Amtliches Kreisblatt für den kreis börde (Do SScurem Seimer urchen bate ander Frienag, Bezuosprnts A. Poternt, zadrlch, dei der Post für Bestelgeid 42 Plowodr. Wöchenu. Gralsbellage:„Jüusktriera Famillensreuns“ u. t4gl. Uakerdaltungsdlatt. Anzeigenpris: Die Zedengespallene Peutzeuoder derrn Raum 10 Plg. Anzeigen eon amwärts 15 Plg., Reklamezels 40 Pfo. Jeden Radau gilt als Kassamban u. erischl dal zorsen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen a. Aichtbeachung d. gemacht. Jahlungsdedingung. Wellhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblan Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Holkszeit### Verbunden Schwerker Cageblatt,∆ Schwerter Anzeiger Grlies und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeigen für den Kreis börde om Haupt-Banonrenbian als. Antie end Shalgalzlichen Drurd. gungen sur don Auto Hördte erlaagre gun4s Betaanbnachung der Aöaiglichen Regierung doro Veröstsenlichnag io der„Schwrmer Jettung“ rchtvoerdindliche Keoft.— Dia Schwenter Zeitung“ gewödri idren Abonureun At jebes an Tod enbenden Unsal gr. Hagungea; 300 Mk. Unfall: Druch u. Verlag s. Car Brous. Schoorie= Ru Feraip 62. Telagr. Adr. Braus Schwone. 7 Nr. 291. Montag, den 13. Dezember 1915. 47. Jahrgang. Vor den Torel Eriiste Stünben für Griechentand. Niederlage der Saloniki=Armee.— In ehientenegre Jjds Gesangene gemeicht und 10 Geschühe erbeutel. ttsche Tagesberichte. wir von Stea u Siea schreiten, während sie sel „Der Kanzler über Krieg und Frieden. Zweimal hat der Reichskanzler gesprochen. Zuerst, um dem Volk und seinen Vertretern ein allgemeines Bild der Lage zu geben, dann aber, um auf die Anfrage der Sozialisten, unter welchen Bedingungen er bereit sei, in Friedensverhandlungen einzutreten, Rede und Antwort zu stehen. Voll heißer Spannung lauschte man auf seine Worte, vor allem auf das, was er den Genossen erwidern würde. Und es mag vorausgesagt sein: Die Begründung, die der Fraktionsredner der äußersten Linken, Herr Scheidemann, seiner Anfrage gab, bot ihm durch ihre besonnene Ruhe und ihre innere Wärme die Möglichkeit, jede unfruchtbare Polemik zu vermeiden. Wie umgekehrt Scheidemann sich von jeder Gehässigkeit, von jedem Spiel mit üblen Schlagworten fernhielt. So ist es möglich geworden, daß der sehr gefährliche Schritt, der mit der Interpellation unternommen wurde, nicht nur ohne üble Folgen bleiben, sondern auch dem Auslande sogar den Beweis bringen wird, daß in deutschen Landen auch dort, wo man den Tag des Friedens mit allen Fasern herbeisehnt, die volle Entschlossenheit herrscht, auch ferperhin Heimat und Herd und jeden Zollbreit deutschen Bodens zu schützen. Fast kann man sagen: Es ist gut, daß Herr von Bethmann Hollweg genötigt war, über diese Dinge sich auszusprechen. Gar zu laut waren die Gerüchte geworden, daß von uns aus der Frieden um einen Preis und in Formen erstrebt werde, die des vom deutschen Volke bewiesenen Heldentums, der von ihm in schweigender Pflichterfüllung gebrachten Opfer unwürdig wären. Anders gesagt: Daß das Bismarck'sche Wort„Wir laufen niemandem nach“, seine Geltung verloren habe. Wenn der Kanzler selbst darauf hinwies, welche unsinnigen Folgen an den Besuch des Fürsten Bülow in Luzern, an den Aufenthalt des Kolonialsekretärs Solf in Holland, an eine Verwandtenreise des Prinzen Max von Baden nach Stockholm, an die Teilnahme des Kölner Erzbischofs an dem Konzil zu Rom geknüpft wurden, wie man erzählte, daß der Kaiser in Konstantinopel einziehen und von dort aus den Frieden diktieren wolle, so folgte er dem richtigen Instinkt, der uns lehrt, das Unkraut auszurotten, ehe es die Saat verzehrt. Und nützlich war auch der Hinweis, daß diese Gerüchte im feindlichen Auslande und just damals entstanden, als die Durchbruchsversuche im Westen und alle Mühen um die Seele der Neutralen auf dem Balkan gescheitert waren. Man hatte den Kanzler selbst mit diesen Gerüchten in Verbindung gebracht — um so besser, daß er diese drückenden Nebel zerriß. Und das ist geschehen, deutlich und zweifelsohne. Wohl ist der Kanzler bereit, dann zu diskutieren, wenn unsere Feinde mit Friedensangeboten zu uns kommen, die der Würde und der Sicherheit des Deutschen Reiches entsprechen. Aber eine Torheit würde es sein, von uns aus ein Friedensangebot zu machen,„solange Haß, Verstellung und Unkenntnis bei den feindlichen Machthabern bestehen und ihre Geistesverfässung die feindlichen Völker beherrscht“, solange man drüben auf unsere nahende Erschöpfung hofft, so lange man den eigenen Völkern Haß und Verachtung gazen alles Deutsche predigt und dieses Empfinden in so wüsten Taten umsetzt, wie es von den Mördern des„Baralong“ geschah. Ihnen allen rief der Kanzler entgegen, daß in unserer Rechnung kein unsicherer Faktor sei, daß wtb. Großes Hauptquartier, 11. Dez. 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Auf vielen Stellen der Front lebhafte Tätigkeit der beiderseitigen Artillerie. Nach starker Feuervorbereitung griffen die Franzosen abends unsere Stellung auf und östlich der Höhe 193(nordöstlich von Souain) erneut an. Der Angriff wurde abgeschlagen. Die Stellung ist genau so fest in unserer Hand, wie sie auch durch die kühnsten gegenteiligen Behauptungen in den französischen Tagesberichten der letzten Zeit uns nicht hat entrissen werden können. Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei den Heeresgruppen des Generalfeldmar= schalls von Hindenburg und des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern ist die Lage unverändert. Heeresgeuppe des Generals von Linsingen Ein russischer Angriff nördlich der Eisenbahn Kowel—Sarny brach verlustreich vor den österreichisch=ungarischen Linien zusammen. Nördlich von Czartorysk wurden auf das westliche Styr=Ufer vorgegangene Aufklärungsabteilungen des Feindes wieder vertrieben. Balkan=Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Ueber die bulgarischen Armeen liegen neue Nachrichten nicht vor. Oberste Heeresleitung. wtb. Großes Hauptquartier, 12. Dez. 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Oestlich von Neuve=Chapelle(westlich von Lille) scheiterte vor unserem Hindernis der Versuch einer kleinen englischen Abteilung, überraschend in unsere Stellung einzudringen. In den Vogesen kam es zu vereinzelten Patrouillen=Gefechten ohne Bedeutung. Oestlicher Kriegsschauplatz. Schwächliche rassische Kräfte, die in der Gegend des Warsung=Sees(südlich Jakobstadt) und südlich von Pinsk gegen unsere Stellungen vorfühlten, wurden abgewiesen. Balkan=Kriegsschauplatz. Den in den albanischen Grenzgebirgen verfolgenden östereichisch=ungarischen Kolonnen fielen in den beiden letzten Tagen über 6100 Gefangene und Zersprengte in die Hände. Zwischen Rozaj, das gestern genommen wurde, und Ipek hat der Feind 40 Geschütze zurücklassen müssen. Nach entscheidenden Niederlagen, die die Armeen des Generals Todorow in einer Reihe kurzer und kräftiger Schläge während der letzten Tage den Franzosen und Engländern beibrachten, befinden sich diese in kläglichem Zustande auf dem Rückzuge an der griechischen Grenze und über dieselbe. Die Verluste des Feindes an Menschen, Waffen und Material aller Art sind nach den Berichten unserer Verbündeten außerordentlich schwer. Oberste Heeresleitung. Oesterreichische Tagesberichte. wir von Sieg zu Sieg schreiten, während sie selbst von Siegen nur träumen, und daß wir vollenden werden, was die deutsche Zukunft von uns fordert: Hindenburgs und Ludendorffs Maxime:„Nicht nur durchhalten, sondern siegen!“ hat also auch der Kanzler sich zum Leitwort gewählt und so sagt er es hart und vernehmbar, daß wir weder die Partie remis geben, noch uns mit einem müden Zurückweichen auf den Statusquo begnügen werden. „Je länger und je erbitterter unsere Feinde den Krieg gegen uns führen, um so mehr wachsen die Garantien, die wir fordern müssen... Weder im Osten, noch im Westen dürfen unsere Feinde von heute über Einfallstore verfügen, durch die sie uns von morgen ab erneut und schärfer als bisher bedrohen können“. Wir alle kennen diese Einfallstore, wir wissen, was einer der größten Deutschen einst unter dem gegen uns gerichteten Brückenkopf Englands verstanden hat, wir wissen, daß England und Frankreich Belgien stets als ihr Aufmarschgebiet gezen uns betrachtet haben, und auf die„Einfallstore“ im Osten hat der Reichskanzler in seiner Rede hingewiesen, als er uns zeigte, wofür Frankreich den Russen seine Milliaeden gab. Ganz Deutschland wird aus voller Seele dem Kanzler recht geben:„Dagegen müssen wir uns politisch und militärisch und auch wirtschaftspolitisch sichern!“ Herr Spahn hat dieses Wort im Namen aller bürgerlichen Parteien unterstrichen: Das deutsche Volk sei fest entschlossen, auszuhalten und zu kämpfen bis zu einem Siegespreis, der unseren ungeheueren Opfern entspricht, bis zu einem Frieden, der für unsere Zukunft alle Sicherheiten schafft„einschließlich der dazu erforderlichen Gebietsabtretungen". Man wird dort draußen die Sprache des Kanzlers, die auch die Sprache der Nation ist, verstehen: Freilich wird man sich mühen, die Torheiten Liebknechts als wichtig, einen Zwischenfall, der zu unnützer Erreßung führte, als belangreich hinzustellen— die Stimme des deutschen Willens, die der Kanzler vernehmen ließ, wird dennoch durchdringen, und man wird es allmählich spüren, daß wir doch die Sentimentalität endlich verlernt haben. Amtlich AufRuhe an WTB Wien, 12. Dez.(Nichtamtlich.) wird verlautbart vom 11. Dezember: Russischer Kriegsschauplatz. Bei Czartorysk haben wir russische klärungsabteilungen vertrieben. Sonst der ganzen Front. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Geschützkämpfe in Judicarien dehnen sich nun auch auf den Raum westlich des Chiese=Tales aus. Im Abschnitt zwischen diesem und dem Concel=Tal wurden unsere vorgeschobenen Posten auf dem Monte Vies vor überlegenen seindlichen Kräften zurückgenommen. Schwache Angriffe der Italiener in den Dolomiten gegen den Stiefsattel, im Görzischen gegen den Nordhang des Monte San Michele wurden abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. In den Nachhutkämpfen auf montenegrinischem Gebiete wurden neuerlich über 400 Gesangene eingebracht. WTB Wien, 13. Dez. Amtlich wied verlautbart vom 12. Dezember: Russischer Kriegoschauplatz. Stellenweise Goschützfeuer. Keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz Im Abschnitt der Hochsläche von Doberdo griff eine italienische Insanterie=Brigade unsere Stellung südwestlich von San Marting an; sie wurde zurückgeschlagen und erlitt große Verluste. Sonst herrschte an der ganzen Südwestfront, von verinzelten Geschützkämpfen abgesehen, Ruhe. Auch in Judicarien hat die Tätigkeit des Feindes nachgelassen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere Offensive gegen Nordost=Moutenegro führte gestern zur Besetzung von Korita und Nozaj und zu Nachhutgefechten 12 Kilometer westlich von Ipek. Wir brachten in diesem erfolgreichen Kampfe 6100 Gefangene ein und erbeuteten im Gelände zwischen Ipek und Nozaj 40 serbische Geschütze. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnent. Ereignisse zur See. Am 10., nachmittags, hat ein Geschwader unserer See=Flugzeuge in Ancona Bahnhof, Elektrizitätswerk, Gasometer und militärische Objekte sehr erfolgreich mit Vomben belegt. Trotz des Schrapnellseuers aug mehreren Geschützen und der sehr ungünstigen Witterung sind alle Flugzeuge unversehrt eingerückt. Flotten=Kommando. König Konstantins Politik. Ein Mitarbeiter der„Times“ hatte eine Unterredung mit König Konstantin.„Griechenland“, sagte der König,„ist eben im Begriff, sich von zwei Kriegen zu erholen“. Er wünsche um jeden Preis, zu verhüten, daß Griechenland das Elend des europätschen Krieges teile. Er könne seine Truppen nur marschieren lassen, wenn die Existenz des Landes bedroht wäre. Er habe stets versichert, daß Griechenland keine Pläne gegen die Alliierten schmiede, trotzdem sei er persönlich schlecht behandelt worden. Griechenlands Lage lasse es nicht zu, irgendwelche Gefahr zu laufen. Die Balkanpolitik der Alliierten sei nicht genau umschrieben gewesen. Angenommen, Griechenland hätte sich ihnen angeschlossen, und diese hätten später beschlossen, minder kräftig aufzutreten und sich zurückzuziehen, dann wäre es dem Lande ergangen, wie Belgien. Griechenland habe bereits durch sein Entgegenkommen seine Neutralität aufgegeben und sich der Möglichkeit ausgesetzt, daß die Mittelmächte mit ähnlichen Forderungen kommen, wie die Entente. Der griechisch=serbische Vertrag gelte nur für den Fall, daß eines der beiden Länder von Bulgarten allein angegriffen werde. Unten den gegenwärtigen Umständen hätte die Hilfe Griechenlands für Serdien kaum großen Wert gehabt. Es wären aber zwis 4 Länder verwüstet worden, anstatt eines. Der König betonte, daß kein Vertrag zwischen Griechenland und Bulgarien bestehe. Die Alliierten hätten von Griechenland nichts zu fürchten. Aber dieses konnte sich nicht binden, solange es nicht das Programm kennt, das die Alliierten für sich selbst aufgestellt haben. Es werde aber unter keinen Umständen seine Neutralität aufgeben.— Dem Vertreter eines anderen englischen Blattes sagte der griechische König, er habe bereits sein Wort verpfändet, daß die griechischen Truppen die Ententetruppen nicht angreifen würden, wenn die Entente ihrerseits verspricht, für jeden Fall, daß ihre Truppen auf griechisches Gebiet zurückgetrieben werden, diese einzuschiffen und den Balkanfeldzug als erledigt zu betrachten. Er würde in diesem Falle den Schutz seiner ganzen Armee gegen einen Angriff der Mittelmächte garantieren, solange die Einschiffung dauerte. Mehr als das würde er nicht tun. Er würde seine Truppen weder von Saloniki und der Grenze zurückziehen, noch gestatten, daß Griechenland mit Gewalt oder Schmeicheleien von seiner Neutralität abgebracht wird.— König Konstantin will sein Programm von dem der Entente abhängig machen. Da das Balkan=Programm der Alliierten aber in der Programmlosigkeit besteht, werden sie dem König Konstantin schwerlich das bieten können, was er im Interesse Griechenlands verlangen muß. Der König will griechische Politik treiben, nicht englische! Und das wird ihm die Geschichte einmal hoch anrechnen. Er hat sich in schwerer Zeit als der mutige und besonnene Lenker des griechischen Staatsschiffes erwiesen. Obwohl er zuerst einen gar törichten Steuermann hatte— mit Namen Venizelos. Der drille Balkankrieg. Die Nachhutkämpfe in Montenegro. TU K. K. Kriegspressequartier, 13. Dezbr. In Montenegro dauern die Nachhutkämpfe mit den geschlagenen feindlichen Verbänden an. Sowohl nördlich von Berane im Vasojevic=Gebiet wie auch östlich davon haben sich montenegrinische Banden und serbische Nachhuten festgesetzt und liefern kleinere Gefechte. Gegenüber diesem ausgesprochenen Guerillakrieg hilft nur die allergrößte Vorsicht und eine bis in die kleinsten Einzelheiten verästelte Planmäßigkeit bezüglich des Vormarsches, des Nachrichtendienstes und des Nachschubes. Schwer ins Gewicht fällt das feindliche Verhalten der Zivilbevölkerung, die in Montenegro womöglich noch verhetzter ist als in Serbien, wo jetzt einigermaßen Beruhigung Platz gegriffen hat, nachdem die weitgehendsten Maßnahmen getroffen worden sind, um die Bevölkerung über den wahren Stand der Dinze aufzuklären. Diesem Zweck dient in erster Linie die öffentliche Kundmachung aller offiziellen Nachrichten in serbischer Sprache durch Maueranschlag. Außerdem bereitet die k. und k. Militärverwaltung die Herausgabe eines deutsch=serbischen Tageblatts in Belgrad vor. Rabrowo in den Händen der Bulgaren. TU London, 13. Dez.„Daily Chronicle“ meldet aus Saloniki: Die Nachrichten von der Front werden beunruhigend. Neue bulgarische Streitkräfte sind in der Flanke und im Rücken der englisch=französischen Stellungen eingetroffen. Es scheint, als ob der französische Rückzug, der in den letzten 10 Tagen in zwei Etappen begann, weiter fortgesetzt werden muß. Während die Franzosen zurzeit mit ihrer Hauptmacht nicht beteiligt sind, sind die Engländer auf ihrer Front wuchtigen Angriffen der Bulgaren ausgesetzt. Wie verlautet, wird auf beiden Seiten mit schwerer Artillerie gekämpft. Nach den letzten Mitteilungen soll RaDie französische Presse über Scheidemanns Rede. TU Haas, 13. Dez. Havas meldet aus Paris: Zu der Behauptung des Abgeordneten Scheidemann im Deutschen Reichstage, daß Frankreich den Frieden wünsche, erklärt die französische Presse einstimmig, daß in Frankreich nie die kleinste Zusammenkunft bezüglich des Friedens abgehalten worden sei. Im übrigen würde die Bekanntgabe der Rede des deutschen Reichskanzlers genügen, um jegliche Friedensanwandlung zu unterdrücken. Die Pariser Konferenzen. TU Genf, 13. Dez. Wie„Havas“ berichtet, spricht die französische Presse einstimmig ihre Zufriedenheit über die Konferenzen der Verbündeten in Paris aus, weil sie ein engeres militärisches Zusammenarbeiten zur Fortsetzung der Balkanoperationen nach sie ziehen würden. Angleiche Naturen. Roman von B. Corony. Das pikante, unregelmäßige Gesichtchen sah heute wieder wunderbarbelebt aus. Spiegelte es doch immer jede Seelenregung wieder, und gerade jetzt gab es so unendlich vieles, was die junge Frau bewegte, quälte und beglückte. Sie hätte in der nächsten Stunde alles zu ihren Füßen niederzwingen mögen, um nur Horst, der noch immer grollte, zu versöhnen und von dem Werte dessen, was er besaß, zu überzeugen. Indes die Zose noch dieses und jenes zu arrangieren nötig fand, öffnete Juliane den Flügel und probierte verschiedene gefährliche Stellen. Aber für die jugendfrische Stimme gab es keine unüberwindlichen Schwierigkeiten. Sie schlug so hell und rein wie ein Silberglöckchen in den gefürchteten Regionen der drei gestrichenen Oktave an. Ein Wagen fuhr vor. „Gnädigste Gräfin, die Hofequipage," meldete das Mädchen, nachdem es aus dem Fenster geblickt batg „Nun gut! Meine Noten, mein Bukett,“ sagte Frau Leutnant von Raden zu ihrer Zose, aber das Arrangement hier gefällt mir nicht. Stecken Sie diese Nadel hier weiter zurück, daß das Ueberkleid nicht so breit fällt. Und nun meinen Fächer. Nein, diesen hier nicht. Den, welchen Mama vor einigen Tägen sendete!“ „Gleich, Euer Guaden!" erwiderte das Mädben Jenny eilte hinaus, um den verlangten Gegenstand zu holen. Unterdessen trat die Generalin, in einen braunen Abendmantel gehüllt, und die Kapuze über den Kopf gezogen, ein. Das Kostüm stand ihr nicht gut. Ihre männlichen Züge sahen, von dem dunklen Stoff eng umschlossen, noch härter und unfreundlicher aus. browo bereits in die Hände der Bulgaren gefallen sein. Der Kampf nimmt einen immer ernsteren Charakter an. Eine befristete Vierverbandsnote an Griechenland. Reuter meldet aug London:„Daily Mail“ meldet aus Paris, daß die Meinungsverschiedenheit zwischen Frankreich und England über die Fortführung der Expedition auf dem Balkan aus dem Wege geräumt ist. Eine Uebereinstimmung wurde erzielt, nachdem Grey und Kitchener angekommen waren. Den ersten Beweis der Einigkeit glaubt man darin zu sehen, daß bereits eine schärfere Haltung gegen Griechenland eingenommen und beschlossen wurde. Die Verbündeten sind entschlossen, jeden Zweisel über König Konstantins Absichten aus dem Wege zu räumen. Vermutlich wird eine gemeinschaftliche Note nach Athen gerichtet werden, die umgehend eine deutliche Antwort auf die schwierige Frage fordert. Aeußerste Verschärfung der Beziehungen zwischen Griechenland und dem Vierverbande. bb Wien, 13. Dez. Das„Deutsche Volksblatt“ läßt sich aus Lugano drahten, daß nach Berichten aus Rom sich die kritische Phase der Beziehungen zu Griechenland und dem Vierverband bis zum äußersten verschärfte. Aus den italienischen Häfen laufen keine Schiffe mehr nach Griechenland aus. Rückzug der Franzosen und Engländer auf griechisches Gebiet? Sofia, 12. Dez. Aus ergänzenden Meldungen geht hervor, daß die Niederlage der Ententetrunpen bei Valandovo—Rabrovo immer größeren Umfang annimmt. Die Franzosen räumten noch am Mittwoch die Stadt Gewgheli und forderten die dortige Bevölkerung auf, nach Saloniki zu flüchten. Desgleichen wird die Ententefront bei Doiran geräumt. Bloß auf griechischem Gebiet, südlich der Grenze bei Majadag, nahmen die Franzosen eine neu befestigte Aufnahmestellung ein. Aus massenhaft zurückgelassenem Kriegsmaterial und Proviant geht hervor, daß die Ententetruppen aus Angst vor einer Einschließung durch die Bulgaren in regelloser Flucht zurückgehen. Bevorstehende Abreise der Deutschen aus Saloniki. TU Haag, 12. Dez. In Saloniki forderten der deutsche, der türkische, der österreichisch=ungarische und der bulgarische Konsul ihre Landsleute auf, sich zum baldigen Verlassen der Stadt bereit zu halten. Saloniki eine Entente=Festung? TU Sofia, 13. Dez. Die aus mehreren französischen Divisionen und einer englischen Division bestehende Landungsarmee hat eine entscheidende Niederlage erlitten. Der bisherige Verlust wird auf 12000 Mann angegeben. Die bulgarischen Truppen setzten die Verfolgung energisch fort. Die französischen und englischen Truppen befinden sich in einer schwer bedrängten Lage. Militärische Kreise urteilen, daß nur kleinere Teile der Armeen auf griechischem Boden Rettung finden können. Zuverlässige Nachrichten aus Saloniki besagen, daß die Engländer und Franzosen Saloniki 10 Kilometer im Umkreise fieberhaft befestigen. Die Stadt und der Hafen unterstehen vollkommen der englischen und französischen Herrschaft. 20 000 Engländer und Franzosen gefangen. In der Schlacht an der Cerna und in der Wardargegend machten die Bulgaren sehr viele englisch=französische Gefangene, deren Zahl sich auf 20000 erhöht hat. Wie aus Sofia berichtet wird, wurde der letzte Sieg der Bulgaren gegen die Ententetruppen in Griechenland sowohl in den Regierungskreisen wie im Volk mit größter Genugtuung aufgenommen. S „Nun, bist Du fertig?“ fragte die Generalin]. Unter den anwesenden Offizieren fiel die imkurz.„Wenn wir uns auch hier in einer ziemlich posante Gestalt des Generals auf. In seiner Gakleinen Residenz befinden, so ist es doch nicht Sitte, launiform, die Brust mit Orden bedeckt, nahm er die höchsten Herrschaften warten zu lassen.“sich außerordentlich stolz und stattlich aus, fast wie Der Krieg gegen Franhreich. Ein Arleil der Wilsonschen Polik. —— Der Krieg gegen Enzland. Die„Baralong“=Angelegenheit. Haag, 12. Dez. Reuter meldet aus London (amtlich): Das Pressebureau teilt mit: Die Umstände gelegentlich der Vernichtung eines deutschen U=Bootes durch den englischen Hilfskreuzer„Baralong“ sind zur Zeit Gegenstand von Besprechungen zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten und England. Die englische Regierung hat nicht die Absicht, öffentliche Mitteilungen über die Angelegenheit zu machen. Sie weist allein die unbegründeten Beschuldigungen der deutschen Regierung gegen die englische Marine, die in der gestrigen Rede des Kanzlers enthalten waren, zurück. Danach scheint die englische Regierung den Mord billigen zu wollen. Es wäre ja auch nicht das erste Mal, wenn die englische Regierung den Mord sogar befohlen hätte. Der Eindruck der englischen Niederlage in Indien. bb Lugano, 13. Dez. Ein soeben aus Indien eingetroffener Reisender schildert den tiefen Eindruck, den die englische Niederlage in Indien hervorruft. Vertuschungsversuche seien vergeblich. Insbesondere bei den Hindus habe das englische Prestige schwer gelitten. Jeden Augenblick fänden in Kalkutta Attentate gegen Polizeibeamte statt. Aus Amerika sind von einer indischen Geheimorganisation zwei Schiffe mit Waffen und Munition eingetroffen. Eines derselben sei in der Bai von Bengalen versenkt worden, das andere aber konnte die Ladung ausschiffen. Die arabische Welt für den heiligen Krieg. bb Konstantinopel, 13. Dez. Die bedeutsamen Erfolge der türkischen Armee im Jrak, die jetzt wieder unmittelbar von Kut=el=Amara steht, haben, wie vorauszusehen wär, eine rasche Wirkung im Gesamtgebiet des Persischen Golfes ausgeübt. Von allen Seiten gelangen hierher aus amtlichen türkischen Stellen nicht nur leere Ergebenheitsbezeigungen, sondern wichtige Anzeichen, daß selbst bisher historisch englandtreue arabische Stämme eine Wendung ihrer Politik vornehmen. Es herrscht in den Landstrichen des Persischen Golfes ein außerordentlich interessanter Gärungsprozeß, besonders in Süd=Persien bekommen die kriegerischen und wohlausgerüsteten Surenstämme mohr und mehr Uebergewicht. Auf Bender Buschir unternahmen persische Stämme am 22. November einen wohlgelungenen Ueberfall und nahmen den dortigen englischen Generalkonsul, sein Personal, sowie den Direktor der Englischen Bank und mehrere sonstige Mitglieder der englischen Kolonie gefangen. Diese sowie die Bestände der Bank wurden sofort ins Innere des Landes transportiert. Zu den Munitionslieferungen der Vereinigten Staaten an die Verbündeten schreibt der„Standard", das Blatt des früheren holländischen Staatsministers De Kuyper: „Es ist nicht zu verkennen, daß die Frage der Munition im heutigen Kriege eine Bedeutung erlangte, die sie früher in solchem Maße nicht hatte. Was in früheren Kriegen an Munition gebraucht wurde, war so verschwindend im Vergleich zu den heutigen Anforderungen, daß früher jedes Land imstande war, seinen Bedarf selbst herzustellen. Die heutigen Munitionsanforderungen haben aber die Lage, die die Ohnseitigen früher in der Munitionslieferung einnahmen, von Grund auf geändert. Wenn früher ein Nachbarland ooder ein überseeischer Staat den Munitionsvorrat eines kriegführenden Landes ergänzen half, so übte das auf das Ergebnis des Krieges oder besonders auf die Kriegsdauer wenig oder gar keinen Einfluß aus. Jetzt sind es aber die Ohnseitigen, die durch die Munitionslieferungen den Frieden verzögern können und es auch wirklich tun. Man stelle sich vor, daß die Vereinigten Staaten keine Granate, kein einziges Flugzeug, kein einziges Geschütz und kein einziges Gewehr an Frnkreich oder England geliefert hätten, so wäre zweifellos der Krieg schon im ersten Jahre beendet gewesen. Durch die Verhältnisse ist die neue Lage geschaffen worden, daß die Dauer und das Ergebnis des Krieges zum nicht geringen Teile von den Ohnseitigen beherrscht werden, und daß die eine ohnseitige Macht, die nur allein Munition liefern darf, hierin einen unglaublichen Vorzug vor den anderen Ohnseitigen besitzt. Und das ist mit den Vereinigten Staaten der Fall. Sie bereichern sich in unglaublicher Weise, während wir und andere Ohnseitlge nicht nur keinen Pfennig an Munition verdienen, sondern durch den Krieg mehr und mehr Schaden leiden. Es darf dann auch die Bestimmung im Völkerrecht nicht ausbleiben, daß in Zukunft die Munitionslieferung an Kriegführende für alle ohnseitigen Staaten streng verboten sein soll. „Amerikanisches“, Völkerrecht. London, 13.Dez. Der Washingtoner Korrespondent der„Morningpost“ meldet: Staatssekretär Lansing hat dem Grafen Bernstorff mitgeteilt, daß die Vereinigten Staaten nach dem internationalen Gebrauch nicht verpflichtet seien, für Boy=Ed und Papen freies Geleit zu erwirken, sondern nur dazu, Maßregeln für ihren persönlichen Schutz zu ergreifen, solange sie sich unter der amerikanischen Gerichtsbarkeit, nämlich innerhalb der Zone der Territorialgewässer, befänden. Militär= und Marineattachees seien keine Diplomaten und könnten nach Ansicht von Kennern des Völkerrechts auf hoher See zu Kriegsgefangenen gemacht werden. Freiheit des Papstes. Wien, 12. Dez.(Meldung des K. u. K. Korrespondenzbureaus.) Jenem Teile der päpstlichen Ansprache an die Kardinäle, welcher sich mit der Abreise der beim Hl. Stuhle beglaubigten Vertreter der Mittelmächte bei Eintritt Italiens in den Krieg befaßt, versucht die italienische Reszierung, einerseits durch den Mund des Justizministers Orlando und andererseits mit einer Mitteilung der„Agencia Stefani“ entgegenzutreten, in welcher sie behauptet, daß die Abreise dieser Vertreter freiwillig trotz der italienischerseits gegebenen Zusicherung über ihre persönliche Sicherheit und die Ausübung der ihnen zustehenden Rechte erfolgt sei. Diese Behauptung ist in allen ihren Teilen unwahr. Die K. u. K. Regierung Sss 20 „Ich bin ja auch fertig, Mama. Jenny bringt ein Titan im Vergleich zu dem regierenden Fürmir nur meinen Fächer.“sten, den er um mehr als Kopflänge überragte und „Ach so! Dieser hier, wenn ich nicht irre, ein Geschenk meines Sohnes, scheint Dir vermutlich nicht hoffähig?“ der sich freundlich mit ihm unterhielt. Die Oberhofmeisterin ging den beiden Damen entgegen und geleitete sie durch die glänzende Ver„Aber Du siehst doch, daß er dunkelrot ist und sammlung zu den höchsten Herrschaften, wo ihnen mithin zu meinem Kleide nicht paßt! Muß denn ein huldvoller Empfang zuteil wurde. Trotzdem alles, und sogar das selbstverständlichste von der stand Juliane unter dem Druck einer BefangenWelt, in einer für Horst kränkenden Weise gedeutet werden?" „Nimm es mir nur nicht übel! Alte Leute verfügen nicht mehr über einen so raschen Blick. Ich bemerkte nicht gleich, i welch auserlesener Farbennuance Du heute zu strahlen beliebst.“ Mit einem ungebuldigen Seufzer befestigte Juliane den von der Zofe überbrachten Fächer.„So! Wenn es Dir jetzt gefällig wäre, Mama?“ „Gewiß! Um so mehr, als ich schon geraume Zeit auf Dich warte.“ Die Generalin schritt voran und nahm neben ihrer Schwiegertochter in dem Wagen Platz. Der jungen Gräfin Herz schlug so heftig, daß sie sein Pochen zu hören meinte. Es war nicht Angst, was sie empfand, aber eine unbeschreibliche Aufregung, welche alle Nerven bis zum Zerspringen anspannte. Es kam ihr vor, als stehe sie im Begriff, durch ein Nebenpförtchen in jene Zauberwelt des äußeren Erfolges zu huschen, welche sie sich durch ihre Vermählung mit Raden selbst verschlossen hatte. Eine Reihe von Equipagen rollte in den Schloßhof. Alle Würdenträger der Stadt, teils dem Zivil, teils dem Militär angehörend, wohnten dem Feste bei. Hofbeamte und Diener eilten in langen, vielfach verschlungenen Gängen hin und her. Der große Saal, das Musikzimmer und die Nebenräume waren den Gästen geöffnet heit, deren sie sich selbst kaum für fähig gehalten hätte. Sie wußte, daß man ihr in G... keineswegs nur wohlwollende Gesinnungen entgegenbrachte und deshalb hatte es doch etwas beklemmendes, der Mittelpunkt aller Blicke zu sein. Sie würde viel darum gegeben haben, wenn Horst an ihrer Seite gewesen wäre, konnte ihn aber zwischen diesem Gewoge der Uniformen, Fracks und Courschleppen nirgends entdecken. Und die augenblickliche Schüchternheit, das gesenkte Köpfchen ließen sie noch kindlicher erscheinen. „Wie freue ich mich, Sie nach langer Abwesenheit wieder zu begrüßen, Frau Gräfin, und wie dankbar bin ich Ihnen, daß Sie mir Gelegenheit bieten, Ihr seltenes Talent endlich selbst bewundern zu können.“ Die junge Frau sah auf und in die dunkelblauen Augen des Erbprinzen. Da wich die feine Blässe ihres Gesichtes einem tiefen Rot, aber auch die Angst machte dem Gefühle der Sicherheit Platz. Es kam Juliane plötzlich vor, als breite jemand schützend seine Hände über ihrem Haupte aus, als würde sie von starkem Arm mit einem Schilde gedeckt, an welchem die Pfeile der Bosheit und der Schmähsucht kraftlos abprallen mußten. Das heitere, reizende Lächeln kehrte wieder, als sie mit einem anmutigen Gemisch von Bescheidenheit und Selbstbewußtsein erwiderte:„Hoffentlich bereite ich Euer Durchlaucht keine allzu arge Enttäuschung.“ Der Bann des Schweigens war von ihr genommen. Neckende Scherzworte flogen hin und her und aus dem schüchternen Kinde wurde wieder die pikante, redegewandte Weltdame. Als bald darauf der Hofkapellmeister an sie herantrat, ihr den Arm bot und sie mit graziöser Geschmeidigkeit zwischen die zum Teile dichtgedrängten Massen der Anwesenden nach dem Musiksalon ging, folgte ihr Sophie Amaltens stechender Blick. Hektische Röte brannte in scharf abgegrenzten, kreisrunden Flecken auf der Erbprinzessin schmalen Wangen. „Was denken Sie von der kleinen Raden, Exzellenz?“ wandte sie sich mit vielsagendem, unendlich bitteren Lächeln an ihre Hofdame, Frau von Löwen. „Ich würde nicht wagen, eine Meinung zu äußern, die vielleicht Euer Durchlaucht Ansicht widerspräche," erwiderte der weibliche Höfling, welcher längst in Sophie Amaliens Herz gelesen hatte, „Tun Sie es nur!“ erwiderte die Erbprinzessin.„Es liegt mir gerade daran, ein unbeeinflußtes Urteil zu hören.“ „Nun denn, Durchlaucht, ich halte die junge Gräfin für eine raffinierte und gefährliche Kokette.“ Die Erbprinzessin fuhr zusammen, als habe man eine empfindliche Wunde berührt. Aus ihren übergroßen, fieberhaft glänzenden Augen zuckte es wie ein jäher Blitz. „Sie meinen—“ „Fern ist es von mir, dem Urteil Euer Durchlaucht vorgreifen zu wollen. Man kann sich irren.“ „Ich fürchte, Sie haben mit sehr scharfem und richtigem Blick gesehen, Exzellenz.“ Sophie Amalie griff nach einem Glas Limonade und trank in kleinen, durch lange Pausen getrennten Zügen, als verursache ihr das Schlucken Schwierigkeiten, dann schritt sie an der Seite eines fürstlichen Gastes in den Musitsolon. 233.16 Mit eisernemBesen. Trolf euch. ihr Beiden dal Fier wird gründich gesäubertl“ K hat den Beweis dafür in den Händen, daß der unerläßliche freie unmittelbare Poten=, Post= und Chiffre=Verkehr mit den Botschaften beim Hl. Stuhle während der Kriegsdauer unterbrochen worden ist. Wie es aber mit der der Würde ihres Amtes entsprechenden Stellung und Bewegungsfreiheit der betreffenden diplomatischen Vertreter ausgesehen hat, dafür liefern die lärmenden Kundgebungen, welche sich schon in den Tagen vor der italienischen Kriegserklärung vor den Amtsgebäuden der Vertretungen abspielten und vollends die schweren Ausschreitungen, welche die Oesterreicher, Ungarn und Deutschen in Rom und andern italienischen Städten in der Folge ausgesetzt waren, eine grelle Beleuchtung. Die Abreise der diplomatischen Vertreter der Mittelmächte beim Hl. Stuhle war somit nicht freiwillig, sondern durch die Verhältnisse in Italien erzwungen.(WTB.) —.— Aus Stadt und Umgedung. Rückblicke auf den Weltkrieg. 13. Dezember. Sundgau=Kämpfe.— Die Kathedrale zu Reims. Zwar ist die Sundgau=Ecke strategisch nicht von sonderlicher Bedeutung, dennoch aber versuchten die Franzosen hier immer wieder ihr Heil. Um diese Zeit machten sie auf die viel genannte Höhe 425 und das Dorf Steinbach wieder einen Angriff. Am genannten Tage, einem Sonntag, kurz nach dem Gottesdienst, fluteten die Franzosen von den Höhen in Massen gegen das Dorf heran, dessen schwache deutsche Besatzung zwar tapferen Widerstand leistete, aber schließlich der Uebermacht erlag. Der Pfarrer, Bürgermeister, Lehrer und andere Personen wurden von den Franzosen verhaftet, die diesen Gewaltakt damit rechtfertigten, daß sie geglaubt hatten, in ein französisch gesinntes Elsaß zu kommen, sie hätten aber gesehen, daß es gut deutsch geworden sei, nun müßten sie sich sichern.— Die Reimser Kathedrale wurde, wie man in diesen Tagen einwandsfrei feststellte, von den Franzosen immer noch als Stützpunkt für ihre verdeckten Batterien benutzt; andererseits aber verlangten sie und ihre Verbündeten, daß die Deutschen die altehrwürdige Kirche schonen und somit die französischen Geschütze gewähren lassen sollten. Seltsame Anschauungen. Die Reimser, soweit sie noch in der Stadt waren— 40 000 von der ehemaligen Bevölkerung von 120000 lebten in Kellern— hatten sich nun an den Krieg derartig gewöhnt, daß sie nur noch nach den Tagen der Beschießung rechneten; der genannte Tag war der 40. der Beschießung, wie die in der Stadt immer noch erscheinenden zwei Zeitungen meldeten.— Auch an diesem Tasge erschienen wieder feindliche Flieger über Freiburg und warfen Bomben ab, die etlichen Schaden anrichteten und mehrere Personen verletzten. — Im südlichen Serbien sahen sich die Oesterreicher nach ihren Erfolgen und allerdings auch starken Verlusten bei Valjewo stark überlegenen Gegnern gegenüber; die Folge war, daß auch hier der Rückmarsch angetreten werden mußte. **(Die ersten Weihnachtsbäume.) Im Sauer“ lande ist man augenblicklich auf vielen Stationen mit dem Verladen der Weihnachtsbäume beschäftigt. Dem Wunsche der Oeffentlichkeit trägt man insofern Rechnung, als zum größten Teil nur kleinere Bäumchen zum Versand kommen. Die Preise sind meist so niedrig gehalten, daß es auch ärmeren Familien möglich gemacht ist, einen Weihnachtsbaum zu kaufen.“ **(Der silberne Sonntag) brachte trotz des unfreundlichen Wetters den Hauptgeschäftsstraßen einen lebhaften Verkehr, in dem auch Besucher von auswärts nicht fehlten. Wie sich das Weihnachtsgeschäft gestaltet, ob die Kauflust rege ist, läßt sich schwer übersehen. Für die Verschickung ins Feld sind die Einkäufe zum Feste besorgt und ganz allgemein wird man sich bescheidener als sonst einrichten. Unter Berücksichtigung des letzteren Umstandes werden die Erwartungen der Geschäftswelt nicht allzu hoch gespannt sein, weshalb ja wohl das bisherige Weihnachtsgeschäft als zufriedenstellend bezeichnet werden kann. Schließlich trennen uns noch fast volle zwei Wochen vom Feste, in denen Einkäufe für das Weihnachtsfest gemacht werden können und die manchen Ausfall wieder wettmachen können, den der bisherige Verlauf des Weihnachtsgeschäftes(gebracht hat. **(Pakete an deutsche Gefangene im Auslande!) Sorgfältige Verpackung der für die deutschen Gefangenen im Auslande bestimmten Pakete wird wiederholt dringend empfohlen, damit sie unversehrt bei den Empfängern eintreffen. Indes genügt es, wenn die Pakete in kräftigem, mehrfach umgeschlagenen Packrapier eingehüllt werden. Einnähen in Leinwand ist nicht erforderlich.(WTB.) **(Metallsammlung für das Note Kreuz.) Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß morgen (Dienstag) die gesammelten Metalle, wie Blei, Zinn und zinnhaltigen Metalle, namentlich Flaschenkapseln, Tuben, Staniol 2c., ferner alte Konservenbüchsen und dergleichen abgeholt werden. Die Bürgerschaft wird gebeten, die gesammelten Gegenstände bereit zu halten. **(Bei der diesjährigen Weihnachtsfeier) weisen wir auf eine Bitte des Regierungsgräsidenten in Arnsberg hin, der das Königl. Konsistorium in Münster beitritt: Angesichts der zurzeit herrschenden Knappheit an Oelen und Fetten und der dadurch sgebotenen Ersparnis in dem Verbrauch der Kerzen richte ich die Bitte, bei der bevorstehenden Weihnachtsfeier möglichste Sparsamkeit bei der Verwendung von Wethnachtskerzen walten zu lassen und zu dem Zwecke Weihnachtsbäume bis höchstens 1½—8 Meter Größe zu verwenden und das Anzünden der Lichter auf kurze Zeit an zwei Abenden unter Verwendung derselben Kerzen für beide Abende zu beschränken“. Von dem vaterländischen Sinne der Bevölkerung ist zu erhoffen, daß dieser Bitte überall Erfüllung begegnet. **(Bei dem Wettbewerb) zur Erlangung von Entwürfen für einen Ehrenfriedhof in Verbindung mit einer Kriegergedächtnishalle in Homberg erhielt der Architekt SchmitzKöln, der Erbauer unseres neuen Nathauses, den dritten Preis von 1000 Mark. **(M.=G.=V.„Cäcilia.“) In der gestrigen Hauptversammlung wurde der bisherige Vorstand einstimmig wiedergewählt, desgleichen das Vereinslokal(Kordeck.) Ferner wurde u. a. beschlossen, die im Felde stehenden Vereinsmitglieder durch Zusendung eines Liebespaketes zu erfreuen. **(Der heftige Sturm), der am Samstag wütete, hat mehrfachen Schaden angerichtet. So wurde die an der Ostseite des evangel. Krankenhauses angebaute Glas=Veranda schwer beschädigt, an der Hörder= Hagener= und Schützenstraße wurden verschiedentlich Bäume geknickt und die Telegraphenleitungen gestört; in Wandhofen wurde von einer großen Scheune das halbe Dach welzgeführt und die Zahl der Dachziegel, die in der Stadt der Windsbraut zum Opfer gefallen sind, geht in die Tausende. Bei Ergste wurde ein Arbeiter von einem stürzenden Baum getroffen und so schwer verletzt, daß er nach hier ins Krankenhaus gebracht werden mußte. **(Die Frechheit der Spitzbuben) wird immer größer.“ In den gestrigen Abendstunden hatte sich ein in den mittleren Jahren stehender Mann in die Wohnung des Bahnarbeiters Gosebruch in dem alten kath. Pastorat eingeschlichen und einen im Schlafzimmer des zweiten Stockes befindlichen Kleiderschrank in aller Gemütsruhe ausgeräumt. Als der Dieb sich mit seiner Beute entfernen wollte, kam er auf der Treppe zu Fall und durch das entstehende Geräusch wurden die Hausbewohner auf den Eindringling aufmerksam. Es entwickelte sich nun eine wilde Jagd nach dem Spitzbuben durch verschiedene Straßen der Stadt, bis er schließlich unweit des Marktes gestellt und der Polizei übergeben werden konnte. Wie die weiteren Ermittelungen ergeben haben, handelt es sich um einen erst eben aus dem Zuchthaus entlassenen Burschen, der sich auch noch in andere Häuser eingeschlichen haben dürfte. Es ist erwünscht, etwa noch nicht zur Kenntnis der Polizei gebrachte Diebstähle, die gestern in den Abendstunden vorgekommen sind, sofort zu melden. ** Westhofen, 13. Dez.(Kirchl. Wahlen.) Bei den gestern im Anschluß an den Gottesdienst getätigten Umwahlen zum Presbyterium wurden die ausscheidenden Mitglieder, die Herren Kirchmeister Weistenhöfer und Lehrer GroßeWeischede von hier, Landwirt Kockelke und Landwirt Eicelberg von Garenfeld, wiedergewählt; in die Repräsentation wurden für zwei ausgeschiedene Mitglieder die Herren Bahnwärter Fr. Breer und Wiegemeister Weber von hier gewählt. ** Syburg, 12. Dez.(Gemeinderatswahl.) Bei der gestern von der ersten Abteilung getätigten Wahl eines Gemeindeverordneten wurde anstelle des Majors a. D. v. Basse, der sein Amt niedergelegt hatte, der Hotelier Jos. Ulmer zum Gemeindeverordneten gewählt. ** Hennen, 13. Dez.(Ein frecher Einbruchsdiebstah!) ist in der Nacht zum Sonntag im hiesigen Behnhof verübt worden. Nach der Zertrümmerung eines Fensters haben sich die Spitzhuben Eingang in das Stationsgebäude verschafft, haben dann in den Büro=Räumen ein Pult und einen Koffer erbrochen und Geld und Kleider, u. a. eine feldgraue Hose, gestohlen. Vorher hatten die Diebe, denen man auf der Spur ist, auch dem Bahnhof Kalthof einen Besuch abgestattet. Eine Tür an dem Stationsgebäude war mit Gewalt erbrochen; doch ist hier nichts gestohlen, die Einbrecher sind anscheinend gestört worden. * Annen, 12. Dez.(Seine Frau erstochen.) Hier erstach der Bergmann Mertens nach kurzem Wortwechsel seine Frau, Mutter von 9 Kindern, und stellte sich dann selhst der Polizei. * Wattenscheid, 12. Dez.(6 Bergleute tödlich verunglückt.) Am Ende der heutigen Morgenschicht verunglückte auf der Zeche Hannover I u. II in Hordel in den Nachschwaden von Sprengstoffen ein Mann. Bei den sofort aufgenommenen Rettungsarbeiten wurden 4 weitere und der Reviersteiger ebenfalls von den Nachschwaden betäubt. Die Wiederbelebungsversuche waren leider erfolglos. Das Unglück hat sich in einem Aufbruch in der 5. westlichen Abteilung der 615 Meter=Sohle ereihnet. —— Eine furchtbare Explosions=Katastrophe Le Havre, 12. Dez.(Meldung der„Agence Havas"). Eine heftige Explosion erfolgte heute früh in den Pyrotechnischen Werkststätten der belgichen Regierung. Der Schaden soll erheblich sein und die Zahl der Opfer sehr groß. Die Werkstätten befinden sich in einer Entfernung von 3 Kilometern von der Stadt auf dem Gebiet der Gemeinde Graville=Saint=Honorine. Die Explosion erfolgte um 10 Uhr in dem für die Ladung von Granaten bestimmten Pulverlager. Die Arbeiter waren zu dieser Zeit bei der Arbeit. Die schon geladenen Geschosse explodierten gleichfalls mit einer solchen Gewalt, daß die Türen und Fenster der benachbarten Häuser zertrümmert wurden. Gegen Mittag war es noch unmöglich, sich der Unglücksstätte zu nähern. Der Schaden ist zurzeit noch nicht zu übersehen. Die meisten Arbeiter waren Belgier. Nach Blättermeldungen soll die Zahl der bei dem Explosionsunglück verletzten Personen ungefähr 1000 betragen; die Zahl der Toten soll verhältnismäßig gering sein. Die Wohnungen in der Nachbarschaft sind in Mitleidenschaft gezogen. Die Arbeiterwohnungen sind zerstört. Mauern von 24 Zentimeter Dicke flogen in die Luft. Die Truppen der Garnison begannen, soweit möglich, die Aufräumungsarbeiten. Le Havre, 12. Dez.(„Agence Havas"). Bis Mitternacht zählte man bei dem Eplosionsunglück 110 Tote, darunter 107 Belgier; die Zahl der Verwundeten steht noch nicht fest. — Gegen eine weitere Zuckerverteuerung. Der Verein der Deutschen Zucker=Industriellen hat beim Reichsamt des Innern beantragt, den Rohzuckerpreis für 1916/17 schon jetzt auf 15 Mk. ohne Sack für 50 Kilogramm festzusetzen. Die Erfüllung der Forderung würde den Rohzucker— trotz der reichlichen Bestände— gegen dem jetzt geltenden Preise von 12 Mk. für den Zentner um weitere 25 Prozent, gegenüber dem letzten Friedenspreise sogar um 50 Prozent verteuern! Im Interesse der deutschen Verbraucher muß gegen diese Verteuerungsbestrebungen ganz energisch protestiert werden. Die beantragte enorme Preissteigerung des Zuckers, der in unserer Volksernährung gegenwärtig eine so bedeutende Rolle spielt, besonders auch deswegen, weil er das wichtigste Ersatzmittel für Fett ist, müßte die schlimmsten Folgen nach sich ziehen. Dazu liegt aber nicht der geringste Zwang vor, denn die verhältnismäßig nur gering gestiegenen Herstellungskosten sind durch die sehr fühlbare Erhöhung der Zuckerpreise mehr wie reichlich ausgeglichen worden. Die Zuckerfabrikation hat schon, bevor die jetzt geltenden Höchstpreise zur vollen Wirkung kamen, überaus glänzende Gewinne erzielt. Die Dividenden der Zuckerfabriken sind durchweg ganz erheblich, teilweise um das Doppelte und Dreifache gestiegen. Manche Fabriken, die bisher keine Dividenden verteilten, haben diesmal 6 und 8 Prozent Gewinn abgeworfen. Eine vernünftisze, den Interessen der großen Massen des Volkes gerecht werdende Preispolitik müßte vielmehr auf eine Herabsetzung der viel zu hohen Preise hinarbeiten. Es darf wohl erwartet werden, daß die Regierung die maßlosen Forderungen der Zuckerinteressenten gebührend zurückweist. — Das Jahrhundert des Kindes. Wir gehen dem Weihnachtsfest, dem Feste der Kinder, entgegen.— Man hat in unserer Zeit viel, sehr viel nach dem Titel eines berühmten Buches der Schwedin Ellen Key vom„Jahrhundert des Kindes“ gesprochen. Allein es ist dies eines der vielen Schlagwörter, die man immer und immer wieder gebrauchte, ohne daß man irgend wie darnach handelte. Unser Jahrhundert ist bisher alles anders, aber nur nicht ein Jahrhundert des Kindes gewesen. Im Gegenteil, die Zahl der Kinder, die geboren wurden, hat auch bei uns in Deutschland von Jahr zu Jahr abgenommen. Auch bei uns drohte die Zeit zu kommen, wo die Zahl der Särge größer war, als die Zahl der Wiegen, wie es in Frankreich schon vor dem Kriege gewesen ist. Es ist bekannt, daß Frankreich schon im Jahre um 32000 Einwohner, d. h. also um eine Mittelstadt etwa von der Größe wie Weimar, abnahm. Der Krieg bedeutet für diese Nation den völligen Untergang. Auch für uns bleibt die Sorge bestehen. Ernste Kreise haben schon vor dem Kriege laut ihre Stimme erhoben und auf den Geburtenrückgang hingewiesen. Jetzt ist durch den Krieg die Gefahr noch vergrößert. Das wird auch überall anerkannt. Es haben schon verschiedene große Versammlungen und Tagungen stattgefunden, die sich mit der Bevölkerungspolitik befassen. Wir brauchen ein neues, kräftiges Geschlecht, das uns vor unseren Feinden in aller Welt, vor der immer größer werdenden Slavenflut im Osten schützt. Dagegen muß die Furcht vor dem Kinde verschwinden und echter Familiensinn und Freude über Kinderreichtum in unserem Volke vorhanden sein. Durch Tagungen wird noch nichts besser. Mit Schlagwörtern vom„Jahrhundert des Kinde“ ist nichts geholfen. Die ganze sittliche Auffassung über diese Freize muß umgestaltet werden. Der Geist unserer Väter muß wieder in unserem Volke leben“ dig werden. Mit dem vorhandenen Wohlstand nahm der Geburtenrückgang zu. Egoismus, Genußsucht, Mangel an Verantwortlichkeitsgefühl, das sind die Gründe dieser traurigen Erscheinung gewesen. Soll es besser werden, dann muß wieder Verantwortlichkeitsgefühl, Selbstlosigkeit, Natürlichkeit, echte Vater= und Mutterliebe unter uns lebendig sein. Vor dem Kriege hat man noch oft im leichten Feuilletonstil über das Geburtenrückgangsproblem in der Presse gespöttelt. Wir müssen mit Ernst und Würde diese Frage behandeln. Will's Gott, so wird die kommende Friedenszeit wirklich ein„Jahrhundert des Kindes“. —— Büchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Fritz Müller: Frühliches aus dem Krieg. Mit zahlreichem Bildschmuck von Ludwig Berwald. Auf Federleicht=Papier gedruckt.(„Der Eichenkranz“, Band 1). In vornehmem Geschenkband Mk. 1.50. Verlag der Deutschen Dichter=Gedächtnis=Stiftung in Hambung=Großborstel. Kriegskochbuch für fleischfreie Tage. 200 Mittagund Abendessen mit 92 Kochvorschriften von Marie Priester. Druck und Verlag von Englert u. Schlosser, Frankfurt a. M. Preis 25 Pfg. Deutsches Kriegs=A=B=C. Preis in lustigem Leinenband 2 Mk. München, Holbein=Verlag. Das soeben erschienene Büchlein schließt sich nach Art und Inhalt eng an den in demselben Verlag erschienenen und rasch sehr beliebt gewordenen Kriegsstruwelpeter an. Zumal die Zeichnungen sind außerordentlich witzig. Mit Schippe und Hacke im Dienste des Vaterlandes. Von Walter Möller. Mit 8 Kunstdrucktafeln. Preis 1 Mark. Verlag Wilhelm Möller, Oranienburg.— Der bekannte Autor bietet seinen Kameraden eine Liebesgabe, die auch den Daheimgebliebenen köstliche Stunden bereiten wird. Ausstattung und Bildschmuck machen auch dem Verlag alle Ehre, der hier ein billiges, volkstümliches und kerndeutsches Buch darbietet, das hoch über vielen lichten Tageserscheinungen stebt. Verantwortlich für die Redaktion Friedrich Kraao, Druck u. Verlag von Carl Beaus, beide in Herren- u. Knaben-Kleidung kaufen Sie sehr vorteilhaft in dem Spezialhaus 1 W11, ½ für Herren- und Knaben-Kleidung der Firma A. LIER&am OOMD Ostenhellweg 23(gegenüber I. Fischer) in Dortmund. Nachruf. Von unseren im Felde stehenden Mitgliedern starb am 2 November den Helden##tod für König und Vaterland der äger Karl Luhnke Res.-jäger-Bat. Nr. 20, 2. Komp. Wir verlieren in ihm einen braven Turngenossen, welcher mit grosser Begeisterung und treuer Pflichterfüllung für den Verein Kesebte.# Wir werden ihm auch über das Grab hinaus ein dauerndes Andenken bewahren. Villigst, den 13. Dezember 1915. Der Turnverein„Westfalia“ 5657 Villigst. K77 Am 10. ds. Mts. entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden, im zarten Alter von 10 Monaten, unser innigstgeliebtes einziges Söhnchen Dieses zeigt tiefbetrübt an Familie VermannSchmalhaus Schwerte, den 13. Dezember 1915. Ein= heivorragendes Fachblatt seiner Art= ist die wochenschr 1.„St. Hubertus“, Gänhaft. Bringt gediegene Aussätze über Jagd, Schießwesen. Hundezuchl, Forstwirtschaft, Fischerei und Naturkunde. Grohartiger Bilderschmuck. on—...— Drwole, Kastelagn. der Oidersenst — Wirkungsvolles Anzeigenblatt. Bezugspreis 2.50 Mark für das Vierteljahr. Jede Postanstalt und Buchhandlung nimmt Bestellungen entgegen. = Probenummern= vollständig kostenlos bitten zu verlangen von dem Verlag des St. Hubertus (Paul Scheitlers Erben, Ges m. b. B.) Löthen(Anhalt. Siedewurstchen a 1.50 Buchsentleisch a 1.30 Eisbeine # Ne. A K 883 — Ere P i* Die Beerdigung findet am Dienstag morgen um ½11 Uhr vom Trauerhause, Sedanstr. 3, aus statt. 5654 Friedchen Störring Reinhard Schefe Verlobte. Schwerte u. Schwarzenbek i. Lbg., im Dezember 1915. 5659 Tüchtige 3650 bei hohem Lohn gesucht. Baustelle: Unterführung Grüntal bei Schwerte. Bekanntmachung. Bei Eintritt der källeren Witterung wird darauf hingewiesen, daß sowohl Gas= als auch Wassermesser gegen Frosteinwirkung zu schützen sind. Es ist deshalb darauf zu achten, daß durch entsprechendes Schließen der Fenster und Türen die betreffenden Räume frostfrei bleiben. Am besten umgebe man den Messer mit einem Holzkasten und fülle die Zwischenräume mit Sägemehl aus, so daß der Messer von allen Seiten mit einer 10 cm starken Schicht umgeben ist; jedoch muß das Ablesen jederzeit möglich sein. Die durch Frostschäden entstehenden, häufig nicht unbeträchtlichen Ausbesserungskosten fallen ausschließlich dem Benutzer des Gas= und Wassermessers zur Last. Schwerte, den 10. Dezember 1915. s Verwallung des Gas= und Wasserwerks. gegen sofortige Vergütung gesucht. Frau Olga Meyer Korsett= und Putzgeschäft Hüsingstraße 17—19 L. Weinberg. Ne½—„ zeitgemässe Neuheiten mit Namen bedruckt empfiehlt die Buchdruckerei CARL BRAUS Schwerte(Ruhr), Gr. Marktstr. 3—5. Bestellungen erbitte baldigst. HAEI.! machen sollen Sie nicht mit Ihrer Reklame, denn innerhalb unserer Grenzpfähle können Sie auch während der Kriegswirren durch geschickte Inserate Ihren Umsatz steigern. Haasenstein& Vogler A.-G. Aelt, deutsche Annoncen-Expedition Dortmund, Markt 2. 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Trotz der hohen Raumwollpreise und des grossen Warenmangels biete meiner s: Kundschaft auch in diesem Jahre den bekannten grossen Weihnachtsrabatt. Wilhelm 7 2 tun? *„Guten Tag, verehrter Meister!“ begrüßte er Kellermann mit einer Verbeugungt „Habe recht lange nicht das Vergnügen gehabt, erwiderte der Künstler, ihm herzlich die Hand schüttelnd. „Bitte, Herr Deubler," wandte sich Hunter nun an diesen,„einen Augenblick! Herr Kellermann, Sie haben recht, Ihr Lojotenhafen entspricht genau der Wirklichteit.„„ G.4ugng m 5 doch —„Wieso?“ rief Teubler.„Ich erinnere mich doch ganz genau—“.... „Bitte!“ sagte Hunter ruhig, indem er eine Mappe öffnete, die er unter dem Arm trug.„Ich komme soeben von den Losoten, wo ich die nötigen photographischen Aufnahmen machte. Hier, sehen Sie, von diesem Punkte aus ist das Bild entworfen!“ Beide Künstler konnten sich vor Staunen nicht fassen. :„Ein Whim, wie er im Buche steht!“ sagte endlich Deubler lachend.„Aber Sie haben recht, ich irrte mich.“ „Herzlichen Dank,“ lachte nun auch Kellermann, „für diesen Freundschaftsbeweis!“ *„Hat nichts zu sagen!“ erwiderte Hunter in seinem gewöhnlichen Gleichmut.„Die Sache mußte doch ihre Ordnung haben!". Denkspruchz. Das Glück, das g’att und schlüpfrig vollt. Causcht in Jekunden sein Plade, Ist heute mir, dir morgen hold Und treibt die Nanen rund im Rade. ... E. M. Arndt. dem Wiesbadener Militärdiplom erfahren wir das genaue Datum dieser Kämpfe, hören von der besonderen Auszeichnung eines tapferen gallischen Reiters Tertius und vernehmen, daß die Originalurkunde dieses Diploms, also das eigentliche Edikt des Kaisers, in Rom angeheftet wurde „auf dem Kapitol, hinter dem Hause des Romulus“, einer pietätvoll erhaltenen Hütte im Bezirk des Jupitertempels. Die Uebersetzung des Diploms lautet:„Der Imperator, Cäsar Vespasianus Augustus, Pontisex maximus mit tribunizischer Vollmacht zum neunten Mal, Imperator zum neunzehnten Mal, Vater des Vaterlandes, Zensor, Konsul zum achten, designierter Konsul zum neunten Mal, verleiht hiermit: Den Reitern und den Fußsoldaten, die in den sechs Schwadronen der Norici, Sigulares, Moesica, Afrorum veterana, Siliana, Sulpicia sowie in der Cohorte I Flavia Hispanorum in Germanien unter Quintus Julius Cordinus Rutilius Gallicus Kriegsdienste tun und fünfundzwanzig oder mehr Dienstjahre hinter sich haben, deren Namen auch unten vermerkt sind, das Bürgerrecht für sie selbst, ihre Kinder und Nachkommen sowie das Eherecht für die Frauen, die sie zur Zeit der Verleihung des Bürgerrechts hatten oder, falls es Unverheiratete sind, für die Frauen, die sie später heiraten, wohlverstanden, in jedem Einzelfalle. Gegeben am 15. April unter den Konsuln Novius Priscus und L. Gionius Commodus. An die Moesische Schwadron, zu Händen des Präfekten Titus Staberius Secundus, Sohn des Titus von der Tribus Quirina für den Soldaten Tertius, Sohn des Marcus aus Trier. Abgeschrieben und geprüft nach der Erztafel, die zu Rom angebracht ist im Kapitol hinter der Hütte des Romulus.“ Der Soldat Tertius, dem mit anderen Tapferen hier die große Vergünstigung des römischen Bürgerrechtes für sich und seine Nachkommen und die Möglichkeit einer sonst den Soldaten nicht gestatteten rechtsgültigen römischen Ehe géwährt wird, hat sich augenscheinlich als Veteran in Wiesbaden angekauft, und aus seinem Anwesen unweit des Kastells stammt das Diplom. Ein römisches Militärdiplom aus Wiesbaden. Eine Urkunde von vaterländischer Bedeutung, die zugleich eine wichtige Geschichtsquelle für die Kämpfe der Römer mit den alten Germanen darstellt, ist das römische Militärdiplom des Kaisers Bespasian, das als erster Ankauf der neugegründeten„Vereinigung der Freunde antiker Kunst“ für das Berliner Antiquarium erworben wurde. Im neuesten Heft der Amtlichen Berichte aus den königlichen Kunstsammlungen würdigt Prof. Wiegand dies interessante Dokument. Die Urkunde, die in Wiesbaden nahe dem einstigen Römerkastell zum Vorschein kam, besteht aus zwei auf beiden Seiten beschriebenen Bronzeplatten von 19,3 cm Höhe, 15 cm Breite und 2 mm Dicke, die durch einen Drahtverschluß aus Bronze zusammengehalten werden. Die jetzt verlorenen wächsernen Siegel von sieben Zeugen waren durch ein halbzylindrisches Bronzeblech geschützt. Die große Bedeutung dieses Tiploms für unsere rheinisch=römische Geschichte besteht darin, daß hier Ereignisse, die uns bisher nur aus der Germania des Tacitus überliefert waren, durch eine mit den Vorfällen gleichzeitige Orginalurkunde bestätigt werden. Nach dem siegreichen Vordringen der Germanen und der Zerrüttung der römischen Militärverwaltung um die Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts sandte Bespasian im Sommer 77 u. Chr. die niederrheinische Armee, durch spanische Truppen verstärkt, zu einem energischen Vorstoß über den Rhein.“ Es gelang den Römern, bis an die Ems vorzudringen und dabei auch die berühmte Seherin Beleda gefangen zu nehmen, die dann im Triumph= zug des Imperators durch Roms Straßen geführt wurde. Humor. Gute Vorübung. Geschäftsführer im Spezialitätentheater zu einem armen Schlucker, der sich um einen Posten bewirbt:„Wir hätten schon etwas für Sie zu tun, aber ich weiß nicht, ob es Ihnen passen wird. Sie könnten den Verfolgten in der Pantomime vorstellen, der eine dreißig Fuß hohe Treppe hinuntergeworsen wird und unten in ein Faß voll altes Eisen fällt. Aber wie gesagt—“ Bewerber:„O bitte, das tut gar nichts. Ich habe nämlich drei Jahre läng Schülden einkassiert, da bin ich ans Hinunterwerfen gewöhnt.“ * Der Ungarteiische.„Kurt und ich haben gewettet, und du sollst entscheiden. Die Sache ist nämlich die: er behauptet, ein Ertrinkender habe die Lunge voll Wasser, und ich behaupte das Gegenteil. Wer hat nun recht?“ „Wie sind die Bedingungen?“ „Der Verlierer muß ein seines Essen im Restaurant für uns drei bezahlen.“ „So! Na, ich habe noch nie erlebt, daß Kurt eine Wette bezahlt hätte. Also hast du verloren!“ * Mißverständnis. Ilse:„Denke dir nur, Robert hat mich gestern. vor allen meinen Freundinnen geküßt!“ Emmy:„Ja, hast du vielleicht erwartet, er würde erst alle deine Freundinnen küssen und dich zuletzt?“ 65 U Amtlicbes Kreisblatt für den kreis börce K 45. Jabrgang O Grlles und ökeltes Cagesorgan des Kreier O haupt-Annoncenbiatt unterhattungs Beitage zu Nr. 291. Montag, 13. Dezemder 1915. — Er sprach nicht weiter, denn gedämpft, aber dennoch deutlich klang ein Laut durch die Stille. „Da weint ein Kind,“ rief Doktor Helm,„hören Sie es nicht auch? Das ist der Kleine, welcher im Jagdhause wohnt! Rasch, rasch meine Herren!" Sie standen ohnehin schon auf der letzten Stufe. Die Treppe mündete vor ihnen auf einen winzigen Platz. Knapp nur konnte hier ein Mensch stehen. Aber da— blitzte da nicht im scharfen, elektrischen Licht ein Metallknopf an der Wand? Doktor Helm war jetzt vorgeeilt; ganz und gar vergaß er alle seine früheren Befürchtungen und Sorgen. Der Moment riß ihn vollständig hin. Mit sicheren Fingern faßte er nach dem Knopfe. Er drückte, zog— drückte von neuem— da, ein leichtes Knacken— ein Nachgeben der hölzernen Abschlußwand, vor der sie standen. Ganz sachte glitt ein schmaler Teil dieser Wand beiseite—— Doktor Helm sprang durch die Oeffnung. Tageslicht flutete herein. In demselben Augenblick schrie im Nebenraum jemand jählings auf, und dann vernahm man neuerlich das bittere Weinen eines Kindes. „Josef! Hanna!“ Das war Elisabeths Stimme; Hadmar von Werbach erkannte sie sofort. „Wo sind wir denn?" fragte Doktor Helm;„ich denke diesen Alkoven— dort das Zimmer— das alles kenne ich—“ „Es ist der Alkoven neben meines toten Onkels Arbeitszimmer,“ sagte Hadmar mit schwerer Zunge. „Der Alkoven—“ Fritz Axmann hatte die Worte nachgesprochen wie in einem Traum. Wieder sah er sich selbst in diesem selben Zimmer, in dem die Leiche seines Herrn lag. Da— die Ringe des Türvorhanges waren herabgerissen gewesen— ja— und der kleine Gewehrschrank hier, knapp neben dem Schreibtische, den hatte jemand zur Seite gerückt gehabt, nicht viel, nur daß ein schmaler Streifen einer seinen Staubschicht sichtbar wurde.— Und dann draußen auf dem Verandengange, hier auf dem Teppich und auf dem blanken Parkett, da waren kleine, zierliche Fußspuren gewesen. Ebenso kleine, zierliche Fußspuren wie die, welche er heute im Staube des Kellers gesehen und rasch mit seinen schleifenden Schritten verwischt hatte. In seiner Brusttasche aber steckte der Handschuh der Frau, welche er, Fritz Axmann, liebte, mit einer so tiesen, großen Leidenschaft, wie sie nur einfache Herzen empfinden können. Ein Stöhnen rang sich aus der Brust des Mannes, der jetzt eben neben Helm über die Schwelle des Arbeitszimmers trat. Wieder warf der Beamte einen scharfen Blick auf ihn. Herrgott! Wie sah Axmann aus! Wie grenzenlos verstört, wie entsetzt! „Josef, Josef!“ rief drinnen Elisabeth von neuem; rasch, kommen Sie! Es ist jemand im Arbeitszimmer! Wir müssen nachsehen!" „Ich kann doch nicht nachsehen, gnädige Frau!“ hörte man Josefs wehtlagende Stimme.„Es sind doch die Gerichtssiegel vor!“ „Ich bin hier! Doktor Helm!" rief der Polizeibeamte nun laut.„Reißen Sie das Siegel herab, Josef! Lassen Sie uns hinaus! Die Verantwortung trifft mich und nicht Sie!" Man vernahm, wie unsichere Hände drinnen die Siegel herabrissen. Dann drehte sich ein Schlüssel im Schloß. Das erste, was Hadmar von Werbach sah, als die Tür sich öffnete, war Elisabeths schönes, tief erregtes Gesicht. Die junge Frau stand knapp vor der VerbindungstürOhne sich um irgend jemand anderen zu kümmern, wendete sie sich sofort an Hadmar: „Wie haben Sie es möglich gemacht, hier einzudringen, ohne ins Haus zu treten?“ Sie fragte es beinahe inquisitorisch. Doktor Helm nahm sie ohne weiteres bei der Hand und führte sie durch das Sterbezimmer des Freiherrn Ludwig von Werbach nach dem Alkoven. Mit einem nur halb unterdrückten Schrei fuhr Elisabeth zurück, als sie neben dem Gewehrschrank die gähnende Türöffnung erblickte. -„Da— da ist ein Ausgang?“ stieß sie beinahe atemlos hervor. Mit kurzen Worten eteilte ihr Helm mit; wie er selbst zur Kenntnis dieses Ganges gekommen sei. Immer seltsamer blickten die Augen der jungen Frau. Es schien, als wären sie in weite Fernen gerichtet. Endlich löste sich der Bann, welcher auf ihr lastete. In kurzen, adgebrochenen Sätzen begann sie zu sprechen. „Da— dahin muß auch die Person verschwunden sein, welche in Ludwigs letzten Lebensminuten bei ihm gewesen ist! Ich habe sie ja nicht gesehen! Aber deutlich habe ich die leisen Schritte gehört, welche nach dieser Richtung hin verklangen. Und dann habe ich noch etwas vernommen: ein ganz heimliches Knacken— ein Surren— erlauben Sie, schließen Sie einmal diese Tür, Dottor Helm! So! Und nun öffnen Sie wieder!“ Es geschah. Mit einem leichten Knacken glitt die Schiebetür zwischen die hier doppelt gebaute Wand; dabei vernahm man ganz dentlich einen surrenden Ton, welcher wohl daher stammle, daß die Tür fast nie geöffnet wurde und daher die Federn der Mechanik ein wenig tnäckten. Elisabeth streckte die Hände vor, als ob sie ein Gespenst sehe. „So— ganz so ist es gewesen! Alles stimmt genau! Oh— und ich weiß nicht nur dies, ich weiß noch weit mehr! Ich weiß, daß es hier Geheimnisse gibt, von denen wir alle keine Ahnung haben! Ich weiß, daß dunkle, verschleierte Gestalten um die Mauern dieses alten Schlosses huschen!" „Gnädige Frau Baronin! Das war sicher eine Geistererscheinung!“ rief der alte Josef dazwischen, welcher die ganze Zeit mit angsterfüllten Augen auf seine junge Herrin geblickt hatte.„Halten zu Gnaden — aber Frau Baronin wissen ja nichts davon, wie das zugeht in solchen alten Schlössern! Die haben ihre Geheimnisse und ihre Erscheinungen! Das war von jeher so und wird auch so bleiben!“ Er hätte vielleicht noch lange so fortgeredet, halb wirr vor Ueberraschung, aber Elisabeth fiel ihm rasch ins Wort: „Ich glaube an alles, aber das nicht, Josef! Was ich heute nacht gesehen habe, das mar kein Geist! Das war ein Mensch aus Fleisch und Blut!“ Sie hatte noch nicht ganz ausgesprochen, als Hadmar wie von einem plötzlichen Gedanken erfaßt aufsprang. „Was haben Sie gesehen?“ rief er in einer seltsamen, unerhörten Aufregung.„Was glauben Sie gesehen zu haben?“ (Fortsetzung folgt.) EtEe 4 ## *GESSL 5 m. i— S E S S SS S.O0 E SA. 19 S SE GU S#ST S, SSSEE = S•#gE ** SSg *** S#S S E PRSTEOEE SEEE SS SUERUUEEESS S81 63 22. 0 S S.8.5 S Ein gewissenhafter Mann. Humoreske von Adolf Thiele. (Nachdruck verboten. Auffallende Gestalten bewegen sich oft genug„Unterden Linden“, Gestalten, die auch dem Reichshauptstädter einen Moment der Aufmerksamkeit abnötigen.„Jeder nach seinem Ehacun!“ meint da der Urberliner. Nicht im mindesten forderte jedoch ein Herr die Aufmerksamkeit heraus, der in ruhigem Schritt dahinging.Von der soliden Hauptbedeckung bis zu den soliden Stiefeln sprach sich im Aeußeren des hoch in den Dreißigern stehenden, stattlichen Mannes der Grundsatz aus: Der Gentleman fällt nicht auf. Seinem ruhig betrachtenden Blick schien nichts zu entgehen, was sich im Straßentreiben und in den Schaufenstern Sehenswertes oder aufdringlich Sehensunwertes darbot. „Ah, Herr Hunter!“ rief da plötzlich ein Herr, dessen sinnendes Auge einem scharfen Beobachter den Künstler verriet.„Wie geht es Ihnen?“ „Danke, gut, Herr Reinbrecht!“ erwiderte Hunter freundlich, aber ohne die mindeste Gemütsbewegung. „Was macht Ihr Grunewald=Idyll?“ „Wie, Sie erinnern sich?“ „Ich behalte stets, was mir meine Freunde mitteilen. Haben Sie es vollendet?“ „Noch nicht ganz, es fehlt der letzte Schliff.“ „Nun, dann machen Sie es auf jeden Fall ordentlich fertig! Das ist die Hauptsache. Was malt übrigens jetzt unser verehrter Freund Kellermann, nachdem er seinen norwegischen Fjord vollendet hat?“ „Ist mir auch schleierhaft!“ erwiderte Reinbrecht. „Wird wohl welter norwegern!“ „Haben Sie Zeit?“ fragte Hunter.„Darf ich Sie einladen, mit mir zu ihm hinauszufahren?“ Der Künstler war dazu bereit, und Hunter bestieg mit ihm einen Taxameter, um nach der im Südwesten gelegenen Wohnung des bekannten Landschafters zu gelangen. Beide kamen auf ihre Bekannten zu sprechen. „Der Flinzel hat vor kurzem das verhängnisvolle „Ja' vor dem Standesamt ausgesprochen“, erzählte Reinbrecht.„'s war eine Liebesheirat!“ „Hm,“ machte Hunter, ein Sprichwort sagt:„Der Liebe Freude währt so lange wie ein Löffel aus Brot.“ Hoffen wir, daß Flinzels Löffel länger hält! Kennen Sie die Dame?“ „Nur flüchtig!“ erwiderte Reinbrecht.„Soll Herzensbildung haben, also Herz, aber keine Bildung. Du lieber Himmel, in ganz Berlin gibt es nur fünf Frauen, von denen zu sprechen der Mühe wert ist, und zwei davon kann man in keine anständige Gesellschaft mitbringen.“ „Im Statistischen Amt dürften Sie keine Karriere machen“, sagte Hunter gutmütig. „Gestatten Sie eine Frage!“ fuhr der Künstler fort. „Warum haben Sie, der Sie derart den Frauentob spielen, sich nicht beweibt?“ „Aus Zufall! Eine Dame, der ich nahestand, trug, wie ich durch einen Zufall kurz vor der Erklärung entdeckte, zerrissene Schuhe, und die andere, die in mein Leben trat, erblickte ich ebenso zufällig, wie sie ihr Gesicht im Zorn zu einer häßlichen Grimasse verzog. „Ah,“ lachte Reinbrecht,„da hat Sie aber der Zufall sehr begünstigt!“ „Nun ja, ich half ihm ein wenig, indem ich aufpaßte. Ob ich etwas verloren habe? Die Frauen heiraten zumeist, weil sie neugierig, und die Männer, weil sie müde sind, und beide werden enttäuscht. Ich bin jetzt achtunddreißig, aber ich bin nicht müde—“ „Sie haben es also nicht nötig,“ lachte Reinbrecht, „sich enttäuschen zu lassen.— Uebrigens hat mir unser Freund Bendheim, der durch die Liebe in die Tinte „„ geraten ist, anvertraut, daß Sie so hochherzig waren, ihn zu unterstützen.“ „Ich gab ihm nur ein Darlehen"; wehrte Hunter ab. „Sie als Rentier können es ja allerdings, leider haben wir nicht viel solcher Mäcene. Meinen Sie, daß das Guthaben Ihnen sicher ist?“ „Mir einerlei!“ sagte Hunter.„Ich lasse mir stets einen Schuldschein geben, aber in meinem Testament steht, daß diese Darlehen alle erloschen sind.“ „Ihr Testament? Sie leben doch noch vierzig Jahre!“ „Einerlei,“ sagte Hunter ruhig,„es ist nur der Ordnung wegen.“ Der Wagen näherte sich seinem Ziele. „Eine vortreffliche Einrichtung, diese Taxameter," sagte Hunter,„man zahlt nicht einen Pfennig mehr, als man schuldig ist.“ Nachdem beide ausgestiegen waren, nannte er dem Kutscher den Betrag, den jener zu erhalten hatte, und gab ihm dann, als der Mann einverstanden war, ein reichliches Trinkgeld. In Kellermanns Atelier waren zufällig einige Künstler und Kunstfreunde versammelt, die das neueste Gemälde und die: Skizzen des bekannten Landschafters betrachteten. Es herrschte hier ein lebhafter, freier, polemischer Ton, gegen den Hunters gemessen=freundliches Wesen abstach. Ruhig betrachtete er das Bild, das einen Hafen der Lofoteninseln darstellte. „Es ist nach Stizzen entworfen,“ erläuterte Kellermann,„die ich in jüngeren Jahren dort oben machte.“ „Es ist sehr schön, verehrter Meister!“ sagte Hunter respektvoll. Einer der Künstler, der. Landschafter Deubler, der sich durch unerbittliche Urteile hervortat, rief:„Leider entspricht es nicht genau der Wirklichkeit. Ich war letzten-Sommer dort, aber nach meiner Erinnerung liegt diese Häusergruppe kinks höher auf dem Berge. Jene Kuppe ist bei weitem nicht so-spitz, und hier wendet sich der Fjord viel mehr.Ja, es ist schön, aber es ist nicht treu.“ „Hm,“ machte Kellermann, und schüttelte seinen grauen Kopf.„Sollten mich meine Skizzen so täuschen?“ „Wer had da nun recht?“ rief Reinbrecht. „Das werden wir bald erfahren!“ sagte Hunter ruhig und verließ das Zimmer. „Der ist wahrhaftig wohl imstande,“ rief Deubler, „im Gewerbemuseum in den Vilderwerken nachzuforschen, um die Sache zu entscheiden! Da kann er lange suchen, der komische Kauz!“ „Er hat englisches Blut in den Adern,“ stimmte ein anderer zu,„und solche Einfälle sind bei ihm nichts Neues.“ „Eigentlich müßte er sich ja Hönter sprechen." spottete Deubler,„aber sonderbarerweise spricht er sich Hunter.“ „Es ist dies,“ fiel Meister Kellermann ein,„nur eine Aeußerung seiner großen Gewissenhaftigkeit, er meintz daß er als Deutscher— denn nur sein Großvater war Engländer—'seinen Namen auch Hunter sprechen müsse. Mancher andere würde sich freilich als„Mr. Hönter aufspielen.“ „Derlei liegt ihm völlig fern“, bestätigte Reinbrecht. „Er hat ja seine Sonderbarkeiten, seine Whims, über ein-Ehrenmann ist er durch und durch.“ — Sechs=Wochen waren vergangen. Die Künstler= jury war eifrig dabei, die akademische Kunstausstellung in die Wege zu leiten, und die Hängekommission, der auch Kellermann angehörte, beschäftigte sich damit, den Bilvern im Ausstellungspalaste ihren Platz anzuweisen. Künstler gingen aus und ein, und so stand denn auch Deubler zufällig in Kellermanns Nähe, als plötzlich Hunter zu viesem krat. E5 5