GGesm Ser e— geh Felenags Bewospose W..1 sudrich, bel der Poß sur Bahelged godr. Wöchenl. Grolsdellage:„Ructrneroen Somilenfrruns“ u. tagf. Unterbaltungsbian. Anzelgenpreis: Die Bedengespaltene Peutzelloder deren Raum 10 Plg., Anzeigen und amwärt 15 Plg., Rellamezelle 40 Plg. Jeder Rodat gll als Kassarndat a. eruschi de Roudorsen, Zwangsoergleicher, Schunthund erat.-Setitnssstrre. Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Shwerter Dolkszeihmng Nr. 212. Verbunden mit: sund Büte Schwerker Cageblatt. S Schwerter Anzeiger Grstes und 3lteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis bärde&am Haupt-Hononcenblat Freitag, den 10. Seplember 1915. unn dute und ubeenhgeichn Durn gungen sor des Kontz Hörte erlaagrn gumts Bedaantnochung der Abaigliches Regirung durch Verössalichung io der„Schorrar Zeitung“ suchwoerdindliche Ataft.— „Schoorte Zetung“ grwddricherne Adonamnan füt jeben alt Tod enbenden Ualal gr. Asgangen 3 300. Mb, Unsall. Druchk u. Verlag v. Corl Brouz. Schwerte=Rude Ionig A.= Schont Adu. Lomnn Schanag=datrd 47. Jahrgang. Ar Sürcher!“, ie franz. Argonnenf Ueber 2090 Mann gesangen, 48 Maschinengewehre, 54 Minenwerser erbeulel. Die Russen auf allen Fronten geworfen.— Die Festung Dubno erobert. Die Waffen der Lüge und deutsche Akt. Noch nie ist uns so zum Bewußtsein gekommen, wie uns Deutschen Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Redlichkeit, Geradheit und Treue angeboren sind, als beim Ausbruch und während der weiteren Entwickelung dieses Krieges; denn noch nie hat sich das Empfinden dafür so elementar geäußert, wie gegenüber der Heuchelei und Heimtücke, mit der sich unsere Feinde gegen uns verschworen gegenüber dem Mißbrauch unserer redlichen Bemühungen um die Erhaltung des Friedens. Es war tiefste sittliche Entrüstung, die durch unser ganzes Volk ging. So etwas hätten wir nicht für möglich gehalten, weil es uns unmöglich ist. Als dann nun gar systematisch Lüge und Verleumdung gegen uns mobil gemacht wurden, die noch heute, wie erst vor einigen Tagen der englische Minister bewiesen hat, die vornehmlichsten Waffen unserer Feinde sind, da merkten wir erst an der Empörung unseres Wahrheitsempfindens, an unserem schier fassungslosen Entsetzen darüber, daß Nationen solche Kampfmittel mit ihrer Ehre vereinigen können, wie Aufrichtigekeit und Wahrheitsliebe uns im Blute liegen und deutsche Treue kein leerer Wahn ist. Ekel und Abscheu ergriff uns vor der Käuflichkeit der Presse in anderen Ländern, vor den Fallstricken und Netzen, mit denen man die Neuträlen zu sich herüberzog und uns zu Fall zu bringen suchte, und wie ein stolzes Selbstgefühl durchdrang es uns, daß unsere nationale Ehre Aufrichtigkeit und Redlichkeit ist, daß„ein Mann ein Wort“ ein Grundzutz deutscher Art und deutschen Wesens ist. Und je mehr man uns durch Lüge und Verleumdung zu ersticken suchte, um so gewisser wurden wir uns, daß wir uns hierin niemals untreu werden können. Wie jauchzte unser Volk dem Generalstabe zu, als er verkündete, die Kriegsberichte würden nur die reine Wahrheit künden, als er auf jede Aufmachung verzichtete. Nichts wollen wir hören, als die schlichte, lautere Wahrheit, das war das Echo aus der Seele unseres Volkes. Er hat sein Wort gehalten, und wir vertrauen ihm blindlings. Das ist deutsche Art und deutsches Wesen. Im Zusammenhang damit trat natürlich das Gefühl für Gerechtigkeit ganz besonders stark hervor. Es ist ein Ausfluß unseres Sinnes für Wahrheit und Aufrichtigkeit. Der englische Wahlspruch: Right or wrong, my country(Recht oder Unrecht, nein Land) ist uns ganz unmöglich. Darum war die„gerechte Sache“ die Grundlage unserer Volkserhebung, die tiefe Empörung über die Verleumdung unseres ehrlichen, unbedingten, Friedenswillens, die Seele des furor teutonigis und die sittliche Entrüstung über die grundsätzliche Nichtachtung und Verletzung aller Völkerrechte seitens Englands die Ursache des besonderen Zornes, der uns gegen dieses Krämervolk erfüllt. Trotzdem hat sich die deutsche Bescheidenheit und Selbstlosigkeit auch in diesem Kriege bewährt. Wir kämpfen nicht um Weltherrschaft, sondern um unere Existenz, um einen Platz an der Sonne und um die Entwickelungsmöglichkeit für unser Volk. Wir kämpfen für die Freiheit der Länder und Meere. Wir wollen mit Krieg und Sieg der Menschheit dienen, wie wir ihr immer gedient hawir wollen Bürgschaften erringen, die der Deutscher Tagesbericht. wtb. Großes Hauptquartier, 9. Sept. 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. In den Argonnen brachen gestern nordöstlich von Bienne le Chateau unsere Württemberger und Lothringer Regimenter zum Angriff vor. Die durch die Artillerie vortrefflich unterstützte stürmende Infanterie setzte sich auf einer Frontbreite von 2 km und einer Tiefe von 300—500 m in den Besitz der feindlichen Stellung und mehrerer Stützpunkte, darunter des von den Franzosen vielgenannten Werkes Maria Therese. 30 Offiziere und 1999 Mann wurden gefangen genommen, 48 Maschinengewehre, 54 Minenwerfer und 1 Revolverkanone erbeutet. Während der Nacht von vorgestern zu gestern wurden in London die Docks, sowie die sonstigen Hafenanlagen und deren Umgebung ausgiebig mit Spreng= und Brandbomben belegt. Die Wirkung war recht befriedigend. Unsere Luftschiffe sind trotz heftiger Beschießung ohne jeden Schaden zurückgekehrt. Deutsche Flugzeuggeschwader griffen Mancy an. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des General=Feldmarschalls von Hindenburg. Von der Ostsee bis östlich von Olita keine wesentlichen Veränderungen. Zvischen Jesiory und dem Niemen wehrt sich der Gegner hartnäckig. Unsere Truppen nähern sich Skidel. Südlich des Niemen entzog sich der Feind der Niederlage durch Rückzug hinter die Jelwianka. Auf dem Westufer halten nur noch Nachhuten. Die Heeresgruppe machte 3550 Gefangene und erbeutele 10 Maschinengewehre. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Auch hier ist die Jelwianka an den meisten Stellen unter Kämpfen mit feindlichen Nachhuten erreicht. Südlich von Nozana ist der Uebergang über die Rozanka erzwungen. Oesterreich=ungarische Truppen gehen weiter durch den Wald nordöstlich von Sielec vor. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Bei Chomsk ist das Nordufer der Jasiolda gewonnen. Durch unser Vorgehen nach Norden gezwungen, täumte der Gegner seine Stellung bei Bereca=Kartuska. Zwischen dem Sporowski=See und dem Dujeper=Bug=Kanal haben wir weiter Boden gewonnen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Der südlich von Ostrow über den Sereih vorgedrungene Feind ist auf seinen nördlichen Flügel zurückgeworfen. Oberste Heeresleitung. Oesterreichischer Tagesbericht. WTB Wien, 10. Sept.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 9. September mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Unser Angriff in Wolhynien schreitet fort. Gestern wurde die russische Front nördlich von Olyka durchbrochen. Dubno, der zweite Punkt des wolhynischen Festungsdreiecks, ist genommen. In die Stadt ist gestern österreichische Landwehrkavallerie eingerückt. Die flußaufwärts liegenden Sperrforts sind in unserem Besitz. Die Armee des Generals von Boehm=Ermolli ist an der oberen Ikwa und über Nowo=Alexinez vorgedrungen. Die ben, Welt einen echten Frieden sichern. Und wenn wir, wie wir zuversichtlich hoffen, die Vollmacht dazu gewinnen, so fühlen wir uns zur Hut über den Frieden berufen auf Grund unserer Verdienste um den Frieden in den vergangenen Jahrzehnten. Ebenso haben sich die Tugenden deutscher Art, VorDe Fastung Jabns. russischen Kräfte, die im Raume westlich von Trembowla über den Sereth vorgedrungen sind, wurden größtenteils wieder zurückgeworfen. In die Kämpfe, die hier gegen eine feindliche Ueberzahl stattfanden, griffen deutsche Garde=Vataillone unter Oberst von Leu erfolgreich ein. Am unteren Sereth und am Dujestr herrschte gestern verhältnismäßig Ruhe. Bei der gestern berichteten Eroberung der feindlichen Stellungen von Nowosiolea Kostinkowa hatte die im Kampf zu Fuß von Feldmarschallleutnant von Brudermann geführte Kavallerie hervorragenden Anteil. Von den an der Jasiolda kämpfenden österreichisch=ungarischen Streitkräften gewannen Teile die Gegend von Michalin südlich von Rozana. Italienischer Kriegsschauplatz. Die allgemeine Ruhe hält an. Im Naume von Schluderbach vertrieben unsere Truppen schwächere seindliche Abteilungen, die gegen unsere PopenaStellung vorfühlten, durch ihr Feuer. Ebenso wurden zwei italienische Kompagnien, die im Paralbagebiet einen unserer Stützpunkte angrissen, zurückgeschlagen. Feindliche Patrouillen, die den Monte Ciademis ersteigen wollten, wurden abgeschossen. Der Stellvertreter des Chess des Generalstabes: von Hoeser, Feldmarschall=Leutnant. nehmheit und Großmut, in diesem Kriege glänzend bewährt. Das haben bereits feindliche Volksglieder in unseren Grenzen wiederholt bezeugt, ebenso die neutralen Regierungen und Völker, gefangene und verwundete Soldaten und die Bevölkerung der von uns besetzten feindlichen Landstriche. Wir führen den Krieg gewissenhaft und anständig, und wenn uns unsere Feinde einmal zu einer Härte zwangen, die uns wider die Natur geht, so waren wir uns das selbst schuldig, aber die Schuld daran trugen unsere Feinde. Großmut, Milde, Barmherzigkeit aber ist Treue in Menschlichkeit. Wir haben sie in diesem furchtbaren Jahre gehalten wie jede Treue, die Menschen ehrt. Die deutsche Treue hat sich wieder in unvergleichlicher Weise offenbart, nicht nur die Nibelungentreue gegen unseren Verbündeten Oesterreich=Ungarn, sondern auch die Volkstreue gegen Fürsten und Führer, die Treue gegen Land und Heim, die Treue der Kameradschaft in Kampf und Not, die Treue der Hingabe bis zum Tode. Und treu unserem Schicksal uund treu unserem Gott und uns selbst werden wir trotz Lüge und Verleumdung durchhalten bis wir unser Werk ausgerichtet haben. —— Der Krleg gezen Frankreich. neue Sieg in den Argonnen. bb Berlin, 10. Sept. Ueber den neuen siegreichen Angriff in den Argonnen wird dem„Berl. Tageblatt“ aus Cornay vom 8. September gemeldet: Die unter Führung des Generals Mudra stehenden Truppen haben heute abermals einen großen Erfolg errungen. Die Zahl der Gefangenen und der erbeuteten Maschinengewehre wächst von Stunde zu Stunde. Es handelt sich darum, die in unserer Linie bogenförmig vorspringende Stellung des Feindes über Hubertusrücken, Charmebach und stal und Louettenwulde des sogenannten Werkes Maria Theresia einzudrücken. Der Feuerangriff war auf 8 Uhr morgens angesetzt, der Sturm auf 11 Uhr. Ich(Vernhard Kellermann) war morgens mit Erlaubnis des Kronprinzen draußen in der vordersten Linie. Man traf die Vorbereitungen zum Sturm und ich überzeugte mich von der gehobenen kampfesfreudigen Stimmung der Argonnenleute. Um 8 Uhr morgens entspann sich ein wahres Höllenfeuer auf die feindlichen Gräben. Das tobende Donnerwetter krachte ohne Pause bis 11 Uhr, dann gingen die Truppen zum Sturm vor. Mit Tollkühnheit und Todesverachtung stürzten sich württembergische, reichsländische und preußische Regimenter auf den Feind. Um 11½ Uhr kamen die ersten Siegesmeldungen aus den eroberten Gräben. Trotz wütender Gegenwehr wurde der Feind überall geworfen und nach 12 Uhr war die vorgeschriebene Linie schon erreicht und sogar überschritten. Was plant Jossee? TU Von der schweizerischen Grenze, 10. Sept. Die französische Regierung läßt seit einigen Wochen eine bemerkenswerte Diskretion erkennen. Sie hat zunächst verhindert, daß die von dem nationalistischen Abgeordneten Barries geleitete Patriotenliga den Jahrestag der Marneschlacht zu lauten chauvinistischen Festlichkeiten benutzte. Die französischen Zeitungen haben auch von dem Besuch des Generals Joffre im italienischen Hauptquartier erst am Dienstag reden dürsen. Die Pariser Zeitungen beschränken sich auch jetzt noch auf die Wie. dergabe der italienischen Neuterungen über die Bedeutung dieser Zusammenkunft der Heerführer der beiden Aemeen, Diese Diekretion steht so im Widerspruch zu der bisherigen aufdringlichen Stimmungsmache der französischen Regierung und ihrer Presse, daß die Vermutung nahe liegt, als ob wirklich Vorbereitungen zu einer besonderen militärischen Aktion im Gange seien. Der Klicb hegen Auzlaus. Rußlande Hilfeschrei. WTB Rom, 9. Sept. Unter der Überschrift „Rußland verlangt von den Verbündeten eine energischere Kooperation“ bringt„Giornale d'Italia“ an leitender Stelle in Sperrdruck mit großen Lettern den(von der russischen Zensur durchgelassenen) Petersburger Bericht Zanettis: Wenn auch Lebenskraft und Moral der russischen Soldaten ungebrochen sei, so fühlen sie sich doch seit der Einnahme Kownos den Deutschen technisch unterlegen. Die heldenhaften Truppen bedürfen einer Ruhezeit, um sich wieder zu ordnen, die Lücken auszufüllen und sich neu auszustatten. Geht die Sache wie jetzt weiter, dann vollzieht sich die Aufreibung des Heeres schneller, als die Vervollständigung des Kriegsmaterials durch die russische Produktion und die Einfuhr vom Ausland. Trotz aller Geländeschwierigkeiten vermögen die Deutschen und Oesterreicher dem russischen Heer zu folgen und es noch vor Beendigung des gegenwärtigen Feldzuges in eine sehr kritische Lage zu bringen, falls bestimmte, ihnen günstige Umstände eintreten. Da sich alsdann der Kampf der Horatier gegen die Kuratier wiederholen dürfte, kann man den Verbandsmächten nicht genug raten, ihre Vorbereitungen zu beschleunigen und baldmöglichst ihre Operationen zur sofortigen Erleichterung des auf Rußland lagernden Druckes zu beginnen. Das Ringen um Riga. London, 9. Sept. Der Petersburger Korrespondent der„Times“ berichtet, daß es den Deutschen, obgleich sie zwei Brückenköpfe genommen haben, noch viele große Opfer kosten wird, um Friedrichstadt und das linke Ufer der Düna zu besetzen. Die starke Strömung des Flusses und das anhaltende Feuer der russischen Artillerie stellen den Deutschen nämlich große Hindernisse in den Weg. Aus diesem Grunde wird der Feind höchstwahrscheinlich versuchen, seine Bewegungen durch gleich zeitige Operationen im Golfe von Riga zu unterstützen. Daß Riga auf diesem Kampfplatze das Hauptziel des Feindes ist, ergibt sich aus der großen Tätigkeit, die er hier entwickelt, wobei auch zahlreiche Flugzeuge verwendet werden. Die Kämpfe in Galizien. TU Berlin, 9. Sept. Der Kriegsberichterstatter des„Berliner Tageblatts", Leonhardt Adelt, meldet aus dem k. k. Kriegspressequartier unterm 8. September: Der linke Flügel der Armee von Lukz schwenkte von der Straße Lukz—Nowno nach Norden ab und rückte nach Ueberwindung der Putilowka=Niederung auf schlechten und verschlammten Nebenstraßen gegen Derazno und Biozal vor, wo der Feind hinter dem oberen Horyn=Fluß Widerstand zu leisten versucht. Der Flügel steht damit schon nördlich Nowno und bedroht dessen nördliche Bahnverbindung. Gleichzeitig trägt von Süden die Armee Boehm=Ermolli den Angriff gegen Dubno heran. Nachdem ihr Durchbruch den Feind aus der Höhenstellung östlich und südöstlich von Brody über die Reichsgrenze geworfen hatte, setzte die Vorrückung auf der Lemberger Straße gegen Dubno und parallel dazu gegen das bergige Revier von Kremence fort. Die am Westrande dieses Hügellandes fließende Ikwa wurde von österreichisch= ungarischen Truppen bereits an mehreren Stellen erreicht, die auch schon an die Vorstellungen von Dubno herangekommen sind. Der Vorstoß der Armee Böhm=Ermolli im Südosten von Dubno bedeutet aber auch eine ernste Flankenbedrohung für die russische Sereth=Stellung. Vor Trembowla befindet sich die Armee des Grafen Bothmer noch immer im Kampfe mit dem Gegner, dessen Vordringen sie zum Stehen gebracht hat. Die Vorgeschichte des Wechsels im russischen Oberkommando. TU Petersburg, 9. Sept.(Indirekt.) Zur Vorgeschichte des Kommandowechsels wird gemeldet, daß bereits nach dem Fall von Brest=Litowsk der Großfürst selber den Zaren gebeten hatte, ihn vom Oberbefehl zu befreien. Aber erst nach der Aufgabe Grodnos hatte der Zar diese Frage in einer Extrasitzung im Ministerrat angeschnitten. Alle drei kommende Männer— Kriwoschein, Poliwanow und Rodzianko— haben nacheinander und gleichlautend dem Zaren erklärt, sie würden das Ministerpräsidium nur unter der Bedingung übernehmen, daß der Großfürst das Oberkommando niederlegt und der Zar selbst dauernd an der Front bleibt. Es sei aber nochmals hier ausdrücklich betont, daß der Großfürst freiwillig oder jedenfalls ohne Widerstand gegangen ist, der erste kluge Schritt, den er bisher während des Krieges getan hat. Ozean, den Deutschland unter ausdrücklicher Zustimmung der gegenwärtigen Inhaber zur Handelsschiffahrt benutzen dürfe. 0 GroßfürstNicglas 2#r Mitolaus U. Dei Klieg heren England. Zeppeline bombardieren London. WTB. Berlin, 9. Septbr.(Amtl.) Unsere Marineluftschiffe haben in der Nacht vom 8. zum 9. September den Westteil der City von London, ferner große Fabrikanlagen bei Norwich, sowie Hafenanlagen und die Eisenwerke von Middlesborough mit gutem Erfolge angegriffen. Starke Explosionen und zahlreiche Brände wurden beobachtet. Die Luftschiffe sind von den feindlichen Batterien heftig beschossen; sie sind sämtlich wohlbehalten zurückgekehrt. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Die Opfer des letzten Zeppelinangriffs. WTB London, 10. Sept. Das Pressebureau teilt mit: Beim letzten Zeppelinangriff auf die östlichen Grafschaften und den Londoner Bezirk wurden 20 Personen getötet, 14 schwer verwundet und 72 leicht verletzt. Alle sind Zivilpersonen, mit Ausnahme von vier Soldaten, von denen einer getötet, drei verwundet wurden. Der Ozean als Friedenspfand. WTB London, 9. Sept. Der militärische Mitarbeiter der„Morningpost, erörtert die Friedensbedingungen, die Deutschland stellen könnte, und entwickelt dabei die interessante Theorie, daß, wenn Deutschland territoriale Pfänder in Händen habe, die Alliierten ein weit größeres und ungleich wertvolleres territoriales Pfand besitzen, nämlich den Krieg gegen Fianem Italiens Aktion beschränkt sich auf den österreichischen Kriegsschauplatz. Mailand, 9. Sept. Gegenüber den Gerüchten, Italien wolle Streitkräfte nach den Dardanellen oder nach Frankreich senden, wo jetzt eine neue doutsche Offensive erwartet werde, da angeblich deutsche Truppen vom Osten dorthin verschoben worden seien, versichert der römische Korrespondent der„Stampa“, Italien beschränke sich auch künftig auf den österreichischen Kriegsschauplatz. Der Besuch Joffres habe nur die Herstellung der Harmonie in den Plänen der Oberkommandos bezweckt, weiter nichts.(„Frkf. Ztg.“) Joffre im italienischen Hauptquartier. Zu dem Besuch Joffres, der drei Tage in Italien weilte und die Isonzofront Monfalcone—Cervignano besuchte, schreibt die italienische Presse auffallend nichtssagende Bemerkungen, ein neuer Beweis, daß kein tatsächliches Ergebnis des Besuches gemeldet werden kann. Das„Giornale d'Italia“ und der„Secolo“ geben ausdrücklich zu, daß die schlimme Lage des Vierverbandes der Hauptgrund des Besuches war. Der„Secolo“ schreibt, es sei unnütz, zu leugnen, daß die Erfolge des deutschen Vormarsches in Rußland alle Voraussagungen, auch die der Militärkritiker, übertreffen. Das Endziel der Deutschen sei unbekannt, jedenfalls sei die Lage heute gefährlich. Auch das „Giornale d'Italia“ unterstreicht, daß nur ein enges Zusammenarbeiten des Vierverbandes die Lage ändern könne. Dazu diene Joffres persönliche Fühlungnahme mit den Italienern. Zu welchen Mitteln Salandra greift, um das auf dem italienischen Kriegsschauplatz abzulenken, zeigt ein amtlicher Bericht, wonach in den Mittelmächten die Cholera und der Typhus Zehntausende von Opfern forderte. Del Klieg der Emnen Türkische Zurückweisung der italienischen Kriegsvorwände. WTB Konstantinopel, 9. Sept.(Meldung der „Agence Milli“). In den Zeitungen des Vierverbandes wird viel Aufhebens von den Beweggründen gemacht, die Italien zur Kriegserklärung an die Türkei bewogen haben, so der Bruch des Vertrages von Ouchy, die Haltung von Truppen und die Entsendung türkischer Offiziere in die Cyre naika und die Verkündigung des heiligen Krieges. Soviel Behauptungen, soviel Unrichtigkeiten, wozu man die Zuflucht nimmt, um die Haltung Italiens zu rechtfertigen Der ehemalige Botschafter in Stambul, Graf Garoni, wußte recht gut und versäumte auch nicht, seine Regierung davon zu benachrichtigen, daß die osmanische Regierung weit davon entfernt war, in der Cyrenaika Unruhen zu stiften und dort den heiligen Krieg gegen die Italiener predigen zu lassen. Sie lieh im Gegenteil ihre Mitwirkung dazu, den Scheich der Senussi zur Befreiung der italienischen Gefangenen zu veranlassen und ein Abkommen zwischen ihm uund dem Ministerium in Rom herbeizuführen. Der heilige Krieg. Als der Sultan die grüne Fahne entfalten ließ und den heiligen Krieg erklärte, war die Wirkung im Anfang nicht ganz die große, die man erhofft hatte. Langsam nur konnte sich die Kunde davon unter den mohammedanischen Völkern verbreiten, denn unsere Gegner suchten sie überall geheim zu halten. Jetzt aber scheinen sich die Mohammedaner aller Länder allmählich unter der heiligen Fahne des Propheten zusammenzufinden. So wird aus Marseille berichtet, daß sich die eingeborene Bevölkerung Französisch=Nord=Afrikas im offenen Aufstand gegen die französische Herrschaft befinde. Hodschas durchziehen das Land und predigen den Heiligen Krieg. Viele Ortschaften sind in Flammen aufgegangen. Der Schiffahrtsverkehr zwischen Marseille und Tunis ist vollkommen eingestellt worden. Und auch aus Deutsch=Ostafrika kommt die Nachricht, daß die Haltung der Eingeborenen mohammedanischen Glaubens dort geradezu vorbildlich ist. Die Kunde von der Verkündigung des Heiligen Krieges(gegen unsere Feinde hat bei allen unbeschreibliche Begeisterung erweckt. Mit todesmutiger Treue und Anhänglichkeit stehen sie zu uns und eilen aus allen Bezirken in Scharen herbei, um sich unseren Militärbehörden zur Verfügung zu stellen. Den Feinden dürfte es nicht gelingen, ins Innere unserer Kolonie einzudringen. In mehreren Fällen wurden bereits die Engländer durch Eingeborene unter deutscher Führung unter erheblichen Verlusten über die Grenze zurückgeschlagen. Der heilige Krieg in Persien. Köln, 9. Septbr. Die„Köln. Ztg“ meldet aus Stockholm: Dem„Rjetsch“ wurde am 2. d. M. aus Ispahan telegraphiert, daß ein schwedischer Offizier Befehl bekommen habe, sich mit der ganzen Garnison bereitzuhalten, nach Teheran zu marschieren. An die„Nowoje Wremja“ wird aus Teheran telegraphiert, daß die englandfeindliche Bewazung in südpersien an Stärke zugenommen habe. In Kaserun und Schiras sei eine Volksmiliz von 8000 Mann mit besonderer Uniform organisiert. Der heilige Krieg in Persien gegen England dehne sich aus. Der Krieg werde von der Presse unterstützt, die die englische Politik scharf tadele. Berlin, 9. Sept. Die„B. Z.“ meldet aus Amsterdam: Rauter meldet aus Ispahan: Der englische Generalkonsul wurde am 2. September bei einem Morgenritt angogriffen und verwundet. Ein englischer Soldat seines Gefolges wurde getötet. Vor kurzem wurde hier auch der russische Vizekonsul ermordet. Die Balkanstaaten. Das türkisch=bulgarische Abkommen unterfertigt! TU Sofia, 10. Sept. Nach Aeußerungen Nadoslawows gegenüber Politikern verschiedener Parteien ist das türkisch=bulgarische Abkommen unterfertigt. Bulgarien erhält einen Gebietszuwachs von im ganzen 2330 Quadratkilometern. Die Besetzung der abgetretenen Bahnlinie erfolgt in zwei bis drei Tagen, die des übrigen Territoriumz 14 Tage später. Es herrscht allgemeine Zufriedenheit über die friedliche Eroberung der Regierung. TU Budapest, 10. Sept. Zur Uebernahme des abgetretenen Gebietes verlautet, daß zwei türkische Regimenter die bulgarischen Regimenter erwarten, die mit Musik und Fahnen eintreffen. Die türkische Kapelle wird die Hymne Schumimariza, die bulgarische Kapelle die türkische Hymne spielen. Nach gegenseitiger Begrüßung und Austausch der Vollmachten erfolgt der Akt der Abtretung. Den führenden offiziellen Persönlichkeiten und dem Offizierskorps gibt die Türkei abends in Adrianopel ein Bankett. Will Bulgarien marschieren? Fast wie eine Kriegsankündigung gegen Serbien klingt eine im Organ der bulgarischen Regierung„Narodni Prava“ veröffentlichte Erklärung. Das Blatt schreibt: Die Cochter des Freiherrn. Roman von F. v. Nauenheim. „Und wie wußtet Ihr, daß sie es auch richtig emnpfing?“ Ganz einfach, Gisela sandte es unter angenomienen Namen ab und die Redenbach antwortete nur kurz und bündig unter Chiffre:„Frau Rosa Lambach, Wien 1, Hauptpost. Alles in Ordnung.“ Wäre sie oder Paula mit Tod abgegangen, wäre uns ebenfalls eine Verständigung zugekommen. So, nun habe ich alles gesagt, was zu sagen war und wenn Du mich verdammst, muß ich es demütig annehmen, denn es wäre verdient. Nur eines laß mich noch sagen, daß das Bewußtsein meiner Mitschuld mit Zentnerschwere auf mir lag und mich krank und elend gemacht hat.“ „Und dennoch trugst Du diese Schuld während so langer Zeit, ohne daran zu denken, sie abzuwälzen, mit Dir herum? Wäre Deine Lage nicht unerträglich geworden, hättest Du auch jetzt noch geschwiegen. Statt aller Anwort senkte die Frau das Antlitz, Tränen rannen über ihre gefurchten Wangen, während sie die Hände über die Brust faltete, und plötzlich lag sie vor dem Freiherrn auf den Knien. „Jage mich nicht aus dem Haus, Hubert!“ flehte sie mit angstdurchbebter Stimme.„Um Deines Kindes willen, das Du bald ans Herz nehnken wirst, um meiner tiefen Reue willen und um Gottes Barmherzigkeit willen jage mich nicht von der Schwelle Deines Hauses.“ Einen Moment kämpften Groll und Bitterkeit mit dem Mitleid für die Bereuende zu seinen Fitßen in seiner Seele, aber das Mitleid gewann den Sieg im Herzen des so hart geprüften Mannes. „Um meines heißgeliebten Kindes, unr Gottes Barmherzigkeit und um Deiner Reue willen— sollst Du in meinem Haus eine Zuflucht haben, sagte er, sich zu ihr neigend, langsam, ernst und feierlich... „Dank, o Hubert, tausend Dank!" stammelte sie und, seine Hand ergreifend, bedeckte sie diese mit ihren Renetränen und demütigen Küssen. „Stehe auf, Tante! Wir müssen jetzt für Deine Bequemlichkeit sorgen, Du mußt Dich stärken für die morgige Reise. Wenn ich aber meine Tochter gefunden habe, dann werde ich mit ihr hintreten vor das Antlitz derjenigen, die meines Lebens Unglück geworden, o, wie ich diese Stunde herbeisehne! Doch jetzt muß ich Dich verlassen, um den Meinen und vor allen der guten Frau Therese die Freudenbotschaft zu überbringen. Dir, Tante, sende ich unsere Haushälterin. Als Frau von Ermeth allein geblieben, faltete sie die Hände und vielleicht zum ersten Mal nach langen Jahren stieg aus ihrem Herzen ein heißes Gebet, ein Dank= un auch Bittgebet zum Strahlenthron des Höchstou empor.—— „Na also, endlich kommst Du, Hubert! Das war aber eine lange Unterredung und, wenn es nicht eine alte— aber Herrgott, unterbrach sich Baron Ferdinand selbst in seinen heiteren Worten, „Du siehst ja wie verklärt aus. Hast Du etwa von dieser geheimnisvollen Dame erfahren, daß Due das große Los gewonnen hast?“ „Mehr als das, denn vernehmt, Onkel, Taute, liebe Frau Therese, binnen vierundzwanzig Stunden werde ich meine Paula umarmen.“ Zuerst folgte diesen mit jubelnder Stimme gesprochenen Worten lautlose Stille: die völlig unerwartete frohe Botschaft schien allen nahezu unglaublich. Frau Therese war dann die erste, die Worte fand. „Mein Gott, o mein gütiger Gott,“ rief sie, die Arme ausbreitend,„so hast Du doch, wenn auch spät, mein heißes Flehen erhört.“ Und auf Hubert zutretend, bot sie ihm in überwallendem Glücksgefühl beide Häude, die er, diese stumme Sprache verstehend, herzlichst drückte. „Ja, der Himmel hat sich unser erbarmt.“ Auch Frau von Thurau beglückwünschte den Neffen in ihrer vornehm stillen Art, während Baron Ferdinand in seiner Art dazwischen fuhr. „Wenn ihr ein wenig zu Euch gekommen seid, dann sei so liebenswürdig, Hubert, und erzähle uns, wer Dir den Aufenthalt der jungen Dame und alles Weitere verraten hat,“ rief er polternd, worauf Hubert alles aufs genaueste berichtete, Frau Therese mit glückstrahlendem, Frau von Thurau mit sauftlächelndem Antlitz lauschten, Baron Ferdinand jedoch nicht umhin konnte, mit manchem kräftigen Wort seiner Meinung über den Fall Ausdruck zu geben. „Aber, das ist ja ein schändliches Weib, ein Dämon!“ schrie er, als Hubert am Schluß angelangt war, mit zorurolem Antlitz und die Faust schwer auf die Tischplatte fallen lassend.„Man müßte sie gerichtlich belangen! Herr Gott im Himmel droben und streug genommen bin eigentlich ich schuld an—“ „Lieber Onkel Ferdinand“ unterbrach Hubert den alten Herrn,„als Du mir diese Heirat vorschlugst, war ich bereits kein unmündiger Knabe mehr und hätte mich schließlich, wenn ich gewollt hätte, dagegen wehren können, auch hätte ich nicht feig sein, sondern die Wahrheit eingestehen sollen.“ „Und ich sage,“ fiel die Baronin ein, daß man Geschehenes durch nichts mehr ungeschehen machen kann, sodern dankbar Gottes Güte auerkennen sollte, der das Gewissen dieser Tante Hermine doch endlich wachgerüttelt hat. Du wirst natürlich niorgen reisen?“ „Ach, mein Gott, und ich werde heute nacht kein Auge schließen vor Aufregung und— und, o Herr Baron—“ Thurau verstand den sehnsüchtigen Blick der Frau Therese sehr wohl und drückte ihr warm die Hand. „Ich muß die Tante mitnehmen, da sie ja diese Frau Redenbach kennt, und dann, ich muß Paula auch langsam darauf vorbereiten, daß Sie nicht, wie man sie glauben gemacht, tot, sondern, dem Himmel sei Dank, noch am Leben sind.“ „Und daß ich nicht ihre Mutter bin.“ „Auch das: aber, ich bin überzeugt, daß ihre Liebe zu Ihnen nicht weniger zärtlich sein wird; waren Sie doch dem armen Kind eine wahre Mutter.“ Es wurde sehr spät heute, bis man sich endlich trennte, denn noch vieles mußte besprochen werden, so auch alles die nächste Zukunft der Frau von Ermeth Betreffende. Baron Ferdinand, der, obwohl er sienur selten gesehen, nie viel Sympathie für diese Frau übrig hatte und ihr nach dem Vernommenen natürlich noch weniger geneigt sein konnte, wollte von deren dauerndem Aufenthalt in Mühlheim nichts wissen, und meinte, man könnte ja anderweitig, indem man sie in irgendeinem Altersheim oder dergleichen unterbrächte, für sie sorgen. Doch sei dies ja alles ganz nebensächlich der Hauptsache gegenüber, daß Hubert seine für immer verloren geglaubte Tochter endlich wiederfinde. „Natürlich telegraphierst Du sofort, Hubert.“ meinte Frau von Thurau,„denn Du kannst Dir unsere Spannung denken.“ So reiste denn am nächsten Morgen Hubert von Thurau in Begleitung der Frau von Ermeth nach Nordtirol ab, um seine Tochter endlich in die Arme zu schließen und sie dann im Triumpfe nach Mühlheim zu führen, wo sie ihre eigentliche Heimat finden sollte. 26. Kapitel. In jenem kleinen Dörfchen, dessen armielige Häuser auf Hubert einen peinlichen Eindruck machten, angekommen, fragte er, da Frau von Ermeth nichts Näheres wußte, sogleich den Wirt, bei den die Reisenden Einkehr hielten, nach dem Wohnhaus einer Frau Katharina Redenbach. 227,18 Sobald alle Mittel einer friedlichen Verständigung versagen, sieht sich ein Staat, der seine nationalistische Selbstbestimmung erreichen will, gezwungen, die bewaffnete Macht anzuwenden. Für die bulgarische Effentlichkeit wird es immer klarer, daß unsere ehemaligen Verbündeten um nichts in der Welt aufhören werden, das unglückliche Macedonien zu knechten, so lange die bulgarische Macht nicht zu Worte kommt. Der bulgarischen Negierung, welche alle Mittel zur Erreichung einer Verständigung unter den Balkanstaaten erschöpfte, bleibt nur noch übrig, sichere und wirksamere Mittel zu suchen, um die nationalen bulgarischen Ideale, für die Tausende geopfert wurden, zu verwirklichen. Zugleich mit dieser Erklärung wird bekannt, daß der bulgarische Gesandte Tschapraschikow aus Nisch nach Sofia zurückgekehrt ist, nachdem er bei der serbischen Regierung wegen der unwürdigen Sprache und Angriffe verschiedener Organe der serbischen Presse gegen die Person des Königs von Bulgarien Vorstellungen erhoben hatte. Auch weiß das Mailänder Blatt„Sera“ zu melden, daß große Manöver des bulgzarischen Heeres begonnen haben, die sich unweit der serbischen und der griechischen Grenze abspielen. Verstärkter Druck Rußlands auf Rumänien. London, 10. Sept.„Daily News“ meldet aus Saloniki, daß die russische Diplomatie in den letzten Tagen bei der rumänischen Regierung erneut Schritte unternommen habe, um Remänien zur Teilnahme am Kriege zu bewegen. Der russische Gesandte in Bukarest habe Rumänien nicht allein Siebenbürgen, sondern auch einen Teil von Beßarabien versprochen, falls sich Rumänien den Wünschen Rußlands geneigt zeigen werde. Kein Vertrag zwischen Rumänien und dem Vierverband. WXB Basel, 10. Sept. Nach Makländer Meldungen der„Baseler Nachr.“ bezeichnen die amtlichen rumänischen Zeitungen die Nachricht von einem zwischen Rumänien und dem Vierverband zustande gekommenen Abkommen als falsch. Die Schwierigkeiten der rumänischen Getreideausfuhr. Bukarest, 9. Sept. Die rumänischen Landwirte befinden sich in einer außerordentlichen Schwierigkeit wegen des kürzlich von der Regierung erlassenen Ausfuhrverbots von Getreideladungen, was aus einer Meldung der„Independance Roumaine“ deutlich hervorgeht. Das Landwirtschaftsministerium hatte in einer Note mitgeteilt, daß die aus verschiedenen Teilen Rumäniens nach der Grenze gesandten Getreideladungen nicht ausgeladen werden dürfen, weil die österreichische und ungarische Eisenbahnverwaltung nicht genügend Waggons zur Verfügung stellen könnte. Die zur Ausfuhr bestimmten Waren würden auch in Rumänien von Tag zu Tag kleiner. Da das Getreide nicht den Unbilden der Witterung entzogen werden könne, dioht es zu verderben. Alles Getreide muß außerdem in Säcken versandt werden. Dies bedeute für die Exporteure bedeutende Unkosten. Tausende von Eisenbahnwagen sind jetzt an der Grenze aufgestellt und warten auf den Augenblick, wo die Ausfuhr möglich sein wird. Die Mitteilung des Landwirtschaftsministeriums bezeichnet es als wünschenswert, daß die Getreidesendungen für eine gewisse Zeit nach der Grenze hin eingestellt werden. Einberufung griechischer Offiziere. Paris, 10. Sept.„Echo de Paris“ erfährt aus Saloniki, daß der Marineminister Miaulis die Offiziere und Unteroffiziere, die sich im Auslande befinden, aufforderte, unverzüglich nach Griechen' land zurückzukehren. Der Kriegsminister hat die in einer Mission im Auslande befindlichen Offiziere zurückgerufen. Der Athener Depeschenskandal. bb Lugano, 10. Sept. Der aus Griechenland ausgewiesene Athener Korrespondent des„Corriere della Sera“ berichtet über den Depeschenskandal: Außer dem Telegraphenbeamten Legakid wurden auch die Frau des Telegraphenbeamten Petrizzopulod, der die Depeschen an den Journalisten Papas verkauft hat, sowie der französische Journalist Macion verhaftet. Petrizzopulod erklärte, die Kopien der Telegramme dem Papas übergeben zu haben, um den fortwährendenden Geldforderungen seiner Frau nachkommen zu können. Aus Stadt und Umgebung. Rückblicke aus den Welttrieg. 10. September. Die Rückzugskämpfe an der Marne.— Hindenburgs Sieg über Nennenkampf. Eine Meldung des Generalstabes vom 10. September sagt:„Die östlich von Paris in der Verfolgung an und über die Marne vorgegangenen Heerestelle sind aus Paris und zwischen Meaux und Montmirail von überlegenen Kräften angegriffen worden. Sie haben in schweren zweitägigen Kämpfen den Gegner aufgehalten und selbst Fortschritte gemacht. Als der Anmarsch neuer starker feindlicher Kolonnen gemeldet wurde, ist ihr Flügel zurückgenommen worden. Der Feind folgte an keiner Stelle. Als Siegesbeute dieser Kämpfe sind bisher 50 Geschütze und einige 1000 Gefangene gemeldet“. Diese Nachricht bezieht sich auf die Rückzugskämpfe an der Marne und am Ourg. Die Franzosen merkten am frühen Morgen dieses Tages, daß sich die Deutschen auf dem Rückzuge befanden, allerdings stellten sie sich diesen wesentlich anders vor, als er in Wirklichkeit war, und namentlich ahnten sie nicht, daß es sich für die deutschen Truppen darum handelte, an der Aisne eine feste Stellung zu beziehen.— Im Sundgau konnten die Deutschen von Goldbach her die französische Verbindungg durchbrechen, sodaß die Franzosen auf der Straße Bussang zurückgehen mußten; allerdings stand ihre Hauptmacht noch immer in der Gegend von Thann.— An diesem Tage wurde im Osten der Entscheidungskampf Hindenburg gegen die russische WilnaArmee unter Rennenk ampf in der Schlacht bei Allenburg—Nordenburg—Angerburg ausgefochten. Es war ein furchtbares Rin(gen, wiederum im Seengebiet. Während die russische Front angegriffen wurde, umging deutsche Reiterei den linken feindlichen Flügel; Rennenkampf mußte fürchten, umfaßt zu werden, und so beschloß er den Rückzug auf Insterburg—Gumbinnen—Stallupönen.— Von diesem Tage an beginnen die berühmt gewordenen Streifzüge des kleinen Kreuzers„Emden“. Sechs Wochen lang hatte man von ihm nichts gehört, als er an diesem Tage im Golf von Bengalen erschien, sechs Schiffe nahm, davon fünf versenkte und eines nach Kalkutta sandte. Die Kühnheit, mit der das deutsche Schiff vorging, wirkte cuf die Engländer geradezu beängstigend. **(Musterung der D.=U.=Mannschaften.) Alle nicht gedienten männlichen Personen, die in der Zeit vom 8. September 1870 bis einschließlich 31. Dezember 1895 geboren sind, sowie die ausgebildeten Mannschaften, die in der gleichen Zeit geboren und für dauernd garnisondienstunfähig erklärt worden sind, haben sich in der Zeit vom 13. bis einschließlich 15. September, erstere bei der Ortsbehörde, letztere beim zuständigen Bezirkskommando, Meldeamt bezw. Bezirksfeldwebel zu melden. Siehe auch Bekanntmachung in heutiger Nummer. **(Die Landesversicherungsanstalt Westfalen) hat den Kreisen und kreisfreien Städten als Beihilfe zur Verhütung gesundheitlicher Schäden infolge des Krieges, insbesondere zur Tuberkulose=Bekämpfung, 421772 Mark bewilligt. Um zu verhüten, daß bei den großen Anforderungen, die während des Krieges an die Gemeinden gestellt werden, die Gemeinden sich in Bezug auf die Badeund Kräftigungskuren für skrophulose oder tuberkulöse Kinder erheblich einschränken, hat der Vorstand der Landesversichreungsanstalt Westfalen 100 000 Mark bewilligt, die nach Maßgabe des Bedarfs auf die Kreise und kreisfreien Städte verteilt werden sollen. Doch wird die Versicherungsanstalt als Höchstleistung nicht mehr als das Doppelte dessen gewähren, was die Gemeinde selbst aufwendet. Die Mittel können auch zu Winterkuren benutzt werden. **(Einschränkung des Flaschenbierhandels in Sicht.) Von seiten der Behörden werden zurzeit Ermittelungen angestellt, in welcher Weise dem überhandnehmenden Flaschenbierhandel eine wirk same Beschränkung auferlegt werden kann. Die örtlichen Behörden sind zur Berichterstattung und geeigneten Vorschlägen aufgefordert worden. Gemäß eines Beschlusses des Bevollmächtigtentages der Rheinischen Zone zu Essen hat das Syndikat der beiden Nachbarzonen an den Rheinisch=Westfälischen Brauereiverband das Ersuchen gerichtet, bei der herrschenden Bierknappheit den Flaschenbierhandel auf das äußerste einzuschränken und das hierdurch freiwerdende Bier der Wirtschaftskundschaft zuzuwenden. *(Kriegstagung des Vereins für Innere Mission in der Grafschaft Mark.) Wie wir hören, soll auch in diesem Jahre eine Tagung des Vereins für Innere Mission stattfinden. Voraussichtlich wird diese Jahresversammlung in Gelsenkirchen abgehalten werden. Als Hauptthema soll über die wichtige Frage gesprochen werden:„Was muiß gechehen, damit die jetzt im Volke bestehende Einigkeit auch nach dem Kriege durch die Innere Mission vertieft und erhalten werden kann? Der Verein für Innere Mission, der ja der Träger so mancher großer Unternehmung in unseret Provinz geworden ist, wird auch diese wichtige Sache arbeitsfreudig auf seine Schultern nehmen. (Evangelischer Arbeiter= und Bürgerverein.) In der gestrigen Vorstandssitzung des Evangelischen Arbeiter= und Bürgervereins wurde einstimmig beschlossen, für die dritte Kriegsanleihe tausend Mark zu zeichnen. Dieselbe Summe wurde auch bei der zweiten Kriegsanleihe gezeichnet. Ferner wurde beschlossen, den Termin der Monatsversammlungen von vormittags 11 Uhr auf nachmittags 6 Uhr zu verlegen; als Tagg der September=Versammlung wurde der 19 September bestimmt. **(Gesellenprüfung.) Der Schmiedelehrling Karl Osterberg aus der Jägerstraße bestand gestern die Gesellenprüfung mit bestem Erfolge. Seine theoretischen und praktischen Arbeiten wurden von dem Prüfungsausschuß mit„Sehr gut" bewertet. **(Die Säuberung unserer Landstraßen.) Der Deutsche Herbergsverein regt augenblicklich im ganzen deutschen Reich Besprechungen über die Frage an, wie man gegen die Wanderer vorgehen soll, die trotz des großen Arbeitermangels noch in den Wanderarbeitsstätten vorsprechen und die gebotene Arbeitsgelegenheit nicht annehmen, ebenso soll dafür gesorgt werden, daß die sogen. halben Kräfte und jugendlichen Landfahrer von der Landstraße verschwinden. Da sich das Verbot betr. Branntweinausschank und Verkauf als sehr segensreich wiesen hat, ist der Deutsche Herbergsverein an den Herrn Reichskanzler mit der Bitte herangzetreten, daß rechtzeitig gesetzgeberische Maßnahmen eingeleitet werden möchten, um nach Beendigung des Krieges die weitgehendste Aufrechterhaltung dieser Beschränkung zu ermöglichen. ** Holzen, 10. Sept.(Eisernes Kreuz.) Der auf dem östlichen Kriegsschauplatz kämpfende Husar Emil Hötter, Sohn des Landwirts H. von hier, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. ** Westhofen, 9. Sept.(Ein Opfer der Ruhr) ist die zirka 70 Jahre alte, etwas geistesschwache Frau Wachenfeld von hier geworden. Gestern nachmittag bemerkten einige Arbeiter der Fabrik Borggräfe die alte Frau in der Ruhr treiben. Es gelang zwar nach vieler Arbeit die Frau die bereits das Bewußtsein verloren hatte, dem nassen Element wieder zu entreißen und auch bereits erloschenen Lebensgeister wieder zu wecken. Heute früh ist die alte Frau jedoch gestorben. ** Westhofen, 10. Sept.(Freispruch.) Die seinerzeit wegen Holzdiebstahls zu je 1 Tag Gefängnis verurteilten Landwirte Fr. Dahlbüdding und Fr. Kersebohm von hier wurden gestern in der Berufungsinstanz vor der Dortmunder Strafkammer kostenlos freigesprochen. * Iserlohn, 9. Sept.(Für seinen Freund in den Tod.) Den Heltentod beim Untergange eines Torpedobootes hat der Oberheizer Walter Schmidt aus Uetterlingen bei einem Vorpostengefecht in der Nordsee erlitten. Kapitänleutnant und Flottenchef A. schreibt in einem Beileidsbriefe an die Mutter des braven Mannes:„Ihr braver Sohn hat nach Untergang seines Torpedobootes, im kleinen Rettungsboot sitzend, die sichere Rettung vor Augen, freiwillig seinen Platz einem im Wasser treibenden verwundeten Kameraden eingeräumt.. Wir alle stehen ehrfurchtsvoll und bewündernd vor solch aufopferndem Heldenmut und treuester Kameradschaft bis in den Tod und beglückwünschen Sie zu dieser Tat Ihres tapferen Sohnes Möge der Stolz auf Ihren Sohn Ihren großen Schmerz um den Heimgegangenen lindern, uns wird er über sein Grab hinaus stets ein leuchtendes Vorbild edelster Pflichterfüllung sein.“ Die Räumung von Brest=Litowsk. Bei ihrem Einzug in das brennende Brest=Litowsk haben die österreichisch=ungarischen und die deutschen Truppen, wie gemeldet wurde, nur einen einzigen Bewohner, den Kaufmann Moritz Perles, mit seinen Kindern inmitten der rauchenden Trümmerheusen vorgefunden. Was ist mit den übrigen Einwohnern dieser Stadt geschehen? Hierüber teilen die polnischen Blätter folgendes mit: Nach der Eroberung Warschaus durch die Armeen der Verbündeten befahl der Festungskommandant Leiming der Zivilbevölkerung, Brest=Litowsk zu verlassen. Der Massenauszug nahm eine ganze Woche in Anspruch. Alltäglich wurden 14 Bahnzüge mit Tausenden von Familien und deren Habeligkeiten, sowie die Warenvorräte abtransportiert. Ein Teil der Bevölkerung begab sich nach Wilna, wo man ihr aber den Einlaß verwehrte. Infolgedessen verblieben viele Familien in der Wilnaer Vorstation Nowo=Wilejsk. Da jedoch hier nicht alle Flüchtlinge in den Häusern untergebracht werden konnten, mußten auf freiem Felde Zelte für die Ueberzähligen aufgestellt werden. Unter den Einwanderern herrschte großes Elend. Als Ursachen des überraschend schnellen Falles des für die russischen Stellungen überaus wichtigen Brest=Litowsk bezeichnen die früheren Einwohner der Festung in erster Reihe die am 18. November 1914 erfolgte Explosion des Artillerie= und Munitionsparks, wie auch den Brand des technischen Leboratoriums der Festung. Von offizieller Seite wurde damals angegeben, daß bloß mehrere Tauend Artilleriegeschosse vernichtet wurden. In Wirklichkeit war aber der im Geschützstand angerichtete Schaden überaus empfindlich. Das Feuer vernichtete auch einen großen Teil der von der Militärintendanz angehäuften Vorräte. Bei der vom Festungskommando eingeleiteten Untersuchung wurde der Verdacht der Täterschaft auf einen Polen gelenkt, da man auf der Unfallstätte einen polnisch geschriebenen Zettel mit dem Siegel der Krakauer Jagellonen=Universität aufgesunden hatte. s zerstörte Laboratorium wurde bis zurzeit der Räumung der Festung nicht wieder hergestellt. Zur Desorganisation der Verteidigung von Brest=Litowsk hat auch das Oberkommando der russischen Armee durch seine Verfügungen wesentlich beigetragen. Jahlreiche Festungsgeschütze wurden im Winter nach Prasznysz, und im Frühjahr nach Galizien fortgebracht, wo sie auch verblieben. In den letzten Tagen des Monats Juli war ein Transport japanischer Geschütze in Brest=Litowsk angekündigt; es trafen aber daselbst nur vier japanische Artillerieoffiziere ein. Nach der Wiedereroberung Przemysls durch die Verbündeten begab sich der Festungskommandant General Leiming von Brest=Litowsk in das russische Hauptquartier, um auf die Ergänzung der erforderlichen Vorräte zu dringen. Seine Bemühungen hatten jedoch keinen Erfolz. Im August wurde ein neuer Festungskommandant von Brest=Litowsk ernannt; die Lage dieser Festung blieb jedoch nach wie vor höchst mißlich. In Brest=Litowsk nahmen die Entmutigung der Besätzungsmannschaft und die allgemeine Verwirrung mit jedem Tag überhand, bis schließlich die Räumung der Festung angeordnet werden mußte. Alle unter dieser Rubtit besprochenen Bücher sind in der Karl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Brand, Polenroman aus 1914, von George Dellavoß, brosch. M. 2.—, gebd. M. 3.—, Hugo Schmidt Verlag, München. Vom ersten Wort an, mit dem der Krieg in das weltvergessene Polendorf fällt, erfüllen das Buch fast übergewältige Stimmungen. Die zügellose Aufregung der Erwartung des Krieges, der Mobilisationstage, des Kriegsbeginns wird bis in die erschauernde Wucht des Kampfes zur erlebten Schilderung.— Eine Geschichte von Menschenglück, von brennender Heimat in der brennenden Welt. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Krase, Druck u. Verlag von Carl Brwis. beide in Schwerte. Zeichnet die 3. Reriegsanleihe. 1 Sauptzueher per Pfund 25 Pfennig. EtTCRUn (saftige grosse Früchte) Dutzend 75 Pfennig empfiehlt 4202 — E. Weinberg. Original=griechische für Kranke und Rekonvaleszenten empfiehlt billigst Lchin Gasthof zur Helle — Teleson 251.—— Guie weiße Schmierseise Jentner 24 Marh. Gute gelbe Schmierseise Zentner 30 Marh. Solange Vorrat reicht. Versand gegen Nachnahme od. vorh. Kasse Bargmann, Kiel, 4134 Hohenslaufenring 37 Prima dickes, bester Ersatz für Schweinefleisch, dazu billiger empfiehlt die 4198 Schwerler Fleischballe Mollkestraße Nr. 44. 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Bekanntmachung. Das Westfälische Pferdestammbuch e. V. zu Münster, vertreten durch den G schäftsführer Königl. Oekonomie= Rat Manitius, hat Teimin für die Stuten= und Fohlenschau für den Landkreis Hörde am Dienstag, den 21. Seplember, vorm. 10½ Uhr, auf dem Freischütz bei Schwerie anberaumt. Im Interesse der Stutenbesitzer liegt es, die Stuten mit Fohlen bezw. die weitere Nachzucht vorzustellen, damit der Zuchtwert der Hengste geprüft werden kann. Andererseits werden bewährte Zuch stuten für Freideck. scheine, Jährlinge bis vierjährige Stuten für Angeld prämien zur Erhaltung guter bodenständiger Stuten vorgemerkt. Es sind in diesem Jahre in den Schauterminen vorzustellen: I. 1. alle Stammbuchstuten, sowohl mit als auch ohne Fohlen; 2. alle älteren, noch nicht eingetragenen Stute,n gedeckt und mit Fohlen; 3. sämtliche von der Landwirtschaftskammer eingeführten Stuten und Stutfohlen; 4. alle 1=, 2= und 3jährigen Stuten; die mit Angeldprämien ausgezeichneten Fohlen müssen vorgestellt werden; 5. alle Jährlinge bis 4jährigen Stuten für die Erwerbung der Angeldptämie; 6. die angekörten Hengste zur eventuellen Aufnahme in das Pferdestammbuch. II. Es können gezeigt werden 1= und 2jährige Hengstfohlen der Westfälischen Edelzucht und des Westfälischen Arbeitsschlages zur Beutteilung auf ihren Zuchtweit. Bemerkung: Abstammungsnachweise und Deckscheine sowie die Stallbücher sind mitzubringen. Durch die Eintragung einer Stute wird der betreffende Besitzer Mitglied des Westfälischen Pferdestammbuchs. Die einmalige Eintragungsgebühr für eine Stute beträgt 3 Mark. An Beitrag werden jährlich 3 Mark, für die zweite bezv. jede weitere eingetragene Stute(nach dem Bestande am 1. Oktober jeden Jahres) je 1 Mark mehk erhoben. In Bezug auf die Verleihung von Angeld=Prämien wird auf die früher bekanntgegebenen Bedingungen verwiesen. Ich ersuche, die Schau recht zahlreich beschicken zu wollen. Hörde, den 7. September 1915. Landwirtschaftl. Kreisverein. 4199 Der Vereins=Direktor. Dr. Burchard, Königlicher Landrat i. V. J. Nr. 286 Es ist bestimat in Gottes Rat. Dass man vom Liebsten, was man hat Muss scheiden. Nicht schön'ren Tod eibt es vor allen, Als für sein Vaterland zu fallen. Den Heldentod für das Vaterland starb infolge eines Kopfschusses unser innigstgeliebter Sohn, unser unvergesslicher Bruder, Schwager, Onkel und Bräutigam, der Unteroffizier Justaf Weber des Reserve-Infanterie-Regiments 344, 2 Komp. Inhaber des Eisernen Kreuzes im blühenden Alter von beinahe 24 Jahren. Dieses zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen: Karl Weber und Frau, Wilhelmine geb. Liesenhoff, Mimi Wortmann geb. Weber, Abr. Wortmann z Zt. im Felde, Ida Kirchhoff geb. Weber, Karl Kirchhoff, Fritz Weber z. Zt. im Felde, Sophie Weber geb. Strohn, Lina Grünewald geb. Weber, Hermann Grünewald, Otto Weber z. Zt im Felde, Meta Weber geb. Mitze, Hermann Weber z. Zt im Felde, Karl Weber, Emma Hoffmeister als Braut. Schwerte, den 10 September 1915. Nachruf. Den Heldentod fürs Vaterland fand am 16. August unser lieber Kollege, der Offizierstellvertreter Wilhelm Köster Reserve-Inf.-Regt. 21, 4. Komp. Wir verlieren in ihm einen lieben Kollegen, dessen Andenken wir in Ehren halten werden. 4194 Gewerkverein der deutschen Maschinenbau- u. Metallarbeiter (Hirsch-Dunker) Ortsverein Schwerte. Statt besonderer Mitteilung. 4193 Dis Talen der„Einden und anderer Kreuzer. Preis 20 Pfennig. Vorrätig in der Buchhandlung CARL BRAUS SCHWERTE(RULIR), Gr. Marktstrasse 3—5. ist die Ein= hervorragendes Fachblatt seiner Art illustr. Jagdwochenschrift „SR. Wabenius“, Cöthen(Anhalt). Bringt gediegene Aufsätze über Jagd, SchießwesenHundezucht, Forstwirtschaft, Fischerei und Naturkunde. Großartiger Bilderschmuck::: Wertvolle Kunstbeilagen. Wirkungsvolles Anzeigenblatt. Bezugspreis 2.60 Mark für das Vierteljahr.— Jede Postanstalt und Buchhandlung nimmt Bestellungen entgegen.... = Probenummern vollständig kostenlos bitten zu verlangen „.... von dem Verlag des St. Hubersus„ (Paul Schettlers Erben, Gesellsch. m. b. H. = Cöthen(Anhalt)= für Eier, Wurst, Schokolade und Zigarren geeignet Preis O Pfg. und teuerer Buchhandlung CARL BRAUS Schwerte(Ruhr), Grosse Marktstrasse 3—5 des Roten Kreuzes(einschl. Familienausschussee) am Dienstag, den 14. September d. Is, nachmittags 5 Uhr im Stadtve ordneten=Sitzungssaale des neuen Rathauses. Um pünktliches und vollzähliges Erscheinen wird ersucht. Schwerte, den 9. September 1915. 4195 Der Bürgermeister: Kohrmann. Bekanntmachung. Diejenigen Eingesessenen des hiesigen Stadtbezirke, Heute nachmittag 5½ Uhr verschied nach längerem Leiden infolge Herzlähmung meine fürsorgl'che Mutter und meine liebe Schwester Trad Wuc. zonrer hoir. Thonkann, Lina geb. Bremke im Alter von 61 Jahren. 4192 Die trauernden Hinterbliebenen. Westhofen(Westf), den 8. September 1915. Die Beerdigung findet Samstag, den 11. September, nachmittags 4½ Uhr statt. Man bittet höflichst von Trauerbesuchen abzusehen. Ostenstrasse 20. = Blusenkragen= sind augenblicklich sehr begehrt. In modernen LeinenRips-, Batist-, Stickerei- und Spachtelkragen finden Sie bei mir hervorragend schöne Artikel. 8786 = Hamburger Engros-Lager OTTO MARX, Schwerte, Preistaf.... für Mehger und Kolonialwaren=Händler Vorrätig in der Schwerke(Ruhr) Gr. Marktstr. 3—5. nelche ———.u——— a—s Schinten im Durchschnittsgewicht von 12 Pfund zum Preise von 1,75 Mark für das Pfund kaufen wollen, werder ersucht, ihren Bedarf schriftlich oder mündlich bei der Schlachthof= Verwaltung hierselbst bis spätestens zum 10. d. Mis. nachmittags anzugeben. 4183 Schwerte, den 8. September 1915. und Flügel mit Klangsteg D. R. O. M. 458403. PlanOs muiehk Aanstchungen pinen 91 — Kgl. Preuß. Staatsmedaille— Jahresverk. über 1000 Instr. Lieferung direkt an Private auch gegen Raten von monatl. 20 Mark an. Preie Probelieferung. Katalog gratis und franko. Roth 8. J unlius Hüglfabrk 2. Fabis: Beris 8. 4a. Alteste u. größte Planofabrik des westfäl. Industriebez. ! Sovorkl Schaitmusenr 9 Alleinverkauf für Schwerte Kaufbaus Otte Marz 20. 190 Betanntmachung für den Landwehr-Bezirk II Dortmund. In Ausführung des Gesetzes vom 4. 9. 1915 wird gendes bestimmt: A) Unausgebildete Mannschaften. Sämtliche männlichen Personen, welche in der Jeit vom 8. September 1870 einschließlih bis zum 31. Dezember 1895 einschließlich geboren sind, die deutsche Reichsangehörigkeit besitzen und welche auf Grund des§ 15 des Reichsmilitärgesetzes, gan jeder weiteren Gestellung vor den Ersatzbehörden im „Hammonia 1befteit sind— das sind diesenigen Personen, welge den gelben Schein nach Muster 2 Wehrordnung besitzen—. Jgse,n Panße in der anfangs erwähnten Zeit geborenen unausgeoiten. uls sturmpflichtigen, soweit sie nicht zurückgestellt sine oder bei einer trüheren Musterung nicht die Entscheidung tauglich zum Dienst mit der Waffe ohne Waffe(kriegsgarnisonverwendungsfählg.) oder zu Arbeitszwecken(L o. W. A). erhalten haben. ich in der Zeit vom 13. September dis einschließlich 15. September 1915 bei der Ortsbehörde ihres Aufenthaltsortes zur Stammrolle anzumelden. B) Ausgebildete Mannschaften. Sämtliche ehemaligen Personen des Beurlaubsenstandes, welche am 8. September 1870 und später geboren sind und lweiche als douernd gornisondtenfunfotzz, eznschgezlsch sg. See tenber 1918 bes ihrer Konirolsele(Bezirkskommando Melde: (m, Arsegebesoähdigte aus den Kriegsahren 191415 sind von — der Anmelbung zur Stammrobe besret., umung mitzubringen. Sämtliche Militärpaxtere sind zur Anmeidung mitzubtrzeen Die Nichtbefolgung dieser Bekanntmachung wird nech Kriegsgesetzen streng bestraft. Corce verleiht jeder starken Dame eine gute Figur und sitzt bequem, auch in sehr weiten Nummern vorrätig. Otto Marx Schworte, ntenatr. 20 10 Ctr. Probe#ft 180. un Hoffmann Magdeburg 180, Kreuzg. F. Dortmund, den 9. September 1915. Königliches Bezirkskommando II. I„ vön kotte Sonntag. — Gute Nacht. Seht, dort steigt der Mond herauf, Zu beginnen seinen Lauf, Und die Blumen all im Rund, Neigen's Haupt zu dieser Stund', Und die Böglein schlafen schon, Längst verklang ihr süßer Ton. Gute Nacht, : Die Liebe Gottes wacht.: Horch, die Wellen selbst im Bach Lassen mit dem Rauschen nach, Auch die Fischlein schlafen all, Und das Vieh ist längst im Stall, Und das brave Kindelein Schlummert auch im Bettchen sein. Gute Nacht, Die Liebe Gottes wacht. Und im Schlaf zum braven Kind Kommt ein schöner Traum geschwind, Der erzählt vom Spiel so fein Unserm lieben Kindelein. Führt's hinaus in die Zeigt ihm Lämmlein auf der Flur. Gute Nacht, Die Liebe Gottes wacht. Alles schläft nun rings umher, Ich will auch nicht wachen mehr. Rings vernimmt man keinen Laut, Stille herrscht so lieb und traut. Nur mit wundersüßem Schall Singt im Hain die Nachtigall. Gute Nacht, Die Liebe Gottes wacht. 3 Aus Goethes Jugend. 1. Am 28. August 1749 mittags mit dem Glockenschlage zwölf kam ich in Frankfurt am Main zur Welt. Wenn man sich erinnern will, was uns in der frühesten Zeit der Jugend begegnet ist, so kommt man oft in den Fall, dasjenige, was wir von anderen gehört, mit dem zu verwechseln, was wir wirklich aus eigener anschauender Erfahrung besitzen. Ohne also hierüber eine genaue Untersuchung anzustellen, die ohnehin zu nichts führen kann, bin ich mir bewußt, daß wir in einem alten Hause wohnten, das eigentlich aus zwei durchgebrochenen Häusern bestand. Eine turmartige Treppe führte zu unzusammenhängenden Zimmern, und die Ungleichheit der Stockwerke war durch Stufen ausgeglichen. Für uns Kinder, eine jüngere Schwester und mich, war der liebste Raum der untere, weitläufige Hausflur, der neben der Tür ein großes, hölzernes Gitterwerk hatte, w durch man unmittelbar mit der Straße und der freien Lu,t in Verbindung kam. Einen solchen Begelbauer, mit dem viele Häuser versehen waren, nannte man ein Geräms. Die Frauen saßen darin, um zu nähen und zu stricken; die Köchin las ihren Salat; die Nachbarinnen besprachen sich von daher miteinander, und die Straßen gewannen dadurch in der guten Jahreszeit ein südliches Aussehen. Man fühlte sich frei, indem man mit dem Oeffentlichen vertraut war. So kamen auch durch diese Gerämse die Kinder mit den Nachbarn in Verbindung, und mich gewannen drei gegenüber wohnende Brüder von Ochsenstein, hinterlassene Söhne des verstorbenen Schultheißen, gar lieb und beschäftigten und neckten sich mit mir auf mancherlei Weise. 2. Die Meinigen erzählten gern allerlei Eulenspirgeleien, zu denen mich jene sonst ernsten und einsamen Männer angereizt. Ich führe nur einen von diesen Streichen an. Es war eben Topfmarkt gewesen, und man hatte nicht allein die Küche mit solchen Waren versorgt, sondern auch uns Kindern dergleichen Geschirr im kleinen zu spielender Beschäftigung eingekauft. An einem schönen Nachmittag, da alles ruhig im Hause war, trieb ich im Geräms mit meinen Schüsseln und Töpfen mein Wesen, und da weiter nichts dabei herauskommen wollte, warf ich ein Geschirr auf die Straße und freute mich, daß es so lustig zerbrach. Die von Ochsenstein, welche sahen, wie ich mich daran ergötzte, daß ich sogar fröhlich in die Händchen patschte, riefen: „Noch mehr!“ Ich säumte nicht, sogleich einen Topf und auf immerfort währendes Rufen:„Noch mehr!" nach und nach sämtliche Schüsselchen, Tiegelchen, Kännchen gegen das Pflaster zu schleudern. Meine Nachbarn fuhren fort, ihren Beifall zu bezeigen, und ich war höchlich froh, ihnen Vergnügen zu machen. Mein Vorrat aber war aufgezehrt, und sie riefen noch immer:„Noch mehr!“ Ich eilte daher stracks in die Küche und holte die irdenen Teller, die nun freilich im Zerbrechen noch ein lustigeres Schauspiel gaben. So lief ich hin und wieder, brachte einen Teller nach dem anderen, wie ich sie auf dem Topsbrett der Reihe nach erreichen konnte, und weil sich jene gar nicht zufrieden gaben, so stürzte ich alles, was ich von Geschirr erschleppen konnte, in gleiches Verderben. Erst später erschien jemand, zu hindern und zu wehren. Das Unglück war geschehen, und man hatte für soviel zerbrochene Töpferware wenigstens eine lustige Geschichte, an der sich besonders die schalkischen Urheber bis an ihr Lebensende ergötzten. Rechenaufgabe. Ein Kaufmann soll 120 Kilogramm Kaffee, das Kilogramm zu 2,45# liefern. Er hat eine Sorte zu 2,50 A und eine zu 2,10 K. Wieviel muß er von jeder Sorte nehmen, um ein Gemenge zu dem geforderten Preise zu erhalten? Auflösungen der Rätsel aus der vorigen„Kinderlaube“: Silben=Rätsel. Blücher=Gneisenau. Baden, Lilie, üni, Cornelius, Hebe, Eugen, Riviera, Grünau. Rätsel. Trappe, Truppe, Treppe. dn cstn 18 Min bunschiinn 3 S D 2 5 63— S S 3 S 6 g S S enntder! Amflicbes Kreisblatt für den Kreis börch 97. Jabrgang O Gün und ibeles Cgrzmam in belet. 0 Unterhaltungs=Beitage zu Nr. 212. Freilag, 10. September 1915. 4 Untter faticher Krres in ging häßliches Zucken hardts Gesicht. „Ah, liegt es so?“ rief er.„Dieser Malzyn hat es also richtig fertig gebracht, sich zurückzuziehen! Er lehnt es ab, Paul Volkhardts Tochter zu heiraten— oder die Tochter Paul ja schließlich auf dasselbe herausdu auch, was jetzt geschehen wird? sich die Mäuler über dich zerreißen. Sie werden ihre Herr von sein mag, Roman von M. Withe. (68. Fortsetzung.) über VolkK Creters, was kommt. Weißt Die Leute werden und über uns alle Beirachtungen darüber anstellen, warum Malzyn wohl zu dem Schluß gekommen daß du nicht gut genug für ihn bist. Und du wirst dadurch für alle Zukunft gesellschaftlich unmöglich gemacht werden. Es wird dasselbe Schauspiel sein, das wir erleben mußten, als dieser verdammte Narr Ristow die Nichtswürdigkeit beging, seine Versprechungen zu brechen.“ „Er hat nichts getan, was ihm zu verübeln gewesen wäre,“ erklärte Gerda mit Festigkeit.„Weder meine Mutter noch meine Schwester haben Rolf Ristow jemals wegen seines Verhaltens getadelt.“ „Weil ihr eben in euren törichten Vornehmheitsbegriffen befangen seid und keinen Blick für die Wirklichkeit habt, so wie sie nun einmal ist, und wie sie genommen werden muß! Ein bißchen gesunder Menschenverstand von seiten deiner Schwester, und Rolf Ristow würde von vornherein aus einer ganz anderen Tonart gepfiffen haben. Wenn mich deine Mutter und Angela nicht daran verhindert hätten, würde ich ihm gegenüber von Anfang an ganz andere Saiten aufgezogen haben.“ Um Gerdas Mundwinkel zuckte es verächtlich. „Hätte ihn Angela vielleicht auf Schalenersatz wegen gebrochenen Eheversprechens verklagen sollen? Ich glaubte immer, dies wäre ein Sonderrecht kleiner Theaterdamen und Verkäuserinnen.“ Volkhardt warf ihr einen giftigen Blick zu, aber er erwiderte nichts, und er hielt sie auch nicht länger zurück, als sie jetzt ihren Weg fortsezte und im Innern des Hauses verschwand. Es war eine merkwurdige Er cheinung und erfüllte ihn immer von neuem mit dem heftigsten Unwillen gegen sich selbst, daz er bei einem Wortwechsel mit seinen Töchtern, namentlich mit Gerda, regelmäßig den Kürze###en zog. Er konnte ihnen gegenüber niemals die Empfindung los werden, duß sie ihm in jeder Hinsicht überiegen seien, und s.in Selostbertrauen kam jedesmal höchst bedenklich (Nachdruck verboten.) ins Wanken, wenn er die klaren, reinen Augen der jungen Mädchen auf sich gerichtet sah. Er ärgerte sich dann wohl über die ausgezeichnete Erziehung, die er ihnen hatte zuteil werden lassen, weil er sich einreden wollte, daß es lediglich ihre gründlicheren Kenntnisse und ihre größere gesellschaftliche Gewandtheit seien, die ihnen diese unbequeme Ueberlegenheit verschafften. Daß es in Wahrheit nur die Ueberlegenheit und die unerschütterliche Sicherheit eines guten Gewissens waren, die sie so hoch über ihn erhoben, mochte er sich ja um keinen Preis eingestehen.. Während er dem jungen Mädchen mit einem ärgerlichen Brummen nachblickte, schalt er sie in der Stille seines Herzens ingrimmig eine eigensinnige Närrin. Er zwei elte nun nicht mehr daran, daß sie Malzyn die Wahrheit offenbart habe; denn es war offenbar, daß Malzyn sich von ihr losgesagt hatte, und daß sie seiber jede Hoftnung auf eine Vereinigung mit ihm aufgegeben. Und erst jetzt kam es ihm recht zum Bewußtsein, wie große Hoffnungen er selbst auf diese Verbindung gesetzt hatte, die ihm einen der gefährlichsten Gegner hatte vom Halse schaffen sollen. In dem Augenblick, da er seine Beziehungen zu Gerda endgültig gelöst hatte, war Malzyn ja viel mehr zu fürchten als je zuvor. Er hatte damit nicht nur seine volle Aktionsfreiheit zurückgewonnen, sondern es war auch höchst wahrscheinlich, daß sein Haß gegen Volkhardt=Creter nur noch ingrimmiger geworden war, weil er ihn jetzt auch für sein eigenes zerstörtes Lebensglück verantwortlich machte. Er ging tiefer in den Park hinein, und der Anblick des Gewächshauses, in dem das geheimnisvolle Attentat auf sein Leben verübt worden war, löste eine neue unangenehme Gedankenreihe in ihm aus. Die Furcht um seine persönliche Sicherheit, die durch die drohenden Briefe für turze Zeit zurückgedrängt worden war, schlich ihm auss neue eiskalt an das Herz. Die Verha tung Anita Giovannis war für ihn keine Beunruhigung; denn er glaubte nicht daran, daß sie die Schuldige gewesen sei. Sie mochte imstande sein, Licht in das Dunkel zu bringen; aber es war jedenfalls nicht ihre Hand gewesen, die sich gegen ihn erhoben hatte. Die Polizei hatte mit iyrem Mißgriff wahrscheinlich nur dazu beigetragen, daß der wirkliche Tater sich jetzt sicherer fühlen durfte denn je zuvor, und daß er vielleicht in diesem Aigenblick schon neue Pläne ausbrütete, die auf seine, Volkhardts, Vernichtung abzielten. Er sah seine Frau auf sich zukommen, und sie 1 — 2 St 5 S S 58 S 5 5 8— — 8"** 8 SS• 2 5 * hätle sicherlich keinen unglücklicheren Augenblick für eine Aussprache wählen können als gerade diesen. Sie mußte ihm die tiefe Mißstimmung vom Gesicht ablesen, aber sie sagte nichtsdestoweniger: „Ich habe den Wunsch, einige Worte mit dir zu reden, Paul!“„ 64 Mit einer brüsken Bewegung keyrte er sich ihr zu. Er sah, daß ihr Gesicht ebenso blaß und verhärmt war wie das Gerdas, und ein heißer Ingrimm stieg in seinem Innern auf. Was, zum Henker, war in diese Frauen gefahren, daß sie umherliefen wie lebendig gewordene Bilder des Kummers, während sie von Hunderttausenden um den Luxus und den Ueberfluß beneidet wurden, in dem sie dahinlebten. Worüber, in aller Welt, hatten sie sich denn eigentlich zu beklagen? Für ihre törichten Herzensgeschichten war er doch nicht verantwortlich, und in allem übrigen hatte er ihnen hundertmal mehr gewährt, als sie billigerweise von ihm hätten fordern dürfen. Warum nur mußten sie ihn fortwährend mit ihren Jammermienen langweilen und plagen? „Was ist denn nun schon wieder Schreckliches passiert!" rief er.„Lauft ihr nicht alle miteinander herum, als ob wir einen Leichnam im Hause versteckt hätten? Auf mein Wort, dies ist ein außerordentlich vergnüglicher Aufenthalt für einen abgearbeiteten Geschäftsmann, der sich ein bißchen Ruhe und Erholung gönnen möchte. Wenn du etwa die uosicht hast, einen Klagegesang über Gerdas Schicksal anzustimmen, so nauß ich mir das höflichst verbitten. Ich will kein Wort mehr von der Geschichte hören.“„..(autetg bie „Es handelt sich nicht um Gerba, kaulere die ruhige Erwiderung.„Es handelt sich um Anita Gio„Der Teufel soll sie holen! Es macht mich krank, ihren verwünschten Namen zu hören. Die Polizei hätte wahrhaftig etwas Gescheiteres tun können als sich mit diesem Mädchen zu befassen. Und was willst du mir noch über sie erzählen?.. z. miesicher Bam: „Ich weiß erst seit kurzem, wie ihr wirtlicher Name lautet. Als sie hierherkam, nannte sie sich lediglich Anita und war sehr zurückhaltend in den Angaben über ihre Persönlichkeit und ihre Verhältnisse.“ „Was? Sie wäre hierher gekommen?" fiel ihr Volkhardt mit dem Ausdruck höchster Ueberraschung ins Wort.„Hierher in mein Haus?“ „Ja, Paul! Gerda war es, die sie hierher brachte. Sie hatte das Mädchen in den Dünen gefunden, wo es sich vor den Nachstellungen zweier Männer zu verbergen suchte. Sie war in der Nacht vorher aus einem Hause entflohen, in dem sie gegen ihren Willen zurückgehalten wurde. Gerda hatte Mitleid mit ihr und erbat meinen Schutz für sie.“ Volkhardt vergaß über seiner Spannung, mehr zu erfahren, für einen Moment sogar seine üble Laune. Daß Anita Giovannis Tochter gerade hierher gekommen sein sollte, war jedenfalls für ihn mehr als erstaunlich. Die einzige Frage, die er im Augenblick an seine Frau zu richten wußte, war die, weshalb man ihm davon nicht schon viel früher Mitteilung gemacht habe. „Ich sah voraus, daß du dich darüber aufregen würdest, und ich hatte auch noch allerlei andere Gründe. Außerdem war ihr Aufenthalt nur von sehr kurzer Dauer. Sie war kaum eine Viertelstunde da, als sie auch schon unzweideutig zu erkennen gab, daß sie hier unmöglich länger bleiben könne. Sie begleitete die Baronin Wallberg, als diese sich bei ihrem Anblick sofort bereit erklärte, sie mit sich zu nehmen, und sie ist auf Schloß Wallberg geblieben, bis sie verhaftet wurde. Unter einer Anschuldigung verhaftet, die auch ich für den Gipfel der Lächerlichkeit halte. Du warst also mit dem Mädchen bereits bekannt, Paul?“ „Nein,“ protestierte er mit etwas verdächtiger Lebhaftigkeit.„Die Person ist mir vollständig fremd.“ „Wie aber ist es dann zu erklären, daß du ihr kein Fremder gewesen bist? Sie schien sich in unserm Hause ganz behaglich und glücklich zu fühlen bis zu dem Augenblick, wo ihr deine Photographie zu Gesicht kam. Der Anblick des Bildes aber erfüllte sie unverkennbar mit dem größten Entsetzen. Und ich zweifle nicht, daß sie nur aus diesem Grunde das Anerbieten der Baronin Wallberg so bereitwillig annahm. Als ich Gewißheit über ihre wahre Persönlichkeit erlangt hatte, schien mir dies Verhalten auch gar nicht mehr so unerklärlich. Einer meiner Freunde aus alten Tagen, der Giovanni hieß wie sie, vertor alle seine Habe durch die Praktiken eines Wucherers. Sollte dieser Wucherer vielleicht Paul Creter gewesen sein?“ „Soll ich mich etwa an den Namen jedes Narren erinnern, mit dem ich zu irgendeiner Zeit einmal geschäftlich zu tun hatte?“.. Erang##. „Das ist mir Antwort genug. Ich brauche keine weitere! Ich hätte sie mir ja auch schließlich selber geben können, ohne dir erst mit einer Frage lästig zu fallen. Es ist eben nur eine neue Last, die ich meiner bisherigen Bürde hinzuzufügen habe.“ Volkhardt kam über die Notwendigkeit hinweg, ihr antworten zu müssen; denn er hatte gesehen, daß ein Einspänner an dem Herrenhause vorfuhr, und er erkannte in dem kleinen Manne, der eilig aus dem Wagen sprang, sogleich den Rechtsanwalt Sebald. Er winkte ihm zu, um ihn auf sein Hiersein aufmerksam zu machen, und im nächsten Moment standen sich die beiden Verbündeten gegenüber. Mit einer eleganten Verbeugung hatte Sebald vor Frau Volkhardt seinen Hut gezogen, und als ein vollendeter Kavalier wandte er sich auch zuerst an sie mit einer Ent chuldigung. „Verzeihen Sie die Störung, gnädige Frau! Ich würde mir nicht erlaubt haben, Ihre Unterhaltung mit dem Herrn Gemahl zu unterbrechen, wenn nicht die geschäftliche Angelegenheit, die mich herführt, von sehr dringlicher Natur wäre." Frau Volkhardt hatte seine unterwürfige Verneigung nur mit einer kaum merklichen Kopfbewegung beantwortet. In dem Aussehen und in dem Benehmen des kleinen Mannes war etwas, daß sie aufs äußerste abstieß. „Bitte, ich will die Herren nicht in ihrer Aussprache behindern,“ sagte sie kalt, indem sie sich entfernte. Volkhardt aber nahm den Arm des Besuchers. „Lassen Sie uns ins Haus gehen! Wir können in meinem Arbeitszimmer besser miteinander reden als hier unter freiem Himmel.“ Sebald erhob keinen Einspruch, und während sie einige der fürstlich ausgestatteten Gemächer durchschritten, blickte er umher wie jemand, der sich im Geiste ebenfalls schon als den glücklichen Besitzer ähnlicher Herrlichkeiten sieht. Als sie das Arbeitszimmer des Hausherrn betreten hatten, griff er ohne weiteres in den offenstehenden Zigarrenkasten und betrachtete kritisch die herausgenommene Importe, ehe er sie bedächtig in Brand setzte. Ingrimmig hatte Paul Volkhardt seinem Beginnen zugesehen. „Recht so, verehrter Freund!“ sagte er mit beißendem Spott.„Tun Sie nur ganz so, als ob Sie hier zu Hause wären! Möchten Sie nicht vielleicht auch nach dem Diener klingeln und sich eine Flasche Champagner bringen lassen?“ (Fortsetzung folgt.) 5 5 M à Z S EE" B 3ETN : SSEES S S S 2 T 8.# ****—** S 5 S S S 2 S 2: 30 Je. S 55 3 □ Wenkspruchz. Selbst das Schweben in höheren Kreisen des Denkens spricht nicht los von der allgemeinen Verbindlichkeit, leine Zeit zu verstehen. Alles Höhere muß eingreisen wollen aut seine Weise in die unmitzel: bare Gegenwart, und wer wahrhaftig in jenem lebt, I.bi zugleich anod1 der letzteren; lebt' er auch nicht in dieser, so wäre dies der Beweis, dad si auch in jenem nicht leote, sondern in idm nur teäumte. Fichte. d2 Weggenossen. Erzählung von A. Heerdorf. (Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) Der Herbst kam ins Land und mit ihm ein rauher Wind. Als der Buchhalter eines Tages im Bureau erschien, hustete er heftig. Richard war besorgt, und er, der sonst des anderen Sparsamkeit ehrte, bat ihn, er möge doch einen Arzt um Rat fragen. Doch der Buchhalter lachte ihn aus und wollte nichts davon hören. Als er am anderen Tage im Bureau erschien, war der Husten schlimmer geworden, und sein Gesicht sah bleich aus. Trotzdem aber beharrte er im Geschät bis zum Schluß. Heute aber bestand Richard darauf, ihn nach seiner Wohnung zu begleiten, obwohl der Buchhalter durchaus nichts davon hören wollte. „Gehen Sie lieber arbeiten,“ mahnte er mehrmals. Doch Richard schüttelte den Kopf und ging neben dem alten Herrn weiter. Unterwegs begegnete ihnen eine Familie, die der Buchhalter kannte. Er sah ihnen verächtlich lächelnd nach.„Die haben sich auch sehr verändert. Früher gingen sie nie zur Kirche. Jetzt, seit ihnen ein Kind gestorben ist, finden sie mit einemmal hin.“ „Das ist ganz natürlich,“ entgegnete Richard unbefangen.„Sehen Sie, früher, als ich zu Hause war, ging ich auch nicht so sehr oft in die Kirche. Aber seit ich in der Fremde bin und Heimweh kennen lernte, gehe ich jeden Sonntag, und mir ist's immer in der Kirche, als ob ich dann meiner Heimat nicht mehr ganz so weit entfernt wäre.“ „Das ist erstens mal Unsinn bei Ihnen,“ sagte der Buchhalter,„und zweitens ganz etwas anderes. — Sie kommen ja früher oder später wieder nach Hause, die Leute aber haben ihr Kind für immer verloren.“ „Ach nein, das kann man auch anders auffassen,“ entgegnete Richard,„früher oder später sehen auch diese Leute ihr Kind wieder.“ Doch da ihnen jetzt ein eisiger Wind entgegenwehte, bat er den alten Herrn, nun nicht mehr zu sprechen, und dieser fügte sich. In der Wohnung angekommen, zwang Richard den alten Herrn mit sanfter Gewalt, sich ins Bett zu legen, bereitete ihm dann auf der Teemaschine Tee und blieb bis spät in die Nacht hinein bei ihm, ihm aus seinem Lieblingsbuche, dem Homer, vorlesend. Am anderen Tage, es war ein Sonntag, stand er zeitig auf, er dachte heute nicht an Kirchgehen, sondern sein erster Gang führte ihn zu dem Kranken. Er erschrak über die große Veränderung, die über Nacht mit seinem alten Freunde vorgegangen war. Dieser atmete mühsam und röchelnd, und sein Gesicht war eingefallen wie das eines Sterbenden. Als Richard, der sich am Abend zuvor den Korridorschlüssel mitgenommen hatte, bei ihm eintrat, flog ein erfreutes Lächeln über die eingefallenen Züge des Kranken. Er bat mit schwacher Stimme— das Sprechen tat ihm offenbar weh— um Wasser. Alles andere lehnte er ab. Richard reichte es ihm, bat ihn, sich zu schonen, legte ihm dann auf seinen Wunsch ein paar Kopfkissen unter, und tat das alles mit einer Sorgfalt, als sei er zum Krankenpfleger geboren. Dann griff er wieder zu des alten Herrn Lieblingsbuch, dem Homer, und las daraus vor. Manchmal lauschte der Kranke aufmerksam, manchmal schlummerte er, von dem Klang der weichen Stimme beruhigt, auf Augenblicke ein. Richard las bis zum Mittag vor, dann entschuldigte er sich, aufstehend, daß er jetzt zum Essen gehen müsse, und versprach, bald wiederzukommen. Er ging aber nicht in seinen Gasthof, sondern zum nächsten Arzt, den er dringend bat, bald zu Herrn Hartmann zu kommen. Auf dem Rückwege kaufte er sich ein paar Brötchen; die er auf der Treppe verzehrte, um so schnell wie möglich zu dem Kranken zurückzukehren. Der Arzt kam und stellte eine schwere Lungenentzündung fest. Sein Gesicht zeigte einen sehr bedenklichen Ausdruck, den der junge Mann verstand. Richard wich keine Nacht mehr von dem Lager des Freundes. Der Tag freilich fesselte ihn ins Bureau, aber in den Mittagspausen war er bei dem Kranken und eilte sofort nach Bureauschluß zu ihm. Er dachte nicht an sein Studium oder an Essen.“" Von dem Gelde, das er sich am Essen sparte, bezahlte er eine Frau, die am Tage öfter kam, nach dem Kranken zu sehen, obgleich dieser anfangs gar nicht damit einverstanden war und es nur auf Richards dringende Bitten duldete. Des Abends und nachts saß Richard an dem Bette des alten Mannes und las ihm vor. Manchmal schlummerte er dann selbst beim Vorlesen ein, den Kopf auf die Lehne des Bettes gelehnt; dann erwachte der Kranke, wenn die weiche Stimme verstummte, und betrachtete den jungen Schläfer neben sich lange und nachdenklich. Im Geschäft war natürlich die schwere Krankheit des alten Buchhalters bekannt geworden, und der Chef selbst besuchte seinen langjährigen alten Mitarbeiter. Und als er davon zurückkehrte, war sein Gesicht ernst, er trat auf Richard zu und sagte:„Ich habe gehört, wie treu Sié unseren alten Hartmann pflegen. Aber das halten Sie auf die Dauer nicht aus, Ihr Körper braucht auch Ruhe, und darum gebe ich Sie für so lange frei, wie unser alter Freund der Pflege bedarf— es wird wohl nicht mehr lange dauern.— Ihr Gehalt bekommen Sie selbstverständlich weitergezahlt.“ Nun wich Richard keinen Augenblick mehr von dem Lager des alten Herrn. Nur einmal schickte dieser ihn selber fort. „Bitte tun Sie mir einen Gefallen,“ sagte er mit schwacher Stimme.„Ich möchte mein Testament machen. Sie wissen ja, ich machte einige Ersparnisse für mein und anderer Begräbnis in Gotha. Wollen Sie so gut sein, mir einen Rechtsanwalt holen und, solange er hier ist, ein Stündchen spazierengehen! Die frische Luft wird Ihnen guttun.“ Richard erfüllte sofort den Wunsch des alten Herrn. Als er zurückkehrte, war alles vollendet, und ein Ausdruck stiller Freude lag auf dem Gesicht des Kranken. Doch war er sehr erschöpft, das Sprechen mußte ihn sehr angestrengt haben. Richard griff wieder zu den alten Dichtern. Er wußte, daß sein Vorlesen den Kranken beruhigte. (Schluß folgt.) Humor. Im anderen Sinn. Zwei Freunde stehen an einer Straßenecke und unterhalten sich. Ta geht eine nette, mütterlich aussehende Frau vorüber: Konrad grüßt sie und sagt dann zu seinem Freund:„Du glaubst nicht, Alfred, was ich dieser guten Frau alles schuldig bin!“ „So, ist es etwa deine Mutter?“ „Nein, meine Wirtin.“