für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Ccwertes Belksblas Verbunden mit. Gdsuue Loltusdine Schwerker Cageblatt D Schwerter Anzeiger Grlies und älteltes Cagesorgan des Krelles a General-Anzeiger für den Kreis bärde om Daupt-Rnoncenblaß uls Arte, und Bistgahglichen Drc. gungen for den Art hörde erlangen Betaangnachung der Abaiglichen Regierrag burch Derofsentlichung in der Jenuag“ manverdiadiche Arost.— De „Schwerter Zeitung“ gewöhrt idros Abssars= un füt jebes mit Teh endenden Uaiel gr. 300 Mk. Unsall: Onau Drtage Gon Boomn Scorm. Per. (orio La. Teienr Ale. Trou Somnee rao) Mittwoch, den 10. November 1915. 47. Jahrgang. Quer durch Serbien.— Leskovac besetzt.— Die Beute von Krusevac. Ruhige Gefechtslage im Westen.— Die Kämpfe an der Düna. Deutscher Tagesbericht. Der Zusammenbruch der serbischen Schlachtfront. Die Katastrophe ist durch den raschen Fall der Festung Nisch über das serbische Heer hereingebrochen. Vor drei Tagen noch verlief die Front der Armeen Gallwitz und Koeveß in der allgemeinen Richtung Tschatschak(Caca)—JagodinaGolubbcicje=Gebirge, während die bulgarische Front jenseits dieser Berge von Boljevatz über Sorljig und Bela Palanka und von hier in nach Südwesten gerichtetem Bogen zwischen Wranja und Prischtina hindurch ging. Damals verfügten die Serben an der Nordfront über die wichtige Bahn und Straße Kraljewo—Kruschewatz—Stalatsch, sowie über die für die Verteidigung ganz unentbehrlichen Verkehrslinien Paratschin—Nisch—Leskowatz. Der Besitz dieser Linien erlaubte Truppenverschiebungen und Transporte von Munition und Proviant innerhalb des ganzen von den Serben verteidigten Kreises. Die Serben suchten darum mit äußerster Kraft Kraljewo, Paratschin und vor allem Nisch zu halten, aber gerade gegen diese entscheidenden Punkte gingen die Hauptstöße der Armeen Koeveß, Gallwitz und Bojadeff. In kurzen Intervallen fielen die drei Städte. Der Verlust von Kraljewo verhinderte den Verkehr der noch nördlich der westlichen Morawa kämpfenden Serben mit der Rückzugsstraße im Ibartal nach Novibazar und verwies diese ganze Armee auf die Gebirgsstraßen, die in südlicher Richtung nach Kursumlia und Prokuplje führen. Südlich von Tschatschak suchten starke serbische Kräfte vergebens österreichisch=ungarische Truppen vom Ibartale und der Flankierung der ganzen Nordarmee abzuhalten. Die Einnahme von Paratschin und die Festsetzung der Deutschen am Morawaknie gegenüber von Stalatsch hatte, neben der flankierenden Wirkung nach Westen, den Haupterfolg, daß die serbische Timok=Armee und die Truppen, die nördlich der Bahn Paratschin—Saitschar mit der Front gegen Gallwitz fochten, überhaupt keine Rückzugsstraße mehr haben, sondern nur noch für schwere Fahrzeuge ungangbare Saumwege über die Pässe des Lukawitza=Gebirges. Denn diese Armeen— und hier setzt die strategische Wirkung des konzentrischen Angriffs der Verbündeten aus Nord und Ost ein— haben durch die Einnahme von Nisch auch die große Morawatalstraße und damit die Abmarschmöglichkeit nach Süden verloren. Alle serbischen Truppen, die im Raume nördlich von Nisch im Morawatal und rechts davon stehen, sind in dieser hoffnungslosen Lage. Die bei Leskowatz stehenden Serben sind gleichfalls zum beschleunigten Rückzug gezwungen worden, wozu ihnen die nach Prischtina führende Straße zur Verfügung steht. Das Schlimmste ist für die Serben, daß bei dem Rückzug, auch dort, wo einigermaßen brauchbare, wenn auch wegen der Berge und der Wegeverhältnisse immer schwierigere Straßen zur Verfügung stehen, eine Division auf die andere geworsen wird, und daß die konzentrischen Stöße der Verfolger eine grauenhafte Verwirrung auf den Etappenlinien hervorrufen müssen. Am stärksten müßte sich dies zunächst in Prokuplze und Kursumlia bemerkbar machen, wo die Linien aus Norden und Osten aufeinanderstoßen. In dem ganzen, nach Südwesten (gegen Montenegro=Albanien) noch freien Raum sind die Verkehrsverhältnisse für einen Rückzug der Serben außerordentlich ungünstig, da durch die rauhen und hohen Gebirgomassive auf weite Strecken überhaupt keine Straßen führen. Der wtb. Großes Hauptquartier, 9. Nov. 1915. Westlicher Kriegsschauplatz Es sind keine Ereignisse von Bedeutung zu melden. Versuche der Franzosen, daß ihnen am Hilsenfirst entrissene Grabenstück zurückzugewinnen, wurden vereitelt. Oestlicher Kriegsschauplatz Heeresgruppe des Seneral=Feldmarschalls von Hindenburg. Die russischen Angriffe wurden auch gestern westlich und südlich von Riga, westlich von Jakobstadt und vor Dünaburg ohne jeden Erfolg fortgesetzt. In der Nacht vom 7. zum 8. November waren feindliche Abteilunget westlich von Düngburg in einen schmalen Teil unserer vorderen Stellung eingedrungen. Unsere Truppen warfen sie im Gegenangriff wieder zurück und machten 1 Offizier und 372 Mann zu Gefangenen. Heeresgruppe des General=Feldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern Im Laufe der Nacht fanden an verschiedenen Stellen Patrouillenkämpfe statt. Oberste Heeresleitung. Tagesbericht. Heeresgruppe des Generals von Linsingen. Bei einem erfolgreichen Gefecht nördlich von Komarow(am Styr) wurden 366 Russen gefangen genommen. Balkan=Kriegsschauplatz. Südlich von Kraljewo und südlich von Krusevac ist der Feind aus seinen NachhutStellungen geworfen. Unsere Truppen sind in weiterem Vordringen. Die Höhen bei Hjunis auf dem linken Ufer der Südlichen Morava sind erstürmt. Die Beute von Krusevac erhöht sich auf etwa 50 Geschütze, darunter 10 schwere, die Gefangenenzahl auf über 7000. Die Armee des Generals Bojadjeff hat am 7. November abends nordwestlich von Aleksinac, sowie westlich und südwestlich von Nisch die Südliche Morava erreicht und hal im Verein mit anderen von Süden vorgehenden bulgarischen Heeresteilen Leskovac genommen. WTB Wien, 10. Nov.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 9. November mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Nördlich von Jazlovisz an der unteren Strypa und westlich von Czartorysk am Styr wurden russische Angriffe zurückgeschlagen. Sonst nichts neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Mehrere feindliche Angriffe an der Isonzo=Front auf Zagora, in den Dolomiten, auf dem Col di Lana und dem SiefSattel wurden abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. An der montenegrinischen Grenze ist die Lage unverändert. Von den in Serbien kämpfenden k. und k. Truppen hat eine Gruppe Iwanijica besetzt, eine andere den Feind aus seinen an der Straße Iwanijici— Kraljewo vorgelagerten Höhenstellungen geworfen. Deutsche Kräfte vertrieben den Gegner aus seinen Verschanzungen südlich von Kraljewo. Südlich. von Trstnit stehen unsere Bataillone im Kampfe. Die im Raume von Krusevac operierenden deutschen Divisionen dringen südwärts vor. Die Bulgaren haben Leskovac in Besitz genommen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. Bulgarischer Tagesbericht. WTB Sofia, 9. Nov. Heeresbericht vom 7. November: Unsere Truppen, welche die geschlagene serbische Armee zu verfolgen fortfuhren, sind am 7. November auf der ganzen Front bis zur Morava gelangt und bereiten sich vor, auf ihr linkes Ufer überzusetzen. Besetzt wurden die Städte Aleksinac, Wlasotiuce, Iltowae und in Mazedonien die Stadt Tetowo. Auf den anderen Fronten keine Aenderung.— Unsere Truppen wurden in Nisch von der Bevölkerung mit Blumen, Freudenrufen, Hurra und Willkommen Befreier empfangen. Die Stadt war von den abziehenden serbischen Soldaten geplündert worden. Als Kriegsbeute wurden in Nisch und K Raum Novibazar—Kursumlia—Prischtina kann das einzige Ziel der Serben sein. Das Heer kann sich dort verschanzen— aber was wäre der Nutzen für das Volk. Albanien kann keine Rettung dieten, denn das Land ist öde und fast ohne Wege. Aber wie das Schicksal des serbischen Heeres auch sei: Nach dem Fall von Nisch, nachdem dieser Keil vergedrückt worden ist, kann das große Ziel, die Umgebung bis jetzt gezählt: 42 Festungsgeschütze, tausende von Gewehren und Kisten mit Munition, 700 Eisenbahnwaggons, die Mehrzahl mit Lebensmitteln beladen, viele Automobile, viel Sanitätsmaterial, unter anderem 12 Desinsektionsmaschinen, 500 Wasserpumpen, 500 neue Fahnen, hunderttausende von Soldatenwäschestücken und Uniformen; es sinz noch viele Pulverdepots in der Stadt und Umgebung. Weiter ließen die Serben bei ihrem Rückzuge zahlreiche Geschütze, Maschinengewehre und Gewehre zurück, die noch nicht gezählt sind. Bis jetzt wurden bei Nisch 5000 Gefangene gezählt. Eroberung der Bahnlinie Belgrad—Risch—Sofia nur noch die Frage von Tagen sein. Beginnende Auflösung. K. K. Kriegspressequartier, 9. Nov. Nachdem für die serbische Armee nur noch der Zwischenraum zwischen Leskovac, Krusevac und Pristina als Operationsgebiet übrig geblieben it, läßt sich jetzt hofsen, daß man in den nächsten Tagen den Hauptschlag gegen die serbische Hauptmacht zu führen in der Lage sein wird. Vielleicht wird es bei dieser Gelegenheit auch erreichbar sein, umfangreiche Heeresteile des Gegners gefangen zu nehmen. Die Anzeichen für die anscheinend beginnende Auflösung der serbischen Armee mehren sich ohnehin. Noch zu Beginn dieser Offensive wehrte sich verzweifelt fast jeder Mann gegen seine Gefangennahme. Jetzt brachten die deutschen Eroberer von Krusevac allein von dort 7000 Mann ein, die deutschen und österreichisch=ungarischen Truppen in einer Woche 12 000 Mann. Die Schwächung der serbischen Armee, der selbst für den Fall, daß ihr der Rückzug nach Montenegro noch glücken sollte, in diesem Lande ohne Hilfsquellen nur neue Tragik bevorsteht, hat auch in dem immer stärker fühlbar werdenden Mangel an Kriegsmitteln ihren Grund. In Kraljewo fiel den deutschen Eroberern eine großer Geschützpark in die Hände. Das ist der Anfang vom Ende und läßt Rückschlüsse auf die bereits herrschenden Verhältnisse zu. Auch die Lockerung der immer mehr durcheinander gewirbelten einzelnen Verbände ist stets deutlicher erkennbar. Berichte vom serbischen Kriegsschauplatz melden Anzeichen von Zersetzung in der serbischen Armee. Fahnenflüchtige und Versprengte werden täglich in großer Zahl aufgegriffen, die aussagen, daß in den serbischen Reihen Entmutigung, körperliche und seelische Erschöpfung Platz greife. Größte Bedeutung wird in Wiener Militärkreisen dem Vordringen der Koeveß=Armee südlich Pozega und Cacak und der aus Sofia gemeldeten Einnahme von Gilane füdöstlich Pristina durch die Bulgaren zugemessen. Der Untergang der serbischen Armee. Wien, 9. Novbr. Die„Reichspost“ erhält von ihrem Sonderberichterstatter folgende Depesche: Die serbische Armee wälzt sich gleich einen wirren Haufen über Kurschumlija und Protopia nach Pristina. In einem unwegsamen Gelände stauen sich Artillerie, Trainsoldaten und Volksmassen. In unbeschreiblichem Jammer rufen sie um Hilfe nach ihren Verbündeten. Im unwirtlichen albanischen Gebirge werden die Trümmer alten Serbenruhme bald begraben sein. Pasitsch erfleht Hilfe. bb Genf, 10. Nov. Die Pariser Blätter melden aus Saloniki, daß dort ein Aufruf Pasitscho eingetroffen ist, der mit den Worten schließt: Kommt schleunigst nach Mazedonien und helft uns! — Die Blätter schließen daraus, daß der Widerstand der Serben am Ende ist. Entscheidende Niederlage der Franzosen und Engländer. bh Sofia, 10. Nov. Die Ententetruppen, die sich zur Offensive gegen die bulgarischen Flügel in der Wardarlinie anschicken, erlitten, wie bereits gemeldet wurde, eine entscheidende Niederlage. Die feindlichen Truppen wurden längs der Eisenbahnlinie Saloniki—Krivolac und Saloniki—Monastir konzentriert. Nach dem Kampfverlauf zu urteilen, betrug die Zahl ungefähr 80 000 Mann. Die Bulgaren traten ihnen an der Front Prilep—Krivolac—Strumitza in einer Frontlänge von mehr als 50 Kilometer entgegen. Die Engländer und Franzosen operierten hauptsächlich mit ihren Flügeln, in der Hoffnung, dadurch die Lage der Bulgaren schwierig zu gestalten, Der Kampf währte zwei Tage. Ansangs hielten sich die Entente=Truppen hartnäckig, als aber die Bajonettangriffe begannen, ergaben sie sich in Hausen oder ergriffen die Flucht: Die Verluste des Feindes sind ungeheuer, während die der Bulgaren verhältnismäßig gering sind. Serbiens letzte Hoffnung begraben. TU Sosia, 10. Nov. Der militärische Mitarbeiter der„Kambana“, sagt: Die strategischen Folgen der Niederlage der Engländer und Franzosen sind größer als die des Falles von Nisch, das früher oder später uns nicht entgangen wäre. Dagegen war die englisch=französische Armee eine täglich zunehmende Gefahr, die auf das rascheste beseitigt werden mußte. Dies ist vollständig gelungen und damit ist die letzte Hoffnung Serbiens endgültig begraben. Der Rückzug der Serben. Köln, 9. Nov. Der Berichterstatter der„Köln. Ztg.“ meldet aus Kragujevac vom 5. d. M.: Nachdem nun auch der serbische Widerstand an der Bagrdastellung vollkommen in sich zusammenbrach, scheint sich der Rückmarsch der feindlichen Kräfte nach Süden gleich für einen sgroßen Abschnitt zu vollziehen. Wie schon gemeldet, sind die wenigen Hauptstraßen mit abziehenden serbischen Heerhaufen, mit Train und auch mit flüchtender Bevölkerung angefüllt. Die Einwohnerschaft benutzt die drei nach Süden führenden Wege, und auch das serbische Heer ist bestrebt, dem Zangendruck, der aus Norden, Osten und Westen durch die verbündeten Streitkräfte ausgeübt wird, zu entgehen. Jedenfalls macht unser Vorstoß durch das Gebiet der Sladiska Planina gegen das Temniebergland den allerbesten Fortschritt. Regengüsse haben zwar das ganze Land in einen großen Sumpf verwandelt, und was dabei die angreifende Infanterie zu leiden hat, läßt sich nur schwach in Worten ausdrücken. Die Straßen sind aufgeweicht, und man versinkt im Schlamm und Straßenschlick bis weit über die Knöchel. Dort, wo sich die Straßen senken, sammeln sich die Schmutzmassen zu Seeflächen. Jeder Marsch ist eine ungeheure Arbeit. Wenn man unter solchen Wegeverhältnissen dann aber doch noch von einem ständigen Vorgehen berichten kann, so ist damit wohl am besten der Beweis erbracht für das, was von der Balkanarmee geleistet wird. Von Temesvar nach Sosia im Zeppelin. TU Sofia, 10. Nov. Von unbeschreiblichem Jubel begrüßt, erschien heute früh bei herrlichem Herbstwetter der erste deutsche Zeppelin über der Hauptstadt Bulgariens. Das deutsche Luftschiff war von Temesvar aufgestiegen und hatte die über 300 Kilometer lange Strecke von Temesvar nach Sofia in unglaublich schneller Fahrt zurückgelegtAn Bord des Luftschiffes befand sich Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg. Der Zar von Bulgarien war mit seinem gesamten Gefolge und vielen Offizieren persönlich an der Landungsstelle erschienen, um den deutschen Kreuzer feierlich zu begrüßen. Eine neue russische Flottenaktion gegen Bulgarien in Sicht? TU Bukarest, 10. Nov. Depeschen aus Baltschik (am Schwarzen Meer, nördlich Varna) melden, daß dort fünf russische Kriegsschiffe gesichtet worden sind. Bisher sind die Russen durch das überaus ungünstige Wetter, Sturm und Nebel, an jedweder Aktion verhindert worden. Die von Baltschik aus gesichteten Kriegsschiffe scheinen nur die Spitzengruppe einer größeren Flottille zu sein, die sich zurzeit ungefähr auf der Höhe von Schabla befindet, denn es wurden, wie von dort aus gemeldet wird, vier weitere russische Kriegsschiffe gesichtet, die lebhaft Lichtsignale miteinander austauschten. Aufruhr in Albanien. TU Berlin, 9. Nov. Nach dem 8=Uhr=Abendblatt der„Nat.=Ztg.“ wird von verschiedenen russischen Blättern übereinstimmend aus Rom und Cetinje gemeldet, daß Albanien in vollem Aufruhr stehe; besonders die muselmanischen Albanier beDie Front gegen Montenegro. finden sich in größter Empörung. Diese richte sich in erster Linie gegen Montenegro und Serbien, in zweiter Linie gegen Essad Pascha, der abgesetzt werden solle. Die sehr zahlreichen Banden, die gut bewaffnet sind, gliedern sich in drei Hauptgruppen. Die eine rückt gegen Prizrend und Novibazar, die andere gegen Cetinje und die dritte gegen Durazzo. Die nach Serbien marschierende aufständiche Gruppe dürfte etwa 20000 Mann stark sein. Auch in Monastir ist Aufruhr entstanden. Französische Kriegsschiffe sind bereits nach der albanischen Küste abgegangen. Verschiedene serbische und montenegrinische Kaufleute in Elbassan wurden von den dortigen Einwohnern ermordet. Die Lage ist außerordentlich ernst. Die Haltung Rumäniens. Budapest, 9. Nov.„Az Est“ meldet: Ministerpräsident Bratianu empfing heute weitere Gruppen Abgeordneter und Senatoren, denen er erklärte, seine Auffassung war von Anfang an, daß der Krieg lange dauern werde. Kleine Staaten, wie Rumänien, können, bevor nicht günstige Verhältnisse eintreten, keine selbständige Politik führen. Die Großmächte haben gesiegt und Niederlagen erlitten, und sind trotzdem stark geblieben. So kleine Staaten aber, wie Rumänien, würden zugrunde gehen nach einer einzigen Niederlage. Dies beweise das Beispiel Belgiens und Serbiens. Der Ministerpräsident sei überzeugt, bisher auf bestem Wege gegangen zu sein. Er werde auch künftighin dieselbe Politik befolgen und auf keine Abenteuer eingehen. Wenn man ihn überzeugen wird, daß er auf völlige Unterstützung und Zustimmung seiner Partei nicht rechnen könne, werde er die Last der Führung der Staatsgeschäfte anderen übergeben. Die anwesenden Politiker stimmten Bratianu zu, und versicherten ihm ihre Unterstützung. Die„A Nap“ meldet aus Bukarest: Aus den Mitteilungen mehrerer leitender Politiker erfährt unser Korrespondent, daß sich in Rumänien ein Umschwung zugunsten der Mittelmächte vorbereitet. Die Mehrheit des Volkes billige die Neutralitätspolitik der Regierung. Russische Munitionsdampfer von Rumänien festgehalten. Aus Galatz wird nach Bukarest gemeldet: Vorgestern gingen die ersten österreichisch=ungarischen Dampfer von hier nach Turnseverin ab. Russische Schiffe, die mit Munition für Serbien beladen waren, wurden von Rumänien festgehalten. Sie liegen jetzt im Hafen unter rumänischer Flagge. In Rustschuk ist heute der ungarische Dampfer „Taß“ mit drei Schleppern eingetroffen. Der Transport war von zwei österreichisch=ungarischen Monitoren begleitet. Die Bevölkerung von Rustschuk, die sehr zahlreich erschienen war, begrüßte die Schiffe lebhaft. Zu ihrem Empfang hatten sich auch die Militär= und Zivilbehörden eingefunden. Zusammenkunft der Herrscher Bulgariens, Rumäniens und Griechenlands? TU Bukarest, 10. Nov. Die Blätter melden übereinstimmend aus(angeblich) diplomatischer Quelle, daß augenblicklich Vorbereitungen zu einer Zusammenkunft der Könige von Rumänien, Bulgarien und Griechenland getroffen würden. Die Zusammenkunft der drei Herrscher bezwecke eine gemeinschaftliche Beratung der Balkanfrage. Die Zusammenkunft solle in Bukarest stattfinden. König Konstantin und Venizelos. bb Kopenhagen, 10. Nov. Aus Athen wird telegraphiert: Der König erklärte, wenn Venizelos und seine Anhänger sortfahren würden, der Neutralitätspolitik der Regierung Widerstand entgegen. zusetzen, so werde er die Militärdiktatur erklären. Eine Auflösung der Kammer werde nicht stattfinden, da Neuwahlen unter den jetzigen Verhältnissen nicht wünschenswert seien. Sriechische Heeresvermehrung. WTB Lyon, 9. Nov. Die„Nouvelliste“ meldet aus Saloniki: Der griechische Generalstab beschloß, den Bestand des griechischen Heeres möglichst bald durch Ausbildung derjenigen, die bisher keinen Militärdienst getan haben, zu erhöhen. Man erwartet, daß durch diese Maßnahme die Stärke des Heeres auf eine halbe Million Mann gebracht wird. Das Fiasko der russischen Balkanpolitik. bb Hamburg, 10. November. Dem„Hamburger Fremdenblatt“ wird aus Stockholm gemeldet: Der russische Ministerrat hält nach einer Meldung des „Rietsch“ täglich erregte Sitzungen ab. Den Hauptgegenstand der Beratungen bildet die Frage einer gründlichen Reform der auswärtigen Politik. Ein großer Teil der Minister besteht auf einer völligen Neuzestaltung des bisherigen Systems und Entfernung seiner Träger. Diese Forderung findet die lebhafte Unterstützung des Zaren, auf den das Fiasko der russischen Balkanpolitik tiefen Eindruck gemacht hat. Der Krieg gegen Frankreich. Friedenserörterungen in Frankreich. TU Genf, 10. Nov. Auffallend lebhaft bespricht die Pariser Presse Gerüchte über den Frieden. „Eclair“ meint. trotz der düsteren Lage müsse der Vierverband ausharren.„L'oeuvre“, sagt: Wir wollen einen französischen, nicht einen deutschen Frieden. Wir werden trotzdem eine Viertelstunde länger aushalten, als Deutschland; das gibt uns den Endsieg. Dagegen äußert sich Clemenceau im „Homme enchaine“: Jede Schwäche der Regierung findet entsprechende Gegenwirkung in der Armee. Heute handelt es sich um Leben oder Tod Frankreichs. Die Armee ist tüchtig, verdient deshalb eine tüchtige politische Leitung, welche ohne Egoismus, ohne Schwäche die Lage beurteilt. Der Friede wäre jetzt verfrüht. Dafür möge die Vertreibung des Feindes nicht auf dem Balkan, sondern in Frankreich erfolgen. —— Der Krieg gegen England. Kitcheners eigentliche Sendung. TU Kopenhagen, 10. Nov. Von einer England nahestehenden Seite wird angedeutet, daß die Entsendung Kitcheners nicht eigentlich militärischer, sondern mehr diplomatischer Natur sei. Es dürfte seine Aufgabe sein, dem griechischen Generalstab klar zu machen, daß die von den Alliierten für den Balkanfeldzug getroffenen und bereits begonnenen Vorrichtungen Griechenland gegen jede Gefahr sichern, wenn es die Bündnispflicht gegenüber Serbien erfüllt. Die Furcht vor der Wehrpflicht. London, 9. Nov. Die„Daily Mail“ meldet, die Auswanderung nach Amerika dauere wegen der befürchteten Einführung der Wehrpflicht fort. Die Auswanderer seien namentlich Irländer. In Liverpool habe gestern großer Andrang zu den Bureaus der Cunard=Linie geherrscht, wo die Zwischendecksfahrkarten verkauft werden. Als der Andrang seinen Höhepunkt erreicht habe, seien Werbeoffiziere erschienen und hätten Ansprachen gehalten, aber keiner habe sich zum Eintritt ins Heer gemeldet, obwohl die Werber die Rückzahlung des Ueberfahrtpreises versprochen und die sich Meldenden zum Tee eingeladen hätten. England, der„Schützer der Neutralen". London, 9. Nov. Die„Morningpost“ verlangt im Leitartikel, daß England Griechenland auffordern solle, entweder seine Verpflichtungen gegen Serbien zu erfüllen oder seine Gesandten in London und Paris abzuberufen. Die Seeherrschaft im Mittelmeere ermögliche England, Kreta, die ägäischen, die jonischen Inseln, alle maritimen Besitzungen Griechenlands und die gesamte griechische Handelsflotte zu beschlagnahmen, sowie seine Seehäfen zu beschießen und seinen Handel zu blockieren. Wenn eine solche Drohung ernstlich gemacht würde, hätte Griechenland die Wahl zwischen einem glänzenden Siege auf englischer Seite und der Sicherheit des Ruins als Englands Feind. Im Schatten der Teterpaulsfestung. Roman von Hermann Gerhardt. 41 Er ging nach der Tür, aber Mischa rief ihn zurlick:„Einen Augenblick, bitte! Es interessiert mich zu erfahren, wie ein so unwahrscheinliches Gerücht entstehen konnte. Von wein haben Sie es erfahren?“ „Ich bin nicht berechtigt, Sie darüber aufzuBüren: „Und die Schwester, Fräulein Rittberg? Ist sie ohne ihren Bruder abgereist? Oder ist sie etwa auch in der Festung interniert?“ erkundigte sich Mischa. „Sie ist hier in Petersburg, wo, kann ich Ihnen nicht sagen,“ entgegnete der Fremde. Er sprach in sehr erregtem Tone, über die Schulter weg, und die Hand auf der Türklinke. „Sie wollen also wirklich gehen, ohne mir Ihren Gewährsmann zu ennen? Die Geschichte klingt doch zu abenteuerlich, um ohne weiteres geglaubt zu werden,“ rief Mischa ihm nach. „Gehen Sie doch hin und überzeugen sich selbst, oder lassen Sie's bleiben! Mich geht's nichts an.“ gab der andere kurz und scharf zurück, riß die Tür auf und verschwand. Allein geblieben, erging sich Mischa in grübelnden Mutmaßungen über das Gehörte. Sein Lehrer war es sicher nicht, den man verhaftet halte, irgend ein anderer Deutscher hatte sich mißliebig gemacht oder etwas verbrochen! Warum aber hatte dann der Unbekannte Werner Rittberg beim Namen genannt? Bewies das nicht, daß er von dem Vorhaben der Geschwister Rittberg unterrichtet und auch sonst orientiert war? Wie, wenn er dennoch recht hätte und Werner irgend einem unbegreiflichen Irrtum zum Opfer gefallen und wittlich verhaftet worden wäre? Nun er sich erst einmal eingestanden, daß ein solcher Fall im Bereich der Möglichkeit liege, ward sich Mischa auch sofort klar, daß er eher keine Ruhe fände, als bis er der Sache auf den Grund gegangen wäre. Der Weg, der am raschesten und einfachsten zum Ziel führte, war der, den Kommandanten der Festung aufzusuchen. Er beschloß daher, dies ohne Zeitverlust zu tun. Der Dwornik, der im geschützten Torweg sich die von Kälte erstarrten Füße vertrat, war nicht wenig erstaunt, den Sohn des Hauses im Pelzmantel aus der Tür treten zu sehen. „Vasil!“ rief dieser ihn an, besorge mir schnell eine Droschke!" Wenige Minuten später fuhr Mischa im raschen Tempo in der Richtung der Festung von dannen. Vor dem Tore angelangt und von einem Bediensteten nach seinem Wegehren gefragt, verlangte Mischa den Komman###nten sofort in dringender Angelegenheit zu sprescsten. „Darf ich um den Namen bitten?“ fragte der Pförtner. „Michail Michailowitsch, der Sohn des verstorbenen Präfekten,“ gab Mischa an. Der Mann riß die Augen auf. Er murmelte zwar noch etwas Unverständliches, aber der gefürchtete Name hatte doch Eindruck gemacht, und Mischa ward ohne weiteres eingelassen. Innerhalb der Festungsmauern ward ihm ein der ihn nach dem geleitete. Derwachtkischa seinen Namen und sein Anliegen nannte, brachte ihn dann ins Wartezimmer, indem er mehr als einen verstohlenen Seitenblick auf seinen jungen Begleiter warf. Was mochte, so fragte er sich, der Sohn des ermordeten Präfekten zu solcher Zeit und Stunde hierherführen? Mischa hatte noch keine fünf Minuten gewartet, als der Kommandant eilig herantrat und ihm mit ausgestreckter Hand entgegenkam. Ein häufiger Gast im Hause seines Vaters, kannte er den Jungen gut; sein strenges, runzeliges Gesicht bekam einen weicheren Ausdruck beim Anblick des Verwaisten. „Mein armer Junge!“ sagte er,„welch ein furchtbarer Schlag! Dein hochverehrter Vater, so plötzlich und gewaltsam dahingerafft! Sage mir doch, womit ich Dir und Deinen Geschwistern dienen kann? „Ich möchte sie um Auskunft bitten, Herr General, die Sache beruht gewiß auf einem Irrtum! Ist mein deutscher Lehrer Herr Rittberg, etwaverhaftet worden?" Der Kommandant machte ein ernstes Gesicht. „In der Tat, es verhält sich so,“ entgegnete er. „Dann muß eine Verwechselung vorliegen! Ich bin bereit, seine Unschuld zu beschwören.“ „Mein guter Junge," unterbrach ihn der Kommandant,„weder Du noch ich sind in der Lage, darüber zu entscheiden. Dafür ist das Gesetz da.“ „Was wird ihm denn aber zur Last gelegt?“ rief Mischa außer sich. „Wie ich höre, ist er beschuldigt, Aeußerungen getan zu haben, die sich mit den Landesgesetzen und der öffentlichen Ordnung nicht vertragen. Erscheint ein gefährlicher Mensch zu sein.“ „Das ist nicht wahr, das ist nicht wahr!“ Heftig stampfte Mischa mit dem Fuße auf und seine Augen sprühten.„Ich erkläre den für einen Lügner der das ausgesprengt hat.“ „Mein Lieber, der Haftbefehl ist von Deinem Vater erlassen worden. Das muß uns genügen. Es ist bedauerlich, daß Dein Lehrer sich nicht besser vorgesehen hat,“ entgegnete der Kommandant. Da ließ sich Mischa auf einen Stuhl fallen, der neben dem Tische stand, und vergrub das Gesicht in die verschränkten Arme. „O! Wie konnte Papa nur das tun!“ schluchzte er.„Sie waren doch so gute Freunde; wie konnte er nur, wie konnte er nur!“ Dann sprang er auf. „Ich muß ihn sehen,“ rief er energisch aus.„Sie müssen mich zu ihm führen! Es wird ihm ein Trost sein, wenn er mich sieht und erfährt, daß ich alles dran setzen will, ihm die Freiheit zu verschaffen.“ „Estut mir herzlich leid, Mischa, aber das Reglement—“ Der Satz wurde nicht vollendet, denn Mischa hatte sich dem alten Herrn zu Füßen geworfen und umfaßte seine Knie. „Sie dürfen, Sie können nicht so grausam sein. mir das abschlagen, nicht wahr, Herr General, Sie lassen mich zu meinem Lehrer, wenn auch nur für einen Augenblick! Es braucht es ja niemand zu erfahren!" Der Kommandant wandte sich ab und zögerte ein wenig. „Sie tun's, nicht wahr? Ja? Ach, ja!“ ließ sich die junge, flehende Stimme vernehmen. „Nun, so komm,“ gab der alte Herr ziemlich ungnädig zurück.„Zehn Minuten will ich Dir gewähren; keinen Augenblick länger, das laß Dir gesagt sein.“ Da griff der Knabe nach der rauhen Hand und klßte ste mit vielen heißen Dankesworten. Der Kommandant aber übernahm die Führung. Sie fanden den Gefangenen auf seinem Bett ausgestreckt; unbeweglich wie ein Toter lag er da, und sein bleiches Gesicht, im trüben Schein der Oellampe gesehen, erschien auch wie das eines Toten. Das wirre Haar, die in Unordnung geralene Kleidung, trugen auch das ihrige dazu bei, ihm ein abschreckendes Aussehen zu geben. Der Aufschrei, den Mischa bei diesem Anblick nicht zu unterdrücken vermochte, weckte den Unglücklichen aus seinem qualvollen Halbschlaf. Er fuhr auf, und starrte die Eindringlinge mit verständnislosem Blick an. Mischa war auf ihn zugestürzt und umhalste ihn unter stürmischem Tränenausbruch. „Lieber, lieber Herr Rittberg, mich kennen Sie doch? Mischa!“ Da flog ein freudiges Erkennen über Werners Züge. 231.16 Die Mörder vom„Varalong“. WTB Berlin, 10. Nov.(Nichtamtlich.) Die „Nordd. Allg. Itg.“ schreibt: Wir haben heute nach amerikanischen Blättern den Wortlaut einer Vernehmung amerikanischer Bürger über die Tötung deutscher Mannschaften eines Unterseebootes durch die Besatzung eines englischen Kriazsschiffes veröffentlicht. Der von dem Kaiserlichen Botschafter in Washington eingeforderte Bericht steht, wie wir hören, noch aus. Sobald dieser Bericht und das ihm zugrunde liegende eidliche Material eingegangen sein wird, werden, wie bereitg früher mitgeteilt, die danach erforderlichen Schritte unternommen werden. Wilson, der Deutschenseind. Rotterdam, 9. Nov. Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ meldet: Die Rede des Präsidenten Wilson über die Verteidigungspolitik und die wütenden Anfälle auf die Deutsch=Amerikaner werden von der ganzen Presse besprochen. Allgemein sieht man seine Rede für die Einleitung zur Wahlkampagne für die Präsidentschaft im Jahre 1916 an. Während die englisch=amerikanische Presse die Drohungen des Präsidenten gegen die Bürger mit „Sympathien für Ausländer“ als Vaterlandsliebe preisen, sagt die„Staatszeitung“, daß Wilson sein Bestes dazu beitrage, um ein Vorurteil gesgen naturalisierte Bürger ins Leben zu rufen, die nicht mit England, sondern mit ihrem eigenen Vaterlande sympathisieren. Seine Rede, so schließt das Blatt ist die Aeußerung seiner feindl. Gesinnung gegen die Deutschen. Sie ist sicher nicht für die Amerikaner bestimmt, die mit ihm zusammen am Tisch sitzen, und öffentlich England und Frankreich unterstützen.— Bryan hat eine Erklärung abgegeben, in welcher die Logik des Programms des Präsidenten heftig angegriffen wird und Bryans Absicht erkennen läßt, gegen Wilsons Plänen während der Wahlkampagne aufzutreten. Diese Erklärung wird allgemein als ein Bruch der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Präsident Wilson und Bryan angesehen, was wahrscheinlich zu einem Riß der demokratischen Partei führen wird. —— Der Krieg gegen Italien. Die Front in Tirol. Der Kriegsberichterstatter des„Wiener Fremdenblattes“ hat aus Erzählungen von Mitkämpfern den Eindruck völliger Gewißheit der Uneinnehmbarkeit der Südtiroler Stellungen empfangen. Die letzten italienischen Angriffe waren viel heftiger, als alle früheren. Laut Aussage von Gefangenen setzt dienitalienische Heeresleitung alles daran, diesmal irgendwo durchzukommen. Alle Durchbruchsversuche wurden mit großen Truppenmassen unternommen, an allen Punkten mit mehrfacher, am Col di Lana mit zehnfacher Uebermacht. Nach stundenlanger heftigster Artillerievorbereitung schickten die Italiener immer frische Sturmkolonnen vor, die bis an die Drahtverhaue herangelassen und dann durch Maschinengewehr= und Gewehrfeuer niedergemäht wurden. Am Coldi Lana, wo die Stellungen der Kaiserjäger abschnittweise nur 80 Schritt von den italienischen entfernt waren, versuchte der Feind, über den steigen Hang wiederholt in die vorgeschobene Stellung einzudringen, trotz des ungünstigen Geländes und trotz des sicheren Besitzes des Bergkammes und der Hochfläche durch die Oesterreicher. Nachdem hier am 29. Oktober sechs Angriffe zusammengebrochen waren, stürmten die Italiener noch einmal in mehreren Kolonnen. Trotz zehnfacher Uebermacht vermochten sie aber nur ein kurzes Grabenstück südöstlich der Vorstellung am Hang zu gewinnen. In den Drahtverhauen hängen dort noch die Leichen im August gefallener Italiener. Diese letzten Kämpfe haben die nackte Felslandschaft in ein Leichenseld verwandelt. Im Gebiet des Gardasees versuchen die Italiener noch immer vergeblich, durch schweres Artilleriefeuer sich den Weg durchs Ledrotal an dem österreichischen Seeabschnitt zu eröffnen. Im Eis und Schnee des Ortlergebietes liegen die Stützpunkte oft in Höhen von über 3200 Meter; auf einer Bergspitze ist die höchste Artilleriestellung dieses Krieges. Bei Angriffen auf der Hochfläche von Lavarone verschwendeten die Italiener massenhaft Artilleriemunition aller Kaliber ergebnislos, oft ohne Ziel, bloß wegen der moralischen Wirkung, die aber ausblieb. Sie kamen Trient keinen Schritt näher. Unlängst jagten Tiroler Truppen den Feind mit Steinwürfen zurück. Steinlawinen taten öfters ihre Schuldigkeit, und geschickt geschleuderte verheerend wirkende Bomben versperren dem durch Schluchten und Paßwege anstürmenden Gegner den Weg. Giolittis wachsender Anhang. Ein Gewährsmann der„Köln. Ztg.“ hatte dieer Taze in einer schweizerischen Stadt eine Unterredung mit zwei italienischen Politikern über die gegenwärtige Lage in Italien. Danach mache der Eiolittianismus ohne das Zutun Giolittis große Fortschritte. Selbst manche parlamentarischen Gegner Giolittis bekannten sich heute= zu ihm als dem einzigen Manne, von dem eine befriedigende Lösung der Lage, in die Italien durch Salandra und Sonnino gebracht wurde, erhofft werden könne. Die Razierung fürchte die Kammererörterung. In politisch unterrichteten Kreisen gebe es viele, die, falls es Cadorna nicht bis Ende November gelinge, sichtbare militärische Erfolge zu erzielen, einen Ministerwechsel für wahrscheinlich hielten. Die beiden Italiener bestätigten dem Gewährsmann der„Köln. Ztg.“ auch die Gerüchte über Meinungsverschiedenenheiten zwischen Salandra und Sonnino. In den breiteren Schichten betrachtet man sich als von der Regierung betrogen, da alle ihre Voraussagen unerfüllt geblieben seien. Russisische Drohungen gegen Italien. Die„Rjetsch“ richtet einen Angriff gegen Italien und erklärt, das Verhalten Italiens in der Balkanfrage widerspreche aller Logik und stehe mit der Ursache der Beteiligung Italiens am Kriege im grellsten Widerspruch. Nach seinem Ausscheiden aus dem Drei bunde schloß Italien sich dem Dreiverbande an, um mit diesem Serbien zu helfen. Jetzt, wo diese Hilfe nötig sei, entziehe es sich seiner Pflicht. Die Teilnahme auf dem Balkan sei geradezu ein Lebensinteresse für Italien. Jetzt, wo Griechenland als Bundesgenosse der Entente nicht mehr in Betracht komme, könnte Italien für seine Hilfe reiche Belohnung erwarten. Seine Wünsche bezüglich der Zwölf=Inselgruppe könnten erfüllt und die Grenzen Albaniens nach Süden abgerundet werden. Ferner könnte es die gewünschten Inseln erhalten, sowie einen Stützpunkt in Kleinasien. Auch Zypern wird ihm sicher zufallen. Wenn Italien sich nicht bald entschließe, müsse eine Ministerkrise hervorgerufen werden. Die Italiener werden den Russen für das offene Bekenntnis sehr dankbar sein, daß ihnen Gewalt angetan werden soll, wenn sie nicht willig sind und daß ihre Ministerkrisen im Auslande gemacht werden sollen. — Aus Stadt und Umgedung. Rückblicke auf den Weltkrieg. 10. November. Erstürmung von Dixmuiden.— Przemysl. Heldenmütig hatten die deutschen Truppen den Kampf gegen den neuen Feind, die Ueberschwemmung zwischen Nieuport und Dixmuiden, aufgenommen. Am genannten Tage kam es zu einem gewaltigen Kampf in diesem Gebiet und zur Erstürmung von Dixmuiden. Um 1 Uhr mittags setzte der deutsche Massenangriff auf Dixmuiden ein und um 4 Uhr nachmittags drangen die ersten deutschen Kompagnien bereits in die Stadt ein; am Abend waren die Deutschen im Besitz der so heiß umstrittenen Stadt, die nur noch aus Trümmerhaufen bestand.— Am selben Tage entspann sich ein fast ebenso harter und für die Verbündeten solgenschwerer Kampf um Lombardzyde, das als Brückenkopf für Nieuport gelten kann. Lombardzyde war von den Belgiern und Franzosen mehrfach besetzt und wieder verlassen worden, jetzt aber hatten sich die Deutschen, wie es im Lager der Verbündeten hieß, angeblich auf Ostende zurückzezogen. So beschlossen denn Belgier und Franzosen, sich den Ort wiederzuholen, der nach Erkundung unbesetzt erschien. Ohne Widerstand rückten die Verbündeten nachts in Lombardzyde ein. Als man sich aber häuslich eingerichtet hatte, brach die Hölle los. Die belgischen Massen wurden von einem mörderischen Feuer überrascht, eine furchtbare Panik entstand und in voller Unordnung fluteten die Verbündeten zurück, viele Offiziere und Mannschaften tot und verwundet zurücklassend.— Im Osten machte sich die russische Uebermacht noch immer fühlbar; die Russen rückten in Mittelgalizien vor und Przemysl ward wiederum eingeschlossen. *(Die eisernen Fünfer.) Die eisernen, richtiger gesagt, die stählernen Fünf=Pfennigstücke, sind bisher noch nicht in größeren Mengen in den allgemeinen Verkehr gebracht worden. Wie die„Neue Politische Korrespondenz“ mitteilt, wird die Ausgabe des Kriegsgeldes in den nächsten Wochen im öffentlichen Verkehr erfolgen, nachdem diese FünfPfennigstücke eine technische Verbesserung erfahren haben. **(Falsche Gerüchte.) In landwirtschaftlichen Kreisen wird das Gerücht verbreitet, daß eine Beschlagnahme und eine zwangsweise Abschlachtung von Schweinen bevorstände. Dieses Gerücht ist völlig unbegründet. Wie die„Neue politische Korrespondenz“ auf Erkundigung an maßgebender Stelle erfährt, steht weder eine Beschlagnahme noch eine Abschlachtung von Reichswegen in Frage, und ist auch nicht in Aussicht genommen. Es kann den Landwirten nur dringend empfohlen werden, die Schweinezucht ungestört fortzusetzen. **(Mit dem Eisernen Kreuz) wurden ferner ausgezeichnet: Kanonier W. Erdmann von der Ostenheide und Gefreiter Paul Kirchhoff von der Hörderstraße. Der Pionier Karl Kramer von der Mühlenstraße und der Gefreite Georg Schlünder aus der Hagenerstraße wurden zu Unteroffizieren befördert. **(Fürs Veterland.) Die Eisenbahnverwaltung läßt augenblicklich das Kupferdech des Uhrturmes unseres Bahnhofsgebäudes abdecken, um das Material der Verwendung für Kriegszwecke zuzuführen. Der Turm erhält eine vorläufisze Eindachung von Zinkblech. *e(Bessere Verpackung der Feldpostsendungen.) In der letzten Zeit mehren sich die Fälle, in denen Feldpostpakete mit teilweise abgerissenen oder auch vollständig fehlenden Adressen bei den Militärdepots eingehen. Wenn auch die von den Pestannahmestellen aufgeklebten Postaufgabenummern ermöglichen, durch Rückfrage eine neue Adresse zu beschaffen, so entsteht dadurch für die Militärdepots und die Postarstalten doch eine Schreibarbeit, die weder die Heeresverwaltung noch die Reichspostverwaltung zu übernehmen verpflichtet sind. Daher wird nochmals auf die Versandbedingurfzen für Pakete hingewiesen, die in jeder Postanstalt eingesehen werden können. Im eigensten Interesse der Absender und der Empfänger liegt es, wenn die Adressen auf den Paketen dauerhaft befestigt werden. *e(Der Wagenmangel) hält sich' dauernd auf großer Höhe. Der Versand in gedeckten Wagen, der zum Monatsschluß besonders lebhaft ist, konnte nur ganz ungenügend befriedigt werden, so daß die entstehenden Ausfälle recht groß sind. Auf vielen Stationen werden die Wagen erst fünf und sechs Tage später gestellt, da es auch an Ersatzwagen (offenen Wagen mit Decke) mangelt. *e Holzen, 9. Nov.(Auszeichnung.) Der Landwehrmann Bernh. Hoffmann vom Sommerberg erhielt die hessische Tapferkeitsmedaille; zugleich wurde er zum Unteroffizier befördert. ** Hennen, 9. Novbr.(Sparkassenvorstand.) Für die in unserer Gemeinde sich befindende Amtssparkasse des Amtes Ergste wurde folgender Vorstand gewählt: Gutsbesitzer Wilh. Bimberg=Drüpplingsen(Vorsitzender), Kaufmann Wilh. Liesenhoff=Ergste(Stellvertreter), Gutsbesitzer Bedehäsing=Kalthoff, Landwirt Böhmer=Höfen, Gutsbesitzer Schulte=Kalthoff=Kalthoff und Gutsbesitzer Heinr. Westhoff=Rheinen(Beisitzer). — Westfalen und Rheinland. * Barmen, 9. Nov.(Ein entsetzliches Eisenbahn=Unglück) ereignete sich heute nachmittag im Rotter Tunnel der Rheinischen Staatseisenbahn. Eine Gruppe Oberbauarbeiter von etwa 25 Personen wollte einem aus der Richtung Wichlinghausen—Schwelm ankommenden Güterzuge ausweichen, geriet aber unglücklicherweise vor die Lokomotive eines aus entgegengesetzter Nichtung ankommenden Eilgüterzuges. Der Arbeiter Detering wurde zermalmt, sechs andere Arbeiter wurden teils lebensgefährlich, teils weniger gefährlich verletzt. Der Bahnbetrieb erlitt durch das Unglück eine etwa viertelstündige Verspätung. An dem Aufkommen zweier schwerverwundeter Arbeiter wird gezweifelt. * Essen, 10. Novbr.(KriegsfürsorgeStiftung der Familie Krupp.) Die Firma Krupp hat die Absicht, in diesem Kriegsjahre keinen höheren Gewinn als vor dem Kriege zu beziehen. Es werden deshalb auch in diesem Jahre 12 Prozent Dividende verteilt und die übrigen 23,7 Millionen Mark werden der Kriegsfürsonge für die Allgemeinheit zugeführt. Im Anschluß an die nationale Stiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen wird eine der Allgemeinheit dienende Kruppstiftung errichtet, die besonders zugunsten kinderreicher Familien Gefallener oder schwer beschädigter Krieger dienen soll und mit einem Kapital von 20 Millionen ausgestattet wird. Die restlichen 3,7 Millionen werden sonstüzen Zwecken der allgemeinen Kriegsfürsorge, namentlich der Förderung der deutschen Ostmarken zugeführt. * Köln, 9. Nov.(Unterschlagung.) In der Depositenkasse Untersachsenhausen des A. Schaafhausenschen Bankvereins A.=G. in Köln sind größere Unregelmäßigkeiten entdeckt worden. Dieselben erstrecken sich auf eine Reihe von Jahren zurück und wurden durch das Zusammenarbeiten der beiden seit Jahrzehnten im Bankverein tätigen und seit beinahe ebenso langer Zeit als Vorsteher bezw. Kassierer der Depositenkasse funzierenden Beamten und zweier anderer dort beschäftigt gewesenen Angestellten ermöglicht, indem die begangenen Unterschlagungen mittels sorgfältig ausgeführter Fälschung aller in Frage kommenden Bücher, sowie der Beleg= und Revisionsunterlagen verborgen wurden. Die strafrechtliche Verfolgung und Verhaftung der Schuldigen ist veranlaßt. Die Feststellung des dem Bankverein treffenden Schadens, der zum allergrößten Teile in den Jahren 1911 bis Mitte 1914 entstanden ist, ist in die Wege geleitet. Ein Teil desleben wurde durch erhebliche aus dem Besitz der Defraudanten erlangten Vermögenswerte ausgeglichen, immerhin dürfte der Schaden etwa eine Million betragen. * Postdiebstähle in Finnland. Dem Helsingforser„Hufvudstadsblad“ zufolge wurden während der ganzen Zeit des Transitverkehrs durch Schweden und Finnland über den Bottnischen Meerbusen in sehr großem Umfange Postpakete gestohlen. Vor der finnischen Polizei wurden bereits zwanzig Postbeamte verhaftet. * Eine Kadettenanstalt in Landsberg. In Landsberg an der Warthe soll eine Kadettenanstalt errichtet werden. Die Baukosten sind auf 2 Millionen Mark veranschlagt worden. * Zwanzig Personen bei einer Brandkatastrophe in Amerika zu Tode gekommen. Bei dem Brand eines hölzernen Gebäudes in Brooklyn, in dem eine Zuckerwarenfabrik und eine Blusenfabrik untergebracht waren,“ kamen 20 Personen ums Leben, 50 andere wurden verletzt. Die Flucht der 1100 Personen, die in dem Gebäude arbeiteten, wurde dadurch behindert, daß die Treppe in Brand geriet. Die meisten der Verunglückten waren aus den Fenstern gesprungen. Acht Mädchen verbrannten auf der Brandleiter. * Auf der Spur eines Ranbmörders. Am 16. September wurde in Ummeln bei Bielefeld an der in der Nähe des Bahnhofes Isselhorst wohnenden, 60 Jahre alten Witwe Johanna weiver ein Mörd verübt. Am 17. September, morgens, fand der Sohn seine Mutter im Keller des Hauses erwürgt auf. Die Tat stellte sich als Raubmord dar. Es wurde festgestellt edaß von 400 Mark bar, die die Ermordete in einer Kommode aufbewahrt hatte, 200 Mark fehlten. Nach den Ermittelungen kommt mit ziemlicher Bestimmtheit als Täter ein früherer Kostgänger der Ermordeten, der aus Löbau in Sachsen gebürtige Alfred Max Neuber in Betracht. Bei nochmaliger sorgfältiger Durchsuchung des Hauses der Ermordeten wurden auf dem Boden, unter Stroh versteckt, eine Hose und eine Weste sowie ein Sportkragen, von denen feststeht, daß sie Neuber gehören, gefunden. Neuber, welcher 18 Jahre alt und von kleiner, schmächtiger Figur ist, keinen Bart trägt und hellblondes, etwas lockiges Haar hat, ist seit der Tat spurlos verschwunden. Die Staatsanwaltschaft in Bielefeld hat auf die Ergreifung des Mörders eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. * Tod eines berühmten Adlerjägers. Aus Kempten i. B. kommt die Nachricht, daß der Adlerjäger Leo Torn im Alter von 80 Jahren verstorben ist. Lange stand der geschätzte Weidmann als Oberjäger im Dienste des verstorbenen Prinzregenten, und oft ist von Künstlerhand der charakteristische Kopf Dorns mit der hohen Stirn, der scharfgeschnittenen Nase, dem langen, wallenden Vollbart festgehalten worden. Allgemein wurke Torn der„Adlerjäger" genannt, denn kaum ein zweiter Weidmann hat in neuerer Zeit eine so große Zahl von Adlern geschossen. Dorn hat deren wohl nahezu hundert erlegt. * Gewitterstürme und Erdstößen Italien. Die Schweizer Blätter melden aus Rom: Der Tiber steigt infolge heftiger Wolkenbrüche fortdauernd; die Via Ostia ist vollständig überflutet. Der Pegel zeigt fünfzehn Meter Wasserhöhe. Die Drahtleitungen zwischen Süditalien und Norditalien sind infolge von Gewitterstürmen unterbrochen. In Feanza, Rimini, Forli und Imoka sind neuerdings starke Erdstöße erfolgt, die große Panik hervorriesen. Aus Welt und Leben. tk. Der erfinderische Feldgraue. In der „Liller Kriegszeitung“, lesen wir das folgende lustige Geschichtchen: Wie überall, ist auch bei uns hinter der Front von unserer fürsorglichen Heeresverwaltung eine Leseund Milchhalle eingerichtet worden, mo man für billiges Geld ein Glas warme, keimfreie Milch haben kann. Ueber unserer Halle prangt ein schönes handgemaltes Holzschild: Milch-Halle. Für den Fall des Ausverkaufs der Milch hatte der Verkäufer einen handgeschriebenen Zettel zur Hand, der besagte, daß die Halle bis zum Eintreffen neuer Milch geschlossen sei. Die Pause wurde meist zur Reinigung des Raumes benutzt. Da nnn unare sehmbestiefelten Soldaten aus dem Schützengraben nicht gewohnt sind, sich mir Kleinigkeiten abzugeben, kam es wiederholt vor, daß sie das Zettelchen übersahen, durch die nicht verschließbare Tür hineintrabten und nutzlos den gereinigten Fußboden belatschten. Teils aus diesem Grunde und andererseits, weil der Herr Verkäufer in der wohlverdienten Ruhe seines schweren Amtes erheblich gestört wurde, kam es regelmäßig zu lebhaften persönlichen Auseinanderjebungen. Das paßte nun dem Herrn Geschäftsführer schon lange nicht mehr. Endlich kam ihm aber ein glänzender Gedanke. Aus Pappe schnitt er sich ein Schildchen, und zwar so, daß es auf dem großen Holzschilde säuberlich den Bindestrich und das H bedeckte. Seitdem lautet die Ueberschrift bei jeweiligem Ausverkauf:4 Milch alle Und nun hat er„sei Ruh“. Büchertisch. Alle unter dieser Rubrir besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. An der Ostfront. Tagebuchblätter eines Felddiakonen. Von Ludwig Weichert, zurzeit als Felddiakon im Felde. Rund 100 Seiten Feldpostformat, hübsch kartoniert Mk. 1.—. Verlag der Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg 26. In fesselnder Form und Sprache erzählt der in weiten Kreisen als Schrif'steller und Evangelist bekannte Verfasser aus seinen Erlebnissen als Felddiakon in Salizien und Südpolen. Mochenmant Der heutige Wochenmarkt war verhältnismäßig schwach beschickt; die Preise halten sich unverändert auf der alten Höhe. Es wurden verlangt für Birnen Pfund 8—25 Pfg., Aepfel Psd. 8—25 Pfg., Weintrauben Pfd. 80 Pfg., Wallnüsse Pfd. 60 Pso.: Wurzeln 2 Pfund 25 Pfg., Steckrüben Stück 10—15 Pfg., Note Beten Pack 10, Wirsing Stück 15—30 Pf., Rotlohl 20—40 Pfg., Weißkohl 15—25 Pf., Butterkohl Pack 10 Pstz., Winterkohl Stück 5—10 Pfg., Blumenkohl Stück 30—60 Pfz., Rosenkohl Pfund 25 Pfg., Kohlrabi Stück 8—15 Pfg., Stielmus Pack 10 Pfg., Spinat Pfund 20 Pfz., Feldsalat Pfund 30 Pfg., Endirien Stück 5—10 Pfg., Zwiebeln Pfd. 25 Pfg., Rindfleisch Pfund 95—110 Pfg., Shweineteisch Tfand 1.90, Schelfisch Pfund 40—45 Pie. V#erantwortlich für die Redaktion Friede. Nrago Druck u. Verlag von Carl Brouz, beide in Schwem#. Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. liebräer 13, V. 8 u. 14. Auf dem Felde der Ehre starb am 4. ds. Mts. unser geliebter, unvergesslicher Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Musketier Rag. Weiehereut 1. Komp. Res.-Inf.-Reg. 55 im Alter von fast 21 Jahren. In tiefem Schmerz Familie Weichbrodt. Holzen bei Schwerte, Frankreich, Opladen, Brambauer u. Oerlinghausen, den 9. November 1915. 5211 Sol UE Den geehrten Bewohnern von Schwerte und Umgegend zur gefälligen Kenntnisnahme, dass ich seit dem 1. Oktbr. d. Js bei der Elektr. Ges.„Mark“, Hagen: für Kraft- und Lichtanlagen * konzessioniert bin. Sämtliche in mein Fach einschlagenden s Arbeiten werden prompt und sauber ausgeführt. Hochachtungsvoll Carl Brühmann, Schwerte Eisenindustriestr. 21. 5212 Die Gerstenverwertungs=Gesellschaft, Berlin hat uns zum Einkauf der beschlagnahmten Gerste für den Stadt und Landkreis Hörde bestellt. Wir machen hierdurch die in Frage kommenden Landwirte darauf aufmerksam, daß der Kommunalverband als Höchstpreis nur Mk. 30.— per 100 kg— zahlt, während die Gerstenverwertungs=Gesellschaft Mk. 35.— per 100 kg für gule Winlergerste anlegt. Im Interesse der Landwirte liegt es also, die bei Ihnen beschlagnahmte Gerste uns abzuliefern und nehmen wir jederzeit Kaufaufträge entgegen. Gebr. Gans, Hörde. 500000000 Adolf Kalsbach Schwerte, Brückstrasse. Der Bundesrat hat am 28. Oktober d. Is. für das ganze Reich die stmachung wber die des Freisch= und Genderbrauchs, welche bereits am 1. November in Kraft getreten ist, erlassen. Der§ 6 derselben schreibt vor, daß die Unternehmen, nämlich Fleischereien, Gast=, Schank= u. Speisewitrtschassen u. s. w. je einen Abdruck des Wortlautes der Verordnung in ihren Verkaufsund Betriebsräumen auszuhängen haben. Es kommen somit für jeden Betrieb zwei Aushänge in Frage. Diese sind bei mir zum Preise von 15 Pfg. zu haben. (Ruhr), Gr. Marktstraße 3—5. in den neuesten Ipmmmammmme panon Korsels * Fassons, auch fürstar-* ### ke Damen, in grosser 1 Auswahl vorrätig. Vorzüglicher Sitz. Gute Stoffqualitäten selbst in den billigeren Preislagen. Otto. Marx, Schwerte, Ostenstr. 20 Sercrrerrcücrrrrrrr . 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November 1915, nachmittags 1¾ Uhr auf dem Sportplatze „Schützenhof“ in Schwerte: Bezirks-Fussballspiel Schwerter Sport-Klub 06 II gegen Hagener Fussball-Klub 05 e. V. III. Nachm. 3½ Uhr: Gesellschafts-Spiel Dortmunder Sportvereinigung 95 e. V. II gegen„„ Schwerter Sport-Klub 06 I. Eintritt: Für Erwachsene 40 Pf., im Vorverk. 30 Pf. Varve: Schiler 30... 20 vorverkauf in den Zigarrengeschäften, bei Fri1 seuren und durch Mitglieder. 5220 ! Feldgraue Soldaten haben freien Zutritt. Der gesamte Reinertrag ist für d Rote Kreuz bestimmt. wetonananene diuiger! Buchhandlung CARL BRAUS Schwerte Favori Modesalbum 80.A, Forort:ugendaldum 60 gavorit wanvarbtsald. 60 S 1 1 Jovorn Schnittmuster!!# Elleinvertauf für Schwerte Otte Marz Kiriegshitfe. Bestellungen werden von unseren Boten und in der Geschäftsstelle, Gr. Marktstraße 3—5, ertgegengenommen. S 3„ 8 55 8 8 8 8 i G8 87. 9 5 S„ —* an 5 8. 3 unnnaunnannn Die Heizelmännchen der Sonne. Seit ungezählten Aeonen strahlt die Himmelsleuchte hernieder und entzündet alle Lebensflammen auf unserer Erde zu fruchtbarer Wärme. Brennt sie allein dort am Firmamente, wie das Ofenfeuer des Märchens, neben dem sich der Bäcker schlafen gelegt hat und das nun ausbrennt, bis der Ofen kalt ist, oder walten auch an dem riesigen Sonnenofen geheime Heinzelmännchen, wie in Kopisch's Kölner Sage, die Holz zulegen die ganze Nacht? Die Frage nach solch kosmischen„Heinzelmännchen der Sonne“ wirft Wilhelm Bölsche in einer naturwissenschaftlichen Plauderei auf, die er kürzlich in der bei der Deutschen Verlags=Anstalt erscheinenden Zeitschrift „Ueber Land und Meer“ veröffentlichte. Mit der Schreckensmär, daß die Sonne solch ein einfach ausbrennender Ofen sei, der über kurz oder lang wirklich ausgeht, hat man lange die Menschheit in Schauder versetzt. Die modernste Sonnenphysik aber hat doch wesentlich zu unserer Beruhigung beigetragen. Sie hat nämlich mit Recht gefragt, warum denn dann die Sonne nicht vor unseren Augen unaufhaltsam zur eiskalten Schlacke herunterbrenne. Wenn man nämlich nach den noch heute vielfach verbreiteten naturwissenschaftlichen Anschauungen annimmt, daß die Hitze der wärmespendenden Sonnenoberfläche rund 6000 Grad betrage, und daß diese Hitze im kalten Raum jährlich um ungefähr 2 Grad heruntergehen müsse, dann wäre es notwendig, daß wir von diesem Herabbrennen des Sonnenofens schon in verhältnismäßig kurzer historischer Zeit die unheimlichsten Anzeichen gewahren müßten. Um die Unmöglichkeit dieser Annahmen nachzuweisen, hat man den Stand der Dinge ausgerechnet, wie er sich bei solchen Verhältnissen vor etwa 1000 Jahren hätte darstellen müssen. Die Sonne müßte nämlich damals, wenn die jährliche Abnahme der Sonnenheizung 2 Grad betragen soll, zu der historisch durchschnittlich hellen Zeit, da man den Gothenkönig Alarich in das Grab am Busento senkte, genau doppelt so heiß gewesen sein wie heute. Strahlt sie uns in der Gegenwart etwa 88 Grad Wärme zu, die gerade genügen, um unsere an sich schon recht kalte Erde bis auf etwa 15 Grad im Durchschnitt zu erhitzen, dann müßten damals die Gothen das Sechzehnfache jener 88 Grad Wärme erhalten haben, also rund 1400 Grad, eine Hitze, die selbst ihre kräftigen Schädel gewiß nicht ausgehalten hätten. Steigt man noch weiter hinab in die Vergangenheit, so läßt sich auch schon aus dem Pflanzenwuchs der Steinkohlenepoche nachweisen, daß die irdischen Temperaturund Lichtverhältnisse damals nicht sehr viel anders gewesen sein können als heute. Die Behauptung, daß die Sonnenhitze abnehme, ist also offenbarer Unsinn. Wenn aber die Temperatur der Sonne nicht merklich abnimmt, dann muß eine geheime Macht den Riesenofen fort und fort heizen, dann müssen rätselhafte Heinzelmännchen tätig sein, die die Sonnenräder zu ewiger Reibung drehen. Solche Heinzelmännchen hat man denn auch seit langem gesucht, und der Altmeister der modernen Wärmelehre, Robert Mayer, glaubte sie in den Meteorsteinen gefunden zu haben, die in gewaltigen Mengen beständig auf der Sonne niederfallen und durch das Aufprallen eine gewaltige Hitze erzeugen. Um auf diese Weise die Sonne aber immer wieder heiß zu schmieden, wären ganz ungeheuere Meteoritenmassen nötig: die Sonne müßte durch sie unausgesetzt vergrößert werden, und das hätte man dann auch in geschichtlicher Zeit soon längst gemerkt. Nicht in einer ungeheuren Anschwellung des Sonnenkörpers wollte daher Mayers genialer Nachfolger Helmholtz die Ursache der Sonnenwärme sehen, sondern in einer allmählichen Verkleinerung. Der Sonnenball verdichtete sich beständig, schrumpfte äußerlich zusammen, und durch diese innerlichen Konzentration entstand Wärme, durch sie entsteht sie noch heute. Aber auch dieser Hypothese steht die Tatsache entgegen, daß die Sonne dann Veränderung erlitten haben müßte, die in den uns bekannten Vorgängen des irdischen Lebens irgendwie zum Ausdruck kämen; davon ist aber nichts der Fall. So hat man denn zuletzt in dem neuesten Allerweltsheinzelmännchen, dem Radium, den eigentlichen Sonnenheizer gesucht. Da Radium bekanntlich selber Wärme ausströmt, so könnte ein in jedem Kilogramm Sonnensubstanz enthaltener Prozentsatz Radium geradezu eine Heizung für die Ewigkeit ergeben. In ähnlicher Weise erklärt Arrhenius die Sonnenwärme, indem er annimmt, daß, wenn nicht gerade Radium, so doch gewisse merkwürdige chemische Verbindungen im Sonnenball aufgespeichert werden, die sich bei ungeheuerer Hitze und ungeheuerem Druck gebildet und dabei gewaltige Mengen Wärme verschluckt hätten. Diese uralte Sparwärme wird nun ganz langsam wieder an die bedürftige Erde ausgezahlt und dürfte noch Jahrbillionen vorhalten. 3. Ratschläße fürs haus von Laura Uincent.— Um Milchflaschen zu reinigen, bediene man sich nicht einer Bürste, die nach einigem Gebrauch leicht Borsten verliert, welche von dem Kind verschluckt werden könnten. Ein besseres Reinigungsmittel ist ein Stückchen Schwamm, das am Ende eines Drahtes befestigt wird. Selbstverständlich muß dieser Schwamm tadellos sauber gehalten werden. Kleinigkeiten, die man sich merken muß. Man sollte nie zwischen zwei Personen, die sich unterhalten, vorbeigehen, ohne sich zu entschuldigen.— Man sollte nie ein Buch oder einen anderen Gegenstand, den man entliehen hat, an eine dritte Person weiterleihen, ohne die Erlaubnis des Eigentümers einzuholen.— Man sollte nie in größerer Gesellschaft Fragen beantworten, die ausdrücklich an eine andere Person gerichtet wurden. Wild bei warmem Wetter auf zubewahren. Man bestreue es mit frischem, feingemahlenem Kaffee, und es wird bei dem ungünstigsten Wetter frisch bleiben. Vor dem Gebrauch wasche man es ab. Eine schlechte Angewohnheit vieler Mütter ist es, den Kindern abends im Bett noch Butterbrot, Kakes, Kuchen oder dergleichen zu geben. Die Kinder schlafen dann ein, und Teilchen des Essens setzen sich zwischen den Zähnen fest, werden während der Nacht sauer und zerstören den Zahnschmelz. Man sollte Kindern stets die Zähne reinigen, ehe sie schlafen gehen. Wenn die Lampe schlecht brennt, liegt es meist daran, daß sie nicht ordentlich sauber ist. Man schraube sie auseinander, nehme den Docht heraus und koche Brenner und Docht zehn Minuten in Sodabrühe. Dann lasse man beides gut trocknen, reinige unterdessen Glocke, Zylinder und auch den Oelbehälter, setze die Lampe wieder zusammen, fülle Oel ein, und sie wird tadellos brennen. 9 + W. G a S U S e7 Auf dunkken(Pfaden. Roman von A. Hottner=Grefe. (4. Fortsetzung.) sonderbar! Das eine der Fenster glänzte s nicht auf in dem scharfen Strahle wie die anderen! An Stelle der Scheibe gähnte dort ein dunkler Fleck. Plötzlich durchfuhr den alten Mann ein Schreck. Das Fenster dort— das (Nachdruck verboken.) war ja eingedrückt! Daher das Geräusch, welches er halb im Schlafe zu vernehmen geglaubt hatte. Das Krachen oder Klirren! Wieder überkam ihn die Angst. Seine Knie zitterten, als er nun die Stufen der Freitreppe emporstieg. Jetzt, auf dem halben Wege, versagte ihm die Kraft. Er mußte sich auf das Geländer stützen! Herrgott! Was war denn das für ein Ton, welcher da an sein Ohr drang? Erst ein mattes Stöhnen, dann ein Wimmern, jetzt ein Schrei? Eine Minute später stand Josef vor dem Fenster. Richtig! Eine Scheibe war eingedrückt, aber der ganze Flügel nur angelehnt, nicht geschlossen. Der alte Mann konnte ihn ohne alle Muhe öffnen. „Gnädiger Herr!“ rief er halblaut hinein in den finsteren Raum. Da drang an sein Ohr wieder das Aechzen, dann ein schmerzvolles Stöhnen. Josef fand kaum Kraft genug, sich hineinzuschwingen. Er war nunmehr vollständig davon überzeugt, daß ein Unglück geschehen sei. Mit zitternden Fingern tastete er in seinen Taschen nach Steichhölzchen. Eine kleine Laterne trug er stets bei sich. Es dauerte lange, ehe der Diener die Flamme endlich entzündet hatte. Er war vollständig verwirrt von den Befürchtungen, welche auf ihn einstürmten in den Minuten, während er in dem dunklen Raum stand, vergeblich bemüht, rasch Licht zu schaffen. Immer noch drang das Stöhnen an sein Ohr, jetzt aus allernächster Nähe. Josef rief einige Male fragend in die Dunkelheit hinein. Aber es erfolgte keine Antwort. Endlich— endlich flammte das Licht auf. Mit bebender Hand hob der alte Mann die kleine Lampe in die Höhe. Aber mit einem gellenden Schrei setzte er sie eine Sekunde später nieder auf den Rand des Schreibtisches. „Gnädige Frau! Um Himmelswillen! Gnädige Frau!“ Er beugte sich herab zu dem jungen Weib. Ihr Antlitz war totenblaß, die Lider lagen schwer über den Augen. Aber der Körper bäumte sich empor wie in einem furchtbaren Krampf, und von ihren Lippen kamen dann und wann die schmerzerfüllten Laute. Kein Zweifel— die junge Frau war ohnmächtig geworden. Er mußte augenblicklich die alte Hanna holen, damit sie ihm half, die Gnädige zurückzutragen auf ihr Bett. Aber was lag denn noch da knapp neben dem Körper der jungen Frau?, Etwas Großes, Dunkles war es— Josef nahm das Lämpchen. Fast versagten seine Kräfte. Doch er bezwang sich und rang auch die Angst nieder, welche ihn immer und immer wieder packte. Einen Augenblick später hatte der treue alte Diener in dem lang hingestreckten dunklen Köper seinen Herrn erkannt. „Um Himmelswillen! Um Himmelswillen!“ stammelte der Alte mit zuckenden Lippen,„der Herr — der gnädige Herr! Und da— da ist in der rechten Hand der Revolver! Und der Herr— der Herr ist tot!“ Josef hatte mit Aufbietung aller seiner Kräfte den Oberkörper der jungen Frau emporgehoben und gegen den breiten Diwan gelehnt. Ihm war jetzt die Hauptsache der Herr— sein Herr! Er kniete neben Baron von Werbach hin, er riß mit unsicheren Fingern den Rock auf— das Hemd. Er tastete und griff und fühlte. Aber da war keine Wärme mehr in dem ganzen Körper, kein Rest von Leben. Nicht das leiseste Klopfen des Herzens verriet, daß noch Hoffnung sei, diese erloschenen Lebensgeister wieder neu anregen zu können. Ein Jammerlaut brach von Josefs Lippen. Taumelnd erhob er sich. Verwirrt glitten seine Blicke durch den noch immer spärlich beleuchteten Raum. Was war denn eigentlich hier geschehen? War ein Unglück oder ein Verbrechen die Schuld an diesem Unfoßlichen— Entsetzlichen? Ein schwacher Schmerzensschrei, der sich neuerlich den Lippen der bewußtlosen jungen Frau entrang, entriß den alten Diener seinen verworrenen Grübeleien. Sonderbar klar stand die Erkenntnis jetzt vor ihm, daß nichts mehr zu helfen und zu ändern war. Baron von Werbach war tot, daran konnte man nicht zweifeln. Aber diese blutjunge Frau, welche da PSSSTTESSFTTCI üScEE TaCyROCü,aa *"** n„— G so hilfedürftig zu seinen Füßen lag, sie sollte ja schon in kurzer Zeit dem Kinde des Toten das Leben schenken. Ja, wenn nicht alles trog, so würde dieser Augenblick vielleicht schon früher eintreten, als man es erwartet hatte. Der furchtbare Schrea, welchen die junge Frau wahrscheinlich erlitten hatte, konnte sehr leicht die bedenklichsten Folgen haben. Josef griff sich an die Stirn. Gewaltsam versuchte er es, sich zu fassen.. War es nicht seine heingste Pflicht, nun, va sein geliebter Herr tot war, vor allem anderen die junge Frau zu schützen und das Kind? Der alte Mann beugte sich nochmals nieder und bemühte sich, dem Körper der Besinnungslosen eine bessere Lage zu geben. Dann lief er, so schnell seine unsicheren Füße ihn tragen konnten, zur Tür, die nach dem Korridor führte. Draußen stand winselnd, heulend, der riesige Bernhardiner„Harro". Josef ließ ihn herein, „Da, Harro,“ sagte er, als spräche er zu einem verständigen Menschen,„komm, laß den armen Herrn, Harro! Setze dich neven die junge Frau! So, gib acht, Harro! Laß keinen Menschen herein! Gleich bin ich wieder da!“ „Harro" hatte beim Anblick des toten Körpers seines Herrn laut aufgeheult. Dann aber streckte er sich, als hätte er die Worte Josefs genau verstanden, dicht neben Elisabeth auf den Teppich hin. Der alte Mann warf noch einen Blick in den Raum zurück, dann stürzte er davon. Einige Minuten später pochte er, so laut er konnte, an Hannas Tür.„ Es war ein schweres Werk, die todmude Frau zu wecken. Noch schwerer, ihr auseinanderzusetzen, was sich begeben hatte. Als sie, ganz unfähig, dieses Furchtbare wirklich zu begreifen, ihm endlich folgte und dann neben ihm in dem halbdunklen Raume stand, wo Josef sich bemühte, durch Anzünden der großen Lampe etwas mehr Licht zu schaffen, da wußte sie eigentlich noch gar nichts, als daß ihrem Liebling, ihrer holden Elisabeth, ein Unglück zugestoßen sei, das sich kaum noch übersehen ließ. Als sie sich aber nun niederbeugte zu der jungen Frau, da wurde es auch ihr klar, daß hier in diesem Augenblick Wichtigeres zu tun war, als jammern und klagen. Hier mußte gehandelt werden, und zwar augenblicklich.4 Mit Hilfe Josefs trug sie vie noch immer Ohnmächtige nach dem Schlafzimmer. Sorglich legten die beiden alten Menschen den zuckenden Körper nieder auf das Bett. Für eine Sekunde nur schlug Elisabeth die Augen auf. „Ludwig,“ stöhnte sie.„Ludwig, ich habe geträumt! So furchtbar geträumt!“ Mit einem irren Büick streiften ihre Augen hin über die blassen, tränennassen Gesichter Josefs und Hannas. Sie wollte sich aufrichten, wollte eine Frage stellen. Aber mit einem scharfen Wehlaut fiel sie zurück in die Kissen. Eine Stunde später hallte von den Wänden des Schlafzimmers der erste Schrei eines Kindes. Hell und laut, beinahe fröhlich klang er zwischen dem Weinen der alten Hanna und dem matten Stöhnen der jungen Mater. v „Gottlob— ein kraftiger, lieber, kiemnler Knabe ist da!“ Hanna flüsterte es eine Viertelstunde danach dem alten Josef zu, welcher, zitternd vor erwartungsvoller Aufregung, im Speizezimmer saß. „Da, nehmen Sie den Kleinen, Josef; er schläft schon wieder! Und gehen Sie gut acht auf das Kind! Ich muß zurück zur Baronin!“ Die alte Hanna sprach zum ersten Male von ihrer jungen Herrin als von„der Baronin“. Es war, als wollte sie die Stellung von Mutter und Kind jetzt so recht betonen. Josef nahm das weiße Bündel ziemlich ungeschickt in seine Arme. Als aber Hanna wieder verschwunden war, da neigte er sich ganz herab zu dem Kleinen und besah genau das rosige, runde Gesichtchen, um welches ein paar dunkle Haarringelchen lagen, die zwei drallen Fäuste, die der Kleine zusammengeballt hatte, die winzigen Ohren, den allerliebsten Mund. Noch nie hatte Josef, der alte Junggeselle, ein so kleines Kind so genau betrachtet. Eine tiefe Rührung kam über ihn. Behutsam tätschelte er es ein wenig hin über die weiche, runde Wange. Dann machte er auf Stirn, Kinn und Brust des Knaben das Zeichen des Kreuzes. „Niemand soll dir was tun, kein Mensch!“ sagte er halblaut vor sich hin.„Du bist meines armen, toten Herrn Sohn! Und wenn sie dir etwas tun wollen, dann ist der alte Josef schon auch noch da! Geschehen lass' ich dir nichts!“ Er sah ganz kampfbereit aus in diesem Moment, der gute, alte Mann. Unwillkürlich hatte er an die schöne Schwägerin des toten Freiherrn, an Frau Otta, denken müssen. Für sie war dieses Kind, welches ihrem eigenen Sohne so vieles nahm, ein Feind. Und Josef wußte, wie diese Frau zu hassen verstand.— „Harro" war aus dem Nebenzimmer herbeigeschlichen. Einige Minuten besah er das schlafende, kleine Kind mit ernsten, prüsenden Augen. Dann drängte er sich ganz nahe heran an den alten Mann und beleckte mit seiner breiten, roten Zunge des Knaben Händchen ein wenig. Josef nickte ihm zu. „Du hältst auch zu uns!“ sagte er und streichelte den großen Kopf des Hundes.„Ja, ja! Wir halten zusammen, wir drei! gelt, Bubi? Wir halten zusammen!" „Harro" knurrte ein wenig und der Kleine schnarchte sche Der riesige Hund streckte sich neven Jose hin, unausgesetzt die beiden im Auge behaltend. So blieben sie beisammen, bis im Osten der Sonnenball emporstieg und das Firmament glühendrot färbte. Als die ersten goldigen Sonnenstrahlen über die Erde hinzitterten, trat aus dem Buschwerk, welches die Fahrstraße begrenzte, die Gestalt eines Mannes. Der Mann hatte ein Gewehr über der Schulter und trug die kleidsame, hübsche Uniform eines Försters. Unter dem Lodenhut blitzten ein Paar leidenschaftliche, heiße, scharfkluge Augen; die stark gebogene Nase gab dem schmalen Gesicht etwas Kühnes, aber um den Mund lag ein herber Zug, welcher auch durch den kurzen, dunklen Bart nicht ganz verdeckt wurde. Dieser Mann sah aus, als schrecke er vor nichts zurück, und als kenne er keine Rücksicht, wenn es galt, etwas durchzusetzen.„„ I, Ethrstraß Mit sprühenden Augen spahte er bie Fahrstraße entlang, dann kniete er plötzlich nieder auf dem feuchten Boden. Da waren allerlei Spuren, welche ihn sehr interessierten. Hm“, sagte er vor sich hin,„da ist ein Wagen sefahren! Da— die Räderspur geht direkt auf das zu. Aber daneben läuft die Spur eines 4 sagdschloß Autes! (Fortsetzung folgt.) S 55 S S S Eg 55 E SS S S 140 E* 0 GSGSETGES S SH ESSTSOPEEESECEgSEES Spn * S SSES ##s S 55 t#####s SSS-uDSSSE ZEEES Verschüttet. Skizze von E. Bauck. (Rachdruck verboten.) Sie kannten sich von Jugend auf, die beiden! Er war der Sohn eines armen Bergmannes— jetzt selber ein solcher— und sie die Tochter eines fruh Verschütteten der gleichen Zunst. Maries Mutter lebte noch, und die beiden Frauen ernährten sich kümmerlich durch Spinnen und Weben. Dem Mädchen wollte die Arbeit auch nie recht von der Hand gehen. Sie mußte immer an den Karl denken, der tagein, tagaus, in den dunkeln Schacht fuhr— sein mühselig Tagwerk dort zu verrichten. Wie selten kam er ans Licht.— Freilich— sie wohnten in einem Hause, und es fand sich auch immer mal Gelegenheit, ein freundliches Wort miteinander zu wechseln. „Wie steht's, Karl?“ fragte sie wohl, wenn sie mit den Steinkrügen über den mit Ziegeln belegten Hausslur schritt, um Wasser von dem nahen Brunnen zu holen, und ihm dabei begegnete. „Es muß schon gehen, Marie,“— sagte er achselzuckend, und aus seinem rußgeschwärzten Gesicht glitt ein diamantheller Blick zu ihr hinüber. „Wird's nicht bald besser werden, Karle?“ fragte sie dann— eine schüchterne Hoffnung im Ton ihrer Stimme. Er aber meinte niedergeschlagen: „Ich glaub' kaum, Marie! So lang ich denken kann, ist's schon so gewesen!— Mein Vater war so arm wie ich— und deiner auch!— Weißt du noch, wie wir als Kinder die Kohlenwagen hinausgefahren haben?“ „Ja, ja—“ sagte sie leise und fuhr sich mit der Hand über die Stirn.„Und warum das alles? — Um die paar Groschen— lieber Gott!— Aber schön war’s doch,— nicht— Karle?“ Wieder traf sie ein warmer Blick aus seinen hellen Augen. „Ja, Marie!“ sagte er rauh. Durch das schmale Fenster des Hausflurs glitten zitternd ein paar goldige Sonnenstrahlen. Marie sah es, und ein Lächeln huschte über ihr blasses, elendes Gesichtchen. „Ach—“ rief sie glücklich:„Karle!— ich glaube es will Frühling werden!—“ Wochen und Monde vergingen.— Tag für Tag fuhr Karl in die Bergwerke ein, und Marie saß mit ihrer alten Mutter an dem niedren Fenster ihrer armen Stube und spann.— Ihre Mutter machte schon den Eindruck einer Greisin. Schneeweiß und flockig hing das Haar ihr um das braune, pergamentartige Gesicht, das förmlich erstarrt schien im Schmerz. Sie war ein wenig gelähmt, und oftmals entglitt ihren schwachen, zitternden Händen Faden und Spule. „Laß doch sein, Mutter, ich schaff’ es ja selber!“ sagte Marie dann jedesmal, aber davon wollte die Frau nichts wissen. Eigensinnig fuhr die Greisin fort, ihr Rad zu treten, und ihre hageren Fingern zogen gespensterhaft Faden um Faden. „Ich muß arbeiten,— wir sind so arm,“ sagte sie fast flüsternd:„Nur im Grabe ist Ruh', mein Kind.“ Marie erschauerte leicht. „Sprich doch nicht immer vom Tode, Mutter“. bat sie.„Sieh, ich bin jung— und— der Karle ist auch jung.“ Die alte Frau nickte. „Ja,— ja,— ihr— beide—“ murmelte sie. Starr blickte sie vor sich hin. Der Faden entsank ihr, ohne daß sie es merkte— und das Rad stockte.— „Mutter!“ rief Marie erschrocken,„was hast du?“ Die gelben, magern Hände der Greisin machten eine mühsame Bewegung, allein es gelang ihnen doch nicht ganz, den blonden Kopf der Tochter zu erreichen. „Marie— mein Kind—“ stammelte sie,„ich— ich— weiß— nicht—“, ihre Augen wurden merkwürdig groß.— Marie erbebte. Sie hatte noch nie den Tod gesehen, jetzt plötzlich aber fühlte sie erschütternd das Nahen seiner gewaltigen Majestät.— „Mutter! Meine Mutter!“ rief sie verzweifelt aus und sank vor der alten Frau auf die Knie:„Ach, verlaß mich nicht! Geh nicht von mir! Was soll dein armes Kind so allein auf dieser kalten Erde?“ Ihr Jammer rief noch einmal die entfliehende Seele zurück. „Du hast doch— Karle—“ rang es sich mühsam von den Lippen der Sterbenden:„Karle— ist— treu!“ Es waren ihre letzten Worte.—— Lange, lange saß Marie nun da, ohne ein Wlieb zu regen. Ans Spinnen dachte sie nicht mehr.— Dunkel und bleiern schlichen die Stunden hin. Es wurde Abend.— Endlich hörte das Mädchen die Haustür gehen und einen bekannten Schritt.— Karl kam von der Arbeit.— Einen Augenblick stand der Bursche lauschend int Flur— er war es gewöhnt, daß um diese Zeit die Räder noch gingen in der Witwenstube— die Stille beängstigte ihn. Nach einer Weile klopfte er leise an die Tür, Marie fuhr auf— wie aus tiefem Traum. „Herein!“ sagte sie mit trostloser Stimme.. Schüchtern betrat er die schlichte Stube. „Störe ich?“ fragte er unsicher— zagend. „O nein!— nein!“ Langsam hoh Marie den Kopf und sah ihn an— ihr Gesicht war verweint— die Augen noch voll Tränen.— 1 „Was hast du— armes Kind?“ fragte er bestürzt. „Sie ist tot!“ sagte da Marie fast feierlich und wies nach dem Fenster, wo ihre alte Mutter unbeweglich mit steinernem Gesicht vor dem Spinnrade saß— Auf dem Fensterbrett brannten ein paar lange, dünne Lichter. Armselige, tropfende Dinger waren es — aber sie gaben doch einen gewissen Glanz— Marie hatte sie hingestellt, um die Tote zu ehren.— Karl begriff alles— den Schmerz ebenso wie den Stolz ihrer Armut. Sauft und dennoch fest legte er seinen Arm um die schwache Mädchengestalt. „Du bist nun eine Waise—“ erklärte er bewegt, „aber i—ch, ich bin— dein Schutz! Weine nicht!“ „Karle—“ flüsterte Marie— unter Tränen lächelnd,„mein Karle!— Ach,— die Mutter hat's gesagt.“— „Was,— mein Kind?“— fragte er hütig. „Du verläßt mich nicht!“ „Nimmermehr!“ So ernst und feierlich klang das Wort,— fast wie ein Schwur. ——:— Heiße Sonnenglut lag über der einsamen Straße des kleinen Gebirgsdorfes. (Schluß folgt.) 8 Denkspruch. Jeder hat in seinem leden einen schönen Kindertag, wo er, wie die ersten Menschen im Parachiese, die Früchte des Feiches, so auch Liebe ohne Sorgen und Mühe findet. Ist dieser Cag ader vorüber. erwirbst du, wie dein Brot, so auch Liebe nur im Schweiße deines Araclichtes ##ne *