S 8 9* 8 8 9 9 55 95 85 B 8 S 2 2 88 5 55 ∆ 5 5 5 5 S 5 2 S 5 95 8 * 8 9 5 * 5 9 be 140 Ko. Stumn Seuer aben uenr anden Feirnog, Bezugsprtz M.„Deurrat zahrüch, dei der Post sde Bapelgeld 42 Plo. wedz. Wöchenf. Grafisdellags:„Iünktrieren Hamilimnstrunb“ u. Hägt. Uahrbaltungssian. Aazeigenprto: Die Redengespallene Pethells sten deren Raum 10 Pto., Anzrign aun omnach 15 Plg, Retlomezils 40 Phg. Jeder Raban gll eie Kassarnbar a. erisch bes Aeuworsen, Iwungusergleichen, genchztl. Alagen a.; Aichtdoochtung d. gemach. Jahlungsbedingung. Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung 9 Abonten Bolbatlen Verbunden mit. für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerker Tageblatt D Schwerker Anzeiger Erltes und Alteltes Cagesorgan des Krelles o General-Gnzeiges für den Kreis bärde om Haupt-Runoncenbian unn dete und ubnenbgerichn Durn gungen soe den Aut Hörte ernangen guues Bedagavmachung der Aöniglichen Regiewuog durch Verösenüichuag in dn„Schwrnes Jeitung“ mopserbassuch Aust.— Die „Schwarter Zeitung“ gewöhrt ihrns Abonurn un sor jedes an Tob enbenden Dasel grAagunges* 300 Mk. Unsall: Ona u Vernage. Con Srova. Schoum=Rute Spriat-Saint elt Suosstemece Nr. 231. Samstag, den 2. Oklober 1915. 47. Jahrgang. Westen. Fortschritte des Angriffs bei Loos.— In der Champagne über 7000 Gefangene. Diesöeplember=Veule im Ossen: 95885 Gesangene, 37 Geschühe, 2.0 Auschinenged.=h. echimn.„„„„ IsHl Mn und mumn Mle Graf v. Hertling über den Weltkrieg. Mit einer Sitzung der Abgeordnetenkammer ist der Bayerische Landtag wieder eröffnet worden. Unmittelbar nach der Eröffnungsrede des Präsidenten v. Orterer ergriff der Ministerpräsident Graf v. Hertling das Wort zu einer bemerkenswerten Ansprache. Graf Hertling erinnerte zunächst an des Königs Rede bei der Jahrhundertfeier in der Befreiungshalle zu Kelheim mit ihrer Warnung an unsere Feinde, ja nicht mit einer Uneinigkeit des dautschen Volkes zu rechnen, wie mit dem Gelöbnis treuen Zusammenstehens zu Kaiser und Reich. Wer hätte es damals geahnt, daß der Tag der Einlösung dieses Gelöbnisses so nahe sei? Das ganze Volk erhob sich wie ein Mann. Das Vaterland über alles! Was ist von den großsprecherischen Voraussagungen der Feinde in Erfüllung gegangen? Kein Franzose oder Engländer hat den Rhein überschritten, kein russisches Regiment ist in Berlin eingezogen, dagegen ist nahezu ganz Belgien und ein erheblicher Teil von Frankreich fest in unseren Händen, sind weite Gebiete des russischen Reiches, das Königreich Polen von iuns und unseren Verbündeten besetzt. Und die Hoffnung auf Aushungerung des deutschen Volkes? Unsere Volksernährung ist wieder bis zur nächsten Ernte sichergestellt. Dank gebührt unserer Landwirtschaft, dem Handel, dem Handwerk und dem gewerblichen Arbeiter muß eine besondere dankbare Anerkennung gesagt werden. Auch das patriotische Verhalten der Arbeiterverbände wird der bayerischen Regierung unvergeßlich bleiben. Von den Aufgaben der Zukunft will ich heute nicht reden. Noch donnern die Geschütze an vier Fronten; noch fährt die Presse des Vierverbandes fort, mit allen Mitteln der Lüge und Verleumdung unsere herrlichen Truppen zu verunglimpfen, ihre Taten zu verkleinern, unser ganzes deutsches Volk zu lästern. Durch den künstlich geschürten, bis zum Wahnsinn gesteigerten Haß sollen die Leser und Hörer blind gemacht werden, damit sie die Wirklichkeit nicht sehen. Wir lassen uns nicht beirren und nicht einschüchtern, einmütig und geschlossen steht das ganze Volk zu Kaiser und Reich, beseelt von dem unerschütterlichen Willen, auszuhalten, bis zu einem ehrenvollen, die Gewähr der Dauer in sich schließenden Frieden. Die Rede hat gewaltigen Eindruck gemacht; stürmischer einhelliger Beifall des Hauses und der Tribünen folgte den mit gehobener Stimme vorgetragenen Schlußsätzen. Der Krieg gegen Frankreich. Französische Prahlereien. (Phantastische Ziffern über deutsche Verluste.) Die Franzosen hatten, wohl auf enzlische Mahnungen hin, diesmal ihrer Offensive nicht mit den üblichen Ruhmesreden vorgegriffen. Auch als die auf kleinem Raum beim ersten mit riesiger Uebermacht geführten Vorstoß gegen die deutsche Front erzielten taktischen Vorteile bekannt waren, hielt man sich in Presse= und amtlichen Berichten noch einigermaßen zurück. Man hoffte noch immer, einen wirklichen Erfolg erringen zu können, und wollte dann mit vollen Backen in die Siegesposaunen stoßen, um die ganze Welt mit der neuen französischen Glorie zu betäuben. Jetzt hat man einzefehen, daß man nichts, oder soviel wie nichts gewonnen hat, daß die deutschen Mauern fester als Deutscher Tagesbericht. wtb. Großes Hauptquarkier, 1. Oktober 1915. Westlicher Kriegsschauplatz Feindliche Monitore beschossen wirkungslos das Gelände von Lombarkzyde und Middelkerke. Einen neuen Angriff versuchten die Engländer gestern nicht wieder. Unser Gegenangriff nördlich von Loos machte bei heftiger feinelicher Gegenwehr weitere Fortschritte. Einige Gefangene, 2 Maschinengewehre und 1 Minenwerfer fielen in unsere Hand. Versuche der Franzosen, östlich von Souchez und nördlich von Neuville Front zu gewinnen, mißlangen. In der Champagne scheiterte ein mit starken Kräften unternommener feindlicher Angriff östlich von Auberive. Ebenso erfolglos waren sämtliche französischen Angriffe in der Gegend nordwestlich von Massiges, an denen Truppenteile von 7 verschiedenen Divisionen beteiligt waren. Die Zahl der bei den Angriffen in der Champagne bisher gemachten Gefangenen ist auf 104 Offiziere und 7019 Mann gestiegen. Erfolgreiche Minensprengungen beschädigten die französischen Stellungen bei Vauquois. Französische Flieger bewarfen Henin=Liekard mit Bomben, durch die 8 französische Bürger getötet wurden; wir hatten keine Verluste. Oestlicher Kriegsschauplatz Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Westlich von Dünaburg bei Grendsen wurde eine weitere Stellung des Feindes gestürmt. In den Kämpfen östlich von Madziol sowie auf der Front zwischen Smorgon und Wischnew sind russische Angriffe unter schweren Verlusten zusammengebrochen. Die Heeresgruppe machte gestern 1360 Gefangene. Heeresgruppe des General=Feldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern Der Feind wiederholte seine vergeblichen Teilangriffe. Alle Vorstöße sind abgewiesen. 6 Offiziere, 494 Mann und 6 Maschinen= gewehre blieben in unserer Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Die Lage ist unverändert. Heeresgruppe des Generals von Linsingen. Unser Angriff schreitet fort Die Zahl der im Monat September von deutschen Truppen im Often gemachten Gefangenen und die Höhe der übrigen Beute beträgt: 421 Offiziere, 95 464 Mann, 37 Geschütze, 298 Maschinengewehre und 1 Flugzeug. Oberste Heeresleitung. Oesterreichischer Tagesbericht. WTB Wien, 2. Okt.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 1. Oktober mittags: Russischer Kriegsschauplatz. In Ostgalizien siel nichts Besonderes vor. Bei Nowo=Alexinez scheiterte ein russischer Angriffsversuch unter unserem Artilleriefeuer schon in der Vorbereitung. An der Ikwa und im wolhynischen Festungsgebiet keine Aenderung der Lage. Am Korminbach gewannen die Verbündeten erneut Raum. Russische Gegenangriffe wurden abgewiesen. Füns österreichisch=ungarische Eskadrons nahmen bei einem solchen Vorstoß des Feindes zwei Offiziere und 490 Mann gefangen und erbeuteten ein Maschinengewehr. An den letzten 2 Gefechtstagen sielen in diesem Raum 19 Offiziere und 2410 Mann in Gefangenschaft. Der Enischluß des WXB Sosia, 2. Okt.(Meldung der„Agence Bulgare"). Wie man sich darauf gefaßt machen mußte, verbreiten die Gegner der bulgarischen Nation in der auusländischen Presse die phantastischsten Gerüchte über den Gang der bulgarischen Mobilisierung. Anläßlich dieser Gerüchte müssen wir feststellen, daß die Mobilisierung überall in voller Italienischee Kriegsschauplatz. An der Tiroler und Kärntner Front fanden gestern nur Geschützkämpfe statt. Die bereits gemeldeten Vorstöße gegen unsere Befestigungslinie westlich des Bombaschgrabens wurden von den braven Salzburger Schützen abgeschlagen. Gestern früh griffen die Italiener den Mrzli Vrh und die Südwesthänge dieses Berges mit starken Kräften dreimal vergebens an. Dabei erlitten sie schwere Verluste. Angriffsversuche gegen einzelne Punkte des Tolmeiner Brückenkopfes wurden ebenfalls wie immer abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts neues. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. Ordnung vor sich geht und daß die Reseroisten, die von allen Seiten herbeiströmen, sich der Tragweite der von der Regierung angeordneten Maßnahme voll bewußt sind und den festen Entschluß kund werden lassen, die Verwirklichung der gerechten bulgarischen Forderungen zu sichern. je stehen, und nun muß man schleunigst zu der alken Methode der phantastischen Schlachtberichte, die wir ja genugsam kennen, zurückgreifen. Im amtlichen Bericht vom 29. September nachmittags leistet sich der französische Generalstab folgende Münchhausiade: Die Deutschen erlitten bei der Aufgabe ihrer mächtig verschanzten Stellungen auf einer ausgedehnten Front, die sie bis zum Ende zu halten Befehl hatten, Verluste, deren Gesamtheit an Toten, Verwundeten und Gefangenen den Bestand von drei Armeekorps übersteigt. Die Gesamtzahl an Gefangenen beträgt über 23 555. Daß die ersten französischen Meldungen über die Höhe der deutschen Gefangenenziffern weit übertrieben seien, ist von deutscher maßgebender Stelle bereits ausdrücklich erklärt worden. Der französischen Eitelkeit genügen diese schon unglaublich hohen Ziffern nun, da man keinen Fortschritt der Offensive melden kann und im Gegenteil deutsche Gegenangriffe erfolgreich vordrangen, nicht mehr. Die sieghungrigen Pariser müssen mit reichlicherer Atzung gespeist werden, um über geträumten deutschen Riesenverlusten die Unwirksamkeit der Offensive zu vergessen. Papier ist geduldig, auf eine Null mehr oder weniger kommt es nicht an. Also setzen wir nund drei Armeekorps, das sind etwa 100000 Mann, es wird schon Eindruck machen. So dachte man im französischen Generalstabe. Wie kühl man im deutschen über diese französischen Aufschneidereien denkt, beweist die Bemerkung, mit der das Wolff'sche Telegraphenbüro den obenstehenden Bericht kurz abtut: Obwohl der Bericht in seinen Uebertreibungen ungewöhnlich weit geht, geben wir ihn, unserem Grundsatz entsprechend, ebenso wie die bisherigen, ohne jede Verkürzung wieder. Die Schlacht in der Champagne. TU Berlin, 2. Okt. Der Kriegsberichterstatten der„Berliner Morgenpost“, Dr. Max Osborn, berichtet aus der Champagne unterm 11. Oktober: Wenngleich die Champagne=Schlacht gurzeit nicht mehr mit der unerhörten Heftigkeit der ersten Tage wütet, so geht das Ringen doch in erbitterten Gefechten ohne Unterbrechung fort. Auf dem östlichen Flügel, dessen Schlachtfeld ich gestern von einem erhöhten Punkte in der Feuerlinie zu überblicken Gelegenheit hatte, tobte um Mittag ein schweres Artillerie=Duell. Zu gleicher Zeit fand weiter westlich bei Auberive ein schwächerer französischer Infanterievorstoß statt, der ebenso glatt abgewiesen wurde, wie der folgende Handgranatenangriff. Nachmittags erlahmten die feindlichen Stöße und auch das Artilleriefeuer ward schwächer. Ein Gegenstoß unserer Truppen säuberte auf dem linken Flügel mehrere noch vom Feinde besetzte Trichter, die durch das Einschlagen schwerer Geschosse entstanden waren, vom Feinde, wobei wiederum Gefangene gemacht wurden. Die Nacht verlief ruhig, doch versuchte bei klarem Mondschein ein französisches Luftschiff die Stadt Vanzieres mit Bomben zu belegen, ohne jedoch Schaden anzurichten. Das Feuer unserer Ballon=Abwehrkanonen vertrieb die Luftschiffe bald. Die Verluste des Gegners müssen ungeheuer sein. Haufen von Leichen liegen vor unseren Stellungen; ganze Truppenteile sind nahezu aufgerieben. Ein Oberst, der mit 800 Leuten gefangen genommen wurde, sagte aus, er habe vorher schon 2000 Tote gehabt, so daß sein Regiment nicht mehr bestehe.— Es wird immer deutlicher, daß die Kämpfe, die unsere Truppen in den Tagen vom 25. bis 27. September auszuhalten hatten, in der Kriegspeschichte einzig d## stehen; größeres ist einer Armee nie zugemutet worden. Die Franzosen hatten eine gewaltige Macht angesammelt, wohl an 30 Divisionen und hatten übrigens auch Turkos herangebracht. Wenn sie jetzt auch einen neuen Ansturm wagen, so kann man dem Ausgang bei der übermenschlichen Tapferkeit unserer Truppen ruhig entgegensehen. Der Vorstoß der Argonnen=Armee. bb Kopenhagen, 2. Okt. Ein Pariser Bericht der„Daily Mail“ legt dem Vorstoß der ArgonnenArmee des Kronprinzen die höchste Pedeutung hei. Der Kronprinz verhindere damit das Vordringen der Verbündeten gegen Challerange, das in französischen Händen eine Bedrohung der deutschen Verbindungsstraße zwischen der Argonnen=Armee und dem Zentrum bedeuten würde. Es käme alles darauf an, den Vorstoß. des. Kronprinzen aufzuhalten. Die Ziele der englisch=französischen Offensive. TU Haag, 2. Okt. Die englischen Militärkreise bezeichnen als Hauptziel der Offensive im Westen ein Vordringen der Franzosen über Rethel—Mezieres nach Belgien, sowie die Besetzung von Lille mit dem Kohlenbecken Lens durch die Engländer. Stillstand des englischen Angriffs. bb Rotterdam, 2. Okt. Dem„Nieuwen Rotterdamschen Courant“ wird aus London gemeldet: Das Ausbleiben weiterer amtlicher Berichte von French wirkt befremdend. Man hat den Eindruck, daß die englische Offensive vorläufig zum Stillstand gekommen ist. Dii Klieg gern Aumus. Fast 300 000 Quadratkilometer russischen Bodens besetzt. Nach polnischen Meldungen vom 27. September haben die deutschen und österreichisch=ungarischen Truppen im Osten 294 405 Quadratkilometer russischen Bodens besetzt, also den dreieinhalbfachen Flächeninhalt Galiziens und weit mehr als die Hälfte des Deutschen Reiches. Ein erneuter Rückzug der Russen in Aussicht. WTB Paris, 1. Okt. Der Sonderberichterstatter des„Journal“ im russischen Hauptquartier, Naudeau, telegraphiert, es sei möglich, daß sich die Russen noch weiter zurückziehen und dem Feinde noch mehr Gelände überlassen würden. Er tröstete die Leser, die die Nachricht von dem neuen Rück zuge nach den angeblichen großen Siegen des russi schen Heeres überraschen muß, damit, daß die Deutschen sich von ihrer Operationsbasis entfernten, während die Nussen ihren Neserven immer näher kämen. Deshalb sei der augenblickliche neue Erfolg der Dautschen im Hinblick auf den endlichen Sieg bedeutungslos. Kuropatkin lehnt ab. bb Kopenhagen, 2. Okt. Nach Petersburger Nachrichten hat Kuropatkin das ihm von General Nußki angebotene Kommando über ein Armeekorps unter General Ewert im russischen Zentrum abgelehnt. Wahrscheinlich werde nun Kuropatkin der Schutz Petersburgs anvertraut werden. Vor Uebernahme des Oberbefehls hatte bekanntlich Rußki selbst diesen Posten. Politische Unsicherheiten in Rußland. Kopenhagen, 2. Okt. Als Beweis für die in Rußland herrschende außerordentlich große politi sche Unsicherheit führen die Blätter an, daß das vor einigen Tagen in Petersburg verbreitete Gerücht, Tscheglowitow sei zum Zaren ins Hauptquartier berufen worden, eine allgemeine Panik hervorrief. Jedermann dachte sofort an den berüchtigten früheren Justizminister dieses Namens und befürchtete, daß die Schreckensherrschaft, die dieser gemeinsam mit Miklakop und Suchomlinow ausgeübt hat, von neuem anbrechen solle. Glücklicherweise handelte es sich aber nur um einen Departementschef Tscheglowitow im Ver kehrsministerium. Die Blätter finden es bezeich nend, daß die Bevölkerung zu den politischen Verhältnissen nicht mehr Vertrauen besitzt, als daß sie die Wiederkehr dieses schwärzesten aller Reaktionären immer noch für möglich hält und schon bei einem bloßen Gerücht in Panik ausbricht. Vom Besuche Kaiser Wilhelm= in Krakau. WTB Budapest, 1. Okt.„Magiar Tudosito“ bringt Einzelheiten über den Besuch Kaiser Wilhelms am 3. September in Krakau. Der Kaiser und seine Begleitung trafen in 8 Automobilen vormittags 10 Uhr ein. Die Gäste wurden vor der Domkirche vom Krakauer Festungskommandanten empfangen und begrüßt. Nachmittags besuchte der Kaiser das Salzbergwerk von Wieliczka, wo sich eine interessante Episode abspielte. Vor der Stephanigrotte hatten 18 ungarische Soldaten Spalier gebildet. Sie gehörten Honved=Regimentern an, die mit deutschen Truppen zusammenwirkten und für ihre Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichnet wurden. Ende August ruhten alle 18 Soldaten im Wieliczka=Spital von den Mühen der schweren Kämpfe aus. Als der Kaiser vernahm, daß alle 18 Honveds in Wieliczka seien, erklärte er, daß er selbst ihnen das Eiserne Kreuz an die Brust heften würde. Der Truppenkommandant von Wieliczka stellte die Honveds vor und der Kaiser begrüßte sie in deutscher Sprache. Ein Oberleutnant verdolmetschte den Soldaten die Begrüßungsworte. Hierauf. heftete der Kaiser den Soldaten das Eiserne Kreuz selbst an die Brust. Die Honveds sangen die ungarische Hymne, während der Kaiser und seine Begleitung mit abzenommenem Helme dem Gesange lauschten. Der Krieg gegen England. Mehr Mannschaften und Munition. TU Rotterdam, 1. Okt.„Nieuwe Rotterd. Cour.“ meldet: Die Tatsache, daß Asquith und Kitchener vorgestern unerwartet eine Arbeiterversammlung besuchten, wird als Beweis dafür angesehen, wie ernst die Regierung die Rekrutierungsfrage ansieht. Wie verlautet, haben die Minister mit großem Nachdruck auf die Notwendigkeit hingewiesen, daß die Arbeiterorganisationen die Regierung kräftig unterstützen, sowohl bei der Herstellung der Munition als auch bei der Rekrutierung. Man will in der Versammlung den Eindnuck gewonnen haben, daß die Minister an dem Freiwilligensystem festzuhalten gedenken. Kitchener soll jedoch gesagt haben, daß die Rekrutierung bedeutend schneller vor sich gehen müsse. Wie England die Türken bekämpft. Da den engl.=franz. Truppen an den Dardanellen bisher keine Erfolge beschieden waren, suchen die englischen Behörden wenigstens in Indien dadurch Lorbeeren zu sammeln, daß sie die Mohammedaner in Indien drangsalieren und in vielen Fällen hinrichten lassen. So wurden in Delhi zwei muselmanische Journalisten zum Tode verurteilt, der eine, weil er eine Sammlung zugunsten des türkischen Roten Halbmondes eröffnet hatte, der andere wegen eines Artikels über die Politik in Asien. Ein dritter Journalist wurde zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt, weil er jüngst Konstantinopel besucht hatte. Ein Professor erlitt die gleiche Strafe wegen eines Vortrages über die Pflichten der indischen Muselmanen gegen den Kalifen und die Türkei.— Solche Erlegung von harmlosen Leuten ist allerdings leichter als den bewaffneten Gegner im Felde niederzuringen. Um das Kalisat. Nach einer Meldung der„Gazette de Lausanne“ macht sich in jüngster Zeit eine erheblich gesteigerte Bewegung gegen das mit einem ägyptischen Sultan' zu besetzende Kalifat bemerkbar. In den Moscheen wird auch nach wie vor für den Sultan der Türkei als rechtmäßigen Kalifen gebetet. Die Ulemas fordern, wie das Blatt weiter erfährt, offen zur Empörrung gegen die englischen Behörden auf. Außerdem sollen türkische Offiziere sich in Aegypten aufhalten, die sich ihrer Festnahme dadurch zu entziehen wissen, daß sie sich zum Gefolge des Groß=Senussen gehörend ausgeben. Die Lösung der Frage des Kalisats sei aus diesem Gnunde besonders geboten; jedoch bestehen, wie schon früher gemeldet, wegen der in Betracht kommenden Person innerhalb des Vierverbandes weitere große Meinungsverschiedenheiten. ten. Schließlich stellt die Note fest, es komme bei den bessarabischen Grenzkämpfen immer wieder vor, daß russische Schrapnells auf mmänischen Boden fielen. Dabei seien zahlreiche Verwundungen und Brände vorgekommen. Die Note fordert in sehr kräftigem Tone Vorkehrungen, damit sich derartiges künftig nicht mehr ereigne. Die Balkanstaaten. Die neue stürkisch=bulgarische Grenze. Sofia, 1. Okt. Die Absteckung der nauen türkischbulgarischen Grenze durch eine aus deutschen, österreichisch=ungarischen, bulgarischen und türkischen Offizieren bestehende Kommission hat, nach einer Meldung der„Kambana" begonnen. Das abgetretene Gebiet mit einem Flächeninhalt von 3000 Quadratkilometern ist bereits von bulgarischen Truppen besetzt worden. In den meisten Bezirken haben bulgarische Verwaltungsbeamte ihre naue Stellung angetreten. Die Eisenbahnlinie Adrianopel—Dedeagatsch steht schon seit einigen Tagen unter bulgarischer Verwaltung. Drohungen gegen Bulgarien. Haag, 2. Okt. Ueber die Haltung Bulgariens schreibt der„Matin“: Es ist ein Volk, das seine Unabhängigkeit Rußland zu verdanken hat, und das gegen Frankreich und England eine Dankesschuld abzutragen hat. Dieses Volk verbindet sich jetzt mit seinem Erbfeinde, den Türken, der es sechs Jahrhunderte unterdrückt hat. Bulgarien wird von Deutschland erniedrigt werden, das sich durch sein Land einen Weg nach Osten bahnen will, wie es auch ein Knecht Oesterreichs werden wird, das Mazedonien begehrt. Diese Falschheit Bulgariens soll unvergeßlich bleiben; selbst wenn Bulgarien wegen des einen oder anderen Grundes seine ehrzeizigen Pläne aufgeben würde, genügt es, daß es diese Pläne gehabt hat, und mit ihrer Ausführung begonnen hatte, um Bulgarien eine exemplarische Züchtigung zu erteilen. Gruß der bulgarischen Studenten an Deutschland. WTB Berlin, 1. Okt. Die auf den Ruf ihres Vaterlandes von hier abgereisten bulgarischen Stu“ denten der hiesigen Hochschule haben in Wien ein Telegramm, an den hiesigen bulgarischen Konsul, Kommerzienrat Mandelbaum, gerichtet, in dem es heißt: In dem Auge blick, wo wir Deutschland verlassen, halten wir es für unsere Pflicht, dem deutschen Volke unseren Dank für seine Sympathie um unser Vaterland zum Ausdruck zu bringen. Die lebhaften Kundgebungen, die uns von einer großen Anzahl Berliner Bürger beim Abschied am Bahnhof dargebracht wurden, sind das beste Zeugnis für diese Sympathien. Tief gerührt von den Glückwünschen unseres geliebten Professors für die Erkämpfung unserer nationalen Einheit ziehen wir ins Feld mit der festen Zuversicht des endgültigen Sieges. Wir rufen nochmals: Hoch Bulgarien, hoch Deutschland! Rumänische Note an Rußland. bb Wien, 2. Okt. Die„Czernowitzer Zeitung“ erfährt, daß die rumänische Regierung an Rußland eine Note gerichtet hat, die anscheinend durch die russischen Truppenanhäufungen in Bessarabien veranlaßt wurde. In der Note wird weiter erklärt, daß russische Flieger wiederholt über rumäntschem Gebiet erschienen und unter der friedlichen bäuerlichen Bevölkerung Schrecken verursachDeutschland und Amerika. Zuversichtkiche amerikanische Auffassung der künftigen Beziehungen. WTB Neuyork, 1. Okt. Das Staatsdepartement erklärte die Nachrichten, daß eine Stockung in den Verhandlungen über den„Arabic"=Fall eingetreten sei, für unzutreffend. Die zukünftigen deutsch=amerikanischen Beziehungen werden mit großem Optimismus betrachtet. Eine Depesche der„Evening Mail“ aus Washington sagt: Die Staatsbeamten hörten auf, über die Wahrscheinlichkeit des Abbruches der diplomatischen Beziehungen zu sprechen. Wilson und Lansing hätten unbegrenztes Vertrauen zu dem geraden Sinn und der freundschaftlichen Haltung des deutschen Botschafters. Es herrsche das Gefühl der absoluten Sicherheit, daß er seine Macht zum beiderseitigen Nutzen ausüben werde. Bernstorff werde als loyaler Diener seiner Regierung angesehen, aber auch als ein Mann, der durchaus den amerikanischen Standpunkt verstehe und achte. Seit dem„Lusitania"=Falle sei die optimistische Ansicht von einer schließlichen befriedigenden Beilegung des Unterseebootstreites gewachsen durch die Anzeichen einer neuen Politik Deutschlands hinsichtlich der Angriffe auf Handelsschiffe. Diese Politik sei bereits zutage getreten, wie sich aus der loyalen Warnung ergebe bei der Versenkung des englischen Pferdetransportschiffes„Anglo=Columbian.“ Der Bericht des amerikanischen Konsuls in Queenstown bezüglich der näheren Umstände bei der Torpedierung des Dampfers machte in Washington einen sehr günstigen Eindruck. — Aus Stadt und Umgedung. Rückblicke auf den Weltkrieg. 2. Oktober. Douai besetzt.— Das erste Fort von Antwerpen eingenommen.— Kämpfe vor Tsingtau. Von Arras aus suchten die deutschen Truppen über Douai auf Lille vorzudringen; die Absicht war klar: von Lille, das nahe der belgischen Grenze gelegen, die Verbindung mit den in Belgien kämpfenden Truppen herzustellen. Noch war Arras in den Händen der Franzosen und an diesem Tage kam es zu einem furchtbaren Artilleriekampfe; indes wurde bereits Douai von den Franzosen geräumt, allerdings nach heftigem Widerstande durch die französischen Feldtruppen, die durch tische Kavallerie und gepanzerte Motorwagen unterstützt worden waren.— An diesem Tage ergab sich das Antwerpener Forts Wawre=St. Catherina nach dem nächtlichen Sturm; die österreichischen Mörser hatten gute Arbeit geleistet. In dieser Zeit suchten die Belgier durch etwas eigenartige Mittel den Deutschen beizukommen; so ließen sie bei Mecheln vier Lokomotiven mit einem halben Dutzend mit Steinen und Sand beladenen Wagen mit Volldampf, natürlich ohne Besatzung, auf der Eisenbahn laufen. Indes war man auf deutscher Seite auf ein solches Manöver vorbereitet, hatte an geeigneter Stelle eine gehörige Barikade errichtet, auf die der Teufelszug auflief und in Trümmer ging.— An diesem Tage sandte der Kommandant der russischen Belagerungsarmee General Radko Dimitriew nach Przemysl einen Parlamentär mit der Aufforderung zur Uebergabe der Festung: Das Glück habe die Oesterreicher verlassen, Hilfe von außen sei unmöglich, es könne unnützes Blutvergießen vermieden werden. Der österreichische Festungskommandant antwortete: Ich finde es unter meiner Würde, auf Ihr schimpfliches Ansinnen eine meritorische Antwort zu erteilen.— Am Abend dieses Tages machte die 3. Kompagnie des ostasiatischen Marinedetachements aus Tsing= tau einen heftigen Ausfall, wobei sie die Japaner aus den vor den Befestigungswerken liegenden Höhen drängte. Das deutsche Kanonenboot„Jaguar“ und der österreichische Kreuzer„Kaiserin Elisabeth“, beide in der Bucht von Kiautschou liegend, griffen, obwohl von den Japanern heftig beschossen, mit Erfolg in den Kampf ein. Hindenburgs 68. Geburtstag. Am heutigen Tage feiert Generalfeldmarschall von Hindenburg seinen 68. Geburtstag. Was das deutsche Volk ihm verdankt, ist mit unvergänglichen Lettern im Buche der Geschichte eingetragen und lebt im Herzen eines jeden Deutschen. Gott schütze ihn auch ferner, den Helden des deutschen Volkes und seinen starken Hort! **(Das Endergebnis der deitten deutschen Kriegsanleihe.) Für die Zeichnungen auf die dritte Kriegsanleihe ist nunmehr ein Enzebnis von 12 101000000 Mark festgestellt worden. Darunter befinden sich 2169 000000 Mark Schuldbuchzeichnungen. Auf welche Weise sich die Zeichnungen auf die verschiedenen Arten von Anmeldestellen verteilen, ergibt sich aus der nachstehenden Uebersicht, die zum Vergleich die Ergebnisse der ersten und zweiten Kriegsanleihe heranzieht. Es wurden gezeichnet auf die dritte, zweite und erste Kriegsanleihe in Millionen Mark bei der Reichsbank 569 bei der dritten 565 bei der zweiten, 479 bei der ersten Anleihe; von den Banken und Bankiers 7676 resp. 5664 resp. 2895; von den Sparkassen 2592 resp 1978. resp. 883; von den Leben.= versicherungsgesellschaften 417 resp. 384 reip. 203; von den Kredittesellschaften 680 resp. 358 resp. 000; von den Postanstalten 167 resp. 112 resp. 000. Zusammen bei der dritten Anleihe 12 101 000 000, bei der zweiten 9061 000000 und bei der ersten 4 460 000 000. Die Feldzeichnungen sind in der vorstehenden Uebersicht nicht enthalten.(WTB.) **(Personalie.) Herr Hauptmann Herwig von der hies. Bahnschutz=Kompagnie ist auf Antrag seiner Behörde beurlaubt und mit gestrigem Tage in seine berufliche Tätigkeit als Direktor des Gymnasiums in Bielefeld zurückgekehrt. Zu seinem Nachfolger ist Herr Hauptmann der Reserve Oesterley aus Essen ernannt worden, und hat derselbe das Kommando bereits übernommen. *(Jubilar der Arbeit.) Schon wieder ist die Zahl der Jubilare, die auf dem Nickelwerk beschäftigt sind, um einen vermehrt worden; heute kann der an der Schützenstraße wohnende Arbeiter Ludwig Dickmann auf ein Vierteljahrhundert treuer Arbeit auf dem Werke zurückblicken. Auh diesem ließ die Werksleitung das übliche Jubiläumsgeschenk überreichen. Wir wünschen dem Jubilar noch recht lange Jahre gesegneter Tätigkeit. **(Feldpostsperre im Osten.) Der Staatssekretär des Reichspostamtes macht bekannt:„Die durch die ungünstigen Beförderungsverhältnisse herbeigeführte Anhäufung von Postsachen auf dem östlichen Kriegsschauplatz hat leider noch nicht behoben werden können. Im Einvernehmen mit den Heeresverwaltungen wird daher das Verbot der Annahme und der Beförderung pritvater Feldpostbriefe über fünfzig Gramm(Päckchen) an die Privatangehörigen der Ostarmee bis einschließlich 5. Oktober verlängert. Hiernach unzulässige Sendungen werden dem Absender zurückgegeben werden.“ **(Theater.) Im„Reiche des Wassers“ gibt die Dortmunder Theater=Gesellschaft am morgigen Sonntag noch zwei Vorstellungen, um 4 Uhr und um 8 Uhr. Zur Aufführung gelangen mehrere hübsche Lustspiele, so daß ein Besuch der Vorstellungen sicher jeden voll befriedigen wird.(Siehe Inserat.) **(Urlaubs=Gesuche.) Von seiten des stellvertretenden Generalkommandos des 7. Armeekorps geht uns folgendes zu: Gesuche um Verlegung von Verwundeten oder Kranken in ein anderes Lazarett sind mit Angabe des Truppenteils, dem der Betreffende angehört, stets an das Lazarett zu richten, in dem der zu Verlegende zurzeit liegt, da nur ärztlicherseits beurteilt werden kann, welche Zeit die Lazarettbehandlung, noch in Anspruch nimmt und ob der Zustand des zu Verlegenden einen Transport ohne schädliche Folgen für seine Gesundheit erlaubt. Bedingung zur Verlegung ist, daß dringende Gründe vorliegen. Auch Urlaubsgesuche sind an das Lazarett zu richten, wo der Verwundete oder Kranke behandelt wird. Gesuchen um Ueberweisuung oder Beurlaubung von verwundeten oder kranken Militärpersonen aus den Etappen= oder Feldlazaretten, sowie aus denen Oesterreich=Ungarns kann nicht entsprochen werden. Eine Ueberweisung oder Beurlaubung kommt erst in Betracht, nachdem der Verwundete oder Kranke in ein Lazarett in Deutschland überführt worden ist. r.(Wegen Wahrsagerei) verurteilte die Hagener Strafkammer die Ehefrau Fabrikarbeiter Hr. Sch. von hier zu 1 Tag Gefängnis. Die Angeklagte hatte denjenigen, die nicht alle werden, in diesem Falle heiratslustigen Damen einen Mann prophezeit oder auch Kriegerfrauen den Besuich des Mannes in Aussicht gestellt. ** Westhofen, 2. Okt.(Auszeichnung.) Dem Veterinär Wilhelm Wever, Sohn des Bäckermeisters W. von hier, der zurzeit auf dem westlichen Kriegsschauplatz weilt, wurde das Ritterkreuz 2. Klasse mit Schwertern des Sächsischen Albrechtsordens verliehen. * Schüren, 1. Okt.(Durch einen Unfall) kam auf Zeche„Schleswig“ der jugendliche Bergmann Franz Weber von hier zu Tode. Er geriet im Stollen unter die elekrtische Lokomotive, woer so schwere Verletzungen erlitt, daß er denselben bereits am folgenden Tage im Hörder Krankenhause erlag. Botteadleuste. Evang. ref. Gemeinde. Sonntag 9 Uhr: Vorbereitung zum heil. Abendmahl. 9½ Uhr: Pastor Terberger(heil. Abendmahl.) Evang. luth, Gemeinde. Sonntag 9 Uhr: Vorbereitung zum heil. Abendmahl. 9½ Uhr: Pastor Wischnath(heil. Abendmahl). 5½ Uhr: Pastor Nell(liturg. Erntedankfestfeier des Kindergottesdienstes.) Gemeinde Westhofen. Sonntag 9½ Uhr: Vorbereitung zum hl. Abendmahl. 10 Uhr: Pastor Ohlig=Schwerte. Kath. Pfarrkirche, Schwerte. Sonntag 6¼ Uhr: Stille heil. Messe, Kaplan Röseler, 7½ Uhr: Frühmesse mit Predigt. Gemeinschaftl. hl. Kommunion der Männer und det Rosenkranz=Bruderschaft. 8¾ Uhr: Schulmesse. Pater Zens. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt, Pfr. Schnurbus. 2½ Uhr: Rosenkranzandacht mit Progeston Lichtendorf=Sölderholz. Sonntag(Rosenkranzfest) 7½ Uhr: Frühmesse mit Predigt. Gemeinschaftliche heil. Monatskommunion des Marien=Vereins. 10 Uhr: Hocham mit Predigt und Segen. Nachm. 2 Uhr: Rosen kranzandacht mit Bittgebet für die Krieger und Serr. Verantwoetlich für die Redaktion Friedrich Kraus, Druck u. Verlag von Curl Braus, beide in Schwerte, Nr. 231. Veilage. Samstag, 2. Oklober 1915. Erntedankfest. Das zweite im Krieg unter der wachsenden Last! Werden die Stimmen des Dankes lauter sein als die Stimmen des Seufzens? Ja, sie sollten es sein. Die Gefahr, von Neidern und Pressern ausgehungert zu werden, hat uns die Augen geöffnet über den Wert dessen, was wir sonst ungestört ernteten und genossen, die Not hat alle Widerstandskraft in der starken deutschen Seele wachgerufen, daß sie mit wuchtigen Schlägen die deutsche Scholle und ihre friedliche Segensarbeit schirmte. In dürren Frühjahrswochen und =Monaten, in nassen Erntetagen haben wir auf die Schöpferhand schauen und warten gelernt. vielen Strichen ist's nur eine Mittelernte Jeworden; wir haben wieder Brot, aber es bleiben der Haushaltssorgen und=Aufgaben im großen und kleinen genug. Wem sonst das Leckere als unentbehrlich galt, der lerne jetzt, was man entbehren kann. Wer sonst nur an sein Behagen dachte, der lerne sich fühlen als Glied einer großen Volksfamilie, wo die Mutter redlich jedem seine Notdurft austeilt, wo ein Glied dem andern mitfühlend und willig dient. Was der Landmann saurer als sonst erworben hat, was der Städter schwerer als je erlangt, das halten beide wert. Der Druck, ob auch Seufzer sich darein mischten, gedeiht in der Entbehrung besser als im Ueberfluß. Auch unsere Brüder im Felde tun Erntearbeit, eine Ernte heißer, blutiger Art. Ihre Toten, die wir ihnen innig danken, die die Welt anstaunt, sind die Früchte edler Aussaat. Ernste Schulung, strenge Ordnung. feste Zucht, im Frieden treu gepflegt, ausharrende Treue bis zur Selbstaufopferung, bringen jetzt dem Vaterland ihren Segen. Und die Frucht wird ihm wieder zur edelsten Aussaat.„Ruhet sanft, ihr Geliebten! Von eurem Blute begossen, grünet der Oelbaum, es keimt lustig die köstliche Saat.“ Alle redliche Friedensarbeit, vom Neid uungekränktes Gedeihen, des Vaterlandes Sicherheit, Unabhängigkeit und ehrenvolle Größe und der Segen dieser Größe für die Welt sollen Früchte jener schweren Opfer sein. Mag der deutsche Wohlstand auf lange Zeit geschwächt werden, mögen viele die schmerzlichste Einbuße an Gesundheit, Kraft und Lebensfrische erleiden, wir hoffen vom großen Einsatz großen Gewinn: Lebensernst, Genügsamkeit, Zucht, Familienfreude, Brüderlichkeit in allen Ständen und Stämmen, deutsche Einigkeit in aller Welt. Wofür so viel gekämpft, geopfert und gelitten ward, das teure Vaterland soll uns noch einmal so lieb uund wert sein. Die edelste Frucht aber sei die dankbare Ehrfurcht gegen den Höchsten, der zur rechten Stunde die rechten Männer gegeben, Heldentaten, Leiden und Opfer gesegnet hat. Mit ehernem Schritt geht seine Gerechtigkeit durch die Welt und läßt die Lüge Zwietracht ernten, die Verhetzung Aufruhr, die Habsucht und die Machtgier Erniedrigung und Verarmung, die Ruhmsucht Schmach, aber die Treue Vertrauen, Eintracht und Sieg. In Gott ruht des deutschen Reiches und Volkes erhoffte Zukunft, in ihm allein der rechte Trost für alle, die ihr Liebstes fürs Vaterland geopfert haben: „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.“ Der Milliardensieg. Glänzend ist ein Sieg gelungen, Wie die Welt ihn niemals sah, Wie mit Riesenkraft durchdrungen Steht der deutsche Michel da. Unversiegbar, silberhell Sprudelt ihm des Geldes Quell, Daraus schöpft er das Heil=Serum, Das da stärkt den Nervus rerum! Während Andre Pumversuche Machen in Amerika, Wo sie in dem Kontobuche Steh'n als schwer belastet da, Weil sich häufet Zins auf Zins, Hat der Michel frohen Sinns Schnell aus seiner eig'nen Reihe Aufgebracht die Kriegsanleihe. Und bald konnten wir vernehmen, Was mit Stolz die Brust uns schwellt, Denn es regnete in Strömen Geld und Geld und nochmals Geld; Und mit Siegeszuversicht Stiegen Schätze an das Licht, Die bislang verborgen schliefen In Tresor und Geldschrank=Tiefen. Jeder gab mit Seelenruhe, Da der große Werber rief, Hier den Inhalt seiner Truhe, Dort den Pfand= und Rentenbrief. Mancher Sparstrumpf ward entleert, Manche Büchse umgekehrt, Daß der Feind da draußen merke: Deutschlands wirtschaftliche Stärke. Was in stillen Friedenszeiten Deutscher Fleiß geschafft, gespart, Gibt uns Mittel nun zum Streiten In ganz imposanter Art. Es bekundeten zugleich Klein und Groß und Arm und Reich, Mit welch herrlichem Vertrauen All“ sie in die Zukunft schauen. Darum singt, Ihr deutschen Barden, Von dem großen Weltenkrieg, Seid umschlungen Milliarden, Preist den wirtschaftlichen Sieg. Unversiegbar, frisch und hell, Alichs zum Strom der Silberquell; Der Millionen uns'rer Streiter Nun den Rücken stärkt. Ernst Heiter. M. Wie oft ist schon, so lange der Krieg Rede gewesen. Von Woche zu Monat zu Monat haben die gutgläubigen Franzosen auf sie gewartet, hoffend, o## dadurch ihr Land von den säubert werden würde. Jetzt endlich u. die beiden Generalissimi den groß ten Versuch unternommen. Von tillerievorbereitung, die an 70 Stunden angedauert hat. Zuzgigt wor, vorgegangen. Was ist damit den? Der geplante Durchhruch ist an Tapferen hier und da aus der ersten in die ein paar Kilometer rückwärts gelegene zweite Verteidigungsstellung zurückgezogen. Wie wir haben auch die Franzosen und Engländer Gefangene gemacht. Auch h sie einiges Material erbeutet. Das ist aber auch alles. Was will der kleine Geländegewinn bedeuten bei den großen Opfern, die die Franzosen und Engländer sich ihre Offensive haben kosten lassen. Schon haben an verschiedenen Stellen deutsche Gegenangriffe eingesetzt, die es zweifelhaft erscheinen lassen, ob die Feinde an ihrem gewonnenen Terrain lange Freude haben werden. Selbst wenn sie ihn auf längere Zeit behaupten würden, so wäre dadurch unsere Lage im Westen nicht wesentlich anders als vorher. Der geringen Veränderung unserer Front könnte keine Bedeutung jukommen. Noch ist ie aber nicht aller Tage Abend! Im Osten stehen deutsche Truppen vor Lünaburg. Von dort zieht sich unsere Front mit kleinen Einbiegungen südlich herunter bis an den Pripet. Sie biegt dann etwas zurück und verläuft südwestlich bis in die Gegend von Luck, wo sie jetzt von der über den Styr vorgerückten Armee Linsingen allem Anscheine nach zu unseren Gunsten korrigiert wird. Denn die Russen definden sich in Wolhynien in vollem RückDas bedeutendste Ereignis im Osten ist die Schlacht von Wilna, in der die #rmee des Generalobersten von Eichhorn einen neuen Sieg über die Russen davongetragen hat, einen Erfolg, dessen Größe man nur dann richtig würdigen wird, wenn man an die überaus schlechten Wege in Rußland denkt, auf denen die Truppen vorrücken und Munition und Verpflegung herangeschafft werden mußten. Ueber 22000 Gefangene meldete der Bericht der Obersten Heeresleitung am Dienstag, ohne daß in dieser Zahl schon früher aufgeführte Ziffern enthalten wären. Die Russen sind in eiligem Rückzuge. Sie sind bereits über die Linie Marocz=See=Smorgon=Wischnew geworfen worden. Aus Welt und tk. Wie die Feldartillerie aufkam.... Ohne die sogenannte leichte Artillerie wäre der moderne Bewegungskrieg ganz undenkbar. Denn was nützen die großen Märsche der Infanterie, wenn zur Unterstützung des Fußvolkes nicht leicht bewegliche Geschütze zu gleicher Zeit den Vormarsch antreten können? Für den Erfinder der leichten Artillerie gilt gewöhnlich Friedrich der Große, doch das ist ungenau. Der wirkliche u der war ein— normannischer Seerauber, namens Karl Brise, der auf seinen Piratenfahrten sich eine gewisse Fertigkeit in der Bedienung der Geschütze erworben hatte und als erster auf den Gedanken kam, die Geschütze fahrbar zu machen. Der Gedanke des ehemaligen Seeräubers leuchtete dem damaligen französischen König Heinrich IV. dermaßen ein, daß er ihn in die Tar umsetzte und eine neue Truppe schuf, die fahrende Artillerie. Gleich bei ihrem ersten Auftreten, in der Schlacht bei Arques im Jahre 1589, entschied diese neue Truppe den Ausgang. Der Gegner war dermaßen verblüfft, daß er in wahnsinniger Flucht das Schlachtfeld verließ. Dann aber schlief der Gedanke 150 Jahre, bis ihn ein Größerer, eben der alte Fritz, aufgriff und in seinem Heere einführte. Und es ist eine merkwürdige Ironie der Weltgeschichte, daß der ursprünglich im französischen Heere zuerst zur Einführung gelangte Gedanke nun so vervollkommnet ward, daß er einen entscheidenden Sieg über die französischen Waffen erfacht, nämlich bei Roßbach anno 1760. Von Roßbach an waren alle Staaten gleichmäßig bestrebt, sich eine möglichst bewegliche Artillerie zu schaffen, bis eben der gegenwärtige Stand erreicht wurde. tk. Wieviel wiegt die dritte Kriegsanleihe? Einer unserer Mitarbeiter hat sich den Scherz geleistet, auszurechnen, wieviel die deutsche Kriegsanleihe mit ihren über 12 Milliarden wöge, wenn sie a. einer Stelle und auf einmal bezahlt würde. In Kupfer wäre es eine entsetzliche Sache. Ein Pfennig wiegt 2 Gramm, eine Mark also Au Kupfer 200 Gramm: das gibt demnach Mitlionen Kilogramm oder rund eine viertel Million Wagenladungen! In Nicke! wäre die Sache schon wesentlich einfacher, da ein Zehnpfennigstück 4 Gramm, die Mart in Nickel also 40 Gramm, die ganze Kriegsanleihe demnach„nur“ 480 Millionen Kilogramm wöge: in Silber wäre sie noch leichter, denn die Mark wiegt 5 Gramm, die 12 Milliarden also 60 Millionen Kilogramm. Am„leichtesten" zahlt man die Kriegsanleihe in Papier. Nehmen wir den Fünfmarkschein, so wiegen 200 Stück gerade ¼ Kilogramm. 1000 Mark also; je 4000 Mark in 5=Mark=Scheinen erreichen also erst ein Gewicht von 1 Kilogramm. Da bekämen wir##'so 3 Millionen Kilogramm Fünfmarkscheine für die 12 Milliarden.&a Noch bequemer zahlt sich's in Tausendmarkscheinen. Je 500 hefte man zusammen, so geben sie gerade einen schönen, stattlichen Band im Werte einer halben Million; von diesen schätenswe in Bändchen dann die Anleihe i nerhin noch über 24000, so daß selbst in Tausendmarkscheinen die Anleihe noch ihre 30000 Kilogramm wöge und drei Wagenladungen füllen könnte. In Gold— aber das hat ja jeder anständige Mensch längst zur Reichsbank getragen, und wer noch im Rückstande ist, der hole das Versäumte eiligst nach!!— wiegen 10 Mark 4 Gramm, 1000 Mark also 400 Gramm, 1 Million 400 Kilogramm, eine Milliarde 400000 Kilogramm und zwölf Milliarden 4,8 Millionen Kilogramm; das gäbe 480 Wagenladungen und 24 Güterzüge von je 20 Wagen mit einer Gesamtlänge von 5800 Metern, also über eine Wegstunde zu gehen von dem einen Ende des Zuges zum anderen! Wollte man die Milliarden markweise Sekunde für Sekunde abzählen, so müßte man ziemlich früh aufgestanden sein, um damit fertig zu werden. Man müßte nämlich schon im Jahre 1515 etwa damit begonnen haben, da zwölf Milliarden Sekunden rund 500 Jahre sind, wie jeder leicht nachrechnen kann. Es ist daher ein wahrer Seoen, daß sich zahlreiche Stellen in die Zählarbeit teilten, und daß der Mindestbetrag 100 Mark war. Aber selbst wenn jemand die Kriegsanleihe in Hundertmarkscheinen zählen wollte, brauchte: er noch rund 4 Jahre ohne Unterbrechung, falls er das aushielte, ohne verrückt zu verden! Stadttheater Dortmund. Sonntag, 3. Oktober, nachmittags 3½—6 Uhr: „Komtesse Guckerl", Lustspiel in 3 Akten von Franz von Schönthan und Franz Koppel=Elfeld. Abends 7½—10¾ Uhr:„Carmen“, große Oper mit Ballett in 3 Aufzügen von Georges Bizet. Montag, 4. Oktober, abends 7½—10 Uhr:„Der Strom“, Drama in 3 Aufzügen von Max Halbe. Dienstag, 5. Oktober, abends 7½—10¾ Uhr: „Oberon, der König der Elfen“ Donnerstag, 7. Oktober, abends 7½—10½ Uhr: „Mignon“, Oper in 3 Aufzügen von Ambroise Thomas. Verantwortlich für die Redaktion Friedrich Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte, map Im Scharten der Veterpaulsfestung. Roman von Hermann Gerhardt. 9 Mittlerweile hatte sich der Himmel drohend bezogen, eine eigentümliche fahle Beleuchtung dentele auf den nahen Sturm. Der Präfekt hatte sich von der Gesellschaft verabschiedet, da er vor seiner Rückkehr nach Petersburg noch vieles zu erledigen habe, wozu ihm Litschkoffs Beistand von Nöten. Kanm war„das Auge des Gesetzes" entschwunden, als sich auch Mischa und Mansa, die sonst sehr gegen ihre Neigung die Sonntagnachmittage im Hamilienkreise verbringen mußten, schleunigst aus dem Staube machten. In der Stille, die uun herrschte, fuhr plötzlich ein hellender Windstoß, rüttelte an den Feusterscheiben und jagte eine ganze Wolke Staub und dürre Blätter vor sich her. Dann zuckte ein greller Blitz nieder und lang duhinrollender Donner ließ sich hören. Katia stand an einem der Feuster und blickte innvetwandt hinaus. Jetzt zuckte sie zusammen, blieb aber ruhig stehen, wie hypnotisiert das wilde Schauspiel betrachtend. Madame aber flüchtete mit gel, lendem Aufschrei an das andere Ende des Zimmeis, wo sie wie ein Häuschen Unglück zusammenknickte und sich jammernd mit beiden Händen die Angen zuhielt.„O mein Gott!“ stöhnte sie. Jetzt wandte Katia sich flüchtig nach ihr um, ein verächtliches Lächeln um die Lippen. Mit ein paar raschen Schritten war Rittberg an ihrer Seite. „Gnädiges Fräulein!" flüsterte er erregt, wäre es nicht besser, Sie würden ein wenig vom Feuster zurücktreten? „Warum?" Mit hochgezogenen Brauen wandte sie ihm ihr Profit zu und vermied es geflissentlich. seinem Blick zu begegnen. Da packle ihn ein heftiger Zorn gegen sie. Offenbar wünschte sie ihn sich „zehn Schritte vom Leibe" zu halten! Sie wollte ihm wohl begreiflich machen, daß sie sich inzwischen anders besonnen und ihm wegen seines gestrigen unqualifizierbaren Benehmens zürne! Da er sich nicht getraute, etwas zu erwidern, trat er zurück und eilte zu der noch immer wehklagenden Pilsontsty. 64 Im allgemeinen besatz Rittberg niche auzu viel Nachsicht mit dieser Sorte von weiblichen Wesen, die wegen jeder Lappalie gleich in Todesangst geraten und beim Anblick einer Spinne oder einer Maus fast in Krämpfe verfallen. Aber er wußte wohl, daß es eine nervöse Anlage gibt, die durch elektrische Entladungen aufs stärkste affiziert wird, und beim Gewitter von einer Art Delirium ergriffen, jedwede Selbstbeherrschung verliert. Und daß er es hier mit einem derartigen Fall zu tun habe, sah er ein.. 16 So beugte er sich mitleidig zu 1h. herab und versuchte, sie aufzurichten, wobei er ihr tröstend und beruhigend zusprach, während sie seinen Arm umklammert hielt und flehentlich bat:„Verlassen Sie mich nicht— verlassen Sie mich nicht!" Dabei stand er so, daß er Katia den Rücken zukehrte; in seiner Besorgnis um die Leidende halte er momentan des jungen Mädchens Gegenwart, sowie seinen eigenen Kummer total vergessen. Sie aber hatte sich beim Klang seiner Stimme nach ihm umgedreht, und wie sie ihn so voll rührender Sorgfalt um ihre Feindin bemüht sah, da quoll eifersüchtige Bitterkeit in ihrem Herzen auf! Das also war seine gepriesene Freundschaft für sie, wie ein zärtlicher Liebhaber nahm er sich dieser Frau an, die ihr das Leben so uusäglich schwer machte. Denn daß er ihre berechneten Kunste und Koketterie für bare Münze nahm, konnte Katig unmöglich glauben! Ein Verräter war er, ein feiger Ueberläufer! Der Anblick war nicht länger zu ertragen. Flink und lautlos schlüpfte sie zur Tür hinaus, die Treppe hinan und schloß sich in ihr Zimmer ein, wo sie sich widerstandslos ihrer leidenschaftlichen Verzweiflung hingab, während draußen in der Natur der gleiche Sturm tobte. Wäre ihre alte Kinderfrau zugegen gewesen, sie hätte gleichmütig geäußert, Katia Michailowna habe wieder einmal einen ihrer Aufälle. Als Kind war sie bei solchen Anlässen einfach sich selbst überlassen geblieben, bis der Paroxysmus vorüberging; keinem Menschen wäre es eingefallen, sie deswegen zu schelten oder ihr vernünftig zuzureden. Der kleinen Gnädigen durfte beileibe nicht entgegengetreten werden! Später in der Pension war sie der verzogene Liebling gewesen, und jetzt, da sie erwachsen, sah sie sich gleichfalls von Schmeichlern und. Schönrednern umgeben. So war dies denn tatsächlich der erste Stoß, den ihre Eigenliebe empfing, noch dazu von der Hand des Mannes, der ihr erst gestern seine Freundschaft angetragen! Endlich aber legte sich doch die Gewalt des Sturmes; und mit der allmählichen Beruhigung zog die Reue in Katias Brust ein. Wie halte sie sich nur so benehmen können! Was war denn aus all ihren guten Vorsätzen geworden? Sie, die sich vorgenommen, ihm zu zeigen, wie sehr sie seine Freundschaft zu schätzen wisse, sie hatte aus einer unbegreiflichen Lanne das gerade Gegenteil geNachdem das Wetter sich aufgeklärt, machten Rittberg und Mischa einen Gang ins Freie. Sie wandten sich dem Walde zu, um in einem weiten Bogen wieder in die Parkwege einzulenken. Wie pochte Rittberg das Herz, als er plötzlich zwischen dem Grün der Bäume ein helles Kleid schimmern sah! Mischa, der die Schwester gleichfalls entdeckt, rannte hinter ihr her und faßte sie von hinten um die Taille, mit erschrecktem Aufschrei blieb sie steheu. Dann, als Rittberg herangekommen, Mischa aber weitergelaufen und ihren Blicken entschwunden war, trat ein verlegenes Schweigen ein, das, wie zumeist in solchen Fällen, von dem weiblichen Teil zuerst unterbrochen ward:„Ich hoffe doch, es ist Ihren Bemühungen vorhin gelungen, Madames Aufregung zu beschwichtigen? Sie schienen sich zu dieser Aufgabe ganz vorzüglich zu eigven!“„ 8 Die Aufregung wirkte wie der Fullke im Pulverfaß. Heftig erregt fuhr Rittberg auf:„So? Meinen Sie? Und wie hätte ich mich Ihrer Ansicht nach denn sonst verhalten sollen?" „Genau so, wie Sie es getau haben!“ gab Katia mit provozierender Ruhe zurück.„Sie tun ja gerade, als hätte ich Ihnen einen Vorwurf daraus gemacht, während ich im Gegenteil Ihr Talent, mit schwachnervigen Damen umzugehen, rückhaltlos anerkannte.“ Als Katia jetzt schwieg, sagte Rittberg:„Bitte, gnädiges Fräulein, fahren Sie doch fort; ich bin ganz Ohr. Sie entwickeln wirklich eine erstaunliche Menschenkenntnis für Ihre Jahre. Rittbergs Stimmebebtevon verhaltenem Aerger. „O. Sie schmeicheln mir. Zum Höfling hätten Sie jedenfalls auch Anlage gehabt, versetzte sie mit mokantem Lächeln. „Wie boshaft Sie sind!" stieß er zischend hervor. Da erblaßte sie bis in die Lippen, und ihre zierlichen Naseuflügel bebten. „Und Sie sind ungezogen! Es scheint Ihnen Vergnügen zu machen, eine Dame zu beleidigen!“ „Weil Sie mich ungerecht anklagen; soll ich das stillschweigend einstecken? Sie erklären mich für einen charakterlosen, heuchlerischen Menschen, weil ich es für meine Pflicht hielt, einer Dame in chwerer Nervenkrise beizustehen!“ „Nervenkrise!“ wiederholte sie höhnisch. Daran glauben Sies Haben Siesiewirklich nicht durchschaut? Es ist alles nur Komödie!"" 231,16 „Unsiun!“ gab er heftig zurück.„Jeder Arzt weiß, daß so etwas in der Konstitution liegt. Es ist reine Nervensache. Hätten Sie sich die Mühe genommen, Madistlie zu beobachten, so hätten Sie sehen müssen, daß das keine Verstellung war.“ — Aus Paul v. Hindenburg Ein Lebensbild von Bernhard von Hindenburg. Die Lebensbeschreibung unseres Generalfeldmarschalls aus der berufenen Feder seines jüngeren Bruders. Mit 43 Bildern, — Preis 1 Mark— Eleg. geb. 2 Mk. In Leder 3 Mk. Von Kapitänleutnant v. Mücke. Ein Buch der Tatsachen. Packend schildert der Verfasser seine abenteuerliche Fahrt auf See und den gefahrvollen Jug von Hodeida durch die arabische Wüste. Geheftet 1 Mark. Elegant geb. 2 Mark. Unser Teehele Wedoigen Von Dr. Otto Weddigen. Eine lebendige Schilderung der kurzen Heldenlaufbahn des unvergeßlichen Führers von„U9“ u.„U 29“. Mit 10 Abbildungen Preis 1 Mark. Singendes Schwert Lieder von Joseph von Lauff. Sammlung der Kriegslieder des vaterländischen Dichters, der in glühender Begeisterung die Helden unserer großen Zeit seiert. In künstlerischem Einband 1 Mk. 25 Pfg. Die werdende Mlacht Roman von Oklo von Gollberg. Gottberg hat mit diesem vor Ausbruch des Krieges vollendeten Roman das Hohelied auf unsere herrliche Marine gesungen. Künstlerisch geb. 4 Mk. Geheftet 3 Mk. Alit den Cürren an der Front Der Kriegsberichterstatter des„Berliner Lokal=Anzeigers" E. Serman schildert in dem lebensvollen Buch seine abenteuerlichen Erlebnisse auf den türkischen Kriegsschauplätzen Preis 1 Mark. König und Kärrner Roman von Rudolph Straß. Ein Preislied auf den sonnigen Humor der fröhlichen Pfalz und die quellende Riesenkraft der deutschen Friedensarbeit. Künstlerisch geb. 5 Mk. Geheftet 4 Mk. Das deutsche herz Feldpostbriefe unserer Helden Der Krieg von unseren Kriegern selbst erzählt! Das ist der Reiz dieser Sammlung aus Ost und West, von See und Übersee — In künstlerischem Einband 2 Mark.— Uls Adzutant durch Frankreich und Belgien Der Verfasser, Otto v. Gottberg, erzählt als Mitkämpfer in packender Darstellung seine Erlebnisse und Abenteuer in Feindesland. Preis 1 Mark. Kaiser Wilhelm II. und die Lilärine Prachtwerk Zehn doppelseitige fardige Bilder und 120 Zeichnungen von Professor Willy Stöwer. Text von Admiralitätsrat G Wislicenus Folioformat. In Leinen gebunden 5 Mk. Tandsturm Kriegsgesänge v. Hans Brennert Ein köstliches Sammelbuch frischer, volkstümlicher Gedichte und Soldatenlieder, teilweise mit Melodie und Begleitung. Preis 1 Mark. 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Zur Auffährung gelangt: von Goodwin, dem berühmiesten Charakterdarstellers Amerikas dargestellt.— 5 Akte.— 12 „Erloschenes Licht.“ Ein ergreisendes Bild aus dem Künstlerleben. In der# Hauptrolle die berühmte Künstlerin Henux Porten= — 2 Akte.— 1250 „Betty als Steuermann.“ Spannendes Drama. Eine Großmutter wird verlangt. 4 Zur rechen Jelt. /16 * Heinrich, du kommst si Zwei Liebhaber. Schreibt uns: Heute feiere ich das Jubiläum des 500. grossen Paketes Persil. Seit sechs jahren segne ich alle 14 Tage diese Ersindung und möchte Ihnen nun mal so recht herzlichen Dank aussprechen. Wie einzig schön, wie einlach und wie schonend ist jetzt die Belandlung der Wäsche! Kein unzufriedenes Mädchen, keine fortbleibende Waschfrau, wie schnell und fröhlich alles. Mein Mann ist so lroh über die so sellenen Anschallungen von neuer Wäsche, sogar wegen Hausbesuch wird die Wäsche nicht verschoben, da sie so garnicht mehr stört. Und jetzt habe ich zum erstenmal ein zartgesticktes, weisses Kleid in Persil gewaschen und es ist blendend sauber geworden. Huch die Wollwäsche lasse ich mit Persil waschen, es ist kein Stück in meinem Hause, das nicht mit Persil gewaschen wird, sogar die Bohnerlappen. Frau Bürgermeister H. dieses gänzlich freiwillige Zeugnis einer langin zufriedenen Verbraucherin nicht mehr für die ind Vortrefflichkeit des selbsttätigen Waschmittels Die durch List gewonnene Wehe— oder: Das bayrische Liesel will einen Mans haben. Lustspiel in 2 Akten mit Gesang und Tanz.— Lachen ohne Ende. Todann: Alles nähere besagen Tageszettel. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Gadantast edter bag in Aladen, duan danste iür den FrFaling mit Versuch damit zu machen, oder täglich geöffnet, nur nicht an Sonn- und Feiertagen. Ein Solbad kostet Mk. 1,15; ein Thermalbad„ 1,95. 4578 Die Badeverwaltung. ebenialls einen Versucn damn zu machen, oder wollen Sie sich weiter mit der mühevollen und viel teuereren veralleten Waschweise herumquälen? Einfachste Anwendung. Gebrauchsanweisung auf jedem Paket. DUSSELDORF. auch Fabrikanten der bekannten Gegen Nachnahmo oder Postanweisung von M. 6.23(Holl. Fl. 3 20), senden wir franko und zollfrei durch gans Deutsehland wie alljährlich unsere beliebten Normal-Kollektionen, entweder: 80 Hyacinthen für Gläser, oder 40 für Töpfe, odler 50 für den Garten, oder eine Kollektion für Zimmer von 160 Stück für 47 Töpfe oder eioe Kollektion für Garten von 260 Stück, oder eine Kollektion für Zimmer und Garten von 280 Stück(enthaltend eine prächtige Auswahl von Hyacinthen, Tulgen, Karzissen, Crocus, Scilla, Schnteglöckchen, etc. etc. Ausserdem noch eine sehr schöne Kelegs-Gratis-Belgabe. 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Den Heldentod fürs Vaterland starb im vergangenen Monat unser werter Kollege Herr Emil Holthaus Wir werden demselben ein treues Andenken bewahren. 4588 Die Graveure der Vereinigt. Deutschen Nickelwerke. A. Lien&a Cef.....ss“ der Aemler Mkolaistr. s Dortmund Balkenstr. 36—38. veim Verirkeigmmande. K52 Barop, Kirchhörde und Wellinghofen. Wirtschafts-Uebernahme! Den geehrten Bewohnern von Schwerte und Umgegend zur gefl. Nachricht, dass ich mit dem heutigen Tage die Führung der Gastwirischaft„Zum Kufer Hagenerstrasse 14 übernommen habe, und bitte um geneigten Zuspruch. Hochachtungsvoll Bernhard Bernhardi. für 1914. Aktiva: Ausgeliehene Kapitalien Ende 1913 Im Jahre 1914 sind ausgeliehen en 10 426 706,64 123081094 4002 Aahticler Singenerein, Shwente Inhaber des Kaiserpreises u höchster Ehrenpreise Chorleiter: Herr Musikdirektor Griesenbeck=Gevelsberg. 4603 Wohlsan für das„Roie Arenz“ im Freischütz Sonntag, den 19. Oktober, nachmittags 4 Uhr. Milwirkende: Frau Johanna Vollmer=Eckermann(Alt) aus Roin, Herr H. Dahldüdding. Schwerte.(Tenor): Herr Fr. Schäfer, Schwerte,(Bariton). Am Flügel: Herr Musikdirektor Griesendeck. Im Jahre 1914 sind zurückgezahlt Betrag der ausgeliehenen Kapitalien Ende 1914 Mobilien=Konto Einnahmereste Kassenbestand Ende 1914 Summa der Aktiva Ende 1914 Passiva: Einlagen Ende 1913 Zugang im Jahre 1914 a) durch Neueinlagen b) durch Zuschreibung von Zinsen Abgang: Zurückgezahlte Einlagen im Jahre 1914 Mithin betragen die Einlagen Ende 1914 Guthaben der Reichsbank Summa der Passiva Ende 1914 Betrag des Reservefonds Ende 1913 Betrag des Reservefonds Ende 1914 604.587,96 verte,(Bariton). Am Fiügel: Herr Musikdirektor Griesenbeck. E Garop, den 1. Oktoher 1946. Rarten im Vorverkauf 50, an der Kasse 60 Pfg. 4598 Der Sparkassen=Vorstand. Im Schlachtgewühl, im Pulverdampf Ist ruhmvoll er gesunken, Sein teures Blut nach heißem Kampf Die Erde hat getrunken. In seiner Blüte, seiner Kraft Hat ihn die Kugel hingerafft. So ruhe sanft im stillen Frieden, Da unser Herz dich tot noch liebt. Denn, ach zu früh bist du geschieden, Tief hat die Trennung uns betrübt Du warst so gut, du starbst zu früh, Wir denken dein mit Schmerzen, Das Blei, das dich zu Tode traf, Zerreißt daheim die Herzen. Ach hätten wir noch einmal dich gesehn Und könnten jetzt zu deinem Grabe gehn. Auf dem Felde der Ehre starb am 8. September in Feindesland unser innigstgeliebter Bruder, Schwager und Onkel, der rauf Zieseheif Infanterie-Regiment Nr. 173 im blühenden Alter von 20 Jahren. Die trauernden Geschwister: Otto Liesenhoff Emma Liesenhoff geb. Dietrichkeit Elisabeth Liesenhoff Lina Liesenhoff. Ludwig Wichert Emma Wichert geb. Liesenhoff Fritz Grüll, 2 Zt, Frankreich Hermine Grüll geb. Liesenhoff Heinr. Vieler, z. Zt. Frankreich Ida Vieler geb. Liesenhoff Wilhelm Liesenhoff. 1560 Ergste, Halden, Haspe und Frankreich, 2. Oktober 1915. Vielschhönser ven N. 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Paar 1.66 1.83 Damen-Kleidung Jackenkleid aus blauem oder schwarzem Kammfern, glatte Form im Rücken mit 2 Falten, gestickten Flieden und Posameat-Knöpfen garniert, auf Seiden-Serze gearbeitet..............: Jackenkleid aus blauem und schwarzem Kammgarn-Cheviot, mit durchgehendem Gürtel, moderner, weiter Rock, auf Seiden-Serge gearbeitet 32.00 Jackenkleid aus blauem u. echwarzem Kammgarn-Cheviot, fesche Blusen.„ form, mit Tressen-Garnitur u. Glockenrock, auf Seiden-Serge gearbeitet 38.50 Jackenkleid lange Form, im Rücken mit doppeltem, festem Riegel, mit Falten und Stickerei, auf Seiden-Serge gearbeitet......... 45.0 Jackenkleid aus Kammgern oder Kottelé lange und ¼ lange Formen moderner, weiter Rock, auf Seiden-Serge gearbeitet....... Jackenkleid aus Foulé Gabardine, ¼ lange Form, reich mit Tressen garniert, Jacke auf hochglänzender Halbseide gefüttert, weiter mod. Rock mit Falten Jackenkleid marine eder schwarz, sehr elegant, zweireihige, lange Form, Jacke mit angeschnittenem Glockenschoß und Stickerei im Rücken, weiter Glockenrock mit Sattel, auf Seiden-Serze 78 Herbet-Jacke einfarbig, grau oder braun, offen und geschlossen zu tragen. mit losem Riegel und Knopf-Besats................ Herbst-Mantel für junge Damen, ¼ lange Form, mit Samtkragen und breitem, abknöpfbarem Riegel Horbst-Jacke einfarbig, offen und geschlossen zu tragen, einreihig aus Diagonal-Stoift oder Flausch, mit festem Gürtel, FaltenscheB und### Knopk-Berate Langer Herbst-Mantel aus einfarbigen Stoffen, Flausch oder Noppen, in verschiedenen Ausführungen, weite, moderne Form, oilen und 4e-„o u schlossen zu tragen...... Herbst-Jacke kariert und einfarbig, offen und geschlossen zu tragen, mit modernem, breitem, hochstehendem Kragen, loser, geteilter Gürtel, moderner Schnitt........................ 24.5 Herbst-Mantel aus einfarbigen oder karierten Stoffen, wie Affenhaut, Flausch oder Diagonal-Gewebe, ½ lange und lange Formen, moderner Aermelschnitt, offen und geschlossen zu tragen.......... 26 Herbst-Mantel aus schwerem Diagonal-Flausch, lange, moderne Form, mit breiter Rückenfalte und durchgehendem, festem Gürtel..... 34 Herbst-Mantel ¼ lange Form, mit Samtkragen, hochgeschlossene oder lange Form, zweireihig, mit breiter Rückenfalte, offen u. geschlossen zu tragen...... m Damen-Putz 5 Samt-Mäntel und Paletots, Samt-Kleider und Kleiderröcke in grosser Auswahl. Mädchen-Kleidung Mädchen-Kleid aus reinwollenem marine Cheviot, moderne Form, mit weissem Ripskragen.................. Grösse 60 Jede weitere Grösse 75 Pf. mehr. Mädchen-Kleid Schlupfblusen-Form, aus marine Cheviot, reine Wolle, mit abknöpfbarer Garnitur und roter Kravatte..... Grösse 60 Jede weitere Grösse 1.50 mehr. Mädchen-Kleid blau-Grün kariert, mit blau-seidenen Kragen u. breitem Seiden-Gürtel, moderne Form............ Grösse 60 Jede weitere Grösse 1.50 mehr. Farbiger Paletot braun Cheviot, mit durchgehendem Gürtel, offen und geschlossen zu tragen................ Grösse Jede weitere Grösse 75 Pf. mehr. Farbiger Paletet grün Cheviot, mit Faltenrücken und tiefem Gürtel, offen und geschlossen zu tragen............ Grösse 1 Jede weitere Grösse 75 Pf. mehr. Farbiger Paletot blau-grün kariert, mit tiefem Gürtel, offen und geschlossen zu traden................... Grösse 1 Jede weitere Grösse 1.00 mehr. Farbiger Paletot aus hellgemustertem Flausch, mit durchgehendem Gürtel, Raglan-Schnitt, offen und geschlossen zu tragen Grösse 1 Jede weitere Grösse 1.00 mehr. Farbig galetot zrün Zibeline, Raglan-Schnitt, Riegel im Rücken, offen und##chlessen zu tragen Grösse 1 und Wichlessen zu tragen... Jede weitere Grösse 1.50 mehr. Baby-Mantel schwarz Astrachan, hochgeschlossen, mit weissem imit. Hermelin-Kragen und weissen Perlmztknöpfen, tiefer Gürtel Grösse 45 Jede weitere Grösse 1.00 mehr. Baby-Mantel aus schwarzem Köper-Velvet, mit weissem Kragen Grösse 45 Jede weitere Grösse 1.00 mehr. Baby-Mantel ams schwarzem Köper-Velvet, mit weissem Plüsch-Kragen und dielem Gürtel e Grösse 45 +„Jede weitere Grösse 1.00 mehr. 7.75 S Damen-Plüsch-Formen handgenäht 3.25 5.75 Damen-Filz-Formen schwerz und farbig 2.75 3.25 bis 6.75 Fesche jugendl. Formen aus Filz, schwarz u. farbig......... 3.50 4.00 bis 3.75 Eleg. lugendl. Formen aus Samt 8.73 9.75 11.50 13.75 Jugendliche Pläsch-Formen handgenäht 5.75 7.79 Eleg. Samt-Formen 9.75 11.75 bis 17.75 Echte Damea-Velour-Hüte und jugendliche Formen 7.00 8.75 10.75 12.50 14.00 15.75 Süänüge kunsalt von en. 1900) garnierten Damen-Hüten in jeder Preislage u. jeder Geschmacksrichtung 12.80 Kinder-Putz Plüschkappe weiche, moderne Form, in verschiedenen Farben.... 3.25 Plüschkappe schwarz, grosse, moderne Form, mit Ripsband garniert......... 6.00 Plüsch-Südwester schwarz, mit weissem Unterrand und mit Kordel-Garnitur..... 3.25 Fllz-Hut moderne Form, mit Ripeband garniert 4.25 Fllz-Hut Matrosen-Form, mit Schriftband, in schiedenen Farben.......... 5.00 Schirm-Mütze marine, mit Lackschirm, Schriftband und Abzeichen......... 1.25 Teller-Mütze marine, grosse Form, mit Schriftband... 1.35 Flieger-Mütze marine, mit Lackschirm und Abzeichen... 1.60 Knaben-Kleidung S Knaben-Anzug aus soliden Barkin-Stoffen, hochgeschlossen, mit Krawatte Grösse 1. 6.75 Jede weitere Grösse 30 Pl. mehr. 8 * Knaben-Anzug aus guten Buxkin-Stoffen, hoch* geschlossen, mit Gürtel, vorne und im Rücken S mit Falten......... Grösse 1 8.25 S Jede weitere Grösse 50 Pf. mehr. 2 * Knaben-Anzug aus gutem, blauem Melton# * Cheviot, offene Form, Herren-Revers, mit 2 Ueberkragen und Rückengurt: Grösse 1 9.50 Jede weitere Grösse 78 Pf. mehr. " Knaben-Anzug aus gutem Burkin, Schlupf.# S form, mit Hatrosenkragen: Gröme 1. 12.23 s : Jede weitere Grösse 75 Pf. mehr. 22 * Knaben-Anzug aus gutem Kammgarn-Cheviot,# S Schlupf-Form, mit Hatrosenkragen und Abreichen.......... Gröse 1. 12.75 Jede weitere Grösse 75 Pf. mehr. S Knaben-Paletet aus blauem Meiton-Cheviot, mit Abzeichen....... Grösse 00: 3.75 9 Jede weitere Grösse 30 Pf. mehr. * Knaben-Paletot aus solidem, blauem Melton# * Cheviot, mit Aermel-Abzeichen und Riegel## S Gröuse O0. 4.50 S Jede weitere Grösse 30 Pf. mehr. 2 S Knaben-Paletot hübsche Machart, mit Aermel-# S Abzeichen und Riegel... Gröue 00. 8.00" Jede weitere Grösse 50 Pf. mehr. 2 S Jänglings-Ulster zweireihig, mit Rieel vas## Qustschfalte, auf Serge gefüttert, Gr. 7. 15.z S Jede weitere Grösse 75 Pl. mohr. * Knaben-Umhang am grauem oder grünlichen Loden, mit Kapuze... Grösse 6S. 7.25# S Jede weitere Grösse 30 Fl. mehr. ## W .4 Bas Es bss Sgs b5 85.8 LSS aTs an SE: Ggf nParurarat an Ponsnän nn#SS g BEHEUS9„ b9 bgag be S! in: in: HS Un S7 SP g7 98 S 5 56 553 65 5(n G umm # Sacem nicht weniger furchtbar anhörte als im Innern des Ei Wagens. kurzer Blick, den ich geradeaus warf, zeigte mir die Schnelligkeit der Bewegung, die sich menschliche Phantasie nicht vorzustellen vermag. Ich blickte am Zuge entlang, konnte jedoch nichts Ungewöhnliches entdecken. Als ich mich darauf wieder unschlüssig in den Wagen zurückwandte, bot sich mir ein schrecklicher Anblick. Mein Gegenüber lag in die Ecke zurückgelehnt mit starren Augen da. Ich faßte ihn an, er war kalt. Ein Herzschlag mußte ihn getötet haben. Die Leiche wurde von der schleudernden Gewalt des Wagens hin und her geworsen und auf so unheimliche Weise bewegt. Manchmal ist mir der Anblick noch im Traume erschienen: die starren Augen, die bleichen Züge, die schlassen Glieder. genger. g6 7. 6 1. Ich stürzte wieder zum Fenster; da sah ich nun bisweilen Passagiere mit totenblassem Antlitz herausstarren und wieder verschwinden. Was für Szenen mußten sich im Innern der anderen Wagen abspielen? Hier mußte etwas geschehen! Ich öffnete die Tür, betrat das Trittbrett und schritt langsam vorwärts. Muskelstark, wie ich nun bin, gelang es mir unter Aufbietung aller Kraft, mich an den hin und her geworfenen Wagen festzuhalten. Zumal an den Uebergangsstellen lief ich Gefahr, entweder hinabgeschieudert und von den Rädern in einer Sekunde zermalmt oder, in weitem Bogen überschlagend, den Bahndamm hinabgewirbelt zu werden. Endlich gelangte ich zum Kupee des Zugführers. Ich öffnete es und trat ein.. 8 Es war leer. Ein Schrecken durchrieselte mich. Ich stürzte zum anderen Fenster und sah eine erschütternde Szene. Auf dem Trittbrett tastete sich der Zugführer mühsam zu seinem Kupee zurück. Eine breite Wunde, aus der das Blut herabströmte, klaffte auf seiner Stirn. Ich öffnete die Tür, und er schwankte herein. Er schien etwas sagen zu wollen, doch das Gebrüll des Wagens verschlang seine Worte. (Schluß folgt.) . Denkspruch. Durch Krieg und Rampf besteht diese Welt; es stürbt sogleich, was hier nur ruhen will. Geiü.tei und gewaffnet sollen wir immer lein: immer schlagfertig, immer als die, die dem Feinde begegnen sollen: Wir sollen Knieger sein. Ein Mann, der aus eigener Anschauung einen Fall von Scheintod erlebt hatte, nahm in sein Testament den Wunsch auf, daß unmittelbar nach seinem Tode der den Tod bescheinigende Arzt ihm eine Einspritzung mit einem starken Gift zu machen habe. Sei er nur scheintot, dann werde das Gift unfehlbar seine Wirkung tun. Die Frage ist nun, ob ein Arzt berechtigt ist, einen derartigen Eingriff vorzunehmen. Tatsächlich gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder ist der Testator wirklich tot und die tödliche Einspritzung dann überflüssig, oder er lebt noch trotz des scheinbaren Todes, und die Einspritzung erreicht ihren Zweck, d. h. sie tötet einen Lebenden. In diesem Falle würde der Arzt sich zu einem kriminellen Akt hergeben. Da der Testator mit seiner Bestimmung nur die Möglichkeit im Auge hatte, daß er nur scheintot sei, so kann vom juristischen Standpunkt aus kein Zweifel daran bestehen, daß er seinem Arzt unter Umständen einen Mord zumutete. Der Verfasser des Artikels meint nun, man könne die Schwierigkeit umgehen, wenn man bei der Behandlung eines Toten oder Scheintoten wie bei einer Einbalsamierung vorgehe. In diesem Falle bedarf es der behördlichen Genehmigung, die dann den Arzt von jeder Verantwortung befreit. Bei beiden Mitteln, bei der Einspritzung von Gift und bei der Einbalsamierung handelt es sich, wie man sieht, immer um die Absicht, Leben, welches vielleicht noch vorhanden ist, mit Sicherheit zu vernichten. Ohne Frage wäre es verständiger, danach zu trachten, den Scheintoten dem wirklichen Leben wiederzugeben. Zu diesem Zwecke bedarf es in erster Linie der Feststellung, ob das Herz vollständig zum Stillstand gekommen ist oder nicht. Versagt die Herztätigkeit hintereinander 20 bis 30 Minuten, so ist unbedingt anzunehmen, daß das Leben erloschen ist. Nun kann aber die Herztätigkeit eine so geringe sein, daß sie den gewöhnlichen Prüfungsmethoden entgeht, aber hinreicht, um die Lebensfähigkeit des Organismus zu erhalten. Diese Beobachtung kann der Arzt fast alle Tage machen. Es gibt nun ein seinerzeit von dem Arzte Dr. Jcard empfohlenes Mittel, um unfehlbar festzustellen, ob das Herz noch tätig ist oder nicht. Spritzt man nämlich unter die Haut eine unschädliche farbige Flüssigkeit, so wird diese, selbst wenn das Herz noch so gering schlägt, sich in kurzer Zeit in sämtliche Gewebe verbreiten und so durch die Hautfärbung verraten, ob die Blutzirkulation noch besteht oder die beginnende Verwesung bereits eingetreten ist. Wenn sich die Gewebe nicht färben, steht die Blutzirkulation still, und der Tod kann als absolut sicher betrachtet werden. E. M. Arndt. W sunst se illenSchutz geden Scheintod. In einer Landgemeinde des schweizerischen Aargau sollte vor kurzem ein alter Mann beerdigt werden, dessen Tod durch den Arzt des Ortes bescheinigt worden war. Alles war zum Begräbnis vorbereitet, und selbst das Totenglöckchen begann bereits zu läuten. Als aber der Sarg geschlossen werden sollte, schlug der vermeintliche Tote die Augen auf und entstieg der unheimlichen Hülle. Dieser Fall hat einem medizinischen Fachblatt Veranlassung gegeben, die Frage des Scheintodes vom wissenschaftlichen und vom juristischen Standpunkte zu beleuchten. Humor. Was der Vater sagte.„Nun, Liebster, was hat mein Vater gesagt, als du um meine Hand anhieltest?“ „Ach, Ellinor, er— er— sagte—. „Die Kraftausdrücke brauchst du mir nicht zu wiederholen, Schatz!“ „Ja, Liebchen, dann bleibt nichts übrig!“ Begreiflich. A.:„Sag' mal, Richard, du bist wohl riesig verliebt in Fräulein Sonnig?“ B.:„Das war einmal. Nach dem, was sie gestern abend zu mir sagte, habe ich mich entschlossen, ihr ferner meine Zuneigung nicht mehr zu zeigen!“ A.:„O weh! Was hat sie denn so Schlimmes gesagt?“ B.:„Sie hat nein gesagt, als ich sie bat, meine Frau zu werden!“ einverielgug s Cilell Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde W 47. Jahrgang O Grites und älteltes Cagesorgan des Kreiles. O Haupt-Annoncenblatt Unterhaltungs Beilage zu Nr. 231. Samstag, 2. Oktober 1915 n d e s N a m e n s w i l l e n. X Freude #timm 52 S ##□# 0 Roman von Dressel. (11. Fort ging Ulrike hinaus, aber die e an dem Ritt war ihr gefrüht. Das veinliche Nachdenken suchte sie in körpetlicher Anstrengung zu verlie###en. Ungestüm, wie es sonst nicht ihre Art war, jagte sie ihr schnelles Roß durch Forsten und Täler, bis sich bei Eintritt der körperlichen Ermüdung allgemach die Auswallung ihres Inneren legte. Sie schämte sich jetzt fast derse ben. Was war denn auf Melanies Worte zu geben, die sie ja stets mit ihrem Spott zu verletzen suchte? Mochte sich doch Felir immerhin vergnügen! Für ein beschauliches Einsiedlerieben war seine glänzende Persönlichkeit doch wahrlich nicht geeignet. Zudem sprach ihr Vater, der hier und da einen Brief von Gerlach erhielt, mit immer gleicler Wärme von dem jungen Freunde. Dieser Brieswechsel aber war (Richdruck verbda meine Eltern mir früh gertsetzung.) Heimat zu finden. storden sind.“. Satersg. Ulrike schaute mit erwachtem Interesse in das freundliche Gesicht, welches unter dem breitrandigen Hut in allem Reiz jugendirischer Anmut beivorse# „Da habe ich schon von Ihnen durch die Frau Pfarrerin gehört. Wir müssen einander kennen lernen, Fräulein Hedwig, wollen Sie? Ich lebe sehr einsam und habe mich oft nach dem freundschaftlichen Verkehr einer Altersgenosin gesehnt.“...., 317.562# chrsig u.s Noch vor einem Jahre hätte es Ulrike sicherlich bei einem kühlen Dank bewenden lassen. Seitdem i re Seele zum Glück erwecht war und sie mit jeder Fiter ihres Horzens nach Licht und Wirme verlangte, hatte sie auch ihre scheue Zurückhaltung verloren. Wenn en sie auch ihre scheue Zurückhaltung verloren. Mann wie Felix sie liebte, durften wohl auch andere Beweis, daß Felix Treue hielt und an Wiederkehr dachte. Mit diesem vernünftigen Erwägen gelang es ihr, das eifersüchtige Bangen zu beswingen.„ e, 6614 Is. Tcammmme. „Die Hälfte der Prüfungszeit ist überwunden,“ jubelte ihr Herz,„noch ein wenig Geduld, und der Geliebte, der Freund kehrt mir zurück.“ Es zog sie in liebender Erinnerung nach jener Waldstelle, wo im vorjährigen Herbst Baron Gerlach ihrem Hunde bereite Hilfe geleistet und ihr damit zuerst nahe getreten wor.„..14118 gamachrt. Langsam durch den Tannenforst reitend, gewahrte sie hier ein junges Mädchen, welches ihr einen Brief entgegenlielt.„ 9. 2 uer meldur 8 Ulrike erkannte bestürzt das Kuvert, welches den Brief ihres Bruders enthielt; es mußte ihr bei dem wilden Reiten vorhin entfallen sein. Lebhaft dankend, reichte sie dem jungen Mädchen die Hand vom Pferde herunter, und wärmer, als sie sonst zu Fremden zu redenepflegte, sagte sie:„Es freut mich, daß gerade Sie die Finderin des Briefes waren,—— Sie haben ihn nicht gelesen?" setzte sie 3ögernd binzu.... g. tregtign al „Man hat mich gelehrt, Indiskretion als eine häßliche Untugend zu letrachten,“ war die stolze Antwort. „Verzeihung, ich wollte Sie nicht kränken! Wollen Sie mir nun sagen, wer sich mir so freundlich erwiesen? Mich kennen Sie bereits, wie ich aus der Uebergabe des Briefes erfahre." „Ich heiße Hedwoig von Sennwitz und bin die Nichte der Pfarrerin von Rhoda. Gestern kehrte ich aus der Pension zurück, um nun im Hause meines Oheims eine Interesse an ier neimen, und in diesem erhebenden Gefühl floh sie die Menschen nicht mehr. „Wenn Ihnen ein eben erst der Pension entwachsenes Mädchen nur nicht gar zu unbedeutend erscheinen wird, gnädige Komresse," erwiderte Hedwig in kindlicher Schüchternheit.„. gedwig. der L.winn wird „Oh, nicht doch, Fräulein Hedwig; der Gewinn wird gewiß auf meiner Seite bleiben,“ lächelte Ulrike.„Sie frisches Pensionsfräulein werden allerlei Talente pflegt haben und bringen sicherlich einen ganzen Schatz noch unvergessenen Wissens mit. Ich dagegen bin ebenso talentlos wie häßlich, und nicht einmal liebenswürdig. Gestehen Sie es offen, wenn ich Ihnen zu abschreckend erscheine, als daß Sie mich als Freundin liebgewinnen könnten, ich werde es Ihnen nicht übelHedwigs dunkeiblaue Augen blickten ganz erschrocken über die seltsame Erklärung zu der Komtese auf. Dann erwiderte sie einfach:„Was hätte Freundschaft des Herzenz mit dem äußeren Menschen zu tun? Ich könnte Sie recht liebhaben, denn Sie sind wahr, und ich habe trotz aller Pensionsgefährtinnen doch bisher keine rechte Freundin gekannt.“ „So geben Sie mir die Hand, liebe Hedwig, wir werden einander verstehen, Ihre Freundlichkeit tut mir wohl,“ sagte Ulrike herzlich.„Einstweilen muß ich mch nun von Ihnen verabschieden, aber ich suche Sie sehr Bei weitem zufriedener und froher kehrte sie nun heim; dies holde, liebe Geschöpf zur Freundin gewinnen zu dürfen, schien ihr eine freudige Aussicht, für die sie dankbar war. Vor dem Schlosse angelangt, traf sie mit dem 8 6 83121 2 6 — □ 0 — 65 5 SaN! S S SGTHEEG S G 8 95 8 85 5 S ##. T— z SSSE S= S C 8 S 8 E # 22 6 8 S G# 8 S„** * S SSgs 0 S 8 PS,SFPE aüeu BHGTEERE * m S essg P SEES SOEZEE kleinen Stiefbruder Leon zusammen, welcher sich unter Obhut seiner Bonne dort vergnügte. Bei dem Anblick der Pferde jubelte der Knabe auf, und die Aermchen emporhaltend, forderte er gebieterisch:„Leo Pferd haben, Leo auch reiten!" Ulrike hatte, ihrer Abneigung gegen Melanie folgend, auch deren schönen Knaben bisher eher gemieden als beachtet. In ihrer jetzt so friedvollen Gemütsstimmung vermochte sie es nicht, das Kind abzuweisen. Lächelnd wandte sie sich dem dunkellockigen Knaben zu, der sie mit großen, glänzend blauen Augen verlangend anschaute. Und jäh erblaßte sie. Nur aus einem, dem geliebtesten Angesicht hatten ihr solche schimmernden Sterne mit dem gleichen Ausdruck unwiderstehlicher Siegesmacht entgegengestrahlt, und nun traf sie derselbe Blick aus den schönen Augen dieses bislang geflissentlich gemiedenen Kindes. Wie die Erinnerung an Felix sie erregte! Sie schloß Leon plötzlich heftig in die Arme und drückte einen Kuß auf den kleinen, sich gegen die ungewohnte Liebkosung sträubenden Purpurmund. Da ließ sie auch schon, selbst erschrocken über ihr Tun, den Knaben aus den Armen und begab sich, über die sonderbare Aehnlichkeit verwundert, in ihre Gemächer. IX. „Mein guter Ralf! Du beschwerst Dich über mich säumige Korrespondentin, und das mit Recht; denn seit Deinem fröhlichen Sphinxbrief hast Du zweimal geschrieben, ohne daß ich noch geantwortet hätte. Ich will keine Ausflüchte machen, sondern Dir nur gestehen, daß etwas Außergewöhnliches meinem Schweigen zugrunde lag— die Furcht, lieber Bruder. Du glaubst es kaum Deiner starken Ulrike; dennoch fürchtete ich mich, Deine Gewissensfrage zu beantworten. Nun muß es doch geschehen, da Du mir ernstlich zürnst, und einmal hättest Du mein Geheimnis ja doch erfahren müssen, und so besiege ich denn tapfer die falsche Scham. Du hast recht vermutet, Ralf, Deine arme, häßliche Ulrike hat die unbegreifliche Torheit begangen, ihr Herz einem schönen, glänzenden Manne zu weihen, und was noch wunderbarer ist, er begehrte es in werbender Liebe. Mußte ich da nicht eine völlig andere werden? Wie möchte ich oft jubeln, daß das Leben nun auch für mich die herrlichsten Gaben entfalten wird, und dann wieder macht es mich so kleinmütig, dieses selige Glück, dann erscheint es mir zu märchenhaft schön, um wahr zu sein. Deshalb habe ich es auch nicht in unbesonnenem Freudentaumel sogleich hinnehmen können, sondern Felix gebeten, es auf seine Beständigkeit hin noch ernstlich zu erwägen. Im Taumel der Welt, sern von mir den Versuchungen seiner Kreise preisgegeben, soll er sich prüfen, ob ihm ein so reizloses Wesen wie ich in Wahrheit dereinst das Glück gewähren kann, von dem er mir so beredt gesprochen. Daher seine Entfernung von Rhoda und die Geheimhaltung des Verlöbnisses, das ihn erst nach seiner Rücktehr binden sol. u5gar u8 mii Deiner Herzensfrage gegenubet, und weil wir, solange ich denken kann, ein Herz und eine Seele waren, mein Ralf, glaube ich nun Offenheit hierüber schuldig zu sein; aber ich bitte Dich, komme auf dies Geständnis nicht wieder zurück: es beschleicht mich die Angst, als ob mein heimliches Glück wie eine Schaumblase zerstieben müsse bei vorzeitiger Berührung. Während dieser Trennungszeit nun arbeite ich ernsthaft an mir; ich bestrebe mich, wenigstens umgänglicher und milder zu werden, da ich ja nimmer mein trauriges Aeußere reizvoller gestalten kann. Ach, Ralf, man kann nicht demütig, nicht gut genug sein, wenn man geliebt wird. Ich mühe mich, meine unliebenswürdige Herbheit dem heiteren, gewinnenden Wesen Gerlachs anzupassen, und ich hoffe, daß es mir leichter gelingen wird, wenn ich meiner jungen Freundin nacheifere, die mir das Vorbild des idealen weiblichen Charakters ist. „Eine Freundin?" staunst Du gewiß. Ja, lieber Ralf, seit dem letzten Jahr schwebt ein glücklicher Stern über mir, werden die Götter nicht neidisch werden? Ich bin so glücklich, Deinem Freunde Ewald Lorenz ein Pendant stellen zu können in Hedwig von Sennwitz. Dies reizende und liebenswerte Mädchen ist Waise. Ihr Vater war der bei Alsen gefallene Freiherr von Sennwitz, der letzte seines einst angesehenen und reichen Hauses, dessen Glanz er nicht mehr gekannt hat. Hedwig ist daher keineswegs in großen Verhältnissen ausgewachsen, und der frühe Tod ihrer Eltern hat sie völlig mittellos gelassen. Als Nichte unserer Pfarrerin hat sie nun in deren Hause eine Heimat gesunden, und da jene kinderlos ist, hängt sie an Hedwig mit großer Innigkeit und wird in ihrer Zuneigung zu dem jungen, schönen Mädchen von dem guten Pfarrer eifrig unterstützt.„ All dies Verziehen schadet dem holden Kinde indes nichts; sie bleibt bescheiden und dankbar für all die Liebe, die jeder für sie haben muß, der sie kennt. Trotz ihrer Jugend ist sie eine große Meisterin auf dem Klavier. Sie erst hat mich die Musik lieben gelehrt, welche mir Papas zweite Frau mit ihren lärmenden, inhaltlosen Kunstreiterstücken verhaßt gemacht hatte. Ich habe mir einen schönen Flügel einzig für Hedwig in meinem Wohnzimmer ausstellen lassen. Wie oft sitze ich dort mit meinem Liebling und lasse die göttlichen Melodien, welche unter ihren Kinderhänden entstehen, in mein Herz dringen, bis mir oft heiße Tränen aus den Augen stürzen oder ich aufjauchzen möchte und mich in Träumereien über mein Herzensglück verliere, das ich nun erst voll zu verstehen meine. Wie begnadet sind die Menschen, an deren Wiege eine Muse gestanden! Mir sind die Grazien und Genien fern geblieben, aber es fehlt mir Gott sei Dank nicht die Begeisterung, das Verständnis für die Künste, wenn ich sie auch nicht selbst ausüben kann. Nur eine bescheidene Anlage zum Zeichnen habe ich in mir entdeckt; wenigstens behauptet Hedwig, ich hätte Geschick dazu, und unter ihrer Leitung pflege ich sie. Jetzt freilich, da wir den Weihnachten nahe sind, verbietet die Witterung das Stizzieren im Freien. Dafür finden wir bei der Pfarrerin genug andere Beschäftigung; wir unterstützen sie bei den Vorbereitungen zu ihrer Armenbescherung. 6 c Ach, Ralf, ich habe das Geben bisher nicht in der rechten Weise geübt, wenn ich genug zu tun meinte mit der jährlichen reichlichen Spende, die ich dem Pfarrer zu diesem Zweck übergab. Hedwig saßt das Wohltun anders auf. Sie geht selbst in jede arme Hütte, schaut, woran es fehlt, und hilft oft ebenso durch ein tröstliches Wort wie durch die freundliche Gabe. Ich kannte unsere Armen bisher kaum, nun aber suche ich sie gern in Hedwigs Gesellschaft auf; ich lerne es, mit ihnen freundlich zu sprechen, und ich sehe es mit Vergnügen, wie sie ihre Scheu vor mir verlieren. Papa spendet der guten Sache willig reiche Mittel; daß aber die Gräfin sich unserem plebejischen Schaffen möglichst fernhält, brauche ich wohl kaum zu sagen. Sie spottet lediglich über die Werkstatt im Schlosse, welche die Luft verderbe. Papa lacht natürlich über ihre Witzeleien, tröstet sie, daß Weihnachten nur einmal im Jahre sei, und räumt uns dann auf Hedwigs Bitte, der er, wie eben niemand, etwas abschlagen kann, einen Saal nach dem andern für unsere Zwecke ein. (Fortsetzung folgt.) Gellern und Heute. S Eine Geschichte vom Freiherrn von Münchhausen. Der„Münchhausen“, diese deutschen Lügengeschichten, die durch die Rückübersetzung aus dem Englischen von Gottfried August Bürger in die klassische Form gebracht wurden, ist längst zum Volksbuch geworden; aber das historische Urbild dieser köstlichen Aufschneidereien hat man darüber vergessen. Er hat wirklich gelebt, dieser berühmte Freiherr Hieronymus Karl Friedrich von Münchhausen, war von 1738—1750 Ofsizier in russischen Diensten und dann Gutsbesitzer, bis er 1797 im 77. Lebensjahre starb. Neue Kunde von diesem durch seine ausschweifende Phantasie unsterblich gewordenen Manne, über den man so wenig weiß, wird gewiß willkommen sein, und so sei hier auf einen Bericht an einer wenig beachteten, entlegenen Stelle aufmerksam gemacht, nämlich in den Erinnerungen H. A. O. Reichards, der als junger Student in Göttingen mit dem Freiherrn zusammentraf. An der Rühlenderschen Wirtstafel vereinigte sich damals unter dem Tafelpräsidium eines Barons von Grothaus eine heitere Tischgesellschaft, und mit diesen Herren speiste Münchhausen, wenn seine Angelegenheiten ihn nach Göttingen führten. Der Freiherr führte dann bei Tisch das große Wort und erzählte aus dem reichen Schatz seiner Erfahrungen und Erinnerungen. So war er auch einmal wieder im besten Zuge, und zwar gab er die uns heute nicht unbekannte Geschichte zum Besten, wie er„auf der Jagd eine Wolke Rebhühner einzeln hintereinander herlaufend angetroffen habe, unverzüglich seinen eisernen Ladestock in den Flintenlauf gesteckt und so haargenau geschossen, daß ihrer sieben wie an einem Bratspieße angepflöckt worden wären. Das sei ihm so drollig vorgekommen, daß er die Rebhühner nicht abgenommen, sondern sie rupfen und an dem nämlichen Ladestocke habe braten lassen.“„Unglücklicherweise," erzählt Reichard weiter,„richtete aber Herr von Münchhausen dieses sinnreiche Histörchen an einen fremden militärischen Reisenden, der zufällig sein Tischnachbar war. Da dieser den großen Aufschneider nicht kannte, so glaubte er, derselbe wolle ihn hänseln, und weil auf der anderen Seite Herr von Münchhausen durch das öftere Erzählen an seine eigenen Märchen wie an ein Evangelium glaubte, so entspann sich ein Wortwechsel; der Streit ward ernstlich und würde ohne Zweifel mit Kugelwechseln geendet haben, wenn nicht Baron Grothaus den Fremden verstohlen mit der Schwachheit seines Widersachers vertraut gemacht hätte.“ Eine schreckliche Fahrt. Von Adolf Thiele. (Nachdruck verboten.) Vor einiger Zeit lernte ich einen älteren Herrn kennen, dessen Gesichtszüge eine auffallende Energie verrieten. Durch Tätigkeit in Geschäften zu Wohlstand gelangt, besaß er indessen, zumal er allein in der Welt zu stehen schien, wenig Neigung zur Ruhe und zu einem stillen Heim; denn obwohl er kaum ein Vierteljahr in unserer Stadt wohnte, ließ der etwas worttarge Mann bisweilen von seiner Abreise verlauten. Diese erfolgte auch bald, und seitdem habe ich nichts wieder von ihm gehört. Eines Abends nun, nicht lange vor seiner Abreise, saß ich mit ihm und einigen anderen Herren in einem stillen Nebenzimmer des Gasthauses, wo wir uns zu treffen pflegten. Es war ein schlimmes Wetter draußen, der Regen strömte herab, und der Wind heulte und rüttelte an den Fensterläden. Unser Gespräch war auf das Gebiet der Eisenbahnen und jener schrecklichen Unfälle geraten, bei denen gesunde, blühende Menschen durch die ungeheure Gewalt zusammenstoßender vder entgleisender Züge zerschmettert und zerquetscht werden. Stumm hörte der fremde Herr zu, plötzlich aber begann er:„Bei derlei Gesprächen muß ich stets eines furchtbaren Erlebnisses gedenken, das mir unvergeßlich bleiben wird.“ Von allen Anwesenden zum Erzählen aufgefordert, begann er:„Es mögen jetzt zwanzig Jahre her sein, als ich, in Berufsgeschäften reisend, den Schnellzug bestieg, der von Königsberg nach Dirschau und weiterhin nach Berlin fährt. Außer mir nahm im Kupee noch ein blasser, kränklich aussehender Herr Platz. Als wir das Weichbild der Stadt verlassen, umfing uns die unabsehbare ostpreußische Ebene. Es war ein trauriger Herbstnachmittag; ein dichter Nebelflor hüllte die tiefstehende Sonne ein und verlieh allem ein fahles Aussehen. Ermüdet von der Einförmigkeit der Landschaft, hatte ich mich in eine Berechnung vertieft. Plötzlich— wir mochten kaum eine halbe Stunde gefahren sein— bemerkte ich, daß mein Reisegefährte, der sich fröstelnd in eine Ecke gedrückt hatte, unruhig wurde. Er blickte zum Fenster hinaus, rückte hin und her, erhob sich und blickte wieder gespannt hinaus. Auch ich tat dies jetzt und bemerkte, daß wir mit vermehrter Geschwindigkeit fuhren. Jetzt erst achtete ich auf das stärkere Geräusch des Wagens. Toch immer mehr steigerte sich die Schnelligkeit. Wir wurden auf unseren Sitzen hin und her geworfen und mußten uns krampfhaft anklammern. Geradezu unbeschreiblich aber war das unheimliche Geräusch, mit dem die Räder dahinsausten. Man bekam unwillkürlich das Gefühl, als müßten sie jetzt— in diesem Moment— aus den Schienen springen, und dann war die furchtbare Zerstörung des in Windeseile dahinfliegenden Zuges unvermeidlich. Das Gepäck, welches wir in den Hängematten untergebracht hatten, stürzte herab und wurde hin und her geschleudert, so daß es uns Quetschungen verursachte. Mein Gegenüber war totenblaß in die Kissen zurückgesunken, er atmete schwer, dicke Schweißtropfen standen auf seiner Stirn, und sein Gesicht drückte die furchtbarste Angst und Verzweiflung aus. Traußen aber flog alles an uns vorüber, wir mußten beinahe mit doppelter Schnelligkeit fahren. Die Telegraphenstangen waren nicht mehr zu sehen; daran, daß es dunkler wurde, erkannte ich, daß wir durch einen Wald kamen. Und immer fürchterlicher wurde die Fahrt, immer stärker brüllte und donnerte der Wagen, immer wesenloser wurden die Gegenstände draußen. Ich muß gestehen, ich zitterte am ganzen Körper. Mein Kopf wurde verwirrt, ich fragte mich: woher diese Schnelligkeit? Ist etwas an der Maschine zerbrochen oder— gräßlich zu denken— ist der Führer herabgestürzt oder— wahnsinnig geworden? Saust der Zug vorwärts, bis er endlich an eine schwache Stelle der Schienen, an eine gefährliche Kurve gelangend herausspringt und alles Lebende zerschmettert? Der Zustand wurde mir unerträglich, ich ließ daher das Fenster hinab und blickte hinaus. Zunächst machte mich der schneidende Luftzug zurückfahren. Doch noch einmal, mit beiden Händen angeklammert, bog ich mich hinaus. Was zunächst meine Sinne wahrnahmen, war das grauenvolle Geräusch des Zuges, das sich anders, aber onnmonmm *