Nr. 194. Bierteljährlich in der Geschäftsstelle n. an allen Postanstalten 1., bei täglicher Zusellung in Bielefeld .20., durch Briesträger 1,42 M. 50. Jahrgang Anzeigengebüh fürdie einspaltige Petitzeile oder deren Raum 12 Pf., für auswärts 15 Pf., Reklamen 40 Pf. Erscheint lechsmal wöchentlich Geschäftsstelle Ritterstr. 43. Fernsprecher Nr. 15. Sistorischer Kalender. 20. August: Kaiser Wenzel von den Kurfürsten abgesetzt, 1400.— G. v. Frundsberg, Feldhauptmann, gest. 1528.— Heinrich v. Gagern, deutscher Staatsmann, geb. 1799. — Friedr. Arn. Brockhaus, Buchhändler, gest. 1823.— Friedrich von Schelling, Philosoph, gest. 1854.— Die Württemberger beschießen die Festung Pfalzburg, 1870.— Ransens Schiff„Fram“ trifft in Sljervö ein, 1896. Vielefeld Montag, 20. August 1906. Herrn von Podbielskis Rücktritt ist leider doch in greifbare Nähe getreten. Die„Nordd. Allg. Zig.“ veröffentlicht in ihrer Abendausgabe von Sonnubend folgende Mitteilung: „Wie wir hören, hatte der Reichskanzler bereits von Norder ney aus den Herrn Landwirtschaftsminister zu einer Aeußerung über die in litzter Zeit vielfach erörterte Beteiligung des Herrn Ministers an den Geschäften der Firma Tippelskirch aufgefordert. Hierauf ist von Exzellenz von Podbieleki eine eisgehende Antwort erteilt, in der der Herr Minister am Schlusse gebeten hat, seinen Wunsch nach Entlassung aus dem Staatsdienste an allerhöchster Stelle zu unterbreiten.“ Alle Blätter kommentieren in längeren Artikeln diese Mitteilung der„Nordd. Allg. Zeitung". Fast allgemein wird die Möglichkeit offen gelassen, daß der Minisier trotzdem im Amte bleibt, wenn auch die Wahrscheinlichkeit hierfür gerade nicht sehr groß ist. Den Hauptstein des Anstoßes erregt die Erklärung v. Podbielskis in der Morzenausgabe des„Lok.=Anz. vom Freitag, in der der Minister mitteilt, von einem Abschiedsgesuch oder der Absicht, ein solches einzureichen, nichts zu wissen. So schreibt die„Tägl. Rundschau": Ueberraschend ist die Nachricht nur insofern, als Herr v. Podbielski den„L.“ zu der Erklärung ermäch tigt hatte, daß er nicht um den Abschied nachgesucht habe. Man muß also annehmen, daß der Bericht an den Reichskanzier erst gestern abgegangen ist. Im übrigen ist es nur selbstverständlich, daß der Minister angesichts der vielen Angriffe, die in der Oeffentlichkeit sowohl gegen die ihm einst erteilte Eelaubnis zur Beteiligung an der Firma Tippelskirch als auch gegen seine Person gerichtet sind, dem Könige sein Porte feuille zur Verfügung stellte. Die„Kreuzzeitung“ schreibt: Im Zusammenhange mit den Preßtreibereien, denen der vielbefehdete Minister in der letzten Zeit ausgesetzt war, erscheint der Entschluß von menschlichem Standpunkte wohl verständlich, gleichwohl wird er in den weiteren Kreisen mit lebhaftem Bedauern ausgenommen worden. Die„Deutsche Tageszeitung“ schreibt: Man wird zunächst abwarten müsser, ob der Wunsch des Ministers erfüllt werden wird. Wir zweifeln nicht daran, weil man wohl sonst die Veröffentlichung der Notiz unterlassen hätte. Vermutlich ist die Ent scheidung heute schon gefallen. Was sie veranlaßt haben würde, ist nicht klar. Nach dem, was bit her bekannt geworden ist, war unseres Erachtens weder die Aufforderung des Kanzlers an den Minister noch seine Btte um Unterbreitung seines Wunsches, aus dem Amte entlassen zu werden, nötig. Es müssen Verhältnisse obgewaltet haben, die seine Beziehungen zu Tippelskirch u. Co. in einem anderen Lichte erscheinen ließen; er selbst muß das Empfinden gehabt haben, daß diese Verhältnisse sein Scheiden aus dem Amte erforderlich machen. Die„Staatsbürgerztg.“ meint, der Minister hätte in Sonderheit seine Verteidigungsversuche lassen müssen, zudem er doch die Akten der Untersuchung Fischer kaum kannte und es erstes politisches Interesse war, den Monarchen in jeder Weise aus der Affäre zu lassen. Weder Möller noch Podbielki hat die Ver bindung mit dem„L..“, den der Kaiser ja liest, gutgetan. Die„Nat. Ztg.“ glaubt, daß nicht daran zu zweifeln sei, daß der König das Rück trittsgesuch genehmigen werde. Die Form der offiziellen Notiz sei dagegen höchst ver wunderlich. Entweder wußte Herr von Podbielski am Donnerstag abend nicht mehr, daß er dem in jener Stunde bereits auf der Fahrt nach Wilhelmshöhe begriffenen Reichskanzler tatsächlich schon nach Norderney seinen Rücknitt in aller Form angeboten hatte oder die Amtsmüdigkeit ist erst nach der Konferenz des Kaisers mit dem Minister präsidenten am Freitag über Herrn von Podbielski gekommen. Oder aber— dritte und letzte Möglichkeit— Herr von Podbielski ist ein solcher Meister des offiz ösen Stils, daß er zwischen der„Einreichung des Abschiedsgesuches“ und der Aeußerung des „Wunsches nach Eatlassung aus dem Staatsdienste“, eine haarscharfe Unter scheidung macht. Die„Germania" bemerkt, der Wink des Reichskanzlers sei offenbar so deutlich gewesen, daß Podbielski nicht umhin konnte, um seine Entlassung zu bitten. Der Versuch, sich mit der Person des Kaisers zu decken, hat ihm also nichts genützt. Wir haben keinen Grund, uns über seinen Fall zu freuen, denn er war ein energischer Vertreter der landwirtschaftlichen Interessen, aber seine Verbindung mit der Firma Tippelskirch machte im öffentlichen Interesse seinen Rückritt unvermeidlich. Die persönliche Ehrenhaftigkeit des Ministers anzuzweifeln, ist übrigens niemand eingefallen. Nach dem„Berl..=Anz.“ hat Herr Podbielski noch am Sonnabend, bevor ihm der Wortlaut der in der„Nordd. Allg. Ztg.“ erschienenen Notiz bekannt war, sich in Gegenwart eines politischen Freundes über die Angr ff, denen er ausgesetzt sei, geäußert und erklärt, er denke nicht daran, seine Dimission zu nehmen, und habe jeden falls nichts Urrechtes getan. Er habe aber bereits vor einiger Zeit, gleich im Beginn der Tippelskirch=Affäre, ein Schreiben an den Reichskanzler nach Norderney gerichtet, das etwa mit den Worten schloß:„Er, Herr v. Podbielski, sei zu alt, um sich in dieser Weise mit Schmutz bewersen zu lassen. Lieber würde er vor ziehen, aus dem Staatsdienst zu scheiden.“ Diese Worte wollte der Minister nicht als Einreichung eines Abschiedsgesuches verstanden wissen; wenn er ein solches beabsichtigt hätte, würde er den dafür vorgeschriebenen Weg einer Immediateingabe an den Kaiser gewählt haben. Im übrigen bleibt nunmehr die Entscheidung des Kaisers abzuwarten. beseitigen will. Daburch st.Ut sie sich selbst außerhalb der Verfassung. Müssen wir nun schon leider die deutschen Sozialdemokraten behalten, obwohl sie Gegner der Monarchie sind, so wird uns doch niemand verdenken können, wenn wir Ausländer, die unsere deutschen Sozialisten in ihren antimonarchischen Bestrebungen unterstützen wollen, möglichst schnell dorthin schaffen, woher sie gekommen sind. Im übrigen trifft der Bescheid, den die Hannoversche Polizei dem holländischen Genossen gegeben hat, vollständig den Nagel auf den Kopf. Viel Lärm um nichts. Der Polizeipräsident von Hannover hat einen Sozialdemokraten, der holländischer Staatsuntertan ist, kurz nachdem er der sozialdemokratischen Organisation beigetreten war, aus gewiesen. Auf die Beschwerde, die der holländische„Genosse“ dagegen erhob, wurde ihm der Bescheid zuteil:„Er sei Sozialdemokrat; Sozialdemokraten aber hätten wir hier gerade genug; er solle nur ruhig nach Holland fahren.“ Gleichzeitig wurde ihm aber mitgeteilt, daß die Angelegenheit noch einmal geprüft werden würde. Es blieb jedoch bei der Ausweisung. Der „Vorwärts“ ist nun über diese„polizeiliche Willfür" tief entrüstet und wettert in der ihm eigenen Art gegen die Hannoversche Polizei im besonderen und gegen die gesamte übrige im allzemeinen. Diese Entrüstung ist aber ganz überflüssig und ungerechtfertigt. Die Sozialdemokratie gibt zu, daß sie die monarchische Grundlage des jetzigen Staates Aus dem Deutschen Reiche. Berlin, 19. August. Die„Nordd. Allgem. Zeitung“ schreibt: Die Begegnung seiner Majestät des Kaisers mit seiner Majestät dem König Eduard von England in Schloß Friedrichshof ist für beide Teile unter befriedigenden Eindrücken verlaufen. Der Verkehr zwischen den Monarchen trug das Gepräge freundlichen Entgegenkommens und verwandtschaftlicher Herzlichkeit..des geflissentliche politische Ausbeuten der Zusammenkunft liegt uns fern; sie bildet aber mit den ungetrübten Erinnerungen, die sie hinterläßt, eine weitere Elappe auf dem Wege der durch den Aufenthalt von Vertretern deutscher Stadtver. waltungen und der deutschen Presse in England angebahnten allmählichen Besserung in den Beziehungen zwischen den Bölkern, den Regierungen und den Herrschern Deutschlands und Großbritanniens. Ja zwanglosen steundschaftlichen Gesprächen sind auf Schloß Friedrichshof, wie kaum gesagt zu werden braucht, auch die großen Fragen der Politik erörtert worden, und wir wissen, daß dies in einem Geiste geschehen ist, wie es der Festigung des europäischen Friedens nur förderlich sein konnte. Bei dieser Gelegenheit möchten wir einen alten Irrium richtig stellen, der von neuem aufgetaucht ist. Man hat gesagt, daß König Eduard uns einen offiziellen Besuch schuldig geblieben sei; das ist insofern nicht richtig, als seine Majestät der König Eduard vor zwei Jahren seinen amtlichen Besuch in Berlin abzustatten gewillt war. Kiel wurde damals als Ort der Begegnung nur deshalb gewählt, weil Seine Majestät der Kaiser und König dies wünschte. In Wilhelmshöhe fand gestern aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers Franz Josef eine Frürstückstafel statt. Der Kaiser brachte einen Trinkspruch auf seinen Freund und Verbündeten aus. Aus Frankfurt a. M. wird gemeldet, der Kaiser werde nach der am 25. d. Mts. auf dem„großen Sande“ bei Mainz stattfindenden Truppenschau noch einige Tage in Schloß Friedrichshof verweilen. Die Mutter der Kronprinzessin, Großherzogin=Witwe Anastasia von Mecklenburg Schwerin, ist Sonnabend früh in Berlin eingetroffen und im Hotel Bristol abgestiegen. Die Meldung, der junge Herzog Georg Wilhelm, Sohn des Herzogs von Cumberland, werde zur Taufe des Kronprinzessensohnes in Berlin eintreffen, wird nach dem „Hann. Cour.“ in Hannover als„welfischer Fühler“ aufgefaßt und nicht ernst genommen. Zu dem Ermittelungsverfahren gegen Dr. Stübel erklärt der„Reichsbote“, es handele sich nicht entfernt um Verletzung der Amtsverschwiegenheit, gegen die der Arnim=Paragraph gerichtet ist, sondern um eine Lapalie. Der Abg. Roeren hatte sich beklagt, daß man im Kolonialamt die von einem früheren Beamten gemachten Mitteilungen nicht höher bewerte. Daraufhin soll Herr Dr. Stübel dem Dr. Roeren eine über diesen gemachte beleidigende Aeußerung mitgeteilt haben; das soll der ganze Tatbestand sein, der in dieser Weise aufgebauscht wird. Der deutsche Ostmarkenverein hält am 25. August in der alten Hochburg des Deutschiums im Osten, in Marienburg eine Tagung von allgemeiner Bedeutung für die Ostmarkenfrage ab. An eine Sitzung des Gesamtausschusses am 25 August, aus deren Tagesordnung die Fortführung und Ausgestaltung einer nationalen Bodenpolitik in den Ostmarker steht, wird sich ein von der Ortsgruppe Marienburg veranstalteter Deutscher Tag anschließen, der sich zu einer mächtigen Kundgebung des Deutschtums gestalten dürfte. Den Festteilnehmern wird Gelegenheit zur Besichtigung der berühmten Burg der deutschen Ordensritter gegeben und ihnen durch einen einleitenden Vortrag des Prof. Dr. Heidenhain im Remter des Schlosses eine gewiß willkommene Unterrichtung über diese herrlichste Burg des deutschen Mittelalters gebosen werden. Die Veranstaltung erdet am 27. August mit einer Fahrt nach Elding und dem Kaiserlichen Landgut Cadinen. Die hundertjährige Wiederkehr des Tages von Jena und Auerstedt am 14. Oltober soll, wie schon mitgeteilt, durch eine eigenartige Gedenkfeier in Gegenwart der vom Kaiser entsandten Generalfeldmarschälle Graf v. Haeseler und v. Hahnke begangen werden. Die preußische Armee und die sächsische werden starke Deputationen zu dieser Feier entsenden, zahlreiche Offiziere beider Armeen werden sich versammeln und die Kriegervereine werden durch Abordnungen bei der Feier auf den Kirchhösen von Vierzehnheiligen (Jena) und Hassenhausen(Kösen) vertreten sein. Auf den Kirchhöfen dieser Dörfer, welche die Brennpunkte der beiden so unglücklichen Schlacht waren, wird man mittags 12 Uhr am Sonntag, 14. Oktober, einfache Denkmäler für die dort gefallenen Krieger enthöllen. Dieser Eathüllung vorweg geht ein Festgottesdienst auf den Schlachtfeldern, dann werden sich die Teilrehmer im geordneten Zuge nach Vierzehnheiligen(Jena) und Hassenhausen(Kösen) begeben und nach einer Weiherede werden die beiden Generalfeldmarschälle im Auftrage des Kaisers das Wort nehmen, um auf die Bedeutung dieser Schlacht hinwzuweisen. Erzbischof v. Stablewski hat, wie der „Dziennik" berichtet, an zuständiger Stelle dagegen, daß polnische Kinder gezwungen werden, am deutschen Religionsunterricht teilzunehmen, Einspruch erhoben. Dies wird auch bestätigt durch ein Schreiben des Erzbischofs an die polnischen Familienväter in Zydowo, wo die Kinder die Teilnahme am deutschen Unterricht verweigerten. Das eczbischöfliche Schreiben lautet:„Nach Empfang Ihres Schreibens habe ich sofort bei der Behörde die nötigen Schritte unternommen, damit die Behörde die Zustände in der dortigen Schule ändere. Ich nehme mit Euch herzlichen Anteil und empfehle, das Resultat der unternommenen Schritte ruhig abzuwarten. Königsberg i. Pr, 18. August. Die Fürstin zu Dohna Schlobitten ist heute gestorben. Aus dem Auslande. Rom, 18. Aug. Kardinal Bincenzo Vanutelli wird der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Essen beiwohnen. London, 18. August. Aus Pietermaritzburg wird gemeldet, daß es offiziell beschlessen worden ist, die britischen Truppen von Natal zurückzuziehen, mit Ausnahme des Remonte=Depots am Mooi Flusse. Rußland. Am Donnerstag und Freitag fanden, laut„Boss. Zig., fast ununterbrochen Plenarsitzungen des Ministerrats wegen der jüngsten Massenmorde in Warschau und Lodz statt. Peterhofer Kreise fordern die Errichtung einer Militärdiktatur, worüber Pobjedonoszew eine Denkschrift ausgearbeitet hat. — In Warschau wurde Sonnabend nachmittag gegen den Genetalgouverneur Skalon ein Attentat verübt. Als seine Equpage kurz nach 4 Uhr durch die Natolinskastraße fuhr, wurden drei Bomben darunter geworsen, von denen eine versagte. General Skalon wurde nicht verletzt. Auf einem Hausbalkon wurde eine vierte Bombe gefunden.— Ueber ein Bombenattentat in Lodz wird der„Schles. Ztg.“ berichtet: Zwei junge Leute warfen durch dus geöffnete Fenster in das Innere des Amtelokals des 3. Polizeibezirks einige Bomben, die unter lautem Getöse explodierten. Das ganze Gebäude war vom Pilverdampf in eine schwarze Wolke gehüllt. Sofort wurde die Feuerwehr alarmiert. Die intervierten Soldaten eilten auf die Straße und begannen das gegenüberliegende Gebäude zu beschießen, da sich die Attentater dorthin geflüchtet haben sollten. Wieviel Personen durch die Explosion getötet oder verwundet wurden, hat sich bisher nicht feststellen lassen.— In Reval wurde am Sonnabend ein Strafgericht gegen die Meuterei vom Kreuzer„Pamjat Asowa“ abgehalten. 17 Matrosen und ein Agitater wurden auf dem Wall des Schlosses erschossen. Sämtliche Delinquenten waren in Reih und Glied aufgestellt und mit Stricken gebunden. Die Salve wurde von Kosaken abgegeben, während Infanterie den Platz absperrte. Die Leichen wurden darauf in Lastwagen zum Meere geschafft, wo sie versenkt wurden.— Ferner verurteilte das Kriegsgericht zwölf Matrosen zu 6—20 Jahren Zwangsarbeit, 13 zur Einstellung ins Strafbataillon, 34 wurden sreigesprochen und 3 Agitatoren aus dem Zivilstande, darunter ein jüdischer Arzt, dem Z vilgericht übergeben. Die zur Zwangsarbeit verurteilten Matrosen wurden nach Kronstadt geschafft. Das Kriegsgericht in Kronstadt verurteilte 10 Aufrührer zum Tode und 723 zu Zwangsarbeit, während 14 freigesprochen wurden. Türkei. In Konstantinopel war das Gerücht verbreitet, daß unter den albanesischen Truppen, die sich im Palais befinden, eine Meuterei ausgebrochen sei. Dieses Gerücht soll, wie die„Pol. Korr.“ meldet, auf den Umstand zurückzu führen sein, daß die bezeichneten Truppen sich durch das Fernbleiben des Sultans vom Selamlik und die weiteren Vorgänge, die sich daran knüpften, beunruhigt fühlten, was sie veranlaßte,#m Wunsche, den Padischah mit eigenen Augen zu sehen, ungestümen Ausdruck zu geben. Sie wählten schließlich eine Abordnung von zwölf albanesischen Offizieren, welche die Aufgabe hatte, ihnen verläßliche Aufschlüsse zu verschaffen. Diesen Offizieren sei es gelungen, durch die Versicherung, daß sie den Sultan gesehen und sich von seinem Wohlbefinden überzeugt haben, die aufgeregten Truppen zu beschwichtigen. Garten= und Landwirtschaft. (22. deutscher landwirtschaftlicher Genossenschaftstag in Oldenburg.) Am 17. d. M wohnte der Großherzog der Sitzung bei. An erster Stelle wurde auf besonderen Wunsch des Großherzogs über die Erfolge der Geflügelzucht und die Erfahrungen mit den Geflügelzucht= und Mastgenossenschaften gesprochen. Nach einem Referat des Pfarrers Hegele wurde einstimmig folgende, von diesem vorgeschlagene Resolution angenommen:„Die genossenschaftlich betriebene Nutzgeflügelzucht zur Erzielung von Tafelgeflügel steht unter den mancherlei Mitteln, die landwirtschaftliche Nutzgeflügelzucht zu heben, an erster Stelle. Dementsprechend groß sind freilich auch die Schwierigkeiten, die auf persönlichem, züchterischem, kaufmännischem und organisatorischem Gebiete liegen. Sie lassen sich nur beheben durch praktisches Vorgehen wagemutiger Männer, die unbedingtes Vertrauen genießen, durch richtige Auswahl und Zucht der gewinnbringendsten Geflügelrassen, durch streng kaufmännische Preiskalkulation und Buchführung, sowie durch Beschaffung von genügend hohem Betriebs. kapital durch die Organisation von Genossenschaften, womöglich mit unbeschränkter Hastpflicht."— Ferner wurden noch folgende Anträge angenommen:„Die Frage der Klärung der Molkereiabwässer ist in den letzten Jahren für unsere Molkereibetriebe eine äußerst drennende geworden. Die hierfür bisher angewandten Verfahren genügen im allgemeinen den seitens der Behörden gestellten Forderungen nicht. Der Reichsverband wolle deshalb diese Frage baldmöglichst einer eingehenden Bearbeitung unterziehen und die nötigen Schritte tun, um sie zum befriedigenden Abschluß zu bringen.“ Sodann ein längerer Antrag betr. die Zeichnungsvorschriften für den Vorstand(§ 25. Genossenschaftsgesetz)— und schließlich folgender Antrag: „Mit Rücksicht auf die beim Bau und der Einrichtung von genossenschaftlichen Lagerräumen nicht selten vorgekommenen technischen Versehen und Fehler ist den ländlichen Genossenschaften und Verdänden dringend zu empfehlen, sich in allen einschlägigen Fällen des Rates und der Unterstützung einer erfahrenen und von Sonderinteressen der Bauunternehmer unabhängigen Beratungtstelle zu bedienen, wie sie nunmehr in der masch nentechnischen Geschäftsstelle des Reichsver bandes geschaffen ist.“ Unsere Dorfkirchen Von einem Mitgliede des DürerBundes erhielten wir die folgende, gewiß viel Beachtens wertes enthaltende Einsendung: Wir haben in unserem Raveneberger Linde, und in diesem nicht allein, Kleirodten der Baukunft, die viele von uns nicht kennen und haben sie doch jahraus, jahrein vor Augen. Ich meine unsere lieben, alten, köstlichen Dorfkirchen. Wie, die alten, einfachen Kirchen ohne Schmuck, ohre einen geschichtlichen Stil, die nicht gotisch, nicht romanisch sind, sollen Kleinodien sein? Ja, und gerade weil sie so einfach sind, ohne Schmuck und Zier, weil sie weder gotisch oder romanisch sein wollen, darum sind sie so köstlich für den, der Auge und Heiz der schlichten Schönheit öffnet. Ich will nicht den geschichtlichen Stilarten ihre Schörheit absprechen. O nein! Alle romanischen und gotischen Kirchen, die in der Zeit erbaut wurden, als diese Baustile entstanden und sich auswuchsen, reden eine gewaltige, Herz und Gemüt ergreifende Sprache zu uns. Aber verachtet um der gewaltigen Dome willen nicht unsere lieben Dorfkirchen. Sie haben ihre eigene Schönheit. Welcher echte Musikfreund würde die köstlichen, einfältigen Volkslieder gering schätzen, weil es Oratorien gibt? So ist's auch mit den Kirchen. Solch eine schlichte Dorfkirche ist wie ein inniges Volkslied, ungekünstelt und einfältig. Die großen romanischen und gothischen Dome aber sind den kunstvollen Oratorien gleich. Laßt uns aber auch von den alten Dorskirchen lernen! Die früheren Baumeister bauten einfach und bescheiden, wollten nichts anderes bauen als ein Gotteshaus im Dorfe. Wir aber, wir wollen etwas vor stellen, was wir garnicht machen können. Wir protzen auch mit unsern Gotteshäusern. Es ist erschrecklich! Pfeiler bauen wir aus Backsteinen uns bemalen sie, als wären es Sandsteinquadern. Gotisch sollen unsere Kirchen sein, als ob wir modernen Menschen noch den Geist der Alten hätten. Denn aus dem Geist der damaligen Zeit sind Baustile entstanden. Wir find andere Menschen, wir sind nüchterner, lessen den Verstand mehr walten als das Gefühl. Deshalb muß auch naturgemäß alles, was wir machen, nüchterner, sachlicher sein, als die Werke früherer Zeiten. Wollen wir aber in der Weise der Alten bauen, so wirken unsere Bauwerke tot und kalt. Die Formen bilden wir nach, ängstlich genau, aber es fehlt das nur urspeüngliche Liben. Die Alten haben sich auch nicht sklavisch an ein Muster gehalten, sondern sie haben frei geschaltet mit den in ihrer Zeit gebräuchlichen Bauformen, die ein Ausfluß ihres inneren Lebens und Empfindens waren. Wurde aber in irgend einem Döeflein eine Kirche gebaut, so schufen die einheimischen Bauleute aus der landesüblichen Bauweise heraus das Gotteshaus und holten sich ihre Vorbilder nicht aus einer längstvergangenen Zeit oder aus einer sremden Gegend. So sind die wunderlieblichen Kiechlein entstanden, ein Schmuck der Lindschaft, weil sie in die Landschaft passen. Ih wollte, ich könnte den Lesern all die lieben Kirchlein in Bildern vorführen! Aber wer ein Gefühl für schlichte Schönheit hat, wird schon von selbst auf sie achten und sich an ihnen freuen. Wer kein Verständnis dafür hat und auch keins gewinnen will, dem ist auch durch Bilder nicht zu helfen. Dem geht aber eine Fülle edelster und feinster Genüsse verleren. Solch ein Mensch wird auch ferner ruh'g zusehen, wenn die schlichte Schönheit unserer Kirchen erbarmungslos zerstört wird, wie es leider so ost geschieht. Da sieh man z. B. Fachwerkkirchen, die inwendig ausgemalt sind, als wären sie aus mächtigen Sandsteinquadern erbaut, und als wären die Wände unten herum bis zu 1 Meter Höhe mit Teppichen behangen. Ja, das„nach etwas aussehen sollen“, die lügnerische Pretzerei, das ist der Fluch unserer Kultur. Die Lüge scheut sich selbst nicht vor dem Altare, oder sind kürstliche Blumen aus Papier, Blech und Draht keine Lügen? Ich sage, es sind zu Körpern gewordene Lügen! Aber wie oft findet man sie noch auf den Altären, wo wir doch nur in die volle blühende, grünende, duftende Natur hineingreifen drauchen. Jeden Sonntag ein frischer Strauß auf dim Altar, im Winter ein grüner Tannen oder Stechpalmenzweig, wie lieblich und schön! Wem das aber zu mühsam ist, der lasse allen Blumenschmuck weg. Schauck ist nicht nötig, auch nicht im Gotteshause, aber Wahrheit ist rötig, vor allem im Gotteshause. Können wir die großen Fehler an unseren Kirchen nicht ändern, so laßt uns die kleinen wenigstens beseitigen. Von Göttingen nach Bielefeld. Das Künstlerpaar Norbert Berstl und Gattin siedelt nach 16jähriger Tätigkeit in Göttingen jetzt nach Bielefeld über. In wie großem Ansehen es in Göttingen gestanden hat, zeigt der folgende Bericht der„Göttinger Zeitung.“ „Wenn das Kunstleben Göttingens,“ so heißt es dort,„in den letzten Jahren einen sich immer schneller entwickelnden Ausschwung genommen hat, wenn Göttingen in künstlerischer Beziehung jetzt bereits gar manchen vier= und fünfmal so bevölkerten Ort übertrifft, wenn man den Namen unserer Stadt hinsichtlich der in ihr gepflegten Kunst, auch anderwärts mit Achtung nennt, so steht in hohim Maße das Verdienst hierfür dem langj hrigen Leiter unseres Stadttheaters— denn dasselbe ist hier der weitaus wichtigste Kunst faktor— Norbert Berstl zu. Norbert Berstl, der sechzehn Winter hindurch der Göttinger Schau spielbühne vorgestanden und sie mit umsichtiger Energie und feinem künstlerischen Verständnis auf eine Höhe gebracht hat, wie man sie in anderen gleich großen und vielen größeren Städten vergeblich sucht— Nordert Berstl, der mit nie ermüdendem Fleiß und zielbewußter Tatkraft das hiesige Theater aus den bescheidenen Anfängen zu einem vornehmen Kunstinstitut emporzuheben wußte, und der uns nun verlassen wird. Sechzehn Jahre sind eine ganz ungewöhnlich lange Zeit für die Direktionsführung an ein und derselben Bühne, aber dennoch will es uns zu früh erscheinen, daß wir jetzt schon einen abschließenden Ueberblick über Berstls gesamte Tätigkeit in Göttingen geben sollen, denn gern hätten wir ihn dieselbe auch noch fernerhin hier ausüben sehen! Wenn wir diesen zusammenfassenden Rückblick heute schon bringen, so geschieht es deshalb, weil Berstls künstlerische Tätigkeit mit dem Ende der Schauspielsaison erlischt und ihm in der Opern=Nackspielzeit keine Gelegenheit, hervorzutreten, mehr geboten wird. Es bleidt uns noch übrig, von Norbert Berstls umsangreicher Tätigkeit ale Schauspieler, die ihm nicht weniger großen Ruhm als seine Regieführung eingetragen hat, zu sprechen. Das Fach der Heldenväter beziehungsweise im Salonstück der gesetzten Charakterrollen ist es, in dem sich sein Können in reichstem Maße bewährte, oder vielmehr noch bewährt.„In Berlin, der Hochschule der dramatischen Kunst, hat sich Herr Berstl als Mitglied der„Berliner Theaters“ in Haup rollen des ernsten Dramas die einstimmige, entschiedene Anerkennung der Kritik und die Zuncigung des Publikums in hohem Grade erworben", zitiert Wilhelm Berstl, Theaterdirektor in Jena=Rudolstadt, aus einem Artikel über seinen Vater in seiner Schrift„Geschichte des Theaters in Göttingen". Norbert Berstl hätte des Ruhmes, der ihm voranding, nicht bedurft; von Beginn seiner schauspielerischen Wirksamkeit in Göttingen an bis heute errang er sich immer und immer wieder den freudigen Beifoll einer dankbaren Zuhörerschaft, das volle Lob der klitischen Presse. Und das verdankt er vor allem einem Vorzuge. den wir leider bei so vielen heutigen Bühnenkünstlern vermissen, nämlich einer sorgfältigen Schulung der Sprechwerkzeuge, die niemals, weder im ruhigen Fluß der Rede, noch im höchsten Affekt äußerster Anstrengung versagt und es ihm ermöglicht, im Verein mit seinem gewaltigen Organ, einer oft geradezu zwingenden Gestaltungskraft und scharsem Verständnis für seine Aufgaben, die vollkommensten künstlerischen Wirkungen auszulösen. Da steigt vor unserm geistigen Auge unwilltürlich das Bild des Berstl'schen Wollenstein, seines Stauffacher, des alten Miller, Julius Cäsars, Thoas'„König Oedipus“ auf, und in bunter Folge reihen sich ihnen die moderren Figuren an, die er nach und nach geschaffen.— Konsul Bernick und Ulrick Brendl, Oberst a. D. Berg, Kommerzienrat Mühling, Doktor Claus und Dialektrollen, wie sein ergreifender Wurzelsepp und so viele andere Charaktergemälde,— und aus dieser willfütlich zusammengewürfelten Gruppe von alten und neuen Gestalten, da leuchtet uns in der Frische der jüngsten Erinnerung sein Chorführer Cajetan entgegen, die vorlitzte Rolle, die er in Göttingen gespielt und deren tieferschütternde Wirkung wieder einmal das große schauspielerische Vermögen Norbert Berstls in hellstem Lichte gezeigt hat! So lange wir Direktor Berstls Kunst bewundern, so lange erfreuen wir uns auch schon an dem köstlich humorrollen Spiel seiner Gattin. Die ernsten und komischen Mütter sind es, denen Frau Franziska Berstl mit den vornehmsten, liebenswürdigsten Mitteln plastisches Leben zu geben weiß. Wie ihr die Frau Miller in Schillers Martha oder Kleists Rull gelingt, so schafft sie gleich vortreffliche Figuren in der Flut moderner Lustspiele und Schwänke und zwar weiß sie die faxenhaftesten Rollen durch ihre individuellen Eigenart in sympathischer und angenehmer Weise zu verkörpern. Wie beliebt Direktor Berstl in Göttingen war, erhellt der Umstand daß ihm die Verwaltung der Stadt Göttingen am Sonnabend, den 31. März einen prächtigen Lorbeerkranz mit Widmung und einem Schreiben überreichen ließ, in welchem dem Künstlerpaar waime Worte der Anerkennung für das erfolgreiche Wirken auf gesprochen werden. Möge dem neuen Theaterdirektor und seiner Frau Gemahlin, in unserer Stadt eine ebenso freundliche Aufnahme beschieden sein, und ihr künstlerisches Schaffen an unserer Bühne mit ebendemselben Erfolg gekrönt werden, als an dem Orte ih.es früheren Wirkens. Lokales und Provinzielles. Bielefeld, 20. August (Leichte Erdstöße) sind, wie aus Rinteln gemeldet wird, am Sonnabend bei einem starten Gewitter im obern Wesergebiet wahrgenommen. Sie hatten die Richztung von Oten nach Westen. (Geh. Sanitätsrat Dr. Steinheim) in Wiesbaden, unser früherer Mitbürger feierle nach dem„Gen. Anf“ kürzlich die fünfundzwanzigjährige Wiederkehr seiner medizinischen Dokto promotion. Von der medizinischen F.kultät zu Berlig wurde ihm Kampf. Eine Geschichte aus bewegter Zeit. Von A. v. Liliencron geb. v. Wrangel. 241(Nachdruck verboten.] Einen Augenblick hingen ihre Augen wie gebannt an dem schneeweißen Haar, dann legte sie dieses teure Andenken mit einem schmerzlichen Seufzer zurück und zog einen Brief aus dem Kästchen hervor. Feuchten Blickes las sie: „Meine Ing! Du Freude meines Herzens! Noch drei Tage, dann bin ich wieder bei dir, und mehr als je sehnt sich mein altes Herz danach, mein vielgeliedtes Kind wieder in die Arme schließen zu können. Ich habe viel erlebt in diesen Wochen, sehr viel. Dinge, die mich bis in das Innerste erschütterten, und ich habe mir vorgenommen, dir alles haarklein zu erzählen, wenn ich bei dir b.n. Du liebes junges Ding, an meiner Hind sollst du dann einen Blick tun auf die Höhen und in die Abgründe des Lebens. Von mir sollst du erfahren, das nicht alles Gold ist, was glänzt, damit du lernst, die Augen offen zu halten, und dich nicht dlenden läßt durch einen bestrickenden äußeren Schein. Wenn ich wieder zu dir komme— so schreib nich dir— wollte ich dir alles erzählen, und doch kann ich es nicht lassen, dir schon heute davon zu sagen. Wer kann wissen, ob er das Morgen erlebt? Seitdem ich vor ein paar Tagen einen häßlichen Anfall meines alten Herzleidens hatte, geht es mir durch den Kopf, daß es auch einmal schnell mit mir zu Ende sein kann. Dieses aber sollst du noch vorher erfahren, entweder durch meinen Mund oder durch den Brief. Du entsinnst dich des Talismans, den ich trug, und weißt auch, welche Bewandtnis es damit hat Nun, wohl, schwere, furchtbar schwere Erfahrungen habe ich mit diesem Jugendfreunde gemacht. Meine Freundschaft zu ihm mußte ich aus dem Herzen reißen, denn ein Ehrloser verdient sie nicht. Der Augenblick, als ich den Talisman von meiner Uhrkette löste, um dem Gewissenlosen dieses Pfand zurückzuschicken, war für mich einer der bittersten. Den Namen sollst du auch jetzt erfahren, denn es könnte geschehen, wenn ich nicht lebte, daß sein Sohn, der junge Mensch, den Gott, wie seinen Vater, mit allen äußeren und inneren Gaben geziert hat, sich um die reiche Erbin bewerben möchte. Es war die Verbindung unserer Kinder ja einst der Lieblingsplan der Studienfreunde! Eben dieser Gedanke bildete auch mit den Grund, daß ich dir des Freundes Namen verschwieg. damit du einst seinem Sohne ganz unbefangen begeguen solltest, völlig unbeeinflußt durch das Band, das die Väter knüpften. Nie darf aber jetzt von einer Verbindung mit dir und dem Sohne meines früheren Freundes die Rede sein. Versprich es mir heilig, Jage, daß, komme, was da wolle, du nie solchen Bewerbungen Gehö: schenken willst, denn der Sohn ist des Vaters getreues Ebenbild. Trotz seiner Jugend hat er...“ Hier war der Brief abgebrochen. Ein langer Strich mit der Feder über das Piper zeigte, daß die Hand des Schreibenden wahrscheinlich willenlos darüber fortgeglitten war. Inge versank in tiefes Nachdenken, ihre Rechte fuhr über die Augen, als wolle sie dort ein Bild verwischen. Hastig schloß sie dann den Brief ein und begab sich zur Ruhe. Am andern Morgen erschien Bella Smith, die junge Engländerin aus der Villa von nebenan, bei Inge. „Wir gehen in Begleitung meines Vaters nach Winkels hinaus," erzählte sie.„Mehreie unserer bekannten Familien sind schon dahin aufgebrochen mit ganzen Körben voll Wein und Lebensmitteln für Preußen und Bayern, die da verwundet liegen. In einer Stunde werden wir die nötigen Vorräte zusammen haben, und dann wandern wir los. Wellen Sie uns begleiten. Ob sie es wokt:. Ja der Lindesmühle am Lager der Verwundeten hatte sie es wie eine Wohltat empfunden, daß sie imstande gewesen war, treuen Kämpfern eine Linderung zu verschaffen. Mit einem fast leidenschaftlichen Verlangen war der Wunsch nach einer solchen Tätigkeit am Morgen wieder in ihr erwacht, als der erste Blick aus dem Fenster auf das hart mitgenommene Kissingen ihr von neuem die Schrecken des Krieges vor Augen führte. Hier bot sich nun Gelegenheit, den Tapferen einen kleinen Liebesdienst zu leisten, und lebhaft, wie die junge Engländerin die kühle Gräfin selten gesehen hatte, versicherte diese ihr, daß sie sich mit tausend Freuden ihnen anschließen würde. Der Onkel stellte Jages Wunsche keinen Widerspruch entgegen, ja er erklärte sogar, daß er für den Tag seinen Diener nicht brauche, und daß dieser ihr einen gehörigen Korb mit Wein nachtragen solle, denn allein könne sie doch nicht all das Gute schleppen, was er den braven Kerls göane.„Freund und Feind, Inge, hörst du? Sie verdienen es beide,“ war der Schluß seiner Rede gewesen. (Fortsetzung folgt.) das Doktordiplom Deputation der# Aerzte überreiche. (Verloren Die Post des 4 spanischen Küste in unterzegangen D. verloren angesehen sind dem Dampfei jenigen Briessendu tinischen Republik, nach Matto Grosso, Chra uisacu, Polosi zugeführt worden, sind in Berlinv bis 31. Juli a vom 30. Juli: Juli abends, vom 31. Juli August nachmit sohlen, von den 2 genanrten Ländern, zugegangen sein# sendung zu bringen m(Statistik) vom 1. Januar 18 stattgefundenen Br der Feucrv#siche währten Ertchädie Stubenbrände si d Aus den Kreisen Minden, 20. A Versammlung.) fand im Restaura besuchte Versachmlut von Minden un zu der Frage der Stellung nahm sprechung der ein solgender Beschluß Die Nerd#eutsche ersucht wrden, vor von 1 Malk für nehmen und im e der Wirte die Steu dieses den Wirten Ausschlag auf das Gußerdem ersucht d einen einheitlie Kantiren= Wirte,# liche Geschäfte einzu des Flaschendie asf 15 Pig. fest Verkäufern, die dies kemnen, die Leser. der Brammlungn wesend; es erolgte der Meinungen. folgzten. Aus den Herford, 18. Am 13. und 14 S dies jährige Besicht bezilk vorhande die Wasserschau K werd n. Die An! werden anfgefordert, Instan setzung der stillen, w.drigenfallt Anwenkung kommen I Herford, 18 stiom Konzert) Hause statt und so auf allzeneinen Wi Konzert am Mittwo Schutznhof statt. y Baldorf, 1 geyalt.— Feu Stzing der Schulv Lehrerbesol ung de 160 Mark#höhl m gehaltliche Gleichstell mit denen der übr: Kreises Hrod dan Heren L####rats um skomm u. Heffentli Gleichstellung nicht warten!— Ein au standenes Schadenseu das Anwesen des 9 Hoist zum Teil ein. Aus dem Werther, 16. A. n, denn gern hätten rnerhin bier ausüben ammenfassenden Rückes deshalb, igkeit mit dem Ende und ihm in der elegenheit, hervorzuvon Norbert Berstls Schauspieler, die ihm Is seine Regieführung n. Das Fach der im Salonstück der ge, i n d e m s i c h s e i n bewährte, oder vielerlin, der Hochschule sich Herr Berstl als ters“ in Haup rollen timmige, entschiedene die Zuncigung des erworben", zitiert tor in Jena=Rudoler seinen Vater in Theaters in Götte des Ruhmes, der ; von Beginn seiner in Göttingen an bis und immer wieder dankbaren Zuhörertischen Presse. Und einem Vorzuge. den gen Bühnenkünstlern gfältigen Schulung als, weder im ruhiim höchsten Affekt und es ihm ermöggewaltigen Organ, den Gestaltungskraft seine Aufgaben, die Wirkungen auszutigen Auge unwilltürWollennein, seines er, Julius Cäsars, auf, und in bunter oderren Figuren an, haffen.— Konsul Oberst a. D. Berg, doktor Claus und eifender Wurzelsepp ergemälde,— und ngewürfelten Gruppe en, da leuchtet uns innerung sein Chorvorlitzte Rolle, die eren tieferschütternde roße schauspielerische in hellstem Lichte rstls Kunst bewuns auch schon an dem einer Gattin. Die sind es, denen Frau ornehmsten, liebensLeben zu geben Miller in Schillers dlingt, so schafft sie der Flut moderner zwar weiß sie die ihre individuellen angenehmer Weise in Göttingen war, ; ihm die Veram Sonnabend, den Lordeerkranz mit en überreichen ließ, far waime Worte erfolgreiche Wirken direktor und seiner Stadt eine ebenso den sein, und ihr nserer Bühne mit werden, als an dem vinzielles. ), 2 0. A u g u s t sind, wie aus n Sonnabend bei m obern WeserSie hatten die Besten. Dr. Steiner früherer Miten. Anf kürzlich iederkehr seiner ton. Von der erlig wurde ihm rsse san orräte zusammen wir los. Wellen der Lindesmühle hatte sie es wie daß sie imstande rn eine Linderung fast leidenschaftBunsch nach einer in wieder in ihr aus dem Fenster ne Kissingen ihr des Krieges vor ch nun Gelegeneinen Liebesdienst die junge Engselten gesehen daß sie sich mit schließen würde. Wunsche keinen r erklärte sogar, en Diener nicht einen gehörigen solle, denn allein Gute schleppen, zöane.„Freund ? Sie verdienen ter Rede gewesen. tsetzung folgt.) das Doktordiplom erneuert und durch eine Deputation der Vereinigung Wiesbadener Aerzte überreiche. #(Verloren gegangene Post) Die Post des am 4 August an der spanischen Küste in der Nähe von Cartagena unterzegangenen Dampfers„Sirio“ muß als verloren angesehen werden. Deutscherseits sind dem Dampfer in Genua u a. die jenigen Briessendungen nach der Argentinischen Republik, Uruguay und Paraguay, nach Matto Grosso, sowie nach den Bezirken Chrg nisac:, Polosi und Tar jr von Bolivien zugeführt worden, welche aufseliefert worden sind in Berlin vom 30. Juli abends bis 31. Juli abends, in Hamburg vom 30. Juli nachmittags bis 31. Juli abends, in Frankfurt(Main) vom 31. Juli vormittags bis 1. August nachmittags. Es wird empsohlen, von den Briefsendungen nach den genanrten Ländern, die dem Dampser„Sirio“ zugegangen sein können, doppelt zur sendung zu bringen. m(Statistik) öber die in der Zeit vom 1. Januar 1895 bis 1. Jaruar 1906 stattzefundenen Brände und die settens der Feucrvnsicherugs Gsllschaften gewährten Eit chädigungssummen.(Kleinere Stubenbrände sird hierbei nicht berücksicht) Aus den Kreisen Minden und Lübbecke Minden, 20. Aug.(WirtevereinsVersammlung.) Donnerstag nachmittag fand im Restaurant Ruschmiyer eine gut besuchte Versacmlung des Wirtevereins von Minden und Umgegend statt, die zu der Frage der Bierpreiserhöhung Stellung nahm Nach eingehender Besprechung der einschlägigen Punkte wurde solgender Beschluß einstimmig angenommen: Die Nerd#eutsche Brauerei Vereinigurg soll ersucht werden, von der Bierpteiserhöhung von 1 Malk für 1 Hekioliter Abstand zu nehmen und im eigenen wie im Jateresse der Wirte die Steuer selbst zu tragen, da dirses den Wirten unmöglich ist, bezw. den Aufschlag auf das Publikim abzuwälzen. Lußerdim ersucht der Verein die Brauereien, einen einheitlichen Bierpreie für Kantiren= Wirte, Konsumre eine und ähnliche Geschäfte einzuführen, sowie den Virkauf des Flaschendieres(½ Liter Inhalt; asf 15 Pig. festzusitzen und devjenigen Veskäufern, die dieser Foederung nicht rachkemmen, die Lestrang zu emziehen.— In der Vrammlung waren 50 Mitglieder anwesend; es er olgte ein recht reger Austausch der Meinungen. 14 Neuaufnahmen er holgten.(9. 9 Kreitb.) Aus den Kreise Herford. Herford, 18. Aug.(Flußschau.) Am 13. und 14 S ptember ct. wird die dies jährige Besichtigung der im Stadt bezirk vorhandenen Flußläufe durch die Wasserschau Kommission vorgenommen n. Die Anlieger bezw. Userbesitzer werden aufgefordert, die Reinigung und die Instan setzung der User dis dahin fertig zu stellen, wdiigenfalls Zwangsmaßregeln zur Anwelkung kommen werden. 9 Herford, 18 Aug.(Das Vogelstiom Konzert) fand vor ausverkauftem Hause statt und fand rauschenden Beifall zuf allzeneinen Wu isch fledet ein zweites Konzerr am Mittwoch abend 8½ Uhr im Schutznhof statt. y Baldorf, 17 Aug.(Lehrer gehalt.— Feuer.) In der gestrigen Stzing der Schulvettretung ist bezl. der Vehrerbesol ung der Atterszulggesatz auf 160 Mark##höht woren. Dadurch ist die gchaltliche Gleichstellung der hiesigen Lehrer mit denen der übrigen Landgemeinden des Kreises Hrod dank den Bemühungen des Heren La###rats um einen Scritt vorwärts sckomm n. Heffentlich läßt nun die völlige Sleichstellung nicht lange mehr auf sich warten!— Ein auf unbek nnte Weise entstandenes Schadenfeuer äscherte heute morgen Anwesen des Neubauers W. auf der Host zum Teil ein. Aus dem Kreise Halle. Werther, 16. Aug.(Inder hiesigen Kirchengemeinde) sind laut„Haller Kreisbl.“ im Jahre 1905 Kinder getauft 165. darunter aus Mischehe 1 und 6 unebelich; Paare getraut 37, darunter 2 Mischehen; konfi miert 147, daranter 1 aue Mischehe; kirchlich beerdigt 96. Die Zahl der Kommunikanten betrug 5105. Aus den Kreisen Wiedenbrück und Paderborn. Gütersloh, 17. August.(Selbstmord.) Heute morgen fand ein Gemeindediener in einer Heck: in Blankenhagen den Rentenempjägger frühern Heuerling Heinrich Hornberg erhängt vor. Der Verstorbene ist nach der„Bielef. Volkszig.“ ein Mann von 85 Jahren und soll an einem bdsartigen krebsartigen Geschwüre der Unterlippe gelitten haben, was ihm viele Socge machte. Er wird in einem Anfall von Schwermut die unselige Tai verübt haben. Gütersloh, 18 Auzust.(Die neuerbaute Schule) in Pavenstädt II wurde gestern durch den Lokalschulinspektor Pastor Meinshausen eingeweiht. Paderborn, 15. August.(Die Offizierreitschule) wird am 1. Oktober eröffget. Die Kurse beginnen jeweilig am 1. Oktober und dauern bis zum 1. Juni. Der Stamm der Reitschule besteht aus einem Stabsoffizier, 2 Rittmeistern, 1 Oberleutnant als Reitlehrer, 1 Oberarzt, 1 Veterinär, 1 Zihlmeister, 1 Wachtmeister, 10 Unteroffi zieren, 1 Sanitätsunterossizier, 1 Tronpeter und 44 Mann ferner aus 52 Dienstpferden. Rheda, 17. August.(Verschiedenes.) Die Besitzung des Anstreichers Kramme und der Wittwe Bentlage sind gestern niedergebrannt.— Im evangelischen Krankenhaus sind nach dem„Gen. Anz.“ zwei Dienstwädchen am Typhus erkrankt. Aus den Rez=Bez. Münster und Arnsberg. Schwerte, 17. Aug.(Vermählung.) Im Schlosse auf Haus Ruhr fand gestern die Hochzeit der jüngsten Tochter des Frei herrn v. Rheinbaben mit dem Grafen v Wedel statt. An der Feier nahmen Prinz Friedrich Heinrich von Preußen, Sohn des Regenten Albrecht von Braunschweig, und Finanzminister von Rheinbaben teil. Soest, 16 August.(Seminar.) Auf seinen Antrag wird am 1. Oktober d. Is. Seminarlihrer Grosse nach dreißigjähriger Tätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand treten. Naesfeld(Kreis Borken), 16. August. (Die goldene Hochzeitsfeier) der Eheleute Elkan ist dadurch jäh unterbrochen worden, daß der Blitz in das Haus einschug, in dem eine Gesellschaft von 60 Personen versammelt war. 25 Personen wurden betäubt, konnten aber, ohne erheblichen Schaden zu erleiden, ins Freie geschafft werden. Das Haus brannte eis auf den Grund nieder. Ibbenbüren, 15 Aug.(Ein ehrenvoller Ruf) ist an den Volksschullehrer Hermann Barta in 2 örenthe ergaggen. Er wird am 1. Oktober d. J. ale Lehrer und Erzieher der Söhne d.s österreichischen herzogs Franz Salonor nach Wien übersiedeln. Lünen(Wests.), 17. Aug.(Giftige Pilze) Eine Bergmannsfamilie erkrankte infolge des Gerusses giftiger Pilze. Die Frau und zwei Kinder sind laut„Rh.-Wests. Ztg.“ bereits gestorben, der Mann liegt hoffnungslos darnieder. Aus den Nachbarprovinzen und Staaten. Detmold, 18. Aug.(Fürst Leopold zur Lippe.) der seit acht Tagen in Titol zur Jago weilt, hat seinen Aufenthalt einiger Rezierungsgeschäfte willen unterbrochen und die Reckeetie per Automodil nach Detmold angetreten. Er trifft hier voraue sichtlich am Sonntag ei Salzuflen, 18. August.(Tötlicher Unfall.) Während eines herrschenden Un wetters suchte der Steinbruchpächter Beiner Schitz hi ter einem großen F.löblock. Plötzlich lösten sich die Steirmassen und begruben Beiner unter sich. Er wurde total verquetscht, der Too trat sofort ein. Kassel 18. Aug.(Unsall) Ein mit Kurgänen besetzter Wagen der elektrischen Straßenbahn stieß auf der Fahrt von Wilhelmshöhe nach Hercules mit einem Güter wagen zusammen. Sechs Damen wurden nach der„Rh. W. Zig.“ verletzt. Essen 18. Aug.(Unsall) In Mülheim(Ruhr), fuhr ein durchgehendes Fuhr werk in die die Rückkehr des hier garnisonierenden Insanterie Regiments erwartende große Meischenmenge. Fünf Personen wurden sch per verletzt. Elberfeld, 18. Aug.(Verhaftung.) Unter dem Verdacht, vor etwa 15 Jahren einen Lustmord an der 17jährigen Näherin Amalie Mandel aus Huecarde bei Dortmund begangen zu haben, wurde heute von der hiesigen Kriminal= polizei ein 41jähriger Hausierer von hier festgenommen. Der Mord wurde am 24. Dezember 1891 in der Nähe von Hagen i. W. verübt. Die Erdbeben=Katastrophen in Südamerika. Die Niw Yorker Firma Wessel Duval& Co. erhielt folgende Depesche aus Valparaiso:„Die Stadt ist nahezu zerstört Einzelheiten folgen später, wenn die Erdstöge aushören“ Unterm 19. August wird aus New York gemeidet: Den neuesten Nachtichten zufolge beträgt die Zahl der Toten in Valparaiso über 500. Die tele greph sche Verbindung zwischen Valparaiso und Santiago ist noch unterbrochen, Meldungen werden durch Boten übermittelt. Nach anderweiten Nichrichten trat das Erdbeben Mittwoch abend 8 Uhr ganz plötzlich ein, ohne daß irgend welche Anzeichen vorausgegangen waren. Sofort nach dem ersten Stoß brach Feuer aus. Jeder öffertliche Verkehr hatte ausgehört. Die Panik und der allzemeine Schrecken, der hiersuf folgte, war unbeschreiblich Die dem Tode ent ronnen waren, gebärdeten sich wie wahnsinnig vor Angst und konnten den Verunglückten wenig Hilfe leisten. Valparaiso zu deutsch: Tal des Paradieses, ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, am Großen Ozean gelegen, und die blühendste Hafenstadt von Chile, mit etwa 160000 Einwohnern. Sie besitzt ein großartiges Zollhaus, riefige Speicher, Schiffswersten, Eisenbahnwerkstätten, und steht in regel wäßigem Dampferverkehr mit Europa. Schon einmal, im Februar des Jihres 1835 zerstörte ein heftiges Erdbeben den größten Teil der Stadt.— Aus Santiago de Chile sind keine Nachrichten eingetroffen. Man fürchtet, das die Stadt dasselbe schlimme Schicksal gehabt hat, wie Valparaiso. Auch die Stadt Los Santos soll schwer gelitten haben. In Argentinien haben gleichzeitig verheerende Erdbeben stattgefunden. In der Hauptstadt Buenos Aires herrschte zwar groß: Panik, doch sind die Zerstörungen unbedeutend. Die Pariser Familien, die mit Chile und Argentinien in Beziehungen stehen, siod in großer Socge. Schweren Schaden erlitt dagegen Mendoza. Nach einem Telegramm aus Buenos Aires uder New=Ynk ging die Erschütterung von Valparaiso aus süblich den Stillen Ozean ent lang, überschritt die Anden und berührte die Oküst=. In Rosario verursachten fünf Erdf'öße erheblichen Schaden, ebenso in Arana Rioya, San Luis und Tacman. In Tacimio vefi et sich das Regierungspalais unter den zerstörten Gebäuden. Aus Horo'ulu wird telegraphier:: Nach drahtlosen Depeschen aus Hawas, Mani und Hilo segte dort Donnerstag nacht eine fünf Fuß hohe Flutwelle die Inseln entlang. Sie gab sich in der eing schlossenen Bucht durch eine b she noch nie veobachtete hestige Brandung zu ekngen Deutsche Versicherungs Gesellschaften nerden durc; die Kotastrophe zwar in Muleidenschaft gezoger, es heißt aber, daß sie durch Räckoersicherungen und besondere Erdbebenklauseln geschötz seien. Die Verluste Hamburgs scheinen nach dort eing=troff nen Kabelmeldungen nicht allzu bedeutend zu sein. Vermischtes. Nürnberg, 18. August Gestern nachmittag 6 Uhr kam es hier zwischen Ardeitswilligen und Ausständigen zu einem Zusammen: stoß. Ein von Ausständigen stark bedrängter Arbeitswilliger machte von seinem Revolver Gebrauch und schoß dreimal auf seine Verfolger. Ein 29jähriger Schlesser wurde dreimal getroffen und schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Der Täter wurde verhaftet. Kiel, 18 August. Nach Mitteilung des Kanalamts kann die Stille im Kaiser=WilhelmKanal, an welcher gestern der Leichter„Minna Kiehr“ gesunken ist, jitzt von Schiffen jeder Größe passiert werden. Posen, 18. August. In 11 Wirtschaften in Waldheim bei Wronke verbrannten 9 Wohnhäuser und 18 Wirtschaftsgebäude. Viel Vieb, besonders Schweine, sonstiges Invertar und die gaoze Ernt. wurden vernichtet. Die Besitzer sind nicht versichert. 25 Familien sind obdachtos und an den Bettelstab gebracht Innsbruck, 18. August. Der Oberlehrer Oberbeck aus Aachen ist von der Weißen Spitze im Konnser Tale abgestüczt und ums Leben gekommen. Oberbeck unternahm die Tour ohne Führer. Mailand, 17. August. In der Mailänder Ausstellung ist gestern an drei verschiedenen Stillen Feuer ausgebrochen: in der landwittschaftlichen Abteilung, im russischen Pavillon und im Schaupzlast der Nordpotreisen. Jedesmal wurde das Fruer rechtzeitig gelöscht. Aus Anlaß des Feuers im russischen Pavillon wurden vier Verhaftungen vorgenommen. Rio de Janeiro, 19. August. In Campos ist die Pest ausgebrochen; in der Stadt herischt große Panik, die Einwohner flüchten. Bernay, 18. August. Heute abend geriet hier ein Automobil, worin sich der 88jährige, in Kairo geborene Prinz Ibrahim Mohammed besand, vor die Lokomotive eines Eisenbahnzuges der Strecke Paris=Cherbourg. Das Automobil wurde vollständig zertrümmert. Der Zustand des Prinzen erscheint hoffnungslos. Der Chaffeur ist bereits seinen Verletzungen erlegen. (Vonchinesischen Räubern geplündert) Aus Kanton wird telegraphiert: Der britische Dampfer Kwanping ist am 15. August auf der Höhe von Kwai Tichu Hau von 80 verkleideten Passagieren geplündert worden. Die Räuber entkamen in einem Boote Nach einer bis her unbestätigten Nacheicht sind ihnen 6000 Taels in die Hände gefallen und 20 Personen, zum Teil Pessagiere, zum Teil Mannschaften, von ihnen verwurdet worden. (Veränderte Situation.)(Im Kontor) Geschäftsinhaber:„Sie wünschen mich zu specchen? Bitt=, nehmen Sie Platz!“— Herr:„Ich wollte mir erlauben. Ihnen diese Rechnung zu präsentieren!"— Geschäftsinhaber:„Stehen Sie wieder auf!“ Oeffentlicher Wetterdienst. Dienststelle: Meteorologisches Observato rium Aachen. Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 20 bis zum Abend des 21. August 1906. Mäßige westliche Winde, verändetliche Bemölkung, zunäcst trocken, später Niederschläge, etwas wärmir. Uebersicht der Witterung. Bielefeld, 20. August 1906. Mitgeteilt von Fr. Böckelmann Ww., hier. Niedrigst. Thermometerstand in der Nacht+ 10½ Thermometerstand um 10 Uhr vorm.+ 15 Barometer 74,9 cm. Wind: Süd West. Himm=: teilw. bedeckt Neueste Nachrichten. Paris, 20. August. Privaimeldungen aus St. Jazo de Chile zufolge, ist daselbst der Schaben nicht so groß, um von einem Ruin der Stadt sperchen zu können. Die stänischen Behörden und pr.vaten Versicherungen treffen bereits Veranstaltungen, um Va paraiso beizustehen, sopald der Verkehr aufgenommen werden kann, was für heute erwartet wird. Die Pariser Ausgabe des „Pieuska“ von Buenos Ay es erhielt abends eine D vesche, wonach die Zail der Opfer in Chile 11000 bet#a#en soll. Der größte Teil hervon entfällt auf die volkereichsten Stadtteile Valparaisos und auf die Döefer des fuhtbaren###co ciouantales. Die Zihl der in der Nähe der Stadt Mesipine oldachlos Lagernden beträgt 60000. Diese erzählen, deß dem Eröbeben ein tropischer Regen vora-fgegangen ist, der einige, sich Valparaiso nähernde Züze zum Stillstehen zwang. London, 20. Aug. Das Auswärtige Amt erhielt ein Telegramm vom britischen General konsul in Valparaiso, das die enormen Zerstörungen an Grundstücken und die großen Verluste an Menschenleben bestätigt. New=York, 20. August. Alle bisherigen„Schieckensnachrichten über das Erdbeben sind durch Landberichte via Galveston übertroffen worden. Die wenigen Gebäuoe in Valparaiso, die dem Erdbeben entgingen, fallen den Flammen zum Opfer und am Sonnabend wurden die schauerlichsten Szenen von den noch brennenden Gebäuden beleuchtet. Die Behörden schätzen die Zahl der Toten auf 5000, doch zirkulieren Gerüchte, daß 10000 Menschen umgekommen seien. Die Flüchtenden drängten sich auf den Schiffen wie Schafe zusammen. Alle Versuche, Ordnung zu schaffen, scheitern an der allgemeinen Kopflosigkeit. Das Standrecht wurde pro klamiert, weil die Arbeiter wegen der noch herrschenden Erschütterungen sichweigern, helfend einzugreifen und Plünderungen begonnen haben. Das Erdbeben hat nur wenig Gebäude unbeschädigt gelassen. In St. Jago de Chile sind 30000 Menschen getötet und der Schaden wird auf 2 Millionen Dollar geschätzt. Was in den Provinzen passiert ist, wird nur geraten. Die Eisenbahn Tunnels sind verschüttet und der Verkehr mit dem Inland ist vollständig unterbrochen. Die englischen Versicherungsgesellschaften sind am meisten betroffen, doch enthalten die Polizen starke Erdbeben klausel. Das Fortschreiten der Magen=Darmkatarrhe der Säuglinge wird am besten durch Ernährung der Kinder mit Kufekes Kindermehl, in Wasser gekocht, ohne Zusatz von Milch, verhindert. Kufekes Kindermehl bietet den Darmkrankheitserregern einen schlechten Nährboden dar, bringt dadurch die Gärungsvorgänge im Darme zum Stillstande und beschränkt somit die Krankheit. Außerdem ist Kufekes Kindermehl aber auch ein ausgezeichnetes, leicht verdauliches Nahrungsmittel, welches vermöge seines reichen Gehaltes an Nährstoffen sehr gut zur ausschließlichen Ernährung der Säuglinge dienen kann. Erkrankte Kinder erhalten daher im Kufeke=Mehle selbst beim Fortlassen der Milch eine vollkommen genügende Nahrung. Für an Magen=Darmkatarrhen leidende Kinder kocht man 1 Eßlöffel Kufeke=Mehl mit 1 Liter Wasser 25 Minuten und gibt ihnen davon alle 2 Stunden, soviel sie trinken wollen. P Rottastttell. „A— Zur Herbstbestellung ist der billigste und bewährteste Phosphorsäuredünger. Man achte auf die Schutzmarke! Vor minderwertiger Ware wird dringend gewarnt. 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A beiter Hermarn Hollmann, Detmolderstr. 172, Schieferdeckermeister Konrad Tuxhorn, am Damm 14, Arbeiter Paul Horstorink, Eduard Winddorststr. 16, Eiser dre her Julius Berkemann, Oststr. 20,.beiter Wilkelm Stu hahn, Bleichstr. 149(Zwilling siehe Töchter), Arbe ter Karl Klocke. No dstr. 21, Kaufmann Ernst Spanier. Rathausst:. Hausdiener Wihelm Ruve, Feilenste 31, Dricheler Wltelm Sundermeyec, Schmiedestr 19. Kaufmann Arnold Wirtzer, Kavoll=riestr. 28. Lehrer Karl Thöne, Wertberstr. 94, Postassistent August Menk:, Ellerstr. 36, Kaufmann Otto Bovensiepen, Kaiserstr. 44. b) Töchter. Lokomosivh izer Gustav Brünig, Schmiedestr. 4, Schmied Franz Sch midt, Mellerstr 63, Kirche diener Joseph Kalwet Turmstraße 2 Klempner Robert Vögeding, Jöll=ndeckrste. 75, Bäcker Hei rich Prüf meirer Ehlentrupperaeg 48, Versicherung sag nt Heinrich Dioste Heinrichstr. 31. Schlossermeister Wilhelm Deppe, Kaiserstr. 68, Locki rer Auust Möller, Heeperstr. 86, Schuhmacher Christian König Bleichstr 197, Arbeiter Christian Hof. Wb.reistr. 30, Architek: Rudolf Misserschmitt Gr. Kurfürsterstr. 76, Buchbinder Bettold Horstmann, Hallerweg 7, Arbeiter Wilhelm Sturbahn Bleichstr. 149, Sckuhmacher Wilzelm König, E gerschestr 57, Tischler PeteWeymier Schileestestr. 95. Aufgeboten: Kurzwar nkändler Ferdinand Otte, Alserstr 8 u vrw. Wasch. meister Ha ersi k, Emilie geb. Meise, Arndistr. 52, Geschäftsreisender H in ich Bo:, Witt n u. Marie Pamp. Al städt rkirchstr. 8, Arbeiter August Schlichthaber, Siegf i dstr. 59 u. Wilh lmine Schiermyr Siechenmarschstr. 49, Tischler Hermann Weoer, Stadtbeiderst, 42 und Klara Wehmayer, Oenobrückerstr. 25 Bochbinder Friedrich Doht Langenhagen 26 u. Anna Striefhörster, Nordste. 24, Kaufmann Hugo Heymenn. Wiesbaden u. Helene Jockusch, Herforderstr. 9, Staat. anwalt Dr. Kuro Dommes, Bilmukstr. 1 u. Else von Redern, Siekerwall 3 Berehelicht: Schreider Gustav Paape und Luise Niemand, Himich Schueßler und Hulda Peschel, Gerichtsassessor Otto Ederhard und G rtrud Huckzermeier, Schneider Au ust Budde und Heuriette Döcker, Schmied August Meißner und Minna Welsch, Schneider Augist Rautert und Johanne Düning, Knecht Ferdinand Emes und Auguste Eikermann. Sterbefälle: Schlosser Richald Liebig, 77 I: Erna Fiebich, 1 Mt; Mädchen Sturhahn, 3 Tg; Anna Möller, 1 Tg; Anra Arold 1 J; Lus Tappem ier, 10 Mt; Emil Büscher 1 Mt; Rertnerin Emilie Ising, 70.; Kaufm nn Wilhelm Görling, 49.; Tischlr Dietrich Ellerdrock, 37 J; Schuhmachr Karl Werhak, 56 J; Heinrich Bapora, 3 Mi; Verwitwete Maurer Krelle, Friederike geb. Claus, 9 J; Magazinv rwalter Wildelm Weselmey#r, 52.; Kaufmarr Hermann Lohmann, 68 J; Marie Ruschenröhler, 3 Mt.; Verw. Stations vorsteher a. D. Deichmann, Katharine ged. Stu-han, 72 J; Karl Michaelis, 9 Mi; Paul Duhme, 3 Mt.; Marie Salmen, 11 Mi.; Buchdruckerei K. 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Tenstee Kn Verantwortlich für den redaktionellen Teil Hermann Lauge, für den Reklame= und Inseraten=Teil R. Trautmann, Druck und Verlag von A. von der Mühlen, sämtlich in Bielefeld. Nr. 195. Vierteljährlich #nder Geschäftsstelle u. an allen Postanstalten 1., bei täglicher Zu#ellung in Bielefeld .20., durch Briesträger 1,42 M. Sistorischer 21. August: Wil England, geb. 1765.— Bernadotte wird zun erwählt 1810.— John 2 geb. 1820.— Adalbert gest. 1838.— Wieder parlaments, 1902. Sozialdemokre Vor zwei Jahren „Anarcho Soztalisten“ Herrn Friedeberg zue und der blutigen Tat. sie wüterd an als Ber des Proletartats. Da mit dem Arschwellen der der wilde Löwenmut, er selbst das blutige## Generalstreiks. Als Polizei sich auf dem 21. Januar, den die des Gaponsonntag zu benutzen wollten, in ha lief, kroch er ängstlich geschobenen Stellung als er mit Entsetzen welcher Weise er sich v aller Welt mit diesen von Großmäuligkeit ur habe, vergriff er sich al Gewerkschaftskommission des Verhandlungsproto und veröffentlichte dies wurf des ungeheuren lieber die Preisgabe Gewerkschaften und Par Preit gabe der inneren als daß der Arbeiter dürfe, in wie unerhö schwindelt und betrogen, Leichtsinn im Jacuar ihrer wirtschaftlichen Durchführung des P spielt sei! Die ganze Partei ist der Löwenhaut, für ew die Krochen blamiert! folgende beide Aussagen: Silberschmidt(Sei Nach einer eingehenden D Teile ihre Ansichten ausspi daß er sich die Sache so vorste, alle Ursache habe, den politise irgend möglich, zu verhind lägen die Verhältnisse so, Preußen— litzteres sei ein Staat, wie er in der We käme—, daß eine glückliche Massenstreiks nicht gut mögl Es sei daher der Parteivorst letzten Zeit allen derartig Streik in Szene zu setzen, neutes Hört hört!), so in Hamburg und Preußen, von schläge kamen, und insbeson sei, Auffassung des Parteiv Möglichkeit der Inszenieru Massenstreikes entgegenzuwirk Maurer Päplow(S Auch der Parteivorstand h müssen, daß der preußische bar ist mit Rußland, daß mit so ungeheuren Waffen jeder Massenstreik, jede Vorb tion niedergeschlagen würde. dem Parteivorstand reichlich 21. Januar.(Sehr gut!) 2 daß die Parteileitung in gute Bemerkenswert waren führungen des Geweiksc daß die Sozialdemokratie wage, was sie sei. „Uasere organisatorischen Kr unseren öffentlichen Aeußerut das wissen, befinden wir uns ten Kor flikte mit uns selbs gehilfe Poecksch erinnerte an Wort, das ein Genosse gelegent Konfliktes gesprochen hat un tritt die Erscheinung zutage, Rußland diejenigen, die die R Henker am allernächsten stehen, jenigen, die die Radikalen spie den Gehältern von 5000 bis