95 Do Sdmmem Zeiumer uchan dand eußer Feiertags. Bezugspreis M. 5 Adriich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentl. Gratisdeilage:„Ikustrierter Familiensreund“ u. tägl. Unterhaltungsblett. Anzeigenpreis: Die dedengespaitene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Radatt gilt als Kassaradall u. erlischt dei Konkusen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Rotsachudd ernatt.-Setleseteltere Nr. 234. für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Holkszeitung Westhofener Zeitung Langscheder Leitung Hurtzunden nit, Schwerker Cageblatt O Schwerter Anzeiger und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Hnzeiger für den Kreis Mittwoch, den 6. Oklober 1915. A Ble duter und inbelmnbgeüichn Durnd. gungen für den Kreis Hörde erlangen gemis Betanntmochung der Aöniglichen Regierung durch Verössentlichung in dei„Schwertec Zeitung" rechtsverbindliche Kraft.— Die Schwerter Zeitung“ gewöhrt ihren Abonnenfür jeden mit Tod endenden Unsall ge300 Mk. UnfallDruch u. Verlag o. Corl Braus. Schwerte=Rud### Fernsp. 62. Telegr.=Adr. Braus Schwerte=Rude 47. Jahrgang. Englische Der Lügner Grey. Mister Grey hat es mal wieder für nötig gehalten, eine Rede vom Stapel zu lassen. Nachrichten vom Balkan bewogen ihn dazu. Hört man diese Rede, so hat man das Gefühl, Mister Grey hat durch sein Kriegsaugenleiden doch mehr gelitten, als man annehmen durfte. So schief, wi der englische Staatsmann die Entwickelung der politischen Dinge sieht, kann man nur sehen, wenn man an Sehkraft wirklich bedenklichen Schaden genommen hat. Daß er den Balkanvölkern an der Seite der Entente eine glänzende Zukunft prophezeit, ist englischer Cant, dasselbe könnte jeder andere Engländer gesagt haben. Wenn er weiterhin behauptet, die Politik Deutschlands sei darauf gerichtet, im eigenen Interesse Uneinigkeit#und Krieg zwischen die Balkanstaaten zu säen, so nimmt man auch diesen Unsinn mit nachsichtigem Lächeln hin. Wenn aber Mister Grey dann sagt:„Deutschland hat zuerst Oesterreich=Ungarn vorgespannt, um Europa in den Krieg zu stürzen, mit der Folge, daß dieses Reich nun vollständig von Deutschland unterworfen und von ihm abhängig ist", so man doch an, sich über die Dummheit der Zuihörer Greys ein klein wenig aufzuregen, die keinen Schimmer einer Ahnung mehr davon haben, daß Deutschland vor Kriegsausbruch in der serbischen Frage so energische Friedensworte nach Wien sandte, wie sie sich nur eben mit der Stellung eines Verbündeten vereinen ließen. Erst als Deutschlano sich überzeugt hatte, daß Oesterreich nicht anders handeln konnte, als es tat, gab es noch. Also ist nachzulesen in unseren diplomatischen Veröffentlichingen! Wenn also Grey behauptet, wir hätten Oesterreich=Ungarn„vorgespannt“, um Europa in den Krieg zu stürzen, so lügt er bewußt gegen sein besseres Wissen. Ebenso lügt er, wenn er in seiner Rede fortfährt:„Die Türkei, der mit Neutralität am besten gedient gewesen wäre, ist durch Deutschland zur Teilnahme an diesem Kriege gezwunzen worden; sie ist nun ebenfalls von Deutschland, das seinen Einfluß von Berlin bis Bagdad zu erstrecken wünscht, abhängig. Ebenso wird Deutschland jeden Balkanstaat, den es mnter seinen Einfluß bringen kann, dazu zwingen, diesen Plan zu yerwirklichen, mit der unvermeidlichen Folge, daß diese Staaten Deutschland unterworfen werden und ihre Unabhängigkeit verlieren, trotz aller Vorspiegelungen von einer Ausbreitung ihres Staatsgebietes. Diese Politik steht in geradem Gegensatz zu der Politik der Alliierten, die die nationalen Bestrebungen der Balkanstaaten fördern wollen, ohne daß diese ihre Unabhängigkeit opfern müssen.“— Jedes Wort eine Lüge! Sie zu widerlegen, hieße Wasser in ein Sieb tragen. Einfach niedriger hängen szenügt. So niedrig kann man sie allerdings kaum hängen, wie die Greyschen Lügen sind. iden de Deutscher wtb. Großes Hauplquartier, 5. Oktober 1915. Englische Handgranaten=Angriffe auf das Weik nördlich von Loos wurden abgewiesen. Bei den vergeblichen Angiiffn auf dieses Werk haben die Engländer außer den sonstigen sehr beträchtlichen Verlusten an Toten und Verwundeten über 80 Gefangene und 2 Minenwerfer in unserer Hand gelassen. Das von den Franzosen an der Höhe nordwestlich von G'venchy besetzte Gravenstück ist gestern zurückerobert; 4 franzksische Muschinengewehre wurden dabei erbeutet der Champagne lag ein starkes feindliches Artilleriefeuer auf die Stellung nordwestlich von Souain, wo auch Angriffsabsichten beim Feinde erkennbar waren. Unser Artilleriefeuer verhinderte ein feindliches Vorgehen. Bei Vauquois kamen wir mit Minenspiengungen dem Feinde zuvor. Zahlreiche feindliche Mnenstollen wurden abgeguetscht. Feindliche Flieger bewarfen den O.t Biache St. Vaast, nordöstlich von Arras, mit Bomben. Ein Einwohner wurde getötet; sonst entstand kein Schaden. Oestlicher Kriegsschauplatz Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Nach ihrer Niederlage am 3. Oktober haben die Russen gestern die Angriffe gegen unsere Stellungen nur mit schwachen Abteilungen wieverholt; sie wurden leicht abgewiesen. Bei den anderen Heeresgruppen hat sich nichts ereignet. Russische Pattouillen tragen, wie einwandssrei festgestellt ist, zur Täuschung unserer Tiuppen deutsche Helme. Es ist selbstverständlich, daß solche russische Militärpersonen, wenn sie in unsere Hände fallen, nach dem Kriegsrecht behandelt ne. den. Oberste Heeresleitung. Oesterreichischer Tagesbericht. WTB Wien, 6. Okt.(Richtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 5. Oktober mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Nichts neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Lage an der Südwestfront ist unverändert. Auf den Hochflächen von Vielgereuth und Lafraun hat der Feind gestern seine Angriffe wiederholt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere Truppen unternahmen von der DrinaGrenze aus Streifungen auf serbisches Gebiet. Es wurden Gefangene eingebracht. Sonst keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. Aulronlung der Balkuntrage. Wo wird der Weltkrieg entschieden? TU Bukarest, 6. Okt. Die halbamtliche„Independance roumaine“ führt in einem Leitaussatz aus, daß der Ausgang des neuen Kampfes gegen Serbien entscheidend auch für den Ausgang des Weltkrieges werden könne und meint, es sei gar nicht so sehr ausgeschlossen, daß der Friede von dort kommen werde, von wo der Weltkrieg ausging. Inzwischen brinze der unerwartete Widerstand der Türkei auf dem Balkan alles drunter und drüber. Der Balkan vor der Entscheidung. Die Entwickelung des diplomatischen Konflikts auf dem Balkan hat sich durch das russische Ultimatum an Bulgarien sehr verschärft. Der unüberlegte Schritt dürfte wesentlich dazu beitragen, eine Entscheidung rascher herbeizuführen, als ursprünglich zu erwarten war. Daß Bulgarien sich einen solchen Eingriff in seine Souveränitätsrechte nicht gefallen läßt, ist selbstverständlich. An der Antwort, die Radoslawow der russischen Drohung geben wird, braucht man also nicht zu zweifeln. Immerhin ist möglich, daß Rußland nicht so sehr Nadoslawow als die russenfreundliche Opposition im Lande treffen wollte, von der es vielleicht im letzten Augenblick noch eine Unterstützung erwartete, um durch innere Schwierigkeiten Bulgarien von der Kriegserklärung zurückzuhalten. Was aber an Nachrichten gerade von der bulzarischen Opposition einläuft, läßt erkennen, daß Rußland sich in dieser Berechnung täuschen wird. Rußland und Bulgarien. WTB Petersburg, 5. Okt.(Meldung der Petersburger Telegraphen=Agentur.) Das russische Ultimatum an Bulgarien ist dem Ministerpräsidenten Radoslawow gestern nachmittag(Montag, den 4. Oktober) 4 Uhr überreicht worden. Bulgarien lehnt die Forderungen des Vierverbandes ab. WTB London, 5. Okt. Das Neutersche Büro erfährt: Auf Grund der jüngsten Ereignisse werde angenommen, daß die bulgarische Regierung die Vorschläge der Verbündeten, auf die keine Antwort gegeben wurde, verworsen habe und die Vorschläge somit verfallen seien. Was Nußland mit Bulgarien vor hat. TU Petersburg, 6. Okt.(Indirekt.) Die geheimsten Absichten und Gedanken, die die russischen Panslawisten bezüglich Bulgariens hegen, wurden verraten auf dem jüngsten sogenannten slawischen Essen in Petersburg, bei der der Präsident Paschmakow die übliche Programmrede hielt. Er führte aus:: Die Zeit der gesprochenen Worte ist vorüber, man müsse endgültig zu Taten schreiten. Allerdings ist anzunehmen, daß Bulgarien nicht gegen Rußland vorgehen will. Aber Rußland muß trotz alledem unverzüglich seine Kriegsflotte nach den bulgarischen Häfen entsenden und Bulgarien okkupieren. Dann muß in Tirnowo eine große bulgarische Sobranje abgehalten und ein neuer Herrscher gewählt werden, sei es aus der Mitte Bulgariens selbst oder aber aus der Dynastie einer anderen slawischen Macht. Die Truppenlandungen in Saloniki. TU Lugano, 6. Okt. Dem„Secolo“ wird aus Saloniki gedrahtet, daß bisher 16 große französsiche# Transportdampfer in Karaburnu bei Saloniki eingetroffen sind. Das Expeditionskorps bestehe ledigsich aus weißen Franzosen, nicht aus Kolontale 1g truppen. An der griechisch=bulgarischen Grenze wird eine zwei Kilometer breite neutrale Zone## ausgemessen, um Konflikte zu verhindern.— Nach der„Idea Nazionale“ werden zunächst 30000 Mann gelandet. Griechenland und die Bläue### des Vierverbandes. WTB London, 6. Okt.„Daily Telegraph“ meldet aus Athen: Der Einspruch der griechischen Negierung gegen die Truppenlandung in Salonikk werde von der Oeffentlichkeit zwar als formell notwendig anerkannt, der Bruch der Neutralität sei aber tatsächlich willkommen. Die griechische Gefahr. WTB Bern, 5. Okt. Mailänder Blätter erfahren aus Athen, Venizelos habe gestern in der Kammer mitgeteilt, daß die Ententemächte ihr Angebot an Bulgarien zurücgezogen hätten und hinzugefügt, er werde von der serbischen Regierung die Ermächtigung zur Veröffentlichung des serbischgriechischen Vertrages einholen, durch welchen Criechenland sich verpflichtet habe, in jedem Falle jede Macht, die, mit Bulgarien verbündet, Serbien angreifen werde, zu bekämpfen. Diese Erklärung habe in der Kammer großen Eindruck gemacht. Geht Venizelos? Budarest, 6. Okt.„A Vilag“ meldet aus Athen: Im gestrigen Ministerrat erklärte Venizelos, Griechenland würde nicht genügend Kräfte haben, um einer eventuellen Landung von Truppen des Vierverbandes entsprechenden Widerstand leisten zu können. Am besten sei es daher, wenn es dem natürlichen Zwang gehorchen und den Ententemächten nachgebe. Die Regierung sollte in einer Einspruchsnote erklären, daß das Landen von Truppen des Vierverbandes eine ungesetzliche Verletzung der Neutralität Griechenlands sei, im übrigen nach diesem Protest den Durchmarsch der betreffenden Truppen durch griechisches Gebiet dulden. Der Ministerrat teilte diese Bedenken des Ministerpräsidenten. Nachdem aber die Krone in dieser Frage einen vollkommen gegenteiligen Standpunkt einnimmt, beschloß der Ministerrat die Demission des gesamten Kabinetts. Venizelos erschien nach der Sitzung beim König, um diesem die Demission des Ministeriums zu überreichen. Der König hat sich die Entscheidung vorbehalten und die Staatsmänner Theotokis und Rhallis zu sich gebeten. Man ist der Ansicht, daß, im Fall Rhallis mit der Bildung des Kabinetts betraut werden sollte, der gegenwärtige Chef des Generalstabes, Dusmanis, auf seinem Posten verbleiben wird. ie Neutralität Griechenlands. König Konstantin bleibt fest! WTB Paris, 8. Okt.(Ueber Genf.) „Agence Havas“ meldet aus Athen, daß Ministerpräsident Venizelos gestern vom König empsangen wurde, der ihm erklärte, er könne der Politik des gegenwärtigen Kabinetts nicht bid zu Ende folgen. Benizelos habe darauf dem König dar Abschhedsgesuch überreicht. 412 Rußlands Hilfe für Serbien. Die Hoffnungen der serbischen Militärkreise auf die Hilfe Rußlands sind sehr hoch gespannt. Man spricht von einer russischen Hilfsarmee von 350 000 Mann, die im Hafen von Varna landen soll. Nach dem„Adverul“ sind diese Angaben mit großer Vorsicht aufzunehmen, denn das Blatt will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß sich die Stärke des Hilfskorps nur auf 20000 Mann belaufen wird. In Rußland werden allerdings seit einigen Tagen Vorbereitungen für eine Expedition getroffen. Im Hafen von Odessa liegt eine große Anzahl von Transportschiffen zur Abfahrt bereit, deren Bestimmungsort aber vorläufig unbekannt sein soll. England als Bevollmächtigter Serbiens. Aus Budapest meldet der Vertreter der„Frkf. Ztg.“: Nach einer Sofioter Meldung des„Az Est“ hat England von Serbien unbeschränkte Vollmacht zur Regelung der bestehenden strittigen Fragen zwischen Bulgarien uund Serbien verlangt. Pasitsch hat die erbetene Ermächtigung angeblich erteilt, jedoch die Bedingung gestellt, daß die letzte Entscheidung Serbien zukomme. Serbiens Volk protestiert gegen die Hilfsaktion. Bukarest, 6. Okt. Die Hilfsaktion des Vierverbandes für Serbien findet keinesfalls den uneingeschränkten Beifall des serbischen Volkes. Besonders in oppositionellen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß eine Armee der Bundesgenossen Serbiens im Lande ebenso eine Bedrohung der serbischen Unabhängigkeit bildet, wie ein Angriff der Zentralmächte. Serbien werde dann genötigt sein, sich unbedingt den Forderungen seiner stärkeren Freunde zu fügen. Die„Srbaka Zastawa“ schreibt:„Wenn unsere Verbündeten den brennenden Wunsch hegen, die kleinen Völker vor der deutschen Herrschaft zu schützen, so bitten wir sie, auch richtig mit dem Befreiungswerk zuerst in der eigenen Nachbarschaft zu beginnen. Es wäre sehr wünschenswert, daß unsere Alliierten die Deutschen aus Belgien verjagen, dann können sie kommen, um Serbien zu verteidigen.“ Die Flucht der Bevölkerung aus Belgrad. Der Budapester Vertreter der„Frankf. Ztg. meldet: Die Flucht der Bevölkerung aus Belgrad dauert an. Die Statue Milosch Obrenowitsch vor dem Belgrader Theater wurde abmontiert und nach Pristina gebracht. An dem durch das Bombardement zerstörten Hotel Moskwa mußte der dritte Stock abgetragen werden. Ost und West. Haag, 5. Okt. Der„New Statesman“ veröffentlicht einen Artikel über die letzte Offensive der Verbündeten an der Westfront, worin er diese mit der deutschen Offensive auf dem östlichen Krieg schauplatz im Mai dieses Jahres vergleicht. Die Verbündeten seien zwar durch die erste Verteidigungslinie gebrochen, hätten aber vor der zweiten notgedrungen Halt machen müssen, die Deutschen dagegen zerbrachen im Osten Linie auf Linie mit schnell aufeinander folgenden furchtbaren Schlägen, die den Russen keine Zeit ließen, eine neue dauerhafte Verteidigungslinie einzurichten. Die Offensive der Verbündeten ist deshalb als mißglückt anzusehen, da sie nur lokale Gewinne gegen einen sehr hohen Preis erzielte. Die deutsche Offensive ist dagegen das größte Ereignis des ganzen Krieges gewesen. Der französische Generalstab hatte natürlich auch diesen Vergleich gezogen und die Methode, welche die Deutschen erfunden haben, seinerseits anzuwenden versucht, um den Laufgrabenkrieg zu Ende zu bringen und zum Feldkrieg übergehen zu können. Aber das Ergebnis ist dem Ergebnis der deutschen Offensive im Mai nicht entfernt gleichwertig. Joffre schwer enttäuscht. Aus Genf wird berichtet:„Auffällig sind die Lücken im Joffre=Berichte, es fehlen die Ortsnamen Massiges und Ville sur Tourbe vollständig, um das Geständnis des den Brigaden Langle de Carys widerfahrenen Mißgeschicks zu vermeiden. Die Fachkritik zeigt eine Verstimmung, weil durch das neuerliche Scheitern der französischen Durchbruchsversuche in dem von Teichen durchzogenen Gelände nächst Maisons de Champazne die Festigkeit der deutschen Stellungen abermals vollgültig erwiesen ist. Auf der ganzen deutschen Linie zwischen Auberive und Ville sur Tourbe endete jedes französische Unternehmen mit einer schweren Joffreschen Enttäuschung. Auch zwischen Souchez und Eivenchy hatten die Franzosen keinen Erfolg. Der Fünfstraßenpunkt zwischen Angres, Suchez und Givenchy wurde nach einem deutscherseits überaus geschickt eingeleiteten und glänzend durchgeführten Gegenangriff zurückgenommen und der Gegner in die Flucht geschlagen. Neutrales Urteil über den französischen Durchbruchsversuch. WTB Kopenhagen, 5. Okt.„Politiken“ schreibt in einem Leitartikel, es sehe zurzeit so aus, als ob der letzte Durchbruchsversuch der Alliierten an der Westfront dasselbe Schicksal haben werde, als die vorhergegangenen, nämlich nach burzem Vordringen im Sande zu verlaufen. Wenn der Durchbruchsversuch hätte glücken sollen, so hätte er Schlag auf Schlag durch alle Linien geführt werden müssen. Der Angreifer hätte genug Munition und genug Truppen haben müssen, um ihn so weit durchzuführen. Es scheint aber, daß Joffre weder genug Munition, noch genug Reserven gehabt hat, um das Ziel zu erreichen. Das wäre auch leicht verständlich, denn es wäre eine ungeheure Munition dazu nötig, deren Ansammlung Wochen erfordert hätte, und die jetzt wahrscheinlich schon zum größten Teil verbraucht sei. Auch könne man schließlich nur eine bestimmte Zahl von Divisionen auf dem beschränkten Gelände zum Angriff ansetzen. Deshalb seien schon vor dem Durchbruchsversuch in der Champagne verschiedenes neutrale Militärschriftsteller theoretisch zu der Behauptung gelangt, daß der Durchbruch im Westen unmöglich sei. Der französische Sieg in der Champagne habe zuerst so ausgesehen, als ob er ihre Theorie über den Haufen stieße, sie würden schließlich doch noch recht behalten. Rückeroberung der Redoute Hohenzollern. London, 6. Okt. Feldmarschall French meldet vom 4. Oktober: Der Feind begann gestern mittag eine heftige Beschießung und griff dann wiederholt unsere Schützengräben zwischen den Steinbrüchen von Vermelles und dem Wege nach Hulluch an. Die Angriffe wurden kräftig durchgeführt, aber der Feind erreichte unsere Schützengräben nicht. Er wurde mit schweren Verlusten zurückgeschlagen. Weiter nordwestlich eroberte der Feind einen großen Teil der Redoute Hohenzollern zurück. An der übrigen Front keine Verändenung. Der zweite Teil der französischen Offensive in Vorbereitung. Zu den Kämpfen im Westen wird dem„Genfer Journal“ aus Paris gemeldet, daß die größten Verluste die bei Souain angreifende französische Kavallerie erlitt. Die Bevölkerung von Paris ist ruhig und hoffnungsvoll, doch ohne sichtbaren Enthusiasmus. Sie sieht den Ereignissen mit Vertrauen, aber nicht ohne Beängstigung entgegen, zumal die Operationen langsam fortschreiten. Man sagt, das Heereskommando habe mit der Offensive beabsichtigt, eine ganz neue Kriegsmethode gegen die Erdbefestigungen zu versuchen und den Feind soweit wie möglich daraus zurückzuwerfen. Der zweite Teil der Operationen ist noch in der Ausführung. Er erfordert Zeit und neue artilleristische Vorbereitungen. Daher sind entscheidende Nachrichten vor drei bis vier Tagen nicht zu erwarten. Die französischen Bomben auf Luxemburg. Aus Luxemburg wird der„B. Z.“ gemeldet: Die französischen Bombenwürfe auf die Stadt Luxemburg kamen um so überraschender, als man in weiten Kreisen angenommen hatte, daß die französischen Flieger sich prinzipiell eines Angriffes auf das Großherzogtum enthalten würden. Die Bomben fielen alle mitten in die Stadt in der Nähe des großherzoglichen Palais und der Dominikanerkirche nieder. Zwei luxemburgische Militärs wurden durch herumfliegende Bombensplitter schwer verletzt. Der Sachschaden ist sehr gering. habe also den Leitern der englischen Arbeiterschaft mehr Vertrauen entgegengebracht als dem Parlament. General de Wet im Gesängnis. „Nieuwe Notterdamsche Courant“ entnimmt der Kapstädter Zeitung„De Burger“ folgende Zuschrift: Freitag morgen, am 2. Juli, wurde General de Wet mit 5 anderen Offizieren nach dem Fort in Johannesburg gebracht. Sie erhielten dort Verbrecherkost, die General de Wet und seine Leidensgenossen sich weigerten, zu essen. Sie beschwerten sich schristlich beim Direktor des Gefängnisses über die schlechte Behandlung, was vom Oberinspektor des Johannesburger Forts mit„Infernal political intrigue“ bezeichnet wurde. Am sie zu zwingen, die Zuchthauskost zu essen, wurden General=De Wet und seine Offiziere in Einzelhaft genommen. Indessen weigerten sich die Gefangenen und hungerten vier Tage lang, bis schließlich vom GefängnisDirektor Anweisung kam, General De Wet und seine, Kriegsgenossen als politische Gefangene zu behandeln. Das Ringen um Dünaburg. TU Stockholm, 6. Okt. Die„Birschewija Wjedomosti“ berichtet aus Dünaburg, daß die Beschießung durch die Deutschen von Tag zu Tag zunehme. Sie sei derart stark, daß in der Stadt, die 16 Werst von der Gefechtszone entfernt ist, der Boden erbebe und die Fensterscheiben zersprängen. Die deutschen Patrouillen haben sich bis an das Düna=Ufer herangewagt, so daß 1¼ Werst von Dünabung bereits ein Gefecht zwischen russischen und deutschen Pa trouillen stattfand. Eine niederträchtige russische Verleumdung. WTB Berlin, 5. Okt.(Amtlich.) In der amerikanischen Zeitung„Everybody Magazine“ berichtete der Journalist Percical Gibbon im April dieses Jahres aus Rußland, daß deutsche Offiziere Wertsachen im Jagdschloß des Zaren in Skierniwicze gestohlen hätten, und bezeichnete als Täter mehrere Offiziere mit Namen, darunter einen Rittmeister Rookuthner, der in der deutschen Armee gar nicht vorhanden ist. Das deutsche Heer gegen diese niederträchtige Verleumdung zu rechtfertigen, erübrigt sich umsomehr, als das Schloß durch Allerhöchsten Befehl von jeder Belegung verschont geblieben ist. Sollten dort Gegenstände gestohlen worden sein, so kommen als Täter jedenfalls nicht Angehörige des deutschen Heeres in Betracht. Parteileben nach dem Kriege. Heftige Kämpfe in Tunis. Der Mailänder„Corriere d'Italia“ meldet der „Voss. Ztg.“ zufolge, daß im äußersten Süden von Tunis bei Deibat Zusammenstöße zwischen Franzosen und Eingeborenen stattfanden, bei denen die Franzosen Sieger blieben. Bei den Kämpfen hätten sich besonders Landwehrtruppen aus Perpignau ausgezeichnet. An der Spitze der Araber stand Kalifar ben Askr, ein Mann, der bei dem Scheich Suf in Ungnade gefallen sein soll. Die Meldung bemüht sich, die Angelegenheit als bedeutungsloses Näubenunternehmen hinzustellen, gibt aber zu, daß die Kämpfe heftig und blutig waren, daß die Rebellen aus dem Norden auftauchten, daß aus Algier ein großer Teil Hilfstruppen, Zuaven und Artillerie nach Tunis geschickt wurde und daß die„Ma nouba“, die mit einer Warenladung im Hafen von Tunis lag, ihre Ladung rasch wieder löschen mußte und mit Kriegsmaterial in See ging. Der Klieg begen England. Wieder ein englischer Flaggenschwindel. WTB Saßnitz, 5. Okt. Der Stettiner Dampfer „Svionia“ der Reederei Kunstmann ist gestern kurz nach 5 Uhr nachmittags bei Arcona durch ein feindliches Unterseeboot mit Geschützen beschossen worden. Das Schiff ist bei Stubbenkammer auf den Strand gesetzt. Zehn Mann der Besatzung sind in Koligerot gelandet, der Rest der Besatzung mit dem Kapitän und dem Steuermann ist nach Saßnitz unterwegs. Die Leute erzählen, daß das U=Boot zunächst die deutsche Flagge führte, dann die englische Flagge setzte und auf 400 bis 500 Meter ohne vorherige Warnung den Dampfer beschossen habe. Der Kampf um di englische Wehrpflicht. Die„Times“ verössentlichen abermals einen Artikel über die allgemeine Wehrpflicht. Sie sagen:„Es scheint, daß die Gegner der allgemeinen Wehrpflicht noch immer nicht die Absicht haben, den Standpunkt derjenigen zu begreifen, welche die fraglichen Maßnahmen als absolut notwendig bezeichnen, um die erfolgreiche Durchführung des Krieges zu sichern. Die Last des Krieges sei durch das jetzige System ungleichmäßig verteilt. Das jetzige System habe seine Unzulänglichkeit bewiesen. Die gegenwärtige Propaganda zur vermehrten Heranziehung von Mannschaften für Produktions= und militärische Zwecke werde hoffentlich Erfolg haben. Diese neue Bewegung im ganzen Lande sei eine Folge der Konferenzen zwischen den Arbeitern und der Regierung. Im Unterhause habe es unangenehm berührt, daß Asquith und Kitchener den Arbeitervertretern die Resultate der bisherigen Anwerbung mitgeteilt hätten, während dem Parlament diese Zahlen bislang vorbehalten wurden, offenbar, weil man fürchtete, daß sie in die Oeffentlichkeit dringen könnten. Die Regierung Wir gehen dem zweiten Winterfeldzug entgegen. Unsere Truppen sind im Osten von Sieg zu Sieg geschritten, während sie im Westen das Errungene festhalten und die Feinde, die wir sonst noch in der Welt haben, an uns und unsere Verbündeten nicht herankommen lassen. Also wird auch der Winter, der uns sonst die Hochflut der Parteikämpfe, eine wahre Ueberschwemmung mit Parlaments= und Versammlungsdebatten zu bringen pflegt, wiederum unter dem Zeichen des Burgfriedens stehen. Die Kampfnaturen unter uns, an denen ja in Deutschland wahrhaftig kein Mangel ist, werden mit ihrem Temperament auch Zinge und Feder noch weiterhin zügeln müssen, bis das deutsche Schwert uns Ruhe und Frieden auf der Welt gesichert hat. Mancher empfindet diesen Zustand je länger desto mehr als einen unerträglichen Zwang. Aber er muß sich gedulden— selbst auf die Gefahr hin, nach Wiederherstellung der Redeund Schreibfreiheit mit seinen Schmerzen kein rechtes Gehör mehr zu finden. Wir werden dann vor einer ungeheuren Fülle neuer und gewaltiger Aufgaben stehen; wer weiß, ob daneben noch Zeit und Interesse übrigbleiben wird für diejenigen Fragen und Streitpunkte, die jetzt nur mühsam. hinter die Schranken des Burgfriedens zurückgedrängt werden. Man wird von der Ueberzeufung ausgehen dürfen, daß grundsätzlich alle Kreise und alle Parteien unseres Volkes bereit sein werden, cuich nach dem Kriege Burgfrieden zu halten, soweit die kraftvolle Vertretung ihrer programmatischen Ueberzrugungen, der entschiedene Kampf für ihre Forderungen an Staat und Gesellschaft es überhaupt zuläßt. Von ihren Zielen wird sich natürlich keine Partei abdrängen lassen. Jede behauptet ja, daß ihr ausschließlich das Wohl des Vaterlandes am Herzen liege, und ihre Programme verehren sie wie das Allerheiliszste, das sie über jeden Wandel der Zeiten hinaus glauben retten und erhalten zu müssen. Wenn es mit rechten Dingen zuginge, müßten allerdings gerade diese Programme mit dem Augenblick in die Rumpelkammer fliegen, wo die Parteien die natürliche Freiheit ihrer politischen Arbeit zurückgewinnen. Sie entstammen durchweg einer Zeit, wo Deutschland noch nicht(groß und stark genug geworden war, um sich Weltmachtzielen gewachsen zu fühlen, wo im wesentlichen der europäische Kontinent unsere politischen und wirtschaftlichen Interessen begrenzte, und wo noch niemand an die Möglichkeit dachte, daß wir jemals nach drei, vier Fronten hin um unser Leben würden kämpfen müssen. Das alte Europa wird nicht mehr wiederkehren, es wird nach dem Kriege ein verändertes Gesicht aufweisen, sagte der Reichskanzler vor versammeltem Reichstag, und wenn je eine Prophezeiung in Erfüllung gehen muß, so diese. Und trotzdem die alten Parteiprogramme? Aber gleichviel— wir haben erlebt, wie sich einzelne Parteien im Laufe der Jahrzehnte von ihrer grundsätzlichen Ablehnung aller Militärforderunsich zu begeisterten Vorkämpfern unserer Flottengesetze durcharbeiteten, wie sie auch allen Ansprüchen der Heeresverwaltung gerecht wurden und seither in ernster Mitarbeit zum Besten des Volkes mit allen anderen Parteien wetteiferten. Auch bei der schärfsten Opposition waren schon vor dem Kriege vielversprechende Ansätze nach dieser Nichtung hin wahrzunehmen. Was sie jetzt mit uns gemeinsam durchlebt, kann unmöglich auf ihre grundsätzliche Haltung nach dem Kriege ohne Einfluß bleiben. Sie muß sich jetzt davon überzeugen, daß der Staat in Fällen der Not Hort und Schirm des ganzen Volkes ist, und daß man ihn deshalb unter allen Umständen— so lange Deutschland sicht für sich allein das Schicksal der ganzen Welt zu bestimmen vermag— stark und lebensfähig erhalten muß. Wohl muß die breite Masse des Volkes in Kriegszeiten die schwersten Opfer bringen. Dafür geschieht aber auch das menschenmögliche, um ihr wirtschaftlich durchyihelfen. Muß es also schon bei den alten Programmen bleiben, so haben sich jetzt doch zwischen ihnen so viele Berührungspunkte der Parteien untereinander herausgebildet, so viele Verständigungen angebahnt, so viel guter Wille zum Leben und Lebenlassen in den Gemütern festgesetzt, daß eine Wiederkehr des früheren Haders wohl als ausgeschlossen gelten kann. Stadt und Land, Bürger und Berter, Unternehmer und Arbeiter haben sich in diesen Kriegszeiten besser kennen gelernt, und der Staat hat gezeigt, daß seine Unparteilichkeit durchaus kein leerer Wahn ist. Er hat seine schützende Hand über alle Schwachen gehalten, hat sich der Lohn= und Arbeitsverhältnisse der für den Kriegs bedarf beschäftigten Arbeiter nach Kräften angenommen und die politische Gleichberechtigung überall da zur Wahrheit gemacht, wo sich dieses Ziel mit den bloßen Mitteln der Verwaltung erreichen ließ. Nach so tiefgreifenden Erfahrungen muß das innere Leben eines Volkes sich wandeln. Wir n den uns, wenn der Friede wieder eingekehrt ist in Deutschland, ungesäumt den nimen Zukunftsaufgaben zuwenden müssen, die dann unserer harren werden. Tun wir es in brüderlicher Eintracht, in demselben Geiste duldsamer Verträglichkeit, der uns jetzt über alle Schwierigkeiten der Kriegszeit hin weghilft, so werden wir dabei am besten fahren. Daß Unfriede verzehrt, ist ein altes, aber immer noch sehr wahres Wort. Auch nach einem siegreichen Ausgange des Krieges werden wir aber nicht so reich sein, um uns diesen Luzus der Aufreibung von Kräften leisten zu können, die wir zum Wiederaufbau unserer Machtstellung, zur Ausbreitung unserer Geltung in der Welt nicht entbehren möchten. Wir müssen in Kultur und Wirtschaft, in Kunst und Wissenschaft so bald wie irgendmöglich wieder die Spitze gewinnen— und deshalb wird „Friede im Innern!“ auch nach dem Kriege die erste Forderung des Tages bleiben. Aus Stadt und Umgebung. Rückblicke aus den Welttrieg. 6. Oktober. Der Angriff auf Przemysl.— Kreuzer„Leipzig“. Um jeden Preis wollten die Russen die Festung Przemysl einnehmen, angeblich, weil der Zar bis zum 8. Oktober im Besitze des Platzes sein wollte, in Wirklichkeit wohl, weil sie hörten, daß ein starkes österreichisches Heer zum Entsatz der Festung unterwegs sei. So wurden denn vom 5. Oktober an vier Tage lang alle Mittel aufgeboten, um die Festung zu Falle zu bringen. General Dimitriew befahl den„gewaltsamen Angriff“, was soviel bedeutete, als daß es auf Menschenleben nicht ankomme, und die Russen wurden mittels hinter ihnen stehenden Maschinenegwehren gegen die Festung getrieben. Wie sich die Russen hier nur einen Mißerfolg holten, so auch in Ungarn; sie wurden am 6. Oktober aus MarmarosSziget vertrieben und so ihres wichtigen Stützpunktes beraubt.— In Kamerun wurden bei Jabassi 10 Kompagnien englischer Truppen am 6. Oltober von einer viel kleineren deutschen Truppenzahl derart zusammengeschossen, daß sich die Angreifer auf Duala zurückziehen mußten.— Von hoher See ist ein besonders kühner schneidiger Angriff des kleinen Krauzers„Leipzig“ auf den kanadischen Kreuzer„Reinbow“ und den französischen Panzerkreuzer„Montcalm“ im Stillen Ozean zu berichten; beide feindliche Schiffe wurden arg beschädigt. Dagegen ging am 6. Oktober das deutsche Torpedoboot„S. 116“ in der Nordsee durch ein englisches Unterseeboot verloren. **(Geburtstagsgabe für die Kaiserin.) Die Ver böinve und Vereine des Vaterländischen Frauenvereins veranstalten am 22. 1211rber d J. dem Geburtstage der Kaiserin, eine„öffentliche Sammlung von eingekochtem Obst und Fruchtsäften für die Tmippen im Felde und die Kriegskranken= und die Kriegswohlfahrtspflege in der Heimat". Für die von I. M. der Kaiserin gutgeheißene Sammlung ist die Genehmigung zur Veranstaltung im Königreich Praußen erteilt. Saft und Früchte, die durch geeignete Verfahren haltbar gemach (stirilisiert) sind, lassen sich zu unseren tapferen Kämpfern in Feindesland hinausschicken, anderes eingekochtes Obst, Gelees, Marmeladen, Mus sind in der Heimat überall erwünscht. Keine Frau wird abseits stehen, wenn es gilt, eine solche Gehrirtstagsgabe für die Kaiserin in diesem Jahre zu spenden. Darum deutsche Frauen, kocht Obst un Fruchtsäfte und haltet sie bereit für den 22. Oktober. Die Sammelstellen werden rechtzeitig bekannt gegeben werden. Nr. 234. Beilage. Wortlaut des russischen Ultimaiums an Bulgarten. :: Die Petersburger Telegraphen=Agentur meldet unter dem 3. Oktober: Der russische Gesandte in Sofia ist beauftragt worden, unverzüglich dem Ministerpräsidenten Radoslawow folgende Note zu überreichen: Die Ereignisse, die sich gegenwärtig in Bulgarien abspielen, bezeugen den endgültigen Entschluß der Regierung des Königs Ferdinand, das Schicksal des Landes in die Hände Deutschlands zu legen. Die Anwesenheit deutscher und österreichischer Offiziere im Kriegsministerium, sowie bei den Generalstäben der Armee, die Zusammenziehung von Truppen in dem an Cerbien stoßenden Gebietsteile und die weitgehende sinanzielle Unterstützung, die das Kabinett in Sofia von seiten unserer Feinde angenommen hat, lassen keinen Zweifel mehr über das Ziel der gegenwärtigen militärischen Vorbereitungen der bulgarischen Regierung zu. Die Mächte der Entente, die sich die Verwirklichung der Bestrebungen des bulgarischen Volkes haben angelegen sein lassen, haben den Ministerpräsidenten Radoslawow zu verschiedenen Malen darauf aufmerksam gemacht, daß sie jede Serbien seindliche Haltung als gegen sich gerichtet ansehen würden. Die von dem Vorsitzenden des bulgarischen Kabinetts als Antwort auf diese Warnungen reichlich abgegebenen Versicherungen sind durch die Tatsachen widerlegt worden. Der Vertreter Rußlands, das mit Bulgarien durch die unvergängliche Erinnerung an Bulgariens Befreiung vom türkischen Joch verbunden ist, kann nicht durch seine Anwesenheit die Vorbereitungen zu einem brudermörderischen Angriff auf slawisches Volk und einen Verbündeten gutheißen. Der russische Gesandte hat darum Auftrag erhalten, Bulgarien mit dem gesamten Personal der Gesandtschaft und Konsulate zu verlassen, wenn die bulgarische Regierung nicht binnen 24 Stunden offen die Beziehungen zu den Feinden der slawischen Sache und Rußlands abbricht, und wenn sie nicht unverzüglich dazu schreitet, die Offiziere zu entfernen, welche Armeen der Staaten angehören, die sich mit den Mächten der Entente im Kriege befinden. Jöffres Urmeebesehl. die Franzosen mit ihrer Offensive erreichen wollten und was sie erreicht haben. Seit einiger Zeit ist der Obersten Heeresleitung folgender Befehl des französischen Generals Joffre bekannt: Großes Hauptquartier der Westarmee. Generalstab, 3. Bureau. kr. 8. 565. . IX. 1915. eheim. An die kommandierenden Generale! Der Geist der Truppen und ihr Opfermut bilden die wichtiaste Bedingung des Schwerter Zeitung Atttwoch, 6. Oktober 1915. Amtliches Kreisblalt. Was Im Schatten der Peterpaulsfestung. Roman von Hermann Gerhardt. In ihrer impulsiven Art ergriff sie denn auch mit beiden Händen Margaretes Rechte und dankte ihr warm; ja, sie ließ sich sogar überreden, sich den Geschwistern anzuschließen, welche die berühmte Gemäldesammlung der„Eremitage“ in Augenschein nehmen wollten. Und gleich, nachdem Margarete sie verlassen, ging sie mit nen erwachter Energie voran, sich ohne jede fremde Hilfe anzukleiden. Im Vestibil trafen dann die drei jungen Leute zusammen. Als sie aus dem Hause traten, stieg gerade der Präfekt von seinem Pferde. Er hatte einen seiner gefürchteten Besuche in der PeterPauls=Festung gemacht; und nach kurzer Begrüßung, bei welcher er sich nach dem Ziel ihrer Wanderung erkundigt, machte sich das Kleeblatt, ganz entgegen dem in Petersburg herrschenden Gebrauch, zu Fuß auf den Weg. Aber das Wetter war so hell und sonnig; ein leichter Wind bewegte die Kronen der Bäume, in deren wohltnendem Schatten sie dahinschritten, und eine so ungetrübte Harmonie, eine so glückliche Stimmung herrschte zwischen den dreien!—„„„„ 4 In späteren Jahren hätten sie wohl kaum Roch zu sagen gewußt, welche Bilder es gewesen, die sie an diesem Tage mit so andächtiger Aufmerksamkeit betrachteten. Werner spielte dabei den kunst verständigen Cicerone und hatte seine helle Freude daran, mit welchem Lerneifer Katia seinen Ausführungen folgte, und auch Margarete fühlte sich vollkommen zufrieden, da sie mit dem Bruder wieder vereint war. Während sie sich noch von dem letzten Zimmer nicht trennen konnten, tauchte plötzlich und unvermutet der Präfekt auf. „Also hier sind Siel“ eief er aus uid ging diAngriffs. Der französische Soldat schlägt sich um so tapferer, je besser er die Wichtigkeit der Angriffshandlungen begreift, woran er beteiligt ist, und je mehr er Vertrauen hat zu den von den Führern getroffenen Maßnahmen. Es ist deshalb notwendig. Daß die Offiziere aller Grade von heute an ihre Untergebenen über die günstigen Bedingungen aufklären, unter denen der nächste Angriff der französischen Streitkräfte vor sich gehen wird. Folgende Punkte müssen allen bekannt sein: 1. Auf dem französischen Kriegsschauplatz zum Angriff zu schreiten, ist für uns eine Notwendigkeit um die Deutschen aus Frankreich zu verjagen. Wir werden sowohl unsere seit 12 Monaten unterjochten Volksgenossen befreien, als auch dem Feinde den wertvollen Besitz unserer besetzten Gebiete entreißen. Außerdem wird ein glänzender Sieg über die Deutschen die neutralen Völker bestimmen, sich zu unseren Gunsten zu entscheiden, und den Feind zwingen, sein Vorgehen gegen die russische Armee zu verlangsamen, um unseren Angriffen entgegenzutreten. 2. Alles ist geschehen, daß dieser Angriff mit erheblichen Kräften und gewaltigen materiellen Mitteln unternommen werden kann. Der ohne Unterbrechung gesteigerte Wert der Verteidigungseinrichtungen in erster Linie, die immer größere Verwendung von Territorialtruppen an der Front, die Vermehrung der in Frankreich gelandeten englischen Streitkräfte haben dem Oberbefehlshaber erlaubt, eine große Zahl von Dioisionen aus der Front herauszuziehen und für den Angriff bereitzuhalten, deren Stärke der mehrerer Armeen gleichkommt. Diese Streitkräfte, ebenso wie die in der Front gehaltenen, verfügen über neue und vollständige Kriegsmittel. Die Zahl der Maschinengewehre ist mehr als verdoppelt. Die Feldkanonen, die nach Maßgabe ihrer Abnutzung durch neue Kanonen ersetzt worden sind, verfügen über einen bedeutenden Munitionsvorrat. Die Kraftwagenkolonnen sind vermehrt worden, sowohl zur Verpflegung, als zur Truppenverschiebung. Die schwere Artillerie, das wichtigste Angriffsmittel, war der Gegenstand erheblicher Anstrengung. Eine beträchtliche Menge von Batterien schweren Kalibers ist mit Rücksicht auf die nächsten Angriffshandlungen vereinigt und vorbereitet worden. Der für jedes Geschütz vorgesehene tägliche Munitionssatz übertrifft den bisher jemals festgestellten größten Verbrauch. 3. Der gegenwärtige Zeitpunkt ist für einen allgemeinen Angriff besonders günstig. Einerseits haben die Kitchener= Armeen ihre Landung in Frankreich beendet, und andererseits haben die Deutschen noch im letzten Monat von unserer Front Kräfte weggezogen, um sie an der russischen Front zu verwenden. Die Deutschen haben nur sehr dürftige Reserven hinter der dünnen Linie ihrer Grabenstellung. 4. Der Angriff soll ein allgemeiner sein. Er wird aus mehreren großen und gleichzeitigen Angriffen bestehen, die auf sehr großen Fronten vor sich gehen sollen. Die englischen Truppen werden mit bedeutenden Kräften daran teilnehmen. Auch die belgischen Truppen werden sich an den Angriffshandlungen beteiligen. Sobald der Feind erschüttert sein wird, werden die Truppen an den bis dahin untätig gehaltenen Teilen der Front ihrerseits angreifen, um die Unordnung zu vervollständigen und ihn zur Auflösung zu bringen. Es wird sich für alle Truppen, die rekt auf Margarete zu.„Sind Sie denn noch nicht ermüdet, Fräulein Rittberg?“ „Doch, Exzellenz! Wir sind aber fertig wollten eben gehen. Biruleff aber trat mit ihr an eines oer der heran und begann über dessen Vorzüge Mängel eine längere Auseinandersetzung. dann Katia sich dazu gesellte, sah er sie mit einem väterlich wohlwollenden Blicke an:„Und mein Liebling? Wie haben denn ihr die Bilder gefallen? „H. sehr, Papa!“ Sie hob ihr glühendes Gesichtchen zu ihm empor, und er legte ihr beide Hände auf die Schultern. „Du hast wahrhaftig rote Backen bekommen! So wohl hast Du ja noch nie ausgesehen, mein Kind. Fräulein Rittberg, Sie haben dies Wunder „Wohl eher der Spaziergang in der schönen, klaren Luft, Exzellenz!“ wandte sie lächelnd ein. Vor dem Museum wartete ihrer ein offener Wagen; der Präfekt half Margarete beim Einsteigen und nahm dann ihr gegenüber Platz. Während der Fahrt unterhielt er sie unabreißbar; er schien wirklich auf jedem Gebiet beschlagen. Dabei hatte er die Augen überall, keiner der Vorübergehenden entging seiner Aufmerksamkeit, und von vielen ward er respektvoll gegrüßt. Als man an einem Theater vorüberkam, fragte er Margarete: Gehen Sie gern ins Theater? Wir haben jetzt hier eine sehr gute deutsche Truppe. Heute wird Faust“ gegeben, was sagen Sie dazu, wollen wir es uns ausehen, oder haben Sie etwas Besse„Wie haben gar keine Pläne für den Exzellenz,“ erwiderte Rittberg, und Margarete iumte bereituillig au, lalls, Hentzrgebigergrag wolle. Für letztere war dies ein denkwulbiger Tag: Hatte sie doch an ihrer neuen Gesellschafterin eine Freundin gewonnen, an die sie sich mit der ganzen ihr ymewohnenden Wäeme auschloß. Und sch angreifen, nicht nur darum handeln, die ersten feindlichen Gräben wegzunehmen, sondern ohne Ruhe Tag und Nacht durchzustoßen über die zweite und dritte Linic bis in das freie Gelände. Die ganze Kavallerie wird an diesen Angriffen teilnehmen, um den Erfolg mit weitem Abstand von der Infanterie auszunutzen. Die Gleichzeitigkeit der Angriffe, ihre Wucht und Ausdehnung werden den Feind hindern, seine Infanterie= und Artillerie=Reserven auf einen Punkt zu versammeln, wie er es im Norden von Arras tun konnte. Diese Umstände sichern den Erfolg. Die Bekanntgabe dieser Mitteilungen an die Truppen wird nicht verfehlen, den Geist der Truppe zu der Höhe der Opfer zu erheben, die von ihr gefordert werden. Es ist daher unbedingt nötig, daß die Mitteilung mit Klugheit und Ueberzeugung geschieht. (Gez.): J. Joffre.“ Hierzu gab ein französischer Regimentskommandeur folgenden satz: „Diesen Befehl bringt der Oberst zur Kenntnis der Herren Bataillonskommandeure und Kompagnieführer, und bitte sie, während des Dienstes in den Gräben und im Lager jede Gelegenheit zu benutzen, um den Le##en begreiflich zu machen, daß die von ihnen geforderte Anstrengung derartige Folgen haben kann, daß der Krieg binnen kurzem mit einem Schlage zu Ende ist. Alle müssen bei dem beabsichtigten Angriff diejenige Kraft, Energie und Tapferkeit einsetzen, die nötig sind, um ein so großes Er sönis zu erreichen. Wir müssen die deutschen Linien durchbrechen, und dazu vorwärts gehen, trotz Der Befehl des Generals Joffre wird in interessanter Weise durch nachstehende Aeußerung des Kommandeurs der englischen Gardedivision ergänzt, die am 25. September in deutsche Hände gefallen ist: „Divisionsbefehl der Gardedivision. Am Vorabend der größten Schlacht aller Zeiten wünscht der Kommandeur der Gardedivision seinen Truppen viel Glück. Er hat den anfeuernden Worten des Kommandierenden Generals von heute morgen nichts hinzuzufügen. Möge sich aber jedermann zwei Dinge vor Augen halten: 1. daß von dem Ausgang dieser Schlacht das Schicksal kommender englischer Generationen abhängt. 2. daß von der Gardedivision Großes erwartet wird. Als ein Gardist von über 30 Dienstjahren weiß er, daß er nichts mehr hinzuzufügen braucht. (gez.) Lordeaban. Neue Heeresunisormen. Feldgrau in Krieg und Frieden. Die große Frage, ob der Friedensrock des deutschen Soldaten wieder das alte Blau zeigen werde, ist nun endgültig entschieden, und zwar dahin, daß im Kriege wie im Frieden das einheitliche Feldgrau für alle Waffengattungen mit Ausnahme der Jäger und der Jäger zu Pferde, die ein Feldgrün erhalten, eingeführt werden wird. Aber für den Friedensrock sollen doch wenigstens die alten, seit lange überlieferten Unterschiede bleiben, und deshalb wird der Friedensron auch in Zukunft denselben Schnitt haben wie der frühere Wafsenrock; Kragen und Aufschläge, Knöpfe und Litzen werden dieselben bleiben, wie sie am blauen Rocke gewesen sind. Der Feldrock oder wohl besser gesagt: die„Feldbluse" erhält einen ähnlichen Schnitt wie die alte ursprüngliche Litewka mit den verdeckten Knöpfen.. 8 ggag. Eine einheitliche graue Tüchhose wird für die gesamte Armee eingeführt. Ebenso ist ein einheitlicher einreihiger Mantel im Armeefeldgrau für die gesamte Armee, für Offiziere und Mannschaften von gleichem Schnitt eingeführt worden. In Zukunft werden auch die Mannschaften der berittenen Waffen an den eigenen Mützen einen Schirm tragen. Den Kürassieren, Husaren und Dragonern bleiben die bisherigen bunten Mützen für den Frieden belassen. Das Schuhzeug der berittenen Waffen ist durch Einführung eines Einheitskavalleriestiefels vereinfacht worden. Zu Aenderungen des Schuhzeuges für die Infanterie lag keine Veranlassung vor, da es sich glänzend bewährt hat. Das gesamte Schuhzeug ist ebenso wie das gesamte Lederzeug fortan schwarz. Für die gesamte Armee ist ein einheitlicher Leibriemen Omit dem bisherigen Koppelschloß der Fußtruppen eingeführt worden, Bandelier und Kartusche für die Unteroffiziere und Mannschaften; die Leibbinde der Ulanen, welche ebenso wie die anderen Waffen das Koppel fortan überschnallen, sind abgeschafft. Nur die Husaren werden zur Schonung des Schnurbesatzes auch weiterhin unterschnallen. Auf dem Helmüberzug tragen künftig alle Truppen ihre Nummer in grüner statt in roter Farbe. Sämtliche Helme haben eine abnehmbare Spitze, die Tschapka einen abnehmbaren Deckel erhalten, um auch an den Kopfbedeckungen des Feldanzuges alles Auffallende zu vermeiden. Zeltbahn, Brotbeutel und Tornister werden in Zukunft gleichfalls feldgrau gehalten. Die zutünftige Feld= und Friedensbekleidung des deutschen Heeres wird also überaus praktisch sein. Auch die Tatsache, daß zweierlei Garnituren, eine Feld= und eine Friedensgarnitur, für die Mannschaften eingeführt werden, ist sehr klug erdacht, da sie sich mit den Gewohnheiten und Erfahrungen des täglichen Lebens deckt. Auch hier trägt, wer schwere körperliche Arbeit zu leisten hat, dazu einen besonderen Arbeitsrock und nicht seinen Ausgehrock. Die Offiziersausstattung muß sich, wie der Krieg gelehrt hat, in jeder Beziehung der der Mannschaften eng anpassen. Infolgedessen ist nunmehr verfügt, daß die Offiziere ihre Feldblusen, Tuchhosen und Mäntel aus den Mannschoftsbeständen entnehmen dürfen. Für die Friedensröcke (Waffenröcke) ist ein feineres Tuch gestattet. An Stelle des alten Ueberrocks tritt ein neues Kleidungsstück, der sogenannte„kleine Rock“, der etwa der alten grauen OffiziersLitewka entspricht, nur etwas länger und gefälliger geschnitten ist. Dieser Rock soll der Straßen= und Gesellschaftsrock der Offiziere sein. An Stelle des silbernen Feldbinde ist ein ledernes Feldkoppel getreten. Da für das Schuhzeug der Mannschaften die schwarze Farbe vorgeschrieben ist, sollen auch die Schnürschuhe und Gamaschen der Offiziere schwarz sein. Schnürschuhe und Gamaschen sind fortan den hohen Stiefeln gleichberechtigt, dürfen also auch zum Paradeanzug getragen werden. Die Epauletten sind endgültig abgeschafft worden und durch graue Feldachselstücke ersetzt. Die Offiziersachselstücke(die feldgrauen wie auch die filbernen des Friedensrockes) sind als Ersatz für den Fortfall der Epauletten bedeutend breiter wie früher geworden und ähneln dadurch den russischen Offiziersachselstücken. 12 und Bilund Als beim Nachmittagstee fing sie an, Margarete ihr Herz auszuschütten, alte Schulgeschichten auszukramen und mit sichtlichem Stolz zu erzählen, wie sie im Kloster, als der Graf zum Besuch hingekommen, auf seinem Schoß gesessen und aus seiner Tasche Bonbons genascht habe. Als Alexei dann zum Essen kam, hatte sie keinen Blick für ihn! Im Auftrage des Präfekten, den dringende Geschäfte abhielten, sich ihnen anzuschließen, übernahm es der junge Graf Tobiesen, die kleine Geellschaft ins Theater zu eskortieren. Das Stück hatte bereits begonnen, als sie in die Loge traten. Und obwohl Petersburg nominell im Sommer völlig„leer“ ist, war doch das ganze Haus ausverkauft, da die gesamte elegante Welt es sich nicht nehmen ließ, vom Lande hereinzukommen, um die gefeierte Künstlerin, die das Gretchen gab, zu bewundern. Als die beiden jungen Mädchen ihre Plätze einnahmen, richteten sich alle Operngläser auf Katia Michailownas BegleiSie scheint nicht zu uns zu gehören,“ äußerte die scharfsinnige Prinzessin Lieven zu ihrer wenig hübschen, aber in Brillanten funkelnden Tochter. Sie trägt kein einziges Schmuckstück, und der Stoff ihres Kleides hat höchstens fünfzig Kopeken pro Arschin gekostet. Gewiß, irgend eine Ausländerin, die der General wer weiß wo entdeckt hat. Komisch übrigens, daß die Pilsontsky nicht dabei ist, die versäumt doch sonst keine Gelegenheit dieser Art! Kannst Du die beiden Herren erkennen, Duschenkaf“„6. Der eine ist ver junge Tooiesen— er soll“, mit Katia verlobt sein. Den anderen kenne ich nicht; er sieht auch aus wie ein Ausländer.“ Tobiesen hatte sich dicht hinter seine Cousine plaziert, so dicht, daß er, wenn er sich vorbeugte, ihre Schulter berühren konnte. Aus seiner Ecke im Hintergrunde der Loge beobachtete Rittberg unausgesetzt die beiden; er sah, wie der Offizier ihr angelegentlich ins Ohr flüsterte, und wie sie sich einer ungeduldigen Bewegung abwandte. Den Fächer, den Alexei an sich genommen und mit dem er spielte, nahm sie ihm brüsk aus der Hand. „Du bist grausam, Cousine, murmelte er auf Französisch. „Und Du störst undärgerst mich fortwährend,“ entgegnete sie kurz angebunden. Diese kleine Szene gab nun Rittberg die Veranlassung, in einem ganz unqualifizierbaren Triumphgefühl seinen Stuhl näher heranzurücken und sich mit einer, das Spiel betreffenden Bemerkung an Katia zu wenden. Und sie? Wie weggewischt war der kalte, hochmütige Ausdruck ihrer Züge; sie ging mit Lebhaftigkeit auf das angeschlagene Thema ein und ließ ihren Vetter so ostentativ aus dem Spiel, daß selbst sein Rivale Mitleid mit ihm empfinden mußte. Tobiesen aber hatte sich, sprachlos vor Wut, mit einem jähen Ruck erhoben und stand jetzt im dämmerigen Hintergrunde der Loge. Zum allerersten Male kam ihm der Gedanke, auf Rittberg eifersüchtig zu sein. „Es kann doch aber nicht möglich sein, überlegte er,„sollte Katia wirklich diesen plumpen, unmanierlichen Deutschen mir vorziehen, mir!" Es war eine zu abenteuerliche Idee, um im Ernst erwogen zu werden. Dieser mitellose Kandidat der Medizin, dieser Mensch ohne Familie und ohne Stellung! Aber nein, er kannte ja Katia und ihre unverbesserliche Koketterie, sie spielten gewiß nur mit ihm. Aber er wollte ihr zeigen, daß auch er sich auf dieses Spiel verstand! Die Folge dieses Entschlusses war, daß sich Alexei neben Margarete setzte, und lebhaft gestikulierend, eine Unterhaltung im Flüstertone mit ihr führte, bis der Vorhang aufging und die Gartenszene ihren Anfang nahm. Die Aufführung war in der Tat eine mustergültige. Am Schluß der letzten Szene, während das Publikum lebhaft applandierte, klang ein„Bravo“ dicht hinter Margarete und veranlaßte sie, sich umzusehen. Der Präfekt war unbemerkt eingetreten, 231,16 — Zur Unterscheidung der Wa fen= und Truppengattungen untereinander war es bei dem völlig lichen Schnitt(der Rock ist mit„unzrugge des Kollers der Kücasjière, des Schunrten: der Husaren und der Ulanka überall der gleiche) notwendig, irgendein Abzeichen einzuführen, und zwar wird dafür die Schulterklappe maßgebend sein. Hiernach wied die Schulterklappe fortan folgendermaßen beschaffen sein: Für die gesamte Infanterie am Friedensrock: weiz. An der Bluse: feldgrau mit weißem Vorstoß. Für die Jäger: hellgrün. Für die Kavallerie: a) Kürassiere: weiß, mit Vorstoß in der Regimentsfarbe: 5) Dragoner: kornblumenblau, mit Vorstoß in der Regimentsfarbe: c) Husaren: Schnüre in den Regimentsfarben(bisheriger roter 3. Husar z. B. rotweiß); d) Ulanen: rot, mit Vorstoß in der Regimentsfarbe(weißer Ulan z. B. rot mit weißem Vorstoß); e) Jäger zu Pferde: hellgrün, mit Vorstoß in der Regimentsfarbe. Für die Feloartierie: rot. Für die Fußartillerie: gold gelb mit zwei gekreuzten Gronaten. Für die Pioniere: schwarz mil torem Für die Verkehrstruppen: hellFür den Train: kasiblau(statt hellblau, das zu feldgrau schlecht aussicht), Bei der Infanterie und Fel#######nerie sind dadurch an den Schulterklappen die Korpsfarben beseitigt. Die Infante#ie führ sie fortan noch als Vorstoß um die P###l#le des Aufschlages. Die Feldartillerie hat in dem Rot der Schulterklappe ihre alte historische Farbe zurückerhalten. Die Insarlille= rie hat in den gekreuzten Granaten, die sie sich im wahrsten Sinne des Wurtes im Felde„verdient“ hat, nunmehr auchäußerlich ein artilleristisches Merkmal neten Helmkugel erhalten. Der Krieg zur See. Englische Schüsse auf schissbrüchige deutsche Matrosen. Aus Neuyork wird gemeldet: Der aus England zurückgekehrte amerikanische Tierarzt Banks, berichtet, daß ein britisches Wachtschiff unter amerikani'cher Flagee sich einem deutschen U=Boot genähert, und als es herangekommen war, das Sternenbanner niedergeholt, die bei ische 81“, g, a. jete h beschossen und zum Einten Rornigt habe. Banks, der den Angriff von Bord des von dem U=Boot angegriffenen und beschossenen Viehdampsers„Nicosian“ mit anah, sagte ferner, den Ofsizieren und Mannschaften des Wachtschiffes, auf welches die Nieosian“ übergegangen war, sei strengstes Stillschweigen anbefohlen worden. In Privatbriefe, der in amerikanischen Blättern veröffentlicht worden ist, teilt Banks mit, daß die Briten rücksichtslos auf die im Wasser schwimmenden und aus die cosian“ gekletterten deutschen Matrosen geDie Nachricht bezieht sich auf denselben Vorfall, über den die deutsche Presse am 8. September auf Grund von Mitteilungen aus London eingetroffener Amerikaner beberichtete. Das deutsche Unterseeboot, um das es sich handelt, kann nur das am 6. September amtlich als verloren gegangen gemeldete Boot„U 27“ sein. Ein englischer Hilfskrenzer zerstört. :: Aus Maaslouis wird gemeldet: Am Mittwoch wurde ein englischer Hilfskreuzer, der im Versinken war. von zwei Fischdampfern nach Dover geschleppt. Sonstige Krlegsnachrichten. Ein deutsches Nachwort zur Rede Barzklais in Neapel. :: Mit der Rede, die der italigzzischeg Pi, Auslassung in der„Nordd. Allg. Itg.“ Barzilai hat in seiner Rede behauptet, der deutsche Botschafter in Konstanlinopel, Freiherr v. Wang=zögirzgereich, Hagnggrischen Ultimatums Serbien dem italienischen Botschafter Marquis Garroni gesagt, das Ultimatum werde so beschaffen seig, daß der Krieg unausbleiblich sei. Barz###forgert hieraus, daß es sich um einen Aggressivkrieg Oesterreich=Ungarns und Deutschlands gehandelt habe und Italien auf Grund des Dreibundvertrages, der sich ausdrücklich nur auf den Befensiptrieg beziehe, weder zur Beteiligung am Kriege noch zur Neutralität verpflichtet gewesen sei. Demgegenüber wird in der erwähnten halbamtlichen Auslassung festgestellt, daß Freiherr von Wangenheim zwar um die angegebene Zeit mit Marquis Garroni die aus der Zuspitzung der österreichisch=serbischen Beziehungen entstandene Kriegsgefahr besprochen, die ihm nachgesagte Wendung aber nicht gebraucht hat und aus dem Grunde auch nicht gebrauchen konnte, weil ihm ebensowenig wie der deutschen Regierung der Wortlaut des österreichisch=ungarischen Ultimatums vorher bekannt war. Ferner wird bewiesen, daß auch die Schlußfolgerung Barsilais unzutreffend ist. Denn die italienische Regierung war selbst für den Fall, daß nach ihrer Ueberzeugung ein deutsch=österreichischer Aggressivkrieg vorgelegen hätte, durch den klaren Wortlaut des Artikels IV des Dreibundvertrages zur wohlwollenden Neutralität verpflichtet. Das hat die italienische Regierung selbst anerkannt. Am 3. August 1914 meldete die„Tribuna“, Marquis San Giuliano habe auf die Mitteilung von dem zwischen Deutschland und Rußland ausgebrochenen Kriege dem deutschen Botschafter erklärt, daß Italien gemäß dem Geiste und dem Wortlaut des Dreibundvertrages Neutralität beobachten werde. :: F ü n f M i l l i a r d e n K r i e g s a n l e i t e b e reits eingezahlt. Auf die dritte Kriegsanleihe waren bis zum Sonnabend, alsob zum 2. Oktober einschließlich, rund fünf Milliarden Mark eingezahlt. :: D i e I n s c h r i f t a u f d e m R e i c h s t a g s gebände. Das Reichstagsgebäude soll bekanntlich die Inschrift:„oen, derpche Volke" erhalten. Diese wicd, wie der deutschen Allg. Ltg.“ von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, nicht, wie von einer Seite behauptet worden ist, in lateinischen Schriftzeichen ausgeführt werden. In dem schuß des Reichsla#e? ist von dem Regierungsvertreter von vornherein darauf hingewiesen worden, daß es dem Volksempfinden nicht entsprechen würde, wenn Antiquaschriftzeichen gewählt würden. Dieser Auffassung trat der Ausschuß bei und beschloß, daß die Inschrift in gotischen Buchstaben ausgeführt werden solle. Paul v. Hindenburg Ein Lebensbild von Bernhard von Hindenburg. Die Lebensbeschreibung unseres General= seldmarschalls aus der berufenen Feder seines jüngeren Bruders. Mit 43 Bildern, — Preis 1 Mark— Eleg. geb. 2 Mk. In Leder 3 „Apesha Von Kapilänleutnant v. Mücke. Ein Buch der Tatsachen. Packend schildeit der Verfasser seine abenteuerliche Fahrt auf See und den gefahrvollen Zug von Hodeida durch die arabische Wüste. Geheftet 1 Mark. Elegant geb. 2 Mark. Mit den Türken an der Front Der Kriegsberichterstatter des„Beiliner Lokal=Unzeigers“ E. Serman schildert in dem lebensvollen Buch seine abenteuerlichen Erlebnisse auf den türkischen Kriegsschauplätzen Preis 1 Mark. Unser Seeheld Weddigen Von Dr. Otto Weddigen. Eine lebendige Schilderung der kurzen Heldenlaufbahn des unvergeßlichen Führers von„U9 u.„U 29“. Mit 10 Abbildungen Preis 1 Mark. Singendes Schwert Lieder von Joseph von Lauff. Sammlung der Kriegslieder des vaterländischen Dichters, der in glühender Begeislerung die Helden unserer großen Zeit feiert. In künstlerischem Einband 1 Mk. 25 Pfg. Die werdende Macht] Als Adjutant Roman von Oklo von Goliberg. Goltberg hat mit diesem vor Ausbruch des Krieges vollendeten Roman das Hohelied auf unsere herrliche Marine gesungen. Künstlerisch geb. 4 Mk. Gehestel 3 durch Frankreich und Belgien Der Verfasser, Oklo v. Gotlberg, erzählt als Milkämpfer in packender Darstellung seine Erlebnisse und Abenteuer in Feindesland. Preis 1 Mark. Aus Feldpostbriefen. Die englischen Siege— verschleierte Niederlagen. :: Aus einem Feldpostbrief aus Flandern vom 29. September geben wir nach dem Berl Lok.=Anz.“ folgenden Ausschnitt wieder: „Zwar sind die„Siege“ von Herrn French verschleierte Niederlagen, wenn sie so sind, wie auf unserem Frontabschnitt, aber harte Arbeit gibt es doch. Er schreibt von acht erbeuteten Geschützen. Ich machte zufällig am Tage nach dem völlig abgewiesenen Angriff die Runde durch unsere ganzen Vorstellungen.„Die Engländen tamen bis vor unsere zweite Infanteriestellung, hinter der diitten stehen erst, mit Ausnahme eines einzigen Geschützes, das aber noch hübsch da war. die Geschütze: nicht einmal Maschinengewehre konnten sie mitnehmien, und in unserem eiligst verlassenen Unterstand im ersten Schützengraben fanden wir bei unserer Rückkeyr noch Scherensernrohr und Feldstecher, sowie einen pholograthischen Apparat völlig unangerührt vor. Taru aber viele englische Karabiner! Ich srrach verschiedene verwundete Gefangene, die ven Lobes über die Behandlung waren und von dei Unlust ihrer Truppen, die vorgetrieben wurden, erzählten. Natürlich. Tote und Verirundete hatten auch wir sehr viele aber die Verluste der Engländer sind ein Vielfaches unserer Zahl. Die verwundeten Gefangenen werden mit Kognak und Wein sowie Kels und Schokolade gestärkt und auch verbunden, oder die Verbände erneuert und dann in die Lazarette abgefahren und geradezu mustergültig behandelt. Mancher hatte im Englischer und in gebrochenem Deutsch nicht 3 genug Wert Dankes und der Bewurderung.. Es ist auch fabelbaft, was einige hundert Meter hinter dem Schützengraben und wie es geleist#t wird. erzählten auch, daß die uns gegmnüberSie liegenden alten Regimenter nicht mehr zum Sturm gegen uns hättenve, und durch sunge Leute im Aner ren 18 bis 20 Jahrene#sert worden nören. auch sie sagen:„Eiumalung nicht wieder! Wetter=Aussichten für mehrere Tage im Voraus. 7. Oktober: Sonnig, Wolkenzug, nachts kalt. Im Süden Regen. 8.— Wenig verändert, strichweise Regenfall. Rönig und Kärrner Roman von Rudolph Straß. Ein Preislied auf den sonnigen Humor der fröhlichen Pfalz und die quellende Riesenkraft der deutschen Friedensarbeit. Künstlerisch geb. 5 Mk. Geheftet 4 Mk. Tandsturm Kriegsgesänge v. Hans Brennert Ein köstliches Sammelbuch frischer, velkstümlicher Gedichte und Soldatenlieder, teilweise mit Melodie und Begleitung. Preis 1 Mark... Das deutsche Herz Feldpostbriefe unserer Helden Der Krieg von unseren Kriegern selbst erzähl!! Das ist der Reiz dieser Sammlung aus Ost und West, von See und Übersee In künsllerischem Einband 2 Mark.— Kaiser Wilhelm II. und die Marine Prachtwerk Zeh: doppelseitige farbige Bilder und 120 Zeichnungen von Prosessor Willy Stöwer. Text von Admiralitätsrat G Wislic nus Folioformat. In Leinen gebunden 5 Mk. Deutsche Heldenlieder Gedichte aus dem Kriegsjahr 1914. Auswahl patriotischer Lieder, die Deutschlands Söhne in den ersten Kriegsmonaten im Felde und auch daheim gesungen haben — In künstlerischem Einband 2 Mark— Scherls Jungdeutschland=Buch 1915. worten von Generalfeldmarschall Dr. Freiherrn von der Goltz, enthält von namhaften Autoren wie General der Kavallerie von Bernhardi, Karl Bleibtreu, Ludwig Ganghofer. Sven Hedin, Paul Oskar Höcker, Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Dr. u. Mathias, Gg. Frhrrn. v. Ompteda, Konteradmiral z. D. P. Schlieper u. a. prachtvolle Erzählungen und Aufsätze, packende Episoden aus dem Kriege, flammende Kriegsgedichte und eine Schilderung der Ursachen des Klieges. Jeder deutsche Junge wird das von ersten Künstlern alänzend illustrierte, hereliche Buch mit Begeisterung lesen, Unter", haltung, Belehrung und Erhebung in ihm finden. In künstlerischem Geschenk=Einband 4 Mark. Kriegs=Album Mehrere hundert Bilder von den heldenmütigen Kämpsen der verbündelen Armeen und unserer Marine Erster Band: 22. Sonderheft der„Woche“ Umsatzt die Zeli vom Beginn des Krieges bis Ende November 1914. — In künstlerischem Einband 3 Mark. Iweiler Band: 23. Sonderhest der„Woche“ Umsaßt die Zeit von Ansang Dezember 1914 bis Ende April 1915. — In künstlerischem Einband 3 Mark.— Scherls in sottaomäßtog Ein zeilgemaßes Jahrbuch. Sherls Jungmädchen=Buch, das jetzt zum erstenmal erschienen ist, enthält für Mädchen im Alter von 18 bis 17 Jahren eine unüberder von Loste Gubalke. Das Buch, das mit der sischiteratur nichts gemein hat, trägt dem Ernst der Zeit Zecgung, undersegbare Freudenguele hinstell. Schulrat Dr. 3. Wochorg. der prächtige Bilderschmuck von ersten Künstlern würdig einfügt. In künstlerischem Geschenk=Einband 4 Mark Jnlbegiehen onich die Schweits(Cing“) Große Marktstraße 3—5. □0 22 5 a Sogsgs S OepSSag PFeefrnof FDSüF Margot an Dr. Adolf Oldevelt: M., den 13. Januax., „Streng vertranlich!!!! Distretion Ehrensache!!: Lieber Vetter! Wenn ich mich nach reiflicher Ueberlegung entschlossen habe, mich brieflich an Dich zu wenden, so hoffe ich, Du wirst diesen Schritt nicht mißdeuten. Und ich vertraue auf Deine ritterliche Verschwiegenheit. Gestern abend ist Ellen v. Sydow bei uns eingetriffen. Du mußt Dich ja noch bunke. an sie erinnern, wei. Du mich netlich nah ihr frigt:k. Sie ist ja nicht be onders aler riesig nett, und ich berrachte sie trotz dr grogen Altersuutersch edes als meine beste, ja, ich kann sagen: ais meine einzigs Iteun in. Wis mir 5g guhers auf est, die ältlicze Midchen in ihrer Verbtrtrung— mein Gott, man versteht ja, werhalb jüngeren Damen gegenüber so gerne annehmen. Ich lieve sie sehr, und well ich hr gern eine kleine Freude machen möchte, bitte ich Dich, lieber, Better, übermorgen bei unserer Partie auf den Herzogstand“ reht freundlich und liebenswürdig gegen sie zu sein. Es wird sich schon belohnt machen. Und wenn Du damit ein keines Opfer bringen mußt, so denke, Du tust es mir zuliebe. Oder keines Opfers wert????———— Du mußt diesen Brief sosort verbrennen, oder, wenn Du ihn durchaus aufbewahren willst, was ich Dir ja nicht verbieten kann, mußt Du ihn so gut weglegen, daß ihn nie eines andern Menschen Auge erblickt. In dieser Hoffnung verbleibe ich mit herzuchem Gruß... Margat Deine woh geneigte Kusine Murgor.“ PS. Du bist doch übermorgen ganz pünktlich nicht wahr? Und wir werden uns so unbefangen gegenübertreten, als ob dieser Brief niemals geschrieben worden wäre und as ob es kein Gehelmn's zwischen uns gäbe. Man muß sich eben zu beherrschen wissen.“ (Schluß folgt.) 8 □ enkspruch. Voll schze. Gedanken durchdaun unstet ich der Deutsch. de Stülme mit 1 iker Geduld. 12 G. Jordan. ** G 8 Allerle. in den Vereinigten Staaten durch zahlreiche Versuch wiesen worden, und im„Scienlifit American“ berichten Georges A. Burrel und Frank M. Seibert über die neuesten Er= gehnssse dieser inter ssanten Ferschungen. Nachdem man zuVerhalten von Meerschneinchen, Kaninchen, Hi nern, Hunden, Mäusen und Kinarienvögeln giftigen Gasen gegenüber unter Tag genau beobachtet hatte, kam man zu der Feststellung, daß Mäuse und Kanarienvözel am besten geeignet sind, um das Auftreten etwaiger schädlicher Gase frühzeitig und sicher anzuzeigen. Besonders die Kanarienvögel weisen bereits bei der Einatmung ganz geringer Mengen von Kohlenoxyd ein derartig verändertes Wesen auf, verlieren so rasch das Bewußtsein, daß der Vergmann lange, bevor er auch nur das gerinzste spürt, auf die Gefahr aufmerksam wird. Nach den Besbachtungen von J. S. Haldane tritt eine Gawöhnung der Kauarienvögel an die gi Gase nicht ein. Ein Tierchen, das sechs= oder siebenmal hintereinander dem. Einfluß einer geringen schädlichen Gasmenge ausgesetzt wird, wird jedesmal wieder sofort betäubt und kommt dann an der frischm Luft wieder zu sich. Berglente haben also an dem kleinen Begleiter im Vogelbauer den sichersten und besten Vorausverkünder der Gefahr. Bleibt der Vogel auf seiner Stange sitzen, dann weiß der daß er in Sicherheit ist. Beim ersten Anzeichen einer OhnTierchens erkennt der Mensch, daß es Zeit ist, Kanarienvög lals Schla wetteranzeiger. Ein Kanarien= vogel in seinem Bauer, den der Bergmann als ein notwendiges Stück seiner Ausrüstung mit unter Tag nimmt, erscheint uns gewiß als ein seltsamer Begleiter, und doch ist diese Rolle des Kanarienvogels in den Vereinigten Staaten durchaus keine vereinzelte Erscheinung mehr. Und es haudelt sich dabei nicht erwa um eine Liebhaberei der Bergleute, die sich von ihren zwitschernden Freunden auch bei der Arbeit nicht trennen wollen, sondern die kleinen Tire dürfen als die besten Propheten der Gejahr gelten, wenn schlagende Wetter oder ähnliche Katastrophen den Menschen in der Tiefe der Erde bedrohen. Die Fihigkeit mancher kleinen Tiere, die giftigen Gase in der Luft bereits zu spüren, wenn sie für den Menschen noch gar nicht wahrnehmbar sind, ist von dem offiziellen Bureau für Bergwerkskunde Sicherheit zu denken. So wird ihm der Kamacht des narienvogel zu einem wertvollen Begleiter bei seiner geschrichen Achet. Ralschlase ürs haus HON eu tum 8. von Laufa Omcent. Kindern Arznei zu geben, ist oft eine sehr schwierige Sache, und gar manches Mal hört man eine Mutter klagen:„Was mache ich nur? Das Kind will die Medizin durchaus nicht nehmen!" Ja, liebe Mutter, da ist schwer zu raten, denn hier ist ein Erziehungsfehler gemacht worden. Das Kind muß so erzogen werden, daß es genau weiß, Vater und Mutter wollen nur sein Bestes, dann wird es sich ruhig fügen, wenn die Eltern etwas von ihm verlangen, und es wird auch gutwillig die bittere Arznei schlucken. Ganz falsch ist es, einem Kind zu sagen, die Medizin schmecke süß, wenn dies nicht der Fall ist, denn es wird sich beim zweiten Male um so heftiger sträuben. Hat die Arznei einen sehr unangenehmen Geschmack, so empfiehlt es sich, dem Kinde ein Pfefferminzplätzchen zu geben, damit es dieses vorher auf der Zunge zergehen lüßt, wodurch der häßliche Geschmack gemildert wird. Auch ein Schribchen Apfelsine vorher und ein anderes nachher tun oft gute Dienste. Oelreste aus Glasflaschen zu entfernen, scheint mancher Hausfrau ein Ting der Unmöglichkeit. Und doch ist es gar nicht so schwer, wenn man das nachstehende Verfahren anwendet. Man fülle die Flasche mit Asche und stelle sie dann in einen Topf mit kaltem Wasser, das man ganz langsam zum Sieden bringt. Man läßt es dann eine Stunde lang kochen und hierauf wieder abkühlen. Nun nimmt man die Oelflasche heraus und spült sie zuerst mit Seifenwasser, dann mit reinem Wasser aus, worauf sie ganz klar erscheinen wird. Rce — GrE S 1.55 SESNSRAN 9 5 5 S Gagag 1#59.E TE. B 2 01 * co u S•i 0 0 855 00 T• Amtliches Kreisblatt fürden kreis börde "*s 47. Jahrgang 0 Grles und dlelles Cagesorgen des kreies. 0 haupi=Khnoncenbzun Unterhaltungs Beilage zu Nr. 234. Mitlwoch, 6. Oklober 1915 1 des 18 willen. ∆ 9505 G S5 erlach war schwer getroffen von dieser bösen Nachricht. und die wenigen Zeilen von lilrike, welche zufällig mit derselben Post einliesen, vernichteten ihn völlig. Sie schrieb: „Ihre Schuld tötet meinen Vater, Baron. Für das falsche, herzlose Sziel mit mir habe ich keine Worte Meine Verachtung ist größer als der Schmerz, den Sie mir zugefügt. Ulrike, Grösn zu Agoog. Das war ihm wie ein Schlag ins Gesicht. Er hatte die beste, redlichste Absicht gehabt, ein anderer Mensch zu werden, nur waren leider die widrigen Verhältnisse stärker gewesen, als er in seiner angeberenen Schwäche. Aber Ulrike hatte ihn geliebt, und an diese reine, tiefe Liebe wagte er zu appellieren,— sie sollte ihn nicht ungehört verdammen. Reuevoll bekannte er seine Schwächen, schilderte die Versuchungen, denen er ausgesetzt gewesen, und bat, daß lilrike auch mit den unseligen Verhältnissen rechnen möge. In seiner Zerknirschung demüt'gte er sich zu einer offenen Darlegung seines ganzen irrenden Lebens. Er habe sich bisher vor keinem Weibe so bis in den Staub gebeugt, als vor ihr, die er über alles verehre, und seitdem er ihr sein Wort verpfändet, habe er gegen ihr Herz wenigstens nicht gesündigt, und daher müsse sie großmütig verDies reuevolle Schreiben aber kehrte uneröffnet zurück, einige verletzende Zeilen Ralfs begleiteten es. Der junge Graf Rhoda verbat sich ernstlich jede weitere Annöherung des Barons an seine Jamitie, indem er verächtlich hinzusügte, daß ein Rhoda es selost verschmahen mün#e, mit einem ehrlosen Glückszager die Waffe zu kreuzen. Ger achs nächster Gedanke war eine Kuger zur sühnenden Selbstvernchtung; aber dem Lebemann gelte im entscheidenden Miment der Mut dazu. Genutzmen chen haften zäh am Leven, und solange Graf Bernhard lebte, war ja nicht alles verloren; er wußte, daß Melanie ihn nicht gänzlich dem Elend preisgeben durfte, um der Vergangenheit willen, die auch Gegenwart und Zukunft unloslich festhielt durch die Schuld. XII. Gräsin Melanies heißer Wunsch sollte erfüllt werden. Es gelang der ärztlichen Kunst, das Leben ihres Gemahls zu erhalten. Die Lähmung der einen Körper,eite wurde fretlich nicht beseitigt, aber die S. rache kehrte ihm zurück, und er war nicht mehr beRoman von C. Dressel. (14. Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) ständig an das Krankenzimmer gesesselt. Dieser immerhin glückliche Erlolg mußte vornehmlich dem jungen Doktor Ewald Lorenz zugeschrieben werden. Dieser war als Assistenteinesberühmten Arztes nach Rhode auf dessen warme Empleglung hi einweilen daselost geblieben, als anderweitige Pflichten jenen fortriefen. geblieben, als anderweitige. P#li##g. Jg ta tem Nun er remte sich Dottor Ewald Lorenz des vollten Vertrauens des kranken Schloßherrn. Nächst ihm verdankte Graf Vernhard wohl Heowigs freundlicher Umsicht die Genesung. Da wed Melanie noch Ulrike sich an seiner Pfiege beieiigen durften, so trat Hedwig bereitwillig an deren Stelle und übte ihr Liebesamt mit einer bewunderungswerten Hingabe und Geschicklichkeit. Und wenn auch Rolf, den Ulrike an jenem unheilvollen Tage telegraphisch herbeigerufen, sich herzlich um den Vater mühte, so konnten doch seine unbeholsenen, wenn auch gern erwiejenen Dienste Hedwigs leises, wohituendes Walten nicht ersetzen; zudem zeigte Graf Vernhard eine große Vorliebe für die sanste, freundliche Pflegerin. Je mehr aber die Gefahr für sein Leben schwand, desto stärker wurde die Zurückhaltung gegen die Tochter, während Melanie plötzlich ihre frühere Macht über ihn in einem Grade wiedererlangte, daß sie völlig über Ulrike triumphieren konnte. Graf Vernhard konnte sich nicht genug tun in seiner Neue über die bewiesene Ungerechtigkeit, und so sehr er auch seiner schönen Frau in den ersten Wochen der Krankheit gegrollt, so bemühte er sich jetzt, sie seine Härten vergessen zu machen. Wie Melanie diesen plötzlichen Umschlag zu ihren Gunsten herbeigeführt, das blieb allen Einceweihten der Katastrophe, zu denen nun auch Ralf und Doltor Lorenz gehörten, ein Rätsel. Sie konnten nur über die Tatsache staunen und sich über den leichtgläubigen Schloßherrn wundern, der jeder Berührung des Anlasses seiner Erkrankung von seiten des Sohnes nun ernstlich auswich und jede Anspielung auf eine Täuschung Melanies zornig abwies und erbittert äußerte:„es stände wohl um Rhoda, wenn die Ehre seines Hauses von allen Gliedern der Familie so hoch gehalten würde, wie von seiner unschuidig verDamit wurde Ulrike zur schweigend Vrrurteilten. Sie empfand die Ungerechtigkeit iyres in blindem Vertrauen befangenen Vaters schmerzlich, Melanies hohnvolles Triumphlächeln aber empörte sie. Bei dem noch immer die gröhte Rücksicht erheischenden Zustand des Grafen durfte sie nicht daren deulen, ihn seines I. ∆ S# S #SSBSSS-SEE SEE #. aST, Oeicigan s : E Hgg 9 2— *„„„„*.*„ OyuS a· FFS5S SScS OSSPSGS 2 SBESBER S SCES•“ 5* G 2 5 2 S S•8 S 5 2. GLEPOaOTSETASS * 5 SO SELEGSSEESOSSSESEDS S S.2. BU ansCOES * 5 BEUPEN GEEEGBSSSSSE S SU S S 8 9 S S ESes *— # S S B S ZUSEZUE S Sm SSE S#gass . 9• 5!— S— tums zu überführen; aber sie litt so schwer unter dieser beharrlichen Zurücksetzung, daß sie ein Zusammenleben mit die er ränkevollen Frau, deren Anblick zudem beständig die Erinnerung. an Baron Gerlach erweckte, die sie mit allen Kräften zu ertöten strebte, nicht mehr zu ertragen vermochte. Sie beschloß, nach Erlenhof, einer ihr von der verstorbenen Mutter zugefallenen Besitzung, überzusiedeln, und Graf Bernhard widersetzte sich dem nicht. „Es schmerzt mich, dich in dieser hartnäckigen Auflehnung gegen Melanie verharren zu sehen,“ äußerte er zu Ulrike.„Es scheint mir daher in der Tat am zweckmäßigsten, daß du Rhoda einstweilen meidest, bis eine bessere Ueberzeugung dich lehrt, dich Melanies sanfter Führung zu fügen. Hier gebietet die Gemahlin des Majoratsherrn, auf Erlenhof bist du die Herrin", schloß er kalt.. 44„in in 9i Aber Ulrike sollte doch nicht auein in die Verbannung gehen, denn Hedwig hatte sich sofort erboten, sie zu begleiten.„Dein Vater bedarf meiner nicht mehr,“ sagte sie,„dir aber bin ich vonnöten, ich werde dich sicherlich nicht dort in der Einsamkeit deinem Gram, deinem verzeihlichen Groll überlassen. Habe Mut, liebes Herz, dein Leben wird wieder hell werden, selbst de. Verzagteste kann in der Pflicht gesunden; in Erlenhof vermagst du viel Gutes und Schönes zu schaffen, und ich helfe dir gern dabei.“ Es war Ralf, welcher der Entfremdung zwischen Vater und Tochter ratlos gegenüberstand, sehr tröstlich, daß Hedwig sich der Freundin anschloß. Er hatte Ulrike seine Freude darüber ausgesprochen, und diese, welche stets warm wurde, sobald die Rede auf ihren Liebling kam, sagte dankbar:„Ja, Ralf, Hedwig ist mein guter Engel geworden; ohne sie wäre ich dem schweren Schicksalsschlage erlegen, und mir bangt in dem Gedanken, sie einst an den Mann zu verlieren, der ihr Herz gewinnen wird. Es mag bald geschehen, denn sie ist nicht dazu geschaffen, einsam und freudlos zu wellen; aber ich gönne sie nur dem Besten.“ „Ja, meinst du denn, daß ich mich schnurstracks verliebt hätte auf ein schönes Gesicht hin? Möchtest du denn hören, daß ich solch ein völlig unbekanntes Mädchen aus der Fremde als dereinstige Herrin von Rhoda heimzuführen gedächte?“ „Das hättest du nicht getan. Denkst du an Ewald?" fragte Ralf.„Er ist dieses holden Wesens würdig, sie müßten sich herrlich ergänzen; sie scheint mir so recht geeignet, ihn in seinem schweren Beruf zu unterstützen. Ihre Sensivität würde an seinem Geiste erstarken, ihr poesievoller Sinn aber seinen Realismus mildern. Gewiß, sie würden ein herrliches Paar abgeben.“ „Elaubst du? Gönnst du sie ihm?" fragte Ulrike sonderbar eindring ich. „Meinem begen Freunde nicht das schönste Glück gönnen? An Ewald Lorenz reicht kaum eine hinan.“ „Du magst recht haben! Dennoch kommt mir diese Ansicht überrraschend, denn meine Wünsche für Hedwig zielen woanders hin. Auch habe ich eine Neigung für den Arzt in ihr noch nicht wahrnehmen können.“ Sie verstummte sinnend, um dann plötzlich die rasche Frage zu tun:„Ralf, hast du dein Herz unversehrt zurückgebracht?“ Ein mädchenhaftes Erröten überflog sein junges, anziehendes Gesicht, aber er lachte harmlos:„Meinst du, Lorenz senior hätte mir Zeit oder Gelegenheit für dergleichen Allotria gegeben?“ „Weiche mir nicht aus, lieber Ralf; du verstehst es **:(Pohe::: perhergen de ja auch gar nicht, ein Geheimnis zu verveigen, dein Gesicht verrät dich. Also, beichte deiner Schwester.“ „Beste Ulrike, da ist wahrlich nichts zu bekennen; ich habe nirgend Veranlassung gefunden, mich einer Dame zu nähern.“.. Juzen B.ig durch 9. „Du wärest auf deiner langen Keise burch die herrlichsten Länder nicht einem besonders schönen, liebenswerten Mädchen begegnet?“ „Gewiß sah ich in Italien und Griechenland viele anmutige Frauen= und Mädchengestalten, und eine unter diesen———“. Er brach verwirrt ab. „Nun, diese eine, Ralf?“ Du kennst die Gesetze unseres Hauses und weißt, daß sie dir nur die Ehe mit einer Ebenbürtigen gestatten. Dennoch, erzähle. mir von dieser„Einen". „Das ist wenig zu berichten, Ulrike. Ich wollte nur sagen, daß ich allerdings ein Mädchen sah, schön und lieblich wie ein Traum. Nie sah ich Aehnliches.“ „Schöner noch als Hedwig, Ralf?" „Hedwig ist sehr anmutig, jene aber war überwältigend schön,“ antwortete er leuchtenden Blickes. In Erinnerung verloren, sprach er träumerisch weiter: „Im Dom zu Mailand sah ich sie. Es war um die Zeit der Abenddämmerung, und das Licht der untergehenden Sonne ließ den wunderbaren Bau in magischem Schein erglänzen. Ich suchte ihn besonders gern um diese Stunde auf, weil ich mich dann ungestörter in ihm verlieren konnte. Die wenigen frommen Beter, die hier und da in den Stühlen knieten, achteten meiner nicht. Ich weilte sinnend an einem versteckten Säulenplatze, als leise, deutsche Laute verworren an mein Ohr tönten. Halb Gebet, halb Beichte verhallten sie flüsternd in den hohen Wölvungen des Domes. „Vergib mir, Mutter," hörte ich eine Stimme von selten rürendem Wohlklang flehen.„Ich war so namenlos verlassen, krank an Leib und Seele, als der Versucher nahte und mir den Himmel in meine traurige Einsamkeit brachte. Run bin ich selig, unselig, denn mein Glück ist Trug. Mutter, mir graut vor dem Ende und der Verlassenheit, bitte den Allmächtigen um Erbarmen für dein unglünliches Kind!“ Ein heißes Auschlumzen, das sich in einem zitternden Seufzer verlor, und es ward st.il, unheimlich still. Geraume Weite lag die Mädchengestalt noch im Gebet auf den Knien, dann tauchte sie vor mir empor, hoch und schön. Sie kennte mich, der ich im verborgenen Dunkel lauttos verharrte, unmöglich gewahren., J. 2. ihr Schme Zögernd stand sie, ais werde es iyr schwer, den heiligen Ort zu verlassen, und noch einmal hob sich ihr flehender Blick empor. Der verglimmende Abendschein strahlte wie eine Gloriole um ihr himmelwärts gewandtes Antlitz. Urike, welch ein Gefühl! Ein Gemisch von Seligkeit, Trauer, Reue, und vor allem eine überwältigende Hoheit lag in diesen wunderschönen Zügen. Das Mädchen sah aus wie eine leidende Königin; ich hätte vor ihr knien können. Die großen, tiefblauen Augen schimmerten noch träuenfeucht. Eine Fülle weichen, dunkelbraunen Haares umfloß die reine, gedankenvolle Stirn. Ihre hohe, schlanke Gestalt trug ein einfaches schwarzes Gewand. Da erlosch der letzte Strahl, tiefer sanken die Schatten, und langsamen Schrittes verließ die majestätische Erscheinung den Dom. Ich sah das schöne, leidvolle Antlitz Beatrices nicht wiedr.“ „Du kennst ihren Namen?“ rief Ulrike bestürzt. „Ja!“ lächelte er noch wie träumend.„Als sie entschwunden war, sah ich ein jennes Tuch an ihrem Platze liegen. Ich hob es neugierig auf und fand den schönen Namen zierlch hineingestickt. Das ist alles, was ich von ihr weiß; denn so eilig ich ihr auch folgte, ich fand sie nicht wieder.“ „Möchte das nie geschehen, Ralf; glaube mir, sie ist eine Schuldige.“ „Eine Heilige, Ulrike,“ flammte er auf. Sie vermochte nichts zu erwidern, da Hedwig in diesem Moment eintrat und Ulriken mitteilte, daß der Wagen, der sie nach Erlenhof führen sollte, bereit sei. (Fortsetzung folgt.) 1 0 * 111 cereh Eine amerikanische Riesenlokomotive. Die amerikanischen Lokomotiven nehmen immer abenteuerlichere Dimensionen an. Jetzt hat die Delaware and Hudson Railroad eine Riesenmaschine in Dienst gestellt, die den Werkstätten der American Locomotive Co. entstammt und schwere Güterzüge befördern soll. Es handelt sich natürlich um eine gegliederte Compound= Maschine. Um ein Bild der geradezu unwahrscheinlichen Größenverhältnisse des Ungeheuers zu geben, sei gesagt, daß die vorderen Niederdruckzylinder einen Durchmesser von 1,04 Meter haben, die Hochdruckzylinder immerhin auch noch 0,66 Meter. Der Heizkessel ist 13,66 Meter lang und 2,44 Meter breit, die Feuerbüchse mißt 3,20 zu 2,44 Meter, also mehr als mancher moderne Wohnraum. 16 Räder in zwei Gruppen zu vier Achsen tragen den Wunderbau. Das Gesamtgewicht beträgt 202,85 Tonnen, das des Tenders in Fahrausrüstung 75,65 Tonnen, zusammen also 278,5 Tonnen. Die Zugkraft einer solchen Maschine erreicht 47000 Kilogramm bei 2600 Pferdekräften. Was das bedeuten will, kann man sich klarmachen, wenn man bedenkt, daß unsere größten Frachtzugmaschinen, die sogenannten Dekapoden(10rädrige Maschinen) nur 102,2 Tonnen wiegen und nur 20 700 Kilogramm Arbeitsleistung repräsentieren. Dank der neuen großen Maschinen kann die Delaware and Hudson Railroad sich jetzt begnügen, Züge von 2600 Tonnen Gewicht selbst bei aufsteigendem Gefälle mit einer einzigen Lolomotive zu befördern, wo früher deren drei notwendig waren. 2600 Tonnen sind soviel wie 170 beladene 10=Tonnen=Kohlenwagen oder 70 vollbesetzte Schnellzugswagen. Rodelpartie. Indiskretionen aus einer Backfisch-Korrespondenz von Lothar Brenkendorf. (Nachdruck verboten.) Margot an Ellen v. Sydon## M., den 15. Januar. Meine süße einzige Ellen! Mama, die nicht selber schreiben kann, weil sie einen bösen Finger hat— es sich erst sehr schlimm aus, aber seitdem mein Vetter Adolf sie behandelt, ist der Finger natürlich auf dem Wege der Besserung— Mama beauftragt mich also, Dich für kommenden Mittwoch recht herzlich auf ein paar Tage zu uns einzuladen. Wir haben das herrlichste Rodelwetter, was Du doch immer so gerne mal mitmachen wolltest, und mein Vetter Adolf sagt, es hielte noch eine ganze Weile an. Er versteht schrecklich viel von Depressionen und barometrischen Minimums (oder heißt es: Minimis?), und man kann sich auf ihn verlassen. Ich glaube, er versteht sich überhaupt auf alles. Er ist schauderhaft klug und rasend liebenswürdig. Aber das bleibt ganz unter uns, nicht wahr? Er könnte sich sonst zuviel einbilden. Ich halte ihn für den tüchtigsten Arzt, den es überhaupt gibt. Und dabei praktiziert er erst seit einem Jahr. Uebrigens hat er sich neulich nach Dir erkundigt. Ob Du mich nicht bald einmal besuchtest, hat er mich gefragt. Er interessiert sich eben für alles, was mich angeht, auch für die gleichgültigsten Sachen. Du mußt also jedenfalls kommen. Allein wür en meine Eltern mich ja auch gar nicht mit Adolf auf den Herzogstand gehen lassen. Obwohl ich das lächerlich finde. Denn er ist ein solcher Ehrenmann, daß man ihm getrost noch ganz andere Dinge anvertrauen könnte als mich. Honorig— würde mein Bruder Kurt sagen. Ich rechne ganz bestimmt darauf, daß Du nicht verhindert bist. Es wäre einfach scheußlich. Erstens, weil ich mich so furchtbar nach Dir sehne, und zweitens, weil dann vielleicht gar nichts aus der Partie auf den Herzogstand würde. Aber du bist ja meine liebe, süße Ellen— meine beste Freundin, trotzdem Du so sehr viel älter bist als ich. Ach Gott, ich mag gar nicht daran denken, daß ich in wenig mehr als vier Jahren auch schon zwanzig sein werde, wie Du es jetzt bist. Aber schließlich— wenn nur das Herz jung bleibt, nicht wahr? Schreibe gleich und sei viel tausendmal geküßt von Deiner Dich ewig liebenden Margot.“ PS. Vergiß nicht, Deine genagelten Schuhe mitzubringen und den roten Sweater. Du siehst zu zuckerig darin aus. Und ich glaube, mein blauer wird sich daneben besonders hübsch ausnehmen. Meinst Du nicht auch? Mein Vetter Adolf sagt, ich sähe darin aus wie eine Enzianblüte. Er ist so drollig.“ Margot an Thea Baumgartner in Lausanne: M., den 15. Januar., „Mein Herzensschnuckchen! Eben habe ich einen langen Brief an Ellen v. Sydow geschrieben— Du weißt doch: die Tochter von Papas intimsten Jugendsreund, die lange Blonde, die wir immer bedauerten, weil sie mit neunzehn noch nicht verlobt war. Jetzt hat sie richtig schon ihren zwanzigsten Geburtstag gefeiert, und nun ist es wohl mit jeder Hoffnung vorbei. Sie tut mir aufrichtig leid, denn ich habe sie sehr gern. Damit sie nicht gar zu verbittert wird, wollte ihr Mama wohl eine kleine Freude machen, indem sie mich beauftragte, sie einzuladen. Mir aber kommt diese Einladung sehr gelegen; denn jetzt muß Adolf mit uns auf den Herzogstand. In der Gesellschaft einer so würdigen Ehrendame wie Ellen hat es ja wohl keine Gefahr mehr. Wie ich mit„ihm“ stehe, fragst Du in Deinem letzten Briefe. Nun, auch an uns beiden bewahrheitet sich wieder einmal das schöne alte Dichterwort: Was sich liebt, das neckt sich. Adolf gibt sich Mühe, seine wahren Gefühle zu verbergen, indem er so tut, als ob ich noch ein halbes Kind wäre. Und ich versiecke die meinigen hinter einem hoheitsvollen Benehmen. Aber ich bin sicher, daß er die Maske ebensogut durchschaut, wie ich die seinige. Neugierig bin ich bloß, wie lange es noch dauert, bis er sich mal vergißt. Ob eine Rodelpartie wohl die passende Gelegenheit dazu ist? Wenn Ellen kommt, will ich ihn übrigens bitten, ein bißchen nett gegen sie zu sein. Die Einbildung, daß ihr jemand den Hof macht, ist doch schließlich die einzige Freude, die man dem armen Mädel noch bereiten kann. Wie riesenhaft ich mich auf die Tour freue, kann ich nicht aussprechen. Zum ersten Male allein mit Adolf inmitten der großartigen Majestät des Gebirges!!! Denn für mich zählt Ellen natürlich nicht. Sie ist so taktvoll, daß sie schon wissen wird, wie sie sich zu benehmen hat. Von unterwegs schreibe ich Dir selbstverständlich ein paar stenographische Ansichtskarten; denn ich kann mir wohl denten, wie sehr Du darauf brennst, etwas über den Verlauf der Partie zu erfahren. Du bist ja mein liebes, süßes Schnuckchen— meine beste, nein, meine einzige Freundin, als welche Dich viel tausendmal küßt Deine Dich ewig liedende Margot.“ PS. Ihr, die ihr die Triebe des Herzens kennt, Sagt: Ist es Liebe, was hier so brennt? PS. Nr. 2. Ich habe den Brief noch einmal aufgemacht, um Dir zu sagen, daß ich auf alles, was Du mir über Dich geschrieben hast, in meinem nächsten Briese ausführlich eingehe. Es hat mich natürlich sehr interessiert. Kuß und Schluß.“ *:(Sperrzeit der Tauben.) Wir machen darauf aufmerksam, daß in der Zeit vom 25. September bis 15. November Tauben nicht frei umherfliegen dürfen. Uebertretungen werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bestraft. * r( D a s E i s e r n e K r e u z) i s t d e m i m W e s t e n tämpfenden Gefreiten Jos. Schmitt von der hagenerstraße verliehen worden.— Ferner erhielt das Kreuz der Jäger Oberhoff von der Schwerterheide. (Der Westfälische Feuerwehr=Verband) zählte am Schlusse des Berichtsjahres 1914/15 497 Wehren mit 28000 Mitgliedern. Von diesen waren am 9. 14 7750 Kameraden zum Heere eingezogen und bis zum 31. 7. 15 275 den Heldentod gestorben. der Vorstand gründete einen„Kriegerdank" zur Unterstützung hilfsbedürftiger Hinterbliebener von Gefallenen. Zu diesem Zweck wurden der Mummenhofstiftung 7000 Mk. entnommen und die Westsälische Provinzial=Feuersozietät stiftete weitere 5000 Ml. Bis zum 1. 7. 15 konnten hieraus 161 Familien mit 4290 Mk. unterstützt werden. Als weitere Wohlfahrts=Einrichtung ist die Gründung der Sterbekasse zu nennen, die im Anschluß an die Provinzial=Lebensversicherungsanstalt errichtet ist und am 1. Januar 1916 in Kraft treten wird. Zur Förderung des Feuerlöschwesens und der Berufsausbildung der Führer wurden in den letzten 1½ Jahren 15 Führerkurse abgehalten, in denen 618 Führer und Unterführer unterwiesen wurden. **(Wohltätigkeits=Konzert.) Wie schon mitgeteilt, gibt der Ruhrtaler Sängerverein unter Mitwirkung von Freu Vollmer=Eckermann(Alt) am Sonntag zum Besten des Roten Kreuzes ein Konzert am„Freischütz“. Auch für dieses Konzert hat der Leiter der Sängerschar, Musikdirektor Griesenbeck=Witten, eine sehr interessante Vortragsfolge zusammengestellt, und werden einige der schönsten Perlen unserer einschlägigen MusikLiteratur zum Vortrag gelanszen. Größere Chöre, Lieder im Volkston, Solis für Alt, Tenor und Bariton(Dahlbüdding und Schäfer) werden das Konzert zu einem abwechslungs= u. genußreichen gestalten, zumal Komponisten von Ruf, wie Schwarz, Grieg, Bruch, Abt, Schubert, Orthegraven u. a. auf der Vortragsfolge stehen und die mustergiltigen Leistungen der Ruhrtaler allgemein bekannt sind. Ohne Zweifel wird dem Verein am Sonntag wieder ein überfülltes Haus beschieden sein. **(Warnung vor dem Genuß roher Milch.) Schwere Darmerkrankungen, die in einer Reihe von Fällen alsbald zum Tod führten, kamen in jüngster Zeit in Kaiserslautern vor. Wie die bakteriologische Untersuchung ergeben hat, sind diese Krankheitsfälle mit größter Wahrscheinlichkeit auf den Genuß von roher oder nicht genügend abgekochter Milch zurückzuführen. **(Verwundeten=Transport.) Gestern wurden hier wieder 25 verwundete Krieger aus den letzten Kämpfen bei Wilna eingeliefert: 18 wurden ins evangelische, 7 ins katholische Krankenhaus überführt. *(Holzschuhe für Schulkinder) werden angesichts der fast unerschwinglichen Lederpreise und der Lederknappheit jetzt auch von behördlicher Seite empfohlen. Der Kreisschulinspektor für Kiel hat in einem besonderen Erlaß den Gebrauch von Holzschuhen auch für die Schüler der städtischen Schule. gestattet und die Lehrer und Lehrerinnen der Volksschulen anzzewiesen, ausdrückltlich die Verwendung von Holzschuhen zu empfehlen. Ganz besenders wichtig ist es auch, daß die durch die Holz. schuhe gemachten Ersparnisse der notwendigen Ernährung zugute kommen. viel schlimmer, als die ersten Nachrichten besagten. Die Zahl der Getöteten wird auf 500 geschätzt. 330 kleinere Schiffe sind untergegangen. Viele größere wurden von ihren Ankerplätzen losgerissen und beschädigt. — Italienische Kriegsbriefe von Paul Schweder. Eine alte Berliner Redensart besagt:„Dreimal umziehen ist so gut wie einmal abbrennen!" Diese Wahrheit scheint dem italienischen Heerführer, Herrn Cador= na, noch nicht eingegangen zu sein, denn er zieht jetzt zum 1. Oktober bereits zum vierten Male um, was man im militärischen Sprachgebrauch„Umgruppieren“ heißt. Zu Beginn des Krieges war er ein leidenschaftlicher Anhänger des insbesondere von den fanatischen Verfechtern der Irredenta d'Italia mit Begeisterung vertretenen Gedankens, daß in erster Linie das Plateau von Doberdo gewonnen werden müsse. das den Zugang zu dem heiß begehrten Triest sperrt. Deshalb dirigierte er seinen Möbelwagen zunächst nach diesem Punkte, wo er ** Wandhofen, 6. Okt.(Eisernes Kreuz.) Der Wehrmann August Boßhammer von hier ist am 20. August für sein tapferes Verhalten bei der Eroberung der Festung Nowo=Gcorgiewsk mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. ** Aplerbeck, 5. Okt.(Einen tödlichen Unglücksfall) erlitt der Bergmann Hermann Hansel von hier. H. bediente auf der Zeche„Schleswig“ unter Tage die elektrische Maschine. Der Strom wurde plötzlich ausgeschaltet, die Kontalte waren dies aber nicht. Als er nun, nach der Aufforderung an die Signalstelle den Strom wieder einzuschalten, die Maschine besteigen wollte, setzte diese sich wahrscheinlich in Bewegung und H. geriet unter die Lokomotive. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß er denselben schon am folgenden Tage erlag. WTB Bochum, 5. Okt.(Zwei Todesurkeile.) Das hiesige Schwurgericht verurteilte heute nachmittelg den Bergmann Theodor Burmann und die Witwe Josef Böckmann aus Hönnop wegen Mordes an dem Ehemann der B. bezw. wegen Beihilfe zu diesem Verbrechen zum Tode und zu dauerndem Ehrverlust. Außerdem wurde begen die Angeklagte wegen Mordversuchs an ihrem Ehemann auf 8 Jahre und gegen Burmann wegen Seihilfe hierzu auf 4 Jahre Zuchthaus erkannt. Münster, 5. Okt.(Schweres Unglück.) Der Glockenturm der Antoniuskirche ist eingestürzt. 3 Arbeiter sind tot, 2 schwer verletzt. —— 500 Menschen durch einen Wirbetstürm getotel. WTV Londen, k. Ou.„Dailz News“ meler aus Neuyork: Nach den letzten Nachrichten aus New=Orleans war der Wirbelsturm, der den Gol Luisiang und Mississippi heimsuchte, nicht nur nationalen Aspirationen Genüge zu tun hoffte, sondern auch militärische Erfolge erwartete. Aber am Doberdohügel erwuchs den Italienern das erste große Leichenfeld. Die Oesterreicher hatten rechtzeitig die Absichten des neuen Mieters er kannt und von ihrem Hausrecht mit Hilfe von Skoda=Geschützen, Maschinen=Gewehren und ihren prachtvollen ungarischen und slo wenischen Regimentern Gebrauch gemacht Cadorna stutzte zwar, aber er ließ sich durch die ersten Mißerfolge nicht gleich entmutigen. Was tut man nicht alles. um bald unter Dach und Fach zu kommen! Die ganze militärische Organisation Italiens wurde eingesetzt, um den Zugang zu Triest zu erzwingen. Die„prominenten“ Männer des heutigen Italiens, der König selbst, sein edler Ritter d'Annunzio und der Minister für die„unerlösten Gebiete", Herr Barzilai(alias Bürzel) aus Triest, suchten von den italienischen Linien zu Füßen des Plateaus von Doberdo aus immer wieder das Land ihrer Sehnsucht mit Feldstechern und Fernrohren ab, ohne jedoch verhindern zu können, daß die Oesterreicher nach wie vor in ihren selbstgewöhlten Stellungen und den felsigen. Schützengräben die Haustür für den unerwünschten Mietslustigen gesperrt hielten. Schließlich kam Herr Cadorna zu der Einsicht, daß das Plateau von Doberdo eine uneinnehmbare Gegend sei: und wie der Großstädter, dem die Gegend zu ungemütlich wird, sich kurz entschlossen eine neue Wohnung sucht, so zog auch Herr Cadorna entschlossen um. Er machte sogar den„Zug nach dem Westen“, der sich heute in vielen Großstädten breitmacht, mit und begab sich weiter am Isonzo aufwärts, um dort zu serreichen, was ihm bisher versagt blieb. Mit Mann und Roß und Wagen, mit Autobussen und den Vetturinowagen aus Neapel, mit piemontesischen Karren und Eselsfuhrwerken, wie sie der italienische Train aufweist, vollzog sich hinter den italienischen Linien der Abmarsch großer Teile der Streitmacht nach dem neugewählten Angriffspunkt. Als aller vorbereitet war, erfolgte der Angriff. Es kamen die blutigen Tage von Kolmein und Karfreit, am KruMassiv. Orte, die zwar schon zu Beginn des Krieges seine Schrecken kennen gelernt hatten, aber jetzt tagelang unter Geschützfeuer gehalten wurden. Man weiß, daß die Verluste der Italiener hier geradezu enorme waren und außerordentlich hoch die Zahl der italienischen Gefangenen, die froh waren, dem vernichtenden Geschützfeuer von einem Ort hinter der österreichischen Front zuhören zu können. Und als der blutige Angriff tagelang gedauert hatte, da sah Cadorna wieder ein, daß hier nichts zu suchen sei. Zum dritten Male erschien der Möbelwagen auf dem Plane. Es gab ja noch ein unerlöstes Gebiet: Südtirol mit der alten Bischofsstadt Trient. Im August entbrannten die ersten Kämpfe auf der Hochebene von Lafraun, die nach und nach einen überaus erbitterten Charakter annahmen. Die kleinen Verteidigungswerke der Oesterreicher, allerdings gut verborgen in Felshöhlen und auf schwer zugänglichen Gipfeln, wurden von dem schwersten Kaliber Feindes zugedeckt und mußten an einem Tage bis zu 200 Schuß aushalten. Als bie tagelangen Kämpfe den Italienern keinen Vorteil brachten, setzten sie wieder einmal alles auf eine Karte. Um die Mitte August entbrannte auf der ganzen Linie ein noch verstärktes Höllenkonzert, das bis zum 25. August anhielt. Da glaubte Cadorna die Feinde in ihren Schützengräben völlig verschüttet zu haben und befahl den Generalsturm. Mit anfeuernden Rufen: „Avanti Savoya!“ und„Urra!“ liefen die Italiener an und verbluteten wie eine vorwärts getriebene Horde. Zehn Tage gab Cadorna seinen dezimierten Trunyen Zeit, sich zu erholen; dann zog er Verstärkungen heran und verlegte seinen Angriff wieder an eine andere Stelle. Er wollte diesmal ins Pustertal durchbrechen, und zwar im Sextener Gebiet, zwischen der Pfannspitze und den Dolomiten. Die Gegend wirkte allerdings wie ein schlechtes Omen. Bereits in den ersten Kriegstagen hatten sich die Italiener hier böse Schlappen geholt, wobei das Toscaner Infanterie=Reaiment fast völlig aufgerieben wurde. Der Angriff der Italiener wurde nunmehr mit allen Mitteln der militärischen Technik lange und energisch vorbereitet. Vom 1. September ab erdröhnten die schweren Geschütze von der Schönthalhöhe bis zur Pfannspitze. Nach einigen Tagen Geschützfeuers näherten sich in einer dunklen Nacht drei ita ienische Divisionen, die die Sturmkolonnen bildeten, den österreichischen Schützengräben. Sie kamen bis auf 200 Meter nahe, alle Deckungen geschickt benutzend, ohne daß die Gegner sich bemerkbar gemacht hätten. In dem Glauben, daß die gegenüberliegenden Gräben geräumt seien, fingen sie an, die vermeintlich letzten Traht= und andere Hindernisse zu beseitigen. Da flammten die Leuchtraketen und Scheinwerser der Oesterreicher auf und beleuchteten die kurze Distanz zu Feinde, der buchstäblich reihenweise dahingemäht wurde. An einer Stelle allerdings war der Durchstoß geglückt. Die tapferen Verteidiger, an Zahl weit unterlegen, waren gefallen oder verwundet worden, und su konnten sich die Italiener in den Besitz einiger Gräben setzen. Der österreichische Generalstabsbericht besagte aber trocken: Si. wurden nach kurzer Zeit wieder herausgeworfen! Cadorna gab in seinem Bericht an, daß der Angriff seiner Truppen angesichts der starken Verteidigungsstellen des Feindes an den Punkten, die schon von Natur furchtbar waren, aufgehalten werden mußte. Als Oberkommandierender der österreichischen Truppen fungierte hier der Abgott der Tiroler, General der Kavallerie v. Dankl. Der mißlungene Durchbruch ins Pustertal wurde auch von der obersten Heeresleitung voll gewürdigt. Erzherzog Eugen sprach in einem besonderen Tagesbefehl den tapferen Verteidigern der Kreuzbergstellung seinen Tank und seine. Anerkennung aus.— So war also Snollto. Herrn Cadorna verriegelt! Die italienische Flotte hat bisher nicht gerade Lorbeeren geerntet, weder zu Wasser noch in der Luft. Oesterreichische Unterseeboote und Flieger haben das Ihre getan, um den Traum von einer Beherrschung des Luftmeeres und der Adria zu nichte machen. Von Pola bis herunter zur Meerenge von Otranto haben die österreichischen cheidugg geführt haben. Man 36; reg, der gestsetzung von Hom,reisen vie auch von der Reschlagnahme Ab Die gefaßten Beschlüsse, die ter der Aufsicht einer neu zu gründenden Bedarf der Städte, der Konsumgrgeisten#. 6g. obe e direkt, sei es durch Vermittlung des s es bret,# uy en u Handels— beim Produzenten einkaufen. Der gesamte angemeldete Bedarf wird, seitens der Reichsstelle auf die einzelnen Landtreise„verdings werden von dieser Umlegung sichtlich nur die Besitzer von mehr als 100 bektaren betrofen werverentgallende Kartofieloder gegen den Bezuzsschein,zax den Berkau genau nach Sorte und Lualität richtet,..Agig nahmepreis zu verkaufen, so kann die Zeutra Verbraucher einrichten sollen, steht Absatzmonovol der Stadte, arsorzung, kommen. Da von einem Mangek,2 Mistionen Toneiner Ernte von mindestens oep“ zst, kann es sich bei den Beschlüssen der Reichsleitung al' nur um eine Maßnahme der Beruhigung un gngleich der Bekämpfung unberechtigter Spekulation handeln. Grunde des Meeres. Die italienische Flotte hat es denn in der letzten Zeit auch vorgezogen, sich fern vom Schuß zu halten, und vielleicht steht im engen Zusammenhange damit die Verabschiedung des italienischen Marineministers, die in den letzten Tagen hier bekannt wurde. Einen Erfolg aber darf die Koniglich italienische Marine doch auf ihrem Konto verbuchen: Sie ist Herrin des Garda=Sees geworden! Der nördlichste Zipfel dieses Sees gehört bekanntlich zu Oesterreich— sehr zum Schmerze der Italienissimi, die denn auch in Friedenszeiten hier auf österreichischem Boden eine lebhafte Propaganda entfalteten. Das österreichische Gestade des Sees wird bekanntlich viel von Fremden besucht, und bei dem Zusammenströmen landesfremder Elemente war es leicht, eine ausgedehnte Spionage zu entfalten. Genau so wie die schon im Frieden starke Offensivstellungen gegen die Oesterreicher schufen, hatten sie auch auf dem Gardasee eine maritime Macht zusammengebracht, für welche die Erklärung, sie solle lediglich der Bekämpfung des Schmuggels dienen, nicht ausreichend war. Man sah da große. Zollwachtschiffe mit mächtigen Scheinwerfern und mit Geschützen bemannt— alles gegen Schmuggler; Motorboote, die Maschinengewehre trugen, sowie eine Unzahl von kleineren Fahrzeugen, die allerlei Spezialzwecken dienten. Die kleine Insel Trimelone, die den nördlichen Teil des Sees absperrt, hatten die Italiener zu einer Art Seefestung ausgebaut und mit Geschützen schwersten Kalibers gespickt. Auch eine Fliegerstation hatten sie am Ufer angelegt. Angesichts der Tatsache, daß der nördliche Teil des Gardasees strategisch überhaupt nicht wertvoll ist, haben die Oesterreicher, wie sie den südlichen Zipfel von Tirol räumten, auch den See den Italienern überlassen, die also hier billige Lorbeeren ernten konnten. 4 Im Hintergrunde aber lauerten Franzosen und Engländer darauf, daß Herrn Cadornas Möbelwagen einen Teil seiner Truppen auch an die Front gegen die boches und einen anderen für die Dardanellenkämpfe abgibt, wogegen sich der italienische Führer naturgemäß mit Händen und Füßen sträubt, da ihm schon bei den bisherigen Umzügen an der Isonzofront verschiedene Habseligkeiten abhanden gekommen sind. Auch seine Möbelpacker beginnen bereits zu murren, und wenn es noch wahr werden sollte, daß die Italiener auch noch bei den beabsichtigten Truppenlandungen von Dedeggatsch oder an den Dardanellen aushelfen sollten, so dürfte bald der Zeitpunkt nicht mehr ferne sein, wo Herr Cadorna in einem einzigen Möbelwagen die ganze italienische Armee nach Hause führen kann. die Lösung der Kartoffelfrage. keine Höchstpreise, keine Beschlagnahme.— Verstadtlichung der Kartoffelversorgung. :: D i e V e r s o r g u n g d e r B e v ö l k e r u n g m i t kartoffeln ist eine Frage von höchster Bedeuzung. Im Reichsamt des Innern haben darüder vieltägige Verhandlungen stattgefunden. die dem„Berl. Tagebl.“ zufolge jetzt zu einer EntTodessprung in den Wannsee. einem Bootsverleiher am Wannsee boi, Fggli, kam am Sonntag eine in, Eie fuhr alein Dame und mietete ein Bool.##r##hr bis auf die Mitte des Sees, legte dort ihre Wertsachen ab, darunter ein goldengs, Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Schmucksachen wurden von der Polizei * S t a r k e S c h n e e f ä l l e i n d e n A l p e n. I n Grimsel= und die Simplanstraßen für den gesperrt. Die Druhnenungen sind unterbrochen. Die Furkabahn blieb im Schnee stecken. Die Höhe des Neuschnees beträg einen Meter. Auch im Schwarzwald ist bis auf 1000 Meter Schnee gefallen. In den Nächten sind bereits Fröste aufgetreten. 2 Für Angehörige von Marinesoldaten. Von den Angehörigen der Kriegsgefangenen und Vermißten der Marine gehen häufig Da durch die Ermittelung dieser Stellen und die Weitergabe der Anträge Verzögerungen entstehen, wird darauf aufmerksam gemacht, daß alle solche Anträge nicht an das Reichsmarineamt, sondern an den Stammarineteil in Kiel oder Wilhelmshaden zu richten sind. Wochenmarkt. Der heutige Wochenmarkt zeigte wieder das gewohnte Bild: Starke Anfuhr und rege Kauflust trotz der hohen Preise. Es wurden bezahlt für Birnen Pfurd 7—30 Pfg., Aepfel Pfd. 8—25 Pfg., Pfleiimen Pfund 20 Pfg., Tomaten Pfund 40 bis 50 Pfg., Pfirsiche Pfund 40—60 Pfg., Zitronen Stück 10 Pfg., Weintrauben Pfund 80—100 Pfg., Wallnüsse Pfd. 50—60 Pfg., Gurken Stück 20 Pfg., Wurzeln Pfund 10 Pfg., Steckrüben 10 Pfg., Note Beten Pack 10 Pfg., Wirsing 15—30 Pfg., Rotkohl 25—40 Pfg., Weißkohl 15—30 Pfg., Butterkohl Pack 10 Pfg., Winterkohl 3 Stück 20 Pfg., Kohlrabi Stük 10—20 Pfg., Stielmus, Pack 10 Pfg., Zwiebeln Pfund 20 Psg., Blumenkohl 30—60 Pfz., Kartoffeln Pfund 4½ Pfg., Kürbis Pfund 10 Pfg., Cier 6 Stück 1,— Mk., Rindfleisch 95—110 Psg., Schweinefleisch 1,70 Mk., Schellfisch Pfund 30—50 Verantwortlich für die Redaktion Friedrich Kraas, Truck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte, von den Kriegsschauplätzen, einen sorgsam gepflegten lökalen Teil und erstklassige Romane und Novellen briogt die Schwerter Zeitung, welche monatlich nur 70 Pfg. kostet Bestellungen werden jederzeit entgegengenomet. 1992 A — STATT KARTEN. Kräftiger Junge angekommen. Hermann Sternheim u. Frau Emmy geb. Weinberg. 4653 Schwerte, den 6. Oktober 1915. Nahrialer Gangerverein, Schwerie. Inhaber des Kaiserpreises u höchster Ehrenpreise Chorleiter: Herr Musikdirektor Griesenbeck=Gevelsberg. 4603 Die Industrie des Nuhrkohlen-Bezirks und benachbarter Gebiete. Herausgegeben mit Unterstützung namhafter„Mitarbeiter P.(Kein Weinen, kein Flehen bringt dich zurück. Dahin ist Liebe, Hoffnung und Glück. Fern dein Grab, tiet unser Schmerz, Nun ruhe sanft, du treues Herz. von Gustav Koepper. Den Heldentod fürs Vaterland starb am 20. 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Prämien können erhalten vierjährige und ältere Hengste, sofern der beglaubigte Nachweis erbracht wird, daß sie in der Provinz Westfalen im letzten Jahre zur Zucht benutzt sind und nindestens 40 Stuten gedeckt haben. Für die Altersbestimmung gilt der 15. Juli 1916 als Jahresende. Anmeldungen sind bis zum 9. Oklober 19•5 bei der Landwirtschaftskammer zu Münster(Wests.), Schorlemerstraße 6, zu bewirken. Nur rechtzeitig angemeldete Hengste können zum Weklbewerd zugelassen werden. An Preisen werden ausgesetzt: a) Für Edelzucht. 4 Preise zu 200 Mark= 1. Preis" 850"= 2.„„ 700"= 3.„„ 550"— 1.„" 400"— Angeldprämien: 7 Prämien: 800 Mark 850„ 700 550 40" Daunen nach einem neuen vollkommeneren Verfahren reinigen zu lassen. Alle Qualitäten, auch die billigsten### sind jetzt ohne jeden Geruch und I. Dion& Somp. Dortmund Moleistr. 9. beim Bezirkskommando. 1218 zusammen: 8300 Mark b) Für Arbeitsschlag. Angeldprämien: 6 Preise zu 200 Mark= 1200 Mark 1. Preis„= 00 Stampizucker 850 700 700 550 550 550 400 400 400 400 850 700 700 550 550 550 400 400 400 400 durchweg staubfrei. Ich empfehle: Bettfedern zu 1,25, 1,75, 2,25,b. 3,00 Mk. Halbdaunen zu 3,00 bis 4.50 Mk. Daunen zu 400 bis 650,Mr. g 01.9185 Schwerte####ist wieder angerommen, 1o weiss, ohne Candis Krusten Der bekonnte Tiroler Kappusschaber STop-Hir Ostenstrasse 20. ziert bei Fritz Krämer am Markt und empfiehlt sich bestens. 4611 Gebraugser Donnerstag eintreffend!? * Große Sendung Schellsisch Pfund 29/ Pfg, ohne Mantel, 45 Liter InWisbelböhnen Graue Erbsen 1 88 8 Zuckernönig Kunsthonig Welzenigriesinenr Speisefett Pfä. 25/3 32 3 38.3 1 38 zusammen d): 6700 Mark) hinzu a): 3300— 7 25 410 Kattitan: Angel-Schellsisch 90 Neues Sauerkraut„ 12„ empfiehlt G##2u m. 4643, Kaushaus für Erbensmitter — Brückstraße 23.— halt, billig abzugeben Kubstraße 24. 4650 D Weilnerg Eine gole Veltsteur mit Matratze billig zu verhaufen. Zu erfragen in d. 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Die für den Ankauf angemeldeten Hengste sind am Fre“ tag, den 5. November, bis abends 6 Uhr, in den Stallungen auf dem Uebungsplatz des Königl. Landgestüts einzulieferr. Die zur Körung angemeldeten Hengste müssen am 8. vember spätestens abends 6 Uhr zur Stelle sein.„—9g Die nur zur Prämiierung angemeldeten Hengste müsse spätestens am 11. November. mittags 12 Uhr, am Bei der Einlieferung der Hengste ist das vorgeschriebene A prungszeugats vorzulegen.....„TGgsither faihsl Sorge Für Futter und Wärter hat jeder Hengstbesiger seildst oors zu tragen, Stroh wird geliefert... rom Genast webl Denjenigen Hengstbesitzern, die mir ihrem Tengn meyl 10 km mit der Bahn behufs Vorstellung zur Körung Warendorf zurückzulegen haben, wird die Fracht Als Nachkörungstermin wird Mittwoch, der 12 Januar 1910, vormittags 9 Uhr in Warendorf, Uebungsplatz des Landgestüts, in Aussicht genommen. Landwirtschaftskammer für die Provinz Wesisalen. hat preiswerk obzugeben.(zu verkausen. G. Gusina Connen! Zu erfragen in d. Geschäfts4559 Hr. Opumg, Wennen. stelle d Ilg. Makulaturpapier 1 Renns Schwerte(Nohr) D Hinweis. Einem Teil der heutigen Auflage ist eine Beilage der Firma Gebr. Kaufmann, Aplerbeck beigelegt, die wir geneigter Beachtung empfehlen. 4644 Die De 8 außer E ##dricch. mehr.? Famille Anzeige oder de wärts Radatt A#rsen. Nichlde 9 De Am ter der Regier Stunde Deutsch brechen handen rischen merkt, dem W Schutz Staate in das einschn bulgar Antwo die da die von und v gen Grun daß d march griech schiffu in Sbiens, sen S Gesich Krieg lität in de StimFäll( Deut Vorn Notn sche Neut derst Ung Bel Ent der bien den und nied der ist. licht schr. und bie