0 Vos Simmm Seiuer aiben dand auder Feiertags. Bezugsprete W.1 oiertelAAdrüch, bei der Post fü: Bestellgeld 42 Pio. mehr. Wöchentl. Gralisbeilage:„Ikustrierter Hamillensreund" u. tägl. Unterdaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die Bedengespaltene ode deren Raum 10 Plg., Anzeigen umn amwärto 15 Pig., Redlamezelle 40 Pfg. Jeder Rabast gllt als Kassarnball u. erlischt bei Honwursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Setschtnad ercht-Settessstsltume Anktüches Rresbialt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung tar den Kreis worcne Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Sharte Goltsselung Verbunden mit. Schwerter Volksblau Schwerker Cageblatt D Schwerker Anzeiger Erstes und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Hnzeiger für den Kreis bärde o Haupt-Kononcenbian Eün dene und ichelenl gichen Deurnd nungen für den Arets Hörde erlengen grmen Beduantmochung dei Abalglichen Regienung, durch Verösseatlichung io dei„Schwerter Jettung" rechtsoerdindliche Kroft.— Die „Schwerter Zettung“ gewöhrt ihres Abonnen. inn für jeben mit Ted enbenben Unson ge: 300 Mk. Unfall: Druck u. Verlag o. Corl Braus. Schwerte=7 Fernsp. 62. Telegr.=Adr. Braus Schwerteon ge: fall: Ruhr -R#### Nr. 237. Samstag, den 9. Oktober 1915. 47. Jahrgang. Der Brille GaltialtA Bulgariens Stunde. Eine Antwort auf ihr herausforderndes Ultinatum vom 4. Oktober hat die russische Regierung ekommen, pünktlich vor Ablauf der vierundwanzigstündigen Frist, die sie dafür vorgeschrieben atte— sie ist unbefriedigend ausgefallen. Sie ist icht allein unbefriedigend, wie die Petersburger Lelegraphen=Agentur sagt, sondern eine völlige lblehnung. Bulgarien bestreitet zunächst die von kußland aufgestellte Behauptung, daß deutsche Affiziere sich in der bulgarischen Armee oder gar m Generalstabe befänden. Weiterhin drückt die zulgarische Regierung ihr Erstaunen über die schroffe Stelbungnahme Rußlands aus, die Bulgarien als provokatorisch empfinden müsse. Bulgarien würde es bedauern, falls die Beziehungen wischen beiden Ländern nach der russischen Drohung abgebrochen werden sollten, sieht sich aber außerstande, seinerseits an dieser Tatsache etwas zu indern. Daraufhin hat der russische Gesandte in Sofia der bulgarischen Regierung den Abbruch der diplomatischen Beziehungen angezeigt und den Schutz der Interessen seiner Landsleute dem nieverländischen Gesandten anvertraut. Der eilglische, der französische und schließlich wohl auch der italienische Gesandte sind diesem Beispiel“ gefolgt. So werden also die diplomatischen Vertreter Deutschlands und seiner Verbündeten in Sosia das Terrain beherrschen, und die Dinge werden den Lauf nehmen, den sie nehmen müssen. Was kann es bezeichnender für den Wandel der Machtverhältnisse in Bulgarien geben, als die Tatsache, daß Nadoslawow, als er in der Nacht zum Dienstag von einer mehrstündigen Besprechung mit dem König in sein Ministerpalais zurückkehrte, dort die Gesandten Deutschlands, Oesterreich=Ungarns und der Türkei zu einer gemeinschaftlichen Konferenz einbid, daß aber der englische Geschäftsträger mit seinem Wunsch, den Ministerpräsidenten zu sehen, an dessen ersten Sekretär verwiesen wurde! Das sieht nicht danach aus, als sollten, wie Rußland es forderte, alle Beziehungen zu uns und unseren Freunden abgebrochen werden. Man weiß in Sofia, was man will und was man nunmehr von dem verehrlichen Vierverband zu erwarten hat. Der Appell an die Luurcht hat in bulgarischen Herzen kein Echo gefunden. Die Fahnen des Landes, die vor zwei Jahren zusammengefaltet werden mußten, sollen jetzt wieder entrollt werden, denn „die besseren Tage“, auf die König Ferdinand damals sein Volk vertröstete, sind gekommen. Das Schwert hat das Wort, sagt das Blatt des Ministerpräsidenten in einem unmittelbar vor der Entscheidung geschriebenen Artikel, und die Nation schart sich um das Panier, auf das der Ruhm des Laterlandes und die Freiheit Mazedoniens geschrieben ist. Noch ist das Zeichen zum Aufbruch nicht gegeben, aber die Luft bebt schon vom Rufe „Vorwärts, bulgarische Soldaten!“ Damit sind wohl alle, auch die allerletzten und allerdemütigsten Hoffnungen des Vierverbandes erschöpft, daß Bulgarien doch noch auf die Sirenenklänge von London und Paris her lauschen könnte. Besonders in den französischen Blättern las man sieben den schandbarsten Schmähungen an die Adresse des Bulyarenzaren noch bis mletzt flehende Bitten an die Bulgaren, sich doch ja für den Vierverband zu erklären und die Engländer und Franzosen an den Dordanellen aus dem an Niederlagen reichen Meerengenabenteuer zu befreien. Befreit werden die Truppen auf Gallipoli wahrscheinlich durch die Bulgaren werden, da es nur noch eine Frage kurzer Zeit ist, daß der Dardastellenkampf vom Vierverbande abgebrochen wird. in Serbien.— Französische und Heulscher Tagesbericht wtb. Großes Haupiquartier, 8. Oktober 1915. Westlicher Kriegsschauplatz Nach den vergeblichen Durchbruchsversuchen der Franzosen am 5 und 6. Oktober verlief der gestrige Tag in der Champagve verhältnismäßig ruhig. Das Grabenstück östlich des Navarin=Gehöftes, das die Franzosen noch besetzt h’elten, wurde vormittags durch Gegenangriff gesäubert, wobei einige Gefangene und 2 Maschinengewehre in unsere Hand fielen. Gegen abend nahm das feindliche Art'lleriefeuer wieder zu. Nachts kam es an einzelnen Stellen zu terie=Angriffen, die sämtlich abgewiesen wurden. Bei einem erfolgreichen Vorstoß auf eine vorgeschobene feindliche Stellung südlich von St Marie à=Py nahmen wir dem Feinde 9 Offiziere und 250 Mann ab. Oestlich der Argonnen bei Walancourt wurden mehrere feindliche Minenstollen durch Sptengungen zerstöct. von Hindenburg. und südlich des Wiszniew=Sees wurden abgeschlagen. Heeresgruppe des General=Feldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern Die Lage ist unverändert. Heeresgruppe des Generals von Linsingen. Bei Kowel und Omyk(südwestlich von Pinsk) wurden russische Postierungen von uns vertrieben Unser Angriff in der Gegend nordwestlich Czartorysk macht Fortschritte Die deutschen Truppen der Armee des Grafen Bothmer wiesen mehrere russische Angriffe ab. Der Uebergang über die Drina, Save und Donau nimmt einen günstigen Verlauf. Südwestlich von Belgrod wurden 4 Offiziere und 296 Mann zu Gefangenen gemacht und 2 Maschinengewehre erheutet. Gegenüber von Ram fielen nach Kampf 3 Geschütze ia unsere Hand. Oberste Heeresleitung. Russische Angriffe rördlich von Kosjany (Nichtemtlich.) Amtlich 1 Russen gefangen genomm WXB Wien, 9. Okt.(Nuchtemitnny., Amtlich wird verlautbart vom 8. Oktober mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Der Feind griff gestern auf der ganzen ostgalizischen und wolhynischen Front an. Seine unter großem Kräfte= und Munitionsaufwand geführten Angriffe blieben ohne Erfolg. An der bessarabischen Grenze. auf den Höhen nördlich des Dusestr und an der Strypa brachen die russischen Sturmkolonnen zusammen, ehe sie an unsere Hindernisse herankamen. Nordwestlich von Tarnopol drangen die Russen an zwei Stellen in unsere Schützengräben ein, wurden aber durch herbeieilende deutsche und österreichisch=ungarische Unterstützungen heute morgen wieder zurückgeschlagen. Ein ähnliches Geschick hatte der feindliche Angriff auf das nordwestlich von Kremienec liegende Dorf Sapanow, das gestern als Mittelpunkt erbitterter Kämpfe mehrmols den Besitzer wechselte, nun aber wieder fest in unserer Hand ist. Ehenso warfen wir südwestlich Olrka überlegene russische Kräfte im Nabkampf zurück, wobei sich das Infanterie=Regiment Nr. 89 und das LandwehrInfanterie=Regiment Tetschen Nr. 31 besonders hervortrat. Sehr heftig wurde auch südlich von Olyka gekämpft. Nördlich und nordöstlich von Kolki gewannen unsere Gegenangriffe neuerlich Raum. Wir entrissen dem Feinde die Dörfer Lisowo und Galuzia. Insoesamt wurden in den gestrinen und vorgestrigen Kämpfen auf wolhynischem Boden etwa 4000 Sssssssss Die Befreiung aber wird wenig nach dem Wunsch der Großmächte sein. Nach Gallipolis Niederlagen winkt ein neuer Kriesschauplatz, und auch dort wird der Vierverband auf gerüstete Feinde stoßen. Magz das Spiel der Diplomatie die Kräfte nun so oder so verteilen. Das eigentliche Balkanspiel hat der Vierverband schon jetzt durch Bulgariens Haltung verloren. der Gegner Mussen gefungen genommen erlitt sehr große Verluste. Italienischer Kriegsschauplatz. Gegen die Hochfläche von Vielgereuth setzten die Italiener gestern nachmittag an der ganzen Froni mit starken Kräften zu einem Gegenangriff an, der gleich allen früheren blutig abgewiesen wurde. Besonders heftig tobte der Kampf um einen unserer Stützpunkte nordöstlich des Maronia=Berges. Hier stürmten drei feindliche Bataillone dicht gedrängt vor, drangen durch die zerstörten Hindernisse ein, wurden aber durch Abteilungen des österreichischen Infanterie=Regiments Nr. 14 mit dem Bajonett herausgeworfen. Der ganze Angriff endete mit der Flucht der Italiener in ihre Ausgangsstellung. Auf dem Nordteil des Doberdo=Abschnittes griff der Feind wieder vergeblich an. Bei Selz verjagten die Abteilungen des Infanterie=Regiments Nr. 87 die Italiener aus einem in ihrer Kampflinie gelegenen Steinbruch, schlugen die Gegenangriffe ab und sprengten die feindlichen Stellungen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Der Uebergang der östereichisch=ungarischen und deutschen Streitkräfte über die untere Drina, die Save und die Donau wurde fortgesetzt. Die Versuche der Serben, unsere Unternehmungen zu stören, oder zu vereiteln, scheiterten an allen Punkten. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. 00 Blutige Abrechnung will der Bulgare mit seinem tückischen Erbfeind, dem Serben, halten. Als kürzlich ein bulgarischer Geistlicher gefragt wurde, wie er über den kommenden Krieg auf dem Balkan urteile, antwortete er:„Einer fremden Nation wird man Verrat nicht schlimm verübeln. Wenn aber der Verwandte den Verwandten belogen hat, wenn ein verbrüdertes Volk einen getäuscht und hintergangen hat, so wird der Betrogene nicht eher ruhen, bis er blutige, gräßliche Nache an ihm genommen hat. Wenn Bruder mit Bruder zusammenprallt, so wird es fürchterlich laut und bitter zugehen.“ Das einige Bulgarien. b5 Sofia, 9. Okt. Das Organ der bulgarischen Sozialdemokraten„Norod“ erklärt, daß die sozialistischen Organisationen in vollem Maße ihre patriotische Pflicht erfüllen werden. Alle der Bevölkerung und alle Klassen der Gesellschaft würden in dieser schweren Zeit einig sein. Abreise der Vertreter des Vierverbandes aus Sofia. WTB Sofia, 9. Okt. Die bulgarische Telegraphenagentur meldet vom 7. Oktober abends: Die Vertreter der Vierverbandsmächte sind heute abend in Sonderzügen mit dem Personal der Gesandtschaften abgereist, die Russen über Rustschuk, die anderen über Dedeagatsch. Am Bahnhof wurden sie im Namen der Regierung von dem Generalsekretär des Auswärtigen Amtes und im Namen des Königs von dem Chef des Botschaftskabinetts Dobrowitsch und dem Adjutanten des Königs, General Sawow, begrüßt. Zwei Beamte des Ministeriums des Aeußeren werden sie bis zu den Erenzstationen Rustschuk und Dedeagatsch begleiten. General Jekow bulgarischer Oberbefehlshaber. Sofia, 9. Okt.(Meldung der Bulgarischen Telegraphen=Agentur.) Der König richtete an den Ministerrat ein Schreiben, in dem er ihn benachrichtigt, daß er in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber sämtlicher Streitkräfte des Reiches den Kriegsminister General Jekow mit dem Oberbefehl der Feldarmee beauftrage. Rumäniens Neutralität. Bukarest, 9. Okt. Die Haltung der Presse nahezu aller Richtungen und die Nachrichten aus den maßgebenden rumänischen Kreisen ergeben, daß für Rumänien wegen der Vorgänge in Bulgarien und Griechenland kein Anlaß erblickt wird, von der bisherigen Haltung abzugehen. Strenge Neutralitätspolitik Griechenlands. TU Amsterdam, 9. Okt.„Petit Journal“ meldet aus Athen, daß nach Mitteilungen von halbamtlicher Seite das neue Kabinett dafür ist, gemäß dem Willen des Königs eine strenge Neutralitätspolitik allen Mächten gegenüber zu befolgen. Der König soll erklärt haben, daß er auf jeden Fall neutral bleiben würde und mit keiner Macht in einen kriegerischen Konflikt zu geraten wünsche, weder mit Deutschland oder Oesterreich=Ungarn, noch mit Frankreich oder dessen Verbündeten. Er ist der Meinung, daß der griechisch=serbische Vertrag von 1913 Griechenland unter den heutigen Umständen nicht verpflichte, Serbien Hilfe zu leisten. Die Landungen in Saloniki. TU Lugano, 9. Okt. Der Korrespondent des „Secolo“ in Saloniki meldet seinem Blatte: Die Landung der ersten Kontingente der Verbündeten fand am 5. Oktober morgens 8 Uhr statt. Alle Transportdampfer trafen unter dem Geleite zahlreicher Kriegsschiffe, unbehelligt von deutschen U=Booten, in Saloniki ein. Nach glatt verlaufener Landung nahm General Hamilton eine Parade ab, worauf die Engländer auf den Anhöhen, die Franzosen in der Ebene ihre Zelte aufschlugen. Bisher sind 75 Batterien, viele Maschinengewehre und ungeheuer viel Kriegsmaterial ausgeschifft worden. Das bei der Landung zusammenströmende Volk wurde von einem Kordon griechischer Soldaten zurückgehalten. Es fanden keine Kundgebungen statt. Ueberschreitung der serbischen Grenzflüsse. TU Berlin, 8. Okt. Auf die Landung englisch=französischer Truppen bei Saloniki haben die Verbündeten schnell geantwortet. Deutsche und österreichische Truppen haben die Grenzflüsse Serbiens überschritten und auf dem Südufer der Save und Drina festen Fuß gefaßt. Damit hat die längst erwartete Offensive der Verbündeten gegen Serbien ihren Anfang genommen, nachdem sie durch ein mehrstündiges Geschützfeuer gegen die serbischen Stellungen vorbereitet war. Denn schon am 19. September war berichtet worden, daß deutsche und österreichische Batterien ihr Feuer auf die gegenüberliegenden feindlichen Linien eröffnet hätten. Aus den bisherigen Angaben läßt sich annehmen, daß der Uebergang in breiter Front an zahlreichen Stellen stattgefunden hat. Anscheinend ist der Vormarsch von zwei Richtungen aus beabsichtigt. Von Norden her über die Donau und Save, von Westen über die Drina. Der Grundgedanke der Offensive besteht also in einem konzentrischen Angriff gegen die serbischen Kräfte, die sich zurzeit in Nordserbien befinden. Das Operationsziel besteht neben der Niederwerfung der seindlichen Kräfte in der Besitznahme Nordserbiens und seiner Bahnen, um sich einen direkten Transportweg nach Konstantinopel zu öffnen, und gerade die Verhinderung dieser Absicht ist, wie die gestrige halbamtliche Auslassung angibt, das eigentliche Ziel der Landung in Saloniti. Die Hilfe für Serbien. TU Genf, 9. Okt. Der Sonderberichterstatter des„Genfer Journals“ erfährt aus guter Quelle, daß Serbien an Hilfstruppen 120 000 Franzosen und 30000 Engländer versprochen seien. Auch werde ein italienisches Korps in San Giovanni di Medua landen, um über Montenegro gegen Oesterreich vorzugehen. Aber die Stimmung der Serben gegen Italien sei zu gereizt, als daß die Italiener direkt in Serbien mithelfen könnten. Man werfe ihnen vor, daß sie sich in Dalmatien den Löwenanteil sicherten. Der Vertrag Italiens mit der Entente lasse Serbien nur Spalato mit etwa drei Kilometer Hinterland. Die Serben hätten gute Stellungen und erklärten sich für fähig, den deutsch=österreichischen Angriff abwehren zu können, falls die Verbündeten sie vor dem Angriff Bulgariens schützten. Wie stark ist die Balkanarmee der Mittelmächte? TU Kopenhagen, 19. Okt. Die Londoner Presse kommentiert die Reutermeldung über die Stärke der deutsch=österreichisch uungarischen Armee gegen Serbien sehr eifrig. Vor wenigen Tagen hieß es, es existiere überhaupt keine Offensiv=Armee der Zentralmächte gegen Serbien. Alle: Nachrichten hierüber seien deutscher Bluff, um auf Bulgarien Eindruck zu machen. Heute wird die von Reuter gebrachte Bukarester Schätzung von 400000 deutscher und österreichisch=ungarischer Truppen für eher zu niedrig gegriffen erklärt. In Paris lägen Nachrichten aus Saloniki vor, nach denen Deutschland im ganzen 600000 Mann für die Balkanaktion zur Verfügung habe.— Nach einer Petersburger Nachricht der„Politiken“ ist der bulgarische Aufmarsch beendet. Die bulgarische Artillerie sei hervorragend versorgt und verfüge über die allerschwersten Kaliber. Die Maske fällt. TU Rotterdam, 8. Okt. Die„Morningpost“ wirft die Maske gegenüber Griechenland ab, indem sie schreibt: Es ist vielleicht nicht überflüssig, Sir Edward Grey darauf aufmerksam zu machen, daß die Zeit gekommen ist, im Ministerium des Aeußeren Denkkraft und Entschlossenheit zu zeigen. Hohe Ideale sind nicht genug, man muß losschlagen und offenherzig reden. Der Dardanellen=Mißgriff ist uns teuer zu stehen gekommen, aber es ist nicht der einzige Fehler, den wir im Orient gemacht haben. Die ganze Kunst der Diplomatie im Kriege ist, seine Kraft klug anzuwenden. Grey muß dies endlich einsehen. Ein Balkanstaat ist schon verleren, jetzt gilt es, zu verhüten, daß nicht auch der zweite noch verloren geht. Wir haben das Recht, die in Betracht kommenden Länder zu fragen: Freund oder Feind? Falls Griechenland Englands Freund ist, so muß es mit Heer und Flotte helfen. — Der Krieg gegen Rukland. Der deutsche Druck auf die russische Front. Stockholm, 8. Okt. Der militärische Kritiker des„Rjetscht weist in einem längeren Artikel darauf hin, daß trotz der englisch=französischen Offensive die deutschen Stellungen im Osten außerordentlich stark seien, so daß ein unaufhörlicher Druck auf die russische Front ausgeübt werde. Es müsse zugegeben werden, daß die deutsche Heeresleitung ihren Feldzugsplan bis in die Einzelheiten ausgearbeitet habe und daß sich die deutschen Operationen vollkommen planmäßig vollziehen. Der Kritiker bedauert, daß den Russen auf der Westfront nur zwei Eisenbahnen zur Verfügung stehen, wodurch naturgemäß die Verproviantierung und der Munitionsnachschuß ungemein erschwert werde. Die Ruhe an der Ostfront. Haag, 8. Okt. Die„Times“ meldet aus Petersburg: Gegenwärtig beschränkt sich die militärische Regsamkeit auf dem russischen Kriegsschauplatz auf kleinere Zusammenstöße. Die Kriegführenden suchen auf den verschiedenen Frontabschnitten gegenseitig kleine Vorteile zu erzielen. Der jetzige Stillstand, der sich bis Galizien hin ausdehnt, beweist offenbar, daß die Feinde den Ereignissen an der mumänischen Grenze ihre besondere Aufmerk185 1090 iegrgg% glschitze 3 Spiepteg .# So.„ KRMS.NEN SERBNE nn Muset#re p diotonn### Mihcpal Soiseestlh Nisch#.### Verkoritn 1ak Bfegen R MO E # AST O#gsgorfis### Pristina Seseskove( 8% rieren uunggeno rgi Sg Selleggtee zeen#. S Messio— Vonue Hotschand * Höprülüb.t elstib 5 Dibrs 0 Reuna U L G A“ „Safia ollissurs p## stendil gamote. OaraZagurao ChastSio „Ville de Mostaganen“(2650 Registertonnen), der Dampfer„Provincia“(3000 Registertonnen), der Dampfer„Ravitailleur“(3000 Registertonnen) und eine große Anzahl anderer Schiffe. Toaona E otri E Elbasan e Fro#chride Berst Vorit3 P lesce SPrilen # —Korfeh) Iodena Verriae Massons 0 Seres Saloniki Sauras Chalkidit E Drama Iavals mascs— „Sampthrot2 —ienunn Se a e er SePafnigs.# Triktals Vlos C Parsale SGRIECH SpocadenDa n Zur Hilfsaktion der Ententemächte nach Saloniki. samkeit zuwenden, ferner der russischen Front, die sich auf die verstärkte Linie am Sereth stützt. Auch müssen die Deutschen mit den Erfolgen der Verbündeten und deren Offensive rechnen. Es ist möglich, meinen die russischen Militärkritiker, daß wir vor einem ganz neuen Abschnitt des Krieges stehen. Die Russen vor der Verzweiflung. WTB Moskau, 8. Okt.„Rußkoje Slovo“ stellt in einem Artikel die Schwäche, die Rußland im Kriege gezeigt hat, der Kraft, die Deutschland erkennen ließ, gegenüber und erklärt, wie einst Peter der Große von den Schweden die Kriegführung lernte, müßten sich jetzt die Russen von den Deutschen die Organisation der Truppen und der Kriegsmittel aneignen. Nach den großen Niederlagen ist eine gewisse Niedergeschlagenheit begreislich, diese geht aber bereits in Verzweiflung über. Großfürst Nikolai geht nach Nisch. Aus Petersburg kommt auf dem Umwege über Bukarest eine eigenartige Meldung: Sicherem Vernehmen nach wird der frühere russische Generalissimus Großfürst Nikolai Nikolajewitsch Mitte Oktober nach Nisch und Cetinje reisen.— Wenn diese Meldung sich als wahr herausstellen sollte, so besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß der abgesetzte russische Generalissimus nach seinen Mißerfolgen im Osten jetzt versuchen soll, den serbischen Bundesgenossen aus der schwierigen Lage herauszureißen, in der er sich befindet. Jedenfalls nur mit seinem Rat. Oder hofft man in Petersburg, daß eine russische Armee nach Serbien hineinmarschieren kann? Russischer Vorstoß in Persien. Der„Temps“ meldet aus Kairo: Nach Berichten aus Teheran haben die Russen in Enseli, dem persischen Hafen am Kaspischen Meer, zweimal Truppen gelandet. Die Truppen rückten nach kurzem Aufenthalt in Ardabil gegen Kaswin vor. Die Maßregel wird hingestellt als Erwiderung auf die Haltung der Deutschen in Persien und auf die Besetzung von Kermanschah durch die Türken, woraus hervorgehe, daß die persische Regierung nicht in der Lage sei, für die Wahrung ihrer Neutralität zu sorgen. Der Klies gegen —— Der Krieg der Tmnen. Der Kampf um die Dardauellen. Man kann es den Engländern und Franzosen wirklich nicht verdenken, wenn sie die sich in Gestalt eines Feldzuges gegen Bulgarien bietende Gelegenheit, sich von dem mit schweren Enttäuschungen und schier ungeheuren Opfern verbundenen Dardanellen==Unternehmen mit Anstand zurückzuziehen, mit Frauden ergreifen. Denn die Lage ihrer Truppen auf Gallipoli ist geradezu trostlos. Nicht nur, daß die Geschütze und Gewehre der Türken unter ihnen furchtbare Verheerungen anrichten, auch die Krankheiten und Epidemien setzen ihnen entsetzlich zu, was umsoweniger wundernehmen kann, als allem Anschein nach so fast wie nichts geschehen ist, um diese armen Teusel gegen die Unbilden der Witterung, insonderheit gegen die jetzt bereits einsetzende Kälte zu schützen. Das geben selbst Berichte aus englischer Quelle zu. Ob sie aber damit auf die verantwortlichen Regierungen, deren sträfliche Mißwirtschaft diese menschenunwürdigen Zustände geschaffen hat, irgend einen Eindruck machen werden, das dürfte sehr zu bezweifeln sein. Für sie sind die Truppen, die dort unten ihre Knochen zu Markte tragen, nur Kanonensutter. Die Opfer an den Dardanellen. WTB Saloniki, 9. Okt. Der Berichterstatter des„Figaro", der hier durchreiste, erklärte, in Alexandrien seien 25 Spitäler, darunter solche mit 2000 Betten, mit Verwundeten aus den Dardanellen belegt. Fortgesetzt treffen aus Mudros Verwundete ein. Gegenwärtig werden auf Mudros französische und englische Truppenkontingente bereitgehalten, um zur Unterstützung Serbiens oder zum Angriff Bulgariens verwendet zu werden. Der Krieg degen Frankreich. Die Offensive hinter der Front. Durch Wolffs Telegraphen=Bureau wird verbreitet:: Wie wir vom westlichen Kriegsschauplatz hören, haben Engländer, Franzosen und Belgier versucht, Verschiebungen unserer Streitkräfte hinter der Front dadurch zu stören, oder sunmöglich zu machen, daß sie in zahlreichen Fällen im Rücken unserer Armeen aus lugzeugen Soldaten absetzten, welche, mit Sprei mitteln ausgerüstet und in Zivilkleidung, Zerstörungen an den Kunstbauten vornehmen sollten. Außerdem entsandten sie über Holland nach Belgien eine große Anzahl von Personen mit den gleichen Aufgaben. Auch diese groß angelegte Unternehmung beweist, welche Bedeutung den letzten Angriffen beigelegt wurde. Aber auch diese Absichten sind an der Wachsamkeit unserer Truppen und Behörden gänzlich gescheitert. Die belgischen Minister beschließen. Der belgische Ministerrat in Le Havre setzte die von Deutschland an Belgien zu zahlende Kriegsentschädigung auf 8 Milliarden fest.— Diese Meldung ist nicht etwa ein unpassender Scherz, sondern wird allen Ernstes von der„Tribuna" als Telegramm aus Le Havre gebracht. Nur eins ist nicht gesagt: Handelt es sich bei den Milliarden um Mark, Frank, Lire oder gar um Pfund Sterling? Hierüber wird wohl der belgische Ministerrat einen neuen Beschluß fassen müssen. Die furchtbaren englischen Verluste bei Loos. Der Kriegsberichterstatter des„Daily Chronicle“ in General Frenchs Hauptquartier gibt eine Schilderung der furchtbaren Verluste, mit denen die Engländer den schmalen Raumgewinn in den ersten Kämpfen bei Loos bezahlten. Als nach der dreitägigen artilleristischen Vorbereitung der Sturmangriff der englischen Divisionen ansetzte, richteten die dicht aufgestellten deutschen Maschinengewehre einen fürchterlichen Bleihagel auf sie allein. Auf dem Kirchhos südwestlich Loos, den die Engländer durchqueren mußten, waren mehr als hundert Maschinengewehre aufgestellt. Erst um 8 Uhr, nach eineinhalbstündigem Anlauf, erreichten die Engländer, die noch nicht gefallen waren, den Dorfrand. Noch zwei Stunden dauerte der Straßenkampf. Mehrere englische Bataillone wurden völlig aufgerieben. Die Offizierverluste waren ungeheuer. Die Deutschen verteidigten sich mit unerhörtem, verzweifeltem Heldenmut und verteidigten jede Treppenstufe und jedes Fenster in den Häusern bis zum letzten Augenblick. Wie die englischen Soldaten betrogen werden. Berlin, 8. Okt. Wie die englischen Soldaten betrogen werden, erhellt den Morgenblättern zufolge aus folgendem: Bei dem großen Durchbruchsversuch der Engländer bei Ypern am 25. September geriet auch ein verwundeter Engländer in unsere Gefangenschaft. Ich selbst wurde damals auch verwundet, und als ich vom Verbandsplatz zurückkam, wurde der verwundete Engländer zurücktransportiert, und war glücklich, als ihm erklärt wurde, daß ihm die Deutschen nichts tun würden, er käme in ein Lazarett und werde gut behandelt werden. Er erzählte, er sei nicht für die Front, sondern für die Besetzung der Stadt Köln ausgeschifft worden. selbst die Offiziere seien dieses Glaubens gewesen. Die britischen Bergleute gegen die Wehrpflicht. WTB London, 8. Okt. Die Jahreskonferenz des britischen Bergmannsverbandes ist in Notting= ham eröffnet worden. Der Vorsitzende Nobert Smillie sprach in seiner Eröffnungsrede stark gegen die Wehrpflicht. Die Propaganda dafür kostete in den letzten Monaten Hunderttausende von Pfund. Die Geldgeber planten nicht allein, Soldaten für die Armee zu schaffen, sondern verlangten den Dienstzwang für die Fabriken, Bergwerke und Eisenbahnen. Sie wollten den deutschen Militarismus in England einführen. Redner erklärt, niemand habe das Recht, die Arbeiter unter die Dienstpflicht zu zwingen, solange nicht Grundbesitz und Kapital verstaatlicht seien. Weiter sagte er, England solle sich nicht soweit erniedrigen, über Friedensbedingungen zu verhandeln, solange die Deutschen auf französischem und flandrischem Boden ständen. Erfolgreiche U=Bootsarbeit im Mittelmeer. bb Berlin, 9. Okt. In den letzten Wochen haben unsere Unterseeboote im Mittelmeer besonders erfolgreiche Arbeit geleistet. Es wurden etwa ein Dutzend fremder Schiffe versenkt, darunter mehrere große Transportschiffe mit Truppen an Bord. Unter den versenkten Schiffen befindet sich das große Transportschiff„Arabia“(3000 Registertonnen), welches bei Kap Mazapan zum Sinken gebracht worden ist. Ferner wurde das Transportschiff „Ramazan“ am 18. September mit 500 indischen Truppen versenkt. Von englischen Schiffen wurden zum Sinken gobracht:„Patagonier“(3000 BruttoRegistertonnen) am 15. September,„Linkmoor“ (4000 Brutto=Registertonnen) am 20. September, „Cyrene“(3000 Brutto=Registertonnen) am 1. Oktober. Von französischen Schiffen: Der Hilfskreuzer „Indien“(800 Registertonnen), der Dampfer „L'Aude“(3000 Registertonnen) der Dampfer Aus Stadt und Umgedung. Rückblicke aus den Weltkrieg. 9. Oktober. Antwerpen.— Der Vormarsch auf Warschau. An diesem Tage mittags hörte das Feuer auf Antwerpen auf. Im ganzen genommen, hatte die Beschießung weniger Schaden angerichtet, als zu erwarten gewesen. Die öffentlichen Gebäude waren fast unversehrt, die Kathedrale ebenfalls, nur 26 Zivilisten waren zu Tode gekommen. Eine Anzahl der nördlichen Forts wurde von den abziehenden Besatzungen gesprengt, so St. Anna von den Engländern, Schooten, Prasschaet, Capellen, Lillo und Elversell von den Belgiern. Immerhin wurden am Vormittage dieses Tages noch um einige Forts der inneren Linie Bajonettkämpfe ausgefochten. Höchst merkwürdig und im Festungskampfe wohl einzig dastehend gestaltete sich die Uebergabe der überwundenen Festung. Der Bürgermeister der Stadt de Vos mit Begleitung erschien im deutschen Lager zu Gontlich, um zu kapitulieren. Die Militärbehörde war geflohen. Die Lage gestaltete sich infolgedessen für die Stadt recht mißlich. Deutsche Truppen rückten zwar bereits in die Stadt ein, aber während der Verhandlungen mit den Zivlbehörden auf dem Rathaus begannen einige Forts, die von der verschwundenen Militärbehörde keinen Befehl zum Rückzug erhalten hatten, erneut zu feuern. Da blieb denn den Deutschen nichts übrig, als zu erklären, daß, wenn nicht bis zum nächsten Tage 12 Uhr die Kapitulation bedingungslos erfolgt sei, werde man mit der Beschießung wieder beginnen.(Zum Glück für die Stadt kam der belgzische Kommandant zurück.) Inzwischen rollte Zug um Zug mit belgischen Flüchtlingen über die Grenze. Zahlreiche belgische Soldaten traten über die holländische Grenze und wurden dort entwaffnet, viele aber warfen ihre Uniform weg und wurden zu harmlosen Zivilisten, ein anscheinend vorbereiteter Trick. Die Flucht der Zivilbevölkerung wurde deshalb zu einer so wilden und überhasteten, weil man in Belgien die unglaublichsten Dinge über die deutschen Barbaren ausgestreut hatte und man andererseits die Bevölkerung in Sicherheit gewiegt und ihr die wirkliche militärische Lage verheimlicht hatte.— Osten konzentrierte sich das Interesse auf Warschau und Przemysl. Unaufhaltsam rückten deutsche Truppen auf Warschau vor, beständig Gefechte gegen die Uebermacht der Russen bestehend. An diesem Tage standen die Deutschen in Grodjec, zugleich wurde im Norden die Grenzstadt Markgrabowa von General v. Morgen genommen. **(Billigere Kartoffelpreise in Aussicht.) In Beckum beabsichtigt die Stadtverwaltung, für die Eingesessenen Kartoffeln zu ermäßigten Preisen aufzukamfen. An die Familien der Kriegsteilnehmer sollen sie zu 2.50 Mark den Zentner abgegeben werden, sonstige Abnehmer erhalten sie zu 3.50 Mark. In Westig bieten die Landwirte gute Speisekartoffeln den Zentner zu 3 Mark an. Die Gemeindevertretung in Hüsten hat große Mengen Kartoffeln zum Einkellern eingekauft, die für 3,25 Mark an die Einwohnerschaft abgegeben werden. Die städtische Verwaltung in Ahlen verkaufte am Mittwoch sgute schmackhafte Kartoffeln den Zentner für 3 Mark. Das sind Preise, die alle ängstlichen Gemüter beruhigen können. **(Hese zur Fettgewinnung.) Der Mangel an Jctten, tierischen und pflanzlichen, macht sich bei uns mit jedem Tage bemersbarer und weite Kreise schauen besorgt in die Zukunft. Da kommt gerade Nr. 237. Beilage. Antüiches Bedentat. — :: Der Reichskanzler über England. Ein Amerikaner namens Krebs berichtet in der zu Berlin erscheinenden„Continental Times“ über eine Unterredung mit dem Reichskanzler. Danach hat sich Herr v. Bethmann Hollweg über England folgendermaßen geäußert: „Meiner Meinung nach haben wir eine nach wissenschaftlichen Grundsätzen geleitete Regierung, und es ist uns tatsächlich gelungen, die Armut in ihren außersten FormenZu verhindern. Dagegen haben die oberen Kreise in Großbritannien, die seit Generationen in Luxus leben, den vielen Millionen Unglücklicher, in Slums lebender Bettler stets sehr wenig Beachtung geschenkt. Unserem deutschen Sinn erscheint eine solche Haltung nicht nur, elbstsüchtig und grausam, sondern auch unwissenschaftlich. Was können jetzt, in dieser Stunde der Gefahr, diese unglücklichen Geschöpfe dem Lande, dem sie nichts als ihre Geburt verdanken, an Unterstützung bieten? Nichts!“— Dann fuhr der Kanzler fort, und seine Stimme, nahm einen harten Ton an:„Wir wissen wohl, welche Märchen die Engländer über uns verbreiten, seitdem der Krieg begonnen hat. Hat nicht Shakespeare gesagt:„Wer meine Börse stiehlt, stiehlt vielleicht wertloses Zeug. Es gehörte mir, nun gehört es ihm. Aber wer mir meinen guten Namen raubt, stiehlt mir etwas, was den anderen nicht reich macht, und mich nur arm!“ Indem wir die dieser englischen Gentlemen für die Verbreitung dieser Verleumdungen verantwortlich machen, fühlen wir, daß dieses Gehaben ein Symptom der den Engländern innewohnenden Brutalität ist, eine Brutalität, die es uns unmöglich erscheinen läßt, sich in intellektueller und moralischer Beziehung als g'sschwertig mit uns zu betrachten. :: Banderokensteuer auf Zigarren? Im Zusammenhang mit der Mitteilung, daß die Zigarrenfabrikan'en eine Erhöhung der Preise um 10 Prozent eintreten lassen wollen, ist das Gerücht aufgetaucht, daß in einer der nächsten Reichstagssitzungen über die Einführung einer Banderolensteuer auf Zigarren verhandelt werden soll. An zuständiger Stesle ist, wie die„Voss. Ztg.“ weldet, vorläufig nichts davon bekannt, obgleich man in Fachkreisen erwartete, daß sich der Reichstag im kommenden Winter mit den Vorbereitungen zum Tabakmonopol oder wenigstens mit neuen Tabaksteuern beschäftigen wird. :: Zur Frage der Petroleumversorgung schreibt die„Tägl. Rundsch.": Die Petroleumversorgung des Reiches ist einheitlich geordnet. Zu diesem Zweck haben die Petroleumgesellschaften eine Verteilungsorganisation geschaffen, und mit Zustimmung des Reichskanzlers hat jede der Gesellschaften ein bestimmtes Gebiet zugewiesen erhalten. Es folgt demgemäß die Ablieferung an sämfliche Kunden der in der Reichszentrale vereinigten Petroleumgesellschaften. innerhalb der aufgeteilten Gebiete durch diejenige Gesellschaft, welche die Versorgung übernommen hat. Die Reichszentrale liefert insgesamt 20 v. H. derjenigen Mengen, welche im Jahre 1913/14 zur Deckung des allgemeinen. Bedarfs der Zivilbevölkerung abgesetzt wurden. Außerd iesen 20 v. H. soll aber noch eine weitergehende Befriedigung des gewerblichen und landwirtschaftlichen Bedarfes stattfinden. Für rein gewerbliche Zwecke(unter Ausschluß der Verwendung für Beleuchtung und Heimarbeit) erfolgen Lieferungen der Reichszentrale auf Grund von Bescheinigungen der Gewerbeinspektoren. Für landwirtschaftliche Zwecke, insbesondere für Pelroleummotore und sonstige landwirtschaftliche Betriebsmittel, und für die Heimarbeit werden durch die Regierung den Kommunalverbänden kleinere Mengen Petroleum zugewiesen werden. Um eine entsprechende Verteilung vorzunehmen, erhalten die Bezugsberechtigten Petroleumkarten zur Entnahme der ihnen zugewiesenen Menge. Die erforderlichen Anordnungen der Behörden werden alsbald ergehen. Seitens des Reiches sind mit den Petroleumgesellschaften Preise und Rabatte vereinbart worden, während für den Kleinhandel mit Petroleum Höchstpreise bestehen. :: Kriegsanleihezeichnungen der Berufsgenossenschaften. Die deutschen Berufsgenossenschaften, die Träger der reichsgesetzZusland. China. * Die„Morning Post“ meldet aus Tientsin vom 3. Oktober:„Der Staatsrat hat sich gestern zugunsten des Planes entschieden, wonach in den Provinzen über die künftige Regierungsform abgestimmt werden soll. Die gewählten Vertreter sollen sich in den Hauptstädten der Provinzen versammeln und abstimmen. Man zweifelt kaum, daß die letzte Phase der Umwandlung Chinas in eine Monarchte irr den nächsten Wochen schnell erledigt werden wird." In Peking hält man die Erichtung der Monarchie für sicher.“— Holländische Blätter melden aus London über Newyork von Peking, daß der chinesische Minister des Aeußeren seine Entlassung genommen habe S Es 1..—, behauptet, daß die japanische Regierung auf Yuanschikai einen Druck ausgeübt habe, weil ihr der Minister unsympathisch war. Samstag, 9. Oktober 1913. gen den Narew und die Brückenkopfstellung von Warschau vor.— Die Armee v. Below siegt über die fünfte russische Armee bei Schaulen. Die Beute seit dem 14. Juli beträgte 27.000 Gefangene, 25 Geschütze, 40 Maschinengewehre und 100 Munitionswagen.— Eroberung der Festungen Rozan und Pultusk durch die Armee v. Gallwitz. Zwischen beiden Orten wird der Narew überschritten. Zwischen Niemen und Weichsel sind seit 14. Juli 41 000 fangene, 14. Geschütze, 90 Maschinengewehre erbeutet.— Nördlich der Pilica=Mündung erreichen deutsche Truppen die Weichsel.— Bei den Armeen v. Woyrsch und v. Mackensen wurden seit dem 14. Juli 50000 Gefangene gemacht.— Die Armee Josef Ferdinand, Zwing den Feind, seine Stellungen zwischen und Bistritza in einer Frontbreite von 40 Kilometern zu räumen. lichen Unfallversicherung, haben für die dritte Kriegsanleihe rund 51 Millionen Mark gezeichnet. Davon entfallen etwa 47 Millionen auf die gewerblichen und etwa 4 Millionen Mark au die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften. An den beiden vorangegangenen Anleihen hatten sich die ersteren mit rund 81 und die letzteren mit 11 Millionen Mark beteiligt. Demnach belaufen sich die gesamten bisherigen Kriegsanleihezeichnungen der Berufsgenossenschaften auf rund 143 Millionen Mk., und zwar die der gewerblichen auf 128 und die der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften auf 15 Millionen Mark. :: Die Tätigkeit der Reichsgetreidestelle. Amtlich wird bekanntgegeben: Der Bundesrat hat der Reichsgetreidestelle auf ihr Betreiben durch Verordnung vom 2. Oktober 1915 die Ermächtigung erteilt, Brotgetreide, das ihr gehört, zu Futterzwecken verschroten zu lassen. Die Reichsgetreidestelle hat ferner das Recht erhalten, nicht mahlfähiges Brotgetreide zu Futterzwecken verwenden oder verarbeiten zu lassen. Am 4. Oktober 1915 hat nun der Aufsichtsrat der Reichsgetreidestelle darauf beschlossen, zunächst bis zu drei Millionen Toppelzentner Brotgetreide verschroten zu lassen und zum Preise von 30 Mark ohne Sack frachtfrei Empfangsstation für den Toppelzentner abzugeben. Da zurzeit in erster Linie für reichlichere Fettbeschaffung und Milcherzeugung, namentlich für die Säuglinge in den dichtbevölkerten Gebieten,„# sorgen ist, so sollen nach übereinstimmender Absicht der Reichsgetreidestelle und der Reichsfuttermittelstelle in erster Linie Milchvieh und mästungsreife Schweine bedacht werden. Die Reichsfuttermittelstelle wird ihrem Beirat die näheren Bestimmungen über die Verteilung an die Kommunalverbände nach diesen Grundsätzen vorschlagen. Die Verschrotung wirds chon jetzt in die Wege geleitet, so daß die Versendung an die Kommunalverbände in Kürze beginnen kann. Dieses Futterschrot wird mit Cosin gefärbt, um dadurch Umgehungen zu verhüten. Die Bundesratsverordnung vom 2. Oktober 1915 ordnet an, daß nur die Reichsgetreidestelle, aber kein Kommunalverband und kein Selbstwirtschaftler ohne Genehmigung der Reichsgetreidestelle Brotgetreide zu Futterzwecken verschroten darf. Die sparsame und einheitliche Bewirtschaftung des Brotgetreides, wie sie durch die Reichsgetreidestelle für die Ernährung des Volkes erreicht wird, hat es ermöglicht, daß in diesem Jahre Getreidebestände, die unmittelbar für die menschliche Broternährung entbehrlich sind, mittelbar für die Volksernährung mit Fett, Fleisch und Milch verwendet werden. Kriegschronik. 14. Juli. Die schon früher von uns besetzte, dann aber wieder aufgegebene und von den Russen stark ausgebaute Stadt Prasznysz wird von den Unfrigen nach heißem Kampf wieder eingenommen. 16. Juli. Die Armee des Generals v. Gallwitz und Truppen des Generals Scholz werfen die Russen zwischen Pissa und Weichsel gegen den Narew zurück, 20 100 Russen werden gefangen.— Generalfeldmarschall v. Mackensen macht bei Krasnostaw 6400 Gefangene. 17. Juli. Die Truppen der Generale v. Scholz und v. Gallwitz verfolgen die Russen zwischen L'issa und Weichsel.— Truppen des Generalfeldmarschalls v. Mackensen kämpfen zwischen Bug und Weichsel.— Krasnostaw und Pilaczkowice werden erstürmt.— Oesterreichisch=ungarische Truppen durchbrechen die Front bei Sienno.— Ein österreichisches Unterseeboot vernichtet den italienischen Panzerkreuzer„Giuseppe Garibaldi“ 18. Juli. Deutsche Truppen besetzen in Kurland Tukkum, Schiuxt und Windau.— Die Armee v. Gallwitz erreicht die Narew=Linie südwestlich von Ostrolenka—Nowo=Georgiewsk. An allen Stellen der Ostfront werden die Russen zurückgeworfen. 19. Juli Die russische Festung Ostrolenka wird besetzt.— Oesterreichische Truppen besetzen Radom.— Kostrzyn wird erstürmt.— Wie in den vorhergehenden Tagen werden italienische Angriffe gegen den Görzer Brückenkopf und am Plateau von Doberdo zurückgewiesen. 20. Juli. Russische Stellungen bei Rozan werden erstürmt.— Die Russen ziehen sich aus der Blonie=Grojec=Stellung in Richtung auf Warschau zurück. 21. Juli. Sechsmalige, verlustreiche Angriffe der Franzosen südwestlich des Reichsackerkopses.— Die russische Hauptstellung Koznica und Janovice wird durchbrochen. Die Russen ziehen sich über die Weichsel zurück.— Iwangorod wird von der Armee Woyrsch eng eingeschlossen.— Viertägige Angriffe der Italiener bei Görz enden ohne Erfolg.— Bisherige Verluste für die Handelsflotte der Engländer: 391 Schiffe mit 894301 Tonnen, für die Franzosen: 26 Schiffe mit 63497 Tonnen und für die Russen: 17 Schiffe mit 22843 Tonnen Wasserverdrängung.— Das französische U=Boot„Joule" wird vermißt. 22. Juli. Die ablehnende amerikanische Antwortnote auf die deutschen Vorschläge betreffs Einstellung englischer Dampfer unter amerikanischer Flagge in den Passagierdienst Europa—England wird in Berlin überreicht. — Im Osten rücken unsere Truppen weiter geDie deutsche Mauer. Es steht eine Mauer weit hinter dem Rhein, Von Flandern bis zu den Vogesen, Sie steht wie das härteste Felsengestein, Zum Schutze Germanias erlesen. Sie steht unerschüttert von Feuer und Brand, Und trotzte Millionen Granaten, Sie hielt schon den wildesten Anstürmen stand Die Mauer der deutschen Soldaten! Und brausen die Wogen des Kampfes so wild, Daß weithin erbeben die Gründe, Und öffnen im heißesten Kampfesgefild Sich tausend vernichtende Schlünde, Und machten die höllischen Scharen mobil, Wenn sie der Mauer sich nahten, Nicht wanket und weichet im Schlachtengewühl Die Mauer der deutschen Soldaten! Und als der Armeebefehl Joffre's erschien: Es sei ihm kein Opfer zu teuer, Da haben Geschütze Verderben gespien, In siebenzigstündigem Feuer. In Uebermacht stürmten die feindlichen Reihm, Doch bald war der Ansturm erledigt, Sie rannten den Kopf an der Mauer sich ein, Doch die war kaum merklich beschädigt! Franzosen und Briten in mächtiger Zahl, Vermehrt noch durch farbige Streiter, Versuchten den Durchbruch mit Wucht noch einmal, Doch ließ sie die Mauer nicht weiter. Es wurden vergebens verschossen, verkracht, Amerikas teure Granaten, Es stand unerschüttert, bei Tag uund bei Nacht, Die Mauer der deutschen Soldaten! Es kann die Geschichte wohl jeglicher Zeit Nicht größeren Waffenruhm melden, Die feldgrauen Brüder, so opferbereit, Wir grüßen sie heute als Helden! Ihr Frauen und Kinder, beruhigt schlaft ein, Kein Feind kann ins Land uns geraten, Es steht eine Mauer weit hinter dem Rhein, Die Mauer der deutschen Soldaten! N. J. Stadttheater Dortmund. Sonntag, 10. Oktober, nachmittags 3½—6¼ Uhr: „Der Hypochonder", Lustspiel in 4 Akten von Gustav Moser.— Abends 7½—10¼ Uhr:„Die Fledermaus“, Operette von Richard Strauß. Montag, 11. Oktober, abends 7½ bis nach 10½ Uhr:„Othello, der Mohr von Venedig", Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespaere. 8r Sb der Peterpaulsfestung. 15 Roman von Hermann Gerhardt. „Jetzt ist der Moment," murmelte er tief erregt. Ihre Hand loslassend, holte er ein zierliches Perlenringelchen hervor, das er an einer seidenen Schnur um den Hals trug.„ 168 Ueber Katias Züge flog ein Schreaen, uno yastig versteckte sie ihre Hand hinter dem Rücken. Den Ring zwischen seinen zitternden Fingern drehend, sprach Alexei im Ton einer eingelernten Formel:„Seit meinem fünfzehnten Jahre trage ich ihn an meinem Herzen, sieben lange Jahre trug ich ihn und zählte die Tage und Monate, bis zu dem Zeitpunkte, wo ich hoffen durfte—“ Die Stimme versagte ihm. 0,“ stöhute Katia.., ggmgle 1 Tobiesen aber raffte sich mi Gewunr gusam„Und jetzt ist dieser Zeitpunkt gekommen, jezt, da ich fortgehe und möglicherweise Dein liebes Gesicht nie wiedersehe,“ ein trockenes Aufschluchzen hob seine Brust,„jetzt wollte ich Dich bitten, daß Du ihn mir zuliebe trägst.“ „O nein, das nicht!“ Fast wie ein Ausschrei klang es.„Das kann ich nicht, das ou., ich nicht Ein Ring ist etwas Bindendes, und ich will nicht gebunden sein.“ „Binden soller Dich nicht, Katia! Du sollst ihn nur zum Andenken an mich tragen, wie ich ihn so lange aus Liebe zu Dir trug!“ Katias Tränen begannen heftiger zu fließen. Er betrachtete sie eine Weile und sein Atem ging schwer.; us cdich „Hör' auf!“ sagte er endlich,„Du souft Dah nicht grämen. Ich verzichte.“ Seine Finger schlossen sich um den Ring.„Sieben Jahre habe ich auf diesen Moment gewartet und habe Geduld gehabt. Ich kann mich auch noch länger gedulden. Leb wohl, Coufine!:„/Ar Ren und ftand Er erhob sich entschlossen und stand vor ihr. Auch Katia hatte sich von ihrem Sitz erhoben; geisterhaft bleich war sie und ihre Augen blickten starr, als sähen sie eine Erscheinung. Mit plötzlichem Entschluß hielt sie ihm ihre Hand hin:„Gib ihn her, Alexei,“ sagte sie mit eigentümlich klangloser Stimme,„ich werde ihn tragen.“ „Nein, mein Liebling,“ gab er traurig zurück, das sollst Du nicht, wenn es Deinem Gefühl widerstrebt. Vielleicht später.“ „Steck ihn mir an,“ beharrte sie und hielt ihm den Ringfinger entgegen.„Ich wünsche es!“ setzte sie energisch bingu.„unsche ung. s i emeimet Da kam er ihrem Wunsche tuch; aber zweinat entglitt der Ring seinen bebenden Fingern und rollte über das glatte Parkett, bevor es gelang. „Bist Du jetzt zufrieden?“ fragte sie und hob ihr bleiches Gesichtchen zu ihm empor. Zärtlich, verlangend schaute er auf sie nieder, ohne etwas zu erwidern. Sie blickte ihm forschend und zweifelnd in die Augen:„Sage, daß Du jetzt glücklich bist, Alexei! Sage: Katia, Du hast mich glücklich genacht!“ „Katia, Du hast mich glücklich gemacht,“ wiederholte er mit zuckenden Lippen. „Und nun gib mir einen Kuß!" bat sie. Da nahmer sie in die Arme und küßte sie feierlich, für die Dauer eines Augenblicks hielt er sie „Versuche, mich lieb zu gewinnen.“ stammelte „Ach, Alexei,“ weiter brachte sie nichts über die Un küßte sie noch einmal, ein langer ein. Lippen. und er Angl. fi 1.3ch Abschiedskuß, und ließ sie all. Sie aber wankte nach dem Diwan und warf sich in die Kissen:„O, mein Gott!“ schluchzte sie verzweiflungsvoll,„wie kann man nur so unglücklich ein!“ 11. Kapitel. Zur Rückfahrt nach Petrskoff hatte Rittberg des Präfekten Einladung, an seiner Seite auf dem Selbstfahrer Platz zu nehmen, dankbar angenommen. Der Anblick von Katias kummervollem Antlitz war ihm überaus peinlich gewesen; nun aber fuhr sie mit seiner Schwester und Litschkoff im offenen Reise=Landauer voraus. Nach ziemlich schweigsam zurückgelegter Fahrt tauchte endlich die wohlbekannte Mühle auf, und bald darauf hielten die Wagen vor dem Portal. Die Knaben sprangen zur Begrüßung herbei, und Werner merkte mit Genugtuung, daß sein Schüler Mischa offenbar große Freude über seine Rückkehr empfand. In der Eingangshalle aber stand die Pilsoutsky und überschüttete die neue Hausgenossin mit Liebenswürdigkeiten:„Wie freue ich mich, daß Sie endlich da sind," flötete sie,„es war unbeschreiblich öde die Zeit über!“ Ein rascher Blick streifte Rittberg; dann wandte ste sich lebhaft an Biruleff. „Ich habe mich nach Möglichkeit zu trösten gesucht, mein General, indem ich die Federowskys besuchte. und habe sie bei dieser Gelegenheit auf ein paar Tage eingeladen. Damit unsere liebe Jugend gleich ein bißchen Unterhaltung hat!“ Sie lächelte Margarete holdselig zu. „Ich bin gern auf dem Lande, und langweile mich nicht so leicht!“ entgegnete diese. „Wie reizend von Ihnen! Da kennen Sie gewiß auch die lateinischen Namen von all den Unkräutern, das denke ich mir so interessant. Ich für mein Teil verstehe nichts davon und gehe wenig spazieren.“ Im nächsten Moment hatte sich Madame auf Katia gestürzt:„Meine Katinka!“ rief sie aus und legte ihre schlanke Hand auf des Mädcheus Schulter.„Wie gehis, wie stehts? Laß Dich mal anschauen. Ach! Noch immer die blasse Farbe! Hat sie sich gelangweilt in der öden, menschenleegn Staht!“ „Aber durchaus nicht!“ platzte Katia heraus, „ich habe mich im Gegenteil ausgezeichnet unterhalten, so gut, wie noch nie in meinem Leben.“ Sie hatte wie gewöhnlich ohne Ueberlegung gesprochen und wünschte im nächsten Moment, ihre Worte zurücknehmen zu können. Madame lachte. „Geh nur lieber und ruh Dich aus, mein Kind, nach der langen Fahrt; ich will Dich auch nicht mit Fragen quälen, obgleich ich mich danach sehne, das Neueste aus Petersburg zu hören.“ Katiaschob ihren Arm in den Margaretes und zog sie nach der Treppe.„Auf Wiedersehn!“ rie die Pilsoutsky ihnen nach. „Ist sie nicht gräßlich?“ fragte Katia, sobald sie außer Hörweite waren.„Ich kann mir gar kein hassenswerteres Geschöpf vorstellen!" „Aber vielleicht,“ wandte Margarete zögernd ein,„vielleicht meint sie es im Grunde gut!" „Die— und es gut meinen?“ Katia lachte höhnisch.„Die ist ja— nun, Sie werden schon noch selbst dahinter kommen. Wir wollen lieber gar nicht von ihr sprechen.“ Nachdem der Präfekt und sein Sekretäe Petrskoff wieder verlassen, kehrte das tägliche Leben in sein gewohntes Geleis zurück. Die beiden Mädchen lasen und machten weite Spaziergäuge miteinander, und die Jüngere schloß sich je länger desto mehr an die Aeltere an, bei der sie nicht nur volles Verständnis fand, sondern es auch instinktiv als Wohltat empfand, daß deren harmonisches, gefestigtes Wesen ihrer eigenen stürmischen Natur Halt und Richtung gab. Inzwischen hielt Werner sich gänzlich abseits: in seine Studien vertieft, redete er sich ein, er habe keine Zeit, sich mit jungen Damen abzugeben. Verstohlen aber beobachtete er sie dennoch jeden Morgen zur bestimmten Stunde von seinem Fenster aus, wenn sie ihren Spaziergang antraten, und dann überkam ihn ein ganz umnmotiviertes Gefühl der Bitterkeit.„ 231,16 Landwirtschaftliches. Die Verwertung von Eicheln, Bucheln, Roßkastanien, Linden=, Ahornfrüchten und getrockneten Vogelbeeren als Vieh= und Hühnersutter, sowie zur Oelbereitung. Der Preußische Landwirtschaftsminister' gibt folgendes bekannt: Um die Bestände an Viehfutter und Pflanzenölen zu vermehren, erscheint es geboten, die Früchte der Laubholzbäume zu sammeln, zumal die letzteren in diesem Jahre vielfach guten Fruchtansatz zeigen. Die Beteiligung der Schulkinder bei der Arbeit des Sammelns dürfte die Bestrebungen wesentlich fördern. In Betracht kommen in erster Linie die Früchte der Eiche, der Buche und der Roßkastanie, außerdem die Samen der Linde und des Ahorn. Die Verwertung der Eicheln und Bucheln als Viehfutter kann erfolgen durch den Eintrieb von Schweinen und Schafen in den masttragenden Wald oder durch Verfüttern im Stall. Bei der Stallfütterung können frische Eicheln in Gaben von 2—4 Kilogramm für den Kopf und Tag an Rindvieh(Mastvieh), von 1 Kilogramm an Schweine und von ½ Kilogramm an Schafe verabreicht werden. An Milchvieh und tragende Kühe werden sie jedoch besser nicht verfüttert. Bucheln können in etwa denselben Mengen versüttert werden und sind auch für Milchvieh verwendbar. Nur das Füttern von Bucheln und Buchelkuchen an Pferde, Esel und Maulesel hat bedenkliche Krankheitserscheinungen zir Folze. Roßkastanien können frisch an Milch= und Mastvieh in Gaben bis zu 3 Kilogramm, an Pferde bis zu 1½ Kilogramm, an Schafe und Schweine bis Kilogramm auf den Kopf und Tag verabreicht werden. Die Schalen von Eicheln, Bucheln und Roßkastanien sind schwer verdaulich; der Erfolg der Fütterung ist daher ein besserer, wenn die Früchte geschält verfüttert werden. Die Schalen der Eicheln können nach vorangegangenem Darren durch Dreschen, die der Bucheln auf jeder Mahlmühle entfernt werden. Besonders zu empfehlen ist das Dämpfen oder Kochen der Früchte und ihre Vermischung mit dem übrigen Futter. Schrot von lufttrockenen oder gedörrten Eicheln, Bucheln oder Roßkastanien kann mit der oben schon erwähnten Ausnahme für alle Tierarten wie anderes Kraftfutter Verwendung finden. Das Sammeln der Eicheln u. Bucheln erfolgt in der Regel nach dem natürlichen Abfall. Nur Bucheln für die Oelmühlen sammelt man auch gern vor dem Abfall, indem man die fruchttragenden Aeste mit umwickelten Aexten abklopfen und die Bucheln auf untergebreitete Tücher fallen läßt. Um die Früchte dauernd haltbar zu machen, werden sie zweckmäßig auf Malzdarren, in Ziegelösen, auf dem Mauerwerke der Dampfkessel, in Backöfen usw. gedörrt. Bucheckern, die für Oelgewinnung bestimmt sind, dürfen höchstens auf 30 Grad Celsius erhitzt werden, bis sie eine hellbraune Farbe annehmen. Bei Anwenduung größerer Wärmegrade wird ihr Wert für die Oelgewinnung bedeutend herabgemindert. Die Bezugsvereinigung der deutschen Landwirte, Berlin W. 35, Potsdamerstraße 30, bezahlt für gute Ware in gesunder Beschaffenheit von mindestens mittlerer Art und Güte lose in Waggonladungen von 10000 Kilogramm(200 Zentner) frei Waggon ab Verladestation für 100 Kilogramm (2 Zentner): für Eicheln lufttrocken(nicht mehr als 40 Prozent Wasser) 19 Mk., für Eicheln gedarrt (nicht mehr als 15 Prozent Wasser) und gequetscht 32 Mk., für Eicheln ganze, gedörrt(nicht mehr als 15 Prozent Wasser) 34 Mk., für Eicheln gedörrt (nicht mehr als 15 Prozent Wasser) und geschält 44 Mk., für Roßkastanien lufttrocken(nicht mehr als 40 Prozent Wasser) 15 Mk., für Roßkastanien gedörrt(nicht mehr als 15 Prozent Wasser) und gequetscht 28 Mk. Bucheln werden weitaus am vorteilhaftesten auf Oel verarbeitet. Die Samen der Linde sind sehr fettreich(bis 58 Prozent). Wo die Linde in größeren Beständen (namentlich als Alleebaum) auftritt, kann sich das Sammeln der Samen lohnen. Der Kriegsausschuß für pflanzliche und tierische Oele und Fette, Berlin W. 8, Kanonierstraße 29/30, bezahlt für gute Ware in gesunder Beschafsenheit von mindestens mittlerer Art und Güte in Waggonladtungen von 10 000 Kilogramm(200 Zentner) frei Waggon ab Verladestation für 100 Kilogramm (2 Zentner): für Bucheln lufttrocken 45 Mk., für Bucheln gedörrt 55 Mk., für Lindensamen, lusttrocken oder gedörrt 140 Mk. Die geflügelten Früchte des Ahorn sind reich an Stärkemehl und haben daher einen verhältnismäßig hohen Futterwert. Wo sie in größeren Mengen anfallen, sollten sie gesammelt und verfüttert werden. Die Früchte der Eberesche, die sog. Vogelbeeren, haben sich getrocknet zur Verfütterung an Hühner bewährt. Die Sammlung und Trocknung dieser Früchte sollte daher ebenfalls in die Wege geleitet werden. Bei dem hohen Preis, der zurzeit für Hühnerfutter bezahlt wird, dürfte der Absatz keine Schwierigkeiten bereiten. Wetter=Aussichten für mehrere Tage im Voraus. 10. Oktober: Wolkig, strichweise Negen, nachts kalt. 11.— Vielfach sonnig, nachts kalt. 12.— Veränderlich, teils heiter. 13.— Wenig verändert, Regenfälle in vielen begenken. Verantwortlich für die Redaktion Friedrich Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte, iensler Hennann FrenkfurterStrasse Straßenbahn =Haltestelle „ortet Die bellebte Einkaufsstätte Hagens und weitester Umgebung I1 für Bekleidung und Ausstattungs-Artiker B 33 große Spezial-Abteilungen.- n. Erfrischungs-Raum.### * Ständige Ausstellung in Wohnungs-Einrichtungen Freie Fahrt G- nach Hagen u. zurück Auf Wunsch vergüte ich, anstatt Eintragung in die Sparbücher, gegen Vorzeigung der Rück-Fahrkarte Fahrtauslage 3. Klasse für 1 Person im Umkreis bis 50 km, bis 100 km einfach. Fahrt, bei Einkauf v. 20 an. ASPEMT 10 Die Atemnot des Asthmatikers macht ein Lisderungsmittel erforderlich! 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Schauspiels: Der Russenschreck oder Hindenburg kommt Schauspiel mit Gesang von A. Thalhammer und Jul. König. INachmittags 4 Uhr: Einlass 3 Uhr. Schüler- und Familien-Vorstellung. Abends 8 Uhr: Einlass 7 Uhr. Grosse Fest-Vorstellung. ##Der dritte Akt:„Die Schlacht an den Masurischen — Seen“ wird von ca. 50 Personen ausgeführt.— r Eintrittspreise siehe Plakate. A.Karten im Vorverkauf sind zu haben: im Theaterlokal, Zigarrengeschäft Schöttler, Zigarrengeschäft Dorka. 4674 Aühlialer Gungerverein, Schwein. Inhaber des Kaiserpreises u höchster Ehrenpreise Chorleiter: Herr Musikdirektor Griesenbeck=Gevelsberg. 4603 für das„Role Kreuz“ im Freischüßz Sonntag, den 10. Oktober, nachmittags 4 Uhr. Mitwirkende: Frau Johanna Vollmer=Eckermann(Alt) aus Köln, Herr H. Dahlbüdding. Schwerte,(Tenor): Herr Fr. Schäfer, Schwerke,(Baritonz. Am Frügel: Herr Musikdirektor Griesenbeck. Konzertflügel d. Firma Roth u. Junius, Hageni. W. Karlen im Vorverkauf 50, an der Kasse 60 Pfg. 44 J Programm für den 9. und 10. Oklober. Carl Braus, Schwerte(Ruhr) Behanntmachung beiressend Höchstpreise. Auf Grund des§ 1 des Gesetzes vom 4. August 1914 21. Januar 1915, detreffend Höchstpreise werden hiermit in Abänderung meiner Bekanntmachung vom 30. Juni d. Is. für den Umfang des Landkreises Hörde— mit Ausnahme der Stadt Schwerte folgende Höchstpreise festgesetzt: a) Für die in der Anordnung des Kreisausschusses, betreffend die Herstellung von Backwaren für den Landkreis Hörde vom 22 September d. Is. genannten Backwuren und zwar für: Kriegsbrot mit einem Verkaufsgewicht von 6 Pfd.=1.15 Mk „„„„" 6"—0,58„ Schwarzbroi„„„„ 6„=104„ „„„„„ 3„*02„ Bröschen„„ ½"=0.06„ b) für Weizenmehl für das Pfund—0.25„ für Roggenmehl„„„=0.22„ Diese Verkaufspreie treten in Kraft mit Beginn des 10. Oktober 1915. Wer diese Höckstpreise überschreilet, wird nach§ 6 des bezeichneten Gesetzes mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 10000 Mark bestraft. Hörde; den 5. Oktober 1915. Der Landral. 4676 J. V. gez. Dr. Burchard, Regierungs=Assessor. „Strohfeuer“ Ein lebenswahres Bild aus dem deutschen Hochwald, dem Volke und der Natur abgelauscht. Herrliche Winter= und Schneelandschaften. Meisterhaft dargestellt von Berliner Künstlern.— 3 Akte.— :„Die Hand des Spannendes, hochdramatisches Indianerbild in 3 Akten.„ Ggasands Duans un den Samaneiche. verzeihe! Ergreisende Geschichte. Auf Leben und Spannendes Wild=West=Drama. Komödie. Polidor=Humoreske Komödie. Die Minstrells. Varieté=Akt. 4484 Groge. Schwungen! 4637 mit Niemenscheibe für Handwerkerbetriebe geeignet, zu verkaufen. Zu erfragen in der Geschäftsstelle dieser Zeitung. u 2 8 5 8 88 Psp 5 P —5□ du sollst dich meinetwegen nicht länger bennruhigen. ] Wenn da wirklich etwas ist, das mir in der letzten Zeit Aufregung und Aerger bereitet hat, so werde ich schon damit fertig zu werden wissen. Und ich verspreche dir, dich dann nie mehr durch meine schlechte Laune Auchen.#. Fen mar nicht 6.s mis Aber ein sorches Versprechen wur nicht das, wuls sie gewünscht und erhofft hatte. Sie lehnte ihren hübschen blonden Kopf an seine harschen eieitenur, an seine Brust und bat aufs neue:„Sage mir, was es ist! Hast du denn kein Vertrauen zu mir— zu deiner Frau, die dich tausendmal mehr liebt als irgend etwas auf der Welt?“ „Dies ist keine Frage des Vertrauens, Lucie! ch gehorche nur einer unerbittlichen Notwendigkeit, wenn ich dich ersuche, nicht weiter in mich zu dringen.“ „Haben wir uns nicht gegenseitig gelobt, nie ein Geheimnis voreinander zu halen?“ „Ja. Aber das war ein Gelöbnis, das nur für Gegenwärtiges und Zukünftiges Geltung hatte, nicht für das Vergangene. Wir sind einander niht verantwortlich für das, was geschehen ist, ehe wir uns kannten.“ „Also doch eine Frau!“ „Ich schwöre dir, daß es sich nicht um eine Frau handelt. Aber ich werde dir auf keine weitere Frage mehr antworten. Weil auch ich dich über alles liebe, und weil ich mich nicht der Gefahr aussetzen will, deine Liebe zu verlieren— darum werde ich es nicht tun. Es muß dir genug sein an meiner Zusage. daß ich ein Mittel finden werde. diese unglünselige Sache heute oder morgen aus der Welt zu schaffen. Du wirst dann keine Veranlassung mehr haben, dich über mich zu beklagen.“ (Fortsetzung folgt.) Xc ell und Leit. A S 4 Der bis'ige D menhut und seine Folgen. In ein schlimmes Wespennest hat eine amerikanische Zeitung gestochen, als sie vor kurzem— wie sie wohl glaubte: zur Freude ihrer Leserinnen— eine Anzahl von Photographien veröffentlichte, auf denen man wirklich geschmackvolle und geradezu elegante Damenhüle sah, die nur 55—75 Pf. das Stück kosten. Wenn die Hite häßlich gewesen wären, wäre das am Ende noch angegangen, aber diese unerhört billigen Gebi de der Hutmacherkunst wiren, wie gesagt, wirklich chüdsch und geschmackvoll. Seitdem haben die Redatteure des Blattes sch imme Tage. Eine wahre Sturmslut von entrüsteten Protestbriefen der Leserinnen ist über die Redaktion hereingebrochen.„Mit solchen Mitteln“, schreibt eine ganz empörte Abennentin,„wollen Sie die Sympathien Ihrer Leserinnen gewinnen?! Mein Mann hatte kaum Ihre indiskreten Bilder gesehen, als er auch bereits mit einer Predigt über die Sparsamkeit in der Hauswirtschaft und in der Kleidung anfing— er schien im Ernst wirklich zu glauben, ich solle fortan für einen Hut höchstens 75 Pf. ausgeben. Und solche peinlichen Erörterungen haben gewiß in Tausenden von Familien stattgesunden. So streuen Sie den Samen der Zwietracht zwischen Mann und Frau. Mir bleibt dagegen keine Waffe, und so tue ich das einzige, was in meiner Macht steht: ich kündige hiermit das Abonnement.“ Nicht weniger ärgerlich scheint eine andere Dame:„Nehmen wir nun einmal an, es sei wirklich möglich(es ist natürlich nicht möglich), einen anständigen Hut mit einer Auslage von 55 Pf. herzustellen, nehmen wir an, Sie fänden auch eine Frau, die diesen Hut aussetzt— niemals aber werden Sie eine Frau finden, die, wenn sie den Preis weiß, mit diesem Hut auch nur die Nase aus der Hiuskür heraussteckt. Außerdem ist es absurd, zu glauben, daß die Hutformen Ihrer Photographien nun einfach für alle Frauen geeignet wären, für schöne und häßliche, dünne und dicke, blonde und dunkle. Es liegt auf der Hand,“ so schließt empört die Dame,„daß Ihre ganze Zeitung ausschließlich von Münnern geschrieben und redigiert wird, die Frauenseite und den Modeteil nicht ausgenommen.“ Aber die Entrüstungskundgebungen kamen nicht nur von Abonnenkinnen; nun erschienen die Hutmacherinnen und die Molistinnen auf dem Plan und erklärten, eine anständige Frau, die etwas auf sich hält, könne unmöglich weniger als zu allermindest 20 Ne für einen einfachen Hut anlegen. In ihrer Verzweiflung scheint die Redaktion des Blattes die Sprache verloren zu haben: statt der Antwort hat das Blatt schweigend eine neue Photographie veröffentlicht, die einen reizenden kleinen Hut darstellt, der— 10 Pf. kostet. 912 Frauen, ärgert euch nicht! Hütet euch vor der schlechten Laune, hütet euch vor jedem Aerger, hütet euch überhaupt, anders als mit stiller Heiterkeit die Welt zu betrachten das ist der Rat, den ein Arzt mit vielen komplizierten medizinischen Begründungen den Frauen gibt. Alle unlustigen Gefühle, jedes Beharren in Verbitterung oder Verstimmung, jede Trauer und jede Trübsal und vor allem jeder Anfall von Zorn oder Aerger hat unmittelbaren Einfluß auf den Körper, bringt endlose Störungen hervor, und die Folge davon ist nicht etwa, daß man leidend wird und eine schöne Badereise unternehmen muß, nein, die Folge ist grausam für jede Frau: sie wird häßlich, so häßlich, wie die Natur sie nie wollte. Aerger weckt Trockenheit der Zunge, verhindert die Sekretion der Drüsen, die Sekretion der Magensäfte: und die Folge sind schlechter Teint, ein Eckigwerden der Gesichtszüge, blutarme, bläuliche Lippen, die Brust fällt ein, kurz, aus den schönsten Frauen macht Unbeherrschtheit des Temperaments mit der Zeit unfehlbar häßliche Frauen. Und darum, o ihr Herrinnen der Schöpfung, seid immer heiter und fröhlich, wenn möglich, besonders gegen eure Männer. Doch das verlangt der Arzt nicht ausdrücklich. Dumor. Der gute Kunde.„Was soll ich denn Herrn Hartherz für diese Hosen rechnen?“ fragte der Buchhalter von Schnips und Scherer.„Sechzehn Mark, wie gewöhnlich?“ Der Chef überlegte.„Hartherz ist ein guter Kunde, nicht?“ „Das ist er," versetzte der Angestellte. „Und bczahlt immer prompt?“ „Jawohl.“ „Und handelt niemals?“ „Niemals.“ „Nun denn,“ entschied der Chef,„rechnen Sie ihm zwanzig Mark.“ 4 1—— — 1i □ Amtliches Kreisblatt für den kreis börde 4 k Jabrgang O Erites und älteltes Cagesorgan des Kreiles. O haupt-Annoncenblatt Unterhaltungs Beilage zu Nr. 237. Samslag, 9. Oklober 1915. Siach # 0 konnte, nahm Roman von (17. Fortse ie bes sehen darauf, trotz allem, was ich 44 Ihnen sagen mußte?“ fragte Beatrite. #„Nun ich weiß, daß Sie unglücklich “ sind, gebe ich Sie weniger auf denn je, war des Grafen ernste Antwort. Als Beatrice nicht ohne großen Schmerz den verletzten Fuß gebrauchen er sanft ihre schlanke Gestalt in die Arme und trug sie wortlos die Treppe zu ihrer Wohnung hinauf. Und wie sein junges Herz auch klopfte in dieser unmittelbaren, gefährlichen Nähe der so heiß und doch so töricht Geliebten, und wie auch der saße Orangenduft, welchen ihre Keidung ausströmte, ihm momentan den Sinn verwirrte, weder Blick noch Wort kündeten ihr den Sturm, welcher sein Inneres durchtobte; er beherrschte sich meisterlich. In der oberen Etage angelangt, übergab er die Leidende der Obhut ihrer Wirtin, einer würdigen alten Dame, der er einige au klärende Worte sagte, worauf er alsbald zu Ewald Lorenz ei#te. Dieser erfü te gern die Bitte des Freundes. Er suchte Beatrie ungesäumt auf und erklärte zu ihrer großen Erleichterung die Verrenkung des Fuges für eine nicht sehr bedeutende, die bei nötiger Schonung in wenigen Tagen gehoben sein würde. XIV. So hatte Ralf sie wiedergesunden, die unvergeßliche Ercheinung aus dem Maitänder Dome, und die es Wieder ehen bewies ihm in der Tat, daß Beatri#e sein Schiasal sei. Er besaß weder die Kraft noch auch den Willen, sich dem Einflusse zu entziehen, den dieses in dürft ger. un cheinbarer Lage lebende Mädchen absie tslos auf ihn übte. Seine schwärmerische Hingebung wurd zum Fanalismus, der nichts verlangte als sie zu chützen, ihr zu dienen, ohne Dank, ohne Lohn. Es war die er#te leidenschaftliche Neigung seines Herzens, und solche Liebe eines edlen, reinen Gemüts ist nur ein Gemisch von Anbetung, Unschuld und Selbstlosigkeit. An einem der nächsten Tage machte er ihr den ersten Besuch Der Vorschrift des Arztes gemäß, ruhte sie noch auf einem Liegestuhl; aber obwohl ihr der Fuß kaum noch erhebliche Beschwerde verursachte, erschien ihm ihr schönes Gesicht noch bleicher und leidender, als da er sie zuletzt gesehen.. Und doch, welch wunderbarer Lievreiz umftoß die holde Gestalt, wie herzbezwingend schön war sie trotz des einsachen Hauskleides, der äußerst bescheidenen Dressel. 3.)(Nachdruck verboten.) Umgebung. Zum ersten Male sah er sie im klaren Tageslicht, ohne die bergende Hülle des Mantels, und er glankte sie noch nicht so berückend lieblich gekannt Aber er hütete sich wohl, seiner Bewunderung Wort zu geben. Seinem ernsthaften Entschluseg treu, berührte er nu: allgemeine Gespräche, und er hatte se Genugtnung, Beatrite mit seinem scheinbaren Geichmut immer unbefangener zu machen Auch dehnte er den Besuch kaum über eine halbe Stunde aus, und als er aufbrach, meinte er mit seiner tapferen herrschung sich eine Wiederholung desselben veroient Ails er diese Bitte aussprach, reichte sie ihm die seine Hand, indem sie in leiser Wehmut sagte:„Sie sollten hierin wirklich weniger heharrlich ein, Graf Rhoda. Aber sei es denn, ehen Sie zuwe###en nach mir; nur vergessen Sie nicht, diß Sie niema's etwas anderes als einige Worte harmlos freundlicher Unterhaltung finden werden. Genügt es Ihnen, hier und da eine Vormittagsstunde bei mir zu verbringen, ich muß es Iinen streng unterjagen, mich je zu anderer Zeit aufzusuchen, so stören Sie mich nicht.“ Und an diesen mühsam abgerung enen wenigen Stunden bei Beatrice hing fortan das Erdenglück des hochgeborenen Erben eines alten. stolzen Geschlechts, den die vornehmste Geselischaft schmeichind umschwärmte, dem die schönsten Augen aristokratis her Damen vergeblich zulächelten. Er blieb tei nahmslos für alles, was außer seiner sellg=unseligen Liebe lag. Er vermochte es nicht, diesen seltenen Stunden zu entsagen; immer fieberhafter trank er das süße Gift, obwohl Beairie weder mit Blick noch Wort den Zauser ihrer gefährüchen Persönlichkeit verstärkte, der ihn so unheitvoll umangen. Sie hielt die Konversation in so engen Schranken, daß sie es selbst vermied, ihre eigenen Herzensempfindungen zu berühren, nachdem ihre damalige Offenheit nicht vermicht hatte, seine zwecklo,e Schwärmerei zu heilen. Allein sie vermochte nicht, der Trauer zu wehren, die ihr ganzes Wesen trübe umschleierte. Der ernste, verzagte Bück ihrer Augen, der schmerzliche nervöse Zug um ihren Mund verrieten ihm nur zu deutlich, daß sie innerlich leide, und ließen sein Herz in heißem Milgefühl anschwellen. Dann sah er sie im Laufe des Winters in einigen Wohltätigkeitskonzerten, denen sie untigennützig ihre gern gesuchte Unterstützung lieh. Hier erst lernte er ihr bedeutendes musikalisches Talent schätzen, das sie E * S 2 25 * 88 29 40 * S 2 G S B SS.# ** ** -— S• Ses Ea. EGOIER 8 85 2 S 9•58 S 8 8 S 28— * 5 00 S 9— S S 5 S 2 9 8 S## 5 8 33 n 9 S 3 8 2 2.51 P 3-9.2 S S 950 S 118 S EAS5- SHSSEEES S kNDSPSEBSRSU S SSHPSMEEESES"SS G STgGa“EROS a Sfe## S• 15780 HEGTUES za 5 ∆•Uan— — — 5 -NOEES S S S ## 9. 8##27 55 * 5 S 8 S 958 S. 10 8 5 9 2## L S S 8 □ 8 □ 05 a 0 in ihrem Heim niemals ihm offenbart hatte, in dem Bemühen, alles zu vermeiden, was ihren Bann über ihn verstärken könne. In ihrer Bescheidenheit hatte sie nicht einmal ihrer herrlichen Begabung Erwähnung getan, die sie zur Künstlerin erhob... P4316 Sah er sie dann in ihrer sieghaften Schonhelt beifallumrauscht auf dem Podium stehen, so schien es im unbegreiflich, daß sie sich an dem mühseligen Beruf der Musiklehrerin in freundschaftlicher Zurückgezogenheit genügen ließ und nicht Bahnen betrat, die sie auf lorbeergekrönte Höhen geführt hätten. Als er ihr dies einst aussprach, vertiefte sich jener ihm bekannte Schmerzenszug um ihre Lippen, und sie antwortete:„Mein Vater, der ein sehr begabter Musiker war, hatte allerdings eine künstlerische Laufbahn für mich im Auge; der Beginn derselben war versprechend für meine Zukunft, aber ich entsagte dem öffentlichen Autreten auf Wunsch desjenigen, welcher Herr meines Schicksals wurde,“ fügte sie düster hinzu. „Eine Mitwirkung für humane Zwecke ist eine mir hier und da gestattete Ausnahme.“ Dann hatte sie jäh das Gespräch abgebrochen, es Palf überlassend, in bitterem Groll dar über zu grübeln, wer der Mann sein könne, der so zwingende Macht über das schöne, talentvolle Mädchen gewonnen, daß sie aus freiem Willen einem Einfluß unterliege, der wet entfern: war, glückbringend zu sein, vielmehr dem Anscheine nach nur unsägliches Leid über sie verhängte.„„„„„ Welch ein herzicser Egoist mußte der enige sein, der ihre opferwillige Liebe besaß und sie dennoch zu einem trüben, einsamen Dasein verdammte!.... Ein heißer Zorn regte sich in Ralf bei viesen quälenden Verstellungen, und der brennende Wunsch, jenen Mann zu kennen, mit ihm zu ringen um den hohen Preis, den jener anscheinlich nicht einmal nach seinem Wert würdigte. Doch Beatrice hütete ängstlich ihr trauriges Gebeimnis und hätte dem Freunde vielleicht nicht einmal Dank gewußt für die Verteidigung ihrer Rechte. Sie duldete wie eine Märtyrerin ihr trübes Verhängnis, aber das Lächeln ihres schönen Mundes wurde immer seltener, der stille Leidenszug ihres edlen Gesichts tieser.——„„„ So war der Winter für Raif unter dem Einfluß seiner glücklosen Neigung nichts weniger als froh vergangen. Und wenn es ihm auch mit großer Selbstbeherrchung gelang, in Beatrices Gegenwart eine ruhige Fassung zu bewahren, so war seine Stimmung im übrigen eine so wechselnde und zerrissene, daß er beharrlich die Einsamkeit suchte und selbst den Freund vernechlässigte, dessen scharfen Blick er in seinem gegenwärtigen Seelenzustand zudem fürchtete, und doch machte ihn dies Meiden Ewalds doppelt friedlos, denn er fühlte, daß er den Freund damit beleidigte. Endlich kam der Juli, der Ferienmonat, in dem auch Beatrice sich eine Erholung nach anstrengender Tatigkeit verstatten wollte. Sie beabsichtigte einen Landaufenthalt, bat Ralf indes ernstlich, ihr nicht zu folgen. Es war ein bitteres Scheiden für ihn, Beatrice aber schien es als völlige Trennung zu nehmen. Schreckhaft bleich, tief traurig und doch in jedem Zuge ihres edelschönen Gesichts eine unbeugsame Entschlossenheit, hatte sie Abschied nehmend vor ihm gestanden. Ihr Leid wog dennoch schwerer als das seine, sie mußte verachten, wo sie innig und treu geliebt, während seine Liebe zu ihr wohl das Traurigste, aber auch das Heiligste seines Lebens war. H. wurde ihm verhaßt, seit Beatrice diese Stadt verlassen, und so zögerte er nicht mehr, Ulrikens seither vergeblich aussprochene Bitte, einige Wochen bei ihr in Erlenhof zu verleben, zu erfüllen. Er suchte Ewald Lorenz ebenfalls zu bewegen, sich eine Rast in der aufreibenden ärztlichen Tätigkeit zu vergönnen und ihn in die Sommersrische zu begleiten. Lorenz, welcher nur zu wohl wußte, wie dienlich dem jungen Freunde ein zeitweiliges Meiden der Stadt sein dürfte, freute sich dieses Entschlusses, und da er eine geeignete Vertretung fand, so folgte er gern der Aufforderung. XV. Ab, das erguict!., 4. Jam Mohagen 9.. Doktor Lorenz atmete mit nesem Beyagen die kühle aromatiiche Waldluft, als er im offenen, raschen Gefährt neben dem Freunde durch die herrlichen Waldungen dahinfuhr, welche nach Erlenhof führten. „Ich habe zeit meines Lebens für das Land geschwärmt und bin, wie man ja so häufig das Gegenteil seiner Neigungen erzielt, nun doch ein so ausgeprägter Stadtmensch geworden. Ich freue mich jetzt wie ein Kind auf meine Ferien in dem Genuß einer so köstlichen Sommerfrische." „Dieser Vorliebe für das Landleben könntest du leicht nachgeben,“ entgegnete Ralf, der lächelnd den entzückten Blicken des andern folgte. „Du meinst in der Cigenschaft eines Landdoktors? Nein, Lieber, deshalb bin ich doch nicht der alma mater ein so treuer, eifriger Jünger gewesen! Ich bin leider nicht ohne Ehrgeiz und sollte nun das schwer errungene Wissen hergeben, um etwa einigen rauflustigen Bauern die nach sonntäglichen Räuschen zerschlagenen Glieder zusammenzuflicken, oder ihnen Tränke zu verschreiben, die sie sih so viel lieber von irgendeiner Dorfhexe— und wo auf dem Lande wäre nicht solch eine, uns in das Handwerk pfuschende Heilkünstlerin zu finden— brauen lassen?" Ralf lachte herzlich.„So war es nicht gemeint, und ich bin gewiß der letzte, der deine Gelehrsamkeit und Geschicklichkeit so unnütz verschwendet sehen möchte. Aber hast du niemais den Gedanken gehegt, eine Heilanstalt in schöner Natur zu errichten? Ich gestehe, daß ich dafür schon seit langem unser Rhoda im Auge hatte und selbst Ulrike darauf aufmerksam machte.“ „Sie?“ fragte Lorenz lebhaft,„und was sagte sie dazu?“ „Wir haben die Idee mündlich noch nicht erörtern können. Ich regte sie an in einem meiner Briefe aus Aegypten, kurz nachdem ich dich kennen gelernt, und du weißt, daß nach meiner Rückkehr zu viel Betrübendes in unser Leben trat, als daß ich Gelegenheit gefunden hätte, wieder darauf zurückzukommen. Aber ich weiß, daß Ulrike dich sehr schätzt und sich von Herzen mit mir freuen würde, dich einst in unserer Nähe zu wissen. Vielleicht verwirfst du den Vorschlag doch nicht so ganz!“ „Gewiß nicht, die Sache ließe sich überlegen. Vorerst freilich muß ich darnach trachten, mir einen Namen zu erringen, denn ich habe mir ein hohes Ziel gesetzt und würde als unbekannter Arzt auch gar nicht das Wagnis eines solchen Unternehmens auf mich nehmen. Jedenfalls aber werde ich den Gedanken festhalten; Rhoda ist mir sehr lieb, und der Verkehr mit euch mir so wohlgesinnten Menschen verlockend.“ „Und, gestehe es nur, Hedwigs Nähe würde nicht zuletzt für dich in Betracht kommen,“ scherzte Ralf. „Fräulein von Sennwitz ist zwar ebenso reizend als liebenswürdig, dennoch habe ich an sie ungalanterweise soeben nicht einmal gedacht,“ sagte Ewald ruhig. „Doktor, das ist nicht möglich, ich weiß es besser!“ (Fortsetzung folgt.) 12 0 ** S. S S. S * S F 25 SOSESZE GE SPUSS— ####m# OS Denkspruch. Jugend halte dir die Schale, Freude schenke dir d.n Crank. Jugend— auch im Abenditrahle— Freud'— auch wenn die Sonne jank. Fr. Grillparzer. W Der Handschuh. Erzählung von K. Orth. (Nachdruck verboten.) Frau Lucie war ernstlich unzufrieden— zum ersten Male in ihrer nun schon achtmonatigen Ehe. Nach einem wonnigen Brautstand, der trotz seiner Kürze nach ihrer Ueberzeugung lang genug gewesen war, um sie hundert treffliche Eigenschaften an dem Erwählten ihres Herzens entdecken zu lassen, war sie die strahlend glückliche Gattin des Doktor Bernhard Heßmer geworden, eines jungen Arztes, der zwar vorläufig noch eine recht bescheidene Praxis, dafür aber nach der Ansicht aller seiner Bekannten die glänzendsten Zukunftsaussichten hatte. Und Monat um Monat war dahingeschwunden, ohne daß auch nur das winzigste Wölkchen den lachenden Himmel ihres Glückes getrübt hätte. Bernhard war von immer gleicher Liebenswürdigkeit, Ritterlichkeit und Zärtlichkeit gewesen; nie hatte er seinem. reizenden Weibchen eine verdrießliche Miene gezeigt, und an ausgelassener Lustigkeit hatte er sie trotz seines ernsten Berufes sogar beinahe noch überboten. Aber das war nun plötzlich anders geworden. So vollständig hatte es sich geändert, daß Frau Lucie sich mit der Wandlung durchaus nicht zurechtzufinden vermochte. Bleich und niedergeschlagen war der Doktor eines Tages nach Hause gekommen, schweigsam und appetitlos hatte er vor der mit seinem Lieblingsgericht bestellten Tafel gesessen, beinahe grob hatte er Lucies teilnehmende Fragen abgefertigt. Ein Mann, der mitten im Kampf des Lebens stehe, könne wohl einmal Verdrießlichkeiten und Aergernisse haben, über die sich nicht lang und breit reden ließe, hatte er gesagt, und dabei hatte er so nervös mit dem Obstmesser auf den Tellerrand getrommelt, daß der jungen Frau sogleich aller Mut zu weiteren Erkundigungen entfallen war. Sie hatte sich damit getröstet, daß seine üble Laune bald vorübergehen werde, und erst, als sie sehen mußte, daß es damit während der folgenden Tage eher schlimmer als besser wurde, hatte sie angefangen, sich über den Sinn seiner kurz abweisenden Worte ernstlich den Kopf zu zerbrechen. Was mochte er nur gemeint haben, als er von dem„Kampf des Lebens“ sprach, inmitten dessen er angeblich stehen wollte? Die junge Frau hatte sich darunter bisher immer einen Kampf ums tägliche Brot vorgestellt oder einen Kampf gegen die Rivalität erbitterter Widersacher. Aber davon konnte bei ihrem Manne doch kaum die Rede sein. Die Zinsen ihrer Mitgift waren beträchtlich genug, um jeden Schatten einer Sorge von dem neubegründeten Haushalt fernzuhalten und ihnen darüber hinaus die Erfüllung jedes billigen Wunsches zu gestatten; Bernhards Praxis nahm fast mit jedem Tage an Umfang zu, und bei seiner von aller Welt gerühmten Liebenswürdigkeit hielt sie es für ganz unmöglich, daß er einen Feind haben sollte. Blieb also nur noch die Möglichkeit, daß bei der plötzlichen Veränderung seines Wesens etwas Weibliches im Spiele sei. Lucie Heßmer hätte nicht ein bis über beide Ohren verliebtes junges Frauchen sein müssen, wenn sie für jeden eifersüchtigen Argwohn unzugänglich gewesen wäre. Sie fing also an zu beobachten, wobei sie nach der Art ihres Geschlechts sogar allerlei kleine Späherkünste nicht ganz verschmähle. Schon nach Verlauf einiger weiterer Tage war sie zu dem Schluß gekommen, daß auch diese Vermutung nicht zutraf, und daß es weder eine alte noch eine neue Herzensirrung Bernhards sein konnte, die das Glück ihrer jungen Ehe bedrohte. Sie würde sich dadurch ja sehr beruhigt gefühlt haben, wenn nur nicht diese unselige Verstimmung ihres Gatten mit jedem Tage auffälliger und beängstigender geworden wäre. Er ließ sich durch seine Praxis viel länger vom Hause fernhalten, als es sonst seine Gewohnheit gewesen war, und wenn ihr dann endlich die heißersehnte Freude seiner Gesellschaft zuteil wurde, zeigte er sich worttarg, zerstreut und reizbar, wie sie ihn während der ersten acht Monate ihrer Ehe nie gesehen. Alle ihre erfinderischen Versuche, ihn aufzuheitern, blieben ohne Erfolg, und es war ganz offensichtlich, daß auch seine Gesundheit bereits zu leiden anfing. Sein Gesicht hatte die gewohnte blühende Farbe verloren, und unter seinen müde blickenden Augen zeigten sich dunkle Schatten. Noch hatte Lucie es nicht wieder gewagt, eine Frage an ihn zu richten; eines Tages aber erwies sich die Sorge ihres liebenden Herzens denn doch stärker als die Scheu vor einer abermaligen Zurückweisung. Zugleich mit dem Kaffee, den er nach dem Mittagessen zu trinken pflegte, hatte das Mädchen einen Brief mit ins Speisezimmer gebracht, und sowie er einen Blick auf den Umschlag geworfen, war Bernhard erbleichend aufgesprungen, um sich in sein Arbeitszimmer zurückzuziehen. Da vermochte die junge Frau den Zustand ohnmächtiger Untätigkeit nicht länger zu ertragen. Sie stand auf und schlich sich geräuschlos in das neben dem Arbeitszimmer gelegene Gemach. Durch das Schlüsselloch sah sie, wie ihr Mann in höchster Erregung auf und nieder ging, und ein zerknittert am Boden liegendes Blatt ließ ihr keinen Zweifel, daß es der eben eingetroffene Brief gewesen war, der ihn so ganz außer Fassung gebracht hatte. Noch zauderte sie einzutreten; da gewahrte sie, wie er die geballten Fäuste gleich einem Verzweifelnden an seine Schläfen preßte, und hörte ihn vor sich hinsprechen:„Nein, ich ertrage es nicht länger. Ich muß ein Ende machen. Dieser Schurke bringt mich um den Verstand.“ Nun legte sie entschlossen ihre Hand auf den Trücker und stand, mit der ganzen Kraft ihrer Liebe gewappnet, plötzlich vor ihm.„Was ist es, das du nicht länger ertragen kannst, Bernhard? Ich habe ein Recht darauf, es zu erfahren.“ Mit einer ungestümen Bewegung hatte er bei ihrem überraschenden Eintritt den Brief vom Teppich aufgerafft und ihn in die Tasche geschoben. Als er ihr dann sein Gesicht zuwandte, war eine scharf eingeschnittene Zornesfalte zwischen seinen Brauen. Ah, du fängst also an zu horchen und zu spionieren?“ „Ja, ich habe gehorcht. Ich bin dir gefolgt, als ich sah, in welche Bestürzung die Handschrift dieses Briefes dich versetzte. Denn ich kann es nicht mehr aushalten, dich leiden zu sehen, ohne die Ursache deines Kummers zu kennen. Wenn du mich lieb hast, wirst du mir endlich sagen, was dich bedrückt.“ Das zärtliche Flehen im Klang ihrer Stimme und im Blick ihrer tränenfeuchten Augen hatten seinen Unmut rasch entwaffnet. Ein paar Sekunden lang schien er mit sich zu kämpfen, dann nahm er liebevoll ihre beiden Hände und zog sie neben sich auf das Sofa nieder. „Verzeih mir das unfreundliche Wort, Schatz! Ich bin dir von Herzen dankbar für deine Teilnahme. Aber zur rechten Zeit ein Mitteilung, die hofsen läßt, daß der Fettmangel in absehbarer Zeit behoben sein wird. In der Generalversammlung der Versuchsund Lehranstalt für Brauerei(Berlin) machte Geh. Reg.=Rat Professor Dr. Delbrück die Mitteilung, daß es gelungen sei, die Hefe auch zur Fettgewinnung heranzuziehen. Prof. Lindner hat eine Hefe gezüchtet, die 18 Prozent Fettgehalt in der Trockensbstanz aufweist. Die Erfindung soll so ausgearbeitet werden, daß sie industriell zu verwerten ist. Bei den glänzenden Leistungen unserer chemischen Industrie während der Kriegszeit dürfen wir sicher sein, daß diese neue Erfindung sehr bald auf dem Gebiete der Volksernährung eine bedeutsame Rolle spielen wird. Aus Anlaß der 500der Hohenzollern in Brandenbunz=Preußen finden nach einem Erlaß des **(Hohenzollernseier.) jährigen Herrschertätigkeit Oberkirchenrates am 24. d. M. auch in allen evangelischen Kirchen Festgottesdienste statt, an denen die Schulen, die staatlichen und städtischen Behörden teilnehmen werden. **(Ruhrtaler=Konzert.) Auf das morgen stattfindende Konzert des Ruhrtaler Sängervereins zum Besten des Roten Kreuzes sei auch an dieser Stelle nochmals empfehlend hingewiesen. Die mit feinem Verständnis zusammengestellte Vortragsfolge, sowie die allseits bekannte Leistungsfähigkeit des Vereins und der Solisten versprechen einen hohen künstlerischen Genuß, den sich keiner entgehen lassen sollte. **(Theater=Aufführungen.) Am Sonntag, den 10. Oktober, finden im Saale„Im Reiche des Wassers"(Jockenhöfer), Aufführungen des großen vaterl. Schauspiels„Der Russenschreck“ od. Hindenbuurg kommt“ von A. Thalhammer und Jul. König statt, worauf wir empfehlend hinweisen möchten. Das hochinteressante, lebenswahre und zeitgemäße Werk führt uns in vier Bildern auf die blutgetränkten Gefilde Ostpreußens, denen in Hindenburg, dem zweiten„Marschall Vorwärts“, ein kühner Netter entstand. Es finden zwei Vorstellungen, nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr, statt. Die Nachmittags=Vorstellung ist speziell als Familien= und Schüler=Vorstellung zu ermäßigten Preisen gedacht. Im übrigen verweisen wir auf das Inserat in heutiger Nummer. **(Jugendkompagnie.) Heute abend findet eine Nachtfelddienstübung(Vorposten= und Patrouillendienst) statt. Antreten um 9¼ Uhr am Wilhelmsplatz. Ende gegen 12 Uhr. Die Schießgruppe tritt Sonntag um 2 Uhr an der Kampstraße an. **(Rasensport.) Morgen, Sonntag nachmittag 3 Uhr, findet auf dem„Schützenhofe“ hier ein Fußballspiel des Schwerter Sport=Klubs genen den Hagener Fußball=Klub statt. Auf den Besuch der Veranstaltung wird empfehlend hingewiesen, mit dem Bemerken, daß Soldaten freien Eintritt haben.(Siehe Inserat. **(Von einem schweren Unfall) wurde gestern vormittag ein Fuhrknecht vom Sommerberg betroffen, der Kartoffeln nach hier gebracht hatte. Beim Transportieren der Säcke in den Keller eines Hauses an der Hagenerstraße kam er auf der Kellertreppe so unglücklich zui Fall, daß er außer mehreren Verletzungen am Kopf einen Bruch des Schlüsselbeins erlitt; er wurde ins Krankenhaus gebracht. **(Schössengerichtssitzung.) Unter dem Vorsitz des Herrn Gerichtsassessors Schlechter wurde gestern in folgenden Sachen verhandelt: Der Schneidergehilfe Jakob C. aus Düsseldorf wurde, weil er in Westhofen gebettelt, zu 1 Tag Haft verurteilt. Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde der Weber Philipp G. Derselbe sollte sich der Landstreicherei schuldig gemacht haben, wurde jedoch mangels Beweises freigzesprochen.— Der Arbeiter Stanislaus N. von hier hatte sich wegen Hausfriedensbruchs zu verantworten, erzielte aber Freisprechung.— Die Ehefrau Fabrikarbeiter Wilhelm 3. von hier erhielt wegen Hehlerei 1 Tag Gefängnis; dieselbe ist der bedingten Boggnadigung empfohlen worden.— Einen großen Vertrauensbruch beging die Ehefrau Hugo K. von hier. Dieselbe entwendete den Mitbewohnern des Hauses nach und nach Geldbeträge in Höhe von zirka 100 Mark. Wegen ihres reumütigen Geständnisses und ferner mit Rücksicht darauf, daß die Geldbeträge zurückerstattet sind, ließ das Gericht Milde walten. Das Urteil leutete auf 1 Woche Gefängnis. * Billmerich, 8. Okt.(Die Eifersucht.) Hier spielte sich am Mittwoch abend eine Liebestragödie ab, indem ein junger Bursche aus Eifersucht auf ein Mädchen einen Revolverschuß abfeuerte und dann sich selbst eine schwere Schußverletzuny; beibrochte. Während das Mädchen mit dem Schrecken davonkam, mußte der Revolverheld ins Unnaer Krankenhaus gebracht werden. Wanne, 9. Okt.(Durch Starkstrom getötet.) Bei der Bahnbrücke an der Wiesenstraße hetten Schulknaben einen Isoliertopf der StarkDen Heldentod fürs Vaterland erlitt am 16. September d.)s. unser Magazinverwalter Unteroffizier der 7. Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 375 Wir verlieren in dem Verstorbenen einen tüchtigen Beamten und treuen Mitarbeiter, dessen Andenken wir in Ehren halten werden. Schwerte, den 8. Oktober 1915. 787 Den Heldentod für das Vaterland starb am 13. September unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Musketier ***** 6. Komp., Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 17 im Alter von 22 Jahren. Dieses zeigen an Familien Jockenhöfer und Köster. Schwerte, den 8. Oktober 1915 4698 werden noch eingestellt. 4609 Nickelwerk. für Laden rnd Kontor gesucht. Offerten unter L. 4658 an die Geschäftsstelle d. Ztg. Repacatur=Werkstait für Nähmaschinen und Fahrräder hechcenih, Büßs und Girel Stenographie SCürt.###. Unterricht Kleinverhauf der wellberuhm. 8##- ScH #ien Kaiser=Nähmaschine.(Systemstolze-Schrey) hil Feil, Schwerie, Hüsingstr. 24. 3992] Näheres in der Geschäftse d. At. 4688 Du hast als tapfrer Held gestritten, Fürs Vaterland gabst du dein Blut, Du warst so edel, treu und gut Ach hätten wir noch einmal dich gesehn, Und könnten jetzt zu deinem Grabe gehn. Den Heldentod für das Vaterland starb am 25. September unser lieber Sohn, Bruder, Schwager, Onkel, Neffe und Vetter Lehrer Peiirieir Reeke Landsturmmann im in'.-Rgt. 39, 5. bayr. Res.-Division, 8. Komp. im blühenden Alter von 33 jahren. In tiefster Trauer: Familie Heinrich Recke. Schwerte, den 6. Oktober 1915. 4688 stromleitung zertrümmert und dadurch bewirkt, daß der Leitungsdraht herabsiel. Die Tochter eines Vergmanns trat unverseheng auf den Draht. Sie brach mit einem lauten Aufschrei zusammen und war fast augenblicklich tot. Siegen, 8. Okt.(Das Spiel mit Schußwaffen.) Als zwei Sekundaner mit einem Revolver hantierten, entlud sich die Waffe plötzlich. Der Schuß drang einem der Sekundaner in das Herz. Der Cetroffene war sofort tot. Gottesdienste. Evang. ref. Gemeinde. Sonnt.) 9½ Uhr: Pastor Terberger. Versammlung der Konfirmierten. Evang. luth. Gemeinde. Senntag 9 Uhr: Beichte. 9½ Uhr: Pastor Ohlig (heil. Abendmahl). 11 Uhr: Kindergottesdienst. 5 Uhr: Pastor Nell. Gemeinde Westhofen. Sonntag 10 Uhr: Pastor Wischnath. Kath. Pfarrkirche, Schwerte. Sonntag 6¼ Uhr: Stille heil. Messe, Schnurbus. 7½ Uhr: Frühmesse mit Monatskommunion des Marien=Vereins. 8¾ Uhr: Schulmesse mit Predigt, Kaplan Röseler. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2¼ Uhr: Christenlehre und Rosenkranz=Andacht. Lichtendorf=Sölderholz. Sonntag 7½ Uhr: Frühmesse mit Predigt. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. 2 Uhr: Rosenkranzbruderschaft mit Bittgebet für unsere Krieger und Segen. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas, Druck m. Verlag von Carl Bans, beide in Schwerte. Pfarrer Predigt. dent #8 99 Chwere Weitermänter u. Soppen für Fuhrleute und Kutscher. FOsees aus welleriesten Siolien. Unsere Auswahl ist bedeutend! Unsere Preise sind bekanntlich die billigsten! K a 8o. Klavier zu leihen, evil. zu kaufen.. gesucht....., in großer Auswahl Oferten unter L. 4700 Snpächl 49 an die Geschäftstelle d. zig. Hörnes Fabrradpaus. gesucht von Saalmann (Buchdrucke ei Saalmann) 4690 Ostenstr 19. Techpikum Bingon Naschif Sibau. Elektretechnik Automobilbau, Brücken bau. Direktion: Pros. Hoepke. 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