8 25 Amtliches Kreisblatt für den kreis börde Ho Sdumtm Seiuer ucen anden Feiertags. Bezugsprtz M. Poiernt. zadrich, dei der Post für Bestellgeid 42 Pla gedr. Wöchenll. Grafsbeilage:„Jünstrienter Famillenfreund“ u. tägl. Unterdaltungsdiatt. Anzeigenpreis: Die Bedengespaltene Petitzetloder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von ausSars 1s Pla., Retlamezelle 40 Plg. Jaden Radat gil als Kassamdan a. erlischt dbes Nondocsen, Zwangsvergleichen, gerichl. Klogen u.; Micsuchzugd grnagt. Jehungseningne. Westhotener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblan Verbunden mit? Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Dolkszeitung Schwerker Cageblatt ∆ Schwerker Anzeiger Grstes und älteltes Cagesorgan des Krelles c General-Anzeiger für den Kreis Börde om Haupt-Aanonrenbiat alu. Artie, end leheigellzelichen B. sungen iür den Areis Hörde erlanger geu 4 Betanavnochung der Abaiglichee Regienung durch Deröstentlichung is der„Schwerin Jeitung“ uchtoerdindliche Kroft.— Die Schwerter Zeitung“ gewödrt idree Adoonesin jür jeden mil Tod endenden Unfad ge300 Mk. Unfall. Druch u. Verlags. Cor Prov. Schwure:. Nu Femip. 62. Telagr. Adr. Braus Schwarts= Nr. 253. Donnerstag, den 28. Oklober 1915. 47. Jahrgang. Stttenn serbischt Gebanentg Vereinigung der beutschen und bulgärischen Streilkräfte. Erfolge bei Dünaburg.— Lusitzampfe im Westen.— Abslauen der slallenischen Ofsensive. TU Sofia, 28. Okt. Nach den letzten Nachrichten von der Front werden die nördlich Prahowo längs der Donau vordringenden bulgarischen Truppen von der bereits südlich Petrowoselow stehenden ( deutsch=österreichischen Armee nur noch durch das Gelände getrennt. Die serbischen Streitkräfte, die versuchten, sich als Riegel zwischen die der Vereinigung zustrebenden deutschen und bulgarischen Truppen zu schieben, haben die Aussichtslosigkeit dieses Unterfangens eingesehen und sind nach Südwest ausgewichen. Ihre Nachhut hält nur noch die große Landstraße besetzt, die von Klocjievac schnurgerade nach Zajecar führt. In der Nähe von Kussiac fielen den Bulgaren mehrere an versteckter Stelle liegende serbische, mit Munition und anderem Kriegsmaterial beladene Transportschiffe in die Hände, die die Serben bei ihrem letzten Rückzuge nicht mehr zu versenken vermochten. In den letzten Tagen sind mehrfach über den auf diesem Geländeabschnitt operierenden bulgarischen Truppen deutsche Flieger erschienen. Sie werden als erste Boten der heranahenden Streitkräfte der Zentralmächte von den Bulgaren mit denkbar größtem Jubel begrüßt.— Die Kämpfe um das bereits völlig zusammengeschossene Dorf Knjazevac dauern noch immer an, befinden sich jedoch im letzten Stadium. Die hier stehenden Serben verteidigen sich, obwohl sie längst von ihren rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten sind, hartnäckig in ihren gut ausgebauten Stellungen.— Der groß angelegte Vormarsch auf Nisch macht sowohl im Norden wie im Süden unaufhaltsam weitere Fortschritte. Die Bulgaren sind jetzt auch in den Besitz von Orejac gelangt, so daß sie Herren des TimokFlusses sind, fast von der Quelle bis zur Mündung. Ihre äußersten Spitzen sind in der Luftlinie nur noch wenig mehr als 40 Kilometer von Risch entfernt. Deutscher Tagesbericht. wtb. Großes Haupiquartier, 28. Oktober 1915. Westlicher Kriegsschauplatz An der Straße Lille—Arras entwickelte sich gestern abend nach einer französischen Sprengung ein unbedeutendes Gefecht, das für uns günstig verlief. Nordöstlich von Massiges drangen die Franzosen im Handgranatenkampf an einer schmalen Stelle in unsere vordersten Gräben ein; sie wurden nachts wieder daraus vertrieben. Im Luftkampf schoß Leutaant Imelmann das fünfte feindliche Flugzeug ab, einen französischen Doppeldecker mit englischen Offizieren, die gefangen genommen sind. Zwei weitere seindliche Flugzeuge wurden hinter der feindlichen Linie zum Absturz gebracht. Eines davon wurde von unserer Artillerie völlig zerstört, das andere liegt nördlich von Souchez. Oestlicher Kriegsschauplatz Heeresgruppe des General=Feldmarschalls von Hindenburg. Südlich der Eisenbahn Abel—Dünaburg drangen unsere Teuppen in der Gegend von Tymschany in etwa 2 Klm. Breite in die russische Stellung ein, machten 6 Offiziere, 450 Mann zu Gefangenen und erbeuteten ein Maschinengewehr und 2 Minenwerfer. Die gewonnenen Stellungen wurden gegen mehrere russische Angriffe behauptet. Nur der Kirchhof von Szali(1 kmn nordöstlich von Garbonowka) wurde nachts wieder geräumt Heeresgruppe des General=Feldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern Nichts Neues. Heeresgruppe des Generals von Linsingen. Oestlich von Czartorysk ist unser Angriff bis an die Linie Komarow=KanienuchaHöhe südöstlich Kiedwiece vorgetragen. Oestlich von Visegrad wurde Dobrun genommen. Die Armeen der Generale von Köveß und von Gallwitz haben den Gegner überall, wo er sich stellte, geworfen. Mit den Hauptkräften wurde die allgemeine Linie Valjevo—Moravci(am Ljig)— Topola erreicht und östlich von Jaseniez=Raca und beiderseits Svilajnac die Resava überschritten. Im Pektal ist Neresica genommen. Die südlich von Orsowa vorgehenden Kräfte erbeuteten in Kladovo 12 schwere Geschütze. In Ljubicivac(an der Donau, östlich von Brza=Palanka) wurde die unmittelbare Verbindung mit der Armee des Generals Bojudjeff durch O fiziers=Patrouillen hergestellt. Der rechte Flügel dieser Armee folgt dem Gegner von Negotin in nordwestlicher und südwestlicher Richtung Um den Besitz von Knjazevac wird weiter gekämpft. Oberste Heeresleitung. Oesterreichischer Tagesbericht. nfrant hält an 91 Die Regierung von morgen. Ein Zug tiefer Unzufriedenheit geht ziemlich gleichmäßig durch alle Hauptstädte der gegen uns verbündeten Länder. In Paris besonders wälzt sich die öffentliche Meinung wie ein vom Fieber geschüttelter Kranker unruhig hin und her. Man weiß nicht recht, was man will; nur daß es so nicht bleiben kann, wie es ist, darüber sind die Franzosen sich einig. Man weiß auch nicht recht, wo der eigentliche Sitz des Uebels ist, unter dem man so schwer zu leiden hat; aber da in solchen Verlegenheiten sich immer die Regierung als die bequemste Zielscheibe aller Angriffe gleichsam von selbst darbietet, so müssen die Herren Viviani, Millerand und Genossen auch diesmal wieder ihren breiten Rücken herhalten. Die Regierung von morgen, sagt der„Temps“, ja, die kann, wenn sie entschlossen vorgeht, auf unser Vertrauen rechnen aber mit der Regierung von heute ist er fertig, von der will er nichts mehr wissen. Und um ganz deutlich zu sein, fügt er offen hinzu, daß gleichzeitig im Londoner Kabinett tiefeingreifende Veränderungen vorgenommen werden müßten, da für die Fehler der Verbandsdiplomatie, die jetzt auf dem Balkan so betrübend hervortreten, nicht allein der kleine Herr Delcassee verantwortlich zu machen sei, Um Wien 27. Oktober Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz. Die Vertreibung der Russen westlich von Lzartorysk schreitet trotz der heftigen Gegenvehr des Feindes fort. Sonst nichts Neues. Italienischer Der italienische Angriff auf unsere küstenländische Front wurde gestern nicht mehr mit so großem Aufwand an Menschen und Munition wie in den früheren Schlachttagen fortgeführt. Der Feino zögert mit dem Einsatze seiner zurückgehaltenen Kräfte. Mehrere Angriffsversuche gegen die Kru=Stellung kamen über ihre Aufänge nicht hinaus. Wiederholte Angriffe auf den Tolmeiner Brückenkopf wurden wie immer abgewiesen. Der Abschnitt von Plava„stand zeitweise unter Trommelfeuer. Ein Angriff bei Globna wurde zurückgeschlagen; bei Plava vermochte die italienischg, Ju: fanterie nicht mehr vorzugehen. Im schnitte des noch immer unter schwerem Feuer stehenden Brückenkopfes von Görz drang der nachmittags hier angreifende Feind in ein kleiaes Grabenstück ein, das er jedoch nachts wieder verlor. Das Geschützfeuer gegen die Hochläche von Doberdo hat bedeutend nachgelafen. Die Angriffstätigkeit der Italiener an der Dokomitenkrant hült an. Barttigg. srarige gegnerischer Kräfte gegen den Col di Lona und den Sief=Sattel scheiterten. Unser Spital in Noverto wurde mit Brisanz=Granaten beschofsen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Oestlich von Visegrad entrissen unsere Truppen dem Feind die Höhen beiderseits des Grenzdorfes Dohrunj. Die Armee des Generals der Infanterie von Koeveß dr# Gegner ins Gehirge nördlich von trry. Mila: novac zurück. Oesterreichisch=ungassinne Hrätte warfen ihn mit dem Pajonett aus bei#engsg. Die heiderseits der deutsche Armee gewann Köhen sählich der Raca und dringt die Mlapa aufehürts vor. Die Orsova=Grunne ist in Brag=Palankg eingerückt. In Kladopy wuremösf schwere sethische„Gcch“t Vorräte an Munition. Bestelbung erbertet Abelurgen###et. sch von Peo gi, Rehiphoungr mi 9) Die gegen Knsazevo entsandten chen Kräfte kämpften gestern im Ostteile dieser Der c ellvertreter des Chess des Generelsfabes v. Hoefer, Feldmarschallen inu t noch etwas kräftiger nachzuhelfen, bringt man den Besuch König Georgs von England in der französischen Hauptstadt mit dem angeblich bevorstehenden Negierungswechsel in Verbindung— etwas soll und muß eben geschehen, weil sich sonst das Vertrauen des Volkes in den glücklichen Ausgang des Weltkrieges kaum noch aufrechterhalten ließe. Die Regierung von morgen— wird sie die Wunder verrichten können, welche die Regierungen von heute ihren Ländern schuldig geblieben sind? Die Franzosen mäkeln an der Diplomatie des Vierverbandes herum, weil sie den Eintritt Bulgariens in den Kampf gegen Serbien nicht zu verhindern vermochte und weil sie weder Rumänien noch Griechenland bis jetzt zu sich herübergezogen hat. Aber dieselbe Diplomatie hat Italien seinen Bundesgenossen abspenstig gemacht, sie hat auh auf Rumänien stark eingewirkt. Also liegt es doch wohl nicht an den Männern, deren Händen das Wohl und Wehe der französischen Republik und ihrer Bundesgenossen anvertraut ist, daß der Vierverband jetzt diplomatisch nicht mehr vorwärts kommt, sondern an den Verhältnissen. Die militärische Lage der Dinge hat sich seit dem Frühjahr so gründlich verschoben, daß den Staatsmännern ihr Handwerk einigermaßen erschwert oder— je nachdem— erleichtert worden ist. Man hat ja auch dieser Erkenntnis in London wie in Paris nach einigem Zögern schließlich Rechnung getragen: Die Engländer haben ihren General Hamilton von den Dardanellen zurückberufen, die Franzosen ihren Flottenbefehlshaber in diesen Gewässern abgesetzt, aber an die Männer, die die letzte Verantwortung für die Kriegführung in der Heimat zu tragen haben, wagt man sich doch noch nicht heran. Vielleicht bedeutet der Angriff auf die Regierung von heute nur ein Umweg, auf dem man schließlich auch an die Kitchener und Millerand heranzukommen hofft; nach außen hin soll natürlich das Vertrauen in die oberste Heeresleitung möglichst ungeschmälert erhalten bleiben, so schmählich auch bisher alle ihre großen Pläne zur Rettung des Vaterlandes gescheitert sind. Es ist immer noch ungefährlicher, die sogenannten Zivilstrategen aufs Korn zu nehmen; die sollen daran glauben, da nun einmal der See rast und sein Opfer haben will. Wie aber die Regierung von morgen eigentlich aussehen soll, der man schon jetzt Vorschußvertrauen entgegenträgt, das weiß man weder in London noch in Paris. Mit dem Rücktritt von Delcassee haben die Franzosen sich obwohl er ihnen die Revanchehoffnung und das russisch=englische Bündnis verkörperte, merkwürdig rasch und ruhig abgefunden, sehr zum Unterschied gegen 1905, wo sie Himmel und Hölle in Bewegung setzten, als derselbe Mann im Interesse des Friedens geopfert wurde. Einen geeigneten Nachfolger für ihn hat man aber bis jetzt noch nicht gefunden. Ebenso dürfte man in London einigermaßen in Verlegenheit geraten, wenn Herr Grey aus der ihm von den verschiedensten Seiten feierlich bescheinigten Unfähigkeit die notwendigen Folgerungen ziehen und sich für einige Zeit ausschließlich der Heilung seiner müden Augen widmen wollte. Den ehemaliegen Titanen liebt man jetzt als einen kleinen Stümper hinzustellen— wer aber soll ihn ersetzen? Und wenn Herr Asquith seiner Darmkrankheit nicht Herr werden sollte, wird etwa Loyd George als sein Nachfolger(genehm sein? Das bedeutete den Sieg der allgemeinen Wehrpflicht im Schoße der Kabinetts; was würde dazu wohl die Arbeiterschaft, was Irland sagen? Den Konservativen aber kann man das Staatsruder nicht völlig in die Hand geben, ohne Neuwahlen auszuschreiben, um 44 die Stimme des Landes zu hören. Also Schwierigkeiten an allen Ecken und Enden, von welcher Seite man auch das heiße Eisen ansassen möchte. Es wird schließlich alles beim alten bleiben müssen, da man doch das eine Zugeständnis sich noch nicht abzuringen vermag, daß die Sache des Vierverbandes verloren ist! Ob Regierung von heute oder Regierung von morgen: noch regiert Mars in Europa und der ist auf unserer Seite. Wilsons Note an England. Haag, 27. Okt.„Daily News“ meldet aus Washington: Die Note, die von Präsident Wilson und Lansing an die britische Regierung abgesandt wurde, und die sich auf die amerikanischen Ladungen nach neutralen Häfen in Europa bezieht, muß jetzt in den Händen des englischen Auswärtigen Amtes sein. Sie enthält vier Seiten voll Statistik und wurde durch die Post übermittelt. Die Vereinigten Staaten protestieren darin gegen die Beschlagnahme von Ladungen als gegen das internationale Recht verstoßend. Es wird darin auch die Ansicht vertreten, daß das englische Vorgehen ungesetzmäßig ist, da keine vollkommene Blockade in der Ostsee bestehe und skandinavische Länder imstande sind, Waren nach Deutschland zu verschiffen, während amerikanische Ladungen aufgehalten werden. Es wird darauf bestanden, daß Amerika das Recht hat, Artikel, die nicht Konterbande sind, nach Deutschland zu verschiffen. Das Staatsdeparte= ment leugnet die englische Behauptung, daß der vergrößerte amerikanische Export dazu beiträgt, Deutschland zu versorgen. Die Note bestreitet auch, daß es Sache der amerikanischen Schiffahrt sei, den Beweis dieser Behauptung anzutreten. Die Note besteht endlich darauf, daß Neutrale in jedem Falle das Recht haben, Güter, die keine Konterbande sind, nach Deutschland auszuführen, und enthält eine nachdrückliche Forderung der Freiheit der Meere. Der„Korridor" nach der Türkei. TU Budapest, 28. Okt.„Az Est“ schreibt zu der Verbindung bulgarischer mit deutschen und österreichich=ungarischen Truppen bei Brca Palanka: Damit ist ein„Korridor“ zwischen den Zentralmächten und den verbündeten Balkanstaaten zustande gekommen, der seine Wirkung nicht nur auf dem serbischen Kriegsschauplatz, sondern auch bei den Dardanellen ausüben wird. Die Türken haben nunmehr eine unmittelbare Verbindung mit der Monarchie und Deutschland eine solche mit Sofia. Wahrheiten aus Bulgarien. Das Regierungsorgan„Narodni Prava“ sagt, die Kriegserklärungen Englands und Frankreichs hätten auf die Bulgaren nicht den geringsten Eindruck gemacht, da sie erwartet wurden und da Bulgarien mit den mächtigen Siegern Deutschland, Oesterreich=Ungarn und Türkei verbündet ist. Die Kriegserklärung Englands überzeugt aber jeden, daß dieser Staat des Allerwelts=Piratums zu seinen zahllosen Verbrechen noch eins hinzufügt. Es folgt eine chronologische Aufzählung aller Raubkriege und Blutbäder, welche England seit dem 17. Jahrhundert aus Eroberungslust angerichtet hat. Auch heute kämpfe England nicht, wie es vorgebe, für die Freiheit der Völker, sondern aus nackter Raubsucht. Bulgarien werde den Zentralmächten helfen, um mitzuwirken an der Zersetzung Englands und der Befreiung der von ihm unterjochten Völker, sowie an der Schaffung der Freiheit der Meere und an der Bestrafung des englischen Parasiten, der vom Blute von Millionen Unglücklicher auf der ganzen Erde lebe. Die Serben als Verleumder. WTB Sofia, 27. Okt.(Bulgarische Telegraphen= agentur.) Die Serben verbreiten von amtlicher Seite Anklagen gegen das bulgarische Heer, indem sie behaupten, daß die bulgarischen Truppen in Serbien von Dum=Dum=Geschossen Gebrauch machen. Der bulgarische Generalstab weist diese Beschuldigungen entschieden zurück, da die Verwendung von Dum=Dum=Geschossen in der bulgarischen Armee, die sich ihrer niemals bedient hat, verboten ist, während von unseren Feinden nicht dasselbe behauptet werden kann. Das Verhalten der geflüchteten Serben in Saloniki. Die„Wiener Allgemeine Zeitung“ meldet aus Sofia: Saloniki ist mit Serben überfüllt, die sich vor dem Einfall der verbündeten Deutschen, Oesterreicher, Ungarn und Bulgaren geflüchtet haben. Es gibt schon einige Hotels, Gasthöfe und Wirtshäuser, an denen serbische Aufschriften prangen. Die Serben haben in Saloniki sogar ein wahrhaftes Spionagebureau eingerichtet, das eine Filiale der Nischer Geheimpolizei darstellt und unter Leitung des Detektivs Pawlowisch steht. Dieses Bureau wittert allenthalben geheimnisvolle Dinge und gerät deshalb fortgesetzt mit der griechischen Polizei in Kollisionen, weil es sich Behördenrechte anmaßt. Außer der serbischen gibt es auch eine französische Geheimpolizei, die im Interesse der Verbündeten die Vorgänge in der Stadt ausspioniert. Die Russen und Engländer sind von der Tätigkeit dieses französischen Instituts jedoch nicht sehr entzückt. Die Eroberung von Valjevo. Die Besitzergreifung von Valjevo durch österreichisch=ungarische Abteilungen ist ein außerordentlich wichtiges Ereignis, da hiermit der Norden Serbiens von jeder Zufuhr an Lebensmitteln und Munition abgeschnitten wurde, die bislang reichlich donauaufwärts aus Rußland, und Rumänien stattsand. Auf sich allein gestellt ist aber das Bergland hilflos preisgegeben. Die ihm allein gebliebene Zufuhrmöglichkeit über Montenegro kann bei der Schwierigkeit der dortigen Wege das Schicksal nicht aufhalten. Soweit aber glaubt man an der Donau die Verhältnisse bereits gesichert, daß man ernstlich an der Wiedereröffnung der Handelsschiffahrt im ganzen Lauf des Stromes denkt, wie nachfolgende Meldung besagt: Wien, 27. Okt. Wie die Bukarester Blätter berichten, verlautet in dortigen gut unterrichteten Kreisen, daß in spätestens 2 Wochen das österreichische, deutsche und bulgarische Heer die ganze Donaustrecke beherrschen werden, so daß der Verkehr der Handelsschiffe auf der Donau von Galatz bis Regensburg demnächst wieder beginnen werde. Putnik legt den Oberbefehl nieder. WTB Paris, 28. Okt.„Matin“ meldet aus Saloniki: Man bedauert einmütig, daß Putnik aus Gesundheitsrücksichten den Oberbefehl über die serbische Armee hat niederlegen müssen. König Peter obdachlos. Aus Wien wird der„Deutschen Tagesztg.“ gemeldet: Wie verlautet, sollte der serbische Archimandrin Michael in Moskau in einer besonderen Mission des Zaren zu König Peter reisen, um diesem Gastfreundschaft in Rußland anzubieten. Diese Reise mußte aber nach dem„Neuen Wiener Journal“ aufgegeben werden, da die Bahnverbindungen mit Serbien bereits unterbrochen waren. Der „Pesti Hirlap“ veröffentlicht eine Drahtung aus Sosia, worin es heißt, daß aus Serbien eingelaufenen Nachrichten zufolge man damit rechnet, daß König Peter sich über Prischtina nach Italien flüchten werde. Montenegro lehnt Hilfe für Serbien ab. London, 28. Okt. Die Munitionszufuhr nach Montenegro stockt, da Mailänder Berichten zufolge vor der montenegrinischen Küste feindliche Torpedoboote kreuzen. Montenegro lehnte aus diesem Grunde auch eine aktive Hilfsaktion für Serbien, die der Vierverband forderte, ab. Ein Ultimatum Griechenlands. Amsterdam, 28. Okt. Die Blätter melden aus Saloniki: Der griechische Hafenkommandant teilte dem Oberbefehlshaber der Entente=Truppen mit, Griechenland erwarte den Abtransport fremder Truppen aus Saloniki bis zum 6. November. Kritische Lage bei Saloniki. Der Budapester Vertreter der„Frankf. Ztg.“ drahtet: Nach aus Athen hierher gelangten Meldungen wird aus den Kreisen der Regierung die Lage als sehr kritisch beurteilt. Aus Erklärungen der Entente=Gesandten erhellt, daß die Mächte trotz des Protestes der griechischen Regierung nicht beabsichtigen, die Truppen von Saloniki zurückzuziehen. Ueberdies hat die Saloniker Armeeleitung der Entente eine Verfügung getroffen, etwaigen Versuchen einer Entwaffnung mit Waffengewalt entgegenzutreten. Demgegenüber will die griechische Regierung ihrem zum Ausdruck gebrachten Standpunkt unbedingt Geltung verschaffen. Prinz Nikolaus hat die in Saloniki konzentrierten griechischen Truppen besichtigt. Griechenland für den Vierverband verloren. Köln, 28. Okt. Laut„Kölnischer Volksztg. gibt Magrini, der Berichterstatter des Mailänder„Secolo“ in Saloniki einen längeren Bericht über die Politik Griechenlands in den letzten Jahren und versichert, die öffentliche Meinung sei überwiegend nicht für ein Eingreifen in den Krieg, sondern für die Aufrechterhaltung der Neutraliät. Der Krieg sei verhaßt. Die Mobilmachung sei in einer Atmosphäre des Schweigens und der Traurigkeit vollzogen worden. Magrini erklärt, Griechenland sei für den Vierverband verloren. Grey über das Cypern=Angebot. WTB London, 27. Okt. Auf eine Anfrage im Unterhause über das englische Angebot, Cypern an Griechenland abzutreten, antwortete Grey: Wir fühlten uns verpflichtet, in der sehr kritischen Lage, in der sich der serbische Verbündete befindet, alles zu versuchen, um ihm die einzige Hilfe, die sofort zur Verfügung stand, zu sichern. Die britische Regierung ließ deshalb wissen, daß, wenn Griechenland Serbien seine volle sofortige Unterstützung gegen Bulgarien gewähre, Großbritannien bereit wärer den Griechen Cypern zu geben. Da Griechenland sich nicht in der Lage sah, Serbien die Unterstützung zu geben, wurde die Bedingung, unter der das Angebot gemacht wurd; nicht erfüllt. Das Angebot ist deshalb hinfällig. Der Krieg gegen Englans. Zum Spott der ganzen Welt. In einem geharnischten Artikel der Londoner „Daily Mail“ sagt der Schriftsteller Lovat Frasser, die Nation habe kein Vertrauen mehr zur jetzigen Regierung. Frasser erwähnt, daß ihm zu Beginn des Krieges von amtlicher Seite mitgeteilt worden sei, daß Hospitaleinrichtungen zu den Gegenständen gehörten, über die er nicht schreiben dürfe. Er führt das Urteil der„New York Tribune“ an, daß die britischen Schlachtberichte zum Spott der ganzen Welt geworden seien, was ganz richtig sei. Frasser kritisiert, daß nichts über das Entkommen des deutschen Schiffes„Goeben“ verlautbart wurde, was vielleicht der größte Fehler der Engländer im Krieg gewesen sei. Die Rezierung verhindere die Presse, die auswärtigen Fragen zu erörtern; das Publikum wisse noch immer nicht, daß, wenn Nisch falle, eine direkte Bahnverbindung nach Konstantinopel sofort möglich sein werde. Der Verfasser meint zum Schluß, die Regierung übe die Zensur nicht aus militärischen Gründen, sondern um ihr unangenehme Wahrheiten zu unterdrücken.— Herr Frasser scheint recht zu haben. Die Gärung in Agypten. Der Militärgouverneur von Agypten, General Maxwell, hat eine Verfügung erlassen, die darauf schließen läßt, daß die Gärung im Lande an Ausdehnung gewinnt. Die einheimische Bevölkerung wird nämlich aufgefordert, alles, was sie über die gegen die englische Herrschaft gerichtete Propaganda erfährt, sofort den Behörden anzuzeigen. Alle Personen, die diesen Anordnungen nicht Folge leisten und gegen Großbritannien gerichtete Umtriebe vorsätzlich verschweigen, werden vor ein Kriegsgericht gestellt. Fünf Einwohner der Stadt Fajum sind bereits unter dem Vorwand, verdächtige politische Papiere zu besitzen, kurzerhand erschossen worden. Der Mißerfolg auf Gallipoli. Der englische Kriegsberichterstatter Nevinson, der von den Dardanellen zurückgekehrt ist, sagte in einem Vortrage, das Kriegsamt habe ihm nicht erlaubt, mitzuteilen, wo das Hauptquartier sich befände, damit der Feind es nicht erfahre, obwohl die ffeindlichen Flugzeuge täglich Bomben darauf abgeworfen hätten, und manchmal auch mit Erfolg. Nevinson fand, daß die militärische Organisation der Franzosen die der Engländer übertroffen habe, und sagte über den Mißerfolg der Landung an der Suvlabai: Eine Ursache hierzu war die Unfähigkeit des Stabes. Der Hauptgrund aber war der, daß es frische Truppen waren, die keine Kriegserfahrung hatten, das Land nicht kannten und Hitze und Durst ertragen konnten. Uns kann es gleichgültig sein, wer oder was die Schuld an dem Mißerfolg trägt. Die Hauptsache ist, daß er da ist und von unseren Gegnern eingestanden werden muß. — Dei Krieg gegen Bianen Italiens Isonzo=Opfer. Zürich, 28. Okt. Die Blätter melden aus Mailand: Infolge Ueberfüllung der Bahnlinien mit Verwundetenzügen von der Isonzo=Front wurde der gesamte„Güterverkehr in Ober= und Mittel=Italien auf acht Tage gesperxt. Italiens Rückzug aus Libyen. WTB Rom, 28. Oktober. Die„Gazetta Officiale“ veröffentlicht einen Erlaß, durch den die italienischen Gerichtshöfe in Misurata, Sieta, Beni Uli, Deffron und Gamades aufgehoben und der Gerichtshof in Tripolis mit deren Rechtssprechung betraut wurde. *— Dei Rlieg hegen Der Kampf um Riga. Kopenhagen, 28. Okt.„National Tidende“ erfährt nach der„Köln. Ztg. aus Petersburg, daß die heftigen Kämpfe in der Umgebung Rigas andauern. Kanonendonner ist Tag und Nacht hörbar. Deutsche Flugmaschinen und Zeppeline werfen täglich Bomben. Die Bevölkerung sei daran gewöhnt und nehme die Verhältnisse ruhig hin. Man hofft, die Deutschen würden nach Eintritt der Winterkälte Riga nicht nehmen können, da die Stadt vorzüglich befestigt und ebenso reichlich mit Waffen und Munition versehen ist. Russisch=italienische Gegensätze. Bei der russischen Regierung wird ein Grünbuch über die Balkanverhandlungen vorbereitet, das bereits zu lebhaften Meinungsverschiedenheiten innerhalb des diplomatischen Korps in Petersburg geführt hat, ehe es noch an die Oeffentlichkeit gekommen ist. Das Grünbuch soll eine Anzahl Dokumente enthalten, die offene Spitzen gegen Italien tragen, das seine eigenen Balkaninteressen nicht für den gemeinsamen Sieg opfern wollte. Das Manuskript des Grünbuchs wurde Ende voriger Woche dem französischen, englischen und italienischen Botschafter von Sassonow persönlich überreicht. Der italienische Botschafter verlangte alsbald eine gemeinsame Herausgabe des Materials durch alle alliierten Mächte, da sonst ein schlechter Eindruck entstehen könne. In den Kreisen der neutralen Diplomaten werde die bevorstehende Publikation darauf gedeutet, daß die Gewinnung Griechenlands und Rumäniens für den Vierverband endgültig aufgegeben sei. Inzwischen gehen die peinlichen Auseinandersetzungen in der Diplomatie weiter— italienische und russische Auf' fassungen stoßen aufeinander. Die Fortsetzung des Krieges scheint es immer schwieriger zu machen, die Alliierten unter einen Hut zu halten. K4— Lebensmittelkonferenz beim Reichskanzler. WTB Berlin, 28. Okt. Der Reichskanzler hatte gestern Vertreter aller Fraktionen des Abgeordnetenhauses zu einer Besprechung über die Fragen der Volksernährung eingeladen. Man stimmte mit dem Reichskanzler darin überein, daß energische Schritte getan werden müssen, um solche notwendige Nahrungsmittel, deren Menge gegenüber dem Friedenszustand erheblich zurückgegangen ist, allen in möglichst gleichem Maße zugänglich zu machen. Auch bei den Kartoffeln, die in überreicher Menge geerntet wurden, erkannte man an, daß weitere Maßregeln zur Regelung der Marktverhältnisse ergriffen werden müßten, da die bisherigen nicht genügt hätten. Alle Anweisenden waren darin einig, daß wir mit ausreichenden Vorräten für die Ernährung des deutschen Volkes versehen sind, daß es aber darauf ankommt, einer unsozialen Verteilung entgegen zu treten und die Preise auf einer Höhe zu halten, die zwar die durch den Krieg hervorgerufene Erschwerung der Produktion entspricht, aber auch eine ungerechtfertigte Ueberteuerung der Bevölkerung vermeidet. Es wurde der Zuversicht Ausdruck gegeben, daß durch die bevorstehenden, vom Reichskanzler in ihren Grundzügen mitgeteilten Verordnungen dieses Ziel erreicht wird. — In Frankreich kriselt's. Seit dem Rücktritt Delcasses vom Ministerium des Aeußeren kommen die Gemüter in Frankreich nicht zur Ruhe. Die Frage, wer sein Nachfolger werden wird, und in Verbindung damit die Möglichkeit einer größeren Umwälzung im Kabinett Viviani beschäftigt Parlamentarier und die Presse lebhaft. Ja sogar die Frage des Rücktritts des Präsidenten Poincare wird erörtert. Aus der Schweiz wird nämlich gemeldet: :: Eine Pariser Korrespondenz der„Liberte“, die in Freiburg i. d. Schweiz erscheint, läßt erkennen, daß in Frankreich nicht nur eine Ministerkrisis, sondern auch eine Präsidentenkrisis herrscht. Neue Kandidaten seien Deschanel, Ribot und Bourgeois. Der Kammerpräsident Deschanel sei zurückgetreten, um sich für eine mögliche Präsidentschaft besser vorzubereiten. Weiter meldet ein Drahtbericht der „B. Z. am Mittag“ aus Christiania vom 27. Oktober: Präsident Poincare, der gestern Paris verließ, um mit dem König von England zusammenzutreffen, ist heute plötzlich nach aris zurückgekehrt, wahrscheinlich auf Veranlassung Vivianis, der über die Nachfolgeschaft im Ministerium des Aeußeren, sowie über die Lage des gesamten Kabinetts Bericht erstatten will.— Wie ferner aus Paris gemeldet wird, herrscht in der Kammer und im Senate die Tätigkeit„großer“ Tage. Die Ernennung eines Nachfolgers Delcasses dürfte auch die Veranlassung zum Wechsel in verschiedenen anderen Ministerien geben. Mehrere Parteien gaben der Regierung zu verstehen, daß sie ihre bisher gegen das Kabinett gerichteten Angriffe auch nach der Ernennung des neuen Ministers des Aeußeren fortsetzen werden, falls der Ministerwechsel nicht auch auf einige andere Portefeuilles ausgedehnt werde. Um dieser Opposition, die die Demission des ganzen Kabinetts früher oder später herbeiführen mußte, standzuhalten, kamen die Regierung und die Parlamentarier überein, durch eine teilweise Neubildung des Kabinetts das Vertrauen zwischen diesem und dem Parlament wieder herzustellen. Stadt und Umgedung Rückblicke aus den Weltkrieg. 28. Oktober. Rückzugskämpfe im Osten.— Die„Emden“. Die Russen folgten zwar den von Warschau abbezogenen deutschen Truppen, indes ohne nachdrückliche Verfolgung und scharfe Angriffe. Wo es zu solchen kam, wie am genannten Tage bei Rakitny, südwestlich von Warschau, erlitten sie enorme Verluste, die in gar keinem Verhältnis zu dem kurzen Augenblickserfolge standen. So gab es täglich Kämpfe an kleinen Orten, die oft blutiger und verlustreicher für die Russen waren, als mancher große Schlachttag für den Feind im Westen.— An diesem Tage vollführte die„Emden“ wieder einen ihrer kühnen Streiche. Sie fuhr in den Hafen von Penang(Hinterindien) ein und gebrauchte eine List, indem sie nämlich einen vierten Schornstein aus Pappdeckel aufgesetzt hatte. Sie wurde zwar bald erkannt, aber inzwischen hatte sie den russischen Kreuzer„Schemtschuk“ bereits torpediert und zum Sinken gebracht. Dann fuhr die„Emden“ davon und brachte noch den ihr begegnenden französischen Torpedojäger„Mousquel“ zum Sinken. Am selben Tage sank der englische Ueberdreadnought „Andacious“ an der Nordküste Englands, wo er auf eine Mine aufgelaufen war; dies Ereignis war der englischen Regierung so unangenehm, daß sie es längere Zeit zu verschweigen suchte. **(Schneefall im Sauerland.) Aus dem Sauerland wird seit gestern nachmittag der erste längst herbeigesehnte Schneefall gemeldet, und zwar soll die Schneedecke in Winterberg und Schmallenberg bereits fünf Zentimeter hoch sein, und da es lustig weiter schneit, wird es in nicht mehr allzu weiter Ferne liegen, bis die auch bei den hiesigen Wintersportsleuten so beliebten Skitourren unter nommen werden können. Auch Brilon meldet den ersten Schneefall, während in Arnsberg, wo vor einigen Tagen in den höheren Lagen Schnee gemeldet wurde, seit gestern das Barometer wieder gestiegen ist. **(Keine Postpakete nach Nordamerika.) Der Postpaketverkehr nach Nordamerika hat vorläufig eingestellt werden müssen. Die Postanstalten nehwen daher Pakete nach den Vereinigten Staaten bis auf weiteres nicht mehr an. Die in der letzten Zeit abgesandten, während der Beförderung angehaltenen Pakete werden nach den Aufgabeorten zurückgesandt und den Absendern zurückgegegeben. Nr. 253. Beilage. Schwetter=Feilung. Amtliches Kreipblalt. Donnerstag, 28. Oktober 1915 „ 1 K Das Werben um Griechenland. Neue Vorschläge des Vierverbandes. :: Aus Athen, 26. Oktober, meldet ein T.=U.=Telegramm: Die Vierverbandsdiplomaten lassen sich durch den deutlich genug ausgesprochenen Willen der griechischen Regierung zur Neutralität nicht abschrecken, sondern verdoppeln auf Grund offenbar neuer Instruktionen ihre Bemühungen. Bereits heute abend haben die Gesandten des Vierverbandes die Note der griechischen Regierung beantwortet und sind an den Ministerpräsidenten Zaimis mit neuen Vorschlägen herangetreten. Im Namen des Vierverbandes erklärte der wortführende englische Gesandte Elliot, daß der Vierverband durchaus nicht eine sofortige aktive Teilnahme Griechenlands am Kriege gegen Bulgarien oder gar gegen die Zentralmächte wünsche, sondern daß der Vierverband es für genügend erachte, wenn Griechenland seine prinzipielle Gegnerschaft ausspräche und die bulgarische, sowie die österreichische Protestnote in diesem Sinne ablehnend beantworte. Der Vierverband teilte mit, daß er die Befürchtung der griechischen Regierung, unnütz das Blut griechischer Bürger zu vergießen, völlig würdige, und bot infolgedessen die Garantien aller vier beteiligten Großmächte an, daß kein griechischer Soldat feindlichem Feuer ausgesetzt werden würde, wenn nur Griechenland gestatten wolle, ohne Störungen die Truppenlandungen in Saloniki fortzusetzen. Es würde dann, wie Sir Elliot sich ausdrückte, durch den Vierverband ein unerschütterlicher Wall von Stahl und Feuer um Griechenland gezogen werden. Auch würden selbstverständlich alle griechischen Ansprüche bei der zukünftigen Neuregulierung der Grenzen im weitestgehenden Maße berücksichtigt werden. Der Vierverband ist weit von der Annahme entfernt, daß die griechische Regierung ihre letzte Antwortnote als Schlußwort über die. schwebenden Verhandlungen betrachten könne. Eine Erklärung König Konstantins. Der König von Griechenland gab einer Newyorker Reutermeldung zufolge dem Athener Korrespondenten der„Associated Preß“ folgende Erklärung über die Antwort Griechenlands auf den Hilferuf Serdiens:„Gricchenland hält sein Schwert lose in der Scheide. Es bedroht niemanden, aber es wird nicht dulden, daß sich Ereignisse ibspielen, durch die die. Integrität der Nation oder die Freiheit des griechischen Volles bedroht werden. Es ist meine Pflicht, darüber zu wachen, daß das Land vor der Gefahr des Unterganges bewahrt wird: der Untergang droht uns aber, wenn das Land m den europäischen Krieg hineingezogen vird. Soweit es in meinen Kräften steht, verde ich weine Pflicht auf jede Gefahr in tun.“ Briechische Verstimmung gegen die Entente. :: Die Londoner Zeitung„Central News" bestätigt in einer Athener Meldung, saß der Standpunkt der Ententemächte, uner Umständen einen Druck auf Griechenland! zur Erfünung des seroischsgriechischen Vertrages ausüben zu können, große Verstimmung in Griechenland hervorgerufen habe. Das griechische Blatt„Hestia“ schreibt, daß allein die Regierungen zu Aehen und Nisch kompetent seien, den Vertrag zu interpretieren. Griechenland sei ein unabhängiges Land und werde niemals eine fremde Einmischung zur Erfüllung von Pflichten, die es freiwillig übernommen habe, dulden. Im Anschluß hieran erinnert die Londoner „Daily Mail“ daran, daß die griechische Regierung in den letzten vierzehn Tagen über 4000 bulgarischen Reservisten die Erlaubnis zum Verlasen Griechenlands gegeben und ihnen sogll Pfreie Fahrt auf griechischen Bahnen bewilligt hat. Weiter bestätigt das Blatt, daß zwischen der Regierung und dem ehemaligen Ministerpräsidenten Venizelos eine große Spannung bestehe, da Venizelos seine Beziehungen zu den Gesandten der Entente fortsetzt, und es, wie es den Anschein hat, darauf ankommen lassen will, von der griechischen Regierung einen Ausweisungsbefehl zu erhalten. Der Standpunkt der griechischen Regierung. : Der Athener Korrespondent des Budapester Blattes„Vilag“ meldet: Die griechische Regierung wies ihre Londoner und Parise. Gesandten an, die griechische Antwortnote zu überreichen und mündlich zu erklären, daß Griechenland unbedingt den darin entwickelten Standpunkt festhalten werde. Es soll auch betont werden, daß über neue Vorschläge erst verhandelt werden könne, wenn die Forderungen der Ankwortnote erfüllt würden, da die bisherigen Vorschläge im Wesen stets auf dasselbe hinausliefen. Die amerikanische Presse über die Verletzung der griechischen Neutralität. :: Die amerikanischen Blätter befassen sich in Leitartikeln mit der Verletzung der griechischen Neutralität durch die Alliierten. Bemerkenswert ist, daß selbst ausgesprochen englandfreundliche Blätter das Vorgehen der Entente ver##eilen.„New York World“. schreibt: Was wird nun au Roosevelts phantastischer Theorie, daß es nach der Haager Konvention von 1907 gesetzlich die Pflicht der Vereinigten Staaten gewesen wäre, gegen die deutsche Verletzung der belgischen Neutralität einzuschreiten? Die beiden Fälle sind, was die Vereinigten Staaten betrifft, wesensgleich, da die Briten und die Franzosen in Griechenland den ersten und zweiten Artikel der Konvention übertreten haben.„New York Sun“ bemerkt: Es besteht kein Zweifel, daß die Franzosen und Briten durch die Truppenlandung in Saloniki die griechische Neutralität vorsätzlich verletzt haben.„Evening Post“ führt aus: Wenn die Entsendung der Truppen der Alliierten nach Serbien über Saloniki gegen den Willen der Griechen und somit eine Verletzung des neutralen Territoriums ist, würde eine sehr ernste Frage aufgeworfen werden. Es würde ein Bruch des Völkerrechts und der Haager Konvention vorliegen. Ein dringlicher serbischer Hilferuf. :: D e r s e r b i s c h e M i n i s t e r p r ä s i d e n t P a sitsch hat der Londoner„Times“ folgenden Aufruf zur Veröffentlichung zugehen lassen: Serbien macht unmenschliche Anstrengungen, seine Existenz zu verteidigen, und zwar in Uebereinstimmung mit den Wünschen seiner großen Bundesgenossen. Die Oesterreicher, Deutschen und Bulgaren haben Serbien oarum zum Tode verurteilt, und unsere gemeinschaftlichen Feinde versuchen nun schon 20 Tage lang, uns trotz des Heldenmutes unserer Soldaten zu vernichten. Unser Widerstand kann nicht bis ins Unendliche fortdauern, darum bitter wir England, alles zu veranlassen, damit wir die Versicherung haben, daß seine Truppen uns erreichen und uns helfen, damit wir zusammen die gemeinschaftliche Sache verteidigen können, die so ernstlich bedroht ist. Der Frieg auf dem Balkan. Truppenlandung der Entente in Dedeggatsch. :: Die Londoner Blätter melden, daß die Flotte der Verbündeten die Beschießung von Dedeagatsch und Lagos fortsetze. Die Ausschiffung von Truppen in Dedeagatsch habe am Dienstag begonnen. Die Stadt werde von den Türken verteidigt. Die Bahnlinie zwischen Saloniki und Adrianopel sei unterbrochen. Die Donaupassage erkämpft. :: Die Londoner„Times“ meldet aus Bukarest: Nach einem Telegramm aus TurnSeverin wurde die serbische Artillerie bei Tekia nach heftigem Bombardement vom österreichischen Donauufer her zum Schweigen gebracht. Die Oesterreicher zogen über die Donau quer über die Insel Ada=Kaleh, und die serbischen Truppen wichen von der Donau zurück. Die österreichischen Truppen haben jetzt freien Turchzug nach Bulaarien von Orsova aus(gemeint ist: auf der Donau), wo 15 Dampfschiffe und Leichter liegen. Die Serben haben Radujevac nördlich Negotin geräumt; 600 serbische Flüchtlinge sind in Gruje bei Radujevac auf rumänisches Gebiet geflüchtet. Niederlage der Franzosen und Serben bei Strumiea. :: Die Londoner„Times“ meldet aus Athen: Der Kampf zwischen Krivolac und Strumica ging am Freitag abend zu Ende. Die serbischen und französischen Truppen wurden zurückgeschlagen und werden von den Bulgaren verfolgt. Die Versprechungen der Entente. :: Die Lyoner Zeitung„Progres" berichtet aus Paris: Frankreich und England haben sich verpflichtet, jene 150000 Mann zu stellen, welck Serbien gemäß seinem Bündnisvertrage mit Griechenland Bulgarien gegenüberstellen muß. Angriff der Albaner gegen die Serben. :: R e u t e r s B u r e a u b e r i c h t e t a u s P a r i s: Wie die„Liberte“ aus Athen erfährt, griffen die Albanier erneut die Serben in der Gegend von Prizrend an. Ueber die Beteiligung der Albanzer am Kriege gegen Serbien wird im amtlichen bulgarischen Bericht vom 25. Oktober gesagt: Im Distrikt von Kossovo beginnt die albanesische Bevölkerung mit bewaffneter Hand gegen die Serben zu kämpfen. Die Einberufung der Sobranje vertagt. :: Die Bulgarische Telegr.=Agentur meldet, daß die Sobranje, das bulgarische Parlament, welche am Freitag hätte zusammentreten sollen, auf den 28. Dezember vertagt worden ist. Der Krieg zur See. Der-versenkte englische Transportdampfer „Marquette“. :: Vor einigen Tagen konnte die„Köln. Ztg.“ melden, daß im Aegäischen Meer ein englischer Truppentransportdampfer durch ein Unterseeboot versenkt worden ist. Die Torpedierung des Dampfers, welcher den Namen„Marquette" führte, ist jetzt vom englischen Kriegsministerium amtlich bestätigt worden. Die„Marquette“ gehörte der englischen Reederei„Atlantie Transport Company“. Sie war 1898 gebaut und hatte 7057 To. Wasserverdrängung. Die„Köln. Ztg.“ meldet weiter noch über diesen U=Boots=Erfolg aus Athen unter dem 27. Oktober: Der von einem deurschen Untersceboot nahe der Bucht von Tsagesi torpedierte englische Ozeandamper“„Marquette“ hatte 1000 englische Soldalen, 20 Krankenpfleger, 12 Aerzte, 500 Maultiere und eine große Menge Munition für Salonikt an Bord. Nur 82 Mann wurden gerettet, die in Papapuli ankamen. Zwei Zerstörer hatten den Dampfer bis kurz vor der Angriffsstelle begleitet. Die verpuhte Für eine Milliarde Mukition nutzlos von den Franzosen und Engländern verpulvert. :: Ueber die Kräfteverteilung und den Munitionsaufwand gesegentlich der englischfranzosischen Septemberofsensive bringer die„Neuen Zürcher Nachr.“ vom 22. Ok. tober folgende fachmännischen Berechnun, gen: Rechnet man mit den etatsmäßigen Kräften, so ergeben sich auf seiten der Verbündeten bei 12000 Gewehren für die Division: 420000 Mann in der Champagne, 216000 Mann bei Arras und 156 000 Mann auf der englischen Front als Truppen erster Linie ohne die Kavallerie mit 144000 Mann und die belgische Armee mit etwa 30 006 Köpfen. Im ganzen konnte Joffre aiso 806000 Mann einsetzen. Wieviel deutsche Truppen diesen Stoß auszuhalten hatten. kann man nicht sagen. Französische Militärkritiker geben zu, Ddaß die Deutschen überall in dre Minderzahl waren.— Es fielen in der Champagne auf der Hauptangriffsstelle stündlich 900000 Schüsse. In drei Tagen sind also auf einer Breite von nur 25 Kilometern etwa 50 Millionen Schüsse abgegeben worden. In Geld umgesetzt, bedeutet dies, daß die Westmächte in den Tagen vom 22. bis 29. September für etwa eine Milliarde Munition nutzlos verpulvert haben. Trotzdem war der Munitionsvorrat der Franzosen so außerordentlich groß, daß sie sich beim zweiten Durchbruchsversuch am 4. Oktober noch ein Trommelfeuer von 43 Stunden leisten ZAul konnten. Kriegsnachrichten. Portugiesische Truppen für Gibraltar? :: Dem„Berl. Tgbl.“ wird aus Lugano gemeldet: Römischen Depeschen zufolge ersuchte die englische Regierung Portugal um Ueberlassung portugiesischer Truppen, um die in Gibraltar stehenden englischen Truppen anderweitig verwenden zu können. Die Deutsch=Amerikaner wollen eine Nationalbank gründen. :: In Amsterdam eingetroffene amerikanische Blätter melden: Hermann Ridder veröffentlichte in der Newyorker Staatszeitung einen Aufruf an die Deutsch=Amerikaner, eine große National= zu gründen, deren Gelder der britischen legierung unzugänglich wären.H Mehrere tausend französische Flugzeuge? ":: Wie die„Agence Havas“ meldet, hat sich in Paris eine französische Luftschiffliga gebildet, die sich zum Ziel gesetzt hat, Frankreich die Oberherrschaft in der Luft zu verschaffen. Sie beabsichtigt, ein Luftheer von mehreren tausend Flugzeugen zu bilden. Wetter=Aussichten für mehrere Tage im Voraus. 29.— Wolkig, kälter, strichweise Regen. 30.— Wolkig, teilweise klar, nachts kalt. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Nraao Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte Schatten der Veterpaulsfestung. Roman von Hermann Gerhardt. 30 „Denn meine Mutter ging ihrem Vergnügen nach und kümmerte sich nicht um mich, undan ihrer Hauswirtschaft konnte ich kein Interesse gewinnen; mein unruhiger Geist grübelte und zermürbte sich in unklaren Träumen, und so wurde ich immer unzufriedener und ruheloser, bis ich endlich auf Leos Auregung hin den Entschlußfaßte, nach Petersburg zu gehenund mich dort für einen Beruf vorzubereiten. Die Eltern legten mir nichts in den Weg, und so ward ich zu Freunden in Pension gegeben. Anfangs genoß ich das neue Leben in vollen Zügen. Neue Interessen und Gesichtspunkte taten sich mir auf; und angeregt durch die Einflüsse, in die ich geraten, beteiligte ich mich auch an den Auschlägen, die die Befreiung des Volkes aus unerhörter Tyrannei bezweckten. Hin und wieder ereilte das Verhängnis die Kühnsten unter uns. Endlich schlug auch meine Stunde! Ein kompromittierender Brief, den man in meiner Tasche fand, genügte, um mich verhaften zu lassen, und ohne daß man mich verhörte, mußte ich viele Wochen lang in enger Zelle schmachten. Anfangs erhielten die Freunde, bei denen ich gewohnt, Erlaubnis, mich hin und wieder zu besuchen; durch Eie erfuhr ich eines Tages, daß sowohl Vasil, mein Bruder, als auch mein Verlobter, gleich mir verhaftet seien. Von den Feustern meiner Zelle konnte ich den Hof übersehen, wo die Gefangenen sich Bewegung machten; und dort sah ich auch Vasil und Leo. Doch eines Tages erschtenen sie nicht mehr. Langsam und träge, in unerträglicher Oede flossen die Tage dahin, ich wurde nicht vernommen, nichts änderte sich in meiner Lage, und ganz allmählich erstarb in meinem Herzen die Hoffnung, obwohl Singen, durch Selbstgespräche aufrecht zu erhalten suchte. Wenn ein Vogel an meinem vergitterten Fenster vorüberflog, so hielt ich das für ein gutes Omen. Endlich, eines Morgens, ward die Tür meiner Zelle aufgetau. Ein Mann trat ein. Ich brauche ihn nicht zu beschreiben, Sie kennen ihn. Der Präfekt! Neue Hoffnung regte sich in mir; ich warf mich ihm zu Füßen, ich bat und flehte um Untersuchung meiner Schuld.„Ich will keine Gnade, Exzellenz,“ sagte ich zu ihm;„mag man mich zur Zwangsarbeit verurteilen, wenn ich das verdient haben soll, aber ich verlange ein regelrechtes Verhör!“ Er sah mich unverwandt an, während ich sprach. Dann faßte er mich bei der Hand und zog mich aus Fenster, so daß das Licht voll auf mein Gesicht schien. In diesem Augenblick dankte ich Gott für das bißchen Schönheit und Jugend, das er mir verliehen, denn ich hoffte dadurch den Präfekten milde zu stimmen.„Wie alt sind Sie?“ fragte er plötzlich.—„Ich bin eben zwanzig geworden, Exzellenz.“— Er schwieg, und unter seinem brennenden Blickmußte ich die Augen niederschlagen. Und dann drückte er meine Hand so fest, daß ich hätte schreien mögen, denn Leos Ring, den ich am Finger trug, schnitt mir ins Fleisch. Endlich ließ er los.„Ich werde sehen, was sich tun läßt,“ sagte er.„Und ich sehe Sie auch wieder.“ Damit verließ er mich. Nur derjenige, der die Qualen der Einzelhaft ohne Hoffnung auf Erlösung durchgekostet hat, kann sich einen Begriff machen, wie mir nach diesem Besuch zu Mute war! Wild klopften meine Pulse, die Wangen brannten mir vor Erregung. Die enge Zelle erschien mir größer geworden, und ruhelos wanderte ich auf und nieder, stundenlang! Er hatte versprochen, wiederzukommen, mir zu sagen, wann ich verhört würde. Wann würde das geschehen? Sicher, ganz sicher bald! Und er kam wieder und immer wieder. Er versprach mir die Freiheit—. Guade für meinen Bruder— ach! Aber um welchen Preis!! erstarb in meinem Herzen die Hoffnung, ohwohl meinen Brnd..„ gpzs.ih haben ich sei lich mich durch Deklomieren von Gedichten, ourch Iich flebte ihn an, er soge Veltteto guves: X. u 1. Braut. Ebenso gut hätte ich von einem Raubtier Mitleid heischen können! Er hatte nur ein teuflisches Lächeln und höhnte mich in meinem Jammer mit schamlosen Schmeicheleien. Endlich wurden seine Besuche mir zum Entsetzen, daß ich beschloß, ihnen auf die einzig mögliche Weise zu entrinnen; durch Seldstmord! Ich zerriß meinen Unterrock in schmale Streifen, stand in der Nacht auf und versuchte, mich am Fensterkrenz aufzuhängen. Aber in der Hast und Aufregung glitt ich vom Stuhl, den ich dazu ersteigen mußte, fiel hin und schlug mit dem Kopf, so heftig gegen die Tischkante, daß ich bewußtlos liegen blieb. So fand man mich am Morgen mit einer klaffenden Wunde an der Stirn. Sie brachten mich ins Hospital und dort lag ich wochenlang. In meinen Fieberphantasien muß ich sonderbare Aeußerungen getan haben, denn man gab mir ein Zimmer allein, und dort erholte ich mich soweit, daß ich in meine Zelle zurückkehreit konnte. Den Präfekten fah ich nicht wieder. Von da ab ließ man mich unbehelligt; aber auch ohne Hoffnung. Wie ich diese Zeit durchlebt habe, weiß ich nicht; es kam eine Art Versteinerung über mich, körperlich und seelisch! Aus der wilden Verzweiflung war stumpfsinnige Apathie geworden. So vergingen zwei Jahre. Dann wurde ich eines Tages, ohne vorherige Venachrichtigung, vor den Richter geschleppt, einem eiligen Verhör unterworfen und dann wegen mangelnder Beweise auf freien Fuß gesetzt. Als ich die Festung verließ, war ich heimatlos, denn den Meinigen wollte ich die Schande nicht antun, aus dem Gefäugnis zu ihnen zurückzukehren. Wovon ich nun leben sollte, wußte ich auch nicht. Was nun tun? An wen mich wenden? Die Freunde, die mich früher beherbergt, nahmen mich zwar gütig und teilnehmend auf; aber ich merkte ihnen an, daß meine Gegenwart in ihrem Hause Verlegenheit und Besorgnis verursachte. Stand ich doch unter polizeilicher Aufsicht!— Hier erfuhr ich auch, daß mein Bruder und mein Verlobter nach Sibirien verschickt seien. So stand ich gänzlich allein in der Welt. Die Freunde rieten mir, Petersburg den Rücken zu kehren und mir in der Provinz Beschäftigung zu suchen, und sie stellten mir zu diesem Zweck einige Geldmittel zur Verfügung. Nun begann für mich ein Wanderleben. Denn da ich mich überall, wo ich hinkam, bei der Polizei melden mußte, so standich bald in dem Ruf„verdächtig“ zu sein, und damit schlossen sich alle Türen gegen mich. Dennoch erfuhr ich viel-Freundlichkeit und Anteilnahmeund mancher half mir in der Stille.“ Soweit hatte Margarete schweigend zugehört. Sie war wie benommen und ein Gefühl des Ekels und Abscheus lähmte ihr die Zunge. Aber noch erschien es ihr undenkbar, daß der gewissenlose Verführer, von dem sie eben gehört, mit dem vornehmen, formvollendeten Gentleman, unter dessen Dach sie lebte und dessen Heiratsantrag sie anzunehmen im Begriff stand, identisch sein sollte! Und obendrein noch Katias Vater! „Aber nein, das ist unmöglich! Ganz unmöglich!“ rief sie aus.„Sie sind im Irrtum. Es muß jemand anderes gewesen sein!“ „Machen Sie sich keine Illusionen,“ fiel die Samarin ein.„Wie hätte ich wohl jemand anders für den Polizeipräfekten halten sollen? Ich sage Ihnen, er war es. Derselbe, dessen Blumen eben jetzt auf Ihrem Tische stehen, dessen Aufmerksamkeiten Sie und Ihr Bruder erfahren haben, dessen Zärtlichkeiten—“ „Niemals!“ schrie Margarete.„Gott bewahre mich, das nicht!“ „Das also— noch nicht!“ „Höhnen Sie mich nicht, bedauern Sie mich lieber!“ rief Margarete aus.„Und helfen Sie mir, wenn Sie können. Sie machen sich keinen Begriff, in welch schwieriger Lage ich mich befinde. Seine Tochter, 4 Gott, was soll ich nur anfangen?“ Sie rchig die Hände, 831,10 0 K, Ane Herf. Daul v. Hindenburg Ein Lebensbild von Bernhard von Hindenburg. Die Lebensbeschreibung unseres Generalfeldmarschalls aus der berufenen Feder seines jüngeren Bruders. Mit 43 Bildern, — Preis 1 Mark— Eleg. geb. 2 Mk. In Leder 3 Mk. Unser Seeheld Weddigen Von Dr. Otto Weddigen. Eine lebendige Schilderung der kurzen Heldenlaufbahn des unvergeßlichen Führers von„U9“ u.„U 29“. Mit 10 Abbildungen Preis 1 Mark. Pingendes Schwert Lieder von Joseph von Lauff. Sammlung der Kriegslieder des vaterländischen Dichters, der in glühender Begeisterung die Helden unserer gkoßen Zeit feiert. In künstlerischem Einband 1 Mk. 25 Pfg. „Apesha“ Von Kapitänleutnant v. Mücke. Ein Buch der Tatsachen. Packend schildert der Verfasser seine abenteuerliche Fahrt auf See und den gefahrvollen Jug von Hodeida durch die arabische Wüste. Geheftet 1 Mark. Elegant geb. 2 Mark. Die werdende Macht Roman von Okto von Gotlberg. Goltberg hat mit diesem vor Ausbruch des Krieges vollendeten Roman das Hohelied auf unsere herrliche Marine gesungen. Künstlerisch geb. 4 Mk. Geheftet 3 Mk. Tilit den Turten an der Front Der Kriegsberichterstatter des„Berliner Lokal=Anzeigers“ E. Serman schildert in dem lebensvollen Buch seine abenteuerlichen Erlebnisse auf den türkischen Kriegsschauplätzen Preis 1 Mark. König und Kärrner Roman von Rudolph Straß. Ein Preislied auf den sonnigen Humor der fröhlichen Pfalz und die quellende Riesenkraft der deutschen Friedensarbeit. Künstlerisch geb. 5 Mk. Geheftet 4 Mk. Als Adjutant durch Frankreich und Belgien Der Verfasser, Otto v. Gottberg, erzählt als Mitkämpfer in packender Darstellung seine Erlebnisse und Abenteuer in Feindesland. Preis 1 Mark. Das deutsche Herz Feldpostbriefe unserer Helden Der Krieg von unseren Kriegern selbst erzählt! Das ist der Reiz dieser Sammlung aus Ost und West, von See und Übersee — In künstlerischem Einband 2 Mark. Kaiser Wilhelm II. und die Marine Prachtwerk Zehn doppelseitige farbige Bilder und 120 Zeichnungen von Professor Willy Stöwer. Text von Admiralitätsrat G. Wislicenus Folioformat. In Leinen gebunden 5 Mk. Tandsturm Kriegsgesänge v. Hans Brennerk Ein köstliches Sammelbuch frischer, volkstümlicher Gedichte und Soldatenlieder, teilweise mit Melodie und Begleitung. Preis 1 Mark. Deutsche Heldenlieder Gedichte aus dem Kriegsjahr 1914. Auswahl patriotischer Lieder, die Deutschlands Söhne in den ersten Kriegsmonaten im Felde und auch daheim gesungen haben — In künstlerischem Einband 2 Mark— Scherls Jungdeutschland=Buch 1915. Der neue Jahrgang von Scherls Jungdeutschlandbuch 1915“, wiederum herausgegeben von Major Maximilian Bayer und mit Geleitworten von Generalfeldmarschall Dr. Freiherrn von der Goltz, enthält von namhaften Autoren wie General der Kavallerie von Bernhardi, Karl Bleibtreu, Ludwig Ganghofer. Sven Hedin, Paul Oskar Höcker, Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Dr. A. Mathias. Gg. 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Aber,“ fuhr sie eindringlich fort,„nicht jeder ist sein Spion.“ „Ich kann nicht in sein Haus zurückkehren,“ klagte Margarete. „Doch, das müssen Sie,“ erklärte die Samarin mit großer Entschiedenheit.„Und zwar sofort. Sie dürfen sich auch nicht merken lassen, daß Sie etwas wissen?" „Weshalb denn?“ forschte Margarete.„Warum kann ich meinem Bruder nicht irgendwo hibestellen?“ „Wenn Sie so etwas täten, würden Sie die schlimmen Folgen bald genug merken! Sie kennen den Mann nicht, mit dem Sie zu tun haben. Wenn Sie nicht heimkehren, wird er Ihre Spuren verfolgen lassen, Sie unter irgend einem Vorwand verhaften und dann— Guade Ihnen Gott!" Den Blick, mit dem die Samarin sie ansah, machte Margaretens Blut erstarren. „Sie müssen tun, wozu ich Ihnen rate,“ fuhr sie fort:„gehen Sie von hier direkt nach Hause! „So lange er denkt, daß Sie ihm vertrauen, sind Sie unter seinem Dach vollkommen sicher. Lassen Sie ihn also ruhig weiter Aufmerksamkeiten erweisen, und warten Sie ab, bis Sie Näheres hö#ren. Ich gebe Ihnen die Zusicherung, daß es nicht mehr lange dauern wird.“ *:„Aber was könnnen Sie dabei tun?“ fragte Margarete, doch die andere unterbrach sie:„Fragen.. Sie nicht, sondern gehen Sie jetzt, unverzüglich! Ihre Abwesenheit hat schon zu lange gedauert!“ Da erhob sich Margarete und schwankte, ohne noch ein Wort zu verlieren, nach der Tür. Als wäre sie hypnotisiert worden, Wille und Denkfähigkeit, wie gelähmt. Dort aber blieb sie noch einmal stehen, da die Samarin ihr nachrief: Warten Sie einen Augenblick, daß ich Sie ansehen kann.“ Das bleiche, verstörte Antlitz wandte sich ihr zu. „Das geht unmöglich,“ fuhr sie fort,„Sie müssen sich besser beherrschen! Denken Sie doch an Ihren Bruder; wenn Sie so deutlich verraten, was in Ihnen vorgeht, dann bringen Sie auch ihn in Gefahr." Margarete strich sich mit der zitternden Hand über die Augen. „Ja, ja, stammelte sie,„ich muß auf meiner Hut sein.“ Die Samarin zuckte mit verächtlichem Ausdruck die Achseln. „Sie sind ein Schwächling,“ sagte sie, ich wünschte, ich könnte Ihnen etwas von meinem stoischen Gleichmut einflößen, wenn auch nicht um den Preis, mit dem ich ihn mir erkaufen mußte. Aber nun gehen Sie! Ziehen Sie den Schleier vors Gesicht und machen Sie, daß Sie in Ihr Zimmer kommen. Lassen Sie sich um Himmelswillen in dieser Verfassung nicht vor ihm sehen!" 20. Kapitel. Kaum wissend, was sie tat, oder wo sie sich befand, tappte Margarete sich die dunkle Stiege hinunter und auf die Straße hinaus. Ihr einziger Gedanke war der, daß sie ihren Bruder aufsuchen und sich mit ihm beraten müsse; und so schlug sie halb instinktmäßig die Richtung nach dem NewskiProspekt ein. Der Dwornik am Portal grüßte sie, als sie au ihm vorüberhuschte, aber sie sah es nicht, ebenso wenig Lischkoff, der von der entgegengesetzten Richtung auf sie zukam. Dieser blieb stehen und sprach ein paar Worte mit dem Portier, während sein Blick scheinbar gleichgültig der Gestalt folgte, die da in so auffälliger Hast die Treppe hinaufstürmte. — Wie unangenehm hell es in der Eingangshalle war! Aber Gottlob, außer dem Diener, der ihr geöffnet, war niemand zu sehen. Jetzt hatte sie die breite Treppe erstiegen und betrat den Korridor; nur noch wenige Schritte und sie war im Schutz ihrer eigenen vier Wände. Schon lag ihre Hand auf der Türklinke, als plötzlich ein Schatten hinter ihr auftauchte: und die Stimme desjenigen, den sie mehr als irgend einen Menschen fürchtete, an ihr Ohr schlug:„Fräulein Rittbergp, Mit einem leisen Aufschrei, den sie beim besten Willen nicht hätte unterdrücken können, wandte Margarete, ihr verängstigtes Gesicht nach ihm um. Er griff nach ihrer Hand und sah ihr forschend in die Augen:„So spät sind Sie noch ausgewesen?" sagte er,„und ganz allein? Ist das nicht unvorsichtig?“ Margarete erwiderte nichts; mit einer Ohnmacht kämpfend, konnte sie kein Wort herausbringen. Wohl bemerkte Beruleff ihre Erregung, aber er schob dieselbe auf den Schreck, den sein unvermutetes Erscheinen ihr verursacht und drückte ihr nur noch wärmer die Hand. „Sie verzeihen mir, daß ich, ohne dazu berechtigt zu sein, Ihr Tun und Lassen kontrolliere?" fuhr er mit seinem weichen einschmeichelnden Tonfall fort.„Ach, Fräulein Rittberg! Margarete! Wie lange wollen Sie mir noch das Recht vorenthalten, Ihr Führer und Beschützer zu sein? Wie lange wollen Sie mich noch in dieser quälenden Ungewißheit lassen 2. In diesem Moment hörte man eine Tür gehen und Schritte in einiger Entfernung. Da ließ er ihre Hand los.„Seien Sie barmherzig," flüsterte er eindringlich, und erlösen Sie mich bald!“ Mit ein paar schnellen, gleitenden Schritten verschwand er in einem der nebenan liegenden Zimmer. Margarete aber raffte ihre letzten Kräfte zusammen; sie riß ihre Tür auf, verschloß und verriegette dieselbe von innen und sank stöhnend auf einen der nächsten Stühle. Es dauerte geraume Zeit, bevor sie ihre Gedanken zu ordnen und sich klar zu machen vermochte, in was für einer Lage sie sich befand.— Erst als das Stubenmädchen, das sie zu bedienen hatte, die kleine Schweizerin Celeste, an ihre Tür klopfte, erwachte Margarate aus ihrer Erstarrung. „Ich komme heute nicht zu Tisch,“ erklärte sie dem Mädchen durch die Tür,„ich fühle mich nicht ganiz wohl. Sagen Sie es dem gnädigen Fräulein!" „Aber Mademoiselle werden doch etwas essen wollen? Irgend eine Kleinigkeit?“ Am liebsten hätte sie für alles gedankt; aber sie besann sich, daß sie ihre Kräfte unbedingt erhalten müsse, und jetzt um keinen Preis krank werden dürfe! So bestellte sie sich einen kleinen Imbiß. Kaum hatte sich Celeste entfernt, da wurden draußen leichte, flüchtige Schritte vernehmbar, die wiederum an Margaretes Tür Halt machten. Es klopfte energisch und Katias Stimme rief:„Kann ich herein kommen?“ Margarete schlug das Herz bis an den Hals hinauf und sie fing an zu zittern. „Ich möchte ausruhen, liebes Herz,“ antwortete sie matt,„ich habe heftige Kopfschmerzen." „Willst Du nicht einen Augenblick aufmachen? Ich will Dich auch gar nicht stören! Möchte Dich nur gern mal sehen! Bitte, liebe Margarete, mach auf!“ Einen Moment zögerte diese; sie mußte sich zusammennehmen, ihre Nerven und ihre Gesichtszüge erst beruhigen, denn sie fürchtete sich vor Katias prüfendem Blick und hätte das Zusammensein mit ihr gern noch hinausgeschoben, bis ihr eigenes inneres Gleichgewicht wieder hergestellt war. Indessen, sie jetzt abzuweisen, hieß sie kränken und obendrein noch mißtrauisch machen! So rief Margarete denn mit angenommener Bereitwilligkeit:„Gewiß, Liebes!“ und drehte den Schlüssel im Schloß berum.#. 231/16 am des„Täskene Witten. argarete seufzte tief auf. Mit unsäglicher 6 Selbstverleugnung hatte sie, die betrogene, verlassene Frau, in ihrem Kinde die Zuversicht auf Mannesehre und Manneswort genährt, in ihm die reinste Ueberzeugung an den hohen, sittlichen Wert des Vaters aufrechterhalten, wie hätte sie nun das ahnungslos vertrauende, glückatmende junge Herz zerschmettern können mit dem Bekenntnis der grausamen Wahrheit. Nein, sie besaß nicht den Mut, ein spätes Gericht zu halten, den furchtbaren Urteilsspruch zu fällen:„Der Vater, den du begeistert ehrst, ist ein wortbrüchiger Schwächling, ein kaltherziger Egoist, und der Mann, den du liebst, ein gewissenloser Verschwender und Spieler, der allein in niederer Habsucht nach deinem Besitz strebt.“ Nein, sie mußte schweigen wie bisher, in heimlicher Qual, Valerie hätte die schonungslose Wahrheit, die ihr den Vater und Geliebten zugleich entreißen mußte, gerade in dieser Stunde hoffnungsseligen Glückes nicht ertragen. Aber mit brennender Reue gedachte sie der Mahnung der unglücklichen Beatrice, welche sie ernst davor gewarnt, in irrender Mutterliebe eine falsch angebeachte Schonung walten zu lassen, wo es Pflicht gewesen wäre, sich mutig von Lug und Trug zu befreien. So rächt sich alles einmal. Ihr Opfer, eine Lüge mitleidiger, erbarmender Liebe, war umsonst gebracht. Kaum fehig, ihre Seelenqual zu verbergen, zog Margarete das blonde Haupt der Tochter zu sich herav und küßte mit zitternden Lippen den jungen, blühenden Mund.„Mißverstehe mich nicht, mein Kind, ich denke ja nur an dein Glück, und da du dies in dem Grafen zu finden vermeinst, so will ich dir nicht mit Zweifeln wehe tun, sondern innig wünschen, daß er dich so würdigen möge, wie es deine reine, selbstlose Liebe verdient.“ „Meine liebe, einzige Mutter," flüsterte Valerie zärtlich,„ich wußte es wohl, daß du mir nicht ernstlich entgegen sein könntest. Du bist ja die Milde und Güte selber und hast es mich gelehrt, von den Menschen nur das Beste zu denken. Nun, und Leons kleine Schwächen,“ lächelte sie glücksetig,„was haben die denn mit unserer Liebe zu tun?“ In Margaretens Augen brannten heimliche Tränen. Mannloh aber schritt triumphierend hinaus, um den erwünschten hochgeborenen Eidam seiner Tochter zuzuführen. Roman von C. Dressel. (32. Fortsetzung.) Mit unsäglicher (Nachdruck verboten.) XXXI. Da die so überaus günstigen äußeren Verhältnisse ein längeres Hinausschieben der Hochzeit nicht forderten, so fand die Vereinigung des jungen Paares wenige Monate nach der Verlobung statt. In dem kostbaren Brautgewande, das ein Vermögen repräsentierte, sah Valeriens zierliche Gestalt mit ihrer sonst so schüchtern bescheidenen Haltung ebenso vornehm als anmutig aus, und als Erich Mannloh nun mit freudigem Stolz. der jedoch nicht ganz frei war von einer Art gönnerhaften Wohlwollens, die Hand seiner Tochter in die des schönen, glänzenden Offiziers legte, da schauten die braunen Augen der jungen Braut mit einem überwältigenden Bick seligen Glückes zu dem Manne ihrer Wahl empor. Leon wußte nichts von der großen, bewegenden Kraft, welche dies n sonst so scheuen, demütigen Augen den verklärten, liebesmächtigen Ausdruck verliehen, aber er dachte überrascht:„Was für Prachtaugen mein Gänseblümchen da plötzlich aufschlägt, sie muß es nur lernen, diesen Zauber zu gebrauchen. Sie sieht heute überhaupt nicht unbedeutend aus, und das ist lediglich die Wirkung ihrer kostbaren Brautrobe. Sie mußfortan reiche Toiletten tragen und sich nicht wie ein kleines Pensionsmädchen kleiden und benehmen, sondern sich ein Beispiel an meiner schönen Mutter nehmen. Die wird es sie lehren. was eine Frau aus sich machen kann, wenn sie Geschmack und Lust hat, zu gefallen.“ Mit diesen nichtigen Gedanken führte er Valerie auf die Hochzeitsreise, die sie bis nach Italien ausdehnten, während der Kommerzienrat ihnen daheim eine pruchtige Villa einrichtete mit allem Luxus, den sein fürstlicher Reichtum gestattete. Da Leon sich auf dem Gipfel seiner Wünsche sah und sich Valerie immerhin verpflichtet fühlte, so fiel es ihm nicht schwer, ihr zunächst ein dankbarer, aufmerksamer Gatte zu sein. Und nachgerade rührte ihn ihre anbetende Liebe, die er im Grunde so wenig verdiente. Er nahm sich zusammen, um sie nicht gleich zu Anfang ihrer Ehe aus ihrem Glückstraum aufzuschrecken. Valerie schien in der Tat vollkommen glücklich, kein Mißton störte die ersten Fitterwochen, die vielleicht gareine längere Dauer gehabt hätten, wenn Leon nicht gerade, der Mode und Valeriens Bitte folgend, den Flug nach Italien genommen hätte. Hier, in diesem der Kunst und Wissenschaft geweihten Lande, dessen glorreiche Schönheit nur ein gebildeter, feinsinniger Geist voll genießen und verstehen kann, war Leon durchaus nicht an seinem Platze, und hier erkannte Valerie zu 5 9 S og Ueg#nS##rg s BEES, EOESGDSHSESN, K E 9TSaaß Brgoo RG#giu S 5 o 5# 2 S S•3 8 8 S 55 S S- SSEEE VESSSSEBEESGES ESSOEBESSRSNEE M erst die Kluft, welche zwischen ihrem Seelenleben und dem ihres Gatten gähnte. Sie hatte eine sorgfältige Erziehung genossen, ihre geistige Begabung war durch die hervorragendsten Lehrer ausgebildet worden, während Leons Wissen mehr als lückenhaft war, da er von den Büchern, jeder ernsten Tätigkeit abhold, niemals etwas gehalten. Degegen trieb er allerlei Sport mit Leidenschaft, und dank seiner Antinousschönheit, seiner körperlichen Gewandtheit, hatte er sich bisher in dem oberflächlichen gesellschaftlichen Leben auch zu behaupten gewußt. Aber, was halsen ihm jetzt auf dem klassischen Boden seine Reiterkünste, er wußte hier absolut nichts mit sich anzufangen, da ihm) sogar jeder Sinn für landschuftliche Schönheit fehlte! Und weil ihn seine Unwiffenheit:doch zuweilen beschämte, Valeriens begeistertes Schauen aber ärgerte, so spielte er den Blasierten, den solcher Kultus langweile, und er hatte fortan. nur Spott, mit dem er ihr jeden Genuß vergällte und ihre Empfindungen verletzte. So war sie sast dankbar, als die Zeit der Heimkehr nahe kam. Während Leon sich nach dem zwanglosen Verkehr der Kameraden sehnte und Valeriens stete Gegenwart, die ihm ungewohnte Rücksichten auferlegte, ihn bereits zu langweilen begann, hoffte sie gerade in den alten trauten Verhältnissen ddaheim die jetzt oft. getrübte Harmonie mit ihm wiederzufinden. Doch sie täuschte sich hierin. Leon ging nun völlig wieder die gewohnten leichtsinnigen Wege und begann seine junge Frau in ungehöriger Weise zu vernachlässigen. Valerie litt unsäglich, aber sie trug schweigend ihre Vereinsamung, Leons Herzlosigkeit; selbst zur utter klagte sie nicht über die oft brutalen Rücksichtslosigkeiten ihres Gatten, die ihr das Herz brachen. Und jetzt, da ihr die Binde von den Augen gefallen, sah sie nur zu häufig in ihren Kreisen das Zerrbild einer Ehe, wie die ihre es geworden. Ueberall Gleichgültigkeit, Untreue, hilflose Vereinsamung, versteckt unter dem trügerischen Schein gleißenden Wohllebens. Sie aber war unfähig, ihr Herzenselend auch noch zu beschönigen und sich selbst zu betrügen in dem nervösen, glänzenden Scheinleben der Gesellschaft, vor dem es ihr jetzt graute. Da auch ihre Gesundheit einstweilige Zurückgezogenheit bedingte, und doch die prunkvolle Einsamkeit ihres liebeleeren Heims schwer auf ihr lastete, so suchte sie den Trost ernsterer Beschäftigung. Gedankenlosen Müßiggang hatte sie nie geliebt; sie war stets eine lernbegierige Schülerin gewesen und glaubte, in dem Wiederbeginn des Studiums fremder Spraches- auch jetzt einige Zerstreuung zu finden. Vornehmlich sprach sie gern französisch und suchte zu diesem Zweck eine junge Gesellschafterin, mit der sie täglich einige Standen lesen und reden könne. Fräulein von Gerlach wurde ihr als tüchtige und liebenswürdige junge Lehrerin empfohlen, und sie enzagierte. dieselbe, ohne zu wissen, daß diese eine Verwandte der Gräsin Melanie sei. Rika von Gerlach dachte ebensowenig daran, diesen Umstand, den außer Ingo ja niemand von der Jamilie je beachtet hatte, zu erwähnen. Mit dankbarer Freude über das reiche Honorar, welches sie empfing, da es ihr eine bessere Pflege ihres jetzt beständig, kränkelnden Vaters ermöglichte, hatte sie sich der jungen, liebenswürdigen Gräfin Rhoda zur Verfügung gestellt, mit der sie bald eine Freundschaft vertnüpfte, die beide beglückte und dennoch so verhängnisvoll für Valerie werden sollte. Rika brachte täglich die ersten Vormittagstunden bei der jungen Gräfin zu und hatte dies schon wochenlang getan, ohne jemals dort ihrem Vetter Leon begegnet zu sein. Sie freute sich dessen, da sie stets eine Abneigung gegen den leichtsinnigen Verschwender, der sich in gewissenlosem Egoismus auch des jüngeren, redlich arbeitenden Bruders Erbteil aneignete, gehabt, und diese Abneigung war nur gewachsen, als sie erkannte, daß Valerie nichts weniger als eine glückliche, geliebte Frau sei, sondern sich in stillem Leid um den rücksichtslosen, sie arg vernachlässigenden Gatten ver. Dennoch sollte sie einem unvermuteten Zusammentreffen mit ihm nicht entgehen. Als Leon einst zu ungewohnter Stunde die elegante Villa, welche Valeriens Morgengabe gewesen, verließ, begegnete er im Portgl seiner schönen Base, die scheu an ihm vorüberhuschte und eilig in den Gemächern seiner Gemahlin verschwand. Ueber dem kollen Genußleben, in welches er sich, gestützt auf den fürstlichen Reichtum des Kommerzienrats, von neuem gestürzt, war ihm Rika aus dem Gedächtnis entschwunden. Ihre morgenfrische Schönheit hatte sich inzwischen auf das lieblichste entfaltet, und das plötzliche Wiedersehen erweckte zaubermächtig das heiße Gefallen in ihm, welches Rikas ungewöhnlicher Liebreiz stets in ihm erregt. Es konnte ihm nicht schwer fallen, zu erforschen, daß das junge Mädchen täglich ihre Schritte in die Villa lenkte. Unter scheinbar wieder erwachtem Interesse für Valerie suchte er diese jetzt wiederholt in jenen Stunden auf, welche Rika bei ihr zubrachte. Es gelang ihm leicht, Valeriens liebendes, nur zu sehr zum Verzeihen geneigtes Herz zu täuschen, nicht aber Rikas Argwohn, den sie bestätigt fand, als es Leon nicht bei der harmlosen Annäherung während der französischen Stunden bewenden ließ, sondern sich ihr dann auch auf dem Wege nach Hause anzuschließen suchte, mit Blicken und Worten, die ihr Angst. und Grauen einflößten. Sie sah sich genötigt, den ihr so lieben Verkehr mit Valerie, und schweren Herzens damit auch den ihr so notwendigen Verdienst des Stundenhonorars, aufzugeben, da Leons unwürdiges Spiel sie tief empörte, und es ihr ebenso unmöglich schien, die unglückliche Freundin darüber auszuklaren. Unter dem Vorwande, daß ihr leidender Vater sie nicht länger entbehren könne, blieb sie daheim. Sie hoffte, Leons launenhafte Leidenschaft werde erlöschen, sobald sie gänzlich seinem Gesichtskreise entschwände. Hierin irrte sie. Ihr sprödes Zurückweichen reizte ihn nur um so mehr, und er, in seinen Neigungen sonst schwankend wie ein Rohr, suchte jetzt mit leidenschaftlicher Gewalt ein Wiedersehen mit Rika zu erzwingen. Da er ihren Vater an sein Zimmer gefesselt wußte und er die Mansardenwohnung genau kannte, dessen Bewohner in der Sorglosigkeit ihres überaus zurückgezogenen Lebens einen besonderen Verschluß der Zimmer nie für notwendig erachtet hatten, so bedurfte es nur seines kecken Willens, um dort einzudringen. In übermütiger Herausforderung stand er eines Tages vor dem tödlich erschrockenen Mädchen, das nach einem anstrengenden Tagewerk müde träumend in ihrem einfachen Stübchen suß und nun, vor Schreck keines Wortes mächtig, den dreisten Eindringling anstarrte. Leon legte sich diese stumme Verwirrung indes zu seinen Gunsten aus Sie war so überaus reizend in ihrer kindlichen Bestürzung, daß er stürmisch ihre schlaff herabhangenden Hande erfaßte und sich mit einem beruhigenden Liebeswort zu ihr neigte. Da erwachte Rika mit einem schrillen Angstschrei aus ihrer Erstarrung.„Verlassen Sie mich auf der Stelle, Sie sind ein Ehrloser,“ rief sie, zitternd vor Empörung. Er preßte nur glühende Küsse auf ihre Hände, ihre Lippen, während sie in wilder Angst nach ihrem Vater rief. (Fortsetzung folgt.) 5 SgSgs Bn-SSäg p S 8•0 = IGETSTSUSERE Denkspruch. Westgeheimnis ist die Schönheit, die uns lockt in Bild und Wort, Woll ihr lie dem Leben zauben, zieht mit ihr die Liebe fort; Was noch ammet, zuckt und schaudert, alles sinkt in Nacht und Graus, Und des Himmels Lampen löschen mit dem letzten Dichter aus! . A. v. Platen. Wie steht das Volk zum Kino? Eine Umfrage. (Nachdruck verboten.) Der vielumstrittene Kino erhält nun auch seine erste wissenschaftliche Behandlung in einer bei Eugen Diederichs in Jena erscheinenden Arbeit„Zur Soziologie des Kino“ von Emilie Altenloh. Die Verfasserin, eine Schülerin des Heidelberger Nationalökonomen Alfred Weber, legt das Hauptgewicht auf eine umfassende Untersuchung, in der sie die Stellung des Volkes zum Kino erforscht hat. Das Material der interessanten Untersuchung wurde hauptsächlich in Heidelberg und Mannheim gesammelt; an den 2400 Antworten, die durch viele Tausende von Fragebogen erzielt wurden, sind sämtliche Schichten der Gesellschaft beteiligt. Besonders gut ist, die Jugend vertreten, da durch die vollständige Befragung in den einzelnen Schulen fast der gesamte Nachwuchs des betreffenden Gebietes erfaßt wurde Von den 12 Kinematographentheatern, die in Mannheim in Betracht kommen, liegen die drei eleganten im Innern der Stadt; die übrigen sind typische Vorstadttheater, die am besten durch den Anschlag in einem der Säle charakterisiert werden:„Das Demolieren der Stühle und Bänke ist verboten.“ Diese zwölf Theater haben zusammen 4500 Sitzplätze bei einer Bevölkerung von 204000 Seelen. Auf Grund der Statistik der Besuchsfrequenz der Kinos kann man feststellen, daß rund 7500 Menschen allabendlich im Kino sitzen, also mehr, als alle anderen Vergnügungsstätten der Stadt zusammen an einem Abend aufweisen können. In den vornehmen Theatern tritt die geringste Besuchsziffer mit großer Regelmäßigkeit am Freitag auf, wie dies ja auch bei wirklichen Theatern schon häufig konstatiert wird; in den Vorstadttheatern zeigt der Donnerstag die geringste Besuchszahl, wohl weil das Geld an diesem Tage am knappsten ist, während am Freitag, dem Lohntag, die Frequenz stärker ist. Die Sonntage weisen überall eine drei= bis viermal so große Zahl auf als die Wochentage. Fragt man nun, wie die einzelnen Teile des Volkes zum Kino stehen, so mögen zunächst die Kinder betrachtet werden. 79 Proz. aller befragten Knaben, 33 Proz. der Mädchen waren bereits im Kino gewesen; 22 Proz. der Knaben und 5 Proz. der Mädchen waren so eifrige Kinobesucher, daß sie sich wöchentlich mindestens einmal dies Vergnügen antaten. Den Geschmack der Knaben befriedigen besonders Indianer= und Trappergeschichten, während für die Mädchen die Musik augenscheinlich die Hauptanziehungskraft bildet. Unter den jugendlichen Arbeitern sind am stärksten am Kinobesuch Gelegenheitsarbeiter, Austräger, Milchjungen usw. beteiligt. Diese Gruppe zeigte mit 32 Proz. wöchentlichen und 29 Proz. monatlichen Kinobesuchern die stärkste Besuchsintensität, die überhaupt ermittelt wurde. Bei Milchjungen, Austrägern und Friseuren fanden sich sogar 45 Proz., die wöchentlich mindestens einmal den Kmo besuchten.„Wildwest, Verbrecherkönig Zigomar, Ringkämpfer, Seiltänzer",— damit ist der Interessenkreis dieser jugendlichen Arbeiter erschöpfend gekennzeichnet. Etwas höher stehen schon die gekernten Arbeiter, für die die Antwort eines 15jährigen Maschinenschlossers charakteristisch ist. Er besucht auch Theater und Konzerte, und da haben ihm am besten gefallen„Mozarts Musikstücke, Richard Wagners Dramen und Schillers Dramen“. Im Kino gesallen ihm am besten„Liebesdramen, Trapper= und Indianergeschichten, aktuelle Neuheiten aus aller Welt und Bilder der Aviatik und Luftschifffahrt“ und Stücke wie„Das Leben im Paradies, Fremde Schuld, Die keusche Susanna und Moderne Eva, Vierakter“. Die dritte Gruppe der jugendlichen Arbeiter, die den kleinbürgerlichen Typus repräsentiert, neigt bereits zu der Auffassung der Handwerker vom Kino hin. Ein großer Prozentsatz, nämlich 27 Proz., gegen 3 Proz. bei den gelernten Arbeitern, ist überhaupt noch nicht drin gewesen; der Sinn der anderen ist nur aufs Praktische gerichtet, und manche lieben sogar, ebenso wie die Heidelberger Schüler, die Naturaufnahmen mehr als die Sensationsdramen. Bei den erwachsenen Arbeitern verliert der Kino mit zunehmendem Alter mehr und mehr die beherrschende Macht, die er im Leben des jugendlichen Arheiters so vielfach darstellte. 20 Proz. aller Gefragten besuchten überhaupt keine Kinos; viele antworteten: „Früher ja— jetzt nicht mehr.“ Manche lehnten es ab, „für einen derartigen Schund“ Zeit und Geld aufzuwenden. Bei den verheirateten Arbeitern ist es in den meisten Fällen die Frau, die zum Kinobesuch veranlaßt; für viele der befragten Arbeiterfrauen bildete der Kino einen wichtigen Bestandteil ihres Daseins und das Hauptvergnügen. Der Handwerker will vor allem aus dem Kino„Belehrung“ schöpfen; daher liebt er Naturaufnahmen und Vorführungen, die mit seinem Beruf in Verbindung stehen; sonst g'bt er„für derartigen Unsinn lieber kein Geld aus". Merkwürdigerweise war der Prozentsatz der Landhandwerker, die im Kino gewesen waren, bedeutend größer, als der der Mannheimer Handwerker, nämlich 75 Proz. gegen 32 Proz. Der Mann vom Lande will eben, wenn er in die Stadt kommt,„alles einmal gesehen haben“ Bei den Gehilfen im Kaufmannsstand tritt ein starkbetontes Standesbewußtsein hervor; sie besuchen keine Vorstadtkinos, sondern legen Wert auf ein Theater, „in dem nur besseres Publikum verkehrt", das„einen angenehmen Aufenthalt“ bietet. Für ihren Geschmack ist etwa Wagners Lohengrin ebenso typisch wie für die unterste Schicht der jugendlichen Arbeiter der Verbrecherkönig Zigomar. Im 17. und 18. Jahre hat die Leidenschaft des Kommis für den Kino ihren Höhepunkt erreicht; das Sensations= und Großstadtdrama ist für ihn die Hauptsache, daneben interessiert er sich noch für Naturaufnahmen. Die weiblichen Angestellten im Kaufmannsstand besuchen den Kino weniger; nur 63 Proz. gegen 79 Proz. der männlichen Angestellten. Während der Kommis komische Sachen sehr gern hat, schwärmt das Ladenfräulein für das ernste Drama und besonders für die Musik. Sehr ablehnend gegen den Kino verhält sich der ältere Kaufmann; er sieht es vielfach schon für eine Beleidigung an, wenn man ein derartiges Interesse bei ihm überhaupt vermutet. Ein ähnliches Resultat zeigte sich in den Umfragen bei den oberen Gesellschaftsschichten. Die Filmdarstelkungen werden vom künstlerischen Standpunkt völlig verurteilt, aber„man geht eben hin“. So zeigte sich unter den Frauen der oberen Stände, daß 89 Proz. überhaupt einmal im Kino waren und 60 Proz. ihn regelmäßig besuchten: Die prozentual niedrigste Zahl der Kinobesucher überhaupt stellen die Berufe mit akademischer Bildung, Studenten eingeschlossen. Was die Vorliebe für einzelne Kinodramen anbelangt, so wurden am häufigsten in den vornehmen Theatern die Asta-Nielsen=Dramen und„In der Nacht de(Das Eiserne Kreuz) wurde dem Feldwebel Paul Luck, Hagenerstraße 4, verliehen.— Der Kriegsfreiwillige Cand. Kühnholz von der Hüsingstraße wurde wegen tapferen Verhaltens in den Kämpfen in der Champagne zum Unteroffizier befördert. (Sinken der Schweinefleischpreise.) In den letzten Tagen hat in Berlin ein lebhaftes Sinken der Schweinefleischpreise eingesetzt. Die Gründe liegen vor allem in der gesteigerten Zufuhr. Es hat sogar den Anschein, als ob sich dies in der nächsten Zeit noch erhöhren würde. Dazu kommt, daß die jetzigen Schweine infolge der ausreichenden Kartoffelfütterung gut gemästet sind. Besonders die Preise für Schinken sind gesunken, da der Verbrauch infolge des hohen Preises derartig zurückgegangen ist, daß die Vorräte auf Lager liegen blieben.— Wie schön wäre es, wenn man auch von hier ähnliches berichten könnte. **(Die gestrige Herbst=Kirmes) ist gleich der Mai=Kirmes still und friedlich verlaufen. Der Aufbau der Budenstadt war zwar etwas reichhaltiger ausgefallen und bei dem ziemlich günstigen Wetter war in den Nachmittagsstunden auch der Besuch von auswärts ein recht guter. Musik und lärmende Veranstaltungen waren jedoch mit Recht wieder nicht zugelassen; sie passen auch nicht in die ernste Kriegszeit hinein. **(Zur Beachtung!) Von seiten des stellvertretenden Generalkomamndos des 7. Armeekorps geht uns folgendes zu: Der in beschränktem Maße zugelassene Privattelegramm=Verkehr nach dem Feldheerk hat einen derartigen Umfang angenommen, daß nur noch solche Telegramme berücksichtigt werden können, deren Dringlichkeit ohne weiteres ersichtlich oder durch behördlich beglaubigte Atteste oder sonstige Unterlagen begründet ist. Hierbei genießen Telegramme an Lazarette für Schwerverwundete oder Anfragen über diese vor allen anderen den Vorrang. Alle Telegramme sind unter frankiertem Briefumschlag einzusenden an die„Telegramm=Prüfungsstelle beim stellvertretenden Generalkommando des 7. Armeekorps, Münster (Westf.), Steinfurterstraße Nr. 6. **(Versuchter Einbruch?) In der letzten Nacht wurde ein Schaufenster des Kriegerschen Schuhgeschäfts am Markt durch einen Steinwurf zertrümmert; ein schwerer Pflasterstein wurde heute morgen in der Schaufensterauslage vorgefunden. Jedenfalls sind die noch nicht ermittelten Täter, die es auf einen Einbruch abgesehen hatten, bei ihrer nächtlichen Arbeit gestört worden. **(Höchstpreise für Gemüse.) Der außerordentlichen, durch die Verhältnisse nicht begründeten Steigerung der Preise für Dauergemüse und Zwiebeln wird voraussichtlich in der allernächsten Zeit durch die Festsetzung von Höchstpreisen gesteuert werden, die auch der zuständige Ausschuß des Beirats der Reichsprüfungsstelle für Lebensmittel als dringend unerläßlich befürwortet hat. Eine ähnliche Regelung schwebt wegen des Buchweizens. **(Die kommende Kriegsgewinnsteuer.) Es wird nunmehr bekannt, daß das Reichsschatzamt mit der Einzelausarbeitung der deutschen Kriegsgewinnsteuer beschäftigt ist. Man darf nach den vorliegenden Mitteilungen wohl annehmen, daß die Arbeit schon ziemlich weit fortgeschritten ist; die Besteuerung der Kriegsgewinne soll auf der technischen Grundlage der Wehrbeitragsveranlagung und der Veranlagung zur Einkommensteuer erfolgen. Ueber die Steuerhöhe wird Genaueres noch nicht mitgeteilt, doch heißt es, daß sie die 50 Prozent der englischen Kriegsgewinnsteuer nicht erreiche und ähnlich wie der Wehrbeitrag gestaffelt sein werde. Wann die Steuer eingebracht wird, steht noch dahin; ebenso sind, abgesehen von dem hier Mitgeteilten, genauere Angaben über Prozentverhältnis, Höhe der Staffelung usw. noch nicht gemacht worden. Doch ist anzunehmen, daß die Oeffentlichkeit bald Positiveres erfährt; das wäre, bei der Wichtigkeit der Steuer und dem allgemeinen Interesse, mit dem man ihr begreiflicherweise in allen Schichten des Volkes begegnet, auch äußerst erwünscht. **(Das Bier wird noch teurer.) Wie uns mitgeteilt wird, werden die westdeutschen Brauereiorganisationen in den nächsten Tagen in Duisburg eine Versammlung abhalten, in der endgültige Beschlüsse über einen neuen Bieraufschlag gefaßt werden sollen. Ueber den Aufschlag selbst sollen sich sämtliche Brauereien bereits einig sein; nur bestehen noch Meinungsverschiedenheiten, ob ein solcher auf 4 oder 5 Mark festgesetzt werden soll. Dem Vernehmen nach soll der Aufschlag bereits mit dem 15. November in Kraft treten. ** Berchum, 27. Okt.(Gemeinderatswahl.) Die Wahlen zur regelmäßigen Ergänzung der Gemeinde=Verordneten finden am Freitag, den 26. November d. J., nachmittags 3 Uhr, im Lokale der Witwe L. Borgmann hierselbst statt. Es scheiden mit Ablaus dieses Jahres aus: Aus der 1. Abteilung der Kleinschmied Friedrich Mitze sen., aus der 2. Abteilung der Landwirt Heinrich Silbersiepe. Außerdem ist ein Ersatzwahl vorzunehmen in der 3. Abteilung für den verzogenen Gemeindeverordneten Fabrikarbeiter Heinr. Hilbrandt für den Rest der Wahlzeit 1915/17. ** Sölde, 27. Okt.(Mehrere Einbruchsdiebstähle) wurden Anfang August d. I. hier bei mehreren Familien ausgeführt. Als Dieb wurde schließlich der Arbeiter Vinzenz Jonik aus Dortmund ermittelt, ein Mann, der schon mehrere erhebliche Vorstrafen erlitten hat. Der alte Sünder hatte sich gestern vor der Dortmunder Strafkammer zu verantworten. Er leugnete hartnäckig. Das Gericht erachtete ihn jedoch für schuldig und verurteilte ihn zu 2 Jahren Gefängnis. — Milch und Butter. Die sehr starke Steigerung der Preise für unsere notwendigsten Nahrungsmittel gibt dauernd zu den lebhaftesten Klagen in der Bevölkerung Anlaß. Aber es wird wohl kaum eine Preissteigerung so unangenehm empfunden, als die für Butter und Milch. Für Milch ist in den letzten Wochen in den Großstädten der Preis pro Liter auf 39 bis 35 Pfg. erhöht, und Butter erreichte bereits den Preis von 3 Mark pro Pfund. Der Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen hat in einer Eingabe an das Reichsamt des Innern die Abstellung dieser unerträglichen Zustände gefordert. Er verlangt die Festsetzung von Höchstpreisen für Milch, die aber in enger Verbindung stehen muß mit einer Preisbegrenzung für Butter und Käse. Ohne die Festsetzung von Höchstpreisen für Butter und Käse würde bei der Landwirtschaft nur der Anreiz entstehen, größere Mengen von Milch für die Butterund Käsebereitung zur Verfügung zu stellen und damit das für den Konsum zur Verfügung stehende Quantum Milch verringert werden. Es wird ferner verlangt, daß die Herstellung von Käse aus Vollmilch verboten wird. Befürwortet dagegen wird die Herstellung von Käse aus Magermilch. Dabei würde der Eiweißgehalt der Magermilch der menschlichen Nahrung zugeführt, während leider gehenwärtig der größte Teil der Magermilch zur Viehfütterung benutzt wird. Bei dieser Verwendung der Magermilch geht nur ¼ des Eiweißgehaltes in die Fleischproduktion über. Bei dem Mangel an eiweißhaltiger Nahrung ist es dringend notwendig, daß die Nahrungsmittel mit größerem Eiweißgehalt vollkommen der menschlichen Nahrung zur Verfügung gestellt werden. Was die praktische Durchführung des Vorschlages anbetrifft, so beruft sich die Eingabe auf die Verordnung des Generalkommandos in Bayern, die von der Bevölkerung recht zustimmend ausgenommen wurde. Aber auch bei dieser Verordnung zeigt sich bereits, daß ohne eine Regelung für das ganze Reich die Durchführung Mängel aufweist. Vor allem klagen die Bezirke, die früher Milch und Produkte der Molkerei aus Bayern bezogen haben, daß ihnen durch die Beschränkung der Ausfuhr aus Bayern große Schwierigkeiten in der Versorgung entstanden sind, die vom Handel zu abermaligen Preissteigerungen benutzt werden. Die Eingabe bestreitet, daß die Landwirtschaft die gegenwärtige Preissteigerung begründen oder mit Recht fordern kann. Die hohen Preise für Butter lassen sich nur erklären aus der ungünstigen Marktlage. Es fehlt an Oelen und Fetten und dieser Mangel wirkt preistreibend für Milch und Molkereiprodukte: Ohne eine Preisfestsetzung ist den weiteren Preistreibereien kein Ziel zu setzen. —— Die Erschießung der Miß Cavel. :: Die„Times“ und andere englische Blätter sind voll von Entrüstungsreden über die in Belgien erfolgte Hinrichtung der Miß Cavel. Diese, von Beruf Krankenpflegerin, ist wegen Kriegsverrates erschossen worden. Zu dem Zetermordio, das jetzt von britischer Seite über die„teutonische Brutalität und Grausamkeit" angestimmt wird, schreibt Graf Reventlow in der„Deutschen Tagesztg.“: Daß Miß Cavel ursprünglich sich der Krankenpflege gewidmet und diese Tätigleit auch ausgeübt he“ anerkennenswertOb aber die„Times“ und andere englische Zeitungen klug handeln, wenn sie das gerade in diesem Zusammenhange betonen, möchten wir sehr bezweifeln, denn die Cavel hat diese ihre Eigenschaft als Krankenpflegerinvorsteherin in raffiniertester Weise als Maske und Deckmantel benutzt, um die, wie der Unterstaatssekretär Zimmermann sagt,„wohldurchdachte und weitverzweigte Verschwörung“, deren Haupt" sie war, neun Monate lang zum größten Nachteile unserer Armee zu verbergen. Wenn die englische Presse sagt, Miß Cavel habe viele verwundete Deutsche gepflegt und sei nun durch deren Kameraden erschossen worden, so kann man mit erheblich größerem Rechte sagen, daß sie unter der Maske der Krankenpflegerin zahllose belgische, englische und französische Soldaten dadurch, daß sie sie befreite, wieder in den Stand setzte, auf deutsche Soldaten zu schießen. Wenn man in Großbritannien das edel und mutvoll findet, so läßt uns das kühl. Und ebenso kühl weisen wir die Zumutung zurück, daß man in Deutschland tief gerührt und zu Strafmilderung geneigt sein müsse, wenn sich eine Spionin und Verschwörerin ersten Ranges in der Kleidung der Krankenpflegerin während Jahresfrist zu verstecken verstanden hat. Ein Spionagemärchen. Der angebliche deutsche Spion Oberst Mjassojedow. Die offiziöse„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt: Die französische und englische Presse beschäftigt sich immer erneut mit einer angeblichen großen Spionageangelegenheit, die in Rußland gespielt haben soll, und als deren Hauptperson der Oberstleutnant Iwanoff Mjassojedow genannt wird. Dieser ist unter der Anklage der Spionage zugunsten Deutschlands mit mehreren angeblichen Mitschuldigen hingerichtet worden. Das Urteil ist, wenn es tatsächlich wegen Spionage erfolgte, gegen Unschuldige ergangen. Niemals hat Oberstleutnant Mjassojedow oder ein ihm Nahestehender Nachrichten an Deutschland oder Oesterreich=Ungarn geliefert. Den russischen Behörden wird es unmöglich sein, Beweise für das angebliche Verbrechen der Gerichteten zu erbringen. Schon als die Verhaftung des Oberstleutnants Mjassojedow unter der Anklage des Landesverrats durch die Zeitungen besannt wurde, war von den zuständigen deutschen Stellen erwogen worden, die Haltlosigkeit der Anschuldigung öffentlich zu erklären. Es wurde aber davon Abstand genommen in der Voraussicht, daß eine solche Erklärung den Angeschuldigten nichts genuzr, ihnen vielleicht im Gegenteil als ein Versuch, Schuldige zu entlasten, geschadet haben würde. Auch jetzt kann die Erklärung, die wir an zuständiger Stelle eingezogen haben, daß Oberstleutnant Miassojedow und seine Mitangeklagten unschuldig waren, ihnen nichts mehr nützen. Der Umstand aber, daß in der Presse unserer Feinde der Fall immer von neuem aufgegrifsen und in dem Sinne besprochen wird, daß durch ihn die deutsche Heeresleitung in der Lage gewesen sei, Anordnungen zu treffen, die zu den Erfolgen der deutschen Waffen geführt haben, zwingt, öffent ich zu erklären, daß diese Behauptung falsch ist und offensichtlich nur zur Entlastung der russischen Heerführung benutzt wird. Den deutschen Behörden ist nulsein Oberstieutnant Mjassojedow bekannt. der als Gendarmeriechef an der Grenze bis zum Jahre 1909 sich in der russischen Spionage gegen Deutschland betätigte.— und Thealer. Städtisches Schauspielhaus, Hagen. Morgen(Freitag) abend 8 Uhr findet die Erstaufführung von Henri Nathansens Schauspiel„Hinter Mauern" statt und zwar im Rahmen eines Gesamt=Gastspiels des Frankfurter Neuen Theaters. Der Verfasser entrollt in diesem Werk ein historisch getreues, jüdisches Kulturbild. Es kann nur diese einmalige Aufführung stattfinden. — Alle unter dieser Rubrit besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Christ, der Retter. Geschichten aus dem Leben Jesu, kleinen und großen Kindern erzählt von Gottfried Fankhauser. 250 Seiten Oktav. Gebunden Ml. 3.—. Verlag von Kober C. F. Spittlers Nachf. in Basel. Wie Gottfr. Fankhauser erzählen kann, wissen wir ja. Es ist(ganz gleichgültig, was er erzählt, ein einziger großer Genuß, ihm zuzuhören. Aber die Geschichten von Jesus Christus sich von ihm erzählen zu lassen, das bedeutet mehr als Genuß, das ist reinste, edelste Erbauung. Dieses Buch sollte in den Besitz jedes Sonntagsschulhelfers, jedes Predigers und Lehrers kommen, und nicht zuletzt an die Front in die Hände der Soldaten, denn der schlichte Kindersinn und Kinderglaube, der aus diesem Buche spricht, und an den das Buch sich wendet, und der wiederum aus diesem Buche den reichsten Gewinn haben wird, ist wohl unter uns Erwachsenen jetzt dort draußen; wo die Kanonen donnern, am schönsten und häufigsten zu treffen. Neues Werden in Deutschland. Einiges zur Psychologie der Kriegszeit von J. R. von Loewenfeld. Kart. Mk. 1,50. Halle(Saale) 1915. Rich. Mühlmann Verlagsbuchhandlung(Max Grosse). 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Armeekorps ist eine Arbeitsnachweiszentrale für Kriegsbeschädigte in Münster i. Westf, Landeshaus, eingerichtet worden, die unter Leitung des Herrn Hauptmanns d. L. Stoetzer steht. Die Zentrale hat die Aufgabe, alle Angebote und Nachfrage bezüglich Unterbringung von Kriegsbeschädigten zu sammeln und die Stellenvermittlung in die Wege zu leiten. Es liegt daher im eigensten Interesse aller Firmen. Unt rn hmer und überhaupt aller Arbeitgeder, sich unmittelbar dieser Zentrale zu bedienen. Es ist dies besonders deshalb empfehlenswerl, weil jetzt bei allen Ersatztruppenteilen, bei denen sich Kriegsbeschädigte befinden, Beratungsstellen eingerichtet sind. die ihrer seits Kriegsbeschädigte dieser Zentralstelle zwecks Unterbringung in geeignete Berute namhaft machen werden. Infolgedessen wird zu erwarten sein, daß bei regem Angebot und reger Nachfrage den Kriegsbeschädigten zur Erreichung ener Anstellung leicht verholfen werden kann und den Arbeitgebern die fehlenden Arbeitskräfte nachgewiesen werden können. Die Adresse lautet: An die Arbeitsnachweiszentrale für Kriegsbeschädigte des VII Armeekorps Münster, Landeshaus. Fernsprecher 2200—2203. Bordeaux=Rolwein Bezug in Original=Oxhoff=Fässern. Eigene Abfüllung, daher billigste Preisberechnung, per Flasche 1,30—4,00 Mk. inkl. Flasche. Carl Raffin, Gasthof„Zur Helle" Telephon 251. ie glückliche Geburt eines Knaben zeigt an, zugleich im Na men ihres im Felde stehenden Mannes 5028 Frau Helmuth Krey. Schwerte, 27. Okt. 1915. u Zwangsverkauf. Am Freilag, den 29. Okt. er., vormittags 10½ Uhr, werde ich in Westhosen an Ort und Stelle, Versammlung im Fritzenkötterschen Lokale daselbst 1 Dreschkassen gegen bar versteigern. 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Die Beerdigung findet Sonntag, den 31 Okt cr., nachmittags 8 Uhr, vom Sterbehause, Nordstr. 4, aus statt. 5029 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Mutter sprechen wir allen, besonders Herrn Pastor Terberger für die trostreichen Worte am Grabe unsern innigsten Dank aus. 5034 Geschwister Haape und Familie G. Seuthe. Schwerte, den 28. Oktober 1915. 88 Wornzeugschlösser, E undI für dauernde Beschäftigung gesucht. Nickelwerk Schwerte-Ruhr. Zuverlässiger 1 Möbliertes Knecht Zimmer 0 per sofort gesucht. Wilh. Rath, 4995 Wilhelmshütte. Suche ordentliches zum 10. Nov. d. I., welches melken kann. 4990 Baaß Mühle Beckhausen. 5 gesucht. Schweiter Drahtweite, Wolfsgasse 1. 5030 1 Salon=Pianino(eiche), Salon=Pianino(schwarz) beide nur kurze Jeit gespiell, gebe mit langjähr. Garantie ganz billig ab. 4572 H. van Bremen Dortmund. Heiligerweg 15, Pianohaus. in gutem Hause sofort zu vermieten. Zu erfragen in der Gechäftsst. d. 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