der Versand verhältnismäßig glatt abgespielt. In der vorigen Woche wurden werktäglich rund 20350 Wagen gestellt, ohne daß Fehlzifsern zu verzeichnen waren. Infolgedessen konnte die Frischförderung abgefahren und auch von den Beständen nieder einige Ulengen zum Versand gebracht werden. Der Lagerbestand belief sich am 12. Juni auf insgesamt 316390 Connen. Ruch der Verkehr zu den Quisburg=Ruhrorter häfen und der Umschlag an den Kippern in Quisburg=Ruhrort hat sich in der vergangenen Woche regelmäßig gestaltet. Der Umschlag an Steinkohlen und Koks betrug in der genannten hälfte werktäglich fast 29000 Connen, so daß der noch günstige Wasserstand des Rheins und der zurzeit ausreichende Laderaum ausgenutzt werden konnte. Der Brennstoffumschlag in den Sechenhäfen der Kanäle betrug arbeitstäglich 24 800 Connen. Bahnraum steht zurzeit genügend zur Verfügung. Die amerikanische Mark=Spekulation. Seitdem der Markkurs gestiegen ist, rechnet man in Kmerika damit, daß er aller Doraussicht nach: mit ein paar natürlichen Unterbrechungen und selbst Rückschlägen weiter steigen wird. Die Summe, die Ameriko für deutsche Waren zahlt, nimmt gewaltig zu, andererseits ist das gleiche der Fall hinsichtlich der deutschen Käufe amerikanischer Rohwaren. Wäre letzteres nicht derartig umfangreich gewesen, so würde der Kurs noch schärfer in die höhe gegangen sein. Die Amerikaner legen ganz gewaltige Summen in deutschen Werten an, nicht nur um zu spekulieren, sondern auch, um sich rechtzeitig und billig gute Anlagen zu verschaffen. Es wird nicht übersehen, daß, wenn auch das politische Deutschland einen Tiefstand erreicht hat, der kaum noch weiter sinken und, sobald auch nicht wieder gehoben werden kann, neben diesem politisch zu Grunde gerichteten Deutschland ein kommerziell=industrielles Deutschland besteht, das die größten Anstrengungen macht, wieder auf den Weltmarkt zu kommen und daß die Aussichten dieses Deutschland, bei dem immer noch sehr niedrigen augenblicklichen Kursstande der Mark, ein weiteres Kaufen als gute Kapitalanlage darstellt. Die Spekulation auf Anlagewerte beschränkt sich nicht nur auf deutsches Geld, sondern erstreckt sich vor allem auf Staatspapiere, Provinzial= und Stadtanleihen, Industriepapiere, Bankaktien, Pfandbriefe und ähnliche Wertpapiere. Der kürzliche geringe Rückgang der Mark wurde hier übrigens auf den Einfluß der deutschen Reichsbank zurückgeführt, die um eine Wirtschaftskrise infolge 8 Von beiden Seiten hängte man sich an das Paar. Bärtige Lippen und kirschrote Mündchen spitzten sich zum Kuß, Papierschlangen wirbelten und rauschten, Konfetti tanzte durch die Luft. Die Februarsonne leuchtete verstohlen, ein leiser Oft trug den Lärm bis in die entferntesten Gassen. „Das Gewühl hier fängt an lebensgefährlich zu werden,“ lachte Holday nach wenigen Schritten.„Gehen wir in das nächste Restaurant, schöne Unbekannte! Es reizt mich, dich nach Nam' und Art zu fragen, und in diesem Höllenlärm ist ja kaum das eigene Wort zu verstehen.“ Der Posten vor dem Restaurant Rheingold präsentierte, als man durch das hohe Portal schritt. Der Babbe besaß ein gutes Auge für Gentlemen, von denen zu erwarten stand, daß sie die erwiesene Ehrenbezeugung durch ein Trinkgeld quittierten und ließ seinen Reiserbesen spielen, daß selbst eine inspizierende Exzellenz daran seine Freude gehabt hätte. In der Tür des Restaurants hemmte Holday einen Moment lang den Schritt. Wie aus einem Hexenkessel schlug es ihm entgegen; ein Tohuwabohu von singenden, schreienden, lachenden, bläckenden, mianen#en, krähenden, schnalzenden menschlichen Stimmen, durch welches verworren die Klänge eines Marsches sich hindurchzuwinden mühlen, ein Pfeifen, Sausen, Knarren und Tuten, ein Händeklatschen und Füßetrampeln, daß die Rhyihmen der Musik begleitete und die Weisen dem Ohr aufdrängte auf Wochen hinaus. Pfropfen knallten, Gläser klierten. Trotz der draußen herrschenden Tageshelle hatte man die Rolläden herabgelassen, und die Räume erstrahlten im Funkellicht der elektrischen Glühbirnen.e Auch hier Papierschlangen von Kronleuchter zu Kronleuchter, auf Tischen und Stühlen und Parkett. Wie eine rosenrote Wolle, aus der heraus es unablässig slimmerte und flirrte eines rapidon Steigens der Mark in Heutschland zu verhindern, einen vielfachen Millionenbetrag an Mark auf den Markt brachte, um den Sprung etwas aufzuhalten. —00— Aus Stadt und Land. Die Linde blüht! Das große Duften in der llatur, das bei kühler und feuchter Witterung allerdings weniger hervortritt, verstärkt sich durch die reiche Lindenblüte. Die Linde ist dem Deutschen im Gegensatz zur knorrigen Eiche der trauliche Baum. Jur Eiche schauen wir auf, unter der Linde suchen wir eine behagliche Rast= und Erholungsstätte. Nicht ohne Grund ist für die erste Straße der Reichshauptstadt zur Bepflanzung die Linde gewählt, obwohl in der Anlehnung an das ragende Brandenburger Cor die Eiche eher am Platze gewesen wäre. Im Schatten der Linden winkt beim Lustwandelnden die trauliche Erinnerung an alles Liebe, das wir im Leben gehabt haben. Linde und Liebe sind in manchem schönen Dolksliede verherrlicht, auf der Bank unter der blühenden Linde vergessen auch heute noch junge Paare das Geld in der Casche vor der Seligkeit im herzen. Kuf der alten Gerichtsstätte vieler Dörfer und Flecken erhebt sich auch heute noch die Linde, und in Chüringen haben es die Bewohner verstanden, die Reste der Linde so zu ziehen, daß auf ihnen Bretter gelegt werden können. So zwitschern in manchen Linden nicht nur die Finken und Amseln, sondern es wird auch an schönen Nachmittagen da oben Kaffee und Bier getrunken, und abends wird getanzt. Diele Gotteshäuser, auch in den Großstädten, sind noch von Linden umgeben, und einzelne Linden erinnern daran, daß hier in früherer Seit, als die Städte noch mit Mauern und Gräben umgeben waren, die Ruhestätte der Dahingeschiedenen war. Kus den Wipfeln der Linden rauscht es:„Schlummre sankt bis zur Auferstehung.“ **(Der Steuerabzug vom Einkommen.) Ueber die Frage der heranziehung des Lohnes der Hausangestellten, die auch Naturlohn erhalten, zu den Abzügen für die Reichseinkommensteuer wird uns mitgeteilt, daß der Naturallohn nicht angerechnet und daher auch nicht dem Abzuge unterworfen werden soll. Dagegen soll als Ausgleich vom Geldlohn 20 Prozent in Abzug gebracht werden. Zu der Frage, ob Bedenken dagegen bestehen, daß die Arbeitgeber Löhne oder Gehälter schon vor dem 25. Juni auszahlen, wird vom Reichsfinanzamt erklärt, daß bei solcher Dorauszahlung eine Steuerhinterziehung oder Ersparnis nicht vorliegt. Es sei verständlich, daß die Unternehmer oder Kommunalverbände, um sich die Arbeit des Klebens solange wie möglich zu ersparen, den Lohn oder die Gehälter schon vor dem 25. Juni auszahlten. Dagegen sei nichts einzuwenden. Löhne oder Gehälter, die am 24. Juni ausgezahlt würden, unterliegen eben nicht der Abzugspflicht. *e(Für und wider die Swangswirtschaft.) Das sächsische Lebensmittelamt teilt mit, daß die Einfuhr ausländischen Getreides infolge verschiedener Umstände, u. a. auch wegen Streiks in den hafenstädten, ungenügend gewesen sei, daß aber die Lage gerettet worden sei durch den Ueberfluß an Kartoffeln, der in den letzten Wochen zu beobachten sei, namentlich auch in Sachsen. Man hoffe auch über die nächsten noch kritischen Wochen mit Hilfe der Kartoffeln hinwegzukommen. Sachsen und Württemberg sind für Beibehaltung der Iwangswirtschaft in Getreide, Milch, Fett und Fleisch, während Baden, Hessen, Oldenburg, Ulecklenburg und und leuchtete. „Hier ist noch Platz!“ Reich' sie her! „Fünfhundertfünfundfünfzig, fünshundertfüe#undfünzig!“ Von auen Seiten schwirrten die Rufe. In tollem, scherzendem Uebermut boten Herren, sonst solide, hochanständige Bürger, deren Ruf über jeden Makel erhaben war, der Dame ihre Kniee zum Sitzen an; für den Begleiter werde sich schon noch ein Stuhl finden. Kecke junge Leute machten Miene, die Aufsehen erregende Fremde zu umarmen und nach rheinischer Karnevalssitte zum Abküssen weiter zu geben, und brachen in ein herzliches Gelächter aus über das ziemlich verdutzte Gesicht Holdays, der am liebsten sofort wieder kehrt gemacht hätte. „Hupf, mein Mädel,“ ermunterte die Musik. Ein jovial aussehender älterer Herr klopfte Holday vertraulich auf die Schulter. „Nichts übelnehmen, es ist Fastnachtssonntag heute. Spaß muß sein, und böse gemeint ist's nicht.“ In einem entfernten Winkel fand Holday schließlich mit seiner Begleiterin ein Unterkommen. Die Gelbgekapselte blinkte, der Wein perlte golden in den grünen Römern. „Auf dein Wohl, schöne Unbekannte!“ Die Fremde tat Bescheid. Ein leichtes Zittern lief durch ihren schönen Körper, als sie mit Holday anstieß, und es deuchte dem jungen Offizier, als schimmerte es feucht hinter der schwarzen Maske. Langsam setzte er das Glas nieder. „Darf ich nun erfahren, wer unter so Vielen nach einem Jayrzehnt noch die Züge des halbverhungerten Betteljungen im Ges##chtnis behalten hat? Ich sah schon ma-hen te#“ mit dem ich früher in näterem Jeckeh gestanden; das Wiedererkennen wer stets nur auf meiner Seite.“ Die Unbekannte soh Holden voll ins Gesicht: „Denk', ich set das Mädchen aus der Fremde, die hafenstädte auf dem gegenteiligen Standpunk stehen und Dreußen und Bayern noch schwanken.— Zu Mainz lehnte man in einer Besprechung der Stadtverwaltung zwischen Gewerkschaften und Derbrauchern und sämtlichen Landwirtschaftsverbänden der Provinz Rheinhessen das System der Kartoffellieferungsverträge als unzulänglich ab. Wolle man schon an eine Renderung des bisherigen Verfahrens herangehen, so sei ganz freie Wirtschaft vorzuziehen. re(Besserung im Eisenbahnverkehr.) Seitdem die Eisenbahnen mehr und reinere Kohlen erhalten, hat sich unverkennbar eine Besserung in der Verkehrsabwickelung bemerkbar gemacht. Es konnten neue Jüge eingelegt werden und vor allem ist der Personenzugverkehr wieder ziemlich pünktlich. Auch der Güterverkehr, dem man neue Lokomotiven und neue Wagen zuweisen konnte, hat sich gehoben. Bergbau und Eisenbahn zeigen Merkmale einer zunehmenden Leistungsfähigkeit, was um so erfreulicher ist, als aus diesen Pfeilern unser Wirtschaftsleben sich aufbauen muß. *(Zwangspensionierung mit 60 Jahren.) Ueber die geplanten gesetzlichen Maßnahmen für Beseitigung der Ueberalterung der Beamtenschaft verlautet, daß beabsichtigt sei, die Zwangspensionierung bereits mit 60 Jahren(statt bisher 65) einzuführen. **(Bischofsbesuch in der kathol. Gemeinde.) Seit gestern abend hat die kath. Gemeinde wieder einen Bischof als Gast in ihrer Mitte, nachdem sechs Jahre seit dem letzten Bischofsbesuch vergangen waren. herr Weihbischof heinrich Haehling von Lanzenauer(Paderborn), der seit einigen Tagen in der hiesigen Gegend weilt, ist gestern abend hier eingetroffen, um heute einer großen Schar von jungen Leuten das Sakrament der Firmung zu spenden. Die kathol. Gemeinde hat ihrem Gaste einen herzlichen Empfang bereitet, die kirche und die Umgebung derselben bis weit in die Haselackstraße waren prächtig geschmückt und lange vor Eintreffen des Wagenzuges, der den Bischof von Lichtendorf abholte, war der Kirchplatz von einer dicht gedrängten Uenschenmenge besetzt. Gegen 8 Uhr traf der Bischof mit seiner Begleitung auf dem Kirchplatz ein und wurde nach einigen Begrüßungsworten des herrn Pfarrer Schnurbus in feierlichem Juge in die Kirche geleitet, hier von der Gesangabteilung des Jungfrauenvereins mit einem prächtigen Chorliede begrüßt. Nach den vorgeschriebenen kirchlichen Seremonien bestieg der Bischof die Kanzel und hielt an die Gemeinde, welche das geräumige Gotteshaus bis auf das allerletzte Plätzchen dicht gefüllt hatte, eine längere Ansprache und spendete im Anschluß daran den bischöflichen Segen. Nach der kirchlichen Feier wurde er in Drozession zum Pastorat geleitet, wo er für die Tage seines hiesigen Kufenthaltes Wohnung genommen hat. Am heutigen Samstag vormittag hat der Bischof in der Kirche nach dem Gottesdienst, der um 8 Uhr begann, etwa 800 Firmlingen das Sakrament gespendet. Für heute nachmittag ist ein Besuch des Krankenhauses vorgesehen. Am Sonntag morgen gegen 7 Uhr erfolgt die Abfahrt des Bischofs nach dem Sommerberg; von dort setzt er nachmittags seine Firmungsreise nach Annen fort. **(Oberschlesier.) Am Ulontag abend 8 Uhr findet im Lokale des herrn Schulte an der hörderstraße eine Versammlung heimatstreuer Oberschlesier statt. Ueben geschäftlichen Mitteilungen wird ein Vortrag„Oberschlesiens Schicksalsstunde“ geboten. *:(Jahnenweihfest.) Der hiesige allg. Krbeiter=Gesangverein(Leitung: Lehrer Schaare=hörde) feiert am morgigen Sonntag das Fest seiner Jahnenweihe unter Teilnahme einer größeren Anzahl auswärtiger Vereine. Nach dem Programm wird die Feier gegen 2 Uhr mit einem Festakt auf dem Marktplatz eingeleitet: Weihe der Fahne durch den Arbeitersekretär Schneider=Dortmund, Dortrag eines Massenchores unter Leitung von Musikdirektor Haselhoff usw. Dom Marktplatz aus bewegt sich dann ein Festzug durch die Straßen der Stadt zum Freischütz, wo Dokal= und wenn ich auch erst seit fünf Jahren diesen Mauern hier fern bin.“ Holday dachte einen Augenblick nach. „Habe ich dich früher schon einmal gesprochen?“ „Schon oft.“ „Wo?“ „Da und dort. Wer kann das noch sagen.“ In Holday arbeitete es. Er öffnete den Mund und schloß ihn wieder. Die Frage, die ihm auf der Zunge schwebte, wollte nicht über seine Lippen. Es war nie seine Art gewesen, mit dem, was ihn bewegte, auf offener Straße hausieren zu lassen. „Nun?“ Die Fremde blitzte ihn an, und wieder durchfuhr ihn die Vorstellung von einer gegen ihn erhobenen Klinge. Er riß sich zusammen. „Kennst du— hast du Fränze Reeb gekannt Die wohlgepflegte Hand der Fremden trommette leise auf der Marmorplatte des Sischchens. Die komisch ausstaisierten Musikanten setten gerade wieder ein mit dem leuesten Schlager der Saison, einem Potpourrt ris dem Grafen von Luxemburg. Die Stimmung wurkeplötzlich etwas elegisch, und in getragenem Tonsall sang man die Weise mit. Vist du's, lachendes Glück, Das nun vorüberschwebt? Ist das der süße, selige Traum, Den man nur einmal lebt? „Du liebst sie also immer noch?“ Mit eisernem Griff umspannte Holday das Handgelenk des Mädchens. (Portsezung folgt.) Instrumental=Konzert und später Canz stattfindet. Wir wünschen dem Verein, dessen Chor etwa 60 Sänger stark ist, einen schönen Verlauf seiner Feier. 48 43 *(Eisenbahnpersonalte.) Der seit einigen Jahren hier tätige Eisenbahn=Oberassistent Kube wurde zum Bahnhofs=Dorsteher befördert. *(Haserflocken.) Der Verhauf von Haferflocken im städt. Gerätehause wird noch am Montag und folgende Cage fortgesetzt. *(Konzert=Abend der„Cäcilia“.) Es sei nochmals auf den heutigen Konzert=Rbend im Hotel Ostermann hingewiesen und ausdrücklich um pünktliches Erscheinen gebeten; während der vorträge bleiben die Saaltüren unter allen Umständen geschlossen. *(Erholungsheim für Postbeamte.) Der Herzog von Krenberg hat dem Reichspostminister Ciesberts sein in Nordkirchen(Kreis Lüdinghausen) liegendes, bisher von ihm selbst bewohntes Schloß Nordkirchen als Genesungs= und Erholungsheim für Postbeamte zur Verfügung gestellt. Die Derpachtung gegen eine nominelle Dachtgebühr soll auf eine längere Reihe von Jahren erfolgen, wenn die Postverwaltung die Unterhaltung der Gebäude übernimmt. Minister Giesberts wird sich mit den Oberpostdirektoren in Münster und Dortmund demnächst nach Nordkirchen begeben, um das Schloß zu besichtigen und sich über die Annahme des Angebotes schlüssig zu machen. *e(Sommertheater.) Es wird nochmals bemerkt, daß die letzte Dorstellung von„Dolnischer Wirtschaft“ am Sonntag im Saale Köster stattfindet. Sonntag sind Eintrittskarten von 10—1 Uhr im kösterschen Saale zu haben. Die Nachfrage ist außerordentlich stark und wird jeder gut daran tun, sich zeitig mit Karten zu versehen. Näheres siehe Inserat und Cageszettel. *:(Jugendwandern.) Im Anschluß an unseren kürzlichen Kufsatz über organisierte und„wilde" Wandervögel teilen wir auf Wunsch gern mit, daß sich in unserer Stadt zwei Ortsgruppen der organisierten Wandervögel e. D. befinden. Ortsgruppenleiter ist der Buchhändler A. Saatmann. **(Beitragserhöhung zur Invalidenversichenung.) die Nationalversammlung hat durch Gesetz vom 20. Mai 1920 die Sulage zu den Renten der Invalidenversicherung erhöht und zwar vom 1. Juli 1920 ab für die Empfänger einer Invaliden= oder Altersrente auf monatlich 30 Mark, für Witwenoder Witwerrentenempfänger auf monatlich is M., die Empfänger einer Waisenrente erhalten jetzt ebenfalls eine Julage von 10 Ulk. monatlich. Jur Deckung der steigenden Uehraufwendungen mußten auch die Beiträge erhöht werden. Diese betragen ab 1. August 1920 in Lohnklasse 1 0,90 Mark, 11 1,00 Mark, III 1.10 Mark, IV 1,20 Mark und V 1,40 Mark. Die hiernach ungültig gewordenen bisherigen Marken können binnen zwei Jahren bei den Markenverkaufsstellen gegen gültige Marken im gleichen Geldwert umgetauscht werden. *e Westhofen, 19. Juni.(Reichsjugendkämpfe.) Der morgige Sonntag steht im Seichen der vom Reichsausschuß für Leibesübungen vorgesehenen Jugend-Dettkämpfe. In allen deutschen Gauen wird die deutsche Jugend im friedlichen Wettkampf um den schlichten Eichenkranz ihre Kräfte messen. Der 2. Bezirk des Märkischen Curngaues. Deutsche Curnerschaft, trägt diese Kämpfe in Verbindung mit den höheren Schulen und anderen sporttreibenden Vereinen morgen in Herdecke auf dem Bleichstein aus. Von dem Curnverein„Teutonia“ e. D. nehmen daran 20 Jugendturner teil. ** Ergste, 19. Juni.(Gerichtliches.) Mit dem 1. Juli scheidet die Gemeinde Ergste aus dem Bezirk des Amtsgerichts Hohenlimburg aus und wird dem Amtsgerichtsbezirk Schwerte überwiesen. Damit gebt ein Jahrzehnte lang gehegter Wunsch der Gemeindeeingesessenen endlich in Erfüllung. ** Ergste, 19. Juni.(Kirmes.) Am morgigen Sonntag feiert unsere Gemeinde ihr großes heimatliches Fest, die Kirmes. In diesem Jahre sind umfangreiche Dorbereitungen für den nationalen Feiertag getroffen, es ist eine stattliche Budenstadt aufgebaut und auch in den verschiedenen Lokalen ist allerhand„los". Wir wünschen allen Kirmesbesuchern recht viel Vergnügen! —00000— Schöffengericht. In der gestrigen Sitzung, die herr Amtsgerichtsrat Dr. Alffers leitete, wurde zunächst der Strafbefehl in höhe von 10 Mark, der dem Uellner Heinrich Gr. zu hohensyburg wegen Verübung ruhestörenden Lärms zugestellt war, auf 50 Mark erhöht. Der Maurer heinrich Schr. von hier stand wegen Sachbeschädigung unter Anklage. Er hatte im Polizeigefängnis die Sellentür beschädigt; später versuchte er aus dem Gerichtsgefängnis zu entfliehen, indem er das Mauerwerk in der Jelle durchbrach. Für jeden Fall traf ihn eine Geldstrafe von 100 Mark. Diebstahl wurde dem Kranführer heinrich Spr. von hier zur Last gelegt. Er hatte von seiner Arbeitsstelle Eisenindustrie einige Kohre mnd Isolierdrabt entwendet, um dieselben in seiner elterlichen Wohnung zu Lichtanlagen zu benutzen. Dafür erhielt er 5 Cage Gefängnis. Der Metzgermeister G. war der Körperverletzung angeklagt. Während der Märzunruhen hatte er nachts auf der hüsingstraße zwei Männer mit Pferden angehalten im Glauben, daß sie die Dferde gestohlen hatten. herbei kam es zu Streitigkeiten, in deren Verlauf der Angeklagte tätlich wurde. 100 Mark Geldstrafe murden als ausreichende Sühne erachter. Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde der Arbeiter Willi B., der hier versucht hatte, Gardinen, die gestohlen waren, an den Mann bringen. Die Gardinen waren in Arnsberg gestohlen. Dafür erhielt er eine Woche Gesänzuis. die durch die Untersuchungshaft als volbützt erachttt wurde. Die Verhandlung gegen den Oreher Wilh. T., der des Diebstahls beschuldigt wird, wurde zwecks Ladung weiterer Jeugen vertagt und L. vorläufig auf freien Juß gesetzt. Drei weitere Sachen verfielen gleictfaus der Aus den Provinzen. * hörde, 18. Juni.(Fast sechs Jahre mit einer Augel im kopf) war ein hiesiger Feldgrauer umhergegangen. Don einem Schrappnellgeschoß schwer verwundet, war er in französische Gefangenschaft geraten. Die kugel war an der Schläfengegend eingedrungen und hatte mehrfache Knochenzersplitterungen zur Folge gehabt, von denen ihn ein ebenfalls in Gefangenschaft befindlicher deutscher Militärarzt befreite. Obschon sich nach dessen Versicherungen in der Wunde keine Splitter und Fremdkörper mehr befinden sollten, hatte der Genesende doch unter fortgesetztem Druck und Kopfschmerzen zu leiden, deren Beschwerden sich nach seiner Rückkehr dermaßen, verschlimmerten, daß er sich vor einigen Cagen an einen hörder Grzt wenden mußte. Durch die Untersuchung wurde eine Schwellung in der Nasenhöhle festgestellt, aus der durch einen operativen Eingriff schließlich eine plattgedrückte kugel entfernt wurde. * Dortmund, 18. Juni.(Gegen die hohen Gbstund Gemüsepreise) wird die Stadt einschreiten. Zunächst will der Großmarkt— der kürzlich an die Kleinhändler für 2,80 Mark abgab— größere Posten Kirschen einkaufen und sie mit geringem Verdienst nur an die Verbraucher direkt abgeben. Kleinhändler sollen nicht mehr damit beliefert werden. Auf diese Weise hofft der Großmarkt auf die zurzeit hohen Preise günstig einwirken zu können. Die an amtlicher Stelle versichert wird, bringen die Großhändler die Ware zu teuer auf den Markt. Weiter wird die Stadt die Bevölkerung auffordern, kein Obst zu kaufen, wenn die Preise nicht niedriger gesetzt werden. * Letmathe, 18. Juni.(Einen gefährlichen Fund) machten Kinder im Mühlengraben, den man gelegentlich des Einbaues einer Curbine trocken gelegt hatte. Sie fanden einen Karabiner, 2 gut eingefettete Infanteriegewehre, mehrere Handgranaten und eine Ulenge Infanteriemunition. Bochum, 18. Juni.(Amerikanische Erbschaft.) Eine erfreuliche Botschaft wurde dem Bergmann Fritz Düppon in Gerthe zuteil. Er erhielt durch durch das amerikanische Konsulat die Mitteilung, daß ihm die Schwester seiner Großmutter ein Hotel in Uewyork hinterlassen habe, dessen Wert auf 50784 Dollar— nach dem heutigen Kursstande etwas über zwei Millionen Mark— geschätzt ist. * hamm, 18. Juni.(Schrecklicher Unglücksfall.) In der Wohnung des Arbeiters Hermann Darnholz fiel durch einen unglücklichen Zufall das Jagdgewehr von der Wand; die Waffe entlud sich und die Schrotladung drang dem im Bett liegenden 20jährigen Barnholz in die Brust. Die Derletzungen hatten den baldigen Cod zur Folge. * hamm, 18. Juni.(Jubiläum) Am 1. Juli sind hundert Jahre seit Errichtung des hiesigen Oberlandsgerichts verflossen. Aus diesem Anlaß findet an dem genannten Cage morgens im Gebäude des Oberlandesgerichtes ein Festakt statt, für nachmittags ist eine Jeier auf dem Bürgerschützenhof geplant. Ju den Feiern ist auch der Justizminister eingeladen. * Gelsenkirchen, 18. Juni.(Ein Ueberlebender von der„Eneisenau".) Nach 7½ jähriger Gbwesenheit ist ein Ueberlebender von der„Eneisenau“ der Sohn des Klempnermeisters Becker im Stadtteil Ueckendorf, in die Heimat zurückgekehrt. Nach dem heldenhaften Kampfe des Geschwaders v. Spee bei den Falklandsinseln war es Becker gelungen. sich zu retten. Er war dann längere Seit in Südamerika interniert. Was der heimgekehrte von der Stimmung in Südamerika erzählt, ist nicht verlockend für uns Deutsche. alle, die sich mit Auswanderungsgedanken dorthin tragen, sollten es sich dreimal überlegen, ehe sie ihr Dorhaben zur Ausführung bringen. hattingen, 18. Juni.(Der dreifache Mörder Käufer) aus Haßlinghausen, der während der März= unruhen den Gendarmeriewachtmeister Winkelmann, den Dolizeioberwachtmeister Erdsack und den Schreinermeister Crachter erschoß, ist nach Blättermeldungen nach holland entkommen. Während der Unruhen war seine Festnahme von seinen Dartetgängern vereitelt worden. * Oberhausen, 16. Juni.(Sein lind erschofken.) Kls der Oberpostschaffner Müller hier einen Browning reinigen wollte, löste sich unversehens ein Schuß, der sein Cöchterchen in die Herzgegend traf und es tödlich verletzte. * Coesfeld, 18. Juni.(Ein Süterzug verbrannt.) Auf der Station Maria Deen ist ein aus 16 Wagen bestehender Güterzug vollständig niedergebrannt. Die Entstehungsurfache konnze nicht ermittelt werden. * Quisburg, 18. Juni.(Ueberfallen und 17000 Mark Löhnungsgelder geraubt.) Ein Kassenbeamter der Firma Matthes und Weber K.=G. war dabei, einen Betrag von 47000 Mark in Löhnungsgeldern von dem Verwaltungsgebäude der Firma, Rechtsstraße 11, nach dem Werk 1 in der Krefelderstraße zu bringen. An der Dulkanstraße zwischen Rechtsstraße und Mohrenstraße wurde er von zwei Mönnern, die man schon seit zwei Stunden dort hatte stehen sehen, angehalten und mit vorgehaltenem Revolver zur Abgabe des Geldes gezwungen. Crotz seines Widerstandes wurde er mit seinem Begleiter überwältigt und mit einem Schlag zurch einen Schlagring für kurge Zeit betändt. Die beiden Männer stiegen sofort in ein Kuto, welches ebenfalls sich schon seit ungefähr zwei Stunden dort aufgehalten haite. Anhaltspunkte über die fehlen nach * Solingen, 18. Juni.(Weitere Betriebseinschrändungen.) Die Betriebseinschränkungen in der Solinger Industrie haben in der laufenden Woche wieder an Umfang zugenommen. Fast alle größeren Stahlwarenfabriken, die für das Ausland arheiten, lassen nur noch vier Cage in der Woche arbeiten, weil die Bestellungen ausbleiben oder rückgängig gemocht werden. * Köln, 18. Juni.(Die Sprache wieder erlangt.) Infolge eines lebhaften Craumes hat hier ein ehemaliger Kriegsteilnehmer, der vor fünf Jahren bei einem Mineneinschlag die Sprache verloren hatte, die Sprache wiedergefunden. —000— Schwüle Jedes Ding währt seine Seit, llichts ist von Beständigkeit, Mit der Sommersonnenwende Geht der goldne Lenz zu Ende: Hell und heiß auf Berg und Cal. Liegt der Sonne goldner Strahl, Und die allgemeine Tage Steht im Seichen„schwüler Cage". Rosen glühn aus buntem Strauß, Und doch sieht's nicht rosig aus Auf der Welt im allgemeinen, Grau nur will sie mir erscheinen; Wenn ich an die Jukunft denke Und die Blicke weiter lenke, Wird mir's weh um's Herz und schwül Und mich packt ein Angstgefühl. Kus dem Wirrwarr dieser Seit Steigt nur Jammer, klot und Leid. Jeder ist damit verkettet Und auf Rosen nicht gebettet; Auf politischem Gebiete Jogen wir so manche Nliete. Und das reine Friedensglück Will noch nicht zu uns zurück. Diele setzten wieder mal Ihre Hoffnung auf die Wahl, Und nun ist die Wahl gewesen Und die Führer sind erlesen Und nun tun sie ihre Pflicht, Doch betrachten wir's bei Licht, Was die neue Seit uns schickte: Neue Kämpfe und Konflikte. Einen Reichstag haben wir Kls des Reiches Stolz und Zier, Schade nur, daß die Darteien So grundsätzlich sich entzweien: Daß die Linke konsequent Jern sich hält vom Regiment; Was befürchtet war, geschah, Und nun ist die Krisis da. Nach den Kämpfen all, den wilden, Jetzt ein Radinett zu bilden Jur Befriedigung der Dartei'n Muß ein„Kabinettstück“ sein. Mög's herrn Fehrenbach gelingen Dieses Wunder zu vollbringen. Denn der wohlerfahrene Mann Streibt gewiß das beste an. Heiß gehts her im deutschen Land. Das noch keinen Frieden fand, Und die allgemeine Lage Steht im Seichen„schwüler Cage“! llicht„Dartei'n“ heischt das Gebot, Tüchtige Uönner tun uns not, Die uns Führer sind und Leiter Auf dem Weg zum Heil. Ernst Heiter —00000— Wie man durch die Luft reist. Eine durch lebhafte Anschaulichkeit ausgezeichnete Schilderung des neuen Derkehrsmittels, das mit dem Luftdienst zwischen London und Paris ins Leben getreten ist, enthält eine diesem Verkehrsmittel gewidmete Plauderei der„Cimes".„Wir sind,“ so heißt es da,„auf dem Londoner Flugplatz Croydon der Station der Luftlinje London=Paris. Soeben ist ein Apparat aus Daris angekommen. Einer der Reisenden ist vormittags von London abgefahren, hat in Paris gefrühstückt, die besten Stunden des Cages zur Erledigung seines Geschäfts verwandt und ist dann in aller Ruhe wieder nach London gefahren, wo er um 8 Uhr abends eintraf. Er kam gerabe zur rechten Seit an, um das Diner einzunehmen. Die Ueberfahrt zwischen beiden Städten dauert etwa zwei Stunden. Man fliegt bei jedem Detter, ganz gleich, ob es regnet oder sürmt, ob der himmel von Uebel oder von Wolken verschleiert ist. Die Dassagiere, von denen zehn in jedem Apparat Platz finden, kommen auf dem Flugplatz im Automobil an, erledigen im handumdrehen die Jollformalitäten und klettern in den Reroplan, der, nachdem das Gepäck rasch an Bord geschafft ist, unverzüglich aufsteigt. Der Begleiter, der euch zur Station gebracht hat, ist noch nicht in der City von London angelangt, wenn ihr schon übet den Kanal fliegt. Und ihr macht die Fahrt in Gesellschaft liebenswüldiger Damen, die das Gepäcknetz mit hutschachteln und Koffern seber Größe vollstopfen und so gleichgültig und gemächlich wie im Eisenbahnabteil durch die Kuft fahesv. des pestalische Luftverkehr hat sich angesichts der redezu prehibitiven Carissätze— jeder Brief nach Paris kostet rund 9 Jranken Porto— noch nicht stärcker entwickeln können, aber wenn die Portosätze erst ermäßigt sein werden, ist auch hier auf eine erhebliche Steigerung zu rechnen. Inzwischen denkt man bereits daran, den Flugplatz von London zu einer Musterstation für den zioilen Flugzeugdienst umzuwandeln, zu einer Station, die nach keiner Richtung hinter den großen Eisenddahnhöfen zurückstehen soll.“ 2:42„00— Letzte Drahtmeldungen. Eigenei Orpeschendiens. Die Aonferenz von Spaa. WaB Paris, 19. Juni. Havas meldet aus Lendon:„Dailn Celograph“ erfährt, in diplomarischen Kreisen nehme man als wahrscheinlich an, daß, wenn die Konferenz von Spaa nicht noch einmal vertagt werde, sie zwischen Frankreich und England einerseitg und Deutschland andererseits abgehalten werde. Die finanziellen Bestimmungen des Friedensvertragen. aU Basel, 19. Juni. Aus Pariz wird gemeldet: Die Senatskommission für auowärtige Angelegenheiten wird an den Ministerprästdenten eine Anfrage richten betr. die Durchführung der finanziellen Bestimmungen des Friedensvertrages mit Deutschland. Diese Anfrage bezieht sich namentlich auf die Lieferung deutscher Ualurerzeugnisse, die von der deutschen Schuld abgezogen werden können. Deutschenhetze in Belgien. an haag, 19. Juni. Aus Antwerpen wirh gemeldet: Bei der deutschen Tirma Sichs wurden am Donnerstag die Bureaus völlig zerstört. Personen drangen in das haus ein, während Lausende sich draußen angesammelt hatten. Alle Möbel wurden auf die Straße geworfen und gründ. lich vernichtet, ebenso sämtliche Geschäftsbücher. Als die Polizei endlich einschritt, war nichts mehr zu retten. Drohende neue Verkehrseinschränkung. CU Berlin, 19. Juni. Das Reichsverkehrsministerium macht bekannt, daß die Verkehrsschwierigkeiten noch nicht überwunden sind, und daß im herbst wieder mit einer bedeutenden Verkehrseinschränkung in der Personenbeförderung gerechnet werden müsse. Androhung des Generalstreiks im besetzten Gebiet. aU München, 19. Juni. Wenn die Arbeiterführer, die von den Franzosen in der Pfalz verhaftet worden sind, bis heute mittag 12 Uhr nicht freigelassen werden, beginnt im ganzen besetzten Gebiet der Generalausstand, der sich auch auf Bahn. Post, Saz= und Wasserwerke erstrechen soll. Die interalliierte Kommission hat die Organisierung der technischen Rothilfe im besetzten Cebiet verdoten. Landarbeiterstreik in Dommern. WaB Stettin, 19. Juni. Der Landarbeiterausftand in Hinterpommern, der bekanntlich nach dem Scheitern von Carifverhandlungen ausgebrochen ist, gewinnt erheblich an Umfang. Im Kreise Köslin umfaßt er bereits über 30 Güter von 58, im Landkreise Stolp kann man fast von einem allgemeinen Ausstand sprechen. Jum Ceil werden sogar die klotstondsarbeiten verhindert, Arbeitswillige werden durch tätliche Angriffe abgeschrecht, so daß die Milchlieferung nach den Städten teilweise aufhört. Verurteilung eines ebemaligen Kätebürgermeisters. au München, 19. Juni. Der Rätebücgenmeister von Rosenberg in Oberdauern, einer Stadt, die von den Kommunisten auf das gemeinste drangsaliert worden ist, Arbeitersekretät Cöpfert, ist vom volksgericht zu Braunstein wegen Bechilfe zum Hochverrat zu sechs Monaten Jestungshaft wegen Amtsanmaßung zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Ein Riesenbetrug. XU Budapest, 19. Juni. In volkswirtschaftlichen Kreisen erregt eine sensationelle Schwindelasfäre, deren Umsang bisher alles dagewesene übertrifft, großes Kufsehen. Ein junger Mann, namens Martin Jellinak, hatte von Börsenspekulanten 450 Millionen Uronen herausgeschwindelt und ist mit einem englischen Passe geflüchtet. Jektinak hatte im April ds. Is. Dellars um 70 bis 80 kronen billiger verhauft als der Kurs war und vodurch das Vertrauen einer ganzen Keihe von Berufsbörsenspislern erworben. Jellinak ließ jetzt die Nachricht verbreiten, daß er mit Uissionsoffizieren ausgezeichnete Verbindungen habe und mit deren hilfe Valuten ins Ausland schmuggeln Könne. Daraufhin flossen ihm die Millionen zu. Schließlich waren ihm für diesen Zweck 450 Millionen Kronen anvertraut, mit denen er jetzt in das Ausland geTlücktet IR. Gottesdienst= Ordnung für Sonntag, den 20. Juni. Große Kirche. 9½ Uhr: Pastor Nell. 11 Kindergottesdienst. Kleine Kirche. 8 und 10 Uhr: Dastor Ohlig. Westhofen. 9½ Uhr: Pastor Klinker. Kath. Dfarrkirche. 6 Uhr: Stille hl. Masse. Kaplan Winter. 7½ Uhr: Frühmesse. 8¾ Uhr: Schulmesse. Pfarrer Schnurbus. 10 Uhr: Hochamt Kaplan Hesse. Nachm. 2½ Uhr: Dankandacht für die Firmlinge. Lichtendorf. 7 Uhr: Frühmesse mit Predigt. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. 2½ Uhr: Herz=Jesu=Andacht mit Segen. Wetterbericht für mehrere Cage im voraus. 20. Juni: Sonne, warm, Gewitterdrohend, strichweis Gewitter. 21. Juni: Sonne, Wolken, warm. Otelfach Gewitter, Regon. Verantwortlich für die Schriftleitung: Fried. Eraas. Druck und Verlag: Carl Braus, beide in Schwerte. 137 Statt besonderer Anzeige. Weinet nicht an meinem Grabe, Gönnet mir die ewige Ruh, Denkt, was ich gelltten habe. Eh ich schices die Aeuglein zu. Der Herr über Leben und Tod nahm heute morgen 11¾ Uhr unser inniggeliebtes Söhnchen und Brüderchen Er her Raguer nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 4 Monaten wieder zu sich in den Himmel. In tiefem Schmerz Juslus Gutheil u. Frau nebst Kindern. Holzen, den 18. Juni 1920. Gerner&a Os. G. m. b. H. Hagen i. W., Elbertelderstr. 80, Telefon 2519, Postfach 88. Win. Tchcie Abtailung 1. in nenen Drehbänke, Hand-Tisch-Sänlenbohrmaschinen, Shapingmaschinen, Kaltsägen, Polier- u. Schleifmaschinen für verschiedene Spezialzwecke etc. Abteilung II. 9 ugen. Eicnvielt zur 3 Famstag Lonntag Montag. Die graße Sensation. 8 PAte. 2 Der Vamphyr. Spiral- und Gewindebohrer, Feilen und Raspeln, Kluppen für verschiedene Gewinde nebst Ersatzbacken, Sägeblätter für Hand- u. Maschinensägen, Bohr- und Drehbankfutter, Schieblehren, Mikrometer, Hämmer und Zangen etc. Die Beerdigung fndet Montag, 21. Junl. vormittags 10 Uhr, vom Trauerhause, Holzener.veg 43, aus statt. Abteilung III. A 1 N Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Sohnes und Bruders, für die vielen Blumen und Kranzspenden, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pastor Terberger sprechen wir hiermit unseren tiefgefühlten Dank aus. 3002 Schwerte, den 18. Juni 1920 Südwall 7. ramilie Heinrich Fillhaus. Holzriemenscheiben, Wellen- u. TransmissionsSteh- und Hängelager, Schmirgelscheiben und sosen Schmirgel, Flaschenzüge, Zahnradpumpen, Oelpumpen. Oelkannen. Staufferbüchsen und Tropföler, Ambosse, Schraubstöcke, Feilenheftund Hammerstiele, Schrauben, Muttern, Dicltungsartikel, Werkzeugstahl etc. Mit unverbindlicher Offerte stehen wir gerne zu Diensien 3339— Besichtigung ohne Kaufzwang Im Bauche von Paris. Detektiv- und Sensationsdrama aus Artistenkreisen in 8Akten Darsteller: Die Kunstreiterin Gussy Fritz Der Artist Fred Stranz(Tega=Fred) Spannende Handlung. Wagholsige Sensationen. sonneeeeurdan Außerdem: Daskand der Verheißzung. Drama aus dem Leben in 4 Akten. Wanda Treumann in der Hauptrolle. KIE EES M A. 2# Grund der Verordnung des Reichsministers des Innern vom 19. Mai 1920(Reichsgesetzbl. S. 987) zur Ausführung des Gesetzes über die durch innere Unruhen verursachten Schäden vom 12. Mai 1920(Reichsgesetzbl. S. 941) wird folgendes bestimmt: Solange die Ausschüsse nicht bestehen, welche über den Ersatzanspruch sowie über die Aufhebung und die Abänderung der Feststellung der Rente gemäß§ 6 des genannten Gesetzes vom 12. Mai 1920 zu entscheiden haben, find die Ersatzansprüche wegen der Schäden, die an beweglichem und unveweglichem Eigentum sowie an Leib und Leben im Zusammenhange mit inneren Unruhen durch offene Gewalt oder durch ihre Abwehr unmittelbai verursacht sind oder werden, bei dem Gemeindevorsteher der Gemeinden anzumelden, in deren Bezirk der Schaden verursacht ist. Glaubt die Gemeinde für den Vermögensschaden, für welchen nach§ 15 des Gesetzes vom 12. Mai 1920 die bisherigen Gesetze maßgebend bleiben, nicht verantwortlich zu sein, weil der Schaden durch eine von außen her in den meindebezirk eingedrungene Menschenmenge verursacht worden und in diesem Falle die Einwohnerschaft des letzteren zur Abwehr des Schadens außerstande gewesen sei, so soll sie die Höhe der angemeldeten Schäden der Gemeinde oder den Gemeinden mitteilen, auf deren Gebiet die Ansammlung oder von deren Gebiet aus der Uebersall stattgehabt hat. Berlin, den 25. Mai 1920. Minister des Innern. In Vertretung: Freund. Unter Bezugnahme auf die Bestimmungen des Gesetzes vom 12. Mai 1920(R. G. Bl. S. 941) bringen wir vorstehende Verordnung hierdurch mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis, daß nach § 2 des genannten Gesetzes ein Anspruch auf Er#t schädigung nur dann gegeben ist, wenn und sowei ohne solche nach den Umständen das Fortkommer des Betoffenen unbillig erschwert würde. Ersatzansprüche sind baldigst zu stellen.(I# 6 und 16 des genannten Gesetzes.) Schwerte, den 15. Juni 1920. 6568 Der Magistrat: Rohrmann. ROR E Größtes Lager Weztdeutschlauds in Pianos, Flügel, Harmoniumn und # Phonola Klavierspielapparaten. General-Vertretnag der anerkannt führenden V’eitmarken: Steinway& Sons, lbach. Hupfeid, Hofberg. Vorfäbrung bereitwilligst obne Kaalzwung. Stimmungen. 80 Reper Arzneitaxe. Die vom 17. Mai 1920 ab geltende fünfte Ausgab de Deutschen Arzuestage ist in der Weidmann'sch Bl## handlung Berlin S. W. Iimmerstr. 94, erschiene: Arusberg, 31. Mai 1920. 359= Der Regierungs-Präsident. Bekanntnachung. Nach der Fel'stellung des beamteten Tierarztes is unker den Nehbestäncen des Sch ossels Helorich Mart und der Ww. Diekehage In Spbung die Maul-o Klagenseuche au gevrachen, wus hiel durch wit der Bemertn#####r öffertlichen genatnis gebract wird, do über des genannte Gehöft die Sperte angeoidne worken F. 3614 Wepho=n. 19. Juni 1900. Die Polizei=Verwaltung. Bekanntmachung. Vom 1 Juli 1920 ab werden in der Stadt Schwerke für den Bezug von Ledensmitteln, Butter, Margaeine. owie für Fleisch und Fleischwaren neue Kundenlikten eingeführt. Die versorgungsberechtigten Eingesessenen wollen sich bis einschl. 25. Juni d. Is unter Vorlegung hrer Lebensmittelkarte bei einem der hiesigen Beschäfte wecks Eintragun in die Kundenliste melden Ausd ückligh wird bemerkt, daß die Eintragung jo jedem Falle nu bei einem Geschäfte erfolgen darf, die Linlen werden daraufhin nachgeprüft.„ 36/0 Die Geschäftsleute oanen die Kundenlisten nach den Nummern der Lebensmittelkarten und mit Angabe der Zahl der versorgungsberechtigten Personen aufzustellen und bis spätestens 28. Juni 1920 vormittags im hiefigen Ratsause Zimmer No. 16 in zweifacher Ausfertigung abzuliefern. Eine Aufstellung wird nach Abstempelung zurückgegeben Wir bemerken, daß die Kundenl sten richt alphavetisch. sondern nach den Nummern der Lebensm ttelnorten(mit der niedrigsten Nummer anfansend) anzulegen sind. In den Fleischkundenlisten ist außerdem noch in besonderen Spalten die Zahl der über und unter sechs Jahre alten Familienungevörigen geirennt anzugeben. Die Geschä ts=Inhaber huben die erfolgte Eintragung in der Kundeuliste auf der Ledensuitleika te an der dasür vorgesehenen Stelle zu vermerken. Schwerte, den 18. Juni 1920. Bekanntmachung. Dienstag, den 22. Juni d. Is. kommen in den hiesigen Geschäften an minderbemittelte Familien zum Verkauf: 418 Mtr. Futterstoff, grau, z. Preisvon 6,75 Ma. d. Mtr.; 305 Mtr. Futte=stoff, bunk, zum Preise von 7,75 Mk. d. Mtr.; 375 Paar Männersocken z. Preise von 5.75 Mk. und 11,25 Mlk.; 80 Stück Kinderanzüge z. Preise von 8.75 Mk. das Stück; 75 Stück Drillichhosen zum Preise von 26,75 Mk. das Stück; 146 Mtr. Köper zum Preise von 9,75 Mk. das Mtr. Ausgabe der Bezugscheine für die Inhaber der Lebensmittelkarten 1 bis 400 am Dienstag, den 22. Juni im Rathaus Zimmer Nr. 7. Schwerte, den 18. Juni 1920. 3610 Der Magistrat. Verlobungs-Briefe und.-Karten Hiefert schaellstens Buchdruckerei Carl Braus Wir empfehlen Schwefels. Ammoniak, Amm. SuperChlorkalium, Rainit, Chomasmehl. Ein= u.VerkaufsLichtspiele un etee un zum alten Rathaus. ! Tsseaauenn e! Morgen neues Programm u. a.: Cario Peiros Possen-Ensemble 360)* ##sssusennsensenen Sommertheater Schwerte. F schow=Weittmann. 2 * Aithemssaneumlich Hotel Duisberg Café-Restaurant. Sonntag. den 20 Juni: " Kunstler-Konzert * des 3598 5 Maise'schon Sollsten-Orchesters, Hörde * unter Leitung der Gelgensolistin Fel. Maise. Einteitt froi. Anfang 4 Uhr Fismmeeeninemmm Pig Der vom Conradischen Tanzinstitut in# Dortmund ausgebildete Tanzlehrer Paul: Müller eröffnet am Dienstag, den 22.: = d8. Mis. im„Hotel Kaiserhof“ einen Tung und Austanos= Kursus. Es werden sämtliche Rund= und Gesellschafts=Tänze der Neuzeit entsprechend gelehrt. Privat für einzelne und kleine Gesellschaften zu jeder Tageszeit. Anmeldungen im Hotel Kaiserhof hierselbst. 3005 Mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Zentral-Hotel Sternberg. Sonntag, den 20. Joni: KONZER1. 25 sur Erstklassige Ausik. 3## 3 Eintritt frei. Anfang 5 Uhr. C. Jungesblut. Auf nach Ergster Kirmes! Im Lokale des Heren Karl Kirchhoff — Anfang 4 Uhr.— 8606 Bule Tanzmusik. Spiegelglatter Caal. Ergster kirmes! Am 20. Juni 1920: 3607 Großer Ball.— Anlang 8½ Ubr. Aug. Hengstenbors. Fleißiges, sauberes e. G. m. b. 5. Schwerte. 3466 Empfehle franz. Ebaleaur Rotwein owie deutschen Rolweis ferner Rhein= und Moselweine. Kaffin Gasthof„Jur Helle" zweistöckig 3,60 mtr. lang. 2.40 mir. breit, vorne 2,80 mir. hoch, hinten 8.— mir hoch, sofort wegen Umzuzu verkaufen. Hermenn Duhme je., Hagenerstr 10 300 Saal Kösler. nulag, des 20. Jnui 1920: E Die polnische Wirlichaft. Vorverkauf am Sonntag 10 bis 1= Uhr im Saale Köster. Mmmmm Sportverein Upleibeckermark 1920 Restauration Venghaus Haltestelle d. Straßenbahn gebrauchte 3613 Zentrifuge „Diabolo“ No. 0 15 Liter Ssundonleisiung zu verkaufen. Capey Fernraf 188. Fast neuer 3: 90 Tiumeaur=Spiegel ußb., um ständehalber preisvert zu verkaufen. Zu erfr. in der Geschst. Sommer=Feauenbul und Jopf zu berkarten Wo, sagt die Geschst. 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Die schöne Gelegenheit, Ihnen zu beweisen, daß wir durchaus keine Barbaren sind und im besonderen gegen Sie nicht das geringste haben, durften wir uns doch nicht entschlüpfen lassen!“ Friedrich sah mit dem Blick erwachender Liebe in das liebliche Mädchengesicht.„Ich bin so namenlos glücklich, daß ich die wahnsinnigen Russenhorden segnen könnte!“. Seine Stimme versagte. Wortlos beugte er sich wieder und wieder über die liebe, keusche Mädchenhand. „Während Ihres Urlaubes sind Sie unser Gast, Herr Gläsemer,“ ließ sich Papa Grumbkow hören, „meine Frau hält seit Monaten ein Zimmer für Sie bereit.... Ihren Acker bewirtschafte ich im nächsten Jahre mit. Mit dem Ausbauen Ihres Hauses müssen wir freilich bis zum Frieden warten.“ Lächelnd und verstehend schauten die jungen Leute sich in die Augen, und ihre Blicke sagten: „Die Liebe wartet nicht, bis es Frieden wird!“ Arm in Arm schritten sie unter dem Herbstgold der Bäume auf die Straße hinaus, wo der Wagen hielt. Marienfäden flatterten lustig im Sonnenschein, spannen ihre zarten Schleier vereinend um das junge Paar. Und Editha bereute nicht, daß sie treu und fest zu dem gehalten, welchen sie sich in aller Stille und Heimlichkeit zum Gatten ausersehen. 2 Geliern und Heute. Hundert Jahre Fahrrad. Am 12. Juni 1917 waren, wie man uns schreibt, 100 Jahre verslossen, seitdem das Fahrrad ersunden wurde. An diesem Tage führte der badische Forstmeister und Kammerherr Freiherr Trais von Saueröronn die von ihm erfundene Laufmaschine, Draisine genannt, seinen Mannheimer Freunden öffentlich vor und erbrachte dabei den Nachweis, daß sein„Velociped“ den damals aufgekommenen französischen„Velociferen“ an Schnelligkeit überlegen war. Es handelte sich dabei um eine Maschine ohne Treibkurbeln(erst im Jahre 1869 wurden diese durch den Turnlehrer I. F. Trefz hinzugefügt), auf der man zwischen den beiden hinlereinander angeordneten Rädern rittlings saß und sich dadurch fortbewegte, daß man seine mit eisernen Schutzkappen versehenen Füße abwechselnd gegen die Erde stieß, während die Unterarme sich auf einen am Steuerrad befindlichen Bügel stützten. Zum Lenken diente ein ganz vorn an der Draisine angebrachter Schenkel, der mit einem Querstab versehen war. Auf ebenem Wege konnte man sich mit solcher Laufmaschine 7—8 Kilometer in der Stunde zurücklegen, jedoch erforderte ihre Benutzung keinen geringeren Kraftaufwand, als man gebraucht hätte, um die gleiche Strecke zu Fuß zu bewältigen. Auch mußte der Fahrer über eine große Geschicklichkeit verfügen, um die Draisine im Bleichgewicht zu halten und zu lenken; schließlich kam noch die außerordentlich starke Abnutzung der Stiefelsohlen in Betracht, um die praktischen Vorteile der neuen Erfindung einigermaßen illusorisch zu machen und den vom Erfinder erhofften Erfolg zu beeinträchtigen. Originaldraisinen sind ess noch jetzt in Mannheim, Korlsruhe, Nürnberg, Jena, furt zu sehen. Auch nach Westpreußen, nach Paris und London wurden solche zu Lebzeiten des Erfinders verkauft, der im Jahre 1818 darauf ein badisches Patent und den Titel eines Professors der Mechanik erhalten hatte. In England, wo die neue Maschine nicht gegen Nachahmungen geschützt war, sand man bald Gelegenheit, sie durch Aubringung von Handhebeln zu verbessern und den deutschen Ursprung der als„Dandy Horses" bezeichneten Fahrräder zu verleugnen, die besonders den Landbriefträgern gute Dienste leisteten. Später wurden dort die hölzernen Räder durch stählerne ersetzt und mit luftgefüllten Gummireifen umgeben, die 1845 zuerst für Wagenräder erfunden worden waren. Als dann im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts die weitgehende sportliche und verkehrstechnische Verwendung des Zweirades um sich griff, erinnerte man sich auch seines Erfinders, der zwar an seiner ursprünglichen Form keinerlei Verbesserungen mehr vorzunehmen gewußt, dafür aber von Anfang an seine Ziele und spätere Bedeutung richtig erkannt und ihm auch die noch jetzt beibehaltene Grundform gegeben hatte. Der Freiherr von Drais, dem im Jahre 1893 in seiner Vaterstadt ein Denkmal gesetzt wurde, hat offenbar zu jenen begabten Köpfen gehört, die wohl eine brauchbare Idee finden können, aber weder die Kenntnisse noch die Zähigkeit besitzen, um ihre praktische Turchführung mit Hilfe unermüdlicher Verbesserungen zu ermöglichen. Im Laufe der Zeit fesselten ihn immer neue Probleme, so die Konstruktion eines Dampfschiffes, das mit gleicher Schnelligkeit gegen und mit dem Strom fahren sollte, ein durch eine Klaviatur zu leitender Telegraph, ein Wagen, bei welchem die Pferde, hinten augespannt, die Beförderung nicht durch Ziehen, sondern durch Truck bewirken, eine Schreibmaschine, für welche ihm in Jahre 1834 das nachgesuchte Patent verweigert wurde, und schließlich ein besonderes Verfahren, um die gekrümmte Wurfbahn der Geschosse zum Schießen„um die Enle“ zu beungen. Irgendwelcher Erfolg ist diesen Erfindungstlänen nicht beschieden gewesen, während sich die Idec der Lanimaschine als durchaus lebensfühig erwiesen hat. Ihr minrünglicher Name und mit ihm der ihres Erfinders ist in der Technik des Eisenbahnwesens jetzt merkwürdigerweise auf jene mit Dampf oder Muskelkraft betriebenen zweizlsigen F##hrzeuge übergegangen, welche bei Streckenbesichtigung zum Trausport von Ingenieuren und Bahnmeistern dienen. Freilich hat die Eisenbahndraisine mit jener anderen nichte# als die Bezeichnung gemein. Das Wichtigste! Der französische Ume#iatsselefär der Schönen Künste gab kürzlich den ersten großangelegten Plan zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiele Norenrank= reichs bekannt. Es handelt sich um ein Preisausschreiben für die Architekten, und die einzelnen Bedingungen sind, wie die Einleitung des Programms bemerkt, in der Reitenfolge ihrer Wichtigkeit bekanntgegeben. Womit beschäftigt sich nun der erste Absatz des umfangreichen Planes? Handelt es sich um das Wohnhaus des Bauern, um die Kleinstadtfeuerwehr, oder um Stallungen? Nein! Der erste Absatz beschäftigt sich mit etwas viel Wichtigerem— nämlich mit dem Kaffeehaus, ohne das der Unterstaatssekretär sich scheinbar einen Wiederaufbau nicht vorsteilen kann. — ##.R 9 8 K S 8 3 2 T• * S 3 2 5 S S *** #3 8 F* 9 S S. 8 S. 2—E S U h R.a * 0 * * 3 „* 2.* S 9 a s 2 9 S 2 22 82 St tic stteiticthisctetts chcctste ctiishe se* 9 J 2 a 9i 8 + 8 6 er Nuummr t Vend b! veerhlelt. Unterhaltungs-Beilage zu Nr. 132. Samstag, den 79. Juni 1 alen von 3ertr. s wandie gar mancher rasch den Kopf nach dieser Erscheinung voll Anmut und Frische, und viele bewundernde Blicke, viele Grüße begleiteten das junge Mädchen auf ihrem Wege. Sie aber hielt sich nirgends auf und tat, als vernehme sie nichts von all den Vemerkungen, welche hinter ihr herschwirrten. Seltsamerweise schien sie nur Herren zu kennen. Von den Frauen näherte sich ihr keine einzige, wenn auch dann und wann eine ihr nachsah, ein wenig neidisch, ein wenig spött sch. „Die Tochter des Spielers!“— Hatte irgend jemand das Wort laut gesagt? Das Mädchen wandte sich nicht, obgleich es auch an ihr Ohr schlug. Nur daß in ihr junges Gesicht ein noch stolzerer, unnahbarerer Ausdruck trat, der es eigentlich plötzlich schärfer und älter erscheinen ließ. Da lag vor ihr schon der große, jetzt beinahe menzchenleere Naturpark. Das Mädchen floh förmlich aus den brandenden Menschenwogen in diese Stille und Einsamkeit und lief wie gehetzt über Brücken und Stege, immer tiefer hinein in den Wald. Hilda Wentheim blieb aufatmend stehen und blickte sich um. Niemand! Gottlob! Weit und breit war kein Mensch zu sehen. Weit hinter ihr verklang die schrille Musik, das Geschwirr der Stimmen. Hier war Ruhe und Frieden.— „Die Tochter des Spielers!“ Das Wort klang noch immer nach in ihren Ohren, dieses Wor:, an das sie sich nie, nie gewöhnen konnte, und das ihr doch immer häufiger und häufiger entgegentönte in den drei langen, langen Jahren, seit sie, die kleine, unerjahrene, nach Liebe dürstende Hilda Wentheim in die Racht hinausiggte mit dem Manne, der ihr nun alles sein wollte und alles ersetzen sollte, mit ihrem Vater. Wenn Hilda zurückdachte an jene Fahrt, hinein in Dunkelheit und Fiusternis, an jenes Dahinrasen durch unbekannte Gegenden. über Berge und durch stille Täler, immer weiter, da besiel sie heute noch ein Schwindel. Sie war noch so erschöpft gewesen durch ihre vorhergegangene Krankheit. io todmüde von allem Durchlebten; ihr Herz war so zemissen, ihre Seele so wund, daß sie in allen jenen Tagen keinen klaren Gedanken fassen konnte. Dann blieben sie in einem einsam gelegenen Hause bei einem Freunde ihres Vaters, der sie beide verbarg. Hilda erholte sich langsam, sehr langsam. Ringsum Zonan von A. Ostland. (67. Fortsetzung.) (“ lene, 97 zul wlboten.) Ador und Heide. dehnte sich die nord####e lene,# Sie sah niemand, sie herte van niemand. Keine Zeitung kam zu ihr, keine Kunde, nicht der leiseste Ton aus jener Welt, in welcher sie bis jetzt gelebt hatte. Alles das war verschwunden hinter ihr, war toi, begraben. Freilich, ihr Herz war nicht gestorben, das schrie oft in heißer Sehnsucht nach dem Jugendgeliebten, das verlangte stürmisch sein Recht. Aber dann kam der Stolz. Hatte nicht er sie aufgegeven? Halte nicht er an ihr gesweiselt“., gl. 6111g9 tinäg 9. Und trotzdem schriev sie einmal heimlich an Georg Günther einen Brief voll zärtlicher Worte, voll Aber der Brief wurde nie abgesandt; denn Fritz Wentheim beobachtete seine Tochter aufs schärfste und stellte ihr immer wieder die Unmöglichkeit vor, jetzt noch Brücken schlagen zu wollen zwischen dem Einst und Jetzt.— d Sie hätte ja auch ihn mit verraten, und das durfte und konnte sie nicht. ,.. 446114 War doch seine heiße, leidenschaftlche Järtlichkeit das einzige, was sie sich gerettet hatte. Freilich, oft fürchtete sie sich beinahe vor ihm. Und als er ihr einige Zeit nach ihrer Ftucht Papiere vorlegte, welche scheinbar auf sie patzten, und in denen sie Hilda Helwang hieß, da stieg ein leiser Verdacht gegen ihn zum erstenmal auf. Wie machte er nur das alles? Er hieß hie: se— dort so. Er zog auch sie selbst mit hinein ia dürses Leben voller Rätsel und Unerklärlichkeiten. Eder seine Liebe besiegte immer wieder ihre Bedenken und Im#isel, diese Liebe, welche oft in einer so rührenzen, daon wieder in so heftiger Weise zum Ausdruck kam, die einzig und allein das Herz dieses vollständig vereinsamten, alleinstehenden Mannes auszufüllen schien. Dann kam wieder ganz plötzlich, fast sluchtätzrlich, die Abreise nach Amerika. Das junge Mädchen sah die furchtbare innere Unruhe des Mannes, seine Angst, seine Furcht der Cietdeckung. Und sie litt mit ihm und zitierte mit ihm. Als das Schiff majestättsch den französischen Hasen verließ, von dem sie sich einschifften, atmete Iriz Beatheim tief auf. Endlich! Aber Hilda sah mit brennender E=gen zurück, solange noch ein letzter, schuiale K#m#st# zu sehen war. Dort— scheinbar in des Fiuten ertrinkend— dort lag Europa, dort war ebrs, esles, was ihr einst teuer gewesen. Und vor im lag unsicher, dunkel und geheimaisvoll, des Lond der Jukunft.— —— n an K 5s 50 e P * 9 35 —* 2 8 * S 23 S S 5 9 cn— " G 9 ½ *" 8 S 51 a GGh 51# 9 E □ S S EgesgSSaE NTNN D## S" E5E ESESESSSESE nan E 6 * # 5* SECTTMAGTBSSNS 5 6 * 1 5 2 Ea S H ELSE ** S• 9 •* Ä* 5•— • -"# * B 2 8 5 * 85 2 □ m a 5 „ 55 S= 2—.5 O 5E* S 2* S S. 8 G S mn u E E Sg PETT. 51 FEE O MI** 9 51 2 E5 Das junge Mädchen schritt schneller, immer schneller eu: den menschenleeren Waidwegen dahin, als treibe eine ansichldare Macht sie vorwärts. Es waren aber nur ihre Gedanken und Erinnerungen, die so unheim; ach lehendig hinter dieser heißen Stirn kreisten. „Die Tochter des Spielers!“ hatten die Leute h#ner iht her gezischelt. Immer wieder traf das Wort se wie ein Peitschenschlag, und immer wieder mußte de es hören. Es klang ihr entgegen in den weltfernen Ansiedekungen des Westens, wohin sie ihrem Vater gefolgt war, in den lichtüberfluteten Straßen der großen Städte, in dem internationalen Menschengewoge der Badeorte. Sie wußte es längst, daß ihr Vater, der Mensch, für den sie die Heimat aufgegeben, ein Passionsspieler war. Einer von jenen, welche leben von den Verlusten anderer.. Emgrken Fritz Wentheim spielte, um zu erwerven, und er war ein Meister jedes Spieles. Allerdings verlor er auch manchmal, und dann kamen schwere Zeiten, wo sie kaum das Nötigste besaßen. Aber er wagte von neuem, er rechnete und kalkulierte, und oft war das Glück ihm hold. Dann verließen sie sofort den Ort und tauchten woanders auf, mieleten eine elegante Wohnung in einer Pension, fuhren im feinen Wagen spazieren und lebten eine Weile nur für sich. Dann war Fritz Wentheim ein ganz anderer Mensch. Heiter, oft fast kindisch verbrachte er seine ganze Zeit mit Hilda, bis der Dämon ihn wieder packte, oder auch die Lebensnot ihn zwang, Geld herbeizuschaffen. ur8 ire 11.5. Hilda hatte irren ganzen Einfluß und ihre ueberredungskünste aufgeboten, ihn zu einer anderen, geregelten Tätigkeit zu bringen. Aber er hatte nur immer trübe lächelnd abgewehrt. „Zu spät, Kind,“ hatte er gesagt,„alles zu spät! Ich bin kränklich, zermürbt vom Leben. Zur Arbeit tauge ich nicht. Und leben muß man doch! Ja, du sollst überhaupt nicht nur leben, sondern genießen. Deine Schönheit, deine Anmut können dir einen Platz in der allerersten Gesellschaft erobern, wenn sie durch den Glanz des Geldes noch gehoben werden! Und ich will dich glücklich sehen, reich, vornehm, beneidet!“(anp; Lan Gau Hilda hatte zu alledem nur traurig den nopf geschüttelt. Sie war noch so jung, und doch hatte sie fast keine Wünsche mehr. Und immer klarer wurde es ihr, daß sie nie, nie Georg Günther vergessen würde und nie einen anderen lieben könnte. Sie dachte täglich an ihn und betete, daß ein schönes, volles Glück ihm beschieden sei; sie betete, er möge sie vergessen, und doch schrie ihr Herz bei diesem Gedanken auf in wildem Weh. Immer mehr und mehr vermied sie den Verkehr mit anderen Menschen, immer seltener hörte sie etwas von der Außenwelt; denn die Bemerkungen, welche ihr da und dort entgegenklangen, trieben ihr das Blut in die Wangen. So lebte sie dahin, ohne feste Heimat, heute im Prunk, ein paar Wochen später in Aermlichseit, immer in Todesangst um den Vater. Wenn sie dachte, wie sich all dieses gestaltet hatte, wie trostlos einsam ihr Leben allmählich geworden, so traten ih: heiße Thränen in die Augen. Oft und oft hatte jie schon daran gedacht, ihre eigene junge Krast zu nühen und zu trachten, etwas zu verdienen. Aber Bentheim gestattete ihr auch nicht die kleinste derartige Anspielung. Er, und nur er, wollte ihr geben, was sie brauchte. Grraal in seinem Leben, vor dreieinhalb Jahren, hatte er ein anerdörtes Blück gehabt. Ein großer Lotteriegewinn dar ihm zugefallen. Damals war er mit diesem Gelde###nd Gurope gegangen. Aber sein Leben drüben, die Flucht— alles dies hatte Geld genug gekostet. Nun mußte das Glücksspiel, das Wagen wieder von neuem beginnen. Dabei war in letzter Zeit seine Gesundheit ziemlich schwankend gewerden. Seine Lunge war geschwächt; Schmerzen und Atemnot, sowie ein dumpfer Husten quälten ihn oft stundenlang; aber je mehr er fühlte, daß seine körperlichen Kräfte nachließen, desto fieberhafter ward sein Streben nach Gold für sein Kind! Noch wollte er die Zeit nützen, zusammenraffen, soviel als nur möglich war. Und so saß er die Nächte durch am grünen Tisch, beim Roulette. Im großen Speisesaal der Bank, diesem Hauptanziehungspunkt des Badeortes, war er bald ein ständiger Gast. Und je mehr er wagte, desto mehr lachte ihm das Glück. Er hatte erst vorgestern vor Hilda Hände voll Gold auf den Tisch geworsen. Aber gestern hatte er Unglück gehabt. Fast alles war verloren gegangen. Und heute war er trotz des Stechens auf der Brust und der heißen Fieberröte auf den Wangen schon vormittags weggegangen und bis jetzt nicht heimgekommen. Und nun sank schon die Sonne—.—. 4.6n# Hilda war stehengeblieben und lehnte sich an einen Baum. Müde starrte sie hinein in das glühende, flammende Rot des Abendhimmels, dessen Farben allmählich einem sanften Blau wichen. Wohin sollte sie sich wenden? Wieder zurück, derthin, wo die Menschen waren? Sie hatte nach den Spielsälen gewollt, obgleich ihr Vater ihr ein für allemal strengstens untersagt hatte, dorthin zu gehen. Aber heute sand sie keine Ruhe in ihrem todeseinsamen Zimmer.., 118 2 Auee Die Stunden schienen ihr endios. und eine ungst war in ihr, eine tolle, sinnlose Angst vor dem, was die nächste Zukunst bringen würde. Aber der Vater konnte ja nun schon langst heimgekehrt sein. Vielleicht wartete er schon zu Hause auf sie! Ueberdies trat nun schon die Dämmerung ein. Män würde sie kaum mehr erkennen.— Das junge Mädchen schauerte plötzlich zusammen. Ein kühler Lusthauch streiste, vom Meer her kommend, ihre Stirn. Und weiter übermannte sie beinahe eine Furcht, die ihr sonst ganz fremd war. Sie lief wie gehetzt zurück. 6 6 Als sie auf die Promenade heraustrat, sah sie, daß dort und da Menschengruppen beisammenstanden, welche lebhaft zu sprechen schienen. Sie hastete vorüber, aber da trafen ein paar Worte ihr Ohr: „Ein Blutsturz— ja— er nahm das Geld, und der andere gab ihm einen Stoß—“ Eine Frauenstimme fragte dazwischen: „Wie heißt er doch gleich?“ Und die erste Stimme entgegnete darauf gelassen: „Helwang— ja, Helwang— er muß sterben—“ Sie fuhren alle entsetzt auseinander, die harmlos Sprechenden, als die schlanke Mädchengestalt in dem weißen Kleid auf einmal wie hingeweht zwischen ihnen stand, und sie starrten voll Entsetzen in dieses totenblasse, schöne Gesicht, in dem nur die Augen noch zu leben schienen. „Helwang?“" Um Himmels willen— „Ein Blutsturz— vielleicht schon tot Sie börte nicht mehr; denn schon eilte sie davon. Dort! Aus dunklem Gebüsch ragte schimmernd das weiße Gebäude der Bank empor! Marmor und Gold gleißten im Schein des elektrischen Lichtes. Wie ein Feenstrom stand das helle Bild in der weichen, dunklen Sommernacht. „Das ist die Tochter!“ (Fortsetzung solgt.) was ist er liegt Denkspruch. Wie dse Pflanzen zu wachsen belseden, Darin wird jeder Gärtner sich üben: We aber des Menschen Wachstum rubt, Dazu jeder selbst das Beste tut. Geeihe(Sprüche). Wen die Heimat ruft. Von H. Lindemann. (Nachdruck verbeten.) Durch den goldbraun gesärbten Buchenwald schritt ein junger Offizier.„„ E.eiam Eeine 8. Seine blauen Augen, die beim Beginn seiner Wanderung noch trübe und verdrossen dreingeschaut, hellten sich mehr und mehr auf, je näher er seinem Still, feierlich still, war es ringsum. Als Friedrich Gläsemer vor nahezu drei Jahren zum letzten Male in der Heimat geweilt, hatte Kampfgeschrei die Luft erfüllt, waren die Russenhorden eingebrochen in das friedliche Ostpreußen und hatten dort wie die Hunnen gehaust, alles verwüstet und zerstört, bis dann in den Masurischen Seen ihr Schicksal sie ereilte. Auch Friedrich Gläsemers stattliches Gut mit dem erst vor wenigen Jahren neu erbauten Herrenhaus, den massiv aufgeführten Scheunen und Stallungen hatten die Kosaken in Brand gesteckt. Er selbst war schwerverwundet zusammengebrochen, hatte Tag und Nacht unter Schutt und Steingeröll für tot gelegen, bis ihn eine Sanitätskolonne sand. Mau brachte ihn in ein Lazarett, wo sein Zustand wochenlang als hoffnungslos galt. Dann kam langsam die Genesung.„„: LesMang mönfat. Nach seiner völligen Mieveryerstentung wunschre Friedrich nichts sehnlicher, als hinauszukommen an die Sein verwüsietes Besiztum halte er nicht wieder betreten. Darüber war die Zeit vergangen. Wo das Schlachtgetümmel am heftigsten tobte, konnte man jederzeit Friedrich Gläsemer sehen. Das Leben hatte jeden Wert für ihn verloren. Er besaß weder Freunde noch Verwandte. Was er durch fahrelangen Fleiß daheim erreicht, war in Rauch und Flammen aufgegangen. Er hatte kein Verlangen danach gehabt, von neuem zu beginnen, wieder aufzubauen, was die Feinde ruchlos zertrümmert und vernichtet. Aber dann war eines Tages ein Gruß aus der Heimat an ihn gelangt; ein kurzes, herzliches Schreiben ohne Unterschrift, in welchem er gebeten wurde, nicht zu verzagen, sondern dereinst, wenn der Friede geschlossen, heimzukehren und im festen Gottvertrauen die heimatliche Scholle wieder zu bebauen. Vergeblich zerbrach Friedrich sich den Kopf darüber, wer der Schreiber dieser Zeilen sein könne, die in bestimmten Zwischenräumen an ihn gelangten. Sein einziger Gutsnachbar war ihm feindlich gesinnt. Sein verstorbener Vater hatte mit jenem in Zwist gelebt und jede Gelegenheit wahrgenommen, um den reichen Grumbkow zu ärgern. Friedrich mußte ja einsehen, daß sein Vater der schuldige Teil bei allen Streitigkeiten gewesen war. Neid und Haß gegen die Grumbkows beherrschten ihn. Ewig hatte er auf die„Geldprotzen“ geschimpft. Friedrich konnte nicht beurteilen, ob die Behauptung seines Vaters, daß die Grumbkows an Größenwahn litten, richtig war.„ü. eunng. Er hatte sich auch nie den Kopf varüber zerorochen, sondern war der nachbarlichen Familie einfach aus dem Wege gegangen. Es war dort nur ein Töchterchen vorhanden, ein füßes, junges Geschöpf, welches von den Leuten wie eine Heilige verehrt wurde. Friedrich hatte Editha Grumbkow nur hin und wieder, flüchtig, wie einen Sonnenstrahl, an sich vorübergleiten sehen, im Wagen oder auf ihrer weißen Schimmelstute. Von der Seite der Grumbkows kamen jene trostspendenden Zeilen also sicher nicht, ebensowenig wie die Palete, welche er an Festtagen erhalten. Wer nun aber auch der unbekannte Freund sein mochte, er hatte die Sehnsucht nach der Heimat in Friedrich geweckt. Er ertrug es in der Fremde nicht länger. Er bat um Urlaub, und derselbe wurde ihm in Aubetracht dessen, daß er nahezu drei volle Jahre an der Front stand und sich durch Mut und Tapferkeit ausgezeichnet hatte, vereitwillig erteilt.... Er trat jetzt aus dem Walde, nun doch fast bereuend, daß er hierhergekommen; denn er mußte sich auf den Aublick seiner unterwühlten, verwüsteten Felder gefaßt machen., 8g#2# Aber auf den ersten Bua über die weite Ebene vor ihm— sein eigener Grund und Boden— erhellten sich seine Mienen. Der Acker war gepflügt und auf die Herbstbestellung vorbereitet. Ein Glücksgesühl ohnegleichen schwellte seine Brust. Wer ihm das angetan, für den wäre er durchs Feuer Wie von einem wundersamen Bann umfangen schritt er weiter. Er atmete Heimatluft, sog mit tiefstem Behagen den kräftigen Erdgeruch ein, der seiner eigenen Scholle entstieg..., uei. S 4 Auf'schmalem Rain schritr er lundigen Fußes weiter. Wege und Stege waren ihm ja wohlbekannt. Auch im Stockfinstern hätte er sich hier zurechtgesunden. So kam er bis zum Gutshose. Wohl starrten ihm rauchgeschwärzte Mauern entgegen, doch hatte jemand mit klugem Bedacht dafür gesorgt, daß Regen und Wetter das Werk der störung, welches die Kosaken begonnen, nicht fortsetzen konnten. 1.2 Trage#. In der Haustur steckte der Schlufsel. er klinkte auf. Ordentliches Herzklopfen bekam er, als er über die Schwelle seines Hauses schritt. Welcher gute Geist mochte hier walten?!.... 16# Er konnte gerade in das offenstehenbe arveitszimmer hineinschauen. Da sah er ein schlankes, blondes Mädchen, von schönem, kräftigen Wuchs. Ihre Wangen glühten, ihre blauen Augen grüßten ihn mit strahlendem Blick.,(7.. 2 6 Sme. Er erkannte sie sofort. Es war Ebitya Grumbkow. „Papa, komm schnell, Herr Gläsemer ist da!“ rief sie, mit einer reizenden kleinen Verlegenheit ringend. Der„feindliche Nachbar“, ein jovialer, älterer Herr, erschien und streckte dem leverraschten freimütig beide Hände entgegen: „Willkommen in der Heimat, Herr Gläsemer! Ich setze voraus, daß Ihnen an der Fortsetzung der alten albernen Streitigkeiten nichts gelegen ist. Ich wurde damals, als Ihr Besitz herrenlos geworden, von einem Kuratorium dazu bestimmt, hier zuweilen nach dem Rechten zu sehen. Ihren Schreibtisch und die Bibliothek ließ ich versiegeln und, soweit es tunlich, Reparaturen ausführen. Viel konnte in dieser Hinsicht leider nicht geschehen, da die Handwerker rar sind.“ In tiefer Bewegung ergriff Friedrich die Hände. die sich ihm so freundschaftlich entgegenstreckten.„Gott vergelte Ihnen, Herr Nachbar, was Sie an mir getank Ich kann es nicht.:. u## „Bedanken müssen Sie sich bei meiner Tochter, Herr Gläsemer, die hat Ihre Sache bei mir geführt wie der beste Auwalt.,### 1## A.#. Friedrich preßte seine Lippen auf die rosige, kräftige Mädchenhand und schaute tiefbewegt in die feuchtschimmernden Augen Edithas. — 9 6 50 S 8 ### 3952—5010 "* ** E 01SE 5 0.3 P. K— □ ∆ 5 2 8 S5#n SSSSELEg SSE5SS