* Amtliches Kreisblatt für den kreis börde oe Scmen Seimer uben uuns) auder Feiertags. Bezugspretz M.„ Doienat, Adrich, del der Post sür Bestelgeld 42 Pla. wehr. Wöchentl. Grakisdellage:„Jünstrierter Samillenfreund“ u. tägl. Unferballungsblatt. Anzeigenpreis: Die Zedengespaltene Peutzelloder deren Raum 10 Plg., Anzeigen uns auswárc 15 Pig., Rehlomezells 40 Pfg. Jeder Radan gill ale Kastarndau a. ertisch bes Konzocsen, Zwangsoergleichen, gerichtl. Klagen u. Aichbeochungt gemnacht. Jatziungsesingug. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblau Verbunden mit: Schwerker Tageblatt ∆ Schwerker Anzeiger *** a W d o n V e d t e B ö c k Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Sowerter Hlolkazeitung Grlies und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-hinzeiges zür den Kreis börde o Haupt-Kunoncenbiaß unn hute, und uhentenltgrüichen Durn gungen sor den Arntz Hörde erlangen an Bedaaawmochung der Rbaiglichen Regienuag durch Verössenlichuag ie der„Schwerte Zeitag“ rrcgoerdiadliche Keoft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewödri kdres Adosaes= inn für jedes mit Tod endenden Uafas grSingunges; 300 Mk. Unsall: Druck u. Verlag o. Corl Brovo. Schwerte= Rude Sntd c.- siet-üit-Gusstuuechch Nr. 222. Mittwoch, den 22. September 1915. 47. Jahrgang. Weiterer Vortarsu in Polen urGturt — Die Bähnlinte Wilnu=Lion went übetscheitien. 1 Die augeniente Enievillachung Euigarienr. Der Auftakt gegen Serbien." Deutscher Tagesbericht. Aumkäntten teirr enn. Der Krieg gegen Rußland. WTB Berlin, 21. Sept. Zur deutschen Offensive gegen Serbien wird in der„Germania“ gesagt: Nun sind die Fahnen, die ob des deutschen Einzuges in Wilna bei uns freudig im Winde flattern, zugleich ein Zeichen geworden für den neuen Abschnitt in der Entwickelung des Krieges. Einen solchen bedeutet der Gewinn der deutschen Offensive gegen Serbien. Nun werden auch die Serben, die in ihrer skrupellosen Großmannssucht den feigen Meuchelmord nicht verschmähten und so zum Veranlasser des großen Weltenbrandes wurden, die deutsche Faust zu spüren bekommen und jeder ehrliche Mensch nicht nur bei uns wird den Wunsch haben, daß es nicht zu knapp sein möchte. In der„Voss. Ztg.“ schreibt Hauptmann Bertkan: Der Eintritt Rußlands in den Krieg nötigte seinerzeit Oesterreich=Ungarn, seine Hauptkräfte in enger Verbindung mit dem deutschen Verbündeten zunächst gegen den Hauptgegner zu verwenden. Serbien wurde zum Nebenkriegsschauplatz. Jetzt sind die Heere des Zaren so weit niedergerungen, daß wir, um mit dem Reichskanzler zu sprechen, Armeen zu neuen Plätzen bereit haben. Ueber die gemeinsame Offensive der Deutschen und Oesterreich=Ungarn werden sich die Serben nicht wundern können, die im August vorigen Jahres noch im Vollgefühl festen Vertrauens auf den großen russischen Bruder die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reiche abbrachen. Allerdings erfolgt die große Offensive nicht nur lediglich aus diesen Erwägungen, sie ist auch durch die Notwendigkeit begründet, eine engere Verbindung zwischen den Zentralmächten und ihrem türkischen Bundesgenossen herzustellen. Die„Deutsche Tagesztg.“ begnügt sich zunächst mit dem Hinweis auf die große Bedeutung dieser Unternehmung an sich und fährt fort:„Alles, was während der letzten paar Monate in der„Deutschen Tagesztg.“ zu diesem Kapitel in der„serbischen Ecke“ über die gesicherte Verbindung zwischen Konstantinopel, Berlin und Wien geschrieben worden ist, wird unsern Lesern verständlich sein, wenn sie die Kanonenschüsse von Semendria mit einem erneuten„Endlich" begrüßen. Deutschland— Serbien— Rumänien. London, 21. Sept. Der„Times“ wird aus Sosia aus maßgebender Quelle gemeldet, daß Rumänien fest entschlossen ist, sich gegen jede Schädizung seines Gebietes zu erheben. Die Regierung hat sich schon durch die kategorische Weigerung gedect, Munition nach der Türkei durchzulassen. Die Gerüchte über die Bildung eines MarghilomanCarp-Ministeriums sind offenbar durch Anhänger Deutschlands aufgebracht worden. Es ist undenkdar, daß der König diese Staatsmänner unter den gegenwärtigen Umständen mit der Regierung betrouen werde. In einem Interview erkannte Philipesco, der Leiter der Konservativen an, daß Rumänien die gute Gelegenheit, in den Krieg einzugreifen, versäumt habe, aber er sprach die Hoffrung aus, daß diese Gelegenheit bald zurückkehren werde. Er erklärte, wenn Deutschland einen Einfall in Serbien unternehmen würde, es Rumänten einkreisen müßte, um es nicht zu zertrümmern. Die Oppostion würde, wenn dies nötig sein sollte, die Raxierung zwingen, zwischen beibe Stäaten zu treten, aber die Zentralmächte wissen, welch eine bestimmte Haltung Rumänien- einnehmen würde wtb. Großes Hauptquartier, 21. Sept. 1915. Oestlicher Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Die Truppen des Generalobersten v. Eichhorn sind nordwestlich und südwestlich von Oschmjany in fortschreitendem Angriff. Der rechte Flügel der Heeresgruppe erreichte unter Nachhutgefechten die Gegend von Lida bis östlich von Nowogrudok. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Der Uebergang über den Molczadz bei und südöstlich von Dworzec ist erzwungen. Weiter südöstlich gelangten unsere Truppen unter Verfolgungskämpfen bis in die Linie südöstlich Molczadz—Nowaja—Mysch, westlich von Ostrow. Heeresgruppe des General=Feldmarschalls von Mackensen. Die Lage ist unverändert. Südöstlicher Kriegsschauplatz Bei den deutschen Truppen hat sich nichts ereignet. Westlicher Kriegsschauplatz Im Abschnitt Souchez—Atras unterhielt die französische Artillerie ein ununterbrochen starkes Feuer. In der Gegend von Neuville kam es zu Handgranaten=Kämpfen. Das gestern in Trümmer geschossene Schleusenhaus von Sapigneul(am Aisne=Marne=Kanal nordwestlich von Reime) wurde nachts nach Spreagung der Ueberreste planmäßig und ohne Berührung mit dem Feinde von uns geräumt. Westlich von Perihes(in der Champagne) und in den Argonnen wurden mit Erfolg Minen in den feindlichen Stellungen gesprengt. Mehrere Handgranaten=Angriffe am Hartmannsweilerkopf wurden abgeschlagen. Oberste Heeresleitung. Oesterreichischer Tagesbericht. WTB Wien, 22. Sept.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 21. September mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Erneute russische Angriffe auf unsere Stellungen im Raume östlich von Luzk wurden abgeschlagen. An der Ikwa versprengte das Kreuzfeuer unserer Batterien einige feindliche Abteilungen, die auf dem Westufer des Flusses Fuß zu fassen versuchten. Sonst verlief der gestrige Tag im Nordosten ruhig. Die Lage ist vollständig unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. In Südtirol eröffneten unsere schwersten Geschütze das Feuer gegen die vom Feinde belegten Ortschaften, sowie gegen seine Stellungen und Batterien im Raume von Seravalle nördlich von Ala. Vor unserer Grenzstellung auf dem Coston(Hochfläche von Vielgereuth) wurden die Italiener wie immer abgewiesen. Ein seindlicher Doppeldecker warf auf Trient höchst einfältige Flugschriften aus der Feder des Leutnants d'Annunzio ab. An der Kärntner Front hat sich nichts von Bedeutung ereignet. Im Raume von Flitsch ist nun nach dem völligen Scheitern der italienischen Angriffe der vergangenen Woche wieder Ruhe eingetreten. Nur die feindliche Artillerie feuert noch weiter. An den anderen Teilen der küstenländischen Front beschränkte sich die Kampfestätigkeit gestern auf Geschützfeuer und kleinere Unternehmungen des Schützengrabenkrieges. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere Artillerie störte serbische Befestigungsarbeiten an der unteren Drina. Sonst nichts Neues. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. Die Käuntung Aaßlansr. Ueber die Völkerwanderung in das Innere Rußlands gibt die„Nowoje Wremja“ herzzerreißende Schilderungen. Drei Bezirke, Kowel, Luck und Wladimir=Wolynsk sind ganz geräumt. Mit der Devise, lieber vernichtet, als dem Feinde überliefert werden, sei die Bevölkerung ausgewandert. Alles bewegliche Eigentum wurde mitgenommen, alles unbewegliche wurde zerstört. Diesen drei Distrikten seien die Nachbardistrikte bald gefolgt. Wolhynien biete einen tragischen Anblick. Der geräumte Teil stehe in Flammen. Das übrige gleiche einer lebenden Lawine, die gen Osten rolle. Jede und haben deshalb ihren Einfall in Serbien, den sie vorhaben, aufgegeben. Gleichfalls haben die ungärischen Behörden hinsichtlich der energischen Haltung Rumäniens die Grenze wieder geöffnet und den in Ungarn zurückgebliebenen Reisenden Landstraße, jeder Dorfweg und Feldpfad wimmele von einem endlosen Ameisenhausen fliehender Volksmassen. Von Wolhyniens vier Millionen Einwohnern ist ein Drittel ausgewandert. Der schrecklichste Augenblick sei, wenn die Fliehenden ihren Dörfern Lebewohl sagten. Kaum hätten sie drei oder vier Werst hinter sich, so fange schon das Dorf an allen Seiten an zu brennen. Dann mache die Karawane Halt, aller Blicke richteten sich zum lohenden Himmel, die weinenden Männer zogen schreiend die Mützen, bekreuzten sich, die Weiber heulten, die Kinder überschrien das Ganze. die Erlaubnitz gegeben, nach Rumänien zurückzukehren.—(Wir groß der Irrtum der„Times“ ist, daß der Einfall in Serbien aufgegeben sei, beweisen sehr schnell die gestrigen deutschen und österreichischen Berichte. Kronrat beim Zaren. bb Stockholm, 22. Sept. Zu dem auf dem 23. September im Hauptquartier angesetzten Kronrat sind außer den Ministern, den Mitgliedern des Reichs= und Kronrates, dem Armeechef, auch Persönlichkeiten geladen, die das besondere Vertrauen des Zaren genießen. Dem Kronrat wird in tersburg große Bedeutung beigelegt. Man erwartet von ihm neue Verfügungen und im unmittelbaren Anschluß daran eine andere Zusammensetzung des Ministeriums, sowie eine Festlegung des inneren Kurses, der nach Annahme vereinzelter Blockforderungen dazu bestimmt sein soll, dem Ministerium einen gemäßigten Charakter zu geben, aber auch die Richtung auf Ausschaltung koperativer Verbände, Semstwos und Städtebünde übernehmen soll. Auch ist ein Verbot des Zusammenschlusses lokaler Verbände zu allgemeinen Reichsverbänden geplant. Darüber hinaus wird jedoch nach gut unterrichteten Quellen auch eine Entscheidung über Fragen der äußeren Politik notwendig, die„sich aus der militärischen Lage ergehen“. Eine größere Anzahl von Würdenträgern ist bereits zu Einzelaudienzen nach Smolensk zum Zaren befohlen worden. Wie Wilna eingeschlossen wurde. bb Haag, 21. Sept. Der„Standard“ schreibt über die Lage auf dem östlichen Kriegsschauplatz: Die Deutschen sind im Süden von Dünaburg in einer breiten Front weit nach Osten vorgedrungen. Die jetzige Linie, die sie besetzt halten, läuft ungefähr von Widsy bis zu den Sümpfen von Kobylnik und Mjadsiol. Teile ihrer Reiterei sind über die Wilia gegangen und haben verschiedene Stellen der Eisenbahn Wilna—Molodetschno—Minst besetzt und diese Eisenbahn zum Teil zerstört. Das Bedeutungsvolle der jetzigen Lage ist, daß die Deutschen bei Kobylnik ungefähr 100 Kilometer im Osten von Wilna stehen, während Wilna selbst noch durch die Russen behauptet wird. Von Wilna aus läuft die russische Linie nach dem Süden, teilweise noch nach Südwesten, während von der Memel aus ihr linker Flügel wieder zurückgezogen ist. Man sieht hieraus, daß die Russen zwischen Wilia und Memel standhalten, obgleich ihre Flanken außerordentlich nach rückwärts gedrängt worden Im Norden ist dies soweit geschehen, daß eine Trennung zwischen den russischen Heeren an der Düna und den russischen Streitkräften bei Wilna eingetreten ist. Wir glauben, daß, wenn der Großfürst den Oberbefehl noch in Händen gehabt hätte, es nicht soweit gekommen wäre, sondern daß er bereits längst das Zentrum, das die Russen gegenwärtig zwischen Wilia und Niemen haben, zurückgezogen hätte. Da es nun einmal soweit gekommen ist, wird man mit der Möglichkeit rechnen können, daß die Russen es diesmal vielleicht auf eine entscheidende Schlacht ankommen lassen wollen, umsomehr, weil jetzt ein Rückzug ein sehr gefährliches Unternehmen bedeuten würde, und weil gewisse politische Gründe für den Augenblick einen neuen Rückzug der Russen weniger wünschenswert erscheinen lassen. Der ewige Rückzug mit allen seinen schlimmen Folgen für die bürgerliche Bevölkerung ist es, der die Stellung der heutigen rufsi'chen Regierung so merklich geschwächt hat. Auch vom Norden her droht den Russen eine ernste Umzingelungsgefahr. Andererseits könnte die Lage der Deutschen gefährlich werden, wenn die Russen bei weiterer Entwickelung der deutschen Umzingelungsbewegung diese über die obere Düna hin im Rücken angreifen könnten. Die Folgen des Falles von Wilna. WTB Amsterdam, 21. Sept.„Neuwes van den Dag“ schreibt: Der Fall von Wilna wurde schon lange erwartet. Die Begleitumstände können die Besetzung der Stadt noch zu einem glänzenden Erfolge der Deutschen machen, da die umfassende Bewegung der Deutschen die Russen zwang, die Stadt zu räumen und deutsche Kavallerie bereits die Bahnlinie Molodszhno—Potolsk beherrscht.“ Es handelt sich um einen ernstlichen Mißerfolg det Russen, da dadurch die russ. Heere bei Wilna und Dünaburg von einander gekrennt sind und letzteres ernstlich bedroht ist. Wenn die Umfassung gelingt, muß man annehmen, daß der Abgang des Großfürsten die Ursache des Unglücks war. Er verstand es immer, die Truppen rechtzeitig zurückzuziehen. Man könne aber noch nicht sagen, was die Zukunft bringen werde. Fest stehe nur, daß ein Teil der russischen Streitkräfte in großer Gefahr schwebt und daß Petersburg von allen direkten Eisenbahnverbindungen mit der Hauptmacht abgeschnitten sei. Rußlands Schicksalstunde. TU Stockholm, 22. Sept. Ein hervorragendes Mitglied des gestern in Moskau begonnenen Semstwo= und Städtetages teilt uns mit, daß die Absicht besteht, gegen die Duma=Auflösung nicht direkt aktiv vorzugehen, aber alles daran zu setzen, damit Krone und Bevölkerung über die wirkliche Stimmung der Führer des Parlaments und der Gesellschaftskreise genau informiert werden. Eine Anzahl von Mitgliedern jeder im Block vertretenen Fraktion begibt sich in die einzelnen Provinzen, um dort die Wähler über die wahre Sachlage zu informieren. Der Gewährsmann schließt seine Meldung mit folgenden bezeichnenden Worten: Wir hoffen, die aufgeregte Bevölkerung von unbedachten Schritten zurückzuhalten, vorausgesetzt, daß die Generale Rußkt und Evert uns in allernächster Zeit vor allzu harten Schlägen schützen. Geschieht dies nicht, so müßten wir jede Verantwortung für das Verhalten unseres Volkes von uns abwälzen. Die Duma war es, die der Bevölkerung Siegeszuversicht einimpfte. Nun sie nicht tagt, ist auch der letzte Draht zwischen Heeresleitung und Volk zerrissen. Die Zarin verläßt Petersburg. Petersburg, 21. Sept. In Zarskoje=Selo werden alle Vorbereitungen für die Abreise der Zarin getroffen. Der Chef der kaiserlichen Eisenbahnzüge Koputkyn erhielt entsprechende Anweisungen für die Zarin=Reise nach der Krim. Hofarzt Britnew wird die Zarin, die außerordentlich leidend ist, begleiten. Die kaiserlichen Prinzessinnen sind teils in der Flüchtlingsfürsorge und der Verwundetenund Waisenhilfe tätig. Ob der kränkelnde Kronprinz die Zarin begleiten wird, ist noch unbestimmt. Alle Meldungen, die von einem schlechten Gesundheitszustand des Zaren zu berichten wußten, sind unzutreffend. Wie an bestinformierter Seite erklärt wird, ist der Gesundheitszustand des Zaren selten so günstig gewesen, wie augenblicklich. Der Leibarzt des Zaren Dr. Bolkin begleitet den Kaiser ins Große Hauptquartier. Dr. Ganghofer verwundet. Die„Münchener Neuesten Nachrichten" teilen mit: Dr. Ganghofer, der bei Wilna durch Sprengsplitter an der linken Hand und an beiden Augen Verletzungen erlitten hatte, ist in München eingetroffen und befindet sich in ärztlicher Behandlung. Das Augenlicht ist glücklicherweise nicht gefährdet, und es ist zu hoffen, daß Ganghofer in einigen Wochen soweit wieder hergestellt ist, daß er an die Front zurückkehren und die Reihe seiner Kriegsschilderungen fortsetzen kann. e n äc-r Uebersichtskarte von Oesterreich-Ungarn und Serbien. Bulgarien macht mobil! WTB Sofia, 22. Sept.(Meldung des Wiener k. u. k. Korrespondenzbureaus). In einer Versammlung der der Regierungspartei angehörenden Abgeordneten der Sobranje erklärte der Ministerpräsident Radoslawow: Angesichts der rasch fortschreitenten Ereignisse könne Bulgarien nicht untätig bleiben und müsse für alle Möglichkeiten gewappnet sein. Die Mobilmachung werde demnächst folgen, nachdem die Interessen Bulgariens die Einnahme einer bewaffneten Nautralität notwendig machten. WTB Berlin, 22. Sept. Die königlich bulgarische Gesandtschaft in Berlin bringt zur Kenntnis aller im Deutschen Reiche sich aushaltenden Staatsangehörigen, daß die königlich bulgarische Negierung seit dem 8. bezw. 21. September die allgemeine Mobilisierung angeordnet hat. Infolgedessen werden alle bulgarischen Staatsangehörigen, die sich in Deutschland befinden und militärpflichtig sind, aufgefordert, sich unverzüglich nach der Heimat über Wien und Rumänien zu begeben. Um etwaige nähere Auskünfte über die Reisebedingungen können sich bulgarische Staatsangehörige an die bulgarische Gesandtschaft in Berlin, Kurfürstendamm 37, wenden. Des Bulgarenkönigs klare Politik. bb Sofia, 22. Sept. Der König von Bulgarien hob in einem Gespräch mit einem Oppositionsführer hervor, daß seine Politik klar und gut überlegt sei. Heute fand unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten eine Versammlung der Kammermehrheit statt. Da die Ghenadiewgruppe nicht geladen wurde, wird der Rücktritt Ghenadiews erwartet. Das Kabinett Radoslawow bleibt vorläufig am Ruder. Die Wühlarbeit des Vierverbandes in Bulgarien. Wien, 21. Sept. Das„Neue Wiener Journal“ läßt sich aus Sofia drahten: Das Organ des bulgarischen Eisenbahnministers Petkow,„Nowa Wiek“, und die offiziöse„Balkanska Poschta" veröffentlichen sensationelle Enthüllungen, denen zufolge der Vierverband einer Reihe von Agenten den Auftrag gegeben habe, alles Getreide in Bulgarien für Rechnung der Entente aufzukaufen, um eine künstliche Erhöhung der Preise herbeizuführen und im Lande Unruhe hervorzurufen.„Nowa Wiek" behauptet, daß die Entente zu diesem Zwecke 40 Millionen Franken zur Verfügung gestellt habe. Das Blatt weist auf eine Reihe von Persönlichkeiten hin, die alle verfügbaren Magazine gemietet haben, um das von ihnen gekaufte Getreide dort einzulagern. Weiter berichtet dasselbe Blatt, daß die bulgarische Regierung ein Rundtelegramm an die Kreispräfekten richtete, worin angeordnet wird, gegen diese Massenankäufe aufzutreten und vor dem Verkauf größerer Getreidemengen zu warnen. Gleichzeitig werden Strafen bei Uebertretung angedroht. Die Mitteilungen der beiden Blätter erregen in politischen Kreisen großes Aufsehen, zumal es feststeht, daß durch Ankauf großer Getreidemengen in einzelnen Bezirken bereits eine künstliche Steigerung der Getreidepreise zu verzeichnen ist. Die Haltung Rumäniens. bb Wien, 22. Sept. Die Bukarester Zeitung „Moldava“ schreibt, sie könne versichern, daß die Regierung nicht der Ansicht sei, ein Angriff Deutschlands und Oesterreich=Ungarns gegen Serbien müsse eine bewaffnete Einmischung Rumäniens nach sich ziehen. Rumänien würde in diesem Falle dieselbe Haltung einnehmen, wie bisher. — Das Bukarester Blatt„Agrarul" fordert, daß die Gebühren, die Rumänien gegenwärtig beim betrede Woat eiebt utgehoben werden. Erleichterung im Grenzverkehr. bb Sofia, 22. Sept. Das Prinzip der Grenzsperre für Einfuhrgüter aus den Zentralstaaten nach Rumänien wird zwar aufrecht erhalten, ist aber in einzelnen Fällen mehrfach durchbrochen worden. Auch hat sich Rumänien dazu bequemt, das im Vorjahre durch die Zentralmächte angekaufte Getreide endlich abzutransportieren und für den Turchgangsverkehr zwischen den Zentralstaaten und Bulgarien und Griechenland, sowie der Türkei Erleichterungen eintreten zu lassen. Griechenland bleibt neutral. TU Athen, 22. Septbr. Die Anterredung des Ministerpräsidenten Venizelos mit dem König führte zu einer vollständigen Uebereinstimmung über die Haltung Griechenlands gegenüber der neuesten Wendung auf dem Balkan. Griechenland betrachtet ein etwaiges bewaffnetes Vorgehen Bulgariens nicht als einen Grund, seinerseits an der Seite Serbiens einzugreifen, da es durch keinen Vertrag gebunden sei, sich in den Weltkrieg einzumischen. Italienische Truppen für Serbien. Das„Neue Wiener Journal“ meldet aus Sa: W i e a u s A t h e n b e r i c h t e t w i r d, t e i l t e d e r englische Gesandte dem griechischen Ministerium mit, daß die für die Dardanellen bestimmten italienischen Truppen nach den bisherigen Verfügungen an der Aktion auf Gallipoli nicht teilnehmen werden. Diese Truppen seien vielmehr nach Saloniki bestimmt, von wo man sie auf den serbischen Kriegsschauplatz bringen wolle. Die griechische Regierung habe sich noch nicht darüber geäußert, ob sie die italienischen Truppen durchlassen werde. Befriedigung in der Türkei. TU Konstantinopel, 22. Sept. Der Beginn des serbischen Feldzuges löste hier große Befriedigung aus. Mit gespanntester Aufmerksamkeit richten sich nunmehr die Blicke des hiesigen öffentlichen Lebens auf Bulgarien. Auf türkischer Seite besteht das ehrlichste Bestreben, dem neu gewonnenen Freunde das weitgehendste Entgegenkommen zu beweisen. Hiesige maßgebende Kreise nehmen an, daß Rumänien und Griechenland alle weiteren Schritte Bulgariens als Neutrale betrachten werden, solange nicht ihre eigenen Interessen bedroht werden. Der Krieg gesen Frankreich. Ankündigung der französisch=englischen Offensive. TU Stockholm, 22. Sept. Senator Henri Veranger, der Vorsitzende des Senatsausschusses für Munitionsangelegenheiten, veröffentlichte gestern im„Temps“ eine Erklärung, daß der historische Augenblick jetzt nahe sei, wo England und Frankreich zu einem unwiderstehlichen Vorstoß sich anschicken würden, der Flandern, Belgien, Luxemburg und das links= und rechtsrheinische Elsaß=Lothrin= gen befreien werde. Frankreich habe genügend Truppen und die Wassen für diese Truppen seien jetzt geschmiedet. 50 000 Senegalesen für die Front. Kriegsminister Millerand hat die Legende von der Schaffung einer eigenen, lediglich aus farbigen Franzosen zusammenzusetzenden Kolonialarmee in Stätke von 700000 Mann gründlich zerstört. In der Budgetkommission rechtfertigte der Kriegsminister das von ihm an diesen Tagen zu erflassende Dekret zur Anwerbung von 50000 Freiwilligen aus Senegal mit der Versicherung, daß er diese Ziffer als das Höchstmaß der in Westafrika zu erzielenden Leistung betrachten müsse. Man werde Anstrengungen machen, diese 50000 Schwarzen bis zum nächsten Frühjahr an die Front zu senden. Als Prämien und für die Familienverforgung der Senegalesen wurden als erste Rate 40 Millionen Franks eingestellt. Die Cochter des Freiherrn. Roman von F. v. Nauenheim. 68 „Aber, wo ist denn die goldumflossene Tante hingeraten?“ wandte sich Baron Ferdinand dann an Hubert.„Ich sehe sie ja nirgends? Wahrscheinlich schämt sie sich vor der Paula, meinst Du nicht alch! „Paula weiß nicht, daß auch die Ermeth mit im Spiel war; sie lebt im Hause und hat mich darum angefleht, zu schweigen.“ „Desto besser! Weißt Du übrigens schon, daß sie Deiner Paula eine Million Heiratsgut zugesagt hat? Hoffentlich wirst Du kein Narr sein und etwa Bedenken dagegen haben. Jetzt ist's ihr Geld und es wird ja der armen Kleinen und dem Robert zugute kommen. Sei froh, daß sich alles so gtänzend gewendet hat. Wenn ich mir Deine Tochter auschau', dann kann ich Dich eigentlich nicht verstehen, daß Du seinerzeit— doch, das ist vorbei und ich sag nichts mehr. Hast so alles selbst büßen müssen. Aber auch von mir soll Deine Tochter ihr Teil bekommen, wenn ich auch nicht in der Lage bin, mit einer Million mich einzustellen.“ die Schluchzen unterbrochen,„nie sollst Du mich sen, nie, denn—“ Erschrocken flüchtete das junge Mädchen in die Arme der neben ihr stehenden Frau Ehlert.„Was soll das heißen, Mama? Ich verstehe nicht—“ „Sie ist krank, mein Liebling,“ antwortete die Gefragte verlegen, Paula aber, die alle glücklich sehen wollte, schaute mitleidig der alten Frau nach, die langsam aus dem Saal hinausschritt. Bewegt drückte Hubert dem alten Herrn Hand.—— „Mein Kind, da ist Tante Mina, von der ich Dir bereits erzählt habe,“ sagte Hubert, der Frau Ermeth endlich gefinden hatte und nun die bleich und zitternd sich Nähernde der Tochter zuführte. „Tante Mina?— Also nun noch eine Tante Als aber Paula der Frau, die ihr so schweres Leid zugefügt, die frischen Lippen zum Kusse darbot, war es mit det Fassung der reuigen Sündeein zu Ende. „Nein nein.“ stammelte sie, einen Schritt zurückweichend, und die Hände ausstreckend, von „Später einmal mein Kind wirst Du ihr Schicksal erfahren.— Jetzt sei fröhlich mit den Fröhlilichen.“ Obwohl Paula nicht das war, was man eine lebhafte Natur nennt, sondern mehr sinnend und ernst sich gab, wie sie ja auch kein lautes Kind gewesen war, brachte ihre inwesenheit doch Bewegung in das stille Schlaß, wo sie schnell aller Liebling geworden war. So oft Robert von Hochberg auf Urlaub nach Mühlheim kam, erschien auch sein Papa mit ihm, der seine zutünftige Schwiegertochter fast vergötterte. „Siehst Du, Papa, und zuerst warst Du so bös und wolltest partout von meiner Paula nichts wissen,“ neckte ihn sein Sohn oft, was den alten Herrn übrigens weiter nicht verlegen machte. Sei nur still, pflegte er dann gutmütig abzuwehren.„Ich habe nur Dein Bestes gewollt und freue mich jetzt selbst, daß alles so gekommen ist. Die Hochzeit der jungen Leute sollte übers Jahr stattfinden, erstens, weil Vater und Tochter sich nicht so schnell von einander trennen wollten, zweitens, weil Robertin Kürze feine Beförderung erwartete, seine junge Frau also gleich zur„Frau Oberleutnant“ würde machen können— Frau von Ermeth sollte jedoch die Vermähiung des jungen Paares nicht mehr erleben, kaum war der Winter ins Land gezogen, schloß sie nach kurzer Krankheit für immer die Augen, nachdem sie das ganze von Gisela ererbte Vermögen Hubert von Thuran und dessen Tochter Paula von Thurau testamentarisch vermacht hätte. „Ich danke dem Himmel, daß er mir noch die Gnade gewährt hat, meinen Anteil an dem Verbrechen auf diese Art sühnen zu können, und bitte Dich, Hubert, nochmals um Verzeihung.“ Das waren die Worte, mit deuen sie vom Leben Abschied nahm.— Und dann war es wieder Herbst geworden; alles lieblich geordnet, Er mögemit Euch sein und in ferne Zukunft!“ — Ende!— das junge Paar aber, das, umgeben von einem Auf Requisitionskommando. In einem Feldpostbrief aus einem französischen Ardennendorf heißt es: Am Morgen beim ersten Hahnenschrei trabt unser Trio hinaus: keck und übermütig schauen sie drein, die jungen Reiter, behaglich ihte Kreise sich innig des Glückes der Liebenden freuenden Menschen, Seite an Seite an Gottes heiligem Altar stand, um den Bund fürs Leben zu schließen, trug im Herzen sonnigen, kachenden Frühling, blickte mit frohen Augen in einehelle, verheißungsvolle Zukunft. Tief ergriffen, der schweren Kämpfe der Vergangenheit gedenkend, sah Hubert von Thurau auf ein Kind, seine Paula, die wieder und wieder der treuen Pflegerin Frau Therese für alle Liebe nnd Sorgfalt dankte, mit dem Versprechen, nun deren Lebensabend so freundlich wie möglich gestalten zu wollen; Baron von Hochbergs verklärte Miene verkündigte nunmehr vollkommene Zufriedeuheit mit seinem Jungen und dessen standesgemäßer und nebstbei auch finanziell so glänzender Partie, Baron Ferdinand aber blickte mit so stolzer Genugtuung drein, just als ob er alles so glücklich arrangiert hätte und nicht ein andrer— Höherer. Alsletzte der Glückwünschenden trat Frau Lion= heart, die zur Feier aus München, wo sie wieder bleibenden Aufenthalt hatte, gekommen war, an die Neuvermählten heran. „Mein teures Kind,“ sagte sie mit bewegter Stimme,„die Frau, die Deine Feindin war, hat im Bann ihrer Leidenschaft gehandelt, nur Böses gewollt und ist im Haß aus der Welt geschieden. Doch die weise Hand des Herrn hat am Ende noch Liebeszigarre rauchend, ab und zu wohl auch ein munteres Liedlein summend. Inzwischen war der Jutendant zu ihnen gestoßen, und weiter ging's, nun zu vieren, dem Ziele zu. Bald winkte ihnen auch der weiße Kirchtum des großen Dorfes, wo, wie man bestimmt wußte, noch erhebliche Mengen schönen Hafers zu finden waren. Intendant und Begleitung stiegen im Gasthof„Goldene Krone“ ab, alsbald wurde der Maire mit den anderen Honoratioren des Dorfes vor das Requisitions## kommando zitiert. Der Intendanturbeamtezögerte, nach einigen begrüßenden Worten, nicht, die Herren Franzosen mit dem Zweck seiner Anwesenhei bekannt zu machen; er forderte nämlich nicht mehr und nicht weniger, als daß binnen vierundzwanzig Stunden sechzig Zentner Hafer gegen Bezah lung an einen bestimmten Platz abzuliefern seien. Allgemeine Bestürzung. Von ihrem schönen Hafer sollten die Bauern sich trennen, der zum Teil noch unausgedroschen auf der Tenne lag?! Nie nimmer mehr! Der Intendant jedgg, pgachgee Szene sehr bald ein Endez er ließ sich en„es Glas mit Bin Rouge füllen, reckte seine Hiinengestalt kerzengerade und erklärte den Bauern in korrektein Französisch:„Wenn in der angegebeue Frist die sechzig Zentner Hafer nicht zu sind, dann wird der Hafer von uns gesucht i ohne Bezahlung requiriert werden. Richtet elich danach." Und zur festgesetzten Stunde war der Ha fer richtig an Ort ung Stelle. 327.14 irenzauten ist ochen uemt, anged für aaten Lürkei des König imung der enland rgehen ts an keinen einzuIs Salte der sterium en itafüguniehmen Saloebischen he: Reert, ob rde. nn des edigung ten sich Lebens eht das Freunde eweisen. aß RuSchritte en, sowerden. enger Henri usses für gestern zistorische Franksich anixemburg =Lothrin= genügend den seien de von arbigen mee in et. In Kriegszu er0 Freig. daß estafrita Man Schwar= ront zu lienverte Rate nietzt Auch Frankreich will die Handelsschiffe bewaffnen. Die französische Presse drückt bei Besprechung des schmerzlichen Verlustes der Dampfer„Guatemala“,„Vordeaux",„Mostaganem" und„Aude“ die Befürchtung aus, daß die deutschen Unterseeboote es jetzt vornehmlich auf französische Handelsschiffe abgesehen hätten, und fordert dringend die Bewaffnung der gesamten Handelsflotte mit kleinkalibrigen Geschützen. Man könnte französische und englische verwenden, auch amerikanische. Am besten wäre es, Japan, das für seine Neserve an kleiner Schiffsartillerie keine Verwendung habe, um deren Ueberlassung zu ersuchen. Die Kosten für ein 65=Millimeter=Geschütz mit Munition würden kaum 7000 Franken überschreiten. Die Auslage lohne sich, wenn man Schiffe, die Millionen kosten, auf diese Weise wirklich schützen könne. Das belgische Heer. Verschiedene Meldungen, die aus Havre kommen, stimmen mit zahlreichen Soldatenbriefen aus der Yserfront darin überein, daß die Verbündeten wahrscheinlich vom 1. Oktober ab bis auf weiteres auf die aktive Mithilfe des belgischen Heeres verzichten werden. Die Verbündeten sind der Ansicht, daß die Belgier sich in dem 13monatigem Kriege in genügender Weise für die gemeinsame Sache geopfert haben und eine längere Ruhe verdienen. Die belgischen Truppen werden daher von der Front zurückgezogen und hauptsächlich durch Engländer und ihre Hilfsvölber ersetzt werden. Der Hitlen gegen bnogland. Die Folgen des Zeppelin=Angriffes. WTB Neuyork, 22. Sept. Der Privatkorrespondent des Wolff=Telegraphenbüros teilt durch Funkspruch folgendes mit: Augenzeugen des ZeppelinAngriffes auf London am 8. September, die mit den Dampfern„Orduna",„Notverdam" und „Philadelphia“ hier eingetroffen sind, schildern eingehend den angerichteten Sachschaden, dessen Umfang die englische Zensur bisher geheimgehalten hat. Die Augenzeugen erklärten, eine ZeppekinBombe habe fast einen ganzen Block von Lagerhäusern mit Kriegsmunition zerstört. Der Sachschaden der im Engros= und Schnittwaren=Viertel belegenen Woddstreet betrage allein:10 Millionen Dollar. Die Zahl der Toten werde auf 100 bis 150 geschäßt. Rückzug der englischen„Wehrpflicht"=Minister. Aus London wird gemeldet: Der König ist zur Abhaltung eines neuen Kronrates nach London zurückgekehrt. Es verlautet, daß die für die allgemeine Wehrpflicht eintretenden Kabinettsmitglieder Chamberlain, Selborne und Carson ihre Demissionsgesuche dem Premierminister angekündigt haben. Wie Samoa siel. In dem englischen Weißbuch, das am Dienstag veröffentlicht wurde, wird die Besetzung Samoas nach einer Meldung der„Voss. Ztg!“ wie folgt geschildert: Konteradmeral Patey erschien vor Apia und sandte folgenden Brief an den deutschen stellvertretenden Gouverneur: „Ich beehre mich, Ihnen mitzuteilen, daß ich mit Uebermacht vor dem Hafen Apia liege. Um unnötiges Blutvergiehen zu vermeiden, werde ich nicht das Feuer eröffnen, wenn Sie sich sofort ergeben. Ich fordere Sie deshalb auf, mir unverzüglich die Stadt Apia auszuhändigen, ebenso die unter Ihrer Kontrolle stehenden kaiserlichen Besitzungen. Die Antwort muß dem Ueberbringer in einer halben Stunde ausgehändigt werden." Der stellvertretende Gouverneur erteilte dem Engländer folgende Antwort: „Auf Grund der Rechte der Nationen, besonders der Verträge der zweiten Haager Konferenz ist eine Beschießung unserer Häfen und Protektorate verboten, ebenso auch die Bedrohung, dies tun zu wollen. Aus diesem Grunde protestiere ich dagegen. Uebrigens habe ich, um militärische Maßnahmen, die Sie ankündigen, zu vermeiden, den Besehl gegeben, die drahtlose Station abzumontieren und es soll kein Widerstand geleistet werden.“ Die Angehörigen der Ententemächte, die auf Samoa wohnten, ersuchten den engkischen Admiral, die Deutschen besonders rücksichtsvoll zu behandeln als Dank für die ihnen zuteil gewordene freundliche Behandlung. a 1511s(B. B.) Persiens deutschfreundliche Gesinnung. Durch Beflaggung Teherans bei der Nachricht von der Einnahme Warschaus haben die Perser zum ersten Male unverblümt ihre deutschfreundliche besinnung bewiesen. Der Umschwung ist verursacht durch das unerhörte engkische und russische Vorgehen gegen zwei Deutsche, die mit einem Gefolge von sechzig Mann nach Meschhed reisten. Mit farker Truppenmacht übersielen sie sie, doch gelang es den Doutschen, zu entkommen. Schmere Gruben=Katastrophe. Tl Amsterdam, 22. Sept. Wie hiesige melden, sind infolge Ausbruchs eines in einer Grube zu Exhall über 300 Bergeingeschlossen; 19 Leichen sind bereits geCitadelle Aus Stadt und Umgedung. Rücblicke auf den Weltkrieg. 22. September. Die Kathedrale von Reims.— Heldentaten zur See. An diesem Tage mußte die deutsche oberste Heeresleitung die feindlichen Lügen über den deutschen Barbarismus richtig stillen. Die Kathedrale von Reims war von deutscher Seite ausdrücklich als zu schonen bezeichnet worden. Man hatte dies auch streng befolgt, bis die Franzosen, die günstige Gelegenheit heimlich benutzend, zwar auf der Kathedrale die weiße Fahne zeigten, aber auf dem Turm einen Beobachlungsposten ausstellten; die Wirdung dieses Postens wurde fehr bald klar, als die deutsche Infanterie von französischer Artillerie mit großer Treffsicherheit beschossen wurde. Unter diesen Umständen blieb nichts übrig. als auf den Turm einen Schuß abzugeben, worauf sich der französische Posten schleunigst empfahl.— Im Osten begannen die Russen ihre Operationen gegen die galizische Festung Przemysl; 5 russische Korps waren am genannten Tage vor der Festung bereits versammelt.— Die„Emden“ ließ sich von den Engländern nicht so leicht fangen; sie erschien vor Madras und gab 9 Schüsse ab, durch welche erheblicher Schaden angerichtet wurde, dann dampfte sie wieder ab. Am selben Tage erschienen die deutschen Kreuzer„Scharnhorst“ und„Gneisenau“ vor Tahiti und beschossen die Stadt Papeete; die französischen Forts wurden bald sehr kleinlaut und konnten es nicht hindern, daß bedeutende Zerstörungen angerichtet wurden; und das Kanonenboot„Zelee" versenkt ward. Eine wackere Tat des deutschen Unterseebootes„A 9“ ist vom selben Tage zu melden. Nordwestlich vom Hoek van Holland beschoß Kapitänleutnant Otto Weddigen, der Kommandant des Unterseebootes, die drei englischen Panzerkreuzer„Hogue“,„Aboukir“ und„Cressy“ so gründlich, daß sie sanken; als englische Torpedoboote anlangten, war das tapfere deutsche Boot längst und unversehrt in Sicherheit. Und wieder war man in England ob solcher Tat äußerst bestürzt. **(Die dritte Kriegsanleihe.) Heute läuft die Zeichnungsfrist auf die dritte deutsche Kriegsanleihe ab. Die Reichsbank wird infolgedessen innden Besitz eines großen Teiles der bei den auswäktigen Zeichnungsstellen eingelaufenen Meldungen erst am Donnerstag gelangen. Infolgedessen ist die Feststellung und Bekanntgabe des Ergebnisses der Zeichnung nicht vor Freitag, den 24. September, zu erwarten. Alle Zahlen, die vorher Verbreitung finden, beruhen auf leeren Vermutungen.(WTB). **(Keine Weizenstuten mehr!) Nach einer Vereinbarung unter den Kreisen Dortmund=Stadt und Dortmund=Land, Hörde=Stadt und Hörde=Land soll das Backen von Stuten ganz eingestellt werden, um durch einen möglichst hohen Zusatz von Weizenmehl zum Kriegsbrot dieses Hauptnahrungsmättel schmackhaft und gesund zu halten. Die übrigen bisher zugelassenen Backwaren werden mit geringfügigen Aenderungen auch weiterhin gestattet. **(Metallsammlung.) Mit dem 25. d. M. endet bekanntlich die Frist, bis zu welcher alle beschlagBlätter Feuers leute borgen. nahmten und beschlagnahmefreien Gegenstände aus Messing, Kupfer und Reinnickel auf dem hiesigen Polizeibüro freiwillig aufgeliefert werden können. Wir machen noch ganz besonders darauf aufmerksam, daß am letzten Tage die Annahmestelle wür in der Zeit von 3 bis 5 Uhr nachmittags geöffnet ist. **(Die Kartossel=Ernte im Sauerlande.) Auch in den sauerländischen Bergen beginnen die Landwirte jetzt mit der Kartoffelernte. Wie uns von maszsebender Seite versichert wird, fällt dieselbe sehr vorzüglich aus. Richt nur Paulsens Juli= Nieren und die Industrie, sondern auch die Magnum=Bonum sind ausgezeichnet geraten. Von der Kartoffelkrankheit sind die Knollen bis jetzt verschont geblieben. Unter diesen Verhältnissen rechnet man hier bestimmt damit, daß die Kartoffeln zum Einkellern den Preis von 3—3,50 Mark für den Zentner nicht überschreiten werden. **(Auszeichnungen.) Der Bautechniker Walter Honsalek, der als Kriegsfreiwilliger beim Beginn des Krieges eintrat und bereits mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden ist, wurde zum Leutnant befördert. Sein älterer Bruder, Lehrer Franz Honsalek von der hiesigen evangelischen Volksschule, ist bekanntlich inzwischen ebenfalls zum Leutnant befördert und Inhaber des Eisernen Kreuzes. Ein dritter Bruder, der Maler Otto Honsalek, erhielt kürzlich gleichfalls das Eiserne Kreuz und ein vierter Bruder, der Kaufmann Wilhelm Honsalek seine Beförderung zum Unteroffizier. Die beiden letztgenannten weilen augenblicklich mit Erholungsurlaub nach schwerer Verwundung in der Heimat.— Der Pionier Franz Dorn aus der Moltkestraße wurde zum Unteroffizier befördert. **(Die Nachmusterung der D=U=Leute) nimmt für den hiesigen Bezirk am 24. d. M. ihren Anfang. Eine diesbezügliche amtliche Bekanntmochung folgt noch. **(Von der Feldpost.) Auf das Verbot der Versendung feuergefährlicher Gegenstände durch die Feldpost, wie Streichhölzer, Benzin, Aether, ist aus Anlaß früherer Brände wiederholt hingzewiesen worden. Am 5. und am 10. September sind wiederum infolge Selbstentzündung von Streichhölzern und Benzin viele Tausende von Feldpostpäckchen durch Feuer vernichtet worden. Das Publikum wird erneut auf das dringendste ersucht, im Interesse der Allgemeinheit und insbesondere unserer heldenmütigen Kämpfer im Felde die Versendung. solcher Gegenstände durch die Post umnbedingt zu unterlassen. Jede zur Kenntnis der Postbehörden gelangende Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot, die nach§ 367 unter 5a St. G. B. strafbar ist, wird gerichtlich verfolgt. **(Ein Transport Verwundeter) aus den Kämpfen bei Grodno hatte in der vorletzten Nacht auf dem hiesigen Bahnhof längeren Aufenthalt sund wurden die wackeren Krieger hier verpflegt. Unter Begleitung von Mannschaften der hiesigen Sonitätskolonne wurden später 16 verwundete Feldgraue in das Lazarett nach Neheim, 80 nach Arnsberg übergeführt. **(Keine Apfelschalen fortwersen!) Sie geben einen sehr gesunden, nervenstärkenden Tee. Man trocknet mit leichter Mühe alle fleckenfreien möglichst dünnen Schalen auf einem Blechtelker bder Sieb, in der Nöhre oder an einer nicht zu heißen Stelle auf dem Ofen oder Herd. Die getrockneten Schulen verwahre man in einem luftigen Beutelchen hängend oder in einer Blechdose. Je nach Geschmack kann man etwas Pfefferminztee, Johanniskraut, Waldmeister oder Anis dazu mischen. Besonders erfrischend ist außerdem etwas Zitronenoder Obstsaft dazu, Wenn alle Apfelschalen## verwendet würden, könnten wir nicht nur wiel Geld sparen, das wir jährlich für den schädlichen schwarzen Tee zum Lande hinausgeben, sondern wir würden so auch uns und unsern Kindern einen Schlaf sichern. Der Schwarztee verscheucht den Schlaf, aber Apfeltee bekuhigt und schafft gesunden Schlaf: e7 Westhofen, 22. Sept.(Mit dem Eiser: nen Kreuz) ausgezeichnet wurde der Gardejäger Fritz Filthaut von hier. * Bochum, 21. Sept.(Die Kartoffelver.“ sorgung.) Die Stadt Bochum beabsichtigt für die Bürger Kartoffeln in genügender Menge und guter Beschaffenheit zum Einkellern einzukaufen und durch Vermittelung der Händler abzugeben. Der Preis kann noch nicht bekannt gegeben werden. Als Bedingung gilt, daß für jede Bestellung eine Anzahlung von 2 Mk. für den Zentner entrichtet werden, die bei der Ablieferung auf den Kauspreis angerechnet wird. Damit soll den Bürgern die Zahlung möglichst erleichtert und auch vorgebeugt werden, daß die Bestellung später nicht aufrecht erhalten wird. Wenn sich später bei der Ablieferung Meinungsverschiedenheiten über die Qualität der Ware ergeben, soll ein Schiedsgericht unter Ausschluß des Rechtsweges endgültig darüber entscheiden. Gebäude der Reichssumd air.##tersturg. * * Explosion in ein.en Pul verfabrik. In der#### und Gran####nabrik in Le. Pecg, in bestag vormittag eine Explosion stattgefunden hatte, ereignete sich am Nachmittag eine neue, ebenso heftige Explosion, durch die wieder ein sehr großer Schaden angerichtet wurde. Auch diesmal wurden mehrere Arbeiter verletzt. Eine strenge Untersuchung mi####e von den Militärbehörden eingeleitet. * Mit 10.000 Mark durchgebrannt ist ein junges Pärchen, der 19 Jahre##alte. aus Berlin=Schöneberg gebürtige, Dekorateur und Bügker Karl Ebert und die Kontoristin Martha Fandre, die erst 17 Jahre zählt. Das Mädchen war bei einem großen Ledergeschäft in Berlin angestellt. Als sie nun einen Scheck über 10·009 Mkllzu besorgen hatte, nahm Ebert ihn an sich, ließ ihn durch seinen Freund, einen 20 Jahré alten, wohnungslosen Axtisten Wilhelm Krämer einlösen und steckte das Geld ein. Alle drei werden jetzt von der Kriminalpolizei eifrig gesucht. * Mit der Aufhebung der ersten genklasse in den Personenzügen geht die. preußische Eisenbahnverwaltung wegen zu geringer Benutzung immer weiter vor. Für den 1 Oktober ist wieden auf einer größeren Anzahl von Strecken eine Einschränkung in der Mitführung der ersten Wagenklasse vorgesehen. * Höchstpreise für Hühnereier. Sowohl in der Stadt wie im Landkreis Bernburg ist durch die zuständigen Behörden ein Höchstpreis für Hühnereier festgesetzt worden, nämlich 13 Pfennig für das Stück. Bisher sind weit höhere Preise bezahlt worden. * Eine Klage gegen den früheren englischen Gesandten in München. Eine öffentliche Zustellung erläßt auf Antrag der Firma Zimmermann, die 240 Mark nebst vier Prozent Zinsen und sofortige Vollstreckbaxkeit verlanet, die Gerichtsschreiberei des Münchener Amtsgerichts„gegen den britischen Gesandten, Vincent Corbett, früher in München, Barerstraße dzuletzt unbekannten. Aufenthalts, wegen einer Anzuglieferung“ und lädt ihn auf den 30. Oktober 1915 vor das Amtsgericht. Städtisches Schauspielhaus. Hagen. Die Intendanz= wird die zweite Kriegsspielzeit mit einem der herrlichsten Werke unseres größten deutschen Dichtets am 1. Oktober„beginnon. Zur Aufführung gelangt Goethes Schauspiel„Tarquato Tasso“ und zwar im Rahmen eines Gesamt=Gastspiels des Bremer Stadttheater.“ Um allen Kreisen den Besuch der Aufführung zu ermöglichen, findet die Gastvorstellung bei Schaupiel-=Mittel=Preisen sutt. Wochenmarkt..— Der heutige Wochenmarkt war nicht so gut beschickt, wie in den Vonochen; Kantofteln fehlten=fast gänzlich. Die Preise für Gemüse und Obst halten sich immer noch uf der alten Höhe: Birnen kosteten pro Psd. 5—25 Pfg., Aepfel Pfund 8—25 Pfg, Pflaumen Pfund 18—20 Pfg., Tomaten Pfund 40—60 Pfg., Pfirsiche Pfund“ 2s bis 50 Pfg., Zitronen Stück 10 Pfg., Weinttauben Pfund 80—100 Pfg., Wallnüsse=Pfund u# 50 Pfg., Ceirken 10—20 Pfg., Wurzeln Pfund 10 Pfg., Rhabarber 2 Pack 25 Pfg., Rote Beten Pack 10 Pfg., Wirsing 15—30 Pfg., Notkohl 20—40 Pfg. Weißkohl 16—30 Pfg., Butterkohl. Pack 10 Pfp., Stielmus Pock 10 Pfg., Kohlrabi Stück 5 Pfg., Zwiebeln 2 Pfund 30 Pfg., Blumenkohl 30.—00 Pfa, Pfund 18420 Pfg., Eier 6 Stück 1.—,Mr., Rindfleisch 90—110 Pfg., Schweinefleisch Pfd. 1,70 Mr., Schellfisch 0 Ttn Verantwortlich- für die Rehaktion Friebeich Krust, Druck u. Verlug von Carb Boaus, beide in Schwerte, — Am 12. Sept. starb den Heldentod fürs Vaterland unser lieber Sohn, unser guter Bruder, der Gefreite Meinr. Pleister„ Inf.-Regt. Nr. 55 im Alter von 21 jahren, nachdem uns im März die traurige Nachricht ereilte, dass auch unser ältester Sohn Louis den Heldentod fürs Vaterland gefunden hat. 4417 In tiefem Schmerz: Familie Meister. Westhofen, den 22. Sept. 1915. Den Heldentod fürs Vaterland starb um 21. August unser lieber Freund und Sangesbruder, der Ersatz-Reservist Adolf Schroer aus Garenfeld Im Infanterie-Regt. Nr. 45, 8. Komp. Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. 4412 M.-G.-V. Eintracht Westhofen. Nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden starb heute abend im St. Willehad-Hospital in Wihelmshaven gottergeben meine liebe, gute, unverges iche Frau, meiner beiden Kinder treusorgende Mutter, unsere liebe Tochter, Schwester, Schwiegertochter und Schwägerin Frau Apotheker ulie Kraushaar geb. Overbeck im 42. Lebensjahre. Hooksiel i. Oldby, Ergste i. W., Dortmund, den 18. September 1915. Apotheker Otto Kraushaar und Kinder Witwe Heinrich Overbeck Amtmann H. Overbeck Witwe Ida Berckemeyer Landgerichtsrat H. Henniges und Frau Franziska geb. Künzel. Betten Pians-Vorsteigerungen nicht verkauften Sachen, wie Anzüge, Ueberzieher, Joppen, Hosen, Röcke acken, Talllen, Mäntel etc. etc. Ober- u. Unterbetten— Pfühle, Kissen VLwgm, Taschenuhren, Regulateur CMFEH uhren, Freischwinger Fahrräder, Nähmaschinen Musiklnstrumente, phologr. Apparale, Konversalions-Lenlkons u. sonst. Bücher eic. können täglich in unseren Geschäftsräumen zu sehr billigen Preisen gekauft werden. Die Sachen sind teils gebraucht, teils neu. Pfandleih-Anstalt R. dien a Comd. Balkenstr. 38 Dortmund Mloleistr. 5. beim Bezirkskommando. 1219 Nach dem Wunsche der Verstorbenen firdet die Beerdigung in Schwerte statt und zwar am Freitag, den 24. d. Mts., nachm. 4 Uhr, aut dem evangelischen Friedhofe daselbst. Trauerfeier am gleichen Tage 2¼ Uhr nachmittags im Amtshause zu Ergste. 4407 K 453 K 453 Verband Wessälischer Atbeisnachweise. 6.. Bekanntmachung. Die Eigentümer, Nutznießer und Pächler von Grundstücken, auf denen sich Aepfelbäume befinden, sowie auch die Besitzer von Baumschulen werden hiermit aufgesordert, binnen 14 Tagen für die Beseitigung der etwa auf den Bäumen befindlichen BlutZuwiderhandlungen werden auf Grund der Kreis=Polizelverordnung vom 18. August 1887 mit Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder mit entsprechender Hast bestraft. Schwerte, den 16. September 1915. Die Polizei=Verwaltung: 856 Kohrnana. Diejenigen Personen hiesigen Bezirks, welche im Jahre 1916 ein Gewerbe im Umherziehen betr iben wollen, haben die hierzu erforderlichen Wandergewerbescheine und zwar falls sie am 1. Januar kst. Jahres im Besitze desselben sein wollen, spälestens bis zum 5. Nooember 1915 unter Vorlage ihre: diesjährigen Wandergewerbescheins im hiesigen Rathause(SteuerBei Stellung des Antrages auf Austelung eines Wandergewerbescheines hat der Antragsteller die für der Wandergewerbeschelia nach Zisser 2 u.31,3 jgrg(iche, machung des Reichshanzlers vom 4. Mucz 1912(z.6.5, gesetzblatt S. 189) ersorderliche unaufgezogerg Phg#o graphie in Visitenkartenformat beizubringen. Antrag auf Ausstellung eines gemeinsamen Wandergemerbe scheines ist die Phologrophie des Unternehmers, wenn eir Unternehmer nicht vorhanden ist, di eines Mitgliedes ein einzureichen. Die Photographie muß ähnlich und gut erkennbat sein, eine Kopfgröße von mindestens 1.5 Jentimete. haben und darf in der Regel nicht äller als 5 Jahre sein. Schwerte, den 20 September 1915. Der Bürgermeister: 2411 Nohrmann. Bekanntmachung. Die der Stadt Schwerke gehörigen Grundstücke, welche in diesem Jahre an hiesige Einwohner, insbesondere an Familien von Kriegsteilnehmern zur Nutzung überlassen sind, sollen unter den gleichen Bedingungen den derzeitigen Benutzern auch für das nächste Jahr überlassen werden. Entsprechende Anträge zur Weiterbenutzung dieser Flächen sind bis zum 15. Oktober d. Is dem unterzeichneten Magistrat einzureichen oder können innerhalb der angegebenen Frist auf dem Stadt bauamte(Neues Rathaus, I. Stock, Zimmer Nr. 24) mündlich gestellt werden. Schwerte, 20. September 1915. Der Magistrat. 4410".... Kohrmann. Die Arbeits=Nachweisstelle Schwerte Liethstraße 4 Fernspr. Nr. 213 vermittelt Arbeitskräfte aller Art 411 vollständig kostenfrei. Trauring. Gegen Belohnung abzugeben Sedanstraße 9. Morgenmädchen gesucht. 4418 Zu erfragen in d Geschäftsstelle d. Ztg. Ein geweckter Junbe für elektr. Installationen in die gesucht. Dinkloh, 4415 Hörderstraße 48. 6 bis 8 Jentner 4403 An die Zahlung der Kirchensteuern erinnert 4870 1. Schnilt, zu verkaufe. Schwerte, 20. Sept. Westhofen, Wasserwerkst, Schulte. Habe mehrere Zentner abzugeben. 4408 Abgeschlossene 1. Etage, 5 Räume, Vorratskammer, Gas und elektr. Licht zum 1. Oktober oder später an rudige Familie zu vermieten. Lehrer Kohlmann, 4413 Hörderste. 43. Wohnung 1 Zimmer, 2 parterre und 2 I Stock, mit Garten und Stallung sofort zu vermieten. Näheres beim Kastellan des Progymnasiums. 4409 Rheinisches“ Technikum Bingen Maschineabau, Elektrotschnik. Automobilbau, Brückenbau. Direktion: Prof Hoepke. Salon-Pianino bewährte Marke, wenig gespielt. großart. Tonfülle, gebe jetzt m. ook,„ Haranie ganz billig ab gebr. Pianinos a Mh. 100, 225, 325, 400 H. van Bremen Pianos Dortmund. Heiligerweg 15. Zum ärzlichen Dienst Im Felde einberuten. Dr. med Stargardter, Kinderarzt, Hagen 1. Westt. 815 Schweibe- Pokolleisch nur Eisbeine i.: per Pid. 88 Pf. 1 L. Weinberg. ff. 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Laasenstein&a Vogler Aelt. deutsche Annonc.=Expedit Dortmund, ERartt 9 10 Bestellg # 13 42 Atige bezahll Schwerter Zeitung Schwerte. Quittung. Mark—.1—= Pfg. sind heute richlig den H Pust-Annahme. 191 * 8 8 8 # S E 89 5C KX RRERE SRSER S e! Nächstens gibt's Urlaub, da siehst Du mich in der Uniform. Das wird mal ein feiner Tag werden. Meine Braut, d. h. mein Gewehr ist zwar höllisch eifersüchtig, aber nicht auf Dich, liebe gute Mutter, der jetzt ein fröhliches„Auf Wiedersehen“ zuruft, Dein Fritz.“ (Schluß folgt.) ## leit und Zeit. 90 Wie das Heimwh der wilden Tiere geheilt wird. Ueber ein interessantes neues Experiment in der Pflege und Behandlung wilder Tiere in der Gefangenschaft erstattet das„American Magazine“ einen fesselnden Bericht. Der Versuch geht von der Menagerieverwaltung des bekannten Zirkusunternehmens von Barnum und Bailey aus, und der Vorkämpfer des Planes ist John Patterson, der die Pflege der wilden Tiere leitet. Patterson hat nicht umsonst das Vorbild Hagenbecks studiert, und wenn ihm auch Zweck und Art des Barnumschen Zirkusunternehmens die Errichtung eines ständigen Tierparks nach dem Muster Stellingens unmöglich machen, so strebt er doch in den ihm gezogenen Grenzen über Hagenbecks Tierparadies hinaus. Trotz der sorgsamen Pflege, die den exotischen Tieren die große, Patterson unterstehende, Menagerie angedeihen läßt, ist der Gesundheitszustand der Löwen, Tiger und Giraffen doch ein Gegenstand fortwährender Besorgnisse; die Notwendigkeit, die Tiere in Käfigen zu verwahren, wirkt auf Temperament und Wohlbefinden der an die Freiheit des Urwaldes gewöhnten Bestien ungünstig ein. Die eingehende Beschäftigung mit den Gewohnheiten und dem Wesen der Tiere zeigt, daß den Insassen der Käfige gleich den Menschen Heimwehgefühle keineswegs fremd sind. Die Tiere verlieren ihre gute Laune, werden reizbar, melancholisch, verweigern die Nahrungsaufnahme oder fressen zu wenig, magern ab, und im Verlaufe der Jahre hat die Menagerie zum Teil sehr schwere Verluste erleiden müssen: Löwen und Tiger, Giraffen und Zebras siechten an Nostalgie dahin und gingen ein. Aus seinen Beobachtungen heraus ist Patterson nun auf den Gedanken gekommen, den seiner Obhut anvertrauten heimwehkranken Geschöpfen des Urwaldes mit gleichsam psychologischen Mitteln Erholung und Heilung zu bringen. In der Nähe von Bridgebort wurde nach Hagenbeckschem Muster eine Art Tierpark erbaut, gleichsam ein Urwaldsanatorium für Heimwehkranke. Mit Hilfe großer Erdarbeiten wurde eine möglichst wilde Urwaldgegend nachgeahmt die Kunst des Gärtners verpflanzte exotische Urwaldbäume und=sträucher in diesen Tierpark, und wenn immer eines der Tiere der Menagerie Anzeichen von Heimweh zeigt, wird es auf einige Zeit in dieses Tiersanatorium gebracht und freigelassen. Aber den Bestien soll während dieser Erholungszeit nach Kräften auch die Illusion geschaffen werden, nicht gefüttert zu werden, sondern zu jagen und ihre Beute selbst zu erlegen. Man ist dabei auf ein recht primitives Mittel verfallen, das aber in der Praxis bei den Tieren den Zweck einer Illusion vollkommen zu erfüllen scheint: man stellt in den Dschungeln dieses Tierparkes Nachbildungen der heimischen Beutetiere auf, Nachbildungen von Antilopen, Zebras und Giraffen. Diese künstlichen Tierpuppen sind mit Fleisch ausgestopft, und nun können die Löwen und Tiger nach Herzenslust in ihrem Revier auf die Jagd gehen, Beute wittern, sich anschleichen, ducken, und dann mit mächtigem Sprunge ihr Opfer packen, zu Boden reißen und verschlingen. Das erste Experiment wurde mit einem vierjährigen Löwen unternommen, der starke Anzeichen von Heimweh gab und trotz aller Bemühungen abmagerte. Sofort nach der Aussetzung in die vermeintliche Freiheit änderte sich das Gebaren des Wüstenkönigs vollkommen, der bisher apathische Löwe wurde lebhaft, begann zu brüllen, und schließlich entdeckte er ein Beutetier: ein mit Fleisch ausgestopftes Zebra, das man in einem Busch so aufgestellt hatte, daß der Löwe nur den Kopf sah. Das Raubtier begann sich anzuschleichen, sprang dann mit einem mächtigen Satze das Zebra an und begann sofort, die Beute zu zerfleischen— anscheinend ohne zu bemerken, daß er hier durch die List seines Pflegers betrogen wurde. Der Löwe blieb etwa acht Tage im„Dschungel“: in dieser kurzen Zeit hatte er sich so erholt, daß er wieder in die Menagerie überführt werden konnte: er hatte sein ursprüngliches Gewicht wiedererlangt und schien nun völlig gesund. Ein zweiter Versuch mit einer Tigerin ergab das gleiche günstige Resultat, und nicht anders wirkte später die zeitweilige Aussetzung einer Giraffe, um deren Leben man besorgt war: in der Freiheit verschwanden alle Symptome der Unrast. Aus der Heimat des Münsterkäses. Es ist ein großer Ausfuhrartikel im Oberelsaß, der Münsterkäse, und beschäftigt mit Herstellung und Versand ganze Ortschaften. Die kahlen, alpinen Charakter tragenden Kämme des hohen Wasgenwaldes mit ihren grünen Matten werden durch eine ausgebreitete Viehwirtschaft genützt, die auf alpine Art durch Sennwirtschaft betrieben wird. Der Bergsteiger, der über die grünen Kämme, die Höhen mit ihrer unendlichen Rundsicht, zieht, eine echte Hochgebirgswanderung, begegnet des öfteren einer solchen Sennerei, hier Melkerei genannt. Es sind langgestreckte, aus grauem Kalkstein serrichtete Gebäude mit Stallungen für 60—100 Kühe. Das Vieh gehört verschiedenen Besitzern, der Melker ist der Unternehmer und Betriebsleiter. Das Innere dieser Melkereien ist düster, aber malerisch. Sie enthalten eine kleine Wohnund Gaststube, anschließend die Räume der Käserei, in der über offenem Feuer der mächtige Wasserkessel brodelt, während in einem großen Kupferkessel die käsende Milch ihrer Verarbeitung harrt. Mit einem langen Holzscheit kerbt der Meller die dicke Schicht und füllt den frischen Käse in eine Holzform, die zu Hunderten in langen Gestellen die Wände füllen. Das im Kessel zurückbleibende Lab wird wieder zu Viehfutter verwandt. In den Formen reift der Käse vollends aus. An die Käserei schließen sich unmittelbar die Stallungen an. Vom Mai bis in den Oktober sind die Melkereien bewirtschaftet. Außer dem Besitzer und seiner Familie sind mehrere Hirten und Stallschweizer beschäftigt. Der fertige Käse wird in Kisten vernagelt und auf zweirädrigen Karren zu Tal gefahren, von kleineren Melkereien oft mit Eselfuhrwerk. Mittelpunkte des Käsehandels sind Münster, die freundliche Kantonshauptstadt, von der der berühmte Käse den Namen führt, der Mittelpunkt des reizenden Fechttals zu Füßen der Schlucht und der mächtigen Steilwand des Hohenecks, und Urbeis, schon mitten im französischen Sprachgebiet, unterhalb des Weißen Sees gelegen. In jedem Gehöft dieses langgestreckten Dorfes, das rings grüne, mit kleinen Wirtschaften übersäte Matten umgeben, während die Hautes=Chaumes, der Hauptkamm der Vogesen, das flache Hochtal schließen, steht hier fast der große Frachtwagen, mit dem der Großhändler seine Ware weiterführt. Es werden jährlich etwa 500000 kg Münsterkäse erzeugt. K—s. 7 93 Wem Bontter! Amfliches Kreisblaft für den Kreis börce chc 97. Jabrgung 0 Sin ul lihn Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 222. Mistwoch, 22. September 1915. Um des Fälltens Witten. Lun, nun, mein Kind, du gefällst dir Uebertreibungen,“ erwiderte Graf Bernhard unsicher, da er ihr im Grunde rechtgeben mußte.„Trage dich immer *) nach deinem Gesallen, aber laß dir raten, die Kunst der Toilette nicht ganz zu verachten. Lerne darin von der Gräfin, sie ist ein unbestrittenes Genie. Nicht wahr, Melanie, du wirst unsere Ulrike die großmütterliche, dunkle Vermummung abzugewöhnen suchen?“ rief er lächelnd seiner Gemahlin hinüber. „Wie gerne, mit Luciles Hilfe soll unser altmodisches Burgfräulein sich sehr bald in eine elegante junge Dame unserer Zeit verwandeln. Deine Zose ist sicherlich nicht Französin, Ulrike?“ „Ich halte überhaupt keine, da ich sie nicht zu beschäftigen wüßte. Aus demselben Grunde muß ich die Dienste der Ihren, Frau Gräfin, dankend ablehnen. Ich verwende nicht viel Zeit für meinen Anzug, und wie ich ihn arrangiere, so genügt er mir.“ „Frau Gräsin und Sie?" lachte Melanie,„bitte, Bernhard, sage doch gleich dem Trotzköpschen, wie man seine Mutter anredet, die ihr eine Freundin sein möchte.“ „Ja, Ulrike, ich begreise dich nicht—“ „Schon gut, Papa, ich wehre der Gräfin das„Du“ nicht, aber bitte, laß mir Zeit.“ „Nun, das ist schon etwas, ich danke dir, liebe Ulrike,“ scherzte Melanie ein wenig spöttisch. Und ebeuso fuhr sie fort:„Ich will mich nicht gleich in den ersten Stunden unseres persönlichen Bekanntwerdens als Belehrende einführen und dir eine Vorlesung halten über die Pflicht der Frau, sich geschmackvoll zu kleiden. Davon also ein andermal; aber ich bin schrecklich neugierig, zu erfahren, welche seltenen Talente du wohl besitzest, um über ihre Pflege so völlig unsere nächstliegende und angenehmste Aufgabe vernachlässigen zu müssen.“ „Ich bin durchaus ein Stie kind der Natur,“ versetzte Ulrike herbe.„Ebensowenig wie sie mein Aeußeres schmückte, verlieh sie mir hervorragende Geistesgaben; ich werde Ihnen in allem den Vorrang lassen müssen. „Du scherzest,“ staunte Melanie gut gelaunt.„Auch nicht einmal die Musik, diese allgemeinste Kunst, solltest du dir ein wenig erobert haben?“ fragte sie harmlos weiter, ohne doch ganz den Triumph verbergen zu können, in der heimlich gefürchteten erwachsenen Stieftochter nun ein häßliches, geistloses Mädchen zu finden, die ihr niemals als Rivalin unbequem werden könne. „Ich liebe die Musik, ohne sie selbst auszuüben, Roman von C. Dressel. (2. Fortsetzung.) # dir in (Nachdruck verboten.) weil ich alles Halbe hasse und einsah, daß ich es nie über einen mäßigen Dilettantismus bringen würde." versetzte Ulrile ernsthaft. „Wie schade, ich hatte es mir so hübsch gedacht, an den lan en Winterabenden mit dir zu musizieren. Meine Enttäuschung ist groß und ganz undorher esehen, denn eine unmusikalische junge Dame ist ja ein Unikum heutzutage. Wer wird nun meinen Gesang begleiten, Bernhard?" wandte sich Melanie klagend an ihren Gemayl.„Du liebst meine Lieder so sehr, daß du mit ihrem Verstummen nicht zufrieden sein wirst. Da müssen wir Vetter Felix sestzuhalten suchen, denn auch Ralf teilt seiner Schwester strenge Ansicht und spielt ebenfalls nicht, wie er mir bereits gestanden.“ „Lieber Baron, da sehen Sie wieder, wie unentbehrlich Sie uns sind,“ scherzte Graf Vernhard. Er wurde immer unzufriedener mit Ulrike, die, bei vollständigem Mangel jedweden Reizes, sich gar in dem Mut des söttischen Bekennens ihrer Dürftigkeit gefiel und trotzdem noch ein hartnäckiges Selbstbewuztsein zur Schau trug. „Sie haben nur über mich zu verfügen, Graf Rhoda,“ antwortete Gerlach liebenswürdig. Ein leuchtender Blick seiner lehenspühenden Augen flog blitzschnell zu einer schönen Base, die ihn ebenso zurückgab und sich dann nochmals an Ulrike wandte:„Um des Himmels willen, Kind, sage mir nur, was du den lieben laugen Tag anfängst. Sicherlich liest du viel, in der französischen und englischen Literatur wirst du zum wengiten bewandert sein.“ „Eine meinem Range angemessene Bildung dürfen Sie immerhin voraussetzen, Gräfin," erwiderte diese ein wenig garkastisch.„In der Konver ation werde ich Ihnen keine Verlegenheit bereiten, wennschon ich ohne alle Talente bin, die nun einmal Gottesgaben sind und nicht durch Fleiß und Mühen errungen werden können, wie das Wissen.“ „Und dein Wissen ist kein geringes, Schwester, das mußt du mich sagen lassen,“ fiel ihr Ralf in das Wort.„Sie studiert Kant mit besserem Verständnis als ich, Papa. Den Homer haben wir zusammen bei unserem Doktor Lorenz in der Ursprache gelesen, und———“ „Ah, also eine Gelehrte!“ schnitt ihm in hellem Spott auflachend die Gräfin die Verteidigungsrede ab, während ihr Gemahl sehr unbehaglich dreinschaute. „Nichts weniger als das,“ protestierte Ralf.„Ulrike weiß sich mit dem praktischen Leben sehr gut abzufinden und ist eine geschickte Verwalterin deiner Güter, * s*„ B SSSSEEE S 5— S 87 ie 2 * 9 8 00 ist sie eine gewandte Reiterin; das Gestüt ist unter weit Zinaus Ich bin sehr stolz auf meine Still, Ralf, du beschämst mich, und dein Lob ist hier nicht angebracht," wehrte ihm Ulrike in ihrer „Alles, nur keine Schönheit,; dachte Gräfin Melanie, still vor sich hin lächelnd,„und damit fehlt ihr eben jedes, was den Männern gefaht. u., Wirschaftsgeist „Sieh, sieh, also solch ein klüger Wirtschaftsgeist bist du, meine Tochter?“ meinte Graf Bernhard gezwungen.„Aber damit gehst du wohl ein wenig über deine weibliche Kraft hinaus. Es wird dir nur lieb sein, nun von den lästigen Verwaltungsgeschäften befreit zu werden. Du wirst andere Interessen finden, die für eine junge Dame passender sind, in welche dich die Gräfin mit Vergnügen einweihen dürfte. Sicherlich hast du mir den Rentmeister verwöhnt, solche Leute schaffen sich gern gefällige Hilfe,— nun, ich bin ja jetzt Wie du wilst, Papa, gab sie gelassen zu.„Aber das Reiten, wird mir das auch genommen?“ fragte sie darauf hastig, zum ersten Male ihre kühle Ruhe ver„Meinst du denn, ich sei ein Tyrann, Kind?“ war Graf Bernhards lachende Antwort.„Ich freue mich über diese Passion, die doch wenigstens einer Dame ansteht. Auch Melanie ist eine tüchtige Reiterin, da wäre zum Glück denn doch ein Feld, auf dem sich eure Neigungen „Werden Sie mir gestatten, Komtesse, mich zuweilen Ihren Ausflügen anzuschließen?“ fragte Baron Gerlach natürlich, Felix, du bist uns eben unentbehrlich.“ kam Melanie schnell ihrer Steftocht= gomeße 2. agte, „Auch von Ihnen gern gesehen, Komtesser“ fluger „Die Gräfin hat mich bereits einer Antwort enthoben," versetzte sie kühl. Mit einer unnachahmlich gleichgültigen Bewegung wandte sie sich von ihm, um wieder ihre Seidenstickerei aufzunehmen, mit der sie sich nun für den Rest des Abends beschäftigte. Melanie versuchte den kostbaren Flügel, ein Geschenk ihres Gemahls; sie spielte mit kunstfertiger Geläufigkeit rauschende Salonpiecen und trällerte die neuesten französischen Lieder, welche Gerlach mit viel Geschick begleitete. Er bekundete eine mehr als gewöhnliche musikalische Begabung, schien jedoch der leichteren Geschmacksrichtung seiner Base zu folgen; die klassischen Meister kamen in seinem Repertoire Ralf hatte sich in ein Buch vertieft. Graf hard aber lauschte mit Behagen den musikalischen Genüssen. Er schien vollkommen glücklich in seinem Fawitentreise... W eguben I. So hatte er es sich geträumt, das Ausruhen, als er nun reisemüde, übersättigt von den Freuden des reichen Mannes, auf der Schwelle des Alters zur Einsicht ke und auf, der Umkehr zur friedvollen Rast noch eine schöne, farbenprächtige Blume fano, seine abwärts eilenden Jahre zu schmücken. Gelegentlich eines Aufenthalts in Wiesbaden hatte er Melanie kennen gelernt, welche dort in ihrer Mutter, der Witwe eines Offiziers, eine Kur brauchte. Melanie war eine viel bewunderte, umworbene Schönheit und hatte auch den Grafen Rhoda mit ihrer Grazie, ihrem lebhaften Geist, den gesellschaftlichen Talenten, mit denen sie zu glänzen wußte, ohne doch eine reizend kindliche Unbefangenheit einzubüßen, derartig gefesselt, daß er ihr ohne Besinnen seine Hand bot. Und diese seine letzte Liebe war die heißeste und selbstloseste, die er je empfunden,— er =Niemand aus der Geselschaft wunderte sich, daß diese aus der großen Zahl ihrer Bewunderer den bejahrten Grasen Rhoda zum Gatten erwählte; er erfüllte ja weitaus am besten die Bedingungen einer standesgemäßen Verbindung, und selbst ihre Mutter legte in vollster Befriedigung die Hand der schönen, jungen Tochter in die des alternden Freiers, und uls sie bald darauf starb, war ihr letzter Seufzer ein Dank gegen Gott für das günstige Geschick des einzigen, Eiet mochte in Frieden sterben, denn die beiden Jahre seiner Ehe hatten nichts an Graf Bernhards leidenschaftlicher Liebe gewandelt, Melanies Zaubermacht über ihn war die gleiche geblieben. Ruhebedürftig wie er war, hätte er freilich am liebsten sein Glück gleich nach der Vermählung in sein stilles Schloß zu Rhoda geflüchtet; dieser Plan mußte indes hinter Melanies Sie verstand so reizend zu schmeicheln, so süß zu bitten. Sie sehnte sich so sehr darnach, an der Seite des liebenswürdigsten, freigebigsten Gemahls ein Stückchen der schönen, herrlichen Welt kennen zu lernen, ehe sie in weltferner Abgeschiedenheit die ernsten Pflichten einer ehrwürdigen Schloßherrin und Mutter erwachsener Kinder auf sich nähme; was konnte er anderes tun, als ihrer gewiß nur zu berechtigten Bitte Weiche Länder Europas sie aber auch durchstreiften, überall erregte Melanies elegante, zauberschöne Erscheinung Aufsehen; Graf Rhoda wurde glühend um ihren Besitz beneidet und tat das möglichste, seinem Juwel die würdigste Fassung zu verleihen, der geliebten Frau alles zu gewähren, was sie im Uebermut des Glückes nur ersinnen mochte. Dieses Glück erreichte seinen Höhepunkt, als sie ihm einen Sohn schenkte, der in Nizza das Licht erblickte. Es war der erste Rhoda, der nicht daheim im alten Stammschloß geboren wurde; bisher hatte noch jeder der Majoratsherren die Tradition der Familie heilig gehalten, und Graf Bernhard konnte sich nicht eines stillen Vorwurfs erwehren, als er den ersten Schrei seines Kindes in der Fremde vernahm, wiewohl er der alten Sage, daß ein fern geborener Rhoda niemals auf dem Stammsitz heimisch würde, keinen Glauben schenkte. Er war machtlos gewesen. Sein Wille war ja längst in dem seiner angebeteten kleinen Tyrannin untergegangen, und Melanie hatte darauf bestanden, in Nach der Geburt des Kindes bedurste sie großer land hören, und es dauerte Monate, Clchisch haite die 1ch Ssheig; Hesäagsien großen Freude erklärte, den einst so sehnsüchtigen Wanderzug nun auf lange hinaus befriedigt zu haben. Und nun war sie da, die schöne, angebetele Frau, daheim im Schlosse seiner Ahnen, und nun erst schien ihm das Wunder, dies herrliche Weib sein eigen zu nennen, vollständig. In blühender Frische stand sie auf dem heimatlichen Boden, dessen er, trotz jahrelangen Fernseins, stets in Ehrfurcht gedacht, die anmutigste Herrin, die je hier gewaltet. Es war nicht anders möglich, als daß sie auch die Herzen seiner Kinder sich Ainwillkürlich sah er nach Ulrike hinüber, und seine Stirn faltete sich. Sie warf einen störenden Schatten in das lichtvolle Gemälde des Familienglücks. (Fortsetzung folgt.) 2 S asss "#286* # SSSSOSSEE S E SEx Sggs KUUSESS * S 8 S FEHE a SSAISEnAE •oGU. 5.. S. S LSg.g S SOBSGSSES SE ## E. 6.— 5 B 6 S— 0 blelhe Die Inspiration im Bade. Archimedes hatte seine genialsten Einfälle bekanntlich in der Zeit, während der er badete. Aber er steht damit nicht allein da, es scheint, daß auch viele andere Sterbliche in der Badewanne am leichtesten Grund zu einem frohen„Heureka!“ finden. Ein amerikanisches Blatt hat kürzlich über diese wichtige Frage eine kleine Untersuchung veranstaltet. Einer der bekanntesten Börsianer, der einen ausgezeichneten Börsencoup glücklich ausführte, beichtete, daß ihm die Idee zu diesem Geschäft im Bade gekommen sei und daß er überhaupt seinem täglichen Morgenbade seine besten Inspirationen schulde. Ein anderer Glücklicher, der sich durch seine kleinen Gedichte einen Namen gemacht hat, schloß sich dieser Erklärung an und berichtete, daß er seine besten Sachen in der Badewanne geschrieben habe. Ein Schauspieler hat seine besten mimischen Einfälle ebenfalls im Bade. Nur ein Romandichter muß gestehen, daß er im Bade nicht arbeitet, sondern genießt, er fühlt sich in der Badewanne immer sehr musikalisch gestimmt, während ihm seine besten dichterischen Einfälle kommen, wenn er sich rasiert. Hoffentlich rasiert er sich recht häufig. Der Kriegsfritz. Kriegsnovelle von A. Klinger. (Nachdruck verboten.) Seine schmächtige Gestalt schien gewachsen, als er zur Tür hereinstürmte. Eine Freude war es, zu sehen, wie seine wasserhellen Augen in heiliger Begeisterung Büe. uete enr die Spceadereithe Gleich einem Sieger schwenlte er die Schulermütze: „Angenommen, Muttchen! Ich darf mit, den Feind verkloppen, beitragen zu Deutschlands Ruhm und Größe!“ Die alte Dame, welche mit dem Packen einer Liebestiste beschäftigt war, richtete sich erschrocken auf.„Aber Fritz, du brauchtest ja gar nicht mit!“ „Ich will aber, Muttchen, freiwillig habe ich mich gemeldet und bin nicht zurückgewiesen worden, das ist die Hauptsache. Hurra! Nun geht's los! In 24 Stunden muß ich reisefertig sein.“ Die junge Stimme zitterte vor Erregung und stolzer Freude.„Muttchen, noch kann ich's kaum fassen: Das Glück, von dem ich Tag und Nacht geträumt, soll Wahrheit werden! Weg darf ich von der Schulbank, wo ich nichts leistete, dorthin, wo meine Kraft gebraucht wird und nützen kann.“.. at uumar Die Mutter war auf ihren Platz zurücgesunken, ein Schwindel mochte sie erfassen. Wie durftest du mir das antun, Fritz! Ich kann doch nicht alles dahingeben! Dein Bruder steht vor dem Feind, ich wage nicht zu hoffen, daß er wiederkehrt.... An Liebesgaben fürs Heer lasse ich es nicht fehlen, und die aus Ostpreußen geflüchtete Familie wird tatkräftig von mir unterstützt. Du mein Jüngster, mein Liebling, mußt mir wenigstens bleiben.“„n„ s 603 Fün Gi. „Aber Muttchen, was ist das für eine Liebe, die mich zur Tatenlosigkeit, zum Drückertum bestimmt! Nee, nee, so bist du ja auch gar nicht; da kenne ich dich besser, du wirst schon zur rechten Erkenntnis kommen. Zwanzig lange Jahre war ich dein unbestrittenes Eigentum, lange, schöne Jahre, das wirst du zugeben. Nun aber gehört mein Leben meinem Kaiser, dem Vaterland. Und bleibe ich auf dem Felde der Ehre, so ist's ein schöner Tod. Du aber bist ja nicht allein, sondern von einer großen Familie umgeben. Dein Aeliester bleibt dir sicher, denn rheumatische Leute können sie im Felde nicht gebrauchen. Auch Schwester Edith und die heranwachsenden Enkelkinder umgeben dich mit warmer Liebe, also du hast wirklich keine Ursache, dich zu beklagen, Muttchen." Sie klagte auch nicht mehr, sondern zeigte sich gesaßt und tapfer; aber in ihrem Herzen fühlte sie mit hellseherischer Klarheit, daß sie ihn dahingeben mußte, ihren Liebling..:.. Diejenigen,„welche unseren Herzen am nächsten stehen, fordert vas Schusal zuerst von uns. Die Mutter hatte das ihr Unfaßbare noch nicht begriffen, da war Fritz schon in einem Wagen der vierten Klasse unterwegs, sang mit Altersgenossen Vaterlandslieder und sah mit glühendem Enthusiasmus den Freuden und Leiden des Soldatenlebens entgegen. Fünf Wochen sollte die Ausbildung in der kleinen Provinzstadt dauern, wohin man die Rekruten transportierte, dann würden sie an den Kämpfen in Frankreich teilnehmen. Um zehn Uhr abends war die kleine Garnison erreicht. Tunkelheit und Kälte herrschte auf dem Bahnhof, dazu fiel ein feiner, durchnässender Regen. Fritz hätte auch einen Wolkenbruch in seinem unzerstörbaren Enthusiasmus wohlgemut hingenommen. Da in der Kaserne kein Platz für die Rekruten war, wurden sie in einem Bürgerquartier, dem Restaurant „Jelsenkeller", untergebracht. Dort lagen in einem großen Saal an 100 Strohsäcke. Auf einem derselben schlief Iritz, als ruhe er auf weichem Pfühl, fest und traumlos dem ersten Tage seiner Dienstzeit entgegen. Zunächst schrieb er nur eine Karte nach Hause, am Sonntag aber einen ausführlichen Brief: „Mein liebes Muttchen! Nun weine nicht meyr. Weine nicht, wo ich doch mit Herz und Seele Soldat bin! Solltest mich nur sehen, wie schmuck ich in der Uniform aussehe— bin ein hübscher Grenadier. Stolz und froh macht es mich, daß ich endlich ein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft geworden, nicht mihr gescholten und gerüffelt werde. Im Gegenteil, hier stellt man mich als glänzendes Vorbild hin, ja, ja, höre und staune nur, der Feldwebel hat erst heute wieder gesagt:„Der Körte, das wird mal ein tüchtiger Soldat, den nehmt euch zum Muster. Bloß laufen kann er noch nicht. Kerls, wollt ihr woll laufen! Ne Schnecke is ja der reine Schnelläufer gegen euch!“ 's ist nicht halb so schlimm gemeint, wie's klingt. Er weiß, daß wir unser Möglichstes tun, und daß es für einen bisherigen Pennäler keine Kleinigkeit ist, mit den schweren Schaftstiefeln durch dick und dünn zu rennen. Er meint's gut mit uns, der Herr Feldwebel, ich mag ihn gern, denn er ist gerecht und maßvoll in seinen Ansolderungen, und siehst Du, Muttchen, er gehört zu denen, deren Tod einer alten Frau die einzige Stütze und Freude raubt. Die Mutter hat nur den einen Sohn. Wochenlang kämpfte unser Feldwebel bereits im dichtesten Kugelregen an der Front. Jetzt drillt er uns und verwertet dabei seine in Feindesland gewonnenen KenntWir werden nicht zu scharf herangenommen, das Essen ist gut und reichlich. An jeden von uns kommt die Reihe, die Suppennäpfe zu reinigen. Der Kamerad, welcher, durch das Los bestimmt, damit beginnen sollte, machte ein so entsetztes Gesicht, daß ich ihm die kleine Mühe, die übrigens kaum der Rede wert ist, gern abnahm. Dadurch habe ich den Genossen riesig imponiert. Ein jeder hat seinen Spitznamen erhalten. Mich nennen sie den Doktor. Da ich als„Gelehrter“ mich nicht scheue, die Bude zu fegen, den Spucknapf zu reinigen und am Brunnen abzuwaschen, so wagen auch die anderen nicht mehr, dagegen zu mucksen. (S