oo Scundn Zeiuner unden dane auder Feiertags. Bezugsprete M., D oierteiährlich, dei der Post für Bestellgeld 42 Pia.“ mehr. Wöchentl. Gratisdeilage:„Ikustrierter Familiensreund" v. tägl. Unterdaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die jedengespaltene Petttzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pig., Rehlamezeile 40 Pfg. Jeder Radatt gill als Kassaradakt u. erlisch dei Kondursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Resteatbucd ernaht.- Seiiusstetene Anttliehses Rreiseinlt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Nr. 246. Schwerter Volksblas Verbunden mit? * tar den Kreis Worcie Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung ahgnte Loftszelune Schwerker Tageblatt D Schwerter Anzeiger Grltes und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis börde o Kaupt-Aononcenblaß Mittwoch, den 20. Oktober 1915. und dure und unhnentgrüichen durnd nungen für den Areis Hörde erlongen, gomen Betonntmachung dei Abalgischen Regierung durch Verössentlichung ie de: Jetung“ wcwoerdiadiche Atest.— De „Schwerter Zeitung“ gewöhrt ihren Abennen. ten für jeden mit Tod endenden Unsoll gedagungen 2 300 Mk. Unfall. Druch u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte=7 Fernsp 62. Telogr. Adr. Braus Schwerte47. Jahrgang. srenobac und Bransa erobert.— Die Bähnlintt Neue Rievertagen der Staltener am Isonzo. co G* 4 l reichen K 500 Jahre Hohenzollern=Herrschaft. Heuischer Tagesvericht Am 21. Oktober ist ein halbes Jahrtausend verflossen, seit dem vom Kaiser Sigismund mit der Mark Brandenburg belehnten Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg auf dem Landtage in Berlin von den Städten gehuldigt wurde. Auf Befehl des Kaisers soll die Feier des Gedenktages auf eine Feier in den Schulen am 21. Oktober und auf eine kirchliche Feier am darauffolgenden Sonntage beschränkt werden. Zu rauschenden Festen ist die Zeit nicht angetan; aber es bebarf ihrer auch nicht. Die herrlichen Taten, die unser Volk in Waffen in dem uns freventlich aufgedrungenen Kampfe vollbringt, sind Verkünder des ruhmreichen Werkes, das von einer bescheidenen Grenzmark ausging, um in der Zusammenfassung der Stämme Deutschlands zu einer Fürsten und Volk umschließenden, machtvollen Einheit zu gipfeln. Von des Heiligen Römischen Reiches Streusandbüchse bis zum Deutschen Reiche, das einer Welt von Feinden trotzt— welch ein Weg! Mit Friedrich I., Kurfürsten von Brandenburg, begann die Herrscherlaufbahn der Hohenzollern, die nach Jahrhunderten voller Kämpfe und aufbauender Arbeit zur Kaisetwürde führte. Die Persönlichkeit des Fürsten, der als erster Hohenzoller seine Gaben in den Dienst der Mark stellte, wird in der Geschichte unseres Vaterlandes unvergeßlich fortbestehen. Er war ein geborener Herrscher, und zwar ein Herrscher in jenem Sinne, wie ihn die Hohenzollern seit fünf Jahrhunderten aufgefaßt und erfüllt haben.„Ebenso reich an Ideen, wie voll von Talent, sie auszuführen, immer nach den wechselnden Umständen und Erfordernissen der Zeit, hatte er einen Zug von Volkstümlichkeit und einen lebendigen Begriff vom Berufe des Fürstentums. In diesem Sinne faßte er die dem Titel hinzugefügten Worte„von Gottes Gnaden“ auf; alle seine Landschaften betrachtete er als ein ihm von Gott anvertrautes Gut. Von ihm ist das schöne und große Wort, er sei der„schlichte Amtmann Gottes am Fürstentum". So urteilte über ihn der große Geschichtsforscher Ranke. Diese hohe Vorstellung von dem fürstlichen Beruf hat die Hohenzollern allezeit beseelt. Ihr gab Friedrich der Große die berühmte Prägung, er sei der erste Diener des Staates, ein Wort, zu dem sich unser Kaiser von neuem vor der Welt bekannte, als er seiner Freude und seinem Stolze Ausdnick verlieh, „in solcher Zeit der erste Diener einer solchen Nation zu sein“. Im Lande der Hohenzollern wurde zur Wahrheit, daß Herrscher und Staat eins seien, daß Wohl und Wehe der Fürsten untrennbar verknüpft seien mit den Geschicken des Staates. Die Hohenzollern schufen sich den Staat nicht nur, sie schufen sich das Volk, mit dem sie in die Entwickelung Deutschlands und Europas in steigendem Maße mitentscheidend einzugreifen vermochken. Unter ihnen entstand und erstarkte das preußische Staatsbewußtsein zu einer politischen Macht. größe. Der Staatsgedanke, der in diesem Bewußtein lebte und nach Wirkung strebte, zog Deutsche verschiedenster Stämme, ja auch Zugewanderte nichtdeutschen Stammes in seinen Bann und schweißte sie, ohne ihre Sonderart zu erdrücken, zu inniger und fester Volksgemeinschaft. Als aber die rechte Stunde geschlagen hatte, erwuchs aus dem Staatsgedanken der Reichsgedanke und nahm machtvolle Gestaltung an. Mit Preußen ordneten sich alle deutschen Staaten= der Reichseinheit unter, die es erst ermöglichte, die wtb. Großes Haupkquartier, 19. Oktober 1915. Keine wesentlichen Ereignisse. Oestlicher Kriegsschauplatz Heeresgruppe des General=Feldmarschalls von Hindenburg. Südlich von Riga stürmten unsere Truppen mehrere russische Stellungen und erreichten die Düna bei Borkowitz. 1 Offizier und 250 Mann wurden gefangen genommen und zwei Maschinengewehre erbeutet. Ein russischer Angeiff in der Gegend von Jakobstadt wurde abgewiesen. In der Gegend von Smolwyn wurde durch eines unserer Kampf=Flugzeuge ein französischer Doppeldecker, der von einem russischen Stabskapitän geführt wurde und mit einem englischen Maschinengewehr ausgerüstet war, abgeschossen. Heeresgruppe des General=Feldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern Nichts Neues. Heeresgruppe des Generals von Linsingen. Die gestern gemeldeten Kämpfe am Styr nehmen einen für uns günstigen Verlauf. Bei der Heeresgruppe des General= marschalls von Mackensen wurde von der Armee des Generals von Köveß durch österreichisch=ungarische Truppen die Stadt Obrenovac genommen. Südlich von Belgrad erstürmten deutsche und österr.=ungarische Verbände nach Kampf die Höhen südlich von Vranic, südlich von Ripanj und füdlich von Grocka an der Donau. Die Armee des Generals v. Gallwiß erkämpfte mit dem rechten Flügel die Gegend nordwestlich von Seone sowie die Orte Vodanj und Mala Krsna. Höhengelände bei Lucsca, sowie südlich und östlich von Bozevac bis Misljenovac wurden dem Feinde entrissen Die Armee des Generals Bojadjeff drang gegen Jajecar, Knjazevac, Inowo und gegen die Pässe von Pirot weiter vor. Andere bulgarische Truppen haben Vranja im oberen Morawatal genommen und weiter südlich die Linie Egri=Palanka—Islib bereits überschritten. Oberste Heeresleitung. WTB Wien, 20. Okt.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 19. Oktober mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Die Russen setzten gestern ihre Angriffe in dem Sumpf= und Waldgebiet des unteren Styr fort. Bei dem nordwestlich von Derazno liegenden Dorf Bogusdawka stürmte der Feind dreimal vergebens gegen die Stellung einer Honved=Division an. Er wurde durch Feuer und im Nahkampf in die Flucht geschlagen und ließ drei Offiziere, über 500 Mann und zwei Maschinengewehre in unserer Auch eine über Kulikowicze vordringende russische Division wurde wieder auf das Ostufer zurückgetrieben. In der Gegend von Czartorysk gewann der Gegner an einigen Punkten das Westufer des StyrFlusses. Dort wird noch gekämpft. Nördlich von Rasolowka griffen die Russen gleichfalls mit starken Kräften an. Sie wurden abgewiesen, wobei wir hundert Mann zu Gefangenen machten. Sonst blieb die Lage im Nordosten unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe an der Isonzofront nehmen an Ausdehnung zu. Gestern mittag setzte gegen unsere Stellung am Krn, am Tolmeiner Brückenkopf, bei Tonale, bei Plava, gegen den Görzer Brückenkopf und das Plateau von Doberdo starkes feindliches Geschützfeuer ein, das mit großer Heftigkeit bis in die Abendstunden anhielt und in einzelnen Abschnitten auch nachts andauerte. Unter dem Schutze dieses Feuers ging italienische Infanterie an zahlreichen Stellen zum Angriff über. Am Ken, am Mrzli Veh und vor den Stellungen des Tolmeiner Brückenkopfes brachen alle feindlichen Angriffsversuche in unserem Insanterie=, Maschinengewehr= und flankierenden Geschützfeuer zusammen. Die gegnerische Iikfanterie flüchtete, wo sie angegangen war, unter den schwersten Verlusten in ihre Gräben zurück. Stellenweise zog sie es vor,„Avanti“ zu schreien, ohne ihre Decungen zu verlassen. Ein gegen den Monte da Sabotino(westlich von Salcano) gerichteter Angriff und mehrere starke Vorstöße gegen die schon seit mehreren Tagen heiß umstrittene Stellung bei Peteano wurden gleichfalls zurückgeschlagen. Auch hier erlitt die italienische Insanterie große Verluste. In Kärnten und in Tirol herrscht weiter rege feindliche Artillerietätigkeit. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Der Angriff der verbündeten Heere machte auch gestern überall Fortschritte. Die Macva ist zum größten Teil in unserem Besitz. Die beiderseits der Kolubara=Mündung überschifften k. u. k. Truppen nahmen um Mitternacht die Stadt Obrenovac und die Höhen südöstlich davon. Die von Belgrad südwärts vordringenden Streitkräfte gelongten in der Verfolgung des Feindes über Ripanj hinaus. Eine österreichisch=ungarische Kolonne stürmte mit dem Bajonett den Zigeunerberg südlich von Grocka und nahm mit den beiderseits der unteren Morawa erfolgreich vordringenden deutschen Divisionen die Verbindungen auf. In den dreitägigen Kämpfen um die Avala und um die Stellungen von Grocka sind von unseren Truppen 15 serbische Offiziere und 2000 Mann als Gesangene eingebracht worden. Die Bulgaren entrissen dem Feinde die erste Befestigungslinie östlich von Pirot und drangen bis in die Gegend von Vranje vor. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoeser, Feldmarschall=Leutnant. reichen Kräfte der deutschen Nation zu voller Geltung zu bringen. Eine vierzigjährige Zeitspanne hat gelehrt, daß die Pflege des eigenen Wesens jedes Staates und Stammes innerhalb der gemeinschaft für Deutschland keine Beeinträchtigung bedeutet; sie hat.sich vielmehr als ergiebige Quelle schöpferischer Kraftentfaltung in den Werken des Friedens wie des Krieges bewährt. Die Erringung der europäischen Stellung Deutschlands lag wenige Jahrzehnte zurück, als unser Volk mit Begeisterung und Entschlossenheit dem Rufe des Kaisers, unserm Vaterlande die ihm gebührende Seegeltung zu sichern, folgte. Und nun stehen Fürst und Stämme vereint im Kampfe, um Seite an Seite mit dem verbündeten Oesterreich=Ungarn, der Türkei und Bulgarien den ruchlosesten Angriff abzuwehren. Wohl ahnten Kurfürst Friedrich I. und seine Nachfolger bis zum Großen Kurfürsten noch nicht, wie bedeutsam das Werk werden sollte, an dem jeder von ihnen in treuer Wahrnehmung der schweren fürstlichen Pflichten arbeitete. Gleichwohl standen schon sie im Dienste der weltgeschichtlichen Aufgabe, die das Hohenzollerngeschlecht, dann von dem Großen Kurfürsten an über Friedrich den Großen, Kaiser Wilhelm den Großen bis auf die Gegenwart erfüllte. Unserm regierenden König und Kaiser ist es beschieden, das gewaltige Werk fortzuführen. In welchem Geiste und mit welch rastloser Hingabe unser Herrscher, ein echter Sproß seines großen Geschlechts, seinem hohen Berufe gerecht wird, liegt offen vor der Welt zutage. Mit frohem Mute darf unser Volk trotz des Ernstes der Zeit die Hohenzollerngedenkfeier begehen, in der unerschütterlichen Zuversicht, daß Deutschland mit Gottes Hilfe nach außen und nach innen größen aus der gegenwärtigen Prüfung hervorgehen wird. wird. Das französische Genf, 19. Okt. Clemenceau gibt mit der ihm eigenen Offenheit und Ironie seinen Unwillen darüber kund, wie wenig Klarheit die Erklärungen der Regierung vor der Kammer und vor dem Senate über das Balkanunternehmen geschafft hätten. Der Gedanke, was die Männer tun, die fähig sind, auf dem Balkan etwas zu machen und denen man in Frankreich sogenannte„Organisation“ den Offensive an den Dardanellen verdankt, erfüllt ihn mit Schaudern und bitterer Ironie. Wenn man im Gegensatz dazu sieht, wie die Deutschen im Begriffe sind, eine ernste, wohldurchdachte und wohlvorbereitete Operation dort durchzuführen, nachdem die Fachleute von Namen und Ruf ihre nungen dahin ausgesprochen haben, daß die Wichtigkeit der Balkanfront täglich größere Bedeutung annimmt, ja bald das Uebergewicht von allen Kriegsschauplätzen haben wird. Es ergibt sich für ihn und andere von selbst, daß man, um eine Million guter Soldaten in Schach zu halten, die von einem der besten Generale Kaiser Wilhelms II. geführt werden, ebenfalls einen General und Effektivbestände haben muß. Das englisch=französische Heer aber, das man zum größten Teil von der französischen Front genommen und nach Salonikt geschickt habe, könne nicht genügen; daher muß Mitwirkung aller Verbündeter erzielt werden. Obl das aber möglich ist, darüber herrscht vollständige Dunkelheit und ebenso darüber, ob die französische Front, die durch die Fortnahme englischer uund französischer Truppen in Mitleidenschaft gezogen wird, ihre Aktionsfreiheit bewahren soll. UngeA nügende Effektivbestände, schreibt Clemenceau, wären ein Verbrechen gegen die Soldaten, die wir nach dem Orient schicken. Genügende Effektivbestände für den Orient, die aber der Wirksamkeit des Widerstandes auf der französischen Front Abbruch tun, wären ein Verbrechen gegen das Vaterland. Das ist die Alternative, über die die Rezierung die Erklärung verweigert. — Der nimte Bamnunnricg. Italiens Kriegserklärung an Bulgarien. WTB Rom, 20. Okt. Die„Agenzia Stefani“ teilt mit: Da Bulgarien die Feindseligkeiten gegen Serbien eröffnet hat und mit den Feinden Italiens dessen Verbündete bekämpft, erklärt die italienische Regierung auf Weisung des Königs, daß zwischen Italien und Bulgarien der Kriegszustand herrscht. Die Bedeutung der Einnahme von Vranja. TU Sosia, 20. Okt. Durch die Einnahme von Vranja durch die bulgarischen Truppen ist die einzige Bahnverbindung Serbiens mit dem Süden Mazedoniens in den Händen der Bulgaren und damit auch der Verbindungsweg der Westmächte mit Rußland unterbunden. Bei weiterem Rückzuge werden die etwaigen Rückzugslinien der serbischen Armee bedroht. Jedenfalls erscheint schon jetzt eine Vereinigung des Landungskorps in Saloniki mit den serbischen Hauptkräften problematisch. Die serbischen Truppen, die in Mazedonien stehen, dürften gleichfalls von den Hauptkräften abgeschnitten werden. Nachdem die mazedonische Bevölkerung die bulhgarischen Truppen als Befreier begrüßt, dürfte sich die Besetzung Mazedoniens ohne Störung vollziehen. Die bisher vordringenden kulgarischen Truppen hatten unter den atmosphärischen Unbilden zu leiden. Namentlich erschwerten Nebel uund unaufhörliche Regengüsse ein rasches Vordringen, weil alle Wege aufgeweicht sind. Verzweifelter Widerstand der Serben im Timok=Gebiet. TU Wien, 20. Okt. Ein deutsches Flugzeuggeschwader hat Kragujewatz, wo sich ein serbisches Arsenal befindet, mit Bomben belegt.— Verzweiselt kämpfen die Serben im Timok=Gebiet, um die Vereinigung der bulgarischen Armee Bojadjeff mit der Armee Gallwitz zu verhindern. Hier kommt es stets zum Kampfe Mann gegen Mann, denn hier ist das entscheidende Kriegsgebiet, wo die Serben von der Umklammerung bedroht sind. Meldungen aus Sofia besagen, daß dort der Zustrom der freiwilligen Mazedonier ständig anhält. Etwa 50000 Mann sind bereits eingekleidet. Sie bilden eigene Divisionen mit eigener Kavallerie und Artillerie. Mutlosigkeit und Verwirrung in Serbien. Aus Konstantinopel wird der„Franks. Ztg.“ gemeldet: Nach sicheren Nachrichten aus Nisch nimmt die Verwirrung in den serbischen leitenden Kreisen überhand. Der Hof und sein Gefolge haben sich in Pranska Bauja, einem kleinen zwischen Risch und Vranja gelegenen Badeorte, provisorisch niedergelassen. Das fremde diplomatische Korps hat das gleiche getan, doch werden jetzt schon Vorbezeitungen zur definitiven Uebersiedelung nach PriKina getrossen. Stimmen, die zu einem raschen Frieden mit den Zentralmächten raten, sind in der Zuvahme begriffen. Sie werden sich zweifellos noch vermehren, wenn die sehnsüchtigst erwartete Hilfe der Entente ausbleibt und es dem bulgarischen Vorstoß gelingt, die Eisenbahnlinie Kumanowa— Branja in Besitz zu nehmen. Der Verlegung der serbischen Hauptstadt nach Pristina liegt der Gedanke zugrunde, im Falle der Niederringung Serbiens eine gesicherte Fluchtlinie zu haben. König Peter hat vielleicht die Absicht, beim König von Montenegro ein schon einmal benutztes Asyl zu gewinnen, oder über Monastir den griechischen Boden zu erreichen. Die amtliche serbische Meldung über das bulgarische Vordringen. WTB Nisch, 19. Okt. Das serbische Pressebüro meldet amtlich: An der serbischen Front griffen die Bulgaren mit starken Kräften auf der ganzen Linie an. Im Gebiet des Timok und der Bregalnica, in der Nähe von Zajecar, durchschritten sie Raikow, Sarak und Stoik Brdo. Weiter südlich zwangen sie die Serben, in der Richtung auf Knjazevac zurückzuweichen. Sie griffen ferner mit mehreren Regimentern weiter nördlich bei Kriva=Planka an der Straße nach Kumanowo an. Es gelang ihnen, Tschupino Brdo zu erreichen, von wo aus sie Kumanowo=Kranje und die Eisenbahnlinie Nisch— Saloniki bedrohen können. Die Serben leisteten an der Bregalnica mit Erfolg Widerstand. Bulgariens innere Einigkeit. Die römischen Berichterstatter erhalten aus Kreisen der Vierverbandsdiplomatie die Warnung, den Gerüchten von inneren Zwistigkeiten Bulgariens Glauben zu schenken. Volk und Regierung seien enger verbunden als irgendwo anders außer Deutschland. Die Bulgaren in Mazedonien. Genf, 19. Okt. Der Sonderberichterstatter des „Temps“ meldet aus Nisch von heftigen Kämpfen zwischen Serben und Bulgaren. Der Bericht, der teilweise durch die Ereignisse überholt ist, hebt hervor, daß die Lage äußerst ernst sei. Es scheine, daß die Bulgaren die Absicht hätten, die Eisenbahnverbindung abzuschneiden und das serbische Heer von den aus Saloniki im Anmarsch befindlichen Truppen der Verbündeten zu trennen und sich dann durch das Morawatal nach Norden zu wenden, um Nisch zu erreichen. Schnelle Hilfe der verbündeten Truppen in Kumanow und Vranja sei dringend erforderlich. Die Regierung, das Hauptquartier und die gesamte serbische Bevölkerung erwarteten sie mit wachsender Ungeduld. Zur Blockade der bulgarischen Küste. An der ägäischen Küste Bulgariens werden Minen ausgelegt und sämtliche Leuchtfeuer gelöscht. Die Einfahrt von Schiffen in den Hafen von Dedeagatsch findet nur noch unter Führung bulgarischer Piloten statt. Ferner wurde offiziell die Anwesenheit deutscher Unterseeboote im Hafen von Warna(im Schwarzen Meer) bestätigt. Laut„Wiener Reichspost“ teilen die Petersburger„Wjedomosti“ mit, daß die russische Schwarze Meer=Flotte infolge Auftretens feindlicher Unterseeboote wieder in ihre Häfen zurückkehrte. Die Hoffnung auf Griechenland. Haag, 19. Okt. Der Pariser„Temps“ schreibt: Griechenland hat das letzte Wort noch nicht gesprochen. Selbst die Ablehnung des casus foederis läßt die Tür für eine mehr aktive Mitwirkung Griechenlands als diejenige, welche in der Bereitstellung des Hafens von Saloniki für die Verbündeten besteht, noch offen. Vielleicht sollten wir auch weniger streng mit dem König Konstantin verfahren, wenn wir uns der Versicherungen erinnern, die er vor einigen Monaten gegeben hat und wo er sich auf sein Ehrenwort verpflichtete, unverzüßlich den Krieg gegen die Türkei zu beginnen, falls die Verbündeten ihm seine territoriale Unversehrt“ heit versicherten. Aber unsere Diplomatie war durch die Hoffnung hypnotisiert, mit Bulgarien wie auch mit Rumänien ein Einverständnis zu erzielen, und wußte den günstigen Augenblick nicht zu ergreifen. In Bukarest hat man sich stets zu unseren Gunsten erklärt. Aber es scheint, daß man den Augenblick, um in Aktion zu treten, noch immer hinauszögern will. Die Ankunft des Expeditionsheeres der Ver bündeten in Mazedonien wird wahrscheinlich jetzt die Entscheidung in Bukarest beschleunigen und auch Griechenland seine Pflicht vorschreiben. Aber lassen wir nicht aufs neue weitere Zeit verstreichen. Amtliche Neutralitätserklärung Griechenlands. WTB Bukarest, 20. Okt. Zuverlässigen Blättermeldungen zufolge gab Ministerpräsident Bratianu in dem gestrigen Ministerrat bekannt, daß die griechische Regierung amtlich ihre Absicht mitgeteilt habe, angesichts der durch den Angriff Bulgariens und Serbiens(geschaffenen Lage neutral zu bleiben. Griechenland vor einem neuen Ministerwechsel? WTB London, 20. Okt.„Daily Telegraph“ erfährt über Mailand aus Athen: Eunaris und Theotokis gewinnen an Einfluß. Zaimis habe mit seiner Demission gedroht.(Das bedeutet die weitere Neutralität Griechenlands. Die Schriftl.) Großfürst Nikolaus Oberkommandierender der serbischen Armee? Wien, 20. Okt. Das„Neue Wiener Tageblatt“ veröffentlicht nach der„Deutschen Tageszeitung“ eine nicht gerade sonderlich wahrscheinlich klingende Meldung aus Budapest, wonach der Großfürst Nikolaus den Oberbefehl über die serbische Armee übernommen habe. Er soll bereits nach Serbien abgereist sein. Rumänien und Rußland. bb Berlin, 20. Okt. Bis heute hat, wie der Vertreter des„Berl. Tagebl.“ hört, die russische Regierung offizielle Schritte, um die Zustimmung Rumäniens für den Durchmarsch russischer Truppen zu erhalten, in Bukarest nicht unternommen. Man ist überzeugt, daß Rußland nicht darauf verzichten wird, dieses letzte Mittel der Verzweiflung zur Anwendung zu bringen. Man beginnt jedoch dieser Möglichkeit in Bukarest mit einer gewissen Festigkeit entgegenzusehen, weiß man doch, daß die Gestattung eines solchen Durchmarsches, auch wenn er Unter Protest erfolgen sollte, Rumänien in den schärfsten Gegensatz zu den Zentralmächten bringen wird. Auch ist noch sehr fraglich, ob sich Rumänien, so durch Rußland vor die Alternative gestellt, gegen Deutschland und Oesterreich=Ungarn, sowie Bulgarien entscheiden wird. Man erinnert sich daran, daß im vorigen Jahre König Carol es abgelehnt hat, dem geschwächten Rußland eine derartige Zustimmung zu geben. Es ist kaum anzunehmen, daß König Ferdinands Regierung dem geschlagenen Rußland gegenüber anders handeln würde, selbst wenn Rußland Bessarabien versprechen sollte. Im übrigen hat die rumänische Regierung in Petersbuyg vor einigen Monaten erklärt, daß sich Rumänien einer Verletzung seiner Neutralität mit den Waffen widersetzen würde. Die Zentralmächte werden siegen. TU Bukarest, 19. Okt. Der frühere rumänische Ministerpräsident Titu Majorescu kehrte aus der Schweiz zurück. Bei seiner Ankunft auf dem Bukarester Bahnhof bemerkte er zu den ihn erwartenden Journalisten, daß seine Reise durch Oesterreich=Ungarn und Deutschland seinen Glauben bestärkt habe, daß der Sieg den Zentralmächten gehören wird. Rumäniens Interesse verlangt, sich mit der stärkeren Kriegspartei ins Einvernehmen zu setzen. Dadurch sei die Richtung gegeben, die die Politik Rumäniens einzuschlagen habe. Der König von Rumänien wird Majorescu demnächst in Audienz empfangen. Der Zar gibt den Oberbefehl auf. TU Wien, 20. Okt. Aus Petersburg wird gemeldet, daß der Zar den Oberbefehl wegen seiner geschwächten Gesundheit wieder abgebe. Kuropatkin ist für eine hohe Führerstelle ausersehen. Der Krieg gegen England. Gegen englische Schuftigkeiten. WTB Berlin, 19. Okt. Die„Nordd. Allgen Ztg.“ schreibt:„Daily Expreß“ veröffentlichte in der Ausgabe vom 23. September eine Nachricht seines Sonderberichterstatters aus Amsterdam, in welcher auf Grund der Aussage eines 15jährigen Knaben den deutschen Txuppen vorgeworfen wird die alte Waffensammlung des Museums von Va, lenciennes geplündert und nach Deutschland gebracht zu haben. Weiter berichtet das Blatt, anscheinend aus derselben„zuverlässigen“ Quelle, daß in Valenciennes eine junge belgische Frau von einem deutschen Kriegsgericht nach einer Verhandlung, die nur 6 Minuten gedauert habe, zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden sei, weil sie einen deutschen Soldaten, der sie auf der Straße habe küssen wollen, ins Gesicht geschlagen habe. Der Bürgermeister von Valenciennes, der gehört wurde, bekundet, daß die Waffensammlung des Muscuums sich noch an dem alten Platz befindet und von der Stadt ordnungsmäßig verwaltet wird. Von der Verurteilung einer jungen Frau in Valencien= nes durch ein deutsches Kriegsgericht ist dem Bürgermeister nichts bekannt. Die Zeppelin=Angriffe auf London. WTB Neuyork, 19. Okt. Durch Funkspruch des Vertreters des WTB.„Evening Sun“ schreibt in einem Leitartikel: Der jüngste Zeppelin=Angriff auf London hat zuviel Schaden angerichtet, um als militärisch unwichtig abgefertigt zu werden. Falls der Krieg noch ein Jahr dauert, wird zweifellos ein Massenangriff von Luftschiffen stattfinden. Die Londoner können die Zeppelinangriffe nicht länger auf die leichte Achsel nehmen. Die panikartige Wirkung wird bei jedem weiteren Angriff zunehmen. 3211|12 Helgolands Schiasal. Die im englischen Irland— der Ulster=Provinz — erscheinende Zeitung„Belfast News Letter“ hat bereits über das Schicksal der schönen NordseeInsel Helgoland entschieden, die unseren englischen Freunden so sehr im Wege ist. Nachdem der Mitarbeiter des Blattes, der cuugenscheinlich in diplomatische Geheimnisse eingeweiht ist, vorausschickt, daß Lord Salisbury seinerzeit die Insel hergegeben hat, weil Kaiser Wilhelm entschlossen war, um ihren Besitz selbst in den Krieg zu ziehen, wenn er sie nicht auf friedlichem Wege erlangen konnte, schlägt er vor, das deutsche Bollwerk einfach in die Luft zu sprengen.„Die Bevollmächtigten der Verbündeten, so beantragt er,„sollen das In=die=LuftSprengen von Helgoland zur Bedingung des Friedensvertrages machen, und auf diese Weise die Ministerien Europas für immer von dem gefährlichen Problem eines Bollwerkes der Natur befreien, das den Küsten Großbritanniens so unheimlich nahe ist“. Es lebe der unfreiwillige Kriagshumor. —— Del Klieg der Aürkei. Das gescheiterte DardanellenUnternehmen. WTB Mailand, 19. Okt. Der Londoner Korrespondent de,„Secolo“ nennt die DardanellenUnternehmung unter Anführung der schweren engenglischen Verluste ein mißglücktes Unternehmen und wiederholt, daß die Einstellung der Dardanellen=Expedition nicht ausgeschlossen sei, um so mehr, als die auf Gallipoli kämpfenden Truppen nutzbringender in Serbien verwendet werden könnten. Sicherlich könne man nur mit Schmerz an das unglückselige Unternehmen, an die Irrtümer und die großen Schwierigkeiten denken. Die Dardanellen=Unternehmung war nicht etwa ein launischer Im Schatten der Peterpaulsfestung. Roman von Hermann Gerhardt. 23 sah der Präfekt von der Toten weg und dem Wärter ins Gesicht; und vor diesem langen, kälten Blick erbebte der Mann und seine kleinen rotgeränderten Augen gingen unruhig hin und her. „Sie hätte gesagt, was zu sagen war!" belehrte der Vorgesetzte ihn.— Von seinem Pesten an der offenen Tür her Lörte Rittberg diesen Ausspruch; es lag in dem Ton desselben etwas, was ihn erschauern machte. Und wie seine Augen abwechseind auf der Leiche, und auf dem derüber gebeugten streugen Antlitz ruhten, da war er unwillkürlich froh, daß die Seele, welche diesen zarten Körper bewohnt hatte, weiteren Leiden entronnen sei.„Deckt sie zu,“ befahl der Präfekt mit einer Gebärde des Widerwillens,„und Du, Mann, laßz Dich warnen. Noch eine derartige Unachtsamkeit, und Du verlierst Deinen Posten!“ Mit mürrischer Miene zog der Gemaßregelte die Decke vom Bett herunter und warf sie über die Selbstmörderin. 16. Kapitel. Indem Biruleff sich dem Ausgang der Zelle wieder zuwandte, fuhr er leicht zusammen, denn jetzt erst bemerkte er, was ihm gänzlich entfallen war, daß Rittberg immer noch in der Tür stand und so die ganze, eigentlich nicht für fremde Augen bestimmte Szene mit angesehen hatte. Und plötzlich veränderte sich der Ausdruck seiner Züge; die zusammengepreßten Lippen lockerten sich, der finstere Ernst in seinen Zügen verwandelte sich in wehintttige Trauer, und er seufzte tief. Sobald sie wieder auf dem Gang und außer Hörweite der anderen waren, begann er mit gedämpfter Stimme zu sprechen:„Ich bedaure unendlich, daß Sie Zeuge eines so schaurigen Vorganges sein mußten! Fast mache ich mir Vorwürfe, Sie überhaupt hergeführt zu haben, denn nun muß ich befürchten, daß Sie mich für alle Zeiten als einen Hauptfaktor in dergleichen Tragödien betrachten werden! Statt dessen sollten Sie mich eher bedauern, daß meine Stellung mich zwingt, weichem Mitgefühl mein Herz zu verschließen, wo es sich um die Sicherheit des Vaterlandes handelt!" Diese Worte blieben nicht ohne Einfluß auf Werner. Wenngleich der furchtbare Eindruck, den er soeben empfangen, nicht sofort weichen wollte, so begann er doch, an seiner individuellen Auffassung irre zu werden, und zwischen zwei sich widerstreitenden Auffassungen zu schwanken. War Biruleff wirklichder großdenkende, weitherzige Mensch, der er nach seinen eigenen Aeußerungen von rechtswegen sein mußte, wie sannte er es dann über sich gewinnen, Polizei=Prufekt zu sein? Als habe er seines Begleiters Gedankengang erraten, fuhr Biruleff fort:„Mein Amt und seine Pflichten lasten schwer auf mir, Sie können's mir glauben. Und ich hätte es schon längst niedergelegt, wenn nicht der Wille meines Monarchen mich hielte. Der Zar versicht, und das nicht ganz mit Unrecht, die Meinung, daß kein anderer im russischen Reiche imstande wäre, diesen Posten auszufilllen. Es könnte mir auch bei den gegenwärtigen Zeitläuften als Feigheit ausgelegt werden, wollte ich mein Abschiedsgesuch einreichen. Ich habe zahllose Feinde. Gefürchtet und gehaßt, wie ich von einem großen und zum Aeußersten entschlossenen Teil der Nation bin, ist mein Leben keinen Pfifferling wert! Aber ich bin Soldat. Soll ich da vor dem Feinde kapitulieren?“ Sein feuriges Auge blitzte den jungen Deittschen an, sein ganzes Gesicht war von lebhafter Bewegung erfüllt. Aber das Lächeln, das flüchtig seine Lippen umspielte, hatte etwas von Bitterkeit. „Beneiden Sie den Polizei=Präfekten?“ fragte er. „Gewiß nicht, Exzellenz, gab Werner über. zeugt zurück. Er empfand nur noch Bewunderung für den tapferen Soldaten, der seine Pflicht tat, unbekümmert um die Gefahren, die ihm von allent Seiten drohten. Inzwischen war man in einem anderen Teil des Gefängnisses angelangt. Die Zellen, welche jetzt an die Reihe kamen, und deren üble Gerüche ihnen schon von fern entgegenschlugen, waren, da sie geräumiger waren, je für eine Anzahl Leute bestimmt, die ihre Strafe wegen geringerer Vergehen abbüßten. Es war eine abstoßende Gesellschaft, die da herumlag und=stand; manche von ihnen in schmutzigen Schafpelzen, alle ungewaschen, jedes einzelnen Gesicht den Stempel der Brutalität und Verkommenheit tragend. Dann hatten sie einen Blick in den Sitzungssaal geworfen, von dessen Hauptwand das lebensgroße Bild des bkondent, leutselig blickenden Alexanders II. herabschaute, ein Weilchen im Lazarett aufgehalten, um dann den Rückweg durch die Festung anzutreten, als der Präfekt an einer abwärts führenden Treppe stehen blieb, deren Ende sich in pechschwarze Finsternis verlör:„Da geht's zu den unterirdischen Zellen, bemerkte er.„Die dürfen wir nicht inspizieren, und es würde auch der Mühe nicht verlohnen.“ Werner durchschauerte es. Weitergehend, gerieten sie auf einen viereckigen Hof, den von allen Seiten hohe Gebäude umgahen; viele der Zellenfenster gingen auf diesen Hof hinaus, in welchem zurzeit gerade etwa ein Dutzend Sträflinge, von ebensoviel Gendarmen bewacht, sich Bewegung machten. Beim Erscheinen des Präfekten wandten sich aller.Augen ihm zu und die Hand eines jeden griff nach der Mütze. Wenigstens schten es Rittberg so, bis ihn der mehrstiminige Zuruf:„Mütze ab!“ eines besseren belehrte. Da sah er, daß einer der Gefangenen die seine aufbehalten hatte und in herausfordernder Haltung, die Armeverschränkt, vor dem obersten Machthaber stehen geblieben war. Der Mann war leichenblaß, aber offenbar nicht vor Furcht, denn Troß und Auflehnung sprachen aus jeder Linie seiner Gestalt, und seine finster glühenden Augen starrten dem Präfekten gerade ins Gesicht. Im nächsten Moment ward ihm die Mütze vom Kopfe gerissen, er selbst von hinten durch einen Gendarmen gepackt. Eine heftige Unruhe hatte sich der Versammelten bemächtigt; alles sah auf den tollkühnen Delinquenten. Der Präfekt aber stand regungslos und erwiderte den Blick desselben mit vollkommener Ruhe. „Was fällt Dir ein?“ fragte er. „Du Teufel!" zischte der Mann,„Du Scherge und heimlicher Mörder! Ich weiß es wohl, daß Du meinen Kommilitonen Schreven hast foltern lassen!“ „Das lügst Du,“ gab Biruleff mit unerschütterlichem Gleichmut zurück. „Und Du hast ihn doch foltern lassen, Du Hund!“ wiederholte der Gefangene mit wuterstickter Stimme. „Der Mensch ist verrückt, total verrückt,“ sagte der Präfekt, ohne sich im geringsten aus der Fasfung bringen zu lassen.„Bringt ihn weg.“ Inzwischen hatte noch ein zweiter Beamter mit Hand angelegt, und die beiden stießen und schoben den Gefangenen nach der Tür hin. Zähneknirschend warf derselbe immer noch wütende Blicke auf seinen Widersacher, bis dieser seinen Augen entschwunden war. Rittberg mußte beiseitetreten, um die ringende Gruppe vorbei zu lassen. Schon wieder war er Augen= und Ohrenzeuge einer Begebenheit gewesen, die den peinlichsten Aufruhr in seiner Seele hervorrief! Daß dieser Sträfling kein gemeiner Verbrecher sein konnte, das hatte er ihm auf den ersten Blick angesehen; seine vornehmen Züge, seine selbstbewußte Haltung kennzeichneten ihn als einen, der den höheren Ständen angehörte. Ein Student, ein Freiheitsschwürmer, der sich gegen unersrägliche Einschränkungen empört hatte. 231,16 Streich Frankreichs und Englands, sondern sie sei aus drei Gründen von Nußland verlangt worden: 1. damit es einen Ausfuhrweg für Getreide habe, 2. um den Druck der türkischen Truppen im Kaukasus zu vermindern, und 3. um auch dort den Krieg mit dem seit Jahrhunderten von den Russen gehegten Traum, Konstantinopel zu beherrschen und eine Mittelmeermacht zu werden, volkstümlich zu machen. Dieser Zweck sei natürlich nicht bekanntgegeben worden. Wie und von wem das Unternehmen organisiert worden war, sei nicht ganz klar. Es sei aber sicher, daß die Durchführung nicht hätte schlechter sein können. Viele wollten Churchill verantwortlich machen, der infolgedessen das Marineministerium verlassen habe. Die Wahrheit über die Vorgänge in Armenien. TU Amsterdam, 19. Okt. Das„Newyork Journal“ gibt eine Unterredung mit dem türkischen Botschafter in Berlin wieder. Die Türkei bedaure die Ereignisse in Armenien und die stattgefundenen Grausamkeiten, weise aber jede Verantwortlichkeit zurück. Die Armenier glaubten, daß Rußland siegen würde und das erklärt ihre illoyale Haltung vor und während des Krieges. Sie erhielten russische Gewehre und organisierten Truppen, um die Mohammedaner auszurotten. Sie fingen in der Provinz Wanna damit an. Dort wurde jeder Mohammedaner sgetötet und das Schlachten dauerte solange, bis türkische Truppen die Ordnung wieder herstellten. Die Türken hielten es daher für notwendig, alle Mohammedaner nach Masopotamien zu transportieren, um ihr Leben zu retten. Die Armenier begingen einen großen Fehler, als sie auf Rußlands Seite traten, wofür sie nun gestraft sind. — 9 Todesurteile in Belgien. :: D u r c h f e l d g e r i c h t l i c h e s U r t e i l v o m 9. Oktober 1915 sind in Brüssel wegen Kriegsverrats verurteilt worden: Fünf Personen zum Tode, 4 Personen zu je 15 Jahren Zuchthaus, eine Person zu 10 Jahren Zuchthaus; 17 weitere Beschuldigte sind von der Anklage des Kriegsverrates freigesprochen. Gegen einen Belgier und eine Engländerin ist das Todesurteil bereits vollstreckt worden. Die zum Tode verurteilten Personen haben nach eigenem Geständnis viele Monate hindurch, die vorgenannte Engländerin während neun Monaten, mitgewirkt, versprengte englische und französische Offiziere und Soldaten sowie wehrfähige Franzosen und Belgier nach Holland zu befördern, damit sie sich dem Heere unserer Feinde anschließen konnten. Die Verurteilten bildeten eine wohlorganisierte Gesellschaft, die trotz der wiederholten Warnungen des Generalgouverneurs mit verteilten Rollen etappenweise im großen Stile die Anwerbung und Zuführung Wehrfähiger für die feindliche Armee betrieben haben. Eine Proklamation an die Belgier. :: N a c h e i n e r M e l d u n g d e r„ V o s s. Z t g.“ aus Haag hat General v. Bissing. der Generalgouverneur von Belgien, eine Proklamation erlassen, in der er sich gegen die Hoffnungen wendet, die die französisch=englischen Fortschritte bei den Belgiern hervorgerufen haben. Er erklärt, daß diese Hoffnungen vollständig salsch sind. Die Gegner der Deutschen haben in den Kämpfen der letzten Wochen nichts außer furchtbaren Verlusten erreicht. Die Deutschen stehen unbeweglich, und die Alliierren sind dem Ziele, das sie die Befreiung Belgiens nennen, nicht um einen Schritt näher gekommen. Die Proklamation schließt mit einer Warnung vor den falschen Propheten und mit einer Drohung, sich auf nichts einzulassen, das den Charakter der spionage haben kann. Weitere Kabinettsarssen. Geht auch Asquith? Amsterdam, 20. Okt. Aus London wird gemelet: Asquith muß wegen eines Unterleibsleidens eine burze Ruhe nehmen. Zum 1. November wird ein ordentliches Der erste englische Kronzurist zurückgetreten. London, 20. Okt. In London wird jetzt amtlich mitgeteilt, daß Sir Edward Carson sein Amt niedergelegt hat. Wie Reuter erfährt, ist der Rücktritt aus Anlaß der Ereignisse auf der Balkanhalbinsel erfolgt, nicht aber wegen der Frage der Dienstpflicht. Salandras Stellung erschüttert. WTB Zürich, 20. Okt. Privatnachrichten der „Neuen Züricher Nachrichten“ aus Mailand zufolge wird die Stellung Salandras für ernstlich erschüttert angesehen, so daß sein baldiger Rücktritt erwartet wird. Es ist anzunehmen, daß das gegenwärtige Kabinett nach seinem Ausscheiden auf die Dauer nicht bestehen bleiben kann, sondern von einem Kabinett abgelöst wird, dessen Vierverbandsgefolgschaft keine so ausgeprägte ist. In politischen Kreisen nimmt die Gegnerschaft gegen das Balkanunternehmen immer schärfere Formen an. Hinter ihnen steht die gesamte öffentliche Meinung Italiens, soweit sie sich nicht unter der Diktatur Salandras befindet. — Aus Stadt und Umgedung Rückblicke aus den Weltkrieg. 29. Oktober. Der König von Belgien.— Die gescheiterten russischen Absichten. Einen im ganzen würdig gehaltenen Heeresbefehl erließ König Albert von Belgien, in dem er den Truppen Mut einzusprechen suchte; allerdings entsprach sein„Belgien ist nicht unterworfen“ nicht den Tatsachen.— Sehr falsch und nur die Belgier selbst schädigend war der Beschluß der belgischen Staatsregierung, alle Zahlungen einzustellen; es hätte sich eine Verständigung über die Finanzwirtschaft in Belgien auch während des Krieges ermöglichen lassen, aber in dem von der englischen Hetzarbeit verblendeten Haß Belgiens blieb nichts übrig, als daß Deutschland die belgischen Finanzen nun selbständig in die Hand nehmen und verwalten mußte. In diesen Tagen begannen bereits die Angriffe englischer Kriegsschiffe auf die von den Deutschen verteidigte belgische Küste.— Als die Russen an diesem Tage ihre Kavallerie von Warschau aus vorschickten, war der deutsche Feind verschwunden. Darob große Bestürzung, die den Beweis lieferte, daß es bei den Russen an einer zielbewußten Kriegsführung mangelte; sonst hätten die deutschen Truppen nicht so völlig unbelästigt ihren Rückzug ausführen können. War somit die deutsche Offensive gegen Warschau gescheitert, so nicht die der Russen gegen Ostpreußen; überall waren diese nach Polen zurückgeworfen worden. Die russische Absicht war gewesen, den deutschen linken Flügel von Warschau—Nowo Georgiewsk aus zu umgehen und einzudrücken. Diese Absicht war vereitelt worden durch die beständigen Angriffe der Deutschen auf Warschau und das gleichzeitige Vorrücken der Oesterreicher in der Richtung auf Warschau zu. So konnten die Russen ihren großen Weichselübergang mit massenhaften Truppen nicht ausführen und die geplante Umfassung mußte unterbleiben. **(Eine einheitliche Regelung der Butterpreisfrage in Sicht.) Dem Vernehmen nach steht eine Einigung über eine einheitliche Regelung der Butterfrage für das gesamte Reichsgebiet zwischen allen beteiligten Instanzen in Aussicht. Nach den Vorschlägen des Reichsamts des Innern wird ein Bundesratsbeschluß die Preisregulienung von Butter demnächst vornehmen, die außer dem Großhandel auch die Preisstellung der Hersteller im Kleinhandel erfaßt. Eine Notierungskommission für Butter mit dem Sitze in Berlin soll unabhängig vom Marktpreise regelmäßig die Butternotiz feststellen, die als Grundpreis für das ganze Reich gelten soll. Zu dieser Berliner Notiz können für die einzelnen Bundesstaaten oder bestimmte abgegrenzte Wirtschaftsgebiete Zuschläge und Abschläge festgestellt werden. Möglicherweise findet auch eine Verbrauchsregelung statt.(WTB.) **(Mahnung an die Eltern.) Der Unfug, daß jugendliche Personen mit Flobertbüchsen, Pistolen usw. Schießükungen veranstalten, hat in letzter Zeit bedenklich zugenommen. Durch einen Hagener Augenarzt wurde festgestellt, daß in den letzten Viensimargen gesucht, welches melken kann. Zu erfragen in der Geschäftsstelle d. Ztg. 4904 Monaten nicht weniger als fünf Kinder durch solches leichtsinniges Schießen das Sehvermöszen auf einem Auge verloren haben, indem sie sich entweder selbst durch eine solche Schußwaffe am Auge verletzten oder andere leichtsinnige Burschen ihre Spielgenossen in die Augen schossen. Am Freitag ereignete sich solzar der Fall, daß ein etwa 10jähriger Bengel mit einer Luuftbüchse auf einen Kraftwagen schoß, in welchem sich ein Arzt befand. Die Polizeibeamten sind nun angewiesen worden, diesem Unfug ein Ende zu machen. Die Eltern werden in ihrem eigenen Interesse ersucht, solche Luftbüchsen, Pistolen usw. in der Hand ihrer Kinder nicht zu dulden. Abgesehen von der zu erwartenden Bestrafung, wenn ein Bursche mit dem Schießwerkzeug Unheil anrichtet, setzen sich die Eltern auch schweren Schadenersatzklagen seitens der Eltern des verletzten Kindes aus. Deshalb weg mit der Schußwaffe aus den Händen unreiser Knaben. **(Freundliche Grüße) der unterzeichneten Landstürmer und Wehrleute vom Landsturm=Inf.= Ersatz=Bataillon 2: Wehrmann Sirringhaus, Wehrmann A. Hecker, Landsturm=Gefr. Luck, Landsturmmann Ruhkamp, Landsturmmann Weising, Landsturmann Fritzenkötter. **(Butter für 2,20 Mk. das Pfund.) Die Lebensmittelkommission in Elberfeld teilt der Bevölkerung mit: Es ist uns gelungen, einige hundert Zentner guter Kühlhausbutter zu beschaffen. Dieselbe wird durch Vermittelung des Großhandels den Kleinverkaufsstellen zugeführt gegen deren Verpflichtung, die Butter nicht über 2,20 Mk. für das Pfund und in Mengen von nicht über ½ Pfund im Einzelfall abzugeben. Den Kleinhandlungen ist zu empfehlen, sich wegen des Butterbezuges alsbald mit ihrem Lieferanten zu benehmen.(Sollte sich dieses nicht auch anderwärts ermöglichen lassen? Schriftl.) **(Das Eiserne Kreuz) ist dem Kriegsfreiwilligen Hermann Dickhoff aus Köln, einem Sohne unserer Stadt, unter Beförderung zum Vizefeldwebel verliehen worden. **(65 Millionen Mark Goldsammlung durch die Schulen.) Die Goldsammlung für die Reichsbank beschäftigt die Schule nach wie vor. In einer neuen Verfügung erklärt der Unterrichtsminister, mit besonderer Befriedigung ersehen zu haben, welch bedeutenden Erfolg dieses Vorgehen gehabt habe. Soweit das Ergebnis festgestellt werden konnte, haben die Sammlungen die Summe von rund 65 Mill. Mark erzielt. **(Reformations=Gemeindefeier.) Am Sonntag, den 31. Oktober, werden die beiden hiesigen evangelischen Gemeinden eine Reformationsfeier im Gemeindehause veranstalten. Der Abendgottesdienst fällt infolgedessen aus. Als Festredner ist Herr Pastor Kappus von der Reinoldikirche in Dortmund, dem der Ruf eines hervorragenden Redners vorangeht, gewonnen worden. **(Ehrung gefallener Lehrer.) Laut einer Verfügung der Königlichen Regierung soll das Andenken der auf dem Felde der Ehre gefallenen Lehrer dadurch geehrt werden, daß ein nach ihrer Photographie hergestelltes vergrößertes Bild in ihrer Klasse aufgehangen wird. Verschiedenen Orts ist hiermit bereits begonnen worden. Vermschtes. * Der Lachsfang in der westlichen Ostsec, der bald nach der Eröffnung des KaiserWilhelm=Kanals so lohnend wurde, dann aber während der Baujahre der Kanaler= weiterung einschlief, scheint wieder einsetzen zu wollen. Kürzlich wurde, wie aus Kiel gemeldet wird, ein Lachs von 31 Pfund gefangen. Die Erneuerung des Lachsfanges hängt ohne Zweifel damit zusammen, daß der Abtrieb des Planktons aus den Kanalseen jetzt wieder stärker geworden ist, nachdem die Verunreinigung des Kanalwassers durch die Bagger fast ganz aufgehört hat. Daß die Entwässerung der Kanalseen durch den Kanal für die Ostseefischerei von Wert ist, haben wieder die reichen, im Frühjahr gemachten Heringsfänge bewiesen. Au gleiche Erscheinungen dürften auch die starken Erträge der diesjährigen Makrelenfänge zurückzuführen sein. Die Fische werden einach von dem ausströmenden, mit Nahrung burchsetzten Kanalstrom angelockt. Auf diest Weise wirkt der Kaiser=Wilhelm=Kanal belebend auf die ganze Fischerei in der westlichen Ostsee. * Ein Ehepaar ermordet. Der 46 Jahre alte Hausbesitzer Kaspar in Olschitz(Bayern) lockte mit seinem 16jährigen Sohn den Grundbesitzer Koczlik in einen Stall, die beiden schlugen Koczlick mit einer Hacke nieder und schnitten ihm die Kehle durch. Darauf überfielen sie die Frau des Grundbesitzers, ermordeten sie gleichfalls und raubten dann einen größeren Geldbetrag. Die Mörder sind verhaftet. Wochenmarkt. Auf dem heutigen Wochenmarkt wurden folgende Preise gezahlt: Birnen 10 Pfund 30 Pfg., Aepfel Pfund 8—25 Pfg., Tomaten Psund 40 Pfg., Zitronen Stück 10 Pfg., Weintrauben Pfund 70—80 Pfg., Wallnüsse Pfund 60 Pfg., Wurzeln 2 Pfund 25 Psz., Steckrüben Stück 10—15 Pfg., Rote Beten Pack 10 Pfg., Wirsing Stück 15—30 Pfg., Rotkohl 25—40 Pfg., Weißkohl 15—25 Pfg., Butterkohl Pack 10 Pfg., Winterkohl 3 Stück 20 Pfg., Blumenkohl Stück 25—50 Pfg., Kohlrabi Stück 10—20 Pfg., Stielmus Pack 10—20 Pfg., Spinat Pfund 20 Pfg., Feldsalat Pfd. 20 Pfg., Endivien Stück 5—10 Pfg., Zwiebeln Psund 20—25 Pfg., Rindfleisch 95—110 Pfg., Schweinefleisch Pfund 1,70 Mk., Schellfisch Pfund 30—45 Böz. Briefkasten. Treppenbeleuchtung. 1. Zunächst kommt es darauf an, ob eine vertragliche Vereinbarung besteht, wonach der Mieter die Beleuchtung der Flure und Treppen übernommen hat. In den grünen Mietsverträgen ist ausnahmslos diese Pflicht enthalten. 2. Ist eine Vereinbarung nicht getroffen, so kommt es vor allem auf die öffentliche Verkehrssitte an; für Schwerte u. Umgegend besteht eine allgemeine eingebürgerte Regel, wonach die Flür= und Treppenbeleuchtung von dem Mieter zu tragen ist, vor allem dort, wo der Vermieter nicht selbst im Hause wohnt. Für Unfälle, welche sich aus der Nichtbeleuchtung ergeben, haftet sowohl straf= wie zivilrechtlich Mieter und Vermieter. Der Vermieter ist jedoch verpflichtet, bei Fällen, wie Petroleumsnot usw. für Beleuchtungsmöglichkeit nach Kräften zu sorgen durch Anlegurg von Gas oder elektrischem Licht. Der Mieter muß jedoch dem Vermieter anzeigen, daß er ohne die Beschaffung von anderer Beleuchtungsmöglichkeit zur Ausübung seiner Pflicht außerstände ist. Verantwortlich für die Redaktion Friedrich Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Denktan uns sendet Salem Aleikum Scen sot Sigaretten Willkommenste Liebesgabe! Ne 34 4 S 6 610 Feis 33 4 S 68 to PgdSte 20 Sick feldpostmässigverpeckt vortetren! 30 Stckfeldpostmässigverpackt 10 Pf. Porto! Orient. Tabak u Ggaretten-Fabr. Veridze Dresden Inh. Hiugo Zietz, Hoflieferant SI Ld Körigsesachsen Trustfrei! Metallbeiten Katalogstei Holzrahmenmatr., Kinderbetten S für Eisenhochbau gesucht. 4888 Stahlwerke Brüninghaus, Abteilung Eisenwerk Westhofen, Westhosen i. W. Ain Jer. Bucbbandlung Carl Braus, Schotert((bhe) Gr. Marktstr. 3—5. Dr. Oetker's. Pabrikate. „Backin“(Backpulver) Puddingpulver Vanillin-Zucker „Gustin“ usw. sind jetzt wieder in allen Geschäften vorrätig. Nur echt, wenn auf dem Päckchen die Schutzmarke „Oetker's Hellkopf“ steht. 4909 Verdand Westsälischer Arbensnachtbeiser Die Arbeits=Nachweisstelle Schwerke Liethstraße 4 Fernspr. Nr. 213 vermitielt Arbeitskräfte aller Art 111 voullandig kostenfrei. Dr. Ad. Meier s Sanatorum Bremen, Rotenburgerstr. 1 Spezialbehandlung von Hautkrenkheiten.4828 Lgus Auss. krobs Fresstlechte, Hauttuberkulose, Pisteln, Hautgeschwülsten ohlne Operation, ohne Bestrahlung nach eig. nurhler angewandterlangjähr erprobt. Methode Nusf. Prospekt. frei. Magnum Dönum Cp,dojaute Industrie im Laufe dieser Woche und nächster Woche eintreffind. Bestellungen nehme ich jetzt schon entgegen. 4908 Raushaus für Eebensmitter Prüchtraße 76.— Binteniragt de kauft. Buchhandlung Carl Braus Schwerke(Ruhr). Große Marktstr. 3—5. STATT KARTEN. Nachruf. Mutig bist du ausgezogen In den Kampf fürs Vaterland, Und beim letzten Abschied reichten Wir dir alle stumm die Hand Jeder hoffte nur das eine, Jeder sprach von Wiederkehr. Doch die Hoffnung ist verschwunden Auf Erden sehen wir uns nicht mehr. Den Heldentod fürs Vaterland starb am 29. August in einem Feldlazarett an seiner am 25. August erhaltenen Verwundung unser lieber Freund und Mitarbeiter, der Ersatz-Reservist I1. Komp. Infanterie-Regt. 136. Sein Andenken wird stets bei uns in Ehren gehalten. Meister und Mitarbeiter der Vereinigten deutschen Nickelwerke 4907 Abteilung Walzwerk 4. = Die Verlobung unserer Tochter Mimi, unseres einzigsten Kindes, mitdem Kaiserl Oberfeuerwerks* maalen Herrn Fritz Lohenstein, beehren wir uns anzuzeigen. S VI. Süepermann und Frau. Schwerie, den 20. Oklober 1915. 3 Meine Verlobung mit Fräulein Mimi Stiepermann mache ich### hierdurch bekannt. Frür Lohegsloh Kaiserl. Oberfeuerwerksmaat. 2 An Bord S. M. Schiff„Thüringen“. 4902 Für gute Eicheln zahle per Pfd. 6 Pfg., für über 1 Centner per Pfd. 6½8 Pfg; bei 2 Centnern per Pid. 7 Pfg. Habe auch einen Wurf kleiner Schweine abzugeben. 4857 Wilhelm Becker Schwerte, Ostenstraße 33. inn Piand-Verstelgerungen Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unsererlieben Mutter und Grossmutter sagen wir allen unsern tiefgefühlten Dank. Familie Wilhelm Demtröder, 4911 Holzen. nicht verkauften Sachen, wie Anzüge, Ueberzieher, Joppen, Hosen, Röcke Jacken, Talllen, Mäntel etc. etc. Ober- u. Unterbetten— Pfühle, Kissen Betten Taschenuhren, Regulateuruhren, Freischwinger Für gute Tarslaptel Erhielt heute wieder eine Ladung Aepfel, nur gute, haltbare Ware, als: Grafensteiner, Goldparmänen, Rabau, Bellefleur, Paradles, Magäpfel, Kochäpfel etc und gebe dieselben billigst ab. 4910 Tcchern zahlt per Pfund 5 Pfg. und Ver. kaufsgenossenschaft. Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht zu Schwerke. 4815 bo Kopfe Telephon 180. 1 H. Müller, Bahnhofstr. 27. zu kaufen gesucht. Zu erfrag. i. d. Schwerter Zeitung. 4839 Anordnung betreffend die Verwendung d. Hinterkorns. Auf Grund des§ 47 der Bundesratsverordnung über die Regelung der Ernte 1915 wird folgendes angeordnet: S 1 Die Unternehmer landwirtschaftlicher Betriebe haben das Hinlerkorn ihrer gesamten Brotgekreideernte aus dem Erntesahr..(ufosschmoine 1915 d. h die beim Dreschen und Reinigen des Gelreides ab Schöne L. Kaferscfwbeille fallenden Mengen an zerschlagenen und verkümmerten Körnern.„ Unkraut und ähnliches das, wie die gesamte Ernte für den 80—100 Pfund schwer Kommunalverband beschlagnahmt ist, bis zum 20 d. Mis, bei hat abzugeben Je dem zuständigen Amie bezw. dem Bürgermeisteramt in Schwertes###t abzugeben 4900 anzuzeigen. S 2. E. Rosenwerth, Holzen 3 u. 4 Zimmer Etg. mit allen Bequemlichkeiten Gas und elektr. Licht, sofort Die Aemter bezw. das Bürgermeisteramt in Schwerte tragen die angemeldeten Mengen in ein Verzeichnis ein und geben gleichzeitig den Kommissionären des Kreises eine entsprechende Abschrift davon. Die Kommissionäre sind mit dem Ankauf, dem Schroten und dem Wiederoerkauf des Hinterkornes vom Kreise beauftragt worden. Das Hinierkorn wird mit 22 M. für den Doppelzeniner oden syster an vermieten, gekauft und nach der Verschrotung mit 25 M. zeinschl. 8 M.f oder spaler zu vermieten. Gebühren) wieder abgegeben S 3. Das aufgekaufte und verschrotene Hinterkorn wird nur bis zur Höhe von 5% der gesamten Brotgetreideernte des Landkreises Hörde" im Jahre 1915 nach dem Ergebnis der Ernteschätzung an die Besitzer von Schweinen und zwar nach dem Maßstabe der bei jedem vorhandenen Schweinezahl verteilt Dabei wird bei einem Bestande bis zu 10 Stück einschließlc6 die Jau der Schweine vol, bei enen darider Binaus, Litlnsarbek=3 Ehlen Fahrräder, Nähmaschinen Musikinstrumente, phologr. Apparale, Konversallons-Leklkons u. sonst. Bücher eic. können täglich in unseren Geschäftsräumen zu sehr billigen Preisen gekauft werden. Die Sachen sind teils gebraucht, teils neu. Pfandleih-Anstalt R. Lion& Comp. Balkenstr. 38 Dortmund Mikoleistr. 5, beim Bezirkskommando. 1219 KETRAEEK K Die gesteigerten Ansprüchean die Reinigung der Bettfüllungen haben mich veranlasst 5659„ Bettfedern und# Daunen nach einem neuen vollkommeneren Verfahren reinigen zu lassen. Alle Qualitäten, auch die billigsten sind jetzt ohne jeden Geruch und durchweg staubfrei. Ich empfehle: Bettfedern zu 1,25, 1,75, 2,25ib. 3,00 Mk. Halbdaunen zu 8,00 bis 4.50 Mk. Daunen zu 4,00 bis 6,50 Mk. Schwerte Vergebens ist nun alles Hoffen Auf eine frohe Wiedersehr Weil du den Heldentod erlitten Ist diese Hoffnung nun nicht mehr. Es ist ein schmerslich bitteres Leiden Auf nimmer, nimmer Wiederkehr Auch unter allen Erdenleiden Kann tiefer keins zu Herzen gehen. Nicht einmal in die Augen blicken Die uns so lieb stets angeschaut. Ach, es ist ja kaum zu fassen Dass du nicht kehrest mehr zurück, So jung musst du deln Loben lassen Zerstört ist unser ganzes Glück. Ein jeder, der dich hat gekannt Und auch dein treues Herz, Der drückt uns nur noch stumm die Hand Und fühlt mit uns den Schmerz. Nun schlummere sanft in Frieden, Beweint von deinen Lieben. Wiederseh’n war seine und unsere Hoffnung! Fern von der Heimat und seinen Lieben starb am 16. September den Heldentod fürs Vaterland unser hoffnungsvoller, unvergesslicher Sohn, unser lieber treuer Bruder, Schwager, Onkel und Vetter, der im Inf.-Regt. Nr. 136, 12. Komp. im eben vollendeten blühenden 20. Lebensjahre. Dieses zeigen tiefbetrübt an 4905 Familie Wilhelm Teckhaus nebst Kinder. Holzen, Höchsten, Wanne, Schwerte, Ergste, Kamen u. Dickhausen, 20. Okt. 1915. Nach langem, schwerem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden entschlief heute morgen 6½ Uhr, sanft und gottergeben mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel, der Invalide Heinrich Schramm im 69. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten Die tiefgebeugten Hinterbliebenen. Garenteld, Hagen, Westhofen u. Gummersbach den 19. Oktober 1915. 490 Die Beerdigung Andet am Preitag, den 22. ds. Mis. nachm. 3 Uhr, vem Sterbehause aus statt. a OTTO MARX• Ostenstrasse 20. A Fr. Werih. 4903 Bekanntmachung. 2—3 schöne gehenden Bestand die Jahl, von 11—20 Stück einschl zur an ruhige Familie sofort oder Hälfle, diejenigen von 21—30 Stück einschließlich zu einem später zu vermieten. Viertel und diejenige von 34 Stück ab auswärts zu ein Achel] Zu erfragen in d. Geschäftsin Anlatz gebracht... 4 far 64. stelle d. 31g. Die Zuweisung der jedem Schweinebesitzer zustehenoen Menge an Hinterkorn erfolgt durch das Bürgermeisteramt in Schwerte bezw. die Aemter an hand einer zweiten nach dem Ergebnisse der letzten Viehzählung aufzunellenden Liste mittelst besonderer Schrotscheine. Das von einem Schweinebesitzer nicht Drei Zimmer Rücksicht auf unsere deutsche Bevölkerung wird es vorläufig im hiesigen B=zirk nicht mehr zugelassen, daß Kriegsgefangene von Prioatpersonen oder Firmen aus dem Inlande folgende Nahrungsmittel zugesandt erhalten: Milch, auch kondensierte, Butter, Käse, Eier, Speck, Margarine, Fette jeglicher Art. Das frühere Verbot der Zusendung von Brot, Backwaren jeder Art und Schokolade bleidt bestehen.“ ists. Ich bringe zur allgemeinen Kenntnis, daß solche Sendungen 49131 aus dem Inlande an Kriegsgefa; gene nicht ausgehändigt werden; — sie sind daher zwecklos. Aus dem Auslande dürfen die Kriegsgefangenen nach wie vor solche Nahrungs= und Genußmittel empfangen. Münster, den 16. Oktoder 1915. abgenommene Hinterkornschrot wächst dem Anteil der übrigen wegzugshalber in der I. Elage Besiter nach dem erwähnten Verteilungsmaßslade 3u. des Hauses Sedanstraße 26 4890. Der kommandierende General: Frhr. von Gapl. werden gemäß zum 1. November oder später vermielen 4814 Franz Seligmann. Supiherbenbtzngggnzeg Perorerüggrdnung#etven ven § 57 der eingangse wähnten Verordnung mit Gesängnis bis zu zu Beemieten. 4814 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 M. bestraft. S 5. Diese Anordnung trilt mu dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft. Hörde, den 15. Oktober 1515. Der Kreisausschuß. 4891 Unterschriften. Wohnungen vermieten Sie schnell durch ein Insera in der Schmerl Seitung Makulaturpapier unnfehlt bület Carl Brous. Schwerte(Nuhr) Schsuna-delss aus Pflanzen-Eiweiß hergestellt, ist ein vorzüglicher Ersatz für Butter, Margarine, Schmalz zum Belegen auf Brot und ersetzt ebentalls alle Wurstsorten und kalten Fleischspeisen als Beilage zu allen Kartoffel-Gerichten: Kartoffelsalat und Bratkartoffeln, auch zu heißen Kartoffeln mit Sauce, erseizt eine Scheibe kaltes Ochsena-Gelee Beetsteak und Schnitzel Es ist auch vorzüglich geeignet zur Herstellung aller Gemüsesuppen und Saucen. per Pfund 60 Pfg. Alleinverkauf für Schwerte und Umgegend L. Weinberg. s Bekanntmachung. Infolge Erbreiterung der im Zuge der Ostberger straße liegenden in km 157,2+ 62 der Strecke Schwerte—Arnsbers im Grüntal wird dieses Bauwerk für größere Fuhrt (Heu=, Möbelwagen und dergleichen) von heute ab bb auf Weiteres — gesperrt. Der Verkehr dieser Fuhrwerke kann während der Vanarbeiten über den Kirschbaumweg erfolgen. den 18. Oktober 1915. Die Polizei=Verwaltung Rohrmann. 0 #S S S8880E 85 S 903 # 002. oone S 8 80 BGS Blinddarmentzündung und Phantasie. Die Epidemie der Blinddarmentzündung, die unzweifelhaft zurz it fast alle Kulturländer der Erde überzi ht, hat natürlich zu den mannigsachsten Erklärungen über die plötzliche Zunahme dieser Erkrankung Anlaß gegeben. In einem eingehenden satz über die Blinddarmentzündung, den Geh. Ral Kuliner in der bei der Deutschen Verlags=Anstalt erscheinenden „Deutschen Revue" veröffentlicht, geht der hervorragende Breslauer Chirurge auch auf die Frage nach den Grundursachen der furchtbaren Krankheit ein und zeigt dabei in kulturgeschichtlich interessanter Weise, welche Rolle die Phantasie bei diesen mannigfachen Erklärungsversuchen gespielt hat. Während die eigentlichen Ursachen in dem spezifischen Bau und den eigentümlichen Funktionen des Wurmfortsatzes am Blinddarm zu suchen sind, hat man die abenteuerlichsten Anschauungen über die Schuld entwickelt, die Fremdkörper an der Erkrankung tragen. Kirsch= und Apfelsinenkerne wurden ebenso vverantwortlich gemacht wie die Emci splitter der modernen Kochg schirre, die Metallteile der Konservenbüchsen und der Sand der Kunstmühlstine. Dabei ist diese Fremdkörpergefahr, wie eine Rundfrage bei den bedeutendsten Chirurgen ergeben hat, winzig klein. Prof. Küttner hat bei der sehr großen Zihl von Operationen, die er ausführte, nur zweimal einen Fremdkörper gefunden, einmal ein Schrotkorn und das andere Mal eine Fischgräte. Die Obstkerne sind viel zu groß, um in den engen Kanal des Wurmfortsatzes einzudringen, und Emailsplitter hat man nie gefunden, so daß diese Behauptung keine anderen Folgen gehabt hat, als der Email=Industrie empfindlich zu schaden. Aber diese landläufigen und vielverbreiteten Vermutungen sind, obwohl sie jeder Begründung entbehren, noch zahm gegen die ausschweifenden Phantasien, durch die manche klerzte die Blinddarmentzündung zu erklären suchten. So beschuldigte ein Engländer die Abspaltungsprodukte des roten Gummi an den Limonadenflaschen, ein anderer die zur Fleischkonservierung benutzte Borsäure. Nüse, Ananas, Wurst, Käse, Pilze, Muscheln und Hummern mußten als der schuldige Teil herhalten. In Amerika klagte man die Eisgetränke an, in Europa den reichlichen Biergenuß. Ein englischer Autor machte„Abführm ittel und Leberpill n“ für die Blinddarmentzündung verantwortlich; nach in Deutschland geäußerten Anschauungen sollen Aloe, Aloin, Cascara und Quecksilberpräparate die eigentliche Ursache sein. Es bekamen aber auch sehr viel Leute die Krankheit, die von solchen Mitteln keine Ahnung hatten. Des weiteren sind noch als Gründe angeführt worden: Ueberarbeitung, die Schule, das Leben an Bord und in den Tropen, die Militärdienstzeit, die ständige Fluktuation der Bevölkerung und das viele Elsenbahnfahr.n. 0 „Der Merker". Josef Gabriel heißt dieser Bauerndichter, der der Gemeinderichter s ines Heim tdorfes Marcydorf ist. Als der Verfasser glücklich din abgeliginn Flecken erreicht hatte und im Gemeind haus dem bäuerlichen Poeten entgegentrat, fand er einen Mann von etwa 50 Jahren in der ortsüblichen blauen Joppe und den hohen Röhrenstiefeln, dessen hagere Gestalt auffällig von der sonst so rundlichen Behäb gkeit der Banater Bauern abstach. Die scharfgeschnittenen Züge des schmalen Gesichtes mit der energischen Adlernase, die klugen, blauen Augen, vor allem aber die hochgewölbte Stirn verricten deutlich, daß Pflugschar und Scheune nicht den ganzen Inhalt seines Lebens ausmachten. Mit ruhiger Selbstverständlichkeit sprach er von seinen Dichtungen; die falsche Scham des Versemachers war ihm ebenso wie der Stolz des„von sich selbst überzeugten Talentes völlig fremd. Daß er Lieder und Balladen schrieb, erschien ihm als etwas so Natürliches, wie es gar nicht anders sein konnte.„Die Poesie,“ meinte er,„ist eine Gabe, die jeden zwingt,- sich zu offenbaren, mag er nun Bauer, Bürger oder Aristokrat sein.“ Von ein paar kleinen Reisen abgesehen, ist er nie aus seinem Dorf herausgekommen; seine höchste Liebe in der Dichtkunst gilt der deutschen Klassik; Schiller ist sein angebetetes Vorbild, das sich in manchen seiner Schöpfungen sehr stark verrät. Goethe versteht er, wie er selbst gestand, nicht überall; doch liebt er ihn wie auch manche der Romantiker. Mit seiner Abneigung gegen den Naturalismus hielt er nicht hinter dem Berge und sprach sich in einem, bisweilen etwas„papieren“ klingenden Deutsch dagegen aus.„Man mußte den Mann sehen, wie er, mit der langen Pfeife im Munde, durch die Dorfstraße stapfte, fleißig rechts und links ausspuckte, zuweilen auch ein ungeheures rotes Sacktuch hervorzog und dabei vom „Naturalismus“ und von„Miasmen“ sprach.“ Goth begleitete den Dichter dann nach seinem Gehöft, und als sie in der Sonntagsstube auf der Bank saßen, die den bauchigen Kachelosen umschloß und die riesigen Schaubetten, da holte der Bauer aus der Tiefe eines mächtigen Schubfachlastens seine Poesien=Mappe hervor, und bot dem andern eine Fülle von reiner Dichtung dar.„Neben allerlei wortreichen Reimereien fand ich Balladen von dörflicher Romantik, Lieder in schwäbischer Mundart, Gelegenheitsgedichte verschiedenster Art— darunter Goldkörner echter, ursprünglicher Poesie, köstliche, sangbare Lieder, die tiefstem Empfinden entsprossen, und andere, in denen Persönliches und Volkstümliches in künstlerischer Weise verwoben war. Die ganze poetische Welt des Dorfes war da manchmal in wenige Verse gebannt. Nicht jene oft unflätig derbe„dörperliche“ Poesie, wie sie das Landvolk des Mittelalters liebte, sondern eine Welt zarter, träumerischer Gefühle und Stimmungen, wie sie nur dem frommen, zufriedenen Sinn, dem weichen, empfindsamen Herzen eines Mannes entstammen konnten, der eben— wie er schlicht und doch stolz selbst behauptete— ein Dichter war. Ein Dichter überdies, dem auch eine Kraft des sprachlichen Ausdruckes zu Gebote steht, die bei so minimaler Bildung und so völliger Abgeschlossenheit von jedem befruchtenden Verkehr ans Wunderbare grenzt.“ elt und Zeit. Ein deutscher Bauerndichter in Ungarn. Das in teressante Charakterbild eines deutschen Bauern im ungarischen Banat, der ein echter und starker Dichter ist, entwirft Ernst Goth in einem Aufsatz der Wiener Leitschrift Humor. Vertrauen zum Arzt.„Du scheinst großes Vertrauen zu deinem Arzt zu haben,“ meinte der Freund des Ponte.„ „Selbstverständlich,“ war die Antwort,„er wiro doch einen so guten Kunden, wie mich, nicht sterben lassen!“ pnpe 1 prnpen 198301: u ge Saom Honig M E2 2—. * 5 2 65 5 S S S 25ER Sg S# Sxi 80 □ 0 Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde Unterhaltungs Beilage zu Nr. 246 Atittwoch, 20. Oktober 1915. 8 am des,fälliene Mittenn. 0 Roman von C. Dressel. (26. Jortsetzung.) lrikes Ungeduld war gerechtfertigt, denn O nahezu zwei Jahre blieb der Majoratsherr seinem Erbe bereits fern. Wohl hatten häufige Briefe inzwischen von ihm berichtet. Aus allen Weltgegenden waren sie gekommen; aber es waren vorwiegend geistvolle Reisebeschreibungen gewesen, von seinem inneren Leben hatten sie wenig berichtet. Nie mehr berührten sie klagend das Verlorene, ebensowenig aber sprachen sie die leiseste Freude über ein Dasein aus, dessen bevorzugte äußere Gestaltung II ihm doch die ganze Welt erschloß, ihm so vieles gewähren und ersetzen konnte. Bas 111, Dann endlich lief jenes Schreiben ein, dus ullile Tag um Tag in stiller Sehnsucht erwartet, mit der Nachricht seiner bevorstehenden Rückkehr. Der Brief war aus Tunis datiert, und Ralf schrier: „Nun bin ich des zwecklosen Umherpilgerns müde, geliebte Schwester, und kehre zu Euch zurück als einein sich gefestigter Mann, der überwunden hat und nicht mehr mit den Geschicken hadert. Der Schmerz ist uns heilsam, zur rechten Würdigung des Lebens notwendig, und um so dankbarer bin ich der Vorsehung für das Schöne und Herrliche, was sie mir nach herbem Leid gewährt. Ulrike, ich bin bereit, Deinen Herzenswunsch zu erfüllen, ich will versuchen, des Glückes wert zu sein, das Du mir einst gezeigt. Wird aber Hedwig es mir noch freudig gewähren, hat sie nicht den undankbaren Flüchtling zu vergessen gestrebt? Doch gib mir keine Antwort darauf, liebe Schwester, und sprich auch zu Hedwig ebensowenig von meinem Hofsen, meinem Zweifel. Ihre Augen, diese unschuldigen Verräter ihrer reinen Seele, werden mir in dem Augenblick, da ich wieder in ihr süßes, liebes Antlitz sehe, künden, was ich zu erwarten habe. Sie werden reden zu mir wie in jenem Moment, da ich, egoistischer Trauer hingegeben, fühllos von ihr Abschied nahm. Wie ich mich jetzt auf mein Rhoda freue, das Du so energisch und treu verwaltet! Deine einsichtsvolle Hilfe mag ich aber auch ferner nicht entbehren, Ulrike; mitsammen werden wir in dem uns anvertrauten Besitz schalten zum Frommen derer, die nach uns kommen, zur Ehre unseres Hauses. Wäre ich nur erst in meinem Vaterhause wieder daheim! Es erfaßt mich zuweilen ein Bangen, eine Unruhe, als hatte ich das Heimatsglück durch mein langes Fernsein verwirkt, als müsse mir nun zwischen Lipp' und Kelchesrand ein böses Ungefähr den Segenstrank zerschellen. Die Unruhe der ] Sehnsucht ist es wohl, die meine sonst so gesunden (Nachdruck verboten.) Nerven erzittern macht; aber ich will mich bezwingen und nichts hoffen und denken, als ein frohes Wiede Ulrike jubelte. Nun wurde alles gut: Ralf kehrte heim, Rhoda fand seinen würdigsten Gebieter und bald auch die lieblichste, freundlichste Herrin. Fürwahr, es stand so wohl, so herrlich um des stolzen Hauses Ehre und Zukunft, wie sie es nur je ersehnt. In diesem Freudenrausch lächelte sie nur über Ralfs trübe Ahnung und schrieb sie lediglich der erklärlichen Ungeduld zu, welche nur zu leicht in der Erwartung schönsten Glückes den leisesten Wolkenschatten wie einen schweren, zerstörenden Gewittersturm ansieht. Nun regte es sich wieder geschaftig in dem alten, stolzen Ahnensitz; galt es doch, dem jungen Gebieter einen frohen, würdigen Empfang zu bereiten. Ulrike entbot Künstler und geschickte Handwerker, die nach ihrer Angabe die Gemächer, welche Ralf bewohnen sollte, mit edler, feinsinniger Pracht schmückten. Die kokette, schwüle Eleganz, welche Melanie geliebt, wurde kaltblütig entfernt, um einer wahrhaft kunstverständigen, reinen Geschmacksrichtung Raum zu geben. „Ein neuer Geist zieht mit Ralf hier ein, dachte Ulrike,„und nichts soll den kaum Genesenen an die trübe Vergangenheit gemahnen, er soll nur freudige, erhebende Eindrücke empfangen, g 166# In dieses herzensfrohe Schaffen slr ennes Tages störend ein Brief Melanies. Vor kurzem noch hätte Ulrike wohl das Schreiben uneröffnet zurückgesandt, nun ließ die innere Freudigkeit sie nachgiebiger denken. So las sie den Brief, dessen Inhalt sie freilich erriet. Melanie schrieb nichts als Klagen über die Unzulänglichkeit ihrer Renten. Es sei unmöglich für sie, die noch zu jung und schön sei, um sich gänzlich von der Welt zurückzuziehen, damit auszukommen. Ihre angegriffene Gesundheit habe Badereisen bedingt, häufige Kinderkrankheiten der Knaben hätten Unsummen verschlungen, die sie freilich mit Freuden geopfert, sich aber nun in die peinlichste Lage gebracht sähe. Die dringenden Mahnungen ungeduldiger Geschäftsleute, die sie absolut nicht bezahlen könne, zwingen sie, das Aeußerste zu tun und die reiche Schwester ihrer armen Kleinen um Hilfe zu bitten. werde sicherlich mit diesen Erbarmen fühlen und lieber ein Scherflein ihres großen Vermögens spenden, als den Namen Rhoda dem unsauberen Handel der Wuckerer preiszugeben..3.g. zi. Guatu Dann bemerkte sie beitaung, die Knaven seien wieder ziemlich wohlauf, doch bedürfe Leon noch e e e e, t e 853 längerer Schonung, er werde sie daher zur notwendigen Erholung für einige Zeit nach dem Süden begleiten. Schließlich fragte sie mit jener Harmlosigkeit, unter der stets eine Bosheit lauerte, ob sich Ulrike vielleicht noch des schönen Baron Gerlach erinnere. Sie habe den Vetter nach einer mehrjährigen gänzlichen Verschollenheit kürzlich in Wiesbaden getroffen als— den Gemabl einer Frau, die weder jung noch hübsch sei, ihn indes abgöttisch liebe und mit ihrem kleinen Vermögen gewissermaßen eine Versorgungsanstalt für den tollen Verschwender geworden sei. Uebrigens sei er nicht mehr halb so hübsch oder interessant wie früher, was in so heruntergekommenen Verhältnissen ja auch nur natürlich wäre. Er sei sehr niedergedrückt gewesen, und brächte es einmal der fatale Zufall, daß er ihr irgendwo in der Gesellschaft begegne, in der ihn seine obskure ärmliche Frau erst recht unmöglich gemacht habs, so dürse sie ihn nicht mehr kennen. Aus dem früheren stolzen Löwen eleganter Salons sei ein Esel mit geborgter Löwenhaut geworden, der sich jetzt nur lächerlich mache, und sie hoffe, daß er wenigstens noch so gescheit sei, seine Dummheit in seiner reduzierten Häuslichkeit zu verbergen. Eigentlich sei es schade um den einst so schönen, ritterlichen Mann, ewig schade, daß er also untergehen mußte, während eine gewisse stolze Dame ihn durch einige Nachsicht so leicht sich und der Gesellschaft hätte erhalten können.„Aber Du hast nun einmal zu dem Orden der Ledigen geschworen, liebes Kind,“ schloß sie spöttisch,„und wer möchte es Dir verargen! Andernfalls ständest Du vielleicht so traurig da, wie ich jetzt; denn daß auch der verliebteste Mann nicht immer zugleich großmütig ist, das habe ich leider erfahren. So sei Du es wenigstens und weise mir sosort eine größere Summe, sagen wir z hntausend Taler, an, sonst möchten meine unhöflichen Gläubiger Dein heiliges Rhoda stürmen, und diese Entweihung will ich Dir ersparen. Glaube mir, nur im Not all weise ich sie dorthin; erlaß mir den unangenehmen Zwang, solange ich wie Du mich Gräfin von Rboda zeichne.“ Mit einer Gebärde unsäglichen Widerwillens ließ Ulrike den Brief sinken. Selbst die Erwähnung Gerlachs vermochte sie nur im ersten Moment der Ueberraschung zu erschüttern. Dann legte sich ein Ausdruck stolzer Verachtung um ihre Lippen. Melanie hatte völlig geirrt, wenn sie geglaubt, mit der unvorbereiteten Nachricht von des Vetters Vermählung der gehaßten Heirin von Rhoda einen verletzenden Schlag zu versetzen; Ulrike parierte ihn nur mit einer Miene der Geu#ngschätzung. „Wahrlich," dachte sie, tief aufatmend:„Die Zeit bringt Wandlungen, sie bricht die Gewalt jedweden Leids; sie löscht die Bitterkeit des größten Wehes, nur beleben, was zerbrochen ist, nur das vermag sie nimmer.“ Dann trat sie ruhig an ihren Schreibtisch und schrieb jene verlangte Anweisung für Melanie— um des Namens willen. XXV. Schloß und Parkstanden vollendet in ihrem neuen prächtigen Schmucke, bereit, den Majoratsherrn zu empfangen, dessen längsterwartete Ankunft noch immer nicht erfolgte, und ebensowenig hatte ein Brief seither die Verzögerung erklärt. Dies Ausbleiben jeder Nachricht begann Ulrike nun doch zu beunruhigen. In seiner gewohnten Sorglosigkeit hatte Ralf ihr nicht einmal näher die Reiseroute beschrieben, die er zu nehmen gedachte, und so wußte sie nicht, wohin sie Briefe oder Telegramme zu senden habe. Dennoch richtete sie eine Depesche nach Tunis, woher Ralfs letzter Brief datiert gewesen; aber als diese unerledigt zurückkam, da Adressat nicht aufzufinden war, wurde Ulrike völlig ratlos. Eine dumpfe Angst bemächtigte sich ihrer, der sie selbst gegen Hedwig nicht Wort zu geben wagte, obwohl sie in der Freundin täglich bleicher und leidender werdenden Züge dieselbe entsetzliche Hoffnungslosigkeit ausgedrückt sah. Ganz Rhoda war in einem Zustande nervöser Ratlosigkeit, einer fieberhaften Spannung, die endlich ein Schreiben aus Algier, welches Gräfin Ulrike erhielt, löste. Da der Brief indes nicht des Bruders Schriftzüge trug, so eilte Ulrike mit dem Schreiben, von düsterer Ahnung erfüllt, in Hedwigs Gemächer; es wäre ihr unmöglich gewesen, dasselbe unter den beobachtenden Augen der Diener zu öffnen. Kaum aber hatte sie hier die ersten Zeilen überflogen, die mit ungeübter, zitternder Hand in großen, steifen Buchstaben geschrieben waren, als sie mit einem unartikulierten Schrei ohnmächtig zusammenbrach. Da wußte Hedwig, daß ihre angstvolle Befürchtung, an der sie innerlich so tief gekrankt,eerfüllt sei, und doch war sie, die Zarte, Leidende, in diesem entsetzlichen Moment stark und besonnen genug, nicht fremde Hilfe anzugehen, sondern die erste schwerste Stunde allein mit Ulrike zu durchleben. Als diese wieder die Augen aufschlug, sah sie Hedwig über sich geneigt mit dem heiligen Trostesblick eines Engels. In Ulrikes Gesicht aber stand die wildeste Verzweiflung:„Hedwig, es ist surchtbar,“ ächzte sie— „spielt ein Gott so mit unserem Geschick? Mein lieber, braver Ralf sterben zu müssen, als er soeben erst genesen zu glücklicher Hoffnungsfreudigkeit für die schönste Zukunft, in der willigen Bereitschaft, fortan zum Segen vieler tatkräftig zu wirken. Und nun so viel Jugend, Kraft und Tüchtigkeit verweht, als wäre sie Spreu und nicht das ganze Ledensglück anderer Menschen gewesen! Nein, ich kann an eine gütige Vorsehung nicht mehr glauben.“ „Still, Ulrike, nicht solche Worte,“ flehte Hedwig. „Du hast schon viel gelitten und wieder glauben gelernt, so sprich auch jetzt mit mir, die ich ja ebenso das Teuerste verlor: des Herrn Wille ist wohlgetan.“ „Ich vermag es nicht, ich din zu grausam vernichtet,“ stöhnte Ulrike.„Run kehrst du heim, mein Bruder, du, der würdigste Rhoda, nie war einer sittenreiner, edler, idealer gesinnt als du,“ murmelte sie schluchzend vor sich hin.„In blühender Kraft zogst du aus und kehrst nun heim in starrer Vernichtung, um einem andern Raum zu geben, der———“ Ulrike sprang plötzlich auf wie in irrem Entsetzen. Sie preßte die Hände gegen die glühende Stirn, hinter der sich die qualvollsten Gedanken jagten.„Hedwig,“ stieß sie in wildester Angst hervor,„soll die Verworfene Ralfs Nachfolgerin sein, soll ich der Unwürdigen weichen, daß sie unseren reinen Namen hier entweihe und prassend das Erbe meiner Ahnen vergeude? Soll sie hohnlachend zerstören, was wir beide für Ralf erstrebt und geschafft? Nein, nimmermehr!" „Wie willst du es ändern?" sagte diese tonlos. „Fasse dich, Ulrike, wir werden auch dies tragen müssen.“ „Verlangst auch du, daß ich schmählichen Betrug unterstützen solle?" fiel Ulrike ihr außer sich in das Wort.„Weißt du nicht, daß Leon weder körperlich noch geistig einen Zug unseres Geschlechts trägt, daß er nur seiner Mutter nachartet und—— Nein, ich kann dir meinen Argwohn nicht begründen, mein Liebling,“ brach sie hastig ab,„aber sei versichert, daß ich unmöglich Rhoda dieser Frau und ihrem Sohn übergeben darf. Solange die Macht in meinen Händen, soll niemand sie mir entreißen.“ „Ich verstehe dich, Ulrike,“ rief Hedwig tonlos. Sie war todesbleich, aber aus ihren blauen Augen flammte ein hoher Mut.„Leon hat keinen Anspruch auf das Majorat; wie aber willst du eure Rechte wahren; du würdest dich niemals entschließen können, den stolzen Namen vor die Gerichte zu bringen.“(Forts. folgt.) — 58 8 SES GguSaSEE „ B„E 5„ PEZ•MTTEE n uA * S SSLSSSI S 8 ## * S SH2 BF-g E SSen 5.38MDER SpSsss S S"ER0 S SEBES“ NE *#g 8 B 2 S 5 55 S5uSE5S Denkspruchz. Was die G.schichte bis jett errang? Die ewigen ldeen! Sie zu verwirklichen, i.t nun ihr großes Geschäft. hebbel. „Dreadnoughts" des Mittelalters. (Nachdruck verboten.) Die Riesenschiffe, unserer modernen Flotten finden gewiß nichts Aehnliches in der gesamten Geschichte der Schiffahrt, aber doch haben auch schon im Mittelalter die seefahrenden Völker sehr stattliche Fahrzeuge gebaut, die man wohl mit einem gewissen Recht als„Dreadnoughts“ ihrer Epoche bezeichnen könnte. Soviel auch über die Schiffsformen der Vergangenheit schon geschrieben ist, so herrschte doch über die meisten Einzelheiten der äußeren Gestaltung dieser Seeschiffe bisher die größte Verwirrung, und auch über die Größe dieser „Meerbeherrscher“, die doch Bedeutendes in Krieg und Handel geleistet haben, war man völlig im unklaren. Im Rahmen der Veröffentlichungen des Vereins für Hamburgische Geschichte erschien nun kürzlich im Verlage von Karl Eurtius in Berlin ein Werk über „Die Entwicklung der wichtigsten Schiffstypen bis ins 19. Jahrhundert“ von Bernhard Hagedorn, in dem zum erstenmal über das Aussehen der großen Seeschiffe des Mittelalters, über die Größe und Entwicklung, über Rumpfausbildung und Takelung ihrer Haupttypen genauer Aufschluß gegeben wird. Aus diesen Forschungen ergibt sich die erstaunliche Tatsache, daß bereits im Mittelalter ganz gewaltige Schiffe das Meer befuhren, und zwar war es der Handel, der große Schiffe nötig hatte, um möglichst bedeutende Lasten unterzubringen. So entstand im Gegensatz zu dem schlanken, geschmeidigen Wikingerboot, in dem die Normannen zu raschen Raubzügen über die Wellen geflogen waren, der schwere, mächtige Kogge, dessen Größe nicht unbeträchtlich war. Da Schiffsausmessungen für die ältere Zeit völlig fehlen, muß man aus der Ladung auf die Größe des Schiffes schließen. Als Schiffsmaß dient allgemein die Danziger Roggenlast, die etwas mehr als 2000 Kilogramm wiegt und einen Raum von etwa 3¼ Kubikmetern ausfüllt. Die ersten Schiffe, deren Gehalt man genauer feststellen kann, gehören dem 13. Jahrhundert an. So. wurden 1212 in England zwei flandrische Schiffe festgehalten, die 50 und 60 Roggenlasten Tragfähigkeit besaßen. Genauere Vorstellungen von der Größe der Schiffe erhält man aber erst im 14. Jahrhundert aus den Zollhebebüchern, die sich aus dieser Zeit erhalten haben. Nach dem Hamburger Pfundzollbuch von 1369 gab es bereits eine große Anzahl Schiffe mit einer Ladung von mehr als 25 Lasten. Drei Schiffe, die in diesem Jahre von Hamburg ausliefen, konnten mehr als 50 Lasten laden; die größte in dem Zollbuch von 1369 nachweisbare Lademenge betrug 60 Lasten. Anderwärts begegnet man beträchtlich größeren Schiffen; so mußte der Kogge, den Lübeck 1362 für 1502½ lübisch kaufte, weit über 100 Lasten groß gewelen sein. Bei den Koggen, deren Kriegsbemannung auf 100 Mann und mehr festgesetzt war, war überhaupt gegen Ende des 14. Jahrhunderts eine Schiffsgröße von 100 Lasten nichts Seltenes. Weit übertroffen wurden jedoch die Schiffe der nördlichen Meere von den Lastschiffen des Mittelmeeres. Diese großen, kastenförmigen Fahrzeuge trugen häufig drei Decks übereinander und an beiden Enden darüber noch Aufbauten. Ihre Größe war für damalige Verhältnisse kolossal. Man hört wiederholt von Fahrzeugen, die 1000 und mehr Mann an Bord hatten. Richard Löwenherz vernichtete auf seiner Fahrt nach Palästina in den syrischen Gewässern ein Sarazenenschiff, das mit 1500 Mann besetzt war. In solche Schiffe waren Stallungen für Hunderte von Pferden eingebaut, und zur Bedienung waren allein mehr als 100 Seeleute nötig. Die kleineren nordischen Koggen erwiesen sich jedoch diesen Ungetümen an Seetüchtigkeir überlegen, drangen in die südlichen Handelsflotten ein, und bald waren die kastenartigen Riesenschiffe verschwunden. Aber auch der Kogge machte eine Entwicklung durch, die zu immer größeren Formen führte. Diese neue Schiffsform, die wirkliche„Treadnoughts“ ausbildete, ist der Hulk, der im 15. Jahrhundert die Meere beherrschte. Bei den mächtigsten dieser Schiffe mußte man die Rah aus zwei Stücken zusammensetzen, weil es keine geeigneten Rundhölzer gab; schon diese Tatsache allein zeigt, wie schwierig die Bedienung dieser Ungetüme war. Die Engländer besaßen gewaltige Hulke; so soll das königliche Schiff„Jesus“ 1000 Tonnen groß gewesen sein, der 1414 erbaute„Holy Ghost“ 760 Tonnen, die„Trinity Royal“ von 1416 540 Tonnen. Die deutschen Hulke hielten sich in bescheideneren Maßen. Doch hatten fast sämtliche Hulke des deutschen Ordens in Preußen, die von 1400—1435 gebaut wurden, über 100 Lasten Tragfähigkeit; 1416 wurde zum ersten Male ein Hulk von 200 Lasten vom Stapel gelassen. Gegen so große Schiffe wandten sich jedoch die Ratsversammlungen der Hansestädte; so wurde 1412 bestimmt, kein Schiff solle mehr als 80 Lasten haben. In der Herrschaft über die Meere wurde der Hulk allmählich von dem Kravel abgelöst, der durch eine neue Art der Beplankung und Takelung das Schiff der Zukunft wurde. Um 1460 sind die ersten Kravele gebaut worden, und gleich eins der ältesten dieser Fahrzeuge, das„Große Kravel“ oder der„Peter von Danzig“, wurde das berühmte und mächtigste Schiff seinerzeit, das im Kriege mit den Engländern den hanseatischen Waffen Achtung und Sieg verschaffte; es hatte 400 Lasten Ladefähigkeit und war mit 17 großen Geschützen, 15 Windearmbrüsten, einer Wallbüchse und einer Bleibüchse armiert. Mächtige Kriegskravele bauten die Lübecker; so hatte ihr„Großer Adler“ eine Kiellänge von 36 Metern, eine Länge von Steven zu Steven von 49 Metern, eine Länge von Galion zu Galerie von 64 Metern; die hintere Höhe von Kiel bis Heckbord betrug 21½ Meter, die Länge des Ruders über 12 Meter. Die Ladefähigkeit betrug ungefähr 700 Lasten. Ebenfalls sehr groß war das 1532 erbaute schwedische Kravel, dessen Länge von Galion bis Heck 50 Meter, auf dem obersten Deck 44 Meter betrug und dessen Großmast 35¼ Meter hoch war. Die Galeonen im Mittelmeer hatten noch ungeheure Aufbauten; so wird 1592 von einer Galeon„Madre de Dios" berichtet, die 1600 Tonnen hielt, im Kiel 100 Fuß, von Bugspitze bis Laterne 175 Fuß lang war, 48 Fuß größte Breite, 31 Fuß Tiefgang und 7 Decks hatte. Dieses Anwachsen der Schiffe zu immer größeren Dimensionen erhöhte die schon bestehenden Fahrwasserschwierigkeiten, so daß z. B. nach Hamburg überhaupt kein großes Schiff mit Ladung kam, nach Bremen Schiffe von 100 Lasten nicht hinaufsegeln konnten und die holländischen Schiffe am Texel= und Vliesstrom ankern mußten. In Holland machte man dann im 17. Jahrhundert seltsame Erfindung der„Kamele“, der ältesten Form der Schwimmdocks, zweier großer Hohlräume, die an beide Seiten eines Schiffes gelegt, dann leer gepumpt wurden und so den Schiffskörper hoben, um ihn über Untiefen näher an die großen Städte heranzubringen. Die Schäden der Riesenschiffe traten mehr und mehr zutage, und so hat denn zu Anfang des 17. Jahrhunderts die schlanke und kleinere Fleute dem„Treadnought des C. K. Mittelalters“ rasch das Grab gegraben.