oe Stmnem Seihuer uicen andnr Feienag, Bezuoprne M.„Douarat, Adrich, dei der Pos sor Bahelgel 42 Pla gehr. Wöchentl. Gratsbellage:„Jäukrierim Famillensreuns“: u. 1ol. Unierbaltungsbian. Anzeigenpreis: Die Bedengespallene 7 son deren Raum 10 Plg., Anzeigen um amzeärs 1s Plg, Reklamezell 40 Pfg. Jader Radau gil als Kasarnbal a. erlischi be Aos, torsen, Jwangsoergleichen, gerncau. Klagrn a; Aichtbeachtung d. gemacht. Jatziungspedingung, Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schprtes Uoltahlas Verbunden mit! für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung ebamds Uollssahne Schwerker Tageblatt D Schwerter Anzeiger Grlies und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiges für den Kreis börde o Haupt-Hononcenblan uin dnte und icsenlgeichn Durn gungen sor den Kerits Hörde erlangen gumss Betaaapnachung der Abuglichen Regierug durd Verossentlichäd, ie den„Schwenen Jeltung“ grchwoerdiadtiche Aoost.— Dia „Schwerter Zeitung“ gewöbri ihres Abosarsun s0: jeden uun Teh endenden Uafal or. Hagunges; 300 Mk. Unfall: Druck u. Verlag o. Car Browz. Schworne.=RutHonin S8. Leieg.=Adr. raus Schmuno=Robe) Nr. 235. Donnerstag, den 7. Oklober 1915. 47. Jahrgang. Die Entscheidung auf dem Balkan! Vergebliches Altsturmen der Fratizosen. Deutschlands Vverhaud im,Tuftnampf. Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Außland und Bulgarien. Eine deutsche Erklärung. Protest in Athen gegen die Landung in Saloniki. :: Unmittelbar, nachdem in Berlin bekannt geworden war, daß die Landung englisch=französischer Truppen in Saloniki begonnen hatte, hat unsere Regierung gegen diese brutale Verletzung der griechischen Neutralität bei der Regierung des Königreiches Vexwahrung eingelegt. Darüber wird in folgender, durch WTB. verbreiteter Auslassung Mitteilung gemacht: Am Montag nachmittag haben die Vertreter der Entente in Sofia an die bulgarische Regierung die Forderung gerichtet, binnen 24 Stunden die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland und Oesterreich=Ungarn abzubrechen und sämtliche(übrigens gar nicht vorhandenen) deutschen Offiziere, aus der bulgarischen Armee zu entlassen. Es sind, wohlgemerkt, die Vertreter der drei Mächte, die unter dem Motto„für Freiheit und Recht, für den Schutz und die Unabhängigkeit der kleinen Staaten in den Kampf gezogen sind“, die diese in das Selbstbestimmungsrecht Bulgariens tief einschneidende Forderung gestellt haben. Die bulgarische Regierung wird die gebührende Antwort auf die Zumutung zu finden wissen, die das wahre Gesicht der Entente enthüllt, die von hohlen Phrasen über die humanitären und völkerbef imden Ziele des gegenwärtigen Krieges, erfließt, alle ihre schönen Grundsätze ab, fallen läßt, sobald sie glaubt, daß das ihren Juteressen dienlich ist. Gleichzeitig mit dieser diplomatischen marche in Sofia haben unsere Gegner der griechischen Regierung die beabsichtigte Ausschiffung französischer und englischer Truppen in Saloniki, angeblich zur Unterstützung Serbiens, notifiziert. England hat sich durch diesen Schritt selbst die heuchlerische Maske vom Gesicht gerissen, mit der es seit Beginn des Krieges die Verletzung der belgischen Neutralität dazu benutzt hat, um in der ganzen Welt in der würdelosesten Weise gegen Deutschland Stimmung zu machen. Wie verschieden aber liegen die beiden Fälle: Im Falle Belgiens war das Vorgehen Deutschlands durch den drohenden französischen Vormarsch begründet: es handelte sich um Notwehr in einer Lebensfrage für das deutsche Reich. Die Verletzung der griechischen Neutralität durch Frankreich und England ist ein Völkerrechtsbruch lediglich zur Wahrung egoistischer Interessen. Weder hätte die Eristenz Frankreichs oder Englands auf dem Spiel gestanden, wenn die Landung unterblieb, noch hatte die Entente Gründe für die Annahme, daß eine Verletzung der griechischen Neutralität durch ihre Gegner geplant war. Auch ist die Hilfeleistung an Serhien nur ein Vorwand. Der wahre Grund ist, Serbien in seinem Widerstand gegen Deutschland und Oesterreich= Ungarn zu ermutigen, damit es sich, ebenso wie Belgien, auf dem Altar der Interessen der Entente weiter verblutet. Deutschland soll der Weg nach Konstantinovel mit Hilfe Serbiens verlegt werden, nachdem der Versuch, den Bundesgenossen des Deutschen Reiches und Oesterreich=Ungarns an den Dardanellen niederzuringen, dank des heldenmütigen Widerstandes der ottomanischen Armee gescheitert ist. Dieses militärische Fiasko vor der öffentlichen Meinung der eigenen Länder zu verschleiern, ist die Ueberführung der englischen und französischen Truppen auf griechisches Gebiet gleichfolls bestimmt. Die griechische Regierung hat gegen die Verletzung ihrer Territorialhoheit durch England und Frankreich Protest erhoben. Die kaiserliche Regierung hat in Athen zegen die Zulassung der Landung, WTB Petersburg, 6. Okt.(Ueber Kopenhagen.) Nach einer Meldung der Petersburger Telegraphen=Agentur aus Sosia vom 5. Oktober ist die Antwort der bulgarischen Regierung auf das russische Ultimatum dem russischen Gesandten um 2 Uhr 40 Min. nachmittags übergeben worden. Da ihr Inhalt unbefriedigend war, hat der russische Gesandte dem bulgarischen Ministerpräsidenten den Abbruch der diplomatischen Beziehungen notifiziert. Der Schutz der Interessen der russischen Untertanen ist dem Königlich Niederländischen Geschäftsträger anvertraut worden. Deutscher Tagesbericht. wtb. Großes Hauptquartier, 6. Oltober 1915. Westlicher Kriegsschauplatz An den Höhen nordöstlich von Neuville wurden französische Handgranaten=Angriffe abgewiesen. In der Champagne versuchten die Franzosen auch gestern auf der bisherigen Angriffsfront die Offensive wieder aufzunehmen. Mit starkem Artilleriefeuer, das sich mehrfach zu großer Hestigkeit steigerte, glaubte der Feind unsere Stellung für den allgemein beabsichtigten Angriff sturmreif machen zu können, während er auf der ganzen Front seine Sturmtruppen bereit stellte. Unter unserem auf der feindlichen Ausgangsstellung liegenden Artilleriefeuer gelang es den Franzosen nur an einzelnen Stellen, ihre Truppen zum Sturm vorzubringen, und wo sie stürmten, wurden sie unter schweren Verlusten zurückgeworfen. So brachen die an der Straße SommePy= Souain mehrfach wiederholten starken Augriffe gänzlich zusammen. Auch nördlich wie nordöstlich der Beau Sejour=Ferme und nordwestlich von Ville=sur=Tourbe waren die Angriffe völlig wirkungslos. In dem englischen Bericht vom 1. Oktober 1915 wird behauptet, daß die Engländer im Luftkampf die Oberhand über unsere Flieger gewonnen hätten; hierüber gibt folgende Zusammenstellung den besten Aufschluß: Im Monat September sind an deutschen Flugzeugen verloren gegangen: Im Luftkampf ###irt, die mit der von Griechenland bei Beginn des Krieges verkündeten Neutralität im Widerspruch stehen würde. Die Antwort der griechischen Regierung auf die deutschen Vorstellungen liegt noch nicht vor. Es eröffnet sich jetzt ein neues Kapitel in der militärischen Geschichte diese“ Krieges; so bilden die jüngsten Demarche.. der Entente in Sofia und Athen das Schlußwort zu einem Kapitel in der diplomatischen Geschichte der Entente, das die Nachwelt einmal mit dem Motto versehen wird:„Geschichte der Heuchelei". 3, vermißt 2, durch Abschuß von der Erde aus 2, im ganzen 7 Flugzeuge. Im gleichen Zeitraum verloren unsere Gegner, Engländer und Franzosen, im Luftkampf: Engländer 4, Franzosen 11, durch Abschuß von der Erde aus: Engländer 1, Franzosen 4, durch Landung in und hinter unseren Linien: Engländer 3, Franzosen 7. Im Ganzen: Engländer 8 und Franzosen 22, zusammen 30 Flugzeuge. Oestlicher Kriegsschauplatz Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Der Feind hat gestern zwischen Dryswjaty=See und Krewo erneut zu größeren Angriffn angesetzt; sie sind abgeschlagen oder im Feuer zusammengebrochen. Anfangs erzielte der Feind bei Kosjany und hart südlich des Wiszniew=See Erfolge. Durch Gegenangriffe wurde die Lage für uns, unter schweren Verlusten für den Feind, wieder hergestellt. Heeresgruppe des General=Feldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern und Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Die Lage ist unverändert. Heeresgruppe des Generals von Linsingen. In der Gegend westlich von Czarlorysk haben sich Kämpfe entwickelt. Oberste Heeresleitung. Oesterreichischer Tagesbericht. WTB Wien, 7. Okt. Amtlich wird verlautbart vom 8. Oktober mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Keine Veränderung. Italienischee Kriegsschauplatz. Auf der Hochsläche von Vielgereuth wurde um Mitternacht ein starker italienischer Angriff, der stellenweise nahe an unsere Hindernisse herankam, restlos abgewiesen. Südöstlicher Keiegsschauplatz. Nichts neues. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoeser, Feldmarschall=Leutnant, Die österreichisch=italienische Front. *** eend Peher echer er #e e W h Vor einem neuen Balkankriege. Das Schwert hat das Wort! WTB Budapest, 7. Okt.(Nichtamtlich.) Nach hier eingetroffenen Nachrichten aus Sosia veröffentlicht das Organ Radoslawows,„Narodnt Prawa“, einen Artikel, der betitelt ist:„Das Schwert hat das Wort!“ und in dem an das Manifest des Königs an die Soldaten vor zwei Jahren erinnert wird. Das Wort des Königs, sagt das Blatt, daß wir unsere Wassen für bessere Zeiten und Tage aufsparen sollen, bezog sich auf die jetzige Zeit. Wir entfalten nunmehr unsere Fahnen, die Nation schart sich um das Panier, auf das der Ruhm des Vaterlandes und die Freiheit Mazedoniens geschrieben ist. Noch ist das Zeichen zum Aufbruch nicht gegeben, aber die Luft bebt schon vor dem Rufe. Vorwärts bulgarische Soldaten! Die Diplomaten sind mit ihrem Latein zu Ende. Das bulgarische Schwert muß nun erweisen, daß es stärker ist, als Umtriebe der feindlichen Diplomaten.— Der feurige Appell des Blattes schließt: Bulgaren! Eure Sehnsucht wird in Erfüllung gehen, das Zeichen zum Aufbruch kann nicht mehr lange ausbleiben. Wichtige Besprechungen in Bulgarien. Budapest, 7. Okt. Die Blätter melden aus Sofia: Die Mitglieder des Kabinetts hielten in der Wohnung Radoslawows einen Ministerrat ab. Die Beratung dauerte von 8 Uhr abends bis spät nach Mitternacht. Die Kabinettsmitglieder verließen das Haus des Ministerpräsidenten erst gegen 3 Uhr früh, sodann erschien dortselbst der Hofmarschall General Sawow, der Generalissimus im Balkankriege, und hatte mit dem Ministerpräsidenten eine kurze Besprechung. Darauf fuhren beide mit dem königlichen Automobil nach dem Badeort Vranja, wo König Ferdinand zurzeit weilte. Dort angekommen, wurden beide vom König sofort in gemeinsamer Audienz empfangen. Die Beratung beim König dauerte von 5 bis 8 Uhr. Ministerpräsident Nadoslawow lud darauf die Gesandten Oesterreich=Ungarns, den Grafen Tarnowski, des Deutschen Reiches, Dr. Michelles, und der Türkei, Fehi Bey, zu einer Besprechung zu sich. Die Konserenz mit den Diplomaten endete nach 4 Stunden. Eröffnung der Feindseligkeiten? :: Die römische„Tribuna" berichtet aus Saloniki, daß zwei russische Geschwader den bulgarischen Hasen von Warna unter Feuer halten. /44 71 grabise shohe Krer Die Truppenlandungen in Salonikt. I7! i: Eine von der„Agence Havas“ verGörz LI breitete Note meldet, daß die Landung von IRESTe Truppen in Saloniki Dienstag Begannen Tegets Worten A-EiAtiscH baachc Jungz Wie Fropt habe. Seit mehreren Tagen hätten die verbündeten Regierungen ihre Beschlüsse festgelegt und die notwendigen Befehle erteilt. Die Note sagt ferner: Sie verhandelten zuerst mit der griechischen Regierung, die als noch neutrale Regierung Proteste erhob. Gleichzeitig bereiteten die französischen Offiziere in aller Freiheit die Landung von Truppen vor. Die französischen und en## 1— lischen Offiziere fanden sowohl bei den Zivilbehörden wie bei den Militärbehörden in Saloniki den herzlichsten Empfang und konnter sofort nach ihrer Ankunft ihre Arbeiten in aller Freiheit beginnen:-denn die öffentliche Meinung begriff die Nowwendigkeit der Unterstützung, welche die Verbandsmächte in diesen schwierigen Verhältnissen ihren 8 serbischen Freunden bringen, mit denen Griechenland übrigens durch einen Bündnisvertrag verbündet ist. Bulgariens Bereitschaft. TU Zürich, 6. Okt. Der Mailänder Berichterstatter der„N. Züricher Ztg.“ hatte Gelegenheit, einen über Zürich und Wien mit Akten nach Sofia reisenden Vertrauensmann der bulgarischen Gesandtschaft in Nom zu sprechen, der ihm auf seine Fragen u. a. antwortete: Rußland mag es versuchen, an der Küste des Schwarzen Meeres zu landen, es wird uns gerüstet finden. Wir fürchten Rußland nicht. Eine tiefe Erbitterung herrscht im Volk und die Erkenntnis ist allgemein, daß Rußland nie Etwas selbstlos für uns getan hat. Was es für Bulgarien tat, geschah in seinem eigenen Interesse. In Bezug auf Rumänien sagte der Vertrauensmann: Wir kennen heute die Rumänen vielleicht so gut wie noch nie. Die Haltung Rumäniens wäre gegeben, wenn Deutschland eine große Niederlage erleiden würde. Ich erinnere Sie an Rumäniens Haltung uns gegenüber, als wir in einer Lage waren, die den Rumänen gestattete, mühelos zu erreichen, was sie wollten. Im übrigen denken wir, daß der Zeitpunkt gekommen ist, um uns von Serbien zu holen, was uns gehört. Eine so günstige Gelegenheit wird kaum wiederkehren. Ueber die Bedrohung bei Varna und Saloniki äußerte der Gewährsmann: Glauben Sie wirklich an diese sagenhafte Landung bei Varna, an den titanenhaften Aufmarsch der Vierverbandsheere in Saloniki? Ich nicht, vorläufig wenigsten nicht. Rußland hat keine Armeen verfügbar, denn wenn es sie hätte, wären sie längst in Thrazien gegen die Türkei eingesetzt. Auch der Vierverband scheint mir nicht gerade auf Rosen gebettet zu sein. Der Bulgare ist hart und es heißt, Duuck macht noch härter. Wir verzagen nicht. Wir haben ja auch einige aktive Posten zu buchen. Ein Volk wie das unsere kann sich mit dem Abschluß des alten Bal kankrieges nicht zufrieden geben. Mag kommen, was da will! Vergessen Sie das eine nicht: Im mer und immer wieder ist es Mazedonien, um das wir kämpfen. In diesem Kampf hat der König sein Volk hinter sich. Der Tag der Vergeltung. Sofia, 6. Okt.(Meldung des Wiener K. K. Korr.=Bureaus.) Der Vizepräsident der Sobranje, Mentschikow, schreibt in der„Kambana“: Als Bulgarien vor zwei Jahren bereits erniedrigt, von allen Seiten überfallen und von Frankreich und Rußland beschimpft und von den beiden Verbündeten getäuscht, nicht wußte, wo Rettung zu suchen war, hat niemand geglaubt, daß Gottes Gerechtigkeit so nahe und der Tag der schrecklichen Vergeltung so bald kommen werde. Dieser Tag ist gekommen, wo der tückische serbische Erbfeind vertrieben werden soll, damit Bulgarien frei und von niemand gehindert, sich ruhig entwickeln kann. Jetzt oder nie muß Bulgarien groß und mächtig werden, zum Schrecken seiner Feinde, wo immer sie auftamchen! Jetzt muß jeder seine Bürgerpflicht erfüllen, damit das große nationale Ideal aller Bulgaren erreicht werde. Keine rumänische Mobilisation. London, 6. Okt. Ein verspätetes Telegramm der„Times“ aus Bukarest besagt, daß der rumänische Ministerpräsident eine Deputation von Mitgliedern der Oppositionspartei empfangen hat, die um sofortige Mobilisation ersuchte, um einer Umzingelung Rumäniens durch den Feind vorzubeugen. Der Ministerpräsident antwortete, daß eine Mobilisation nicht nötig sei, da seit dem Kronrat im vergangenen Jahre nichts geschehen sei, was Rumänien veranlassen könnte, eine Aenderung in seiner Haltung eintreten zu lassen. Rumäniens Haltung. bb Budapest, 7. Okt.„A Vilag“ meldet aus Bukarest: Der Bukarester serbische Gesandte besuchte Bratiann und den Minister des Aeußeren und verließ den ersten in erregter Stimmung. Nach einge weihten Kreisen bemüht sich der serbische Gesandte chon seit mehreren Tagen, die rumänische Regierung zu veranlassen, wegen der bulgarischen Truppenzusammenziehungen Einspruch zu erheben. Beide Minister sollen das Ansuchen abgelehnt haben. Die Haltung Griechenlands. WTB Sofia, 7. Okt. Trotz des französisch=eng= auf lischen Druckes auf Griechenland, der in den letzten Tagen die greifbar hartnäckigste Form annahm, sind die hiesigen Kreise wegen der Haltung Griechenlands keineswegs besorgt, da sie überzeugt sind, daß Griechenland im Hinblick auf Deutschlands und Oesterreichs Machtmittel vorerst im eigenen Inter esse auch für den Fall des serbisch=bulgarischen Zusammenstoßes die bisherige Neutralität bewahren wird. bb Sofia, 7. Okt. In maßgebenden Kreisen So fias hat die Landung in Saloniki keinen besonderen Eindruck gemacht. Bulgarien sei dank seiner Mobilisierung für alle Fälle bereit. Man nimm: an, daß die Landungg den Zweck habe, Bulgarien von der Realisierung seiner nationalen Notwendig keit abzuhalten. Der Vierverband suche Griechen land in seinen Bann zu zwingen, da er ohne dieses seine Aktion zu Lande gegen Tschadaldscha tund die Dardanellen nicht unternehmen könne. Es sei wenig wahrscheinlich, daß Griechenland den Alliierten zur Verwirklichung ihrer aggressiven Ziele dienen werde. Bei dem Konflikt zwischen Venizelos und dem König dürfte wohl, wie im März, der König siegreich bleiben. Griechenlands Mobilmachung. Köln, 7. Okt. Laut„Köln. Ztg.“ ist die griechische Mobilmachung glatt und ziemlich schnell sich gegangen. Schulen und Kirchen wurden zur Unterbringung der Truppen in Anspruch genom men. Das Volk und das Heer setzen Vertrauen in die Maßnahmen des Königs, überzeugt, daß dieser nur griechische Interessen verfolgt. Der Sitz Generalstabes ist Saloniki. Der Einspruch der deutschen Regierung. bb Berlin, 7. Okt. Gegen die Zulassung Landung englischer und französischer Truppen griechisches Gebiet bemerkt der„Berliner Lokal anzeiger“: Der deutsche Einspruch ist in Athen vielleicht erst eingetroffen, als Herr Venizelos schon aufgehört hatte, Ministerpräsident zu sein. Er behält natürlich, mag die Kabinettskrise ausgehen, wie sie will, so lange Gültigkeit, als Griechenland die Verletzung seiner Neutralität durch den Vie verband duldet. Die Italiener in Albanien. Aus Lugano meldet man der Frankf. Ztg. Endgültig steht nunmehr fest, daß die Italiener nicht in Mazedonien, sondern in Albanien Krieg auf dem Balkan eingreifen. Keine italienische Hilfsaktion. bb Genf, 7. Okt. Der Pariser„Temps“ meldet zensuriert aus Rom: Italien wird sich infolge der Unbestimmtheit der Kriegslage im Norden vorläufig an keiner Hilfsaktion auf dem Balkan beteiligen, womit die anderen Verbündeten sich verstanden erklärten. Venizelos' zweiter Sturz. Venizelos, der im März auch wegen seiner auswärtigen Politit, die Griechenland in das Lager der Entente führen will, zum ersten Mal# demissionierte, ist jetzt zum zweiten Male gestürzt worden. Von neuem hat sich König Konstantin gezwungen gesehen, sich von Venizelos zu trennen, den er aus Rücksicht auf die Verfassung im August als Nachfolger des bei den griechischen Wahlen unterlegenen Gunaris mit der Bildung des Kabinetts betraut hatte. Rücksicht auf den Staat, auf das Wohl und Wehe Griechenlands hat jetzt König Konstantin genötigt, den ententefreundlichen Ministerpräsidenten zum Rücktritt zu veranlassen.„ 1, Nuut Me Die ganze Pontil Venizelbs ging darhinaus, sich Engländern, Russen und Franzosen gefällig zu erweisen, das Königreich Griechenland fremden Staatsmännern widerstandslos zur Verfügung zu stellen. Nur zu deutlich war das aus dem lahmen Protest zu erkennen, der von ihm wegen der Truppenlandungen in Saloniki zur Kenntnis der Ententemächte gebracht wurde. Der Fortsetzung dieser Politik ist jetzt Ende gemacht worden. Freilich ist noch die Lösung des vor des in ein.—— 9 nicht zu übersehen, wie die Losung Konfliktes zwischen dem König und Venizelos aussehen wird. Sicher ist, daß auch der griechische Generalstab anders denkt als der gestürzte Minister, daß er mit dem König einer Meinung ist. * Die Rückkehr Gunaris' wahrscheinlich. :: Dem„Berl. Lok.=Anz. wird unter dem 6. Oktober aus Athen gemeldet: Das Demissionsgesuch von Venizelos hat hier nicht so überraschend gewirkt, wie das an anderen Stellen der Fall sein dürfte. Auch dieses Ereignis hat seine Schatten vorausgeworfen. Hier wird mit der Wiederkehr von Gunaris gerechnet. Die Mehrheit der jetzigen Regierung beträgt nur 30 Abgeordnete. Das ist keine überwältigende Majorität, zu deren Geringfügigkeit auch noch die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Absplitterung hinzukommt. Das griechisch=serbische Bünduis. )4 Für die Stellungnahme Griechenlands in der gegenwärtigen Balkankrise kann das Bündnis mit Serbien auch nach dem Sturze des Ministerpräsidenten Venizelos, der der Vater dieses Vertrages ist, nicht ohne Einfluß sein Venizelos hat sich über den Vertrag in der griechischen Kammer vor einigen Tagen wie folgt geäußert: Er werde von der serbischen Regierung die Ermächtigung zur Veröffentlichung des serbisch=griechischen Bündnisvertrages einholen, durch welchen Griechenland sich verpflichtet habe, in jedem Falle jede Macht, die, mit Bulgarien verbündet, Serbien angreifen würde, zu bekämpfen. (Ueber die Auslegung des Lundnisvertrages gehen in Griechenland die Ansichten auseinander. Das geht aus einem Bericht des„Secolo“ über die Sitzung der griechischen Kammer vom 3. Oktober hervor, 155 dort über den Vertrag lebhaft debattiert wurde. Das Blatt berichtet: :: Die Kammersitzung war sehr rebhaft. Venizelos, entschlossen, jede politische Erörterung zu vermeiden, wurde durch die Redder Opposition, von denen fünf das dreimal zu förmlichen ner Wort ergriffen, gezwungen, sprechen Er wiederholte den Protest wider die Truppenlandung der Entente in Saloniki, erntete hierfür den Beifall auch der Opposition und erklärte weiter, daß die Regierung mit aller Entschiedenheik entschlossen sei, den Bundesvertrag mit Serbien einzuhalten, der Griechenland verpflichte, jeder mit Bulgarien verbündeten Macht den Krieg zu erklären, welche Serbien angreift. Ueber die Auslegung des Bundesvertrages mit Serbien entspann sich eine äußerst lebhafte Aussprache, so daß die Sitzung unterbrochen und auf 11 Uhr abends vertagt werden mußte. Diese Sitzung hat nach einer„Times“= Meldung aus Athen bis morgens 5 Uhr gedauert. Die„Agence Havas“ meldet darüber noch: :: V e n i z e l o s e r k l ä r t e i n d e r K a m m e r, Griechenland werde die im serbisch=griechischen Vertrage festgesetzten Verpflichtungen schärfstens innehalten, selbst wenn sie Griechenland dazu führen soliten, gegen Deutschland Stellung zu nehmen, was er aufrichtig bedauern würde. Venizelos gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß es das Interesse Griechenlands sei, sich an die Seite des Vierverbandes zu stellen. Seine Erklärungen wurden mit 50 Stimmen Mehrheit gutgeheißen. Die mohammedanischen Abgeordneten stimmten dagegen. Die Erklärungen hat Venizelos natürlich vor seiner Audienz beim König abgegeben, die zur Einreichung des Abschiedsgesuches führte. Es fragt sich noch sehr, ob überhaupt der Bündnisfall für Griechen= land gegeben sein wird. Denn bisher ist wohl von einer bulgarischen Mobilmachung die Rede, durchaus aber nicht von einem Angriffskrieg gegen Serbien. Im Gegenteil ist Bulgarien durch die in Saloniki gelandeten Ententetruppen sowie durch serbische Truppen an der bulgarischen Grenze bedroht, so daß aller Wahrscheinlichkeit nach dieser Krieg als ein gegen Bulgarien gerichteter Angriffskrieg zu betrachten ist, in dem. Griechenland keine Bündnispflichten zu erfüllen haben würde. Hinzu kommt, daß die bulgarische Regierung in Athen hat erklären lassen, daß ihr feindliche Absichten gegen Griechenland vollkommen fern liegen. 15 Kilometer vor Dünaburg. Haag, 6. Okt. Der Korrespondent der„Times“ meldet aus Petersburg: Die militärischen Behörden sprechen die Hoffnung aus, daß die Erfolge der Russen im Südosten von Dünaburg dazu beitragen werden, die gefährliche Lage der Stadt etwas zu bessern. Bislange bildete Dünaburg einen sehr gefährlichen vorspringenden Punkt, der der Umzingelungsbewegung des Feindes bloßlag. Jedoch ist auch heute die Stadt noch keineswegs von der Umzingelungsgefahr befreit, da der Feind noch das Gebiet im Südosten an der Strecke der Driswiatisümpfe besetzt hält und mit seiner Artillerie auf Schußweite von der Düna steht. Jedoch zwingt der Erfolg der Russen den Feind. sich gegen einen Flankenangriff zu schützen, was seine Operationen notwendig behindert. bb Berlin, 7. Okt. Von der russischen Grenze meldet das 8=Uhr=Abendblatt der„National=Ztg.“: Wie die Militärkritiker in Moskauer Blättern feststellen, haben sich die Deutschen den Werken von Dünaburg bis auf 15 Kilometer genähert. Das Artilleriefeuer ist hier teilweise immer noch sehr heftig. Die Deutschen setzen in bestimmten Abschnitten ihre Offensive mit der Sappe fort. Heftige Angriffe am Pruth. WTB Czernowitz, 7. Okt. An der bessarabischen Grenze, nordöstlich von Czernowitz, fand in der Im Schatten der Teterpaulsfestung. Roman von Hermann Gerhardt. 13 „Wundervoll!“ rief er begeistert aus, dabei aber nicht die sich verbeugenden Schauspieler, sondern Margarete anblickend.„Sie müssen zugeben, Fräulein Rittberg, daß Sie wohl kaum jemals so Vollendetes gesehen haben!“ Vor seinem brennenden Blick senkte Margarete die Augen, und es kostete ihr Ueberwindung, in unbefangenem Tone zu erwidern:„In der Tat, es war ein großer Kunstgenuß; aber ich habe noch zu wenig gesehen, um Vergleiche ziehen zu können.“ „Um so besser,“ entgegnete er,„dann steht Ihnen noch viel Schönes bevor. Alle großen Künftler kommen zu uns, sie wissen, daß wir nicht knikkerig sind und das wir sie nach Gebühr würdigen. Sind wir selbst auch nicht reich an produktiven Talenten, so fehlt es uns doch nicht an Verständnis für das, was andere Nationen leisten. Der Russe muß ein geborenes Genie sein, seine Kunst muß völlig von ihm Besitz ergriffen haben, wenn er Großes zustande bringen soll. Als jetzt der Vorhang von neuem in die Höhe ging, wandte sich Margarete mit Erleichterung wieder den Vorgängen auf der Bühne zu. Aber sie war nicht mehr ganz bei der Sache. Es war ihr unmöglich, auch nur für einen Augenblick die Gegenwart dieses rätselhaften Menschen zu vergessen, der als ein so bennruhigendes Element in ihr Leben getreten war. Weshalb nur fühlte sie sich von ihm abgestoßen? Er war doch die Liebenswürdigkeit selbst, voll Rücksicht und Aufmerksamkeit. Auch war er klug und interessant. Warinn konnte sie ihn nicht einfach so nehmen, wie er sich gab? Aber es half nichts, allen Argumenten zum Trotz blieb ihr dies eigentümliche Mißtrauen; eine Intuition, die bei manchen Frauennaturen förmlich zur Gabe des zweiten Gesichts werden kann. AnTobiesen hatte sie gar nicht wieder gedacht, bis er am Schluß der Vorstellung plötzlich vor ihr auftauchte, um ihr den Mantel umzugeben; eine blauen Augen blickten finster. Doch der Präekt trat dazwischen. „Geh, hilf Deiner Consine, Alexei,“ sagte er und nahm ihm den Mantel aus der Hand. Als Tobiesen sich gehorsam zu Katia wandte, hatte Rittberg ihr bereits die warme Hülle umgelegt; jetzt legte sie ihre Fingerspitzen auf den Arm ihres Vetters und ließ sich von ihm die breite Treppe hinunterführen. Im Vestibül redete er sie an:„Womit habe ich Dich gekränkt, Katia Michailowna; warum behandelst Du mich so schlecht?“ Sie zog die Augenbrauen in die Höhe und sah ihn mit einem kalten, stolzen Blick an:„Ich verstehe Dich nicht ganz Alexei Alexejewitsch, versetzte sie in eisigem Tone,„was verlangst Du eigentlich von mir? Du hast es für gut befunden, den ganzen Abend schlechter Laune zu sein und Dich so unliebenswürdig wie möglich zu machen, und nun beklagst Du Dich über mich! Es ist eines Gentlemans durchaus nicht würdig, sich so gehen zu lassen!“ „Katia!“ rief er außer sich,„Du gehst zu weit. Du könntest einen Meuschen dazu bringen, daß er sich Deinetwegen erschießt. Ein Narr bin ich, daß ich Dich lieb habe!“ „Und wer heißt Dich denn, mich lieb zu haben?“ gab sie trotzig zurück.„Ich verlange es gewiß nicht. Du verschwendest nur Deine Gefühle da, wo sie nicht gewürdigt werden.“ Als Katia diesen letzten Hieb austeilte, standen sie schon am Ausgange des Theaters; jetzt machte sie sich rasch von ihrem Begleiter los und sprang in den Wagen. Einen Augenblick schaute er sie mit einem heißen Blicke an; sein Schmerz und Zorn war so groß, daß ihm das Wort in der Kehle erstarb. Dann trat sein Onkel mit Fräulein Rittihnen berg am Arm aus dem Theater und hinter drein kam Werner. „Leb wohl, Katia!“ hörte sie ihn halberstickt sagen, dann wandte er sich rasch ab und war in der Menge verschwunden. „Wo ist Alexei?“ war die erste Frage des Präfekten, als sich der Wagen in Bewegung setzte. „Er ist fort, Papa.“ Katia sprach in absichtlich unbefangenem Tone. „Fort? Weshalb denn? Er fährt doch sonst immer mit uns, warum denn heute nicht?“ „Woher soll ich das wissen, Papa? Vielleicht hatte er sich mit jemand verabredet.“ „Oder vielleicht habt Ihr Euch gezankt?“ warf Biruleff trocken hin. Katia antwortete nicht. Da lachte der Präfekt.„Ihr seid ein paar törichte Kinder! Aber das kennt man schon. Dem Jungen wirds halt einen Schmuckgegenstand kosten unddann seid Ihr für ein Weilchen wieder die reinen Turteltauben.“ Eine Zeitlang schwiegen alle. Man fuhr einen der Kais entlang; zur Linken lag das schwarze Wasser, in welchem sich zitternde Lichter spiegelten, zur Rechten hoben sich die dunklen Häusermassen gegen den indigofarbenen Himmel ab. Zu dieser Jahreszeit glich Petersburg fast einer Stadt der Toten. Endlich ergriff der Präfekt wieder das Wort; in dem er den Hut vom Kopfe nahm, machte er eine Bemerkung über die seltene Schönheit des Abends. Bald darauf hielt der Wagen vor seinem Hause und man treunte sich. 10. Kapitel. Nachdem man ein paar genußreiche Tage mit Besichtigen der Petersburger Sehenswürdigkeiten hingebracht, sollte der letzte Tag den„Inseln" gewidmet werden. Ueber das Weichbild der Stadt hinaus ging die Fahrt durch Parks und schattige Alleen, dann weiter ins Freie, an Weideland und Seen vorüber, bis das„kaiserliche Tivoli“ erreicht ward, eine Villenkolonie vornehmsten Stils, wo die Großen und Reichen ihre Sommerresidenzen aufgeschlagen haben, und von wo der Blick bis an das offene Meer schweift.— Nachdem die beiden Rittbergs und Katia auf der Terrasse einen Imbiß eingenommen, waren sie an den See hinuntergegangen, wo sie sich damit vergnügten, den Schwänen zuzusehen und dem Plätschern des Wasserfalls zu lauschen. Schon begannen die Schatten länger zu werden und noch immer mochten sie sich von dem idyllischen Fleckchen nicht trennen; da erklang Hufschlag, und aus einer der Alleen tauchte ein Reiter auf. „Da ist ja Papa!“.rief Katia aus. 231,16 Die andern hörten es, ohne überrascht zu sein; waren sie es doch allgemach gewohnt, ihn plötzlich und unvermutet auf der Bildfläche erscheinen zu sehen. Auch legte ihnen seine Gegenwart kaum eineu Zwang auf, was größtenteils der taktvollen Klugheit seines Benehmens zuzuschreiben war. Mit feiner Menschenkenntnis hatte er herausgefühlt, das Margarete durch allzu deutliche Huldigungen und Schmeicheleien nicht zu gewinnen sei. Deshalb hatte er ihr gegenüber ein zwar verehrungsvolles, dabei aber reserviertes Wesen angenommen. Gegen Katia war er ganz der liebevolle, nachsichtige Vater, und Rittberg behandelte er wie einen geschätzten Freund, auf dessen Meinunger Wertlegte. Seine Tochter war ihm freudig entgegengeeilt. Nachdem er die Geschwister begrüßt, zog er sie zu sich heran, indem er den Arm um ihre Taille legte. Sein Gesicht hatte einen ernsten Ausdruck augenommen:„Ich habe Dir etwas mitzuteilen, Kind, was Dich, wie ich fürchte, betrüben wird. Alexei Alexejewitsch hat sich in ein Regiment versetzen lassen, das morgen nach dem Kriegsschauplatz abgeht! Er hat deshalb noch vielerlei Vorbereitungen zu treffen und wird heute nicht bei uns speisen können, will aber im Laufe des Abends noch auf einen Augenblick vorsprechen. Ich muß gestehen, es freut mich, daß der Junge diesen Schritt getan hat. Es wird eine gute Schule für ihn sein. nähe des Pruthufers heute nacht ein äußerst heftiger Angriff der Russen statt. Der Angriff dauerte von 9 Uhr abends bis Mitternacht. Die Russen stürmten fünfmal. Sämtliche Angrisfe wurden glatt abgewiesen. Die Russen erzielten nirgends irgendwelchen Erfolg. An einer Stelle beabsichtigin sie, den Pruth zu durchschwimmen und unsere in der Nähe der russischen Grenze befindlichen Steltungen anzugreifen. Viele russische Soldaten ertranken dabei im Pruth. Deutsche U=Boote im Schwarzen Meer. Petersburger Blätter berichten neue Einzelheiten über die rege Tätigkeit deutscher U=Boote im Schwarzen Meer. Ein Unterseeboot tauschte an der Küste der Krim=Halbinsel, südlich von Sebastovol, ungefähr in der Höhe des Kap Chersones, mehrere Schüsse mit einer Küstenbatterie aus, brachte ein Geschütz zum Schweigen und verschwand dann wieder in füdlicher Richtung. Es zerstörte ferner einen Leuchtturm, mehrere andere Strandhatterien und versenkte eine große Zahl von Handelsschiffen.— Der Marinemitarbeiter des Blattes spricht in einer Notiz seine größte Anerkennung der Taten dieses deutschen Tauchbootes aus. Der Fachmann bewundert den unglaublichen Mut und die ungewöhnliche Ausdauer, die die Mannschaft des Tauchbotes an den Tag gelegt hat. Der Aktionsradius der deutschen Tauchboote scheine tatsächlich ein unbegrenzter geworden zu sein. Der Riieg heren Fichnech. Der gebremste Durchbruch. WTB Bern, 6. Okt. In einer Besprechung der Kriegslage stellt Stegemann im„Bund“ fest, daß die große englisch=französische Offensive noch immer feststecke. Der Versuch des Durchbruchs sei als mißlungen anzusehen. Ueber den Charakter des großen Angriffes heißt es u. a.:„Nach unserer Schätzung sind bei diesem gebremsten Durchbruch an 2 Millionen Schuß im Trommelfeuer verschwendet und über 30 Divisionen zum Sturme vorgeworfen worden. Wie dieser gemeint war, und daß er nicht bei Loos und Tahure enden sollte, erhellt aus dem Tod und der Gefangennahme höherer Offiziere, die sich an die Spitze der Truppen setzten, um Weg und Richtung anzugeben und sie zum Siege fortzureißen. Nicht nur den ersten schlimmen Moment, sondern auch eine schlimme Woche hat die deutsche Defensive überstanden. Sie konnte sogar zum Gegenstoß übergehen, kurz, der englisch=französischen Generaloffensive in einer Weise begegnen, die dieser die Bedautung einer entscheidenden Kriegshandlung zugunsten des Vierverbandes nimmt“ Enttäuschung über die Westoffensive in Frankreich. TU Haag, 7. Okt. Das Fehlschlagen der großen Westoffensive wird nunmehr in Frankreich als Tatsache angesehen und ruft dort eine allgemeine Enttäuschung und Mutlosigkeit hervor. Für das Unternehmen in Saloniki hat man in Frankreich kein Verständnis und betrachtet es als ein reines Interesse Englands. Mehrere Zeitungen äußern Bedenken gegen die neuen Balkanoperationen. Dei Kiieg gegen Imten. Der Winterfeldzug in den Alpen. Cardonas Wetterberichte erhalten jetzt, wo der grimme Winter seinen Einzug in die Alpenregionen gehalten hat, einen tragischen Beigeschmack. Die Schwierigkeiten in der Kriegszone werden jetzt wirklich ungeheuer. Der„Corriere della Sera“ meldet: Der Winter habe bereits mit heftigen Schneestürmen und schneidender Eiseskälte eingesetzt, so daß die Soldaten im Hochgebinge fortwahrend der Gefahr des Erfrierens ausgesetzt seien. In ruhiger Haltung im Freien zu verweilen oder zu übernachten, sei unmöglich. Man müsse daher in den Operationszentren warme Unterkunftsräume mit allen nötigen Erfordernissen anlegen. Die Transporte seien überaus schwierig und langsam geworden. Ebenso aber auch die Märsche der Truppen, wodurch alle militärischen Operationen auf das äußerste erschwert und gehemmt werden. Bei Amgehungsmanövern laufen die auf die anderen wartenden Kolonnen immer Gefahr, zu erfrieren: Außerdem setze die Langsamkeit des Marsches, im Verein mit der größeren Zielmöglichkeit auf den Schneefeldern die Truppen allzusehr dem feindlichen Feuer aus.— Wie der„Times“, aus Mailand berichtet wird, stehen die Laufgräben am unteken Isonzo und in der Gegend von Görz völlig unter Wasser. einer nutzlosen Aufopferung geworden ist. Wie es mit der englischen Führung bestellt war, dafür gibt die Gefangennahme des englischen Generals B. ein bezeichnendes Beispiel. Dieser war samt seinem Stabe vollkommen außer Fühlung mit seinen Truppen geraten u. hatte sich in der Meinung, vor den von ihm für geschlagen gehaltenen Deutschen völlig sicher zu sein, in dem Unterstand eines deutschen Hauptmanns zur Rast niedergelassen. Davon daß die hier vorübergehend eingedrungenen Engländer schon längst teilweise aufgerieben und teilweise in eiligster Flucht zurückgegangen waren, hatte dieser Divisionsstab keine Ahnung bis zu dem Augenblick, wo einige schlesische Kriegsfreiwillige mit Handgranaten vor dem Unterstand erschienen und den in Siegesträumen schlafenden Generalnebst seinem kartenspielenden Stabe gefangen nahmen. 61. 4. Auch eine englische Offensive. Nach der Londoner Zeitung„Daily Mail“ kann die englische Kriegsgeschichte einen neuen mutund ruhmvollen Angriff verzeichnen. Londoner „Gentlemen“, brachen in die deutsche Kirche am Montpellier Place ein, während der Pastor vor dem Altar stand, verlangten von ihm Proteste gegen die Zeppelinangriffe und mißachtende Aeußerungen über den deutschen Kaiser. Als der Pastor sich entschieden und würdig weigerte, beleidigte einer der britischen Helden mit brüllender Stimme den Kaiser und verließ darauf mit seinen Kumpanen das Gotteshaus; draußen randalierten die Herren weiter und erwarben sich somit den ihnen zustehenden Lorbeer, den die„Daily Mail“ ihnen flicht. Ermordung des englischen Konsuls in Ispahan. TU Konstantinopel, 6. Okt. Der englische Konsul in Ispahan, der einstigen Hauptstadt Persiens, wurde von Anhängern des heiligen Krieges getötet. Ferner wurden sämtliche englischen Truppen des dortigen Konfulats von persischen Kämpfern für den heiligen Krieg umgebracht. Ispahan ist der Durchgangspunkt für die Karawanen von Persien nach Afghanistan, für die englische Geltung also ein wichtiger Platz. Ueber die Lage in Indien. WTB London, 6. Okt. Neuter meldet aus Simla: Der Vizekönig sagte bei der Schließung des gesetztgebenden Nates, die Truppen an der indischen Grenze würden häufig von fanatischen Stämmen angegriffen. Die Angriffe seien stets mit beträchtlichen Verlusten abgeschlagen worden. Die Stämme innerhalb der indischen Grenze seien gänzlich untätig geblieben. Auch Afghanistan habe seit Beginn des Krieges seine Neutralität gewahrt. In Persien herrsche eine große Unruhe. Der Vizekönig sprach die Ansicht aus, daß das Ende des Krieges binnen wenigen Monaten in Sicht sein werde. Hesperian bestimmt auf eine Mine gelaufen. Rotterdam, 6. Okt. Aus Washington meldet Reuter, daß die Marineoffiziere Sprengstücke, die an Bord der„Hesperian“ gefunden worden sind, untersucht haben und fest überzeugt sind, daß der Dampfer einer Mine zum Opfer gefallen ist. Ihr Bericht wird diese Woche dem Marinesekretär Daniels vorgelegt werden. Spaniens Einladung an die Kriegführenden. Ministerpräsident Dato erklärte in einer öffentlichen Rede: Spaniens König und Volk wünschten, daß die Kriegführenden die spätere Friedenskonferenz in Spanien abhielten. Dieser Wunsch ist in Rücksicht auf die geographische Lage, noch mehr aber auch wegen der ehrlichen Neutralität Spaniens verständlich. Ferner erklärte Dato, daß Spanien beim Friedensschluß darauf bedacht sein wolle, sich einer bestimmten Mächtegruppe anzuschließen, damit es nicht, wie jetzt im Weltkriege, völlig vereinsamt dasteht. Auch dieser Wunsch ist verständlich. Del Ktieg dei Aarhei. Der Krieg gegen Englend. Ein wichtiger Kabinettsrat in London. Aus Amsterdam wird gemeldet: Am Montag nachmittag wurde in London eine Kabinettssitzung abgehalten. Kurz vor dem Zusammentritt des Kadinetts empfing Sir Edward Grey die Botschafter Nutzlands, Frankreichs und Italiens. Vormittags lam der Kriegsausschuß des Kabinetts zu einer Besprechung zusammen, an der die Minister AsFnith, Lloyd George, Kitchener, Balfour, Churchill, Grey, Lansdowne, Bonar Law und Carson teilnahmen. Die englische Führung hat versagt. Der Sonderkriegsberichterstatter der„Deutschen Tczeszeitung“, W. Scheuermann, meldet aus dem broßen Hauptquartier: Unter den englischen Gesangenen hört man sehr viele Klagen darüber, daß nre Führung in einem Maße versagt hat, daß alle persönliche Tapferkeit des gemeinen Mannes zu Scheitern des Dardauellen= Unternehmens. bb Sofia, 6. Okt. Hier sind sichere Nachrichten eingetroffen, wonach die Entente bereits begonnen hat, die Truppen von der Halbinsel Gallipoli zu. rückzuziehen. Es gilt als sicher, daß der Vierverband das Dardanellen=Unternehmen als endgültig gescheitert ansieht. Das Riesenlazarett Malta. Athen, 6. Okt. Der Abtransport der vor den Dardanellen verwundeten und erkrankten Truppen nach Malta, der seit Mai in regelmäßigen Abständen erfolgt, hat die ganze Insel in ein einziges großes Lazarett verwandelt. Alle provisorisch eingerichteten Feldlazarette sowie sämtliche öffentlichen und privaten Gebäude sind mit australischen und indischen Soldaten überfüllt. Alle Bewohner der Insel, soweit sie wirtschaftlich dazu imstande waren, haben bereits vor längerer Zeit ihre Wohnungen verlassen und sind nach dem Festlande übergesiedelt. Die sanitären Einrichtungen lassen viel zu wünschen übrig, und das Sanitätspersonal ist an Zahl viel zu klein, um eine sorgfältige Pflege der Verwundeten durchzuführen. Weibliche Hilfskräfte sind mit Ausnahme der aus Serbien eingetroffenen amerikanischen Pflegerinnen fast gar nicht vorhanden. Die Bemühungen der Behörden, freiwillige Krankenpflegerinnen aus England zu erhalten, sind fehlgeschlagen, so daß eine Wendung zum Besseren vorläufig nicht zu erwarten ist. Aus Stadt und Umgedung. Rückblicke aus den Weltkrieg. 7. Oktober. Die Beschießung von Arras.— Der Kampf um Antwerpen. Die Beschießung der französischen Stadt Arras, am 7. und 8. Oktober mit fast 3000 Geschossen, richtete große Verheerungen in der Stadt an; diese waren aber nicht zu vermeiden, nachdem die Franzosen diese Stadt zum Stützpunkt ihrer Operationen gemacht hatten.— Im Sundgau versuchten die Franzosen am 7. Oktober wieder einmal ihr Heil, indem sie auf der Linie Pfetterhausen—Sept vorbrachen; sie wurden mit großen Verlusten zurückgeschlagen.— Vom 5. Oktober an hatte die Verteidigung Antwerpens in den Händen der Engländer gelegen, aber auch sie konnten das Schicksal der Festung nicht mehr wenden. Am 7. Oktober, nachmittags 4 Uhr, ließ General von Beseler den Kommandanten und die Behörden Antwerpens von der bevorstehenden Beschießung der Stadt verständigen. General de Guise erklärte, daß er die Verantwortung für die Beschießung übernehme, und so begann diese um Mitternacht. Als des Morgens 8 Uhr 420 Granaten in die Stadt gefallen waren, flohen zuerst die Engländer(!), ermahnten aber die Belgier zum Ashalten. Am 8. Oktober, morgens 10 Uhr, wurde einem deutschen Parlamentär die Antwort, daß die Stadt sich noch nicht zu ergeben gedenke, und nun murden weitere 800 Schuß abgegeben. Am Abend hatte auch die belgische Armee genug und floh in Auflösung. Mit ihnen floh vor den Granaten und den an vielen Stellen ausbrechenden Feuern die Bevölkerung, meist kopflos, sinnlos in wilder Hast. Mitten im Gedränge erschien das Königliche Auto mit dem König und der Königin, die ebenfalls flüchteten. Der Hofzug konnte der deutschen Fliezer wegen nicht mehr benutzt werden. Zuletzt zündeten die Belgier noch die großen Petroleumtanks an, deren Rauch sich über der Stadt lagerte. Die Forts der inneren Linie um Antwerpen wurden von den Deutschen rasch niedergenungen, am 8. Oktober abends waren diese bereits Sieger. In der Nacht, die diesem Tage folgte, zogen die belgischen Truppen über St. Nicolas und Brügge dicht unter der niederländischen Grenze nach Westen ab, soweit es ihnen noch mögzlich war. Viele Teile der Armee mußten nach Holland übertreten, das von Flüchtlingen geradezu überschwemmt wurde. **(Die schwierige deutsche Kartoffel.) Es darf nunmehr als sicher gelten, daß noch im Laufe dieser Woche der Bundesrat eine Verordnung zur Regelung des Verkehrs mit Kartoffeln im neuen Erntejahr erlassen wird. Im Reichsamt des Innern hat gestern eine Sitzung der in Frage kommenden Abteilungsvertreter der verschiedenen Regierungsstellen stattgefunden. Es wurde ein Entwurf ausgearbeitet, der zunächst den Bundesratsausschuß bei seiner unmittelbar bevorstehenden Zusammenkunft beschäftigen wird. Die Vollsitzung, die alsdann die Kartoffelordnung endgültig annehmen soll, ist für Ende dieser Woche in Aussicht genommen. Der dem Bundesrat zugegangene Entwurf vermeidet es, die natürlichen Verhältnisse in der gegenwärtigen Kartoffelindustrie durch einschneidende Maßnahmen zu verfolgen. Allerdings werden für die neu bestellten Kartoffelmengen die Preise durch den Bundesrat festgesetzt werden. Es ist nunmehr so viel um die Kartoffel herumgeredet worden, daß das deutsche Volk wohl endlich eine klare und vernünftige Entscheidung erwarten darf. Der ungeheure Ueberschuß der Ernte gegenüber dem Verbrauch als notwendiges Nahrungsmittel läßt sich doch von keiner „Erwägung“ aus der Welt schaffen. Also zuerst das Volk, und erst dann die anderen„Interessenten“! Ueber die Kartoffelfrage wird weiter gemeldet: Vom Generalsekretär des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften Deutschlands, M. Stegerwald=Köln, erhält die„Köln. Volksztg.“ folgende Zuschrift: Die Verhandlungen zwischen den Vertretern der westdeutschen Konsumenten und dem Reichsamt des Innern haben vergangenen Montag in Berlin stattgefunden. Ueber das Engebnis können Einzelheiten noch nicht veröffentlicht werden. Es wird in kurzer Zeit durch die Reichsregierung geschehen. Einstweilen kann den Konsumenten nur angeraten werden, höhere Preise als 3.50 Mk. für den Zentner frei Keller für gute Speisekartoffeln unter keinen Umständen zu bezahlen und für den Fall, daß zu diesem Preis gute Kartoffeln nicht zu erhalten sind, mit der Einkellerung des gesamten Bedarfs noch so lange zu warten, bis die endgültigen Beschlüsse des Bundesrates zur Kartoffelversorgung veröffentlicht sind. Die nächsten Tage werden darüber Klarheit bringen. Obige Ausführungen beweisen deutlich, wie richtig die hies. Stadtverwaltung und die betr. Kommission gehandelt haben, in der Frage der Kartoffelversorgung der Bürgerschaft zunächst eine abwartende Stellung einzunehmen. **(Achtung!) Die für morgen einberufenen Landsturmleute und Rekruten seien darauf aufmerksam gemacht, daß sich die Straßenbahnverwaltung bereit erklärt hat, morgen früh besondere Wagen zu stellen, die um 4 ½ Uhr vom Marktplatz abfahren. Auch für die Einberufenen von Westhofen ist von der Straßenbahn für Fahrgelegenheit *(Ueber die Verschrotung von Brotgetreide zu Futterzwecken) ist jetzt eine neue Verordnung erlassen worden. Danach darf die Reichsgetreidestelle Brotgetreide, das ihr gehört, zu Futterzwecken verschroten lassen. Die Pflicht der Kommunalverbände zur Lieferung der festgesetzten Getreidemengzen erstreckt sich auch auf das nichtmahlfähige Getreide. Die Reichsgetreidestelle ist befugt, nichtmahlfähiges Brotgetreide zu. Futterzwecken verwenden oder verarbeiten zu lassen. Die Kommunalverbände dürfen ohne Genehmigung der Reichsgetreidestelle auch nichtmahlfähiges Brotgetreide nicht zu Futterzwecken aus der Beschlagnahme freigeben oder verschroten lassen. Die Reichsgetreidestelle stellt das aus ihrem Brotgetreide hergestellte Futterschrot entsprechend den Verteilungsbestimmungen, die von der Reichsfuttermittelstelle mit Zustimmung der Abteilung des Beirats für Kraftfuttermittel erlassen werden, den Kommunal= verbänden zur Verwendung in ihren Bezirken zur Verfügung.— Die neue Verordnung tritt mit ihrer Verkündigung in Kraft. **(Personalie.) Herrn San.=Rat Dr. Haver, der als Senior der hiesigen Aerzte erst vor kurzer Zeit sein 50jähriges Arzt=Jubilium feiern konnte, ist der Charakter als Geheimer Sanitäts=Rat verliehen worden. Wir sprechen unserm allseits beliebten Mitbürger, der gegenwärtig als leitender Arzt in dem Reserve=Lazarett in Brünninghausen tätig ist, zu dieser Auszeichnung unseren besten Glückwunsch aus. ** Erhöhung der Kriegsunterstützungen.) Au das an den Reichskanzler gerichtete Ersuchen des Reichsverbandes deutscher Städte auf Erhöhung der Unterstützung für die Familien der Kriegsteilnehmer ist die Nachricht eingegangen, daß eine Erhöhung vom 1. November in Aussicht genommen ist. **(Erstattung des Fahrgeldes an beurlaubte Mannschaften.) Mannschaften, denen nach den Erlassen vom 20. Juni und 1. September freie Eisenbahnfahrt bei Beurlaubungen zusteht und die in der Zeit vom 1. bis 20. Juli diese Fahrten selber bezahlt haben, sind die Fahrkosten in Höhe des Militärtarifs— einschließlich etwaigen Schnellzugszuschlages— von ihren Truppenteilen zu ersetzen. **(Einen empfindlichen Verlust) erlitt gestern abend ein im kath. Krankenhaus befindlicher Verwundeter. Auf dem Wege von der Poststraße zum Hospital verlor er sein Portemonnaie mit 3,50 Ml. Dieser Geldverlust wäre nun wohl leichter zu verschmerzen, aber in der Geldbörse befand sich auch das Eiserne Kreuz, welches dem tapeferen Krieger erst am Sonntag überreicht worden war. Hoffentlich wird der wackere Vaterlandsverteidiger recht bald wieder in den Besitz seines militärischen Ehrenzeichens gelangen. **(Sinken der Schweinepreise?) Wie aus Köln gedrahtet wird, wies der dortige Viehmarkt gestern den höchsten Auftrieb in diesem Jahre auf. Der Schweinepreis sank wiederum, und zwar um vier Pfennige für das Pfund Lebendgewicht. Auch die Großviehpreise zeigten Neigung zum Fallen. Hoffentlich bleibt diese erfreuliche Tatsache nicht ohne Einfluß auf die anderen Viehmärkte. **(Zigarren= und Tabaksteuer.) Der„Voss. Ztg.“ zufolge wollen Gerüchte von einer Banderolensteuer auf Zigarren wissen, über die in einer der nächsten Reichstagssitzungen verhandelt werden soll. An zuständiger Stelle ist vorläufig nichts davon bekannt, obgleich man in Fachkreisen erwartet, daß sich der Reichstag im kommenden Winter mit den Vorbereitungen zum Tabakszoll oder wenigstens mit neuen Tabaksteuern beschäftigen wird. ** Westhosen, 7. Okt.(Eisernes Kreuz.) Der im Osten bei einer Maschinengewehr=Abteilung kämpfende Klempner Gustav Wachenfeld von hier ist unter Beförderung zum Gefreiten mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. ** Westhosen, 6. Okt.(Unhaltbare, Zustände) herrschen gegenwärtig auf der Straßenbahn Westhofen—Schwerte. Nicht nur, daß die Gesellschaft auf dieser Strecke ihre anscheinend ältesten Wagen verkehren läßt, es vergeht fast kein Tag, ohne unliebsame Störungen und Unterbrechungen des Betriebes. Achsenbrüche und ähnliche Kleinigkeiten sind an der Tagesordnunz. Mit einer pünktlichen Ankunftszeit der Wagen ist überhaupt nicht mehr zu rechnen. So blieb auch heute nachmittag wieder ein Wagen längere Zeit auf der Strecke liegen, weil der Motor nicht mehr intakt war. Sellftredend wurde dadurch auch der Anschluß an den Dortmunder Zug, den mehrere Reisende benutzen wollten, in Schwerte nicht mehr erreicht. Wenn auch der durch den Krieg eingetretene Personal=Mangel als mildernder Umstand gelten soll, so muß doch die Straßenbahn=Verwaltung im Interesse des Verkehrs unbedingt für Abstellung der beregten Uebelstände schnellstens sorgen. besgen. Gastspiel der Kölner Oper im städt. Schauspielhaus Hagen. Die Intendanz hat die Kölner Oper zu Gesamt=Gastspiel für Dienstag, den 12. Oktober, gewonnen. Zur Aufführung gelangt Ambroise Thomas' beliebte Oper„Mignon“, die ihre unverminderte Zugkraft sicherlich auch diesmal wieder bewähren dürfte. Die handelnden Hauptpersonen des Werkeo sind gerade uns Deutschen durch Goethes Roman„Wilhelm Meisters Lehrjahre" besonders vertraut. In dieser Aufführung wirkt auch das Ballet=Personal des Kölner Stadttheaters mit. Verantwortlich für die Redaktion Friedrich Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte, Arniena Cs * Dortmund 40 6 10 empfehlen solide dunkle 15 P Herren-Paletots zu Mk. 15.- 18.- 21.- 26.- 30.- 36.- bi. 60.Herren-Ulster und Sport-Paletots Zu Mk. 15.- 20.- 23.- 30.- 35.- 40.- und höher. Herren- Anzüge in flotten neuesten Formen und Mustern zu Mk. 15.- 18.- 22.- 25.- 30.- 40.- bi. 60. Schwarze Anzüge Smoking- u. Frack-Anzüge A i n a l l e n P r e i s l a g e n. Lodenmäntel, Pelerinen, Lodenjoppen, Gummimäntel in jeder Qualität hervorragend billig. Merren-Hosen in jeder Preislage und Qualität. Khaben-Jeberzicher und Wantel Knaben- und Kinder-Anzüge Sowie in verschiedenen Stärken, biltig und dauerhaft, empfiehlt A. Saatmann; — Brückstraße 2— Für Käufer größerer Mengen Fab. ikpreise. OriginalVordeaux=Rotwein Bezug in Original=Ox hoff=Fässern. 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Händlern und Aufkäufern das gewerbsmäßige An- und Aufkausen von Lebensmitteln, insbesondere von Kartosseln, Gemüse und Obst, innerhalb ihrer Bezirke zu verbieten, wenn die Annahme gerechtfertigt erscheint, daß durch das Auskausen ein übermäßiger Gewinn erziel! wird oder ein Mangel an den notwendigsten Lebensmitteln eintreten kann. 2. solchen Personen, die vor dem 1. August 1914 den Hande mit Lebensmitteln nicht ausgeübt haben, den Betrieb des Handels zu untersagen, wenn daraus Nachtelle für die Volksernährung zu befürchten sind. Zuwiderhandlungen gegen ein auf Grund dieser Verordnung erlassenes Verbot werden gemäß§ 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. Dies ist den von dem Verdote betroffenen Personen in urkundlicher Form zu eröffnen. Der kommandierende General: gez. Frhr. von Gayl, General der Infanterie. 4522 Kuftelienn.! Erhielt heute eine Ladung ff. 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Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter! viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 6 Juli 1915 Anweg' gu, die im amtlichen Kreisblat!(Schwerter Zeitung) vom 1915— Nr. 159 Beilage— enthalten ist. Ein Beobachtungsgediet wird nicht gebildet... ggoedDie Adsonitte III- VII einschließlich der genanmen nung bleiden mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Sao § 5 Ziffer 1 wie folgt geändert wird: In dem Amte Wellinghofen wird verboten. Hörde, den 4. Oktober 1915. Der Königliche Landrat: 4682.. 3 V. Dr. Burchard. * S#.9 J S g. 5 Je.g. 9. 5 2 S- S 658 SS SSS s.. 55 ESg: 88 Sgag Ta 3 88 SSäS SS S88 * — 220***"* 3 SS S RO 2 e 90 — 1 5 8 — 00 93— S ∆ ** "——— agag 9 B01U bindung war längst der Wunsch des Herrn von Sydow Hast Du Worte, Thea?— Ich hatte jedenfalls keine. Ich dachte bloß, das Herz müßte mir brechen, und ich habe an dem Mittag keinen Bissen über die Lippen gebracht, besonders, weil es obendrein Hammelteule gab, die ich verabscheue. Nur ein paar Windbeutel habe ich hinabgewürgt, um nicht zu verhungern. Denn das hätten diese beiden falschen Menschen wirklich nicht um mich verdient. Jetzt fange an, die herbe Enttäuschung zu verwinden. Adolf ist ja gestraft genug mit dieser Braut. Und er tut mir sogar eigentlich ein bißchen leid. Aber auf seine Hochzeit gehe ich nicht— das habe ich mir mit einem heiligen Eid geschworen. Und zum zweitenmal wird es keinem Manne gelingen, mich schnöde zu hintergehen. Mama ruft mich— ich muß hinunter. Also für heute mit tausend Küssen Deine tief unglückliche ewige Freundin Margot.“ PS. Mama sagte mir eben, daß die Hochzeit schon in sechs Wochen sein soll, und daß Ellen mich als Brautjungfer haben möchte. Meinst Du nicht, daß ich tun soll? Bloß, um ihnen zu zeigen, daß ich mir nichts daraus mache? Morgen wollen wir übrigens schon den Stoff für mein Kleid kaufen. Bis es fertig ist, werde ich wohl nicht dazu kommen, Dir wieder zu schreiben. Kuß.] Margot.“ phondienst zu betreiben,— ein Monopol, für das heute Dutzende von Millionen bezahlt würden— überließ dieses Recht der ersten gegründeten Telephongesellschaft unter der Bedingung, daß er, der Journalist, fortan kostenfrei in den ganzen Vereinigten Staaten seine persönlichen Ferngespräche erledigen dürfe. Auf der anderen Seite sind die Kosten, die vielfach dem Zustandekommen einer neuen brauchbaren Erfindung voraufgehen, gewaltig gewachsen, so daß das Resultat bereits mit einer schweren Hypothek belastet ist. Um eine Uhr zu bauen. die für 4 c verkauft werden konnte, opferte ein amerikanischer Fabrikant weit über 200000 M für Versuche, und als die Schreibmaschine auf dem Markte erschien, waren für die Ausarbeitung der Erfindung und für Versuche bereits rund zwei Millionen Mark geopfert. # Vom m dernen Erfinder. Mit den mannigfachen Schwierigkeiten, die heutzutage eines Erfinders harren, der seine Erfindung durchsetzen oder auf den Markt bringen w'll, beschäftigt sich ein interessanter Artikel eines ausländischen Battes. Eine Erfindung machen und mit dieser Erfindung auch Geld verdienen— das sind zwei völlig verschiedene Angelegenheiten, und nur selten fügt es der Zufall, daß in einer Persönlichkeit die Fähigkeit zur Lösung dieser beiden Fragen sich vereint. Heutzutage wäre es beispielsweise durchaus nicht leicht, etwa einen neuen und zweckmäßigen Apparat zu verkaufen, der die bisher übliche Art des Geschirrabwaschens oder des Eierkochens außer Kurs setzen könnte. Jede neue Erfindung geschieht bis zum gewissen Grade auf Kosten einer älteren, die dadurch an Wert verliert; und je weiter die ältere Erfindung verbreitet ist, um so größer ist naturgemäß die Zahl der an ihr interessierten Kräfte, die ihre Anlagen in der älteren Erfindung nicht durch eine neuere Hals über Kopf im Werte vermindert sehen möchten. Dazu kommt das Mißtrauen des Publikums gegen alle weittragenden Neuerungen. So häufen sich überall die Schwierigkeiten, die einem modernen Erfinder in den Weg treten, wenn er durch sein Geistesprodukt auch reich werden will. Will er das wirklich, dann muß er auch die Kraft haben, selbst zum Unternehmer zu werden, wie das Edison tat. Aber auch dann noch gehört eine vorausschauende Phantasie dazu, um die praktischen Möglichkeiten, die in einer neuen Erfindung stecken, richtig abzuschätzen und zu erkennen. 1877 hielt man das Telephon für eine Erfindung von so geringer praktischer Zukunft, daß beispielsweise die„Western Union Telegraph Company“ es entschieden ablehnte, Graham Bells Patente für 400000 M zu kaufen. Ein Journalist, der das alleinige Recht erworben hatte, in Neuengland Telephone einzurichten und einen TeleNimmt die Sonne ab? Die Frage, ob Umfang und Leuchtkraft unseres Tagesgestirns sich nicht im Laufe der Jahrtausende verringern, hat die astronomische Wissenschaft schon mehrfach beschäftigt: nun versucht der Astronom Jean Bosler in der Zeitschrift„Radium" nachzuweisen, daß dies in der Tat der Fall sei, und daß unsere Kenntnis der Naturkräfte uns zwingt, eine stetig fortschreitende Abnahme oder Verkleinerung des Sonnenballes anzunehmen. Jeder Körper, der Energien ausstrahlt, opfert dabei einen Teil seiner Masse, und wir haben keinen Grund, anzunehmen, daß die Natur für die Sonne ein Ausnahmegesetz gemacht habe. Nach den Berechnungen Boslers soll die Sonne jährlich um ein 30 Millionstel der Erdgröße kleiner werden. Mit der Abnahme der Materie aber muß notgedrungen auch die Schwerkraft bzw. die Anziehungskraft des Sonnengestirns abnehmen, was zur Folge hätte, daß die Dauer des astronomischen Jahres zunimmt. Bosler berechnet nun, daß dies in der Tat der Fall ist, und zwar nimmt das astronomische Jahr im Verlaufe von einer Million Jahren um— sechs Sekunden zu. Diese Annahme stützt sich auf eine logisch=theoretische Beweisführung und kann einstweilen durch unmittelbare Beobachtung nicht bestätigt werden, weil unsere heutigen Instrumente nicht im entferntesten ausreichen, um so geringfügige Veränderungen, die sich im Laufe von Millionen von Jahren vollziehen, zu registrieren. Ein indirekter Beweis aber ließe sich durch die genaue Beobachtung näherliegender Gestirne von höchster Temperatur erbringen, denn hier können wir wahrscheinlich bereits schon heute mit unseren Instrumenten die Umfangsveränderungen nachprüfen. Mit dieser Arbeit ist Bosler zurzeit beschäftigt. 15 Humor Ein kriftiger Grund.„Warum weinst du denn, kleiner Mann?“ „Weil ich nicht in die Schule gehen will!“ „Aber warum denn nicht? Alle arligen Kinder gehen doch gern in die Schule.“ „Ja, aber meine Schwester hat gestern dem Lehrer einen Korb gegeben.“ Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde 42. Jahrgang O Grites und älteltes Cagesorgan des Kreiles. O Haupl-Annoncenblatt Unterhaltungs Beilage zu Nr. 235. Donners ag, 7. Oktober 1915. Roman von C. Dressel. (15. Fortsetzung.) lebe wohl, mein Ralf,“ sagte nun Ulrike.„Von dem Vater habe ich Abschied genommen, laß mich darüber schweigen. Es ist hart, daß eine Rhoda im Vaterhause gleichsam geächtet ist. Es ist mir ein Trost, daß wenigstens du mir bleibst.“ Nun reichte auch Hedwig dem jungen Grafen freundlich die Hand. Er neigte sich mit herzlichem Dankeswort über sie, die so viel Tröstliches auf Rhoda gespendet, und so bemerkte er nicht das heiße Erröten, welches Hedwigs süßes Gesicht in holder Verwirrung Harmlos wandte er sich wieder zu Ulrike, um ihr noch seinen und des Doktors Besuch in kürzester Zeit Diese aber zürnte ihm fast wegen der Ruhe, mit der er sich von ihrer schönen Gefährtin trennte. Am Wagen harrte Doktor Lorenz der Damen. Er neigte sich tief vor Ulrike, die ihm herzlich die Hand zum Abschiede bot. Angeregt durch das eben stattgesundene Gespräch mit dem Bruder, forschte sie angelegentlich in Ewalds geistvollen Zügen nach einem Ausdruck, der ein lebhafteres Interesse für Hedwig bekundet hätte. Er half soeben dem jungen Mädchen ritter ich in den Wagen, doch seine klaren Augen schauten sie nur in gleichmütiger Freundlichkeit dabei an. Sollte sich Ralf in dem Freunde getäuscht haben? De: Wagen setzte sich in Bewegung. Noch einmal zurücksehend, begegnete Ulrike jetzt dem Blick des Arztes, und jene Wärme strahlte ihr nun daraus entgegen, die sie eben vergeblich gesucht. XIII. Das gleichmäßiger gewordene Befinden des Grafen Vernhard bedurfte der steten ärztlichen Ueberwachung nicht mehr. Doktor Ewald Lorenz konnte somit in seine Prexis nach H. zurückkehren, und Ralf folgte ihm. Er hatte ein Offizierspatent erhalten, sein Wunsch bezüglich des hannöverschen Regiments war genehmigt worden.. M an sten„. Schloß Rhoda, vor wenigen Monaten noch der Schauplatz sröylicher Geselligkeit, lag wieder öde und still, wie vor den Zeiten der jetzigen Herrin. Graf Bernhard, der kürz ich noch so rüstige, elegante Lebemann, war zum kränkelnden Greise geworden, der in seiner gelähmten Hilflosigkeit beständiger Pflege und liebevoller Aufmerksamkeit bedurfte. Naturgemaß fiel seiner jungen Gemahlin diese Aufgabe zu, (Nachdruck verboten.) die sich derselben nicht allzu freudig unterzog. Aber sie war einsichtsvoll genug, dem kaum zurückgewonnenen Gatten wenigstens der Form nach die liebende, pflichtgetreue Gattin zu erscheinen, wie bitter sie auch der Geschick grollte, das sie an den alten, kranken Mann fesselte. Die Rolle einer Krankenpflegerin hatte sie einst bei ihren Zukunftsplänen am wenigsten im AugDer Preis, den sie gebracht, um Alleinherrscherin auf Rhoda zu werden, drückte sie nun doch schwer. Sie war ja fast dam't eine Gefangene geworden und sann unablässig, wie sie sich freier regen könne, ohne Gra Einstweilen jedoch mußte sie sich in Geduld üben, sich mit dem Einstuß begnügen, den sie auf den leidenden Gemahl besaß, der so reizbar war, daß er fast nur noch die Gegenwart der angebeteten Frau und ihrer Kinder zu ertragen vermochte und sich der Einladung von Gästen hartnickig widersetzte. Melanie mußte in das stille, einförmige Leben fügen.—. Ralf gesiel sich ausnehmend in der freundlchen Residenzstadt. Mit Ewald Lorenz pflegte er den freundschaftlichsten Verkeyr, und in den kreisen fand er dank seines alten, klangvollen Namens und seiner liebenswürdigen, vornehmen Erscheinung die beste Aufnahme. Seine jugendirische Persönlichkeit, die keine Spur von Blasiertheit, sondern noch eine fast naive Empfänglichkeit und bescheidenste Anspruchslosigkeit zeigte, machte ihn bald zu einem bevorzugten Liebling der Gesellschaft. Mit großer Vorliebe aber besuchte er jene in denen Doktor Lorenz ihn heimisch gemacht hatte, in denen die Ritter vom Geiste, die Helden der Feder und das Genie herrschten. Hier war es weniger seine aristokratische Abstammung als die vielseitige Bildung und die Lauterleit der Gesinnung, die ihm Freunde Vornehmlich war es das angesehene Patrizierhaus des Großindustriellen Mannloh, welches ihn als gern gesehenen und häufigen Gast empfing. Erich Mannloh gehöcte zu jenen Bevorzugten, denen das Glück von Geburt an gelächelt und in allen Lebenslagen treu geblieben war. Aus wohlhabendem, angesehenem Bürgerhause stammend, hatte ihn sein Vater zum Nachfolger seines bedeutenden Großhandels ausersehen, ohne jedoch des hervorragend begabten Sohnes Neigung für Wissenschaft und schöne Künste zu beschränken. Demgemäß war ihm eine sorgfältige Ausbildung geworden, und er hatte selbst einige Semester I" ZELSS 8 gi * 0 S S 2 9 S 2 3 2 S S— 12 82— 1 55- 18 * . * S SaEEs S n S 8 a gEE S SUug * hindurch Universitätsstudien betrieben, ohne dabei einen anderen Zweck im Auge zu haben, als eben seinem Wissensdrange zu genugen. Ohne Widerstand siedelte er später von der Universität in das Kontor seines Vaters über, denn er war zu innig überzeugt von der Macht des Geldes und wußte, daß sein hochfliegender Ehrgeiz von dem goldenen Boden des reichen Kaufmannshauses aus wohl eher zu Macht und Ansehen gelangen werde, als von dem mühsam zu erklimmenden Lehrstuhle der Universität. Der Neigung für die Wissenschaft blieb er jedoch getreu, sie wurde sein Steckenpferd.„ Bei dem frühzeitigen Tode seines Vaters siei iym ein reiches Erbe zu, welches er durch die Wahl einer sehr vermögenden Frau noch beträchtlich vermehrte und somit seinen Geschäftsverbindungen die weiteste Ausdehnung ermöglichte.„ 6 Als der Tod diese aus Vernunftsgrunden geschlossene Ehe nach einigen Jahren löste, sah er sich im Besitz eines fürstlichen Vermögens, das ihm zur unbeschränkten Verfügung stand, da seine Gattin kinderlos gestorben wor. Ob Erich Mannloh glücklich sei, wußte niemand zu sagen; daß er zu den ersten Bürgern der Stadt gehöre, bezweifelte indes keiner... g 6.6 dr Dieser große Reichtum nun war die Basis, aus der er die ehrgeizigsten Pläne spielend leicht und dabei unerschütterlich sicher aufbaute. Er errang einen einflußreichen Sitz im Magistrat und stand an der Spitze aller jener Verbindungen, die es sich angelegen sein lassen, die Armut zu unterstützen, die Kunst und Wissenschaft oder sonstige gemeinnützige Bestrebungen zu fördern. Seine imposante, äußerst gewinnende Persönlichkeit, sein bedeutender Geist, das gewandte, vornehme Wesen, und all diese Vorzüge noch getragen von der Zaubermacht des Goldes, machten ihn bis in die höchsten Kreise hinauf zu einer allbeliebten, bedeutsamen Erscheinung.,...„.. Frfolaen gfrich Mannloy ourfte mit seinen Erfoigen zufrieden sein und hätte in der Tat in seiner glänzenden gewichtigen Stellung und der allgemeinen Verehrung, die ihm die ganze Stadt zollte, mit keinem Fürsten getanict.. Wo immer er erschien, wurbe er gefeiert, umschmeichelt, und nicht am wenigsten waren dem schönen, bestechenden Manne die Frauen hold. Dennoch fehlte in seinem Hause Jahre hindurch die Herrin. Erich Mannloh schien seine unbeschränkte Freiheit nicht wieder einer Frau opfern zu wollen. Dann aber erfaßte ihn plötzlich der Sturm der Leidenschaft, und alle Bedenken verflogen wie Spreu vor tom. Geschnf dar nichte*. Ein junges, liebliches Geschopf, das nichts sein nannte als eine seltene Anmut und ein Herz voll gläubiger Liebe, zog in das alte Patrizierhaus als die vergötterte Gebieterin. Aber Erich Mannloh war eine ruhelose, nervöse Natur, er bedurfte wechselvoller Anregung und schlürfte die Liebe wie Champagnerschaum. Dem Rausch folgte nur zu schnell die Entnüchterung. Nach einem kurzen Jahr heißen, aufreibenden Glückes war seine Leidenschaft verglüht. Die junge, liebliche Frau verstand es nicht, zu reizen, zu fesseln, ihr stilles, sinniges Gemüt vermochte nur treu zu lieben und in den Grenzen der Pflicht sein Heil zu finden; ihn aber langweilte ihre bescheidene Würde, ihre enge Denkungsart. Er vernachlässigte sie, und selbst das Vaterglück— sie hatte ihm eine Tochter geboren— führte ihn nicht zu ihr zurück. Nachdem er die holde Rose gebrochen, sich kurze Zeit an ihr erfreut, warf er sie achtlos zur Seite. Die um ihr Glück Betrogene aber gehörte zu jenen duldsamen Griseldisnaturen, die selbst die beschämendste Verletzung ihrer Rechte widerstandslos dulden und in irriger Zurückhaltung und kindischer Furcht sich nicht gegen das Unrecht aufzulehnen wagen und durch diese Duldung der stetig wachsenden Sittenlosigkeit geradezu Vorschub leisten. So trug sie ihr vergoldetes Elend ohne Murren, ja sie nahm es klaglos hin als etwas Unabwendbares. Vor der nur nach dem Schein urteilenden Welt galt diese innerlich zerrüttete Ehe daher für eine tadellose, denn Mannloh hütete sich wohl, ein öffentliches Aergernis zu geben.„ 46s15 In dieses dem äußeren Ansehen nach una.„. Haus wurde der junge Graf Rhoda durch Voktor Lorenz, welcher als Arzt der Familie in freundlichen Beziehungen zu ihr stand, eingeführt. Ralfs schwärmerischer Idealismus, der durch Gerlach einen argen Stoß erlitten, fand nun in der anziehenden Persönlichkeit des allbeliebten Kaufherrn, der wie ein kleiner Fürst auftrat, neue Nahrung. Sein reines, fast kindlich harmloses Gemüt verstand es nun einmal nicht, die Untiefen der Menschenseele zu ergründen; er war immer geneigt, nur das Beste anzunehmen, und verfiel daher unbedingt dem Zauber des Mannes, den selbst Ewald bewunderte. Erich Mannloh besaß die Gabe, die heterogensten Elemente in seinen Salons zu versammeln und doch in wohltuendste Harmonie zu bringen, so daß selten jemand die glänzenden Räume verließ ohne die erhebende Empfindung, einige genußreiche Stunden verst ur boben..... A eechureg Pg Ralf durfte sich vereits zu den naheren Freunden des Hauses rechnen. Er hatte es häufig aus den verschiedensten Anlässen aufgesucht, aber die besondere Gelegenheit, die berühmten Kunstschätze, vornehmlich die vielgenannte Gemäldegallerie desselben eingehender zu besichtigen, sollte ihm erst heute werden. Mannkoh war ein Mäcen der schönen Künste. Er sammelte mit Leidenschaft und großem Verständnis Altertümer und hatte dieser Liebhaberei ein bedeutendes Vermögen geopfert. Dafür wurde seiner Eitelkeit die Genugtuung, eine der wertvollsten Kunstsammlungen zu besitzen, deren Ruf weit über Deutschlands Grenzen hinausreichte..... glalg auf Sen SalithEr war daher nicht wenig stolz auf den rostoaren Besitz und machte jetzt den jungen Grafen Rhoda mit der ihm eigenen feinen Liebenswürdigkeit auf die besonderen Schönheiten seiner interessanten Antiquitäten und der Gemäldegallerie, in welcher neben den alten Meistern auch hervorragende Werke neuerer Künstler vertreten waren, aufmerksam.„„ Unter allen diesen Schätzen bemerkte Raif ein kleines Bild, das in einer halbdunklen Ecke umgekehrt gegen die Wand gelehnt war und vielleicht gerade dieser Verborgenheit halber seine Neugier erregte. „Welch einen Schatz entziehen Sie da eifersüchtig der Bewunderung, Herr Mannloh?“ fragte er scherzend. „Das ist durchaus kein Meisterwerk und gehört eigentlich gar nicht hierher.“ Trotzdem griff Ralf nach dem Bildchen und trat mit ihm an eines der gotischen Fenster des im mittelalterlichen Stil gehaltenen Saales. Ein halblauter Ausruf freudiger Bestürzung entglitt seinem Munde, als nun das Tageslicht einen wunderlieblichen Mädchenkopf in dem Bilde zeigte. „Verschwenden Sie Ihre Bewunderung nicht, lieber Graf; das Bild ist eine ganz mittelmäßige Leistung, ich hätte es längst aus der Sammlung entfernen müssen,“ meinte Mannloh und streckte jetzt in seiner vornehm lässigen Weise die Hand nach der kleinen Bildtafel aus.„Sie müssen ja selbst sehen, daß es gar keinen Vergleich mit irgendeinem Kunstwerk um Sie her aushält.“ (Fortsetzung folgt.) Denkspruch. Was werden wird, ist dunkel; wie die Welt sich wieder gestalten wird, ist verborgen, aber das Alte ist vergangen, und etwas Nleues muß werden. Was geschehen muß, ist hell, was wir tun müllen, ist keinem verborgen: Wir müllen das Rechte und Redliche tun. 6. m. Arndt. Rodelpartie. Indiskretionen aus einer Backfisch=Korrespondenz von Lothar Brenkendorf. (Schluß.)(Nachdr. verboten.) Margot an Thea Baumgartner in Lausanne(Ansichtskarte.— Stenographiert): Unterkunftshaus auf dem Herzogstand, 20. 1. „Geliebte, Süße, Herzige! Nach dreistündigem Aufstieg glücklich oben angekommen. Es ist himmlisch, einzig, wundervoll! Ich bin sehr glücklich. A. ist hinreißend. Und mit welchem Eifer er E. den Hof macht, nur weil ich ihn brieflich barum gebeten habe! Wenn er mich dann von Zeit zu Zeit hinter ihrem Rücken so schelmisch ansieht, könnte ich ihm einfach um den Hals fallen. Ach, Königin, das Leben ist doch schön! Die arme E.! Wenn sie sich nur nichts in den Kopf setzt! Denn A. treibt es ein bißchen arg— alles natürlich mir zuliebe. Ich bin gespannt, wie dieser unvergeßliche Tag enden wird. Wenn eine innere Stimme mich nicht täuscht—— Kuß. Ewig Deine Margot. PS. Hoffentlich geht es Dir recht gut.“ Margot an Thea Baumgartner in Lausanne.(Ansichtskarte.— Stenographiert): Hotel Grauer Bär am Kochelsee, 20. 1. „Mein Liebling! Nur drei Worte in jubelnder Glückseligkeit! Es ist entschieden. A. hat mich geküßt!!! Vor E.'s Augen hat er mich auf den Mund geküßt!!! Auf der alten Kesselbergstraße zwischen Kilometerstein 15 und 16. Alles Nähere brieflich. Die Natur ist hier wunderschön, aber ein gewisser jemand ist doch viel, viel tausendmal schöner. Es ist schon eine halbe Stunde her, aber mein Herz klopft noch immer ganz rasend. Und mir ist, als ob ich das Kitzeln seines Schnurrbarts noch immer an meiner Nasenspitze fühlte. E. benimmt sich großartig. Sie lächelt mich an, als ob nichts geschehen wäre. Wie ich sie dafür liebe!!! Aber Du darfst nicht eifersüchtig sein— gelt? Bis in den Tod Deine Margot.“ *** Margot an Thea Baumgartner in Lausanne: M., 23. 1. „Meine geliebte Thea! Warum ich Dir erst heute schreibe? Weil ich gestern und vorgestern zu unglücklich war, um die Feder zu ergreifen und die Wunden meines Herzens brieflich noch einmal aufzureißen. Jetzt aber bin ich ganz ruhig — unheimlich ruhig! Ich kann sogar schon wieder lächeln. Aber fragt mich nur nicht, wie!!! Ich habe meinen Stolz zu Hilfe gerufen, und statt der Verzweiflung fühle ich jetzt nur noch Verachtung. Verachtung für die Unbeständigkeit der Männer und für die Falschheit der sogenannten Freundinnen— wobei ich Dich natürlich ausnehme. Denn ich weiß, daß ich auf Dich bauen kann wie auf einen rocher de bronze. Und das Band, das uns verknüpft, kann nur der Tod zerreißen.— Was geschehen ist?— Oh, nicht viel!— Weiter nichts, als daß mein Vetter Adolf sich mit Ellen v. Sydow verlobt hat. Wirklich— weiter nichts!— Du siehst, ich kann schon wieder sarkastisch sein.— Und wie es zuging, daß er mich trotzdem auf der alten Kesselbergstraße geküßt hat? Nun laß Dir erzählen! Ellen, die als ein richtiges zimperliches Stadtkind noch nie auf einem Rodelschlitten gesessen hatte, brachte natürlich nicht die Courage auf, allein abzufahren, und so verabredeten wir, daß ich voraus fahren und die beiden anderen mir auf einem zweiten Schlitten unmittelbar folgen sollten. Bis nach Urfeld hinunter ging es auch ganz programmgemäß, und Ellen, von der ich ja nun weiß, eine wie abgefeimte Komödiantin sie ist, benahm sich so übermütig und ausgelassen, als wenn sie ein ganz junges Mädchen und nicht schon eine halbe alte Jungfer gewesen wäre. Dann sollte es in derselben Reihenfolge die alte Kesselbergstraße hinuntergehen, wo es teilweise sehr abschüssig ist. Ich sause hinunter wie ein geölter Blitz und denke in meiner Unschuld nicht anders, als daß die beiden dicht hinter mir sind. Wie ich aber unten auf der Straße lande, die zum Kochelsee führt, und mich mit einem Juchzer umschaue, ist keine Spur von ihnen zu sehen. Ich warte fünf— ich warte zehn Minuten— es kommen mindestens zwanzig Rodler angeflitzt, bloß Adolf und Ellen sind nicht unter ihnen. Da krieg ich's mit der Angst, daß ihnen was passiert sein könnte und ziehe mit meinem Rodel wieder bergauf, ihnen entgegen. Als ich beinahe schon die halbe Höhe des Kesselberges hinter mir habe, sehe ich sie endlich kommen; aber nicht auf dem Schlitten, sondern zu Fuß neben der Bahn her, und Arm in Arm. Aber ich ahne noch immer nichts Böses und jodle ihnen in meiner Herzensfreude, Adolf unversehrt wiederzusehen, entgegen wie eine Lerche. Was geschieht? Adolf läßt Ellens Arm fahren, eilt auf mich zu, nimmt mich um die Taille und küßt mich dreimal— sage und schreibe: dreimal!— mitten auf den Mund.„Aber— Adolf!“ stammle ich mit holdem Erröten.„Prachtmädel!“ sagt er.„Den heutigen Tag vergesse ich dir nie.“ Und dann kommt Ellen dazu und lächelt mich an und reicht mir die Hand, ohne ein Wort zu sprechen. Ich denke natürlich, das soll ein stummer Glückwunsch sein, falle ihr um den Hals und gebe ihr meinen allerschönsten Kuß. Dann wandern wir bergab, ohne viel zu reden, und mir ist zumute, als ob ich von Engelsfittichen getragen würde. — Ja, schöne Engelsfittiche!— Meine Karte aus dem „Grauen Bären“, wo wir Rast machten, um zu Abend zu essen, wirst Du ja inzwischen erhalten haben. Es gab nur noch Schnitzel mit gerösteten Kartoffeln, und es war nicht mal in reiner Butter gebacken. Mir aber hat's geschmeckt wie noch nie in meinem Leben.— Weil die beiden anderen auf der Heimfahrt sehr still waren, mußte ich natürlich auch den Mund halten, was mir in meiner Glückseligkeit eigentlich dumm vorkam. Vor der Tür unseres Hauses verabschiedete sich Adolf und sagte bloß:„Auf Wiedersehen morgen!“ Herrgott, dachte ich, er wird doch nicht gleich in aller Frühe kommen und um meine Hand anhalten. Bevor ich nicht aus der Selekta heraus bin, geben Mama und Papa ja sicherlich nicht ihre Einwilligung zur Verlobung. Und am nächsten Morgen schütze ich Kopfschmerzen vor, um auf meinem Zimmer bleiben zu können. Gegen Mittag kommt Mama herein, um sich nach meinem Befinden zu erkundigen, während Ellen sich unbegreiflicherweise nicht blicken läßt. Ich frage, wo sie steckt, und es fährt mir wie ein Donnerkeil in die Seele, als Mama ganz harmlos erwidert: „Weil sie hörte, daß du nicht wohl seiest, wollte sie dich vor ihrer Abreise nicht stören. Aber sie läßt dich herzlich grüßen und hofft, daß du ihren Besuch recht bald erwiderst.“—„Vor ihrer Abreise?“ fragte ich zitternd.„Wieso denn? Ist denn was passiert?“ —„Jawohl! Sie hat sich gestern auf dem Ausfluge mit Adolf verlobt, und er ist in dem ersten Zuge mit ihr gefahren, weil er bei ihren Eltern um sie anhalten will. Er wird sich keine Absage holen; denn diese Ver