Amtliches Kreisblatt Ge Scmntmn Seiuer aben anden Feiernags, Bezupprt M. Dotrnet, #abrüdh, dei der Posi sa: Bedelgen 4a Pia Wöchenz. Gealsdellage:„Jüushrianen Famlentruns“ u. Uol. Uakrtalbugeston. Anzeigenpris: Die Zedengespoltene Peutzeuoden deren Raum 10 Plg., Anzeigen uns auswärts 15 Pig., Rehlamezelle 40 Pfg. Jeder Radan gu ab Aasentob a mischis da torsen, Jwangsorgleichen, gertau. Klagen a., Secebmnterast Seinessiunt! Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Dolksbias Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Abnme Bollasdhung Verbunden mit? Schwerker Cageblatt,O Schwerker Anzeiger Gestes und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis bärde&am Gaupt-Aunonrenbit uie dute, und ihetebigeüichn durn sungen ft des Autes Hörbe erlongen gunss Behannpnochung der Abutglichen Regiegung tuch Derssemnüichuag in dn„Schmunm Jettuag“ zuchwoerdiadliche Auest.— Dia Schwarter Zeitung“ gewodrt idrnn Abonarsin It jebes al Ted snbenben Uslel gr. Mggg: 30 Mk. Unsall. Druch u. Verlog s. Corl Brow. Schwene.2 Fermip 62. Tehg. Vdr. Drove Schmune. led on. ifall. u. Nr. 266. Freitag, den 12. November 1915. 47. Jahrgang. Die Allciligelung der serbischen Armee. Wieder über 5000 Serben gefangen genommen.— Reiche Kriegsbeute gemacht. Vergeblicher Ansturm der Italiener auf Die Schutzmacht der Neutralen. Lerlge genug hat es gedauert, bis so etwas wie ein Zusammenschluß der durch den Weltkrieg in ihren Rechten beeinträchtigten neutralen Staaten aus dem Drange der Not herausgeboren worden ist. Schweden, Norwegen und Dänemark hatten sich bald zusammengefunden, um auf gemeinsam festzustehender Grundlage ihre nationalen und wirtschaftlichen Interessen nach beiden Seiten hin zu wahren. Holland und die Schweiz wollten lieber für sich allein bleiben, und Amerika, der große Bruder jenseits des Weltmeeres, hatte zunächst so viel mit sich selbst zu tun, daß es nicht darauf verzichten mochte, erst einmal seine eigenen Wege zu gehen. Es reinete von Washington her ordentlich Protestnoten, bald nach Berlin, bald nach London, bis der Unterseebootkrieg die Aufmerksamkeit des Weißen Hauses so vollständig in Anspruch nahm, daß alles andere dahinter weit zurücktrat. Durch die verdienstvollen Bemühungen unseres Botschafters Grafen Bernstorff ist dieser Streitstoff, wie man gegenwärtig hoffen darf, ein für allemal aus der Welt geschafft und nun sehen wir, daß auch für Herrn Wilson aufgeschoben nicht aufgehoben ist. Er hat jetzt den Engländern sehr deutlich seine Meinung gesagt und es ausdrücklich als seine Aufgabe bezeichnet, für die Unverletzlichkeit der Rechte der Neutralen gegen Ungesetzlichkeiten der Kriegführenden einzutreten. Uns gegenüber hat er seinen Willen ja so ziemlich durchgesetzt; nun wollen wir sehen, wie er mit unseren Feinden fertig werden wird. Einstweilen ist es köstlich zu sehen, wie die biederen Engländer den Amerikanern begreiflich zu machen suchen, daß sie ihnen bitteres Unrecht zu tun im Begriffe seien. Deutschland kann gar nicht blockiert werden; die Vereinigten Staaten könnten doch unmöglich erwarten, daß England sich mit einer Razelung zufrieden gebe, durch die Deutschland England blockieren könne, aber England verhindert werde, das gleiche zu tun. Wie Präsident Wilson sich mit diesen Anführungen abfinden wird, liegt auf der Hand: erstens einmal ist Deutschland gar nicht blockiert; denn sein Seehandel mit den skandinavischen Ländern vollzieht sich wie in Friedenszeiten, nicht einmal der regelmäßige Personenverkehr Saßnitz—Tralleborg und umgekehrt ist unterbrochen. Dann aber ist die Blockade neutraler Häfen im Kriege unbedingt verboten, und wenn es ein grundlegendes Recht der Neutvalen gibt, das sie sich unter keinen Umständen aus der Hand schlagen lassen dürfen, so dieses. Es kommt hier eben nicht darauf an, was England oder Deutschland frommt oder nicht frommt— dazu würde es keines Völkerrechts bedürfen— sondern was den unbeteiligten Völkern an Rechten gegenüber den kriegführenden Staaten zugesprochen worden ist. Daran aus Grundsatz festzuhalten und durch Rücksichten der Zweckmäßigkeit nicht rütteln zu lassen, ist eine Lebensfrage für die Neutralen. So hat der Präsident der Vereinigten Staaten geantwortet, als er mit Deutschland im Notenkriege lag, so wird er auch Herrn Grey bescheiden, wenn dieser sich die Vorhaltungen jenes Blattes zu eigen machen sollte. Auch daß die Durchsuchung von Schiffen auf höher See undurchführbar sei, beginnt den Engländern plötzlich einzuleuchten, wo es sich um ihre Kriegsmaßnahmen handelt. Daß die Amerikaner die gleiche Forderung unseren U=Booten gegenüber erhoben, fanden sie dagegen nur natürlich und berechtigt. Deutscher Tagesbericht. wtb. Großes Hauptquartier, 11. Nov. 1915. nicht zur Durchführung. Bstlicher An verschiedenen Stellen der Front Artilleriekämpfe sowie lebhafte Minen= und Handgranatentätigkeit. Ein englisches Flugzeug mußte nordwestlich von Bapaume landen; die Insassen sind gefangen genommen. Heeresgruppe des General=Feldmarschalls von Hindenburg. Bei Kemmern(westlich von Riga) wurden gestern drei Angriffe, die durch das Feuer missischer Schiffe unterstätzt wurden, abgeschlagen. In der Nacht sind unsere Truppen plarmäßig und ungestört vom Feinde aus dem Waldgelände westlich und südwestlich von Schlok zurückgezogen worden, da es durch den Regen der letzten Tage in Sumpf verwandelt ist. Bei Bersemünde(südöstlich von Riga) kam ein feindlicher Angriff in unserem Feuer Bei einem kurzen Gegenstoß nahmen wir über 100 Russen gefangenHeeresgruppe des General=Feldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern Die Lage ist unverändert. Heeresgruppe des Generals von Linsingen. Unterstützt von deutscher Artillerie warsen österreichisch=ungarische Truppen die Russen aus Kosciuchnowka(nördlich der Eisenbahn Kowel= Saruy) und ihren südlich anschließenden Stellungen. 7 Offiziere, über 200 Mani. und 8 Maschinengewehre sind eingebracht. Sädlich der Bahn scheiterten russische Angriffe. Balkan= Die Verfolgung der Serben im Gebirge sädlich der westlichen Morava hat gute Fortschritte gemacht; über 4000 Serben sind gefangen genommen. Die Armee des Generals Bojadjeff hat die Morava an mehreren Stellen überschritten. Oberste Heeresleitung. Oesterreichischer Tagesbericht. WTB Wien, 12. Nov.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 11. November mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Westlich von Czartoryst wiesen wir einen russischen Angriff ab. Westlich von Rasalowka warfen österreichisch=ungarische Truppen, vom Feuer deutscher Batterien begleitet, den Feind an den Styr zurück, wobei 7 Offiziere, 200 Mann und 8 Maschinengewehre in unserer Hanz blieben. Sonst nichts neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Italiener nahmen ihre Anstrengungen, Görz zu gewinnen, von neuem auf. In der Pause nach der dritten Isonzo=Schlacht hatten sie Ersatzmannschaften eingereiht und weitere Truppen um Görz zusammengezogen. Gestern setzten sie nach mehrstündiger Artillerievorbereitung an der ganzen Front von Plava bis zum Monte Dei Sei Busi mit starken Kräften zum allgemeinen Angriff an. Wieder schlugen die tapferen Verteidiger alle Stürme teils durch Feuer, teils im Handgemenge unter schwersten Verlusten des Feindes ab, dessen Angriffslust in einem abendlichen Unwetter für diesen Tag vollends erlahmte. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Oestlich Trebinje schlugen wir einen starken montenegrinischen Angriff ab. Der Feind erlitt große Verluste. Die von Uzice südwärts vordringenden österreichisch=ungarischen Truppen hatten gestern den halben Weg nach Nowo Varos zurückgelegt. Nordöstlich von Iwanjica warfen wir den (Feind aus mehreren Stellungen auf dem CemernoRücken. Die deutschen Divisionen des Generals von Koeveß drängten die Serben im Gebiete der Stolovi Planina zurück. Oestlich davon erkämpfen sich k. und k. Streitkräfte den Aufstieg auf die Krnja Jela und den Pogled. In Trstenik fielen 1000 Serben in unsere Hand. In Vrngacka Banja westlich Trstenik haben die Serben ein Feldspital mit 1000 verwundeten Soldaten und Unteroffizieren und einem Arzt zurückgelassen. Die Armee des Generals von Gallwitz kämpft nordöstlich von Brus und an den Nordflüssen des Jastrebac=Gebirges. Bulgarische Streitkräfte überschreiten bei Aleksinac die Morava. Der Stellvertreter des Chefs des Seneralstaben: von Hoeser, Feldmarschall=Leutnant. Die Auflösung der serbischen Armee. TU Sofia, 11. Nov. Die serbische Armee— abgesehen von den in Mazedonien kämpfenden Truppen, wurde von einer Kolonne der Koeveß=Armee auseinandergetrennt, die im Moraviea=Tal südwärts vordringt und Ivanjica hinter sich gelassen hat. Auch im Gebiet der unteren westlichen Morava dringen auf den wenigen Bergwegen unsere Truppen vor und zwingen die Serben, sich in ihre Berge zurückzuziehen. Wie ein Keil schieben sie sich in die serbische Armee ein. So schritt auch im Ibar=Tale südlich von Kraljewo an beiden Ufern des Gebirgsflusses Ibar eine unserer Armeegruppen vorwärts. Ihr Weg führt nach Novibazar. Ferner erreichten die südlich von Krusevac vordeingenden Truppen der Armee Sallwitz Alexandrovatz und schieben sich in die flüchtende serbische Armee ein. Zwischen Leskovac und Blasotince begannen die Bulgaren die Morava zu überschreiten und bleiben in der Verfolgung des Feindes. Sollten die Serben unter den unbeschreiblichen Strapazen bei der schlechten Verpflegung und dem großen Munitionsmangel sich nicht völlig erschöpfen, so werden sie sich wahrscheinlich in der Gegend Novibazar—Mitrowitza auf das Amselfeld retten. Die serbische Hauptgruppe beginnt bereits zu zerbröckeln. Fast die ganze moderne Artillerieausrüstung ist verloren. Noch besser ist die„Times“. Sie spielt sich als Anstandsdame auf und gibt Herrn Wilson zu bedenken, daß seine Note nicht in jeder Hinsicht den guten Ueberlieferungen der amerikanischen Republik entspreche. Auch fehle es ihm an derjenigen Großzügigkeit, die man im Verkehr mit einer so hehren Macht wie England von ihm eigentlich erwartet hätte. Sonst könnte er sich nicht auf den Standpunkt stellen, daß sein Land von den unvermeidlichen und unangenehmen Folgen des Krieges unberührt bleiben müsse, während die Ententemächte um ihr Dasein kämpften. Aber das Oberhaupt der amerikanischen Nation hat sich Deutschland gegenüber ganz ausdrücklich auf diesen Standpunkt gestellt, und er fand damals in England laute und begeisterte Zustimmung. Sein Gerechtigkeitsgefühl wird ihn den Widerspruch, der ihm jetzt entgegenschallt, schon richtig einschätzen lassen, und wie er die nicht gerade höflichen Komplimente der„Times" bewerten will, das kann ihm gleichfalls ruhig überlassen bleiben. Was du nicht willst, daß man dir tu', das füg' auch keinem andern zu! Hätten die Engländer sich diese hausbackene Weisheit rechtzeitig gesagt sein lassen, die beschämende Lage, in die sie sich heute versetzt sehen, wäre ihnen aller Wahrscheinlichkeit nach erspart geblieben. Nun aber können sie sich aufs Pferd setzen oder bitten und schmeicheln, wie sie wollen, es wird ihnen alles nichts nützen; es hat lange genug gedauert, bis Herr Wilson den Mund gegen England gespitzt hat. Ist es aber einmal so weit, dann weiß er, daß auch gepfiffen werden muß— und man muß zugeben, daß er sich auf diese Kunst nicht schlecht versteht. So kommt es doch noch, bevor der Weltkrieg zu Ende geht, zu einer Art gemeinsamer Arbeit der Neutralen gegen die kriegführenden Mächte. Daß sie wenitzer in den Verhandlungen zutage getreten ist, die Amerika mit Deutschland geführt hat, als jetzt in seinem Vorgehen gegen die britische Seewlilkür, hat in der Tatsache seinen Grund, daß eben England die Herrschaft auf den Meeren besitzt und von ihr auch zum Schaden der unbeteiligten Staaten den rücksichtslosesten Gebrauch macht. Hoffentlich gelingt es dem Präsidenten, hierin Wandel zu schaffen, ehe es zu spät ist. Deutschland hat gezeigt, daß es trotz der Vergewaltigung der Neutralen durch die englische Flotte nicht umzubringen ist— wir wußten und wir wissen uns zu helfen. Aber in ihrem eigensten Interesse müssen die Vereinigten Staaten und die übrigen neutralen Mächte sich gegen England zur Wehr setzen, und nur wenn sie dies mit einer der britischen Rücksichtslosiykeit gleichen Art tun, werden sie zum Ziele kommen. Die Wirkung der amerikanischen Note. WTB London, 10. Nov. Der Washingtoner Korrespondent der„Morningpost“ meldet: Die unmittelbare Folge der Note wird sein, daß die bei den amerikanischen Geschäftsleuten gegen England bestehende Erregung verschärft wird. Alle Exporteure werden den Druck auf die Regierung erneuern und fordern, daß sie das in der Note aufgestellte Programm ausführt. Wilson beabsichtigt nicht, einen Druck auf England auszuüben, er habe in der Rote nur eine Grundlage für die Forderung eines hohen Schadenersatzes nach Kriegsschluß festgelegt. Aber man erwartet und fürchtet, daß, wenn sich der Kongreß im Dezember versammelt, England angegriffen und einstimmig gefordert werden wird, daß die Regierung ihren Worten gemäß handele, da sonst der Kongreß die Sache selbst in 4 0 9 4 die Hand nehmen werde. Der Korrespondent glaubt nicht, daß England ein Ausfuhroerbot für Munition zu befürchten braucht, aber die Agitation, die dem englischen Interesse nicht entspreche, könne fortgesetzt werden. Der drille Das serbische Hauptquartier flüchtet weiter. WTB London, 12. Nov.- Die„Times“ meldet aus Athen vom 8. November: Das serbische Hauptquartier ist nach Naschka, nordwestlich von Novibazar, verlegt worden. Der serbische Metropolit gefangen. bb Budapest, 12. Nov. Nach einer Meldung aus Sofia wurde in Nisch der serbische Metropolit gefangen genommen und nach Sofia gebracht. Er ist jetzt in einem bulgarischen Kloster interniert. Das Elend in Serbien. WTB London, 11. Nov. Die„Daily Mail“ veröffentlicht den Bericht eines Engländers über das Elend in Serbien. Darin heißt es: Als die Bevölkerung aus Belgrad bei Regen und Schnee nach Süden zog, mußten Männer und Frauen knietief durch Morast waten. Viele Frauen hatten Hausgerät auf dem Arm und Kinder an der Hand. Inmitten von Kuhherden, Schasen und Schweinen sah man Greise und Kinder. Manchmal geriet der Zug in Unordnung, nichts verriet jedoch eine Panik; man konnte nur stumme Resignation wahrnehmen. So schleppten sie sich weiter, meist ohne zu wissen, wohin. Wovon sich die Menschenmenge nährte, wußte niemand. Denn die wenigen Herbergen längs des Wege, waren leer. So erreichte dis Menge Nisch. Dort war jeder zollbreit Boden von übermüdeten und durchnäßten Menschen eingenommen. Die allgemeine Klage war, daß die Alliierten immer noch nicht Hilfe gesandt hätten. Serbische Flüchtlinge. WTB Bukarest, 11. Nov.(Meldung des k. und k. Korr.=Bureaus.) Der hiesige serbische Gesandte Marinkowitsch hat vor einigen Tagen die serbischen Flüchtlinge auf rumänischem Gebiet besucht. Nach halbamtlichen Mitteilungen befanden sich in Turn Severin gegen 3000 Flüchtlinge, sowie in der Umgebung und in den Dörfern an der Donau gegenüber dem früheren serbischen Afer gegen 8000. Die rumänischen Behörden und die Bevölkerung nehmen sich der Flüchtlinge sehr an. Infolge der Bemühungen der österreichisch=ungarischen Behörden sind bisher gegen 1000 Flüchtlinge in die Heimat zurückgekehrt. Die serbische Ernte in deutschen Händen. bb Lugano, 12. Nov.“ Der italienische Kriegsberichterstatter Magrini telegraphiert aus Monastir: Die ganze Ernte ist in die Hände der Deutschen gesallen. Das serbische Volk ist infolgedessen der äußersten Not überantwortet. In Belgrad und überall, wo die Deutschen und Oesterreicher hinkommen, finden sie ungeheure Mengen Kupferwaren, ebenso bemächtigten sich die Bulgaren des reichen Kupferbergwerks Borski. Neue große Beute der Bulgaren. TU Berlin, 12. Nov. Auf der hiesigen bulgarischen Gesandtschaft sind Nachrichten eingetroffen, nach denen die bulgarischen Truppen bei ihrem Vorrücken auf der Straße Nisch—Leskovac eine ganz außergewöhnliche Menge von Kriegsmaterial aller Art, darunter sechzig im Stich gelassene Geschütze neuesten Modells erbeuteten. Die Anzeichen der vollständigen Auflösung sind derartig, daß auf ernstlichen Widerstand des Gegners kaum noch zu rechnen ist. Altserbien verloren. Der Plan der Serben ist, über Ipek, Podgoritza und Virbazar nach Skutari und Durazzo zurückzugehen. Die im letzten Dezember gemachten österreichischen Gefangenen sind bereits dorthin dirigiert, um an Italien ausgeliefert zu werden. Altserbien gilt endgültig als verloren. Die Bulgaren bombardieren die französischen Stellungen vor Krivolac, sowie Strumitza. Die erfolgreiche Ofsensive gegen Montenegro. TU Wien, 11. Nov. Die Kriegsberichterstatter der hiesigen Blätter melden aus dem k. k. Kriegspressequartier: Die Offensive an der Ostfront Montenogros hat mit voller Wirkung eingesetzt. Der mächtige Tilglav, worauf die montenegrinischen Batterien standen, der Orlovac und der Wardar, der eine uralte nunmehr zerstörte Ruine trägt, sind genommen worden. Der Marsch gegen Mikschitsch ist der erste scharfe Vorstoß in das Herz Montenegros. Wichtiger Ministerrat in Athen. WTB Athen, 12 Nov.(„Agence Havas"). In diplomatischen Kreisen herrscht eine gewisse Erregung. Es fand ein Ministerrat statt, dem auch der Generalstabschef Dusmanes beiwohnte. Ueber die Auflösung der Kammer ist noch kein Beschluß gefaßt worden. Eine Mehrheit für das Kabinett Skuludis vorhanden. WTB Basel, 12. Nov. Die„Baseler Nachr.“ melden aus Athen: Neon Asty erfährt aus politischen Kreisen, daß 27 Abgeordnete der Veniselospartei ihren Austritt aus der Partei erklärt haben, so daß die Regierung Skuludis eine kleine Mehrheit in der Kammer erhält. Rumänien vom Vierverband aufgegeben? Ueber die Lage auf dem Balkan sagt der„Corr. della Sera“: Die griech. Gefahr fordert angesichts der verfassungswidrigen Lösung der Athener Krisis das Eingreifen von Zwangsmaßnahmen. Rumänien sek nach den letzten Erklärungen Bratianus und nach der Verhäntung des Belagerungszustandes vorläufig ebenso für verloren anzusehen.— Bestürzung erregt in Rom die russische Erklärung, daß Rußland für den Durchmarsch seiner Truppen durch Rumänien keine Zwangsmaßnahmen beabsichtige. Die Bahn Sofia—Belgrad. Die„Times“ bespricht in einem Leitartikel die in Serbien durch den Fall von Nisch geschaffene Lage und sagt, daß nun die Eröffnung der Eisenbahn von Belgrad via Sofia nach Konstantinopel näher tritt, zumal nur noch 30 Meilen der Eisenbahn in serbischen Händen sind. Weder von der einen noch von der anderen Seite liegen Nachrichten vor, daß die Serben auf ihrem Rückzug die Bahn zerstört hätten. Die Erfahrung lehrt im übrigen, daß gut ausgerüstete Streitkräfte zerstörte Eisenbahnen schnell wieder herstellen können. zwischen seien schon Munition und Truppen donauabwärts nach Rustschuk gebracht worden und von da über die neue Eisenbahn östlich des SchipkaPasses nach Konstantinopel. Das Ergebnis dieser neuen Zufuhr wird sich an den Dardanellen schnell zeigen. Dei Krieg hegen Ginnen Mißerfolge der Italiener. TU Berlin, 11. Nov. Dem„Berliner Tageblatt wird aus dem k. und k. Kriegspressequartier unterm 10. November gemeldet: In Buchstein in den Dolomiten suchten die Italiener in nächtlichem Ueberfall sich der Gipfelstellung des verschneiten Col di Lana zu bemächtigen. Ihr Versuch scheiterte jedoch an der Aufmerksamkeit der Verteidiger. Auf den Waldhängen von Plava und unterhalb davon an der Isonzo=Straße bei Zagora wurden feindliche Sturmkolonnen trotz intensivster Unterstützung durch ihre Artillerie geworsen. Gegen den Görzer Brückenkopf sind neue Angriffe im Gange und zwar näherten sich die italienischen Schwarmlinien diesSu mal von der Bahnlinie bei den Dörsern Mossa und Lucinoca aus dem Südhang der Podgora=Höhe. Die k. und k. Artillerie sperrte jedoch das Vorfelg mit einem Hagel von Granaten und Schrapnells. Als die Italiener trotzdem den Sturm versuchten, wurden sie durch Schrapnell= und Gewehrfeuer, sowie durch Minenwerser zurückgejagt. Ueber Nabresina warf ein feindlicher Flieger Bomben, die eine Anzahl Zivilisten, darunter auch eine Frau und drei Kinder töteten. Das Ringen um Görz. TU Berlin, 12. Nov. Dem„Berl. Tagebl.“ wird aus dem k. k. Kriegspressequartier unterm 11. Nov. gemeldet: Es bestätigt sich, daß das Ringen um Gröz noch nicht beendet ist. Die Italiener haben die Zwischenzeit zur Heranführung von Ersatzmannschaften und Munition benutzt. Seit gestern nimmt ihre gesamte schwere Artillerie das Plateau von Doberdo und den Görzer Brückenkopf wieder unter intersivstem Feuer. Die Stürme gelten namentlich dem San Michele und Podgora. Die Kämpfe sind noch nicht abgeschlossen. Die italienischen Kriegshetzer gegen Salandra. Lugano, 11. Nov. Der Abgeordnete Colajanni greift die Regierung wegen der grundsätzlichen Ausschließung der Republikaner von den Offiziersbeförderungen an. Das Verhältnis der revolutionären Kriegshetzer zur Regierung verschlechtert sich im übrigen von Tag zu Tag. In einem von der Zensur an 10 Stellen verkürzten Leitartikel des„Popolo d'Italia“ ruft die interventionistische Organisation zum Kampfe gegen Salandra und das Parlament auf, wenn nicht sofort Deutschland der Krieg erklärt werde. Serbien geht unter, heißt es in dem Aufsatz, während der Vierverband im Menuettschritt einherpendelt. Aufstand in Libyen. WTB Konstantinopel, 11. Novbr. Die Blätter erfahren aus sicherer Quelle: Die arabischen Stämme in Libyen haben Fezzan, sowie die Ortschaften Dschefra, Hum und Radan im Gebiet der Syrtha, und die Ortschaften Zaletein, Urfele, Misrata, Turgha und Tarhung zurückerobert. Die Italiener erlitten große Verluste an Leuten und Material und ließen eine Anzahl Gefangener, Geschütze und Munition in den Händen der muselmanischen Krieger. Diese nahmen dem Feinde in Fezzan 5 Kanonen und Maschinengewehre, im Syrthgebiet 12 Kanonen und 3 Maschinengewehre und in Misrata 3 Kanonen ab. Die von Tripolis nach Tahuna entsandten italienischen Verstärkungen erlitten eine große Niederlage und mußten unter Zurücklassung einer Anzahl von Toten und gefangenen Offizieren und Soldaten auf Tripolis zurückgehen. „—— Der Krieg gegen Rußland. Gegen die Mutlosigkeit in Rußland. Kopenhagen, 11. Nov. Bemerkenswerte Symptome zeigen sich in der letzten Zeit in der russischen Presse. Die Blätter enthalten oft gleichzeitig Artikel, die ihnen wahrscheinlich von der Regierung zur Veröffentlichung zugesandt worden sind und in denen vor Mutlosigkeit und Gleichgültigkeit in der jetzigen schweren Zeit gewarnt wird. Ferner wurde eine Anzahl Korrespondenten ins Hauptquartier entsandt, von wo aus sie die Presse mit hoffnungsvollen Schilderungen versehen. Interessant in dieser Beziehung ist auch eine Aeußerung des Generals Bussilow, der in einem Aufrufe erklärt, die Mutlosen seien die schlimmsten Feinde Rußlands; sie müßten wie Verbrecher behandelt und gehenkt werden. Zahlreiche Anzeichen liegen dafür vor, daß von der Regierung die größten Anstrengungen gemacht werden, um den Geift der Mutlosigkeit und der Gleichgültigkeit, der immer weitere Volkskreise ergreift, wirksam zu bekämpfen. Die russischen Durchbruchsversuche bei Riga. TU Berlin, 11. Nov. Der Kriegsberichterstatter von Koschützki meldet: Unser bis an den Tirul. Sumpf und den Kehkan gelangter Vorstoß gegen Riga veranlaßt die Russen immer mehr zu Versuchen, unsere Linie zu durchbrechen. Bei Grenhof, nordwestlich Clai, wurden durch den Sumpf vorbeschobene russische Linien von unserem Feuer niedergemacht. Gestern griffen die Russen abermals nach vorangegangenem Trommelfeuer bei Kehkau an, gelangten aber nur an einer Stelle bis an die Drahthindernisse, wo sie mit dem Bajonett zurückgetrieben wurden. Nirgends haben ihre Angriffe sie um einen Schritt weitergebracht. Es verlautet, daß der frühere bulgarische General Dimitriew jetzt das Kommando über die 12. russische Armee übernommen habe. Unruhen in Moskau. Kopenhagen, 11. Nov. Wie aus Moskau berichtet wird, kam es am 30. Oktober, dem Jahrestag des Oktobermanifestes, in Moskau zu neuen Unruhen. Die Straßenbahner legten ihre Arbeit nieder und demonstrierten den ganzen Tag. Polizei und Militär wurden aufgeboten, ohne daß es zu ernsten Unruhen kam. Die Polizei verhielt sich sehr zurückhaltend. Die Stadtverwaltung erließ an die Straßenbahner eine Bekanntmachung, worin sie sie aufs strengste ermahnte, zur Arbeit zurückzukehren und den Betrieb wieder aufzunehmen. — Der Krieg gegen England. Balfour über den diplomatischen Sieg Deutschlands. TU Rotterdam, 11. Nov. Nach einer Meldung aus London unterm 9. November hielt beim Festmahl anläßlich der Einführung des Lordmajors in der Guildhall der Minister des Innern Simon eine Rede, in der er sagte: Die bisherigen Erfahrungen des Krieges bestätigen die Meinung, daß die Kultur jetzt um das Leben kämpft. Seitdem die wirklichen Absichten und die barbarischen Handlungen Deutschlands bekannt geworden sind, habe sich die Entente derart befestigt, daß sie nicht nur eine Kombination auf dem Gebiete des Militärs und der Flotte darstelle, sondern auch einen geistigen Aneinanderschluß für die Freiheit der Völker. Bei der Erwähnung der japanischen Zusage, keinen Sonderfrieden zu schließen, sagte der Redner: Die Stunde, über Friedensbedingungen zu sprechen, habe noch nicht geschlagen. Balfour erklärte in einer Ansprache, der bulgarische Verrat sei ein diplomatischer Sieg für die Deutschen, dessen Folgen nicht zu unterschätzen seien. Er wolle nicht prophezeien hinsichtlich der Kriegshandlungen oder der Kriegsdauer, blicke aber vertrauensvoll in die Zukunft. Aus Stadt und Umgedung. Rückblicke auf den Weltkrieg. 12. November. Protest der Neutralen.— Die Türken im Kaukasus. In diesen Tagen hatten im Westen Freund und Feind unter dem Wetter, das nebelig und stürmisch war, arg zu leiden; diese Witterung war schuld daran, daß keine größeren Unternehmungen stattfanden und man sich auf Plänkeleien beschränkte.— In einer Protestnote wandten sich Schweden, Norwegen und Dänemark gegen die von dem Dreiverbande durch die Beschränkung des Schiffahrtsverkehrs hervorgerufenen Unzuträglich keiten. England suchte den Eindruck, den dieser Schritt der Neutralen machte, dadurch abzuschwächen, daß es erklärte, die Note sei in freundschaftlichem Tone gehalten.— Die türkischen Erfolge Schatten der Veterpaulsfestung. Roman von Hermann Gerhardt. 43 Der Name Michael Michailowitsch Biruleff verschaffte seinem Träger rasch Einlaß in das Palais, wo er von Lakaien in prächtigen Livreen empfangen und nacheinander in verschiedene Räume geführt ward; zuletzt in ein großes Vorzimmer, das neben dem Audienzraum gelegen war. Eine Gruppe von Herren, von denen die meisten, ihrer Uniform nach zu schließen, einen hohen Rang bekleideten, standen an einem der Feuster und unterhielten sich. Bei Mischas Eintritt wandten sich aller Augen nach ihm. Ein alter General, der ihn erkannte, trat mit einer Beileidsäußerung auf ihn zu und war offenbar sehr erstaunt, ihn hier zu sehen. Dann klopfte er auf den Busch, um herauszubekommen, was den Knaben hergeführt. Aber Mischa entgegnete nur ausweichend:„Es ist eine dringende Angelegenheit; ich muß mit dem Zaren sprechen. Dann wandte er sich hastig ab. Inzwischen waren wieder andere eingetreten. Sie flüsterten miteinander und betrachteten ihn verstohlen, wie er so abseits stand: Wie sehnlich wünschte er, es möchte erst vorüber sein! Doch er hatte lange zu warten, bis er endlich mit bangemt Herzklopfen den schweren Brokatvorhang beiseite schieben sah und sein Name gerufen ward. Nun noch ein paar Schritte durch einen schmalen Vorraum, und er stand vor dem Zaren! In ganz Europa kennt man das schmale, schöne Gesicht mit den etwas vorstehenden blauen Augen, der geraden aristokratischen Nase und dem martialischen Schuuerbart, das dem Bilde des unglücklichen Herrschers aller Reußen Alexanders U. entspricht. Eine imposante Erscheinung war es und ein mildes, gütiges Antlitz zu dem der Knabe schüchtern seinen Blick erhob Und eben, weil der Zar ebensonsitig wie fürstlich empfand, so wartete er nicht ab, daß der jugendliche Bittsteller auf ihn zukam und ihm die Hand küßte, sondern er selbst eilte ihm entgegen, herzliche Teilnahme in Blick und Gebärde und ehe Mischa noch begriff, wie ihm geschah, fühlte er den Kuß des Kaisers auf seiner Stirn. So oft in späteren Jahren Michael Biruleff es mit anhören mußte, daß Fremde und Ausländer über den verstorbenen Kaiser, seine Regierung und sein Privatleben den Stab brachen, da erinnerte er sich jedesmal dieser seiner Begegnung mit dem Herrscher und verteidigte ihn mit Herzenswärme. Von den voraufgegangenen Aufregungen und diesem unerwarteten Empfang überwältigt, brach Mischa jetzt in Tränen aus. „Meinarmer Junge,“ sagte der Zar, dem gleichfalls die Augen feuch wurden,„daß ist ein furchtbarer Schlag, der Dich getroffen hat! Ich kann Dir gar nicht sagen, wie tiefich mit Dir fühle. Der Tod Deines Vaters ist ein unersetzlicher Verlust, nicht nur für die Seinen, sondern auch für das ganze Reich.“ Mischa war es peinlich, in diesem Moment mit seinem Anliegen hervorzutreten. Was würde der Zar davon denken, daß der Sohn eines solchen Vaters neben seinem herben Verlust auch noch anderes im Sinn und auf dem Herzen hatte? Deshalb zögerte er und blickte voll peinlichster Verlegenheit zum Kaiser auf. „Sprich Dich aus, iein Junge, hab keine Scheu!“ ermutigte ihn dieser.„Du hast ein Anliegen an mich? Vergiß, daß es Dein Kaiser ist, mit dem Du sprichst, und betrachte mich lediglich als den„Batuschka," das Bäterchen des russischen Voikes.“ Sein Blick war dabei so leutfelig, daß es dem Knaben nicht mehr schwer ward, zu sprechen. „Ach, Majestät, es handelt sich um meinen deutschen Lehrer! Er ist vorhaftet worden, nach der Festung gebracht, aber er ist ganz gewiß unschuldig! Er ist der beste Mensch, den es nur geben kann, so gerecht, so gut. Es kann ja sein, daß er eine unvorsichtige Aeußerung getan hat.“ Der Zar hob die Hand.„Mein Junge," unterbrach er Mischa, dergleichen Dinge kannst Du nicht beurteilen. Die Verhaftung dieses Deutschen kann nur auf Veranlassung Deines Vaters geschehen sein, und er wird seine gewichtigen Gründe dafür gehabt haben. In solchen Sachen hat mein Polizeipräfekt völlig freie Hand.“ „Ist es denn ein Verbrechen, seine freie Meinung zu äußern?“ platzte Mischa mit zitternder Stimme heraus. „Es ist ein Verbrechen, Aufruhr und Empörung zu predigen, wie es dieser Deutsche zweifellos getan hat. Es ist sehr zu beklagen, daß er seine Zunge nicht besser im Zaume gehalten hat.“ Mit diesen Worten nahm der Zar ein Papier vom Tische auf, wie um anzudeuten, daß die Audtenz zu Ende sei. Der arme Mischa gab seine Sache schon fast verloren. Heiße Tränen traten ihm in die Augen, und ohne daß er sichs versah, entrang sich ein schwerer Seufzer seiner Brust. Der Zar, der es gehört, hob rasch den Kopf; und beim Anblick dieses schmerzverzogenen Gesichtes trat ein Ausdruck großen Unbehagens in das seine. Er begann von neuem: „Geh, nimm Dir's nicht so zu Herzen! Ich will mich nach Deinem Freunde erkundigen!“ Mischas Tränen aber flossen nur noch reichlicher. „O, Majestät,“ brachte er mühsam heraus. „Wie heißt denn Dein Ritter ohne Furcht und Tadel?“ „Werner, Rittberg, Majestät,“ stotterte Mischa. Der Zar schien mit sich zu kämpfen. Er nahm einen Gänsekiel in die Hand, spielte ein Weilchen damit und murmelte vor sich hin:„Was kommt es schließlich darauf an, wenn er das Land verlätzt!“ Und indem er wie eine Schuljunge errdtete, der auf einem Streich ertappt wird, tauchte er die Feder hastig ein und fing an zu schreiben— mit raschen, energischen Zügen; dann drückte er seinen Siegelring auf das Schriftstück. „Da,“ sagte erund überreichte es Mischa,„nimm das, Du Quälgeist! Schicks dem Kommandanten; und nun mach, daß Du fortkommst.“ Inüberströmendem Dankgefühl neigte sich Mischa über die Hand des Zaren und drückte einen so heißen Kuß darauf, daß der Monarch lachte. In diesem Augenblick besaß Alexander II. in seinem ganzen weiten Reich keinen teueren Untertanen als Michael Biruleff. Mit dem bezaubernden Lächeln der Romanoffs sah der Zar dem Knaben nach, wie er, alles Hofzeremoniell über Bord werfend, nach der Tür sprang. 29. Kapitel. „Ich habs!“ schrie Mischa und stürzte in das Zimmer seiner Schwester, das kaiserliche Handschreiben im Triumph über seinem Kopf schweikend. Katia saß, in ihrem dumpfen Schmerz ganz versunken, neben sich ihren kleinen Bruder, der seinen Kopf in ihren Schoß gebettet hatte. Das Kind war zu ihr geflüchtet aus all dem unheimlichen, düstern Tun und Treiben, das im Gefolge des Todes einzutreten pflegt. Jetzt sprang sie auf, schob den bestürzten Manja beiseite und stürmte dem Eintretenden entgegen, um ihm das kostbare Dokument zu entreißen. „O. Mischa, Gott sei Dank— Gott sei Dank!“ rief sie mit versagender Stimme. Sofort aber schob sie es ihm wieder zu:„Du wirst doch keinen Augenblick verlieren? Du gehst doch gleich zu ihm?“ mahnte sie und drängte ihn zur Tür. „Selbstverständlich," versetzte er;„ich wäre auch direkt zu ihm gegangen, wenn ich Dich nicht erst hätte beruhigen wollen!“ 231,16 im Kaukasus hielten an. Am 12. November drangen die Türken in der Richtung auf Batum vor, drei Stunden weit auf russisches-Gebiet und es wies sich nun aus, daß bei dem Siege von Köpriköi ein(ganzes russisches Armeekorps geschlagen und in die Flucht getrieben worden war. Einen sehr deutlichen Ton England gegenüber schlug die Türkei an in einer Veröffentlichung vom 13. November, in der die ganze Hinterlistigkeit der Briten, und namentlich ihr auf Zerstückelung der Türkei hinzielendes Verhalten gekennzeichnet wurde. **(Kundgebung der Kirchensynode.) Die Generalsynode hat in ihrer gestrigen ersten in Berlin abgehaltenen Sitzung beschlossen, in Gemeinschaft mit dem Ev. Oberkirchenrat eine Kundgebung an die Gemeinden der Landeskirche zu erlassen. Mit der Aufforderung zum Danke für die von Gott bisher unseren Waffen verliehenen Erfolge, mit dem dem Kaiser dargebrachten Gruß und Gelöbnis; „Dein sind wir, und mit Dir wollen wir es halten, denn Dein Gokt hilft Dir“ mit der Fürbitte für die Trauernden, die Verwundeten, Kranken und Sterbenden verbindet die Kundgebung an die Gemeinden gerichtete Mahnungen, wie sie aus dem Ernst der Kriegszeit sich ergeben. Sie schließt mit dem Zuruf:„Haltet an am Gebet. Lasset uns Gutes tun und nicht müde werden. Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist. Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark!“ **(Eingabe der Vergleute.) Die Vorstände der Bergarbeiterverbände haben beschlossen, an den Zechenverband im Ruhrgebiet eine Eingabe um eine Lohnerhöhung von 10 bis 20 Prozent zu richten. Dieselbe Eingabe soll für die fiskalischen Zechen dem Handelsminister und für die Zechen im Wurmgebiet den dortigen Bergwerksbesitzern überreicht werden. Auch in Oberschlesien sind die Bergarbeiterverbände bei den Bergwerksverwaltungen schriftlich um eine Lohnerhöhung vorstellig geworden. **(Soldaten=Grüße.) Vom serbischen Kriegsschauplatz sendet allen Bekannten und Freunden die herzlichsten Grüße San.=Gefr. Hesse.— Viele Grüße an die liebe Heimat verbunden mit bestem Dank für die pünktliche Zusendung„der„Schwerter Zei; tung". Musketier Hans Heine. **(Kriegssammlung bei der Eisenbahn.) Bis Ende Oktober d. J. belief sich die Kriegssammlung bei den preußisch=hessischen Staatseisenbahnen und den Reichseisenbahnen in Elsaß=Lothringen auf 2 249730 Mark. **(Die Schulbücher werden teurer.) Eine Erhöhung der Schulbücherpreise wird von der Vereinigung der Schulbuchverleger angestrebt. In einem von der Vereinigung versandten, im„Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" abgedruckten Rundschreiben wird diese Erhöhung der Ladenpreise mit mindestens 10 Prozent bemessen und näher begründet, sowie ein gemeinsames Vornehen angeregt, zu dessen Herbeiführung sich die Vereinigung bereit erklärt. **(Der Mangel an Kleingeld.) Der Beschluß des Bundesrates über die anderweitige Verteilung der Prägung von Fünfpfennigstücken aus Eisen bezweckt eine schnellere und ausgiebigere Prägung dieser Münzen. Bis jetzt bestand die Verteilung infolge eines Bundesratsbeschlusses aus den 70er Jahren auf dem Grundsatz, daß die einzelnen Münzanstalten eine gewisse Anzahl Gold=, Silber=, Nickel= und Kupfermünzen zu prägen hatten.. Jetzt werden die Münzanstalten(Berlin, Dresden, Hamburg, München, Stuttgart und Karlsruhe) ermächtigt, in vermehrtem Maße Kleingeld aus Eisen zu prägen, zumal die Prägungen aus anderen Metallen aufgehört haben oder eingeschränkt wurden, Soweit es an den nötigen Prägungsmaschinen fehlt, sollen diese angeschafft oder zweckentsprechend geändert werden, um dem Mangel an Kleingeld möglichst bald abzuhelfen. Der Kostenpunkt soll dabei keine Rolle spielen. **(Beförderungen.) Der Reservist Georg Niebaum aus der Moltkestraße und der Gefr, Adolf Lange aus der Westenstraße wurden zu Unteroffizieren befördert. **(Ausflug der Verwundeten.) Gestern nachmittag unternahmen die Verwundeten vom katholischen Krankenhause, einer Einladung entsprechend, einen Ausflug nach Ergste. Für die Feldgrauen, die schlecht gehen konnten, hatte Herr Gutsbesitzer Althoff in liebenswürdiger Weise einen Wagen zur Verfügung gestellt. Unter frohem Gesange zogen die Gäste in Ergste ein und wurden mit herzlichen„Worten von Herrn Pastor SchulzeNoelle begrüßt. An geschmückter Tafel wurde sich mit Kaffee und Kuchen gestärkt und in kurzer Zeit herrschte in den gastlichen Räumen die prächtigste Stimmung. Besonders die Damen vom Ergster Frauenverein machten sich um das Wohl ihrer Geladenen verdient. Auch Herr Amtmann Overbeck hatte sich in dem frohen Kreise eingestellt. Leider zu schnell verflossen die schönen Stunden und bald mußte geschieden sein. Mit dankbarem Herzen und dem Bewußtsein, einige genußreiche Stunden im gastlichen Ergste verlebt zu haben, kehrten die Verwundeten nach Schwerte zurück. **(Für Landwirte.) Es wird darauf hingewiesen, daß alle Ackerbohnen, Wicken und Lupinen, soweit sie nicht zum Selbstverbrauch benötigt werden, für die Bezugsvereinigung der deutschen Landwirte in Berlin beschlagnahmt sind und nur an diese verkauft werden dürfen. **(Eisenindustrie zu Menden und Schwerte.) Die gestrige Generalversammlung setzte die sofort zahlbare Dividende auf 4 Prozent fest. Die Verwaltung teilte mit, die Geschäftslage sei(gegenwärtig günstig und die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr könnten als befriedigend bezeichnet werden. Der Versand im ersten Viertel des neuen Geschäftsjahres stellte sich auf 57931(im Vorjahre 55 531) Tonnen und der Geldwert auf 2897 942 Mk. gegenüber 2084000 Mk. in gleicher Zeit des Vorjahres. Der Gewinn sei im ersten Viertel des neuen Geschäftsjahres um rund 22000 Mark höher als im Vorjahre. **(Das teure Schuhzeug.) Zu sonstigen Schwierigkeiten der minderbemittelten Bevölkerung tritt nunmehr nach Eintritt der rauhen Jahreszeit eine neue Sorgenquelle hinzu. Die außerordentlich hohen Lederpreise haben das Schuhwerk so verteuert, und besonders auch die Flickkosten so sehr erhöht, daß die rechtzeitige Beschaffung und Hermilien-fast unerschwingliche Opser erfordern. Das zwingt zu gefährlichen Einschränkungen. Es ist das um so bedauerlicher, weil die natürliche durch den Krieg bedingte Erhöhung der Lederpreise im Verhältnis zu den tatsächlichen Verkaufspreisen nur gering ist. Der Kriegsausschuß für Konsumenten=Interessen hat deshalb in einer Gingabe an den Staatsserketär des Innern Dr. Delbrück eine starke Herabsetzung der jetzigen hohen Richtpreise gefordert. Westfalen und Rheinland. * Barmen, 11. Nov.(Einen fühlbaren Denkzettel) erhielt die Ehefrau Böckmann aus Barmen, die durch ihre anonyme Briefschreiberei das Bezirkskommando belästigte und eine andere Familie, der sie nicht gewogen war, anschwärzte und der Drückebergerei vor dem Dienen gxundlos verdächtigte. Sie wurde nicht nur wegen Beleidigung der betreffenden Familie, sondern auch wegen Urkundenfälschung(sie hatte eine falsche Unterschrift unter den Brief gesetzt) vor der Strafkammer gestellt, und von dieser zu 2 Wochen Gefängnis per“ urteilt. Die Verwerflichkeit und Gefährlichkeit solcher Schreibereien wurde als besonders strafwürdig hervorgehoben. * Mülheim(Ruhr), 11. Nov.(Sieben Tage im Unterstand verschüttet.) Ein Styrumer, Christian Salzer, der sich als Kanonier im Felde befindet, war von seinen Kameraden als tot gemeldet worden. Jetzt erhielten die Eltern von ihrem Sohne die erfreuliche Nachricht, daß er noch lebe. Bei einem feindlichen Angriff war er durch das Einschlagen einer Granate im Unterstand verschüttet worden. Erst nach sieben Tagen, bei der Wiedereroberung des Schützengrabens durch die deutschen Truppen und bei der Wiederherstellung des verschütteten Grabens war es gelungen. Salzer und noch etliche Kameraden, die mit ihm verschüttet worden waren, in erschöpftem Zustande aus der gefährlichen Lage zu befreien. Verantwortlich für die Redaktion Friede, Naans Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwer# Haus= und Grundbesitzer=Verein Krarkar=Tersamurung am Sonntag, den 14. November 1915 nachmittags 5 Uhr im Gasthof zur Helle.(C. Raffin) 5235 Vorstand. I Elektrotechnisches Installationsgeschäfts El. Eiahej Konzessioniert vom Kommunalen Elektrizitätswerk„Mark“. Ausführung von elektr. Licht=, Kraft=, Schwachstrom=Anlagen und Reparaturen. 5244 Lieserung von Welektr. Beleuchtungskörpern 4 u. sämtl. Bedarfsartikeln. Veranntmachung. Auf Grund der Verordnung des Bundesrats über die Regelung der Butterpreise vom 22. Oktober 1915(R. G. Bl. S. 689) wird für den Stadtbezirk Schwerte nach Anhörung der Preisprüfungsstelle folgendes bestimmt: S 1. Für den Kleinhandel mit Butler werden bis aus weiteres als Höchstpreis festgesetzt: Für Handelsware 1: 2.55 Mk. "„ II: 2.45„ „„ III: 2.30„ „ abfallende Ware: 1.95„ für das Pfund. S 2. Diese Verordnung tritt sofort in Kraft. Schwerte, den 12. November 1915. 5260 Der Magistrat: Rohrmann. Bekanntmachung. Auf Grund der Verordnung des Bundesrals über die Regelung der Butterpreise vom 22 Oktober 1915(R G. Bl. S. 6s9) wird für den Umfang des Landkreises Hörde nach Anhörung der Preisprüfungsstellen folgendes bestimmt: S Für den Kleinhandel mit Butler werden dis auf weiteres als Höchstpreise festgesetzt: Für Handelsware 1! 2.55 Mk. 1: 2.45" 1I: 2.30 „„ abfallende Ware: 1.92 für das Pfund. S 2. Diese Bestimmung tritt sofort in Kraft. Hörde, den 10. Nooember 1915. 4%0 Der Landrat. 98t6 S. V.: Dr. Burchard, Regierungs=Assessor. 0 Soit S Die Stimme= bleidt slets kräftig und = wohlklingend, wenn sie= — durch Wybert=Tabletten= S gepflegtwird. Seitsiebzig = Jahren beliebt zur wirk.= samen Erfrischung der 5e Stimmbänder. In allen Apotheken W= S und Orogerien M. 1.— # TABLETTEN S Ein Waggon angekommen. Ich empfehle daher zu Sonnlag, sowie fortwährend schönes Rindsleisch und Wurstwaren in großer Auswahl. 5243 L. Seippel Hagenerstraße Nr. 20. Corce? Mammonia verleiht jeder starken Dame eine gute Figur und sitzt bequem, auch in sehr weiten Nummern vorrätig. Otto Marz Schwerte, Ostenstr. 20 Mischhändler von Hörde sucht 100—300 Liter Kirch zum Preise von 22 Pfg. p. Ltr. Kaution kann gestellt werden. Offerten unter M. 5201 an die Gesch. d. Zig. Versetzungshalber ist die 40 Grünstraße 2, bestehend aus 5 Zimmern, Garten und Stall, zum 1. Januar 1916 zu verm. Wimmershoff 5239) Oderbahnassistent. Zufolge Bundesratsverordnung von 22. Oktober d. Is. findet am 16. November d. Is. eine Eihebung der Vorräte vou Brotgetreide, Hafer und Mehl statt. 1. Durch die Aufnahme sollen festgestellt werden: a) Die Brotgetreide= und Hafervorräte in sämtlichen Landwirtschaftlichen Betrieben. b) Die Mehlvorräte bei den Unternehmern landwirtschaftlicher Betriebe, die nach§ 6 der Verordnung über den Verkehr mit Brotgetreide und Mehl aus dem Erntejahr 1915 vom 28. Juni 1915 (Reichsgesetzblatt S. 363) das Recht als Selbstversoiger in Anspruch genommen haben. Als Selbstversorger gelten, vorbehaltlich einer anderen Bestimmung nach§ 49 d a.a O., der Unternehmer des landwirtschaftlichen Betriebes die Aggehörigen seiner Wirtschaft einschl. des Gesindes sowie ferner Naturalberechtigte, insbesondere Altenteiler und Arbeiter, soweit sie kraft ihrer Berechtigung oder als Lohn Brotgetreide oder Mehl zu beanspruchen haben. c) Die Brotgetreide=, Haser und Mehlvorräte, die sich in Gewahrsam von Kommunalverbänden oder für einen Kommunalverband als Empfänger am Erhebungstage auf dem Transporte befingen oder von Kommunalverbänden bereits an Bäcker Konditoren und Händler sowie an Tierhalter algegeben aber am 16. November 1915 noch vor handen sind. 2. Zur Aufnahme der Vorräte und wahrheitsgemäßen Anzeige der vorhandenen Vorräte sind die Beiriebsinhaber oder deren Vertreter verpflichtet. Die Art und Weise, in der der Anzeigepflicht geaugt werden soll, wird von dem Amtmann bezw. dem Bürgermeisier in Schwerte noch bestimmt werden. 3. Die Aufnahme soll die Vorräte der nachstehend aufgeführten Getreide= und Mehlarten erfassen, die sich in der Nacht vom 15. zum 16 November 1915 im Gewahrsam der zur Angabe Verpflichteten befunden haben: a) Roggen, Weizen, Svelz(Dinkel, Fesen) sowie Emei und Einkorn allein oder mit anderem Getreide außer Hafer gemischt; b) Hafer sowie Mengkorn und Mischfrucht, worin sich Hafer besindet; c) Roggen= und Weizenmehl(auch Dunst) allein oder mit anderem Mehl gemischt, einschließlich des zur menschlichen Ernährung dienenden Schrotes und Schrotmehls. Vortäte, die in fremden Speichern, Getreideböden, Schrannen, Schiffsräumen und dergleichen lagern oder von Selbstversorgern oder Kommunal=Verbänden an Trocknungsanstalten oder Mühlen zum Trocknen oder Vermahlen überwiesen worden sind, sind vom Verfügungsberechtigten anzugeben, auch dann, wenn er die Vorräte nicht unter eigenem Verschlusse hat. 4. Die Anzeigepflicht erstreckt sich nicht: a) auf Vorräte, die im Eigentume des Reichs, eines Bundesstaates oder Elsaß=Lothringens, insbesondere im Eigentume eines Militärfiskus oder der Marineverwaltung stehen; b) auf Vorräte, die im Eigentume der Reichsgetreidestelle G. m. b. H. oder der Zentral=Einkaufsgesellschaft m. b. H. stehen; c) auf Hinterkorn und Hinterkornschrot, das von einem Kommunalverbande, sowie auf zur menschlichen Ernährung ungeeignetes Brotgetreide und Mehl, das von der Reichsgetreidestelle zum Verfüttern freigegeben worden ist; d) auf Brotgetreideschrot, das von der Reichsgetreidestelle zum Verfüttern freigegeben worden ist. 5 Alle Vorräte, gleichviel in welcher Menge, sind anzugeben, und zwar nur in Zentnern und überschießende Mengen in Pfunden(also z. B. 4 Zentner 12 Pfund); jede andere Gewichtsangade ist verboten Ungedroschenes Getreide ist nach dem Körnerertrage gewissenhaft zu schätzen und mit gedroschenem Getreide gleicher Art zusammenzufassen. 6. Die Erhebung der Vorräte erfolgt gemeindeweise. Die Ausführung der Erhebung liegt den Gen einde. behörden ob. 7. Da bei dieser Erhebung außer den Kommunalver= bänden nur die landwirtschaftlichen Betriebe in Betracht kommen, ist die Verwendung von Einzelanzeigen für jeden Anzeigepflichtigen nicht vorgesehen, 8 Die zuständige Behörde oder die von ihr beauftragten Beamten sind befugt, zur Ermittelung richtiger Angaben Vorrats= und Betriebsräume oder sonstige Aufbewahrungsorte, wo Vorräte von Brotgetreide, Hafer oder Mehl zu vermuten sind, zu untersuchen und die Bücher des zur Anzeige Verpflichteten zu prüfen. 9. Wer vorsätzlich die Anzeige, zu der er verpflichtet ist, vicht in der gesitzten Frist erstattet oder wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark bestraft; auch können die Vorräte, die verschwiegen sind, im Urteil als dem Staate verfallen erklärt werden. Wer fahrlässig die Anzeige, zu der er verpflichtet ist, nich in der gesetzten Frist erstattet oder unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Geldstrafe bis zu dreitausend Mark oder im Unvermögensfalle mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. Hörde, den 8. November 1915. Der Landrat I. V. Dr. Burchard, Regierungs=Affessor. Bekanntmachung. Mit Rücksicht auf den Bußr und Bettag findek in nächster Woche der Markt am Dienslag, den 16. d.: Mis. statt. Res * Auf Grund der Genehmgung des Herrn. gierungsPräsidenten wird an diesem Tage der Verhauf von Fleisch und Fleischwaren im Stadtbezirge Schwerte ausnahmsweise zugelassen. Schwerte, den 11. November 1915. 5 4145 Die Polizei=Verwallung: Rohrmann. Mittwoch morgen 7½ Uhr entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden unsere herzensgute Mutter, Schwägerin, Tante, Nichte und Cousine Frau Witwe Postschaffner PrieufVUgel Anna geb. Detmar im 83. Lebensjahr. 5240 Die trauernden Kinder Aenne Vogel, Heinz Vogel und Angehörige. Schwerte, Wetter, Cassel und Volmarstein, den 12. November 1915. Die Beerdigung findet Sonntag, den 14. Nov. nachm. 2¼ Uhr vom Marien-Hospital aus statt. Den geehrten Bewohnern von Schwerte: und Umgebung zur gefälligen Kenntnis: nahme, dass ich seit dem 1 Oktbr. d Js. bei der Elektr. Ges.„Mark“, Hagen, für: Kraft- und Lichtanlagen konzessioniert bin. Sämtliche in mein Fach einschlagenden: Arbeiten werden prompt und sauber ausgeführt. Hochachtungsvoll Carl Brühmann, Schwerte: Eisenindustriestr. 21. 5212 57 Sonntag, den 14. November 1915, nachmittags 1¾ Uhr auf dem Sportplatze „Schützenhof“ in Schwerte: Bezirks-Fussballsplel Schwerter Sport-Klub 06 II gegen Hagener Fussball-Klub 05 e. V. III. Nachm. 3½ Uhr: Gesellschafts-Spiel Dertmunder Sportvereinigung 95 e. V. II gegen Schwerter Sport-Klub 06 l. Eintritt: Für Erwachsene 40 Pf., im Vorverk. 30 Pf. " Schüle 80„„„ 20„ Vorverkauf in den Zigarrengeschäften, bei Friseuren und durch Mitglieder. 5220 Feldgraue Soldaten haben freien Zutritt. Der gesamte Reinertrag ist für das Rote Kreuz bestimmt. uRunnaannn Banassan Num Des grossen Andranges wegen war es mir in der letzten Zeit nicht möglich, die 5242 Schuh-Reparaturen in so kurzer Zeit wie gewünscht auszuführen, da mein Personal zum Heeresdienst eingezogen. Nachdem es mir gelungen, wieder mehrere tüchtige Schuhmacher einzustellen, bin ich in der Lage, die Reparaturen meiner werten Kundschaft wie früher schnellstens zu liefern. U. W. Hüsingstrasse 30. Telephon 227. Elgene Werkstatt. Tuppel=Zleinik. Alle Reparaturen an Puppen schnell und billig Sämlliche Ersatzteile, wie Köpfe, Arme, Beine 2c. Anfertigung von Puppenperücken gut und billig. Ferner empfehle meine Haararbeiten, wie Perücken, Zöpfe, alle Ersatzteile von geranliert ungefärdten Naturhaaren jed. Farbe in all. Preislagen Anton Süttmann, 4988 Bismarck= und Wilhelmstr.=Ecke.— Filiale in Ergste Wader Erteie Hieiert schnell und sauber Buchdruckerei Ep; Graus Gestern abend wurde meine herzensgute Gattin, unsere liebe, treusorgende, unvergessliche Tante, Grosstante und Schwägerin Freu-Kontler Nuge-Ormene ulie geb. Pelzing durch einen sanften Tod infolge Herzschwäche von ihrem kurzem, schwerem Leiden erlöst. Sie starb im 73. Lebensjahre. Um sie trauern schmerzlich Die Hinterbliebenen. Schwerte, den 10. November 1915, Die Beerdigung findet Sonntag, den 14. November um 2 Uhr vom evgl. Krankenhause aus statt.— Hausandacht daselbst 1“° Uhr. Von Bei’eidsbesuchen wolle man bitte absehen. 5241 Schwerter Turnverein W. d. D. T. Haupt=Versammlung am Samstag, den 13. Nov., abends 8½ Uhr im Vereinslokale(Im Reiche des Wassers). Tagesordnung: 1. Vorstands= Ergänzungswahlen. 2. Kriegsliebesdienst. 3. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet 5247 Der Vorstand. empfehle ich mein grosses Lager in [Unterzeugen, wie: Hemden Hosen „acken Strümpten Handschuhen in guten Qualitäten und in jeder Preislage Kaufhaus Ostenstr. 20. Original=griechische für Kranke und Rekonvaleszenten empfiehlt billigst S Sastl Gasthof zur Helle — Teleson 251.— Verandrmachaug betreffend Beschlagnahme, Behandlung, Verwendung und Meldepflicht von rohen Häuten und Fellen. Nachstehende Bekanntmachung wird auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 bezw. au Grund des Bayrischen Gesetzes über den Kriegszustand vom 5. November 1912 in Verbindung mit der Allerhöchsten Verordnung vom 31. Juli 1914 hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht mit dem Bemerken, daß jede Zuwiderhandlung. soweit nicht nach den allgemeinen Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt sind, nach§ 6*) der Bekanntmachung über die Sicherstellung von Kriegsbedart vom 24. Juni 1915(Reichs=Gesetzbl. S. 357) oder nach§ 5“*) der Bekanntmachung über Vorratserhebungen vom 2. Fedruar 1915(Reichs=Gesetzdl. S. 54) bestraft wird. § 1. Von der Bekannlmachung betroffene Gegenstände. Von dieser Bekanntmachung werden betroffen: a) alle Großviehhäute und Kalbselle, die als vollständige Haut mindestens folgendes Gewicht haben: grün.... 10 kg salzfrei 9„ trocken 4„ b) das ganze aus militärischen Schlachtungen stammende Gefälle von Schlachttieren aller Art, c) das in den besetzten feindlichen Gebieten und den Etappen und Operationsgebieten gewonnene Gefälle von Schlachttieren aller Art und Pferden. Inländisches Gefälle. 8•2. Beschlagnahme des inländischen Gefälles. Alle im§ 1 unter a bezeichneten Häute und Felle aus dem Inlande werden hiermit beschlagnahmt. § 3. Veräußerungserlaubnis Trotz der Beschlagnahme ist die Veräußerung und Lieferung inländischen Gefälles, soweit es nicht aus militärischen Schlochtungen stammt. in folgenden Fällen erlaubt: a) von einem Schlächter***), der Mitglied einer Häuteverwertungs=Vereinigung(Innung) in, an die Häuteverwertungs=Vereinigung(Innung) innerhalb einer Woche nach dem Fallen der Haut oder des Felles; b) von einem Schlächter, der nicht Mitglied einer Häute verwertungs=Vereinigung Innung) ist, an einen Händler (Sammler) iunerhalb 4 Wochen nach dem Fallen der Haut oder des Felles; c) von einem Händler(Sammlei), dessen monatlicher Umsatz 100 der Beschlagnahme unterliegende Häute und Felle übersteigt, an einen von der Kriegs=Rohstoff Abteilung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums zugelassenen Großhändler+); d) von einem Händler(Sammler), dessen monatlicher Umsatz 100 der Beschlagnahme unterliegende Häute und Felle nicht übersteigt, an einen zugelassenen Großhändler oder einen anderen Händler(Sammlers; e) von einer Häuteverwertungs=Vereinigung(Innung), die einem Verdand von Hauteverwertungs=Vereinigungen angehört, an oder durch diesen Verdand, andernfalls an einen zugelassenen Großhändler. *) Mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark wird, sosern nicht nach allgen einen Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt sind, destraft: 1. wer unbesugt einen beschlagnahmten Gegenstand beiseite schafft, beschädigt oder zerstört, verwendet, verkauft oder kauft oder ein anderes Veraußerungs= oder Ewerbsgeschäft über ihn abschließt: 2. wer der Verpflichtung. die beschlagnahmten Gegenstände zu verwahren oder pfleglich zu behandeln, zuwiderhandel! 3. wer den nach§ 5 erlassenen Ausführungsbestimmungen zuwiderhandelt. **) Wer vorsätzlich die Auskunft, zu der er auf Grund dieser Verordnung verpflichtet ist, nicht in der gesetzten Frist erteilt, oder wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gesängnis dis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 10000 Mark bestraft, auch können Vorräte, die verschwiegen sind. im Urteil für dem Staate verfallen erklärt werden. Wer fahrlässig die Auskunft, zu der er auf Grund die ser Verordnung verpflichtet in, nicht in der gesetzten Erist erteill oder unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Geldstrafe bis zu 3000 Mark oder im Unvermögensfalle mit Gefängnis bis zu 6 Monaten bestraft. * Sclächter im Sinne dieser Bekanntmachung ist derjenige, in dessen Eigentum die Haut durch die Schlachtung oder Fallen verdleibt oder übergebt. *) Die Liste der zugelassenen Großhändler ist bei der Kriegs=Rohstoff=Adteilung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums, Sektion Ch. U, Berlin SW, 38, Verlängerte Hedemannstr. 9/10 erhältlich. Sie wird von Zeil zu Zeit durch die Fachpresse veröffentlicht. 1) von einem Verband von Häuteverwertungs=Vereinigungen oder einem zugelassenen Großhändler an die Sammelstelle(§ 4); a) von der Sammelstelle an die Verteilungsstelle(§ 4): h) von der Veiteilungsstelle an eine Ge.verei. Diese Veräußerungen und Lieferungen sind nur erlaubt. wenn dem Abnehmer gleichzeitig eine Rechnung über die gelieferten Häute oder Felle übergeben wird. Jede andere Art der Veräußerung oder Lieserung von beschlagnahmten Häuten oder Fellen ist verboten, insbesondere der Ankauf von Häuten oder Fellen durch die Gerbereten von einer anderen Stelle als der Verteilungsstelle. § 4. Sammelstelle und Verteilungsstelle. Sammelstelle für beschlagnahmte Häute und Felle ist die Deutsche Rohhaut=Aktiengesellschaft. Berlin W 8, Behrenstr. 28. Verteilungsstelle ist die Kriegsleder= Aktiengesellschaft, Berlin W 8, Behrenstr. 46. S 5. Behandlung der Häute und Felle. Verboten ist jede Verfügung über die beschlagnahmten Häute oder Felle, wenn nicht die folgenden Vorschriften beobachtet werden oder worden sind: a) Die von der Beschlagnahme betroffenen Häute und Felle sind bei der Schlachtung der Tiere sorgfältig zu behandeln. Nach der Entfernung der elwa noch anhaftenden Fettund Fleischteile ist unverzüglich nach dem Erkalten das Gewicht der Haut oder des Felles festzustellen. Diese Feststellung hat nach Möglichkeit durch einen vereidigten Wiegemeister zu erfolgen. Das durch Wiegen ermittelte Gewicht ist in unverlöschlicher Schrift(z. B. auf einer an der Haut oder dem Fell zu befestigenden Blechmarke oder durch Stempelaufdruck) zu vermerken. Gleichzeitig ist das Gewicht etwa anhaftenden Dungs fachmännisch zu schätzen. In dem Gewichtsverzeichnis ist sowohl das durch Wiegen ermittelte Gewicht als auch das nach Abzug des geschätzten Dunggewichts sich ergebende Reingewicht(Grüngewicht) aufzuführen. Sogleich nach dem Wiegen, spätestens aber innerhalb 24 Stunden nach dem Fallen ist jede Haut oder jedes Fell vom Verwahrer sorgfältig zu salzen. Im übrigen hat jeder Verwahrer die Haut ober das Fell pfleglich zu behandeln. d) Jeder Händler(Sammlei) hat bis zum zweiten Tage eines jeden Monats ein Gewichtsverzeichnis des von ihm im vorhergehenden Monat gesammelten Gefälles nebst einer Rechnung darüber an den zugelassenen Großhändler einzureichen, an den er seine Ware liefern w.ll. c) Jede Häuteverwertungs=Vereinigung(Innung) die einem Verbande angehört, hat bis zum zweiten Tage eines jeden Monats ein Gewichtsverzeichnis über das im vorhergehenden Monat von ihr gesammelte Gefälle nebst einer Rechnung darüber an den Verband einzureichen. d) Jede Häuteverwertungs=Verein gung(Innung). die keinem Verbande angehört, hat bis zum zweiten Tage eines jeden Monats ein Gewichtsverzeichnis über das von ihr im vorhergehenden Monat gesammelte Gefälle nebst einer Rechnung darüber an einen zugelassenen Großhändler einzureichen. e) Die Verbände von Häuteverwertungs=Vereinigungen und die zugelassenen Großhändler haben bis zum zehnten Tage eines jeden Monats die Gewichtsverzeichnisse des im vorhergehenden Monat gemeldet erhaltenen Gefälles nebst Rechnungen darüber in der von der Kriegs-RohstoffAbteilung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums vorgeschriebenen Form an die Sammelstelle einzureichen. § 6. Melvepflicht. Wer nach Maßgabe der§§ 3 und 5 von der Veräußerungserlaubnis keinen Gebrauch gemacht hat, hat über die in seinem Besitz befindlichen Häute und Felle der Meldestelle der Kriegs=RohstoffAoteilung für Leder und Lederrohstoffe, Berlin W 8. Behrenstraße 46, Meldung zu erstatten. Die Meldungen haben auf den vorgeschriebenen Vordrucken zu erfolgen, welche ordnungsgemäß auszufüllen sind. Die Vordrucke sind bei der Meldestelle der Kriegs=Rohstoff=Abteilung für Leder und Lederrohstoffe, Berlin W 8, Behrenstr. 46, anzufordern Die Meldungen sind bis zum 20. Tage eines jeden Monats für den vergangenen Monat zu erstatten. Gefälle aus militärischen Schlachtungen usw. S 7. Gefälle aus militärisch n Schlachtungen, den Operations=, Etappen= oder besetzten feindlichen Gebieten. Das aus militärischen Schlachtungen(auch des Inlandes) sowie aus den Operations=, Etappen= oder besetzten feindlichen Gebieten stammende Gefälle ist beschlagnahmt. Seine Ablieferung und Verwendung ist durch besondere Vorschriften geregelt. Gestattet ist der Bezug derartigen Gefälles nur von der Verteilungsstelle(§ 4). Ausländisches Gefälle. s“6. Ausländisches Gefälle. Für alle im§ 1 unter a bezeichneten Häute und Felle, die aus dem neutralen oder verbündeten Ausland eingeführt sind. gelten folgende be onderen Anordnungen: a) Meldepflicht. Die eingeführten Häute oder Felle unterliegen einer Meldepflicht an die Meldestelle der Kriegs=Rohstoff= Abteilung für Leder und Lederrohstoffe, Berlin WS, Behrenstr. 46, von der Vordrucke für die Meldungen anzufordern sind. Zur Meldung verpflichtet ist jede Gerberei innerhald einer Woche nach Eingang von ausländischen Häuten oder Fellen bei ihr oder ihrem Lagerhalter. Andere handel= oder gewerbetreibende Personen, Gesellschaften oder landwirt chaftliche Betriebe, Kommunen, öffentlichrechtliche Körperschaften und Verbände, die ausländische Häute im Eigentum oder Gewaorsam haben, sind nur meldepflichtig, sofern der Vorrat mindestens 100 Häute oder Felle beträgt und diese einen Monat im Inland gelagert haben, ohne einer Gerberei zugeführt zu sein. Die Meldung h.t innerhalb einer Woche nach Ablauf der Monaisnist zu geschehen. b) Lagerbuchführung Jeder Meldepflichtige von ausländischen Häuten hat ein Lagerbuch zu führen, aus dem jede Aenderung in dem Vorrat der meldepflichtigen Häute und ihre Verwendung ersichtlich sein muß. c) Behandlung des Gefälles. Jeder Verwahrer ausländischen Gefälles, welcher den Vorrat nicht pfleglich behandelt und übersichtlich lagert, hat die sofortige Enteignung zu gewärtigen. S 9. Ausnahmen. Die Ariegs=Rohstoff=Abteilung des Königlich Preußischen Kriegsminitteriums. Beriin S Wis, Verlängerte Hedemannstr.9/10, kann Ausnahmen von den Anordnungen dieser Bekanntmachung gestatten. Die Entscheidung muß schriftlich erfolgen. 8 10. Inkrafttrelen Diese Bekanntmachung tritt mit dem 10. November 1913 in Kraft. Von diesem Zeitpunkt an sind meine Bekanntmachungen vom 25. November 1914 und 19. August 1915 über Beschlagnahme von Großviehhäuten sowie die Nachträge zu diesen aufgehoben. Münster, den 10. November 1915. Der stellvertretende kommandierende General des VII. Armeekorps: 5230 Fihr. v. Gayl, General der Insanterie. " 9532 3Se 8 Soi 72— B•• ## □ #35 2# Ss T c S a 8 ## 85 D 2.— S SD: S 5 Es #7“ 2 B#. 5a 5 8 . SeSNS „Sas T#ns I SSpaBR TgS: ay B S3 BRUS 9—1o. e SSSSESpSgagED: 5 22 9 S s S a 55 S 8659 er S 300• 3 S 8— S#.S# S *.05 E58S SSS. 23 S S 82 —— □• **** B Stg. 1 S 8 S 5g* gREE S ESSSEg B8SESOPSL SSESSSE5 SSTTRSSTE: SSSFRBSSE — Die verkehrsreichsten Straßen der Welt, Untersuchungen aus der Zeit unmittelbar vor dem Kriege, die sich mit dem Straßenverkehr in den Großstädten beschäftigen, haben festgestellt, welche von den Hauptstraßen der größten Städte der Welt als die belebtesten anzusehen sind. Das Resultat ergab als die beiden verkehrsreichsten Straßen, die es heute auf Erden gibt, die Straßenecke bei Mansion House in der City von London und den Pariser Opernplatz. Bei Mansion House kommen täglich die meisten Fußgänger vorbei; über den Opernplatz fahren die meisten Wagen. An jedem Wochentage beträgt die Zahl der Personen, die bei Mansion House vorbeigehen, durchschnittlich 500000, die Zahl der Gefährte beläuft sich auf 50000. Den Opernplatz passieren 450000 Fußgänge; und 63000 Wagen. Nach diesen beiden größten Verkehrsadern der modernen Großstädte ist der Broadway von Neuyork zu nennen, den täglich 480000 Fußgänger im Durchschnitt passieren. Berechnet man die Zahl der Menschen, die hier in Straßenbahnwagen und anderen Gefährten vorbeikommen, so beläuft sie sich sogar auf über 700000. An vierter Stelle dürfte die Puerta del Sol in Madrid stehen, in der neun oder zehn große Verkehrsadern zusammentreffen; durch dieses Tor gehen durchschnittlich 360000 Leute am Tage. Mit je 300000 Passanten schließen sich die Friedrichstraße in Berlin und der Wladimirski=Prospekt in St. Petersburg an, während der Wiener Graben durchschnittlich von 270000 Personen täglich passiert wir' Neue Untersuchungen über die Nützlichkeit des Blinddarms. Erst kürzlich trat der Mediziner Dr. R. Robinson mit den Ergebnissen von Versuchen hervor, die lebhaftes Aufsehen machten, weil sie die Wichtigkeit und Nützlichkeit des Blinddarms für den menschlichen Organismus zu beweisen schienen und der Neigung, den Blinddarm operativ zu entfernen, mit gewichtigen Gründen entgegentraten. Eine neue und interessante Bestätigung dieser Feststellungen ergeben die Experimente, die der italienische Gelehrte Morgera jetzt abgeschlossen hat und deren Resultate nunmehr vorliegen. Morgera unternahm seine Versuche an Hundshaien des Golfes von Neapel; die Hundshaie besitzen eine fingerähnliche Drüse, die dem menschlichen Blinddarm entspricht. Der Gelehrte entsernte bei einer Anzahl dieser Tiere die Drüse und konnte alsbald feststellen, daß die Verdauungsbewegungen des Magens und der Eingeweide sich nicht mehr so regelmäßig vollzogen wie früher. Morgera impfte nun das aus den entfernten Drüsen gewonnene Sekret anderen Hundhaien ein und konnte auf diesem Wege eine sichtbare Verstärkung der Muskelbewegungen der Verdauungsorgane feststellen. So bestätigen diese Experimente, daß ebenso wie beim Menschen auch beim Tiere der Blinddarm in der Verdauungsökonomie eine außerordentlich wichtige und bisher völlig verkannte Rolle spielt, und daß daher die operative Entfernung des Blinddarms von wesentlichem und ungünstigem Einfluß auf die Tätigkeit der Verdauungsorgane sein muß. FEn, .* E S# #### Schach. F###r. * S g. *. 2 S8 Bearbeitet von E. Schallopp. Ausgabe Nr. 434. Endspielstudie eines ungenannten Verfassers. Schwarz: 2 Steine. a be d„* g Weiß: 3 Steine. Weiß zieht an und gewinnt. 498—1IS·8 37—8ü 15—3PS ·2 10—31M 70—•S•9 30—I9N 75—11A•9 14—31M 7—87S•* 7U—IIN 7• 90—F 73—99S 73 ucb gun gg 93—13 CI-•7 3 F#Xs jiv1—31•7 Partie Nr. 437. Gespielt zu Steglitz am 4. Mai 1915. Wiener Partie. Weiß: E. Schallopp.— Schwarz: M. K. Weiß: 1. e2—64 2. Sb1—e3 3. 12—14 4. Sgl—13 5. Lfl—c4 Sb8—c6 ist Zug. 6. f4Xe5 7. LcIXf7+ Bei KesXf7 Schwarz um 2 schwächer. 8. Lf7—b3 Sb8—c6 9. 42—03 Sc6—44 Schwarz konnte dem Gegner den Gewinn wohl etwas mehr erschweren. 10. S13Xd4 DdsXd4 11. D4l—42 12. Sc3—05 Schwarz: e7—65 L18—65 47—06 1e8—g4 S88—f6? der richtige X0Xe5 Ke8—18 bleibt Bauern 13. c2—c3 14. 63—04 15. c3—04 16. 0—0+ 17. 04—c5 18. Da2—a5 Nun verbietet sich c6X45 wegen 19. Lb3—a4. Sf6—15 L65—d6 Dd4—c5 De5—b5 Db5—07 K18—e8 c7-c6 18. 19. Lcl—e3 20. Tfl—12 21. S45—b6 Lo6—b8 Lg4—e2 Le2—43 Lb8—c7 22. Lb3—f7+ Ke8—08 Wenn nach e7, so 23. L17 Xh5 a7Xb6 24. Le3—g5+ Ke7—eß 25. Lh5—g41. Die einzige Rettung bot noch 22.. DdTXf7 23. Tf2 X17; doch hatte auch dann nach 24. Da5—c3 a7Xb6 25. Dc3Xd3 bezw. 24. Lasxe4 25. Sb6Xa8 7·h8 Xas 26. Dc3—63+- und 27. Db3Xb7 nicht die geringste dauernde Aussicht mehr. 23. Le3—g5+ Sh5—f6 24. TI2Xf6 Schwarz denkt: Nun schnell noch erst ein kleines Schach; aber Weiß sagt: Matt geht vor,— wenigstens wenn gleichzeitig das Schach gedeckt wird. Es folgte nämlich die überraschende Schlußwendung: 24. Da7Xd4+ 25. Tf6-124. (GE— L *** 45. Jahrgang O Grties und ältelles Cagesorgan des Kreies. O haupt-Annoncenblau für den Kreis börde Amtliches Kreisblatt Unterhaltungs Beilage zu Nr. 266. Freitag, 12. November 1915. den, eunkten(Pfarrn. Roman von A. Hottner=Grefe. 4 (6. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) ber, da seh' ich auf einmal was. Ganz was Sonderbares. Fritz,'s war halb wie ein Mensch, halb wie ein Tier. Nie noch hab' ich eine solche Gestalt gesehen und beinahe wäre mir eine Höllenangst gekommen. Aber ich hab' mich nicht gerührt und hab': immer nur hingeschaut. Die Gestalt hat einen großen, dicken Pelz angehabt und eine Haube auf oder eine Kappen. Man hat kaum ein Streiferl g'sehen vom Gesicht. Aber ich hab' scharfe Augen, Fritz. Und das Streiferl— grad das hab' ich erkannt, denn die Baronin Otta, die hat doch auch ein Muttermal auf der rechten Wange. Na, siehst, und so nah war die Gestalt bei mir, daß ich das Muttermal genau beim hellen Mondschein gesehen hab'. Also: das war die Baronin! Und natürlich ist sie vom Jagdschloß herabgeschlichen. Und zufällig ist der Baron Ludwig grad wieder hier. Siehst — man reimt sich was zusammen, Fritz! Es wird schon bald in Richtigkeit sein da drüben! Und dann — dann—“ Sie schrie plötzlich auf, so wild hatte er sie an den Armen gefaßt und schüttelte sie, wie der Sturm die schwachen Bäume schüttelte. „Still bist du— augenblicklich— Verleumderin, du! Ich will nichts mehr hören! Kein einziges Wort! Und schau', daß du fortkommst— da, jetzt gleich! Oder—“ Er hob in furchtbarer Aufregung die Faust. Aber Aga duckte sich und entriß sich ihm wieder. Diese Frau hatte Muskeln wie Stahl. Nur einen Blick noch warf sie ihm zu, einen Blick, in dem alles lag: Liebe, Haß, Leidenschaft, Mitleid. Dann lief sie wie gehetzt davon. Ihre raschen Schritte verklangen bald in der Ferne. Um Fritz Axmann war wieder tiefste Einsamkeit. Nur der Wald rauschte im Herbstwind. Ein Schauer welker Blätter rieselte nieder auf den Mann, der noch immer regungslos dastand, gelehnt an den Stamm einer uralten Buche. „Himmel, Himmel!“ sagte er endlich leise vor sich hin.„Wenn das wahr wäre! Wenn die Aga recht gesehen hätte! Dann wäre alles aus! Alle meine Träume und all mein Sehnen und mein stilles Hoffen? Mein Hoffen! Himmel! Worauf hoffe ich denn? Ich bin ja ein Narr, seit ich diese Frau zum erstenmal gesehen. Und sie? Sie beachtet mich kaum, sie sieht über mich hinweg, als ob ich Luft wäre! Und doch liebe ich sie, liebe sie wahnsinnig, mit einer Leidenschaftlichkeit, welche ich früher nicht gekannt habe!“ Mühsam raffte der tieferschütterte Mann sich zusammen. Aber sein sonst so aufrechter Gang war fast ein wenig gebeugt, und auf seinen blassen Wangen glühten rote Flecken auf. Das, was Aga Hormeier ihm da so kaltblütig ins Gesicht geschrien hatte, das traf ihn wie ein Peitschenschlag. Während er langsam weiterschritt in der Richtung gegen das Jagdschlößchen zu, erlebte er im Geiste noch einmal die vergangenen Jahre.— Fritz Axmann war der Sohn sehr armer Leute. Sie hatten einst den bessergestellten Kreisen angehört, der Vater war Offizier gewesen, die Mutter die Tochter eines höheren Beamten. Beide waren ganz ohne Vermögen, und um heiraten zu können, hatte der Vater den bunten Rock an den Nagel gehängt und war in einer Bank als untergeordneter Beamter eingetreten. Und dann nahmen sie, allen Abmahnungen zum Trotz, das schwere Joch des Lebens gemeinsam auf sich. Es war ein hartes Dasein, das sie führen mußten. Der kleine Fritz hatte keine sonnige Jugend. Und je mehr Geschwister kamen, desto knapper wurden die Mittel. Die Mutter arbeitete, sorgte, sparte soviel sie nur konnte, aber das Geld war überall zu wenig. Schließlich war die Kraft der Frau aufgezehrt, eine schwere Krankheit warf sie aufs Lager. Von dieser Stunde an ging es noch viel rascher abwärts als früher. Die Frau hatte immer noch Ordnung gehalten, hatte getrachtet, daß wenigstens das Nötigste da war, daß die Kinder warme Kleider und Schuhe hatten im Winter und reichliches, einfaches Essen. Nun aber kümmerte sich niemand um das kleine Hauswesen, dessen guter Geist monatelang im Spital lag, ehe der Tod die Dulderin endlich erlöste. Die Kinder verwilderten, waren vernachlässigt; es fehlte an allem und jedem. Der Mann verlor alle Haltung und Energie. Er suchte nur noch Trost und Vergessen bei der Flasche. Endlich, als die Sorgen wuchsen und wuchsen, machte er durch einen verzweifelten Sprung von der Brücke in den tiefen Strom seinem Leben rasch ein Ende. Ein paar Tage danach starb die Mutter.— Dieses ganze Bild häuslichen, tiefen Elends erstand wieder vor den geistigen Augen Fritz Armanns, als er 0 4 S S23SSS BTASSSIRS1 0 8 3 3 ∆:: S 2 *** 8 • S E S ∆ jetzt durch den entlaubten Forst dem Jagdschlosse zuschritt. Ja, das war seine Kindheit gewesen! Das war seine Jugend! Alles war häßlich, öde, grau, bis zu dem Augenblick, da seine entfernten Verwandten, die Freiherren von Werbach, erfuhren, in welchem Elend die Kinder der verstorbenen Eheleute Axmann lebten. Damals, das war nun fünfzehn Jahre her, hatte er, der blasse, hochaufgeschossene Bursche, zum erstenmal Frau Otta gesehen. Sie war eine wunderschöne, junge Frau. Er war. ungelenk, vertrotzt durch alle die Härten des Geschickes, welche er schon zu erdulden gehabt hatte. „Eben war er-fertig mit dder Mittelschule, in der er als vorzüglicher Schüler einen Freiplatzinnegehabt hatte. Aber was nun weiter? Ihn schauderte, wenn er in die nächste Zukunft blicktem Frau Otta war wie ein Engel in das dürftige Zimmer getreten. Sie hatte selbst neben dem ungeliebten Mann kein leichtes Leben. Ihr Herz fühlte das sremde Leid warm nach. Sie nahm sich hilfsbereit der Kinder und des sonderhar verträumten, verschlossenen jungen Mannes an. Sie zahlte seine ferneren Studien und ebnete ihm den Wegzu einer guten, auskömmlichen Stellung. Er und seine Geschwister, wurden zu tüchtigen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft herangezogen. Ihn hatte der Freiherr Ludwig von Werbach als Förster in die schöne, große Försterei drüben am Ulmenherst gesetzt. Er hatte einen, Beruf, dem er mit Leib und Seele ergeben wor, er besaß ein auskömmliches Leben, ein gemütliches Heim, eine schöne, angesehene Stellung. Aber glücklich— nein, glücklich war er nicht! Fritz Axmann trat eben heraus auf die kleine Waldwiese. Eine Minute lang blieb er tief ausatmend stehen und blickte mit starren Augen hin auf das Haus, welches im. Frührotschein so still und friedlich imitten der alten Rieseneichen zu liegen schien. Ein Ausdruck eines großen, leidenschaftlichen Hasses trat in das Antlitz des Försters. Er hallte heimlich die Hand zur Faust. O. dieser Baron Ludwig! Er'selbst— Fritz Axmann— hatte wohl gesehen, daß die Blicke Frau Ottas mit einem Aufleuchten an der Gestalt des Freiherrn hingen, wo immer die beiden zusammentrafen. Und früher hatte Förster Axmann es auch beobachtet, daß der Freiherr manchmal, wenn er sich unbeachtet wähnte, die schöne Frau mit heißen Augen verfolgte. Jedesmal hatte der Förster die Zähne zusammengebissen. Denn in ihm brannte die Liebe zu Frau Otta wie ein dämonisches, wildes Feuer. Immer hestiger flammte die Liebe zu Otta empor, je aussichtsloser sie Fritz Axmann selbst erschien. Er konnte sich nicht wehren gegen diese ungeheure Leidenschaft. : Im Ankang, als er hierhergekommen war, da hatte er wohl, gemeint, die schöne Aga von der Mühle drunten, das wäre die richtige Frau für ihn. Daß sie ihn liebte, das, mußte ein Blinder sehen. „. Aber Frau Otta war die Stärkere. Fritz Armann mochte nicht mit einer Lüge im Herzen vor den Altar treten.. Daß er aber nie die schöne Freifrau vergessen würde, dies wurde ihm mit jedem Tage klarex. Da brach ex rasch und, wie es schien, grundlos seinen Verkehr in der Mühle ab. Die Aga war ein jähzorniges Ding.„Sie sahm, ym ihm zu zeigen, daß sie nicht auf ihn warten müsse, geschwind den anderen, den Hormeier, der ein Lump war durch und durch. Nun saß sie im tieisten Elend. Und der Förster Axmann? Er ledte von Hoffnungen, die so trügerisch waren, so ganz sinnlos, daß er selbst hart darüber lachte. Nie würde Frau Otta in ihm etwas anderes sehen als ihren Angestellten, dem sie volles Vertrauen schenken konnte, dem sie für seine treuen Dienste manchen Dank schuldete. Und nie würde Baron Ludwig von Werbach auf das Glück verzichten, diese Frau nun, da der Weg zu ihr frei geworden, da sie Witme war, zu heiraten. Und er— er konnte daneben stehen mit seiner großen, tiefen Liebe und mußt? alles doch noch mit ansehen, mußte hören,-daß sie, diese Frau, welche er so hoch stellte wie keine, bei Nacht und Nebel hier nach dem Jagdschlößchen kam und wieder davonschlich wie eine, welche das Licht scheuen muß. Der Förster dachte angestrengt nach. Aus all den wirren, unklaren Gedanken hob sich allmählich ein stilleres, reineres Empfinden hervor. Es war ihm, als wäre er nun, ohne es zu wollen, der Mitwisser eines Geheimnisses geworden, für dessen Wahrung auch er verpflichtet war. Wenn Aga zu anderen auch so sprach, wie sie zu ihm gesprochen hatte! Der gute Ruf, der Name Ottas stand auf dem Spiele! Wäre es, nicht das einzig Richtige, dem Baron gegenüberzutreten und ihn auf die Gefahr aufmerksam zu machen, welche aus derartigen Unvorsichtigkeiten erwachsen könnte:? Der Förster blickte wieder hinüber nach dem Jagdschlosse. Sonderbar! Fast in allen Zimmern brannte Licht. Aus dem ihm so wohlbekannten Arbeitszimmer des Barons flackerte der Schein von drei Lampen und stritt erfolglos gegen das Licht des Tages, welches immer heller die Erde überflutete. Fritz Axmann schulterte das. Gewehr und schritt, einem raschen Entschluß folgend, dahin über die kleine Wiese, gerade auf dgs Haus zu., Sonderbar still lag es da, trotz, der erleuchteten Fenster. Kein Laut drang heraus, außer dem Heulen und Winseln des Hundes.; L. i# an E, u un Wam ve Der Förster näherte sich dem Schlößchen von rückwärts. Er kannte ja hler genau jeden Weg und Steg; denn auch diese einsame Partie des weithingestreckten Forstes gehörte noch zu seinem Reyier. Er kam bis an die Umzäunung des kleinen, wilden Gartens. Gewandt schwang er sich hinüber. Immer sönderbarer erschien es ihm, daß die vielen Lichter und Lampen brannten. Und dann: weshalb heulte denn der Hund so? Und was war das für ein merkwürdig quieksendes, mitleiderregendes Weinen, das zwischen dem Gewinsel Harros dann und wann bis zu ihm herausdrang? Er sah scharf von einem Fenster zum anderen. Dort, im Eckzimmer, flackerte auch ein trübes Lämpchen. Merkwürdig!„Dieses Gemach stand doch immer leer! Das war nur bestimmt für etwaige Gäste. Und nie, soweit Förster Axmann sich zurückerinnerte, nie hatte Baron von Werbach hier Gäste gehabt.: Der Freiherr selbst schlief stets auf dem alten, harten Ledersofa in seinem Arbeitszimmer. Kopfschüttelnd umkreiste Armann das Haus. Endlich stand er auch vor der schmalen Freitreppe. Eine Sekunde lang stockte, sein Fuß. Zwischen modernden Laubmassen, halb versteckt im kahlen Buschwerk, lag etwas. War das nicht ein Handschuh? Rasch bückte er sich und hob das ziemlich unförmige Ding auf., Gewiß. ein Damenhandschuh aus dunklem Leder war es, pelzgefüttert. Und ein eigentümlich schwerer, süßer Duft haftete ihm an. ein Duft, welchen der Förster nur zu gut kannte.7 (Fortsetzung folgt.) 4 S 5 5 E 55 S 85 5 E SOSagEeE S..# S SSuSSgeE =-##geg uSs Be S 8 SSS5SSESS S 5 5 5 SSUES SbSSES *.— 10 E 00 E S K * S 18 S 5855S• Teip USUZESEnSECGUTNE S 2 S S• S 2. = 00 * S HLES P gPTESS 5 GE5ES ei S Su Se7 8 „ a 6 a TGE S S EEERS S Sas SEn Karl der Große in der deutschen Dichtung. (Nachdruck verboten.) Vor etwa Jahresfrist waren 1100 Jähre dahingegangen, seit Karl der Große, die gewaltigste geschichtliche Gestalt des ersten christlichen Jahrtausends, ins Grab stieg. Schon in dem Jahrhundert seines Todes war die dichtende Phantasie aller von ihm beherrschten Völker geschäftig, den weltbezwingenden Frankenkaiser in den Purpurmantel der Sage zu hüllen, ihn mit den Wundern und Herrlichkeiten einer fast überirdischen Gestalt auszustatten. So schreitet der Riesengeist, in dem das Germanentum die erste welthistorisch= großartige Prägung gewann, durch die Dichtung der Zeiten, als ein Dämon, dem man sich bald in frommer Verehrung, bald mit ehrfürchtigem Staunen, bald mit gutem Humor naht. Gerade in unsern Tagen hat des großen Karl Persönlichkeit ihre poetische Zauberkraft wieder bewährt, indem sie zwei bedeutende Dichter zur Gestaltung des alten, vielbehandelten Stoffes reizte. Sowohl in Gerhart Hauptmanns Legendenspiel„Kaiser Karls Geisel", wie in Ernst von Wolzogens erst kürzlich aufgeführtem Trauerspiel„König Karl“ erscheint der Herrscher als der Vertreter altgermanischer Art, dessen Herrenseele die Fesseln römischen Geistes und christlicher Askese sprengt; in dem persönlichen Konflikt einer mächtigen Liebesleidenschaft sicht er den tragischen Kampf von Pflicht und Neigung aus und wächst empor zu einem Symbol der widerstreitenden Weltanschauungen des Mittelalters, aus denen er die Grundlage aller kommenden Kultur geschaffen. Die Goldfäden der ältesten Sagen sind von den modernen Dichtern in diesen ewig menschlichen Stoff verwebt. Hauptmann stützte sich auf eine Legende, die von der glühenden, den Tod überdauernden Leidenschaft des Kaisers für ein dämonisches Heidenmädchen erzählt, eine Geschichte, die unzählige Chronisten und Novellisten zur Wiedergabe gereizt und die auch verschiedene deutsche Dichter, so Friedrich Schlegel in seiner Romanze„Frankenherg bei Aachen" und Wilhelm Müller in dem Balladenzyklus„Die Sagen vom Frankenberger See bei Aachen", behandelt haben. Die Gründung der Kaiserpfalz von Aachen ist mit dieser Sage verknüpft, indem Karl die Leiche der schönen Heidin, an die ihn ein Zauber fesselt, im Frankenherger See begräbt und dann sich hier einen Palast erbaut, um ihr stets nahe zu sein. Wolzogen ist in seinem Drama vielfach durch die anmutigen Auekdoten beeinslußt, die kurz nach 883 ein Mönch von St. Gallen, wahrscheinlich der berühmte Gelehrte Notker der Stammler, aufschrieb, und die die ehrwürdige Herrschergestalt bereits ganz vom Duft des Märchens umwittert zeigen, hinausgewachsen über die menschliche Bedingtheit in die freie Luft der spielenden Phantasie. Aus diesem geheimnisvollen Wirken des schaffenden Volksgeistes ist um dieselbe Zeit der große Kreis der Karlssage entstanden, der immer mehr Stoffe und Notive in sich einsog und so in der ganzen mittelalterlichen Literatur zu einer eigentümlichen Bedeutung gedieh, zum Mittelpunkt der wichtigsten Volks= und Kunstdichtungen wurde. Der „Kerlingische“ Sagenkreis baut sich ja hauptsächlich auf den Kämpfen auf, die Karl der Große mit den„Heiden“ in Spanien bestanden; aber auch alle großen Ereignisse und Siege der Vorgäuger Karls und der früheren Jahrhunderte wurden auf ihn übertragen, und um den greisen, abgeklärten Kaiser traten seine Paladine, vor allem sein Neffe. Roland, der jugendliche Held. Das Rolandlied, das französische Nationalepos, ist die glänzendste Gestaltung dieser ritterlichen Karlssage. In den späteren Dichtungen ward dann die Figur des Kaisers immer mehr zurückgedrängt gegenüber den jungen Helden seiner Tafelrunde; burleske und komische Züge umwittern sein Wesen; vielfach erscheint er als launischer Despot, ja als Schwächling und Spaßmacher, und so lebt er fort bis in die Rengissanceepen der Bojardo und Ariost hinein, bis in die Niederungen des Puppenspiels und des Bänkelgesanges. All diese bunten Reilexe seiner Erscheinung spiegeln sich auch im deutschen Dichten; doch ist hier Karl nie zum Hanswurst herabgesunken wie in Italien, sondern stets bleibt ihm etwas von der Erhabenheit des großen Herrschers erhalten. Nachdem ihn die gereimte, Kaiserchronik vom Anfang des 12. Jahrhunderts im Sinkne des„Erzpoeten“ als Bezwinger des Erdballes geschildert, taucht auf dem Umwege über die französische Dichtung Karls Gestalt im„Rolandslied“ des Pfaffen Konred auf, und im niederrheinischen Gedicht des„Karl Meinet; werden, dann die einzelnen Sagen zu einem großen Karlsgedicht zusammengeschweißt. Schattenhaft schreitet er durch manche Gedichte aus der Blütezett unserer mittelalterlichen Poesie, so durch den„Willehalm“ Lolfram von Eschenbachs, durch„Flore und Blancheflur“ von Konrad Fleck. Die frommen Legenden stempeln ihn zum Glaubenshelden, die Sagen zum mächtigen Dämon und die Schwänke zum lustigen und gutmütigen Riesen. Etwas von dem allen lebt in den deutschen Volksbüchern, dem„Fierabras“ und vor allem den„Vier Haimonskindern“. und auch noch in aller späteren Dichtung, so in den Komödien, die Hans„Sachs der Karlssage entnahm. In ein neues Licht ward Karl der Große erst wieder durch die Romantider gestellt, die mit dem Mittelalter auch seine„heilige Macht“ entdeckten. Nachdem Friedrich Schlegel die karolingische Sage wieder zum Leben erweckt hatte, ist besonders Fougus nicht müde geworden, Romanzen, Ritterlieder, Schauspiele und Romane zu dichten, die sich mit Kul und seinem Kreise beschäftigen; die„Romanzen vom Tal Ronceval“(1808) und„Karls des Großen Geburt und Jugendjahre"(1814) sind wohl die gelungensten dieser Schöpfungen. Zum Volkshelden hat den Kaiser aber recht eigentlich erst Ludwig Uhland gemacht, indem er ihm einige seiner schönsten Balladen widmete. Zahlreiche Epiker beschäftigten sich nun mit dem Stoff, und. noch mehr Lyxiker. Von ihnen sind Platen, der uns den Kaiser als frommen Beter zu Weihnachten zeigt, H. von Mühler, der den gewaltigen Helden schildert, vor dessen Blick die Normannen fliehen, Kopisch mit, seiner Erzählung der Gründung Frankfurts, Gerok mit seiner lustigen Schulvisitation Kaiser Karls und Greif mit Karls letzter Heerfahrt am populärsten geworden. Aus solcher Stimmung heraus hat Karls Wesen seine höchste künstlerische Erfassung in Rethels großartigen Fresken gefunden, als der Schutzgeist des Rheins, wie ihn Geibel bejungen:„Und an den Hügeln wandelt ein hoher Schatten her, mit Schwert und Purpurmantel, die Krone vom Golde schwer. Das ist der Karl, der Kaiser, der mit gewalt'ger Hand vor vielen hundert Jahren geherrscht im deutschen Land.“ 2„—-4— Denkspruch. 4 Se nicht wie wir mit unserem Hemiüt zuz die Erscheinungen der Wielt reazigren, Lendern, mas uir Leisten und schallen, was wir können und tun, isi im Kriege die hauptlache.„ 1—