Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung Schwerter Oolksblatt # Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. „ Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Die„Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Adonnenten für jeden mit Tod endenden Unfall gemäß zu se 300 Mark Unfall. oingungen Druck u. Ver. ag v. Car! Braus, Schwerte(Rupr) Fernsprecher 62. Telegramm=Adresse: rans, Schwerte(Rudr). Dostscheckkonto 2852 Coin. Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich außer Feiertags. Bezugspreis monatlich 4,50 Me., bei der Post 4.6) Mh., ohne Bestellgeld. Anzeigenpreise: 1 mm hohe. 35 mm breite Zeie 35 Pfg. Wohnungs= und Stellengesuche 30 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Nachlaß II. Tarif. J. der Rabatt glit als Kassenr idalt und erlischt bei Konnursen, Zwangsvergleichen, gerichtlichen lagen u. Nichlbeachten der gemachten Juhlungsbedingungen. Nr. 105. Mentag, den 5. Mai 1920. 55. Jahrgang. Wirtschaft. Ole französischen Dolitiker mit herrn Millerand an der Spitze sind tagtäglich bemüht, uns bösen Willen in der Erfüllung des Friedensvertrages vorzuwerfen. Diese Auffassung kommt in den vielen Loten deutlich zum Ausdruck, die von Daris nach Berlin gesandt wurden, sie spiegelt sich auch wieder in den Reden Ulillerands und sie ist deutlich in der Begleitmusik, die die französische Dresse dazu macht. Kndererseits weiß man aber auch in Frankreich ganz genau, daß alle diese Dorwürfe gar keinen Zweck haben, und man wird sicherlich auch in Frankreich einsehen, daß man in Deutschland tut, was man irgend kann. Wenn man es trotzdem nicht sagt, so geschieht das deshalb, weil man glaubt auf die Dolksstimmung und auf die Stimmung der Wähler Rücksicht nehmen zu müssen. Im Ernst ist aber jeder einseitige Dolitiker und ist auch herr Ulillerand davon überzeugt, daß nur in einer Anbahnung wirtschaftlicher Verhältnisse zwischen Deutschland und Frankreich das heil sowohl für Deutschland wie für Frankreich zu erblicken ist. Aus diesen Gründen heraus wird sich Millerand Dorschlägen Uittis und Lloyd Georges in San Remo nach der Besprechung mit deutschen Staatsmännern in Spaa nicht widersetzt haben und gleichlautend mit diesen Erwägungen ist Millerand nunmehr auch auf den Vorschlag eingegangen, den die deutsche Reichsregierung gemacht hat und der dahin geht, anläßlich der demnächstigen Besprechungen über Einund Ausfuhrverbote in Daris eine allgemeine Aussprache über die deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen zwischen hervorragenden beiderseitigen Sachverständigen stattfinden zu lassen. Die deutschen Sachverständigen sollen bereits in nächster Seit ernannt werden, ebenso wird der Seitpunkt der Besprechungen baldigst festgesetzt. Es ist nur zu hofsen, daß die Dariser Besprechungen noch vor denen In Spaa angesetzt werden, damit die Verhandlungen in Spaa wenigstens eine Unterlage haben, auf der ein Weiterverhandeln überhaupt erst nutzbringend sein kann. Wir wollen weiter hoffen, daß nunmehr das Drinzip der freien Aussprache anstelle eines lotenwechsels, der zu nichts führt, auch weiterhin angewendet wird. Wir wollen aber auch hoffen, daß sich Frankreich entschließt, bevor die Wirtschaftsbesprechungen stattfinden, seine Cruppen aus dem Maingau zu entfernen, denn erst, wenn das geschehen ist, ist auch die Atmosphäre vorhanden, aus der heraus für beide Länder ein Erfolg entspringen kann. Ueben dem Drinzip der Solidarität und muß das Prinzip der Versöhnung Platz greifen, geschieht das nicht, so werden die Verhandlungon letzten Endes erfolglos bleiben müssen. —000— Reichstagswahlen am 6. Juni. Der Reichspräsident hat durch Verordnung vom 30. April die Hauptwahlen zum Reichstag auf den 6. Juni anberaumt. Gleichzeitig hat er auf Grund der Ermächtigung des Reichswahlgesetzes bestimmts daß in ganz Gstpreußen, in ganze Oberschlesien und in gan: Schleswig-holstein, sowie in den der Abstimmung unterliegenden Leilen des Kreises Kamslau die Wahlen aufgeschoben werden. Die Bestimmung des Wahltages für diese Reichsteile bleibt vorbehaften. — Das Lebensmittelgeschäft. Wenn man die großen Ziffern liest, die uns Amerika in LebenZmitteln zu liefern versprochen hat, fallen einem unwillkürlich die fünf Milliarden Kriegsentschädigung ein, die wir 1871 von Frankreich empfingen, und von denen viele Leute glaubten, dies unmenschlich viele Geld würde niemals alle werden. So werden auch manche Personen denken, die amerikanischen Lebensmittel können nie aufgegessen werden. Aber das Exempel stellt sich ganz anders, wenn man die Millionenzahlen des Lebensmitteloeschäfts durch die Kopfzahl der deutschen Bevölkerung, 60 Millionen, dividiert. Dann ergibt sich, daß es sich dabei nur um eine a Contoleistung für die deutsche Verproviantierung handelt, die kaum über das Jahr 1920 in ihren Details hinausgebt. Aber es ist doch ein großartiger Anfang in der Sicherung der Ernährung gemacht, der auch andere Staaten veranlassen wird, uns ausgiebig zu beliefern, falls wir uns als zahlungsfähig erweisen, das heißt, Ruhe und Ordnung aufrecht und allen Spektakel wie in den vergangenen Märzwochen künftig von uns fernhalten. Dazu gehört auch eine umsichtige Verteilung und Verwendung dieser enormen Vorräte, damit nicht an einer Stelle die Ernährung trotzdem hapert, während anderswo die Transpote stocken und die Vorräte verkommen. In jedem Büro, welches sich mit diesen Angelegenheiten zu beschäftigen hat, sollte sich ein großes Plakat mit der Aufschrift befinden, wir dürfen nicht aus dem Vollen wirtschaften. Es darf auch nicht geschehen, daß diese Mengen als Zugaben oder an Stelle von Lohnerhöhungen gewährt werden, wenn nicht die Sicherheit besteht, daß dafür eiwas Tüchtiges geleistet wird. Diese Mengen dürfen auch im deutschen Lebensmittelmarkt nicht verschwinden, wie Trepsen im Meer, das heißt, nicht ein Spekulationsobjekt für Schieber und Schlichhändler werden. Es müßte doch mit dem Kuckuck zugehen, wenn eine geniale kaufmänniche Leitung es nicht dahin bringen könnte, durch diese Deutschland zugewiesenen Lebensmittelmengen die Preise zu beeinflussen und abzubauen. Dahin muß sich auch die Preispolitik der Reichsstellen richten, sie muß dahin wirken, daß der Vorwurf verklingt, sie arbeite zu teuer und fördere damit die Teurung, statt sie zu verhindern. Bei dieser Gelegenheit kann ein Befähigungsnachweis abgelegt werden. Die größte Bedeutung dieses Abkommens liegt indessen auf politischem Gebiet. Da ist die Tatsache festzustellen, daß in derselben Woche, in welcher Frankreich uns im Namen der Entente mit einer neuen Lebensmittelblockade drohte, wenn wir nicht alle Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages, befonders über die Abrüstung genau erfüllten, die Amerikaner sich zu einer großen Lebensmittellieferung nach Deutschland verpflichten. Das heißt mit anderen Worten, für Amerika existiert diese Drohung mit einer Blockade nicht, es liefert trotzdem die Ledensmittel. Wenn die Sperre wirklich Aussicht halte, verhängt zu werden, was aber schon wegen der ablehnenden Stimmung der englischen Kaufmannschaft kaum zu erwarten war, jetzt ist sie wertlos, das Lebensmittelabkommen mit Amerika reißt sie mitten durch. Das bedeutet also, die Entente kann nicht mehr alles gegen Deutschland ausführen, was sie wohl möchte, sie muß damit rechnen, daß Amerika ein gewaltiges Interesse daran hat, Deutschland lebensfähig und zahlungsfähig zu erhalten. Was wir von vornherein gesagt haben, ist eingetroffen; der Sieg der Völkerversöhnung über die Bölkerfeindschaft ist leider nicht zu erwarten, aber das Geschäftsleben und das Handelsbedürfnis werden bei allen einsichtigen Nationen für erträgliche Beziehungen sorgen. Diese bedeuten aber nicht, daß wir unsere Reichsausgaben blindlings ins Ungemessene steigern und damit alle uns gewährten Milderungen illusorisch machen können, sondern uns bleibt die Erfüllung der Friedensbedingungen, so lange sie nicht in aller Form aufgehoben, sind, als Pflicht. Die Drohung der Polen. deutsches Gebiet besetzen zu wollen, ist ein Streich, der von Frankreich ausgeht, das in der Wahl der Mittel nicht verlegen ist, um die Milderung des Friedensvertrages zu vereiteln. Gewiß brauchen wir diese Drohung Polens nicht zu überschätzen, aber unterschätzen dürfen wir sie bei dem Stande unserer militärischen Auslüstung auch nicht. Polen will seinen Landhunger am deutschen Gebiet stillen. Die anscheinend für Deutschland günstiger gewordene politische Lage bleibt doch noch außerordentlich kritisch, denn auf bewaffnete Hilfe haben wir nicht zu rechnen. Mögen die leicht möglichen Zwischenfälle die Reichsregierung auf voller Höhe finden: Leidenschaftslos, aber zäh Kapp wird nicht ausgeliefert Zur Frage der Auslieferung Kapps erklärte Reichsjustizminister Blunck auf eine sozialdemokratische Anfrage: Auf Grund des Auslieferungsvertrages mit Schweden vom Jahre 1878 fällt der Hochverrat nicht unter die Sirastaten, die eine Auslieferung ermöglichen. Außerhalb dieses Vertrages könnte man sich mit Schweden über die Auslieferung vereinbaren. Ich halte es nicht für angängig, den Grundsatz des Asy'rechts deutscherseits anzutasten. Das würde nie Regierung mit ihren politischen Grundsätzen in Widerspruch bringen Bei früheren Beratungen haben die Abgeordneten Dr. v Liszt und Landsberg eine Erklärung der damaligen Regierung herbeigeführt, wonach die Regierung niemals von der Möglichkeit der Auslieferung Gebrauch mache, wenn es sich um politische Straftaten handle. Ich habe nicht die Absicht, dem Kabinett zu empfehlen, mit der schwedischen Rezierung in Verhandlungen einzutreten. Wenn davon gesprochen wird, daß Schweden Kapp ausweisen könne, so daß er doch in die Heimat Krückkehre, so ist das ausgeschlossen. Denn wegen politischer Verbrechen, die jemand in der Heimat unter Anklage und unter Strafe stellen würden, wird Schweden niemals ausliefern. Der kondoner Vertrag von Laut„Amsterdamer Celegraaf“ ist der Londoner Vertrag vom 26. April 1915, der zwischen England, Frankreich, Rußland und Italien geschlossen wurde, Samstag abend veröffentlicht worden. Der Vertrag besteht aus 16 Artikeln und einer llote. In den ersten Artikeln werden milttärische und maritime Kriegsmaßregeln festgesetzt. Kls Gegenleistung für den Eintritt in den Krieg, der binnen einem Monat nach Unterzeichnung zu erfolgen hatte, wird Italien bei Friedensschluß das Crentino, Südtirol, Criest, Istrien bis Quaranero(außer verschiedenen Inseln), die Provinz Dalmatien, die volle Souveränität über Dalona und die Insel Sasseno mit umliegendem Gebiet zugesprochen. Die im Friedensvertrage von Lausanne der Cürkei vorbehaltenen Rechte und Dorrechte in Lybien gehen ebenfalls auf Italien über. Ferner wird Italien einen Anteil an der eventuellen Kriegsentschädigung im Verhältnis der von ihm gebrachten Opfer versprochen. Im Artikel 15 verpflichten sich die Alliierten, Italien bei einem eventuellen Widerspruch gegen einen Dorschlag auf Sulassung eines Vertreters des Heiligen Stuhles zu den Friedensverhandlungen oder zu Verhandlungen über durch den Krieg aufgeworfene Fragen zu unterstützen. Die letzte Sitzung der Friedenskonferenz. „Pall Mall Gazette“ meldet, daß nach einer Mitteilung Lloyd Georges die Konferenz in San Remo wahrscheinlich die letzte Sitzung der Friedenskonferenz gewesen ist. Dielleicht werde es notwendig sein, daß die Alltierten dann und wann zusammenkommen, um über die Durchführung des Abkommens zu beraten. Aber der Oremierministerglaubt nicht, daß die Friedenskonferenz als solche nicht wieder zusammenberufen wird. —0000— Palästina als Schutzwall für Aegppten. Das bedeutet die Erklärung des britischen Protektorats über Jerusalem und das heilige Land. Die Regierung in London hat aus dem türkischen Angriffsversuch auf Regypten, der leider mißlungen war. ihre Lehren gezogen und will der Wiederholung solcher Möglichkeiten für die Sukunft vorbeugen. Dazu verhilft das Protektorat. Eigentlich betrachtete Frankreich sich als den„Schutzherrn des heiligen Grabes“, es hat also diese Cradition zugunsten der englischen Ansprüche abgegeben. England ist mit diesem Protektorat der herr von Asien, von Hinterindien dis zum Roten Meez geworden. Mesopotamien und Persien unterliegen seinem Willen, ebenso Bagdad, Damaskus und das wertvolle Oetroleumgebiet von Batum. An Frankreich, Italien und Griechenland fällt die sprische Küste des Mittelmeers, dessen wahrer herr aber ebenfalls England durch Gibraltar, Malta, Cypern und den Suczkanal bleibt. Durch Gibraltar und Suezkanal sperrt es Eingang und Ausgang des Ulittelmeeres. —00000— Englands Orientbeute. Der türkische Friedensvertrag bedeutet für England das Einheimsen einer gewaltigen Beute. Der Sonderberichterstatter der cago Tribune“ hat sich der dar kenswerten Aufgabe unterzogen, die England aus dem Friedensvertrag mit der Türkei zufallenden territorialen und wirtschaftlichen Vorteile zusammenzustellen. England gewinnt danach 1. Palästina, 2. Mesopotamien, 3. die Lontrolle über den Kaukasus mit den Häfen Gatum und Baku, 4. die türkischen Teile der Bagdadbahn, 5. die Kontrolle über die Dardanellen, 6. Ausschlußrechte über den Kanal von Suez angesichts des Besitzes Aegyptens und der türkischen Anerkennung des englischen Protektorats über Aegypten, 7. Sicherung des britischen Imperiums gegen eine mögliche Bedrobung durch die Mohammedaner. Dieser Schutz wird durch die Aufrechterhaltung des Königreichs Hedschas in Arabien erreicht. Man begreift es nur zu gut, daß angesichts dieser gewaltigen Orientbeute Lloyd George in San Remo den Franzosen gegenüber sich zu einigen formellen Konzessionen verstanden hat, um im Orient völlig freie Hand zu haben. Die Folgen der Unruhen Die westfälischen Kerzte für Ordnung und Sicherheit. Die Rerztekammer der Provinz Westfalen hat an die Reichsregierung eine Oepesche mit folgendem Wortlaut gesandt: Die Kerztekammer der Provinz Westfalen hat mit schwerer Sorge von den bedauernswerten Dorgängen Kenntnis genommen, die sich im rheinischwestfälischen Industrierevier in den letzten sechs Wochen abgespielt haben. Durch die weitausgedehnten revolutionären Unruhen, die mit Mord, Raub, Plünderung und Brandstiftung verbundenen schweren Kämpfe sind nicht nur Millionen an Werten vernichtet, haben Causende von Uenschen ihr Leben verloren, auch der Gesundheitszustand der ganzen Bevölkerung ist im höchsten Maße geschädigt worden. Gerade die hiesige industrielle Einwohnerschaft, die auf einem engbegrenzten Bezirk 6—7 Millionen Menschen ausmacht, hat infolge der während des Krieges herrschenden Lebensmittelnot stark gelitten, die Cuberkulosesterdlichkeit hat allgemein um das Doppelte, in manchen Städten sogar um das 3 bis 4fache sich gesteigert, die Unterernährung ist weitverbreitet, Epidemien haben bei dem geringen körperlichen Widerstandsvermögen der Bevölkerung geradezu verheerenden Umfang angenommen. Die während der letzten Unruhen lange Seit hindurch eingetretene Stockung der Lebensmittelzufuhr, die Unmöglichkeit, die erforderlichen Lebensmittelmengen hereinzuschaffen, haben weitere Schädigungen der Gesundheit bewirkt, insbesondere viele Causende von Kindern dahingerafft oder elendig gemacht. Wir bitten die Reichsregierung dringend, alle Maßnahmen zu treffen, die notwendig sind, um Ruhe und Sicherheit im hiesigen Bezirk zu gewährleisten, was nur durch restlose Ablieferung der Waffen und Besetzung des ganzen Reviers durch die Reichswehr zu erreichen sein wird. Falls nicht genügende und gesicherte Lebensmittelzufuhr in diesem für das ganze Reich lebenswichtigen Betriebe garantiert wird, müssen die Rerzte jede Verantwortung für die Aufrechterhaltung der öffentlichen und privaten Gesundheitspflege ablohnen. Die Ablieferung der Schiffe Die Reparationskommissien hat auf die am 4. 4. an sie gerichtete Note der deutschen Regierung zur Frage der Schiffsabgabe eine Antwort erteilt, in der es heißt: Wir müssen betonen daß, obwohl über 3 Monate seit Inkrafttreten des Friedensvertrages verflossen sind, noch nicht ein Fahrzeug während dieser Zeit von der deutschen Regierung ab eliefert worden ist und Ihnen mitt ilen, daß es der Reparationskommission nicht möglich ist, irgend welche weiteren Anträge in Erwägung zu ziehen, bis eine zufriedenstellende Tonnage tatsächlich abgeliefert ist. Wir müssen ebenso daran erinnern, daß von dem Zeitpunkt ab, we die Schiffe nach dem Friedensvertrag hätten abgeliefert werden müssen, bis zum Tage ihrer tatsächlichen Abgabe von der deutschen Regierung Miete zu zahlen sein wird. Hierauf hat die deutsche Regierung folgendes erwidert: Die deutsche Schiffahrtsdelegation hatte bereits in London„dem Maritime service gegenüber betont, daß die Erfüllung dieser Verpflichtung, welche sie übernehmen mußte, praktisch nahezu undurchführbar erscheint, da die Frage der Bebunkerung und Bemannung der Schiffe schwer lösbar sei. Es ist gleichwohl gelungen, den Dampfer Bielefeld vor zwei Tagen nach Firth of Forth abgehen zu lassen. Außerdem ist eine große Anzahl Schiffe seefertig gemacht. Die deutsche Regierung hofft, deren Ueberführung in den nächsten Tagen bewirken zu können. Die Kommission wird hieraus entnehmen, daß es deutscherseits nicht an gutem Willen fehlt, den Verpflichtungen des Friedensvertrages nachzukommen. Was aber das deutsche Volk mit Bestimmtheit erwartet, ist, nicht durch Wegnahme der letzten Schiffe seitens der Kommission wirtschaftlich völlig zerrüttet werden. —00000 Schleifung der deutschen Festungen. Die„Deutsche Allgem. Zeitung“ bringt unter dieser Ueberschrift einen Artikel, in dem dargetan wird, daß trotz der schwierigen Lage das Menschenmögliche geschehen ist, um den harten Friedensbedingungen gerecht zu werden. Echon bald nach dem Waffenstillstande wurden zunächst die Armierungsbauten entfernt und der friedensgemäße Zustand der Festungen wiederheigestellt. Hindernisse wurden zurückgebaut, Schützengräben und Erdwerke eingeebnet, Betonbauten unbrauchbar gemacht. Auch wurde schon vor der Ratifizierung des Friedensvertrages aus diesen Festungen die Munition, die Festungsausrüstungen, Handwaffen und Kampfmittel, Geschützrohre, Lafetten, Schießgestelle usw. entfernt. Die Abrüstungsarbeiten sind fristgemäß beendet worden. Die Schleifungsarbeiten sind jetzt in vollem Gange und ihre termingemäße Beendigung ist zu erwarten. Nur bei den vom Verband besetzten Festungen konnten bisher die Abrüftungs= und Schleifungsarbeiten noch nicht in Angriff genommen werden, da dort die alliierte Oberste Heeresleitung die Festsetzung der Frist für die Abrüntungs= und Schleifungsarbeiten sich vorbehalten hat. Die Abrüstungsund Schleifungsarbeiten in der Kieler Zone haben bald nach Abschluß des Woffe. stillstandes eingesetzt und sind entsprechend gefördert worden. —00000— Der neue Krieg im Osten Schweie japanische Schlappe in Stbirien. Nlach einer Oepesche des„Exchange Celegraph“ aus Cienlsin soll eine japanische Oivision in Sibirien, und zwar in der llähe von Chaborowsk vernichtet worden sein. Die Nachricht wurde von Sat Rogan von Heinz EMonis. 49)(Nachdruck verboten.) Ein dumpfes Rollen verkündete das Herannahen eines Zuges, und rasch schwoll es an zu einem daherfegenden Gewittersturm; der Boden unter den Füßen erzitterte, ratternd und knatternd flog der Mittelmeer=Expreß vorüber. Ein Sprühen und Wirbeln von Staub und kleinen Partikelchen des zwischen den Schienen aufgeschüttetei. Steinschlags i#r auf seiner Straße; ein starker Luftstrom ging von ihm aus, als wolle er jedermann warnen, sich dem dahinrasenden, klirrenden Ungetüm zu nähern. Die blonde Kleine sah dem entschwindenden Schnellzug geraume Zeit nach, bis dessen rotweißes Schlußsignal hinter der nächsten Kurve verschwunden war. „Sie dürfen nicht so sehr trauern um das, was gewesen ist. Mein Großvater sagt immer, der Mensch müsse vorwärtsschauen und nicht zurück. Und nun muß ich gehen, man erwartet mich zu Hause.“ Orth zauderte einen Moment. Dann tat er, was er noch vor einer Stunde für ganz unmöglich gehalten hätte— er bat Fränzchen, sie begleiten zu dürfen. Jedes weibliche Wesen erschien ihm als etwas Heiliges, Unantastbares, zu dem er nur in scheuer Verehrung aufzublicken wagte und das er schon durch eine bloße Anrede glaubte zu entweihen. „Bitte,“ sagte Fränzchen mit einem verbindlichen Neigen des kleinen Köpfch####. Sie hei: diese Geste einmal im: Theater gesehen; damals, als eine Dame ihr eine Karte schenkte und sie sich die Hände bald#und #latschte vor Enthusiasmus. Es gelang ihr einer russischen Gesallschaft übermittelt, jedoch schweigen sich die wohlinformierten Kroiso über diesen Borgung aus —000— Aufruf an die Landwirtschaft. Der Wiederaufbau nur mit der Landwirtschaft. Reichsernährungsminister Dr. hermes erläßt einen Aufruf an die Landwirtschaft, in dem er sagt, daß der Wiederaufban Deutschlands nur mit Hilfe der Landwirtschaft durchgeführt werden könne. Die Reichsregierung weiß, so heißt es weiter, daß die Landwirtschaft unter den Kriegswirkungen schwer gelitten hat und unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen noch schwer leidet. Sie wird daher alles daran setzen, diese Verhältnisse für die Landwirtschaft zu bessern.... So wird die Einfuhr von Rohphosphaten und Futtermitteln mit Nachdruck gefördert werden. Die Einfuhr von 1 Million Connen Mais zur Schweinemast ist gesichert. Größere Einfuhren von Oelkuchen und anderen Futtermitteln sind für die nächste Sukunft in Aussicht genommen. Die Stickstoffdüngererzeugung soll auf die irgend erreichbare höhe gebracht werden. Die Regelung des Krbeitsverhältnisses und die Erhaltung des Arbeiterfriedens auf dem Lande betrachtet die Reichsregierung als ein: ihrer bedeutungsvollsten Aufgaben im Interesse der Landwirtschaft. Ebenso die Beschafsung einer ausreichenden Sahl von Arbeitern zur Licherung des Hackfruchtanbaues und zur Bergung der hackfrüchternte. Weiter wird mitgeteilt, daß zwecks humaner Festsetzung der Preise beim Reichsernährungsministerium eine Indexkommission, bestehend aus hervorragenden Vertretern der Landwirtschaft und der Verbraucherschaft gebildet wird, die die Steigerung der Oroduktionsunkosten, die seit dem Monat Januar eingetreten ist, feststellen und die Juschläge vorschlagen wird, die bei der Feststellung der endgültigen Höchstpreise den bekannt gegebenen Mindestpreisen hinzugefügt werden sollen. Die deutsche Reichsregierung glaubt auf der anderen Sette auch von der deutschen Landwirtschaft“ erwarten zu können, daß ste die Ernährung des deutschen Dolkes, insbesondere in den kommenden schweren Monaten, nach bestem Können sichern wird. „“ vird darauf bingewiesen, daßz pie Guslte. felung von Getretde und Kartoffeln noch vielfach sehr stockend sei, die Milchlieferungen müßten gleichfalls steigen. Der Aufruf schließt: Die Reichsregierung ist davon überzeugt, daß die Landwirtschaft sich diesen Forderungen nicht verschließen wird, daß sie vielmehr als Dolksteil das ihrige dazu beitragen wird, die Dolksgesamtheit zu erhalten, wie auch die Reichsregierung ihrerseits alles aufbieten wird, der Landwirtschaft ihre Lage zu erleichtern. Eine Kundgebung der deutschen Landwirtschaft. Der Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft beschloß einstimmig eine Kundgebung, in der die Schaffung eines Reichsernährungsministeriums begrüßt wird. Die Kundgebung wendet sich dann gegen den politischen Generalstreik, fordert Beibehaltung der Einwohnerwehren und Gleichberechtigung der Landwirtschaft gegenüber den übrigen Berufsständen und erhebt Einspruch gegen die einseitige Bevorzugung der Gewerkschaften. Juletzt wird noch einmal energisch die Aufhebung der Swangswirtschaft und Einführung der Jahresarbeitszeit, dagegen Aufhebung des Echtstundentages in der Landwirtschaft gefordert. —000— Kanalisierung der RKuhr Die diesjährige Hauptversammlung des KuhrI vereins in Witten erfreute sich eines zahlreichen undg ein Beweis dafir, wie der erste Porsitze n##e, Oberbürgermeister Laue=Witten, in seiner Begrüßungsansprache ausführte, daß die Interessen für die Diederschiffbarmachung der Kuhr trotz der vergangenen Kriegszeit und sonstiger Schwierigkeiten anhaltend gleich groß sind. In dem nachfolgenden Jahresbericht gab der Geschäftsführer Dr. jur. et phil. Ismer einen einin Mepumeeeertneen mhitentnenmnes ance Die Friedliche Einigung über das künftige Schicksal der asiatischen lürken.. die wenigen Groschen zu einer Wieder. hotung jenes amüsanten Abends aufzubringen. Und sich von einem der jungen Herren mitnehmen zu lassen, die sich nicht selten an sie and ihre Freundinnen herandrängten, das miriel ihr. Doch jene Szene lebte in ihrem Ge zächtnis fort, und sie freute sich ungemein, das tus ihr Erlernte nun verwenden zu können. Seite an Seite schritten sie den Weg zurück, zuckten sich in die Augen und scherzten und achten. Frau Sonne, die schon eine ganze Weile wie ein großes verheißungsvolles Goldtück in dem fernab aufsteigenden blauen Dunste zing, schmunzelte vergnügt und tauchte hinab zinter die sanft gewölbten grünen Rebenhügel die Abendwolken erglühten in Rot und Blau and Gelb und Grün, der Fluß spiegelte alle diese entzückenden Farben wieder, es ging in der Luft wie gestilltes Sehnen. Die Landstraße war für Wilhelm Orth gar nicht mehr grau und öde. 3. Kapitel. An der Eisenbahnbrücke hatte Wilheln Orth sich von Fränzchen verabschiedet. Er hätt sie gern noch weiter begleitet, allein er schämt sich in seinem ausgewachsenen, ziemlich schäbiger Anzug. Richt zuletzt fürchtete er auch, sie in Gerede zu bringen. Nun wandelte er dahin wie einer, de einen köstlichen Traum durchlebte. Rund un ihn das Summen und Surren der von der Fest wiese zurückebbenden Menschen, das Trappelr oon Hunderten von Füßen, das Getute vor kleinen Blechtrompeten, das Knarren, Quietscher and Pfeifen all der Lärminstrumente, die ein Jahrmarkt ausspeit zu kurzem Eintagsdasein Kinder greinten und quälten, daß die Väter si# tragen möchten. Die ganz Kleinen, die nog im Wagen saßen, jauchzten mit ihren heller Stimmchen oder suchten krähend die in Hunderter von Exemplaren über der Menge schwankenden zunten Ballons zu erhaschen. Angeheitert Männer führten droillige Reden, Frauen lachten treischten, baten, schimpften. Wilhelm Ortb lächelte nur und konnte es nicht begreifen, daß all dieses am Nachmittag so feindselige Gefühle a ihm auslösten. Das Leben war ja so schön ich so schön. Jetzt umsing ihn das Gassengewirre der Altstadt, in welches die Dämmerung bereite zineinlangte mit weichen Fingern. Holprig war hier das Pflaster, die Häuse brückten sich aneinander wie geängstigte: Hühnervolk, die steilen Schieferdächer entbehrter vielfach der Dachrinnen und sprangen weit ir die Straße vor. Man sah auf den ersten Blick , d a ß d i e a l l e r w i n z i g s t e B e s c h e i d e n h e i t, j a d i e Armut zu Hause war in diesen spitzgiebligen vindschiefen Gebäuden. Doch es war ein Armut, die noch etwas auf sich hielt, einArmut, die ihren geringen Besitz nach Kräfter serausputzte. Hellgestrichene, blitzblanke Fenster rischgewaschene und=gebügelte Mullgardinen eingescheuerte, wenn auch ausgetretene Sand teintreppen, Kästen mit grellbunten Blumen sie und da ein zwischen der ersten und zweiter Etage sich hinziehender Weinstock— eine Armut sie sich nicht zu schämen braucht, die Wohlan tändigkeit in sich birgt und den Keim zu kün igem Besitz. In eines dieser Häuser trat Wilhelm Ort in und erstieg langsam die enge, knarrend Stiege. Ein scharfer Duft nach Seife und vielge oaschenem Holzwerk umsing ihn: auch hie de Dielen blendend weiß und mit Sand be streut, die Wände zur Feier des Jahrmalkte neu getüncht in vielfarbigen Mustern. Wie Fel blumen im grünen Klee, im wogenden Korn feld, Eim durchsonnten Weinberg, so muteter die an. Es war niemand zu Hause; die halb kindische Mutter der Schlafwirtin konnte man ja nich: zühlen. „Die Lene sei auf dem Markt,“ sagte die Orrsen. gehenden Ueberblick über die violseitige Vereins tätigneit im Berichtsjahr. Richt nur Fragen technischer und wirtschaftlicher irt, Entwurfebearbeitungen und Dorunterachungen wurden gelöst, sowie der Bauabschnitt Witten—hac#n und die Derlängerung über Westhofen—Schwerte bis Lünen als örtlicher##h##chluß des rheinisch=westfälischen Kanalnetzes im sogenannten Industrie= ringkanal abgeschlossen, sondern auch die Werbe= und Aufklärungsarbeit wurde auf breitester Grundlage durchgeführt. Im Gegensatz zur Krlegszeit ist der Verein jetzt in die breiteste Oeffentlichkeit getreten, zwei neue Vereinsschriften: „Die Schiffbarmachung der Kuhr bis Hagen“, sowie eine Jubiläumsschrift„Swölf Jahre Ruhrverein“ geben Jeugnis von der umsassenden Vereinstätigkeit, über welche der Redner im Einzelnen berichtete. Uebenbei ging eine ausgedehnte Dreßberichterstattung über alle einschlägigen Fragen, so daß die breite Oeffentlichkeit stets über den Stand der Dinge unterrichtet war, auch sind Dertreter des Vereins im zuständigen Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin im llovember v. Is. vorstellig geworden und haben dort die beschleunigte Prüfung des Ruhrentwurfs bis hagen erreicht. hinsichtlich der kohlenfragen wurde durch ein umfangreiches Gutachten des Bergschuldirektors Professor heise-Bochum festgestellt, daß noch 800 Millionen Connen Kohlen im eigentlichen Kuhrbecken lägern, die eine hundertjährige Förderzeit und damit die völlige Amortisierung der neuen Schiffahrtsstraße sowie eine blühende wirtschaftliche Jukunft des Flußtals gewährleisten. Der Ruhrverein hat weiter zum neuen Reichsberggesetze dringende Anträge an das Reichswirtschaftsministerium und die Bergabteilung des Ministeriums für Handel und Gewerbe gerichtet, die veralteten Bestimmungen der alten Bergordnungen und des Berggesetzes von 1865 zu beseitigen und eine Verkoppelung der kleinen, unwirtschaftlichen Grubenfelder an der Kuhr zuzulassen zur Schaffung großer letstungsfähiger, in sich abgeschlossener Bergbaugebiete. Sollte sich die herausgabe des Reichsberggesetzes verzögern, so wurde beschlossen, ein Sondergesetz für den Kuhrbergbau in dieser Frage zu beantragen. Eine besondere Berggesetzkommission von Sachverständigen wird diese Angelegenheit vorbebereiten. Für den Fall, daß der preußische Staat die klosten für die Kuhrkanalisierung, die gegenwärtig infolge der enormen Erhöhung der Löhne und Rohstoffe auf das 6- bis 10fache gestiegen sind, nach sachverständiger Schätzung aber in einigen Jahren auf etwa das dreifache mit den anderen Eisenbahn= und Wasserfrachten zurückgehen werden, nicht allein tragen kann, ist weiter der Weg der Selbsthilfe durch Bildung einer Wassergenossenschaft nach dem neuen preußischen Wasserrecht in Anlehnung an die schon bestehenden Verbände, den Ruhrtalsperrverein und Kuhrverband, in Aussicht genommen. Don diesen beiden Verbänden ist zugegeben, daß die Crinkwasserversorgung und Reinhaltung der Kuhr durch die Kanalisierung gefördert wird und durch die bestehenden Sondergesetze zulässig sind. Im gleichen Sinne hat sich auch eine auf Veranlassung der Regierung einberufene Versammlung der Wasserwerks- und Criebwerksbesitzer an der Kuhr im Februar ds. Is. in Essen ausgesprochen, während der Ruhrverein sich früher und jetzt bereit erksärt hat, die ziemlich erheblichen kosten des Schaenc.satzes an die betreffenden Werke zu zahlen. Im Anschluß an diese Berichterstattung wurden un Wahlen getätigt. Sie saß wie gewöhnlich auf der Ofenbank, wackelte mit dem Kopf und kicherte vor sich hin. „Die Lene sei auf dem Markt, die Kindet seien auf dem Markt und die Postgänger auch. Und die Grete sei mit ihrem Schatz und der Lina auch weggegangen. Wenn sie nach Hause käme, würde sie ihr etwas mitöringen; etwas Süßes, etwas zum Lutschen, zum Beißen habe sie ja keine Zähne mehr. Orth schlug sich vor die Stirn. Niemand zu Hause; das hätte er sich auch denken können. Die Lene— Frau Ringeisen— war die Ehrbarkeit selbst. Sie ging über vor Rührung, und die dicken Tränen kollerten ihr noch heute üder die eingefallenen Wangen, wenn man zufällig auf ihren vor vier Jahren verunglückten Mann zu sprechen kam. Sie war rastlos tätig von früh bis spät, fegte, wusch und slickte, hiel Kostgänger, sparte, geizte, darbte, gönnte sich keinerlei Vergnügen. Wenn indessen auf den Feldern die Sensen verklangen, die FrühburgunDer einen durchsichtigen Schein bekamen und auf der Pfingstwiese dem Jahrmarktstrubel luftige Tempel erwuchsen, da gab es für sie kein Halten mehr. Ein Leben ohne Marktmontag— nimmermehr! Ein Tag im Jahre ist den To#ten frei. Er ging nach der Küche, einem ganz kleinen Raum, in welcher noch der alte Rauchfang an vergangene Zeiten mahnte und schnitt sich ein Butterbrot. Auch die alte Frau hinter dem Ofen vergaß er nicht. Sogar an dem über die Straße geholten Glase Bier ließ er sie einmal nippen und freute sich des matten Aufleuchtens in den blöden Augen der Alten. Dann stand er auf der verwitterten Holzgalerie an der Rückseite des Hauses, ließ sich den Abendwind über„die erhitzten Wängen streichen und folgte mit glückseligemn Lächeln dem Wellenspiel des sanst dahirgleitenden Flusses.(Fortsetzung falgt.) Wilsons schöne Die jetzt eingetroffenem amerikanischen Zeitungen berichten über eine(bisher in Deutschland nicht bekannt gewordene) Rede des Bundessenators Fantts Hamlton Lewis aus Chieago, die am 19. auf dem demokratischen Konvent in Omaha, Nebraska, gehalten wurde und ein interessantes Licht auf Präsident Wilsons jetzige politische Auffassung der ungeklärten europäischen Fragen wirft. Senator Lewis sagte: „Ich bin ermächtigt, der Bevölkerung dieses Mississippitales, in dem viele fremdgeborene Bürger amerikanische Wähler geworden sind, die Versicherung zu geben, daß es Woodrow Wilsons Absicht ist, sofort nach Schaffung des internationalen Gerichtshofes durch den Völkerbund vorzutreten und im Namen des amerikanischen Volkes darauf zu bestehen, daß die durch den Friedensvertrag Deutschland auferlegten sinanziellen und wirtschaftlichen Lasten erleichtert werden, um Deutschland die Beteiligung zu gestatten und sein Volk am Leben zu halten, und zwar unter den nämlich günstigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen, wie sie andere Völker genießen, die für die Demokratie ihrer eigenen Nation gekämpft haben.“ Hoffentlich wird Herr Wilson diese schönen Absichten erfolgreicher durchsetzen, als seine 14 Punkte— vorausgesetzt, daß er überhaupt zum Präsidenten wiedergewählt wird. ——90000 Clopd George über Ergebnis in San Remo. Alle sind befriedigt. englischen Unterhause gab Lloyd George, der Mittwoch nach London zurückgekehrt ist, eine Erklärung über die Verhandlungen in San Remo ab. Er sagle, daß vor der Konferenz einige Uneinigkeiten geherrscht hätten, die an und für sich ernst genug waren und die absichtlich verschlimmert wurden durch leichtsinnige Menschen. Aber er sei glücklich, sagen zu können, daß der Himmel wieder heller sei. Soweit er sagen könne, sei jeder in San Remo zufrieden gestellt worden. Man habe den Deutschen wifsen lassen, daß von dem Augendlick an, wo die Truppen auf die inidem Schreiben der Alltierten vom 8. August 1919 festgesetzte Zahl zurückgebracht sein werden, die französischen Truppen Frankfurt und Darmstadt räumen würden. Die Konserenz hat ülle Bedenken, daß der Vertrag von Versailles nicht zur Ausführung gelangen könnte, weggefegt. Ferner seien zum ersten Mal deutsche Minister eingeladen worden zu einer Konferenz, um über einzelne Punkte zu beraten. Es beständen keinerlei Meinungsverschiedenheiten unter den Alliierten über die Abrüstungsfrage Es komme darauf an, die deutschen Kanonen und Flugzenge zu erhalten; man könne den Deutschen dergleichen nicht in der Hand lassen. Zur Frage der Entschädigung müsse man wissen, welche Vorschläge Deutschland machen werde zur Beseitigung der Schuld. Wir wissen sehr gut, daß Deutschland nicht bezahlen kann, aber wir wollen wissen, ob es seine Schuld anerkennt und sich überlegt, wie es sie beseitigen kann. Das Mandat für Mesopotamien und Palästina sei an England gegeben worden, das für Syrien an Frankreich. Amerika habe man gebeten, das Mandat für Armenien zu übernehmen. Wenn es ablehne, werde man Wilson bitten, als Schiedsrichter über die Festsetzung der Grenzen Armeniens aufzutreten. Lloyd George schloß, San Remo war ein Schritt vorwärts auf dem Wege des Wiederaufbaues. Stadt und kand. Dor Mai ist gekommen und neue Hoffnungen erfüllen des Menschen Brust, deun der Uat ist ja der Wonnemonat. Wir können dem April in diesem Jahre auch nichts nachsagen, penn er war in den ersten drei Wochen so schön, wie wir ihn selten erlebt haben. Und die letzten paar kalten und regnerischen Cage erinnerten uns an den wetterwendischen Monat. Diese Cage scheiaber mit einem Uale vorbei zu sein, denn der erste Maientag brachte uns gleich ein herrliches Detter: Ewig blauer Himmel, lachender Sonnenschein und ein lindes Lüftchen aus Südwesten, so daß das Quecksilber schon in der elften Ulorgenstunde auf 18 Grad im Schatten stieg. Wenn auch die Bauernregel sagt:„Mai kühl und maß, füllt dem Bauer Scheune und Faß“, so werden wir es dennoch mit Freuden begrüßen, wenn uns der, Wostnemonat recht viel wärmende Sonne bringt: Ueberall Blütenduft, überall Frühlingsluft, überall Lonnenschein,— das ist der Mai! Uöge er seinem Namen alle Ehre machen. Die Lebensweckerin Frau Sonne wird uns allen willkommen sein, denn ihre wohltuende Wärme können wir auch ohne Dücherund Schieberpreise genießen. *e(An unsere Leser!) Infolge Störung an unserer Rotationsmaschine konnte das Unterhaltungsblatt am Samstag nicht gedruckt werden; wir haden bürselbe dahon der heusigen Uummer der ** O Herabsetzung der Suchsoration) von 790 auf 625 Gramm für den Monat Mat ist besondere für kinderreiche Familien empfindlich. Es handelt sich nicht um Leckerei, sondern der Sucker ist ein sehr wichtiges Uahrungsmittel, dessen Bedeutung bei den heutigen Lebensmittelpreisen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Es sind alle Maßnahmen getroffen, um den Suckerrübenbau für die nächste Kampagne zu erhöhen. hoffentlich gelingt es damit auch, der Sucherknappheit ein Ende zu machen. **(Das Ende der Kriegsgesellschaften,) die es nicht verstanden haben, sich Freunde in der Bevölkerung zu erwerben, soll jetzt ernstlich vorbereitet werden, nachdem wiederholte Ankündigungen resultatlos geblieben sind. Da alle Parteien der Nationalversammlung darüber eintg sind, werden sie auch wohl die Ltquidation erzwingen. Man soll die Kriegsgesellschaften nicht in Grund und Boden verdammen, aber sie haben versagt, als ihre praktische Arbeit am nötigsten war. Jeder erfahrene Kaufmann hätte dasselde, und wohl auch mehr, sicher aber billiger geleistet, als diese Gesellschaften mit ihrem gewaltigen Apparat, die schon längst zur Sielscheibe des politischen Witzes geworden sind, aber sich trotzdem am Ruder zu erhalten gewußt und mit ihren Lausenden von Büroräumen die Wohnungsnot nur noch verschärft haben. **(Die Maifeier), von den beiden sotztal. Parteien veranstaltet, ist em Samstag bei günstiger Witterung programmgemäß verlaufen. Die Anhänger der Ulehrheitspartei von hier und den benachharten Filialen versammelten sich gegen ½1 Uhr auf dem Marktplatz und rückten nach dem Dortrag eines Begrüßungsliedes durch den Arbeitergesangverein und nach einer kurzen Ansprache des herrn Jöckel unter Vorantritt der Mohr'schen Kapelle über die Westenstraße nach hohensyburg ab. Unterwegs schlossen sich die Filialen Wandhofen, Westhofon und Garenfeld dem Juge an. Kuf der sagenumwobenen stolzen Wittekindshöhe entwickelte sich nach Ankunft des Juges ein gewaltiges Leben und Creiben. Imlaufe des Nachmittags sprach Partei-Sekretär Winkler=Dortmund über die Bedeutung der Maifeier.— Die Anhänger der U. S. P. der Filialen Schwerte, Westhofen, holzen, Lichtenvors und Ergste versammelten sich gegen 3 Uhr an der„Reichskrone“ durchzogen unter den Klängen einer Musikkapelle und mehrerer Crommlerkorps einige Straßen der Stadt und begaben sich zum„Reiche des Wassers" Hier hielt der Parteisekretär Desch aus Haspe die Jestrede. Musikalische und gesangliche Dorträge, Canz usw. bildeten das weitere Orogramm der Jetern. Died ereufnähme des Postverkehrs mit Polen.) Nach Ulitteilung der polnischen Postverwaltung ist die seit dem 16. bestehende Sperte der polnischen Grenze für den deutschen Post. Celegraphen= und Fernsprechverkehr sowohl mit Ostpreußen und dem Frekstaat Danzig als auch mit Dolen selbst für die Grenzstreche Bentschen bis zur Ostsee wieder aufgehoben. Der in Betracht kommende Verkehr wird daher wieder in vollem Umfang ausgenommen. (Goldenes Arbeitsjubiläum.) Am Samstag konnte der Logerarbeiter Wilh. Wallmann aus der Beckestruße auf eine 30jährige Cätigkeit in den Diensten der Eisen=Industrie zurückblicken, ein in unserer Seit äußerst sektenes Jubilkum, 7gleich ehrend für beide Leile. Dem Judilar wurden masscherlei Ehrungen zuteil. Auch wir sprechen ihm zu seinem Ehrentage unsere besten Glückwünsche aus und hoffen gern. Faß er noch recht lange Jahre seinem Beruse wird nachgehen können.? *(Jur Reschstagswahl.) Der Deutsche demokratische Verein veranstaltet Otenvlag,4. Mai, abends 7½ Uhr, im Lokale der Witwe Köster, Wilhelmstraße 3, die erste Cöffentliche Dolksversammlung. Es spricht herr Landrichter Dr. ZöpkerKschoff, Bochum, in weiten Kreisen des Industriebezirkes als glänzender Redner bekannt und infolge seiner sachlichen Kritik auch beim Gegner geschätt, über:„Diktatur oder Demokratie?“ **(Konzert der Liedettasel.) Ein in allen Ceilen swohlgelunge nes Aduzert war es, welches der U. E. 10.„Oeverkäfe!“=Schwerterheide, einer der ältesten Gesangvereine unserer Stadt, gestern am Freischütz veranstaltet hatte und welches sich eines überaus zahtreichen Besuchts erfreute. menn, der verdienstvölle Uhren=Ofrigent des Vereis, hatte ein hubsches abwechfelungerrstches DPregramm aufgestellt und unter seiner rühigen sicheren Führung wartete der Verein, vor mitt bewa 35 Sängern die Bühne betrat, mit recht erfreulichen Leistungen auf. Dor allem ersang sich der Verein einen großen Erfolg mit der Wiedergabe des prächtigen Ueubner'schen Chorwerkes„Frühlings Einkehr", dessen Schwierigkeiten fast restlos gemeistert wurden, und mit dem Jüngst'schen Chor„An die Zeimat". Den reichen Beifall, den das Publikum nach allen Dorträgen spendete, hatten Dirigent und Sänger redlich verdient und wird er dem Verein hoffentlich ein Ansporn zu weiterem Streben sein. Eine große Bereicherung erfuhr das Konzert durch die Mitwirkung des beim Freischütz-Publikum bestens bekannten Opernsängers Dr. Ulkolaus vom Dortmunder Stadttheater. Der geschätzte Künstler verstand es auch gestern wieder, durch seinen hinreißenden Dortrag, unterstützt durch den sieghaften Glanz seines Organs, die Juhörer ganz in seinen Bann zu zwingen. Umrahmt wurden die Darbietungen des Choree und des Solisten durch gut ausgewählte Ulusikvorträge der Meiseschen Kapelle aus Hörde, die sich dem Rahmen der Veranstaltung in bester Wetse anpatzten *e(Rauchverbot für Jugendliche.) Der Oberpräsident hat eine Verordnung erlassen, wonach jugendlichen Personen unter 16 Jahren das Rauchen auf öffentlichen Straßen usw. bei Strafe dis zu 60 Mark verboten ist. Den Geschäftsinhabern wird der Derkauf von Cabak, Jigaretten usw. an Jugendliche unter derselben Strafe untersagt. *(Die Uutzholzpreise) haben unausgesetzt bei allen Versteigerungen fast seit Anfang April einen erheblichen Rückgang erfahren, und es ist nicht schwer, die Erklärung dafür zu finden. Das Oublikum ist eben nicht mehr imstande, blind das Geld für alle holzfabrikate auf den Etsch zu legen, auch die lebhafteste heiratslust vermag die Summen nicht ohne weiteres aufzubringen, die zur Beschaffung der Wohnungseinrichtungen erforderlich sind. Judem fehlt es an Gelassen, die Städte sind an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt und können nicht mehr bereit stellen. **(Schwer zu Schaden gekommen) ist ein an der hohenzollernstraße wohnender Schüler, dem beim fröhlichen Spiel von einem Altersgenossen durch einen unglücklichen Stoß das rechte Auge derart verletzt wurde, daß es als verloren zu betrachten ist. Der bedauernswerte Knabe wurde in die Augenklinik nach hagen gebracht. *r Dilligst, 5. Mai.(Silber=Zochzeit.) Mlorgen Dienstag können die Eheleute Tritz Luhnke und Frau das schöne Fest ihrer silbernen hochzeit feiern. Wir sprechen dem Silberpaar unsere besten Glückwünsche aus. Uöge es ihm nach abermals 25 Jahren vergönnt sein, das jetzige Silber mit dem goldenen Reis vertauschen zu Können. * Aplerbeitz, 2. Mlai.(Wirschaftliche Nachrichten.) Die Ausgabe der neuen Lebensmittelkarten findet wie folgt statt: Für die Gemeinde Aplerbeck im Wirtschaftsamt am Dienstag, den 4. Mai von 8 bis 2 Uhr Nr. 1—600 und 1201—1800. Ulittwoch, den 5. Mai in derselben Seit Nr. 601—1200 und 1801 bis Schluß. Für die Gemeinde Schüren in der alten Dörfschule am Donnerstag, den 6. Mai von 8 bis 3 Uhr. Für die Gemeinde Berghofen in in der Eermanta=Schule am Freitag, den 7. Mai, von 8 bis 3 Uhr. Die neuen Karten werden gegen Abgabe der alten verausgabt. Da anzugeben ist, wiertel Einder unter 6 Jahren in den einzelnen Jamilien vorhanden sind, muß ein Geburtsausweis vorgelegt werden.— In den Metzgereten gelangt in dieser Woche gegen#dgade der gültigen Fleischmarken etwa 85 Gramm Corned Beef(amerikanisches Büchsenfleisch) zur Verteilung 80060 Aus den Orevinzen. * Dortmund, 2. Bkai.(Eine gewaktige Erhöhunz) söllen Die Gewerbestenern chter erfahron. Dies Ist nötig, um das ungeheuere Defixtt durch Steuern zu decken. Es ist geplant, die Gewerbesteuern won 300 auf 750 v. H. zu erhöhen.— Für Betriebe mit Is und mehr Arbeitern soll eotl. eine neue kopfsteuer eingeführt werden. Dlese soll auf den Ropf des Arbeiters detragen: für die steuerfrei veranlagten Gewerdetretdenden 100 Mard, in Gewetbestenerklasse 4: 128 Mark, Masse-3: Nach, Klasse 2: 175 JI., klaßse 1: 200 Marh. Wie. her betrug hier die Kopfsterer 18 Mart für jeden Arbeiter in Verrieben mit mehr als 50 Arbeitoon.“ * Werne, 2. Mat.(Grubenunglüch.) Auf der Seche„heinrich Gustav" benutzten fünf Knappen verbotwidrig Ote Seilfahrt im Burmoschacht. Alle fünf braven Vergleute fanden den Cod. * Münster, 2. Mai.(Raub der Bahnhofskasse.) In der vergangenen Nacht haben Einbrether aus der Zahnhofskasse 330000 Mark, die für Lohnzahlungen bestimmt waren. gestohlen. * Buer, 2. Mai.(Plünderer des hauses Sythen festgenommen.) Die Kriminalpolizei fahndete sett Cagen nach einem Ehepaar, das von Marl nach hier verzogen war und von dem feststand, daß es sich an den Kämpfen der Roten Armee beteiligt hatte;„er“ als Rotgardist und„sie“ als sogenannte Sapitäterin. Der Mann ist inzwischen nach Elsaß=Lothringen„verreist", während die Frau festgenommen und dem Kriegsgericht vorgeführt wurde. Ste gab bei ihrer Vernehmung zu, an dem„Besuch“ auf Schloß Sythen beteiligt gewesen zu sein. Ferner verhaftete die Kriminalpolizet einen Mann aus horst=Emscher, der an der Plünderung auf Schloß Sythen beteiligt war. Außerdem sind dem Kriegsgericht zwei Frauen zugeführt worden, die unter Anklage gestellt werden, mit Waffen gegen die Reichswehr gekämpft zu haben. * Buer, 30. April.(Ein Leichenschänder.) Hier wurde ein gewisser Johann horst verhaftet, der bei den Kämpfen am Karsamstag in horst=Emscher mitgewirkt und sich bei der Erschießung eines Feldwebels unrühmlich hervorgetan hatte. horst hatte dem Coten u. a. ein Gebiß aus dem Mlunde genommen, um es zu verkaufen. Er wurde dem Kriegsgericht überwiesen. * Buer, 1. Mat.(Verhaftung von Spartakisten.) hier wurden vier weibliche Personen verhaftet, die sich als„Rote Kreuz=Schwestern“ mit der Wasse in der hand an den Kämpfen der Roten Armee beteiligt hatten. Ste sollen sich der Erpressung und des Landfriedensbruchs schuldig gemacht haben. In kleiderich wurde der Kohlenfahrer llotermann verhaftet, der während der Rotgardistenherrschaft eine Kolle als Kompagnieführer gespielt hatte und schließlich mit der„Kompagniekasse", im Betrage von 98000 Ulk. flüchtig geworden war. *#iedbeck, 2. Mai.(Mordversuch) Vor einigen Nächten gegen 2 Uhr drangen zwei Kerle in das einsam gelegene haus des Bahnwärters Döpping in der llähe von hausmanns hof(Brauck) an der Strecke nach Buer-Süd. Einer von ihnen versetzte dem Pöpping mit einem Beile einen Schlag auf den Kopf. Da das Nachtlicht brannte und man etwas sehen konnte, sagte der andere plötzlich:„Halt still! Es ist nicht der Richtige!“. Dann soderten die unheimlichen Gesellen Geld, und Frau D. mußte ihnen vier Körbe voll Kartoffeln aus dem Heller hoten und ihnen einige Butterbrote zurechtmachen. Anscheinend wollten die Cäter, die offenbar zur Roten ärmee gehörten, an einem anderen Bahnbeamten, der am Karsamstag, beim Einzuge der Reichswehrtruppen, Spartakisten denunziert haben soll, Rache nehmen. * Esterfeld, 2 Mai.(Das Ende des Verkehrsdiktators.) In der Spattakistenzeit spielte im hiesigen Dollzugsrat der Sclesser Bruno Borenke aus Bottrop eine Kolle, der sich aus eigener Machtvollkommenheit zum Verkehrsdiktator ernannte und den Eisenbahnverkehr stillegte. Seine Haupttätigkeit bestand darin, daß er Eisenbahnsendungen beschlagnahmte und weiter verkaufte. Als Borenke jetzt verhaftet werden sollte, machte er einen Fluchtversuch. Bei dieser Gelegenheit wurde er erschossen. —00— Turnen und Sport! R. J. R. 105 und S. S. D. comb.— Dortmunder Sportclub#95 1b, 2:0. Ein spannendes Creffen, das mit dem Siege der hiesigen Mannschaft endete Cechnisch waren beide auf der höhe; das bessere Schußvermögen des Schwerter Stürmers entschied das Spiel. Schwerter„Alte Herren". Dortmunder Sportclub 95„Klte herren“, 1:5. Wer ein flaues Spiel erwartet hatte, wurde angenehm enttäuscht. Dortmund trat mit seinen ältesten, früheren LiguKanonen an, von denen besonders der Unke Derteidiger an seine Glanzzeiten erinnerte. Jur allgemeinen Ueberraschung konnte Schwerte sofort nach Anstoß das erste und einzige Cor für sich buchen. Dortmund revanchierte sich noch in der gleichen Minute und tteß in kurzen Zwischenräumen drei weitere Core folgen. Ullt 1:4 gings in die halbzeit. Dann stellte Schwerte um und konnte das Spiel dank der Verteidigung durchaus offenhalten. Kus einem Gedränge heraus fiel noch ein weiteres Cor für Dortmund. Im Ganzen genommen, waren die Mannschaften gleichwertig. Bei längerer Einspielung wurden die Schwerter „Alten herren" zweifellos Erfolge erringen. Daß bei dem Sptel der Hamor in reichstem Maße zu feinem Rechte kam, sei der Vollständignett halber nur erwähnt. Den Spieken wohnten erwa 1000 Juschauer bei. Die Jünglings=Sodalität(Sportabteilung) weilte in Dortmund und stegte gegen die Junglings-Sodalttät Dreifaltigkeit dank besseren Stürmerspiels mit 7.9. Beiter Bsfeltote: Aga: Heartinger Sportverein--Docimmns 95 420, v. f. S. Oortmus—Otktorta Nochtinghautten 2:1. Gener Curnerbund—O. f. C. Alona 3S 1:2, Essener Sportverein—Allomania Doutmund 4:1. Stornlauf.— Ju der am Ereitag abend stattgefundenen Gesprochung wurde die Veranstaltung eimes solchen Cruses in Schwerte einstimmig beschlossen und die Durchführung einem Arbeitsausschusse übertragen, der sich aus je 2 Vertretern der beteiligten Vereine gusammenseht. Der Ausschuß tritt heute(Montag) abend 8 Uhr im Lokale Klempt(Mährstraße) zusammen. Die noch nicht beigetrrtenen Vereine werden gebeten, ebenfalls je zwei Dertreter zu entsenden. —0— Kriegsgericht In der letzten Sitzung des außerordentlichen Briegsgerichts zu Dortmund gelangten u. a. auch folgende Fälle zur Verhandlung: Der frühere Dizefeldwebel Karl Ludwig Reith von hier stellte seine militärischen Kenntnisse in den Dienst der Roten Armee, war eine Seit lang Jugführer und Meldereiter des Dollzugsrats zwischen Schwerte und hörde. Unter seiner Leitung fanden die Beschlagnahmungen statt, die der Schwerter Dollzugsrat anordnete. lloch nach dem Bielefelder Abkommen war der Angeklagte tätig, er zog mit einem Crupp Rotgardisten nach Geisecke, um eine Sbteilung Cruppen aufzuhalten. Der Angeklagte erklärte heute, er habe angenommen, daß es sich um reaktionäre Cruppen gehandelt habe. Der Dertreter der Anklage beantragte gegen den Ange#lagten 2 Jahre Gefängnis. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Ellinghaus aus hagen, betonte, daß er einer festen Judikatur des Gerichts gegenüber zu stehen scheine, die er persönlich nicht umzuwerfen sich anmaße. Es müsse aber doch ernstlich geprüft werden, ob die Freisprechung des Angeklagten sich rechtfertigen lasse, weil angenommen werden könne, das der Angeklagte wirklich annehmen konnte, er stehe auch noch nach dem Bielefelder Abkommen reaktionären Cruppen gegenüber. Ar befürchte, daß, wenn die Stellungnahme des Gerichte in der hagener Gegend bekannt werde, eine allgemeine Abwanderung von Jehntausenden in das besetzte Gebiet stattfinden werde. Der Verteidiger versuchte durch das angeblich zögernde Verhalten des Generals v. Watter und durch Feststellungen, die er mit Oberbürgermeister Cuno=Hagen durch Dernehmung der bei herdecke gefangenen Soldaten gemacht, nachzuweisen, daß die Abteilung Lichtschlag und Lützow im Dienste der Kappregierung Verwendung finden sollten. Er werde seinen politischen Einfluß dahin geltend machen, daß schon nach wenigen Cagen eine Amnestie erlassen werde, und er werde sich erlauben, dem Minister Severing telegraphisch von der Auffassung des Gerichts Mitteilung zu machen. Das Gericht verurder Kondringschen Ollla verschanzt hatte, zur Uebergabe gezwungen worden. als die entwaffneten Mannschaften aus der Villa geführt wurden, fiel einer der Haupträdelsführer der Spartakisten über den gefangenen Oberwachtmeister Drintz her, schoß ihm eine Kugel durch den hals und richtete ihn mit einem dolchartigen Messer fürchterlich zu. Noch lebend wurde der Beamte in einen Straßenbahnwagen geschafft und unter den rohesten Dutausbrüchen der mitfahrenden Unholde, die die stammelnde Bitte des tödlich Verletzten nach einem Schluck Wasser mit der Aufforderung beantworteten: Schlagt den Hund doch tot, zum Krankenhause gebracht. Dort starb der unglückliche Beamte. Kls Cäter wurde nach der Beendigung der Revolutionsherrschaft der Bergmann Ebers aus der Segerothstraße, ein gewalttätiger, schwer vorbestrafter Bursche, dingfest gemacht, der sich jetzt vor dem Kriegsgericht wegen schweren Landfriedensteilte den Angeklagten mit Rücksicht auf seine Be= bruchs, Mordes, Mordversuchs und anderer Straftaten zu verantworten hatte. Die die Verhandlung ergab, hat der Unhold auch an anderen Gewalttätigkeiten jener Schreckenstage lebhaften Anteil genommen. U. a. ist er am Cage des Einzuges der Spartakisten in Essen mit einer Gruppe bewaffneter Spießgesellen zum Dolizeipräsidium gezogen und hat die Gefangenen befreit. Das Kriegsgericht verurteilte ihn zum Code und zum dauernden Derlust der bürgerlichen Ehrenrekte. —000— Letzte Drahtmeldungen. Eigener Depeschendienst. Die Kronprinzessin von Schweden F. Stockholm, 3. Mai. Die Kronprinzessin teiligung zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis. Rechtsanwalt Ellinghaus, der in einer zweiten Sache den Walzer Oito Neuhaus von hier zu verteidigen hatte, lehnte darauf den gesamten Gerichtshof wegen Besorgnis der Befangenheit ab und zwar, wie er erklärte, nicht um den Gerichtshof zu schikanteren, sondern um Seit zu gewinnen für die in die Wege zu leitende Amnestie. Das Gericht beschloß die Dertagung dieser Sacke Codesurteil gegen einen spartahistischen Verbrecher. Ein scheußliches Verbrechen aus der Essener Spartakistenzeit beschäftigte das außerondentliche Kriegsgericht. Am 19. März, dem Cage des Einzuges der revolutionären horden in Essen, war eine Kbteilung grüner Sicherheitspolizei in einer Stärke von 12 Ulann, die auf der Rückfahrt von 9 Rotthausen nach Essen von den Spartakisten in! Margarete von Schweden ist heute nachmittag geStoppenberg abgeschnitten worden war und sich in storben. Die Kronprinzessin war vor kurzem an pamesde gsre Peen Gesichtsrose erkranks. Daraus onkwlchelte## Blutvergiftung, die zum Tode führte. Beihilfen für Altpensionäre. Berlin, 3. Mai. Der Nationalversammlung ist folgender Antrag der Abgg. Crimborn, Herold, Dransfeld zugegangen: Die Nationalversammlung wolle beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen, dohin zu wirken, daß den Altpensionären, insbesondere auch soweit es sich um Witwen und Waisen handelt, eine Beihilfe gewährt wird, da bei der sprunghaft steigenden Ceuerung der Lebensmittel und aller Gebrauchsgegenstände es unmöglich erscheint, ste bis zur Erhöhung der Bezüge durch neuen Reichstag warten zu lassen. Automobilunfall. Was Berlin, 3. Mai. Ein Automobil, in dem sich Admiral Orsini, der Dorsitzende der Marine-Kontrollkommission, mit seiner Gemahlin und seiner Cochter und seinem Adjutanten, Gberleutnant Kraus, befanden, erlitt einen Achsenbruch und überschlug sich. Die Insassen wurden herausgeschleudert, der Aômiral wurde ziemlich schwer, sein Adjutant etwas leichter verwundet. Die Gemahlin des Admirals blieb unverletzt, seine Cochter wurde nur leicht verletzt. Unruhige Maifeier in Frankreich. WaB paris, 3. Mai. Anläßlich der Maifeter kam es in Paris bei Kundgebungen wiederholt zu Jusammenstößen mit der Polizei, Laut Morgenblätter wurden viele Personen und etwa 25 Polizisten verwundet. Laut„Matin“ wurden etwa 39 Personen verhaftet, zwei Personen sollen getötet sein. Kus der Provinz werden keine Zwischenfälle gemeldet. Derandmert#ich für dbe Schoiftleidung: Pried. Kraas. Druck und Verlag: Caul Praus, beide in Schwerte. u kaufen Sie sahr vertellhaft in dem Spezialhaus A WJI- Z.4P8 F##s Horren- und Knaben-Kleidung der Firma Ostenhellweg 23(gegenüber I. Pischer in Dortmund). Hochlspreise für Beol und Medl. Auf Geurd des§ 69, Absatz a der Reichsgetreideordnung für die Einie 1919 vom 18. Juni 1919(R G Bl. S. 525 fl) und der Versügung des Herrn RegierungsPräsidenien zu Arnsbern vom 27. 4. 1920 1 15 Nr. 4010 wird in Abänderung der Anordnung des Kreisausdes Landkreises Hörde vom 27. Februar 1920 üder Söchüpreise für Biot und Mehl folgendes bestimmt: Die Höchstpeeise für die nachstehend ausgeführten Backwaren und Mehl werden wie folgt festgesetzt: a) Graubrot: mit einem Verkaufsgewicht von 6 Pfund mit einem Verkaufsgewicht von 8 Pfund im Anschnitt für: 500 Gramm(1 Pfund) 250 Gramm(1/8 Pfund) 125 Gramm(¼ Pfund) b) Schwarzöret: mit einem Verkaufsgewicht von 6 Pfund mit einem Verkautsgewicht von 8 Pfund im Anschnitt für: 300 Gramm(1 Pkun?) 1.15 259 Gramm(1 Pfund) 0,60 125 Granm(¼ Psund) 0.85 6.80 Mk. 3.40„ 1.20„ 0.65„ 0.35„ 6.50„ 3.80„ c' Krankenörot sog. Grahambrot: 3.50 2.80 1.40 1.40 1.35 mit einem Verkaufsgewicht von 8 Pfund d) Zwiebach für 400 Pamm füt 209 Glumm e) für ein Pfund Weizenmehl für ein Pfund Roggeumenl 1I. Diese Anordnung tritt mit dem 1. Mai d. Is. in Kraft. Gleichzeitig treten an diesem Tage die dieser entgegensehenden Anordnungen außer Kraft. Hörde, den 29. April 1920. 2638 Der Kreisausschuß des Landkreises Hörde. 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Schnitiwürfel-, Pialten= und " Smteng Blhletiazucher 2.10 M. für 1 Pid. 5. Bunkkands 2.55 M. für 1 Pid. 4. Weiß= und Würfellndis. 2,60 M. für 1 Pfd. Die festgesetzten Preise sind Höhsipreise im Sinne des Gesetzes d#e#:. Odchstpreise vom 4. Lugust 1914, 17. Dezewber 191:(Reichsgesetzblatt S. 889. 516, nebit Nachtiägen und der Verordnung über Preistreiberei vom 8. Mai 1918(Reichsgosetzblatt S. 895). III. Zuwiderbandlungen gegen diese Verordnung werden mi Gesängnis und mit Geldstrafe dis zu 200 000 M. oder mit einer dieser Strafen bestraft. IV. Diese Anordnung tritt am 1. Mai ds. Jo. in Kraft. Sörde, den 30. April 1920. 2637 Der Kreisausschuß des Landkreises Hörde. Slesvner=Gant Hagen i. W., Bahnhofftraße 39 Laufende Rechnungen Scheck=Konten:=: Einlage=Konten Eirziehung von Dokumenleu Bestellung von Akkreditiven Au- und Verkauf von Kuren, Aktien und Höligationen. Ständige Vertretung an den Börsen zu Essen und Düsseldorf Mittwoch, den 5. ds. 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Wer eigenmächtig in einer höheren Wagenklasse Pletz nimmt oder einen höher tarisierten Jug benutzt. als ihm nas seiner Fahrkarte zusteht, hat gemäß§ 16 Ziffer 2 der Eisendahn=Verkehrs-Ordnung den doppelten Faurpreis, mindestens aber 600 Mk. zu zahlen. Von dieser Bestimmurg wird von jetzt ab rücksichtslos Gebraucht gemacht werden. Elderfeld, im April 1920. 2642 hudi ektion. Bekanntmachung Die Kriegsabgabe vom Vermögenszuwachse kann vor Ablauf der festgesetzten Jahlungskristen entrichtet werden; bei Entrichtung in barem Gelde sind in diesem Falle 6 v H. Zwischenzinser zu vergüten. Da der Fälligkeistag für die Steuern sich nach dem Tage der Zunellung des Veranlagungsbescheides richtet, können die Zinsen bei Entrichtung vor Justellung dieses Bescheides nicht berechnet werden. Der Herr Reichsfinanzmister hat daher bessimmt, daß bei Entrichtung der abgabe oder eines Teils vor Zustellung des Bescheids eine Bescheinigung zu erteilen ist. auf Grund deren der Steuerpflichtige später die Zinsen für den in Voraus entrichteten Betrag erstattet erhält. Die bisher zuständigen Hebestellen(Amts= und Stadtkassen) sind berechtigt, die Vorauszahlungen entgegenzukehmen und entsprechende Bescheinigungen auszustellen 2648 Finanzamt Dortmund-Land. Matzarbeit und budwaren.: Reparaturen: liefer. schnell. gut und binig Auf besonders eilige Arbeit kann gewartet werden H. Hitzegrad, Schuhmachermeister Senningsweg 26. Tillgeorniggen Hornhaut Wallen u Parrzent beseitigt man schnell, sicher u. schmerzlos mit PA Iavielentausend Sällen AU G gängens bewährl. Preis 2.50 Mk. Max Mohlhose Sprechstunden von 9—12 und 2—5 Uhr Sennabend und Sonntags nur in dringenden Fällen Elly Hensel, Hörde, Schulstraße 91. Begl. 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Aber er dachte zum nicht daran. Nur hinkommen, den linken Flügel unserer heiten. der n Säugern gibt es gr 24 Assen sehen die Farben ähnlich wi Steilung erreichen, die Meldung überbringen, von der] Hunden und Katzen aber bieten sich die Farden vielleicht das der Sieg abhing. Tier= und Pflanzenwelt umgestoßen. Die Bienen z. B. vermögen die Blumenfarben nicht zu erkennen, woraus gefolgert werden muß, daß die Biumen ihren Farbenreichtum Insekten anzulocken. Die □ unstihs Hillen. Das Rätsel der bunten Farben bei Pflanzen und Tieren. Die wissenschaftlichen Anschauungen über die Bedeutung der bunten Farben bei Pflanzen und Tieren haben in letzter Zeit durch die aussehenerregenden Arbeiten des Münchener Forschers Pros. Dr. C. v. Heß eine grundlegende Umgestaltung erfahren. Bisher waren Zoologen und Botaniker sest davon überzeugt, daß die Pflanzen und Tiere ihre bunten Farben tragen, um die Fortpflanzung zu erleichtern oder um sich vor seindlichen Angriffen schützen zu können. Die Laien glaubten dies um so mehr, als sie ja allgemein der Ansicht sind, die Farben, in welchen wir die Gegenstände sehen, seien Eigenschaften dieser Gegenstände, und daher müßten die Gegenstände jedem tierischen Sehorgan genau in denselben Farben erscheinen wie uns. Dies stimmt aber keineswegs, denn die physikalischen Strahlungen lösen in verschiedenen Augen verschiedene Empfindungen aus, was ja schon durch die verhältnismäßig große Zahl„farbenblinder“ Menschen erhärtet wird. Für die verschiedenen Arten des Sehens sind, wie Heß jetzt in den„Naturwissenschaften“ darlegt, die Helligkeiten, in welchen die verschiedenen Farben gesehen werden, charakteristisch. Von diesem Standpunkt ausgehend, arbeitete Heß systematisch Methoden zur Ermittelung der Helligkeiten aus, in welchen verschiedene Tierarten die bunten: Farben sehen. Diese Methoden sind so genau, daß man heute über die Sehqualitäten zahlreicher Tiere ebenso gut unterrichtet ist wie über die des nicht bekommen haben, um die Farben der Fische, Krebse usw. können ebenfalls nicht mehr als sogenannte Schmuckfarben gelten. Man behauptete früher, die gelben und roten Farben der Krebse hätten den Zweck, die Geschlechter gegenseitig anzulocken, doch haben sich all bisher untersuchten Krebse als völlig farbenblind erwie Außerdem vermag selbst ein sarbentüchtiges Auge bereits in einer Tiese von vier Metern unter der Meeresoberfläche Rot nicht mehr wahrzunehmen. Auch die„Hochzeitskleid der Zische müssen jetzt bestritten werden, denn wenn z. der Königsses=Saibling in einer Tiefe von 60 Metern laich und zur Laichzeit eine rote Färbung zeigt, so ist dem die bisherige Bedeutung zuzumessen, da ja, wie gesagt, schon in vier Metern Tiefe das Rot nicht mehr zu erlennen ist. Weiter wird darauf hingewiesen, daß es unlogisch erscheint, daß bei den Tagvögeln gewisse Farben sich entwickelt hätten, um für besondere Zwecke gesehen zu werden, andererseits andere Farben sich ebenso entwickelt haben, trotzdem die Vögel sie gegenseitig nicht wahrzunehmen vermögen. Endlich weisen viele Pflanzen auch an unterirdischen Teilen eine große Farbenpracht auf, trotzdem diese Teile den Insekten gar nicht zugänglich sind. Die Blüten sind also nicht um der Insekten willen bunt geworden, die Gesiederfarben der Tagvögel haben sich nicht zur Anlockung des anderen Geschlechtes entwickelt usw. Demnach ist die bisherige Bedeutung der bunten Farben bei Pslanzen und Tiexen hinfällig, und der biologischen Forschung obliegt die Aufgabe, die wahre Bedeutung dieser Farben zu entdecken. Hunior. Sehr sonderbar. Klein:„Es kommen doch zu merkwürdige Tinge auf der Welt vor, Dinge, die man durchaus nicht verstehen kann!" Groß:„Ja, ja, das soll wohl so sein.“ Klein:„Also denke die, vorhin treife ich Kurz und bitte ihn, mir fünfzig Mark zuehen, und was meinst du, was er gesagt hat?“— „Wird wohl„Rein“ gesagt haben.“ „Nicht eigentlich, er ertläcte, dazu kenne er mich doch eigentlich nicht genug.“ „Na, und was soll denn dabei sonderbar sein?" „Das wirst du gleich merken. Eine halbe Stunde späler treffe ich Lange, und da ich das Geld nötig brauche, bitte ich den um die fünfzig Mark, und was glaubst du, was er mir zur Antwort gibt?“ „Keine Ahnung.“ „Er sagte, dazu kenne er mich zu genau. Begreifst du nun das Sonderbare? Der eine will nicht, weil er mich nicht genug kennt, und der andere will nicht, weil er mich zu genau kennt. Eine merkwürdige Welt!“ 1 eben Tausender, von der wahrscheinlich Grau oder Weiß verhüllt dar. Bereits hierdurch scheint 3 Kun. escaee S * s 8 GgaE S 283 S— 3 n 8 9 # 8 * 9. BSg“BESS STSpENS # 55 □(0 ke. u a ###k Sy 2 B. R SNg ∆ 60 F•. ——— SSSöE * B a n SSSS SaFT 2 5• ** 1 S STxTESSSS Haupt. sterhaltungs-Beilage zu Nr. 102. Samstag, den j. Mai 1920. 2 23 57* 150 55 Si t Rlei 0 5 Roman von A. Ostland. (58. Fortsetzung.) (Nachdruck verbolen.) ∆ der Au leidensch ses jun Farbe j erten. k.einen B#orgs 2 Mannes klang heiser 1. Unverwandt haftete sein er Blick auf dem Antliz Kui. daule. Ein Zei.? Pe, nie mel liebe, zürniche St# Uns warum? 2 Ceorg an ihr zweie ließen außer deme# die schmale, Gelbli. stummen Vitte un sollte sie sich nun ihr Sicherheit und Hilea ichlug die Hilie dieser großen, weiten Erde, der sich ihrer annahm? „Hilda,“ sagte die chens, auf welchem die trockene Stimme des alten Mannes dicht an ihrem Ohr,„Sie sehen es ein, Kind, nicht wahr, daß alles dies so lommen mußte? Benn auch vielleicht Georg Günther selbst freigesprochen wird — sein Vater wird nicht so leichten Kaufes davonkommen. Und dem Sohne des Straflings, der selbst auch unter sctwerem Verdacht stand, sind beinaye alle Wege verschlossen. Wenn Sie aver einwülligen, Hilda, wenn Sie mich alternden Mann ein Sie Geduld mit mir teilen als das Liebste, in fell auf der Chaiselengue. Klirrend zu Boden und rollte bis bückte sich das junge en Silberreif auf. Sie Wie komm: Georgs ionlos. on von Uhmingen sah in dieses entstellte, junge Gesichzt, aus dem nun plötzlich ein jurchtbares Entsegen iprach: er sah, wie diese schlanken, weichen Glieder zi#erten, wie ihre Hände keastlos niedersanken. Jetzt #e trigen sie nicht mehr, und ihre Geerien sich. Wie hatte der alte Mann gebschieesguß? Ein Abschiedsgruß für alle sollte sie ihn sohen, nie mehr seine ne hören? #e. iht näht glaubte, weil auch den wirklich alle, alle sie veren, der dort stand und ihr jetzt erüberreichte, wie in einer ? Und an dieser Hand n. sie war die einzige, welce u bot? e vor die schmerzenden Augen ein 7.usw92g? Wo fand sie noch Rettung und Hatte sie denn niemanden, gar niemanden auf werden Geld haben, Freiheit haben, zu tun und zu lassen, was Sie wellen. in, werde Sie mit aliem erdenklichen Luxus umgeden, ich werde Ihre Zukunft vollkommen sicherstellen, und — noch eins, Hilda, ich werde Georg Günther die Hans einer neuen Existenz, damit er nicht untergehl. as wollen Sie noch mehr, Kind? Alles, allesler? iie kleinen Hände, meinen alten geachteten meinen Reichtum und die Liebe eines Mannes, den unersings viele Jahre von Ihrer blühenden Jugend trennen, der aber noch so heiß und start empfind k. wie vor dreißig Jahren, und der keinen anderen Wunsch haben wird, a's Ihr Glück. Kann Ihnen dies alles nicht genügen, Hilda?“ Das Mädchen hatte sich wieder von den Knien erhoben und stand nun dicht vor ihm. Sein Atem streifte ihre Wange, seine Hand die ihrige. Aber sie wich nicht mehr zurück von ihm. Ihr seines Ohr hörte aus all seinen heißen, bewegten Worten doch jetzt auch die große Liebe heraus. Und dann: er wollte Georg weiterheisen! Eine große Dankbarkeit wallle auf in ihrem Herzen. Alles, alles dies bot er ihr, ihr, der Angeklagten, der so vielerlei Verdacht ruhte! Er setzte sich alles hinweg. Er war doch großmütig und gütig. — er liebte sie. Eine brennende Träne rollte über ihre Wange siel herab auf den schmalen, silbernen Ring. der in ihrer Hand ruhte. Dort lag sie und funkelte wie der herrlichste Edeistein. Und wieder flünerte dicht neben iyr die Stimme des Mannes: „Hilda, ich bitte Eie, sagen Sie ia“! Was liegt mir an der Welt und an all dem Gerede? Werden Sie mein Weib, und nie sollen Sie es bereuen!“ auf über und und nach 1 * 9 0 G5 — S 95 S 2 5 9# Eg * 4#n * X S et P S 8 SeEL 8 5 S 5 ## S 27 #— S„* FgnE * SBE Syyx B 82□ S 55 # aE 5 988 # 8 5 gss * * 2 S 2 8 34 . 8 E 5 * 2 20 50 Sor Er heite den Arm um# und nun nsiste er den sene sie, ale wene er sie küssen. en aber sie hielt ganz lill. „Georg!“ dachte sie, undi wie im Gelet über dem k 9 ände schlossen sich z:„Georg! Fu habe etwas Unausschiebbares mit Doktor Gerlach zu sprechen. Nachher“— er beugte sich tieser zu ihr nieder und sprach leiser, damit nur sie ihn verstehen konnte— „Nachher hole ich mir Ihre Antwert.“ Hinter ihm und dem Diener schloß sich mit schwerem Rauschen die Portiere. Hilda Wentheim stand allein in dem weiten, dämmerigen Gemach. Ein paar Augenblicke sah sie grübelnd vor sich hin; die letzte Viertelstunde hatte ihr so riele und so gänzlich verschiedene Eindrücke gebracht. Und dennoch klang in ihr jetzt deutlich nur der Satz nach, welchen eben eist der Diener gesprochen hatte: „Es ist wegen des Herrn, der täglich nach Fräulein Wentheim gefragt hat.“ Und Baron von Ullmingen hatte Doktor Gerlach und Käthe rufen lassen. Weshalb? Wer konnte sich überhaupt täglich nach ihr erkundigt haben, nach ihr, die so einsam, so verlassen war, daß sie keinen Freund mehr besaß? Sie wußte nur einen einzigen, von dem sie annahm, daß er so innig an ihr hing, und dieser eine war ihr Vater. Sollie er so viel für sie gewagt haben? Hatte er jede Vorsicht so gänzlich vergessen, nun, da sie krank war und er in Sorge um sie, daß er sogar hierher kam, um nach ihr zu fragen? Aber wenn das wirklich der Fall gewesen war, dann waren sie ihm auf der Spur, dann hatte der Baron vielleicht schon Verdacht geschöpst und hetzte nun Doktor Gerlach auf ihn. Mußte sie nicht um jeden Preis trachten, zu erfahren, was sie nun so Ttingendes sprachen? Mit vorsichtigen Schritten ging sie über den großen roten Teppich und blieb lauschend an der Tür stehen. Wenn sie den Vorhang zurückschob und das Ohr an das Schlüsselloch legte, dann verstand sie vielleicht d. einige Worte. Sie tat es und horchte angestrengt. Eben sprach Doktor Gerlach. Sein helles Organ war deutlich verständlich. „Also Sie glauben, Herr Baron, daß wir hier unerem Unbekannten auf der Spur sind? Das wöre ein geradezu großartiger Erfolg! Der ganze Prozeß könnte durch die Auffindung dieses geheimnisvollen Fremden eine andere Wendung erhalten. Und wer könnte wohl sonst an dem Befinden Hilda Wentheims einen so regen W 115 950 5* 14 Sinnirne sien Bezirk, Rie: du mußt dir en zu verhoften. Gei Nu 11 un n e a0, an. dt arten, bis e. gan siets Aufeben.“ m Salon u h fortging.# Also ich hole dichh iederiehen!“ Hilda Wentkeim hob den d ließ die Portiere herat###nken. Gevanken folgend, trat sie in ihr schob hinter sieh den zweiten Tür und ver#coß auc di. Mit einem scheu inmitten des schönen, versuchte es, i sollte sie tun? Solig gischi der: erickt. 0 113 0 Schlaf: einem ner zurürt1 ite sie zu sein könne, als ihr Vat Wa arn: Leben einer reichen, Hilda sching die Hän chen. E# weit war sie sch Erwägung zog? Daß kaufen, wie man eine W. en jungen de vor ihr glühendes Gesichtan, daß sie dies überhaust in ie daran dachte, sich zu are verkanft? Aber was sellte sie tun, mittrlios und vollkem wellunerfahren, wie jie war? Ihre zitternde Hand fuhr mechanisch über die Platte des Tisches, an dem sie lehnte. Und wieder klirrte da leise Georgs Ring—— Ihr Heez schrie auf in einem er sih so von ihr wandte, das war Bitterste von allem. ilden Weh. as Härteste, Daß das (Fortjetzung folgt.) ensetzten Blick blieb sie nun aglichen Raumes stehen und se wirren Gedanken zu sammeln. Was Um Gattes winen, was sollte sie inn? Wenn der Fremde, welcher nach ihr fragte, wirklich ihr Vater war, dann drohte ihm eine große Gefahr! Und sie stand hier, vielleicht gar nicht weit von ihm entfernt— und sollte uniätig abwarten? Eine Angst ergrilf sie plötzlich, die ihr fast das klare Denkvermögen raubte. Jetzt erst, in dieser Minute, erkannte sie deutlich, wie sehr sie an dem einzigen Menschen hing, der auf dieser weiten Erde wirklich zu ihr gehörte, wie sie, trotz aller Scheu, doch gern alles hingegeben hätte, um ihn zu retten. Je länger sie darüber nachsann, um so wahrscheinlicher wurde es ihr, daß jener Rann, welcher so eisrig immer wieder nach ihr gefragt hatte, niemand anders Zum mindesten mußte es jemand sein, den er zu diesem Dienste ausgenommen zukommen hatte. Aber wie sollte sie ihm lasseg Ihre Blicke flogen scheu durch den vornehmen Naum. Und allmählich tauchten auch die letzten Werte des Barons,„er würde sich die Antwort holen“, wieder auf in ihrem Cedächtnis. Die Antwort auf die Frage, ob sie für alle Zukunft ihr Geschick an das seine knür er sie mit einer letzten großen Leidenschaft liebte, daß diese Leidenschaft ihn alles, alles überwinden ließ, wiis ihm trennend in den Weg stellte. Und ihr gra vor dieser Liebe, welche sie nie erwidern konnte, sie fürchtete sich davor und wäre am liebsten gesiohen vor ihr bis aus Ende der Welt. Aber wenn sie„nein“ sagle, was dann? Wolin sollte sie sich wenden— sie, die Ansgestoß ne, die Verlassene, von der alle sich abkehrten bis auf den einzigen, der ihr hilfreich und güt.g die Hand bot, um in einer neuen Umgebung ein anderes Leben zu beginnen, das 5