6 US Amtliches Kreisblatt (Do Sientn Zehuer uden uene ander Feierago, Bezagsprito M.„Poiernt, Aabrüch, del der Post für Beselgeld 62 Plo. gedr. Wöchenf. Grossbellage:„Ikustriertn Famillensreuns“ v. 14gl. Unierdaltungsdian. Anzeigenprio: Die sebengespaltene Peuhels oder deren Naum 10 Plo. Anzeigmn uun auz. wars 15 Plg., Retlomezell 40 Plg. Jeder Ravat gil als Kassardan a. erischibel dordorsen, Zwangsoergleichen, genichu. Klagn a. Maduochzunge gnnadt. Jaziungpolugne. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung für den Kreis börde Schwerter Volksblat Verbunden mit? Holzwickeder Zeitung — Oplerbecker Zeitugg Sowerier Holbazeitune Schwerker Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grlles und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis bärde o Haupt- Ahnonkenbias unn due, und ubemhtgichn nurn gungmn sor den Auns Hörte erlaagr geues Bedaanpnachung der Abuiglichen Regienng durch Verössenlichuag ie der„Schwertn Jeitwag“ mowoerdiandiche Krost.— Die „Schwerter Zeitung“ gewöhrt idres Aboonestrn ia: jeden mit Tod endenden Unsol geSiagungen: 300 Mk. Unfall. Druck u. Verlag o. Cor Boous. Schwerte= RudFemnip. 62. Telegr. Adr. Braue Schweris.=RuheNr. 273. Montag, den 22. November 1915. 47. Jahrgang. Die Bebrung der Gerben. Ganz Alt=Serbien von den Verbündeten besetzt! Ueber 8000 serbische Gefangene. Der Einmärsch in Lesbibazär. Die bluligen Mißerfeige der Iialiener. Wahrheiten und Einbildungen. Die Unruhe und Unsicherheit, die seit der gescheiterten Herbstoffensive im Westen und der politisch=militärischen Umwälzung auf dem Balkan in den englischen Regierungskreisen eingerissen ist, trat grell in der Unterhaussitzung vom 15. November zutage. Nicht weniger als drei Paare von gewesenen und aktiven Kabinettsmitgliedern traten zum Kampfe an: Churchill, der ehemalige Marineminister, gegen Lord Fisher, den ehemaligen Flottenchef, Carson, der ehemalige Generalstaatsanwalt, gegen Sir Edward Grey, endlich Bonar Law, der Führer der Konservativen, der bei Kriegsausbruch Grey den Rücken gestärkt hatte und später in das Koalitionskabinett eingetreten ist, gegen Trevelyan, ehemaligen Unterstaatssekretär, der bei Kriegsausbruch mit Lord Morley und dem Handelsminister Burns als Gegner der Beteiligung Englands am Kriege aus dem rein liberalen Kabinett Asquith ausgetreten war. Von Churchill erfuhr man, daß nicht er, sondern Kitchener der Urheber der Expedition nach Antwerpen war, und daß für die verfehlte Landoperation auf Gallipoli in erster Linie Lord Fisher verantwortlich seie Carson warf Grey die Zweideutigkeit seines Verhaltens gegenüber Serbien, vor und bedauerte, daß erst Millerand und Joffre nach London kommen mußten, um zu einer Zeit, wo es schon zu spät war, die Hilfsexpedition nach Saloniki durchzusetzen. Trevelyan, endlich sprach zum ersten Male im Unterhause das Wort„Frieden“ aus, was sofort den konservativen Minister Bonar Law zu einem in allgemeinen Wendungen gehaltenen Proteste auf den Plan rief. Dürfen auch aus diesen gegenseitigen Vorwürfen und Enthüllungen über Gegensätze innerhalb der englischen Regierung keine voreiligen hoffnungsvollen Schlüsse für das Kriegsende gezogen werden, so läßt sich doch sagen, daß sie keine Elemente innerer Stärke sind. Auch macht es keinen sehr erhebenden Eindruck, daß die Häupter des neugebildeten Kriegsrats, der endlich rasche, einheitliche Entschlüsse für die Kriegführung fassen soll, mit einem Stabe von diplomatischen, militärischen und Marinefachleuten nach Paris gefahren sind, um mit der französischen Regierung zu beraten. Unsere Befriedigung darüber, daß die politischen Größen Englands bezinnen, sich gegenseitig bittere Wahrheiten zu sagen, wäre größer, wenn wir gleichzeitig bemerkten, daß das Erkennen der Wirklichkeit auch in Bezug auf Deutschland Fortschritte machte. Das ist aber nicht der Fall, weder in England noch in Frankreich. Die militärischen Erfolge kann man freilich nicht hinweg disputieren, dagegen sitzt die Illusion, daß wir wirtschaftlich dem Ende nahe wären, noch fest in den Köpfen. Innere Verwirung in Deutschland infolze von Nahrungsmittelsorgen ist das Schlagwort, an das geglaubt wird, und die Hoffnung unserer Gegner. Daraus ergibt sich die dringende Mahnung an alle, die an der öffentlichen Erörterung der zweckmäßtisten Mittel der Verteilung der reichlich vorhandenen Vorräte von Nahrungsmitteln an die Verbraucher teilnehmen, sei es in der Presse, sei es im Reichstag, Maß zu halten und jede Uebertreibung zu vermeiden. Die Briand und Cambon, die Asquith und Grey warten auf jede laute Anklage und jede heftige Geste, die als Zeichen von deutscher Kriegsmüdigkeit zu deuten und zur Erstickung der nach den bisherigen Kriegsergebnissen ganz natürlichen Friedenonetzung ihrer Bölter auszudeuten wääte. Deutsche Tagesberichle. wtb. Großes Hauptquartier, 20. Nov. 1915. Feindliche Monitore, die Westende beschossen, zogen sich vor dem Feuec unserer Küstenbatterien wieder An der Front stellenweise lebhafte Artillerie=, Minen= und Handgranaten=Kämpfe. Keine wesentlichen Ereignisse. BalkanNova Varos, Sjenica und Raska sind besetzt. Im Ibar=Tal ist Dren, östlich des Kopa Odik ist Prepolac erreicht. 2800 Serben sind gefangen genommen und vier Maschinengewehre erbeutet. wtb. Großes Hauptquartier, 21. Nov. 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. An der Bahn Bpern=Jonnebecke gelang eine größere Sprengung unserer Truppen in der feindlichen Stellung. Französische Sprergungen südöstli h von Souchez und bei Combres hatten keinen Erlog. Bei Souchez kamen wir den Franzosen i: der Besetzung des Sprengtrichters zuvor und behaupteten ihn gegen einen Angriffsversuch. An der übrigen Front an verschiedenen Stellen lebhafte Feuerkämpfe. Unsere Flugzeuge warsen auf die Bahnanlagen von Poperinghe und Furnes eine größere Anzahl Bomben ab; es wurden Treffer beobachtet. * Der englische Oberbefehls haber sagte in einem Bericht vom 15 Oktober über unsere Angriffe südwestlich von Loos, daß nach zuverlässigen Schätzungen 8000—9000 Deutsche vor der englisch=ranzösischen Stellung gelegen hätten. Die Behauptung ist freie E findung. Unsere Gesamtverluste an Gefallenen, Vermißien und den ihrer Verwundung Erlegenen beiragen 763 Mann. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Balkan= Deutsche Truppen der Armee des Generals v. Koeveß haben Novidazar besetzt. Die Amee des Generals v. Gallwißz und der rechte Flügel der Armee des Generals Bojadjeff kämpfen um den Austritt in das Lab=Tal nördlich von Pristina: Die Zahl der am 19 gefangen genommenen Serben erhöht sich auf 3800. Gestern wurden über 4400 Mann gefangen genommen. Oberste Hepoosloitung. Oesterreichische Tagesberichle. WTB Wien, 21. Nov.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 20. November mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Bei der Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand wurde nordwestlich von Olyka ein russischer Angriff abgeschlagen. Sonst nichts neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe im Görzischen dauern fort. Der Brückenkopf von Görz wurde wieder an mehreren Stellen vergeblich angegriffen, die Stadt eine Stunde lang lebhaft, dann mäßig beschossen. Im Nordteil der Hochfläche von Doberdo erneuerte der Feind seine Vorstöße mit starken Kräften, sowohl gegen unsere Stellungen am Nordhang des Monte San Michele, als auch gegen den Abschnitt von San Martino. Die Italiener wurden überall zurückgeschlagen. Unsere Kampflinie ist nach wie vor in unseren Händen. Dasselbe gilt auch von unserer Stellung bei Zagora, wo der Gegner läng, der Straßensperre eindrang. in erbittertem Nahkampf aber wieder vollständig vertrieben wurde. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Armee des Generals der Infanterie von Koeveß hat Nova=Varos besetzt und die Linie Sienica—Dugopoljana—Raska überschritten. Südöstlich von Naska nahm eine k. und k. Brigade 2000 Serben gefangen. Die deutschen Truppen des Generals v. Gallwitz kämpfen südlich des Prepolacsattels, die Armee des Generals Bojadjeff im Gebiet der Goljak=Planina. Der Feind wurde sonst gestern durch die Wassen der drei verbündeten Heere von dem letzten Stück altserbischen Gebietes vertrieben. WTB Wien, 22. Nov.(Richtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 21. November mittags: Russischer Kriegsschauplatz. In Wolhynien und am Styr stellenweise Geschützsener, wobei die Russen Gasbomben verwenden. Sonst keine besonderen Ereignisse. Italienischee Kriegsschauplatz. Die Italiener haben neuerdings Streitkräfte von der Tiroler Front nach dem Görzischen gebracht. Unter Einsatz solcher Verstärkungen greist der Feind den Görzer Brückenkopf neuerdings an. Vor dem Monte Sebotino brachen mehrere Vorstöße in unserem Feuer zusammen. Im Abschnitt von Oslavisa gelang es dem Gegner, in unsere Verteidigungslinie einzudringen; ein Gegenangriff brachte jedoch diese Stellung mit Ausnahme einer Kuppe nordwestlich des Ortes, um die noch gekämpft wird, wieder in unseren Besitz. Drei seindliche Vorstöße gegen Pewna mißlangen unter schweren Verlusten. Besonders heftige Angrifse waren auch diesmal gegen die Rodgora=Höhe gerichtet. Auch hier wurden die Italiener blutig abgewiesen. Der Naum beiderseits des Monte San Michele stand unter starkem Artilleriefeuer. Nachmittags gingen am Nordhang des Berges bedeutende seindliche Kräfte vor. Ihr Angriff scheiterte in unserem Krenzsener. Das gleiche Schicksal hatten mehrere Vorstöße gegen den Abschnitt von San Martino und nördlich des Sörzer Brückenkopfes gegen die Straßensperre bei Zagora. In Tirol schlugen die Verteidiger am Col di Lana zwei italienische Angrisse auf die Spitze dieseo Bergos ab. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Eine österreichisch=ungarische Kraftgruppe erzwang sich gegenüber den nördlich von Cajnica eingenisteten Montenegrinern den Uebergang über die obere Drina. Novibazar wurde von deutschen Truppen besetzt. Oestlich davon wars im Ibar=Tal eine österreichisch=ungarische Kolonne den Feind zurück. Die Zahl der in diesem Raum gestern eingebrachten Gesangenen übersteigt 2000. An den Eingängen des Amselfeldes wird heftig gekämpft. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. —— Churchill=Falstaff. Die Nordd. Allgem. Ztg.“ schreibt unter dem Titel:„Churchill=Falstaff“ unter anderem: Shakespeare hat die Engländer gekannt. Während Falstaff mit seinen Kriegstaten renommierte, mit dem was er noch tun werde, mit der Zahl seiner Feinde, die er vernichtet habe, sitzt Prinz Heinz heimlich ruhend dabei und sagt: Warten wir, wenn er weiter erzählt, werden noch viel mehr werden! So hat das deutsche Volk nach jeder Rede Churchills heimlich ruhend auf die nächste gewartet mit gespanntester Neugier, was die zerfahrene Phantasie dieses begabten Erzählers und unbegabten Politikers noch hervorbringen könnte. Nachdem Churchill mit den militärischen Prophezeiungen wenig Glück gehabt hatte, legte er sich auf wirtschaftliche Zukunftskündungen. Die britische Flotte, so verkündete er vor mehr als einem Jahre, habe Deutschland das Todesurteil gesprochen. Durch Einschließung sollte es so sicher vollzogen werden, wie die Blätter von den Bäumen fielen, sei es in 6 Monaten, sei es in einem Jahre. Auch hier aber hatte Herr Churchill kein Glück, denn das deutsche Reich war stärker als seine Wünsche. Just nach einem Jahre war die deutsche Auskreisung vollzogen: Der Weg nach Konstantinopel war frei. Nun hat Herr Churchill im Unterhause seine eigene politische Leichenrede gehalten unter andauerndem Beifall, von dem indessen zweifelhaft war, ob er dem Redner oder dem Abgange galt. Deutschland könne nach dem 2. oder 3. Kriegsjahr besser besiegt werden, als nach dem ersten. Das schöne Traumbild, das er in der erhöhten Annahme des Menschenersatzes der Mittelmächte sieht, wird zerfließen, denn jedes neue Kriegsjahr bringt dem neuen Vierbunde durch das Heranwachsen junger Jahrgänge nicht nur vollen Ersatz der Verluste, sondern stete Zunahme ihrer Heeresmacht, dank der den Engländern so verhaßten, jetzt jedoch so ersehnten, allgemeinen Wehrpflicht. Wenn Churchill also meint, daß der Feldzug 1916 durch Soldatenmangel uns zu Fall bringen werde, so ist das ebenso falsch, wie die Behauptung, daß im Jahre 1915 der Vierverband durch Munitionsmangel behindert gewesen sei. Die begeisterten Leitartikel der feindlichen Presse über das Trommelfeuer der Landarmeen in Frankreich, wie Churchills eigene Erklärung in der Parlamentssitzung vom 15. Februar, daß Schiffsmunition vorhanden sei, beweisen, daß der ehrenwerte Kanzler des Herzogtums Lancaster auch hier wieder nur tatsächliche Mißerfolge durch rhetorische Momente verschleiert hat. Churchill redete wie ein Phantastiker Falstaff. Er gehört zu den Leuten, von denen Friedrich der Große sagt: Wenn ich ein Land besonders schwer strafen wollte, ließ ich es durch einen Literaten regieren. Jetzt ist er Offizier. Man hätte ihn zum„Reuterobersten“ machen sollen.(WTV). 14 Der drille Monastir besetzt! Haag, 21. Nov. Die„Central News“ melden aus Gens: Nach einem Bericht der„Tribung= aus Saloniki ist die Vorhut der bulgarischen Truppen in Monastir eingerückt; die Bevölkerung ist geflohen; die ausländischen Konsuln sind in Saloniki angekommen. Die bulgarischen Vortruppen sind in Monastir einzezogen. Mit der Eroberung dieser Stadt haben die Bulgaren ein Ziel erreicht, welches ihnen seit dem Wiedererwachen des großen bulgarischen Gedankens vorschwebte. Wie mit der Einnahme von Nisch die Bulgaren alte Rechte behaupteten, so haben sie mit der Besetzung von Monastir, oder wie es bulgarisch heißt, Bitolia, die bedeutendste Stadt des bulgarischen Mazedoniens dem Stammlande wiedergegeben. Flucht der bei Monastir geschlagenen Armee. bb Berlin, 22. Nov.„Az Est“ berichtet laut „Lokalanzeiger“. Die vor Monastir geschlagene dezimierte serbische Armee flüchtete, von Munition entblößt, in die gegen Griechenland hinziehende Pelagosaebene und dürfte Griechenlands Grenze bald erreicht haben. Die bulgarische Armee, die aus der Richtung von Tetowo die Serben hart bedrängt, dringt gegen Albanien vor. In den albanischen Gemeinden machen sich schon deutliche Zeichen eines Aufstandes gagen Serbien bemerkbar. „Taswir=Efkiar“ in Konstantinopel meldet, die bulgarische Infanterie stoße bei Bibra vor, um die in Monastir befindlichen Serben trotz ihres verzweifelten Widerstandes einzukreisen. Vor Pristina und Mitrowitza. TU K. K. Kriesspressequartier, 21. Nov. Der serbische Rückzug im Sandschak erweist, daß allmählich die Führer die Macht über ihre arg mitgenommenen Truppen verlieren. Einwandfrei ist festgestellt worden, daß serbische Artillerie in die eigene fliehende Infanterie feuerte, um den Rückzug der kampfmüden Scharen aufzuhalten. Im Sandschak nähern sich die k. und k. Streitkräfte südlich der Linie Novovaros—Sienica—Dugaroljana unter Nachhutkämpfen den Zugängen zum montenegrinischen Grenzgebirge. Die Verfolgung der im Naska=Tal zurückgehenden Serben durch deutsche Truppen der Armee Koeveß führte zur Eroberung von Novibazar und somit zur Öffnung einer neuen wichtigen Vormarschstraße gegen Mitrowitza, den bisherigen Sitz des serbischen Hauptquartiers und Pristina. Der Gegner leistet den nachhaltigsten Widerstand. Die heftigsten Kämpfe aber haben die gegen Pristina anmarschierenden deutschen und bulgarischen Truppen zu bestehen. Die von Prepolac gegen das bereits vor ihren Blicken in der Ferne auftauchende Amselfeld absteigenden Deutschen fanden gestern sehr heftige Gegenwehr. Sie arbeiteten sich aber langsam weiter nach Süden. Auch die von den Bulgaren angestrebten Zugänge zum Amselfeld werden mit verzweifelter Kraft verteidigt. Ein Attentat aus Paschitsch? bb Berlin, 21. Nov.„A Villag“ erhält aus Bukarest von dort eingetroffene Nachrichten, denen zufolge ein Major des serbischen Generalstabes auf Paschitsch ein Attentat verübte. Er feuerte einen Schuß ab, der jedoch nicht traf, und Paschitsch gelang es, zu flüchten. Der Major wurde verhaftet, zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet. Die serbische Regierung blieb nur einen Tag in Naschka und setzte hierauf die Reise fort. Keine russische Expedition gegen Bulgarien. TU Budapest, 22. Nov. Aus Bukarest wird gedrahtet: Petersburger Telegrammen zufolge fand nach der Rückkehr des Zaren von der Front ein Kronrat statt, in dem Gassonow und Charitonew die Entsendung von 400 000 Mann gegen Bulgarien forderten. Der Kronrat entschied, einen solchen Zug nicht zu unternehmen, solange der Landweg nicht gesichert sei, da sonst die Expeditionstruppen gefährdet seien und in eine gefährliche Lage geraten könnten. Griechenland bleibt fest! WTB Frank furt a. M., 21. Novbr. Die „Franksf. Ztg.“ meldet aus Athen: Zuverlässig erfährt der Korrespondent der„Franks. Ztg.“, daß die griechische Regierung angesichts der Gefahr des Uebertritts serbischer Truppenverbände auf griechisches Territorium zu einer entscheidenden Stellungnahme entschlossen ist. Der Minister des Aeußeren erklärte gestern den Chefs der fremden Missionen, daß, wenn dieser Fall eintrete, Griechenland zur Wahrung seiner Neutralität die übertretenden serbischen Truppen sofort entwaffnen und bis zur Beendigung des Krieges in einem Konzentrationslager unterbringen werde. Griechenland müsse vermeiden, daß der Krieg auf sein Gebiet hinübergetragen werde. Die Gesandten der Ententemächte wurden von dieser entscheidenden Erklärung des griechischen Kabinetts denkbar unangenehm berührt. Die verweigerte Audienz. TU Budapest, 22. Nov.„Az Est“ meldet, daß die griechiche Regierung alle griechischen Schiffe requiriert hat, um Truppen aus dem Piräus nach Saloniki transportieren zu können. General Sarrail wollte von König Konstantin in einer Audienz empfangen werden und der englische Gesandte in Athen, Elliot, verwendete sich im Interesse des Generals. Der König sagte aber kategorisch, daß er den General in Privataudienz nicht empfangen könne, allgemeine Audienzen könne er aber zurzeit nicht geben. Griechenlands Uebereinkunft mit Bulgarien. Aus Sofia wird der„Voss. Ztg.“ gemeldet: Vom Landungskorps in Saloniki wurden bisher Truppen nur nach Serbisch=Mazedonien geschickt. Der Vierverband hatte die Forderung gestellt, die Zusammenziehung seiner Truppen auch an der griechisch=bulgarischen Grenze zu gestatten, was Griechenland jedoch entschieden verweigerte. Der griechische Generalstab widersetzte sich auch der Entsendung von Aufklärungsabteilungen der Vierverbandstruppen an die bulgarische Grenze. Dies bestätigt, daß Griechenland alles vermeiden will, was zu einem Konflikt mit Bulgarien Anlaß geben könnte. Ein neuer Balkanbund? TU Konstantinopel, 22. Nov. Die Zeitung„Sabah“ meldet aus diplomatischer Quelle, daß zwischen Bulgarien, Griechenland und Rumänien in kürzester Zeit ein neues Balkanbündnig zustandekommen werde. Zu diesem Bündnis habe Rumänien die Anregung gegeben. Bulgarien und Griechenland hätten gern eingewilligt. Die Verhandlungen wurden sofort ausgenommen und dauern zurzeit in Sofia noch fort. Der Bündnisvertrag werde in Sofia unterzeichnet werden. — Der Krieg gegen Frankreich. Einberufung der Jahresklasse 1917 in Frankreich. Die Pariser Abendzeitung„La Presse“ veröffentlicht folgende Erklärung des Deputierten Pato, dem Ueberbringer des Dalbiez=Gesetzes, den sie interviewte: Trotz Einberufung aller verfügbaren Mannschaften sei es notwendig, die Klasse 1917 sofort unter die Fahnen zu berufen, so groß auch unser Schmerz darüber sein mag, diese jungen Leute an die Front zu stellen, denn es geht um die Wohlfahrt Frankreichs. Die alten Klassen werden auch einberufen werden, aber wir müssen eingestehen, daß diese trotz ihrem Mut den Erfordernissen des Jeldzuges nicht mehr gewachsen sind. Man müsse auch auf die Wiederaufnahme der Arbeit im Lande seine Aufmerksamkeit richten, die durch die Einberufung der alten Jahrgänge darniederliege. Eines Belgiers Klage. Die„Köln. Zt.“ meldet aus Berlin unter der Ueberschrift„Eines Belgiers Klage": Die holländische Zeitung„Limburger Kurier“ vom 2. November druckt, bezeichnender Weise in französischer Sprache, einen Artikel ab, betitelt:„John Bull“ und unterzeichnet„Un Belge“. In diesem wird mit bitteren Worten Klage geführt, daß England nicht daran denke, Belgien zu helfen. Warum? fragt der Verfasser und sagt:„Weil das Volk ausschließlich durch Selbstsucht geleitet wird und im Besitz aller Mittel, unser Land zu befreien, seinen Blick auf andere Zwecke richtet, und weil es die eigenen Interessen über die allgemeinen stellt, und, obwohl es dazu imstande wäre, keine Anstrengungen macht, die uns befreien könnten. Der Verfasser setzt dann auseinander, die leitenden Männer wagten nicht, die Wehrpflicht einzuführen, weil, wie bitter bemerkt wird, die Engländer es vorzögen, ihre Haut den Kugeln nicht auszusetzen und weil sie sich nicht für diejenigen opfern wollen, die sich für sie geopfert haben. Der Verfasser versichert: Die Engländer waren uns niemals sympathisch. Das perfide Albion spart seine Kräfte auf, um den letzten Schlag zu führen“.— Die„Köln. Ztg." bemerkt hierzu: Es sind harte Worte einem Verbündeten gegenüber, der doch bekanntlich für die Freiheit und Unabhängigkeit der kleinen Nationen kämpft. Oder ist es nicht so? Sollte es den Belgiern dämmern, daß sie nichts, aber auch garnichts anderes für die Engländer sind als die Gurgkahs und die Turkos, Senegalesen und sonstigen Niggers für die Franzosen? —— Der Krieg gegen Eusland. Gegen die Wehrpflicht. Der„Labour Leader“, dessen Auflage innerhalb der letzten zwölf Monate von 3000 auf 18000 gestiegen ist, machte in seiner Nummer vom 28. Oktober gegen die Einführung der Wehrpflicht mobil. „Bereits Tausende junger Männer in militärtauglichem Alter sind der Antiwehrpflichtvereinigung beigetreten, und wir rechnen bestimmt damit, daß die angedrohte Maßregel, sollte die Regierung ihre Einführung wagen, ein Schlag ins Wasser sein wird. Eisenbahner, Transportarbeiter, Bergleute und Mechaniker werden sich zum Widerstande zusammenschließen, und im Parlament rechnen wir auf mindestens(?) 150 Mitglieder, auf deren Opposition wir zählen können: Zehn Arbeitervertreter, dreißig bis vierzig Radikale und die gesamte irische Nationalistenpartei.“ Neuer englischer Bluff. bb Köln, 22. Nov. Die„Köln. Itg.“ berichtet aus Konstantinopel: In den Dardanellen hat eine große Offensive der Alliierten begonnen. Hiesige türkische Kreise glauben aber, daß es sich nur um einen„Bluff“ handelt. Bagdad gegen die Engländer gesichert. Die„Frankf. Ztg.“ meldet aus Konstantinopel: Die letzten verbürgten Nachrichten vom Kriegsschauplatz in Mesopotamien lauten entschieden hoffnungsvoller. Die Gefahr eines weiteren Vorgehens der Engländer gegen Bagdad kann als beseitigt betrachtet werden. Der englische Vormarsch südlich von Kut(in der Luftlinie etwa 250 Kilometer südöstlich Bagdad) ist zum Stillstand gekommen. Die Lage Bagdads gilt als vollkommen gesichert. Die Agitation der schtitischen Geistlichkeit zugunsten des Heiligen Krieges entwickelt sich mit einer solchen Kraft, daß in ganz Süd=Persien, sowie im Schatt=el=Arab=Gebiet sich bedeutsame Wendungen zu vollziehen beginnen. Es wurde einwandfrei festgestellt, daß die Engländer bei mehreren südlich Kut stehenden indischen Bataillonen jeden zehnten Mann hinrichten ließen. Die indischen Soldaten weigern sich offen, gegen die Grabmoschee von Silmanpa und Bagdad zu marschieren, wo mehrere indische Imans, die als heilig gelten, begraben liegen, und vor allem gegen die Türbe(?) das von den Indern besonders verehrte Abbe el Kader Gueilani in Bagdad zu marschieren. Ein Protest der Deutsch=Amerikaner. Die„Nieuwe RotterdamscheCourant“ meldet aus Neuyork: Wie verlautet, wird seitens der Deutsch=Amerikaner in den Vereinigten Stanten ein Protest an die Regierung wegen der Einstellung der Paketpost nach Deutschland eingereicht werden. Die Regierung soll gefragt werden, warum die Schiffahrtsgesellschaften die Annahme derartiger Pakete ablehnen könnten, da doch die amerikanische Regierung amtlich in einer Note an die englische Regierung sich auf den Standpunkt gestellt habe, daß der bisherige Schiffahrtsverkehr seitens der Alliierten ohne eine Verletzung der internationalen Bestimmungen und der Rechte Amerikas nicht behindert werden könne. Man wird die Regierung auffordern, mit der Tat für ihr Wort einzutreten. Sollte aber wider Erwarten die amerikanische Regierung keinerlei Schritte unternehmen, so wollen die deutsch=amerikanischen Bankfirmen durch amerikanische Reedereien einzelne Schiffe chartern, sie mit amerikanischer Besatzung bemannen und mit den für den Transport der für Deutschland bestimmten Pakete nach holländischen Häfen schicken. — Der Krieg gegen Flatien. Die Ergebnislosigkeit der italienischen Offensive. WTB Basel, 22. Nov. Der militärische Mitarbeiter der„Baseler Nachrichten“ sieht in der Beschießung von Görz und ihrem Erfolg eine Kriegshandlung, die allzu sehr den Stempel einer auf den äußeren Eindruck berechneten Handlung trägt, und die die Mißerfolge des allgemeinen Angriffs auf den Görzer Brückenkopf verwischen sollte. Anders kann man die Tatsache nicht wohl erklären, daß Görz, das doch schon lange unter den Kanonen des Angreifers lag, bisher geschont, und erst jetzt unter das Zerstörungsfeuer der schweren Artillerie genommen wurde. Ueber die italienische Offensive heißt es: Man gelangt an der ganzen Front berechtigterweise zu dem Schluß, daß sich die Angreifer tapfer schlugen, daß aber die ganze große, verlustreiche Offensive auf die hartnäckige Verteidigung keine Wirkung erzielte, die auch nur als Bruchteil des gewollten Erfolges gewertet werden könnte. Schwere Niederlage der Italiener in Tripolis. TU Konstantinopel, 21. Nov. Das Blatt „Ikdam“ meldet: Die Italiener erlitten wiederholt eine schwere Niederlage in Tripolis. Die Aufständischen griffen das Izangebiet an. Verschiedene Orte wurden besetzt. Bei dieser Gelegenheit erbeuteten die Aufständischen 5 Geschütze und 7 Maschinengewehre, in weiteren Kämpfen 17 Geschütze und 3 Maschinengewehre. Die aus Tripolis nach Terhena entsandten Hilfstruppen wurden zurückgeschlagen. Die italienischen Verluste sind äußerst groß, besonders an Offizieren. Angleiche Katuren. Roman von B. Corony. 3 Er liebte es, dieses mähnenartig niederwallende Haar, in welches sich noch keine Silberfäden mischten, zu sehen und dabei mit Justine zu plaudern. Heute war sie auffallend still, aber, wie der Ausdruck ihres Gesichts verriet, mit angenehmen Gedanken beschäftigt. „Worüber sinnst Du nach?“ fragte C., nachdem die Kammerfrau das Zimmer verlassen hatte. „Wenn ich wiederkomme, und das dürfte vor Jahresfrist nicht geschehen, soll Juliane hier debütieren und zwar in einer Oper, in welcher ich selbst beschäftigt bin. Damit denke ich ihr den Weg zu bahnen. Dieses Debüt wird das Hauptereignis der Saison bilden und von den gelesensten Zeitungen der Welt besprochen werden. Meinst Du nicht auch?“ Das heitere Antlitz des Barons verfinsterte sich.„Es ist Dir bekannt, daß ich das Mädchen der Bühne fernhalten möchte.“ „Und ich frage nochmals, wie schon oft: wacum?“ „Weil ich sie lieber im Schutze ruhiger Verhältnisse wüßte.“ „Justines Augen flammten fast zornig auf, als sie sich erhob. Das weiße von Spitzen überrieselte Gewand flutete wie Wellenschaum um sie her und glich einer antiken Tunika. „Ich verstehe Deine Besorgnisse nicht. Was denkst Du eigentlich?— Kann mir jemand einen Vorwurf machen? Widerlege ich nicht jede Befürchtung meiner tief in veralteten Anschauungen stekkenden Angehörigen?“ „Keiner erkannte das rückhaltloser an, als ich!“ Aber gicht jede besitzt Deine Festiokeit und Charakterstärke. Du repräsentierst gewissermaßen eine Ausnahme.“ „Mag sein! Doch ich formte meine Tochter nach mir.“ „Das ist es eben, worüber wir verschiedener Meinung sind. Juliane ist viel weicher, viel schmiegsamer, viel weniger selbständig und gar nicht energisch. Deshalb wünsche ich sie in sicherer Hut zu sehen.“ „Und ich sage Dir: sie müßte zu Grunde gehen innerhalb der engen Grenzen eines Familieule= bens, für welches sie nicht erzogen ist.“ „Man hätte das Mädchen dafür erziehen sollen. Das war immer mein Wunsch, allein Du wolltest Dich nie von ihr trennen.“ „Ich konnte mein Teuerstes nicht fremden, bezahlten Personen überlassen. Neune es Eifersucht, Dünkel, Egoismus oder wie Du willst, mich leitete stets die Ueberzeugug. daß niemand dem Kinde sein könne und sein dürfe, was ich ihm bin und daß niemand es so pflegen, so beaufsichtigen, ihm so jedes Verlangen ablauschen würde, wie ich es tue.. „Das tatest Du und tust Du eben in zu weitgehendem Maße. Du verwöhnst und verweichlichst Julianein einer Weise, welche sie um seine Widerstandskraft bringt, deren doch jeder Mensch bedarf. Es gibt absolut keinen, dem stets ein wolkenloser Himmel strahlt.“ „Das weiß ich selbst am besten. Wer hat mich aber jemals unvermeidlichen Mißhelligkeitengegenüber verzagt, mutlos und schwach gesehen?“ „Du wurdest von strengen Eltern erzogen— und damit sind wir wieder an dem Ausgangspunkte unseres Gesprächs angelangt.“ „Warum soll ich nicht so viel Licht wie möglich über den Lebenspfad meines Kindes verbreiten? Ich werde Juligne auch künftig zur Seite stehen und ihr jeden Stein und jedes Hindernis aus dem Wege räumen.“ „Das kannst Du doch nur mit Deiner eigenen Sphäre." „Welche auch die des Mädchens sein wird.“ „Wer weiß?— Ihr fehlt Dein starker Geist und Deine wandellose Entschlossenheit. Mir kommt sie immer wie ein im Sonnenschein gankelnder Schmetterling vor, der bei dem ersteu rauhen Luftzug die Schwingen zusammenfaltet und matt zu Boden fällt.“ Justine machte eine unwillige Bewegung.„Seltsam, daß es noch einen Punkt auf der Welt gibt, über den wir uns nicht verständigen können. Nun, die Zeit wird ja lehren, wer Recht hat.“ „Möge sie diesen Streit nur nicht auf Kosten der Zukunft unseres einzigen Kindes schlichten.“ „Du fängst an, Schwarzseher zu werden. Soll ich meinen Lieblingsplan opfern? Juliane würde selbst nichts davon hören wollen. Wäre ich nicht von der Bedeutung ihres Talentes überzeugt, so riete ich ihr gewiß selbst davon ab, diesen Beruf zu ergreifen, denn was ich will, ist meiner Tochter Größe.“ Mit südlicher Lebhaftigkeit verteidigte die dell' Ara ihre Ansicht und wenn es ihr auch nicht gelang, C. zu derselben zu bekehren, so war er doch auch weit entfernt, ein rauhes Machtwort zu sprechen und damit den lieben Wünschen seiner Gattin und seines Kindes entgegenzutreten. Als der Gatte Justine mit einem freundlichen „Gute Nacht!“ verlassen hatte, wanderte sie noch lange auf dem weichen, dicken Teppich umher und blieb von Zeit zu Zeit prüfend vor dem Spiegel stehen. Sie hätte die fliehende Jugend festhalten mögen, welche so viele köstliche Gaben mit hinwegnimmt. Die gefeierte Primadonna fühlte selbst, daß ein leichter Nebel sich über den strahlenden Stern ihrer Künstlerschaft zu verbreiten begann und wußte, daß er dichter und dichter werden mußte. Aber sie war mit Leib und Seele Sängerin und konnte nicht los von dem, was ihr eigenes Element bildete. Wohl kam ihr oft der mahnende Gedanke:„Ziehe Dich jetzt zurück,“ allein sie fürchtete die Einförmigkeit, die einschläfernde Ruhe des Privatlebens und bedurfte dieser Scheinwelt, dieses Doppeldaseins voll brennender Erregungen, und wenn der gefürchtete, unvermeidliche Moment des Scheidens dennoch kam, dann mußte ein neues Gestirn, noch blendender, noch farbenreicher aufgehen. Dann sollte Juliane als Fürstin im Reich der Töne herrschen und, eine zweite dell' Ara, die Mitwelt an den einstigen Liebling Europas und Amerikas erinnern. 2. Kapitel. Die dunkelgrünen, schaumgekrönten Wellen der Nordsee wälzten sich rauschend an den mit bunten Muscheln wie mit Blumenblättern besäeten Strand Helgolands und umspielten dumpf dröhnend die rötlichen, steil emporragenden Felsen. Baron C. hatte eine Villa auf dem Oberland gemietet. Juliane geriet über alles in Entzücken; über das wechselnde Farbenspiel des Meeres, über die pfeilschnell dahinschießenden Silbermöven und über die kleinen, gleich Nußschalen auf dem bewegten Elemente schaukelnden Boote. Am Feuster stehend, hatte sie ihr Skizzenbuch genommen und suchte mit gewandtem Stift die eigenartige, wilde Schönheit auf dem Papier festzuhalten. Es gelang ihr. Diese kühn aus dem Handgelenk hingeschleuderten Linien repräsentierten ein Stück echter, unverfälschter Natur. Talent und Temperament offenbarten sich in der kleinen, nur flüchtig ausgeführten Zeichnung. „Gehen wir nun nicht ein wenig fort?“ sagte Juliane, das Buch beiseite schiebend. Justine verzichtete. Angeriffen von der Fahrt, wünschte sie einige Stunden zu ruhen; hingegen zeigte sich der Baron dem Wunsche der Tochter geneigt. 233,10 Serdische Megären. Als wir uns in Belgien genötigt sahen, nach Kriegsrecht energisch gegen den Teil der Zivilbevölkerung vorzugehen, der sich völkerrechtswidrig am Kampfe beteiligte, durchhallte ein Schrei geheuchelter Entrüstung die Welt. Aus der bitteren Notwehr deutscher Soldaten wurden die sattsam bekannten„belgischen Greuel“ gemacht. Die Flut hat sich indessen abgeebbt, die Wahrheit ist zum guten Teil durchgedrungen, und um die böse Absicht derer, die nicht sehen und hören und die Wahrheit nicht erkennen wollen, brauchen wir uns nicht zu kümmern. Nun hat sich aber längst herausgestellt, daß, wie in Belgien auch in Serbien die Zivilbevölkerung, selbst Frauen und Kinder am Kampfe gegen die ins Land dringenden Truppen teilnehmen. Es ist sicher gut, diese Tatsache heute klar vor aller Welt gründlich festzustellen, damit die Resultate, die sich daraus mit Notwendigkeit ergeben, später die rechte Beurteilung erfahren. Besonders da die servische Regierung und natürlich die feindliche Presse es sich angelegen sein lassen, die Tatsache zu bestreiten, daß die serbische Zivilbevölkerung am Kampfe teilnehme, um das Odium von der serbischen Regierung abzuwälzen, daß sie ihre eigenen Untertanen durch die Aufforderung an Nichtsoldaten, sogar an Franen, sich der Landesverteidigung auf eigene Faust hinzugeben, ins furchtbarste Verderben gestürzt hat. Aber dieser Ableugnungsversuch wird unsern Gegnern nichts nützen, denn es liegen die unwiderlegbarsten Beweise vor, deß selbst Frauen gegen unsere Soldaten die Waffen sozusagen von der Regierung in die Hand gedrückt worden sind. Das „Berner Tagblatt“ schreibt über dieses Thema: „Die Teilnahme der serbischen Zivilbevölkerung an den Kämpfen ist eine sehr traurige, aber nicht abzuleugnende Tatsache. Es sind nicht österreichische oder deutsche Blätter allein, die dies behaupten, sondern es liegen auch aus der Zeit, als die neuerliche Invasion drohte, Berichte aus russischen Blättern vor, die von der Erhebung der gesamten Bevölkerung sprechen. Uns sind in Genf und Lausanne illustrierte französische Zeitungen bekannt, die Bilder enthielten, auf denen serbische Frauen und Mädchen von Offizieren im Schießen abgerichtet werden.“ So weit das Schweizer Blatt. Einen noch durchschlagenderen Beweis für den Anteil von Nichtsoldaten an den Kämpfen in Serbien aber liefert die„Daily Mail“, wenn sie berichtet, daß die Geliedte eines serb. Leutnants ein Weiberkorps gebildet hat, dem schon 389 Weiber beigetreten seien, die mit Messern, Gewehren, Revolvern und Dolchen bewaffnet werden. Diese Tatsachen werden denen vorzuhalten sein, die wahrscheinlich wieder zu schreien anfangen, wenn es unsern Soldaten nicht gelingt dieser mit Messern und Dolchen bewaffneten serbischen Megären anders als durch gütiges Zureden Herr zu werden. Wer sich außerhalb der Gesetze stellt, hat die Folgen zu tragen! es sind ja nur Wie England seine farbigen Hilfsvölker behandelt. Der Leutnant der Reserve Schöphaus beim 2. Ersatz=Bataillon des Inf.=Regts. Nr. 39 hat, wie WTB. amtlich mitteilt, seinem Truppenteil die folgende dienstliche Meldung erstattet: „Während meines Kommandos als stellvertretender Adjutant der Bahnhofskommandantur Opladen hatte ich am 8. und 9. Oktober Gelegenheit, mich mit englischen und französischen Gefangenen zu unterhalten, die Anfang dieses Monats in den Kämpfen bei Loos in deutsche Hände gesallen waren Durch längeren Aufenthalt in England der englischen Sprache möchtig, unterhielt ich mich mit den englischen Offizieren der Kitchener=Armee über die letzten Kämpfe in Flandern und Nordfrankreich. Hierbei machte mir ein englischer Oberleutnant von einem Londoner Regiment folgende, für die Verwendung und die Wertschätzung der farbigen Hilfsvölker in der englischen Armee recht bezeichnende Mitteilungen: Bei den Kämpfen um Loos haben die Engländer nach heftigem Artifferiefener und nach Verwendung von giftigen Gasen, in der Voraussetzung, daß die deutschen Stellungen sturmreif seien, zuerst die indischen Truppen zum Angriff vorausgeschickt. Als diese Truppen jedoch bei ihrem Vorgehen heftiges Feuer erhielten und schwere Verluste erlitten, wurden ungeachtet der überaus zahlreichen Verwundeten und der wenigen unverletzt gebliebenen Leute wettere giftige Gaswolken vorgetrieben, so daß die Verwundeten usw. elend umkamen. Dann erst wurden, die englischen Soldaten zum Angriff eingesetzt. Auf meine Frage, ob eine derartige rücksichtslose Behandlung der eigenen Truppen nicht verwerflich sei, meinte der englische Oberleutnant spöttisch:„S. es Aus Stadt und Umgedung. Rückblicke auf den Weltkrieg. 22. November. Fliegeraugriff auf Friedrichshafen.— Die Türken am Suezkanal. Unsere Feinde geben und gaben bekanntlich ihrer Entrüstung über Neutralitätsverletzung durch Deutschland scharfen Ausdruck; sie selbst aber nahmen und nehmen es darin wenig genau. Am genannten Tage überflogen englische und französtsche Flugzeuge ganz ungeniert schweizerisches Gebiet, um die deutsche Luftschiffwerft in Friedrichshafen angreifen zu können. Das deutsche Abwehrkommando stand aber in Vereitschaft, ein Flieger ward heruntergeschossen, ein anderer entkam auf schweizerisches Gebiet und die feindlichen Bomben richteten in der Werft keinen Schaden an, dagegen wurden einize Personen verletzt. Die Schweiz protestierte gegen die Neutralitätsverletzung.— In der Türkei wurde jetzt die Proklamation zum Heiligen Krieg in allen muselmanischen Ländern im Druck verbreitet. Das längere Schriftstück bezeichnet Rußland als den grausamen Feind der menschlichen Wohlfahrt, nennt die Triplentente eine Gruppe von Usurpatoren und schließt mit einem glühenden Appell an alle Muselmanen, ihre Pflicht zu tun, um die Feinde der islamitischen Religion zu besiegen. Inzwischen waren die türkischen Truppen bei Katesa östlich vom Suezkanal, und bei Kantara am Kanal selbst siegreich gewesen und hatten die länder geschlagen; die Türken faßten nun am genannten Tage am Kanal festen Fuß. Zugleich erlitten die Russen in Täbris(Persien) ein furchtbares Blutbad durch Kurdenstämme, ein Beweis, daß die islamitische Bewegung mehr und mehr um sich griff. **(Zum Kapitel Lebensmittelwucher.) Das stellvertretende Generalkommando des 7. Armeekorps in Münster hält es für erforderlich, die Bevölkerung darauf aufmerksam zu machen, daß ebenso verwerflich wie das Treiben der Lebensmittelwucherer auch das Verhalten derjenigen ist, die höhere Preise bieten, als sie von den Händlern gefordert werden, nur um eine bestimmte Ware schnell zu erhalten. **(Höchstpreise und Konsum.) Die festgesetzten Höchstpreise für Fleisch, Butter, Milch und verschiedene andere Nahrungsmittel dürfen nicht dazu verleiten, den Umfang des Bedarfs und Verbrauchs über Gebühr zu steigern. Die Höchstpreise verfolgen allein den Zweck, die Bevölkerung vor Uebervorteilung zu schützen und ihr die notwendigen Nahrungsmittel zu erschwinglichen Preisen zuzuführen. Deshalb kann auch die Mahnung nicht oft henug wiederholt werden, mit allen wichtigen Nahrungsmitteln zu sparen und den Butter= und Milchverbrauch, sowie den Fleischgenuß nach Möglichkeit einzuschränken und immer darauf bedacht zu sein, auch den geringsten Rest von Speisen der Ernährung zu erhalten. **(Keine Bukterkarten.) Wie die„Berliner. Tägl. Rundsch.“ wissen will, sei die Absicht der Reichsregierung, Butterkarten nach dem Muster der Brotkarten einzuführen, an dem Widerspruch des preußischen Staatsministeriums gescheitert. Ueber die geplante Einführung von Fleischkarten sei die Entscheidung noch nicht gefallen. **(Gasanschlüsse.) Infolge des Petroleummangels während der Kriegszeit sind in unserer Stadt seitens des städtischen Gaswerks rund 700 neue Anschlüsse gemacht worden. Nun soll auch noch das nördliche Weichbild der Stadt zwischen Hörderstraße und Holzenerweg mit Gas versehen werden. **(Gedächtnisfeier.) Die militärischen Vereine des Kirchspiels Schwerte veranstalteten am gestrigen Totensonntag am Kriegerdenkmal eine erhebende Gedächtnisfeier zu Ehren der gefallenen Heldensöhne unserer Stadt. Nach vorherigem gemeinsamen Kirchgang zogen gegen 11 Uhr die Vereine und die Jugendwehr, an der Spitze eine größere Abordnung der in den hiesigen Lazaretten befindlichen Verwundeten, mit umflorten Fahnen zum Denkmal, wo sich inzwischen mit den städtischen Vertretungen auch Herr Major Freiherr von Rheinbaben und eine große Menschenmenge eingefunden hatten. Zu Beginn der Feier brachte der M.=G.=V.„Cäcilia“, dessen Reihen der anerbittliche Krieg gleichfalls auch gewaltig gelichtet hat, unter Herrn Lehrer Mattenklodt's Leitung den„Vaterlandsgruß“ von Huber zum Vortrag, worauf Herr Bürgermeister Nohrmann eine tiefempfundene Gedächtnisrede hielt. Nach einer Würiditung der großen Heldentaten unserer tapferen Truppen, die, unter Gottes sichtlichem Beistand von Sieg zu Sieg eilend, jetzt weit in Feindesland stehen, fand er Worte innigen Dankes für die gefallenen Söhne unserer Stadt, die ihre Treue zu Kaiser und Reich mit ihrem Herzblut besiegelten. Die Hinterbliebenen möge der Gedanke, daß die großen, gewaltigen Opfer dieses Krieges nicht umsonst gebracht sind, in ihrem Schmerz aufrichten und trösten. Möchten doch alle Trost finden in Gott, Trost aber auch in dem Gedanken, daß aus den zahlreichen Gräbern ein neues herrliches Deutschland erstehen wird. Mit der Aufforderung an die Daheimgebliebenen, der großen Taten unserer tapferen Truppen stets dankbar eingedenk zu bleiben und diesen Dank nicht nur in Worten auszudrücken, sondern auch durch werktätige Liebe, besonders den Hinterbliebenen der Gefallenen gegenüber, an den Tag zu legen, schloß Redner seine Ansprache, die sichtlich tiefen Eindruck auf die zahlreichen Zuhörer machte. Zu Füßen des Denkmals wurden zwei prächtige Kranzspenden, je einer von der Stadt und von den Vereinen gewidmet, niedergelegt, die„Cäcilia“ brachte Haselhoffs Chor „Dem Vaterlande“ stimmungsvoll zum Vortrag und die ernste Feier war beendet. Still rückten die Vereine in die einzelnen Lokale zurück. ** EStistung einer Rriegsdenkmünze.) Die sofortige Ausgabe einer Kriegsdenkmünze oder eines anderen Kriegsabzeichens an sämtliche Kriegsinvalide hat der Deutsche Industrieschutzverband Dresden beim Preußischen und Sächsischen Kriegsministerium beantragt. In der Eingabe wird u. a. darauf hingewiesen, daß für die Wiederunterbringung der Kriegsinvaliden im Erwerbsleben namentlich in gewissen, auf den Verkehr mit dem Publikum anzewiesenen Berufen (wie Kellner, Reisende, Verkäufer ufw.) das Fehlen eines Kennzeichens für ihre Eigenschaft als Kriegsinralide nach den bisherigen Erfahrungen des Verbandes bei der Arbeitsbeschaffung nachteilig ist und daß die wünschenswerte Rücksichtnahme auf die im Felde erlittenen Verwundungen oder Gesundheitsbeschädigungen der Kriegsinvaliden an den Arbeitsstellen nur dann gesichert erscheint, wenn deren Kriegsteilnehmer=Eiszenschaft jedermann erkennbar ist. **(Im Silberkranz.) Am heutigen Tage können die an der Hörderstraße wohnenden Eheleute Schlosser Fr. Hengste das schöne Fest der silbernen Hochzeit feiern. Wir gratulieren bestens! **(Die teueren Heringe.) Der Direktor der Bonner Versuchsstation, Professor Neubauer, weist eingehend nach, daß der gegenwärtige hohe Heringspreis im schreiendsten Gegensatz zu dem reichen Heringsfang dieses Jahres steht und in keiner Weise berechtigt ist. So betrage z. B. in Holland der diesjährige Heringsstand 438000 Tonnen gegen 330 000 Tonnen im Vorjahre. Während in Friedenszeiten die Preise für den üblichen Handelsmarkt„Prima Original“ zwischen 20 und 30 Mk. (mitunter etwas darüber) schwankten, fordert heute Holland für dieselbe Marke einen Preis von 140 Mirk. Die holländischen Fischer würden jedoch in der Ausführung ihres Berufes nicht so stark behindert, daß sich die unverhältnismäßig hohe Mehrforderung rechtfertigen ließe. Es sei hohe Zeit, daß die beabsichtigte Einführung von Höchstpreisen für Fische recht bald erfolge. **(Schmuck der Kriegergräber.) Anläßlich des gestrigen Totensonntags hatten die militärischen Vereine des Kirchspiels Schwerte auf den Kriegergräbern auf dem evangel. und kath. Friedhofe je einen prächtigen Kranz mit schwarz=weiß=roter Schleife und Widmung niederlegen lassen. Des Nachmittags sang der Chor des Jungfrauenvereins unter Leitung des Herrn Pastor Ohlig an den mit Tannengrün prächtig geschmückten Kriegergräbern auf ersterem Friedhofe einige Lieder. Als ein Zeichen echt deutscher Zartheit darf es angesprochen werden, daß auch das in der Nähe der Kriegergräber liegende Grab des Engländers einen frischen Kranz erhalten hatte. Der Friedhof selbst war gestern das Ziel vieler Trauernder, welche die Gräber teurer Verstorbenen als Zeichen liebenden Gedenkens mit einem grünen Kranze schmückten. **(Vortrag über die Dardanellen.) Am Mittwoch abend 8½ Uhr findet im„Reinoldushof“ zu Dortmund der zweite Traub=Vortrag über die Dardanellen und den Mohamedanismus statt. Ein Spätwagen der Elektrischen fährt diesmal wieder bei genügender Beteiligung; Anmeldungen hierzu werden bis Dienstag abend erbeten. *“ Kalthof, 21. Novbr.(Festgenommen) und dem Amtsgericht Iserlohn zugeführt wurden hier gestern zwei russische Flüchtlinge, die sich nicht ausweisen konnten. Anscheinend handelt es sich um entflohene russische Kriegsgefangene. * Hörde, 20. Nov.(Tödlicher Unfall.) Der Wagenreiniger Heinrich Deimann ist am gestrigen Abend beim Rangierbetrieb auf der Hermannshütte tödlich verunglückt. D. hatte verbotswidrig einen Zug benutzt, um einen Weg nicht zu Fuß zurückzulegen. Er ist dann, weil er sich auf eine Schutzlehne stellte, abgestürzt und von dem Zuge durchgeschnitten worden. Der Verunglückte Wireischf aud Vermischtes. u. Der„arme“ reiche Rodefeller. Daß sich John D. Rockefeller, der vielleicht noch um eine halbe Milliarde oder noch mehr dem allmächtigen Morgan über ist, nicht an der„morganatischen“, anglofranzösischen Amerikaneranleihe beteiligt hat, konnte bei der eifersüchtigen Feindschaft zwischen den Häusern Morgan und Rockefekler kaum wundernehmen. Und trotzdem würde Rockefeller etwas darum geben, wenn er nur sein Vermögen richtig unterbringen könnte. Sein jährliches Einkommen beträgt gegenwärtig rund eine Trittelmilliarde. Daß er sein Geld in sicheren Werten anlegen kann, ist ausgeschlossen; daran, daß er sein Einkominen aufbraucht, ist bei seinem bescheidenen Lebenswandel gar nicht zu denken und an zweifelhafte Werte wie die englisch=französtsche Anleihe will er sein Geld auch nicht verschwenden. Also: man sieht wieder einmal, daß Geld allein auch nicht glücklich nacht: die„Tragik“ liegt bei Rockefeller daein, daß er das Geld so rasch hereinbezmmt, daß er Mühe hat, es wieder loszuwerden. Der Aermste ist aber auch wirklich mitt seiner Million täglichen Verdienstes zu beinitbeiden * Der Wilddieb mit dem Scheinwerfer. Bisder gehörte zu der Ausrüstung eines Wildvirves gemeiniglich eine Stockslinte un höchstens noch ein Sack zum Fortschaffen der Beute. Der moderne Wilddieb macht sich jetzt aber anscheinend, ganz wie der Weltkrieg, die Errungenschaften der Technik zu Nutze. So wurde bei Datteln im Kreise Recklinghausen ein Wilddieb festgenommen, der sich bei Ausübung seines Handwerks eines— Scheinwerfers bediente. Es wird darüber berichtet: Der Gendarm Stahl, der eines Nachts auf Wilddiebe fahndete, hörte in seiner Nachbarschaft einen Schuß und sah plötzlich, wie eine Person, die im Dunkeln blieb, das Gelände mit einem kleinen Scheinwerfer, absuchte. Der Beamte näherte sich dem Lichtkegel und forderte dann den Unbekannten mit lauter Stimme auf, sein Gewehr wegzulegen. Dabei kam der Beamte in den Lichtkegel hinein, und der verwegene Wilddieb benutzte die günstige Beleuchtung, um sofort sein Gewehr auf den Gendarmen abzuschießen. Glücklicherweise traf die Kugel nur als Streifschuß. Der Getroffene sprang zur Seite und feuerte nun seinerseits, ohne jedoch zu treffen. Das gleiche war mit einem zweiten Schuß des Wilderers der Fall. Inzwischen hatte sich aber der Beamte an die Dunkelheit etwas gewöhnt; er bemerkte nun seinen Gegner an dessen Bewegungen und feuerte auf ihn einen zweiten Schuß ab, der diesen zu Boden streckte. Er war kampfunfähig und mußte ins Krankenhaus geschafft werden. Bei näherer Untersuchung stellte es sich heraus, daß der Wilderer neben seiner Jagdausrüstung eine Laterne bei sich trug, die einen Scheinwerfer aufwies. Er pflegte damit das Gelände abzusuchen, wenn er nachts ein Tier nicht gleich zu Tode getroffen hatte. * Der Ausbruch des Stromvoli. Nach einer Meldung der„Agenzia Stefani“ ereignete sich Sonnabend vormittag ein Ausbruch des Vulkans Stromboli. Lavamassen und Steinregen vernichteten einige Weinberge. Auf der Insel Lipari wurde ein ziemlich starkes Beben wahrgenommen.— Der Vulkan Stromboli befindet sich auf einer der Liparischen Inseln an der Nordseite Siziliens. * Brand eines Lehrer=Seminars. Das Lehrer=Seminar zu Segeberg(SchleswigHolstein ist völlig niedergebrannt, wobei die sehr wertvolle Bibliothek vernichtet worden ist. * Mord und Selbstmord. In der Nacht zum Sonntag vergiftete die Arbeiterfrau Selma Säuberlich in Dresden ihre drei Kinder und sich selbst. Sie und die jüngste Tochter sind tot, während die beiden älteren Kinder gerettet werden konnten. Die Frau war seit dem Einrücken ihres Mannes zum Militär schwermütig und hatte schon öfters Todesgedanken geäußert. Musik und Theater. Städtisches Schauspielhaus, Hagen. In der am. morgigen Dienstag stattfindenden Aufführung von Henrik Ibsens„Nora“ wirken die ersten Kräfte des Hamburger Thalin=Theaters mit. In der folgerichtigen Entwickelung der zugleich außerordentlich spannenden Vorgänge, in der Geschlossenheit der Handlung, in der Schärfe der Dialektik, in der Kunst, seelische Stimmungen in knappster Form zu klarem Ausdruck zu bringen, steht der Dichter unter den Zeitgenossen in diesem Werk unerreicht da.— Um vielfachen Wünschen des Publikums entgegenzukommen, beginnt die Vorstellung um 8 Uhr und endigt um 10½ Uhr. Stadttheater Dortmund. Dienstag, 23. November, abends 7½—16½ Uhr: „Der Waffenschmied von Worms“, komische Oper mit Ballet in 3 Aufzügen von Albert Lortzing. Mittwoch, 24. November, abends 6½—11 Uhr: „Faust“. Der Tragödie erster Teil von Wohgang von Goethe. Donnerstag, 25. November, abends 7½—10½ Uhr: „Der Troubadour“, große Oper in 4 Aufzügen von Guiseppe Verdi. Freitag, 26. November, abends 7½—10¼ Uhr: „Die Jugendfreunde", Lustspiel in 4 Aufzügen von Ludwig Fulda. — Büchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. „Der Landsturm", Marschlied von W. Oschmann, Musik von Rud. Hoffmann, Verlaz W. Oschmann, Bochum. Singstimme mit Klavierbegleitung 30 Pfg. Nur Singstimme auf Postkarte mit Nationalrand 10 Pfg. Bei größeren Bezügen Vorzugspreise. Auf dem Gebiete der Kriegs= und Soldatenlieder=Literatur unserer Tage verdient das obige Werkchen besondere Beachtunz. Die frischen, volkstümlichen Marschliedstrophen, zu denen der Komponist des„Deutschen Kriegsliedes", Musikdirektor Rudolf Hoffmann=Bochum, eine zündende, schlagkräftige Musik geschrieben hat, werden bald von unseren wackeren Landstürmern daheim und draußen im Felde mit Lust und Begeisterung gelungen werden. Verantwortlich für die Redaltion Friede. Krags. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schweste ss kaufen Sie sehr vorteilhart in dem Spezialhaus A W##I, X. P# für Herren- und Knaben-Kleidung der Firma ArHien&amm Sein. Ostenhellweg 23(gegenüber J. Fischer) in Dörtmund, Bekanntmachung. Die Weihnachtssendungen betreffend. Die Reichs=Postverwaltung richtet auch in diesem Jahr an das Publikum das Ersuchen, mit den Weihnachtssendungen bald zu beginnen, damit die Paketmassen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zu sehr zusammendrängen. Bei dem außerordentlichen Anschwellen des Verkehrs ist es nicht tunlich, die gewöhnlichen Beförderungsfristen einzuhalten und namentlich auf weite Entfernungen eine Gewähr für rechtzeitige Zustellung vor dem Weihnachtsfeste zu übernehmen, wenn die Pakete erst am 22. Dezember oder noch später eingeliefert 4) die ausgebohenen Heziehungsweise, tauglich besgz'ege# diesem zu geneuen. Sie sind aug nicht als Rekruten anzusehen.). Pakete sind dauerhaft zu verpacken. Etwaige die nach dem vi. De;] 6. Die dem Here oder der Marine angehörenden Personen, auf dem Verpackungsstoff vorhandene ältere Ausschriften und Beklebezettel müssen beseitigt oder unkenntlich gemacht Geten g emtt gihfem 91i im Landwehrbezirk II Dortmund. Zu den Konirollversammlungen haben zu erscheinen: 1. Sämmtliche in der Kontrolle des Bezirkskommandos 11 Dortmund stehenden Mannschaften, also a) die Mannschaften des Beurlaudtenstandes des Heeres und der Marine, einschließlich der Ersatzreservisten, b) die Mannschaften des gedienten Landsturms. c) die Mannschaften des unged enten, ausgehobenen Landsturms. wieder entlassen ist, hat sich mit dem Jahrgang 1887 des unin Landsturm zu gestellen. „Sämtliche übrigen Mannschaften aller Woffengaltungen“ im Sinne odiger Bekanntmachung sind: Garde, Verkehrstruppen, Jäger, Kavallerie, Feldarlillerie, Pioniere, Train. Sanitäts- und Veterinärpersonal Fußartillerie. Marine. Als Krankenträger ausgebildete Mannschaften der Infanterie und Jäger, sowe Militärbäcker gehören zum beurlaubten Stande des Train. 5. Die ausgehobenen Rekruten und die als Rekruten bereits eingestellt gewesenen, aber zur Disposition der Ersatzdehörden wieder entlassenen Mannschaften haben sich zu der jeweils letzten an ihrem Kontrollplatz stattsindenden Kontroll= Versammlung zu gestellen. Die im Jahre 1896 geborenen und gemusterten Mann= Pakete schaflen gehören zum ungedienten Landsturm und haben sich mit werden. reits else 3i. Seähgen ek uis e) die ausgehobenen Rekruten und die als Rekruten bereits eingestellt gewesenen, aber zur Disposition der Ersatzbehörden wieder entlassenen Mannschaften(Erläulerungen Iisser 5).„„, 462b stanken Gria 2. alle dem Heee oder der Marine angehörenden Personen, die sich zur Erholung, wegen Krankheit oder aus einem andern Grunde auf Urlaud befinden und soweit marschfähig sind, daß sie den Kontrollplatz erreichen können(Erläuterungen Ziffer 6). Amt Annen. Annen, Wirtschaft Greien am Marktplatz. Provinzial=Infanierie der Jahresklassen 1888—1902 am Dienstag, den 23. Nov., 9.15 vorm. die sich zur Erholung, wegen Krankheit oder aus einem anbeien Giande unf ungus-Seinnemnun.few,go 1gE! deren Grunde auf Urlaud befinden und soweit marschsähig sind, E. anutzung nen dünnen Rannkasten sd daß sie den Kontrollplatz erreichen können, haben sich zu der werden. Die Benutzung von dünnen Pappkasten, schwachen erstkl. Fabrikate.— (Dürkopp Nothm.) 30.— bis 40— Mk. können Sie sparen wenn Sie ohne Reisenden od. Agentenkaufen. = Reparaturen= in elgener Werkstatt zu den billigsten Preisen.(Vorheriver Kostenauschlag). Gebrauchte Maschinen von 8.— Mk. an. Snezialhaus C. Schlüter, Dortmund, Hoher Wall 38 neben der Martinschule. — Fernruf 5368.— en gros. en detall. jeweils letzten an ihrem Kontrollplatz staltfindenden Kontroll= Versammlung zu gestellen. 7. Zu den Kontroll=Versammlungen haben auch zu erscheinen alle auf eigenen oder ihres Arbeitgebers Agtrag zurück. gestellten oder bereits eingestellt gewesenen und wieder entlassenen Mannschaften. Alle diese haben sich je nach ihrem Wehrpflichtverhältnis(z. B Beurlaubtenstand, ungedienten Landsturm 2c.) mit ihrem Jahrgang zu gestellen. Schachteln, Zigarrenkisten usw. ist zu vermeiden. Die Aufschrift der Pakete muß deutlich, vollständig und haltbar hergestellt sein. Kann die Aufschrift nicht in deutlicher Weise auf das Paket selbst gesetzt werden, so empsiehlt sich die Verwendung eines Blattes weißzen Papiers, das der ganzen Fläche nach fest aufgeklebt werden muß. Am zweckmäßigsten sind gedruckte AufProvinzial=Insanlerie der Jahresklassen 1903—1915 sowie alle seinem Truppenteil erhalten hatte und nicht verpflichtet ist, Ohrigen gedienten Mannschaften der Jahresklassen 1888 bisI bei dem Bezirks=Kommanoo anzumelden Was die zur Wiederaufnahme der Arbeit auf kurze Zeit nur schriften auf weißem Papier, dagegen sind Vordrucke zu deuraubten Leute anbetrifft so wird auf Ziffer 6 verwiesen. Be= Paketkarten ungeeignet für Paketaufschriften. Bei in lurlauat ist ein Mann nur dann, wenn er einen Urlaubspaß von Leinwand verpackten Sendungen mit Fleisch und anderen übrigen gedienten Mannschaften der Jahresklassen 1888 bis 1915 und Ersatzreserve der Jahresklassen 1902—1915 am Dienstag. den 23. Nov., 10.45 vorm. sich bei dem Bezirks=Kommando anzumelden. 8 Mannschaften, die elwa noch in der Kontrolle des Bezirks=Kommando II Doctmund stehen, aber an Orten wohnen, Wo 2 de Pog. 12.50 nachen. sich zu den Kontrol=Versammungen des Bezirks=Kommandos Ungedienter Landsturm Jahrg. 1876—1880 am Dienstag, den zu gestellen, 1881—1885 am Mittwoch, den 1886—1890 am Mitlwoch, den litärpapiere mindestens 3 Tage vor der Kontroll=Versammlung einem Verluste der Paketkarte das Paket doch dem Emp1891—1896 am Mittwoch, den 23. Nov. 2.30 nachm. Ungedienter Landsturm Jahrg. 24. Nov. 9.15 vorm. Ungedienter Landsturm Jahrg. 24. Nov. 11,00 vorm. Ungedienter Landsturm Jahrg. 24. Nov. 1.30 nachm...„sggie und unachlante Die sogenannten D.=U.=Mannschaften(gediente und ungediente) am Mittwoch, den 24. Nov., 3.30 nachm. Amt Kirchhörde. Hombruch, Wirtschaft Wwe. Schniltker. Sämtliche gedienten Mannschaflen der Jahresklassen 1888 bis 1915 und Ersatzre'erve der Jahresklassen 1902—1915 am Donnerstag, den 25 Noo., 9.00 vorm. Ungedienter Landsturm Jahrg. 1e69—1874 am Donnerstag, den 25 Nov., 10.15 vorm 9. Befreiungen von Kontroll=Versammlungen finden nur in den allerdringendsten Fällen statt Gesuche sind unter Beifügung einer amtlich beglaubigten Bescheinigung und der MiGegenständen, die Feuchtigkeit, Fett, Blut usw. absetzen, darf die Aufschrift nicht auf die Umhüllung geklebt werden. Der Name des Bestimmungsortes muß recht groß und kräftig gedruckt oder geschrieben sein. Die Paketaufschrift muß sämtliche Angaben der Paketkorte enthalten, also auch den Freivermerk, bei Paketen mit Postnachnahme den Betrag der Nachnahme, sowie den Namen und die Wohnung des Absenders, bei Eilpaketen den Vermerk durch Eilboten“ usw., damit bei vorzutragen. Auch wer sich an einem anderen als an dem für ihn befohlenen Tage stellen möchte, hat ein Gesuch einzureichen Eigenmächtige Gestellung zu anderen Kontroll=Versammlung ist strafbar. Gesuche um Befreiung von kontrollpflichtigen Mannschaften eines ganzen Beiriebes oder Teilen von solchen können keine Berücksichtigung finden. 10. Wer der Einderufung zur Konfroll=Versammlung nicht Folge leistet oder unpünktlich oder betrunken erscheint, sowie wer sich des Ungehorsams gegen vorstehende Befehle schuldig macht, wird gerichtlich oder disziplinarisch bestraft 11. Es wird sehr gewünscht, Orden und Ehrenzeichen, soDie sogenannten D.=U.=Mannschaften(gedenle und ungediente) wie Krieger=Vereinsabzeichen anzulegen. am 25. Nov., 11.80 vorm. Ungedienter Landsturm Jahrg. 1875—1880 am Freitag, den 26. Nov., 9,00 vorm Ungedienter Landsturm Jahrg. 1881—1885 am Freilag, den 26. Nov., 11,00 vorm. Ungedienter Landsturm Jahrg. 1886—1890 am Freitag, den 26 Nov., 1,30 nachm. Ungedienter Landsturm Jahrg. 1891—1896 am Freitag, den 26. Nov., 3.30 nachm. Amt Barop. Hombruch, Wittschaft Woe Schnittker. Provinzial=Infanterie der Jahresklassen 1888—1898 am Samstag. den 27. Nov., 9.00 vorm. Provinzial=Infanterie der Jahresklassen 1889—1915 sowie sämtliche übrigen gedienten Mannschaften von 1888 bis Dortmund, im November 1915 Königliches Bezirks=Kommando II Dorlmund. Veranutmachung. Mittwoch jeder Woche werden bis auf weiteres vom städtischen Lager in der Haselackstraße Speisekartoffeln zum Preise von 3.70 Mk. für den Zentner in Mengen von 50 Pfund und mehr an hiesige Eingesessene gegen 1915 und Ersatzreseroe von 1902—1915 am Samstag. den Vorzeigung der Brotkarten=Umhüllung und Barzahlung 27 Noo, 10.00 vorm.,„, sekasgoben..———erzahlung den abgegeben. fänger in gewünschter Weise ausgehändigt werden kann. Auf Paketen nach großen Orten ist die Wohnung des Empfängers, auf Paketen nach Berlin auch der Postbezirk(C, W. SO usw.) anzugeben. Empfehlenswert ist die Anbringung einer zweiten Aufschrift innerhalb der Verpackung. Zur Beschleunigung des Betriebs trägt es wesentlich bei, wenn schon der Absender die erforderlichen Marken auf die Pakeikarte klebt. Die Versendung mehrerer Pakete mit einer Paketkarte ist für die Zeit vom 12. bis einschließlich 24. Dezember weder im inneren deutschen Verkehr noch im Verkehr mit dem Anslande gestattet. 5146 Gemeinschaftliche Einlieferungsbescheinigungen über mehrere gewöhnliche Pakete werden in der bezeichneten Zeit nicht ausgestellt. Berlin W 66, den 17. November 1915. Der Staatssekrelär des Reichs=Postamts: Im Auftrage: Kobelt. „ täglich 500—1000 Ltr. gesucht. Auch in kleineren Mengen von 50 Ltr. an lieferbar zum Preise von 25 Pfg. für das Lir. bei Jahresvertrag frei Bahrhof Schwerte. Kaution kann gestellt werden. Offerten unter L. 5307 an die Gesch. d. Zig. e ttott am 19. d. Mis.. nachmittags. auf d. Hüsingstr. bis zum Markt eineschwarz. gestr. Handtasche m. geld. Bügel u. versch. Inhalt. Geg. Belohn. abzug. in der Geschäftsst dir 3ta 5344 -188s am Samstag, den Ungedienter Landsturm Jahrg. 1869—1877 am Samstag. 27. Noo. 11.15 vorm. Ungedienter Landsturm Jahrg. 187827. Nov., 12,30 nachm. Ungedienter Landsturm Jahrg. 1887—1396 am Samstag, den 2V. Nov., 2,80 nachm. Die sogenannten D. U=Mannschaften(gediente und ungediente) am Samstag, den 27. Nov., 4.30 nachm. Amt Wellinghofen. Wellinghofen, Wirtschaft Wicken. Sämtliche gedienten Mannschaften der Jahresklassen 1888 bis 191 und Ersatzreseroe von 1902—1915 am Monlag, den 29. Nov., 8.45 vorm. Ungedienter Landsturm Jahrg. 1869—1877 am Montag, den 29. Noo, 10.15 vorm. Ungedienter Landsturm Jahrg. 1878—1886 am Montag. den 29. Nov., 12 30 nachm. Ungedienter Landsturm Jahrg. 1887—1896 am Montag, den 29. Nov., 2.30 nachm Die sogenannten D.=U.=Mannschaften(gediente und ungediente) am Montag, den 29. Noo., 4,30 nachm. Stadt Schwerie. Schweite. Wirtschaft„Im Reiche des Wassers". Provinzial=Insanterie der Jahresklassen 1883—1915 am Diens. tag. den 30. Nov., 9.00 vorm. Sämtliche übrigen gedienten Mannschaften der Jahresklassen 1888—1915 und Ersotz=Reserve der Jahresklassen 1902 bis 1915 am Dienstag. den 30 Nov., 10.00 vorm. Ungedienter Landsturm Jahrg. 1869—1875 am Dienstag, den 30. Nov. 12,30 nachm. Ungedienter Landsturm Jahrg. 1876—1885 am Dienstag, den 30. Nov 2,15 nachm. Ungedienker Londkurm Jahrg. 1886—1896 am Dienslag, den 30. Nov, 400 nachm. Die sogenannten 9 U.=Mannschaften(gediente und ungediente) am Dienstag 30. Nov, 5.45 nachm. Amt Wenhofen. Westhofen, Wittschaft Fritzenkötter. Sämtliche Mannschaften aller Waffengattungen der Jahresklassen 1898—1915 und Ersatzreseroisten der Jahresklassen 1902 bis 1915 am Dienstag, den 30 Noo, 9.00 vorm. Ungedienker Landsturm Jahrg. 1869—1880 am Dienslag. den 30 Nov. 10.30 vorm. Ungedienter Landsturm Jahrg. 1881—1896 am Dienstag, den 80. Nov., 1,00 nachm Die sogenannten D.=U=Mannschaften(gedienke und ung. diente) am Dienslug. den 30 Noo, 5.00 nachm. 5345 Schwerte, den 20. Nove nber 1915. Der Erläuterungen. 1. Die Mannschaften haben in ordentlichem und sauberem Anzuge zu erscheinen und 5 Minuten vor der besohlenen Zeit im Kontroll=Versommlungslobal nach Anweisung des Bezitksfeldwebels anzurreten. Stöcke, Schirme brengende Jigarren 2c. sind vorher abzulegen. Mtlitärpässe, Urlaudspässe, kurz alle militärischen Papiere sind mitzubringen. 2 Die zur Kontrolle besohlenen Mannschaften gehören für den ganzen Tog der Kontrou Beisammlung zum aktiven Heere und zur Militärger atsbarkeit. 5 Die Jahresklasse ist auf dem Deckel des Militärpasses oder Landsturmscheines zu ersehen. Für Mannschaften des ungedienten Landsturms, die eingezogen gewesen sind und jetzt einen Militärpaß haben, ist nicht die auf ihrem Passe vermerkie Jahresklasse maßgebend, sondern das Gedurtsfahr, z. B. ein Mann. der 1887 geboten ist, die Entscheidung Landsturm gehadt hat, im Februar 1913 eingestellt und Im August Die Wegestrecke zwischen den Besitzungen des Landwirts Heinrich Vogt in Garenfeld einerseits und des Schreinermeisters Wilhelm Schäfer in Garenfeld andererseits, Flur 1 Nr. 319·098 der Steuergemeinde Garenfeld, soll am Vogl'schen Grundstücke entlang verlegt werden. Ein diesbezüglicher Lageplan lieg! auf dem hiesigen Amte, Zimmer Nr. 6, zu jedermanns Einsicht auf In Gemäßheit des§ 57 des Zuständigkeitsgesetzes vom I. August 1883 wird dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenninie gebract, daß Einsprüche hiergegen binnen 4 Wochen zur Vermeidung des Ausschlusses bei der unterzeichneten Wegepolizeibehörde gellend zu machen sind. Westhosen, den 15. November 1915. Die Wege=Poli zei=Behörde. 5346 J. V.: Gue. Beigeordneter Weihnachten in Bethel. Zum zweiten Male, mitten unter Lärm und Leid des großen Krieges, wird das deutsche Volk die Weihnachts=Bolschaft hören Auch unsere Bethelgemeinde rüstet sich auf die Feier des Festes, das von dem Frieden und der großen Freudredet. Einen Abglanz dieser Freude möchlen wir gern den tapferen Kriegern bringen, die auf ihrem Schmerzenslager of: einen heißeren Kampf zu kämpfen haben als vorher draußer in den Schützengräben. Bisher sind schon fast 7000 Verwundenin unseren 30 Lazaretten aufgenommen worden; wir rechnen daß etwa 1•00 zu Weihnachten bei uns sein werden Dazu kommen fast 3000 Kranke, Kinder und Heimatlose. Auch sie! hoffen auf eine bescheidene Weihnachtsgabe Wer hilft uns dabei mit? Für alles sind wir dankbar, ob man uns Kleidungsstücke schicken will oder Zigarren. Bilder, Bücher für die Großen Spielsachen für die Kleinen oder Celd, um das zu kaufen, was Kleine und Große am meisten erfreut Je eher es geschiehl, um so besser können wir alles vertellen! Mit herzlichem Weihnachtsgruß an alle Freunde von Bethe F. v. Bodelschwingh, Pastor Bethel bei Bielefeld. im November 1915 Bekanntmachung. Auf Grund der Bekanntmachung über die Regelung de Kartoffelpreise vom 28 Oktober 19 5 wird für den Stodtbezirk Schweile nach Anhörung der Preisprüfungsstelle folgendes destimmt: S 1. Als Höchslpreise für den Kleinhandel mit Kartoffeln werden festgesetzt: 4 Mk. für den Zentner beim Verkauf von einem halben Zentner und mehr. 48 Pfennig für 10 Pfund beim Verhauf von Mengen unter einem halden Zentner. Die Preise gelten für die Abnehmer der Kartoffeln am Lager oder an der Verkaufsstelle(z. B. Laden, Mark stand). S 2. Diese Verordnung tritt sofort in Kraft. Schwerte, den 19. November 1915. Magistrat. Rohrmann. 5831 Ersatz für die teure Bulter. Brockenkraut a 29 3 Zuckerhonig 8.40 Gem. Marmelade g 45 Pflaumenmus K 48 khein. Apfelkraut a 60 L. Weinberg. 9 9 9 95 Tader urtema ker. Sache. I [Technikum! Mittweida Direktor: Professor Holzt.“ Höheres techn. Institut f. Eicktro- u. Maschinentechnik, Sonderabteilungen f. Ingenieure, Techniker u. Werkmeister. Elektr. aobrik-Vortatlinen. 18 u. besuchteste Anstalt. IA Programmete grat v. Schret ussssrs Dartmund. Markt 2. Oedentiche liefert schnell und sauber Blichnruckarm E. braus!, Kauchent für alle häuslichen Arbeiten auf sofort gesucht. 53 50 Zu erfragen in der Geschäftsstelle d. Itg. 10 Prozent Rabait gebe ich auf Betten während der Krienszeit Gats Betten soll man nur in einem reellen Geschäft kaufen, weiches seit Jahren Liesem Artikel ganz besondere Sorgfalt zuwendet. „„„„- K e d e r n. federdichter Barchent. „" Verkaufe unter langjähriger Garantie jedes Bettes: Vollständiges 1½ schläfiges Ober= oder Unterbett mit 7 Pfund gereinigten Federn gefüllt..... 7,00 und 9,00 Mk. Vollständiges 2schläfiges Ober- oder Unterbett mit 10 Pfund gereinigten Federn gefüllt......... 12,50 Mk. Vollständiges 2schläfiges Ober- oder Unterbett mit 10 Pfund gereinigten Federn gefüllt 15,50 Mk. Vollständiges 2schläfiges Ober- oder Unterbett mit 10 Pfund gereinigten Halbdaunen gefüllt. 17,50 Mk. Grosses 2schläfiges Der- Pfühl mit 3 Pfund gereinigten Federn gefüllt.......... 4,00 Mk. 1 24 1 Kissen mit 2 Pfund Federn gefüllt........ nur 195 Mk. Grosses Kissen mit 2 bis 3 Pfund gereinigten Federn gefüllt 2,00 2.50 u. 3.00 Mk. Bessere 1- und 2schläfige vollständige Betten von 50,00-120 Mark. Auf Wunsch Füllung der Betten Im Beisein der Käufer.# — Betten mit woniger Inhalt entsprechend billiger.— □ Wilhelm sasse Nuchn, ## Schwerte, Müsingstrasse 8. 1— 05 Verzweifelt warf sich Michael auf seinen Vater und umklammerte ihn mit beiden Armen.„Besinne dich, Vater, ehe du dich soweit vergißt! Ich ändere mich ja doch nicht mehr!“ „Du willst mir trotzen, mir Gewalt antun?“ (Fortsetzung folgt.) 912 Denkspruch. Je länger Au die reinen menschlichen Gefühle niedertingst. Um so gewaitiger richten sie bemach, Wenn ihre Stunde schlägt, sich wieder auf. Grabbe. Ein Jubiläum des Neuen Testamentes. Kürzlich waren 400 Jahre verflossen, seit die erste Ausgabe des griechischen Neuen Testamentes erschien. Mit dieser für die damalige Zeit kühnen Tat geschah der erste entscheidende Schritt zu einer kritischen Behandlung, einem tieferen Verständnis und einer weiteren Verbreitung des heiligen Textes. Zwar sollte es noch volle 200 Jahre dauern, bis die Textkritik der griechischen Bibel sich von der klassischen Philologie befreite und ihre eigenen sicheren Wege einschlug. Aber deshalb darf der Ruhm derer, die die ersten Schritte auf dieser mühevollen Bahn taten, nicht geschmälert werden. Dieser Ruhm gebührt nun den spanischen Gelehrten, die unter der Leitung und nach dem Plane des Kardinals Franz Limenes de Cisneros, Erzbischofs von Toledo, das große sog. complutensische Bibelwerk besorgten, in das auch zum erstenmal des griechische Neue Testament aufgenommen wurde. Diese gewaltige wissenschaftliche Leistung, die in Complutum, dem Ort Alcala de Henares in Spanien, unter Mitwirkung des Demetrius Ducas von Kreta, Antonius von Lebrixa, Jac. Lopez de Stunica und Ferd. Nunez de Guzman herausgegeben wurde, erschien in sechs prächtig gedruckten Foliobänden bis 1517 und enthält neben dem hebräischen Text des Alten Testamentes, der lateinischen Bulgata und einer chaldäischen Paraphrase auch zum erstenmal den griechischen Text des Neuen Testamentes. Der Band mit dem Neuen Testament wurde zuerst veröffentlicht. Höchst eigentümlich war noch die Form der griechischen Buchstaben, in denen das Buch gedruckt wurde; auch war der Text nur nach mehreren jungen Handschriften hergestellt. Immerhin war ein sehr bedeutsamer Anfang gemacht.„Das berühmte Werk glänzt heute noch“, so urteilt ein berufener Kenner wie Eduard Reuß in seiner Geschichte des Neuen Testamentes, „mehr durch seine Seltenheit und seinen monumentalen Charakter, als durch den Nutzen, den es der Wissenschaft leisten könnte; aber jene Eigenschaften sichern ihm die Unsterblichkeit besser, als die größere innere Vollendung den meisten seiner Nachfolger.“ Dieser Urausgabe des Neuen Testamentes trat jedoch bald eine andere an die Seite. Ehe noch das Werk des spanischen Kardinals ganz vollendet war, hatte der tätige Basler Buchdrucker Johann Froben durch den berühmten Theologen und Humanisten Erasmus von Rotterdam eine besondere Ausgabe des Neuen Testamentes besorgen lassen.„Ohne gehörige Vorbereitung, mehr ein Kaufmannsgeschäft als ein wissenschaftliches Unternehmen, war sie flüchtig gearbeitet und mit sehr unzureichenden Hilfsmitteln.“ Diese Ausgabe, die 1516 erschien und in späteren Auflagen von dem gelehrten Herausgeber vielfach verbessert wurde, ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil sie Luther als Vorlage für seine deutsche Uebersetzung diente. Diese beiden Ausgaben, die complutensische und die erasmische, sind die eigentlichen Quellen für die späteren Ausgaben des Neuen Testamentes geworden, und so konnten wir kürzlich das 400jährige Jubiläum des griechischen Bibeldruckes begehen. Die Entstehung des Schachspiels. Ueber den Erfinder und den Zeitpunkt der Erfindung des geistreichsten aller Spiele, des Schachspiels, ist uns nichts Endgültiges bekannt. Man glaubt, den Ursprung des Spiels mit ziemlicher Sicherheit nach Indien verlegen zu können und nimmt als Zeitpunkt etwa das 5. Jahrhundert v. Chr. an. Aus dem indischen„Tschaturanga“, einem Würfelvierschach, läßt sich das persische„Schatrandsch“ herleiten. Dieses Schatrandsch war bereits ein Zweischachspiel und verdankte seinen Namen der Hauptfigur im Schachspiel, dem König, der bekanntlich in Persien„Schah“ heißt. Unser späteres „Schach“ ist ebenfalls auf diese Quelle zurückzuführen. Das Schatrandsch kam zuerst durch die Araber nach Europa und herrschte hier ungefähr 500 Jahre. Am Ende des 15. Jahrhunderts trat das Spiel durch Einführung der erweiterten Kraft des„Läufers“ und der„Dame“ in ein neues Stadium. Im 16. und noch zu Anfang des 17. Jahrhunderts waren Italien und Spanien die Kulturstätten des Schachspiels. Bei Beginn des Dreißigjährigen Krieges bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts lag dann das Schachspiel in ganz Europa darnieder. In Frankreich und Italien entstanden erst um 1750 herum die Schulen des Philidor und Ercole del Rio, diesen Meistern folgten nach einigen Jahrzehnten Stein in Holland und Allgaier in Wien. England, Frankreich und Deutschland teilten sich dann weiter in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die Pflege des Schachspiels, zu denen zum Ende dieses Jahrhunderts noch Nordamerika hinzutrat. Heute dürfte das Schachspiel das weitverbreitetste Spiel sein, an dem sich alle Nationen der Welt beteiligen. Zeugnis hiervon legen die internationalen Meisterturniere ab, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt an Zahl und Bedeutung gewonnen haben. Diese Turnicre werden in verschiedener Weise ausgefochten. Neben den Matchspielen— es sind dies Wettkämpfe zwischen zwei Gegnern, bei denen eine bestimmte Anzahl gewonnener Partien den Ausschlag gibt— existieren auch die Korrespondenzpartien, welche auf schriftlichem Wege zwischen einzelnen Klubs oder einzelnen Meistern zum Austrag gebracht werden. 2 Dumor. Es kommt darauf an. Sonntagsjäger:„Ich bin zu einer Treibjagd bei Herrn von Dingsda eingeladen. Was meinen Sie, was ich dem Treiber geben muß?“ „Das kommt ganz darauf an, wo Sie ihn treffen.“ — S. S MFüRSSASRE F9SESR 9 8 *—* n WNN 9..... 83 □. 55 4711 Unterhaltungs Beilage zu Nr. 273. Montag. 22. November 1915. 10 Droben im Flur kam ihnen der alte Josef entgegen. Noch tiefer gebeugt erschien heute seine kümmerliche Gestalt; sein Gesicht war überwacht und durchzogen von Linien tiefen Grames. Beim Anblick der Baronin füllten sich seine Augen von neuem mit Tränen. Wortlos gab sie ihm, dem treuen Diener des Toten, die Hand, über die er sich ehrfurchtsvoll neigte. "* Er hatte mit fanatischer Liebe an seinem Herrn gehangen, und er wußte, daß auch Otta diesen geliebt hatte. In dieser Minute wob diese gemeinsame Liebe ein Band um die beiden so grundverschiedenen Menschen. Beim Anblick der schönen Frau, welche so tief schwermutsvoll aussah, verflogen alle die leisen Verdachtsmomente, welche sich schon in Josefs Brust geregt hatten. Er konnte jetzt plötzlich nicht mehr glauben, daß diese Frau je etwas Böses gegen das Kind seines toten Herrn im Schilde führen könne. Sie hatte ihn ja auch so lieb gehabt! Mußte ihr da nicht auch sein Kind heilig sein? „Frau Baronin wollen gewiß zuerst zu— zu unserem Toten?“ fragte Josef und öffnete bereits die Tür zu dem Arbeitszimmer Ludwig von Werbachs. Die volle Sonne brach durch die unverhüllten Fenster und schüttete ihr goldenes Strahlenbündel aus über den stummen Mann, welchen man vom Boden aufgehoben und auf den breiten Diwan gebettet hatte. Scharf hob sich das feine, bleiche Antlitz ab gegen das dunkle Polster. Frau Otta wich jäh zurück. „Nein,“ sagte sie kurz,„ich gehe jetzt nicht hinein! Später, wenn die Kommission fort ist! Und heute nacht bleibe ich hier und halte die Wacht. Ich allein! Hadmar wollte etwas erwidern, aber sie schritt schon auf die Mitteltür zu, und gleich darauf stand sie im Zimmer einigen Herren gegenüber, welche sich bei ihrem Eintritt erhoben hatten. Ein paar Worte flogen hin und her. Die Baronin nahm die Vorstellungen entgegen. „Doktor Winkler, Bezirksrichter— Herr Helm, Polizeikommissar—“ Den alten Arzt, Doktor Wichmann, kannte sie bereits. Sie wollte ihn etwas fragen, aber er kam ihr zuvor: „Frau Baronin, wir Aerzte konnten hier“—er deutete nach dem Totenzimmer—„leider gar nichts machen. Es war ein Schuß aus allernächster Nähe, unzweifelhaft von dem armen Baron selbst abgefeuert; denn seine Hand hält jetzt noch krampshaft die Waffe. Also— entweder ein Unglücksfall— vielleicht herbeigeführt durch unvorsichtiges Putzen der Pistole— oder ein Selbstmord. Irgend etwas anderes ist vollständig ausgeschlossen. Die Kugel führte augenblicklich den Tod herbei. Also, Frau Baronin, hier war jede menschliche Hilfe umsonst. Anders ist es dort drüben"— er wies nach Elisabeths Zimmer—„die bedauernswerte junge Frau ist zwar sehr schwach und liegt in hohem Fieber— aber hoffentlich retten wir sie trotzalledem. Und das Kind— der Knabe— ist sehr kräftig. Ein normales, gutentwickeltes Kind—“ Otta hob leicht abwehrend die Hand, so daß der Arzt rasch abbrach. Dann setzte sich die Baronin und winkte Hadmar, dem Grafen Steinberg und Förster Axmann gleichfalls, sich zu setzen. Sie sprach ein paar einleitende Worte: Fragen allgemeiner Natur. Im stillen wunderten sich die Herren über die seltsame Ruhe, mit welcher diese Frau den ganz ungewöhnlich tragischen Fall aufnahm. Jetzt erschien sie absolut nicht nervös. Schließlich ging sie zu den Hauptsachen über: „Also— und die Herren haben gar nichts sonst Auffälliges gefunden?“ fragte sie fast ein wenig zögernd. Der Bezirksrichter schüttelte den Kopf. „Nichts, Frau Baronin; außer wenn wir das geheimnisvolle Auto in Betracht ziehen.“ „Ein Auto?“ Graf Steinberg war aufgesprungen und sprach das in einer sonderbaren Erregung. Doktor Helm, der Polizeikommissar, nickte. „Ja; der Diener Josef und Frau Hanne, die Begleiterin der jungen Frau, sagen beide übereinstimmend aus, daß ihrem Wagen ein kleines, silbergraues Auto durch mehr als zwei Stunden folgte. In dem Wagen saß eine männlich aussehende Gestalt in einem weiten Pelzmantel, mit Autobrille und hochgeschlagenem Kragen. Man vermochte absolut keinen Zug des Gesichts zu unterscheiden.“ Graf Steinberg war tief erblaßt. Ein Zittern lief durch seine schlanke Gestalt. O Himmel! Da war sie ja — seine„Florida“— und sein Pelz— und seine Autoausrüstung. Und hatte er nicht selbst in dieser letzten Nacht dieses Bild gesehen? Das lichte Auto und darinnen die vermummte Gestalt, welche eher einem Fabeltier glich als einem Menschen? Kalter Schweiß trat auf seine Stirn, sein Atem ging schwer. Sollte er jetzt hier sprechen? Toll wirbelten die Gedanken durch seinen Kopf. Deutlich sah er wieder die Szene vor sich im Schuppen des Forsthauses, sah Otta zu dem Kasten schleichen, in dem sein Pelz hing, sah sie etwas aus dessen Tasche nehmen. Nein— er mußte schweigen. Auch sie selbst sollte nicht ahnen, daß er so viel gesehen. Jedenfalls hatte sie wichtige Gründe gehabt— sie war ja so klug, so welterfahren; sie mußte selbst wissen, was sie zu tun hatte. „Also dieses Auto,“ fuhr Doktor Helm gelassen fort, „folgte dem Wagen durch längere Zeit. Allerdings geht keine andere Straße hierher nach dem einsamen Jagdschlosse, und zum Vorfahren ist der Weg, bis auf einige wenige Stellen, nicht geeignet. Mußte der Insasse des Autos also hierher kommen, dann war schließlich nichts Auffälliges an seinem Gebaren. Das Sonderbare an der Sache ist nur das: knapp vor dem Schlößchen überholte das Automobil den Wagen, fuhr ihm vor und verschwand dort hinter dem Schlößchen. Diese Straße aber führte nicht weiter, sondern macht einen weiten Bogen um das Gebäude und um den Park, und mündet schließlich wieder hier vor dem Hause auf der gleichen Stelle in die Fahrstraße ein. Da nun im Hause niemand das Gefährt selbst mehr sah, so liegt es auf der Hand, daß dieser Person nur um eins zu tun war: nämlich um genaue Beobachtung der Ankunft der jungen Frau Baronin!“ „Wessen?“ fragte Otta scharf dazwischen. Doktor Helm sah erstaunt auf. „Der jungen Baronin Elisabeth von Werbach“, vollendete er zögernd. Frau Otta zuckte die Achseln. „Meines Wissens nach war mein Schwager nicht verheiratet. Er hat seiner Familie gar keine Mitteilung offizieller Art von einer Verlobung oder Vermählung gemacht, niemand hat je von seiner Absicht, sich zu verheiraten, gehört.“ „Es ist eine langjährige Dienerin der jungen Frau da, welche wir sofort hören werden,“ sagte der Bezirksrichter schnell. Er läutete und Josef erschien. Der alte Mann war noch immer vollständig überwältigt von all dem Geschehenen. Hinter ihm trat Hanne ein, welche das Kind auf dem Arme trug. „Meine junge Gnädige ist eben ein wenig eingeschlummert,“ sagte die alte Frau nach einem stummen Gruße.„Ich kann abkommen, da der Arzt bei ihr ist.“ (Fortsetzung folgt.) Die Ruhelosen. Erzählung von M. Henzler. (Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) Und in ihm drängte jeder Blutstropfen nach diesem Besitz, nach Selbständigkeit und Freiheit. Jeder Fußbreit Erde, den er unter sich fühlte, war ein Teil seiner Kraft, seiner heißen Wünsche und Hoffnungen. Jetzt oder nie war der Augenblick zum entscheidenden Handeln für ihn gekommen. Länge schon hatte er darauf hingearbeitet, Michael heimlich in seinen Schwärmereien unterstützt, ihm Bücher verschafft und ihn in seinen Fluchtplänen bestärkt. Und war er erst fort, hatte er schon viel gewonnen. Ja!— Nur fort, und wenn's sein mußte,— heute noch! Ueber die Markung hinaus verfolgte ihn sein Vater nicht mehr, dafür kannte er ihn. Sich noch dem Gerede der Menschen und den peinlichen Fragen der Behörden auszusetzen, würde er ängstlich vermeiden. Also war er seiner Sache so gut wie sicher. Ihm schwindelte fast bei diesem Gedanken. Es sang und klang in ihm:„Fort! dann ist der Weg frei für dich!“ Michael lauschte— und sprang mit einem Satz auf die Füße, legte die Hände an den Mund und rief ein helles:„Trari!— Trara!“ in die feierliche Abendstille. Etwas unfroh und gezwungen antwortete ihm Heinrich. Dann standen sie einander gegenüber. Michael reichte dem Bruder die Hand und bot ihm ein herzliches:„Guten Abend“. Zögernd schlug Heinrich ein, seine Augen flackerten unruhig über Michael hinweg. „Nun, was bringst du mir für Neuigkeiten? Hast du endlich mit Vater gesprochen und ihn auf meine Abfichten vorbereitet?— Schau nicht so griesgrämig drein, Junge!— Wenn's nichts Gutes für mich ist, sag's frei heraus!— Ich bin wohl ein Träumer und Bucherwurm, aber kein Feigling. Was sein muß, nehme ich auf mich!— Also los!“ Heinrich reckte sich hoch, schaute dem Bruder nachdenklich ins Gesicht und erwiderte rasch und stoßweise: „Michael, du bist noch nicht mündig und kannst nicht selbst über dich entscheiden. Der Vater will dich mit der Faust regieren. Du sollst ein Bauer werden und bleiben, und wenn du darüber zugrunde gehst!“ Und lauernd, mit versteckter Furcht in Stimme und Miene, fügte er hinzu:„Wenn du's nicht kannst und nicht willst, steht dir ja die ganze Welt offen. Ueberleg' dir's, Junge. Ich steh' dir bei, wenn's zum Aeußersten kommt. Ich habe ja immer zu dir gehalten und bleibe dir auch fernerhin kreu, darauf gebe ich dir mein Wort.“ Michael nickte stumm. Er atmete schwer. Ein kurzer, hartr Kampf um Pflicht und Kindesliebe tobte in seinem Innern. Im nahen Gebüsch der werbende, lockende Gesang der Nachtigall. Ueber ihm der Himmel, mit seinen Milliarden von Sternen. Der Mond ergoß sein mildes Licht über Berg und Tal. Er liebte die Natur nach anderen Gesetzen. Seinem Forscherdrang war sie ein ewig neues Rätsel und voll herrlicher Wunder. Er lebte nur in ihr und für sie. Er wollte und konnte nicht entsagen. Fest und ruhig erwiderte er:„Ich komme mit, Heinrich, denn einmal muß doch dieses Hangen und Bangen ein Ende nehmen! Der Vater will, was ich nicht kann. Wir werden ja sehen, wer von uns der Stärkere ist.“ Er packte seine Bücher zusammen und ging, dem Bruder voran, den Berg hinab. Heinrich folgte ihm stolz und aufrecht,— im Vorgefühl seines Sieges. Wiegand sah die beiden kommen. Er war inzwischen nicht vom Fenster gewichen und hatte sich immer tiefer in seinen Groll verbissen. Und doch hingen seine Blicke in heimlichem Vaterstolz auf seinen beiden jugendschönen Söhne. Jeder auf seine Art ein Meisterwerk der Natur: Michael ein blonder Recke mit treuherzigen Kinderaugen und weichen Zügen, Heinrich voll strotzender Bauernkraft, jeder Nerv ein Arbeitsmensch; das Antlitz hart und scharf, dunkles Haar und trotzig blickende Augen unterschieden ihn vom Bruder. Bis vor die Stübe ging Heinrich mit. „Ich bleibe in der Nähe, wenn du mich brauchst, rufst du mich," flüsterte er Michael hastig zu, als der Vater ungeduldig die Türe aufriß. „Nun wie lange soll ich noch auf dich warten?!“ herrschte er Michael an und zog ihn ins Zimmer. Michael grüßte ihn ehrerbietig, streckte dem Vater die Hand enkgegen und sagte warm:„Guten Abend, llieber Vater, verzeih, ich habe mich wieder verspätet.“ Wiegand lachte verächtlich auf:„Verzeihen?! Nein! Einem Tagedieb und Faulenzer verzeiht man nichts— „Vater!“——-— „Still, widersprich mir nicht!“ unterbrach ihn der Bauer.„Das bist du in meinen Augen,— solange du dich so benimmst! Aber morgen früh punkt fünf Uhr begleite ich dich aufs Feld, stelle dich in die Reihen der anderen und kommandiere dich zur Arbeit! And— deine Bücher bringst du mir auf der Stelle hierher! Oder besser, ich geh' mit auf deine Stube und lasse keinen Winkel undurchsucht, und dann—— Haha!—ins Feuer damit! Die Großmagd wird uns dann unser Frühstück damit kochen!“ „Vater!“— Ein Aufschrei aus angstgequäkter Brust zitterte durch den Raum.„Vater, tu das nicht! Sie sind mein heiligstes Gut! Stück für Stück hab' ich mir selbst erworben.“ „Mit meinem Geld!“ schrie der Bauer dazwischen. „Ja, mit deinem Geld, Vater, das ich zu Vergnügen und Tanz erhielt. Mich lockte das nicht. Mit meinen Büchern war ich glücklich. Wahr ist's, ich versäumte damit die Arbeit, die mir zukam, vergaß die Pflicht gegen dich, aber ich konnte eben nicht anders, lieber Vater! Und ich will auch nicht mehr zurück. Vater, wir sind reich. Gib mich frei! Ich will arbeiten,— aber nur für die Wissenschaft! Nicht aus Spielerei oder Faulheit, wie du's nennst, sondern als ernstes Studium. Du hast uns eine gute Schulbildung gegeben, ich war der Erste und Beste von allen. Die Lehrer selbst wiesen mich diesen Weg. Sieh, und ich bin ja erst 18 Jahre, und ein ganzes Leben liegt noch vor mir!“ „Heiser schrie Wiegand auf:„Halt ein, Junge, sonst vergesse ich mich!“— Mit drohend erhobenen Fäusten trat er dicht an seinen Sohn heran. „Gut, daß du mir nun deine ganze Unnatur preisgegeben hast! Haha! studieren! Den vornehmen Herrn spielen! Das Celd mit vollen Händen aus dem Fenster werfen! Und der Tölpel von Vater bedankt sich noch bei seinem Sohn für diese Ehre und Wohltat! Junge, Junge!". Des. Bauern Stimme überschlug sich. Er nahm Michael bei den Schultern und schüttelte ihn heftig hin und her. Seine Augen bohrten sich, um Verständnis klehend, in Michaels Gesicht.„Junge, komm zu dir, ehe es zu spät ist! Du bist mein Erbe und hast dich unserm Cesetz zu fügen! Das ist mein letztes Wort! Ich werde dir deine Gelüste schon aus Hirn und Seele treiben, verlaß dich darauf!“ Dann gab er ihn frei und ging rasch zur Türe. „Wenn du nicht mit wiltst, kann ich auch die Bücher allein beiseite schaffen!“ Michael vertrat ihm den Weg und bat herzlich: „Laß' mir die Bücher, Vater, sie gehören mir, nicht dir!“ „Hast du mir zu befehlen, Bursche? Zurück, keinen Schritt aus dem Zimmer, bis ich drüben fertig bin.“