We Amtliches Kreisblatt C De Stmrtn Seimer nicen nane ander Feiertags. Bezugsprte M.„DoinielJahrlich, dei der Post so: Beßellgeld 42 Pla. wedr. Wöchenl. Grassbellage:„Iünsruaren Famillenfreund“: u. 14gl. Unterdalhungsbiah. Anzeigenpreis: Die Gebengespaltene Peutells#n deren Raum 10 Plg., Anzeigen uon auz sans 1s Plo, Rellangzell 40 Pho. Jein Radan gllt als Kassamban a. erlsch bes Rouwocsen, Zwangzvergleichen, genichu. Klazen a. Miabrachungd gemacht. Jahiungsepiagung. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung für den kreis börde Verbunden mit? Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volksblan Verbunden mit? Schwerker Tageblatt D Schwerker Anzeiger Grlies und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis bärde&am Haupt-Aononcenbia ans Arts, end bheigalgtlichen Drurd. gungen soe den Ano hordte erlangen guuch Detaaapnochung der Rbaiglichen Regierung duro Verossenlichung io der„Schwertn Zeitung“ zuchisoerdiadiche Kraft.— Die „Schoerter Zeutung“ gewödri ideen Adonarehn für jeben an Tod enbenden Unfel es. 300 Mk. Unfall. Duchu Vertags. Can Vrom Schorm.=Naur vie- Rahe Femip. 62. Telagr., Adr. Brous Schwerte. 21 Nr. 279. Monlag, den 29. November 1915. 47. Jahrgang. Ganz Serbien erobert.— Ueber die Hälfte des serbischen Heeres gefangen. Die Flucht in die albanischen Berge.— Schwere Verluste der Italiener. wtb. Großes Hauptquartier, 27. Nov. 1915. Auf dem wesllichen und öflichen Kriegsschauplitze keine wesentlichen Ereignisse. BalkanOesterreichisch=ungarische Truppen haben das Gelände südöstlich von Misowitza bis zum Klina=Abschnikt gesäubert. Die Zahl der bei und in Mitrowitza gemachten Gefangenen erhöht sich um 1700 Mann. Westlich von Pristina sind die Höhen auf dem linken Sitnico=User von deutschen Truppen besetzt. Weitere 800 Gefangere fielen in unsere Hand. Südlich der Dren'ca haben bulgarische Truppen die allgemeine Linie Goles—Stimlja —Jezevac—Ljubotin überschritten. * WTB Großes Hauptquartier, 23. Nov. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Nach erfolgreicher Sprengung in der Gegend von Neuville(zwischen Arras und Lens) besetzten unsere Truppen den Sprengtrichter und machten einige Gesangene. An verschiedenen Stellen der Front fanden Handgranaten= und Wurfminenkämpfe statt. In der Champagne und in den Argonnen zeigte die feindliche Artillerie lebhafte Tätigkeit. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg Ein feindliches Flugzeug wurde bei Buschof(südwestlich von Jakobstadt) durch Maschinengewehrfeuer heruntergeschossen und stürzte zwischen den beiderseitigen Stellungen ab und wurde in der Nacht von unseren Patrouillenggeborgen. Heeresgruppe des General=eldmarschallPrinz Leopold von Bauern Nordöstlich von Varanowitschi wurde ein russischer Vorstoß abgewiesen. Heeresgruppe des Generals von Linsingen 7 Nichts neues. Balkan=Kriegsschauplatz. Die Verfolgung wird fortgesetzt. Südwestlich von Mitrovitza wurde Nudnik besetzt. Ueber 2709 Gesangene sielen in die Hände der verbündeten Truppen. Zahlreiches Kriegsgerät wurde erbeutet. * Mit der Flucht der kärglichen Reste des serbischen Heeres in die albanischen Gebirge sind die großen Operationen gegen dasselbe abgeschlossen. Ihr nächster Zweck, die Oeffnung freier Verbindung mit Bulgarien und dem türkischen Reiche, ist erreicht. Die Bewegung der unter der Oberleitung des Generalfeldmarschalls v. Mackensen stehenden Truppen wurde begonnen von der österreichisch=ungar. Armee des Generals von Koeveß, die durch deutsche Truppen verstärkt war, gegen die Drina und Save und von der Armee des Generals von Gallwitz gegen die Donau bei Semendria und Ram=Vozius am 8. Oktober, von der bulgarischen Armee des Generals Bojadjeff gegen die Linie Negotin=Pirot am 14. Oktober. An diesem Tage setzten auch die Operationen der zweiten bulgarischen Armee unter General Todorow in der Richtung auf Skopije=Weles ein. Seitdem haben die verbündeten Truppen nicht nur das gewaltige Unternehmen eines Donauüberganges angesichts des Feindes, das überdies durch das unzeitige Auftreten des gefürchteten KossowaSturmes behindert wurde, schnell und glatt durchgeführt und die feindlichen Grenzfestungen Belgrad, bei dessen Einnahme sich neben dem brandenburgischen Reservekorps das österreichisch=ungarische 8. Armeekorps auszeichnete, Zajecar, Knjazevac, Pirot, die in die Hände unseres tapferen Verbündeten fielen, bald überwunden, sondern auch den durch das Gelände unterstützten zähen Widerstand des kriegsgewohnten und sich brav schlagenden Gegners völlig gebrochen. Weder unergründliche Wege, noch unwegsame, tief verschneite Gebirge, weder Mangel an Nachschub noch an Unterkunft haben ihr Vordringen irgendwie zu hemmen vermocht. Mehr als 100 600 Mann, d. h. die Hälfte der ganzen serbischen Wehrmacht, sind gefangen, ihre Verluste im Kampfe und durch Verlassen der Fahne nicht zu schätzen. Geschütze, darunter schwere, und vorläufig unübersehbares Die pen die Serben gegen die montenegrinische Grenze zurück. Die Zahl der Gefangenen erhöht sich stündlich. In Mitrovica wurden seit der Einnahme der Stadt 11000 serbische Soldaten und 3500 wehrpflichtige Zivilisten eingebracht. Bei Pristina wurden neuerlich 800 Mann gefangen genommen. Auch weit hinter den Armeefronten wurden viele Versprengte aufgegriffen. Kriegsmaterial aller Art wurden erbeutet. deutschen Verluste dürften recht mäßig genannt werden, so bedauerlich sie an sich auch sind. Unter Krankheiten hatten die Truppen überhaupt nicht zu leiden gehabt. Oberste Heeresleitung. Oesterreichische Tagesberichte. WTB Wien, 28. Nov.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 27. November mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Nichts neues. Italienischer Kriegsschauslatz Die Artillerie= und Angriffstätigkeit der Italiener erstreckte sich gestern auf die ganze küstenländische Front. Vorstöße gegen unsere Stellungen auf dem Mrzli Vrh und südlich dieses Berges wurden teils im Handgemenge, teils vor den Hindernissen unter schweren Verlusten des Feindes abgewiesen. Vor dem Tolmeiner Brückenkopf hielt unsere Artillerie jeden Angriffsversuch nieder. Auch bei Plava griffen die Italiener vergebens an. Am heftigsten waren die Kämpfe am Görzer Brückenkopf. Bei Oslavija schlugen Abteilungen des dalmatinischen Insanterie=Regiments Nr. 22 sechs feindliche Stürme blutig eb. Das gleiche Schicksal hatten starke Angriffe gegen Perma und die Podgora=Höhe. Die Stadt Görz stand unter andauerndem Feuer schwerer Kaliber. Einer unserer Flieger brachte im Luftkampf einen seindlichen Doppelde ser zum Absturz nach Sin Lorenzo di Mosso, wo das italienische Flugzeug durch unsere Artillerie zusammengeschossen wurde. Im Abschnitt der Hochfläche von Doberdo endete das Gefecht am Nordhance des Monte San Michele mit der vollen Behauptung unserer Kampffront. Am Südhange des Berge, geriet die seindliche Angriffsbewegung schon in unserem Geschütfeuer ine Stocken. An der Tiroler Front wurden vereinzelte Angriffoversuche in den Dolomiten vereitelt. Südöstlicher Kriegeschauplag. Im Naume von Cainica und im Sandschak Novibazar ist die Lage unverändert. Auf der Suha=Planina, westlich von Mitrovica, warfen unsere TrupWTB Wien, 29. Nov. Amtlich wird verlautbart vom 28. November mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Italiener setzten ihre Angriffstätigkeit an der ganzen küstenländischen Front fort. Ihre nach wie vor vergeblichen Anstrengungen des gestrigen Tages kosteten sie besonders große Blutopfer. Am schwersten war der Kampf am Görzer Brückenkopf, wo der Gegner durch unausgesetzte Angriffe mit immer wieder frischen starken Kräften, namentlich bei Oslarija längs der Straße durchzubrechen versuchte. Kurze Zeit war die Kuppe nordöstlich des Ortes in Feindeshand. Nach heftigem Feuer unserer Artillerie gewannen unsere Truppen alle ursprünglichen Gräben stürmend zurück. Auch im Südteil der Podgora=Stellung drangen die Italiener ein, wurden aber wieder hinausgeworfen und durch wirksamstes Feuer verfolgt. Das Gelände vor dem Brückenkopf ist mit Feindesleichen bedeckt. Bei Oslarija allein liegen über 1000. Am Rande der Hochfläche von Doberdo beschränkten sich die Italiener auf einen Vorstoß südwestlich San Martino, der ebgewiesen wurde. Ebenso fruchtlog waren alle Angrifse im südlichen Isonzo=Abschnitt, so bei Zagora, Plava, gegen mehrere Stellen des Tolmeiner Brückenkopfes, den Mrzli Vrh, wo 400 Tote vor unserer Front liegen und auf die Brsic=Stellung. Die Lage ist somit unverändert, die Isonzo=Front fest in der Hand unserer Truppen. An der Tiroler Grenze wurde ein Angriff auf unsere Stellungen am Westhange des Monte Piano und bei der Schluderbach=Grenzbrücke blutig abgeschlagen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die an der Nordorenze von Montenegro kämpsenden k. u. k. Truppen haben gestern den Feind über den Metalka=Sattel zurückgeworfen. Auch das Grenzgebiet von Celebie wurde geräumt. Eine von Mitrovitza vordringende österreichisch=ungarische Kolonne gewann an der nach Ipek führenden Straße die montenegrinische Grenze. Es wurden in diesem Raume abermals 1300 gefangene Serben eingebracht. Die Bulgaren besetzten den Goles=Brso, südwestlich von Pristina, und die Höhe westlich von Ferizovic. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. Kurssturz. Die Zerteümmerung der serbischen Wehrmacht. TU Berlin, 29. Nov. Die„Deutsche Tageszeitung“ meldet: Die„Zeit" läßt sich aus dem k. u. k. Kriegspressequartier drahten: Mehr als 120 000 Serben, mehr als die Fälfte aller waffenfähigen Männer Serbiens, sind bereits wohlgezählt in den Händen der Verbündeten. Das Amselfeld ist von Versprengten und Geflüchteten bereits gesäubert. Die serbische Artillerie ist bis auf wenige Batterien, die schon vor Wochen in Sicherheit gebracht wurden, vollständig aufgerieben. Zahlen beweisen— diese bittere Wahrheit muß die englische Regierung wieder einmal durchkosten, nachdem sie die mit Kriegsausbruch eingeführten Mindestkurse für ihre Staatspapiere in diesen Tagen aufzuheben genötigt war. Von 66½ Prozent hatte sie den Kurs der 2½prozentigen Konsols schon früher auf 65 Prozent ermäßigen müssen, um den kleineren Kapitalisten mehr Appetit auf die berühmte Kriegsanleihe zu machen, deren Ertrag inzwischen bis auf den letzten Schilling verbraucht ist. Mitte Dezember soll nun die neue Anleihe herauskommen. Da gilt es, reinen Tisch mit den älteren Beständen an Staatspapieren zu machen, die vermutlich wieder innerhalb bestimmter Grenzen auf die neuen Konsols in Zahlung genommen werden sollen. So entschloß man sich zur völligen Aufhebung des Mindestkurses, und der Erfolg war, daß die 2½prozentigen schon am nächsten Tage um volle 7½ auf 57½ Prozent heruntersausten. Ein schwerer Schlag für alle Inhaber dieses Wertobjektes, das einstmals— lang, ach gar lang ist es her— für das sicherste Anlagepapier der Welt gegolten hat. Sie haben zwar die Aussicht, es demnächst in fünfprozentige Kriegsanleihe umtauschen zu können, und sie werden wahrscheinlich von diesem Angebot reichlich Gebrauch machen, weil sie den herben Kapitalverlust auf diese Weise wenigstens zum Teil wieder einholen können. Aber einmal ist noch nicht abzusehen, ob mit 57½ Prozent schon das letzte Wort in dieser Angelegenheit gesprochen ist, und dann bleibt die Vermögenskürzung gerade in den jetzigen schweren Kriegszeiten eine doppelt schmerzende Erfahrung. Der englische Kapitalist hat schon in seiner Eigenschaft als Steuerzahler für die Kriegssünden seiner Regierung schwer zu büßen; auch seine Erwerbsmöglichkeiten sind stark eingeschränkt, und die Teuerung aller Gegenstände des Verbrauchs und des täglichen Lebens macht sich in Großbritannien nicht weniger empfindlich bemerkbar, als irgendwo sonst auf der Welt. Kommt nun noch diese früher für ganz unmöglich gehaltene Entwertung des Lieblingspapiers aller Untertanen Seiner Großbritannischen Majestät hinzu, so trifft das den Punkt, wo auch und gerade in England die Gemütlichkeit aufhört. Herr Asquith ist ohnehin schon nicht auf Rosen gebettet. Wenn das so fortgeht wird bald auch der Mann auf der Straße die bange Frage aufwerfen, wohin der unselige Krieg das Volk denn noch führen soll. Aber auch außerhalb Englands wird der Kurssturz an der Londoner Börse aufklärend wirken. Der ganze gewoltige Bau des britischen Imperiums ruht zweifellos auf festen Grundlagen; es wäre töricht, ihn als einen Koloß mit tönernen Füßen zu bezeichnen, den man nur anzustoßen brauche, um ihn zum Umsturz zu bringen. Aber der kluge Geschäftssinn der Engländer hat diesen an sich bewunderungswürdigen Bau mit dem Nimbus der Unzerstörbarkeit, ja der Unangreifbarkeit zu umgeben verstanden und dadurch allein eine Ueberwertung seines Wesens und seiner Stärke herbeigeführt, die für sich allein wieder ein ganz anständiges Kapital darstellte und als solches sich prachtvoll verzinste. Auf die Feuerprobe dieses Weltkrieges ließ Enzland sich auch erst ein, nachdem er mit aller kaufmännischen Vorsicht die umfassendsten Bürgschaften für den Sieg zusammengetragen zu haben glaubte, nachdem es auch dafür gesorgt hotte, daß die Kosten des blutigen Unternehmens von den lieben Bundesgenossen getragen wurden. Aber dieser Krieg übersteigt alle geschäftlichen 1— Erfahrungen selbst des kriegserfahrensten Landes der Erde, eben Englands. Er reißt Hüllen ab, die bisher sich als undurchdringlich bewährt hatten, und siehe da: der britische Anspruch auf Weltherrschaft bricht als unhaltbare Anmaßung zusammen. Auf die Vernichtung des deutschen Außenhandels war es abgesehen, und der Erfolg ist, daß Amerika sich mit der ungestümen Kraft eines jungen Niesen auf den Weltmarkt vordrängt u. schon in dieser und jener Beziehung über den britischen Handelsstaat zur Tagesordnung übergeht. Mit Deutschland konnte England bei regstem Warenaustausch selbstverständlich von Macht zu Macht verhandeln, geben und nehmen, wie es ihm beliebte, wie sein eigener Vorteil vorschrieb. Amerika gegenüber ist es in eine klägliche Abhängigkeit geraten, deren Ende noch gar nicht abzusehen ist. Inzwischen wachsen und steigern sich die finanziellen Anforderungen des Krieges, und wo eine künstliche Stütze weggezogen wird, die den inneren Stand der Dinge den Blicken der Welt verbergen sollte, da tritt die grausame Wahrheit so erschreckend zu Tage, daß auch der eingefleischteste Citymann das Gruseln lernen kann. Die stolze Phrase von den letzten hundert Millionen, die den Krieg entscheiden werden, beginnt ihren Zauber zu verlieren, und wenn wieder einmal im Oberhause die Frage aufgeworfen werden wird, ob es denn keine Möglichkeit gebe, der furchtbaren Wert= und Kulturzerstörung dieses Krieges ein Ende zu machen, dann wird vielleicht das Echo aus dem Volke sich schon stärker vernehmen lassen, als es diesmal noch der Fall war. Neben dem Kurssturz in England prangt der deutsche Staatskredit in unverminderter Frische und Gesundheit. Wir sind unabhängiger vom Ausland, als wir es je waren, und unsere Kriegsanleihen behaupten den günstigen Stand, der ihnen von Rechts wegen zukommt. Militärisch haben wir uns allen unseren Gegnern gewachsen gezeigt. Wenn wir überdies noch wirtschaftlich den Wettbewerb mit dem größten Kapitalstaate der Welt so glänzend bestehen, so wird nachgerade auch der ungläubigste Thomas merken, was die Glocke geschlagen hat. Der dime Bumainrieg. Die serbische Armee nur noch 80000 Mann stark. bb Notterdam, 29. Nov. Dem„N. R. C.“ wird aus Sofia berichtet, daß man den serbischen Feldzug tatsächlich als beendet betrachten könne. Von der serbischen Armee sind höchstens noch 80 000 Mann übrig, die aufgelöst, ohne Zusammenhang, umherirren. Der Abzug nach Albanien oder Montenegro sei unmöglich, weil die Verproviantierung auf Schwierigkeiten stößt, seitdem die österreichischen U=Boote die Häfen von Albanien absperren. Der Ring um Monastir geschlossen. TU Budapest, 29. Nov.„A Vilag“ läßt sich aus Saloniki drahten: Flüchtlinge aus Monastir erzählen, daß unmittelbar nach ihrer Abreise die Flucht weiterer Einwohner der Stadt unmöglich geworden sei. Der Ring um Monastir sei nunmehr geschlossen. Die Ententetruppen von den Serben abgeschnitten. TU Budapest, 29. Nov.„A Vilag“ meldet aus Saloniki: Die französischen und englischen Berichterstatter veröfsentlichten in den letzten Tagen in der griechischen Presse Mitteilungen, wonach die französischen Truppen in ensze„Berührung mit den serbischen getreten seien. Demgegenüber stellen griechische Blätter auf Grund von Berichten des griechischen Militärattachees fest, daß im Gegensatz zu den amtlichen Mitteilungen es den in der Richtung von Krivolac vorgehenden Bulgaren gelungen sei, jede Fühlungnahme zwischen französischen und serbischen Truppen zu zerstören. Jeder Versuch der Franzosen, eine Verbindung mit den Serben herbeizuführen, sei von den Bulgaren unter schweren Verlusten für die Franzosen vereitelt worden. Die Flucht König Peters. Nach der„Köln. Ztg.“ meldet der Berichterstatter der„Neuen Freien Presse“ über die Flucht des Königs Peter und des Ministers Pasitsch nach Angaben eines gefangenen serbischen Unteroffiziers aus der Umgebung Pasitsch folgendes: Der König macht den Eindruck eines Geisteskranken, ständig stiert er vor sich hin. Pasitsch ist beständig in seiner Umgebung, körperlich gebrochen, trägt er doch Zuversicht zur Schau. Seit Beginn der Offensive sind beide immer hinter der Front u. fliehen erst im letzten Moment. Nacheinander waren sie in Jagodin, wonach sie Tschukrija, Karazin, Kragujewac und Krusevac noch eine halbe Stunde nach dem Auszuge der ersten fliehenden Patrouillen verließen. Nun ging der König weinend am Bahnhof auf und ab und nahm Abschied am Hofzuge von den vielen zurückgebliebenen Geschützen. Dann gings weiter im Auto nach Kraljewo, Raska, Mitrowica und Altserbien, immer feindliche Truppen auf den Fersen. Vor zwei Wochen war die Regierung kurze Zeit in Prizrend. Von hier floh Pasitsch mit den Ministern im Auto, soweit die Sraßen geeignet waren, und dann in bereit gestellten Wagen nach Kalorsjun, 33 Kilometer südöstlich von Prizrend. Während der Reise sprach Pasitsch mit dem Finanzminister erbittert über den König Nikita, der den Uebertritt serbischer Truppen nach Montenegro wegen Nahrungsmangels für unmöglich erklärte. In dieser Gegend wurden die Serben wiederholt von Arnauten angegriffen, die sich besonders an dem Gepäck schadlos halten. In Mitrowica kostet ein weniger als ein Kilogramm schweres Brot 12 Franken Silber. Der König wollte sortwährend den Truppen nach, um mit ihnen zu sterben. Pasitsch stand in einem Depeschenwechsel mit der Entente und konnte oft den Groll gegen sie nicht vergeben. Pasitsch Hauptanstifter des Krieges. Budapest, 28. Nov.„Az Est“ läßt sich von seinem Kriegsberichterstatter Roda Roda drahten: Bei der Einnahme des Sandschaks in Serbien verblieb der dortige Rechtsanwalt Dr. Radulovic, ein bekannter serbischer Politiker, im Orte. Ich machte seine Bekanntschaft, und er erklärte mir, daß er als Nationalliberaler gegen den Krieg war. Der Hauptanstifter des Krieges war Pasitsch, der wesentlich auch an der Mordtat in Serajewo beteiligt war:„Wenn Sie Beweise dafür haben wollen, finden Sie sie in den Belgrader Staatsarchiven.“ Direkter Telegraphenverkehr Berlin=Konstantinopel. TU Konstantinopel, 27. November. Der telegraphische Verkehr durch Serbien ist wieder aufgenommen, sodaß jitzt für den direkten Telegramm=Verkehr Berlin—Konstantinopel 2 Drähte zur Verfügung stehen und der Weg über den rumänischen Hafen Konstanza nicht mehr in Anspruch genommen zu werden braucht. Ein Ausblick. Das offiziöse„Echo de Bulgarie“ zollt in äußerst warmen Worten dem rühmenden Wetteifer Anerkennung, mit dem man sich in Deutschland und Oesterreich=Ungarn beeilt, Bulgarien zu Hilfe zu kommen, um die Lücken seines Sanitätsdienstes auszufüllen. Das Blatt schreibt u. a.:„Die wunderbar ausgestatteten Missionen, die sich unseren Kranken in den Spitälern von Sofia widmen, sind liebe und hochgeschätzte Gäste in Bulgarien. So festigt sich das an militärischen Ergebnissen so reiche Bündnis zwischen den Bulgaren und den Völkern Mitteleuropas, eine Quelle moralischer Kraft von großer Fruchtbarkeit. Eines Tages werden die Geschütze aufhören zu donnern und die Völker werden ihre friedliche Arbeit wieder aufnehmen. Die jetzige Feuerprobe wird das Band, das den Osten mit dem Westen verknüpft, unlöslich schmieden und in dieser Kulturarbeit werden die bescheidenen Arbeiter, die sich über die Verwundeten beugen, eine nicht minder edle Pflicht erfüllt haben, als die Tapferen in den Schüßengräben. Griechenlands Entscheidung. Köln, 23. Nov. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus Wien: Die Entscheidung Griechenlands wird hier als klug und zweckmäßig beurteilt. Es hat durchgesetzt, daß von ihm das Aufgaben der Neutralität und der Abrüstung nicht mehr verlangt wird. Das Zugeständnis der Benutzung griechischen Gebietes durch die Verbandstruppen ist durch eine ausdrückliche Verpflichtung zur Räumung und Schadloshaltung bedingt. Dieses Zugeständnis enthält selbstverständlich angesichts der scharf betonten Aufrechterhaltung der Neutralität auch die Freigabe griechischen Gebietes für notwendige Kriegshandlungen der Gegner des Verbandes. Sonst hat sich Griechenland zu nichts verpflichtet und ebenso für unvorhergesehene Fälle freie Hand behalten. Für die verbündeten Mittelmächte ist die Festhaltung der griechischen Neutralität das wichtigste und dieser sind sie sicher. Neutrale bulgarisch=rumänische Zone. TU Konstantinopel, 28. Nov. Die Zeitung „Veni Asr“ meldet, daß zwischen Bulgarien und Rumänien ein Abkommen über die Schaffung einer neutralen Zone an der bulgarisch=rumänischen Grenze getroffen wurde. Die betreffenden kolle wurden bereits unterfertigt. Aus ihrem Inhalt ergibt sich, daß an den beiden Grenzen nur die Zollämter bleiben, während die Grenzwachen bereits zurückgezogen wurden. Eine Mahnung an die Kriegshetzer in Rumänien. TU Bukarest, 29. Nov. Das Regierungsblatt begrüßt das heute zusammentretende Parlament mit einem Rückblick auf die bisherige Politik der Regierung und der Feststellung, daß die Mehrheit des Parlaments, wie bisher, die Regierung unterstützen werde. Unsere heutige Lage, sagt das Blatt, ist gewiß schwer und heikel. Es wäre indessen ohne Zweifel der Zusammenbruch gefolgt, wenn gewisse Ratschläge zu Abenteuern befolgt worden wären. Insbesondere ist nicht zu verkennen, daß sich einen Monat nach Ausbruch des Krieges, bevor sich noch allgemeine Richtlinien gezeigt hatten, sich bei uns sogenannte Staatsmänner gefunden haben, die verlangten, daß wir uns ins Feuer stürzten, ohne vorher die Umstände zu prüfen, ohne Bürgschaften zu verlangen und zu erhalten und besonders ohne zu untersuchen, welchen Wert unser sein werden. Gewiß wird der Eindruck hiervon im Auslande nicht gut sein. Sollte sich dennoch die Minderheit nicht abhalten lassen, so hoffen wir, daß es die Mehrheit verstehen wird, ihren Willen durchzusetzen. — Der Krieg gegen Kriegsmüdigkeit in Rußland. TU Kopenhagen, 29. Nov. In der„Nowoje Wremja" stellt Menschikoff fest, daß in Rußland außerordentliche Kriegsmüdigkeit herrsche. Diese sei nicht allein im Heere vorhanden, sondern auch in den verschiedenen Hilfskomitees, nicht zum wenigsten in dem Komitee der Zarin. Erfolgreiche Kämpfe bei Czernowitz. WTB Czernowitz, 29. Nov. Seit vierzehn Tagen spielen sich täglich partielle Kämpfe ab, die sich nun zu einer bedeutenden Aktion entwickelten. Zuerst setzte starker Artilleriekampf ein, hierauf griff Infanterie an und eroberte Tluste. Die Russen wurden unter schweren Verlusten über den Sereth zurückgeworfen. — Aus Stadt und Umgebung. Rückblicke auf den Weltkrieg. 29. November. Russische Niederlage bei Darkehmen. Aus den deutschen Generalstabsmeldungen geht nunmehr hervor, daß in dieser Zeit bis auf weiteres jede großzügige Operation im Westen durch die Witterung unmöglich gemacht wurde; auf beiden Seiten, bei Freund und Feind, richtete man sich für die Ueberwinterung ein. Inzwischen war die belgische Kriegskontribution festgesetzt worden und zwar auf 375 Millionen Francs, eine mit Rücksicht auf die Gesamtverhältnisse keineswegs übermäßig hohe Summe.— An der ostpreußischen Grenze bei Darkehmen holten sich die Russen eine schwerc Niederlage, als sie mit starken Kräften einen Ueberfall auf deutsche Befestigungen versuchten; einige Offiziere und 600 Mann wurden von den deutschen Truppen gefangen genommen.— In Serbien erstürmten die Oesterreicher das hart“ näckig verteidigte Suvobor, auf der Straße nach Valjevo gelegen, nach heftigen Kämpfen; über 1200 Gesangene wurden gemacht, 14 Maschinengewehre erbeutet. **(Höchstpreise für Margarine.) Auf Grund der Bundesratsverordnung vom 8. November 1915 werden in Zukunft den Mitgliedern der dem Kriegsausschuß angegliederten Kriegsabrechnungsstelle der Deutschen Margarine= und Speisefettfabriken nur unter der Bedingung Oele und Fette zur Verarbeitung zugeteilt, daß sie ihre gesamte Erzeugung, sowie die von ihnen eingekauften Margarine= und Speisefettfabrikate beim Einkauf gleichAngleiche Karuten. Roman von B. Corony. 9 „Ist Dir etwas Unangenehmes passiert? Hast Du uns eine fatale Mitteilung zu machen?" „Ich war eben im Begriff, dieselbe Frage auszusprechen,“ fügte die Generalin mit forschendem Blick hinzu. „Keineswegs," erwiderte Horst,„vielmehr denke ich, Euch eine Freudenbotschaft zu überbringen. Lieber Vater, teure Mutter, Ihr äußert oft den Wunsch, daß ich mein unstetes Junggesellenleben aufgeben möge.“ „Allerdings,“ stimmte Frau von Raden bei. „Es tut nicht gut, wenn junge Leute so lange unschlüssig umherflattern. Seit Jahren hegen wir einen wohlüberlegten Lieblingsplan und—“ Er wußte, worauf sie anspielen wollte und unterbrach daher rasch:„Auf Helgoland begegnete mir diejenige, von der ich das Glück meines Lebeus erwarte." Mit einem langgedehnten:„So—“ lehnte sich der alte Herr in seinen Stuhl zurück.„Also.?— Nur weiter. Du wirst ohne Zweifel ein Maochen gewählt haben, welches Deinen Eltern als Tochter willkommen sein darf?“ „Ja, gewiß! Sie ist mir ebenbürtig und ein reines süßes Wesen, dem sich kein Herz verschließen kann.“ Jetzt strömten ihm die Worte rasch und einander fast überstürzend von den Lippen. Mußte doch alles offen und rücksichtslos gesagt sein. Was er befürchtet hatte, traf ein. Die Mitteilung entfesselte einen Widerspruch. „Du kannst doch unmöglich eine solche Torheit begehen wollen!“ fuhr der Geueral heftig auf. „Ichsetze voraus, daß Du Dich nicht gebunden „Juliane ist meine Braut,“ sogte hieraus Horst, „Und Du hieltest es für unnötig, Dich erst zu überzeugen, wie wir über die Sache denken?" fügte Frau von Raden mit großer Schärfe hinzu. „Ich hoffte, der Einwilligung meiner Eltern sicher sein zu dürfen, und wenn ich sie erst heute erbitte, so geschieht es, weil durch eine Unterredung die Verhältnisse viel eingehender klargelegt werden können, als selbst in den ausführlichsten Briefen.“ „Was hilft da alles Drehen und Wenden? Die beklagenswerte Tatsache, daß Du uns die Tochter einer Theaterprinzessin ins Haus bringen willst, bleibt doch bestehen. Du bist der erste Raden, dem es einfällt, so mit allen Traditionen zu brechen. Die anderen pflegten ihren alten Namen höher zu halten.“ „Diesen Vormi weise ich zurück!“ rief Horst gereizt.„Juliane ist kein Mädchen niederer Abkunft, sondern eine Daronesse von C.“ „Aber das tolle, leichte Künstlerblut fließt ihr in den Adern," warf die Generalin ein.„Das vererbt sich von Mutter auf Kind.“ „Die Baronin—“ „Sage Sennora dell' Ara!“ „Gut! Also Sennora dell Ara ist eine hochgeachtete Dame, welche in den vornehmsten Kreisen Zutritt hat. Man rechnet es sich zur Ehre, von ihr empfangen zu werden und selbst die niedrigste Klatschsucht vermöchte auf keinen dunklen Punkt inihrem Leben hinzuweisen. Schlechte Eigenschaften vererbte sie ihrer Tochter gewiß nicht, wohl über ein großes Talent. Juliane opfert mir die beneideuswerte Laufbahn." „Du würdest gut tun, sie dieser nicht zuentziehen, denn eine echte, deutsche Hausfrau, schlicht und stolz, wie es die hier waren,“ sie wies nach den Bildern, welche in altmodischen Rahmen an der Wand hingen, wird nie aus ihr. Da glaube nur meiner Erfahrung. Wer in den Regionen des ungebundenen und unsteten Künstlerlehens aufgewachsen ist, wird, in einen ganz anderen Boden Eingreifen hätte. Es war das Glück des Landes, viel in welcher Packung, ab 1. Dezember 1915 nicht daß seine Führer zu widerstehen wußten. So lern= zu höheren Preisen als den folgenden liefern: Bei ten wir den Charakter des Krieges kennen und der Abgabe an Verbraucher: Margarine 1,40 Mk. konnten uns selbst gut vorbereiten. Wir sahen, daß das Pfund, Speisefette aller Art mit 100 Prozent nur große Staaten den Krieg länger aushalten Fettgehalt, wie Schmelzmargarine, Pflanzenfett, können. Da er allem Anschein nach noch länger! Rinderfett, Kunstspeisefett usw. 1,64 Mark pro dauern wird, wäre es da nicht Wahnsinn, sich hin= Pfund. einzustürzen? Wir haben die Hoffnung, daß sich!*(Die Zahlungen auf die dritte Kriegsanleihe.) die Vertreter einer anderen Auffassung eines Auf die dritte Kriegsanleihe gingen in der Zeit Besseren besinnen werden. Wenn sie mit ihren For= vom 15. bis 22. November 352 Millionen Mark derungen vor das Parlament kommen sollten, mö= ein, so daß nunmehr 10 091,3 Millionen Mark, gen sie bedenken, daß alle parlamentarischen Staaten; gleich 83,4 Prozent des gesamten gezeichneten Bein diesem Kriege die ausübende Macht ganz der trages eingezahlt sind. Die von den Darlehnskassen Regierung überlassen haben.] für die Zwecke der dritten Kriegsanleihe hergeAuch die öffentliche Meinung hat gezeigt, daß gebenen Darlehen haben trotz der großen Neusie dieser Ansicht ist. Wenn die Gegner der Regie= einzahlung eine weitere Verminderung erfahren. rung heftige Debatten im Parlament eröffnen! Sie belaufen sich jetzt nur noch auf 478,4 Millionen wollen, mögen sie nicht vergessen, daß ebenso hef= Mark gegen 490,5 Millionen Mark am 15. Novemtige Antworten von der anderen Seite die Folge her.(WTB.) müßig auf einer Decke ruhen ließ, an welcher sie verpflanzt, schwerlich Wurzel fassen können. Und dann— denkst Du nicht an den Hof und an Deine Kameraden?“ „Das alle Fürstenpaar ist mir als vorurteilsfrei bekannt, ebenso Prinz Albert. Er selbst gehört zu den Künstlernaturen.“ „Desto strengere Ansichten hegt seine Gemahlin.“ „In diesem Falle kann weder sie noch das Offizierskorps Einwendungen erheben. Juliane hat nie die Bühne betreten und ihre Mutter singt fast nur im Ausland und stets unter ihrem Künstler= namen. Ich habe um das Mädchen geworben und dessen Jawort, sowie das der Eltern erhalten. Von einem Rücktritt kann also nicht die Rede sein.“ „Nein, denn nun bindet Dich Deine Ehre," sagte der General kalt. Hättest Du Dich, wie es Pflicht und Schuldigkeit gewesen wäre, vor einem so wichtigen Schritt mit uns verständigt, so würden wir unsere Einwilligung entschieden verweigert haben. Jetzt muß sie gegeben werden, um einen Eklat, ein offenes Zerwürfnis zu vermeiden. Möchtest Du Deine Torheit nur nicht bitter bereuen!— Am Ende,“ fuhr er nach längerem Nachstunen fort,„repräsentiert auch hier, wie überall, der Name und der Rang des Vaters. Fernstehende brauchen die Verhältnisse nicht zu kennen.“ „Sie dürften schwerlich verschwiegen bleiben,“ wandte Horst nicht ohne Herbheit ein.„Juliane ist stolz auf ihre Mutter und das mit Recht. Sie wird diese ganz gewiß nicht verleugnen.“ „Das verlangt auch niemand. Zwischen Verleugnen und aufdringlichem Prahlen besteht ein himmelweiter Unterschied. Jetzt genug! Ich will vorläufig nichts weiter hören. Der alte Herr trat ans Fenster und sah hinaus, damit die Unterredung für beendet erklärend. Horst näherte sich der Generalin, die wie versteinert dasaß und die schlanken, weißen Hände sonst eifrig arbeitete. Die äußerst kunstvoll ausgeführte Stickerei war für das Kirchlein des adligen Damenstifts bestimmt, in welchem Frau von Radens Schwester Irmgard lebte, „Du wirst meine kleine Juliane lieb gewinneu, Mama, und ihr freundlich entgegenkommen, nicht wahr? Sie braucht so viel Liebe.“ „Ich werde der Gattin meines Sohnes gewähren, was ihr gebührt, so lange sie sich dessen würdig zeigt.“ Das war ein eiskalter Ton. Die Generalin legte ihre Arbeitzusammen und verließ das Zimmer, ohne ein Wort freundlicher Stimmung, ohne ein warmes Aufflammen mütterlicher Zärtlichkeit. Am nächsten Tage begab sich der junge Offizier ins Schloß und wurde von dem regierenden Fürsten gütig empfangen, welcher auch der beabsichtigten Vermählung Radens mit Juliane von C. die erbeteue Erlaubnis nicht versagte. Die Fürstin und die Erbprinzessin waren verreist, aber Erbprinz Albert, ein idealschöner Mann, sprach besonders liebenswürdige und freundliche Worte. Er weilte viel im Ausland, hatte die dell' Ara oft gehört und zählte zu ihren Bewunderern. Der jüngere Sohn des Fürstenpaares, dem erst der vor zwei Jahren erfolgte Tod des älteren Bruders die Anwartschaft auf den Thron gegeben hatte, besaß hervorragende Taleute, war ein ausgezeichneter Klavierspieler, komponierte und malte in einer Weise, welche weit die mittlere Linie überschritt, auf welcher sich die Dilettanten sonst zu bewegen pflegen und galt nicht nur als Kenner, sondern auch als Protektor der Kunst. Man erzählte sich von ihm, daß er das Leben mit vollen Zügen genieße, und wollte wissen, daß die lediglich aus politischen Gründen geschlossene Ehe mit Prinzessin Sophie Amalie keine glückliche genannt werden dürfe. 233,16 Relegramm. **(Landsturmpflichtige und Kontrollversammlungen.) Bei Landsturmpflichtigen, die i. J. 1869 geboren sind, herrschen vielfach Zweifel, ob sie zu den Kontrollversammlungen erscheinen müssen. Nach Erkundigung an zuständiger Stelle besteht die Pflicht zu erscheinen, für die gedienten Landsturmmänner, die nach dem 15. August 1869, und für die ungedienten Landsturmmänner, die nach dem 5. Dezember 1869 geborent sind. **(Scharser Frost), wie er in hiesiger Gegend im November wirklich zu den Seltenheiten gehört, macht sich seit einigen Tagen unangenehm fühlbar. In der Nacht zum Sonntag sank das Thermometer bis auf 13 Grad, sodaß am gestrigen Sonntag schon an vielen Stellen dem Eissport gehuldigt werden konnte. Heute Nacht ist es nicht so kalt gewesen, sodaß wohl mit einem Nachlassen des hanz abnormen Frostes gerechnet werden darf. **(An Weihnachtspaketen) für die Truppen in der Front sind in unserer Stadt am 25. und 26. November 1125 Pakets eingesammelt und an die Sammelstelle zur Verteilung an die Krieger abgesandt worden. Unter den Liebesgaben befanden sich auch größere Mengen von Rotwein für die Truppen im Felde; einzelne Sachen sind auch für die Verwundeten in den hiesigen Lazaretten gestiftet worden!— Am Mittwoch wird das hiesige Rote Kreuz weitere Weihnachtspakete zum Versand bringen und zwar an solche Krieger aus unserer Stadt, welche entweder keine Angehörige besitzen, oder denen von den Angehörigen nichts nachgesandt werden kann.— Der Opfersinn unserer Bürgerschaft hat sich auch bei dieser Gelegenheit wieder recht glänzend bewährt. **(Verwundeten= Transport.) Gestern nachmittag sind hier wieder 60 Verwundete von der Westfront— hauptsächlich von Douai und Loos— eingetroffen. Von Mitgliedern der Sanitätskolonne wurden die armen Opfer des Krieges in die beiden Krankenhäuser überführt. In jedes der beiden Lazarette kamen je 30 Verwundete, denen wir recht baldige Genesung wünschen. **(Grüße aus dem Felde!) Von russischem Boden, wo auch unsere Formation sich seit einigen Wochen im Stellungskrieg befindet und wir uns ein behagliches Winterquartier in einem fast abgebrannten(des Vorrats wegen) von Zivilvolk vollständig gesäuberten Dorfe eingerichtet haben, senden allen Schwertern die besten Grüße und wünschen im voraus frohe Festtage. Unteroffizier Pferdekämper, Wehrmann Karl Brieke. C. Friebertshäuser. (Kriegerverein.) Da demnächst die Weihnachtsgabe an die im Felde stehenden Kameraden abgesandt werden soll, werden nochmals alle Ange“ höriszen, die es noch nicht getan haben, dringend gebeten, die Adressen der einberufenen Kameraden unverzüglich bei den Herren Ernst Klein(Gewerbebank), Apotheker Reuter(Neue Apotheke), oder beim 2. Vorsitzenden, Prof. Feldhügel, Hagenerstraße 54, abzugeben. Kameraden, deren Adresse binnen 8 Tagen nicht bekännt ist, können nicht berücksichtigt werden. **(Gesechtsübung der Jugendwehr.) Unsere Juzendwehr hatte gestern eine größere Gefechtsübung gegen die Neheimer Jugendwehr. Das Gefecht selbst fand in der Gegend nordöstlich von Langschede statt und endete mit einem Siege der in Stärke von rund 75 Mann angetretenen Schwerter Jugendwehr. Für dieselbe bedeutete der Weg hin und her— der Rückmarsch wurde dabei aus Gründen vermehrter Geländekenntnis über Hennen gestommen— mit reichlich 40 Kilometern eine ganz ansehnliche Marschleistung. **(Ev. Arbeiter= und Bürgerverein.) In der gestrigen Monatsversammlung des Ev. Arbeiterund Bürgervereins berichtete nach erfolgter Beitragszahlung Herr Lehrer Otten in einzehender Weise über die Kriegs=Kreisvorstandssitzung in Iserlohn. Dann wurde beschlossen, von einer Weihnachtsfeier in diesem Jahre abzusehen. Endlich wurde beschlossen, allen zur Fahne einberufenen Mitgliedern auch in diesem Jahre durch Zusendung einer Liebesgabe eine Weihnachtsfreude zu bereiten. **(Wetteraussichten für Dezember.) Nach meteorologischen Berechnungen aufgestellt: 1. und 2. veränderlich bis trübe, Schnee oder Regen. 3. und 4. veränderlich, meist trocken, 5. bis 14. vorwiezend trübe oder wolkig, viel Regen oder Schnee. 15. bis 20. fortgesetzt heiter, Frostwetter. 21. bis 23. veränderlich, vorübergehend leichte Schncefälle, Frost. 24. bis 28. ziemlich heiter, Frostwetter. 28. bis 31. vorherrschend trübe, Regen= oder Schneefälle. **(Zu dem Selbstmordversuch), über den wir in der Samstags=Nummer berichteten, teilen wir nachträglich noch gern mit, daß sich auch der 18jährige Maschinenbauschüler Heinr. Sedler vom Markt in hervorragender Weise an der Rettung des jungen Mädchens aus der Ruhr beteiligt hat. * Essen, 28. Nov.(Furchtbare Gasexplosion.) Eine furchtbare Gasexplosion ereignete sich in der vergangenen Nacht um ½4 Uhr in der Ottilienstraße. Vorher, gegen 10½ Uhr, war an der Stelle ein Wasserrohrbruch entstanden, wodurch das Erdreich unter der Gasleitung fortgeschwemmt wurde, sodaß die Leitung brach. Durch die Explosion wurden 6 Arbeiter verletzt, darunter 4 schwer. Bei dreien besteht Lebensgefahr. Die Straße wurde in gewaltiger Ausdehnung aufgerissen und an den umliegenden Häusern fast sämtliche Fensterscheiben— etwa 150 völlig zertrümmert, so daß die Straße mit kleinen Glasscherben dicht besät ist. * Siegen, 28. Nov.(Schwerer Anglücksfall.) An einer Schlackenhalde im nahen Herdorf waren russische Kriegsgefangene mit dem Loshacken der Schlacken beschäftigt, während unten deutsche Arbeiter die losgelösten Stücke zur Seite schafften. Plötzlich lösten sich größere Schlackenmassen und begruben drei der Arbeiter unter sich. Zwei konnten nur als verstümmelte Leichen ggeborgen werden; der dritte ist schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Niemand wird bezweifeln, daß wir es der Einführung der Brotkarte verdanken, daß Englands Aushungerungsplan zuschanden wworden ist. Verkehrt ist es aber, wenn man nun aus dem Erfolge, den uns die Brotkarte gebracht hat, die Forderung herleitet, auch für alle anderen Lebensmittel müßten Karten zwecks einer richtigen Verteilung eingeführt werden. Jetzt werden namentlich von Berliner Blättern Fleisch=, Butter=, Fett- und andere Karten verlangt und davon das Heil einer allgemein geregelten Lebensmittelordnung erwartet.„Gegen diese Ausdehnung der Karten=Wirtschaft wendet sich mit Recht die „Köln. Volksztg.“, indem sie schreibt: Heute soll das Schlagwork„Karte“ alle Sorgen lösen. Brotkarten waren gut, weil sie den Verbrauch eines Lebensmittels einschränkten und verteilten, das wir in genügenden Mengen besaßen. Auch Kartoffelkarten wären in diesem Sinne möglich, wenn sie auch nicht nötig sind. Die Lebensmittel: Mehl, Brot und Kartoffeln lassen sich bestimmten Qualitäten gleichmäßig an alle liefern. Aber man lasse meiner Meinung nach ums Himmels willen die Finger von Butterkarten. Der Süden verbraucht nicht den zehnten Teil an Butter, den der Norden verzehrt. Der Süddeutsche ist kein Butteresser wie der Norddeutsche. Man ißt im Süden nicht regelmäßig Butter zu fast allen Mahlzeiten wie im Norden. Man iß: im Süden nur ganz selten Butter. Die Einführung der Butterkarte würde also im Süden die Leute zum Butteressen anreizen und nötigen. Wie kann man ferner den Verbrauch eines Lebensmittels durch Karten für die Allgemeinheit verteilen, wenn von diesem Lebensmittel bei weitem nicht genügende Mengen für die Allgemeinheir vorhanden sind? Man lasse auch die Finger von Fleischkarten, wenn man sie nicht in ein Verhältnis zur Brot= und Mehlkarte bringen kann. Nur wenn Fleisch= und Brotkarte wahlweise gelten, so daß für eine bestimmte Menge Fleisch wahlweise eine bestimmte Menge Mehl genommen werden kann oder umgekehrt, nur dann hat die Fleischkarte Sinn und Zweck. Das Fleisch ist ein Produtt, dessen der geistige Arbeiter weniger entbehren kann als der Handarbeiter. Das Fleisch selbst zerfällt in ein Dutzend verschiedene Qualitäten. Man trage nicht in das Kartensystem soziale Grade und Unterschiede hinein. Bei der Brotkarte kann das vermieden werden, auch bei der Milchkarte, aber nicht bei der Fleischkarte und bei der Butterkarte. Der Feldpostpaketdienst. Bei der Versendung von Paketen an mobile Truppen handelt es sich um eine militärische Einrichtung. Die Beteiligung der Postverwaltung beschränkt sich darauf, die Pakete anzunehmen und den in der Heimat befindlichen Militär=Paketdepots auszuhändigen. Die bei den heimischen Postanstalten aufgelieferten Pakete dürfen bis 16 Kilogr. schwer sein: Das Porto beträgt 5 Pfg. für das Kilogramm, mindestens jedoch 25 Pfg. Größere Cüter im Gewicht über 10 Kilogramm sind bei den Eisenbahn=Eilgut= und Güterabfertigungen aufzuliefern, dabei sind die Frachtkosten(nebst 25 Pfg. Rollgeld) im voraus zu entrichten. Mit der Weiterleitung der Pakete von den Militär=Paketdepots nach dem Felde und der Zustellung an die Truppen hat die Post nichts zu tun, dies liegt vielmehr in den Händen der Heeresverwaltung. Hiernach ist es unrichtig, für das Ausbleiben der an Heeresangehörihe im Felde abgesandten Pakete bis 10 Kilogramm stets die Postverwaltung verantwortlich zu machen. Diese hat nur die Beförderung von der Aufgabepostanstalt zum Militärpaketdepot zu vertreten, wobei Verluste oder große Verzögerungen nahezu ausgeschlossen sind. Die Schwierigkeit liegt in der Beförderung der Pakete in Feindesland, namentlich wenn militärische Operationen stattfinden. Auch die dem Truppenteil obliegende Zustellung der Pakete an den Empfänger ist keineswegs so leicht ausführbar, wie das Publikum vielfach annimmt. Viele Beschwerden der Absender von Feldpaketen darüber, daß diese nicht angekommen seien, erweisen sich als nicht zutreffend, weil sie zu früh erhoben waren. Außer den vorstehend erwähnten Feldpaketen an mobile Truppen kommen noch Pakete an Heeresangehörige in Garnisonen des Deutschen Reiches in Betracht. Diese sind mit Ausnahme der Standorte in den elsässischen Kreisen Altkirch, Mülhausen, Gebweiler, Thann und Colmar jederzeit zugelassen und unterliegen den Vorschriften und Taxen des Friedensdienstes. Pakete mit Ausrüstungs= und Bekleidungsstücken für Militärpersonen in festen Standorten in den elsässischen Kreisen Altkirch, Mülhausen, Gebweiler, Thann und Colmar können unter der Aufschrift der in Betracht kommenden Truppenteile und Militärbehörden abgesandt werden. Konzertgesellschaft Hagen. Auf die am 30. November abends 8 Uhr im Städtischen Schauspielhause als 3. Konzert der Konzertgesellschaft Hagen stattfindende Aufführung der„Schöpfung“ von Jos. Haydn sei hiermit besonders hingewiesen. Ein Tonkörper von mehr als 200 Mitwirkenden, von Hofkapellmeister Laugs in vielwöchentlichen Proben sorgfältigst vorbereitet, wird Altmeister Haydn's unvergänglich schönes Werk in mustergültiger Weise zu Gehör bringen. Da auch die Wahl der Solisten als eine sehr glückliche bezeichnet werden darf, so sind alle Vorbedingungen für eine künstlerisch wertvolle und genußreiche Aufüchrung erfült Briefkasten. K. H. Beachten Sie die Lolkalnotiz über Kontrollversammlungen, die alles für Sie Wissenswerte authatt. Verantwortlich für die Redaktion Friedrich Nouao, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwarte Horren u. Kunbon vrr kaufen Sie sehr vorteilhaft in dem Spezialhaus für Herren- und Knaben-Kleidung der Firma A.Hien& Ceinp. Ostenhellweg 23(gegenüber I. Fischer) in Dortmund, Aepfel. 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Dieser Stab wurde in zwei ganz gleichmäßigen Exemplaren angesertigt. Einen bekam der nach auswärts gehende Staatsbeamte, der andere blieb an dem Orte, von dem die geheimen Mitteilungen- ausgingen. Hatte man nun etwas Wichtiges mitzuteilen, so wurde ein schmaler Pergamentstreifen spiralförmig um den Stab gewickelt und die Botschaft quer, also der Länge nach, auf das Pergament geschrieben. Nachdem dies geschehen, wickelte man den Streifen wieder ab, der jetzt nur unzusammenhängende Worte aufwies, und sandte ihn an seinen Bestimmungsort. Hier wurde nun der zweite Stab von denselben Abmessungen wie der zum Schreiben benutzte genommen und auf diesen der Pergamentstreifen so aufgewickelt, daß sich der Sinn der Mitteilung ergab.— Auch im Mittelalter beschäftigten sich berühmte Männer mit der Erfindung der Geheimschriften, die zum Teil in unserer heutigen Zeit noch Verwendung finden. Geheimschriften im Altertum. Die Anwendung der Geheimschrift, die heute nicht nur im diplomatischen sondern auch im kaufmännischen Telegrammverkehr ausgedehnte Anwendung findet, kann ihren Ursprung bis ins Altertum zurückführen. Herodot erzählt bereits von einer Geheimschrift, die in besonders wichtigen Fällen angewendet wurde, indem man einem zuverlässigen Sklaven das Kopfhaar rasierte und auf die nackte glatte Haut die wichtigsten Worte schrieb, die vielleicht für das Schicksal einer Nation den Ausschlag gaben. Man hielt nun den Sklaven so lange zurück, bis das Kopfhaar wieder gewachsen war, und ließ ihn dann erst seine Reise antreten, beladen mit Geschenken und Depeschen, die den Zweck hatten, einige Spione irrezuführen. Angelängt am Ziele, verriet dann der Sklave, wo die eigentliche Botschaft zu finden sei; nachdem man ihn jetzt zum zweiten Male rasierte, wurden nun die wichtigen Worte gelesen, vertilgt und in einer Antwort erneuert, und es vollzog sich wieder die geschilderte Prozedur bei der Rücksendung. Auf ähnliche Art verfuhr Harpagon, der dem König Cyrus einige wichtige Nachrichten übermitteln wollte. Er fing einen Hasen, machte einen kleinen Einschnitt in den Leib des Tieres und schob in diesen ein Papier, auf dem sich die Mitteilung befand. Nachdem er gewartet, bis die Wunde verheilt war, übergab er das Tier einem vertrauten Diener und ließ durch diesen den Hasen an König Cyrus übermitteln mit der Weisung, das Tier selbst zu öffnen. Einen anderen Ausweg erfand der Spartauer-Demokrates, der, sich als Flüchtling in Asien aufhaltend, hörte, daß Xerxes im Begriff stände, gegen die Griechen in den Krieg zu ziehen. Um diese Nachricht nach Sparta weiterzugeben, erfand er folgendes Mittel: Er nahm eine der damaligen Schreibtafeln, die bekanntlich aus einer mit Wachs überzogenen Holzplatte bestanden, und kratzte das Wachs herunter. Dann kritzelte er in das Holz die Nachricht von den Plänen des Königs Ferxes, überzog die Holzplatte wieder mit Wachs und übergab sie einem Boten zur Besörderung. Die Spartaner gelangten auf diese Weise in den Besitz der wichtigen Nachricht und konnten das übrige Griechenland sofort in Kenntnis setzen. Bei den Spartanern war übrigens eine Geheimschrift üblich, zu deren Herstellung man, wie Plutarch erzählt, der Skytale, des (: Der schwarze Mann im Lazarett. Die Wohltätigkeit der englischen Damen wird wegen der mangelhaften Organisation, die in Großbritannien vielfach im Sanitätswesen herrscht, bisweilen auf eine harte Probe gestellt. Ein Beweis dafür ist die folgende tragikomische Geschichte, die eine reiche Dame der Londoner Gesellschaft erzählt. Sie hatte ihr schönes Landhaus in Surrey als Privatlazarett zur Verfügung gestellt und sich zur Aufnahme von 18 leichter Verwundeten bereit erklärt. Ihre Tochter sollte als Krankenpflegerin tätig sein.„Ich hatte nicht gedacht, daß man mir gleich 18 auf einmal schicken würde. Aber darauf war ich gefaßt, weniger schon darauf, daß drei von ihnen sehr schwer verwundet waren und eigentlich unter beständiger ärztlicher Aussicht stehen müßten. Aber auch dies war eine Kleinigkeit dagegen, daß einer der Verwundeten ein riesiger Neger aus dem belgischen Kongo war'— ein Menschenfresser! Er war über sechs Fuß groß und schwarz wie Ebenholz. Er stieß wilde Kehllaute aus, die ich nur mühsam als ein greuliches Französisch enträtselte, und packte nach allem, was er sah. Er trug einen Speer mit sich, größer als er selbst, und ein breites, Grausen einflößendes Messer, das er durchaus mit ins Bett nehmen wollte. Als meine Tochter hereintrat, sprang er mit einem furchtbaren Geheul auf sie zu und fletschte seine Zähne, so daß sie einen Ohnmachtsanfall bekam. Wir bekamen heraus, daß ihm gar nichts fehlte, außer etwas Magenschmerzen, aber er war nicht von uns wegzubringen. So blieb mir denn nichts weiter übrig, als zwei Polizisten und zwei Soldaten holen zu lassen, die ihn mit Gewalt nach London zurückbringen mußten.“ 88 Humor. Gute Empfehlung. Elsa:„Du hast dich mit Fritz Bummel verlobt, wie ich höre.“ Erna:„Ja, gestern abend hat er um mich angehalten.“ Elsa:„Ich gratuliere dir von ganzem Herzen. Fritz ist ein reizender Mensch! Er ist entschieden der netteste von allen, mit denen ich schon verlobt war!“ Ei ∆ Ei Oi 71 enesatet 8 "-unnten(Fsae S Roman von A. Hottner=Grefe. (19. Fortsezung.) ine Liebe lag in den paar Worten, welche den Mann erschütterte. Still streckte er ihr die Hand hin. Sie legte ihre kräftigen Finger hinein wie zu einem Versprechen. Und mit einem heißen Glücksgefühl empfand sie es, daß sie durch dieses Geheimnis, das sie nun mit ihm allein teilte, ihm verbunden war mit einem festen, unzerreißbaren Bande. „Ich hätt' schwören können, daß es die Baronin gewesen ist,“ murmelte Aga noch einmal vor sich bin. Aber er überzeugte sie allmählich dennoch vollkommen; und schließlich war es ja auch leicht, daß sie sich täuschte. Axmann und Otta von Werbach waren gleich groß, auch er war schlank gewachsen, das Antlitz war durch den rundum hochaufgeschlagenen Pelzkragen in der unteren Partie beinahe vellständig verhüllt; den oberen Teil deckte die Reisebrille mit den dunklen Gläsern. Also: möglich war's ja in merhin! Und für sie, für die arme Anna Hormayer, bedeutete dieser Zufall eigentlich ein Glück. Es war doch ein Bindeglied nun wieder da zwischen ihm und ihr. Und sie konnte hier und da mit ihm reden, ihm ihr Leid zu klagen. So abgehetzt war sie durch ein tückisches Geschick und durch das erbarmungslose Leben, daß sie auch diese paar Minuten neben ihm, während er gütig und liebevoll auf sie einsprach, als Glück und Beruhigung empfand. Draußen spann die Dämmerung ihre dichten, grauen Schleier um das stille, halbverfallene Waldhaus. Das Roserl mußte scharf auslugen auf ihrem verantwortlichen Wacht#osten. Aber sie tat es getreulich, denn ihr ahnte, daß es da drinnen um etwas Wichtiges ging. Ganz still saß das Mädchen auf der kleinen Bank, immer den Blick auf die Straße gerichtet. Plötzlich fuhr sie erschrocken zusammen. : Da— von rückwärts, wo man von der Waldwiese gleich in den Obstgarten kam— da klang ganz deutlich ein leiser, vorsichtiger Schritt, der sich entfernte gegen den Forst zu. Jesus Maria! Es wird doch nicht von der Seiten jemand gekommen sein?" dachte die Roserl entsetzt. Und gleich darauf fuhr's ihr durch den Kopf, daß man vom Obstgarten in den kleinen Holzverschlag treten konnte, und daß dort ein winziges, halbblindes Fensterl gegen die Wohnstube hin eingesetzt war. Freilich— wer sollte denn das wissen? Zu ihnen (Nachdruck verboten.) kam ja niemand, kein Mensch kannte das Haus und die paar Gelasse, als der Vater, die Mutter und sie selber! So rasch sie konnte, rannte die Kleine um das Haus herum und zu dem winzigen Schuppen. Na, gottlob, da lag ja der Holzriegel noch gerade so vor von auswendig, wie ihn der Vater gestern vorgeschoben hatte. Vorsichtig öffnete das Mädchen ein klein wenig die Tür und lugte hinein in den dunklen Raum. Nichts war zu sehen und nichts zu hören, a's von nebenan aus der Stube die Stimme des fremden Mannes, welcher eben sagte: „Also abgemacht, Aga, es bleibt bei dem. was ich dir früher gesagt hab'! Morgen vormittag triffst du mich droben auf der Waldwiesen. Ich brng' dir die hundert Kronen und du sagst deinem Mann, dein Bruder hätt' sie dir geschickt und er hätt' gschrieben, daß du jetzt öfters was triegst von ihm. Wenn dein Mann nach dem Brief fragt, so sagst du, daß du ihn verloren hast!" „Es ist mir nicht recht, daß ich von dir ein Geld nehmen soll,“ sagte die Aga schwer atmend. Aber er unterbrach sie rasch. „Wieso— nicht recht? Ist das nicht ganz natürlich? Hm? Helfen tust mir wie eine Schwester, zu mir stehst wie mein allertreuester Freund, und da soll ich dich sitzen lassen in Not, Elend und Kummer? Kannst du denn so was glauben von mir, Aga Schau', wir zwei sind jetzt ja ohnehin getrennt durch das Leben und durch deine Heirat. Glücklich bist du nicht. Und ich?—“ er lachte spöttisch—„da sehlt sich's weit! Aber wir zwei werden älter, Aga, und wir haben's ja schon ein bisserl einsehen lernen müssen, daß es auch noch allerhand anderes gibt da auf unserer lieben Herrgottswelt, außer dem sogenannten Glück. Du hast deine Kinder, Aga. Daß ich ein bisserl mithelf', denen das Leben leichter zu machen, gelt, das erlaubst mir? Ich will dafür gar nichts von dir, als daß du schweigst über unser Zusammentiessen heut nacht. Und gelt, Aga, das versprichst mir noch einmal?" „Bei meiner ewigen Seligkeit,“ entgegnete feierlich die Frau,„ich sag' nichts?“ Das Roserl hörte nichts mehr, denn sie schloß schon wieder den kleinen Schuppen hinter sich und lief nach vorn. Ganz wirr war ihr Kopf. Was hatte der fremde Mann gesagt, hundert Kronen wird er der Mutter morgen geben? Schier ehrfürchtig ward's dem Roserl zumute. Hundert Kronen! Ach, soviel Geld 1 kann's ja gar nicht geben auf der Welt! Hundert Kronen!"„„** Dieser eine Gedanke überwältigte sie derart, daß sie vollständig auf alles andere vergaß, was da drinnen in der Stube noch gesprochen worden war. Das ging sie ja auch schließlich wirklich gar nichts an und konnte ihr gleichgültig sein! Aber die hundert Kronen!„„„„ m##, Biallaict Davon fiei sicher für sie erwas ab: Vieneicht kaufte ihr die Mutter gar ein neues Röckerl und ein Paar warme Schuhe!„ Förmlich heiß stieg ihr das Blut zu Kopf bei dem Gedanken, welcher ihr ganz verwegen erschien. Da trat Aga aus dem Hause. „Komm herein, Roserl,“ sagte sie,„ich hab' den Herrn beim rückwärtigen Turl hinausgelassen. Er mag net, daß man ihn sieht. Weißt— es is gar nix Unrechtes dabei, daß er herkommen is. Er is halt ein alter Bekannter von mir noch aus der Mädchenzeit. Aber du kennst ja den Vater! Dem is schon einmal gar nix recht, besonders wenn er getrunken hat.„ So dürfen wir ihm das auch nicht sagen, daß der Herr hier war. Und sonst darf's auch kein Mensch erfahren; dafür, wenn du brav bist, kriegst auch morgen was Schönes von mir! Ich hab' heut die Anzeig' kriegt, daß das Geld kommt aus Amerika. Hundert Kronen, denk' dir! Da kauf' ich dem Gustl ein warmes Wolljackerl und dir ein Paar Schuhe und das hochrote Rockerl, was dir so gut g'fallt, beim Kaufmann drinnen im Ort!" Die Aga redete noch eine ganze Weile sort, aber das Roserl horchte kaum hin. Sie konnte gar nicht reden, so glückselig war sie. Und daß sie es wußte, daß der fremde Herr das Geld hergab und nicht der Onkel aus Amerika— davon sprach sie kein Wörtchen; das wollte sie auch der Mutter nicht sagen und womöglich ganz und gar vergessen! Als die Roserl an diesem Abend in ihrem schlechten Bettchen lag, da faltete sie vor dem Einschlasen noch einmal die Hände, obgleich sie ihr Nachtgebet schon gesprochen hatte. Und ganz leise flüsterte sie: „Lieber Gott, beschütz' den lieben fremden Herrn, der mir die Schuh'— und das Röckerl—“ Sie konnte beseligenden Gedanken nicht ausdenken; ihr Köpichen war so müde von all dem Glück und der Vorreude. Schwer sank sie zurück in die Kissen, und bald vernahm Aca Hormayer, die allein wachend bei dem trüben Lämpchen saß, die regelmäßigen, tiefen Atemzüge ihres Kindes. Müde ließ auch die einsame Frau die Hände mit der Näharbeit in den Schoß sinken. Und auch aus ihrer verbitterten Seele stieg ein heißes Dankgebet empor zum Herrn. Morgen würde sie die hundert Kronen haben! Für sie war's ein Vermögen! Da konnte sie nun anstandslos den Rest des fälligen Pachtziases für das Stück Feld bezahlen und das Nötigste für den nahen Winter anschaften. Und der Förster hatte ja versprochen, daß er ihr nun öfters Geld geben würde! Am Ende war ja nichts Schlechtes dabei, wenn sie seine Hilfe annahm! Vielleicht konnte sie später eine Ziege anschaffen— und ein paar Schweinchen—— Auch Aga Hormayer war wie befreit von einem surchtbaren Alpdruck. Die Sorgen hatten sie förmlich gejagt von Woche zu Woche, von Monat zu Monat. Nun schien es ihr, als wäre dieses Aufatmen schon ein ungeheures Glück. Und immer blieb als jubelnder Unterton in ihr der Gedanke: sie konnte etwas tun für ihn, den sie immer noch liebte mit gleicher Glut, ja vielleicht jetzt noch mehr als früher, je bitterer sie litt unter dem grenzenlosen Leichtsinn und der Roheit ihres eigenen Mannes. Ein Mortyrium ertrug sie an seiner Seite. Nun würde Fritz Axmann ihr helfen— daß doch wieder ein Schimmer von Licht in ihr Leben trat.# 4r und 9•-h 17 d So träumten sie beide, wutter uno Kind. Und keines von ihnen sah, daß um das Haus ein Mann schlich, und daß er für eine Sekunde lang sein aufgedunsenes, bleiches Gesicht, aus dem die stechenden Augen wild funkelten, an die kleinen Scheiben drückte, um dann, befriedigt vor sich hin nickend, in der Dunkelheit zu verschwinden. Als der Mond ein wenig hervorkam, duckte sich der Mann und schritt im Schatten der Bäume weiter, dem Walde zu. Aber erst griff er noch im Obstgarten unter die Weißdornhecke und wühlte einen Haufen dürrer Blätter auseinander. Einen Ledersack zog er hervor, dessen Inhalt er sorgsam prüfte. Da fiel ein Mondstrahl auf einen blanken Gewehriauf. Schnell steckte der Mann den zerlegten Stutzen wieder hinein in den Sack und verbarg diesen selbst unter den Falten seines weiten, dunklen Lodenrockes. Dann sah er noch einmal zurück nach dem Hause. Ein spöttisches Lächeln glitt um seinen Mund. „Schlaft's guat,“ sagte er halblaut vor sich hin, „jetzt kummt an andere Zeit! Der soll fest blechen, der Förster, dafür steh' ich ihm guat! Grad a Glück is's, daß i heut zufällig z' Haus kummen bin und da in der Schupp'n die Rederei mit anhör'! Dös muß ma ausnutz'n, lieber Axmann! Sie sagen net umsonst alle, daß der Hormayer=Heini aner is von die ganz G'scheiten!“ Einen leisen Pfiff ließ er gellen, dann verschwand er zwischen den Wa dbäumen. 5. Kapitel. Im Banne der Schuld. Graf Steinberg hatte Otta von Werbach nach Hause begleitet. Hadmar mußte sofort weiter nach Salzburg hinein. Ein so jäher Trauerfall brachte ja eine Unmenge notwendiger Bestimmungen und Anordnungen mit sich; das alles hatte er übernommen. So fuhr Otta mit Steinberg allein weiter. Der Tag war schon sehr weit vorgeschritten, kühl wehte der Wind von den stolzen Bergeshäuptern herab ins Tal, und das Sonnenlicht erlosch schon allmählich, als endlich das uralte Stammschloß der Werbachs in Sicht kam. Es ragte trotzig auf einem steiten Feisen. Türme und Zinnen, Erker und Balkone zierten das weitläufige Gebäude, um welches herrlicher Efeu seine grünen Ranken wob. Weithin erstreckte sich der großartig angelegte Park mit seinen Laubgängen und Grotten, seinen rieselnden Quellen und Springbrunnen. Eben jetzt stand das ganze Schloß, vergoldet von den letzten Sonnenstrahlen, in einem Meer von rosenrotem Licht. Märchenhaft schön war das. Mit einem starren Blick sah Baronin Otta hin auf das wunderbare Bild. Auch dieser Besitz war Eigentum des jeweiligen Majoratsherrn von Werbach. Der Nebenlinie blieb nur ein ganz kleines, bescheidenes Besitztum. Wenn es sich beweisen leß, daß Ludwig von Werbachs Ehe eine gültige, und daß der Knabe im Jagdhause in Wahrheit sein Kind war, dann hieß es für Otta und ihre Söhne, auch von diesem längst gewohnten Heim Abschied zu nehmen. Bisher hatte Ludwig selbst es gewünscht, daß die Angehörigen seines jüngeren Bruders das Stammschloß als ihr Eigentum betrachteten. Die fremde junge Frau, welche vorgab, Ludwigs Witwe zu sein, würde gewiß den Besitz für sich und ihr Kind in Anspruch nehmen. „Hinausgestoßen!“ sagte Otta leise und bitter vor sich hin. (Fortsetzung folgt.) SOESEER CS RG GGETT SSSEGTEGE 2 S S 85EE E FUEZSSSAEESS S a*** Su — S 6 □ S 2 * S S S 5 * 00 6 Wenkspruch. An kleinen Dingen muß man sich nicht stoßen, wenn man zu großen auf dem Wege ist. Hebbel. Der große Wandler. Kriegs=Novelle von Fritz Gantzer. (Schluß.)(Nachdr. verboren.) Onkel Matthias empfing ihn mit einer ironischen Bemerkung und sagte etwas von„Sonnenstich“. Ha, das war das gesuchte Wort!— Als er nach einer kleinen Stunde wieder in Glückseichen anlangte, suchte er sofort Beake auf. Krebsrot im Gesicht, mühsam nach Luft ringend, stand er vor ihr.„Ich mache Sie verantwortlich,“ keuchte er,„den Sonnenstich habe ich mir geholt. Nun weiß ich, wozu ich auf der Welt bin.“ Beate lächelte. Wirklich ein wenig spöttisch. „Sonnenstich? Dann ständen Sie jetzt nicht vor mir, Herr Assessor. Und wegen meiner Bemerkungen von vorhin, die Sie wohl gehört haben, bitte ich Sie um Verzeihung. Ich hätte das nicht sagen sollen, wenn's auch die Wahrheit ist.“ „Ich danke Ihnen für die Wiederholung Ihrer Komplimente, verehrtes Fräulein Andersen.“ Er verneigte sich förmlich und verschwand.— „Wo ist denn der Herr Juriste?“ fragte Onkel Matthias nachher bei Tisch, als er den Platz seines Neffen leer sah.„Etwa krank geworden von dem Kilometermarsch über zwei Stoppelfelder?“ Beate nickte kühl.„Er hat sich ins Bett gelegt. Die Mamsell wird für ihn sorgen.“ „Solch ein Kerl,“ schimpfte Onkel Matthias.„Der reine Jammerlappen... Na, laß ihn. Es geht Wichtigeres in der Welt vor, als daß wir von dem Herrn Assessor reden müßten.. Also paß auf, Kind, Beatchen, die Sache ist sehr mulmig, oberfaul. Paß auf, in ein paar Tagen haben wir Krieg.“ Beate ließ das Besteck erschrocken sinken und starrte den Unglückspropheten mit weit geöffneten Augen an. „Ist das wirklich wahr, Onkel?“ „Paß auf, es kommt soweit. Die ganze Schwefelbande ringsum stänkert und bohrt. Es gibt eine Riesensache wie nie zuvor. Wir wollen machen, daß wir die Ernte wenigstens zum großen Teit reinkriegen. Nachher, wenn alles eingezogen wird, gibt's keine Leute mehr.“— Onkei Matthias hatte wahr prophezeit. Drei Tage später wurde der Kriegszustand über Deutschland erklärt und noch ein paar Tage weiter erfolgte die Mobilmachung. Der Assessor war schon am Tage nach seinem anstrengenden Marsche tief beleidigt abgereist. Sein letztes Wort an Beate war gewesen, daß er alle Absicht zur Besserung habe, was diese mit einem kühlen Lächeln angehört aber unerwidert gelassen hatte. Im heimlichen Alleinsein zog sie am Abend folgende Schlußrechnung: Ich könnte ihn gern haben, wenn er ein wirklicher Mann wäre. Und am Tage der Kriegserklärung betete sie:„Lieber Gott hilf, daß er sich darauf besinnt, wozu er auf der Welt ist. Es möchte sein, daß ich ihn dann doch.. Aber nein, an dergleichen Dinge darf man jetzt nicht denken. Jetzt gilt nur, Deutschland von seinen Feinden zu befreien. Wenn er doch auch dazu helsen möchten... Er ist zwar nicht Soldat gewesen. Doch meint Ontel Matthias ja, daß man als Kriegsfreiwilliger eintreten könne. Wenn er es doch möchte!—— Ihre Geduld, etwas über Fritz Glüven zu erfahren, wurde auf eine harte Probe gestellt. Onkel Matthias lachte sie sogar aus, wenn sie von ihren Hoffnungen zu ihm sprach.„Der wird sich schön hüten, der kriegt doch schon das Kanonenfieber, wenn er ine Kanvne sieht. Was du denkst! Bei Dressel oder Kempinski wird er sitzen, Wein trinken und sich über seine neue Weste freuen... Der ist weit vom Schuß, der gute Junge.“ Trotzdem hoffte Beate das Gegenteil. Bis weit in den August hinein wartete sie. Dann, o Glück, wirklich ein Brief von ihm. Ein Brief, der ihr das mitteilte, was sie erhöfft. Fritz Glüven schrieb:„Liebes Fräukein Beate! Sie werden es vielleicht nicht glauben können; aber es ist so: vor vierzehn Tagen bin ich als Kriegsfreiwilliger bei den Garde=Dragonern eingetreten. Ihnen und der großen Zeit danke ich es, daß ich lernte, wozu ich auf der Welt sei. Sie und unseres Volkes Not haben mich zu einem ganz anderen gemacht. Wohin ist alles das, was mir an törichten, lächerlichen Eigenschaften, Gewohnheiten und Vorurteilen anhaftete? Ich scheue mich nicht, Ihnen, aber auch nür Ihnen, zu gestehen, daß ich mich schäme, früher ein Zerrbild meiner selbst gewesen zu sein. Und um dieses ehrlichen Bekenntnisses willen darf ich Sie bitten, mir vieles zu verzeihen, und darf ich hoffen, nicht umfonst bitten zu müssen. Nehmen Sie für heute mit den wenigen Zeilen fürlieb, ich hoffe, Ihnen über mein Leben als Soldat bald ausführlich schreiben zu dürfen. In herzlicher Dankbarkeit grüße ich Sie als Ihr ergebener Fritz Glüven.“ Beate Andersen war über diesen Brief so froh, wie sie sich in ihrem Leben kaum über etwas gefreut hatte.— Im November wußte sie Fritz Glüven bereits im Felde. Nun war ihr Sinnen in Sorgen zu ihm unterwegs, von Gebeten geleitet. Seitdem sein Leben in Gefahr war, wußte sie, wie innig das ihre mit dem seinen verknüpft war. Denn nichts lehrt das Zueinandergehörigsein klarer erfassen, als die Angst, einen dunklen Weg vielleicht in Einsamkeit weitergehen zu müssen. Lange Wochen winterlicher, rauher Oebe und Verlassenheit gingen dahin, in denen Beate diese Angst in sich keimen und wachsen spürte. Keine Nachricht mehr von ihm. War er schon einer der vielen, die ihr Leben für des Vaterlandes Bestand in die Schanze geschlagen? Als in der Mitte des Vorfrühlingsmondes die Haselbüsche in den Waldungen von Glückseichen ihre Kätzchen streckten, kam eine Nachricht, die Befreiung brachte, aber einen Tropfen bitterster Wehmut in den Freudenbecher schüttete. Aus einem Lazarett in Frankreich schrieb Fritz Glüven: „Liebe Beate! Ich wurde bei einem Patrouiklenritt verwundet und bin nun nach langen Wochen so weit, daß ich Ihnen den ersten Gruß senden kann. Als fröhlicher Reitersmann wußte ich, ewozu ich auf der Welt. war.(Verzeihen Sie diese ewigen Erinnerungen, aber sie sind wieder etwas, das in die Gegenwart paßt.) Denn nun kann ich mik Recht fragen: Wozu bin ich noch auf der Welt? Ich habe nämlich meine linke Hand vorloren. Für mich selbst wäre es weiter nicht von Belang, da ich hoffe, auch einhändig durchs Leben zu kommer. Aber ich weiß nicht, wie jemand anders darüber denkt..: Es könnte sein, daß... doch, reden wir jetzt davon noch nicht. In Kürze werde ich hier entlassen.„Darf ich dann nach Glückseichen kommen? Onkel Matthias müßte es natürlich auch erlauben. Vielleicht nimmt er mich als Beflissenen der Landwirtschaft auf. Denn in meinem früheren Beruf möchte und kann ich auch wohl nicht wieder zurück, Fragen Sie ihn, bitte, ob er schon einen einhändigen Landwirt gesehen habe, und sagen Sie ihm, es würde nicht nötig sein, daß er sich über mich ärgerte, da ich bei jedem