S 8 2 5 S 8.9 B S S 855 5 S9ER 5 8 S.95 &mm. S S 2. Ser S S 5 8 1988 n TS 9—S— S• 88 S. S 0 8 9591 S S S5 S S 5ii S a.as 59.95 *0*" 8S S S.6 E * Ses. S g*• S S. 8 S sgs S. S, S 12 ### 8 R 8. S S. 64 S 9 5 22 Sp a * E:: a S 8 . 1 S#" S—* S S. 9 E S S S 5 S 2 S 5 S S 2#C9 2 SxSA S 55 5 6 55 8 5 5 88S8 a FG S 2.6. S. S D: E FEE S 5 S. PFE S 7 8 5 55 . e S S 55 S2 S3 S SS. SEg S a S 8 SSEn a 5 8 8 S 6 T S S 58 55 9 5 0 Die„Schwerer Zetung“ erscheint täglich außer Feiertags. Bezugspreis. 2.10vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchenl. Gratsbellage:„Ilustrierter Familienfreund“ u. tägl. Unterhaltungsbatt. Anzeigenpreis:. Diesiebengespaltene Petitzelle oder deren Raum 20 Pig., Reklamezeile 50 Plo., Jodter Naboan gl alesasenedot underlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen, gerichtlichen Klagen und Nichtbeachtung der germachaen Socthungcheloungn Funkuehtes Kresssiatt Welthofenes Zeitung Langscheder Zeitung Aeprtes Tehltten Verbunden mit: für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Uolkazeitung Schwerter Tageblatt O Schwerter Anzeiger Gelles und alteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeigen für den Kreis Görde m Haupt-Ranoncenblaß ane hrie und iehtalpelzgelchen Bruck. nungen für den Kreis Hörde erlangen geuch Behanntmachung der Königlichen Nagterung durch Verössentlichung in den„Schurug Zetung“ rechtsverdindliche Kuoft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Adomen. ten für jeden mit Tod endenden Unfall geBeöingungen 300 Mk. Unfall. Druck u. Verlag v. Carl Braus, Schwerte=Nuhr Feiasp=62. Telegr.=Adr. BrausSchwerte=Ruhr 48. Jahrgang. Weilerer Das Dorf Fresnes im Sturm genommen.— Erfolge in der Champagne. Stsa Hs Ii ausie unn a. uuldeVon der Kriegsanleihe. Zeichnungen bei der Post. Die Post ist als Vermittelungsstelle für die Zeichnungen auf die 4. Kriegsanleihe wiederum tätig. Wer sich also dieses bequemen Weges bedienen will, dem steht jeder Postschalter zur Verfügung. Wie bei der dritten Anleihe ist auch diesmal der gesamte Verkehrsapparat der Post(also nicht nur an solchen Orten, die keine öffentliche Sparkasse haben) in den Dienst der Kriegsanleihe gestellt. Nur zwei Umstände sind zu beachten: 1. Daß die Post nur Zeichnungen auf die 5prozentige Reichsanleihe(nicht auch solche auf die 4½prozentigen Reichsschatzanweisungen) entgegennimmt; 2. daß die gezeichneten Beträge spätestens am 18. April voll bezahlt sein müssen. Sie können schon am 31. März bezahlt werden. Andere Einschränkungen bestehen nicht. Wer bei der Post zeichnen will, kann sich an jedem beliebigen Schalter einen Postzeichnungsschein geben lassen. In den Landbestellbezirken und in Orten bis zu 20 000 Einwohnern wird allen Personen, die als Zeichner in Frage kommen, der Zeichnungsschein ins Haus gebracht. Ueber die Zeichnungsbedingungen geben die in den Zeitungen veröffentlichen Prospekte und ein besonderes Merkblatt, das an jedem Schalter zu haben ist und in kleineren Orten auch ins Haus gebracht wird, Aufschluß. Es ist gar nicht möglich, daß über irgend eine Frage Unklarheit bestehen kann; denn die Presse sorgt fortlaufend für Besprechung aller wichtigen Einzelheiten, und wer ernsthaft daran denkt, sich an der Zeichnung zu beteiligen, der nimmt sich wohl die kleine Mühe, sich über alle Voraussetzungen zu unterrichten. Schwierigkeiten irgendwelcher Art gibt es nicht. Die Postzeichnungsscheine, die einen Vordruck enthalten, werden ausgefüllt: Betrag der Zeichnung, Name, Stand Wohnort und Wohnung des Zeichners. Dann werden sie entweder am Schalter abgegeben oder in einem unfrankierten Umschlag mit der Aufschrift „An die Post“ in den Briefkasten gesteckt. Durch die Post erhält dann der Zeichner eine Zahlungsaufforderung mit einer Zahlkarte zugestellt, die der Zeichner selbst auszufüllen hat. Mit dieser Karte begibt er sich zu der Postanstalt, bei der die Zeichnung erfolgt ist, und zahlt dort den zu leistenden Betrag ein. Auf dem Lande kann die Einzahlung durch Vermittelung des Briefträgers erfolgen, bei dem die gewünschte Auskunft über das einzuschlagende Verfahren einzuholen ist. Die Einzahlungen haben, wie schon gesagt, bis zum 18. April zu erfolgen. Die Verechnung der zu zahlenden Summe ist eine ganz einfache: Der Preis der 5prozentigen Reichsanleihe beträgt 98,50 Mark für je 100 Mark Nennwert. Wenn nun am 31. März Vollzahlung geleistet wird, müssen dem Zeichner Zinsen für 90 Tage vergütet werden, weil der Zinsenlauf der Anleihe erst am 1. Juli beginnt. 5 Prozent Zinsen auf 90 Tage für 100 Maik machen 1,25 Mark aus. Es sind also statt 98.50 nur 97,25 Mark für je 100 Mark zu entrichten (die gezeichneten Beträge müssen in vollen Hunderten aufgehen, da das kleinste Anleihestück über 100 Mark lautet. Es können also nicht 150, 250, 350 usw. Mark gezeichnet werden, sondern nur 100, 200, 300 usw.) Bei Vollzahlungen, die nach dem 31. März bis zum 18. April erfolgen, werden Zinsen für 72 Tage berechnet. Das heißt von 98.50 Mark wird 1 Mark abgezogen. Der Preis stellt sich also auf 97,.50 Mark. Wer 200 Mark zeichnet und nach dem 31. März zahlt, hat also zweimal 97.50 gleich 195.— Mark zu entrichten. Bei 1000 Mark sind es zehnmal 97.50 gleich 975.— Mark. Die Rest gimmt euch Anmeldungen auf Deutscher Tagesbericht. hielt es sich auf mittlerer von Zusammenstößen wtb. Großes Haupiquartier, 7. März 1916. Westlicher Kriegsschauplatz. Kleine englische Abteilungen, die gestern nach starker Feuervorbereitung bis in unsere Gräben: nordwestlich von Vermelles durchgedrungen waren, wurden mit dem Bajonett wieder zurückgeworfen. In der Chawpagne wurde in überraschendem Angriff östlich von Maison de Champagne unsere Stellung zurückgewonnen, in der sich die Franzosen am 11. Februar festgesetzt hatten; 2 Offiziere und 150 Mann wurden dabei gefangen genommen. In den Argonnen schoben wir nordöstlich von La Challade im Anschluß an eine größere Sprengung unsere Stellung etwas vor. Im Maasgebiet frischte das Artillersefeuer westlich des Flusses auf; östlich davon Stärke. Abgesehen von Erkundigungstrupps mit dem Feinde kam es zu Nahkämpfen. In der Woevre wurde heute früh das Dorf Fresnes mit stürmender Hand genommen. In einzelnen Häusern am Westrand des Dorfes halten sich die Franzosen noch. Sie büßten über 300 Gefangene ein. Eines unserer Luftschiffe belegte nachts die Bahnanlagen von Bar le Duc ausgiebig mit Bomben. Oestlicher Kriegsschauplatz und Balkan=Kriegsschauplatz. Die Lage ist im Allgemeinen unverändert. Oberste Heeresleitung. WTV Wien, 8. März.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 7. März: Russischer Kriegsschauplatz. Bei Karpilowka warfen Abteilungen der Armee des Generalobersten Erzherzog Joseph Ferdinand den Feind aus seiner Verschanzung und setzten sich darin fest. Nordwestlich von Tarnopol vertrieb ein österreichisch=ungarisches Streifkommando die Russen aus einem 1000 Meter langen Graben. Die feindliche Stellung wurde zugeschüttet. Sowohl in bucheintragungen entgegen. Alles Notwendige erfährt der Zeichner am Schalter. Die Wahl des Reichsschuldbuches verursacht keine besondere Mühe, bietet aber außerordentlich große Vorteile: Kostenlose, sichere Unterbringung des Anleihebesitzes, Befreiung von aller Sorge um Verwahrung und Verwaltung, regelmäßige Zusendung der Zinsen durch die Post oder fortlaufende kostenlose Ueberweisung derselben an die Bank, Sparkasse oder Genossenschaft des Gläubigers. — Deutscbland und Japan. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt unter der Ueberschrift„Deutschland und Japan": Verschiedentlich wurde verbreitet, der Bruch zwischen Japan und Deutschland hätte deutscherseits vermieden werden können. Die deutsche Regierung habe die Gelegenheit zu einer Verständigung mit Japan versäumt. Japan suchte während der letzten Jahre eine politische Annäherung an Deutschland und bot sogar noch kurz vor Kriegsausbruch zu einer friedlichen Auseinandersetzung wegen Kiautschous die Hand. Die deutsche Regierung war aber so verblendet, alle Angebote und Annäherungsversuche, die u. a. in Form eines Anleihegesuches an sie I herangetreten seien, zurückzuweisen. Diese Erzählungen sind müßige Erfindungen, die jeder tatsächlichen Grundlage entbehren. Wir sind ermächtigt, festzustellen, daß die japanische Regierung niemals und in keiner Form an Deutschland mit Anregungen der behaupteten Art herangetreten ist. Was insbesondere die Zeit kurz vor dem Bruch mit Japan betrift, so hat das japanische Kabinett mit dem damaligen Minister des Auswärtigen Baron Kato nicht nur keine Verständigung vorgeschlagen, sondern jede Verhandlung dieser Gegend als auch am Dujestr, wie an der bessarabischen Grenze war gestern die Geschütztätigkeit beiderseits reger. Italienischer Kriegsschauplatz und Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Keine besonderen Ereignisse.4 Der Stellvertreter des Chess des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. 1 Der Krieg gegen Frankreich. Die Lage bei Verdun. TU Rotterdam, 7. März. Depeschen aus Paris besagen: Die Lage bei Verdun ist stationär und befriedigend. Die Umgebung von Douaumont bleibt das Zentrum der Tätigkeit des Feindes, der uns weiter den Besitz des Dorfes streitig macht, ohne uns aus der unmittelbaren Umgebung des Dorfes vertreiben zu können. Die Deutschen breiten ihr Artilleriefeuer gegen die französische Stellung immer mehr aus; besonders zwischen dem Wald von Landremont und dem Fort Douaumont nahm die Beschießung an Heftigkeit zu.— Aus London wird gemeldet: Zur Beruhigung des englischen Publikums versuchen die englischen Blätter noch immer, die Ereignisse von Verdun als einen Sieg der Franzosen darzustellen, wobei die Blätter sich besonders bemühen, die deutschen Verluste als ungeheuer auszumalen. Lord Northeliffe, der die Front in Frankreich besucht hat, erklärt jetzt in den„Times“, die französischen Verluste seien unbedeutend. Unter den Gefangenen seien deutsche Soldaten aus allen Reichsteilen. Lord North= cliffe lobt den glänzenden Gefechtswert, die gute Vorbereitung und die gewaltigen Granatenvorräte der Franzosen; alles sei prächtig organisiert; die Männer, die auf französischer Seite die Leitung hätten, seien alle verhältnismäßig jung. Die Franzosen fühlten sich dem Feind gewachsen, selbst wenn dieser dreimal so stark wäre. Bennruhigung in Paris. Berlin, 7. März. Das„Tageblatt" berichtet aus Genf: Der gestrige(Samstags)=Bericht Joffres rief in Paris Beunruhigung hervor, weil die dort verbreitet gewesenen Privatmeldungen über enorme französische Verluste bei den aussichtslosen Angriffen gegen das Dorf Deuaumont dadurch aher bestätigr als entrrafter wurden. Die Militarkritiker Berthaut und Rousset, welche für den Heroismus der französischen Verdun=Truppen uneingeschränktes Lob finden, erklären, daß die dortigen Generale nicht ganz auf der Höhe ihrer großen Aufgabe seien. Der Pariser Autoverkehr wurde mangels Benzinzufuhr teilweise eingestellt. Auch der Eisenbahn= und Binnengewässerverkehr wurde durch mehrfache Ursachen stark verringert. Zu den Kämpfen bei Verdun. TU Paris, 8. März. Die Havas=Agentur verbreitet nachstehenden Bericht über die Ereigaisse an der Westfront: In dem seit vielen Tagen bestehenden Stande der Dinge um Verdun ist eine Aenderung eingetreten. Der lokale Kampf an dem rechten Ufer der Maas ging gestern auf das linke über, und zwar zwischen Bethincourt und dem Fluß. Den Deutschen gelang es, das Dorf Fresnes zu besetzen; der Gewinn brachte ihnen jedoch keinen einzigen Vorteil, denn wir bleiben kräftig verstärkt in unserer Stellung auf der Cote Dié. Die Besetzung des Dorfes Forges blieb ohne Einfluß auf das Ergebnis der Schlacht bei Verdun, deren Ausgang mit vollem Vertrauen abgewartet werden kann. In der Champagne blieben die deutschen Angriffe erfolglos. Diese Angriffe haben den Zweck, unsere Truppen auf der ganzen Linie zu beschäftigen, um die Zusammenziehung von Verstärkungen zu verhindern. Die Eroberung von Fresnes. bb Berlin, 8 März. Der militärische Mitarbeiter der„Berl. Morgenpost“ schreibt: Die Kanonen haben vor Verdun immer noch das Wort, während die Infanterie im allgemeinen auf abwartendes Verhalten angewiesen ist und sich auf den Ausbau und die Behauptung der früher eroberten Stellungen beschränkt. Immerhin ist es ihnen gelungen, weitere örtliche Vorteile zu erzielen, die einen deutlichen Beweis für die allgemein günstige Lage, für die glückliche Fortführung der gesamten Angriffsbewegungen und für die erfolgreiche Wirkung des deutschen Artilleriefeuers abgeben. Da ist in erster Linie die Eroberung des Dorfes Fresnes. Es ist der letzte Ort, den die Franzosen noch in der Woevre=Ebene besaßen, ein wichtiger Straßenknotenpunkt, 10 Kilometer von der Südostecke der Verdun=Außenforts entfernt, etwa 2½ Kilometer östlich der steil abfallenden Maasberge. Stellt die Eroberung eines vom Gegner besetzt gehaltenen und hartnäckig verteidigten Ortes schon an und für sich einen bedeutenden Erfolg dar, so wird die Eroberung von Fresnes durch seine taktische Lage noch besonders wichtig. Südlich davon erreichen die beiderseitigen Linien den Ostrand der Cotes Lorraines und steigen an ihm empor. An dieser Stelle liegen die Orte Combres und Les Eparges, um die im vorigen Jahre hart und erbittert gekämpft worden ist, weil die Franzosen die Deutschen von den Maashöhen herunterwersen wollten. Die französischen Angriffe wurden zwar überall abgewiesen, die Stelle aber, wo sich die deutschen Linien aus der Ebene auf die Maasberge hinaufzogen, blieb immer ein schwerer Nunkt, und das Dorf Fresnes bildete für die Franzosen gewissermaßen eine vorgeschobene Außenstellung und zugleich eine Ausfallspforte. Nunmehr ist ihnen diese Ausfallspforte verschlossen und mit der Eroberung von Fresnes sind sie auch an dieser Stelle auf die Maasberge zurückgeworfen, während für die Fortführung des deutschen Angriffs günstigere Verhältnisse geschaffen worden sind. Das siegreiche Vorgehen der deutschen Infanterie war nur unter der Voraussetzung möglich, daß es vorher geglückt war, das gegnerische Artilleriefeuer auf den Maashöhen niederzuhalten und seine Einwirkung auf die Kämpfe in Freones auszuschaften. * Das letzte Wort gehort den Deutschen. Der im deutschen Großen Hauptquartier weilende Vertreter des Budapester„Az Est“ meldet: Nachdem der deutsche Bericht die Säuberung der Ortschaft Doumont meldete und der darauf folgende Bericht erzählte, daß die französischen Angriffe gegen diese Ortschaft mit großen Verlusten für den Feind zurückgeschlagen wurden, will der französische amtliche Bericht, der von einem Gegenangriff der Deutschen gegen dieses Dorf spricht, die Franzosen dadurch irreführen, daß er in seinen teils unwahren, teils unklaren Mitteilungen das Dorf Douaumont mit der Festung Douaumont ganz nach Belieben verwechselt. Wahrheit ist jedoch, daß sich nunmehr die deutschen Linien nicht nur von der Festung, sondern auch vom Dorf südlich und westlich hinziehen. In den auf der ganzen Westfront geführten Kämpfen gelang es den Franzosen nirgends, in Stellungen, die die Deutschen vor der Offensive hielten, einzudringen. Erfolglos wären auch die französischen Versuche sowohl bei Ypern als auch in der Champagne und in den Argonnen. Sowett ich die Lage überblicke und aus den Erlebnissen an der Westfront folgern kann, können wir die nächste Zeit mit ruhigem Vertrauen erwarten. Hier, wo der Knotenpunkt der aus der Maasgegend zusammenlaufenden Fäden ist, habe ich mehr denn je den Eindruck, daß die deutschen Waffen unbesiegbar sind. Das letzte Wort gehört den Deutschen.(TU). Die Lehren des deutschen Vorstoßes auf Verdun. „Echo de Bulgare“(Sofia) äußert sich im Leitartikel wie folgt: Der deutsche Angriff auf Verdun ist die beste Antwort auf die düsteren Prophezeihungen von der Erschöpfung Deutschlands. Er ist eine gute Lehre für den Verband, da er dessen Pläne mitleidlos stört. Deutschland und sein Verbündeter haben die Initiative auf allen Seiten. Der Unterseebootkrieg, der heute beginnt, wird ein neuer Beweis dafür, daß unsere Lage zur See ebense glänzend ist, wie die zu Lande. Der Angriff auf Verdun ist aber auch eine gute Lehre für die Neutralen. Während Sarrail durch die Befestigung. Salonikis auf die Entschlüsse der Balkan=Neutralen drücken will, trifft die deutsche Armee Frankreich ins Herz, ohne große Gesten und Redensarten, aber mit unfehlbarer Sicherheit und einer Kraft, die keine Hindernisse kennt. Die Abschweifungen und Phrasen der einen Seite, die machtvolle Aktion der anderen— darin drückt sich die Lage der beiden kriegführenden Gruppen deutlich aus. Die Neutralen, die in den Kampf eintreten wollen, können jetzt die Chancen abmessen! Verdun— ein unangenehmes. Erwachen der Engländer. Der Herausgeber der„National Neview“, L. I. Maxse, sagte, laut„Morningpost“, in einer Rede, daß ntan, wenn die Kriegsangelegenheiten ganz in den Händen der Leute an der Front. lägen, den leichtgläubigen Optimismus teilen könne, der gewisse Downing Street nicht fernstehende politische Kreise infiziert habe, der aber kaum eine Berechtigung habe, da diese Kreise#so wenig Voraussicht, Klugheit und Kraft bei der Durchführung des Krieges bewiesen hätten. Der Angriff auf Verdun sei ein unangenehmes Erwachen für diejenigen, die zu verstehen gaben, daß Deutschland- seine Kräfte aufgebraucht habe. Er möge dazu dienen, den Dilettantenstrategen zu zeigen, wo der Punkt liegt, auf den die entscheidende Anstrengung zu konzentrieren ist. Ungefähr 750000 englische Soldaten sind nach Plätzen entsandt, wo sie keine ernstliche Möglichkeit haben, eine beträchtliche Zahl- von Deutschen auch nur zu sehen, viel weniger denn zu töten. Vielleicht siegen wir auf Nebenkriegsschauplätzen. Wenin wir aber auf den Hauptkriegsschauplätzen verlleren, so dertteren Hir den Krieg. Publikum müßte interventeren, wenn es sieht, daß die Dinge schief gehen, sonst würden die Politiker nachher den Spieß umdrehen und dem Volke sagen, daß es selbst die Schuld hat, weil es die Unfähigkeit duldete. Mit solchen Einfaltspinseln an der Spitze der Nation in kritischer Zeit ist es kein Wunder, daß die Demokratie im Dunkeln bleibt. Der Hauptschuldige ist Lord Haldane. Fortdauer der Beschießung von Reims. Laut der„Köln. Ztg.“ meldet„Le réveil de la Marne“ über die Beschießung von Neims: Die Beschießung von Neims dauert mit zunehmender Heftigkeit an. In den Abendstunden des vergangenen Mittwochs sind fünf Granaten auf verschiedene Nunkte der Stadt gefallen. Am Donnerstag vormittag wurde die Beschießung fortgesetzt, und gegen siebzig Granaten flogen in fast alle Teile der Stadt. Das Blatt behauptet, die deutsche Artillerie hätte es auf eine völlige Ueberschüttung der Stadt mit schweren Granaten abgesehen. Die französische Artillerie erwiderte die Beschießung kräftig. Die Schweizer Neutralität. WTB Bern, 7. März.(Meldung der Schweizerischen Depeschen=Agentur.) Die radikaldemokratische Gruppe der Bundesversammlung, die mittags vor dem Zusammentritt der Räte die Neutvalitätsmaßnahmen des Bundesrats besprach, beschloß mit allen gegen wenige Stimmen die Zustimmung zu dem Antrag der Reutralitätskommission, den Bericht des Bundesrates über die Wahrung der Neutralität vorbehaltlos zu genehmigen. Die Gruppe besitzt die absolute Mehrheit der Bundesversammlung. Der Krieg mit Italien. Krise in der italienischen Kammer. Wie Mailänder Blätter melden, kam es in der gestrigen Sitzung der italienischen Kammer, von der man sich keinerlei Ueberraschung vorsah, wohl infolge der Nervosität Salandras zu Anzeichen eines krisenhaften Zustandes, der nach der Sitzung in den Korridoren zu mannigfachen Kommentaren Anlaß gab. Da die Kammer über einige Interpellationen und Anfragen zu verhandeln geneigt schien, erklärte der offizielle Sozialist Cinotti, daß die Häufung der namentl. Abstimmungen in diesem Augenblick, wo alle gegen das Kabinett Gefühle des Mißtrauens hegten, einer Sabotage der Kammer gleichkäme. Daraufhin erklärte Ministerpräsident Salandra in heftigem Tone, daß, wenn der gegenwärtige Zustand, der sich in den letzten 4—5 Monaten herausbildete, nicht aufhören sollte, ihm nichts anderes übrig bliebe, als sich an die Krone zu wenden, um ihr die Lösung vorzuschlagen, die er für nötig halten würde. Die Ueberraschung der Kammer führte, je mehr in den Korridoren die Worte Salandras, die ursprünglich nur von wenigen verstanden waren, besprochen wurden, zu starkem Erstaunen und Kombinationen. Der Ministerpräsident hatte gleich nach der Sitzung mit einer Anzahl Minister im Ministerzimmer der Kammer eine Besprechung. Der Krieg gegen England. Der Zeppelin=Besuch in England. London, 7. März. Das Kriegsamt teilt mit, daß, wie man glaubt, 3 Zeppeline am gestrigen Angriff auf England teilnahmen: Nachdem sie die Küste überflogen hatten, schlugen sie verschiedene Richtungen ein, und man hatte den Eindruck, daß sie offenbar im Unklaren darüber waren, wo sie sich befanden. Das heimgesuchte Gebiet war Yorkshire, Lincolnshire, Rutland, Huntingdon, Camwurden ungefähr 40 Bomben abgeworfen. Es wurden, soweit bekannt ist, 3 Männer, 4 Frauen und 5 Kinder getötet und 33 Personen verletzt. Ferner wurden zwei Hausterrassen zerstört, ein Bureau, ein Gasthaus, ein Kaffeehaus, verschiedene Läden teilweise zerstört und ein Block von Armenhäusern ernstlich beschädigt. —— Der Krieg zur See. Die Furcht vor den deutschen U=Booten. Nach einer Pariser Meldung der„Frankf. Ztg.“ hat die Versenkung der„Provence 1!“, wie der „Temps“ zugibt, die öffentliche Meinung in Frankreich nervös gemacht. Das Blatt erhält täglich zahllose Briefe mit Vorschlägen zur Verhütung weiterer ähnlicher Verluste. Ein Hauptgegenmittel, das vorgeschlagen wird, ist die Geleitung der Transportdampfer. Was die Mitführung deutscher Gefangener auf gefährdeten Schiffen betreffe, so könnten die Deutschen leicht Vergeltungsmaßregeln ergreifen. Man dürfe nicht vergessen, daß es in Deutschland viel mehr französische Gefangene gäbe, als deutsche in Frankreich. Das einzige wirksame Gegenmittel sei, im Mittelmeer ähnliche scharfe Schutzmaßregeln gegen die deutschen Torpedoboote wie im Aermelkanal durchzuführen. Außerdem müßten vor Abgang des Schiffes Rettungsübungen veranstaltet werden, wie sie auch für die Passagiere der„Mojola“ abgehalten worden waren. Dem Londoner Korrespondenten des„Petit Parisien" erklärte ein bekannter englischer Admiral, die neue deutsche Unterseewaffe sei unbestreitbar furchtbar und man müsse sich darauf gefaßt machen, sie aufsehenerregende Taten vollführen zu sehen. Das schneidige Stück der„Möwe“. TU Amsterdam, 7. März„Het Nieuwes van den Dag“ schreibt: Begreiflicherweise hat die gesamte deutsche Presse die glückliche Rückkehr der „Möwe“ mit lautem Beifall begrüßt, und zweifellos ist der Stolz auf das Kunststück der„Möwe“ wohlberechtigt. Es ist unleugbar ein schneidiges Stück, das der Kommandant der„Möwe“, Graf Dohna=Schlodien, geleistet hat, und sein Nuhm kommt dem der„Emden", von Müller, und dem des Kapitänleutnants von Mücke gleich. Der Neutrale gönnt ihnen den wohlverdienten Ruhm, da ihre Unternehmungen ja nur gegen das Eigentum des Feindes gerichtet waren und das Auftreten der Deutschen sich immer durch Menschlichkeit auszeichnete. — Deutscbland und Portugal. Berlin, 7. März. Ueber die Haltung Portugals liegen irgendwelche neue amtliche Mitteilungen nicht vor, auch ist eine Antwort Portugals auf die deutsche Note bezüglich der Beschlagnahme der deutschen Schiffe, wie wir hören, noch nicht eingetroffen. Der Grund für die Verzögerung der portugiesischen Antwort ist nicht klar. Sollte indessen die portugiesische Regierung der Meinung sein, daß sie die Angelegenheit in die Länge ziehen könnte, so dürfte sie damit nur eine weitere Verschärfung der Angelegenheit erzielen, da Deutschland nicht gewillt ist, die willkürliche Maßnahme Portugals hinzunehmen. Deutsches Ultimatum an Portugal? TU Bukarest, 8. März. Eine anderweitig nicht bestätigte Depesche aus Malta meldet, Deutschland habe ein Ultimatum an Portugal gestellt mit der Aufforderung, binnen 48 Stunden die beschlagnahnten Schsse koctongeben. TU Christiania, 8. März. Nach Meldungen aus Lissabon trifft die portugiesische Regierung eillgst Verteidigungsmaßnahmen. Sämtliche Leuchtfeuer wurden gelöscht. Bei Nacht dürfen fremde Schiffe nur unter schärfster Kontrolle in die Häfen einlaufen. Kriegsschiffe kreuzen vor der Küste. Berlin, 8. März. Nach einer Drahtung der „Kriegszeitung“ aus Haag dauert der Auszug der Deutschen aus Lissabon weiter an. Der dortige deutsche Konsul löste achthundert Fahrkarten nach Madrid für seine Landsleute. Der dritte Balkankrieg. Griechisch=französischer Zusammenstoß auf Mytilene. Wien, 8. März. In Athen laufen in den letzten Tagen beunruhigende Nachrichten aus Mytilene ein. Zwischen den Franzosen, die fast alle Häfen und wichtigen Punkte der Insel besetzt halten, und den Griechen hat sich das Verhältnis derart verschlechtert, daß es zu ernsten Reibungen gekommen ist. Ein blutiger Zusammenstoß trug sich zwischen griechischen und französischen Soldaten zu, wobei es beiderseits zum Gebrauche der Seitenwaffen kam. Ein französischer und ein griechischer Soldat wurden getötet, zahlreiche verletzt. —— Amerika und der Weltkrieg. Tämmernde Erkenntnis. WTB Washington, 8. März. Bei der letzten Senatssitzung besprach Mac Humber von neuem seine Resolution und sagte:„Gerade, weil das Land immer bereit ist, die Rechte seiner Bürger zu verteidigen, wünscht es keine Bürger, die uns in unbesonnener Weise in einen Krieg stürzen. Nie hat ein Amerikaner die Versenkung eines ungewarnten wehrlosen Schffes entschuldigt, aber jetzt hat sich die Kontroverse darauf beschränkt, ob es bewaffneten Handelsschiffen oder Unterseebooten gestattet werden soll, den ersten Schuß abzugeben. Ueberlassen wir es dem Präsidenten zur Lösung, und während der Zeit, wo verhandelt wird, erfordert der wahre amerikanische Patriotismus, daß kein Ameikaner durch irgend eine unbesonnene Tat eine friedliche Lösung gefährdet oder voreilig einen Krieg heraufbeschwört. Die Lage im amerikanischen Kongreß. Washington, 8. März.(Durch Funkspruch des Berichterstatters der„Köln. Ztg.“) Die Lage ist jetzt undurchdringlich. Der Umstand, daß Wilsons Verlangen, die ihm ungünstigen Kongreßresolutionen, welche die Amerikaner vor dem Reisen auf bewaffneten Handelsschiffen warnen wollen, unbeachtet blieb, läuft auf eine Niederlage Wilsons hinaus. Die Republikaner sind nicht gewillt, sich für Wilson stark zu machen, da die Republikaner des mittleren Westens gegen eine schroffe Polilik gegen Deutschland sind. Die Demokraten sind nicht geneigt, ihre Partei spalten zu lassen. Es ist fast sicher, daß die Abstimmung zugunsten einer Warnung mindestens eine starke Minderheit finden würde. Wenn Deutschland seine Bereitschaft kundgeben würde, die Bewaffnung von Handelsschissen zu, Verteidigungszwecken zu gestatten, im Falle Amerika eine Warnung gegen das Reisen auf Schiffen mit Angriffswaffen erlassen würde, dann dürfte der Kongreß die Warnungs=Resolutionen annehmen. Harte Prüfung, Roman von Max Hoffnaun. 39 „Potz Blitz!“ rief einer ganz hingerissen, der bis jetzt geschwiegen hatte,„das sind ja über zwölf Millionen Mark! Mallmitz, Mensch, wenn Sie erst in diesem goldenen Nest sitzen, kann man hoffentlich. einen heftigen Pump bei Ihnen anlegen?“##. Alle lachten fröhlich, und einer rief:„Stoßen wir an auf Mallmitz, den zukünftigen Dollarikaner! Möge es ihm gelingen und möge er seine guten Freunde nicht vergessen!" ern 2c Die Gläser-klirrten, und der Gefeierte sagte hochtrabend:„Dalike, meine werten Freunde: Felicia sei das Panier!“ Da hielt Fritz nicht mehr an sich. Euergisch sprang erauf und trat um die Holzwand an den Tisch der kleinen Gesellschaft, Er sah sich fünf elegant gekleideten Herren gegenüber, die sich zum Hoch erhoben hatten und in deren Mitte Mallmitz stand. Er ging auf ihn zu, tippte kräftig auf seine Schultern und sagte läut:„Herr Assessor ich habe die Ehre, der Bräutigam von Fräulein Felicia Molesworth zu sein.“ Alle ließen verdutzt die Gläser finken. Einige neugierige Kellnerkamen langsamnähergeschlichen, mehrere Gäste an fernen Tischen reckten die Hälse, herrschte plötzlich eine unheimliche Stille in dem großen, stilvollen Raumer.“ n## Mallmitz runzelte die Stirn, faßte sich aber und sagtemit erzwungener Gleichgültigkeit;„Das wußte ich bereits, Herr von Marleben. Warum sagen Sie mir das?“ Fritz brauste auf.„Ich sage es Ihnen, Herr Assessor, um Ihnen zu verbieten, weiter in diesem Ton von meiner Braut zu sprechen.““ „Ich bin nicht gewöhnt, mit von fremden LeuVorschriften nrachen zu lassen, am allerwenign von Ihnen.“ • ten stei den. 99.r „Ob Sie's gewöhnt sind oder nicht, ist mir gleich. Eigentlich müßten Sie sich wegen Ihrer respektlosen Aeußerung bei mir entschuldigen; ich will aber darüber hinwegsehen und sie auf das Konto des genossenen Alkohols setzen. Wagen Sie es jedoch nicht, in dieser Redeweise fortzufahren! könnte Ihnen schlecht bekommen.“ Er nahm eine Stellung ein, als wenn er bereit wäre, den Assessor im nächsten Augenblick niederzubaren...„„F a Semar Dieser war seyr oleich geworven und suchte sich einen möglichst vornehnien Rückzug zu sichern.„Kellner, zahlen!“rief er. Und dann setzte er zu Fritz gewandt hinzu:„Sie werden von mir hören, mein Her Fritz sah ihn von oben bis unten verächtlich an, zuckte die Achseln und drehte sich um. Er bestellte sich zur Beruhißung noch eine halbe Flasche Wein, während die fün erren, jetzt sehr leise und gesittet miteinander sprechend, das Lokal verließen. 10. Kapitel, Am Morgen des folgenden Tages hatte sich Fritz nach dem Frühstück eben rasiert und einen Blick in die Zeitung geworfen, als ihm vom Mädchen zwei Visiteukarten hereingebracht wurden. Hans von Pritzelwitz, Rittergutsbesitzer, Leutnant d. R. las er auf der einen, Müller, Regierungs=Afsessor, auf der andern.e enenvg Ihm dämmerte sofort, weswegen diese ihm gänzlich unbekannten Herren zu ihm kommen mochten. Aber er fühlte sich nicht im mindesten beängstigt und sagte frohgelannt:„Ichlasse die Herren bitten.“ Die beiden Besucher benahmen sich sehr förmlich, nachdem sie sich nochmals nicht ohne Feierlichkeit persönlich vorgestellt hatten. Herr von Pritzelwitz, groß, breitschulterig, blond und frisch, nahm zuerst das Wort und sagte mit einer gewissen Leuteligkeit, daß Herr von Marleben wohl wissen werde, weswegen sie kämen. Auf die verwunderte Miene des ungeredeten fiel der Regierungs=Assessor, ein schlanker, bleicher, schwarzhaariger Herr ein:„Wir können ja gleich wieder gehen. Sie werden selbst gefühlt haben, daß Sie Herrn von Malliniz wegen Ihres gestigen Benehmens in dem Weinrestaurant Genugtuung schuldig sind, Herr von Marleben.“ „Ich Genugtuung schuldig?" bemerkte Fritz lachend.„Ich meinte vielmehr, daß Herr Mallmitz mir solche schuldig sei.“ „Siehaben Herrn Mallmitz harangiert und öffentlich attackiert.“ „Wir können dreist deutsch sprechen," sagte Fritz ruhig.„Ich habe Herrn Mallmitz auf seine unehrerbietigen Aeußerungen aufmerksam gemacht und ihm die Fortsetzung dieser Reden verboten. Das war mein gutes Recht. Er hat mein Auftreten durch sein tadelnswertes Verhalten hervorgerufen. Nicht er ist nach meiner Meinung beleidigt, sondern ich war es.“ „Na, wiedem auch sein möge,“ erklärte Pritzelwitz unmutig,„jedenfalls fühlt sich Mallmitz durch Sie beleidigt und will Genugtnung von Ihnenhaben.“ „Die Sache ist mir ratselhaft, versetzte Fritz. „Was verlangt er denn von mir?" Die beiden Herren warfen sich einen Blick zu, als wenn sie sagen wollten:„Entweder ist dieser Mann schrecklich un gebildet, oder er will sich über uns lustig machen.“ Zu seiner Ehre schienen sie das letztere anzunehmen, und Pritzelwitz fuhr fort: „Herrn Mallmitz steht als dem Beleidigten die Wahl der Waffe frei. Er hat sich für Pistolen entschieden, zehn Schritt Barriere—“ Er hielt plötzlich mit seiner Auseinandersetzung inne, denn Fritz unterbrach ihn durch ein lautes, ganz respektloses Gelächter, das eine Weile anhielt. Endlich beruhigte er sich wieder und sagte „Ach so, meine Herren, jetzt verstehe ich Sie erst! Herr Mallmitz will sich mit mir schlagen, erschlägt mir ein richtiges Duell vor. Wie ehrenhaft für mich! Sie müssen mir aber schon erlauben, für diese große Ehre zu danken. Ich treffe zwar mitmeiner Browning=Pistole auf dreißig Schritt die Löcher in einem Schweizerkäfe, Wissen Sie, tch habe das jenseits des großen Teiches so nebenbei zu meinem Vergnügen gelernt, denn es gibt da in manchen Städten recht verteufelte Gegenden, wo einem solche Fertigkeit ganz nützlich sein kann, aber trotzdem habeich kein Verlangen danach, mir vielleicht durch eine Kugel des Herrn Mallmitz das Lebenslicht ausblasen zu lassen. Nein, dazu gefällt mir's noch viel zu gut auf dieser schönen Gotteswelt. Und bedenken Sie: Ich stehe kurz vor meiner Hochzeit!“ Die Herren waren offenbar sehr peinlich berührt durch diese sonderbare, unerwartete Aufnahme, die sie mit ihrer so überaus wichtigen Mission gefunden hatten, und wußten nicht recht, was sie dazu sagen sollten. Auf ein solches unfaires Verhalten waren sie nicht im mindesten gefaßt gewesen. Sie hatten sich das so schön gedacht, in feierlicher, durchaus korrekter Weise ihren bedeutenden Auftrag erledigen zu können, als würdige Vertreter einer höheren Idee ihrer Gesellschaftskreise, und nun benahm sich dieser Mann hier, gelinde gesagt, so inkorrekt! Unglaublich! Sie sahen betreten zur Erde und schwiegen. Es war wirklich äußerst fatal! Assessor Müller fand zuerst die Sprache wieder und fragte, nachdem er sich hörbar geräuspert hatte: „Sie wollen uns also kurz und bündig zu verstehen geben, Herr von Marleben, daß Sie die Forderung des Herrn Assessors Mallmitz nicht annehmen?“ „Sehr richtig, meine Herren. Ueber solche— wie soll ich sagen?— Kindlichkeiten bin ich doch hinaus. Ich bin jetzt ein Mann von siebenundzwanzig Jahren, vor zehn Jahren wäre ich vielleicht darauf eingegangen, vor fünf Jahren hätte ich mich vielleicht in eine Boxerei eingelassen, aber das alles liegt weit hinter mir. Sehen Sie, meine Herren, wenn nun der eine von uns tot oder zum Krüppel geschossen wird und wenn ihm von dem andern die Knochen zerschlagen werden, was ist damit bewiesen? Höchstens, daß der andere besser schießen kann, oder daß er der Stärkere von uns beiden ist. 23416 13 . Nach Meldungen aus sische Regierung eillgst Sämtliche Leuchtfeuer t dürfen fremde Schiffe olle in die Häfen einn vor der Küste. einer Drahtung der dauert der Auszug der ter an. Der dortige undert Fahrkarten nach te. alkankrieg. r Zusammenstoß ilene. then laufen in den letzNachrichten aus MytiFranzosen, die fast alle te der Insel besetzt halsich das Verhältnis der1 ernsten Reibungen geZusammenstoß trug sich anzösischen Soldaten zu, Gebrauche der Seitenscher und ein griechischer lreiche verletzt. ler Weltkrieg. Erkenntnis. März. Bei der letzten ac Humber von neuem „Gerade, weil das Land te seiner Bürger zu verBürger, die uns in unKrieg stürzen. Nie hat enkung eines ungewarntschuldigt, aber jetzt hat uf beschränkt, ob es beoder Unterseebooten geersten Schuß abzugeben. Präsidenten zur Lösung, vo verhandelt wird, erische Patriotismus, daß nd eine unbesonnene Tat ihrdet oder voreilig einen ikanischen Kongreß. (Durch Funkspruch des n. Ztg.“) Die Lage ist er Umstand, daß Wilsons nstigen Kongreßresolutioner vor dem Reisen auf en warnen wollen, unbeeine Niederlage Wilsons er sind nicht gewillt, sich sen, da die Republikaner egen eine schroffe Polilik die Demokraten sind nicht en zu lassen. Es ist fast ng zugunsten einer Warstarke Minderheit finden d seine Bereitschaft kundnung von Handelsschissen zu gestatten, im Falle gegen das Reisen auf fen erlassen würde, dann e Warnungs=Resolutionen nebenbei zu meinem s gibt da in manchen mden, wo einem solche n kann, aber trotzdem h, mir vielleicht durch das Lebenslicht ausgefällt mir's noch viel itteswelt. Und bedenneiner Hochzeit!“ ir sehr peinlich berührt bartete Aufnahme, die htigen Mission gefunht recht, was sie dazu es unfaires Verhalten n gefaßt gewesen. Sie st, in feierlicher, durchdeutenden Auftrag erige Vertreter einer höftskreise, und nun begelinde gesagt, so inhen betreten zur Erde lich äußerst fatal! rst die Sprache wieder irbar geräuspert hatte: und bündig zu versteben, daß Sie die Fors Mallmitz nicht aneren. Ueber solche— lichkeiten bin ich doch kann von siebenundJahren wäre ich vielvor fünf Jahren hätte oxerei eingelassen, aber nir. Sehen Sie, meine von uns tot oder zum d wenn ihm von dem agen werden, was ist daß der andere besser der Stärkere von uns 234/16 Wie die„Mowe rampfte. Bericht einen britischen Schiffsoffiziers. Von der Ruhmesfahrt der„Möwe“, die am Sonnabend nach mehrmonatigen Streifzügen auf dem Weltmeere, mit 199 Gefangenen und Goldbeute beladen, glücklich heimgekehrt ist, gibt eine Meldung der„Frankf. Zeitung“ aus London ein sehr interessantes Bild. Es ist die Erzählung des dritten Offiziers von dem Dampfer„Clan Mactavish“, seines jener Schiffe, die von der „Möwe“ in den Grund gebohrt wurden. Die Besatzung des„Clan Mactavish“ ist am Freitag an Bord des Dampfers„Tilburg" in der Themsemündung angekommen. Mac Intrye, der dritte Offizier vom„Clan Mactavish“, gibt folgende Schilderung, die schon aus dem Grunde besonders interessant ist, weil sie deutlich die Angriffstaktik zeigt, die bewaffnete englische Schiffe gegenüber Kriegsschiffen an den Tag legen. :: Der Kampf mit der„Möwe“ fand Sonntag, den 16. Januar, statt. Es war ein schöner Tag, und„Clan Mactapzifh“ fuhr ungefähr 100 Meilen südlich von Maveira, als er * zwei Schiffe sichtete. Eines der Schiffe fuhr ungefähr parallel mit dem unserigen, doch wir sahen, daß es nach uns hinbog und näherkam. Das nächste Schiff richtete sein Ziel direkt auf uns zu. Wir hielten die beiden für gewöhnliche Kauffahrteischiffe. Um ½6 Uhr nachmittags ging ich auf die Kommandobrücke, um den Kapitän und den vierten Offizier, die zum Tee gehen wollten, abzulösen. Es wurde allmählich dunkel, und wir segelten ohne Lichter. Das kleine Schiff, das uns entgegenkam, hatte ein Licht am Vordermast. Wir überholten es rasch. Um 5 Uhr 55 gab das Schiff ein Morsesignal ab, und ich antwortete. Das Schiff fragte:„Was für ein Schiff?“ Ich berichtete dies unserem Kapitän, Kapitän Oliver, und dieser befahl mir, keine Antwort zu geben. Dann rief uns das Schiff wieder an, und zwar mit derselben Frage. Wir signalisierten zurück und fragten, mit was für einem Schiff wir es zu tun hätten, und erhielten die Antwort:„Author, von Liverpool.“ Darauf teilten auch wir unseren Namen mit. Plötzlich erhielten wir das Signal: „Sofort stoppen. Ich bin ein deutscher Kreuzer!" Der Kapitän gab allen Maschinisten Befehl, größte Geschwindigk eit zu entfalten. Ich signalisierte zurück, daß wir stoppen würden; es war dies also ein Bluff. Als das deutsche Schiff das Signal erhielt, stoppte es seinerseits. Die Folge war, daß es zurückblieb. Sobald das deutsche Schiff merkte, daß wir nicht hielten, eröffnete es das Feuer. Unsere Kanoniere erhielten Befehl, das Feuer zu erwidern, und nun begann der Kampf. Die ersten Granaten rissen einen Veutilator herunter und töteten einen wachhabenden Soldaten, einen Laskaren(indischen Matrosen). Die nächste Granate ging durch die Kabine des Stewards und des zweiten Offiziers und streute überall Splitter auf Deck umher. Ein weiterer Schuß war ein Treffer auf die Kommandobrücke. Einige Granaten pfiffen uns über die Köpfe hinweg, eine jedoch traf den Oberteil des Maschinenraumes und tötete 15 Laskaren und verwundete 5. Dann traf eine Granate das Schiff unter der Wasserlinie. Jetzt gab der Kapitän Befehl, mit dem Feuer aufzuhören und das Schiff zu stoppen. Einige unserer Schüsse müssen getroffen haben, denn wir waren nur vierzig Yard entfernt. Man sagte mir, daß ein Schuß sicher getroffen und zwei Mann getötet hätte. Wir riefen das deutsche Schiff nun telegraphisch an und sagten, daß wir gestoppt hätten; aber es verging wieder noch einige Zeit, bis die Deutschen durch den Raum hindurch unser Signal sehen konnten. Während all dieser Zeit setzten sie das Feuer fort. Die ganze Angelegenheit war in einer Viertelstunde vorüber. Sobald sie unser Signal sahen, gaben sie uns Antwort und stellten ihrerseits das Feuer ein. Doch in dem Augenblick, da ich den Befehl signalisierte, das Feuer einzustellen, ging noch ein Schuß los. Offenbar war der Befehl nicht rechtzeitig angekommen. Die Deutschen fragten uns, ob wir Verwundete an Bord hätten; ich signalisierte zurück, wir hätten nur einen. Ich kannte zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Größe unserer Verluste, denn ich war oben auf der Brücke. Sie sagten, sie würden ein Boot schicken. Mit der Begleitmannschaft kam ein deutscher Offizier an Vord. Der Offizier fragte:„Wo ist der Kapitän?“ Kapitän Oliver erschien, und der Deutsche fragte, warum der Kapitän auf den deutschen Kreuzer gefeuert hätte. Der Kapitän erwiderte:„Ich feuerte, um mein Schiff zu schützen. Wenn meine Regierung mir eine Kanone an Bord meines Schiffes stellt, so benutze ich sie, denn eine Kanone ist nicht nur zur Verzierung da.“ Die Deutschen stellten uns nun auf Deck in einer Reihe auf und standen uns mit gezogenem Revolver gegenüber. Sie sagten, daß jeder, der eine Bewegung mache. niedergeschossen würde. Nach einiger Zeit erhielten wir den Befehl, in die Boote zu gehen. Das Boot des zweiten Offiziers und mein Boot erhielet den Befehl, zum Begleitschiff der„Möwe“, der La inse!„Avvam“. zu fahren, während der andere Schiffsöfftzier und der Kapitän auf die„Möwe“ gebracht wurden. An Bord der„Appam“ wurde uns angekündigt, daß wir kriegsgefangen seien und ver dem geringsten Widerstande sofort erschossen würden. Alsdann wurden wir unter bewaffneter Aufsicht in erstklassige Luxusräume gebracht und dort festgehalten. Am nächsten Tage teilten uns die Deutschen mit, daß wir auf den Kreuzer„Möwe“ gebracht werden sollten. Um 5 Uhr nachmittags wurde die andere gefangene Mannschaft von der„Möwe“ auf die„Appam“ gebracht und wir selbst auf die „Möwe“. Ein Name war nicht an dem Kreuzer angebracht. Aber an Kaisers Geburtstag erschienen die Deutschen in Gala mit dem Namen„Möwe“ auf den Mützen. Es wurde uns dann später erlaubt, eine Stunde morgens und eine Stunde nachmittags au[Deck zu promenieenr, nur nicht, als die„Möwe“ nordlich der Mundung des Amazonenflusses also an der Nordküste Brasiliens, den Dampfer„Corbridge“ kommen sah. Wir blieben drei Tage und drei Nächte unten und schmolzen beinahe in der Hitze. Als wir von der„Appam“ fortfuhren, versenkten die Deutschen die„Corbridge" und vermummten wiederum die„Möwe“. Sie pinselten ihr eine dunkelgelbe Farbe auf und machten noch andere Maskierungen. Nach 24 Tagen wurde die„Westburn" gekapert. Der englische Offizier erzählt dann weiter, daß er mit 22 anderen gefangenen Mannschaften auf die„Westburn“ überführt wurde, die dann bekanntlich von einer kleinen Besatzung der„Möwe“ nach riffa gebracht wurde.„Das Schiff,“ so berichtet er,„stand unter Bewachung von acht Mann. Man hatte Bomben auf dem Schiff angebracht, und als wir am 22. Februar in Teneriffa ankamen, wurde uns gedroht, daß wir alle in die Luft gesprengt würden, wenn wir uns rührten. Die„Westburn“ fuhr von der Südseite in den Hafen von Teneriffa ein, und ein britischer Kreuzer kam von Norden. Wir fuhren in einem: Abstande von 100 Yards an den Kreuzer vorüber, der die„Westburn" nicht anrühren durfte, weil wir in spanischen Hoheitsgewässern waren. Um 11 Uhr am nächsten Tage wurden wir auf die Athenie“ gebracht. Als wir eben auf diesem Schiffe angekommen waren, sahen wir, wie die„Westburn“ sank. Die Deutschen hatten sie, nur eine halbe Meile von Teneriffa entfernt, herausgebracht und sie gerade vor den Augen des englischen Kreuzers versenkt." 98 40 der Kommandant der heimgekehrten„Möwe“. schusses zu beraten und festzusetzen. Dann wurde die Bildung eines neuen, des fünften Unterausschusses, und zwar für weibliche Jugendpflege, beschlossen. In diesen Ausschuß„wurden die Vorsitzenden der in Frage kommenden Vereine, nämlich Frau Pastor Terberger, Frau Apotheker Reuter, Pastor Schnurbus und Pastor Ohlig, ferner Heir Kreisschulinspektor Stader gewählt; letzterer wird in diesem Unterausschuß den Vorsitz haben. Der vorgelogte Verteilungsplan der diesjährig zur Verfügung stehenden Mittel wurde genehmigt. Weniger eilige Punkte der Tagesordnung wurden bis zur nächsten Sitzung vertagt. **(Gustav=Adolf=Fest.) Die hiesigen evangel. Gemeinden seiern am nächsten Sonntag das Gustav=Adolf=Fest. Aus diesem Anlaß wird nachmittags eine Gemeindeversammlung im Gemeindehause sein, in welcher Herr Pastor Schäffer aus Steele, der annähernd zehn Jahre in Rumänien wirkte, einen Lichtbildervortrag über das Thema „Deutsch evangelisches Leben in den Balkanländern“ halten wird. Aus Stadt und Umgebung Rückblicke auf den Weltkrieg. 2. März. Kämpfe im Westen.— Zwangsrubelkurs. Im Westen wurden die Kämpse um die Lorettohöhe fortgesetzt, in den Vogesen bei Schnee und Nebel nicht minder, ebenso bei Münster und Sennheim und„auch in der Champagne kam der nun bereits so lange währende Kampf noch nicht zum Abschluß.— Im Osten setzten sich die Kämpfe bei Augustowo, Lomza, Ostrolenka und Prasznysz auf dem polnischen Gebiete fort, während in den Karpathen die Russen in ihren fortwährenden Durchbruchsversuchen nicht locker ließen und bei ungünstigen Witterungsverhältnissen die Oesterreicher unmenschliche Anstrengungen aushalten mußten. Der Oberbefehlshaber im Osten, Generalfeldmarschall von Hindenburg, setzte für das gesamte von deutschen Truppen besetzte Gebiet Rußlands deutsches Geld als Zahlungsmittel mit einem Zwangskurs von 100 Mark für 50 Rubel fest; hierdurch wurde die Steigerung des Rubelkurses in den besetzten Gebieten vermieden. **(Die Pflicht, Zeitungen zu lesen.) In einem ihm vorliegenden Prozesse hat sich auch das Reihsgericht auf den Standpunkt gestellt, daß Gewerbetreibende amtliche Zeitungs=Bekanntmachungen, die ihren Gewerbebetrieb betreffen, lesen müssen. Das Nichtkennen solcher wird als eine Fahrlässigkeit betrachtet, die den Gewerbetreibenden unter Umständen strafbar macht. Im vorliegenden Falle handelt es sich darum, daß der Metzger Wilhelm Kronmüller und Genossen, ein gewisser Leier und Weck, verbotswidrig Häute an einen gewissen Pommer und Luck verkauft hatten. Sie wurden deshalb unter Anklage gestellt, jedoch am 11. Oktober 1915 vom Landgericht Stuttgart freigesprochen, du sie das Verbot nicht gekannt hatten. Die Zeitung, in der die amtliche Bekanntmachung enthalten war, hätten sie nicht regelmäßig gelesen. Auch hätte keine Sitzung des Metzgerverbandes stattgefunden, in der das Verbot bekannt gemacht worden wäre. Das Gericht stellte fest, daß eine allgemeine Pflicht, die amtlichen Zeitungs=Bekanntmachungen zu lesen, nicht anerkannt werden könne. Gegen diesen Freispruch legte die Staatsanwaltschaft Nevision beim Reichsger'ch: ein, die vom Oberreichsanwalt vertreten wurde. Der Reichsanwalt führte aus, daß in dem an gefochtenen Urteil der Begriff der Fahrlässigkeit verkannt sei. Die Angeklagten seien in der Kriegszeit verpflichtet ge“ wesen, die amtlichen Zeitungs=Bekanntmachungen zu lesen, soweit sie ihren Gewerbebetrieb betressen. Daß sie das nicht taten, machte sie strafbar, da sie so fahrlässig handelten. Aeberdies seien sie durch einen Brief und ihre am 3. Mai 1915 vor dem Amtsgericht Waiblingen erfolgte Vernehmung darauf aufmerksam gemacht worden. Der zweite Strafsenat des höchsten Gerichtshofes schloß sich diesen Ausführungen an, hob das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht Tübingen zurück. **(Ein Ei— sechs Pfennig!) Die billigsten Eierpreise wird demnächst die Stadt Apolda haben. Die städtische Lebensmittelkommission konnte aus Oesterreich 128 000 Stück frische Eier beziehen, die zum Selbstkostenpreis von sechs Pfennig für das Stück an die ärmere Bevölkerung abgegeben werden sollen. **(Darlehnskassenscheine zu 50 Mark.) Neuerdings hat sich ein wachsender Bedarf an Poviergeldabschnitten zu 50 Mark herausgestellt, weshalb die Herausgabe von Darlehnskassenscheinen zu 50 Mark in Aussicht genommen ist. Wie man hört, sind diese Scheine bereits gedruckt und zwecks Vorbereitung ihrer etwaigen demnächstigen Ausgabe soll in Kürze eine Beschreibung derselben veröffentlicht werden. **(Feldgraue Grüße.) Für die regelmäßige Zusendung der beliebten„Schwerter Zeitung“ spreche ich meinen besten Dank aus. Schütze SaintPaul.— Die herzlichsten Grüße an die liebe Heimat senden Gefr. Wilhelm Bremerich, Unteroffizier Eickelberg=Garenfeld. **(Personalie.) Herrn Hüttendirektor Kramer zu Thale am Harz, Schwiegersohn des verstorbenen Sparkassenrendanten Maag hierselbst, wurde der Titel Kommerzienrat verliehen. Herr Kr. war bekanntlich früher Beamter der hiesigen Eisenindustrie. **(Wideraufblühen der Schafhaltung.) Infolge der vielen Hinweise auf den Nutzen der Schafzucht haben viele Gemeinden des Sauer= und angrenzenden Siegerlandes es sich angelegen sein lassen, diesem wichtigen Faktor im Landwirtschaftsbetriebe die gebührende Beachtung zu schenken und so hört man denn selbst in Ortschaften, wo seit Menschengedenken die Schafhude aufgegeben worden war, jetzt wieder das helle Glöckchen der Herden. Das in den jungen Haubergen üppig wachsende Gras, das dort unbenutzt verkümmern würde, bietet dem besch idenen Wollträger ein vortreffliches Mihl. Auch die Hütungskosten einer Schafherde sind sehr gering, da die Schafpächter den Schäfer abwechselnd zur Beköstigung ins Haus nehmen, und dessen bescheidenes Bargehalt läßt sich leicht aufbringen. **(An den Pranger!) Von seiten des stellvertreten Generalkommandos des 7. Armeekorps geht uns folgendes zu: Wegen verbotenen Verkehrs mit Kriegsgefangenen sind bestraft worden: Vom Amtsgericht in Dorsten am 1. 10. 15 der Bergmann Friedrich Bicking in Buer mit einem Verweis; am 12. 11. 15 der Postaushelfer Wilhelm Krampe in Lembeck mit 2 Wochen Gefängnis; am 25. 1. 16 die Arbeiterin Auguste Gollob in Holsterhausen mit 30 Mark Geldstrafe, sowie die Arbeiterin Hedwig„Molter und die Ehefrau Luise Basse, geb. Molter, beide in Holsterhausen, mit je 9 Mark Geldstrafe; vom Amtsgericht in Coesfeld am 12. 11. 15 der Arbeiter Kaspar Krabbe dortselbst mit 1 Tag Gefängnis und am 9. 2. 16 die Luise Knauff dortselbst mit einer Geldstrafe von 30 Mark; vom Amtsgericht Crefeld am 22. 1. 16 die Ehefrau Gertrud Nouwens; geb. Karins in Crefeld mit 1 Woche Gefängnis; vom Amtsgericht Mörs am 19. 1. der Magazinarbeiter Heinei Billen in Hochemmerich mit 1 Woche und am 25. 1. der Schlosser Gustav Meuser in Friemersheim mit 3 Tagen Gefänguis; vom Amtsgericht in Detmold am 4. 2. der Lehrer Friedrich Nordsiek in Augustdorf mit 100 Mark Geldstrafe. **(Ortsausschuß fül Jugendpflege.) Unter dem Vorsitz des Herrn Bürgermeisters Rohrmann fand gestern im Stadtverordnetensitzungsaal eine Versammlung des städtischen Ortsausschusses zur Förderung der Jugendpflege in Schwerte statt. Zunächst wurde in Erfüllung eines Wunsches der vorgesetzten Behörde eine größere, öffentliche Veranstaltung der der Jugendpflege angeschlossenen Vereinigungen für einen Sonntag im Mai beschlossen. Die Veranstaltung, welche voraussichtlich am Freischütz stattfinden wird, soll ein Bild über Bestrebungen und Stand der Jugendpflege in unserer Stadt geben. Die einzelnen Unterausschüsse wurden. beauftragt, das Programm dieser PerZeichnel die Kriegsanleihe! Weltkalen und Rbeinland. * Herne, 7, März.(Schrecenstat einer Geisteskranken.) Die Ehefrau eines Bergmanns in Gerthe hatte sich den Tod ihres im Felde gefallenen Sohnes so zu Herzen genommen, daß sie schwermütig wurde. An einem der letzten Tage besorgte sie morgens noch ihrem Manne den Kaffee, worauf dieser zur Arbeit ging. Kurze Zeit darauf drang die Frau mit einem Beile in das Zimmer ihrer Zwillingssöhne und schlug mit der stumpfen Seite auf die Schlafenden ein. Einer wurde am Kopfe schwer verletzt, der andere nur leicht. Durch den Lärm erwachte der Großvater und entwand seiner Tochter das Beil. Bei dem Ringen stürzten beide die Treppe hinab, ohne jedoch ernstlichen Schaden zu nehmen. Die Frau versuchte dann noch einen Selbstmord, indem sie sich einen Schnitt in die Kehle beibrachte, der jedoch nicht lebensgefährlich ist. Die Anglückliche wurde dem Krankenhause zugeführt. * Aachen, 7. März.(Zum Tode verurteilt.) Vor dem Zivilgericht hatte sich gestern der 18 Jahre alte Bergmann Bonifazius Ruffing aus Oberbexbach in der Rheinpfalz wegen Raubmordes zu verantworten. Der Angeklagte hatte im Anfang dieses Jahres in der Bergarbeiterkolonie Kellersberg bei Alsdorf seinen Wohnungsgegenossen, den 55 Jahre alten ledigen Bergmann Schaffrath durch Beilhiebe vorsätzlich getötet und seiner Ersparnisse beraubt. Die Leiche hatte er in die Abortgrube geworfen, wo sie nach wenigen Tagen gefunden wurde. Der zum Teil geständige Angeklagte wurde vollständig überführt und gestern nachmittag zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Der Täter war nach der Tat in seine Heimat geflüchtet, wo er verhaftet wucde. * Ein Pfund Kartoffeln für 38 Pfennig. Als die öffentlichen Bekanntmachungen über die Festsetzung von Höchstpreisen für Kartoffeln erlassen wurden, konnte sich Aschersleben rühmen, den höchsten Preis von allen deutschen Städten festgesetzt zu haben. In der betreffenden Bekanntmachung hieß es nämlich, daß für ein Pfund Kartoffeln höchstens ein Preis von 38 Pfennigen gefordert werden dürfe. Dieser Satz ging einigen Käufern doch über die Hutschnur, und sie beschwerten sich hierauf im Rathause. Hier forschte man nach, und es stellte sich, wie vorauszusehen war, heraus, daß nur ein Schreib= bzw. Druckfehler vorlag. Der Satz von 38 Pfennigen bezog sich natürlich auf 10 Pfund. Bevor aber eine Berichtigung erscheinen konnte, hatten sich verschiedene dortige Händler den Druckfehler zu Nutze gemacht, indem sie 5 Pfennig für das Pfund verlangten und auch erhielten. Infolgedessen wurden sie mit einer Klage wegen Ueberschreitung der Höchstpreise bedacht. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht meinten sie, harmlos tuend, sie hätten doch noch lange nicht 38 Pfennig für das Pfund genommen. Das Gericht ließ zwar keinen Zweifel, daß es für diese Harmlosigkeit kein Verständnis habe, mußte aber, den Umständen entsprechend, auf Freisprechung erkennen. Wochenmarkt.. Der heutige Wochenmarkt war nur mäßig beschickt; manche Gemüse sind überhaupt nicht mehr zu haben. Die Preise für Rindfleisch haben wieder einen gewaltigen Sprung nach ohen gemacht, von 2 Mark auf 2.40 Mk. Wohin eine derartige Preisentwickelung ruch führen soll, ist noch gar nicht abzuseher.,„Wann endlich kommen gesunde Höchstpreise für Rindvieh?. Im übrigen wurden verla## Acpfel Pid. 25-140 Pf., Apfelsinen Stück 6—10 Pfg., Zitronen 3 Stück 28 Pfa, Wurzelm 2 Pfund 25 Pfennige, Steckrüben Stück 10 Pfennige. Porree Pack 10—20, Pfennige, Winterkohl Psund 10 Pfg., Feldsalat Pfd. 45 Psg., Spinat=L.sund 30 Pfg., Iwiebeln Pfund 35 Pfg., Rindfleisch Pfund 2.40 Mark, Eier, 5 Stück 1 Mark, Schellfisch(kleiner) Pfund 50 Pfg, Schellfisch (großer) Pfund 65 Pfg. Verantwortlich für die Redaktion-Friedr. Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte 4— b. ugpundhese, ee n, an hnbehe Mlilihinnandninnli 2p undinnnunzunaundrundlililt 2 fill Aunumnsüichinsüchmniuühunig Dp unidanaih Wir sind infolge günstigen Einkaufs eines großen Postens prima reinwollener Kammgarn-Cheviots, welche wir selbst zu Konfirmanden- u. 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U.ber dieses Thema wird ein Vortrag stattfinden im Sa ie des Herrn Wilh. Wilmsmann(Resiaurant Klempk!. Scherte, Mährstraße 7, am Donnerstag den 9. März, abends 8¼ Uhr, wozu alle freundlichst eingeladen sind. — Eintrit frei—.— Einiritt frei— Ref. H. Pötschke, Missionar. Hagelschaden=Versicherungs=Verein für die Land= und Stadtkreise Dortmund und Hörde. Für sofort wird ein evangl., solider, unverheirateter Gerzer gesucht. 963 Allgemeines Krankenhaus, Hagen i. W. Maschen öder Rriegerstau für leichte, dauernde Beschäftigung gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsstelle dieser Zeitung. Einladung zu der am Donnerstag, den 16. März, nachmittags 5 Uhr, im„Schwarzen Raben“ in Dortmund stattfindenden General=Versammlung. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung für 1915 und Entlastung des Rendauten. 2, Wahl von 2 ausscheidenden Mitgliedern der Direktion. 3. Wahl von 4 ausscheidenden Mitgliedern des Ausschusses. 4. Wahl der Rechnungsprüfer für 1916. 5. Beschlußfassung über 2 im Vorjuhre verspätet angebrachte Entschädigungsanträge. 6. Mitteilungen. Dortmund, den 6. März 1916. Die Direktion. 952 J. A.: Westermann, Ehrenamtmann. Marutatur=Papier wieder vorrätig. Buchhandlung Carl Braus Schwerke(Ruhr), Große Markstraße 3—5. Gesungencher in größter Auswahl Buchhandlung Carl Braus Schmerte(Ruhr). Große Markfstr. 3—5. Die gesteigerten Ansprüche an die## Reinigung der Bettfüllungen haben mich# veranlasst 5659„ Bettfedern und 3 Daunen nach einem neuen vollkommeneren Verfahren reinigen zu lassen. Alle Qualitäten, auch die billigsten E sind jetzt ohne jeden Geruch und # durchweg staubfrei. Ich empfehle: Bettfedern zu 1,25, 1,75, 2,25 b. 3,00 Mk. Halbdaunen zu 3,00 bis 4.50 Mk. Daunen zi 4,00 bis 6,50 Mk. 27 Schwerte Näh= und gibt, desgleichen sucht Lehrmädchen Mariha Heidrich 961 Poststraße 10. Von der Reise zurück! Dr. med. Rusche, 8 Spezialarzt für Haut=. Harnund Geschlechts= Krankbeiten. Röntgen=und Licht=Behandlung Hagen i. W, Südstr 9. 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Juni 1909(Reichsgesetzblatt S. 519; mit Ermächtigung des Herrn Regierungs-Präsidenten folgendes bestimml: Nachdem nach amtstierärztlicher Feststelling die Maul. und Klauenseuche unter dem Rindviehbestande der Wiwe Schroer zu Holzwichede=Dudenroth abgeheilt und eine Neuerkrankung nicht vorgekommen, die Desinfektion vorschriftsmäßig ausgeführt und durch den Kreistiegarzt abgenommen ist, gilt die Seuche auf dem erwähnten Gehöft als erloschen. Die in meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 6. Januar und 7. Fedruar 1916 angeordneten Schutzmaßzregeln hebe ich daher hiermit auf. Hörde, den 6. März 1910. 964 Der Landrak. 3. V.: Burhard. Deichongeraher 11 de 2. Etage (abgeschlossen) Hörderstr. Nr 87. besiebend aus 5 Zimmern, I Bodenzimmer und allen Bequemlichkeiten zum 1. April oder später zu vermieten. 1868 Meldungen Hörderstr. 41 pal Kaue mischgebende Ziegen (auch Schlachtziegen) gegen gute Preise. 956 Haß, Holzen. 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Begleichung ersolgt sofort nach Empfang per Postanweisung einen Teil von Asien. Sie lebe hoch!“ Eine Geschützsalve und der Tusch der Musikchöre begleiteten das allseitige„Hoch“. Bald darauf erhob sich Graf Stadion zu Ehren seiner erhabenen Herrin:„Meine große Kaiserin soll leben! Ich vergleiche sie mit dem Mond;— wie dieser die düstere Nacht durch sein mildes Licht erleuchtet, wie er die Sonne oft verfinstert, wie er der Liebe Schutzherr ist, so auch meine mächtige Kaiserin! Sie versendet die hellen Strahlen durch die Nacht der Unwissenheit und des Aberglaubens, sie schirmt vor des Geistes Uebergriffen und vor den vorhandenen Glutstrahlen der toten Gewalt, sie beschützt die Liebenden, denn sie ist der Abglanz der Liebe. Sie lebe hoch, meine große und herrliche Kaiserin!". Tusch und Hoch wie vorher. Lucchesini hatte mitgerusen und mitgetrunken; dann vertiefte er sich in interessante Gespräche, in das herumgereichte Dessert und in den schäumenden Wein. Nachdem man längere Zeit vergebens gewartet, fragte der Fürst den königlichen Gesandten, ob er nicht auch einen Toast auf seinen Herrn ausbringen wolle? Lucchesini dankte für die freundliche Erinnerung und entschuldigte sich mit angeborener Zerstreutheit; dann stand er auf und begann:„Mein König soll leben! Man hat mir die besten Gestirne des Himmels fortgenommen, wenn das aber auch nicht der Fall gewesen wäre, so würde ich meinen Herrn doch nur mit etwas Irdischem vergleichen können, da er selbst nur irdisch ist. Ich vergleiche ihn daher mit Josua, denn dieser rief, das Schwert in der Hand: Stehe still, Sonne! und sie stand. Um den Mond bekümmerte er sich gar nicht. Mein König, der Lorbeerumkränzte, er lebe hoch!“ Man sagt, daß beide kaiserlichen Gesandten ihren Ingrimm nur mit großer Anstrengung verborgen hätten. Der große Friedrich aber lächelte über den treffenden Witz seines Lieblings. Der Ahnherr des Hauses Karageorgewitsch. Der Ahnherr des serbischen Königshauses, das seit dem Sturze der Tynastie Obrenowitsch regiert, war der im Volksmunde unter dem Beinamen des„schwarzen Georgs“ bekannte Prinz Georg. Dieser erste Karageorgewitsch war im Jahre 1766 in Wischowatz bei Kragujewatz als Sohn eines Bauern und Schweinehüters geboren. Serbien stand damals im Zeichen des Kampfes mit den Türken und Janitscharen, die das Land überschwemmten und ausplünderten. Mit der Muttermilch hatte Georg die Rache gegen die Räuber des Landes eingesogen, und kaum erwachsen, nahm er 1788 an der ersten Erhebung des serbischen Volkes gegen die türkische Herrschaft teil. Aber schon damals zeigte sich das ungestüme Temperament des Karageorgewitsch. Georg schießt seinen Vater nieder, weil er nicht mit ihm entfliehen will. Nach dieser Untat finden wir ihn bei den Oesterreichern, in deren Freikorps er gegen die Türken kämpft. Nach dem Frieden von Listowa 1791 wird er Waldheger in Syrmien, aber die Waldeinsamkeit sagt ihm wenig zu, und als wieder die Janitscharen mordend und plündernd Serbien überschwemmen, stellt sich Georg wieder an die Spitze eines kleinen Heeres und wird mit einem Schlage der Held des Landes. Alles, was türkisch ist, wird verbrannt und ermordet. Schon aber neiden ihm die Großen Serbiens seine Popularität und seine Sympathien. Er wird aufgefordert, das Kommando niederzulegen, aber er weigert sich. Den Konflikt benutzen die Türken, um das Land von neuem mit Krieg zu überziehen. Wieder sind die Augen aller auf Georg gerichtet, der in einer dreitägigen Schlacht bei Mitschwar Heldentaten der Tapferkeit vollbringt und das Land von dem tärkischen Joche befreit. Aber schon beginnen die Kämpfe im Innern. Georgs Gegner suchen Boden zu gewinnen, aber ohne Erfolg. 1811 wird Georg zum Führer der Nation aufgerufen, muß aber schon zwei Jahre später fliehen, da er einem neuen Ansturm der Türken nicht widerstehen kann. 1817 versucht er wieder nach Serbien zu gelangen, wird aber auf Veranlassung seines Rivalen Milosch Obrenowitsch ermordet. So endete der Ahnherr des Hauses Karageorgewitsch, dem man Tapferkeit und Kühnheit, aber auch Grausamkeit und Jähzorn nachsagt, wohl nicht mit Unrecht, wenn man die blutige Geschichte des Hauses bedenkt. ##J Allerlei Musik der Indianer. Mr. John Stephens, der bekannte Forscher, der vor einiger Zeit bei den amerikanischen Indianerstämmen weilte, berichtet interessante Einzelheiten über die Musik dieser Völkerschaften und ihre Instrumente:„Bei den meisten Indianerstämmen des tropischen Amerika fand ich als Musikinstrumente nur eine kleine selbstgefertigte Klarinette mit drei Löchern und eine Trommel, ein Stück ausgehöhlten Baumstammes mit einem Felle überspannt; aber beide Instrumente handhabten sie mit einer solchen Ausdauer und Energie, die zum Entsetzen war. So eintönig wie diese Musik ist auch der Gesang, der sich leise und schleppend innerhalb einer Oktave bewegt. Mit fortschreitender Bildung entwickelt sich auch der Geschmack für die Harmonie, und so fand ich unter einem Stamme in Nicaragua ein vervollkommnetes Instrument, die Marimba, die einzelne mit größter Fertigkeit spielten und ihr sehr harmonische Töne entlockten. Sie besteht aus einem etwa fünf Fuß langen Holzrahmen, auf dem, wie bei der Glasharmonika, kürzere und längere Stäbchen befestigt sind aus dem harten Eisenholze. Unter jedem Stäbchen ist ein kleiner ausgehölter Kürbis mit hölzerner Schale befestigt, der oben abgeschnitten ist. Ueber diese Oeffnung ist die Haut einer Fischblase gespannt als Resonanzboden. Die Stimmung des Instruments erfolgt dadurch, daß auf diese Haut von der Peripherie aus nach innen Wachs gedrückt wird. Das Spielen geschieht durch Schlagen auf die Nabe mit zwei oder vier Holzstäbchen, die in eine Kugel endigen. Ich wollte einem der Musiker sein Instrument abkaufen und zeigte ihm zwölf Silbermünzen, jede im Werte einer halben Mark; aber er schüttelte mit dem Kopfe, zeigte mir beide Hände mit ausgestreckten Fingern und sagte dabei etwas wie„Amgna mucuru!“ Tann strich er mit den beiden Zeigefingern über die Zehen und sagte:„Ptavi mucuru peso!“ Ich verstand den Sinn der Worte natürlich nicht und gab den Handel auf. Später erzählte ich dieses einem jungen Manne aus Costarica, der mehrere Jahre unter den Eingeborenen gelebt hatte, und der mir mitteilte:„Amgna mucuru“, heißt: die Söhne der Hand, die Finger: also die Zahl fünf, beide Hände zehn;„Ptavi mucuru“ heißt die Söhne des Fußes, die Zehen: also auch die Zahl fünf, respektive zehn; peso ist spanisch und bedeutet eine Silbermünze à 4 Mark. Der Indianer forderte also von mir nicht weniger als 80 Mark für sein Instrument.“ Humor. Viel verlangt. Doktor zum drängenden Gläubiger:„Wenn Sie durchaus so oft herkommen müssen, um mich zu mahnen, dann könnten Sie sich wenigstens den Kopf verbinden oder den Arm in der Schlinge tragen, damit die Leute denken, Sie seien ein Patient!“ 22 S 49 * 0 * 9 g. S 93 5 9 E F 9. 5 " 9 9 721 00 8 50 — 9. 9 S. 8 S E ve 99 0 ** 0 S 9 □ 9 8 9 9 8 2— 0 93 **2 2 g 9* P 8 5 S cg 0 □ W9 CD □ à 5: W ser Tag derAbrechnung. ) Roman von A. v. Crrstedt. # rinöve gab nicht sogleich Antwort. Er stand dem Licht, das in blendendem X% U/ Glanz auf der Chaussee lag, abgewendet und blickte abwesend zwischen die Tannen, wo es angenehm kühl und schattig war. %„Mir kann kein Doktor helfen, Baronesse,“ äußerte er tonlos. Ganz eigen durchzuckte es Edith. Durfte sie heute die Frage wagen, welche ihr seit zwei Jahren, seit Lonas plötzlichem Verschwinden, auf den Lippen brannte? Es schien fast, als sei Trinöve nicht abgeneigt, Rede zu stehen und Antwort zu geben. Aber während Edith noch mit einem Entschluß rang, stand plötzlich Magnus Vollmer mit abgezogenem Hut vor ihnen. Quer durch die Tannen war er gekommen.„So herrliche alte Baumriesen sieht man selten,“ sagte er mit leuchtendem Blick;„seit dem frühen Morgen bin ich unterwegs; diese Streiftouren sind ein wirklicher Genuß. Der Wald gleicht einem unabsehbaren Naturpark. Der Herr Forstmeister ist ein Künstler in seinem Fach, er versteht es, in seinem Walde das Praktische mit dem Schönen zu vereinen. Trinöve sah interessiert auf den Sprechenden, und nachdem Edith die Herren miteinander bekanntgemacht, äußerte der Direktor: „Ihre Worte machen mich erst darauf aufmerksam, ein wie oberflächlicher Beobachter ich bin. Gewiß, auch ich liebe unsern Wald, und so oft es meine karg bemessene Zeit erlaubt, durchstreife ich ihn. Aber ich sehe die Baumgruppen, die Rasenflächen, erquicke mich am Schatten der Buchen, ohne mich mit den empfangenen Eindrücken näher zu beschäftigen. Und so geht es wohl vielen, welche sich an dem frischen Grün ergötzen. Es ist ja Sommer und seibstverständlich, daß die Bäume belaubt und die Wege schattig sind, dazu vorhanden, uns Erholung zu spenden. Ich im besonderen habe meinen Kopf so voll, daß meine Gedanken weit entfernt sind, wenn ich durch den Wald gehe. Edith war hocherfreut, Trinöve so angeregt sprechen zu hören.„Es ist auch wirtlich nicht zu verlangen, daß Sie den Forst gewissermaßen mit prüfenden oder gar kritischen Augen betrachten, Herr Direktor; wenn Sie hier Erholung suchen und finden, ist das sicher der schönste Lohn für alle Mühe unseres verehrten Forstmeisters. Vollmer hatte überrascht aufgesehen, als Edith (Nachdruck verboten.) den Namen des Direktors nannte. Jetzt wandte er sich in seiner ruhigen, bestimmten Art an das junge Mädchen: „Verzeihung, Baronesse, wenn ich Ihnen widerspreche, ich bin aber der Meinung, daß erst dann die wirkliche Erholung beginnt, wenn unsere Gedanken sich vollständig von allen geschäftlichen Dingen loslösen und wir mit Herz und Sinnen die gegenwärtige Stunde sozusagen mit sehenden Augen genießen. Nach einer solchen absoluten Ablenkung ist der Geist gestärkt und man arbeitet mit Volldampf.“ „Sehr richtig, doch kann diese Methode wohl nur Anwendung finden, wenn wir eine größere Reise unternehmen und längere Zeit unserem Wirkungskreis fern bleiben. Diese Spaziergänge mache ich ja gerade deshalb, um mit Muße über geschäftliche Angelegenheiten nachdenken zu können. In dieser Einsamkeit ist mir schon manch ersprießlicher Gedanke gekommen. „Die Deutschen arbeiten anders als wir Amerikaner,“ meinte Vollmer nachdenklich,„wir schaffen viel in den Geschäftsstunden; nach Schluß derselben, und darauf sind wir trainiert, kommt das süße Nichtstun zu seinem Recht.“ „Beneidenswert," lachte der Direktor,„wer das nur so könnte! Ich ganz gewiß nicht. Darin bin ich,— wie übrigens auch in vielen anderen Dingen“— ein düsterer Schatten lag plötzlich auf der reichlich von Sorgenfalten durchzogenen Denkerstirn—„so ein recht schwerfälliger Deutscher.“ „Sie haben einen ebenso ungewöhnlichen wie schönen Namen,“ äußerte Vollmer in dem Bemühen, das Gespräch von diesem Thema, das peinlich zu werden drohte, abzulenken;„seltsamerweise wohnt mein Vater, welcher sich zurzeit in Thüringen aufhält, bei einer Dame gleichen Namens, einer. jungen Frau, von welcher er nicht Rühmenswertes genug zu schreiben weiß. Ich glaube, er liebt in dieser jungen Frau die Tochter, welche er sich einst so heiß gewünscht, und die ihm versagt blieb.“ Magnus wurde durch ein am Boden hüpfendes Eichhörnchen abgelenkt, und so entging ihm Trinöves Erblassen, der gequälte Ausdruck in dessen Augen, der sich abwandte, ohne zu antworten. Kaum daß er grüßte. Mit langen Sätzen eilte er davon, wie auf der Flucht vor etwas, das ihn verfolgte. Betroffen sah Magnus das junge Mädchen an. Was war das? Habe ich, ohne es zu wissen, eine Tattlosigkeit begangen. Da flammte es zornig auf in Ediths schönen blauen Augen.„Recht war es, daß ein Unbefangener den Starrkopf an seine junge Frau erinnerte, die er vermutlich verstoßen hat unter irgendeinem hinfälligen Verdacht. Ich kenne Lona Trinöve zu genau, um ihr etwas zuzutrauen, was dem Manne Anlaß gab, sich von ihr loszusagen.“ „Lona Trinöve— ja das ist der Name der jungen Frau, welche das unbegrenzte Wohlwollen meines Vaters im Fluge erobert hat.“ Edith schämte sich der Tränen nicht, die ihr heiß in den Augen brannten;„o, Herr Vollmer, wenn ich durch Sie der Entschwundenen wieder habhaft werden könnte, so würde ich die Begegnung mit Ihnen als eine Schicksalsfügung betrachten. Wenn es Sie interessiert, will ich Ihnen von Lona Trinöve erzählen.“ „Sie kommen meiner Bitte zuvor, gnädiges Fräulein. Und nicht wahr, ich darf Sie begleiten?“ Seine lebhaften, klugen Augen unterstützten den ausgesprochenen Wunsch und redeten eine Sprache, die Edith in Verwirrung brachte, sie von Rechts wegen in die Flucht hätte treiben müssen. Doch ein lockendes Etwas, das stärker war als ihr Erschrecken und ihre Verwirrung, bewog sie, seine Begleitung anzunehmen. „Kommen Sie mit zum Forstmeister, ich habe dort eine Bestellung auszurichten!“ Eine kleine Pause folgte.„Sie wollten mir von Lona Trinöve erzählen,“ mahnte Vollmer endlich leise. Da wich der Bann, welcher sie umsponnen, von Edith, sie wurde Feuer und Flamme.„Lona war jahrelang Gesellschaftsdame meiner Mama, welche sie hochschätzte. Bei uns lernte sie Trinöve kennen, bei uns wurde auch die Verlobung gefeiert, ebenso später die Hochzeit. Ich habe damals oft gedacht, eine so grenzenlose gegenseitige Liebe und Hingabe und ein so reiches, schrankenloses Glück, wie es den beiden beschieden, wird nur wenigen Sterblichen zuteil. Aber sie waren noch kein volles Jahr verheiratet, da bemerkten wir alle eine gewisse Nervosität an Lona, die später in Verstörtheit ausartete. Sie hat sich weder nir noch meinen Eltern anvertraut. Eines Tagewar sie fort, zu einer Freundin gereist, wie Trinöve behauptete. Kein Mensch glaubte ihm das. Er sah damals aus, als habe ein tödlicher Schlag ihn getroffen. Sobald Lonas Name genannt wurde, antwortete er in schroff abweisender, tiefverletzender Abwrhr. Er ist weder Vorstellungen zugänglich, noch I läßt er sich auf eine Aussprache ein. Er arbeitet rastlos, hat jeden Verkehr abgebrochen und führt das Leben eines Einsiedlers. Seit Lonas Verschwinden sind nahezu zwei Jahre verflossen; man hat hier nichts wieder von ihr gehört. Die Dienstboten behaupten, sie sei mehrmals im Garten heimlich mit einem Manne zusammengetroffen und habe sich mit ihm geküßt. Bei einem solchen Zusammentressen soll Trindve die beiden überrascht und daramhin seine Frau fortgeschickt haben.... Das ist Dienstbotengeschwätz, worauf man nichts geben kann. An Lonas Treue zweifeln, hieße eine Heilige verdächtigen. Ich glaube an sie, und mag der Schein noch so handgreiflich gegen sie sein! Lona betrügt ihren Gatten nicht.“ „Das ist ja eine ebenso seltsame wie tragische Geschichte“, meinte Vollmer nachdenklich.„So, wie mein Vater die junge Frau in seinen Briefen schildert, ist sie das Ideal echter, verehrungswürdiger Weiblichkeit, und dennoch können nur triftige, zwingende Gründe Trinöve bewogen haben, mit eigener Hand sein Glück zu zerstören,— ein so heiliges, in Seligkeit empfundenes Glück.“ „Dann kann es sich doch nur um ein Mißverständnis handeln, Herr Vollmer, und es wird auch erzählt, daß von Zeit zu Zeit Briefe von Lona kommen, die Trinöve ungelesen in ein dazu bestimmtes Fach wirft. Er ist eben unzugänglich, will sich nicht davon überzeugen lassen, daß er einer Unschuldigen ein unerhörtes Unrecht zugefügt.“ Magnus zuckte die Achseln.„Wer weiß, wir können nicht urteilen. Das Herz ist ein unberechenbares, eigenwilliges Ding. Vielleicht hat die junge Dame schon, ehe sie Trinöve kennen lernte, der Liebe Glück und Leid erfahren und ist, nun sie gebunden war, demjenigen wieder begegnet, welcher sie enttäuscht, betrogen hatte, welchem ihr innerstes, leidenschaftliches Empfinden aber noch gehörte.“ Ueberrascht sah Edith. auf. Solche Schlußfolgerungen waren ihr noch nicht in den Sinn gekommen. Ein wenig dachte sie nach, um dann in ehrlichem Protest den Kopf zu schütteln. „Lona hat es ungezählte Male ausgesprochen, daß Trinöve ihre erste und einzige Liebe sei. Nein, Herr, Vollmer, ein solcher Verdacht ist unbegründet. Hätte sie aber früher Beziehungen zu einem anderen gehabt, so würde sie an dem Tage damit gebrochen haben, wo sie Trinöve Treue gelobte. Sie kennen Lona nicht, sonst würden Sie dergleichen nicht in Erwägung ziehen.“ „Es steht ja auch noch nicht zweifellos fest, daß die Lona Trinöve, für welche mein Vater sich in einer so ungewöhnlichen Weise erwärmt, identisch ist mit der Gattin des Direktors.“ „O, ich bin überzeugt, daß sie es ist. Nun weiß ich doch endlich, wo ich sie zu finden habe, und nicht eher lasse ich Papa Ruhe, bis er mit mir zu Lona geht.“ „Es sieht doch stark nach Schuldbewußtsein aus, daß sie so gar nichts von sich hören läßt.“ „Im Gegenteil,“ behauptete Edith,„der Stolz verbietet ihr, sich zu melden. Möglicherweise glaubt sie, daß auch wir an ihr zweifeln. Aber die Aermste soll erfahren, daß sie treue, verläßliche Freunde besitzt. Und wenn keinem sonst, meinem Papa, den sie so hoch verehrt, wird sie sich anvertrauen. Vielleicht ist er sogar berufen, ihr Glück zu retten.“ „Wenn sie ihr Glück nun aber nicht mehr in der Vereinigung mit Trinöve sieht, wenn ihre Liebe zu ihm erloschen ist?“ Es war Edith, als rüttle sie jemand aus angenehmem Halbschlummer wach. Erschreckt, mit unnatürlich weit geöffneten Augen sah sie zu Magnus auf. Konnte Liebe aufhören? War es möglich, daß einem jemand, dem man bisher aus tiefster Seele zugetan gewesen, gleichgültig, vielleicht sogar lästig wurde? Ihre danken irrten zu ihrem Verlobten. So lange sie zurückdenken konnle, war sie Fritz innig zugetan gewesen, konnte nur fröhlich sein, wenn es ihm gut erging, und empfand schmerzliche Trauer, sobald ihn Leid bedrückte. Konnte das je anders werden? Seltsam bange war ihr ums Herz. Scheu blickte sie an Vollmers stattlicher Gestalt empor. Ein Gefühl war in ihr, das sie aufforderte, ihn fortzuweisen, und doch wäre sie am liebsten stundenlang so an seiner Seite dahingeschritten, gleichgültig, ob sie plauderten oder stillschwiegen. So wohl war ihr in seiner Nähe. Und konnte das anders sein? Er war ihr sympathisch, was weiter? In einigen Tagen reiste er wieder ab, dann sah sie ihn nie mehr. Warum sollte sie dieses Zusammensein nicht nach Möglichkeit genießen? Keiner konnte etwas dagegen haben. So beschwichtigte sie ihr unruhig und beklommen klopfendes Herz, und als der Forstmeister in seiner stattlichen Behäbigkeit ihnen soeben entgegenkam, ging sie rasch ein paar Schritte vor, als wolle sie sich ablenken oder einem Schatten gebieten, zu weichen. (Fortsetzung folgt.) 778 I Der Feinschmecker auf Freiersfüßen. Humoreske von Adolf Thiele, (Schluß.)(Nachdr. verboten.) „Literatur ist nicht der Geschmack der beiden Engel!“ sagte er sich und forschte nun nach dem Gewicht des verwendeten Zanders. „Ich weiß wirklich nicht, was er wog," flötete Julie. „Vielleicht acht Pfund?“ fragte Histermann listig. „Ja, ich glaube, acht Pfund!“ mit diesen Worten siel die junge„Kochkünstlerin“ in die gelegte Falle. „Das muß ja ein wahres Mammut von Zander gewesen sein!“ dachte Histermann, aber er dachte es nicht laut. Die gefüllten Lammschultern, die nun auf der Tafel erschienen, begeisterten den Hausherrn derart, daß er, alle Vorsicht vergessend, plötzlich ausrief:„Das hat Therese wieder einmal großartig gemacht!“ Ein jäher Schrecken durchzuckte Mutter und Töchter. Doch mit der Energie, mit der eine Löwin um ihr Junges kämpft und eine Mutter ihre Tochter zu verheiraten strebt, faßte sich die Hausfrau schnell und sagte:„Was willst du? Therese hat nur ein bischen mitgeholfen, gebraten hat es Emmy!“ Histermann u. Co. lachte innerlich, was seiner Verdauung sehr förderlich war, und sagte mit verbindlichem Lächeln:„Kein Zweifel nach der prächtigen Pastete von vorhin! Besonders die Farce von Hühnerfleisch ist Ihnen großartig gelungen!“ „O bitte!“ säuselte Emmy. In der Mutter des Hauses tobte ein furchtbarer Sturm. Die Farce war natürlich von Kalbfleisch, und die Hausfrau, die immerhin einen Dunst vom Kochen hatte, ahnte, daß der Feinschmecker dies wohl wußte; wenn er nun von Hühnerfleisch sprach, so geschah es sicher nur, um die an der Farce total unschuldige Emmy aufs Eis zu führen. „Beignets von Vanille=Creme bildeten den Schluß des Mahls, das Histermann in hohem Maße entzückte. „Diesen erlesenen Genuß“, bemerkte er mit einem Blicke auf das Backwerk,„haben wir gewiß Ihrer kunstfertigen Hand zu danken, gnädiges Fräulein?“ Julie neigte verschämt lächelnd das kunstvoll frisierte Puppenköpfchen. „Gestatten Sie mir eine wissenschaftliche Frage,“ fuhr er dann fort,„wieviel Stangen Vanille haben Sie verwandt?“ „Sechs Stangen!“ erwiderte Julie entschieden. „Sechs Stangen würden für einen Halbzug Soldaten hinreichen!“ entgegnete Histermann, der Vorsicht halber sprach er diese Entgegnung jedoch nicht laut aus. Die Mutter des Hauses sah, daß die Schlacht verloren war. Grimme Wut stieg in ihr auf, und diese wandte sich gegen die unschuldige Ursache der Niederlage. Mit liebenswürdigem Lächeln wandte sie sich an den Gast.„Wir sind sehr erfreut“, sagte sie sanft, „wenn unsere bescheidene Kochkunst Ihnen Geschmack abgewonnen hat. Meine Töchter sind leider ein wenig verwirrt gemacht worden durch unsere Köchin, ein ungeschicktes Ding, das nichts versteht und das ich nächstens fortschicken muß!“ „Aber erlaube mal!“ wandte der Hausherr ein, der den finsteren Plan seiner Gattin nicht gleich durchschaute und dessen natürliches Gerechtigkeitsgefühl sich plötzlich geltend machte. „Nun, ist es nicht so?“ fuhr Frau Wollin sanft fort, und nun begriff der Gatte und schwieg. Beim Kaffee, der ebenfalls den Gourmet entzückte, versuchte dieser, die Töchter des Hauses auf verschiedene geistige Gebiete hinüberzulocken, aber mit der schönen Konsequenz modebegeisterter Damen schlugen sie seine Versuche siegreich ab. Einige Tage später, in kühler nüchterner Morgenstunde, hatte Histermann in seinem Privatkontor eine Unterredung mit dem Kommissionar Find klee, einem ebenso diskreten wie gewandten Manne.„Ein durchaus anständiges Mädchen“, sagte dieser,„dabei hübsch“. „Weiß ich, habe sie gesehen“, fiel Histermann ein. „Tochter eines früh verstorbenen ehrenwerten Beamten“, fuhr jener fort,„besuchte sie die Kochschule und bildete sich weiter aus. Zu einem einzelnen Herrn will sie jedoch nicht ziehen, sie fühlt sich in ihrer jetzigen Stellung recht wohl, da der Hausherr ihre Kunst und ihren Charakter schätzt, und da sie frei schalten kann. Frau und Töchter stören sie absolut nicht!“ „Das habe ich gemerkt", erwiderte Histermann. „Gnädige Frau verzeihen“, sagte einige Wochen später Fräulein Therese Hermann zu ihrer„Madame“, „ich muß meine Stellung kündigen; ich heirate!“ „So, wen denn?“ fragte die Gnädige mit ungnädiger Miene. „Mein Bräutigam bittet mich, es noch nicht mitzuteilen.“ „So: Na, da wünsche ich Ihnen viel Glück!“ erwiderte Frau Wollin mit unglückdrohender Stimme. „Sie Beneidenswerter!“ sagte einige Monate später Herr Wollin zu Histermann u. Co.„Haben sich ein solches kulinarisches Genie auf Lebenszeit gesichert; und dabei hat sie, was ich stets an ihr geschätzt habe, Charakter und Feingefühl!" „Stimmt! schmunzelte der Großkaufmann mit glücklicher Erinnerung an sein heutiges Mahl.„Stimmt! Beides hat meine Therese in vollem Maße, wie könnte sie sonst— so vorzüglich kochen?“ Denkspruch. Immer mehr reines Haus gemacht für die deutschen Sinne und herzen und den fremden Staub weggeblasen, den fremden Umat ausgekehrt, der unsern Glanz verdunkelt und beschmutzt! E. In. Arndt. Ein preußischer Trinkspruch. Zur Zeit der ersten Teilung Polens— im Jahre 1772— traten die Bevollmächtigten Preußens, Oesterreichs und Rußlands zusammen, um die Bedingungen, unter welchen die Teilung vorgenommen werden sollte, festzustellen. Friedrich der Große sandte seinen Liebling, den durch Geist, Witz und Kenntnisse berühmten Marquis de Lucchesini, Maria Theresia den Grafen Stadion und Katharina II. den Fürsten Dolgorucki zu den Konferenzen. Die diplomatischen Verhandlungen waren bald beendet, jeder erhielt seinen Anteil an der Beute, und zur Feier des beglückenden Zuwachses an Land und Leuten gab Fürst Dolgorucki das erste Essen, denn schon damals waren Festessen eine genußreiche Sitte. Als nun der Champagner kreiste, brachte der fürstliche Gastgeber folgenden Trinkspruch aus:„Meine große Kaiserin soll leben! Ich vergleiche sie mit der Sonne;— wie diese die Erde erleuchtet, erwärmt, beseligt, so meine Kaiserin ganz Europa und