Antriiches Rresolt teil den kreis woren Ho Sdomm Seimer udem dand außer Feiertags. Bezugsprete M.„D oiertelZährlich, bei der Post für Bestellgeid 42 Pig. Wöchentl. Grakisdeilage:„Ikustrierter Hamillenfreund“ u. tägl. Unkerbaltungsbieß. Anzeigenpreis: Die Jedengespaltene Petttzetle ode deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswörts 15 Pig., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabalt gilt dis Kassarubalt u. erlischt bei Ronkursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Setschundernacht-ettenseteteere Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Verbunden mit? Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Stteunsen unt? Scwerter Holkszeitu## Schwerter Uoltablas Schwerker Tageblatt S Schwerter Anzeiger Geltes und älteltes Cagesorgan des Krelles a General-Anzeiger für den Kreis börde c Haupc-Aanoncenbiat uns üric snd bneipilglichn Drh. nungen für den Areis Hörde erlangen gemis Bedanntmachung der Königlichen Regierung durch Verössentlichung in dei„Schwerter Zeitung" rechtsverdindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewöhrt idren Aboanen. ion für jeden mit Tod endenden Unsoll geSagungn: 300 Mk. Unsall: Druck v. Verlag o. Carl Braus, Schwerie= Rudr Fernsp. 62. Telegr. Adr. Braus Schwerie=Rude Nr. 306. Freitag, den 31. Dezember 1915. 47 Jahrgang. D MS und Heil zum Neuen Jahr! Wieder läuten die Glocken ein neues Jahr ein! Und wieder klingen nach alter Sitte die Gläser zur Geburtsstunde einer neuen Zeit. Das alte Jahr versinkt im Zeitenmeer der Vergangenheit; eine neue Zeit, neues Leben wartet unser mit einer Fülle von Rätseln, von Hoffnungen und Sehnen..., Wt. L4, Manfäkheit In guten Zeiten wollte die Menschheit es immer besser haben. Der Zeitungsmann mit dem Finger am Pulse der Zeit durfte es schon seit langem nicht mehr wagen, dem alten Jahre ein gutes Wort nachzusagen. Man lebte seit langem schon in einem von rasender Begehrlichkeit beherrschten Zustande grenzenloser Hoffnungsseligkeit und konnte es sich gar nicht mehr vorstellen, daß es auch einmal anders kommen könne, daß Zeiten ernstester Not und bitterster Sorge über unser von so grenzenlosem Kulturaufschwunge beherrschtes Zeitalter herniederbrechen könnten. Und da kam der Krieg mit seinen: Grauen und seinen Erschütterungen. Dem feivolen Leichtsinn, der gedanken= und gewissenlosen Glücksbegierde der Neujahrsnacht der schier nichts mehr gut genug war, folg#e der bange Abschluß des Jahres 1914, di. zagende Angstzeit um den Jahresbeginn 1915. Damals läuteten die Glocken seyr. sehr dumpf; die Neujahrstoaste Jlangen dumpf, und in das sonst so hell grelle Zukunftsbild schob sich die sorgende Befürchtung: die Russen standen in Galizien, zum Teil schon südlich der Karpathen; der deutsche Druck gegen Warschau hielt der russischen Dampfwalze nicht stand, und bei allen Vertrauen in die sieghafte Kraft unsere. Armeen ließ sich doch die bange Sorge nich unterdrücken, zumal die Ungewißhett in bezug auf ausreichende Ernährung damals noch hart auf uns lag und die gegnerische und neutrale Presse uns die russische Gefahr tagaus, tagein in den glühendsten Farben in Wort und Bild, an die Wand- malte Da klangen die Cläser in der Neujahrsnacht 1914/15 sehr, sehr dumpf! Heute stehen wir mit dankerfüllten Herzen an der Schwelle eines neuen Jahres Die Vorsehung hat uns nicht verlassen, da: Recht hat seinen Weg gefunden. Das Jahi 1915 hat unseren Truppen einen ganz unerhörten Siegeslauf gebracht. Wir haben die russische„Dampfwalze“, die uns zer malmen sollte, gehemmt, ihren Lauf umgekehrt und die plünderungslustigen halbasiatischen Horden des land= und blutgierigen russischen Knutenregiments bis tief in: Innere ihres Landes zurückgetrieben, Polen dabei befreiend. Wir haben das entsetzlichste Wüten der furchtbarsten Kriegsmaschinerie der Weltgeschichte überstanden, als die Fran zosen und Engländer uns mit ihrer großer Offensive zu überrumpeln und zurückzuwer sen gedachten. Tagelang haben unsere Tapfe ren standhaft und unerschütterlich das raffi nierte, geist= und nervenerschütternde Trom melfeuer der Gegner ausgehalten und, trot an sich stellenweise fast hoffnungsloser Minderheit, alles behauptet— höchstens, das die Gegner an Stelle eines Durchbruches nur ein paar ganz bedeutungslose„Beu len“ in unserer Front erreichten, die zun Teil heute bereits wieder eingetrieben wor den sind. Und daneben fanden wir noc ausreichend Zeit, in Gemeinschaft mit un seren österreichisch=ungarischen Verbündeter und unseren bulgarischen Freunoen an der und unseren bulgarischen Freunden an den serbischen Königsmördertum und seinem ihn trunken folgenden Volke das wohlvervienten Strafgericht der Weltgeschichte zu vollziehen der Mensch, der durch einen wenn nicht selbt We Neujahr 1916. Statt Glockenläuten— Waffenklirren, Statt Orgelion— Kanonenhall. Statt Festgesänge— Kugelschwirren Und tötlicher Zusammenprall! Seit Monden waren dies die Zeichen, Darunter jeder Tag wohl kam, Und rings von Armen wie von Reichen Gleich ernst auch wieder Abschied nahm. Nun ist das große Jahr zu Ende, Doch nicht mit ihm die große Jeit; Wir stehn an einer Jahreswende Von dleibender Bedeutsamkeit, Wo treue deutsche Herzen schlagen. Blickt heut man dankbewegt zurück, Auf das, was jüngst in Sturmestagen Gewonnen ward für Deutschlands Glück. Viel teures Blut ward schon vergossen, Der Schmerz geht auch durchs deutsche Land Allein noch nie umsonst geflossen Ist deutsches Blut in fremden Sand. Das Schwert, zur Abwehr nur beflissen, Das schneidet doppelt gut und scharf, Weil man mit ruhigem Gewissen Des Sieges Früchte ernten darf. Nicht Freudenlärm darf heute walten, Wie sonst in der Syloesterstund; Nein. laßt uns still die Hände falten Und beten tief aus Herzensgeund; Treu denken woll'n wir uns'rer Helden! Des Weltenlenkers Gnadenblick Mach', dis den letzten Sieg sie melden, Uns würdig für der Jukunft Glück! Ein Gasteres- Kaugbsisches Gannnsisond! Gens, 30. Dez. Der„Radical“ erörtert die allgemeine Kriegolage und erklärt: Trotz des Mutes unserer Armeen und der moralischen Kraft der Zivilbevölkerung besitzt der Feind noch immer Belgien und befindet sich noch 80 Kilometer von Paris. Die füßen Weisen und die Trompetenklänge berauschen niemand mehr. Frankreich weiß, daß es den Frieden durch den Sieg nur um den Preis der langen Geduld erreichen kann und daß wenig Hoffnung auf einen baldigen entscheidenden militärischen Erfolg besteht. Die bittere Notwendigkeit, einen Abnützungskrieg zu führen, bedeutet aber Trauer und Anglück in vielen bis jetzt verschonten Kreisen, uummme eine weitere Verteuerung des Lebens, das für die Armeen trotz der ohnmächtigen Maßnahmen der Regierung immer schwieriger wird, immer mühsamere Anstrengungen unserer Industrie und des Handels, um die täglich ungewisser werdende Existenz zu erhalten, eine schlechte Bestellung der Felder und Verarmung des Viehbestandes.— Der „Nadical“ beantwortet im Hinblick auf die düstere Zukunft die aufgeworfene Frage, ob es nicht besser sei, einen vorzeitigen Frieden zu schließen, nicht, überläßt vielmehr jedem einzelnen die Beantwortung. angestrebten so jedenfalls doch gebilligten Königsmord einen mit dem Blute eines Ver brecherkönigs und seiner Dirne besudelter Tron bestieg und dort, gestützt auf die ge wissenlosen Versprechungen, des.wortbrüchi gen russischen Zaren, jenen Geist und jen Richtung großzog, aus der hus Spauenvoll Verbrechen, von Serajewo, und##f de Weltkrieg herauswuche— vieser Wen.„ von schweren Lebemannsleiden geplagt, ar seine alten Tage über die schneebedesckterzgg banischen Höhen und hofft auf ein## in Italien, wo er sein Verbrecherdasein i Ruhe beschließen zu können einstweilen ni hofft. Zwar brachte das Jahr 1915 unst ren Verbündeten einen neuen Feind: It lien, von englischem und französischem Geld bestochen. Regierung und Presse trieben au dieses unglückselige Land in den Krieg, wide den Willen des Volkes, wider die gesund Vernunft, unter schamlosem Bruche des Vei sprechens, das Italien seinen beiden früh ren Verbündeten des Dreibundes gegebe hatte. Aber in dem halben Jahre diese italienisch=österreichischen Krieges hat de unglückselige Land an den Südabhängen di Alpen bereits Hunderttausende Menscheng opfert, ohne dabei auch nur einen irgen wie beachtenswerten Erfolg zu erzieler Und dann erst das Fiasko der englische Aushungerungspläne! Wir haben die ner Ernte glatt und ohne Sorgen mit eine ganz respektablen Vorrat an Getreide ur Kartoffeln untergebracht und bereits für de neue Erntejahr Vorräte für mehrere Woche erübrigen können. Von Hungergefahr bei uns längst keine Rede mehr. Es ge uns bereits wieder so gut, daß wir uns# der Butterknappheit eine große Aufregut leisten können! Das werden auch die Fein sagen müssen: Ein Volk, das sich um Butt sorgt, hat eine wirkliche Sorge noch nie kennen gelernt! Wirklich nicht! Das Jahr 1915 hat ui nur Glück, unfaßbares, unbeschreiblich Glück gebracht. Es geht uns gut— we besser, als es irgendjemand nach einem a derthalbjährigen Kriege erwartet hat.## geht uns so gut, daß unsere Brüder aus de Felde ob des Lebens bei uns den Kopf schü teln, sobald sie einmal auf Urlaub in d Heimat kommen. Fast wie in Friedensze sind die Schänken belebt; Theater und Ko zerte werden noch besucht, und die Schlei merlokale der Reichen erfreuen sich auße ordentlichen Zuspruches derer, denen#### Kriegskonjunktur große Gewinne ermöglihat. Es geht uns noch zu gut, und daru mag der erste Wunsch dieser Jahreswen der sein: Möchten sich doch alle b uns daheim auf den Ernst der Ze besinnen! Nur ein in allen seinen Gl dern und Schichten reifes und gesundes Vi# kann das Deutsche Reich zu der seiner we tenden hohen Weltmission befähigen; 1# tapferen Brüder draußen im Kugelregen# ben diesen moralischen Hochstand längst al gebracht. Mögen wir Daheimgeblieben ihnen im neuen Jahre restlos ebenbürt gleichwertig werden! Dann wird auch d kommende Jahr unsere Kämpfer draußen treuem, festen Glauben an die Zukunft un seres Volkes erhalten und sie damit### fähigen zu weiterem erfolgreichen Kämpf und Ringen, zum endlichen Siege! Summu Der Krieg gegen Rubland. Die Hauptaufgabe der russischen Regierun Der„Dienj“ veröffentlicht eine Unterre mit dem russischen Minister des Innern, Kwosin der dieser u. a. ausführte, daß die Duma#### scheinlich Ende Januar einberufen werde. Fortbestehen der wirtschaftlichen Genossensch 70 erwünscht; sle befaßten sich aber mit Politik das sei unzulässig. Er verneinte, daß es in Rußland einen Parlamentarismus gibt. Die Referung sei so stark, daß sie keine Parteien brauche. Die„Birshewija Wjedomosti“ bemerkt dazu, aß die Regierung mit ihrem Programm sich im mehr mit den echt russischen Leuten verbrüsere. Den Mund halten und blinder Gehorsam die einzige politische Weisheit der jetzigen soeenannten starken Regierung. Anderen PresseverSretern gegenüber erklärte der Minister des Inern, die Hauptaufgabe der Regierung sei die Bekkämpfung der deutschen wirtschaftlichen Vorherrschaft. Eine Reihe von Maßnahmen werde teils erwogen, teils seien sie bereits durchgeführt, deren wichtigste die Auflösung des deutschen Grundbesitzes sei. Man müsse in Betracht ziehen, daß der deutsche Einfluß in Rußland zu übermächtig gewesen sei; um ihn auszurotten, sei ein langer Kampf nötig. Schließlich dementierte Kwostoff noch das Gerücht, daß innerhalb der Regierung Friedensströmungen vorhanden seien. Alle Mitglieder der Regierung stimmten für den Krieg bis zum Siege. Russische Vorbereitungen gegen Bulgarien. Aus Bukarest wird, der„B. 3.“ zufolge, gemeldet: Die Vorbereitungen zur russischen Expedition gegen Bulgarien werden in den Häfen an der Donau und im Schwarzen Meer eifrigst fortgeführt. Die in Süd=Bessarabien konzentrierte russische Linieninfanterie wurde zum Teil mit der Bahn nach Odessa gebracht, wo man auf die russische Expeditionsflotte wartet. Aus dem Hafen Balkot wurden Schiffsbrücken und Pontons in der Richtung gegen Warna transportiert. Aus NeuKilia wurden Luftschiffe und Hydroplane ebenfalls in der Richtung Warna transportiert. Alle russischen Donauhäfen sind stark befestigt und werden scharf bewacht. Deutscher wtb. Großes Hauptquarkier, 30. Dez. 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. In der Nacht zum 29. Dezember mißglückte ein englischer Versuch, nordwestlich von Lille durch Ueberraschung in unsere Stellungen einzudringen. Eine kleine nächtliche Unternehmung unserer Truppen südwestlich von Albert war erfolgreich und führte zur Gefangennahme von einigen Dutzend Engländern. Am Hartmannsweilerkopf wurden gestern die in französischen Händen gebliebenen Grabenstücke zurückerobert. Im übrigen fanden an vielen Stellen der Front bei günstigen Beobachtungsverhältnissen lebhafte Feuerkämpfe statt. Auch die Fliegertätigkeit war beiderseits sehr rege. Ein feindliches Geschwader griff die Orte Werwicg und Menin und die dortigen Bahnanlagen an; militärischer Schaden wurde nicht angerichtet, dagegen sieben Einwohner verletzt und ein Kind getötet. Ein englisches Flugzeug wurde nordwestlich von Cambrai im Luftkampf abgeschossen. Oeflicher Kriegsschauplatz Südlich von Schlok, sowie an mehreren Stellen der Heeresgruppe des Generals von Linsingen wurden Vorstöße russischer Wachtkommandos abgewiesen Bei der Armee des Generals Grafen mer wiesen österreichisch=ungarische Truppen die Angriffe starker russischer Kräfte gegen den Brückenkopf von Barkanowa an der Strypa ab. Neben starken blutigen Verlusten büßte der Feind etwa 900 Gefangene ein. Balkau=Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändet. Oberste Heeresleitung. Oesterreichischer Tagesbericht. Der Krieg gegen England. Eine englische Jahresbilanz. Die„Westminster Gazette“ widmet dem abgelaufenen Jahr einen Leitartikel, worin es heißt: England kann Befriedigung aus dem Umstande schöpfen, daß es in der Lage gewesen ist, eine Leistung zu vollbringen, die es sich nie vorher zugetraut hätte. Auch alle diejenigen, die einen starken Rückgang des englischen Handels befürchtet hatten, sind durch die Tatsachen getäuscht worden Der Krieg hat Großbritannien reiche Hilfsquellen enthüllt. Ungeheure Truppenmassen haben wir mobilisiert, gewaltige Mittel auf industriellem und finanziellem Gebiete dem Staate zur Verfügung gestellt. Damit haben wir bereits die großen Gefahren, die für England bei Ausbruch des Krieges vorhanden waren, überwunden und gleichzeitig zweckmäßige Maßnahmen getroffen, um unseren Verbündeten eine fortgesetzt steigende Unterstützung gewähren zu können. Lord Derbys Mißerfolg. TU Amsterdam, 30. Dez. Aus London wird mitgeteilt, daß die nach Lord Derbys System erfolgten Einschreibungen für das Heer vollständig (ungenügend sind, weil die jungen unverheirateten Männer sich als Munitionsarbeiter eingeschrieben haben. Fast acht Zehntel aller zum Heeresdienst eingeschriebenen Männer sind verheiratet. Den Verheirateten wurde jedoch nach Asquiths Verksprechen noch besonders zugesichert, daß sie erst nach den unverheirateten Männern einberufen werden ssollen. Jetzt ist die Regierung in der Klemme und helfen al die Dienstpflicht WTB Wien, 31. Dez. Amtlich wird verlautbart vom 30. Dezember: Russischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe in Ostgalizien nahmen an Umfang und an Heftigkeit zu. Der Feind richtete gestern seine Angriffe nicht nur gegen die bessarabische Front, sondern auch gegen unsere Stellungen östlich der unteren und mittleren Strypa. Sein Vordringen scheiterte meist schon unter dem Feuer unserer Batterien, wo dieses nicht geschah, brachen die russischen Sturmkolonnen in unserem Infanterie= und Maschinengewehrfeuer zusammen. In dem nördlichsten Teil seines gestrigen Angriffsfeldes vor dem Brückenkopf von Burkanow ließ der Gegner 900 Tote und Schwerverwundete zurück. Es ergaben sich hier 3 Fähnriche u. 870 Mann. Die Gesamtzahl der gestern in Ostgalizien eingebrachten Gefangenen übersteigt 1200. An der Ikwa und an der Putilowka kam es stellenweise zu Geschützkampf. Am Kormin=Bach und am Styr wiesen österreichisch=ungarische und deutsche Truppen mehrere russische Vorstöße ab. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Tiroler Front wurden feindliche Angriffsversuche auf Torbole und gegen den Monte Carbonile durch unser Feuer zum Stehen gebracht. Auf den Hängen nördlich des Tonalepasses versuchten die Italiener unter Mißbrauch der Genfer Flagge ihre Drahthindernisse auszubauen, sie wurden beschossen. Auf der Hochfläche von Doberd### fanden lebhafte Minenwerferkämpfe statt, die bis in die Nacht hinein anhielten. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. * Ereignisse zur See. Am 29. früh hat eine Flottille von fünf Zerstörern und Kreuzer„Helgoland“ das französische Unterseeboot„Monge“ vernichtet, den zweiten Offizier und 15 Mann gefangen genommen, darauf im Hafen von Durazzo einen Dampfer und einen Segler durch Geschützfeuer versenkt und das Feuer mehrerer Landbatterien zum Schweigen gebracht. Dabei stießen zwei Zerstörer auf Minen.„Lika“ gesunken, „Triglav“, schwer beschädigt. Größter Teil der Mannschaft gerettet.„Triglav“ wurde ins Schlepptau genommen, mußte jedoch bach einigen Stunden versenkt werden, da mehrere überlegene feindliche Kreuzer und Zerstörer den Rückzug unserer Flottille bedrohten. Unsere Flottille ist in den Basishafen zurückgekehrt. Unter den feindlichen Schiffen wurden nur englische Kreuzer,„Typ Bristol“ und„Falmouth“, sowie französische Zerstörer„Typ Bouclier“ deutlich erkannt. Flotten=Kommando. Der drinle Van 4E 4 sweiß sich nicht anders zu hersen, als die Viensepflicht einzuführen. Die Zahl der Drückeberger in England. WTB London, 30. Dez.„Daily Mail“ schreibt: Die Zahl der Unverheirateten, die sich nicht meldeten, sei außerordentlich groß, drei= bis viermal so groß wie das ursprüngliche Expeditionskorps. Außerdem hatten sich mehr als eine halbe Million in Betriebe geflüchtet, deren Arbeiter für den Dienst im Heere nicht in Betracht kommen. Gründe für den Abtransport der Inder von der Westfront. Haag, 30. Dez. Der„Daily Telegraph“ schreibt im Anschluß an die Meldung des Abtransportes indischer Truppen nach einem anderen Kriegsschauplatz, daß diese Maßnahme in erster Linie erforderlich geworden sei durch das schlechte Klima der letzten Zeit. Selbst die gegen Witterungsverhältnisse abgehärteten Gurkhas seien in großem Umfange krank geworden. Die Kampfkraft der invischen Truppen sei dadurch merklich verringert worden. Aus einer weiteren Besprechung des Feldzuges in Mesopotamien, wo neue Verstärkungen dringend erforderlich seien, gehe hervor, daß der„Daily Telegraph“ die Ueberbringung der indischen Truppen nach Mesopotamien erwartet. Englands wankende Herrschaft in Indien. TU Lugano, 30. Dez. Die italienische Presse bezeichnet die englische Genehmigung des indischen Nationalkongresses in Bombay als Beweis dafür, daß England seine Herrschaft in Indien wanken fühlt. Für ein gesetzliches Verbot der Ausfuhr von Kriegsmunition aug Amerika. WTB Neuyork, 30. Dez.(Durch Funkspruch von unserem Privatkorrespondenten). Die„Associated Preß“ meldet aus Washington: Die Bewegung, die Auf ein gesetzl. Ausfuhr=Verbot von Kriegsmunition abzielt, hat sich so verstärkt, daß der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses, Flood, beschlossen hat, gleich e chug einzuberufen, um einen Meinungsaustausch ber die Frage zu veranlassen. Elbassan besetzt! TU Genf, 30. Dez. Die Lyoner„Nouvelliste“ meldet aus Cetinje: Die vor Elbassan entbrannten Kämpfe zwischen Serben und Bulgaren endeten mit der Niederlage der Serben. Die Bulgaren, die die flüchtenden Serben von Ochrida und Struga aus verfolgen, besetzten Elbassan! Die Flucht aus Saloniki. TU Budapest, 30. Dez.„Az Est“ meldet aus Saloniki:„Auf Wagen oder zu Fuß flüchten die wohlhabenden Einwohner aus Saloniki nach Konstantinopel. Hab und Gut haben sie in den Tresors der Salonikier Banken verwahrt, die wahre Schatzkammern geworden sind. Die Einwohnerschaft rechnet damit, daß die Stadt verwüstet wird; denn wenn die Kanonade die Stadt nicht zerstören sollte, so werden sicherlich die flüchtenden Truppen der Entente sie in Brand stecken. Neuer Protest gegen die Befestigung von Saloniki. WTB Wien, 30. Dez. Die„Südslawische Korrespondenz“ meldet aus Athen von vorgestern: Die griechische Regierung hat gegen die von der Entente um Saloniki errichteten Befestigungen zum zweiten Male Protest eingelegt. Der italienische Gesandte hat dem griechischen Kabinett im Auftrage seiner Regierung die Erklärung abgegeben, daß die bei Valona stehenden Truppen die albanische Grenze nicht überschreiten werden. —— Aus Stadt und Umgedung. Neujahr 1916. Wir schreiten hinüber ins Jahr 1916. noch immer umtobt von Waffengeklirr und Kanonendonner. Ein großes Kriegsjahr liegt hinter uns. Wir sind vorangekommen gegen die Welt unserer Feinde. Gott war mit uns und hat uns den Sieg gegeben. Wir haben unsere Grenzen weit ausgedehnt bis mitten in die Lande unserer Feinde, und Serbien, die Ursache des Krieges, liegt zerschmettert am Boden. Wir haben große Taten erlebt, weil große Tugenden uns beseelten: Opfermut, Tapferkeit, Unerschrockenheit, Fähigkeit, Treue, Gottvertrauen. Wir haben der Welt gezeigt, daß wir uns nicht unterkriegen lassen, wenn wir einig sind und treu. Die Hoffnungen unserer Feinde sind getäuscht worden. Wir standen unseren Mann und sind nicht Amboß, sondern Hammer. An der Front und hinter der Front haben wir unsere Pflicht getan, und Gott hat unser Tun gesegnet. Aber auch ein schweres Kriegsjahr liegt hinter uns. Wir haben große Opfer bringen müssen. So mancher hat Vater, Bruder, Sohn, Gatten hergeben müssen. Wir alle haben Geld und Gut darbringen und Entbehrungen auf uns nehmen müssen. Der Krieg ist doch etwas Furchtbares und Schreckliches, und jeder Tag bedeutet in diesem Weltkrieg ungezähltes Leid und ungezählte Tränen. Aber wir sind nicht verzagt, sondern Gott hat uns Trost und Kraft geschickt. Nun stehen wir an der Schwelle des neuen Jahres. Es ist klar, und wir bestreiten es nicht, daß Millionen von uns den Frieden erbitten. Wir haben niemals den Krieg gewollt, sondern der Friede lag uns stets am Herzen. Aber die Friedensliebe kann uns niemals dazu treiben, daß wir auf unsere Vorteile verzichten und all' unsere Opfer vergeblich gebracht haben. Neue Taten und neue Leiden erwarten unser deutsches Volk im neuen Jahr. Wir wollen beides auf uns nehmen, indem wir einig sind untereinander, festhalten an den großen Tugenden, die uns voran gebracht haben, und vor allen Dingen in engster Verbindung bleiben mit dem großen Alliierten im Himmel. Halten wir so durch, dann wird uns, wills Gott, das neue Jahr 1916 den ehrenvollen Frieden bringen, den wir alle ersehnen, der uns aber sicherlich nicht ohne weiteres von unseren Feinden geschenkt wird, sondern den wir uns in treuem, zähen Tun erkämpfen müssen. In diesem Sinne wünschen wir allen unseren Lesern, Mitarbeitern und Geschäftsfreunden ein Glückseliges neues Jahr! Rückblicke auf den Weltkeieg. 31. Dezember. Neujahrsbotschaft des deutschen Kaisers.— Englische Drohnote an die Türkei. An diesem Tage erschien die Neujahrsbotschaft des deutschen Kaisers an Heer und Marine. In dieser wird auf die glänzenden Siege zu Lande und zu Wasser hingewiesen, ferner, daß hinter Heer und Flotte das deutsche Volk in beispielloser Eintracht stehe, bereit, sein Bestes herzugeben für den heiligen heimischen Herd, den wir gegen den frevelhaften Ueberfall verteidigen. Ob auch die Zeit ernst, die vor uns liegende Aufgabe schwer ist, voll Zuversicht dürfen wir in die Zukunft blicken.— Die veröffentlichten Berichte geben zum Jahresschluß eine Art Bilanz, namentlich bezüglich der Kriegsgefangenen. Darnach befinden sich davon in Deutschland 8138 Offiziere und 577875 Mann; den Hauptanteil stellten die Russen mit über 300 000 Mann, den kleinsten die Engländer mit 18800 Mann.— Noch kurz vor Jahresschluß erschien auch der amtliche deutsche Bericht über den Zustand der Kunstdenkmäler im nördlichen und östlichen Frankreich; es wird in dem Bericht nachgewiesen, daß die Kunstschäden im ganzen geringer Natur sind und daß nur in einigen wenigen Fällen von größeren Zerstörungen wertvoller Kunstsachen die Rede sein kann, daß aber in diesen Fällen die Zerstörung eine Notwendigkeit war, weil der Feind diese Denkmäler als Stützpunkte militärischer Operationen benutzte, manche Denkmäler auch von ihm selbst zerstört wurden.— Am Jahresschluß noch drohte England der Türkei die Forcierung der Dardanellen an, wenn die Türkei nicht ihren Vormarsch auf Aegypten einstelle; die Türkei ließ sich aber nicht einschüchtern, zumal sie bereits seit Monaten für die allseitige Verstärkung der Schutzwehr der Meerengen gesorgt hatte. **(Günstige Entwickelung der deutschen Sparlassen.) Dem Monatsnachweis des Amtsblattes des deutschen Sparkassenverbandes zufolge haben die deutschen Sparkassen auch im November die gewohnte günstige Entwickelung fortgesetzt. Nach den Berichten läßt sich der Ueberschuß der Einzahlungen über die Rückzahlungen— von den Abschreibungen auf die Kriegsanleihe abgesehen— bei den gesamten deutschen Sparkassen für November auf mindestens 115 Millionen Mark berechnen gegen 165 Millionen Mk. im Oktober und 110 Mill. Mark im September. Damit hat der Ueberschuß der Einzahlungen über die Rückzahlungen seit Jahresbeginn den Betrag von 2281 Millionen Mk. erreicht. **(Evangelisches Krankenhaus.) In der Notiz über den Bau einer Baracke beim Evangelischen Krankenhause ist leider ein Irrtum unterlaufen insofern, als es sich nicht um den Bau einer Well blechbaracke handelt. Wellblechbaracken sind bekanntlich sehr empfindlich gegen Hitze und Kälte. Sie machen auch im allgemeinen den Eindruck großer Ungemütlichkeit, sind schlecht zu heizen und ebenso schlecht zu be= und entlüften. Man kann sie zur Aufnahme von Kranken nur in Notfällen benutzen. Anstatt ihrer baut man heute Holzbaracken nach bekannten und bewährten Systemen, die sowohl allen Anforderungen an Wärme und Gemütlichkeit, als auch an gesundheitstechnischen Bedingungen entsprechen. Um dem im Laufe des Krieges hervorgetretenen Mangel an Platz im Evangelischen Krankenhause abzuhelfen, hat der Vorstand beschlossen, einen Pavillon nach bewährtem System von der deutschen Barackenbau=Gesellschaft in Köln erbauen zu lassen. Das Gebäude, 22 Meter lang und 7 Meter breit, erhebt sich auf dem Gelände des Krankenhauses. Es macht einen freundlichen Eindruck durch die hellen Farben, in denen es gehalten ist. Im Innern enthält es zwei helle, freundliche Säle, die vorläufig zur Aufnahme von Kranken bestimmt sind. Vermöge der eigenartigen Konstruktion sind die Räume leicht zu heizen. Die Firma ist die bedeutendste ihrer Art in ganz Westdeutschland und infolge ihrer einwandfreien Leistungen in Frieden und Krieg sehr in Anspruch genommen. In der letzten Zeit sind für viele Städte in unserer engen Heimat größere Bauten von der Firma errichtet worden. Die Bauten haben den Vorzug, daß sie schnell zu errichten sind, und im Bedarfsfalle leicht zu transportieren und zu versetzen sind.— Es ist vorgesehen, den Pavillon beim Evangelischen Krankenhause, später, wenn der Friede eingezogen ist, als Isolierabteilung für ansteckende Krankheiten einzu richten, was durch den Einbau einiger Wände leicht zu bewerkstelligen sein wird. Der Pavillon ist nach dem Normalentwurf des Königlichen Regierungsbaurates Morin in Arnsberg gebaut. Er wird jedenfalls dazu dienen, daß das Krankenhaus immer besser noch seinen Insassen das gewähren kann, was sie in ihm suchen. (Das Eiserne Kreuz) wurde dem kürzlich zum Gefreiten beförderten Heinrich Gosmann aus der Beckestraße verliehen. (Die anhaltend milde Witterung) hat auf die Winterfrüchte, wie Weizen, Roggen und Gerste, eine vorzügliche Wirkung ausgeübt. Der kürzlich aufgetretene Frost hat den Früchten nicht geschadet. Durch die dann folgende warme Witterung habe die Landwirte die Vorbereitungen für die Fr jahrsbestellungen in vollem Umfange erle können. Auch die letzten Hochfluten der Lenihrer Nebenflüsse haben auf Feld und Wi nen nennenswerten Schaden angerichtet. **(Am Freischütz) finden an den beiden leujahrstagen zwei Konzerte statt und zwar am ersten Tage dasjenige des„Ruhrtaler SängerVereins", während am zweiten Tage ein Militär=Konzert von der Kapelle des 12. Landsturm=Inf.=Ersatz=Bataillons aus Friedrichsfeld geboten wird. *(Sylvesterandacht.) Es sei auch an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, daß heute nach mittag 5 Uhr in der großen evangelischen Kirche eine liturgische Sylvesterandacht stattfindet. *(Nasensport.) Die 2. und die 3. Mannschaft des Schwerter Sport=Klubs tragen am Neujahrstage, nachmittags 2 Uhr, auf dem„Schützenhof“ ein Fußball=Wettspiel gegen einander aus, womit die 3. Mannschaft zugleich ihre erste öffentliche Probe ablegt. Am folgenden Tage, Sonntag, nachmittags 2½ Uhr, wird sich auf gleichem Platze der 1. Mannschaft des genannten Vereins die 2. Mannschaft des Fußball=Klubs„Phönix=Alemania“= Hagen zum Bezirks=Fußballspiel stellen. **„Westhosen, 31. Dez.(Kirchliches.) Im Jahre 1915 wurden in der evangelischen Kirchengemeinde getauft 45 Kinder, konfirmiert 42. Ge Nr. 306 2. Blatt Zur Jahreswende! Die Erde zittert, denn Europas Völker streiten Um Sieg und Freiheit unermüdlich Tag für Tag. 2och hört! 44. Hineingehämmert in den Rle#slauf atler * Zeiten, Grüßt uns die Jahreswende wie ein Glocken schlag. So laßt, Trotz Eisenhagel, kurz den Blick uns wenden Zur Heimat, auf zum Himmel, dann voraus, Und gürtet fester noch die müden Lenden; Gelobet neu mit Herz und Hand:„Wir halten aus Berser P Freitag. 31. Dezember 1915. Amtliches Kreisblatt. 1K 57 1•: Die Feinde wüten. Laßt sie Nebelschlösser bauen Mit Neid und Habsucht, denn sie stürzen über Nacht. Uns führt„ Der Väter Maynruf und ein felsenfest Vertrauen: Frisch drauf! Gott bleibt uns feste Burg in Not und Schlacht! Nun denn, Trotz Kriegeswirren, laßt den Blick uns wenden Voll Hoffnung in das neue Jahr hinein, Und haltet Treue, hier und aller Enden; Dann wird zuletzt der Sieg doch unser sein! Hermann Böning, Hauptmann d. R., im Felde. 9— Zum neuen I hre 19 6. Es hat ein weiser Mann gesagt, das sei die beste unter allen Gaben, die dem Menschen von Natur verliehen sind, daß er die Zukunft nicht voraussehen könne. Wie hätten wir's ertragen, wenn's uns bewußt gewesen wäre, daß das Jahr 1915 nach ungeheuren Kämpfen und Opfern von uns schei den würde ohne gewisse Aussicht auf Frieden? Daß wir auch im neuen Jahre noch zu bitten hätten:„Schleuß zu die Jammerpforten und laß an allen Orten nach so viel Blutvergießen die Friedensströme fließen?" Viele bleiben mit ihren Gedanken der Vergangenheit zugewandt, nassen Auges stehen sie vor den Scherben ihres Glückes und erwarten von der Zukunft keinen Trost mehr. Aus dem tiefen Dunkel der Zeit steigt dennoch ein lichtes Neues empor. Wir reden nicht nur von dem Wunder unserer festen Siegeshoffnung im Kampfe gegen eine Welt von Feinden. Nein, aus den Verlusten selbst, die uns beugen, will ein Gewinn erstehen, durch Tränen hindurch noch schwer erkannt und doch sicher sich anbahnend und in der Folge sich auswirkend. Edle Reime möchten ans Licht: Neue Treue unter den jetzt getrennten Ehegatten, neue Innigkeit des sonst gelockerten Familienlebens, Wiederaufrichtung verfallener Zucht und Ehrsurcht. Wo die Genußsucht über fremdes Glück achtlos hinschritt, da regiere ernste Selbstzucht, wo Standesdünkel die Gesellschaft zerklüftete, kameradschaftlicher Sinn und Ach tung vor jeder redlich schaffenden Kraft, fröhliches Wirken zum Gemeinwohl, neidloses Bauen an fremdem Glück. Statt verdrossenen, ruhelosen Begehrens blühe uns frohe Genügsamkeit, statt hohlen, prunkenden Scheines bestehe unter uns schlichte Aufrichtigkeit und Treue. Sollte dann auch die neue Zeit in ihrer Außen seite dürftiger als die alte sein, ähnlich dem mühsamen Sichemporringen unserer Väter nach den Stürmen der Freiheitskriege. die neue Zeit würde dennoch reicher als die alte sein. Ein schweres Wetter braust noch immer über uns hin; vieles muß darüber fallen und vergehen. Wie aber Winterstürme, durch den Wald fahrend, viel Morsches zerbrechen, damit das Starke, Gesunde desto froher gedeihe, wie die Bäume, bis in die Tiefe erschüttert, desto fester wurzeln lernen, so mag es auch mit unserm Volk ergehen. Denn nicht von ungefähr ist dieser Sturm; er ist von Gott gesandt, ein Bringer der Läuterung im Großen wie im Kleinen, ein Mittel, um tiefer in ewigem Grunde zu wurzeln, ein Erzieher zu neuen großen Aufgaben im Dienste des Weltlenkers. War doch selbst Napoleon I., der Sohn der Revolution, einst ein Werkzeug in Gottes Hand zum Heil unserer Väter. Die Vergangenheit versinkt hinter uns, eine neue Zeit steigt herauf. Sie wird neue Mächtegruppen bilden, dem Weltverkehr, der Kultur neue Bahnen weisen. Vielleicht ist das deutsche Volk dazu ersehen, die widergöttlichen Mächte aufzuhalten und der Weltmission im Morgenlande neue Bahnen zu erschließen. Einer unserer Weisen spricht:„Jedes Volk hat seinen Tag in der Geschichte, aber der Tag des Deutschen wird die Ernte der ganzen Welt sein." Jeder Deutsche mag an seinem Teile redlich dazu helfen, und Gott seinen Segen geben, daß es bei uns sich erfülle:„Siehe, ich mache alles neu!“ Unabhängig vom Leutscher Ecsatz für ausländische Munitionsstoffe. :: Am Dienstag hielt in Bremen in der Sitzung des dortigen Kaufmanns=Konvents der Präses der Bremer Handelskammer, Alfred Lohmann, eine bemerkenswerte Ansprache über die Kriegsereignisse dieses Jahres, in der er u. a. auch auf sperrung Deutschlands von der Rohstoffzuuhr des näheren einging. Hier machte er nach dem Bericht des„Berl. Lok.=Anz. folgende interessanten Ausführungen: „Die Absperrung der Rohstoffe für die Munitionserzeugung hat für unsere Vaterstadt Bremen ein ganz besonderes Gepräge durch die erklärung der Baumwolle als Banngut seitens unserer Feinde. Auf Grund des Gutachtens eines englischen Professors Ramsey, welcher erklärte, daß, wenn die Baumwolle Deutschland gesperrt würde, die Erzeugung von Munition nicht mehr möglich sei, erfolgte diese neue Verletzung der Londoner Deklaration. Ich kann hier mitteilen, daß ich Gelegenheit gehabt habe, amtlich festzustellen, daß seit 8 Monaten nicht ein Kilo Baumwolle mehr für die Pulverfabrikation verarbeitet worden ist. Dank der Arbeit deutscher Wissenschaft und Industrie ist es gelungen, aus dem unermeßlichen Bestande unserer deutschen Wälder einen Zellstoff herzustellen, der billiger und weit geeigneter ist als BaumwollLinters zur Pulverfabrikation, und auch nach dem Kriege werden die deutschen Munitionsfabriken nicht ein Kilo Baumwolle mehr von Amerika kaufen. Der zweite wichtige Bestandteil, das Salpeter, von welchem wir zwei Drittel der gesamten chilenischen Produktion bisher bezogen haben, wird nunmehr ausschließlich aus der Luft in Deutschland fabriziert. Unsere Fabriken sind bereits soweit gediehen, daß sie mit dem kommenden Frühjahr die gesamten Bedürfnisse an Stickstoff auch für die Landwirtschaft decken; und dauert der Krieg noch ttwas länger, so werden unsere Luft=Stickstoff=Fabriken sogar in der Lage sein, zu exportieren. 51 .... Ein anderer Bestandteil der Sprengstoffe, der Kampfer, wurde bis vor sieben Jahren ausschließlich von Japan importiert und dann synthetisch hergestellt unter Verwendung von amerikanischem Terpentinöl, welches wir für mehrere Millionen Mark jährlich importieren mußten. Die Absperrung der Zufuhr durch England hat unsere chemische Industrie veranlaßt, den Kampfer, welcher für Sprengstoffe unentbehrlich ist, künstlich herzustellen, und zwar biliger und besser als sowohl der syntherische Kampfer aus Terpentinöl wie der na türliche aus Japan, und nach dem Krieg: wird kein Zilo Kampfer mehr vom An lande zu importieren sein. Die großen Ter pentinkäufe für die Kampferproduktion von Amerika werden aufhören. Auch hier hat die Absperrung der Meere durch England uns wertvolle neue Fabrikationsgebiete erschlossen, und werden uns im Frieden viele Millionen Mark im Einkauf aus dem Auslande erspart bleiben. Allein das neutrale Ausland, das immer noch unter der nose der scheinbaren englischen Uebermach. zur See steht, wird geschädigt. in den Rrgonnen. :: In den West=Argonnen, H. Ende Dezember 1915. Als in der Heimat die Glocken am Heiligen Abend machtvoll durch die Lande brausten, versammelten sich in dem kleinen Kirchlein von V., das die Hände wackerer Soldaten mit Tannenreisig geschmückt hatten, einige Hunderte andächtiger Krieger. Zwei hellstrahlende Weihnachtsbäume landen am Altar, zu dem hinüber in ergreifender Art Gesang der Hörer und Poaunenklänge schollen. All die kriegsstarken Männer— in schlichter Demut sangen ie das herrliche Weihnachtslied:„Stille Nacht, heilige Nacht“, worauf der evangelische Divisionsgeistliche Dr. F.(Mainz) das Wort zu einer kurzen, paskenden Ansprache nahm. Tief ergrissen lauschte man ihm. Kein Laut regte sich, als er der Facilien daheim gedachte und zuletzt an die Herzen sich mit der Aufforderung wandte, Frieden mit dem eigenen Innern und im weileren Sinne Frieden zwischen den Völkern u machen. Aber nur einen Frieden, der ngleich Sieg und von Dauer ist. Kein Mißklung störte den feierlichen Akt, der an licer Stätte, mitten im Bereich des feindiicgen Artilleriefeuers, alles in seinen nn zwang. icht gedrängt standen und saß sie dle teitweise vor wenigen Stunden erst im Schützengraben abgelöst worden waren— Offiziere und Mannschaften, deren Kleidung und Stiefel noch vom Lehm der vordersten Stellungen kündeten. In seiner Schlichtheit nackte der jugendliche Geistliche, der seine Hörer immer nur„Kameraden" nannte, ungemein. Die Franzosen haben sich leider, wie im Vorjahre, sehr unhöflich gezeigt. Sie schossen bis zum Nachmittag fast ohne Unterbrechung. So konnte der katholische Gottesdienst, der im Lager von.. stattfand, nur unter großen Schwierigkeiten vor sich gehen. Kurz vor Beginn feuerten sie schwere Granaten in Form von Streufeuer hinüber. Ein Offizier befahl daher seiner Kompagnie, die große Baracke, in der sich der Pfarrer und ein eng zusammengedrängte Menge von Soldaten bereits eingefunden hatte, vorübergehend zu verlassen und die Unterstände aufzusuchen. Bald darauf konnte jedoch der liebenswürdige Kommandant des Lagers, Hauptmann L., mit teilen, daß man die„Herren drüben" vorübergehend zum Schweigen gebracht habe. In wenigen Augenblicken war die geräumige Baracke wieder dicht besetzt. Der Pfarrer stand unter dem schlanken, reich geschmückten Baume und sprach von Weihnachten als dem Fest des Friedens in höherem Sinne— sprach vom Feste, während allmählich wieder ein heftiges Krachen einsetzte und eine Granate nur etwa 200 Meter entfernt in den Boden prasselte. Ein Blindgänger, der keinen Schaden anrichtete und trotz seines Getöses die Andacht kaum störte, wenn auch sekundenlang die grausige Symphonie sich allzu kraß von den milden Worten des Geistlichen abhob... Generalkommando und Division der von mir besuchten Armee begingen den Heiligen Abend schlicht und würdig. Exzellenz v. St. und Exzellenz v. Sch., deren Gast ich in diesen so gar nicht weihnachtlich anmutenden, regennassen Tagen bin, sorgten zuvor in rührender Weise, daß, wo irgend möglich, selbst draußen in den teilweise bis Meter hoch von Schlaum und Wasser angefüllten Gräben und Unterständen Weihnachten nicht vergessen wurde. Ueberall sah man ein Bäumchen, überall waren Gaben der Liebe eingetroffen. Weiter hinten, in den Ruhequartieren, konnte die Weihnachtsfeier atürlich auf das Sinnigste ausgestattet werden. So hatte der Ortskommandant von V., im Frieden Oberlandesgerichtsrat in Kassel, ein Schlachthaus sehr würdig in einen ganz prächtigen Weihnachtsraum umwandeln lassen und bescherte hier weit über Hundert braven Kriegern. Hauptmann M. ließ in einem äußerst geschickt gegen Sicht geschützten Zelt vier lange Weihnachtstafeln errichten und hatte für jedes Mitglied seiner Kompagnie ein artiges Geschenk bereit. Mein freundlicher Quartierwirt, Leutnant H., der unermüdlich bemüht ist, dem einsamen Kriegsberichterstatter das Fest einigermaßen traulich zu gestalten und mir in das bescheidene Dorfstübchen einen innenbaum stellen ließ, feierte Weihnachten mit seiner Maschinengewehrkompagnie in einer Scheune. Diese Scheune hatte echtes, weihnachtliches Empfinden auf das Liebevollste mit weihnachtlichem Dufte und Glanze erfüllt. Wohin man blickte, frohe, wenn auch natürlich etwas gedämpfte Stimmung, die aller Herten emporhob, und der auch das nahe Rollen und Donnern der Geschütze im Grunde nichts von dem weihnachtlichen Zauber rauben konnte. In einem zweiten Artikel wird ausführlich der hervorragenden Leistungen dieser Division zu gedenken sein. Sie trotzt einem zähen Gegner unermüdlich und steht unerschüttert da, wo sie in der großen Offensive auf schwierigster Stelle nicht wankte. Emil Simson, Kriegsberihterstatter. Der Frieg auf dem Ballan. Militärisches Eingreisen Italiens in Albanien. Spät kommt sie, aber sie kommt! So werden sicherlich die aus Serbien vertriebenen Serben, Franzosen und Engländer über die Hilfe denken, die jetzt von Italien aus ins Werk gesetzt werden soll. Es sind italienische Truppen in Albanien gelandet; wieviele, steht noch nicht fest. Sie sollen aber bereits mit den serbischen Truppen, die dort, von der, großen Zusammenbruch übrig geblieben ihre Zuflucht gefunden haben, Fühlung gewonnen haben. Die„Agence Havas“ meldet aus Janina im nördlichen EpiKaturen. Roman von B. Corony. 36 Bis spät in die Nacht hinein saß Juliane am Klavier und hob mit seinem Verständnis alle Schönheiten der Partitur hervor. Der unbeschreibliche Wohlklang und die Kraft ihrer taufrischen Stimme wurden im Verein mit seelenvollem, leidenschaftlichem Vortrag allen Intentionen des Komponisten gerecht. Jnstine saß neben der Tochter und markierte zuweilen diese oder jene Stelle, die ihren besonderen Beifäll fand. Sie hielt lange mit ihrem Urteil zurück, erklärte aber endlich:„Ich werde die Partie meinem Repertoire einverleiben, Signor Sereno. Juliane hat mir wirklich nicht zu viel gesagt. Bei Gelegenheit meiner nächsten Gastspieltour sollen Sie Ihr Werk auf der Bühne hören und ich glaube nicht voreilig zu sein, wenn ich ihm einen großen Erfolg prophezeie.“ Der junge Meister, dessen Brust maßloser, bisher unbefriedigter Ehrgeiz schwellte, errötete vor Vergnügen. Die schimmernde Vision einer glanzvollen Zukunft tauchte vor ihm auf und er segnete sein Geschick, welches ihm nach dem kleinen G.. geführt hatte. Was trotz des rastlosesten Bemitheus bei Direktoren, Kunstkritikern und einflußretchen Persönlichkeiten nicht erreicht wurde, boten ihm jetzt diese Frauen oar, die bauten die goldene Brücke, über welche er in den Tempel des Glitkkes und des Ruhmes schreiten sollte. Und doch— die Sennora war ein untergehender Stern, der freilich noch immer eine Fülle bleudenden Lichtes ergießen konnte, aber dann versinken mußte. Wie so ganz anders hätte es kommen können, wenn Juliane frei gewesen wäre. Welch eine Interpretin fernerer Werke! Welch ein Vorwärtsstreben Hand in Hand mit ihr. Und nun mußte sie für immer auf dieser Scholle festgebannt und der Oeffentlichkeit entzogen sein. Sereno gehörte zu jenen glühenden und dennoch egoistischen Naturen, die sich nie zufrieden fühlen, die immer gieriger verlangen, je mehr ihneu geboten wird. Er hatte das ungewöhnliche Talent der jungen Gräfin erkannt, ein Talent, groß und selten genug, um seine kühnsten Pläne zu fördern, um den Gestalten, die er schuf, unsterbliches Leben einzuhauchen. Und nun war diese Perle in Händen, die gar nichts damit anzufangen wußten, die sie achtlos beiseite warfen, ja, die sich sogar bemühten, das Feuer echter Kunstbegeisterung zu dämpfen und zu unterdrücken, denn daß sie Raden nur ungern ihrer Lieblingsneigung folgen ließ, war dem scharfblickenden Italiener längst klar geworden, und ebenso, daß sie in die kleinlichen, eng abgegrenzten Verhältnisse gar nicht paßte. Die dell' Ara band sich niemals an die Stunde. Wein und Erfrischungen wurden herumgereicht, das lebhafte Gespräch, welches sich fast nur um Kunstinteressen drehte, forderte die ganze, hauptsächlich aus Künstlern bestehende Gesellschaft zu lebhaftester Beteiligung heraus. Keinen Moment geriet die Konversation ins Stocken. Sereno saß neben Juliane und legte ihr den Plan zu einer neuen Oper vor, deren Text er sich selbst entworfen hatte. Mit hinreißendem Feuer schilderte der Südländer jeue Szenen, auf welche sein Hauptangenmerk gerichtet war. Die Gräfin hörte keineswegs schweigend mit jener passiven Höflichkeit zu, die alles gut heißt. Sie tadelte dies, lobte jenes, verwarf das eine und wünschte das andere noch besonders hervorgehoben und verschärft zu sehen. Wie ein Vogel, der die Schwingen ausbreitet und in den Aether hineinschwebt, fühlte Juliane sich in ihrem Elemente. Dieser Eifer, diese Lebhaftigkeit, ließen sie wahrhaft schön erscheinen. „Sie zeigten mir heute das Werk, welches vorläufig nur in meiner Phantasie lebt, in ganz neuer Beleuchtung. Ich danke dafür, Frau Gräfin. Jetzt ist mir der beste Weg gewiesen. Damit zog Sereno ihre Hand an die Lippen, als man sich trennte. Die Schwiegereltern hatten ihren ganzen Einfluß auf Horst zurückgewonnen und zuweilen schien es fast, als vermeide dieser absichtlich ein Alleinsein mit Juliane. Die Freunde, namentlich Guido von Tornan, nahmen ihn wieder vollständig in Anspruch! Vielleicht hätte ihn die junge Frau zurückhalten, an sein Heim fesseln können, aber gegen solche Bemühungen bäumte sich ihr Stolz auf und das war es nicht allein, nein, jene unselige Schlaffheit, jener Akt von Fatalismus, der alles gehen läßt, wie es eben geht, machte sich geltend. Die Energie, der bestimmte, kampfbereite Wille fehlte. Juliane lauschte immer noch auf Radens Tritt, würde dem geliebten Mann gern beide Arme entgegengestreckt haben, fühlte sich aber zu schwach und müde, um ihn festzuhalten. Was kommen muß, das kommt ja doch. Unfähig, sich dawider aufzulehnen, war sie auch zu ängstlich, um die Gefahr sehen zu wollen und beruhigte sich immer selbst mit Trostgründen, die ihr dennoch unhaltbar erschienen. Horst war ein anderer geworden, das ließ sich nicht leugnen, aber wenn Juliane sich dem Ernst der Situation nicht verschließen konnte, schrie immer in ihrer zaghaften Seele etwas auf:„Nur nicht denken, nur nicht forschen und nachspähen!“ Dann machte sie mit Hast Toilette und fuhr zur Mutter. Aber auch Justine gönnte ihr keine Ruhe. Sie fragte und bestand auf Antwort. „Was soll ich Dir denn sagen?“ stieß Juliane hervor.„Horst hat in mir nicht gefunden, was er erwartete.“ „Er nicht in Dir, oder Du nicht in ihm?“ „Wenn Du mich doch nicht mit solchen Fragen quülen wolltest! Gewiß liegt die Schuld an mir. Ich kann eben nicht werden, wie er wünscht, daß ich werde.“ „Und hast Du denn nicht das gleiche Recht zu fordern, daß er Deine Anschaunngsweise adoptiert? Soll das Weib die willenlose Sklavin des Mannes sein? Nein, sage ich, und hundert Mal nein! Wer ein Opfer bringt, darf verlangen, das es ihm mit gleicher Opferwilligkeit vergolten wird. In der Hinsicht ist mir Dein großdenkender und feinsinniger Vater nichts schuldig geblieben. Sont, das schwöre ich Dir, ständen wir heute nicht mehr nebeneinander, denn ich kenne nichts erbärmlicheres, als jene Menschen, die immer verlangen und selbst keiner ganzen und vollen Hingabe fähig sind.“ „Ja, Du, Mama, Du kannst wohl so reden.“ „Warum ich mehr, als Du?“ „Weil Du eine Berühmtheit bist, auf welche die ganze zivilisierte Welt stannend blickt!“ „Ich bin's und Du hättest es werden können. Ergriff Dich denn niemals die Reue?“ „Wenn es geschehen ist, so mahne mich wenigstens nicht daran.“ „Gewiß würde ich es unterlassen, sähe ich Dich jetzt glücklich. Aber Deine selbstgewählte Zukunft hielt Dir nicht Wort!“ „Und wenn es wirklich so wäre, warum mich daran erinnern?“ „Weil Du noch zu jung bist, um schon mit den Freuden und Hoffnungen abzuschließen. Weil ich nicht dulde, daß Du Dich mit einer mir ganz unbegreiflichen Gleichgilltigkeit beiseite schieben und unterdrücken läßt. „Ach, Mama, was soll ich denn tun? Mir fehle Deine Charakterstärke. „Mit Johanna von Tornau wagst Du nicht in die Schanze zu treten? Ich habe sie ja kennen gelernt. Wo sind die Eigenschaften, die sich mit den Deinigen messen dürften?“ „Möglicherweise ist es gerade der Mangel dieser viel gepriesenen Eigenschaften, der Horst fesfelt.“ 233.16 Die Berichte von einem Zusammenstoß der Alltierten mit bulgarischen Truppen in Albanien werden immer haufiger. db es sich hierbei auch um italienischg pen handelt, ist aus der Meldung nicht zu Die Operationen Italiens in Albanien haben eine gewisse Mißstimmung in Griechenland hervorgerufen, das ja auf den südlichen Teil des Berglandes Absichten hegt und Ansprüche geltend macht. Immer haben die Griechen bereits befürchtet, daß sich die Italiener hier dauernd festsetzen könnten, und daher ist jetzt von der griechischen Regierung in Rom sacht nach den Plänen Italiens angefragt worden. Nach der neuen Zeitung„Gazette d'Athenes“ hat Icanen durchaus freundschaftliche Erklärungen über die Tragweite seiner Operationen in der Region von Valona gegeben und Griechenland um gewisse Erleichterungen ersucht, denen Griechenland zugestimmt habe, nicht ohne jedoch gleichzeitig ebenfalls Anforoerungen an Italien gestellt zu haben. Die Verhandlungen dauern in freundschaftlichster Form fort. Auf alle Fälle sei sicher, daß Griechenland sich die Anerkennung seiner Rechte gesichert habe.— Im Gegensatz hierzu stellt aber der„Corriere dellu Sein fest, daß der Schritt Griechenlands bei der italienischen Regierung und die von der letzteren dem griechischen Gesandten gegebenen Erklärungen in den politischen Kreisen Roms keinen guten Eindruck hinterlassen haben.— Und die„Idea Nazionale“ drückt ihr Erstaunen aus, daß Italien sich herbeigelassen habe, Erklärungen über wirkliche Kriegsoperationen abzugeben, und greift Griechenland wegen dessen Verhaltens geDer Malsänder„Seolo“ schreißzize def Angelegenheit: Es ist selbstverständtsgh, die Soldaten Italiens, welche in Awaniei gelandet sind, um den Serben zu Hilfe zu eilen gezwungen sein werden, in einem Teile des neuen griechischen Gebietes zu operieren* Mau dürfe jedoch nicht vergessen, daß dieses Gebiet von der Londoner Konferenz Griechenland nicht zugesprochen, wurde. Nichtsdestoweniger hat Griechenland es durch Banden besetzen lassen und Bandenführer auf den Ministersitz erhoben Das Völkerrecht ist nicht von Italien verletzt worden, und dieses ist völlig berechtigt, in dem strittigen Gebiete sich zu bewegen. Wenn Griechenland das Recht habe, seine Interessen zu verfolgen, so habe Italien nicht minder dasjenige, Griechenland in einen Zustand zu versetzen, in dem es Italien nicht schaden könne. Italien müsse sich vor allen Dingen stark zeigen. Ein Triumph des deutschen Sanitätswesens. Die zunehmende Zienstfähigkeit unserer Verwundeten. :: Einer der höchsten Triumphe wissenschaftlicher Arbeit ist es, daß es den deutschen Aerzten und der großzügig aufgebauten Organisation unseres Sanitätswesens gelungen ist, in einem bisher unbekannt hohen Maße die im Kriege Verwundeten und Erkrankten bis zur vollen Diensttauglichkeit herzustellen. Wie erfolgreich aber auch noch während des Krieges die Erkenntnis und Verwertung der Erfahrungen zugenommen hat, zeigt eine statistische Zusammenstellung, die in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ mitWährend schon im ersten Kriegsmonat August 1914 auf 100 Verwundete 84,4 Dienstfähige, 3,0 Gestorbene und 12,2 Dienstuntaugliche und Beurlaubte kamen, stieg im September 1914 die Zahl der wieder dienstfähig Gewordenen auf 88,1, also fast um 4 Mann auf 100. Gleichzeitig sank die Zahl der Todesfälle von 3 auf 2,7 v. H. Diese glänzenden Resultate in der Verwundetenpflege verbesserten sich in den folgenden Monaten noch immer mehr, wenn auch natürlich dieser Anstieg von vielen Mulden, die geringere Werte darstellen, zeitweilig unterbrochen wird. Die Todesfälle bei den Verwundeten gingen im Januar 1915 auf 1,4 v. H., im nächsten Monat sogar auf 1,3 v. herab, um nach einem geringfügigen Anwachsen der Prozentzahl im Juni und Juli auf 1,2 v. H. zu sinken. Dieser Verminderung an Todesfällen entspricht in derselben Zeit eine beträchtliche Erhöhung der Dienstfähigkeit, die von 91,2 v. H. im Monat April auf 91,8 v. H. im Juli anstieg. 7 v. mußten als dienstunbrauchbar oder beurlaubt abgeschrieben werden, doch ist auch von diesen eine erhebliche Zahl wieder völlig gesund und für viele militärische Dienste verwendungsfähig geworden. Wenn man den Turch: schnitt vom ganzen Jahre zieht, so bse das unglaublich günstige Resulcat bestehen, daß auf 100 Verwundete 89,5 Dienstfähige, 8,8 Dienstunbrauchbare und Beurlaub te und nur 1,7 Todesfälle treffen. über Aushang von Preisen in Verkaufsräumen des Kleinhandels. Auf Grund der§§ 5 und 6 des Gesetzes über die Polizei=Verwaltung vom 11. März 1850, der §§ 73 und 74 der Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869, des§ 3 der Bundesratsverordnung vom 24. Juni 1915 und des§ 144 des Gesetzes über die Allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird nach Beratung mit den Gemeindevorständen der Gemeinden Westhofen, Garenfeld, Geisecke, Syburg, Holzen, Wandhofen, Villigst und Lichtendorf für diese Gemeinden folgende Polizei=Verordnung erlassen: S 1. Alle den Kleinhandel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs, als Fleisch, Fleischwaren, Fettwaren, Speisefette, Schmalz, Eier, Butter, Reis, Zucker, frisches Gemüse, Hülsenfrüchte, frisches Obst, Kartoffeln, Petroleum, betreibenden Händler sind verpflichtet, an den Verkaufsstellen durch einen von außen sichtbaren Aushang(Anschlag) die Preise dieser Waren bekanntzugeben. Wenn beim Verkauf der Waren in kleineren Mengen ein höherer Preis berechnet wird, als er für ein Pfund, einen Liter oder eine gewisse Stückzahl angesetzt ist, so muß auch dieser höhere Preis im Aushang verzeichnet sein.„ 96r Als Verkaufssteuen im Sinne vieser Veroronung gelten auch die Verkaufsstände auf den 1 Wochenmärkten und im Straßenhandel. Aus Welt und Leben. tk. Felograuer Humor in der„Liller Kriegszeitung".„Du, Justav, weeßtet Neiste?“—„Nee.“—„De englischen Schitzenjräben soll'n so voll Wassa sind, det'n se ihre Flotte rinfahren lassen wollen.“— „Det is noch jar nischt. Weeßte denn nich, dat unsare Irundwassa=U=Boote schont in da Reservestellung lieien?“ Der Aushang ist von der Polizei=Verwaltung mit einem Stempel zu versehen, und ist eine Abschrift bei der Abstempelung mitabzuliefern. Die in dem Aushang angegebenen Preise dürfen zwar nach Belieben des Geschäftsinhabers verändert werden, bleiben aber so lange in Kraft, bis ein neuer mit polizeilichem Stempel versehener Aushang ordnungsmäßig angebracht ist. Höhere Preise dürfen nicht gefordert werden, niedrigere Preise zu fordern ist jederzeit erlaubt. S 3. Diese Verordnung tritt mit der Verkündung mit der Maßgabe in Kraft, daß der ordnungsmäßige Aushang der Preise spätestens drei Tage nach der Verkündung bewirkt sein muß. S 4. Wer diesen Vorschriften zuwiderhandelt oder als Verkäuser die im Verzeichnis angegebenen Preise überschreitet, wird mit Geldstrafe bis zu einhundertfünfzig Mark und im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft bestraft. Westhofen, den 27. Dezember 1915. Der Amtmann. I. V.: Gue, Beigeordneter. Das Zeitungslesen eine Pflicht Zu je Tage Gefängnis wurden zwei Leute einer kleinen Gemeinde bei Osnabrück verurteilt, weil sie entgegen der verfügten Beschlagnahme einige Pfund Schafwolle verkauft hatten. Sie brachten zu ihrer Verteidigung vor, die Verordnung wäre ihnen unbekannt geblieben, da sie in der Gemeinde nicht in der üblichen Weise bekannt gemacht worden ist und sie Zeitungen nicht lesen. Das Gericht glaubte ihnen, erklärte aber:„Wer jetzt keine Zeitung liest, handelt fahrlässig und kann sich bei Kriegsverordnungen auf Unkenntnis, die ihn straflos machen solle, nicht berufen“. Wer nicht außerhalb der Zeit leben will, hat sich diese Pflichterfüllung freiwillig längst zur Gewohnheit gemacht. Sie ist besonders eine tägliche Aufgabe für den, der im geschäftlichen Leben steht. 2 Erinnerungsmünzen und lieferung. Aus zahlreichen Anfragen an den Schaltern der Reichsbank geht hervor, daß den Ersatz von Gold Erinnerungsmündurch gleichartige Stücke Kriege das Publikum noch immer nicht genügend unterrichtet ist. Es sei,e gehegzgggggt orav grinzerungs, doß Penkmünze aus 6 15 Ertzpefondere ober uund Doppelwold, insvesonvere Kronen und Toppelkronen mit dem Bilde Kaiser Friedrichs, die Reichsbank die Gewähr übernimmt, nach dem Kriege gleichartige Stücke(nicht dieelben Exemplare) zurückzugeben. Ueber jede Einlieferung goldener Erinnerungsmünzen wird auf Wunsch eine Eintragungg nummer, Name und Wohnort des Einneferers, Betrag und Art der eingelieferten Goldmünzen) und eine Empfangsbescheinigung ausgesteklt. Aus Schmuckstücken müssen die Goldmünzen herausgenammen werden, sie der Reichsbank zur Verstartung des Goldbestandes zugeführt werden können; soweit es sich dabei um Erinnerungsmünzen handelt, werden auch dafür auf„ener, Empfangsbescheinigungen mit Rückgu###verpflichtungen erteilt. ∆ Für 10 Millionen Mark eiserne Die Bunsgergtozerge über die„eisernen Groschen is vom Reichskanzler amtlich veröffentlicht worden. Es geht daraus hervor, daß Zehnpfennigstücke aus Eisen bis zur Höhe von 10 Millionen Mark hergestellt werden sollen. Die eisernen Zehnpfennigstücke werden zu 280 Stück aus einem Kilogramm herausgebracht. Sie tragen auf der Schriftseite über der Zahl„10“ die Umschrift„Teutsches Reich“ und unter der Zahl das Wort„Pfennig“ in wagerechter Stellung, darunter die Jahreszahl. Auf der anderen Seite statt der Schnureinfassung einen Perlenkreis. Die eisernen Zehnpfennigstücke sind spätestens zwei Jahre nach Friedensschluß gußer Kurs zu setzen. Die hierzu erforverlichen Betimmungen erläßt der Bundesrat. ob dieselben als Landsturmpflichtige gemustert worden sind oder nicht, mit Ausnahme der bereits eingestellten, sowie ferner diejenigen Militärpflichtigen, welche in den Jahren 1895 und früher geboren und bei der Kriegsmusterung vorläufig zurückgestellt sind bezw. eine endgültige Entscheidung über ihr Militärverhältnis noch nicht erhalten haben, werden hierdurch aufgefordert, sich unter Vorzeigung ihres Geburtsscheines oder des Musterungsausweises in der Zeit vom 2. bis 15. Januar 1916 bei der Ortsbehörde(Amt oder Bürgermeisteramt) ihres Aufenthaltsortes behufs Aufnahme in die RekrutierungsStammrolle persönlich oder bei bescheinigter Krankheit und dergleichen durch ihre Eltern, Vormünder oder Dienstherrschaften anzugeben. Militärpflichtige, welche die rechtzeitige Meldung unterlassen, haben strenge Bestrafung zu erwarten. Hörde, den 29. Dezember 1915. Der Landrat. Gewinnung von Oel aus Unkrautsamen. Veröffentlichung des Preußischen Landwirtschaftsministeriums. Das in diesem trockenen Jahr gewachsene Sommergetreide enthält beträchtliche Mengen Beimischungen von Hederich, Ackersenf, Leidotter und anderen ölhaltigen Unkrautsamen, die beim Dreschen und bei der späteren Reinigung des Getreides ausgesiebt werden. Diese Sämereien sollten, auch wenn es sich um ganz kleine Mengen handelt, den Oelmühlen zur Oelgewinnunggeführt werden. Der Kriegsauschuß für pflanzliche und tierische Oele und Fette hat in jedem Kommunalverband einen Kommissionär ernannt, der ebenso wie alle anderen Oelfrüchte auch diese beim Ausputz gewonnenen Oelsamen abnimmt. Der PreußiLandwirtschaftsminister fordert die Landwirte auf, auf die Gewinnung dieser ölhaltigen Samen zu achten und sie zur Ablieferung zu bringen. Berlin, den 19. Dezember 1915. Verantwortlich für die Redattion Friedr. Kraas Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte U Prosit Neujahr: Denkt an un dslsendet immer Galem Aleikum Zigaretten Willkommenste Liebesgabe! " 3X 4 5 6 8 10 Pfd. Stck schr Vlenichewbreaten SHd Hönestsacsen. Trustfrei! Landkreis Hörde. Bekanntmachung betr. Anmeldung zur Rekrutierungs=Stammrolle. Alle im Landkreis Hörde sich aufhaltenden, im Jahre 1896 geborenen Militärpflichtigen, gleichviel I. V.: gez. Büscher. Nachtrag zu der Bekanntmachung betreffend Bestandserhebung von tierischen und pflanzlichen Spinnstoffen und daraus hergestellten Web=, Wietund Strickgarnen(Nr. W. M. 58/9. 15. K. R. A.). Vom 31. Dezember 1915. Nachstehende Anordnungen werden hierdurch auf Ersuchen des Kriegsministeriums mit dem Bemerken zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß Zuwiderhandlungen gemäß der Bekanntmachung über Vorratserhebungen vom 2. Februar 1915 (RGBI. S. 54) in Verbindung mit den Erweiterungs=Bekanntmachungen vom 3. September 1915(RGBl. S. 549) und vom 21. Oktober 1915 (RGBI. S. 684) bestraft werden. Art. 1. Meldepflichtige Gegenstände. § 3 der Bekanntmachung Nr. W. M. 58/59. 15. K. R. A. wird dahin erweitert, daß vom 1. Januar 1916 an allmonatlich meldepflichtig auch sämtliche Vorräte der nachstehend näher bezeichneten tierischen Spinnstoffe und alle unter Verwendung der Spinnstoffe zu l.—IV. hergestellten Web=, Wirk= und Strickgarne sind, und zwar in der in den amtliche Meldescheinen vorgesehenen Einteilung: 1. Mohair. 6. Ziegenhaare, 2. Kamelhaare, 7. Kälberhaare, 3. Alpaka. 8. Rinderhaare. 4. Kaschmir, 9. Fohlenhaare, 5. Zickelhaare, 10. Pferdehaare, mit Ausnahme von Schweif= und Mähnenhaaren. Meldpflichtig sind nur Vorräte einer jeden Gruppe der vorgenannten Rohstoffe oder der unter Verwendung der Rohstoffe zu I—IV hergestellten Garne, die mindestens 100 kg betragen. Art. 2. Inkrafttreten. Diese Bekanntmachung tritt mit ihrer Verkündung am 31. Dezember 1915 in Kraft. Münster, den 31. Dezember 1915. Der stellvertretende kommandierende General des 7. Armeekorps: Frhr. von Gayl, General der Infanterie. WS heue Original= 9orogtfesg, rein, zre Slage als d. Haus 1.80 Mk., im Ausschank per Glas 25 Pfg. Prima Cognac, Reines Weindestilat, pro 61. 10.— und 8 Mk. empfiehlt Carl Raino, Gasthof zur Helle, Teleson 251. WS e Scm WIS! Fonort Madenaldum 80 Favorit Handarbtsalb. 60 J General-Repräsentanl für Rheinland u. Westalen Otto Steingass, Cöln-Ehrenfeld. Favorit Jugendaldum 60 ! Favorit Schntttmuster! Alleinverkauf für Schwerte Kaufbaus Otte Marz Original=gr 1 iechische Trauer urtois Kriegshirfe. Bestellungen werden von unseren Boten und in der Geschäftsstelle, Gr. Marktstraße 3—5, ertgegenAchnunden Sekung. für Kranke und Rekonvaleszenten empfiehlt billigst C. Raffin Gasthof zur Helle — Telefon 251.— Corce „Hammonia“ verleiht jeder starken Dame eine gute Figur und sitzt bequem, auch In sehr weiten Nummern vorrätig. Otto Marz Schworte, Ostenotr. 50 ** S 8 85 K 205 * B 0 ## n 0 S 08 * 8. B 0 S S 3= #•#8 S. 8 3 S 87? * 7 8 Pofsg 2. B S— 8.2 SSnsas 9 32* ### as e 5 Arm gelehnt, hob ich mich immer mehr empor, bis ich saß. Mir war etwas schwindelig, aber nicht sehr. Trotz der starken Schmerzen in meiner Schulter und des großen Blutverlustes durch meine Wunde stellte ich mich auf die Füße, und auf meinen Säbel gestützt schleppte ich mich vorwärts, hin und her schwankend wie ein Betrunkener. Ich suchte die dunklen Büsche zu erreichen, in denen sich unsere Truppen verborgen hatten, bevor die Schlacht begann. Nur ganz langsam kam ich vorwärts und mußte oft stehen bleiben. Endlich hatte ich die erste Gruppe von Büschen erreicht; aber da zwang mich plötzlich lähmender Schrecken, stehen zu bleiben. Aus großer Entfernung— so schien es mir wenigstens— kam das Heulen eines einzelnen Wolfes. Es klang unaussprechlich melancholisch und furchtbar in dieser stillen Winternacht. Ein anderer Wolf antwortete in demselben langgezogenen, widerlichen Ton; aber viel näher bei mir, und dann hörte ich ein Heulen rings um mich her, ohne Pausen, lauter und lauter anwachsend und jeden Moment gräßlicher. Ich bin kein Feigling. Ich bin ein guter Jäger und habe viele Wölfe auf der Jagd getötet; aber was ich in dieser Nacht auf dem Schlachtfeld hörte, das kann ich niemals vergessen. Dieses wüste, schrille Geheul, das mich wie eine Kette umschloß, kam näher und näher, direkt auf den Mittelpunkt des Kreises los, in dem ich stand. Ich atmete kaum noch, da ich dies„Konzert der Hölle“ hörte. Ich sah ganz klar, daß es keine Möglichkeit der Rettung für mich gab, wenn sie mich fanden. Und auf einmal rannte ich— wie ich es fertig brachte, weiß ich heute noch nicht— auf drei, vier Büsche am Rande des Waldes zu und warf mich unter ihnen flach hin. Ich war entschlossen, zu kämpfen, solange ich konnte. Ich hatte meinen geladenen Revolver und meinen Säbel. Immer näher kamen die Wölfe; ihr Geheul erfüllte die Nacht. Nun waren sie am Rande des Waldes. In der Dunkelheit sah ich die schrecklichen Schatten zwischen den Bäumen. Von den verschiedensten Seiten her kamen sie aus dem Walde heraus, schlossen sich zu einer großen, dunklen Herde zusammen und standen so einige Minuten. Dann heulte ein anderer Wolf, ganz in der Ferne; von dem Schlachtfeld her antworteten andere, und nun trottete die Herde fort, dicht an den Büschen vorbei. Ich glaubte von jedem, er würde mir an den Hals springen. Aber keiner kümmerte sich um mich. Ruhig liefen sie, unendlich viele, auf das Feld, wo die Leichen lagen.... Am anderen Morgen nach Sonnenaufgang hob man mich bewußtlos auf. Eine Kosakenpatrouille hatte mich gefunden. Wenn ich wieder ins Feld komme, wird mich die heißeste Schlacht nicht schrecken; aber sollte ich noch einmal eine solche Nacht durchleben, dann würde ich, das gestehe ich frei, wahnsinnig.“—hl. 60 Lelt und Zeit, Die Heiligkeit des Eides bei den Mohammedauern. Schwören ohne wichtige Veranlassung und Fluchen ist, wie dem Christen, auch dem Muselmann durch Religionssatzung verboten. Ob dagegen mehr in der Christenwelt oder bei den Mohammedanern verstoßen wird, ist eine schwer zu lösende Frage; bekannt ist allgemein, daß dem Orientalen mindestens so oft eine eidesähnliche Versicherung, wie„beim Barte des Propheten“ in die bilderreiche Sprache einfließt, wie in der Volkssprache der abendländischen Nationen„Gott sei mein Zeuge“ vorkommt. Besonders in der Seemannssprache aller Völker der Erde spielt das gedankenlose Fluchen und Schwören eine hervorragende Rolle. Aher wie steht es mit dem vor der Obrigkeit abgelegten Eide in der moslemitischen Velt? Die Beantwortung dieser Frage hat heut einige Bedeutung für uns, die wir jetzt Schulter an Schulter mit Mohammeds millionenstarker Anhängerschaft für Freiheit, Recht und Wahrheit gegen Unterdrückung, Haß und Lüge blutige Fehden auszukämpfen haben. Befragen wir den Koran, der ja überall als erste unumstößliche Quelle in allen religiösen und juridischen Fragen des Islam gilt. Das auf Grund der Koranvorschriften aufgebaute bürgerliche Gesetz kennt nun im Prozeßverfahren drei Beweismittel: das Geständnis des Angeklagten(Ikar), die Zeugenaussage(Schehade) und den Eid(Jemin). Bei der Eidesablegung gelten folgende Grundsätze: der Eid eines Muselmannes muß einzig und allein unter Anrufung des göttlichen Namens(Allah) geleistet werden; nur einige Sekten gestatten das Schwören bei seinem Namen und Attributen. Auch der Eid eines Ungläubigen hat volle Gültigkeit, wenn er nur den Namen Gottes angerufen hat. Vor der Ableistung des Eides soll der Kadi die Person, die schwören soll, ermahnen, indem er die Wichtigkeit dieser Handlung und die Strafen des Meineides vorhält. Ueberhaupt soll man ohne wichtige Ursache nicht schwören. Schon im Koran steht:„Eines unbedachtsamen Wortes wegen in euren Eiden wird euch Gott nicht strafen, wohl aber wegen jedes Vorsatzes eurer Herzen. Wer wissentlich etwas Unwahres beschwöret, den treffen die Strafen Gottes.“ Zur Gültigkeit eines Eides ist erforderlich: innere Ueberzeugung von der Wahrheit dessen, was beschworen werden soll, Freiheit von jedem Zwange, Kenntnis der Sache, welche der Schwur betrifft, Volljährigkeit, voller Besitz der Verstandeskräfte, Dispositionsbefugnis über seine eigene Person. Also dürfen Weiber, Kinder und Sklaven nur mit Einwilligung ihrer Männer, Väter oder Herren den Eid leisten. Nur in Scheidungsfällen hat die Frau keinen Konsens einzuholen. Nach Ableistung des Eides hat der Moslem die Pflicht, Almosen zu verteilen. Bei Vermögenslosigkeit tritt dafür Fasten ein. Meineid wird schwer geahndet. Das Gewicht des Eides vergrößert sich nach Inhalt, Art und Zeit, je nachdem der Name Gottes allein oder neben ihm Attribute stehen, oder je nachdem in einer gewöhnlichen Moschee oder in Mekka, an einem gewöhnlichen Tage oder an einem Freitage, dem Sabbath der Mohammedaner, geschworen wird. Die hierauf bezüglichen Bestimmungen sind aber unwesentlich, und in der Hauptsache unterscheidet sich, wie aus diesen Ausführungen zu ersehen, die Anschauung über die Heiligkeit des Eides beim Mohammedaner nicht von unserer auf christlicher Grundlage beruhenden Gesetzgebung. Das auf dem Koran basierte Recht ist, wie bei dieser Gelegenheit noch hervorgehoben werden mag, so starr, so unerschütterlich fest in sich abgeschlossen, daß es an keinem Punkt die Hand bietet für Erweiterungen, Aenderungen und Fortbildung, die eine neue Zeit und der häufige Verkehr mit dem Westen so wünschenswert und nötig gemacht haben. Deshalb ist es bis jetzt auch nur in wenigen Fällen gelungen, neue Verordnungen als Landesgesetz einzuführen. Eine der ersten war die für Aegypten verfaßte Strafgesetzverordnung, die im Jahre 1852 ausgeführt wurde. Es war dies der erste Schritt zu einer selbständigen Gesetzgebung ohne die Basis des Korans. Sernr" Gn X 9 8 55 2—. 8 * 5 S#:9T o S S zn= # S#. Sg. * 2 a S• 5 9 S* Sentter! Amtliches Kreisblatt für den Kreis börce 41 Jabrgang O Erlte und Welles Cagesergan des Kreües. O haugi-Gouancenbien Unterhattungs Beilage zu Nr. 396. Freitag, 31. Dezember 1913. Kuf eunnten Gsce! Roman von A. Hottner=Grefe. (15. Fortsetzung.) „F. ritz Axmann war ganz nahe an Frau Otta Aelteren, herangetreten. Jetzt faßte er nach ihrer □ □6 Hand.„„„ „Ich habe Ihnen noch gar nicht (89, gedankt“, murmelte er. „Sie sollen auch gar nicht danken", entgegnete sie und sah zu ihm auf mit einem Blick voller Vertrauen.„O nein! Diese Ernennung, die wird für uns nur Gutes nach sich ziehen, denn wir brauchen einen Mann, wie Sie es sind, an solcher leitenden Stelle. Und dann: ich bin persönlich sehr froh, denn nun behalte ich Sie hier, Fritz. Sehen Sie— ich brauche einen Freund in der Nähe. Ich brauche jemand, der zu mir steht in jeder Lebenslage!“ „Graf Steinberg!“ sagte Axmann wie abwehrend. Aber sie hob leicht die Hand. „Graf Steinberg ist ein durchaus ehrenhafter Charakter. Eine Verbindung mit ihm bedeutet für meinen Sohn Erich eine Lebensstellung, die beinahe derjenigen gleichkommt, welche jetzt Hadmar unbestritten einnimmt. Sie wissen es ja wohl schon: der kleine Knabe im Jagdschloß ist gestorben; also ist Hadmar Majoratsherr. Und Erich wird einziger Erbe des ungeheuren Steinbergschen Vermögens und aller Güter. Graf Steinberg liebt Erich ganz außerordentlich. Er wünscht nichts sehnlicher, als ihn ganz als seinen Sohn zu betrachten. Dies hatte er schon gestern bewiesen, als er sich augenblicklich bereit erklärte, die dreißigtausend Gulden Spielschuld für Erich zu tilgen. Heute freilich, wo Hadmar Majoratsherr auf Werbach ist, heute braucht Steinberg nicht mehr mit seinem Gelde einzutreten, oder doch wenigstens bloß vorübergehend. Aber eine Aussicht wie diese, welche sich für Erich hier bietet, kann und darf ich nicht zurückweisen. Sehen Sie dies ein, Fritz?“ Er antwortete nicht gleich; und als er endlich etwas erwiderte, war es eine Gegenfrage: „Und Sie selbst, Baronin?“ „Ich selbst? Ja— ich selbst komme dabei kaum viel in Betracht. Graf Steinberg bietet mir seinen Namen, eine Stellung, die den höchsten Anforderungen entspricht; er bietet meinem Sohne einen Reichtum, von dem die jüngere Linie der Werbachs sich niemals etwas träumen ließ. Ich achte Steinberg außerordentlich hoch. Das muß und wird ihm genügen. Wir alle sind keine Kinder mehr, Fritz. Ueber die große Liebe müssen wir hinaus sein. Uns, den so denken kann!" rief Fritz Ax(Nachdruck verboten.) muß das Leben anderes Erstrebenswertes bieten.“ „Ja, wenn man mann ungestüm. Aber sie wehrte schon wieder ab. „Man muß so denken,“ sagte sie ruhig;„wir alle haben unsere Pflichten. Steinberg hat seine hervorragende Stellung, die ihm solche in Fülle auferlegt; ich habe meine Söhne. Sie, Fritz, haben Ihr verantwortungsreiches Amt und— Ihre Freundschaft für mich. Lassen Sie mir diese! Ich habe sie noch nie so sehr gebraucht als jetzt.“ Er konnte nicht sprechen. Mit ihrer Ruhe, ihrer Ueberlegenheit wies sie ihm so deutlich die Schranken, welche auch ihm gezogen waren. Und doch lag in ihrer Stimme ein Beben, das er sonst nie gehört hatte. „Wozu brauchen Sie mich und meine— Freundschaft heute?“ würgte er endlich mühsam berdor. Hlansm e. 7 44 Frau Otta griff mit ihrer schlauten Hand in die Tasche ihres Kleides. Eine Sekunde später reichte sie ihm ein schmutziges, zerknittertes Briefblatt hin. Mit sichtlich verstellter Handschrift waren mit großen Bleistiftzügen ein paar Worte hingeschrieben: „Hochverehrte Frau Baronin! Ich weiß sehr gut, wer damals in dem Automobilmantel gesteckt ist in der Nacht, wo der Herr Baron Ludwig sich erschossen hat. So was bleibt nie ganz verborgen. Und sehr dumm ist es, wenn einer sich selbst verraten tut. Und es ist noch ein Glück, daß nur ich es weiß und kein anderer, denn ich sage nichts, wenn ich ein Entgegenkommen sehe von der Herrschaft..... guu(gin: K„ Natürlich win ich gern stin sein, über ein Entgegenkommen muß ich sehen. Ich will fort aus der Gegend, nach Amerika. Dazu brauch' ich Geld. Wenn die Frau Baronin die Gnade hätt' und möcht' mir einen größeren Geldbetrag geben für die Reise? Vielleicht tausend Gulden? Ich bin sehr arm, und die Frau Baronin ist sehr reich. Jetzt gar, wo der Herr Baron Hadmar alles kriegt. Wenn ich die tausend Gulden kriegen tu', so bin ich in alle Ewigkeit still. Wenn ich sie nicht krieg', so muß ich leider reden beim Gericht; ich bin arm und kann halt nicht anders mir helfen. Wenn die Frau Baronin einem armen Teusel gern hilft, so ist es am besten, man steckt ein Brieferl ( . S in den hohlen Stamm der Mutter=Gottes=Eichen am Kar oben. In dem Brief sollt' stehen, wann ich das Geld haben kann. Und auch, wo ich mir's abholen könnt'. Aber am besten wär' wohl, die Frau Baronin bestimmt' mir einen Tag und eine genaue Stund', wo ich das Geld in dem hohlen Baum find'. Ich hol' mir's dann dort ab. Wenn ich jemanden dort treff', so schieß' ich ihn nieder. Wenn aber alles geschieht, wie ich es gesagt hab', so werd' ich abreisen, und wird kein Mensch mehr was hören von mir. Und wegen dem, was ich gesehen hab' oder gehört— da braucht die gnädige Frau Baronin keine Angst net zu haben. Ich schweige still wie ein Grab. Um die Antwort möcht' ich bald bitten.“ Fritz Axmann hatte halblaut gelesen. Jetzt, da er mit dieser merkwürdigen Epistel zu Ende war, ließ er die Hand mit dem zerknüllten Blatt sinken. Er war ganz blaß vor Wut, die ihn beinahe zu übermannen drohte. In seinem Kopf kreuzten sich allerlei Gedanken in blitzartiger Eile. Das kam vom Hormayer=Heini! O, darauf konnte er schwören! Der Erfolg von heute nacht hatte den Lumpen frech gemacht. Und nun versuchte er sein Glück auch bei Otta! Unerhört war so etwas! Niederschießen sollte man den Kerl! Unschädlich machen — eine solche Gemeinheit! „Nun, was sagen Sie dazu, Axmann?" fragte Otta nach einer Pause. Bei dem Klange ihrer Stimme wußte er auch plötzlich, was er zu tun hatte. Sie sollte nie, nie erfahren, daß er, Fritz Axmann, seine eigene Person bloßgestellt hatte für sie. Diese Demütigung mußte er ihr ersparen. Aber wie sollte er das bewerkstelligen und zugleich doch diesen unerhört kecken Menschen unschädlich machen, welcher nicht nur ihn selbst behelligte, sondern auch die Frau, für welche er meinte, daß Axmann jenen nächtlichen Weg ins Jagdschloß unternommen habe? Frau Otta wartete eine Weile vergeblich auf Antwort. Sie sah, wie die Aufregung, der Zorn arbeitete in seinem Gesicht. Ihr wurde fast bange vor Fritz Axmann, den sie nun so lange kannte, und den sie so vollständig zu beherrschen geglaubt hatte. Was wußte dieser Mann eigentlich von jener Nacht und von der Rolle, welche sie selbst damals gespielt hatte? Sie würde ihm in irgendeiner Weise eine Erklärung geben müssen, das sah sie ein. Besonders nach dem, was er gestern abend gesagt hatte:„Ich habe alles verwischt!“ Sie hatte es gestern in der Verwirrung und Aufregung des Moments dankbar ausgenommen, heute aber lag alles anders. Gestern hätte sie vielleicht, wenn die Gelegenheit sich geboten hätte, ihm alles offen gesagt. Jetzt wollte sie dies um keinen Preis. Durch den unerwarteten Tod des Kleinen im Jagdhause hatte sich die Sachlage vollständig geändert. Der Hauptgrund für die großartige Wichtigkeit jener verschwundenen Papiere entfiel dadurch total. Elisabeth würde bei einer so fürstlichen Entschädigung, wie Otta sie plante, bestimmt keinerlei Schwierigkeiten machen. Das Kind war tot, der Streit durch diese Ereignisse geschlichtet. Nun hieß es nur, auch jene Stunde auszulöschen. Frau Otta hatte gemeint, dem Ziele schon ganz nahe zu sein, da fiel ihr dieser furchtvare Brief in die Hände. Und langsam entschwand die Hoffnung auf eine Erlösung von all der Qual wieder in weite Fernen. Aber der Augenblick drängte, sie mußte sich zusammenraffen mit aller Gewalt.„Lieber Fritz,“ sagte sie sehr leise,„was haben Sie sich eigentlich von mir gedacht? Reden wir doch offen miteinander! Es war ein bodenloser Leichtsinn von mir, damals im Auto des Grafen Steinberg jene Fahrt hinter dem Wagen der jungen Frau herzumachen!“ Axmann war förmlich zurückgetaumelt. „Im— im Auto des Grafen?" stieß er hervor. „Ja, aber der Graf gab doch den Gerichtspersonen an, daß er kein solches Auto kenne, wie das beschriebene?“ Ein müdes Lächeln ging um Frau Ottas Mund. „Glauben Sie, daß der Graf Steinberg weniger ritterlich ist als Sie selbst, Fritz?“ fragte sie fast zärtlich. „Er wird mich niemals verraten! Das Auto ist gut geborgen. Und bei ihm sowie bei Ihnen ist mein Geheimnis sicher, das weiß ich. Ein Unrecht war es doch nicht, Fritz, daß ich damals die junge Frau gern heimlich sehen wollte? Und unbegreiflich war es schließlich auch nicht. Ich habe sie gesehen, bin um das Schloß herumgefahren und habe neben dem Auto im Schilf gewartet, bis die Nacht dunkler wurde zur Heimsohrk“ „Und der Handschuh, den ich neben den Stufen zur Terrasse fand, Frau Baronin?“ fragte Axmann mit unsicherer Stimme.„Und— und die Fußspuren am Teppich und am Parkett?“ „Den Handschuh habe ich wohl früher einmal verloren, Fritz. Und die Fußspuren? Lieber Himmel— die junge Frau ging doch auch im Zimmer hin und her. Sehen Sie es denn nicht ein, Fritz, daß da eine Verkettung von besonderen Umständen vorliegt?“ „Frau Baronin,“ sagte Axmann entschlossen,„es war auch gestern jemand im Felsenkeller— wahrscheinlich lange vorher, ehe ich selbst hinkam. Ich sah die Schritte deutlich, und ich habe sie alle verwischt.“ „Ach,“ sagte Frau Otta gelassen,„nun beginnen Sie mir mit Gespenstererscheinungen, wie sie die überreizte junge Frau im Jagdhause gesehen haben will. Lassen wir doch das alles ruhen, Fritz! Die Hauptsache ist für mich, daß niemand je erfährt, wie unvorsichtig und neugierig ich in jener Unglücksnacht gewesen bin! Meine Ehre, mein guter Ruf, die Reinheit meines Namens— alles, alles steht auf dem Spiele, wenn man davon Kunde erhält! Und deshalb müssen wir vor allem anderen herausbekommen, wer der Schreiber dieses anonymen Briefes ist! Gott, ich zahle ja dem Menschen gern das Doppelte von dem, was er verlangt, wenn er nur wirklich fortgeht nach Amerika! Er soll fort, und die junge Frau soll fort! Und dann— dann werde ich vielleicht wieder aufatmen können, dann werde ich endlich Ruhe finden! Helfen Sie mir! Ich werde es Ihnen nie, nie vergessen!" Sie stand dicht neben ihm und sah ihn an mit flehenden Augen, in denen funkelnde Tränen schimmerten. Ihr schönes Gesicht war so blaß vor innerer Aufregung, daß man deutlich die feinen, blauen Adern an den Schläfen sah. Ihr Mund bebte in verhaltenem Weinen. Fritz Axmann starrte in dieses Antlitz, welches er so unendlich liebte. Er sah, wie ein großer Schmerz und eine tiefe Reue sie ganz erfaßt hatten. Und nichts blieb in seiner Seele, als ein unendliches Mitleid mit dieser Frau. Er wollte ihr helfen, die ihm so voll vertraute, helfen um jeden Preis! „Otta!“ Der Name rang sich aus seiner Brust; zum allerersten Male vergaß er jede formvollendete Anrede. Mit einer Bewegung voll tiefer Sehnsucht streckte er die Arme aus nach ihr, die seines Lebens Inhalt war. Und diesmal wich Frau Otta nicht zurück, wie sie es sonst bestimmt getan hätte. Sie stand ganz ruhig, und ihre Augen hielten seinen Blick, in dem die treueste, hingebendste Liebe zu lesen war, offen aus. Dann atmete sie auf, tief, wie erlöst. Gottlob! Dieser Mann, der blieb ihr treu in allen Lebenslagen! Der verriet sie nie! (Fortsetzung folgt.) K Deutscher Kultur und deutschem Wesen gilt der Krieg, dem deutschen Gedanken, der deutschen W.lanschauung. Es ist ein Kampf, der geistige Grundlagen hat. Freiheit und Kultur heißt unser heiliger Besitz, den wir schützen wollen. H. Schumann. Mut. Von C. Dressel. (Schluß.)(Nachdr. verboten.) Ehe sie aber in den Schauerraum trat, streifte ihn noch ein Blick der nußbraunen Augen. Und jetzt ganz ohne Hohn. Ein Blick, eher tröstlich aufmunternd. „Nur Mut“, schien er sagen zu wollen.„Das Leben koffet's nicht gleich. Ein kurzer, heftiger Schmerz und danach unendliches Wohlbehagen.“ Und diesen echten Mädchenblick voll Anteilnahme fand er noch netter als die heroische Fassung. Drum gab er der Leidensschwester stille, gute Wünsche mit auf den Schmerzensweg und lauschte darauf gespannt hinüber. Doch nicht den leisesten Laut vernahm er. Natürlich, die gepolsterte Tür.„Ich wette, sie hat nun doch geschrien, die arme Kleine“, sagte er sich. Die gepolsterte Tür war unschuldig verdächtigt, denn jetzt ließ sie leise, dumpfe Geräusche durch— Stimmengemurmel, das Sprudeln der Warmwasserleitung. So war der große Akt vorüber. Und sie hatte keinen Muck getan, die kleine Heldin. Einerlei. Er atmete auf, wie sie es sicher nun auch tat, oder sie wäre kein irdisches Wesen gewesen. Dann kam sie heraus, das süße Gesicht lächelnd, nein, förmlich strahlend, wie in Sonne getaucht. „Es war nicht schlimm“, fragte er unwillkürlich. „Gar nicht. Solch ein Blitzmoment. Wer hat da Zeit zum Schrei. Schon liegt der Uebeltäter wehrlos da, man weiß nicht wie und begreift kaum mehr, daß er so quälen konnte.“ Wie hypnotisiert sah er in das lachende holde Gesicht. Und diese Hypnose machte dann auch ihm die gefürchtete Operation zur Bagatelle. Das liebe Leben gefiel ihm wie je. Vielmehr noch weit besser. Denn etwas Neues, etwas sehr Reizendes war hinzugekommen. Das hatte immer gefehlt, so viel, so sehnsüchtig er's auch gesucht— ein liebes, tapferes Mädel. Das echte, rechte Weib, das in schlimmen Tagen nicht verzagte, in guten, sonnigen aber ein fröhlicher Kamerad sein könnte, der keine Stimmung verdarb. Die junge Heldin mochte es sein. Er fragte den Arzt nach ihrem Namen. Der kannte sie gut, war ihrem verstorbenen Vater befreundet gewesen. Er sah den eifrigen Frager scharf an und gab dann rückhaltlos Auskunft. Frieda Wellmann war aus guter Familie, indes ohne Vermögen. Sie gehörte zu den vielen Mädchen, die einen Erwerbsberuf wählen müssen. Lehrerin war sie. Lebte schlicht mit ihrer Mutter, die eine auskömmliche Staatspension bezog und so ihrem etwaigen Schwiegersohn nie zur Last fallen würde. Otto Hartwich, ein höherer Bantbeamter, sah nicht nach Geld. Sein ansehnliches Gehalt enthob ihn der Mühe, nach einem anspruchsvollen Goldfisch zu angeln. Er konnte sein Ideal ernähren. „Ich will Frieda Wellmann näher kennen lernen,“ sagte er sich mit froher Entschlossenheit, als er erleichtert heumwärts ging,„und wenn— wenn sie mich nicht gerade für den Feigling. hält, der ich ja nie war, wo es sich um Tatkraft handelte————“ Er kam nicht zur Schlußfolge, in diese Gedanken fiel plötzlich ein gellender Schrei aus weiblicher Kehle. Betroffen aufschauend, sah er an einer Straßenbiegung seine Heldin, wie sie einem kleinen Mädchen, vielleicht einer Schülerin, in schreckvoller Angst rief und winkte. Das Kind strebte vom jenseitigen Bürgersteig zu ihr hinüber, übersah aber in seinem frohen Eifer die Gefahren des großstädtischen Fahrdamms. Ein Automobil raste heran, die Straßenbahn kam, andere Gefährte kreuzten dazwischen, die Kleine hatte einen unglücklichen Moment zu ihrem Uebergang gewählt, blieb plötzlich verwirrt stehen, um sich dann sinnlos in das Rädergewoge zu stürzen. Die gefahrbringende Kollision schien unvermeidlich, wäre nicht Hartwich in dem kritischen Augenblick hinzugesprungen, der eigenen Gefahr nicht achtend. In rascher, beherzter Tat packte er das Kind, trug es mit gutem Glück ungefährdet der jungen Lehrerin zu. Ueber Frieda Wellmanns holdes Gesicht sah er die hellen Tränen rinnen, und da wußte er's überzeugender noch als im Wartezimmer des Zahnarztes: sie ist die Ersehnte. Meine Heldin ist nicht nur herorisch, sie hat auch ein warmfühlendes Herz. Sie ist das echte Urweib, tapfer und weich zugleich. „Ich danke— o, wie ich Ihnen danke!“ stammelte sie erregt—„Sie konnten ja selber zu Schaden kommen.“ Wie warm diese ruhigen braunen Augen blicken konnten. Den linken Arm liebreich um das gerettete Kind legend, bot sie ihm impulsiv die Rechte. „Am Ende bin ich doch kein Feigling, wie?“ lachte er beglückt. „Nein— nein, ich bewundere Sie.“ Wölfe auf dem Schlachtfelde. Eine packende Szene von einem Schlachtfeld in Rußland schildert der Brief eines russischen Offiziers, den englische Blätter aus einer Rigeer Zeitung übersetzen.„Es fing an, dunkel zu werden, als ich erwachte“, so erzählt der Offizier.„Ich hatte kein Hungergefühl, obwohl ich hier bereits seit dem frühen Morgen lag; aber der Durst quälte mich unerträglich. Ich erinnerte mich genau an jede Einzelheit der Schlacht bis zu dem Augenblick, da ich von dem Splitter einer Granate getroffen wurde, die neben mir explodierte. Wir waren vorgestürmt über das weite, öde Land. Wieder hörte ich das Stöhnen der Sterbenden, sah die unter dem Feuer des Feindes zusammenbrechenden Gestalten. Ich hörte meine Leute brüllen, bis ihre Stimmen versanken in dem Pfeisen der Schrapnells. Ich erinnerte mich, wie ich selbst vorwärts stürzte. Was dann geschah, davon weiß ich nichts mehr. Und als ich erwachte, da lag ich da, die einzige lebende Seele auf dem verlassenen unendlichen, dicht mit Toten bedecktem Felde. Ich war verwundet, das merkte ich, aber nicht schwer, wie sich nachher herausstellte, und indem ich mich auf meinen unverletzten Arm stützte, blickte ich hin über das Schlachtfeld und nach dem dunkelnden Horizont, an dem ein letztes Abendglühen verblaßte. Was noch übrig blieb vom Tag, war ein dünnes Streifchen Licht, das langsam verschwand. Ueber mir hingen dichte, dunkle Wolken, ganz niedrig, wie wenn sie mich verschlingen wollten. Ein niederdrückendes Gefühl kam über mich, mir war's, als hätten sie mich vergessen oder hätten mich absichtlich hier allein zurückgelassen. Ich schäme mich jetzt, daß ich so verzweifelt war, aber es gab einen Augenblick, da brach ich zusammen, und meine Augen füllten sich mit Tränen. Ich dachte daran, daß ich niemals meine Lieben wiedersehen würde, nie mehr mein Heim, nie mehr meine Kameraden. Auf meinen rechten *1 Kst * traut wurden 9 Paare. Es starben 35 Personen.— Am Sylvester=Abend um 8 Uhr findet in der Kirche ein Sylvester=Gottesdienst statt. ** Westhosen, 31. Dez.(Geschäfts=Jubiläum.) Am morgigen 1. Januar kann die Firma C. Nob. Lohmaun auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Mit berechtigtem Stolze können der Gründer R. Lohmann und die heutigen Leiter, seine Söhne Max und Emil Lohmann auf ihr Lebenswerk zurückschauen. Aus kleinen Anfängen heraus hat die Firma zu einem großen Handelshause sich durchzuringen vermocht. Fielen doch die ersten Jahre des Geschäftsbestandes in eine Zeit, wo die heutigen modernen Verkehrsmittel zum Teil garnicht, zum anderen Teil nur zu einem geringen Prozentsatz ihres heutigen Umfanges vorhanden waren. Die in allen Gebietsteilen unseres Vaterlandes und zum Teil auch im Auslande wohnende Kundschaft wurde in Reisen, welche öfter ununterbrochene Fristen von 8—10 Monaten in Anspruch nahmen, besucht, dabei waren 50—80stündige Postfahrten keine Seltenheiten. Für die heutigen Zeitgenossen ist es stets hochinteressant, wenn der Jubilar, der bei voller Rüstigkeit und Frische im 78. Lebensjahr steht, seine früheren Reise=Erlebnisse wiedergibt. Auch haben die Tage des Auf= und Niederganges des Wirtschaftslebens in unserem Volke die Firma berührt, aber stets verstanden es die Leiter, in ihnen Keime des Fortschrittes zu finden und durch einen unbeirrbaren Willen solche dem Geschäft dienlich zu machen. Neben der regen geschäftlichen Inanspruchnahme haben die Inhaber stets in den vorderen Reihen des öffentlichen Lebens gestanden und an vielen kommunalen und politischen Vorgängen Anteil genommen. Herr Max Lohmann ist seit einer Reihe von Jahren Mitglied der hiesigen Amtsvertretung, er bekleidet das Ehrenamt eines stellvertretenden Stadtvorstehers usw. und hat kirchlichen Angelegenheiten stets Interesse entgegengebracht. Möge den heutigen Leitern mit ihrem ererbten Vorwärtsblick in der von dem Seniorchef dem Hause gegebenen aufsteigenden Richtung niemals Einhalt geboten werden. — Zum neuen Jahre. Des Jahres letzter Tag verklang Mit Donnerhall und Sturmgesang Im wilden Schlachtgebrause. Viel deutsche Männer stehen Wacht, Und feiern die Sylvesternacht Fern ihrem Heimathause! Die Zeit nimmt weiter ihren Lauf, Bis steigt ein neues Jahr herauf, Gehüllt in dichte Schleier. Doch weiter loht der Weltenbrand, Der Uebermut bleibt da gebannt Bei dieser Neujahrsfeier. Es glüht ein heil'ger Opferbrand; Wir reichen uns bewegt die Hand, Doch die Gedanken wandern Nach dort, wo arg die Kugel pfeift Um deutsche Männer, sturmgereift, Nach Rußland, Frankreich, Flandern! Wir grüßen unser herrlich Heer! Wie rang es doch so heiß und schwer, Doch wars ein sieghaft Ringen; Drum hörten wir im alten Jahr So hell, so froh, so wunderbar Die Siegesglocken klingen. * Schon ist erreicht manch' stolzes Ziel, Und vor den deutschen Mörsern fiel Der Kranz von Rußlands Festen; Sehr günstig ist der Balkan=Stand, Fest stehen wir im Feindesland. Im Osten und im Westen. Das sei vom alten Jahr gelobt, Deutschland hat seine Kraft erprobt, Es wird den Krieg gewinnen. Und höher steigt der deutsche Aar, So können wir das neue Jahr Mit Zuversicht beginnen. So komme neues Jahr daher Und führe unser siegreich Heer Zum Enderfolge weiter; Und werde uns ein herrlich Jahr. Ein Siegesjahr und Friedensjahr, Wie keins noch war. Ernst Heiter. — Die falschen Von Peter Robinson. Heymann Freundlich in Krojanke, Manufakturwaren(früher hieß es en gros und en detail) im Groß= und Kleinverkauf, mann Freundlich, der tüchtige Geschäftsmann, war mit dem Kriege unzufrieden. Daraus darf man ihm keinen Vorwurf machen. Er konnte Gründe für sein Mißfallen am Kriege anführen. Diese Gründe waren, genau wie diejenigen mancher Leute, die im Gegenteil großes Wohlgefallen am Kriege ausdrückten, geschäftlicher Natur. Nur nach der negativen Seite hin. Geschäft ging bei Heymann Freundlich im Kriege nicht. Es lag und zwar darnieder. Die Leute vom Lande kauften überhaupt nichts mehr, nicht für einen Pfennig. Und sons waren doch an den Markttagen nach Schluß der Marktstunden die Geschäftsräume der Firma Freundlich— die Landleute sagten zwar nur Laden, aber Heymann Freundlich sagte„Geschäftsräume“— so angenehm gefüllt, ja manchmal sogar überfüllt gewesen. Jetzt Ueß sich kein einziger Bauer und keine Bauersfrau mehr sehen. Die Stofse, die sie vor dem Kriege erstanden hatten, schienen immer noch zu halten; ihre Dauerhaftigkeit ging über alle einstigen Voraussetzungen hinaus, und Heymann Freundlich machte sich schon Vorwürfe, ob er für das so unerwartet haltbare Zeug seiner Zeit nicht viel zu billige Preise angesetzt habe. Nein, kaufen wollten die Landleute nichts, nur verkaufen, und das so teuer wie möglich; die Preise ihrer Kartoffeln, Eier und sonstigen Viktualien setzten sie herz= und ruchlos in einer so unverhältnismäßigen Höhe an, wie sie selbst Heymann Freundlich, wenn für seine Ware eine ähnlich günstige Konjunktur gekommen wäre, sich vielleicht doch nicht erlaubt hätte. Nur an einem Markttage war Heymann Freundlichs Laden„fast gestürmt worden", wie der„Krojanker Stadt= und Landbote“ nachher erzählte. Das war, als Herr Freundlich die Absicht verfolgte, aus den Beuteln der Landbevölkerung das Gold herauszuholen. Diese Absicht hatte er freilich auch früher schon immer gehabt, aber in dem figürlichen Sinne der Selbstbereicherung; jetzt war es ihm auf das Material an sich angekommen, denn das Gold wollte er an die Reichsbanknebenstelle abführen. Für je zwanzig Mark in Gold hatte er fünfzig Pfennige in Waren versprochen und so gerechnet: Wenn die Leute nun Stoff kaufen wollen, dann wird das für sechs Mark oder für zehn Mark oder noch mehr sein, und wenn mir dann einer zwei große Goldstücke anbringt, dann muß ich ihm eine Mark nachlassen, aber verdienen tue ich dabei immer noch ganz gut. Das war aber eine falsche Rechnung gewesen. Gold brachten die Leute schon, denn ihre Gier, etwas geschenkt zu bekommen, errang, wenn auch nicht einen völligen(denn mit allem Golde rückten sie nicht heraus), so doch einen Teilsieg über ihre Anhänglichkeit an den in einer Zeit, die sonst hauptsächlich die nationalen Güter in den Vordergrund rückte, allein auf einsamer Höhe unerschüttert bleibenden internationalen Wertgegenstand. Aber Stoffe kauften die Leute nicht. Nein, die einen ließen sich Hindenburg=Taschentücher zu fünfzig Pfennig geben, und die andern nahmen einfache Staubtücher oder Scheuerlappen. Welche die Verständigeren waren, soll hier nicht weiter untersucht werden. Heymann Freundlich verdiente also nichts; er hatte nur das Agio für's Gold zu zahlen. Er hätte sich ja mit dem erhebenden Gefühl trösten können, auch etwas für die Reichsbank und damit für das Vaterland getan zu haben. Aber darauf gab er nichts. Seine Gefühle brachten ihm nichts ein, da er kein Dichter oder Schriftsteller war. Das einzige blieb, daß der„Krojanker Stadtund Landbote“ in einer schönen Notiz berichtete, Herr Heymann Freundlich habe 1620 Mark an die Reichsbanknebenstelle abliefern können. Das war immerhin eine kleine Reklame. Freilich, Kundschaft lockte sie ihm auch aus der Stadt keine besondere an. Die Damen kauften nur gerade das Notwendigste, und zwar nicht wie sonst das nach ihrer Meinung Notwendigste, sondern diesmal das den Tatsachen nach Notwendigste, was hauptsächlich nur der Ersatz für zerissene oder ausgewachsene Kinderkleidung war. Und dabei kam Heymann Freundlich allerhöchstens auf die Geschäftsunkosten. Nun, darauf war er ja gefaßt gewesen— von Anfang an. Au weh, das kann schön werden: hatte er in der letzten Woche vor Kriegsausbruch gedacht und schnell aus seinem sicheren Effektenbestand das für kriegerisg: Zeitläufe am wenigsten Geeignete gegen einige Anteile an Waffen= und Munitionsfabriken umgetauscht. Aber mehr hatte er auch nicht getan. Zuerst freilich hatte er beinahe daran gedacht, in Krojanke alles stehn und liegen zu lassen und schleunigst nach Berlin sich zu begeben. Aber dazu war er wohl doch schon zu weit über seine besten Jahre hinaus; dazu hatte er sich schon zu lange in Krojanke still eingekapselt gehalten. Sechs Jahre war es jetzt her, daß er das letzte mal in Berlin gewesen war, und da hatte er dort Angst gehabt, über die Straße zu gehn. Er wäre also wirklich nicht mehr der geeignete Mann gewesen, das Geld aufzuheben, das bald auf den Straßen Berlins liegen würde. Von der Konkurrenz, von der schäbigen, immer nur hart an der Grenze des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb vorbeischleichenden Konkurrenz, der verhaßten Jirma Schlochauer Söhne freilich war der eine, und zwar der jüngere der beiden Brüder Schlochauer sofort mit dem D=Zug, mit Bargeld und mit Hoffnungen nach Berlin geeilt, und bald erzählte das Gerücht in Krojanke, daß er sicherlich mit nicht weniger als einer Million zurückkehren würde. Oder vielmehr: er würde gar nicht mehr zurückkommen, denn mit einer Million setzt man sich natürlich nicht in Krojanke hin. Lass' ihn! hatte Heymann Freundlich sich gesagt. Jetzt ist wenigstens bloß einer von der Bande da, mich zu ärgern; dem wird nicht so viel einfallen. Jetzt werd' ich doch endlich einmal ein bischen Ruhe haben. Aber in diese Ruhe kam sehr bald eine leichte Störung. Der„Krojanker Stadt= und Landbote“ hatte beschlossen, auch einmal etwas aus eigener Kraft zu tun: er hatte eine kokale Kriegsrubrik geschaffen, die ein für allemal überschrieben war: Unsere heimatlichen Krieger.— Und in dieser Rubrik las Heymann Freundlich die Notiz: Auch die Firma Schlochauer Söhne sieht einen ihrer bewährten Angestellten scheiden, Herrn Drewes, den zweiten Verkäufer, der als Reservist der Feldartillerie zur Verteidigung des bedrohten Vaterlandes hinauszieht. Die Firma Schlochauer Söhne gibt ihm die besten Segenswünsche auf den Weg und hofst, ihn nach den Stürmen des Krieges=gesund wieder begrüßen zu können.— Heymann Freundlich las das ungern. Es gefiel ihm gar nicht, wenn Schloch Söhne ihre Segenswünsche in die Zeitung brachten. Sie hätten das privatim tun können; die Segenswünsche hätten genau die gleiche Kraft gehabt. Davon, daß sie in der Zeitung standen, wurden sie doch nicht besser. Aber natürlich: Schlochauer Söhne bekamen so auf eine seine Weise ihre Firma in die Zeitung, ohne dafür bezahlen zu müssen. Das würde die Leute interessieren. Kommen würden sie und fragen: Nun, was macht denn Ihr Herr Drewes? Hat er was von sich hören lassen? Wo steckt er jetzt? Was hat er schon erlebt? Wie denkt er über unsere Aussichten?— Und dabei würden die Leute natürlich irgend etwas bei Schlochauer Söhne kaufen. Und wenn es auch nur eine Kleinigkeit war— diese Kleinigkeit hätten sie ebensogut, nein noch besser bei Heymann Freundlich haben können. Heymann Freundlich ärgerte sich, je mehr er darüber nachdachte. Er ging zu Herrn Dessauer, seinem ersten jungen Mann: „Ersatzreservist sind Sie doch, nicht wahr? Wann werden Sie denn eingezogen?“ Herr Dessauer zuckte ohne Begeisterung die Achseln.„Weiß ich? Kann sein in vier Wochen, kann sein in drei Monaten. Ich kenn' mich in solchen Sachen nicht aus, ich warte einfach ab. Und Sie können mir glauben: ich werd's auf jeden Fall noch früh genug erfahren. „Sagen Sie mal, Dessauer, warum haben Sie eigentlich nicht gedient?" fragte Heymann Freundlich mürrisch. „Nun fragen Sie mich schon wieder so was! Haben Sie denn überhaupt gedient, Herr Freundlich?“ Heymann Freundlich umschrieb die Antwort.„Ich bin in andern Zeiten jung gewesen. Ich war anno 72 militärpflichtig, gleich nach dem Krieg. Damals nahmen sie nicht so viele.“ „Sie haben's gut getroffen gehabt, Herr Freundlich. Ich wollt', ich wäre auch gleich nach einem Kriege militärpflichtig, meinte Herr Dessauer, und damit war die Unterhaltung beschlossen. Herr Kanehl, der zweite junge Mann, kam vorläufig noch lange nicht in Frage, der war dauernd untauglich. Die Rubrik„Unsere heimatlichen Krieger“ hatte alle diejenigen aufgezählt, die aus Krojanke und Umgebung in's Feld gezogen waren, oder wenigstens alle jene, deren Namen dem„Krojanker Stadt= und Landboten“ von Eltern, Verwandten, Bräuten und Prinzipalen mitgeteilt worden waren. Drei Tage lang hatte die Rubrik dann gefehlt, am vierten aber war sie wieder da und sogar eine ganze halbe Spalte lang. Diesen Raum nahm ganz und gar ein Gedicht ein, und dieses Gedicht rührte von Herrn Drewes her. Einleitend bemerkte die Redaktion dazu: Die hiesige renommierte Firma Schlochauer Söhne erhielt von ihrem in's Feld gezogenen bewährten Mitarbeiter Herrn Drewes nachstehendes, die begeisterte Stimmung unserer ausziehenden Krieger in vorzüglich gelungener Form wiedergebendes Gedicht, dessen Abdruck uns die Firma Schlochauer Söhne freundlichst gestattet hat. Das Gedicht war„Ausmarsch" überschrieben. Zu seinem Lobe kann gesagt werden, daß es sehr gut gemeint war. Es war darin von allgemeiner Begeisterung die Rede, und deshalb war es sehr zweckentsprechend auch in ganz allgemeinen Wendungen gehalten. Die Hauptreime waren: Krieg und Sieg, Macht und Schlacht, Waffen und wir werden's schaffen, und schließlich: wir haben Vertrauen und wir werden sie alle hauen. Heymann Freundlich las das Gedicht so genau, wie er noch nie etwas Poetisches gelesen hatte.„Das Gedicht taugt nichts, sagte er. Herr Dessauer, der dabei stand, wußte noch etwas zu melden. Eben war er auf der Post gewesen und bei Schlochauer Söhne vorbeigekommen.„Wenn Sie es noch einmal lesen wollen, sagte er gefällig, „dann können Sie zu Schlochauer Söhne herangehen— da hängt's im Schaufenster.“ Darauf ging Heymann Freundlich wütend in sein Privatkontor, schmiß die Zeitung auf den Schreibtisch und setzte sich Flüche murmelnd davor. Er hatte sich nie um Poesie bekümmert; ihre Erzeugnisse lassen sich zwar auch messen wie Manufakturwaren, aber sie sind schwerer zu verkaufen. Trotzdem kritisierte er und zwar mit jener Wendung, die auch die berufsmäßigen Kritiker zwar nicht schriftlich, aber mündlich oft anwenden.„Das Gedicht ist Mist!“ sagte Heymann Freundlich, und das war eigentlich unrecht gegen Herrn Drewes. Aber Heymann Freundlich dachte gar nicht an Herrn Drewes, der den„Ausmarsch“ gedichtet, sondern an Schlochauer Söhne, die ihn veröffentlicht hatten. Solche Banditen! Welch unseine Art von Reklame! Vielleicht war es Drewes überhaupt nicht recht, daß seine Poesie so an die große Glocke gehängt wurde. Oder sollten Schlochauer Söhne sein Einverständnis erpreßt haben? Sehr möglich. Ja, vielleicht hatte sie ihn sogar veranlaßt, das Gedicht zu me chen, lediglich um eine feine Reklame# haben.(Heymann Freundlichs Gedanke# gang war hier etwas inkonsequent, den zuerst hatte er ja diese Reklame gemen gefunden. Aber vielleicht ist auch eine# meine Reklame##= eine feine.) Don nerwettter, am Schlochauer Sät un sogar klipp u. pd#r von Drewes G dichte für ihre unse oeren Zwecke verlat### nur unter dieser Bedingung ihm eine Ste# offen gehalten. Denen war alles zuzutrau## warum also nicht auch das gemeine Verlat# zen, daß ihr Angestellter sich mühselig Rene abquälen sollte. Musik und Theater. Städtisches Schauspielhaus, Hagen. Am kommenden Mittwoch, den 5. Januar, langt das neue Lustspiel von Rudolf Presl „Die selige Exzellenz“ in Hagen zur A. führung. Das Werk errang vor kurzer Zeit Berlin, Hamburg und Hannover einen ungewöl lich starken Heiterkeitserfolg. Die reizende Neuh wird hier im Nahmen eines Gesamt=Gastspiels Düsseldorfer Stadttheaters gegeben werden. wirken über 25 Personen mit.— Der Vorver beginnt heute an der Theaterkasse. Das Gastsp findet ohne jede Preiserhöhung bei Schauspil preisen statt. Stadttheater Dortmund. Sonnabend, 1. Januar 1916, nachmittags 3¼1 Uhr:„Komtesse Guckerl", Lustspiel in 3 Akt von Franz von Schönthan und Franz Kop# Elfeld.— Abends 7½—10½ Uhr:„Die Fled maus", Operette mit Tanzeinlage in 3 Ak von Johann Strauß. Sonntag, 2. Januar, nachmittags 3½—5¾ U „Wenn der junge Wein blüht". Lustspiel in d Aufzügen von Björnstjerne Björnson.— Abei 7½—10½ Uhr:„Die Jüdin“, große Oper Ballet in 4 Aufzügen von Jacques Franc Halevy. Dienstag, 4. Januar, abends 7½—11¼ U „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der burg", Handlung in 3 Aufzügen von Rich Wagner. Mittwoch, 5. Januar, nachmittags 3½—6 U „Aschenbrödel“ oder„Der gläserne Pantoff Märchen mit Gesang und Tanz in 6 Bildbearbeitet von C. A. Görner.— Abends 7½ 10½ Uhr:„Nathan der Weise", dramatisches dicht von Gotthold Ephraim Lessing. Wetter=Aussichten für mehrere Tage im Vorg 1. Januar 1916: Wolkig, milde, Niederschläge. 2.— Milde, wolkig, etwas Niederschlag. 3.— Wenig verändert. 4.— Feuhtkalt, woltig, Riederschläge. Gottesdienste. Evang. ref. Gemeinde. Neujahr 9½ Uhr: Pastor Terberger. Sonntag 9½ Uhr: Pastor Terberger. Evang. luth. Gemeinde. Neujahr 9½ Uhr: Pastor Wischnath. Sonntag 9½ Uhr: Pastor Nell. 11 1 Kindergottesdienst. 5 Uhr: Pastor Ohlig. Gemeinde Westhosen. Neujahr 10 Uhr: Pastor Klinker. Sonntag 10 Uhr: Pastor Klinker. Kath. Pfarrkirche, Schwerte. Neujahr 6¼ Uhr: Stille hl. Messe, Pfa# Schnurbus. 7½ Uhr: Frühmesse mit Predigt. Uhr: Schulmesse mit Predigt, Kaplan Röst 10 Uhr: Hochamt mit Predigt und Segen.## mittags 2½ Uhr: Vesper. Sonntag 6¼ Uhr: Stille hl. Messe, Kan Röseler. 7½ Uhr: Frühmesse mit Predigt. natskommunion der Männer. 8¾ Uhr: Schuln, mit Predigt, Pfarrer Schnurbus. 10 Uhr: amt mit Predigt. Nachmittags 2½ Uhr: And Lichtendorf=Südlerholz. Neujahr 7½ Uhr: Frühmesse mit pre10 Uhr: Hochamt mit Predigt und Segen.# mittags 2 Uhr: Dankandacht mit Bittgebet für sere Krieger und Segen.„ Sonntag 7½ Uhr: Frühmesse mit Pres Generalkommunion des St. Josephs=Vereins hl. Monatskommunion des Marien=Ver 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 2) Andacht mit Segen für unsere Krieger. Verantwortlich für die Nedaktion Friede.### Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schu## Jarelläffig und schnen über die Kriegsereignisse unterrichtet zu wer ist der Wunsch jeder deutschen Familie. D## Wunsche möglichst voll zu entsprechen, betrachte „Schwerter Zeitung zurzeit als ihre wichtigste Aufgabe. Gie hat umfangreichen Nachrichtendienst eingerichtet, von den verschiedenen Kriegsschauplätzen von den übrigen politischen Ereignissen zuver berichtet. Bestellungen auf die„Schwerter Zeitung" den jederzeit von unseren Boten, in der Gesch stelle(Gr. Marktstraße) und bei Heren##d. mann(Hüsinostraße) entgegengenommen. Spertolutn Schitzenhof in Schworte. S# Am Neujahrstage, nachmittags 2 Uhr: 46, Fussball-Wettsplel Schwert. Sport-Kl. 06 II: Schwert. Sport-Kl06 II. Eintritt: Für Erwachsene 20 J. für Schüler 10 J. ∆ Inh. des Kaiserpreises und höchster Ehrenpreise. Chast: Herr Audkürekter Gliesenbeck, Gevelsberg. Am Neujahrstage, den 1. Januar 1916 nachmittags 4 Uhr, im Freischütz: Wohltätigkeits-Konzert für den Kriegsliebesdienst. Mitwirkende: Herr Konzertmeister Otto Unzhelm, Solingen(Geige); Herr H. Dahlbüdding, Schwerte (Tenor), Herr Fritz Schäfer, Schwerte(Bariton); am Flügel: Herr Musikdirektor Griesenbeck. Karten im Vorverkauf, 50 Pfg., sind zu haben: Zigarrenhandlung Winkelmarn, Friseuren Grischy, Klocke, Strack und im Vereinslokal Balster; an der Kasse 75 Pfg. 5816 and PLDGEL, in altbewährter GütelB ACH-PIANOLA-PIANOS d. h. IBACH Pianos mit eingebautem Klavierspielapparat, Pisnolas, sow. Harmoniums empsichlt is reieher Auswahl za bequemen Bedingungen Else Vierkante Josef Lindemann I.-Regt. Nr. 128. #. Am Sonntag, 2. Januar 1916,nachm. 2½ Uhr: I B Bezirks-Fussballsplel& Schwerter Sport-Klub 06 I. gegen 8 ##m Fussb.-Kl. Phönix-Alemannia-Hagen II. * Eintritt: Für Erwachsene 30 S. für Schüler 20 S. 5 # im Vorverkauf 25, bezw. 15 #— Feldgraue zu beiden Spielen frei.— Barmen Neuerweg 40. Bei Kauf, Miete, Umtausch Reparatur oder Stimmung wende man sich an die mehr als hundertjährige Erfahrung des durch vier Generationen bestehenden Hausen Vizefeldwebel im Schwerte, Sylvester 1915. IPosten Speck, fett Muschel. OchseneExtrakt-Gelee Ersatz für Butter Margarine. Schmalz empfiehlt 5900 Kaufhaus für Lebeusmittel Brückstraße 23. Elisabeth Ehrenberg Wilhelm Bruchhäuser Verlobte. hwerte Berghofen Neujahr 1916. 584 Hagenerstraße 14.— Inhaber: Carl Feit. Am 1. und 2. 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