0 Setngr artcenmn ugich. andn Feienagg, Bezugoprts M. Da Abrich, bel der Post sne Bebelgeld 42 Pla. wohr. Wöchenl. Gralsbelage:„Jüuktrierte. Hamillensreuns“ u. 14gl. Uaterbaltungsbian. Anzeigenpreis: Die Bebengespaltene Petitzells9e deren Raum 10 Plg., Anzeigen uon d Pars 15 Plo, Retlamegell 40 Pfg. Jednr Radat glitrals Kassamdan a. erischlde KonLucien, Zwangsoergleichen, gerchl. Klagen u., Aschtbeachtung d. gemacht. Jahlungsbedingung. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Verbunden mits Schwerter Volksblat Schwerker Tageblatt S Schwerker Anzeiger Grstes und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis börde# Ntr. 305. Donnerstag, den 30. Dezember 1915. vorveranlgemem.. — Vergebliches Anstürmen der Russen. Die Aämpfe am Airzstein. Die neuen Steuern. Das Andeuten über die Steuern, die im Reich und in den Bundesstaaten kommen werden, geht in der Presse und in zahlreichen Zeitungskorrespondenzen weiter. Wirklich Positives ist aus allen diesen Tastversuchen noch wenig zu entnehmen. Es mehren sich freilich die Stimmen, die wissen wollen, daß die preußische Regierung eine starke Erhöhung der Steuerzuschläge plane. So bringt z. B. die„Kreuzzeitung" die Nachricht von 100 Millionen Mark preußischer Einkommens= und Vermögenssteuer=Zuschläge: Wie wir hören, wird sich der durch Zuschläge zur Einkommen= und Vermögenssteuer zu deckende Bedarf in Preußen auf rund 100 Millionen Mark belaufen. Danach würde sich, wenn die für 1914 auf 63 Millionen Mark angesetzten Steuerzuschläge auf 163 Millionen Mark gesteigert werden sollen, der Zuschlag für das kommende Steuerjahr bei Aufrechterhaltung des Gesetzes vom 29. Mai 1914 fast verdreifachen. Vor einigen Tagen hat bereits die freikonservative„Post“ von parlamentarischer Seite einige Mitteilungen über die Steuererhöhungen in Preußen gebracht.. Darin wurde die Verdoppelung der Steuerzuschläge als wahrscheinlich bezeichnet. Nunmehr hat sich der dieser Zeitung nahestehende Abg. Freiherr v. Zedlitz=Neukirch in ähnlicher Weise über die preußische Steuerreform, bei der es einen Fehlbetrag in Höhe von 100 Millionen Mark zu decken gebe, geäußert. Er erklärt: „Genaues über die Steuervorlage steht noch nicht fest. Es ist noch unbestimmt, ob die bisherigen Zuschläge zur Einkommensteuer, die etwas roh aufgebaut sind, einfach erhöht werden, oder ob einheitliche, besser geregelte Zuschläge erhoben werden sollen. Nach den bisherigen Besprechungen mit den Fraktionsführern besteht der Wunsch, es bei der jetzigen Art der Zuschläge zu belassen und diese zu verdoppeln. Wir bekommen dann bei den höheren Einkommenklassen Zuschläge zur ursprünglichen Veranlagung von 50 v. H.(statt 25 v. H.). Da nun auch die Gemeinden, wenn wir einen Durchschnitt nehmen. etwa 150 v. H. Zuschläge zu den veranlagten Steuersätzen erheben, so gibt das bei den höheren Klassen, die auf 4 v. H. ihres Einkommens veranlagt sind, 12 v. H. Steuern, 6 v. H. für den Staat und 6 v. H. für die Gemeinde.“ Ganz Bestimmtes über die preußische Steuerreform weiß also auch Frhr. von Zedlitz noch nicht. Freilich stimmt er mit der„Kreuzzeitung" darin überein, daß es sich um die Deckung eines Fehlbetrages im Etat von 100 Millinnen Mark handeln wird. Wie er noch weiter ausführt, ist dieser Fehlbetrag die Folge geringerer Einnahmen und nicht größerer Ausgaben. Ueber den Zweck der kommenden Steue vorlagen schreiben die„Berl. Polit. hr.“: Die Steuervorlagen, welche dem Ren1#tag mit dem Reichshaushaltsplan für 1916 unterbreitet werden sollen, verfolgen einen anderen Zweck als die definitive Neuordnung des Reichshaushaltes nach Friedensschluß: sie sind bestimmt, die Mittel zur Deckung der ordentlichen Ausgaben des Reiches in der Kriegszeit zu beschaffen. Aus dieser Zweckbestimmung lassen sich ohne weiteres sichere Schlüsse auf die Art der geplanten Vorlagen ziehen. Es wird sich demnach in der Hauptsache darum handeln, vorhandene Einnahmequellen des Reiches Deutscher Tagesbericht. W2B Großes Hauptauartier, 29. Dez. Westlicher Kriegsschauplatz. Westende wurde gestern wiederum durch seindliche Monitore beschossen, diesmal ohne jede Wirkung. Der gestern berichtete feindliche Vorstoß am Hirzstein brach bereits in unserem Feuer zusammen. Am Abend grifsen die Franzosen zweimal die von uns zurückeroberten Stellungen auf dem Hartmannsweilerkopf an. Sie drangen teilweise in unsere Gräben ein. Nach dem ersten Angriff wurde der Feind überall sofort wieder vertrieben; die Kämpfe in den einzelnen Grabenstücken nach dem zweiten Angriff sind noch im Gange. An Gesangenen büßten die Franzosen bisher 5 Ofsiziere und über 200 Mann ein. Die Engländer verloren gestern zwei Flugzeuge, von denen das eine nordöstlich von Leus durch das Feuer unserer Abwehrgeschütze zur Landung gezwungen, während das andere, ein Groß=KampfFlugzeug, nördlich von Ham, im Luftkampf abgeschossen wurde. Am 27. Dezember verbrannte ein weiteres englisches Flugzeug östlich von Lille. Oestlicher Kriegsschauplatz. An der Küste von Naggasem(nordöstlich von Tukkum) scheiterte der Vorstoß einer stärkeren russischen Abteilung. Südlich von Pinsk ist eine russische Feldwache überfallen und aufgehoben worden. kriegsschauplatz. Balkan=K Nichts Neues. Oberste Heeresleitung. Oesterreichis der Die neue russische Offensive in Bessarabien. :: Wien, 28. Dezember. Amtlich wird verlautbart: An der bessarabischen Grenze wiederholte der Feind gestern seine von starkem Artilleriefeuer eingeleiteten Angriffe in der tags zuvor geübten Art. Seine Angriffe brachen überall— stellenweise vor unseren Hindernissen— unter unserem Kleingewehrund Geschützfeuer zusammen. Die russischen Verluste sind groß. Oestlich Burkanow nahmen wir einige Sicherungsabteilungen vor stärkeren russtschen Kräften näher gegen unsere Hauptstellung zurück. In Wolhynien stellenweise Geschützkampf. Auch gestern hielt die lebhafte Tätigkeit der Italiener an der Süd= und Südostfront Tirols an. Im Sugana=Abschnitte wurde ein feindlicher Angriff auf den Monte Carbonile(südöstlich Barco) abgewiesen. Ebenso scheiterten nächtliche Unternehmungen des Gegners im Col=di=LanaGebiete.— An der küstenländischen Front fanden an mehreren Stellen Geschütz=, Handgranaten= und Minenwerferkämpfe statt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Lage unverändert. Keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Hoefer, Feldmarschalleutnant. Revensgebannen. Fortsotzung der Erörterung der Friedensfrage in der Schweiz. TA Zürich, 30. Dez. Hier ist die Nachricht eingetrofsen, daß die verantwortlichen Kreise Deutschlands den angeblichen Friedensbedingungen fernstehen, die in der„Neuen Züricher Zeitung" abgedruckt sind. Gleichwohl bemüht sich die Schweizer Presse, die Erörterung der Frage weiter in Fluß zu halten. Es ergibt sich dabei eine Einschätzung der Kriegskräfte der Parteien, die für die Schweizer öffentliche Meinung charakteristisch ist. Die„Baseler Nationalztg.“ bemerkt: Nachdem alle Offenstoversuche der Franzosen mißglückt sind, ist nicht anzunehmen, daß sie bei späteren Angriffen auf die festen deutschen Linien glücklicher sein werden. Für sie bedeutet daher eine Verlängerung des Krieges keine Aussicht auf größeren Erfolg. Gewiß lann Deutschland einmal erschöpft werden, aber nicht früher, als die andern auch, und dann hat keiner Nutzen davon. Wir Neutralen werden selbstverständlich die Hoffnung nicht fahren lassen, daß dieser oder andere Vorschläge Europa vor dem völligen Zerfall der Kräfte schützen werden. TU Berlin, 30. Dez. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt an der Spitze ihres Blattes: In der ausländischen Presse macht sich die Neigung bemerkbar, den gestern gebrachten Artikel der„Neuen Züricher Zeitung"—„Friedensgedanken“— zu Betrachtungen über Kriegs= und Friedensziele zu benutzen. Um jeder Irreführung der deutschen öffentlichen Meinung vorzubeugen, weisen wir erneut darauf hin, daß der Artikel lediglich private Gedankengänge enthält und daher nicht als Ausgangspunkt von ernsten Diekussionen über die Ansichten leitender Kreise dienen kann. Bulgariens neue Grenzen. zu reicherer Entfaltung zu bringen. Dagegen wird sachgemäß die Erschließung neuer. reichlich fließender Einnahmequellen der Zeit vorzubehalten sein, wo es sich darum handelt, das dauernde Gleichgewicht im Reichshaushalt zu sichern. Desgleichen sind die in Preußen zu erwartenden Maßnahmen auf steuerlichem Gebiet dazu bestimmt, für die Einnahmeausfälle und Ausgabevermehrungen im nächsten Staatshaushaltsetat Deckung zu beschaffen. Weiter hat sich in der Presse bereits darüber eine Auseinandersetzung entwickelt, wie sich die Sozialdemokratie zu der Steuerbewilligung stellen werde. Die„Köln. Volksztg.“, durch die diese Diskussion angeregt wurde, ist dabei zu dem Schluß gekommen, daß auf die Sozialdemokraten wohl kaum zu rechnen sei, und daß es den bürgerlichen Parteien vorbehalten bleiben werde, die Steuerreform durchzusetzen. Hierzu nimmt jetzt der„Vorwärts“ Stellung, indem er schreibt: „Die Behauptung, daß die Sozialdemokratie grundsätzlich bei der Deckung der Kriegskosten nicht mitarbeiten wolle, ist unsinnig und nur zu dem Zweck erfunden, den bürgerlichen Steuerblock um so schneller zusammenzuleimen. Sie wäre schon bereit, aber sie stellt die Bedingung, daß die Regierung ein wirkliches Reformprogramm vorlegt.“ Dieses Reformprogramm wird dann in folgender Weise umschrieben: Zunächst müßten wir aus dem Chaos heraus; das Finanzwesen in Deutschland müßte durchgreifend vereinheitlicht werden; Reichs=, Staatsund Gemeindefinanzen seien in einen organischen Zusammenhang zu bringen. Ferner dürften Schuldzinsen und Mehrbedarf nicht weiter durch Anleihen aufgebracht werden. Endlich müsse mit dem Prinzip gebrochen werden, das Reich auf die indirekten Steuern zu stellen. Zusammenfassend wird gesagt: „Grund und Eckstein des Finanz= systems muß nach dem Kriege mehr als je die Belastung des Besitzes und des Einkommens sein; und reichen, wie man erwarten kann, Steuern nicht aus, so sollen Staatsmonopole die Lücken füllen helfen. Staatsmonopole, wohlgemerkt, aber nur dann, wenn wir die Sicherheit haben, daß sie die gottgewollten Abhängigkeiten nicht vermehren helfen, sondern in ihrem Betrieb, in ihrer Beamtenpolitik unter einer demokratischen Kontrolle stehen. Das wäre eine Reform. Alles andere, ob es nun mit Hilfe eines Blocks aller bürgerlichen Parteien oder sonstwie zustande kommt, ist eine Stümperei, deren Fiasko unausbleiblich ist, und für die wir die Mitverantwortung nicht übernehmen wollen.“ Dies sind also die sozialdemokratischen Bedingungen, die erfüllt werden sollen, wenn man die Stimmen der Sozialdemokraten im Reichstag für die neue Steuerreform haben will. Eine Umwälzung alles Bestehenden auf dem Gebiete der Steuern wird verlangt. Es erscheint uns mehr als zweifelhaft, daß sich die Regierung und die bürgerlichen Parteien auf dieses Programm einigen werden. Aus Sofia meldet das„Berliner Tageblatt": Vor der Kammereröffnung hielt die Mehrheit der Kammer eine Sitzung ab. Ministerpräsident Nadoslawow teilte mit, daß die bulgarischen Truppen bei Prizrend unter anderem das serbische Staatsarchiv und König Peters silbernen Galawagen erbeuteten. Weiter erklärte er:„Die Grenze Bulgariens werde sich bis dahin erstrecken, wohin die bulgarischn Soldaten vordrangen. Auch Monastir wird bulgarisch bleiben. Bulgarten wird an Oesterreich=Ungarn grenzen.“ England führt die allgemeine Wehrpfischt ein. Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe. Das Händlerkönigreich jenseits des Kanals rafft sich zur letzten Verzweiflungs11 Die Zeiten, de man auf dtat auf! Die Zeiten, da man auf das Mili Mittwoch, 29 Dezember 1915. Nr. 304 2. Blatt „* Amtliches Kreisblatt. Lom Weihnechtsmann im Großen Hauptquartier. Großes Hauptquartier, Weihnachten 1915. Er hat sich trotz des Kriegslärmes und des gar so unweihnachtlichen nassen Wetters auch diesmal nicht abschrecken lassen, der liebe, alte Weihnachtsmann. Wiederum zum leisen Erstaunen der französischen Bevölkerung, deren„Noêl“(Weihnachtsfest) nicht annähernd das Traute, Innige, die Herzen Näherbringende der deutschen Weihnacht kam er auch ins Große Hauptquartier. Wo immer der tausendfältige Dienst etwas Zeit übrig ließ, oder in den dienstfreien Stunden, da schritten alle ans Werk. Zarte, deutsche Schwesternhände, aber auch die sturmerprobte Hand manches bärtigen Landsturmmannes griff fleißig und freudig zu. So ist denn überall im Großen Hauptquartier der Weihnachtsbaum und mit ihm der echte, rechte Weihnachtsgeist eingezogen. Mit viel Liebe ausgeputzt, strahlt die schlanke Tanne auf hunderte und aberhunderte von Gaben herab. Nützliche Dinge sind vor allem vertreten, aber auch weihnachtliches Naschwerk, ein Fläschchen guten Weines, Bücher und— Geld. Die Heimat, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, Staat und eneinde, Stiftungen, alle, alle haben erfast ein Uebermaß an Spenden zusamengetragen. In erster Linie rollten natürich Tausende von Wagen und Millionen von Paketen der vordersten Front zu. Die Kriegsberichterstatter waren am eiligen Abend in den ersten Stellungen, um ihre Eindrücke vom Weihnachtsfest in den Gräben und Unterständen zu schildern. heute schon sei mitgeteilt, daß die Heimat nicht nur an die wackeren Männer im Schützengraben und die braven Leute in den Lazaretten an der Front gedacht hat, auch im Großen Hauptquartier gab der Weihnachtsmann seine Visitenkarte— und eine Fülle von Präsenten ab. Angesichts der zahlreichen Personen, die hier wirken, und der vielen Anstalten, in denen Weihnachten zu feiern ist, verteilen sich begreiflicherweise die Festakte auf mehrere Tage. Den Verwundeten in den Etappen und Lazaretten des Großen Hauptquartiers wurde in würdigster Weise der Zauber des herrlichsten aller Feste vermittelt. Gesang, Ansprachen, Vorträge hoben die Stimmung der Patienten. Teils waren lange Tische aufgestellt mit einem Tannenbaum von recht ansehnlichem Umfange, teils trug man kleine Tannenbäumchen und die Gaben lauterer Liebe an die Betten der Verwundeten. Lankerfüllte Blicke und ein lebhaftes Staunen ob all' der Liebe und Arbeit, die man sich machte, trafen Aerzte, Schwestern und Pfleger. Niemand klagte, keiner zeigte Schmerzen. Im Weihnachtszauber wob sich alles harmonisch ineinander... Aeußerst eindrucksvoll war der Weiheakt in einer Garde=Landsturm=Kompagnie, der hauptsächlich Berliner angehören. Die Kompagnie ist in einer alten, französischen Kaserne untergebracht der staltliche Weihnachtsbaum in einem über und über mit Tannenreisig prächtig geschmückten früheren — Stall. Deutscher Weihnachtssinn hatte es verstanden, aus diesem ursprünglich nur wenig anmutigen Raume einen weihnachtlich duftenden, weihnachtlich glitzernden Saal zu machen. Hauptmann M. bekundete hierbei bemerkenswerten Geschmack und Kunstsinn. So standen denn etwa 250 Mann tief ergriffen in dem strahlenden Kerzenalanz, sanazu und planderten ron der heingen Nacht und lauschten atemlos der ge dankenreichen Ansprache des Universitht professors Dr. Berg aus Aachen. Die 2###. waren reich gedeckt, so reich, daß die biederen Landstürmer augenscheinlich tief beglückt woaren. Feldwebel M.d ankte in kernigen Worten dem verehrten Chef, Herrn mann M., sowie allen Spendern und HelNicht minder herzlich verlief die Weihnachtsfeier in der... Kompagnie des... Armcekorps. Hier prangte nicht nur ein sehr sihmucker Baum in einer einstigen Remise, ondern jede Korporalschaft war mit einem Lannenbaum bedacht worden. Frohe Feststimmung und schöne Spenden auch hier Eine wundervolle Feier fand in einen großen französischen Kaffee durch das Feldeisenbahnpersonal statt. Alle Bundesstaaten waren vertreten. Der Pfarrer sprach von: er Weihnachtsbotschaft des Evangeliunie. Er sprach ebenso hinreißend wie formvollendet. Seine Hörer standen bis zum jetzten Worte im Bann der gehaltvollen Darlegungen. Mit Recht hob der Redner hervor bat: ohne die beispiellosen Leistungen der Eisen bahner die glänzenden Erfolge auf seiten der Deutschen nicht zu erzielen gewesen waren. Feldwebel M. dankte Im Pressequartier fand am Dienstag eine schlichte Feier statt. Der unermüdliche Leiter des Kasinos hatte in aller Stille einen schönen Tannenbaum schmücken lassen Die Tafel war weihnachtlich geschmückt. Bei weihnachtlichen Liedern, weihnachtlichen Ansprachen teils ernster, teils launiger Form nahm der Abend einen ungemein anregenden Verlauf und trug auch in die Herzen der Kriegsberichterstatter, welche so viel Großes, aber auch so viel Leid sahen, einen holden Abglanz weihnachtlichen Zaubers. Der Weiheakt der Feldeisenbahner war von der Bahnhofskommandantur im Großen Hauptquartiers veranstaltet worden. Der Feld=Oberpfarrer des Westheeres hielt die folgende, alle Teilnehmer tief ergreifende Ansprache: „Das Fest eilt heut vor, wie ja der Eisenbahner mit D=Zug=, Schnellzug= und Eilzuggeschwindigkeit allen voranzueilen pflegt. Also anders wie in anderen Jahren Auch insofern anders, als das Fest die Familien in diesem Jahre nicht zusammenführt, sondern trennt. Wir denken aber der Unseren, sie denken an uns. Anders ist dies Fest auch, als es nicht ein Fest des Friedens ist, wie es sein soll, sondern ein Fest, das mitten hinein fällt in den fürchterlichsten aller Kriege. Also kein Friede auf Erden!? Wenn ihn die Welt nicht will, so wollen wir ihn halten— wir unter uns aus Norden und Süden, und wir mit unseren Lieben daheim. Wir sind ja von Natur Männer des Friedens. Unsere Eisenbahnschienen sind die Bänder, die Völker und Stämme verbinden. Aber wie man aus Sensenstahl Schwerter, aus Flugscharen Spieße hämmern kann, so hat man in dieser Zeit aus unseren Eisenbahnen, einer Einrichtung des Friedens, ein furchtbares Instrument des Krieges gemacht. Und wir sind stolz darauf, daß wir mit ihm haben arbeiten und durch dasselbe unser Volk in Waffen haben zum Siege führen können. Wo eine Lücke war, führten wir die Streiter in die Bresche, wo Not war, führten wir die Hilfe herbei. Und doch liegt uns die Arbeit des Friedens im Blute. Mit herzlicher Freude werden wir des inne, daß wir die Grüße zwischen der Heimat und dem Heere vermitteln. Unser Stahlroß zieht den Weihnachtskarren, und von den Unseren her zu unseren Kriegern. ind wie groß wird erst die Freude sein, venn wir den letzten großen Friedensdienst dem Heere erweisen und unsere siegreichen Truppen in die Heimat zurückbefördert werden. Und dann, wenn die letzte kranzgeschmückte Maschine hineinrasselt in die hohen Hallen eines deutschen Bahnhofes, dann hat der Eisenbahner sein Werk getan— dann ist Friede auf Erden!“ Mit dem Verteilen der zahlreichen Geschenke und dem wirksamen Vortrage des Weihnachtsliedes„Stille Nacht, heilige Nacht" durch ein Männerquartett fand hierauf der harmonische Abend sein Ende.— Zwanglos blieb aber die große Mehrzahl der Eisenbahner noch ein Stündchen unter dem hell blitzenden Tannenbaum beisammen. * Das Landsturmbataillon nahm den Bescherungsakt in vier Kompagnien geteilt vor. Es fanden gemeinschaftliche Essen in der Kantine statt; ein Quartett sorgte für musikalische Genüsse. Die Offiziere hielten kurze, herzliche Ansprachen. Auch für einen guten Tropfen, der natürlich diesmal als Freibier aufzufassen war, hatte man ge sorgt. In einer Kompagnie spielte eine kleine Musikkapelle, die sich stolz„Hauskapelle" nennt. Von einer Kompagnie muß erwähnt werden, daß man die gesamten Ueberschüsse der Kantine den Ehefrauen der verheirateten Kameraden übermittelt hatte. Prächtige Männer alle da draußen! Blickt man etwas tiefer in die Herzen, so sieht man, daß der Krieg dem deutschen weihnachtlichen Empfinden auch draußen keinen Abbruch tat. Ein Lichtstrahl in dem Ernst des Völkerringens! Emil Simson, Kriegsberichterstatter. Die Insel der :: Bukarest, den 20. Dezember 1915. Mitten in den aufgeregten Wogen de Weltkrieges, die vom Englischen Kanal bie zum Bosporus fast s'ganz Europa über schwemmen, liegt gleich einer Insel der Seligen das rumanische Land da. Und es ma, daheim eine ganze Menge Leute geben, die da meinen, die alten Götter Griechenland. hätten längst den angesichts der jüngsten Ereignisse heiß gewordenen Boden Griechen lands verlassen und sich einen neuen Olymp etwa in den Transsylvanischen Alpen, ode ein neues Athen, etwa an den Ufern de Dimbovitza, dem die rumänische Hauptstadt durcheilenden Flüßchen, gesucht. Merkur beherrscht vom frühen Morgen bis zum späten Abend fast das gesamte öffentliche Leben der Hauptstadt Rumänien: Trotz der Einfuhrbeschränkungen, durch die Deutschland, Oesterreich=Ungarn, Russant und Bulgarien den Handel des Landes fast ins Stocken gebracht haben, blüht das Ge schäft der Bukarester Kaufmannschaft in an derer Weise. Einer der Hauptartikel, da Petroleum, steht im Zeichen der Hochkonjunktur, und auch der Getreidehandel sowie der Handel mit Futtermitteln hat sich zu unge heurer Blüte entfaltet.„Nachdem in den letzten Tagen auch noch die Deutsche Kriegsgetreidegesellschaft wegen der Lieferung von 50000 Waggons Getreide nach Deutschland mit dem rumänischen Handel in Verbindung getreten ist, herrscht im ganzen Lande eine Hausse, die geradezu beispielslos ist. Längst haben die Aussichten auf schnelle und hohe Gewinne alle die Kaufleute und Handwerker, welche sich früher niemals mit solchen Dingen beschäftigten, auf den Plan gerufen, aber auch Ingenteure, wechtsan wälte, ja selbst Aerzte, Künstler und vor allem viele Beamte tanzen mit um das goldene Kalb, und alle die Folgeerscheinungen, welche ein ungesunder Spekulationsgeist für ein Land nur im Gefolge haben kann, zeigen sich in diesen Tagen hier in ausgesprochener Form. Auf der einen Seite kommen Leute, die Jahrzehntelang ein ziemlich elendes Dasein führten, zu Wohlstand, auf der anderen Seite aber bemerkt man Entartungserscheinungen, die für die Zukunft des rumänischen Volkes wenig Gutes erhoffen lassen. Dabei steht der politische Manometer auf 99, jedermann weiß, daß der Erntewagen voll wirtschaftlicher Erfolge noch vor dem Scheunentor umschlagen kann, und daß Gott Mars sich auch noch niemals gescheut hat, den roten Hahn unter Umständen selbst auf die gefüllte Scheuer zu setzen. So geht es denn auf der Calea Victoriei, der Friedrichstraße von Bukarest, in den Bankgeschäften, den Kaffeehäusern, den zahllosen kleinen Händlerbörsen, in den Hotels und Gastwirtschaften wie in einem Ameisenhaufen zu. Der erschwerte Post= und Telegraphenverkehr zwingt zu ungeheuren Aufwendungen, um dringende telegraphische fehle und Gegenbefehle durchzuführen. Händler und Landwirte markten und feilschen in einem förmlichen Fieberparoxismus miteinander. Das Hauptinteresse der agrarischen und Händlerkreise aber wendet sich in diesem Augenblick den nächsten Beschlüssen des rumänischen Finanzministers zu, der von beiden Teilen beschuldigt wird, der Vater aller Hindernisse der jetzigen Ausfuhrbeschränkung zu sein. Die heißblütige romanische Art hat es bereits zu Wege gebracht, den Minister mit allen möglichen Uebeln zu bedrohen, falls er nicht in der Waggon= und Schleppfrage eine andere Haltung einnimmt. Daneben läuft eine Strömung einher, welche eine weitere Verzögerung in der Auslieferung jener mit der Deutschen Kriegsgetreidegesellschaft vereinbarten 50000 Waggons nicht ganz ungern sähe, weil diese Gruppe Mittel und Wege hat, um trotzdem an die Mittelmächte zu liefern und naturgemäß um so bessere Geschäfte macht, je weniger Konkurrenz sie findet. An den Grenzen aber staut sich überall das rumänische Getreide in unabsehbaren Mengen auf.„In ihrer Not lassen es die Händler vielfach aus den Grenzstationen auf Wagen überladen und gegen teure Chausseegebühren und hohe Transportkosten nach Ungarn hineinfahren, wo es neuerlich verladen wird. Hunderte und Tausende aber, die nicht so glücklich sind, solche Aufwendungen machen zu können, sehen, wie ihr Getreide zu beiden Seiten der Bahnstrecke langsam verfault. Die Millionenverluste, die dadurch entstehen, haben auch schon zu mancher Katastrophe in der Landeshauptstadt geführt. g 4.— 6 Und wie immer, wo des Merrur Geschäfte gut gehen, feiert auch Frau Venus ihre Triumphe. In den Spielhöllen von Bukarest geht es bei Tag und Nacht hoch her. Sie waren schon in Friedenszeiten nicht ganz ungefährlich, und sind jetzt, wo Rumänien von dem dreifachen Weh: Wucherer, Wühler und Weiber, heimgesucht wird, ein ganz besonders gefährlicher Boden. Dazu kommt, daß alle kriegführenden Länder in den letzten anderthalb Jahren ihr verdächtiges Gesindel nach und nach abgestoßen haben, und daß die neutralen Länder für diese Gesellen jedenfalls Inseln der Seligen geworden sind. Franzosen und Engländer, Deutsche und Oesterreicher, Russen und Türken, namentlich auch süd= und nordamerikanische Spieler und Hochstapler scheinen unausgesetzt zwischen den neutralen Ländern Angleiche Naturen. Roman von B. Corony. 34 „Wozu denn? Nur keine Klagen und Auseinandersetzungen jeder Kleinigkeit wegen. Das möchte ja einen Menschen, der derartige Auftritte haßt, in wahren Sinn des Wortes aus dem Hause treiben. Es war ja gar nicht böse gemeint und einer alten, erfahrenen Frau kann man doch auch was zu gute halten. Lieber Himmel, Du bist ja nicht unsehlbar.„ „Daß Du seit einiger Zeit eine Reihe von Fehlern an mir entdeckst, ist ja gewiß. „Und daß man nicht darüber sprechen und Dich auf sie aufmerksam machen darf, steht ebenfalls fest. Du bist ein durchaus verwöhntes Geschöpf und das gereicht ebenso sehr Dir, als uns allen zum Nachteil.“ „Mit Lieblosigkeit gekränkt zu werden, ist mir allerdings nichts neues.“ „Wenn Du die Aufrichtigkeit so nennen willst, dann dürften wir uns schwer verständigen, erwiderte Horst erregt. Daraufhin Juliane:„Das kann ja sein. Ich bin, wie ich bin und mache mich auch niemals besser. Habe ich Fehler— und wer hätte das nicht— so liebtest Du mich trotz ihrer oder schienst wenigsteus mich zu lieben. Mir fiel es niemals ein, mich als vollkommen hinstellen zu wollen. Die Kunst der Heuchelei überlasse ich anderen.“ „Wem?“ „Ich will nicht deutlicher werden, aber es gibt Personen, welche, die Maske kühlen Stolzes vor dem Antlitz, ihre Pläne vortrefflich zu verfolgen verstehen. „Möchtest Du wohl die Güte haben, mir zu erklären, von wem Du sprichst. „Hah! Das wäre wohl unnötig. Du hast mich verstanden, Horst, das beweist Dein Auffahren. Spöttisch lachend, obschon ihr keineswegs heiter zu Mute war, legte sie die Hand auf seinen Arm.„Du hast mich verstanden. „Nein, unnd wäre es so, dann würde ich meinen eigenen Ohren nicht trauen wollen. Auf wen zielen diese Worte?“ „Wenn es denn offen gesagt sein muß, so bin ich wahrlich nicht zu feig, um meine Meinung zu vertreten. Ich spreche von der, welcher Ihr alle zu Füßen liegt, als wäre sie das Ideal des Höchsten und Weiblichen, von Johanna von Tornau. „Die Komtesse? Hüte Dich, auf sie die Pfeile Deiner Bosheit abzuschießen! Gibt es ein reines und erhabenes Wesen auf der Welt, so ist sie es.“ „Ha, ha, ha! Eine andere Antwort erwartete ich freilich nicht.“ „Und wer hätte Dir die auch geben sollen und mit gutem Gewissen geben können? Muß alles rücksichtslos an's Licht gezogen werden, weil Du es so willst, gut! Dann sage ich: Johanna steht so hoch, daß sie Dir zum schönsten und edelsten Vorbild dienen könnte. Sie verkörpert das Weib in seiner reinsten, vornehnisten Bedeutung, in seiner lichten Größe, vor welcher sich der Mann beugen muß. Sie wird nie auch nur um Zollesbreite von dem rechten Weg weichen, wird nie zu kleinsten Mitteln greifen, um das zu erfechten, wonach vielleicht ihre ganze Seele schreit. Johanna ist ein Stern, der sich nicht in das erbärmliche Treiben, das Intriguenwesen, in den verächtlichen Kampf der Alltagswelt herabziehen läßt. Wer sie zu beschimpfen wagt, auf den prallen die Steine, welche er nach ihr wirft, zurück. Und nun lasse uns über diesen Punkt schweigen. Es täte nicht gut, wenn Du ihn noch einmal berühren wolltest. Stumm und blaß stand Juliane da. „Ich habe mich über Gebühr hinreißen lassen, sagte Horst nach längerem Schweigen, sich gleichsam auf sich selbst besinnend.„Nimm es mir nicht übel.“ „O nein.“ „Es tut mir nur leid, Dich von Deinem eigenen, durch tausend Nichtigkeiten beeinflußten Urteile irre geführt zu sehen. Du wirst Dich nicht wieder so äußern, nicht wahr?“ „Nie wieder.“ „Ich hab Dich ja lieb, Juliane, aber Dein kleiner Kopf steckt voll von verdrehten Ideen. Die nußt Du aufgeben. Das ist die Nachwirkung der Vergangenheit und einer verfehlten Erziehungsmethode. Man hat Dir, von übergroßer Zärtlichkeit verführt, das Leben ganz anders geschildert, wie es in Wirklichkeit ist. „Ganz anders.“ „Aber Du wirst ja doch noch mein vernünftiges Weibchen werden.“ Als sie schwieg, drückte er, ihre Verstimmung für ausgesprochene Bejahung haltend, einen Kuß auf den roten Mund. „Wie heiß Deine Lippen sind, was erregst Du Dich denn ohne jeden Grund? Na, die Sache wäre beigelegt und in bester Ordnung, nicht wahr, Lieb? Du bist kuriert von Deiner Torheit?“ „Ich glaube es.“ „Lebe wohl. Und wenn ich wiederkomme, zeigst Du mir ein freundliches Gesichtchen. Auf Wiedersehen, kleiner, dummer Schatz. Sie wandte sich los und eilte fort, ohne zu antworten. „Er liebt Johanna, o, er liebt sie!“ schien es ihr, wie von tausend höhnenden Stimmen gerufen, in die Ohren zu gellen.„Dein ist das Recht. Horsts Name gehört Dir, niemand kann Dich von Deinem Platze verdrängen, aber was Du in der Hand hältst, ist nur die leere Schale, den kostbaren Inhalt raubte Dir eine andere und wird ihn nie wieder herausgeben— nie!“ Und vor den Spiegel tretend, fragte sie sich: „Ist Johanna schöner als ich?— Nein! Ist sie talentierter? Nein! Ich kenne keine außerordentliche Begabung an ihr. Fesselt ihn der Geist?— Nein, den läßt sie nur sanft funkeln. Und dann, niemand vermöchte kälter und zurückhaltender zu sein.“ Und plötzlich meinte sie, des Rätsels Lösung gefunden zu haben.— Gerade diese herbe, schroffe Kälte war vielleicht die wirksamste Waffe, deren sich die Komtesse bediente.„Er achtet meine Zärtlichkeit nicht, weil ich sie ihm zu offen, zu unverhüllt darbringe. Gut! Sie soll ihm künftig nicht mehr zu Füßen liegen, wie ein Wiesenblümchen, das man gleichzeitig zertritt. Die Mutter hat recht. Indem ich meinen eigenen Wert unterschätze, würdige ich ihn auch in Radens Augen herab. Mag es denn anders werden!"— Der General und die Generalin erwiderten den Besuch des Baron C... und seiner Gemahlin, Frau von Raden hatte zu ihrer Schwiegertochter hinaufgesendet und sie eingeladen mitzukommen, aber Juliane war bereits fort. Die alten Leute trafen sie bei den Eltern inmitten eines auserlesenen Künstlerkreises. Sereno, Hofkapellmeister L., die ersten Sänger und Säugerinnen des kleinen, aber vorzüglich geleiteten Hoftheaters waren hier versammelt und außerdem die Spitzen der Behörden und des vornehmsten, unter dei Protektorat der Fürstin stehenden Frauenvereins. Galt es doch, die sehr berühinte Primadonna zur Mitwirkung in einem Konzert zu bewegen, dessen Ertrag für die Armen der Staot bestimmt war. Die Sennora sagte mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit zu. Später rollte die Equipage des Erbprinzen vor, und zwar im selben Moment, i#### Horst erschien. Prinz Albert kam im Auftrage de: Fürstenpaares, welches Italiens größter Berühm.= heit einen sehr freundlichen Empfang gewährt halse undüberbrachte sowohl der gefeierten Künstlerin nie ihrer Tochter die Einladung, in einem Hofkonzer: zu singen. 233,16 Ber.— — Kriegszeiten dort mühelos Rießgkrpoze eg zu rupfen. Und wenn man sieht wie leicht dem einen das Verdienen und demn anderen das Betrügen gemacht wird, so ülserläßt mar beide gern ihrem wohlverdienten Schicksal. Der rumänische Bauer hat von dem Weseie ece e chche Eenten in Kande ser wuishsend die bil. bereits vor der Tür steht. Unter dieser Verhältnissen war an höhere Löhne nicht zu denken. Dazu kommt die mangelnde Städten leidet sehr, da der kleine Kaufmann infolge der Ausfuhrbeschrän kere gandwerter Waren hereinbekommt, und ver Autgrgeiten unter diesen Umständen auch nicht arbeiten kann. Bleibt die kleine Oberschicht übrig, in der die Millionen nur so von Hand zu Hand rollen. In der kleinen Stadt es bereits über 100 Millionäre, und wenn man die übereleganten Kraftwagen, die mit prachtvollen Araberhengsten bespannten Fuhrwerke der oberen Zehntausend auf der Chaussee Kisselew, dem beliebtesten Ausflugsort der Bukarester, sieht, so weiß man ungefähr, an welchen Händen der Gigen, deß rumänischen Weizens und des rumanischen Petroleums hängen bleibt. Wie überall, so sind es auch hier in Bukarest die Frauen, die das Barometer im talisten bilden, selbstversgingachn eier wie dort mit wohltuenden Ausnahmen. Die Lebenshaltung der besitzenden Klassen Rumäniens war von jeher sische Vorbild zugeschnitten, das die Männer durch ihr Studium an den französischen Universitäten, die Frauen durch ihren Aufenthalt in französischen Pensionaten nur allzu genau kennen gelernt hatten. Für alle anderen als Millionäre ist Rumänien gegenwärtig auf keinen Fall, eine Insel der Seligen. In allen besseren nestat rants Bukarests, die fast durchweg nach dem Muster der großen Berliner Abfütterungslokale eingerichtet sind, fand ich weit höhere Preise als irgendwo in Berlin und im Reiche. Bouillon mit Ei kostet z. B. überall 65 Pfennig, ein einfaches Wiener Schnitzel ohne Beiwerk 2 Mark, eine Portion Kaviar 4 Mark(und das, obwohl die Grenzenach Rußland offen ist!), ein Roastbeef###### eine Süßspeise, gleichviel welcher Art, nicht unter 30 Pfennig. Dagegen ist Geflügel und Gemüse billig, vielleicht sogar etwas billiger als bei uns. Toch herrscht darin anscheinend ebenfalls große Knappheit, und ebenso mangelt es an Deailch umd Butter. Leder und alle Metalle,:tomobilreifen, Druckpapier für Zeitungen und vor allem Kohle, sind Luxusartikel in Rumänien. Das größte Blatt Bukarests, der deutschfeindliche „Adeverul“, erklärt ebenso wie der in deutscher 4Sprache erscheinende„Rumänische Lloyd“, daß er demnächst sein Erscheinen einstellen müsse, da die Druckvadier=Versorgung der staatlicherseits geschaffenen Vermittelungsstelle vollständig versage. Tagegen blüht das Geschäft der Pariser Kleider=, Mäntel= und Wäschegeschäfte, der Schuhwarenhandlungen und vor allem der weliere. Wenn die Bukarester elegante Dame auch sonst nicht viel auf dem Leib zu tragen pflegt, so möchte sie doch mit Juwelen am liebsten zugedeckt sein. Etwas ganz Außergewöhnliches ist ihre augenblickliche Schuhmode. Man trägt Stiefelchen, die nicht viel unter einem halben Meter hoch sind und nicht mehr vorn, sondern entweder an der Innenseite oder aber gar hinten, vom Hacken aufwärts, zugeschnürt werden. Sie bestehen entweder aus schwarzem Lackleder oder aber verschiedenem Fell oder Tuch in den verschiedensten Farben. Dazu trägt man dann, um die Originalität dieser Fußbekleidung noch zu unterstreichen, möglichst kurze weite Röcke, selbst auf die Gefahr hin, daß man damit die alte gute deutsche Biedermeiertracht übernimmt, obwohl das Deutsche in jeder Form verpönt ist. Offenbar um den Fehltritt in bezug auf das Kleid wieder gut zu machen, oder aber um die Parität zu wahren, schmückt das Haupt der Dame von Welt ein niedriges kleines Kutscherhütchen mit dem russischen Andreaskreuz daran. von der Flucht des Eine Begegnung mit König Peter in den albanischen Bergen. Ein kurchtboreper Hrchoverbrecherische muß in eilender Flucht im fremden Lande ein Asyl suchen. Durch hohe, verschneite Gebirge, über unwegsame Pfade ging seine Es war eine furchtbare Nacht, voll grausamer Kälte und wildem Sturm, die, ich, durch eine Reise gezwungen, in einem elenden Dorfe auf dem Wege nach Skutari verbringen mußte. Es war ein verfallenes Haus, das ich gefunden hatte. Stall., und Stube waren nur durch eine wand getrennt. In der Stube schlief der Wirt des Hauses. Ich selbst verbrachte die Nacht im Stall bei seiner einzigen Kuh. Ich konnte nicht schlafen, obwohl es schon tief in der Nacht war. Der Schneesturm tobte und bedeckte das Dach des Hauses immer dichter mit schwerem Schnee. Ein verlaufener Hund heult irgendwo in den Bergen. Plötzlich klopft es mit starken Schlägen an die Tür. Eine heisere Stimme schreit in befehlendem Tone auf serbisch: Mein Wirt gehorcht dem Befehl, Im kel der Nacht kann man ourch oie geöffnete Tür vier Reiter erblicken. Zwei sind bereits von ihren Tieren gestiegen und heben mit großer Sorgfalt einen dritten, eingewickelt in einen großen Mantel, von seinem Pferde herunter Sorgsam tragen sie ihn in das Zimmer. Es sind serhische Offiziere. Den dritten halte ich für einen verwundeten Kameraden.„Zünde Feuer an!“ befehlen sie dem Besitzer der Hütte. Die brennenden Scheite flammen auf. Der Verwundete neben mir schließt die Augen, wendet den Kopf dem Dunkel zu, und bei dem brennenden Feuer erkenne ich jetzt den Dritten mit dem vertrockneten Zigeunergesicht, den wirren, weißen Haarsträhnen und dem herabhängenden m#en Schnurrbart, den König Peter von Serbien. Unterdessen erscheinen noch zwei Offiziere und zwei Soldaten; sie sind mit Kisten beladen, die sie öffnen, um den König sorgsam auf ein elendes Lager zu betten. Der König seufzt und sagt traurig zu seinen Begleitern:„Ich danke euch, meine Brüder, ich danke euch!" Die Offiziere versuchen, mit den geretteten Vorräten einen Tisch zu decken, aber der König lehnt es ab, zu essen. Nur einer seiner Begleiter, offenbar der Arzt, gibt ihm etwas zu trinken. Stumpf und stumm, ohne ein Wort zu reden, sitzen die Offiziere um ihren König herum.„Schlafen Sie ein wenig, ruhen Sie sich aus, meine Herren!“ sagt der König zu ihnen. Die Offiziere strecken sich auf dem Boden aus, so gut es geht. des Gerbenkönigs erzählt ein, Brief eines gl banischen Arztes an einen Freund in küb. Mitten in den wilden Bergen A baniens hatte der Arzt eine Begegnung mit dem König. Darüber schreibt er. nach Telegramm des„Berl. Tagebl.“ au srr 133682 Aus Welt und Leben. tk Die englische„Martha“. Ein Leser der„Frankfurter Zeitung“ schreibt: Die Verwaltung des Scala=Theaters in Mailand gab vor kurzem das offizielle Programm der Opern bekannt sind, die bestimmt sind, während der im Februar 1916 zu eröffnenden Spielzeit aufgeführt zu werden, und bemen# dazu:„Wir heben hervor, daß im Programt die Kunst jeder der mit uns verbündete Nationen vertreten ist.“ Unter den aufzu führenden Opern liest man auch„Marthal von Flotow! Einem Justitut vom Rang) der Sec'a war also un onnt, daß Floto## ein deutscher Autor ist. Ja englische Opes im Programm nicht enthalten find, so f wohl angenommen werden, daß der Verl. tung der Scala der Titel„Martha oder der Markt zu Richmond“ genügte, um die Oper als Made in England zu behandeln. Ja, Kultur und Kunst, die sind bei der Entente ki Der schwarze Liamant. Im Newyorter Zoo mußte jetzt infolge hohen Alters und zunehmender Bösartigkeit der größte aller noch in den Vereinigten Staaten, wenn auch in Gefangenschaft lebenden Bisons,„Black Diamond“, erschossen werden. Das kolossale Tier, ein wahres Prachtexemplat seiner Gattung, war eine berühmte und historische Persönlichkeit, da es seinerzeit Modell zu den Abbildungen eines Büffels auf den Zehndollarnoten und den Nickelmünzen der Vereinigten Staaten gestanden hatte. Sein schwarzes, zottiges Fell soll jetzt zu einer Autodecke größter Art verarbeitet und dem Präsidenten Wilson als verspätetes Hochzeitsgeschenk überreicht werden. tk. Elektrisch geladener— Schnee. Der amerikanische Meteorologe Fariley hat angeblich ein merkwürdiges Naturphänomen beobachtet. Fariley hatte zu wissenschaftlichen Zwecken den Gipfel des Pikes Peak bestiegen und wurde oben von einem Schneesturm überrascht. Aber das war kein alltäglicher Schneesturm. Zu seiner nicht geringen Verwunderung nahm der Gelehrte etwas Seltsames wahr. Zuerst beobachtete er, wie die Schneeflocken auf dem Fell des Maulesels, der das Gepäck trug, sich niederließen und da eine zwei oder drei Zentimeter lange Flamme erzeugten, die unter einem leicht inisternden Geräusch emporzüngelte. Mit dem Anwachsen des Schneesturmes verdichtete sich diese Erscheinung. Schließlich will der Gelehrte an sich selber die nämliche Beobachtung gemacht haben: aus seinem Bart, aus seiner Nase. seinen Händen, an seinem ganden Kürper sprühten die kleinen, tnisternden Flämmchen auf. Das Tier sah aus, als stände es in Feuer. Aus den Haaren seines Felles, aus seinen Ohren züngelten die Flämmchea; bei alledem aber verhielt es sich vollkommen ruhig. Der Amerikaner ist der Meinung, daß es sich um elektrisch geladenen Schnee, vermutlich aus einer Gewitterwolke, handelt. Der Meinung sind wir ch vorausgesetzt, daß es sich nicht um eine u Geten Teie Gsechr. Sm Zur Anfertigung von Glückwunsch=Karten zum Jahleswechsel fehle ich meine mit modernem Material ausgestattete Buch= und Kunstdruckerei.— Große Auswahl in neuen, der jetzigen Zeit entsprechenden Mustern Lieferung prompt und billig. witterwolke, handelt. Der Meinung sind wir auch, vbrälsgesest, haß es sich nich um eine „amerikanische“, Geschichte handelt, deren Glaubwürdigkeit durchaus nicht über jeden Zweifel erhaben ist, wie zahlreiche vorgäneige Beispiele gelehrt haben. Große Marktstraße 3 bis 5 Die divsanen des Huren und Harmonium=Stimmer und=Reparateur Österhold, früher langjähriger Konzertmeister, hält sich bestens empsohlen. Meloungen Hotel Sternberg, Fernruf 46, erbeten. 5508 Meiallbeilen Sadalogfet Holzrahmenmatr., Andesdetteg. Sisanmödelfabrik Suhl i. Th. sihn Bolkz Pak. Adter: Umenan 1. Thüle. Proso krol. in den Kriegsjahren 1914/15. Mit Beiträgen von H. Dreßler, Pfarrer Salewski, Pfarrer Jusi, Amtsvorsteher Graap u. a. Herausgegeben von Wilhelm Köhler. 192 Seiten Text mit einem farbigen Titelbild auf Kunstdruckkarton und 60 Originalzeichnungen im Text. = Preis nur 1.— Mark.= Vorrätig in der Buchhandlung Carl Braus Schwerte(Ruhr), Große Marktstr. 3—5, Sau Weizense, sollen verteilt werden. Diejenigen Eingesessenen des hiefigen Stadtbezirks, welche Weizenschrot als Schweinefutter zu beziehen wünschen, werden ersucht, ihren Bedarf im neuen Rathause, Zimmer Nr. 20, anzunelden. Diejenigen Eingesessenen, welche bereits früher ihren Bedarf angemeldet haben, wollen die Bezugsscheine in —* hmen. 5849 Empfang neymea. Ruhrialer Sänger-Verein, Schuerte Inh. des Kaiserpreises und höchster Ehrenpreise. Chorl.: Herr Musikdirektor Griesenbeck, Am Neujahrstage, den 1. Januar 1916 nachmittags 4 Uhr, im Freischütz: Wohltätigkeits-Konzert für den Kriegsliebesdienst. Mitwirkende: Herr Konzertmeister Otto Unzhelm, Solingen(Geige); Herr H. Dahlbüdding, Schwerte (Tenor), Herr Fritz Schäfer. Schwerte(Bariton); am Flügel: Herr Musikdirektor Griesenbeck. Karten im Vorverkauf, 50 Pfg., sind zu haben: Zigarrenhandlung Winkelmann, Friseuren Grischn Klocke, Strack und im Vereinslokal Balster; an der Kasse 75 Pfg. 5816 Der Magistrat. tär noch geringschätzig herabsah, sind längst vor über. Nicht mehr entsendet man bloß seine mißratenen Söhne, nicht mehr bloß die abenteuerlichen, zu ernster Arbeit unbrauchvaren Elemente ins Heer, längst hat man bittend und flehend auch an jene herantreten müssen, die so dachten, wie es der Engländer überhaupt tut. Längst hat man im Heere große Massen, die man nur durch geschickte Ausnutzung der Arbeitslosigkeit zum Eintritt ins Heer zu bewegen vermochte. Aber das alles hat nichts genutzt! Man hat die 5 Millionen Kämpfer, mit denen man Deutschland bedrohte, nicht zusammenzubringen vermocht, und die Folge davon war ein Ringen in den maßgebenden englischen Kreisen um die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht; in diesem Ringen haben nunmehr die Gegner der allgemeinen Wehrpflicht eine Niederlage erlitten: das Ministerium Asquith wird die allgemeine Wehrpflicht beantragen. Aus London wird gemeldet: :: R e u t e r m e l d e t: D e r g e s t r i g e K a binettsrat wird sich wahrscheinlich als einerader wichtigsten in der politischen Geschichte herausstellen. Es wurde bei dieser Beratung tatsächlich der großen Meinungsverschiedenheit über den Militärdienst ein Ende gemacht. Die Erklärung Asquiths, daß die Dienstpflicht notwendig ist, kam nicht unerwartet und wurde im allgemeinen gut aufgenommen. Die Oppo sition im Kabinett gegen die Dienstpflicht ist sehr klein, und im Gegensatz zu den verschiedenen Gerüchten glaubt man, daß die Minister, die ursprünglich dagegen waren, jetzt im Amte bleaben werden. Die„Times“ schreibt, daß das Kabigett am Dienstag tatsächlich zu dem Entschluß gelangt ist, in Bälde einen Gesetzentwur zur Einführung der Tienstpflicht dem Haus vorzulegen. Das Blatt glaubt, daß die rasche Entschließung dem kräftigen Auftreten Lloyd Georges zu verdanken sei, der durch einige Unionisten unterstützt wurde. Aus verschiedenen Gründen werde im Kabinett eine Veränderung vorgenommen werden, aber Tatsache ist, daß der Vorschlag, di allgemeine Dienstpflicht einzuführen, auf außerordentlich wenig Widerstand gesloßen ist. 8 * Reuter hat recht: dieser Beschluß des englischen Ministeriums ist einer der wich tigsten der Geschichte Englands. Das Räu berkönigreich hat seit Jahrhunderten einen brutalsten Eroberungskrieg nach dem and ren geführt, ohne dabei wichtige Teile seines Volkstumes in die Schanzen zu schla. gen. Jetzt zum ersten Male muß es als FFruchtsseiner Völkerverhetzung sein eigenes, bestes Fleisch und Blut, nicht mehr bloß seine „dunklen Punkte“ aus den„guten Familien“ aufs Spiel setzen, wenn es nicht den Krieg als aussichtslos aufgeben will. Mit diesem Ausgang der Kämpfe im Ministerium selber ist freilich die Frage noch nicht entschieden. Noch hat das# Parlament zu sprechen, und hinter den Stimmen der Parlamentarier steht die große Masse derjenigen, die jetzt durch die Dienstpflicht gezwungen werden sollen, ins Feld zu ziehen und ihre Haut für die Beutepolitik des Londoner Großgrundbesitzes zu Markte tragen amp; hanz so einfach, wie es hier scheint, ist die Sache also noch nicht. Immerhin wird man mit einer gewissen Bestimmtheit damit zu rechnen haben, daß die Regierung ihren Willen durchsetzen wird. Aber wenn auch! Selbst wenn England noch eine Million Rekruten aufbrächte. so häte es damit noch lange reine Million Krieger. Und daß diese Vermehrung der englischen Militärmacht nach harten inneren Kämpfen gerade in dem Augenblick durchgeht, in dem England Aegypten so sehr bedroht sieht, zeigt diesen Schritt nur als Ausfluß höchster Nol Eine Wirkung davon darf man sich erst nach einem Jahre versprechen, und in diesem Jahre wird der Krieg zu Ende gegangen sein, weil England ihn wirtschaftlich nicht länger zu ertragen vermag. Außerdem sind nach den bisherigen Erfahrungen die englischen Rekruten erst frühestens in 10 Monaten felddienstfähig Aber selbst wenn diese Maßnahme noch in diesem Kriege zur vollen Wirkung kommen sollte, dann mögen die Engländer versichert sein, daß auch wir bis ahin in der weiteren Verstärkung unserer kraft nicht untätig gewesen sein werden. Vir sind zwar schon lange beim Landurm, weil wir ihn eben in anderer Form ls früher verwenden; aber wir sind noch nge, lange nicht am Ende unserer Kraft, und das ganze Volk ist entschlossen, auszuhalten, bis die englische Frivolität niederzerungen sein wird. Und das wird auf jeden Fall geschehen, mag England durch die allgemeine Wehrpflicht noch mehr seiner Söhne auf die Schlachtbank schicken oder nicht! Die Wehrpflicht beschlossen! TU London, 30. Dez.„Daily Mail“ meldet: Der Ministerrat hat beschlossen, den Vorschlag Ash's auf Einführung der Dienstpflicht für Unverheiratete sofort zur Anwendung zu bringen. ss Kss — Berlin, 29. Dezember 1915. Kapitalisierung der Kriegsrenten Vielleicht noch während der Januartagung, sonst jedenfalls in der folgenden Frühjahrstagung, wird dem Reichstag eine Vorlage zugehen, durch die ermöglicht werden soll daß an Stelle der Kriegsbeschädigtenrente eine einmalige Abfindung durch ein Kapital gewährt wird. Eine ähnliche Kapitalabfindung kennt unser Mannschaftsversorgungsgesetz bereits, indem Kapitulanten für den Verzicht auf den Zivilversorgungsschein und die Zivilversorgungsrente eine einmalige Abfindung von 1500 Mark gewährt werden kann. Das Prinzip einer Kapitalisierung der Rentenversorgung ist also unserem Versorgungswesen nicht fremd. Selbst verständlich aber kann es sich im Interesse der Kriegsbeschädigten nicht darum handeln, ganz allgemein an Stelle des Rentenbezuges eine Kapitalabfindung einzuführen. Denn zweifellos würden Kriegsbeschädigte in sehr großer Zahl von dieser Möglichkeit Gebrauch machen und die erhaltene Kapitalabfindung zur Begründung irgendeines geschäftlichen Unternehmens verwenden. Wenn dann aber ein solches Unternehmen fehlschlägt, dann ist die mit der Kapitalabfindung erstrebte Sicherstellung des Lebensunterhaltes nicht erreicht, und der Kriegsbeschädigte ist unter Umständen der Not preisgegeben Die geplante Kapitalisierung des Rentenanspruches wirk'sinfolgedessen beschränkt werden auf den Erwerb einer Heimstätte, wie sie jetzt von Siedelungsgesellschaften und Landwirtschaftskammern für Kriegsbeschädigte eingerichtet werden. Dem Vernehmen nach wird aber nicht der volle Rentenanspruch kapitalisiert werden, sondern nur ein Teil, damit dem Kriegsbeschädigten dauernd auch noch Bareinnahmen zur Verfügung stehen. :: Die„Haager Friedenskonferenz“. Aus dem Bureau des sozialdemokratischen Parteivorstandes wird dem„Vorwärts“ gekschrieben: In der Presse werden allerlei Mitellungen gemacht sber eine im Haag abehaltene sozialistische Friedensonferenz. Richtig ist an diesen Mitteiungen nur, daß die Genossen Eberk und Scheidemann als Vertreter des Partervorstande?)m 22. Dezember im Haag mit den holländischen Mitgliedern des Exekutivkomttees des Internationalen Sozialistischen Büros eine informatorische Aussprache gehabt haben. Deutschlands Ernährung. WTB Berlin, 29. Dez. In einem Bericht über das Ergebnis der Beratungen des Reichshaushaltsausschusses für Ernährungsfragen führt der Berichterstatter Graf Westarp aus: Es sind ausreichend Vorräte vorhanden, um die Bevölkerung während des Krieges zu ernähren, wie lange er auch dauert. Besonders wird an den notwendigsten Lebensmitteln, Brot, Kartoffeln und Fleisch, wirklicher Mangel nicht eintreten. Andererseits können wir mit Sicherheit darauf rechnen, daß wir eher mehr haben, als wir brauchen. Einschränkung, insbesondere an Fetten und Butter, wird nicht zu umgehen sein. Die Voraussetzung dafür, daß wir auskommen, ist auf allen Gebieten Sparsamkeit. Dank der bisher getroffenen Maß nahmen ist es, trotz den großen Schwierigkeiten, die für Deutschland infolge der Absperrung bestehen, erreicht worden, daß bei uns Teuerung und Einschränkung hinter denjenigen in den neutralen und feindlichen Ländern, besonders auch in England, zurückbleiben. Auf allen Seiten, bei den verbündeten Regierungen und bei den einzelnen Parteien und Berufsständen, ist der gute ehrliche Wille vorhanden, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in gemeinsamer Arbeit zu bekämpfen. Um der wirtschaftlichen Lage Deutschlands Willen braucht der Krieg nicht einen Tag früher beendet zu werden, als die militärische und politische Lage den Sieg verbürgen. Der Krieg gegen Rußland. Die nutzlosen Russenstürme an der bessarabischen Front. TU Czernowitz, 30. Dez. Die Heftigkeit der Kämpfe ist seit dem Weihnachtsabend beispiellos Die Russen konzentrierten auf einer Front von 5 Kilometern 200 Geschütze und drei Divisionen Infanterie. Gestern erreichten die Kämpfe ihren Höhepunkt. Das Trommelfeuer dauerte vom 27. Dezember mitternachts bis gestern 1 Uhr mittags. Währenddessen gingen feindliche Kolonnen 14 Mal zum Sturm vor. Hunderte von Leichen blieben in der ersten Reihe unserer Drahtverhaue. Namentlich das Odessaer Regiment erlitt schreckliche Verluste. Die Zahl der Toten und Verwundeten beträgt über 1000. Von den in 16—18 Reihen stürmenden Russen blieben die ersten schon in unserem Feuer liegen. Die übrigen rangen Mann gegen Mann. Nach Aussagen von Gefangenen sind mehrere russische höhere Offiziere gefallen, darunter ein Oberst aus der höchsten russischen Aristo kratie. Das Regiment unternahm vier Sturmangriffe, um ihn aus dem Feuerbereich zu retten. Die Volksstimmung in Rußland. Was früher über die Gleichgültigkeit und Mutlosigkeit des russischen Volkes in den Zeitungen nur angedeutet wurde, wird von der Presse jetzt oft als Tatsache festgestellt. Die„Rjetsch“ gibt in einem Leitartikel eine Aeußerung des reaktionären Blattes„Kolokol“ wieder, wonach das russische Volk eine überaus schwere und qualvolle Zeit durchlebe, die sich in zunehmender Apathie und sonderbarer Mutlosigkeit äußere. Die„Rjetsch" bestätigt diese Auslassung und erfährt, der wachsende Einfluß der fortschrittsfeindlichen schwarzen Reaktion habe die Russen soweit gebracht, daß jede Kriegsbegeisterung geschwunden ist. Die inneren Verhältnisse Rußlands seien nicht dazu angetan, den Glauben an die Zukunft wieder zu beleben. Nur eine Aenderung des inneren Systems wird den Kampfesmut wieder heben. —— Der onteg gezen Frannreich, Frankreich lehnt die Hilfe für den Suez=Kanal ab. TU Rotterdam, 30. Dez. Die englische Regierung hat, wie die„Daily Mail“ meldet, in Paris Schritte getan, um Frankreich zu veranlassen, sich an der Verteidigung des Suez=Kanals zu beteiligen. Die Antwort war ein glattes Nein. Die Indier aus Frankreich zurückgezogen. London, 29. Dez. Reuter meldet: Daß die indischen Truppen aus Frankreich zurückgezogen sind, ergibt sich aus der amtlichen Mitteilung, daß der Prinz von Wales vor der Abreise des indischen Armeekorps aus Frankreich den Truppen ein Telegramm des Königs überbrachte, worin er ihnen seinen warmen Dank für die geleisteten Dienste bezeigt, die auf einem andern Kriegsschauplatz notwendig seien. Der Riles depenzengland. Munitionsmangel in England. bb Amsterdam, 29. Dez. In England herrscht augenblicklich großer Munitionsmangel, so daß man sogar Truppen, die für die Front bestimmt waren, für die Arbeiten in den Munitionsfabriken zurückgelassen hat. Für normale Verhältnisse genügte die bisherige Produktion, aber da die ägyptische Gefahr plötzlich unverhüllt auftauchte, mußten alle Vorräte für Aegypten requiriert werden und die meisten englischen Munitionsfabriken arbeiten jetzt für Aegypten. Als Beispiel für die Unwissenheit englischer Minister über die tatsäch liche Kriegslage mag folgendes dienen: Vor einigen Tagen hielt Sir Edward Grey im Kreise von Ministern eine Ansprache. Er rühmte den Fortschritt Englands auf dem Gebiete der Munitions herstellung, die jetzt soweit gediehen sei, daß England in kurzer Zeit den Alliierten die Munition liefern könne, die sie heute aus Amerika beziehen müßten. Dabei reist Lloyd George im ganzen Lande umher und erzählt den Arbeitern, daß sie kaum die Hälfte der notwendigen Munition fertigstellen, man brauche noch hunderttausend Arbeiter, um den eigenen bisherigen Munitionsbedarf decken zu können. Zur selben Zeit, als der Unterstaatssekretär des Kriegsministers, Tennant, im Unterhaus die Erklärung abgibt, daß der Werbefeldzug Lord Derbys ein geradezu überaus schwaches Ergebnis geliefert habe, erklärte Lord Derby im Kabinett, daß die Bekanntgabe des Ergebnisses, soweit es sich auf den direkten Heeresdienst beziehe, eine Blamage für England sein werde. Der englische Rückzug unter dem Schutze des Roten Kreuzes. WTB Konstantinopel, 29. Dezbr. Das Pressebureau des Kriegsministeriums teilt mit: Die Engländer behaupten, daß der Rückzug von Anaforta und Ari Burnu mit geringen Verlusten einen Erfolg darstelle Wir sind über diese Behauptung der Engländer, die die von ihnen ausgeführten Rückzüge überall als Erfolg ansehen und gewohnt sind, ein Vergnügen dabei zu empfinden, wenn sie Rück. züge ausführen können, nicht erstaunt. Wenn wir wie die Engländer die Gesetze der Menschlichkeit und der Zivilisation mit Füßen getreten hätten, dann wäre dieser Rückzug den Engländern sehr teuer zu stehen gekommen. Wir teilten mehrere Male mit, daß die Engländer Hospitalschiffe zum Transport von gesunden Soldaten und Kriegsmaterial mißbraucht haben. Trotzdem haben wir ##c Angleiche Naturen. Roman von B. Corony. 35 Beide nahmen an, Juliane mit einer leichten Wendung des Kopfes nach Raden und mit der etwas obenhin ausgesprochenen Frage:„Dit gestattest Gewiß, wenn es sich um den Wunsch der höchsten Herrschaften handelt." Er gab diese Zustimmung mit der Geschwindigkeit eines vollendeten Hofmannes, nur diejunge Frau bemerkte, wie seltsam es dabei in seinen AnMan sprach über das Programm. Die Generalin mußte sich wider ihre Gewohnheit mit der Rolle einer schweigenden Zuhörerin begnügen und ihr Unbehagen wuchs von Minute zu Minute. Die Etikette würde natürlich verboten haben, früher als der hohe Herr aufzubrechen. Als dieser schied, entfernten sich auch Radens unmittelbar darauf und Juliane folgte der Aufforderung Horst's mitzukommen, blickte aber schweigend aus dem Feuster, und tat nichts, um die plötzlich eingetreteue Spannung zu bekämpfen. Ihr alter, angeborener Trotz wallte wieder auf. „Warum sich immer biegen und schmiegen, wennn es doch nichts half?“ Während des Mittagessens reichte ihr Raden ein zierliches mit Krone und Monogramm geschmücktes Brieschen. Die Gräfin Tornau hofft, uns übermorgen zum Souper bei sich zu sehen.“ „Es tut mir leid, aber ich habe Mama verenzugesagt. Mittwoch wollen wir die erste Probe „Die könnte sa wohl verschoben werden?“ Nein, da sie nun einmal festgesetzt ist und Beteiligten davon in Kenntnis gesetzt sind. Habe die Güte, mich zu entschuldigen!“ „Gut! Wie es Dir beliebt!“ Kalt und verdrossen erhoben sich die Gatten von dem Tische.„ „Wenn er mich noch einmal in freundlichem Toue bittet, dann soll sein Wunsch erfüllt werden," beschloß Juliane heimlich. Allein die erwartete Bitte wurde nicht an sie gerichtet, und so fuhr sie denn am Mittwoch nach dem Hotel Sch..., indes die Schwiegereltern und Horst der erhaltenen Einladung Folge leisteten. „Fehlt Dir etwas? Du siehst jaso erregt aus, sagte Baron C... „O nein, Papa. Du weißt ja, daß ich nie zu den Du phlegmatischen Gemütern gehörte. Alles regt mich auf, alles bringt mich gleich aus Rand und Band. „Viel zu sehr, mein Kind, viel zu sehr. Begleitet Dich denn Horst nicht?“ „Nein, Papa, er hat eine andere Einladung angenommen.., Linnenstanden „So? Und ist bamn einverstunden, daß hierher kommst?“ „Ja, gewiß! Mache Dir nur gar keine Sorgen. Ich bin frei— frei wie der Vogel in der Luft. Niemand vermißt mich. „Niemand vermißt Dich? Das höre ich schon wiederholt. Du sagst es mit so eigentümlichem Ton, daß sich mir unwillkürlich die Frage aufdrängt: „Warum vermißt man Dich nicht? Bist Du überhaupt überflüssig in Deinem eigenen Heim? „Ach, ich bitte Dich!“ „Das ist keine Antwort! Juliane, Dein Glück und Frieden sind mir teuer!“ sagte der Baron. „Ist denn das Glück nicht überhaupt ein leerer „Diese Frage beweist, daß Du es nicht besitzest.“ „Lieber Himmel, was soll ich Dir denn darauf antworten?“ „Die Wahrheit.“ „Das wäre ja unter Umständen auch unmöglich. Ob ich glücklich bin? Mein Gott, das Glück ist ein ganz unbestimmter Begriff. Einer ist sehr leicht zufriedengestellt, der andere macht größere Ansprüche. Ihr habt mich verhätschelt und verwöhnt, deshalb gehöre ich zu den letzteren. So gut wie im Vaterhause wurde es mir nicht wieder.“ „Du schreckst mich!“ „Warum denn? Ist das nicht ganz natürlich? Ihr habt den Stein entfernt, an dem sich mein Fuß stoßen konnte. Ihr habt mich in einem ewigen Freudentaumel gewiegt. Andere tun das eben :„Diese lieben Dich aber vielleicht deshalb nicht winder. e fie mi. „Vielleicht— ja, den Bewbeis sind sie mit ullerdings bis heute schuldig geblieben. „Juliane, jetzt muß ich offenreden! Deine Mutter ist mir das Teuerste auf der Welt, aber sie beging einen großen Fehler, vor dem ich sie sehr oft, aber vergebens gewarnt habe. Du wurdest verzärtelt, verweichlicht und der Widerstandskraft beraubt..„" Gjche 1.5 „Das mag ja sein. Die wahre Liebe gas mir viek, viel mehr, als die meisten empfangen. „Aber sie vernachlässigte dabei die höchste Aufgabe: Dich auf dem Boden der Wirklichkeit hei misch zu machen und Deine eigene Kraft zu ent wickeln und zu stählen. Du besitzest einen liebe. vollen Gatten!“ „Inwiefern seine Zärtlichkeit der meinen entspricht, darüber lasse uns schweigen, Papa.“ „Wohl!— Aber Dein Sohn!“ „Alexis! Ja, den liebe ich innig. Aber er wird wohl niemals auch im wahrsten Sinne des Wortes mir gehören? Seit Wochen zweifle ich daran. Man sucht mir das Kind zu nehmen, wie mir Horst bereits entfremdet wurde.“ „So bemühe Dich doch, Dein Liebstes festzuhalten! Auf die Weise, daß Du den Ansichten der Familie widersprichst, kann es nicht geschehen.“ „Und wenn die ganze Familte nun eiumal wider mich ist? Ich könnte was immer tun und lassen, und man würde doch finden, daß ich das Rechte nicht zu treffen weiß.“ „Das wäre ja bitter traurig. „Aber es ist so, Papa.“ Justines Eintritt machte dem Gespräch ein Ende und gleich nach ihrem Erscheinen füllte sich auch der Salon. Verstimmt und gedrückt ging Baron C... in ein Zimmer. Was er eben vernommen, war wohl geeignet, Sorge und Mißstimmung in seiner Brust zu wecken. Konnte es aber auch anders kommen? Woraus sollte denn Juliane, das verwöhnte, verzärtelte Glückskind, die Kraft schöpfen, Hindernisse aus dem Wege zu räumen? Nur gewöhnt, Blumen zu pflücken, stand sie schwach und hilflos mitten in dem Leben und schreckte vor jeder drohenden Dornhecke zurück. Er nahm sich vor, eine ernste Unterredung mit der Gattin zu haben. Doch vorläufig war die dell' Ara zu sehr in Anspruch genommen. Wie eine strahlende Sonne von ihren Trabanten, wurde sie von den Personen umringt, welche sich im Hotel Sch... einfanden. Und neben ihr glänzte Juliane wie ein zweites leuchtendes Gestirn. Begeistert dankte Sereno der jungen Frau, die ihm die Bahn des Ruhmes eröffnet hatte. Träumerisch lächelnd lieh sie dem jungen Künstler ihr Ohr. Es war ja ganz unmöglich, selbsthandelnd in sein Geschick einzugreifen; das mußte der Mutter überlassen bleiben und sie hatte 6c, egsauf beschränken misen, dieser die herrliche „ Hopfung zu empfehlen. Darauf wies sie nun auch jetzt halb beklommen, halb mit dem Stolz einet innigen Kindesliebe hin. „Sennora dell' Arg— ja— aber wer würde mich ihr nahe gebracht haben, wären Sie es nicht gewesen, gnädigste Gräfin? Wenn es mir glückt, mich emporzuschwingen, dann weiß ich, wenn mein wärmster Dank gebührt, wen ich als meinen guten Genius zu betrachten habe. 233,16 das Zeichen des Roten Kreuzes respektiert und diese Transportschiffe durch unser Feuer nicht behindert. Der Rückzug der Engländer beruht also auf dem Schutze durch das Rote Kreuz. Wir werden niemals vergessen, daß sie dieser Flagge ihren Erfolg verdanken, deren rötlicher Abglanz stets auf ihen Gesichtern liegen wird. Einzelheiten über die Eroberung von Sollum. Die Exchange=Telegraphenagentur gibt folgende Einzelheiten von einem durch ein deutsches Tauchboot und aufrührerische Araberstämme zugleich unternommenen Ueberfall auf den englischen Küstenposten von Sollum an der ägyptischen Mittelmeerküste. In Sollum befand sich außer einer kleinen Küstenwache nur eine schwache Besatzung ägyptischer Infanterietruppen, bestehend aus 60 bis 80 Mann, die von einem englischen Offizier befehligt wurden. Ungefähr eine Meile von Sollum entfernt befindet sich ein arabisches Lager, von wo aus eine Abteilung von Aufrührern den Angriff gegen Sollum unternahm, während sich vom Meere her plötzlich ein deutsches Unterseeboot der Küste näherte und die ägyptischen Truppen beschoß. Diese wurden so zwischen zwei Feuer genommen und mußten unter Hinterlassung von ungefähr 20 Toten zurückweichen. Redende Verlustziffern. Manche Heuchlermaske hat des Reichskanzlers Rede John Bull vom Antlitz gerissen. Eine gelingt es ihm, seinen kurzsichtigen Verbündeten gegenüber noch immer zu tragen, durch die Be hauptung des gleichen Bluteinsatzes seitens der Engländer in diesem Kriege. Nun haben Briten nach den amtlichen Angaben vom Ministertische im Unterhause bis Oktober einschließlich bei Heer und Marine rund 493000 Mann verloren. Die Verluste der Franzosen hat das britische Blatt New Statesman“ auf 2,7 Millionen angegeben, was, nach neutralen Blättern, aber viel zu niedrig gegriffen ist, da die Einbuße weit über 3 Millionen betragen soll. Die Mitteilung des Kriegspressequartiers, nach welchem die Italiener rund eine halbe Million Menschen bis zur vierten Isonzoschlacht einbüßten, bezeichnen neutrale Blätter als eine sehr vorsichtige und niedrige Einschätzung und meinen, 600000 seien zutreffender. Bis zum 15. August hatte Rußland nach den unwiderlegt gebliebenen Angaben der„Baseler Nationalztg.“ 222172 Offiziere, 5,5 Millionen Mannschaften verloren. Serbiens Verluste im Kriege darf man sicher nicht unter 250000 Mann, Belgiens Einbuße kaum geringer einschätzen. Großbritannien hat in seinem Kriege also noch nicht das Doppelte der Armeen je der Kleinstaaten Serbien und Belgien, noch nicht fünf Sechstel der italienischen Verluste, die sich noch nicht auf die Hälfte der Zeitdauer und nur auf 1,2 Millionen Einsatz verteilen, noch nicht ein Elftel der russischen, noch nicht ein Sechstel der französischen Opfer in diesem Kriege gebracht und wagt doch, von gleichem Blutzoll, den es erlegt, zu sprechen, scheut also auch hier die bewußte Lüge nicht. Böllige Niederlage der Russenfreunde im rumänischen Senat. Die Debatte im rumänischen Senat hat, wie aus Bukarest gemeldet wird, ihr Ende erreicht. Sie zeitigte als einziges wirkliches Ergebnis die völlige Niederlage der Opposition. Ministerpräsi dent Bratianu verharrt andauernd auf dem Standpunkt, daß er über die äußere Lage nichts mitzuteilen habe. Die ganze Aktion der Russenfreunde, die, wie sie jetzt selbst eingestehen, beim großen Publikum auf völlige Gleichgültigkeit stieß, endete mit einer Niederlage, deren Ursache es ist, daß das rumänische Volk den Krieg nicht will. Der Krieg gegen Flanen. Verrat des italienischen Generals Brosati? TU Wien, 30. Dez. Wie die„Neue Freie Presse“. meldet, ist der„Pol. Korr.“ von der italienischen Grenze gedrahtet worden, daß ein Aufruf des„Se colo“ in Italien ungeheures Aufsehen hervorgerufen habe. Der Aufruf warnt davor, gewissen Gerüchten Glauben zu schenken. Diese Gerüchte wollen wissen, daß der Generaladjutant des Königs wegen Hochverrats erschossen worden sei, weil er die Gefangennahme des Königs herbeizuführen suchte. Brosati soll zu diesem Zwecke den Oesterreichern jeweils den genauen Aufenthalt des Königs mitgeteilt haben. Brosati hat sich im Frühjahr durch neutralitätsfreundliche Haltung hervorgetan. Rußlands Schrei nach einem Separatfrieden. :: Wiener Blätter melden aus Petersburg, daß in Rußland der Ruf nach einem Separatfrieden mit den Zentralmächten immer lauter wird. Insbesondere wären es die rechten und die konservativen Parteien der Duma, die offen für den Frieden agitieren. rumänische Getreidegeschäft. :: D a s G e t r e i d e g e s c h ä f t d e r 5 0 0 0 0 W a g gons mit Rumänien wird als abgeschlossen gemeldet. Man kennt noch, so wird hierzu der„Köln. Ztg.“ geschrieben, im großen und ganzen die Bedingungen, die leider nicht sehr zufriedenstellend für uns sind. Der Abschluß wurde von der deutschen und österreichisch=ungarischen Einkaufs=Gesellschaft getätigt, aber die Führung dürfte doch wohl die deutsche Zentral=Einkaufsgesell schaft gehabt haben, denn Deutschland ist der größere Abnehmer und Zahler. Die 50 000 Waggons kosten ab rumänischer Abgangsstation 161¼ Millionen Lei; darauf ist ein Ausfuhrzoll von 29 Millionen Lei zu zahlen, also 18 Prozent. Von diesen 29 Millionen sind, wie gemeldet, 14½ Millionen in blankem Golde zu erlegen. Man fragt sich: Waren diese schweren Bedingungen bei so hohen Preisen nötig? Nein! Rumänien hat die harten Bedingungen und die hohen Preiohl der Kauf noch unter fggsichen rumänischen Mindestpreisen abgeschlossen ist) aufgestellt, um aus der scheinbaren Notlage der Mittelmächte Nutzen zu ziehen. Jetzt befand es sich aber selbst in einer Notlage, denn zwei Ernten liegen unverkauft und können nur an die Zentralmächte ausgeführt werden; dazu gebraucht Rumänien auch vieles sehr notwendig von uns, z. B. Kohle. Selbstverständlich hätten wir nicht die wirtschaftliche Notlage Rumäniens ausnutzen sollen, da wir nur in sehr freundschaftlichen Beziehungen zu ihm stehen; aber die Bedingungen hätten angemessener sein dürfen, während sie jetzt als Zwang uns gegenüber erscheinen. Die Leitung der Zentral=Ein kaufsgesellschaft scheint zu sehr ihre Monopolstellung im Auge zu haben. Holländische Ambulanzen für Denkschland und Ungarn. :: Auf der Durchreise trafen Dienstag vormittag in Berlin zwei holländische Am bulanzen, bestehend aus zusammen 74 Mit. gliedern, ein. Sie sind nach Gleiwitz in Schlesien und nach Budapest weitergereist, um dort ihre Tätigkeit, die Pflege der Verwundeten, aufzunehmen. Jede der beiden Ambulanzen wird von sechs Aerzten und einem Zahnarzte begleitet sein und über 200 Betten und reichliches Material verfügen. Ein Sonderzug mit allem Nötigen wird nächste Woche von Amsterdam abgehen. Der dine Vall Die Befestigung Salonikis. TU Budapest, 29. Dez. Die Franzosen bringen, wie aus Saloniki berichtet wird, fortgesetzt großkalibrige Geschütze an Land, die bei den Operationen in Mazedonien verwendet werden sollen. Nach Sofia wird aus Saloniki gemeldet, daß die Deutschen, Oesterreicher, Ungarn und Bulgaren Saloniki verlassen. Allgemein wird auch erwartet, daß die Konsuln Deutschlands, Oesterreich=Ungarns und Bulgariens dieser Tage Saloniki verlassen werden. Aus Stadt und Umgedung. Rückblicke auf den Weltkrieg. 30. Dezember. Deutsche und österreichische Erlasse an die Truppen. In den Argonnen gelang es an diesem und den folgenden Tagen den deutschen Truppen, in diesem außerordentlich schwierigen Gebiete bedeutende Fortschritte nach Südwesten zu machen; mehrere nach vorn liegende Ortschaften kamen in deutschen Besitz. Um St. Georges bei Nieuport wurde immer noch gekämpft trotz des Sturmes und der niedergehenden Wolkenbrüche. Bei Sennheim im Oberelsaß erneuerten die Franzosen ihre Angriffe, indes hatten sie nur den Erfolg, das von den Deutschen besetzte und gehaltene Dorf Steinbach in Trümmer zu schießen.— Einen echt soldatisch=kameradschaftlichen Tagesbefehl erließ an diesem Tage Generalfeldmarschall von Hindenburg an seine Ostarmee. Er spricht den Truppen in warmen Worten seine Anerkennung aus.„Was Ihr an Entbehrungen ertragen, an Gewaltmärschen ausgeführt und in langdauernden schweren Kämpfen erreicht habt, das wird die Kriegsgeschichte aller Zeiten stets zu den größten Taten zählen. Die Tage von Tannenberg und den Masurischen Seen, von Opatow, Iwangorod und Warschau, von Kutno und Lodz, von Pilica, Bzura und Nawka können Euch nie vergessen werden!"— Am selben Tage erließ der österreichische Kaiser einen Armee= und Flottenbefehl, in welchem er seine Zuversicht auf den Sieg, nach der beharr lichen Ausdauer, der Kampfesfreudigkeit und todesmutigen Tapferkeit des Heeres und der Flotte aussprach. **(Einen Wandkalender) für das Jahr 1916 haben wir als Angebinde für unsere Leser der heutigen Ausgabe beigelegt. **(Schaltjahr 1916). Das kommende Jahr ist ein Schaltjahr. Außer dem Umstand, daß es 366 Tage zählt, ist die Seltsamkeit bemerkenswert, daß der Monat Mai des Jahres 1916 nicht einen einzigen Festtag enthält. Oster fällt nämlich auf den 23. und 24. April, der Himmelfahrtstag daher erst auf den 1. Juni. **(Zur Steuerveranlagung der Kriegsteilnehmer.) Von der Heeresverwaltung war es als erwünscht bezeichnet worden, daß den Kriegsteilnehmern, welche zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, die für die Abfassung der Steuererklärung maßgeblichen Bestimmungen zur Verfügung gestellt werden. Der Finanzminister hat daher, nach Blättermeldungen, bestimmt, daß den Kriegsteilnehmern neben dem Formular für die Steuererklärung ein Auszug aus der Anweisung vom 2 Juli 1906/1. Juli 1909 zu übersenden ist. **(Die Butterversorgung.) Vom 10. Januar ab gibt es, wie wir schon gemeldet haben, im ganzen Königreich Sachsen Butterkarten. Danach wird abermals von Berlin die Frage aufgeworfen werden, weshalb nicht Butterkarten für das ganze Deutsche Reich eingeführt worden sind. Der Bundesrat hat bisher von dieser Maßregel abgesehen. Er war der Ansicht, daß sie den Gemeinden zu überlassen sei. Wie wir hören, war dafür die Erwägung maßgebend, daß es vor allem darauf ankomme, in allen Gegenden des Reiches für Butter zu sorgen. Wenn es keine Butter gebe, haben die Butterkarten keinen Zweck. Dieser Erwägung entsprach die Verfügung des Bundesrats, nach der die Butter, die in manchen Teilen des Deutschen Reiches über den Bedarf hinaus vorhanden ist, an diejenigen Teile abgeführt werden muß, die Mangel an Butter leiden. Sollte dieses Mittel sich als unzureichend erweisen, sollte der Buttermangel, über den manche Gegenden klagen, nicht aufhören, so würde, wie wir weiter erfahren, der Bundesrat zu der Maßregel greifen, die Butterversorgung des ganzen Deutschen Reiches in einer Hand zu vereinigen und zu diesem Zwecke auf die gesamten Buttervorräte Beschlag zu legen. **(Ausflug.) Die Verwundeten des Vereinslazaretts Evangelisches Krankenhaus machten gestern den 8. gemeinsamen Ausflug, der die Ausstellung für Verwundetenpflege in Barmen zum Ziele hatte. Um ½12 Uhr fuhren die Teilnehmer, 60 Mann stark, ab und besichtigten eingehend die hochinteressante Ausstellung, die gerade den Insassen eines Lazarettes viel zu sagen hat. Nach einem in Barmen eingenommenen Kaffee kam man befriedigt gegen 8 Uhr wieder in Schwerte an. Möge auch im kommenden Jahre dem Lazarett Gelegenheit geboten sein, seine Pfleglinge aus der Einsamkeit des Lazarettlebens in die Umgebung und zu sehenswerten Veranstaltungen zu führen. **(Gegen das Auszeichnen von Schweinefleischdauerwaren.) Vielfach ist immer noch das sogenannte Auszeichnen von Schweinefleischdauerwaren (Wurst, Speck und dergleichen) üblich. Dieses Auszeichnen erfolgt in der Weise, daß die Waren kurz nach der Räucherung in noch ziemlich frischem Zustande gewogen, der Preis nach dem hierbei festgestellten Gewichte gerechnet und auf einem Schildchen an der Wurst vermerkt wird. Dieser Preis wird dann beim späteren Verkauf der Wurst vom Käufer verlangt, ohne Rücksicht auf den seit der Auszeichnung der Ware durch Eintrocknen entstandenen Gewichtsverlust. Da bei Festsetzung der Höchstpreise für Schweinefleischdauerwaren der Gewichtsverlust durch Eintrocknen bereits berücksichtigt worden ist, so stellt das erwähnte Verfahren des Verkaufs nach dem Auszeichnungspreis einen strafbaren Verstoß gegen die Höchstpreisfestsetzungen dar. Die von der Höchstpreisfestsetzung getroffenen Schweinefleischwaren dürfen nur nach dem bei der Abgabe an den Käufer festgestellten Gewichte verkauft werden, dabei muß der Käufer das Vorwiegen der Ware nachprüfen können. Neuerdings gehen Stadtverwaltungen gegen Zuwiderhandelnde unnachsichtig mit aller Strenge vor. Solche Zuwiderhandlungen sind mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafen bis zu 10000 Mk. bedroht. Geschäfte, deren Inhaber sich in der Befolgung der Bestimmungen nicht verlässig bewiesen haben, können geschlossen werden. **(Heraus mit dem Goldgeld!) Dem Vernehmen nach hat die Verwaltung der hiesigen Sparkasse beschlossen, Spareinlagen, die in Gold gemacht werden, bis zwei Jahre nach dem Kriege mit 5 Prozent zu verzinsen, um das noch zurückgehaltene Goldgeld vaterländischen Interessen dienstbar zu machen.— Bei einem hiesigen kleineren Geschäftsmann scheint der so oft wiederholte Appell, das Goldgeld an die Reichsbank abzuführen, auf schlechten Boden gefallen zu sein. Vor einigen Tagen wechselte er einem Bekannten noch eine größere Banknote in Gold ein gegen entsprechenden, gar nicht bescheidenen Verdienst. Die auf diese Weise ans Tageslicht gebrachten Goldfüchse wurden von unserem Gewährsmann dem bedrängten Vaterland zur Verfügung gestellt. An dem patriotischen Verhalten dieses wackeren Mannes sollte sich der egoistische Kaufmann ein Beispiel nehmen und in ähnlicher Weise handeln. **(Das Eiserne Kreuz) ist dem Musketier B. Kuhlmann aus der Bruchstraße verliehen worden. ** Hengsen, 29. Dez.(Schadenfeuer.) Durch eine Feuersbrunst wurde gestern abend das Wohnhaus des Bergmanns Adrian vollständig zerstört. Ein Teil der Möbel konnte gerettet werden. Ueber die Entstehungsursache ist noch nichts bekannt. * Datteln, 29. Dez.(Unterm brennenden Weihnachtsbaum erschossen.) Ein tragischer Unglücksfall infolge unvorsichtigen Hantierens mit einer Schußwaffe ereignete sich im benachbarten Erkenschwick. Dort weilten bei einer befreundeten Familie im Hause Ulmenstraße 21 zu Besuch der Bergmann Leonhard Hagen, seine junge Frau und sein 20jähriger Bruder Heinrich. Letzterer beschäftigte sich, während sie alle in festfroher Stimmung beim brennenden Weihnachtsbaum saßen, mit einem Gewehr, das er nicht geladen glaubte. Plötzlich krachte ein Schuß und mit zerschmettertem Kopfe brach Frau Hagen tot zusammen. * Ein Weihnachtsgeschent des Eine unverhoffte Weihnachtsfreude hat der Kaiser der Familie des Schneidesägenarbeiters Straub in Zwiesel(Bayern) bereitet. Nicht weniger wie neun Söhne des St. stehen im Felde; einer ist verwundet, drei besitzen bereits das Eiserne Kreuz. Vor einiger Zeitvaren alle neun Feldgraue zum Besuch bei den Eltern und ließen sich mit diesen photographieren. Da dal Ehepaar in bescheidenen Verhältnissen lebt, berichtete der Bürgermeister der Stadt Zwiesel dem Kaiser über die Beteiligung der Familie Straub am Kriege und fügte eine der Familienaufnahmen bei. Jetzt hat der Kaiser zu Weihnachten dem Ehepaar durch die königlich preußische Gesandtschaft in München ein Geldgeschenk von 300 Mark überweisen lassen * Vom Eise eingeschlossen. Nach dem Bericht des Kapitäns des norwegischen Dampfers„Modig“, der vor einigen Tagen aus dem Weißen Meere ir Tromsö eingetroffen ist, sind die beiden großen norwegischen Dampfer„Kong Gudroed“ und „Orm Jarl“ im Weißen Meere vom Eise eingeschlossen. Im ganzen sind über hundert Schiffe auf dem Wege von oder nach Archangelsk vom Eise überrascht worden und sind jetz gezwungen, dort zu überwintern. Es handelt sich in der Hauptsache um amerikanische, englische und französische Schiffe. Die Reedereien der eingefrorenen norwegischen Schiffe verlangen von der russischen Regierung Schadenersatz, der ihnen bei gezwungener Ueberwinterung garantiert wurde. Der letzte Dampfer, der das Weiße Meer verlassen konnte, ehe er vom Eise eingeschlossen wurde, war der Dampfer „Modig“, der furchtbares Wetter zu überstehen hatte. Die Besatzung war infolge ungewöhnlich heftiger Kälte großen Leiden ausgesetzt. Verantwortlich für die Redaktion Friedrich Kraao Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte u. s. w. Talt Kuhr empsiehlt billigst Grückstraße 28: Fernruf 165. Taschen Ginlender TOfO mit den Bildnissen des Käisers und seinen Heerführern 5 vorrätig in der Buchhandlung Carl Braus, Schwerke(Ruhr), Große Markstraße 3—5. # DER TERMER KRIEGSAUSGABE HERNUSGERER- L. E. FREIHERR&mp GROTTHUSS Vierteljährlich tbhiefte mit Kunst-u Hotenbeil.Mk 450 OPAFEUGEr, durch die Buchhandlungen FROBETTETT ung vom Törmer Verlag GRENEREPFEIFFER, STUTTGHRT □ Die deutschen-Gredel in Belgien u. Nordfrankreich nach dem elliziellen englischen Bericht. Von D. Dr. Carl Clemen, Professor an der Unlversität Bonn. Oktav 48 Seiten. Preis 30 Pig. Buchhandlung CARL BRAUS Schwerte(Ruhr), Grosse Marktstrasse 3—4. num Neujahr im Freischütz. Am 1. Neujahrstage KONZERT des Ruhrtaler Sänger-Vereins. Am 2. Neujahrstage, nachm. 4 Uhr: Militär-Konzert (2 Teile Streichmusik, 1 Teil Blasmusik) der Kapelle des 12. Landsturm-InfanterieErsatz-Bataillon Friedrichsfeld. 5869 Eintritt 50 Pfg., 10 Karten 3 Mk. In Silber und Gold ersteigert auf den Pfandverkäufen werden zu den billigsten Preisen 4907 verkauft. DORTMUND Pfandleih-Anstalt Nicolalstr. 5 Balkenstr. 38 beim Bezirks- Kommando R. Eien& Comp. Sognds Weissweine Rotweine Südweine in nur besten alten abgelagerten Qualitäten. Billigste Preise. 58•8 Weinberg. Kiet 5887 Statt besonderer Anzeige. Am 17. Dezember starb auf dem Felde der Ehre mein lieber, herzensguter, hoffnungsvoller Sohn, unser treuer Bruder, Schwager und Enkel, der Kriegsfreiwillige Torpedo-Masch.- Anwärter KarrAiorecht den Heldentod fürs Vaterland. 5884 Bekanntmachung. Die nächste Auszahlung der Kriegsunkerflützung erfolgt am Dienstag, den 4. Januar 1916. Schwerke, den 29. Dezember 1915. Der Bürgermeister: 5881 Rohrmann. In tiefem Schmerz: Ww. D. Albrecht und Kinder. Hennen, Ludwigsburg, Kalthof, Russland, Wverdedunger hat abzugeben 5 L. Weinberg Die kath. Haubarbeilsschale befindet sich für die Dauer des Krieges in der alten kath. Volksschule, Haselackstraße 2. Der Unterricht wird in der Zeit von 8 bis 12 und 112 bs 6 Uhr erteilt. Oromkspiritau 95% Liter 45 Pfennig. Carl Kühl. 5880 W d 2 ZimmerWohnung zum 1. April an ruhige Leute abgeschlossen, per 1. April an zu vermielen. 5876 ruhige Leute zu vermielen. „Klusenweg 22. Oferien unter M. 5882 an die Geschäftsst. d. Itg 3 ZimmerWohnung Mansardenvon 3—4 schönen, geraden Zimmern, zum 1. April 1916 an ruhige Leute zu vermieten. Naheres in der Geschäftsstelle 830 Original= Bordeaur=Rolwein Bezug in Original=Oxhoff=Fässern. Eigene Abfüllung, daher billigste Preisberechnung, per Flasche 1,30—4,00 Mk. inkl. Flasche Carl Raffin, Gasthof„Jur Helle“ Telephon 251. Wotznung 4 Zimmer, p 1.Januar 1916 5844 oder später zu vermieten. Zu erfragen in der Geschäftsst. d. 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Ausgetreten (Ort) den (Unterschrift) 1. April zu vermieten. Zu erfragen in der Geschäftsst. d. Ztg. 5821 Nr. ue 2. schöne 3 Zimmerveligste zimmer, Stall und Garten auf Wohnungen sofort oder 1. April zu vermieten, eine sofort oder später, eine " zum 1. April, mit Leucht=, Theodor Wachholz Kochgas und Badegelegenheit Geisecke. 5872 im Hause, zu vermieleg. u erfragen in der Geschäftsstelle d. Itg 5871 Herrschoffliche 5 Carbid angekommen. 5875 R. Landmann. Schmiedelehrling de sucht Ad. Österberg. Schwerke, Jägerstraße 3. abgeschn. elagen von 4, 5 und 6 Zimmern zum 1. Januar oder später zu vermieten. 5878 Wilh. Luck Königstraße. 6 Zimmer, abgeschlossen, in Mitte der Stadt, per 1 Januar 1916 oder später zu vermieten. Zu erfragen in der Geschäftst d. Ztg 5854 2. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift werden nach § 9 b des Gesetzes über gen Belagerungszustand bestraft. sofern nicht nach den allgemeinen Strafgesetzen eine höhere Strafe verwirkt ist. 3. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft. Münster, den 17. Dezember 1915. Der stellvertrelende kommandierende General des 7. Armeekorps: 5870 Freiherr von Gayl, General der Insanterie. Makulaturpapier empfiehll billigs Carl Braus. Echwerte(Nuhr) Hab ErnschhePRe. Zur Anfertigung von Glückwunsch=Karten zum Jahreswechsel empfehle ich meine mit modernem Material ausgestattete Buch= und Kunstdruckerei.— Große Auswahl in neuen, der jetzigen Zeit entsprechenden Mustern. Lieserung prompt und billig. Cart Traus= Schwerte(Rahk) Große Marktstraße 3 bis 5 * 0 8 63 5 S S 8 S. Gg. S 8 9es * 7 Gr.) Aer redigiert von Lotte Sonnisg. Aufwärts. Aufwärts ist ein schönes Wort, Auswärts richt' die Blicke, Ob der Herr die Sonne uns, Ob er Regen schicke. Aufwärts schau', wenn froh du bist, Und wenn Leid dich drücket, Dort wohnt der, der jedem Leid Gnädig dich entrücket. 55 Der Birkhahn. „Ich komme vom Gebirge her“, könnte der Zirkhahn mit Fug und Recht von sich sagen. Droben im Hochgebirge, noch über der Waldgrenze, wo sein großer Vetter, der Auerhahn, in einem der alten Wetterbäume seinen Standort hat, da führt er von Mitte April bis Ausgang Mai auf steiniger Halde zwischen Eis und Schnee, manchmal sogar auf den Schneefeldern selbst, seinen tollen Tanz aus, rodelt und kollert nach Herzenslust vom frühen Morgen bis in den hellichten Sonnenschein hinein, daß es weit über Täler und Schluchten schallt. Spielhahn nennt man ihn dort und kennr ihn gar gut, denn ein besonders schönes„Spiel“ seiner schwarzen krummen Federn mit dem blendend weißen Unterstoß auf dem Hütl zu tragen, das ist der Stolz des richtigen Gebirgssves.„ K Das Vorkommen des„kleinen“ Hayns, wie der birgler ihn im Gegensatz zum Auerhahn nennt, beschränkt sich aber nicht auf das Hochgebirge. Wohl mögen die zur Moorbildung geeigneten Strecken im Gebiet des Knieholzes, die sogenannten Moose oder Möser, seine ursprüngliche Heimat gewesen sein— kommt er doch auch sehr zahlreich auf den Mooren des schottischen Hochlandes vor— heutzutage aber ist er bereits über ganz Deutschland verbreitet. Er ist überall dort heimisch, wo er sogenannte Fenne oder Venne findet, d. h. Moorboden mit starkem Pflanzenwuchs und eingesprengtem Nadelholz auf kiesigem Grund. Das Birkwild ist mit der Zeit immer mehr ein Niedermoor=Wild geworden, und der Bestand in Ostpreußen, in der Lausitz, in der Mark, in Hannover usw. ist hervorragend gut, während er im Hochgebirge naturgemäß nur spärlich sein kann. Im norddeutschen Tiefland ist es auf guten Balzplätzen— so neunt der Jäger die Orte, wo der Hahn seine Tänze aufführt— bei günstiger Witterung nichts allzu Seltenes, zwanzig und mehr Birkhähne gleichzeitig balzen zu hören, und es gibt wohl kaum einen Jäger, der den tollen Tanz der schwarzen Vögel im Frühlicht des heraufsteigenden Maimorgens ansehen könnte, ohne selbst in Aufregung zu geraten. Will man die Vögel bei ihrem Tanz beobachten, dann heißt es früh aus den Federn. Vor drei Uhr morgens schon geht's hinaus, und glatt und fast lautlos rollt der Wagen über den elastischen Dammweg, der in das Moor hineinführt. Der helle Schein der Wagenlaternen wirft ab und zu einen flüchtigen Glanz über einen Graben oder einen Wassertümpel, vereinzelt blitzen ein paar Sterne an Firmament, Pfeisend sagt der Wind die Wolen, habin, eben die schmale Sichel des abnehmenden Mon#### im Verschwinden steht. Noch ist es so dunkel, daß man die Hand nicht vor den Augen sieht, aber im Osten rückt schon ein grauer Streisen herauf. Jetzt sind wir am Ziel, es heißt der Wagen verlassen. Eine Viertelstunde Weg ist's bis zu den Schirmen, die im Schutz von Kiefernhorsten errichtet sind.„ 5 5 Inzwischen ist die Dämmerung angeorochen, und immer klarer heben sich die Umrisse der kieferbewachsenen flachen Sandhügel, der einzigen sichtbaren Bodenerhöhungen von dem heller und heller werdenden Morgenhimmel ab. Fahl leuchten die von den Winterstürmen niedergedrückten Halme des Schilfes und des Riedgrases, während es von höher gelegenen Stellen, wo sich nutzbringendes Futtergras angesicdelt hat, bereits frühlingsgrün herüberschimmert. Gern weidet sich das Auge an den fein und harmonisch abgetönten Farben, kann sich nicht sattsehen an dem eigenartigen, melancholischen Reiz der Moorheide. Da schwirrt es dunkel heran, und drüben ist der erste Birkhahn eingefallen. Bolzengerade reckt er sich auf und sichert nach allen Seiten. Aber bald sinkt er zusammen, bläst sich auf wie ein Truthahn und beginnt mit hängenden Flügeln und aufgestelltem Stoß zu kollern und zu tanzen, wie eben nur ein Birkhahn tanzen kann. Ein zweiter, ein dritter erscheinen, und ehe man sich's recht versieht, ist die Zahl auf sechs angewachsen, die immer wildere Tänze aufführen. Ein köstlicher Anblick: wie die glühend roten Rosen über den Augen in den metallisch gleißenden schwarzen Köpfen leuchten, wie der weiße Spiegel auf den dunklen Flügeln und der schneeige Unterstoß unter den krummen schwarzen Federn des Stoßes herüberblitzen. Und raufen können die schwarzen Bürschlein! Wütend sausen sie aufeinander los, meterhoch sind ihre Sprünge, und nicht selten schlägt ihnen vor Wut die Stimme um, so daß sie mit einem tiefen, schluchzenden Ton von neuem zum Gesang einsetzen müssen. Die ganze Melancholie, die scheinbar tote Oede des norddeutschen Tieflandes ist verschwunden, alles ist Leben und Kraft, Leben des Frühlings, der alles neu erschafft und das Herz jedes Naturfreundes höher schlagen läßt. Silben=Rätsel. Eilend saust die Erste durch die Lande, Trägt dich fort zu manchem fernen Strande, Aber hüt' vor ihrem Atem dich! Meine Letzten trägst du an dem Kleide, Feder auch und Bleistift haben beide, Auch der Kirchturm schmückt mit ihnen sich Im Gebirg wirst du mein Ganzes finden, Steigst du auf zu ihm aus Tales Gründen, Nicht bereuen wirst du's sicherlich. Auflösung des Silbenrätsels der vorigen„Kinderlaube“. Undine, Natter, Suwarow, Entenei, Radziwill, Kreuznach, Ameise, Igel, Samum. Unser Kaiser Wilhelm. Distichon. Die kleine Biene steht dem Feind so ritterlich, Weil sie für sich nicht ist, sie fühlt ihr Volk in sich. Rückert. 8 S 33 8. — S 88 22 Ss BEAnSS SESORSBSSG S 5 SSSSFESSEE en 8 0 Unterhaltungs Beilage zu Nr. 395. Donnerstag, 30 Dezember An, eunkten(Pfar!. Roman von A. Hottner=Grefe. (44. Fortsetzung.) danke Ihnen, Riedl“, sagte Axmann (8# endlich und drückte dem jungen Manne die Hand.„Sie sind ein lieber, warmfühlender Mensch, und mich freut's, daß gerade Sie der erste waren, der mir gratuliert hat! Ich bin wirklich selber ein wenig überrascht gewesen und wohl darum momentan, so gedankenlos! Denn ich habe wohl gewußt, daß ich für die Oberförsterstelle vorgeschlagen bin. Aber daß sie so bald zur Erledigung gelangt, das hab' ich nicht geahnt. Und deshalb„hat's mir die Red' verschlagen“, wie wir sagen da herinnen im Gebirg'! Aber jetzt muß ich schauen, daß ich heimkomm', muß mich g'schwind umziehen und dann ins Schloß gehen, meinen Bank ab„Ja, aber die Holzleut haben noch eine Verigieit mit heraufgebracht vom Schloß,“ sagte jetzt Emil ein wenig zögernd;„nämlich, der junge Baron Hadmar ist schwer erkrankt!“ „Baron Hadmar?“ wiederholte Axmann erstaunt und aufs äußerste erschreckt.„Ach, da muß 1 i Irrtum vorliegen! Ich war ja am gestrigen avend bis gegen neun Uhr im Schloß. Und da war der Freiherr frisch und munter. Meinen die Leut' vielleicht Baron Erich? Der ist nämlich unvermutet zum Besuch gekommen und war schon recht leidend, als er ankam.“ Axmann dachte an die furchtbare Gemütserregung, in der Erich sich befunden hatte. Es wäre ihm ganz erklärlich gewesen, wenn der junge Mann infolgedessen ernstlich erkrankt wäre. Aber Riedl schüttelte den Kopf. „Nein, nein, Herr Oberförster. Es ist schon so, wie ich gesagt hab'. Baron Hadmar soll eine schwere Gehirnerschütterung haben. Er ist nämlich heute nacht bei dem Unwetter auf der„Daisy“ zweimal in Salzburg drinnen gewesen, weil das kleine Buberl von der jungen Frau drunten im Jagdhause so schwer krank geworden ist. Das zweitemal war er drinnen um eine neue Medizin, und da ist der Herr Baron grad recht ins Unwetter gekommen bei der Heimkehr. Die „Daisy“ ist gestürzt beim schwarzen See;, und der Herr Baron ist gegen die Felsen dort geschleudert worden und soll eine Wunde haben am Kopfe. Das Kind hat er doch nicht mehr retten können, das ist gestorben in der Früh „Was sagen Sie da?“ rief Axmann atemlos.„Das Kind ist gestorben?“ (Nachdruck verboten.) „Nun ja, Herr Oberförster; heute in aller Früh. Krämpfe, heißt's! Also, jetzt ist der Streit ums Majorat auch aus, und wir behalten unseren lieben Baron Hadmar, so Gott will. Die Gehirnerschütterung wird er ja doch überstehen, hoff' ich!“ Der redselige Forstadjunkt hatte wayrscheinuch endlos lange fortgeplaudert, aber Axmann gab ihm „Also auf Wiedersehen heute abend beim Revierrapport,“ sagte er rasch;„ich muß sofort hinab und muß selbst nachschauen, was da los ist! Zum Umkleid wird's jetzt ja auch gar nicht. Aber fragen will ich, ob Er hatte Emil Riedt fost mixwieisen Schristen#ei. De die Alct lte o ge ein esge. vor sich hin.„Merkwürdig! Ob denn wirklich was Wahres dran ist an der Rederei von den Leuten, daß er in die Baronin verliebt ist? Da könnt' er mir nur leid tun, denn das wär' eine aussichtslose, traurige Riedl kehrte in tiefen Gedanken nach der försterei zurück, die schon wieder in Schweigen dalag, denn die Holzhauer waren einstweilen weiter bergaufFrißz Lgrmnanr, ober eite den Weg entlang, pelcher am schnellsten zu Tale führte. Er achtete nicht varauf, daß dieser Pfad oft sehr schlecht war, holperig, halb verschneit, glitschig. Ihm war nur um eins zu tun: möglichst bald in Ottas Nähe zu kommen. Es war sonderbar bei ihm! Wenn Otta ruhig und scheinbar wenigstens im Glück dahinlebte, so trat er ihr selten unaufgefordert in den Weg. Er wußte es selbst am besten, daß es für ihn und seine Liebe keinerlei Aussicht gab. Einen Augenblick lang hatte er damals, als ein blinder Zufall ihn zum Mitwisser von Ottas Geheimnis machte, gemeint, daß sich nun auch in dieser Hinsicht manches geändert habe. ga6 Bug richt#. Aber längst hatte er eingesehen, daß dies nich der Fall sein konnte. Die Klust zwischen der Witge einee Freiherrn von Werbach und dem Bürgerlichen, vie Klust zwischen der vornehmen Weltdame und ihm, dem einfachen Forstmanne, der sich nie recht im Salon und in der Gesellschaft bewegen konnte, war eine viel, viel zu Diese Kluft konnte nie überbrückt werden. So hatte er denn still verzichtet und nur das eine noch erbeten vom Geschick: Ihr stets und immer ein treuergebener Freund bleiben zu dürfen. Aber wenn er hörte, daß sie Kummer habe, daß ein Unglück ihr drohe, dann änderte sich plötzlich Axmanns ganzes Wesen, dann wollte er neben ihr sein, sie schützen, ihr beistehen, jede Last, welche sie drückte, auf die eigenen Schultern nehmen. Und dieser Gedanke beherrschte ihn auch heute völlig. Hadmar war krank. Er wußte es, wie Frau Otta an ihren Söhnen hing. Er konnte genau ermessen, was ihr ein solcher Unfall bedeutete. Also: zu ihr! Und das so schnell als nur möglich! Das dienstliche Schreiben hielt er noch uneröffnet in der Hand, als er endlich unten auf der bessergehaltenen Fahrstraße aus dem Waldweg heraustrat. Er war das letzte Stück beinahe gelaufen. Jetzt ging sein Atem schwer, und er mußte eine Sekunde lang rasten. Keuchend blieb er stehen.. In dieser Pause griff er nach Ottas Brief, den er noch geschlossen in seiner äußeren Rocktasche trug. Vielleicht schrieb sie ihm Näheres. Er riß den schwarzgeränderten Umschlag ungeduldig auf, und seine Augen flogen förmlich hin über die flüchtig und in sichtlicher Erregung hingeworfenen Zeilen. „Lieber Freund! Bitte, kommen Sie! Hadmar ist schwer erkrankt. Aber hoffentlich wird er gesund werden. Ich brauche Sie jedoch dringend. Habe eben einen Brief erhalten, der mich furchtbar erregt. Ich weiß mir keinen Rat. Graf Steinberg ist hier im Schlosse. Sie ahnen wohl, was er wünscht. Aber ehe ich ihm ein bindendes Wort sage, möchte ich mit Ihnen sprechen. Sie sind mein bester, treuester Freund! Sie werden mir heisen! 91162 das Blur heiß zum Herzen geströmt, als er die letzten Zeilen las. Also— Steinberg wollte Ernst machen? Hatte er das nicht seit langem kommen sehen? Schon damals, als er ins Forsthaus des Grafen die Trauerbotschaft von Ludwig Werbachs Tode brachte— und dann immer wieder, wenn er Steinbergs hohe, imponierende Erscheinung neben Frau Otta sah. Und stets hatte er, wenn auch mit einem bitteren Schmerzgefühl, denken müssen: bei diesem Mann wäre Otta von Werbach geborgen! Und nun sollte aus all diesen Ahnungen und Vermutungen Ernst werden? koch vor kurzem hätte er sich vielleicht aufgeleynt gegen diesen Gedanken, hätte ihn weit von sich gewiesen. Heute dachte er anders. Durch eine Verbindung mit Steinberg schien ihm Otta in Sicherheit. Der Name ihres Gatten würde sie gegen jeden Angriff schützen; die mächtigen, einflußreichen Verbindungen des Grafen würden das Ihrige dazu tun, keinen Schatten aus der Vergangenheit seiner Gemahlin aufkommen zu lassen. Graf Steinberg war entschieden ein weit besserer Schutz für Otta von Werbach, als er, der Oberförster Fritz Axmann. Vielleicht hatte diesem letzteren noch nie eine Erkenntnis so weh getan, als diese; aber trotzdem verschloß er sich ihr nicht. Ein Freund wollte er ihr sein, wohin immer ihr Weg führt; ein Freund würde er ihr bleiben! M art. einem Mrist9 Aber was bedeuteten ihre Worte von einem Brief? Und diese Aufregung schien sie nicht mit Graf Steinberg teilen zu wollen. In dieser Sache wandte sie sich an ihn. Fritz Axmann steckte den Brief in die Tasche und eilte weiter. Da— schon tauchten die Türme von Schloß und konnte Werbach auf! Noch wenige Minuten, Als Friz Axmann Ota gegenübertrat in ihrem hellen, schönen Zimmer, und ihr versorgtes, kummer volles Antlitz sah, da befiel ihn, wie so oft schon dieser eigenartigen Frau gegenüber, eine Unsicherheit, wie sie Schuljungen manchmal zur Schau tragen, wenn sie vor Er fand nicht sofort die richtigen Worte, und es war gut, daß sie gleich selbst von Hadmar und seiner Erkrankung zu sprechen begann und ihm alle kurz mitteilte. Währenddem konnte er sich ein wenig Sie fügte noch binzu, daß Doktor Wichmapr, haße, es werde keine lebensgefährliche Wendung der Krautheit eintreten, daß er aber trotzdem darauf bestehe, daß sofort noch zwei sehr bekannte Aerzte aus Salzburg und ein Professor aus Wien telegraphisch herbeigerufen würden. Graf Steinberg sei eben weggeritten, um zu telegraphieren. Er werde kaum vor einer Stunde zu„Und dann?“ fragte Axmann in die Stille hin, welche plötzlich entstand. Seine Stimme klang heiser und rauh. Frau Otta sah forschend in dieses treue, ehrliche Männergesicht. Sie wußte es ja längst, daß er sie liebte, wie vielleicht sonst keiner. Und sie wußte, daß sie mit ihm machen konnte, was sie wollte, daß er von einem Wort aus ihrem Mund sich lenken ließ. Aber selten nur hatte sie ein solches bestimmtes Eine seltsame Scheu hielt sie diesem Mann gegenSeine Liebe erschien ihr eigenartig und beinahe rührend. Alle die anderen, welche sich im Laufe der langen Jahre um sie geschart hatten, waren manchmal unbescheiden und drängend geworden in ihrem Wünschen und Begehren. Sie hatte alle kühlen Herzens immer wieder in die richtigen Schranken zurückgewiesen. Nur er hatte nie das mindeste verlangt. Und dennoch stand in seinen Augen die große, echte Liebe. Frau Ota seufzte ein wenisg, ragend seine Wort. „Und dann?“ wiederholte sie flügend seine Worte. lieber Freund, das weiß ich selbst noch nicht, was dann wird! Gestern noch war ich entschlossen, zu tun, was der Graf wünscht!“ „Er wirbt um Ihre Hand?“ sagte Axmann tonlos. Sie nickte leicht. Er stand jäh auf und trat ans Fenster. Schwer lehnte er seinen Kopf gegen die Scheiben und starrte hinaus in die glitzernde, schneeige Winterpracht. Jetzt, da er die klare Bestätigung seiner Vermutung aus ihrem Munde hörte, jetzt tat sie ihm trotz aller Vernunftsgründe furchtbar wehe! Frau Otta begriff mit dem feinen Gefühl der reifen Frau, was in dem schweigenden Manne vorging. Und wieder flutete eine heiße Woge des Mitleids durch ihr sonst so gelassen schlagendes Herz. „Fritz!“ sagte sie leise.„ 66 Zum erstenmal nannte sie ihn beim Vornamen. Bisher hatte sie, trotz der Verwandtschaft, stets nur berührt. Blaß war er bis in die Lippen, und in seinen Augen flammte plötzlich ein Feuer, das sie noch nie gesehen. Sie senkte unwillkürlich die Lider. „Lieber Fritz,“ sagte sie dann beherzter,„das Leben spielt oft sonderbar. Einst nannten Sie mich „Ihren Engel“. Das war sehr übertrieben von Ihnen und entsprach gewiß nicht den Tatsachen. Heute stehen Sie an einer hervorragenden Stelle.“ (Fortsetzung folgt.) * — Von C. Dressel. (Nachdruck verboten.) Ja, sie war reizend, trotz der geschwollenen Backe. Die sah er erst, als sie jählings den dunklen Kopf von der Zeitschrift hob und ihm zwei nußbraune Augen zuwandte, höchlich erstaunt, oder vielmehr entschieden vöttisch. Lumskes Wufkähnen nicht Er hatte nämlich ein dumpfes Aufstohnen nicht ganz unterdrücken können. Na ja, in Zahnangelegenheiten stand er nicht gerade seinen Mann. Und dieser verwünschte Zahnstumpf riß wieder mal mit wahrer Berserkerwut an ihm herum, so, als wolle er ihm geradeswegs den Kiefer spalten. Keine Kleinigkeit also, wie sie sich doch denken konnte, denn sie war ja Leidensgefährtin, das bekundete ihre weit über normal gerundete Wange deutlich genug. Mitgefühl wäre drum eher am Platze gewesen. Ein wenig beleidigt, betrachtete er sich die hübsche Spötterin genauer. Sie war sehr blaß. Natürlich, sie litt. Litt wie er diese wahnsinnigen, lächerlichen Schmerzen. Diese Tragikomödie, die ihm seit drei Tagen und Nächten das liebe Leben vergällte, einen unwirschen, arbeitfliehenden Gesellen aus ihm machten, einen Revolutionär, der sich und andern böse Stunden schaffte. Dem Anschein nach handelte es sich auch bei ihr keineswegs bloß um jene zeitraubenden und nicht gerade amüsanten, sonst aber harmlosen kleinen Zahnverbesserungen, sondern auch sie sah dem bedeutsamen Schlußakt des Zahnwehdramas entgegen, vor dem es ihm die ganze letzte Nacht gegraut. Und sie machte ihm nur spöttische Augen. Schien den Schicksalsgenossen einfach auszulachen. Ja, die neuen Weiber, die den Mann herausfordern, übertrumpfen wollen, um jeden Preis. Ha, jetzt zuckte es nervös in diesem reizenden spöttischen Gesicht, eine heiße Blutwelle strömte über die alabasterweiße Stirn. Nun mußte ein Schrei kommen, oder mindestens ein banges Aufseufzen. Mit förmlicher Gier lauerte er auf eine Schmerzaußerung, die ihren lieblich geschwungenen Lippen entschlüpfen würde, nein, mußte— mußte. Nichts da! Die weichen roten Lippen schlossen sich nur fester zusammen, so fest, daß ihre reizende Form sekundenlang zum schmalen, farblosen Strich wurde. Im nächsten Moment glühten sie wieder in schwellendem Purpur, und das junge Gesicht, blütenzart wie vordem, neigte sich von neuem über die Zeitschrift mit einer Gelassenheit, als habe es nicht eben einen Schmerz erfahren, der de normalen Menschen Mark und Bein erschüttert. „Eine kleine Heldin", staunte er und machte sich interessiert daran, das hübsche Profil auf weitere psychologische Entdeckungen hin zu studieren. Den behindernden Hut hatte die junge Dame abgenommen. Dunkles, locker gebauschtes Haar umrahmte die schmale Stirn. Das Auge ernst und tief. Ein fein gebogenes Näschen, ein entzücke#id lieblicher Mund, darunter aber ein breites, energisches Kinn. Das paßte freilich zu den überlegenen Augen der Heldin, gefiel ihm indes weniger, als der sanfte, weiche Mund. Ueber diesem Vergleichen und Nachdenken vergaß er ein Weilchen der eigenen Schmerzen. Aber die Ruhe, mit der sie sich dann in ein Buch des zahnärztlichen Wartczimmers vertiefte, ärgerte ihn nachgerade, so daß er schließlich beinahe gereizt fragte:„Gnädiges Fräulein wollen sich nur eine Plombe machen lassen?" „Bewahre,“ lächelte sie sein.„Raus muß der Zahn, er darf mich nicht länger stören.“ Und stand auf, denn die Reihe war an sie gekommen. Der Zahnarzt hatte eine Patientin entlassen. Das war auch ein modernes Mädel, aber eine völlig andere Ausgabe, ein Luxusexemplar. Ein gepflegtes, molliges Salonkätzchen mit kostbarem seidenen Fellchen. Kein rauher Finger dürfte es berühren. Es würde ein Staatsakt aus ihren Schmerzen gemacht, der die ganze Familie in Atem hielt. Die junge Dame kam auch nicht allein aus der Folterkammer, sie hatte eine Mutter an der Seite und eine Zofe hinter sich. Die hätschelten um das Kätzchen, wickelten es sorglich in Wolle und Pelze. An diesem verwöhnten Liebling vorbei schritt nun die andere, die kleine Heldin, ganz allein, aber mit so wundervollen Ruhe, daß er wieder staunte. Das heißt, klein war sie nicht, eher von hohem Wuchs, wie er jetzt sah, und gertenschlank. Und dieser biegsame Körper steckte in einem sehr einfachen Straßenkleid. Nun ja, er hatte es sich schon gedacht, ein verhätscheltes Salonkätzchen war sie nicht. (Schluß folgt.) Denkspruch. Es ist der Glaub' ein schöner Regenbogen. Der zwischen Erd' und Himmel ausgezogen, Ein Crost für alle, doch für jeden Wandrer Je nach der Stelle, da er steht, ein andrer. 5 Seidel. Der Retter des Zaren. Welche Vorstellungen sich das russische Volk von seinem„Väterchen Zar“ macht, das zeigt eine kleine Geschichte von dem Großvater des jetzigen Herrschers, an die in der„Tribuna“ erinnert wird. Alexander II. war ein nüchterner und arbeitsamer Herr, nur hin und wieder erlaubte er sich, eine Zigarette zu rauchen; aber das Volk war fest überzeugt, daß er ganz unmäßig in seinen Ausschweifungen wäre. Eines Tages kommt zum Winterpalast aus einer fernen Provinz im innersten Rußland ein starker Bauer. Er bittet zunächst, zum Zaren geführt zu werden, und als man ihm Schwierigkeiten macht, wird er sehr dringlich.„Ich muß mit Väterchen sprechen," ruft er in höchster Erregung aus,„ich muß ihn retten!“ Der Zar wird benachrichtigt und empfängt den Bauer. Er hört ihn an, lacht, drückt dem Mann die Hand, läßt ihm eine Anzahl Rubel aushändigen und entläßt ihn. Als er wieder zu seiner Umgebung im benachbarten Saal kommt, lacht der Zar noch immer.„Wißt ihr, was mir der Bauer gesagt hat?.Väterchen, wir wissen alle in meinem Dorf, daß du ganz unmäßig säufst, so daß du in der Nacht nicht schlafen kannst. Hier hast du ein Tränklein, das dir erlauben wird, immer weiterzutrinken, ohne daß es dir den geringsten Schaden macht.“ Mein Wort, daß das nicht stimmte, machte nicht den geringsten Eindruck auf den Mann; er blieb bei seiner Meinung und wollte mir durchaus sein Mittelchen übergeben, fest überzeugt, daß er damit ein großes Werk vollbringe. Die Augen leuchteten ihm förmlich vor Freude...“ Den Gedanken, daß auch Väterchen„säuft", darf man bei Russen ganz natürlich finden. □