Amtliches Kreisblatt für den kreis börde Ge Scuntn Sehuer uden une enden Feiertagg. Bezugpprto M.„Poirnat, zadrüch, deli der Post sor Bestellgeid 42 Pla. wehr. Wöchenst. Grasisbellage:„Jüustrierten Samillenfreuns“ u. 14gl. Unterbaltungsbianl. Anzeigenpreis: Die Zedengespaltene ehn dern Raun 10 Plg. Anzeign une würs 1s Pig., Rehlomegelle 40 Pfg. Jeder Radan git als Kassamdal u. erlischl dei Nouworsen, Zwangsverzleichen, gencht. Klagmn Lichldeachtung d. gemacht. Jahlungsbedingung. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Verbunden mit. Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Verbunden mil. Ccwunter Gollzzeime Schwerter Volksblat Schwerker Tageblatt D Schwerker Anzeiger Grlles und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Enzeiger für den Kreis börde&am Gaupt-Hanonzenbias une dete und unbelenltgeüichn Dern aungen sot den Aento Horde erlaagen guse Bedtanntnachung der Abaiglichen Repierung duch Darosenlichag is dei„Schoue Jeitung“ rochtsoerdindliche Acoft.— D#e „Schwerter Zeilung“ gewödrt ihren Abonnen in für jeden alt Tod enbendes Uasad gn) bagunges 2 300 Mk. UnfallDruchu. Vrntage, Kon Swous Schorme= Petz, Feraip 62. Telagr. Adt. Braus Schwerte= Rudo K Nr. 263. Dienstag, den 9. November 1915. 47. Jahrgang. Der Berzweistn," Ner Gerben - Weiteres Vordtingen auf der ganzen Linie.— Bisher über 40bdd Gerben Girasebar besehl. Beschütze erbeulei.— Schwere Verlüsse der Aussen ber Anzeichen der Schwäche? (Von unserem Berliner NB.=Mitarbeiter.) Die billige Redekunst der zurzeit noch großen Männer in England und Frankreich ist bereits in ihrer inneren Bedeutungslosigkeit genügend beleuchtet worden. Herr Asquith hat schon am Tage nach seiner Unterhausrede von den hochgeborenen Lords nichts weniger als schmeichelhafte Dinge zu hören bekommen, und er geht, da er sich wieder einmal die Kleinigkeit von fünf Milliarden Mark vom Parlament bewilligen lassen muß, schwerer Auseinandersetzung entgegen. Im Oberhaus ist nach Lord Cromer, dem früheren Vizekönig von Aegypten, jetzt auch Lord Morley zu den Banken der Oposition übergegangen, und alles rüstet sich, ein frisch=fröhliches Schlachtfest zu begehen, das über kurz oder lang unsehlbar kommen muß. Herrn Briand, dem neuen Manne der Tat, werden die Franzosen dagegen wohl einige Schonzeit vergönnen. Vorläufig berauschen sie sich noch an seinen schönen stolzen Worten— ein Vergnügen, das man ihnen nicht stören soll. Daß aber auch dieser Mann der Tat von Einbildungen nicht frei ist, die sein Urteil trüben müssen, das unterliegt für uns schon jetzt keinem Zweifel. Als er von dem deutschen Balkan=Unternehmen sprach, meinte er, es bezeigge den Mißerfolg unserer Unternehmungen auf den Hauptkriegsschauplätzen. Weil unsere Offensive auf der französischen und russischen Front gebrochen wurde, sagte Briand, unternehme Deutschland jetzt diesen ablenkenden Schritt. Es suche dadurch die Meinung der Welt in Atem zu halten, für die so viele Monate verstrichen seien, ohne daß die von einer zügellosen deutschen Propaganda angekündigten Erfolge eintraten und sich die Anzeichen der Schwäche unter dem Anschein der Kraft zu enthüllen beginnen. Näher hat sich der französische Ministerpräsident über diesen Punkt nicht ausgelassen, wie wissen also nicht, welche Anzeichen der Schwäche er in Deutschland wahrzunehmen glaubt. Aber gewissenhaft, wie wir nun einmal sind, wollen wir Umschau bei uns im Lande halten, um zu sehen, ob Herr Briand recht hat oder ob er das Opfer von Selbsttäuschungen geworden ist, wie sie bei Männern seines Schlages allerdings keine Seltenheit zu sein pflegen. Am nächsten liegt da wohl der Gedanke, daß unsere wirtschaftliche Lage den Gegnern törichte Hoffnungen einzuflößen beginnen könnte. Es ist wahr, daß wir Wochen voller Unruhe und Unzufriedenheit hinter uns haben, daß die steigende Teuerung der wichtisisten Nahrungsmittel schwere Besorgnisse auslösen mußte und daß besonders ängstlich Veranlagte hier und da schon die Köpfe hängen ließen, weil sie eine kleine Hungersnot im Anzuge glaubten. Indessen das ist schon wieder vorübergegangen, und was noch zurückgeblieben ist, schreckt höchstens kleine Kinder. Einmal haben wir in den letzten Jahren stets und ständiz mit dem Herannahen des Winters ein Knappwerden unserer Vorräte und damit steigende Preise erlebt. Wer erinnert sich nicht noch der aufgeregten Notstandsreden, mit denen die Reichstagstagungen im November oder Dezember regelmäßig einzusetzen pflegten? Es gab viele Reden und Erhebungen und schließlich konnte auch nach dieser oder jener Richtung etwas Praktisches heschehen; im Grunde aber mußten die knappen und teuren Zeiten überstanden werden, weil sich hier Verhältnisse geltend machten, die von unserem Willen unabhängig waren und sich jeder Beeinflussung durch die gesetzgebenden Körperschaften entzogen. In Deutscher Tagesbericht. wtb. Großes Hauptquartier, 8. Nov. 1915. Westlicher Kriegsschauplatz In den Vogesen schlossen sich nordöstlich von Celles an die Besetzung eines feindlichen Minentrichters durch instre Truppen lebhaste Nahkämpfe mit Handgraniten und Minen an. Am Hilsensiest wurde dem Gegner ein vorgeschobenes Grabenstück entrissen. Leutnant Immelmann schoß gestern westlich von Douai das 6. feindliche Flugzeug ab, einen mit 3 Maschinengewehren ausgerüsteten Bristol=Doppeldecker. Heeresgruppe des General=Feldmarschalls von Hindenburg. Südlich und südöstlich von Riga, ferner westlich von Jakobstadt, beiderseits der Eisenbahn Mitau=Jakobstadt, und vor Dünaburg griffen die Russen nach starker Feuervorbereitung mit erheblichen Kräften an. Ihre Angriffe sind teilweise unter schweren Verlusten für den Feind abgeschlagen. Heeresgruppe des General=Feldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern Keine wesentlichen Ereignisse. Heeresgruppe des Generals von Linsingen. Russische Angriffe nordwestlich von Czartorysk blieben erfolglos. Drei Offiziere und 221 Mann blieben als Gefangene in unserer Hand. Balkan=Kriegsschauplatz. Oesterreichisch= ungarische Truppen haben Iwanjica und den Vijonac(896 Meter) 7 Kilometer nordöstlich davon erreicht. Deutsche Truppen sind im Angriff auf die Höhen südlich von Kraljewo. Zwischen Kraljewo und Krusevac ist die westliche Morava an mehreren Stellen überschritten. Krusevac ist bereits in der Nacht vom 6. zum 7. November besetzt. Ueber 3000 Serben sind unverwundet gefangen genommen und über 1500 Verwundete in den Lazaretten gefunden. Die Beute beträgt, soweit bisher festgestellt ist, 10 Geschütze, viel Munition und Material, sowie erhebliche Verpflegungsvorräte. Im Tale der südlichen(Binacko) Morava wurde Praskovce durchschtitten. Oberste Heeresleitung. :: Wien, 8. November. Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz. Bei Sapanow an der Ikwa. am Kormin. Bach und westlich von Czartoryst wurden russische Angriffe abgeschlagen. Sonst nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplaßz. Die Ruhe an der Südwestfront hielt im allgemeinen auch gestern an. Im Nordabschnit der Hochfläche von Doberdo hatten unsere Truppen wieder einzelne Vorstöße des Feindes abzuweisen. Um den Col di Lana wurde heftig gekämpft. Nachmittags fiel die Spitze dieses Berges in die Hände der Italiener: abends wurde sie von unseren Truppen durch einen Gegenangriff zurückgewonnen. Die seindliche Artillerie hat das Seuer auf die Südfroni von Riva eröffnet. Südöstlicher Kriegsschauplaß. Die beiverseits des Muravica=Tales vordringenden österreichisch=ungarischen Truppen warfen den Feind aus seinen Höhenstellungen nördlich von Ivanjica. Die deutschen Truppen der Armee des Generals v. Koeveß kämpfen auf den Höhen südlich von Kraljewo. Flußabwärts. bei Trstenik haben sich unsere Streitkräfte den Uebergang über die hochgehende Morawa erkämpft. Krusevac und die Höhen östlich davon sind in der Hand des Generals v. Gallwitz Die buefgarische Armee gewinnt in erfolgreichem Fortschreiten die Ausgänge in das Becken von Lessovac. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. v. Hocf edmarschalleutnant. Das weitere Einkreisen der Serben. I bb Budapest, 9. Nov. Aus Sofia wird gemeldet: Die Armeen Koeveß, Gallwitz und die bulgarische Armee gehen aus mehreren Richtungen gegen das serbische Heer vor. Die nördlich von Nisch und westlich von Slatina kämpfenden Serben sowie die sich südlich gegen Leskovac zurückziehenden Truppen sind gefährdet. Das Aufrollen der serbischen Armee setzt sich mit Pünktlichkeit fort. Durch das Vordringen der Truppen des Generals von Gallwitz von Parein nach Vavarin und der gleichzeitige Angriff der Bulgaren von Lukowa her besteht für die in dieser Ecke zwischen beiden Armeen eingekeilten Serben die Gefahr, abgequetscht zu werden. Die Franzosen wurden bis Krivolak von den Bulgaren hineingelassen und dann blutig (geschlagen. Sie flüchteten über den Wardar, angeblich drei Divisionen. Das umstrittene mazedonische Gebiet ist bereits vollständig besetzt. Die Bulgaren überholten Katschanik und gelangten in das Hauptkampfgebiet von Pristina. Es ist zu hoffen, daß die von Cacak in der Richtung auf Novibazar vordringende Armee des Generals Koereß mit den Bulgaren, die aus der Richtung Katschanik gegen Pristina vorrücken, zusammentreffen. — Es ist jetzt festgestellt, daß die zwölf Tunnels zwischen Pirot und Nisch nur wenig beschädigt sind. Jahre treten zu den natürlichen und ständig wiederkehrenden Ursachen der Teuerung noch die außerordentlichen Zustände des Krieges hinzu. Selbstverständlich muß da der Mangel in Vorräten sich noch viel empfindlicher bemerkbar machen, und es ist leider nicht zu bestreiten, daß hier und da auch sträflicher Eigennutz gewinnsüchtiger Elemente dazu beiträgt, die Mißstände noch über das Maß des Unvermeidlichen hinaus zu verschärfen. Aber unsere Regierungen sind schon dabei, auch auf diesem Gebiete Ordnung zu schaffen. Durchgreifende Verordnungen sind erlassen worden und werden unausgesetzt ergänzt und erweitert, um den Ver## brauch an notwendigen Lebensmitteln zu regeln und ihre Preise herunterzudrücken. Das wird sehr rasch dazu beitragen, den Mißmut zu verscheuchen. Außerdem aber dürfen wir auch in diesem Jahre darauf rechnen, daß der natürliche Gang unseres Wirtschaftslebens mit seinem ewigen Kreislauf von Verbrauch und Erzeugung nach und nach wieder den Ausgleich schafft, den wir bisher immer noch eintreten sahen. Auf dem Fleischmarkt sind die ersten Anzeichen einer Besserung schon wahrzunehmen; auch der Knappheit an Futtermittlen dürfte in absehbarer Zeit abzuhelfen sein. Dann kann es nicht mehr lange dauern, bis wieder einigermaßen normale Verhältnisse auf dem gesamten Ernährungsgebiete hergestellt sind. So liegen die Dinge, und Herr Briand ginge schmählich in die Irre, wenn er Anzeichen von Schwäche wahrzunehmen glaubt, wo wir lediglich vorübergehende Schwierigkeiten zu erdulden haben und erfolgreich bekämpfen. Ob Herr Briand unsere Balkanoffensive im Grunde seines Herzen wirklich für ein Verlegenheitsmanöver hält? Uns könnte es recht sein. Dem Vierverband ist jedenfalls bisher ein solcher„ablenkender Schritt" noch nicht gelungen; an sein Dardanellen=Unternehmen möchte er am liebsten nicht mehr erinnert sein, und von der Hilfsexpedition nach Serbien kann er sich auch keine goldenen Früchte versprechen. Wenn er den„Anschein der Kraft“ für sich in Anspruch nimmt, weil wir im Westen seit April nicht vorwärts gehen und uns im Osten nach der glorreichen Sommeroffensive jetzt auf die Defensive beschränken, so liegt darin eine für französische Macht= und Eitelkeitsgewohnheiten ganz ungewöhnliche Bescheidenheit. Die Tatsache steht jedenfalls fest, daß wir unsern Gegnern die Gesetze des militärischen Handelns vorschreiben, jetzt noch mehr denn je. Diesen Anschein der Schwäche wollen wir uns auch fernerhin gern gefallen lassen. —— Der drille Balkankrieg. Die Opferung Serbiens für England. Amsterdam, 8. Nov. Der„Telegraaf“ meldet aus Paris: Ein Korrespondent des„Petit Parisien“ hatte kürzlich eine Unterredung mit dem bevollmächtigten Minister Serbiens in Paris, Herrn Vesnitch, in der letzterer etwa folgendes erklärte: Man bewundert den Mut unserer Soldaten, aber auch unser Volk steht diesem Mute nicht nach. Sollten wir unterliegen, so wäre dies nicht dem Mangel an Tapferkeit zuzuschreiben, sondern dies darauf zurückgeführt werden, daß viele von uns blind sind und nicht den wahren Stand der Dinge erkennen wollen. Der Feind hat sich nicht mit seiner ganzen Streitmacht auf Serbien geworfen, dafür war unser Land Deutschland zu klein. Wenn er den Weg über Serbien genommen hat, so geschah dies in der Erwartung, auf diese Weise mit den Verbündeten, namentlich mit den Engländern, zusammenzutreffen, aber dies mußten wir verhindern. Uns fehlt nichts weiter, als etwas mehr Einigkeit in unserem gemeinschaftlichen Vorzehen. Deutschland hat durch sein Auftreten Bulgarien und die Türkei zu sich herüber#uriehen gewußt; geschehene Dinge lassen sich nicht mehr ändern, aber wir müssen zu verhindern suchen, daß noch andere neutrale Staaten in ihre Arme getrieben werden. Von der Donau bis zur Adria. Durch das Vorgehen der Oesterreicher an der bosnischen Grenze ist nun auch Montenegro in den Kriegsschauplatz auf dem Balkan einbezogen worden und die Angriffsfronten bedeutend erweitert. Aus dem österreichischen Kriegspressequartier wird berichtet: Durch Unternehmungen in der Umgebung von Trebinje ist der Kriegsschauplatz nunmehr beinahe bis an die Adria ausgedehnt. Der Angriff längs der Trebrschinjitza, sowie bei Bilek und Avtovac schreitet gegen die stark verschanzten mit italienischen Kanonen versehenen Bergstellungen günstig fort. Die Montenezriner widerstehen energisch; Kämpfe finden um die Berghöhen von 1100 bis 1600 Meter südöstlich Cacak statt; im Tale der Gojiska—Morawa schreitet der Angriff fort. Nur noch 88 Kilometer. Die Eisenbahn von Nisch zur bulgarischen Grenzstadt Zaribrod ist 342 Kilometer lang. Davon haben die von Süden nach Nisch vorgedrungenen Bulgaren 98 Kilometer in Besitz genommen. Nach den gestrigen Meldungen unserer Obersten Heeresleitung und des österreichischen Generalstabs ist die Armee des Generals von Gallwitz von Norden her in Paracin eingerückt. Die Bahnstrecke von Belgrad nach Paracin zählt 156 Kilometer. Somit sind also von uns und unseren Verbündeten 98 und 156 Kilometer gleich 254 Kilometer der serbischen Hauptbahn besetzt worden und es bleiben nur noch 342 weniger 254 Kilometer gleich 88 Kilometer übrig, die sich seit der Absendung der gestrigen Kriegsberichte höchstwahrscheinlich um etliche Kilometer vermindert haben. Der Weg von Belgrad nach Konstantinopel wird frei. Mit voller Sicherheit darf man behaupten, daß der Orientfeldzug als solcher mit der Einnahme von Nisch engültig für uns gewonnen ist. Nur höchstens noch 88 Kilometer, und wir sind mit unserer Aufgabe so gut wie fertig. Nisch für immer bulgarisch. WTB Sosia, 9. Nov. Anläßlich des Falles von Nisch telegraphierte der Generalissimus Schekow an den König: Ich bin überaus glücklich, Ew. Majestät berichten zu können, daß heute 3 Uhr nachmittags die Festung Nisch, ein fester Platz erster Ordnung, unter den Schlägen der siegreichen Ew. Majestät unerschütterlich ergebenen Truppen der 1. Armee fiel. Nach dreitägigen hartnäckigen Kämpfen gehört nunmehr die Stadt Nisch für immer dem bulgarischen Königreich und wird die Krone unseres verehrten obersten Führers schmücken. gez. Schekow.— Der König erwiderte: Ich beglückwünsche Sie auf das wärmste zu dem Falle von Nisch, der Hochburg der Treulosigkeit und der Lüge. Gott segne die Truppen! Die Hauptaufgabe der Bulgaren gegen die Serben beendet. TU Budapest, 9. Nov. Die Franzosen haben gestern 7 Regimenter von Saloniki mit der Eisenbahn nach Gewgheli befördert, von wo sie teils gegen Krivolac, teils in dem Abschnitt Valandowo—Strumitza vorgeschoben wurden. Zwei Regimenter sind von Saloniki nach Gewgheli zu Fuß aufgebrochen. Ein Teil englischer Truppen ist nach Doiran abgegangen, zunächst nur Kavallerie. Die englische Heeresleitung fordert, daß für den Abtransport täglich 20 Züge zur Verfügung stehen. Derartigen Anforderungen kann die Bahn aber nicht entsprechen. Die Franzosen haben in Saloniki Flugzeuge montiert und unternahmen schon Probeflüge, denen sich in Kürze Flüge nach Serbien anschließen werden. Die Hauptaufgabe der Bulgaren gegen die Serben ist nunmehr beendet; es bleibt nur noch übrig, die Reste der serbischen Armee kampfunfähig zu machen und die größeren Städte wie Pristina und Leskovac, die noch in den Händen der Serben sind, zu erobern. Die französische Niederlage bei Valandowo. TU Wien, 8. Nov. Ueber die französische Niederlage bei Valandowo erhält das„Neue Wiener Tageblatt“ aus Sofia folgende Meldung: Am 1. November meldeten die Aufklärungstruppen des 14. mazedonischen Regiments(Küstendil) das Herannahen einer französischen Division, die sich nach Fühlungnahme mit den bulgarischen Vorposten sofort in Gefechtsstellung entwickelte und langsam vordrang. Es waren die französischen LinienRegimenter Nr. 71, 79, 174, sowie ein aus Senegalesen bestehendes Kolonialregiment. In dem beginnenden Handgemenge wurde das 174. Regiment und die Senegalesen vollständig aufgerieben. Unter den wenigen Gefangenen befand sich auch eine größere Anzahl Pariser, da zwei der geschlagenen Regimenter seit Kriegsbeginn in Paris ihren Standort hatten. Das Schlachtfeld war mit fortgeworfenen Gewehren und Ausrüstungsstücken übersät. Die französischen Truppen zur Defensive gezwungen. bb Kopenhagen, 9. Nov. Auch nach französischen Meldungen scheinen die bisherigen Zusammenstöße zwischen der bulharischen Südarmee und dem Landungskorps von Salonikt nicht sehr glücklich für die englisch=französischen Truppen verlaufen zu sein. Die Engländer berichten aus Saloniki, daß die französischen Truppen zur Defensive übergegangen sind. Die Verbindung mit den serbischen Truppen, die um Aesküb in verzweifelter Lage kämpfen, ist noch nicht wieder hergestellt. Monastir in Erwartung des Angriffs. Turin, 9. Nov. Der italienische Kriegskorrespondent Magrini drahtet dem„Secolo“ aus Saloniki: Die Serben treffen alle möglichen Vorbereitungen, um Monastir hartnäckig zu verteidigen. Alle Personen, die irgendwie fähig sind, Dienste zu verrichten, werden herangezogen mit Ausnahme der bulgarischen Bevölkerung, die man jedoch zwingt, Laufgräben anzulegen. Die Zivilbevölkerung hat Monastir verlassen. Die Barmittel des serbischen Schatzamtes wurden nach Kukos gebracht Der Stadtkommandant richtete an General Sarrail ein dringendes Telegramm um sofortige Hilfe, erhielt jedoch die Antwort, daß dieser zunächst die ihm zur Verfügung stehenden Truppen konzentrieren müsse. Die bisherige Beute in Serbien. TU K. K. Kriegspressequartier, 9. Nov. In den letzten Tagen machten die Armeen Koeveß und Gallwitz einschließlich der 3000 in Krusevac gefangenen Serben 12000 Serben zu Gefangenen. Die Gesamtzahl der Gefangenen seit Beginn der Offensive erhöht sich nun dadurch auf rund 40 000 Mann. An Geschützen wurden, ungerechnet 80 gesprengte Geschützrohre, 340 erbeutet, nämlich 260 von der Heeresgruppe Mackensen und 80 von den Bulgaren. Hierzu kommen über 100000 Gewehre, zahlreiche Maschinengewehre, 15 Minenwerfer, Scheinwerfer, Schanzzeug, Bahnmaterial, Trainpark, Sanitätseinrichtungen, Vorräte u. Munition in großen Mengen. Der heimatlose König Peter. TU K. K. Kriegspressequartier, 8. Novbr. Aus sicherer Quelle verlautet, daß König Peter am 1. November noch in Jagodina, wo er eine Parade der Sumadia=Division ersten Aufgebots abnahm, weilte. Die Division ist von vier Regimentern auf eines zusammengeschmolzen. Am 5. November passierte König Peter Krusevac und setzte von dort die Flucht in südwestlicher Richtung nach Kurschumlija fort. 24 Millionen für Bestechungen. Unsere Angaben über die schon bekannt gewordenen Bestechungen bulgarischer Politiker durch den Vierverband versetzen die Oeffentlichkeit in Entrüstung. Es sind gegeben worden insgesamt 24 Millionen Franks, und zwar 18 Millionen französischen, 6 Millionen englischen Geldes. Die Beträge, die an einzelne der bloßgestellten Politiker bezahlt wurden, schwanken zwischen dreißigtausend Franks und einer halben Million. Das Geld wurde in der Form gegeben, daß die Bestochenen angeblich Getreide für die französische Regierung kaufen sollten. Tatsächlich befindet sich unter ihnen nicht ein Kaufmann oder Getreidehändler. Alle sind Politiker und Advokaten und haben erwiesenermaßen kein Getreide gekauft. Die Negierung beabsichtigt, die Liste der Bestochenen, die für das blanke Geld die Politik des Vierverbandes in Bulgarien verfochten, demnächst bekanntzugeben.— Das sind die Mittel, mit denen Engländer und Franzosen ihre Sache der„Gerechtigkeit und der Freiheit" verteidigen. Montenegro in Not. Wie„Rußkoje Slowo“ aus Cetinje meldet, richtete König Nikolaus von Montenegro an seinen Schwiegersohn, den König von Italien, ein längeres Handschreiben, in dem er den König dringend um Entsendung eines größeren Hilfsheeres bittet, da Montenegro sich in größter Not befindet. Der Feind habe in breiter Front die Offensive gegen Montenegro eröffnet und verwende zur Bezwingung des montenegrinischen Heeres bedeutende Truppenmengen. Trotzdem sich die montenegrinische Armee heldenhaft verteidige, stehe doch zu erwarten, daß sie nicht lange werde standhalten können. Anders wäre es, wenn bald rechtzeitig und ausgiebige Hilfe erscheinen würde. König Nikolaus bittet den König Viktor Emanuel inständig um Hilfe der italienischen Armee, da sonst die montenegrinische Armee dem Untergange preisgegeben sei. Das Handschreiben wird vom Ministerpräsident Mattynow in Rom dem König überreicht werden. Man hofft in den Kreisen um König Nikolaus, daß das Schreiben Erfolg haben wird. Im übrigen traf vor einigen Tagen für Montenegro aus England ein verhältnismäßig größerer Betrag ein, doch machte die englische Rierung die montenegrinische darauf aufmerksam, daß die englischen Banken überaus stark in Anspruch genommen seien und daß es nicht möglich sei, in diesem Jahre noch einen größeren Betrag nach Montenegro zu senden. Französische Hetze gegen König Konstantin. WTB Lyon, 9. Nov. Wie die„Republicain“ aus Saloniki meldet, ist durch die letzten Ereignisse in Griechenland eine antidynastische Bewegung hervorgerufen, die an die Bewegung im Jahre 1907 erinnert. Der Herd dieser Bewegung befindet sich in Kreta, dem Geburtsort Venizelos, Korfu und Mytilene. Auf Kreta sage man offen, der König müsse abdanken und in die Verbannung gehen, da er der nationalen Politik Venizelos abhold sei. In Korfu zerstörte die Menge einen Teil des Achilleion. Sie beendete die Zerstörung nicht, dank dem Eingreifen einiger Notabeln, denen es gelang, die Gemüter zu beruhigen. In Larissa und Korinth fanden öffentliche Versammlungen statt, in denen Tagesordnungen angenommen wurden, worin die Absetzung des Königs und die Einführung eines wirklich nationalen Regimes(gefordert wird. Sir Edward Greys Wahrhaftigkeit. Die„Nordd. Allg. Itg.“ stellt fest, daß Sir Erey am 28. Oktober im englischen Unterhause gesagt hat, vor dem 4. September 1914 habe kein Militärabkommen Großbritanniens mit Rußland bestanden. Dem gegenüber ist folgendes Tatsache: Dem Reichskanzler war bekannt, daß nach dem Besuch König Georgs in Paris im Frühjahr 1914 von dem englischen Kabinett beschlossen worden war, mit Rußland in Verhandlungen über ein Marineabkommen einzutreten, und daß diese Verhandlungen eingeleitet worden waren. Daß ihm diese Tatsachen bekannt seien, hat der Neichskanzler Sir Edward Grey zu Anfang Juli vorigen Jahres durch den Fürsten Lichnowsky andeuten und ihn warnend auf die Gefahren dieser Politik aufmerksam machen lassen. Das ist der Sachverhalt, der der ganzen Welt bekannt ist und nur dem englischen Volke von seinen Regierenden vorenthalten wird. Die Wiedergewinnung unserer Kolonien. WTB Hamburg, 9. Nov. In der vorigen Woche fand in Hamburg eine Versammlung der hiesigen, sowie Berliner und Bremer Südseefirmen statt. Aus diesem Anlasse wurde folgendes Begrüßungstelegramm an den Staatssekretär des Reichslolo= nialamtes gesandt: Die in Hamburg heute zu einer Besprechung vereinigten sämtlichen Südseefirmen entbieten Ew. Exzellenz ehrerbietigen Gruß und drücken die Hoffnung aus, daß der Widergewinnung der wertvollen Kolonien in der Südsee Ihre Fürsorge zuteil werde. Im Auftrage: M. Thiel. Hierauf ist folgende Antwort eingegangen: Für die mir übermittelten Grüße dankend, versichere ich den Vertretern der Südseefirmen gern, daß ich gleichmäßig für die Gewinnung unseres gesamten Kolonialbesitzes eintreten werde. — Der Krieg der Türkei. Das Mißlingen des Dardanellen=Unternehmens. „New York Times“ schreiben: Das Mißlingen des Dardanellen=Unternehmens muß auf die englisch=französische Diplomatie eine verhängnisvolle Wirkung ausüben. Was geschieht, wenn die Verbündeten diesen Feldzug verlieren? Es wäre vielleicht besser gewesen, diese Unternehmung nie zu beginnen. Jetzt tauchen Gerüchte auf, daß dieser Feldzug ebenso plötzlich abgebrochen wird, wie er begonnen wurde. Das würde das Ansehen der Verbündeten in Osteuropa zweifellos noch mehr schwächen. Am Beginne des Krieges gegen die Türkei sagte ein jeder: Das ist das Ende der Türken, ihre Zeit in Europa ist abgelaufen. Aber es war doch nicht so, wie es aussah. Bulgarische Truppen auf Gallipoli? Unter allem Vorbehalt sei eine Pariser Meldung der„Central News“ aus Motilene über Athen erwähnt, wonach 15000 Mann bulgarischer Truppen auf der Halbinsel Gallipoli angekommen und unmittelbar nach der Front gesandt worden seien. Aus Stadt und Umgebung. Rückblicke auf den Weltkrieg. 9. November, Der Fall von Tsingtan.— Kreuzer„Emden“. Zum Fall Tsingtau wurde gemeldet, daß der japanische Kaiser anordnete, der Kommandant Kapitän zur See Meyer=Waldeck, und die deutschen Offiziere sollten ihre Waffen behalten. 400 deutsche Gefangene blieben verwundet im Lazarett zu Tsingtau, die übrigen wurden nach Japan gebracht und an zehn verschiedenen Plätzen interniert; übrigens war und blieb die Behandlung durch die Japaner eine gute und zivilisierte. Die(gefallenen Deutschen wurden sämtlich in Einzelgräbern mit der Aufschrift:„Heldengrab“ beigesetzt.— Noch eine Trauernachricht ist von diesem Tajze zu melden: Der deutsche Kreuzer„Emden“, der den Engländern so viel zu schaffen gemacht hatte, wurde bei den Coco=Inseln im Indischen Ozean von dem australischen Kreuzer„Sidney“ angegriffen; nach hartnäckigem Gefecht wurde die„Emden“ in Brand geschossen und von der eigenen Besatzung auf Strand gesetzt. Der Kommandant v. Müller und die Ueberlebenden der tapferen deutschen Besatzung kamen in englische Gefangenschaft. Uebrigens widmete die englische Presse dem deutschen Kapitän und der Mannschaft warme Worte der Anerkennung. **(Kriegs=Freiwilligen=Einstellung.) Bei der 3. Matrosenartillerie=Abteilung werden am 1. Dezember 1915 Kriegsfreiwillige eingestellt. Es kom' men nur kräftig gebaute Leute in Frage, die noch keine Entscheidung über ihr Militärverhältnis erhalten haben und sich noch nicht zur RekrutenStammrolle anmelden mußten. Mindestmaß 1,64 Meter. Gesuche mit ausführlichem Lebenslaufe, polizeilichem Führungszeugnisse und Einwilligungs= erklärung des Vaters oder Vormundes sind sofort an das Kommando der 3. Matrosen=Artillerie=Abteilung in Lehe a. d. Weser zu richten. Die ärzt= liche Untersuchung wird alsdann beim zuständigen Bezirkskommando veranlaßt. **(Einschränkung des Fleisch= und Fettverbrauchs.) Noch immer sind bei Händlern wie bei Verbrauchern Unklarheiten über die Bestimmungen betr. die Einschränkung des Fleisch= und Fettverbrauchs vorhanden. Es besteht vielfach die Ansicht, daß an den Tagen, an denen die gewerbsmäßige Verabfolgunsg von Fleischwaren und Speisen, die ganz oder teilweise aus Fleisch bestehen, verboten ist, also Dienstags und Freitags, auch der Verkauf von Fett aller Art, insbesondere auch der Butter untersagt sei. Diese Auffassung ist irrig. Der Verkauf von Fett, als welches Butter und Butterschmalz, Oel, Kunstspeisefette aller Art, Rinder=, Schaf= und Schweinefett gelten, ist jederzeit gestattet. Metzger und Händler dürfen es daher auch Dienstaßzs und Freitags an die Verbraucher abgeben. Dagegen muß entgegen anderer Auffassung darauf hingewiesen werden, daß Fleischkonserven, Würste aller Art und Speck, Dienstags und Freitags ebenso wie Rind=, Kalb=, Schaf= und Schweinesleisch, sowie Fleisch von Geflügel und Wild aller Art nicht gewerbsmäßlg abgesetzt werden dürfen— weder in Wirtschaften, noch in Metzgereien, noch in Lebensmittelhandlungen. Schwein fleisch darf von den Metzgern und Händlern auch Samstags verkauft werden. Denn es heißt ausdrücklich, daß in Gastwirtschaften, Schank= und Speisewirtschaften, sowie in Vereins= und Erfrischungsräumen Sonnabends Schweinefleisch nicht verabfolgt werden darf. Während also an den ganz fleischlosen Tagen kein Unterschied zwischen Wirtschaften und Metzgereien und Handlungen gemacht ist, ist die Verabsolgung von Schweinefleisch am Samstag nur den Wirtschaften und dergl. untersagt, nicht dagegen Metzgern und Händlern. *e(Eisernes Kreuz.) Dem Unteroffizier Aug. Seelig aus der Bismarcstraße, der seit Anfang des Krieges auf dem Istlichen Kriegsschauplatz kämpft, ist das Eiserne Kreuz verliehen worden. *e(Der M.=G.=V.„Cäcilia") beschloß in seiner vorgestrigen Versammlung, auch in diesem Jahre für die Kinder der Vereinsmitglieder eine besondere Weihnachtsfeier mit Bescherung zu veranstalten und bewillikte für diesen Zweck den Betrag von 100 Mk. Das Patronatsfest soll in gewohnter Weise am Sonntag, 21. d. M., durch eine kirchliche Feier und Abendversammlung im Kordeck'schen Saale gefeiert werden. **(Grüße aus dem Felde.) Für die Zusendung der„Schwerter Zeitung" verbindlichsten Dank. Gefr. Kalle=Ergste.— Die herzlichsten Grüße aus dem Schützengraben senden die Schwerter Wehrleute Fritz Nork, Fritz Weber, Bruno Hoffert, Jos. Maiwurm, Wolf, Grotensohn, Fritz SchnellSchwerterheide, Musketier Franz Brandt. Es geht uns allen noch recht gut. Auf Wiedersehen! **(Stückgüter=Versand.) Mit Gültigkeit vom 1. November sind die Bestimmungen der EisenbahnVerkehrsordnung und des Gütertarifs auf Kriegsdauer dahin erweitert worden, daß der Absender Stückgüter nicht nur mit dem Namen der Bestimmunszsstation, sondern auch mit dem Namen der Versandstation und dem Tage der Aufgabe dauerhaft zu bezeichnen hat. Durch diese Maßnahme soll erreicht werden, daß die Güter bereits ladefertig aufgeliefert werden, so daß die bahnseitige Bezettelung entfällt. Fehlen die Angaben oder sind sie undeutlich oder unrichtig, so ist die Bezeichnung gegen die im Nebengebührentarif vorzesehene Gebühr auszuführen, sofern die Ergänzung nicht sofort auf Verlangen vom Absender nachgeholt wird. **(Preissturz für Schweine.) Auf dem gestree gen Dortmunder Viehmarkte sind die Preise für Schweine um 40 Pfg. pro Pfund Lebendgewicht gesunken. Die Hausfrauen werden diese Tatsache mit Freuden vernehmen, bedeutet sie doch den Anfang der Verbilligung des Schweinefleisches. Der Marktbericht meldet als Ursache des Preissturzes mangelnde Kauflust infolge der in Aussicht stehenden Höchstpreise für Schweinefleisch, dessen Ladenpreis nicht mehr zu erschwingen ist. Die fleischlosen Tage werden auf die Bestände gewiß auch nicht ohne Einfluß geblieben sein. ** Westhofen, 9. Nov.(Der hiesige Hilfsausschuß) wird in dieser Woche wiederum eine Geldsammlung für die Zwecke der Kriegsliebestätigkeit abhalten. Der Ertrag dieser Sammlung soll einesteils dazu dienen, den Kriegsteilnehmern aus Westhofen eine kleine Weihnachtsfreude zu bereiten, indem ihnen, wie auch im vorigen Jahre, ein Weihnachtspaket als Weihnachtsgruß aus der Heimat zugehen soll. Außerdem möchte der Hilfsausschuß, wie bisher, in den Kriegersamilien überall da helfend und ergänzend eingreifen, wo die Abwesenheit des Ernährers und sonstige Umstände eine besondere Notlage geschaffen haben. Es wird der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck gesgzeben, daß die Bürgerschaft auch zu dieser Sammlung freudig beitragen wird. ** Hohensyburg, 9. Nov.(Die Kaiser Wilhelm=Eiche) unserer Gemeinde, anläßlich des Todes Kaiser Wilhelms I. im Jahre 1888 gegepflanzt und inzwischen zu einem stattlichen Baume herangewachsen, wurde gestern, da sie leider im Laufe des Sommers eingegangen war, ausgegraben, um durch eine neue ersetzt zu werden. Grubenunglück. Hamborn, 8. Nov. Auf Schacht 3/4 der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser“ ereignete sich heute nachmittag gegen 5 Uhr eine lokale SchlagwetterExplosion im Flötz 12 auf der 5. Sohle, bei der 19 Bergleute zu Tode gekommen sind. Zwei Vergleute wurden schwer, fünf leicht verletzt. Die Verunglückten und die Verletzten sind sämtlich geborgen. Jede weitere Gefahr ist beseitigt. Die übrigen Grubenbauten sind durch Explosion nicht in Mitleidenschaft geiogen. Wetter=Aussichten für mehrere Tage im Voraus. 11. November: Ziemlich klar, angenehm. 12.— Milde, wolkig, strichweise Niederschlag. 13.— Wenig verändert, meist trübe. Verantwortlich für die Redaktion Friedrich Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte Nr 263. 2. Blatt. Dienstag, 9. November 1915. Das neue grlechische Fabinett. Ministerpräsident Stulndis. :: Die„Agence Havas“ meldet aus Athen, 7. November: Das neue Kabinett wurde unter dem Vorsitz von Skuludis gebildet, der das Ministerium des Aeußeren übernimmt. Die übrigen Mitglieder des Kabinetts Zaimis werden beibehalten. Das Kabinett wird morgen den Eid leisten. Wiederum hat König Konstantin bewiesen, daß er nicht willens ist, das griechische Volk der gefährlichen Politik auszuliefern, die der dem Vierverband verschriebene Venizelos erzwingen will. Er hat Skuludis, einen reichen, keiner Partei angehörenden Mann, der früher dem Lande als Diplomat gute Dienste geleistet hat, mit der Führung des Kabinetts betraut. Dieses setzt sich wieder aus denselben Staatsmännern zusammen wie das bisherige. Skuludis ist 80 Jahre alt. In den siebziger Jahren war er griechischer Gesandter in Madrid. Später gehörte er einem griechischen Ministerium als Kultusminister an. Als es im Jahre 1897 während des griechisch=türkischen Krieges infolge der Niederlagen Griechenlands zu Unruhen in Athen kam, entließ der König, am 29. April 1897 das Ministerium Delyannis und übertrug die Bildung des neuen Ministeriums an Rallis. Unter diesem war Skuludis Minister des Aeußeren und zeigte sich damals sehr geschickt in der Regelung der griechisch=türkischen Fragen. An den glücklichen Leiter kankonfliktes auf der letzten Londoner Konjener Verhandlungen erinnerte man sich in Athen, als es sich um die Lösung des Balferenz handelte. Skuludis wurde mit der Vertretung der griechischen Interessen betraut, und aufs neue bewährte er seine diplomatische Geschicklichkeit. Da auch der Kriegsminister, durch den der Konflikt entstand, aus dem vorigen Kabinett auf seinem Posten geblieben ist, muß mit der Auflösung der Kammer und Neuwahlen gerechnet werden. Das Kabinett Skuludis hat demnach den Charakter eines Geschäftsministeriums. Es ist nicht anzunehmen, daß es handelnd oder gar entscheidend in die gewaltigen Weltereignisse eingreifen wird; vielmehr wird die Haltung Griechenlands aller Wahrscheinlichkeit nach unverändert neutral bleiben. * Die griechische Kammer wird verlagt. :: Die„Agence Havas“ meldet aus Athen, 7. November: Nach Mitteilungen aus politischen Kreisen wird die Kammer in 10 Tagen vertagt werden, da dann die verfassungsmäßig vorgesehene Dauer von drei Monaten für die regelmäßige Session erfüllt ist. Die Venizelisten sollen dieser Lösung zustimmen, welche gestatten würde, eine Auflösung und Neuwahlen zu vermeiden, deren Ergebnisse angesichts der Mobilmachung ungewiß sind. Nach einer weiteren Meldung aus Bularest hat sich Venizelos bereit erklärt, das Kabinekt Skulndis zu unterstützen, um der Auflösung der Kammer vorzuheugen. Der Krieg auf dem Schwierigkeiten des Salonikier Hilfsheeres. Pariser Blättermeldungen aus Saloniki zufolge sind die Bewegungen des englisch=französischen Expeditionskorps in Südmazedonien infolge Mangels an Eisenbahnen und Straßen äußerst langsam. Die Hilfsquellen des Landes seien außerdem durch die Balkankriege erschöpft. Man begegne immer wieder unerwarteten Schwierigkeiten. Kürzlich hätten die Franzosen, da keine Pferde vorhanden waren, ihre Batterien mit Büffeln in Stellung bringen müssen. Ferner sei die Witterung äußerst ungünstig. Alle Straßen und Wege seien von den letzten Regengüssen aufgeweicht und grundlos geworden. Die krikische Lage des Serbenheeres. :: Aus Sofia, 8. November, wird gemeldet: Mit der Eroberung von Nisch gestaltet sich die Lage der serbischen Armee westlich der Morawa äußerst kritisch. Die nächsten Kämpfe sind bei Kruschewatz zu erwarten. Die Verbündeten stehen mit ihren Truppen bereits 10 Kilometer nördlich von Kruschewatz.(Am Sonntag standen die deutschen Truppen bereits dicht vor Kruschewatz.) Die Serben können die Stadt nicht halten. Versuche der französischen Truppen, vom besetzten Kriwolakpaß aus in nördlicher Richtung vorzudringen, um den bedrängten Serben Hilfe zu leisten, sind gänzlich aussichtslos. Zwischen Serben und Franzosen schiebt sich ein Keil von zwei Fronten, gebildet durch bulgarische und mazedonische Truppen, dessen Spitze sich bei Pristina befindet. ::„Die Gefechtsfühlung mit den Bulgaren, die bei Krivivir(im Norden von Nisch hergestellt wurde, ist gestern noch fester und inniger geworden. Aus dem Raum von Strumitza nächst der bulgarisch=serbischgriechischen Grenze zieht sich bis zur Drina eine in enger Kampfgemeinschaft vorseloen g Eag projektiert #0 60 urrOte Karfe von Süd-Serbien mit seinen Nachbarstaaten. zum Sinken gebracht. Fast die ganze Besatzung ist gerettet. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Der Verlust des kleinen Kreuzers ist bedauerlich. Es handelt sich aber um eins unserer ältesten, noch in Dienst stehenden Kriegsschiffe. Der kleine geschützte Kreuzer „Undine“ ist am 11. Dezember 1902 vom Stapel gelaufen. Er hatte eine Wasserverdrängung von 2700 Tonnen, eine Schnelligkeit von 21,5 Seemeilen und war armiert mit zehn 10,5=Zentimeter=Geschützen. Das Schiff war 104 Meter lang und hatte eine Besatzung von 281 Mann. ruckende, geschlossene Front. Die Herstellung der Gefechtsfühlung geschah in dem Kalkgebiet, das sich zwischen dem Gebirge Golubinje und dem Pyramidenmassiv des Rtanj Im Krivivir ausdehnt. Die bulgarischen Truppen, die Boljevac genommen hatten, tießen längs der Crna, zwischen 900 Meter hohen Bergen vorgehend, bei Lukowo auf neuen Widerstand serbischer Abteilungen, die den Versuch machten, den Vormarsch an den ion der Lukawica zur Erna fließenden ßächen aufzuhalten. Sie wurden geworfen, ind die bulgarischen Kolonnen erreichten uun, über die Hochebene Kalafac weiter wingend, Krivivir. Die bulgarischen Koonnen hatten sich mittlerweile Abteilunen der Armee Gallwitz genähert, die bei saraein aus der allgemeinen Stoßrichtung egen Varvarin genommen und zur Vereini##g mit den Bulgaren nach Osten ansesetzt worden waren. Durch das Felsenor der Crnica nahmen sie ihren Weg längs ser Bahnlinie. Bei Krivivir konnten sie lie Verbindung mit den bulgarischen Buneesgenossen herstellen.“ Ueber die sonstigen Operationen auf em Balkankriegsschauplatz meldet E. Lennoff: „Der allgemeine Vormarsch machte festern(Sonnabend) weitere Fortschritte. Im Tale der Moravica sind die durch den Engsaß der Klisura vorgedrungenen k. und k. Streitkräfte im Begriff, gegen die Höher nördlich Ivanjica vorzustoßen. Hart an Fluß, zwischen klippigen, steilen Kalkfelser und schroffen Zinnen, an denen alte Ruiner kleben, drangen die Truppen vorwärts. 20 Meter hohe Kalkmauern stürzen zu der lan gen, bisweilen nur 30 Meter breiten Klisuraschlucht ab. Ein von einem Hain uralter Bäume umgebenes Kloster schmiegt sich ihnen an. Die Schlucht wurde überwunden, der östlich sie beherrschende Gradnio Brgo und die sich westlich anlehnenden Höhen wurden in heftigen Kämpfen erobert. Und weiter wurde der schwere Weg fortgesetzt. Ueber den Kurort Prilike und die bei Varjace mündende Grawovica wurden die Kuppen angegangen, die im Norden Ivanjica, die höchste Stadt Alt=Serbiens, Käumen.. g..,. E. Eatigg Mfani. Auch im Berglano der Jelica Planing geht es tüchtig vorwärts. Die hier operierenden Truppen stehen nördlich Kaona bereits 25 Kilometer südlich von Cacak. Au Wegen, die sich zwischen nackten und manch. mal leicht bewaldeten Höhen hinziehen, streben sie nach Süden. Oestlich des in harten Straßenkämpfer von deutschen Truppen eroberten Kraljewe sind k. und k. Verbände in erfolgreichem Vordringen über die die westliche Morawo] daß die englische Regierung seine Erfah nördlich säumenden Höhen. Auch der rechte rungen und Kenntnisse ausnutzen wolle Flügel der Armee Gallwitz ist mit seinem rechten Flügel ins Morawabecken nördlich Krujevac vorgedrungen. Die Beute von Kraljewo. :: Die in Kraljewo erbeuteten 130 Kanonen wurden nach einer Genfer Meldung des„Verl. Lok.=Anz.“ von der französischen Kanonenfabrik Creusot geliefert. Sie sind alle das neueste Modell. Gegen die belgische Spionage. :: Durch feldgerichtliches Urteil wurden, wie aus Brüssel gemeldet wird, wegen Eisenbahnspionage drei Belgier zum Tode und ein Belgier zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Verurteilten haben seit Anfang Februar dieses Jahres an zwei Eisenbahnlinien sämtliche zur Front gehenden und von dort zurückkommenden Eisenbahntransporte für den feindlichen Nachrichten. dienst notiert und diesem übermittelt. DaUrteil wurde bestätigt und vollstreckt. Amerikas Einspruch in London. :: R e u t e r m e l d e t: D i e a m e r i k a n i s c h Note an Großbritannien über die Beein trächtigung des amerikanischen Handels durch die britische Blockade bestreitet das Recht der Beschlagnahme von Waren, die für neutrale Länder bestimmt sind, sowie die Beschlagnahme von Schiffen auf den bloßen Verdacht hin, daß sie Bannware führen. Ferner bestreitet die Note die Wirksamkeit der Blockade und erklärt schließlich, daß die Vereinigten Staaten die Verteidigung der Rechte der Neutralen übernehmen. Kitcheners geheimnisvolle Sendung. Der englische Kriegsminister Lord Kit. chener ist mit einer Sendung betraut worden, über die ein gewisses Dunkel schwebt. Nach der Mitteilung des englischen Pressebureaus stattet er dem Kriegsschauplatz im Osten einen kurzen Besuch ab, während ihn der Ministerpräsident Asquith so lange vertritt. Der Kriegsschauplatz im Osten kann nun sowohl der Balkan wie Gallipoli als auch Aegypten sein. Wohir mag er nun gereist sein? Bei den Besprechungen seiner Entsendung in der englischen und auswärtigen Presse wird besonders darauf hingewiesen, daß Lord Kit chener ein genauer Orientkenner sei und Der Krieg zur Untergang des kleinen Kreuzers „Undine :: Amtlich wird bekanntgegeben: Am 7. November, nachmittags, wurde der kleine Krenzer„Undine“ bei einer Patrouillen= fahrt südlich der schwedischen Küste durch zwei Torpedoschüsse eines Unterseebooten kungen und Kenninise„KonugenWolle., Der„Agence Havas“ zufolge hat Kit chener seine Reise zum Kriegsschauplatz in Orient in Paris unterbrochen. Er hatti dort Besprechungen mit dem Ministerpräsi ten Briand und den Generalen Joffre un Gallieni, die eine vollkommene Ueberein stimmung betreffend die Balkanexpeditio und die Overationen im Orient ergaben Deutches Aech. — Berlin, 8. November 1915. :: Höchstpreise für Fische. Die Einführung von Höchstpreisen für Fische, die von Bundesrat grundsätzlich bereits beschlosse, vurde, ist in allerkürzester Zeit zu erwarsen, da am Fischmarkt infolge der neu ein jeführten zwei fleischlosen Tage namentlich n den Großstädten sich unerhörte Preisreibereien eingestellt haben. :: F l e i s c h= u n d S p e c k k a r t e n. W i e d a s Berl. Tagebl.“ hört, steht die Verbrauchs. regelung für Fieisch und Fett durch Einführung von Flüsch= und Speckkarten nahe bevor. :: Verheiratete Lehrerinnen im Dienst. Verheiratete Lehrerinnen dürsen während der Dauer des Krieges nötigenfalls im öffentlichen Schuldienst beschäftigt werden. Sie können als Vertreterinnen Dienst tun. Diesen Bescheid hat der Unterrichtsminister auf die Eingabe einer Lehrerin erteilt und ihr anheimgestellt, sich an die Regierung zu wenden, in deren Bezirk sie beschäftigt zu werden wünscht. Der Bescheid ist jetzt den Abteilungen für Kirchen= und Schulwesen sämtlicher Regierungen mitgeteilt, worden. 2 :: Hessische Toleranz. Als vorbildlichen Burgfrieden und höchst bemerkenswertes Zugeständnis bezeichnet das„Verl. Tagebl.“ folgende Anordnung der Schulbehörden im Großherzogtum Hessen: Da während des gegenwärtigen Krieges ein noch nie dagewesener Lehrermangel eingetreten ist, haben die maßgebenden Schulbehörden die Anregung gegeben, daß in den Gemeinden, in denen Mangel an evangelischen Volksschullehrern besteht, die Lehrer katholischer Konfession den evangelischen Religionsunterricht in den Unterund Mittelklassen erteilen; ist ein Mangel an katholischen Lehrkräften vorhanden, dann können evangelische Lehrpersonen den katholischen Religionsunterricht in den Unter= und Mittelklassen der Volksschulen, geben.— Die Toleranz, die in dieser Weise in Hessen geübt werden soll, in Ehren! Aber die Anordnung geht doch zu weit. Gegen den Religionsunterricht der Lehrer an Kinder anderen Bekenntnisses bestehen denn doch wohl zu große Bedenken. Wir meinen, daß es an Orten, wo katholische und evangelische Lehrer unterrichten, auch Geistliche der beiden Konfessionen gibt. Sie sind die berufenen Persönlichkeiten zur Vertretung der eingezogenen Lehrer im Religionsunterricht. Und sie werden sicherlich diese Arbeit in der Schule gern auf sich nehmen, selbst wenn sie auch infolge der Einberufung jüngerer Geistlicher wenig freie Zeit haben. :: Die Bedeutung der Höchstpreise wird noch nicht überall richtig verstanden. Der Höchstpreis ist der höchste zulässige Preis, der für eine Ware, für die Höchstpreise festgesetzt sind, vom Landwirt, Händler oder Kaufmann gefordert werden darf. Einen geringeren Preis zu nehmen, steht jedem frei. Ein grober Irrtum ist es auch, wenn in den beteiligten Handelskreisen angenommen wird, daß ohne Rücksicht auf die wirklichen Selbstkosten der Höchstpreis überall verlangt werden kann. Es ist der Fall sehr gut denkbar, daß eine Bestrafung wegen Lebensmittelwucher auch eintreten kann, wen- nur der Höchstpreis verlangt wird. Die kann geschehen, wenn der Einkaufsoder Produktionspreis des Verkäufers so tiek unter dem Höchstpreise liegt, daß der Richter den verlangten Gewinn für wucherisch hält. Bei der Schwere de. Strafen, die auf Lebensmittelwücher stehen— es kann sogar auf Verlust der Ehrenrechte erkannt werden— ist es durchaus nötig, daß sich die Verkäufer von Lebensmitteln über diesen Umstand klar werden. :: Bundesratsverordnung über Dele und Fette. Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am Montag eine Verordnung über Oele und Fette beschlassen. Sie hat den Zweck, die tierischen und pflanzlichen Oele und Fette, die für die menschliche Ernährung verwendbar sind, für diese sicherzusatzbeschränkung und die Verpflichtung fest, die Vorräte an Oelen und. Fetten dem Kriegsausschuß für pflanzliche und tierische Oele und Fette, G. m. b. H. in Berlin, auf Abruf zu bestimmt vorgeschriebenem Preise zu überlassen. Dem Kriegsausschuß liegt die Verteilung der Rohstoffe an die beteiligten Industrien und der von ihnen hergestellten Erzeugnisse ob; der Reichskanzler erläßt die näheren Bestimmungen hierüber. Er bestimmt insbesondere, an welche Stellen und zu welchen Preisen die Waren abzugeben sind. * Die Londoner„Times“ meldet aus Peking vom 5. November: Die Mehrheit der Provinzen stimmte für die Errichtung der Monarchie mit Inanschikai als Kaiser, ohne daß Mißbilligung bekundet wurde. Der japanische Geschäftsträger besuchte heute den Minister des Aeußern, um Aufklärung zu erbitten über die Antwort, die China auf den neulichen gemeinsamen Rat Japans, Rußlands und Englands gab, den Regierungswechsel aufzuschieben. Die chinesische Regierung erklärte, daß sie es für unmöglich halte, ohne Unruhen befürchten zu müssen, der Bewegung Einhalt zu tun, die sich seit zwei Jahren entwickelt habe und jetzt ausreife. Die Regierung habe aus dem ganzen Lande keinerlei Berichte beunruhigenden Charakters erhalten. Städtischer Viehhof, Dortmund. Dortmund, den 8. November 1915: Zu dem heutigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieden: 2070 Stück Großvieh. 322 Kälder, 38 Schafe, 1232 Schweine. Bez. f. 100 Pfd. Wn„"S 56 I. Mulloes. 88 SB Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästele höch. 8S E sten Schlachtwertes, die noch 00 nicht gezogen haben(ungejocht) 70—73 125—130 b) vollfleischige, ausgemästete, im Alter von 4—7 Jahren... 62—66 116—124 c) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete... 48—56 100—116 d) mäßig genährte junge, gut genährte ältere—— Bullen: a) vollfleischige, ausgewachs. höchsten Schlachtwertes.... 56—62 96-107 d)vollfleischige, jüngere.... 48—5491—102 c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere. 38—43 79—90 Färsen u. a) vollfleischige, ausgemästete FärKühe: sen höchsten Schlachtwertes. 70—75125-134 b)vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren....... 62—68 119-131 chältere, ausgemästete Kuhe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen..... 52—59 104-118 d) mäßig genährte Kühe u. Färsen 42—46 94.104 e) gering genährte Kühe u. Färsen 34—38 70—90 Gering genährtes Jungvieh(Fresser)—— 2. Kälber a) Doppelender, feinste Mast..—— d) seinste Mastkälber 78—82 126-132 c) mittlere Mast= und deste Saugkälber 70—75 117—125 d)geringe Mast= und gute Saugkälber 64—68 110—117 e) geringe Saugkälber 57—62100—108 J. Schafe Stallmast= a) Mastlämmer und jüngere Mastschafe: hammel.....— b) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe—— c) mäßig genährte Hammer und Schafe(Merzschafe)—— Weide= a) Mastlämmer—— mastschafe: b) geringe Lämmer und Schafe— 4. Schweine. a) Feltschweine, über 150 kg. 3 Zentner Lebendgewicht—— d) vollfleischige Schweine von 120—150 kg(240—300 Pfd.) Lebendgewicht 108-112 135-140 c) vollfleischige Schweine von 100—120 kg(200—240 Pfd.) Lebendgewicht 104-112 130140 d) vollfleischige Schweine, 80—100 Kg. (160—200 Pid.) Lebendgewicht. 82-104 102-130 e) vollfleischige Schweine, unter 80kg (160 Pfd.) Lebendgewicht 82-104 102 130 ]) Sauen 96-108 120-135 ParocbialLebrerkonferenz Schwerle=Westhosen Miltwoch, 10. Nov; nachm. 4 Uhr, bei Quadbeck. Vortrag: 5194 Deutscher Glaube und deutsche Sitte im gegenwärtigen Kriege fl. Qual. Pfd. 40 Pfg. 80 E. Wonnderg. Puppen-Klinik. Alle Reparaturen an Puppen schnell und billig. Sämtliche Ersatzteile, wie Köpfe, Arme, Beine 2c. Anfertigung von Puppenperücken gut und billig. Ferner empfehle meine Haararbeiten, wie Perücken, Jöpse, alle Ersatzleile von garantiert ungesärbten Naturhaaren jed. Farbe in all. Preislagen. Anton Süttmana. 4983 Bismarck= und Wilhelmstr.=Ecke.— Filiale in Ergste Veranntmachung. Für die bei der Stadt Schwerte abgelieferten Metallgegenstände(Nickel, Kupfer, Messing) erfolgt die Auszahlung der Beträge bei der Stadtkasse hierselbst gegen Vorlage der Anerkenntnisbescheinigung und zwar der Nummern: 1 bis 400 am 10. Nov., vormitlags 9—12 Uhr 401" 800„ 11.„„ 9-12 801„ 1200„ 12.„„ 9—12 1201„1557„ 13.„„ 9—12 Kinder sind zur Empfangnahme der Gelder nicht berechtigt. Schwerle, den 3 November 1915. 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J. erlitt unser Schlackenfahrer Särl Baccker den Heldentod für das Vaterland. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. 5203 Eisenindustrie zu Menden u. Schiuerte Aktien-Gesellschaft. Für unsere Soldaten empfehle aus Regenhaut, Oel-Batist und Leder wasserdichte Mäntel Kragen 5163 1 Pfd. schwer, von 15 Mark an. wasserdichte Westen mit und ohne Futter, von Mk. 5.50 an. Ernst Müller. Ostemztrig. 8 Patterwurzein. empfiehlt 5207 L. Weinberg. Aaiger. Buchhandlung CARL BRAUS Schwerte(Ruhr), Grosse Marktstrasse 8—5. im Makulaturpapier empfiehlt billigs Carl Braus, Schwerte(Nuhr) 0 * 7 „Ganz gewiß habt ihr euch gezankt. Unseretwegen. Ach, ich kenne dich ja ganz genau. Du hast nichts auf uns kommen lassen wollen. Ja, ja, so ist es. Otto, lieber, lieber Junge, mach' dich nicht unglücklich! Fahr mit, laß die Malve nicht allein fahren. Wir beide, Vater und ich, wollen gern zurückstehen; unser bißchen Leben kriecht doch bald ins Grab. Fahr mit, Otto! Dein Glück darfst du unseretwegen nicht aufgeben; wir wollen ja kein Zipfelchen von dir. Ihr braucht nie wieder zu kommen, wenn es der Malve bei uns nicht gefällt. Nun. fahr, fahr!“ „Mutter!" Der gelehrte, kluge Doktor hatte Tränen in den Augen und sank vor der alten Frau in die Knie. „Mutter, ich bleibe unwiderruflich...“ „Darf ich auch bleiben, Mutter?“ klang da eine zaghafte Stimme von der Tür her. Und dann im Näherkommen:„Otto, verzeihe mir meine Lieblosigkeit und meine bösen Worte.“ Nun sank die schlanke Mädchengestalt neben dem Manne in die Knie und barg ihren Kopf in Mutter Heidereuters Schoß. „Ich habe gelauscht,“ bekannte sie stammelnd,„ich habe alles gehört. Verzeihe mir, Mutter.... Otto, bitte für mich... Ich bin ein dummes, böses Ding.“ Da fühlte sie zwei Hände auf ihrem Haupte, eine schwielige und eine weiche, schlanke. Und der Besitzer der schlanken Hand, sagte zärtlich leise:„Meine liebe, kleine, dumme Malve.“= — Dann redete auch Mutter Heidereuter.„Gott sei Tank, daß du bleibst, Kind, der Otto wäre elend, unglücklich geworden.“.Und Malve bekannte:„Ich auch, mein Mütterchen.“ E Vater Mozarks Lehren an seinen Sohn. Die Musikgeschichte hietet kaum ein ähnliches Beispiel für die starke und innige Abhängigkeit eines genialen Sohnes von seinem Vater wie das Verhältnis des jugendlichen Wolfgang Amadeus zu Vater Mozart; die ganze musikalische Jugend des Sohnes ist ein Ringen um eine Fortentwicklung von dem künstlerischen Einfluß des Vaters, und erst die Wiener Zeit bringt dem Schöpfer des„Don Juan“ die volle innere Unabhängigkeit. Noch am„Idomeneo“ ist der bestimmende Einfluß des Vaters auf die Komposition des Sohnes unverkennbar und weitreichend; wie schön sich aber in diesem Verhältnis von Vater zu Sohn Künstlerisches und Menschliches vermählen, zeigen in neuer Beleuchtung eine Anzahl bisher unveröffentlichter Briese Vater Mozarts, die Ludwig Schiedermair in seiner bei Georg Müller erschienenen großen Publikation der„Briefe W. A. Mozarts und seiner Familie“ vorlegt. Die Brieje versetzen uns in die Jahreswende 1780/81, Wolfgang Amadeus weilt in München und arbeitet noch am „Idomeneo", indes von Salzburg aus der um das Wohlergehen und die Fortschritte seines berühmten Sohnes besorgte Vater Mozart mit Ermunterungen, Ratschlägen und Lehren nicht kargt. Der Vater sucht das Textbuch zu verbessern, erleichtert dem Sohne die Arbeit, indem er dessen Anregungen prüft und zum Teil selbst auszuführen sucht; am 4. Dezember schreibt er an Wolfgang: „Alles, was Du angemerket, wird gemacht werden. Du weißt, daß ich auch die unterirdische Rede schon zu lang gefunden. Ich sagte ihm meine ganze Meinung, und es wird nun so kurz werden, als es immer möglich ist. Wir sind vergnügt, daß die Probe so gut ausgefallen.“ Er fürchtet nur, daß das Orchester der Musik seines Sohnes nicht volle Gerechtigkeit widerfahren lassen könnte: „Ich habe gar keinen zweifel noch sorge für Deine Arbeit, wenn nur die production gut ist, das heist, wenn nur gute Leute zur Ausführung da sind,— und die sind da, — ich bin also ohne Sorge, aber bey einem mittelmäßigen Orchester wird Deine Musik immer verlieren, weil sie zu vernünftig für alle Instrumente und nicht so platt, wie die italiänische Musik überhaupts geschrieben ist.“ In seiner Sorge um den Erfolg des Sohnes mahnt Vater Mozart sogar ernstlich, der Phantasie gewisse Schranken aufzulegen und das große Publikum, das er selbst nicht sonderlich hoch einschätzt, nicht ganz aus den Augen zu verlieren: „Ich empfehle Dir Bey Deiner Arbeit nicht einzig und allein für das musikalische, sondern auch für das ohnmusikalische Publikum zu denken,— Du weist, es sind 100 ohnwissende gegen 10 wahre Kenner,— vergiß also das genannte populare nicht, das auch die langen ohren Kitzelt.“ Auf die Bitte des Sohnes schickt er ihm aus Salzburg zwei„Trompetten Sordini“ nach München und ist trostlos, daß er ihm die gewünschten„Waldhorn Sordinen“ nicht schicken kann:„Allein die gehören den 2 thurnergesellen, welche nicht in Salzb: sondern beym gewöhnlichen adventblasen auf dem Lande sind.“ Aber tröstend fügt er hinzu: „Die Hauptsache kommt ja ohnehin nur auf die Trompetten Sordinen an, das ist was fremdes und neues. Die Waldhornisten haben zu allen zeiten schon solche piano gemacht und sich mit hineinstecken eines schnupfduches geholfen, da es leichter als bey der Trompete Thunlich ist, weil sie den Kessel nahe bey der Hand haben, alle Waldhornisten wissen so einen piano vortheil.“ An besorgten Verhaltungsmaßregeln läßt es der welterfahrene Vater nicht fehlen, dringend warnt er den Sohn, sich vor Kabalen zu hüten: „Was die Kabalen anbelangt, kann man die Leute nicht besser beschämen, als wenn man gegen diejenigen, die meine feinde sind, außerordentlich freundlich und höflich. Dadurch werden sie verwirrt, und beschämt und verliehren vieles von ihrem muth und ihrer krafft zu schaden.“ In jenen Tagen war im Hause Mozart Schmalhans noch Küchenmeister. Um Wolfgangs Garderobe ist es nicht gerade zum Besten bestellt, und die ganze väterliche Besorgtheit klingt durch die Geschichte von Wolfgangs schwarzem Kleide, das ihm Anfang Dezember von Salzburg nach München nachgeschickt wird. „Das schwarze Kleid wirst Du mit dem Postwagen erhalten haben, es wäre schon eher gekommen, aber am Feiertag war nichts zu haben, sodaß nichts dran gemacht werden konnte. Blieb mir also nur der Sammstag übrig, um in der geschwindigkeit das nötigste ausflicken zu lassen. Unter einem Ellebogen ist ein abscheulicher schmutzfleck vom aufleinen, der nicht heraus zu bringen, vielleicht ist iemand in München so geschickt, doch zweifle sehr, er ist so sehr eingepicht, zum guten glück ist er an so einem ort, wo man wenig davon sieht.“ Auch damals war nicht alles Gold, was glänzte... ** C. K. 13 Bumor. Dir wie mir. Rechtsanwalt(dem sein schriftstellernder Freund den ersten Akt eines neuen Stückes vorliest):„Wie willst du denn daraus fünf Akte machen? Das ist doch ein ganz armseliger Stoff!“ Schriftsteller:„Aber ich bitte dich! Hast du denn ganz vergessen, daß der Held gleich am Anfang in einen Prozeß verwickelt wird?"— „„„ O .— für den Kreis börde Amtliches Kreisblatt Unterhaltungs Beilage zu Nr. 263. Dienstag, 9. November 1915. An, eunkten(Psarrn. Roman von A. Hottner (3. Fortsetzung.) lüchtig dachte Baron von Werbach daran, daß er und Elisabeth eigentlich ganz allein im Hause waren, denn Josef schlief unten in seinem Kämmerchen neben dem Stalle, und die alte Hanne hatte das Zimmer im gegenüberliegenden Hoftrakt bezogen, wo früher immer die Wirtschafterinnen gewohnt hatten. Keins von beiden konnte man durch einen Ruf von hier aus verständigen. Blitzschnell zuckten alle diese Erwägungen durch Werbachs Gehirn. Aber jetzt war keine Zeit, um nachzudenken. Jetzt galt es nur, Elisabeth vor Schreck und Aufregung zu schützen! Leise verließ Werbach das Zimmer. Sehr vorsichtig nahm er aus dem Pistolenkasten seinen sechsläufigen, scharfgeladenen Revolver. Dann ging er mit unhörbaren Schritten über den weichen Teppich bis zu der Tür, welche in sein Arbeitszimmer führte. Die Tür war nur angelehnt. Leise drückte er gegen sie. Der Spalt wurde größer! So, jetzt konnte er schon hindurchsehen! Drinnen in dem Arbeitszimmer, demselben Raum, wo er vor wenigen Stunden mit Elisabeth gesessen, hatte er selbst die Lampe früher ausgelöscht. Und doch quoll ihm nun ein schwacher Lichtschein entgegen. Ein flackernder, unsicherer Schein, der aufflammte, erlosch, wieder aufflammte—— Der Baron öffnete die Tür noch weiter. Josef hatte alle Angeln gut geölt, sie knarrte gar nicht. Jetzt übersah der Lauscher schon das ganze Zimmer. Und nun sah er auch, dort in der Ecke, neben seinem Schreibtisch, eine beinahe ungeheuerliche Gestalt in einem riesigen Mantel, mit einer Autokappe, von der das schwere Rückenteil hinabhing, und einer ganz unkenntlich machenden Brille. Die Gestalt entzündete ein Streichholz nach dem anderen, und beim unsicheren Schein dieser Hölzchen neigte sie sich über die Papiere, welche dort auf dem Schreibtische lagen. Wie ein Schlag durchzuckte es den Mann. Das waren Elisabeths Dokumente: ihr Taufschein— alle ihre anderen Papiere, die sie ihm heute abend gleich übergeben hatte, und— das wichtigste von allen— der Trauschein! Diesen hatte er heute am Nachmittag schon herausgerichtet, um ihn morgen zur Hand zu haben, wenn er mit Elisabeth, wie er es sich vorgenommen, nach Grefe. (Nachdruck vervoten.) Salzburg hineinfuhr, um dort bei Gericht ihren Namen anzumelden. Alles dies lag noch beisammen dort auf der dunkelgrün bezogenen Platte des Schreibtisches! Diese Papiere, die einzigen Beweise, daß Elisabeth seine rechtmäßige Gattin war, durften unter keiner Bedingung in fremde Hände gelangen. Mit einem raschen Satze sprang er in das Zimmer hinein. Einen Augenblick später hatte er, immer den Revolver festhaltend, die seltsame Gestalt von rückwärts umklammert. Ein leiser Aufschrei, ein verzweifeltes Wehren gegen seine Kraft begann, dann war es der Eingedrungenen gelungen, die rechte Hand Werbachs zu erfassen. Krampfhaft hielten die schmalen, weißen Frauenhände diese Hand fest, zwischen deren Fingern der Lauf der Pistole aufblitzte. „Die Brille herunter, sonst schieße ich!“ knirschte Werbach.„Du Lump, du Dieb!“ Kein Laut kam von den Lippen der seltsamen Gestalt. Nur ein Stöhnen rang sich los aus tiefster Brust. Aber sie hielt die Hand des Barons noch immer fest. Das Wachshölzchen, welches bei Werbachs Ueberfall noch fortgebrannt hatte, zischte leise auf und erlosch. Um die beiden, welche da einen stummen, verzweifelten Kampf rangen, Brust an Brust, herrschte nun tiefe Finsternis. „Ergib dich!“ stieß Werbach hervor, welcher fühlte, daß die Kräfte seines Gegners nachließen. „Nie!“ Das war das erste Wort, welches die seltsame Erscheinung atemlos hervorstieß; aber dieses eine Wort machte, daß Werbach entsetzt losließ und zurücktaumelte. Ein gurgelnder Laut kam von seinen Lippen, fast ein Schrei. In diesem Augenblick, da die Gestalt des Einschleichers sich plötzlich befreit fühlte von dem umklammernden linken Arm Werbachs, taumelte auch sie. Loslassend, streisen die Finger ihrer Hände hin über das kalte Eisen der Pistole. Ihre unsicheren Finger berührten den Stecher und drückten darauf, ohne daß sie es wußte. Da krachte ein Schuß durch das Haus. Ein kurzer, dumpfer Schrei klang nach. Dann drehte sich Werbachs Körper schwerfällig zur Seite und fiel der Länge nach hintenüber auf den weichen Teppich.— Und dann war alles still— totenstill. 45 Jahrgang O Grites und äuelles Cagesorgan des Kreiles. O Haupt-Aunoncenblatt S.08 S □— S S 00 „Ludwig!“ Wie ein Röcheln kam es von den Lippen der Stehenden. Mit einem raschen Griff riß die Gestalt in dem Automantel die Brille herab. Eine Sekunde später lag die Frau neben dem Baron am Boden auf den Knien. „Ludwig! Geliebter! Mein alles!“ Ihre starken, schmalen Hände rissen ihn empor, aber schwer sank sein Körper zurück. Und jetzt, da ein leichter Mondschimmer in das Zimmer fiel, jetzt sah sie, daß seine Augen halb geöffnet starr auf sie gerichtet waren wie in einer furchtbaren, stummen Anklage. Mit einem wilden Schrei des Entsetzens sprang die Fremde empor. Einen Herzschlag lang stand sie reglos, wie betäubt, an den Schreibtisch gelehnt. Da klang drunten im Garten ein Schritt. „Herr Baron,“ rief Josef herauf,„Herr Baron! Sind Sie wach? Ich habe etwas gehört— ein Geräusch. Soll ich hinaufkommen? Können Sie mir das Haustor öffnen?“ Die Gestalt hatte wie in einem furchtbaren Schreck die Hände vor das Gesicht geschlagen. Aber gleich ließ sie diese wieder niedersinken. Ihre tastenden Finger griffen nach den Papieren, welche auf dem Schreibtisch lagen, und rissen diese an sich. Dann warf die Frau einen verstörten Blick auf den bewegungslos Daliegenden. Und jetzt glitt sie geräuschlos um den Schreibtisch herum nach dem Erker, welcher das Gemach nach einer Seite hin abschloß. Sie hatte vom Schlafzimmer her leichte Schritte vernommen. Nun hörte man dieselben schon deutlicher. Im selben Augenblick klang vom Erker her ein leises Knarren, ein Schieben— gleich darauf war alles wieder ruhig. Elisabeth stand in ihrem lang nachschleppenden, weißen Nachtgewand auf der Schwelle zum Nebenzimmer. „Ludwig— um Himmelswillen— was geht hier vor? Josef ruft, du sollst ihm unten aufschließen!" Keine Antwort kam. Nur der Sturm ließ draußen die Bäume lauter aufrauschen. „Ludwig!“ rief sie abermals. Die junge Frau entsann sich, heute abend dort am Schreibtisch eine Kerze gesehen zu haben. Zögernd setzte sie den Fuß vor. Da stieß sie an einen Gegenstand, der quer vor dem Schreibtisch lag. Sie bückte sich rasch. Ihre Hand fuhr tastend über einen hingestreckten Körper. Um Himmelswillen! Das war ja ein Mensch. Fast unfähig, zu denken, erhob sich Elisabeth und griff tastend nach der Zündholzschachtel. Ob sie da war? Da— jetzt hatten ihre Finger die Schachtel erfaßt. Nun brannte sie eins der Hölzchen an. Voll fiel der Schein auf Ludwig von Werbachs Züge, welche wie erstarrt schienen; er fiel auch auf das kleine runde Loch in der Schläfe, aus dem ein dünner Faden Blutes sickerte. Mit einem leisen, ächzenden Laut, wie niedergestreckt von einer furchtbaren Erkenntnis, fiel Elisabeth von Werbach neben dem Toten besinnungslos zu Boden. 2. Kapitel. Die Entdeckung des alten Josefs. Der alte Josef war, als er den unsicheren Schein des Wachs zündhölzchens aufflammen und dann wieder verlöschen sah, unschlüssig noch eine Sekunde lang auf dem schmalen Gartenweg stehengeblieben und dann nach vorn geeilt, um durch das Haustor Einlaß zu finden. In der Aufregung, welche ihn plötzlich beinahe übermannte, vergaß er gänzlich, daß es viel einfacher gewesen wäre, vom Garten aus über die Freitreppe auf die Veranda zu lausen, dort ein Fenster einzudrücken und auf diesem Wege das Zimmer seines Herrn zu betreten. Sein Kopf war schon ein wenig müde, seine Gedanken verwirrten sich. Er war schon über der Zeitung ein Weilchen eingenickt gewesen, aber da schien es ihm, als höre er irgendein verdächtiges Geräusch, das Klirren einer Fensterscheibe oder sonst etwas. Halb im Schlafe war er emporgetaumelt und direkt von dem Seitenhöfchen aus nach dem Garten gelaufen. Aber der Herr antwortete nicht auf sein Rufen, das er doch hätte hören müssen. Weiß der Himmel, was da los war! Und dann — was war denn das für ein leichter, dumpfer Knall gewesen? Oder hatte ihn sein Ohr getäuscht? Freilich, er war in letzter Zeit oft von einer unangenehmen Schwerhörigkeit befallen. Nun stand er vor der Haustür. Zuerst wollte er rasch aufschließen, aber da fiel es ihm ein: der Schlüssel lag ja drüben in seinem Zimmerchen? Also hatte er stark und andauernd geklopft, denn er wollte nun nicht mehr viel Zeit verlieren und erst wieder zurückgehen, den Schlüssel zu holen. Und nun stand er und horchte, ob wohl jemand käme, ihm zu öffnen. Aber drinnen im Hause blieb alles still. Josef pochte noch einmal und lauschte wieder. Deutlicher vernahm er trotz des Sturmes, welcher sich erhoben hatte und in den weißen Haaren des alten Mannes wühlte, das gleichmäßige Ticken der Schwarz= wälder Pendeluhr auf der Diele. Dann heulte plötzlich drinnen„Harro", der große Bernhardiner des Freiherrn, welcher in der Nähe der Treppe auf Fellen seine Lagerstätte hatte, laut auf. Josef vernahm, wie das Tier, von der Treppe in schweren Sprüngen herbeieilend, sich von innen gegen die Haustür warf. „Harro!“ rief Josef durch den Sturm.„Hol' den Herrn, Harro!" Der Hund sprang zurück wieder die Treppe empor. Man vernahm dies deutlich. Dann hörte Josef auch, wie das gewaltige Tier sich droben mit der ganzen Wucht seines schweren Körpers gegen die Tür zum Zimmer seines Herrn warf. Und wieder drang das dumpfe Aufheulen herab bis zu dem alten Manne. Dieses Geheul mußte der Herr doch auch hören. Aber niemand kam. Langsam ging Josef zurück um das Jagdschloß herum. Er wußte nicht recht, was er tun sollte. Wohl war ihm bange, denn er glaubte, ganz deutlich einen Knall vernommen zu haben, während er über seiner Zeitung duselte. Aber der Herr müßte doh auch etwas gehärt haben? Und trotzdem er einen unsicheren Lichtschein droben im Arbeitszimmer hatte aufflamnen sehen, war niemand ans Fenster getreten, um ihm zu antworten. Der Baron war manchmal sehr sonderbar; er hatte in der Einsamkeit, welche er von jeher stark bevorzugte, eigenartige Gewohnheiten angenommen. Nichts war ihm lästiger als eine aufgedrungene Sorgfalt, als ein Einmengen in seine Privatangelegenheiten. Wenn er nun absolut nicht ausmachen wollte aus irgendeinem Grunde, der Josef freilich unfaßbar war? Der greise Diener ging unschlüssig dahin über die schmalen Wege des Gartens. Er blickte empor zu den Fenstern, auf welche nun hell der Mond schien. (Fortsetzung folgt.) W □ Denkspruch. Wenn wir einig bleiben, bilden wir einen harten, schweren Klotz inmitten Europas, den nien and anlaßt, ohne sich die Linger zu zerquetschen. Sismarck. Das Stärkere. Novellette von Retznag. (Schluß.)(Nachdr. vervoren.) „Du meinst, du hast dir meine Eltern und mein Vaterhaus ganz anders vorgestellt!“ fuhr er auf.„Du bist ja gar nicht offen! Sage doch einsach: die beiden Alten sind gräßlich; denn sie essen mit dem Messer, und das fällt mir auf die Nerven. Sie haben schwielige Hände wie gewöhnliche Tagelöhner. Ihr Haus ist eine erbärmliche Kate und...“ „Otto,“ bat sie beschwichtigend,„verstehe mich nicht falsch! Deine Eltern sind ganz gewiß gute Leute.. „Du bist ungemein liebenswürdig,“ unterbrach er sie spöttisch. „Ganz gewiß gute Leute,“ wiederholte sie unbeirrt. „Aber ihre Eigenart ist mir fremd; ich weiß nicht, wie ich dir das sagen soll.“ „Dann will ich es dir sagen,“ brauste er nun auf. „Sie sind dir nicht vornehm, nicht gebildet genug. Aber das wisse: Sie nehmen es in ihrer Herzensbildung mit jedem„Gebildeten“ auf.. Also du willst heute wirklich fort?“ fragte er zuletzt, ruhiger werdend. „Ja, wir wollen so schnell wie möglich abreisen.“ „Wir? Ich bleibe.“ „Aber du wirst mich doch nicht allein fahren lassen? Selbstverständlich kommst du mit!“ „Selbstverständlich bleibe ich hier,“ entgegnete er bestimmt. „Das kannst du ja gar nicht, dazu hast du mich viel zu lieb,“ sagte sie schmeichelnd und sah ihn mit ihren schönen, dunklen Augen lächelnd an. Dieser Blick nahm seinem Zorn die Härte. Er ergriff ihre beiden Hände und sagte:„Malve, Kind, ja, ich habe dich lieb, sehr lieb. Und ich weiß auch, daß du mich liebst. Aber ich werde trotzdem nichts tun, was meine guten, alten Eltern verletzen könnte. Und ich werde selbst von dir nicht dulden, daß du abfällig über sie sprichst. Sieh, ich verdanke ihrer Treue alles. Sie haben ein ganzes Leben voller Sorgen auf ihre Schultern genommen, um mich zu dem zu machen, was ich geworden bin.....“ Und nun sei meine vernünftige Malve und gib deine Absicht auf. Dann soll diese Stunde nicht gewesen sein.“ „Otto, ich will fort, ich muß fort! Ich halte es hier nicht aus... Das armselige Schlafzimmerchen mit dem knirschenden Sande am Fußboden, das Bett mit seinen entsetzlichen Kissen, die so schwer wie Mühlsteine auf mir lasteten, daß ich unter ihnen zu ersticken glaubte, die schrecklich fette Hühnersuppe gestern abend und die Blechlöffel...“ Er entzog ihr seine Hände plötzlich mit einem Ruck und fuhr fort:„Waren auch ein fürchterliches Malheur. Ganz gewiß. Aber zu silbernen Lösseln fehlte das Geld. Das hat alles der Herr Sohn genommen.“ Er lachte spöttisch.„Und die Hühnersuppe! Und... und... Ja, weißt du denn nicht noch mehr solcher schönen Sachen?“ Wieder kam das Lachen. Und als er danach ihren empörten Blick sah, sagte er:„Ja, es ist wirklich zum Lachen. Also du bist so kleinlich, der Blechlöffel und der dicken Betten wegen auf deiner Abreise zu bestehen?" JJa. Und du kommst nicht mit?“ „Nein, entschieden nein,“ gab er fest zurück. „Und wenn ich dich sehr bitte?“ „Auch dann nicht!“ Sie fraß sich immer mehr in ihren Trotz hinein und versuchte ein letztes Mittel.„Wenn dir deine Eltern lieber sind als ich, dann... dann brauchst du nie, nie zu kommen.“ „Malve!“ „Ich lasse dir die Wahl zwischen deinen Elkern und mir.“ „Malve, du bist ein Trotzkopf, der auf alle Fälle seinen Willen durchsetzen möchte.“ „Nein. Ich will nur deine klare Entscheidung.“ „Und ich sage dir, du treibst ein freventliches Spiel mit unserer Liebe.“ „Kommst du mit?“ „Nein!“ „Gut. Ich reise. Und unsere Verlobung ist von dieser Minute an aufgelöst.“ „Ist das dein letztes Wort, Malve?“ 0 Er preßte die Lippen aufeinander und verbeugte sich kühl. Dann sagte er tonlos:„Ich werde dafür sorgen, daß der Wagen in einer Stunde zur Verfügung steht.“ „Wortlos, wie zwei Fremde, schritten sie den Waldweg zurück. Mutter Heidereuter war im höchsten Grade ängstlich aufgeregt und ratlos wie ein Kind. „Aber um Himmelswillen, Otto, warum will sie denn fort?“ „Das kann ich dir nicht sagen, Mutter.“ Dabei blieb der Doktor. Er ging in der Wohnstube auf und ab. Immer nach ein paar Schritten blieb er stehen und lauschte auf den hin und her eilenden schnellen Tritt über ihnen in der Erkerstube. Malve packte. Sie ging also wirklich, und Otto Heidereuter begrub in dieser Stunde seine Liebe und sah einen Irrtum ein. Und er fand eine Wahrheit: Malve war ohne Gemüt und Herz. Er hatte das bis jetzt nicht geglaubt. Nun mußte er es erfahren... Und in sein schmerzliches Grübeln und Sinnen klang wieder die aufgeregte, von nahen Tränen kündende Stimme seiner Mutter. „Aber dann mußt du dich doch auch fertig machen, Jungeken. Es ist ja in einer Viertelstunde so weit... Ach, es ist jammerschade, daß ihr fort wollt. Heute mittag sollte es dein Leibgericht geben: Hammelrippen und Rührkartoffeln.“ Der seelisch tief erschütterte Doktor, dem in diesen Minuten Hammelrippen und Rührkartoffeln so furchtbar gleichgültig waren, blieb plötzlich stehen und lächelte. „Mutter, laß nur, die kkriegen wir schon. Und die sollen uns fein schmecken. Wir haben dann wenigstens keinen bei uns, dem es nicht schmeckt.“ Nun hatte er sich in seinem Grimm doch verschnappt. Er hätte es gern ungeschehen gemacht. Aber Mutter Heidereuter hatte längst begriffen. „Na ja, das habe ich schon gestern gedacht, daß es deiner Braut bei uns nicht gefallen würde. Und nun ist's wirtlich so. Tu lieber Gott, was habe ich denn versehen? Ach, ich bin krenzunglücklich, und meine Schuld ist es ganz allein, daß sie fort will.“ Und dann fiel ihr plötzlich ein, daß der Sohn von seinem Bleiben gesprochen. Und nun kam diese ihr unfaßbare. Erklärung an die Reihe.„Und du willst bleiben? Aber Otto, du wirst doch deine Braut nicht aklein fahren lassen? Du mußt ja mit!“ „Ich bleibe, Mutter. Malve ist meine Braut gar nicht mehr.“ „Deine.. Braut nicht mehr..?“ Mutter Heidereuter brach in ein heftiges Weinen aus. Jammernd klagte sie sich als Schuldige an. c K Smh Wzzuarmmmmrrindker=cirrerrnrreteurarerrenrrcerErniktnrnirinnrnmirnnuncamilinilimonnrmmtrenrirmrermnttmttrititmnnge Gebröder 905 PISCTPEN A 9 50 CHIk W S U a Jackenkleider aus tarbigen, blauen u. schwarzen Stoffen in allen modernen kurzen und langen Formen S S 25.50 39.60 68.50 66.00 Sinmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm S Aaran u Garnierte Kleider aus Seide, Wolle, in karierten, farbigen, schwarzen und blauen Stoffen, in moderusten Formen sstrachen-Wäntel u. Jacketts nur jugendliche Formen aus besten Stoffen Morgenröcke aus Flausch, Eiderlaunen-Stoffen mit seidenem Riegel and Blenden und gestepptem Allasbesatz Wollblusen aus modernen einfarbigen und karierten Stolfen, in nur apartesten, neuesten Maoharten, in hochgeschlossener u. offener Form 80 85.00 Farb. Paletots u. 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