0 ## Scamtm demer uben dand auder Feiertags. Bezugsprets##. Aadelich, dei der Post i: Bahtügen 42 Pla. wehr. Büdcheni. Gratebstlage:„Düustrerer Verbeabene. un. Seesenden Bechee Wüer deurne Neumn d. Pbe. wich is Plo, Relamszelle 40 Ptg. Joder Rabast gilt als Kasseruban unsen. Suangsergerchrn, grchl. dlapm c. Aobathund ematt. Sestimsesdene Nr. 208. Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Verbunden mit: für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Oplerbecker Zeitung Abnete Uoftsnähng Volksblas Schwerker Tageblatt S Schwerker Anzeiger Gelies und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis Bärde o Gaupt-Bunoncenblan Montag, den 6. September 1915. K ule dete und iheendtgriüchn Durnd aungen für den Arete Börbe erlongen gemis Betzanntnechung dei Abalglichen Buch Veröhentichne, ie dei„Schworen Zeitung" rochtsverbindliche Aroft.— Dde Sdworker Zeilung genährt deer Abenersun für jeben mit Ted enbroben Uajel ge. Aszunges E 300 Mk. Unfall. Druch u. Verlag v., Cori Brauz. Schwerte= Fernsp. 62. Telegr. Adr. Braus Schwerte= an gefall. v Ruhe 47. Jahrgang. Jialiener.— Riedertage der Verbundeten an ist Deutsche Tagesberichte. tb. Großes Hauptquartier, 4. Sept. 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Seneral=Feldmarschalls von Hindenburg. Der Brückenkopf von Friedrichstadt estern erstürmt. 37 Offiziere und 3325 Mann burden gefangen genommen und 5 Maschinen= jewehre erbeutet. Beiderseits der Wilia wiederholte der Feind eine ergebnislosen Angriffe. Er ließ außer einer ehr beträchtlichen Zahl von Toten und Vervundeten 800 Mann als Gefangene zurück. In und um Grodno fanden noch Kämpfe tatt. Während der Nacht gingen aber die RKussen, nachdem sie überall geschlagen waren, n östlicher Richtung zurück. Die Feslung mit sämtlichen Forts ist in unserm Besitz Der weichende Feind wird verfolgt 6 schwere Geschütze und 2700 Gesangene sind in unseren Händen geblieben Auch südlich von Grodno hat der Gegner die Stellung am Niemen geräumt. Zwischen der Swislocz=Mündung und der Gegend nol döstlich des Bialowieska-Forstes ist die Armre des Generals von Gallwitz im Angriff. Bislang sind 800 Gefangene gemacht Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Der Kampf um die Sumpfengen nördlich und nordöstlich von Prozana dauert an. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Der Feind hält noch den einen Brückenkopf bii Bereza=Karluska. Weiter südlich wurde der Gegner in der Richtung von Drohiczyn (60 km westlich von Pinsk) zurückgeworfen. tb. Großes Hauptquartier, 5. Sept. 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Oestliches Kriegsschauplatz Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Zwischen Friedrichstadt und Merecz ist die Lage unve ändert Oestlich von Grodno ist der Feind hinter en Kotra=Abschnitt(südlich von Jeziory) surückgewichen. Die Zahl der in den Kämpfen im Grodno gemachten Gefangenen hat sich auf über 3600 ethöht. Von Truppen der Armee des Generals v Gallwitz wurde bei und südlich von Mseidowo(südwestlich von Wolkowysk) der Gegner erneut geworfen, 520 Gefangene wurden eingebracht. Heeresgruppe des General=Feldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Der Austritt aus der Sumpfenge bei und südöstlich von Nowi Dwor(nördlich von Pruzana) ist erkämpft. Auch weiter nördlich sind Erfolge erzielt. 400 Gefangene wurden eingebracht und 3 Maschinengewehre erbeutet. Heeresgruppe des General=Feldmarschalls von Mackensen. Der Brückenkopf von Bereza Kartuska ist vom Feinde unter dem Druck unseres Angriffes geräumt. In der Gegend von Drohiczyn und südlich leistet der Gegner nochmals Widerstand; er wird weiter angegriffen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Armee des Generals Grafen Bothmer hat eine Reihe feindlicher Vorstellungen auf dem westlichen Sereth=Ufer erstürmt. Oberste Heeresleitung. —— Oesterreichische Tagesberichte. WTB Wien, 5. Sept.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 4. September mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Der Feind hat gestern an der ganzen Front zwi schen dem Dujestr und dem Südrande der großen Pripjetsümpfe heftigen Widerstand geleistet und die Stärke seiner Verteidigung wiederholt durch Gegenangriffe zu erhöhen versucht. Am unteren Sereth und zunächst der Mündung haben unsere Truppen unter zähen Kämpfen auf dem Ostufer des Flusses festen Fuß gefaßt. Sie entrissen dem Gegner die stark ausgebaute Stellung auf der Höhe Sloteria nordwestlich von Sinkow und brachten 2 Offiziere und 1400 Mann als Gefangene ein. Vor Tombowla und Tarnopol herrscht verhältnismäßig Ruhe. Nördlich Zalosce und östlich Brody durchbrach die Armee des Generals von Boehm=Ermolli die feindliche Linie an zahlreichen Punkten. Es wurden hier 6 russische Offiziere, unter ihnen ein Oberst, und 1200 Mann gefangen. In Wolhynien stehen unsere Trupven im Raume westlich von Dubno und bei Olyka im Kampfe. Der Widerstand der Russen ist noch nicht gebrochen. Bei den k. und k. Streitkräften nordöstlich von Pruzany trat keine einderung der Lage ein. Italienischer Kriegsschauplatz. Seit dem nutzlosen Angriff gegen die Hochfläche von Lavarone und auf den Tolmeiner Brückenkopf hat die Tätigkeit der Italiener sichtlich nachgelassen. Von den Artilleriekämpfen abgesehen. fand gestern nur vor dem Südteil des genannten Brückenkopfes ein nennenswertes Gesecht statt. Der Feind wurde, wie immer, abgewiesen. Das gleiche Schicksal hatte eine heute zeitlich früh im Dolomitener Gebiet von der Bödener Alpe gegen den Inichriedel geführter italienischer Angriff. bessarabischen Grenze brach vor unseren Hindernissen zusammen, wobei mehrere feindliche Bataillone zersprengt wurden. Östlich der Serethmündung drang der Feind unter gewohnter Vergendung seiner Menschenmassen in einen unserer Schützengraben ein, wurde aber im Kampfe von Mann gegen Mann zurückgeworfen, wobei er zahlreiche Tote und Gefangene in unserer Hand ließ. Westlich von Tarnopol erstürmten österreichisch=ungarische und deutsche Truppen ausgedehnte feindliche Verschanzungen. Auch bei Zaloszce nahmen wir einen russischen Stützpunkt. Östlich von Brody und in Wolhynien gewinnt unser Angriff langsam Raum. Die im Festungsdreieck kämpfenden k. u. k. Streitkräfte haben in den letzten Gefechtstagen u. a. 30 russische Offiziere und über 3000 Mann gefangen genommen. Auf dem Kloster Budzano, das sich in mitten der russischen Front am unteren Sereth befindet, weht seit einigen Tagen die Fahne mit dem Genfer Kreuz. Wenn schon von Haus aus nicht angenommen werden kann, daß ein Feld=Spital mitten in der Kampflinie eingerichtet ist, so ist in dem vorliegenden Fall festgestellt worden, daß die Russen das Kloster zu einem starken feldmäßigen Stützpunkt ausgestaltet haben. Es wird somit niemand erstaunen, wenn demnächst russische Berichte erzählen mögen, wir hätten das in Rede stehende Kloster trotz des Genfer Kreuzes unter Feuer genommen. Der Feind macht sich hier eines Mißbrauchs völkerrechtlicher Abmachungen schuldig, der unsere Gefechtsführung keineswegs beeinträchtigen darf. Italienischer Kriegsschauplatz. Gestern entwickelten die Italiener auf der Hochsläche von Doberdo eine erhöhte, aber ganz erfolglose Tätigkeit. Nach heftiger Beschießung einzelner Räume durch ihre Artillerie versuchten sie schon vormittags mehrere Vorstöße entlang der Straße westlich San Martino; alle wurden zurückgewiesen. Unsere Artillerie wirkte verheerend gegen den zurückflutenden Feind. Gegen Abend nahm das Geschützfeuer an Heftigkeit zu. Sodann folgten wieder vereinzelte Infanterie=Angriffe, die sämtlich unter großen Verlusten der Italiener scheiterten. In Südtirol wurden zwei feindliche Kompagnien, die unsere Posten in Marco angriffen, in die Flucht geschlagen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. WTB Wien, 8. Sept. Amtlich wird verlautbart vom 5. September mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Die Russen setzten unserem Vordringen in Ostgalizien und Wolhynien heftigen Widerstand entgegen. Ein russischer Angrisf an der Das Blulbad an den Dardanellen. Die englischen Verluste. Die letzten vier englischen Verlustlisten über die Dardanellenarmee ergeben der„Tribuna“ zufolge zusammengerechnet 13.057 Mannschaften und 475 Offiziere als Verluste von knapp 14 Tagen. 65000 Franzosen geopfert. Die radikal=sozialistische Partei der französischen Abgeordnetenkammer beschloß die Aufrollung der Dardanellenfrage in der Kammer. Die Anfrage der Parteien fordert von dem Kriegsminister Aufklärung über die Gerüchte, daß die Verluste der Franzosen vor den Dardauellen bisher 65 000 Mann be. tragen. Englisches U. Boot versenkt. WTB Konstantinopel, 6. Septbr. Das Hauptquartier teilt mit: Am 4. September brachten wir an den Dardanellen ein englisches U. Boot zum Sinken. Wie nahmen 3 Ofsiziere und 25 Mann gesangen. Vie orikle Kriegsanlecht elg in den Tagen d. die beiden Mehr noch als in ven Lugen, on die beiden ersten Kriegsanleihen zur Zeichnung aufgelegt nurden, hat sich die Erkenntnis von der Stärke der deutschen Volks= und Wirtschaftskraft vertieft. Elänzend hat die deutsche Volkswirtschaft über die Aushungerungspläne der Gegner triumphiert. Das Erscheinen der dritten Kriegsanleihe folgt dem Abschluß der Bilanz des ersten Kriegsjahres; und daß Deutschland sich einen ansehnlichen Gewinn auf neue Rechnung buchen konnte, wird sogar in Feindesland zugegeben. Die Feinde haben das Deutsche Reich wirtschaftlich isoliert, haben ihm den Weg über das Meer gesperrt und glaubten, mit der Behinderung des deutschen Außenhandels ihren wirksamsten Trumpf ausgespielt zu haben. Weit gefehlt. Die Produktionskraft des deutschen Wirtschaftslapitals wuchs unter dem Druck, der von außen gegen sie geübt wurde, und der Geist der Technik sorgte überall für Ersatz, wo der Feind verwundbare Stellen, durch Entziehung der Rohstoffzufuhr zu schaffen suchte. Eine Folge der gesunden Anpassung unserer ganzen Wirtschaftsweise an die Lebensbedingungen des Krieges sind die glänzenden Resultate der deutschen Kriegsanleihen. Keiner unserer Gegner kann sich eines auch wur annähernd ähnlichen Erfolges rühmen, wie ihn die deutsche Regierung mit ihren Emissionen erzielt hat. Und das ist zum Teil der Taktik der Feinde zu danken, die das deutsche Geld zwangen, im Lande zu bleiben. Während England viele Hunderte von Millionen an Amerika zu zahlen hat, lebt das Deutsche Reich ausschließlich von Produkten seines Bodens und seiner Fabriken. So blieb der Geldumlauf innerhalb der Landesgrenzen, und es war möglich, die Liquidität des eigenen Vermögens durch den Verkauf fremdländischer Wertpapiere ans Ausland noch zu keigern.„ 846, N 8 Die Bedingungen für den Erfolg der dritten Kriegsanleihe sind denkbar günstig. Die Industrie hat neue Bankguthaben angesammelt; die Banken verfügen über große Summen von Depositengeldern; bei den Sparkassen sind die Einlogen gewachsen und betragen fast 21 Milliarden Mark; und im Besitz des Publikums befinden sich noch immer, trotz dem dauernden Steigen des Goldvorrats bei der Reichsbank, Hunderte von Millionen Mark in Gold. Die Hauptsache aber ist, daß das deutsche Bos. Gm die sünfprozentige Reichsanleihe als sicherste und vorteilhafteste Kapitalsanlage ansieht, die ihm nur immer geboten werden kann. Darin unterscheidet sich die deutsche Auffassung von der unserer Gegner. Dort ein Opfer, das einen Riesenaufwand von Kunststücken erfordert, hier der zufriedene Erwerb eines ausgezeichneten Wertpapiers. Das deutsche Volk braucht kein Opfer zu bringen, um fünfprozentige Schuldverschreibungen des Reiches unter dem Parikurs zu kaufen. Dieses Mal handelt es sich um eine einheitliche Ausgabe von Schuldverschreibungen. Die beiden ersten Emissionen stellten Schatzanweisungen und Schuldverschreibungen zur Wahl. Es hat sich aber für die Schatzanweisungen im Ganzen nur um Bruchteile der Gesamtsumme(das erste Mal eine Milliarde; das zweite Mal 775 Millionen) gehandelt, da die große Mehrzahl der Zeichner offenbar größeren Vorteil in dem Papier mit längerer Geltungsdauer erblickt. Wenn man sichere fünf Prozent Zinsen bekommt, so ist es natürlich sehr erwünscht, sie möglichst lange zu haben. Für die Reichsfinanzverwaltung aber ist es wichtig, daß sie nicht durch bestimmte Rückzahlungsverpflichtungen zu nahe auseinander folgenden Terminen zu sehr überlastet wird. Unter solchen Umständen ist der Verzicht auf Schatzanweisungen leicht zu gewähren. Die fünfprozentigen Schuldverschreibungen sind seitens des Reichs bis zum 1. Oktober 1924 unkündbar, gewähren also 9 Jahre lang einen Zinsfuß von fünf Prozent und außerdem einen sicheren Kupitalgewinn von 1 Prozent, falls nach Ablauf der Unkündbarkeit der Zinsfuß herabgesetzt werden soll, da in diesem Falle die Anleihestücke auf Verlangen zum Kurs von 100 Prozent eingelöst werden. Daß die Reichsfinanzverwaltung sich entschließen durfte, den Ausgabepreis der dritten Kriogsanleihe zu erhöhen, nachdem schon die zweite Emission, zu 98½ Prozent, um 1 Prozent teurer war als die erste, ist der beste Beweis für die gute Aufnahm: der fünsprozentigen Schuldverschreibungen. Trotzdem ist auch der Preis der dritten Kriegsanleihe für den Zeichner ein ungemein günstiger. Ein Vergleich der gegenwärtigen Preise der vierprozentigen Papiere mit dem Zeichnungspreis der fünfprozentigen Reichsanleihe rechtfertigt die Erwartung, daß ein Ausgleich in der Verzinsung beider Anleihegruppen durch eine Steigerung des Kurses der Fünfprozentigen herbeigeführt werden wird. Man könnte einwenden, die Größe des Gesamtbetrages der Kriegsanleihen werde eine Erhöhung des Kurses hindern, da jeder Nachfrage immer reichliches Material zur Verfügung stehen würde. Dieser Einwand ist leicht zu widerlegen: wer fünfprozentige Reichsanleihe billig gekauft hat, hält sie fest. Denn niemand weiß, wie nach dem Kriege die Rente des gewerblichen Kapitals sein wird. Nur die fünf Prozent der Reichsanleihe sind sicher; alles andere ist zweifelhaft. Es versteht sich von selbst, daß die Unkündbarkeit bis 1924 nicht etwa gleichbedeutend ist mit Unverkäuflichkeit. Durch die Frist ist nur das Reich, nicht auch der Besitzer der Schuldverschreibungen gebunden. Diesem steht es, nachdem er die Anleihetitel erworben und bezahlt hat, frei, über sie jederzeit wie über ein beliebiges anderes Wertpapier zu verfügen; er kann sie verkaufen oder verpfänden. Diese Gewißheit nimmt dem Entschluß zur Zeichnung der Anleihe jede Schwierigkeit. Niemand braucht sich, wenn er Bedenken hat, er könne das Geld zu anderen Zwecken nötig haben, auf lange Zeit von seinen Barmitteln zu trennen. Aber solche Erwägungen sollten gar nicht in Frage kommen. Das deutsche Volk ist reich genug, um sich eine fünfprozentige Reichsanleihe als dauernde Kapitalsanlage zulegen zu können. Eines solchen Besitzes entäußert man sich nicht vor der Zeit, sondern hält an ihm fest, so lange wie die Gunst der Umstände es gestattet. Die Regierung ist, um die Anleihe zu einem wahren Volksbesitz zu machen, in den Zahlungsbedingungen so liberal wie möglich. Die Termine erstrecken sich dieses Mal über einen Zeitraum von drei Monaten (vom 18. Oktober 1915 bis 22. Januar 1916). Die überraschend schnelle Abwickelung der zweiten Kriegsanleihe(schon am ersten Einzahlungstermin waren statt 30% 67% bar erledigt) hat gezeigt, daß eine zu weite Dehnung der Zahlfristen(sie überspannten 4 Monate) nicht nötig ist. Mit drei Monaten kommt man reichlich aus, besonders wenn zwischen dem letzten Zeichnungs= und dem ersten Zahltag ein Raum von fast einem Monat liegt. Ein besonderes Entgegenkommen wird diesmal den kleinen Sparern erzeigt, damit auch sie an dem Nutzen einer so außergewöhnlich günstigen Rente teilnehmen können. Niemand soll sagen dürfen, er habe die Anleihe nicht zeichnen können, weil die Bedingungen seinen Besitzverhältnissen nicht entsprachen. Der kleinste Anteil beträgt 100 Mark; und die Mehrheit der Bevölkerung wird dieses kleine Kapital aufbringen können. Aber Die Cochter des Freiherrn. Roman von F. v. Nauenheim. selbst die 100 Mk. brauchen nicht gleich gezahlt zu werden. Während die beiden ersten Emissionen die Bedingung enthielten, daß Zeichnungen bis zu 1000 Mark am ersten Termin voll bezahlt werden mußten, braucht diesmal die Zahlung erst geleistet zu werden, wenn die Summe der fällig gewordenen Teilbeträge wenigstens 100 Mk. ergibt. Wer nur 100 Mk. zeichnen kann, braucht also erst am letzten Zahlungstage, dem 22. Januar 1916, zu zahlen. Wer 400 Mk. übernimmt, hat an jedem der vicn Zahltage 100 Mk. zu zahlen. Für die Zeichnungen sind 19 Tage vorgesehen. Das entspricht der Anordnung, die bei der zweiten Anleihe gegolten hat. Diese Zeit reicht aus, um einen Entschluß zu fassen, der um so leichter zu bemerkstelligen ist, als zunächst kein bares Geld gebraucht wird. Man kann also ganz ruhig auf die Zinsen= und Mieteingänge, auf die Gehälter und sonstigen Einnahmen, die erst am 1. Oktober fällig werden, warten, wie es denn überhaupt nicht nötig ist, daß Einer das Geld für den Erwerb der Reichsanleihe zu Haus liegen? ben muß. Die Sparkassen und Banken besorgen die Ueberweisung der von ihrer Kundschaft bei ihnen gezeichneten Anleihebeträge ohne weiteres aus dem Guthaben des einzelnen Auftraggebers. Ist in den Erfolg der dritten Kriegsänleihe auch nur der kleinste Zweifel zu setzen? Die Frage kann, ohne langes Ueberlegen, verneint werden. Auf die ersten beiden Anleihen sind rund 13.600 Millionen Mark gezahlt worden, und dieses Kapital wurde in Bewegung gesetzt, öhne daß der geringste Zwang ausgeübt wurde. Es versteht sich nun ganz von selbst, daß die Ueberschüsse des Volksvermögens aus Zinsen und Arbeitsvertrag nicht erschöpft sein können, weil ja die Kapitalserneuerung unausgesetzt vor sich geht. Es sammelt sich also immer neues Geld an, das Unterkunft sucht; und da es keine bessere Anlage gibt, als die fünfprozentige Reichsanleihe, so findet jede Emission bei ihrem Erscheinen eine schlagfertige Kapitalreserve vor. An die vaterländischen Pflichten des Volkes zu appellieren, sollte sich, angesichts des materiellen Nutzens, den der Ankauf von Kriegsanleihe gewährt, erübrigen. Die Zukunft der deutschen Wirtschaft, die Größe des Reiches, das Ansehen der Nation in der Welt hängen vom Erfolg des Krieges ab. Das Geld gehört zu den Waffen, mit denen wir siegen. Wer zur Geldrüstung des Reiches beiträgt, sorgt für den eigenen Besitz; denn jedes Privatvermögen wurzelt in der Finanzkraft und im Kredit des Reiches. Wer die Reichsanleihe zeichnet, steigert den Ertrag seines eigenen Sparkapitals und kräftigt das Ansehen und die Macht des Reiches, auf dem die Sicherheit der Schuldverschreibtungen ruht. Wer möchte es verantworten, eine solche Gelegenheit, dem Reich und sich zu dienen, ungenützt vorübergehen zu lassen! Dank dem ungünstigen Gelände merklich an Stoßkraft verloren habe. Zum russischen Rückzug bei Friedrichstadt. TU Kopenhagen, 6. Sept. Der russische Generalstabsbericht vom Sonnabend bestätigt den Rückzug bei Friedrichstadt, der unter dem Feuer der deutschen Artillerie stattgefunden habe. Der„Nußki Invalid“ ergänzt diese Meldung dahin, daß die hier operierenden Truppen jetzt die eigentliche Verteidigungsstellung von Riga bezogen hätten; noch sei keine Gefahr für Riga. Die Beute von Nowo=Georgiewsk. TU Graz, 6. Sept. Die„Grazer Tagespost“ meldet aus Warschau: Nach Meldungen hiesiger volnischer Blätter fand man in Nowo=Georgiewsk riesige Lebensmittelvorräte, die eine 100000 Mann zählende Besatzung anderthalb Jahre hätte ernähren können. Vor der Belagerung hatte man noch 12000 Ochsen und einige tausend Kühe in die Festung geschafft. Vor der Uebergabe wurden auf Befehl des russischen Kommandanten große Mengen Papiergeld verbrannt. Einigen Personen gelang es, aus den Behausungen noch ziemlich viele Tausendrubelscheine herauszuholen. Die Russen von den Türken in die Flucht geschlagen. WTB Konstantinopel, 6. Sept. Wie aus Erzerum gemeldet wird, versuchte der Feind nördlich von Araxes einen nächtlichen Überfall auf die türkischen Truppen. In kräftigem Gegenangriff wurden die Russen zurückgeschlagen und auf ihrer regellosen Flucht mit Bombenwürfen bis in ihre Verschanzungen verfolgt wobei sie große Verluste erlitten. 400 Nussen, die kürzlich gefangen genommen worden sind, sind in Siwas eingetrossen. schen Grenze bedeutende Truppenteile zusammen, gezogen und die dort befindlichen befestigten Orte eiligst instand gesetzt. Einigung aller Parteien Bulgariens. TU Chiasso, 6. Sept. Wie der Korrespondent des„Corriere della Sera“ in Bukarest unterm 30 August meldet, hat sich in Bulgarien eine völlige Einigung aller Parteien vollzogen. Selbst„Volia“. das Organ Genadiews, schreibt: Der Moment iu gekommen, wo die Zerfahrenheit der Parteien in der auswärtigen Politik aufhören muß, wenn wir nicht wollen, das andere bei uns befehlen. Gegenüber der Verzögerungspolitik von Athen und Nisch und angesichts der Langsamkeit des Vorgehens des Vierverbandes muß Bulgarien klar und energisch antworten, daß es die Lehren von 1913 nicht vergessen hat und daß es sich seine nationalen Nechte zu sichern wissen wird. Das vorsichtige Serbien. TU. Gens, 6. Sept. Der Pariser serbische Gesandte bestätigt, daß Serbien sich nicht entschließen könnte, auf ganz Mazedonien zu verzichten und irgend einen Teil des abzutretenden Gebietes sofort zu räumen. Ferner wünsche Serbien eine genaue Feststellung der ihm von den Verbündeten, falls sie siegen, zuzusprechenden Kompensationen. Der Krieg gegen Frankreich. Joffres Ossensive vorläufig zurückgestellt. TU Gens, 6. Sept. Dem italienischen Fachkritiker, Obersten Barone und auch den französischen Schriftstellern gegenüber erklärte Generalissimus Joffre, er sei von dem Plane und dem Prinzip einer immer noch möglichen Offensive zurückgekommen. Diese sei kaum durchführbar, ehe Deutschlands Pläne im Osten völlig ausgereift seien und eine Übersicht über die militärische Lage möglich sei. Gegen eine Teilnahme Japans am europäischen Kriege. TU Tokio, 8. Sept. Angesichts des neuerdings mit großer Bestimmtheit auftretenden Gerüchtes von der Entsendung eines großen japanischen Hilfs Deutschland und korps nach dem europäischen Kriegsschauplatze zeigt hauptstädtischen Der Krieg gegen Rubland. Kaiser=Telegramm zum Fall von Grodno. WTB Saarbrücken, 6. Sept. Der Kaiser hat an den Kronprinzen die Eroberung durch folgendes vom 3. September datiertes Telegramm bekannt gegeben: Mit Gottes gnädiger Hilfe ist die letzte große russische Festung unserer Grenze gegenüber in unserem Besitz. Grodno ist seit vergangener Nacht unser. Das Ende des russischen Rückzuges. TU Kopenhagen, 6. Sept. Der Londoner Korrespondent der„Berlingske Tidende" berichtet von Petersburzer Nachrichten, die das Ende des russischen Rückzuges ankündigten. In Petersburger Generalstabskreisen habe man die Londoner Korrespondenten ermächtigt, mitzuteilen, daß nach den nissischen Plänen jetzt jene Front erreicht sei, die festgehalten werden solle. Es sei auch festzustellen, daß die deutsche Offensive in den letzten Tagen die überwiegende Mehrheit der Presse wachsende Nervosität. Mit geringen Ausnahmen stehen alle Bevölkerungsschichten der japanischen Teilnahme am Weltkriege in diesem Stadium durchaus ablehnend gegenüber. Die Regierung wird über ihre Absichten interpelliert werden. Der Pariser japanische Botschafter, Baron Ishi, ist gestern abend nach Marseille abgereist, um sich dort nach Japan einzuschiffen. Die Meldungen über eine Reise des Botschafters nach London entbehren jeder Begründung. S Die Balkanstaaten. Bulgarien vor der Entscheidung. TU Wien, 6. Sept. Die„Neue Freie Presse“. meldet aus Sosia: Die Militärbehörde von Dedeagatsch hat angeordnet, daß die Straßen nicht beleuchtet werden dürfen. Die Stadt ist insolgedessen nachts in vollständige Finsternis gehüllt. Der Grund dafür ist, daß an mehreren Punkten schwere Batterien aufgestellt wurden, deren Stellungen geheim gehalten werden sollen. Bulgarien marschbereit. Zürich, 6. Sept. Schweizerische Blätter melden aus Nisch: Der„Dwenik“ verbreitet die Nachricht, daß die bulgarische Regierung sämtliche Grenzgarnisonen auf Kriegsstärke gebracht habe und auch andere Maßnahmen gegen Serbien vorbereite, wie die Zurückhaltung der zur Entlassung stehenden Reserveoffiziere und die Anlage von Feldbefestigungen. Budapest, 6. Sept. Die serbische Armeeleitung hat, wie„Az Est“ meldet, an der bulgariEntschädigung für„Lusitania“ und„Arabic“. Haag, 6. Sept.„Daily Telegraph“ meldet aus Washington, daß die Frage der Schadenersatzvergütung für die getöteten amerikanischen Bürger auf der„Lusitania“ und der„Arabic“ bald zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten ihre Löfung finden werde. Diesbezügliche Verhandlungen seien bereits eingeleitet worden. Wieder ein großer Passagier dampfer versenkt. TU Köln, 6. Septbr. Die„Köln. Volksztg.“ meldet aus Amsterdam: Der Dampfer„Hesperian“ (9599 Tonnen) der Allan=Linie, von Liverpool nach Montreal unterwegs, der 700 Fahrgäste und 259 Mann Besatzung an Bord hatte, ist in der Nähe des Fastnett=Felsens an der Südwest=Spitze Irlands torpediert worden. Eine Anzahl Fahrgäste, darunter 20 Verwundete, sind in Queenstown gelandet; drei Rettungsboote sollen umgeschlagen sein. Aus Stadt und Umgedung. Rückblicke aus den Weltkrieg. 6. September. Die französische Offensive.— Hindenburg gegen Rennenkampf. Ein Tag voll wichtiger Ereignisse. Der französische Obergeneral Joffre hielt nun endlich den Zeitpunkt für eine allgemeine französische Offensive für gekommen. Der entscheidende Befehl lautete:„Die Armeen Sarrail, de Langle, Foch und Franchet d’Espery werden auf der ganzen Front angreifen; die englische Armee südlich der Marne geht gegen die Rechte der Armee v. Kluck 54 „Mein Gott, wie traurig ist doch dies alles! Armes, teures Kind!“ Und Frau von Lionheart umarmte tief bewegt, Johanna, die dann ihren Bericht wieder aufnahm. „Als ich dann älter und mit den Johren auch klüger wurde, saß ich oft stundenlang stumm, nur mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt und sich hinschauend, in einem stillen dann wieder an der iite meiner tinvergessenen, süßen Mania sah, als sröhliches Kind, spielend und mich munter herumtummelnd, packte mich die Sehnsucht nach der Teueren in solchein Maße, daß ich die Arme weit ausbrettete und unter strömenden Tränen nach ihr rief; aber auch nach dem lieben Herrn Doktor sehnte ich mich oft stürmisch, ja, so seltsam es auch klingen mag, ich bilde mir immer ein, er müsse mit meinem mir doch völlig fremden Vater eine Aehnlichkeit haben, mit diesem Vater, der nach den Andeutungen der Tante meine arme Mama und mich im Stiche gelassen, um in einer andern fernen Welt dem Golde nachzujagen. Aber sehen Sie, gnädige Frau, so wenig ich an den Tod meiner Mama zu glauben verniag, ebensowenig kann ich eine Schlechtigkeit meines Vaters glauben, will vielmehr annehmen, daß er längst tot ist, obwohl mir dann Mamas Stillschweigen über diesen Punkt unbegreiflich erscheint, wie mir ja noch manches andere unverständlich ist. So kann ich mir zum Beispiel auch nicht zusammenreimen, wie man mir, wenn wir, wie die Tante immer sagt, doch arm sind, eine immerhin verhältnismäßig kostspielige Erziehung angedeihen lassen konnte, womit dann wieder im Widerspruch steht, Baß die Tante mich immer drängt, die Bewerbung eines Mannes, wie dieser Franz Lehner ist, anzunehmen. Um die Frau eines einfachen Landmannes zu werden, hätte ich doch wahrlich weder Französisch noch sonst etwas Besseres zu lernen brauchen. Sollte man mich übrigens im Ernst zu dieser oder einer anderen mir nicht zusagenden Heirat zwingen wollen, dann— gehe ich ganz einfach davon, um mir mein Brot selbst zu verdienen.“ schloß das Mädchen mit soviel Energie in Ton und Gebärde, daß man an der Aufrichtigkeit und Festigkeit ihres Entschlusses nicht zweifeln konnte:„Zuerst würde mich mein Weg natürlich nach Wien führen, um meine Mama ausfindig zu machen,“ setzte sie in gleicher Weise noch hinzu. „Ohne den Namen zu wissen?“ „Es wird freilich sehr schwer sein, unter mehr als zwei Millionen Menschen. Höchstens ein glücklicher Zufall könnte mich Straße und Haus wiedersinden lassen.„.I., Lte beinabe dab sie wisk. „Arme Kleine!I“ Fütrchte beinühe, buh fie Wilte lich nicht mehr lebt. Deine Mama.“ Johanna rang voll Verzweiflung die Hände. „Nein, nein, nur das nicht! Mein Gott, ich sallte im Ernst mein ganzes, langes Leben hier, in diesem entlegenen Weltwinkel, unter immer denselben Meuschen, ohne die mindeste Hoffnung auf Aeuderung meiner Verhältnisse, verbringen. Jetzt im Sommer geht es ja noch, aber wenn im Winter kingsum alles voll Schnee und Eis liegt— Sie haben noch keinen Winter hier, in Nordtirol zugebracht, gnädige Frau, dann vermeint man oft, sterben zu müssen vor Sehnsucht nach der strahlenden Soune, nach dem blauen Himmel, den duftenden Blumen, ach, und seit zwölf Jahren leben wir hier!“ Wild aufschluchzend, sank das arme Mädchen auf die Knie und barg den Kopf im Schöß der bis zu Tränen gerührten Dame. „Armes Herz! Kam denn nie semand zu Euch?“ „Seitdem wir hier leben, niemand.“. „Wieso hier? Lebte diese— Frau Redenbach denn nicht stets in diesem Dorf?“ „Nein, zuerst waren wir ganz wosanders, doch nur ein paar Monate, dann zog Tante hierher. „Kind, fasse Mut! Ich werde Dich nicht im Stich lassen. Möchtest Du vielleicht mit nür kommen?" „Mit Ihnen? O guter Gott! Und noch immer auf dem Moosboden knieend, faltete sie, selig lächelnd, die Hände. „Ich wohne seit dem Tod meines Gatten wieder ständig in meiner Heimatstadt München, besitze dort ein schönes Anwesen und bin heuer zum ersten Mal nach Nordtirol gekommen. Mein einziger Sohn Edgar ist in London verheiratet; mich aber zog es wieder heim, in die gemütliche Stadt an der Isar. Es würde Dir dort gefallen, Kind.“ „Ach, und Tante Kathi?“ „Memn Gott, könnte sie Dich im Ernst halten? Ich denke nicht. Ich werde überhaupt ein ernstes Wort mit ihr reden.“ „Ach, es wäre zu schön, um wahr zu werden,“ flüsterte Hanna, die Hände der gütigen Dame küssend, „Warum sollte es nicht wahr werden? Aber mim laß uns nach Hause gehen, Kind, und sei versichert, daß ich mein möglichstes tun werde, um Deine— sogenannte Taute für meinen Plan zu gewinnen. Und nin gib mir den Arm, Kleiue! So nenne ich Dich, inein liebes Kind, obwohl Du größer bist als ich,“ lachte Fräu vön Llonheart in heikerer Laune. 24. Kapitel. „Mein Gott, gnädige Frau, sehen Sie nur die vielen Meuschen vor unserm Hause! Da muß erwas geschehen sein.“, m#.####. Tatsächlich sah die, als bei## um die ucke bogen, von Hauna. aufmerksam gemachte Dame vor Iin Wohnhausse der Frau Redeubgch, eine lebhaft gestikulierende Menge, Und, als jemand die Näherkommenden gewahrte, eilte man ihnen entgegen. „Gott, welch ein Unglück, die arme Frau!“— „Ist sie tot?“—„Mausetot!“ So schwirrten die Rufe durcheinander und jedes drängte sich an Johaina heran, die, totenbleich und an allen Gliedern zitternd, sich an Frau von Lionheart anklammerte, währeid diese, obwohl selbst erschrocken, doch bemüht war, Näheres zu erfahren. „Die arme Frau! Sie hat wahrscheinlich, als sie von der Bodenstiege herabkam, einen Schwindelaufall erlitten, stürzte von der obersten Stufe herab und schlug mit dem Kopfe hart an einen Stein. Der Doktor hat gesagt, sie muß sofort tot gewesen sein. Man hat sie auf ihr Bett gelegt. Die arme Johgnna,“ schloß der Bauer, der diesen Bericht erstattet hatte;„nun hat sie keine Seele mehr auf der Welt!“ Obwohl Johanna überzeugt wär, daß Frau Redenbach nicht mit ihr verwandt sein konnte, stand sie nnn doch, durch deren jähen Tod tief erschüttert, vör der Leiche derjenigen, die jahrelang ihre Pflegerin und steis gut mit ihr gewesen. Wie hätte sie, als sie heute, lachend und voll Freude, mit Frau von Lionheart zusammen sein zu dürfen, von ihr gegangen war, denken können, daß sie die Tante Kathi lebend nicht mehr sehen sollte. „Arie Tänte Kathi, gern hätte ich Dich noch einmal gesprochen, Dir gedankt für Deine Liebe! Und vielleicht hättest Du in der Stunde Deines Todes auch den Schleier, der mein Leben umgibt, gelüftet. Nun ist keine Hoffnung mehr, daß dies jemals geschehen wird.“ Heiße Träuen flossen bei diesen Worten über des Mädchens Wangen. „Bei Gott ist nichts unmöglich und, wenn er diesen Mund für immer geschlossen, kann er Mittel und Wege finden, einen andern zu öffnen. Aber jetzt komm, Kind, es gibt nun genug zu ordnen! Man fand in der Hinterlassenschaft der so jäh dem Leden Entrissenen wohl eine für deren ärmliche Verhältnisse ja zielnlich große Geldstimme, aber weder ein Stück Papier, das irgendeinen Aufschluß über ihr verwandtschaftliches Verhältnis zu Johanna gegeben hätte, noch einen Brief oder sonst etwas Geschriebenes, das eine diesbezügliche Aufklärung hätte geben können. 227,16 Se Eahtver; die Armee Manoury geht nach dem Lutg vor und bedroht den Rücken uund die Verbindungslinien dieser Armee.“. Die deutschen Truppen hatten an diesem Tage Coulommiers und Provins erreicht. Mit diesem Tage beginnen die Schlachten zwischen der Marne und Aisne, die immerhin, wennschon nicht entscheidend und vernichtend, so doch von schwerwiegender Bedeutung für die deutschen Heere hätten werden können, wenn der angreifende Feind ganze Arbeit geleistet hätte, d. h. mit dem Nachdruck vorzegangen wäre, wie man das auf deutscher Seite gewöhnt ist.— Im Osten aber waren die Ruhetage der Armee Hindenburgs. vorüber. An diesem Tage begann der Abmarsch der deutschen Truppen gegen die russische Wilnaarmee, die unter dem Oberbefehl des Generals Rennenkampf stand; diese Armee lehnte sich mit dem rechten Flügel an Allenberg, mit dem linken an Angerburg(mit dem Mauersee), während in Gerdauen das Zentrum in stärkster Truppenansammlung lag. Gegen diese ganze Front setzte sich nun das deutsche Heer in Bewegung.— Während die Oesterreicher in ihrem Vordringen gegen die Russen bei Lemberg zwar erfolgreich waren, aber keinen derartigen Erfolg hatten, um Lemberg entsetzen zu können, erfochten sie an diesem Tage einen entscheidenden Sieg gegen die Serben bei Mitrowitza, der mit der Vernichtung der serbischen berühmten Timokdivision endete. Diese serbische Elitetruppe war über die Save auf österreichisches Gebiet vorgestoßen(westlich von Belgrad) und man hatte sie ruhig über den Fluß kommen lassen. Dann aber nahmen die Oesterreicher den Kampf auf, der bis zum späten Abend währte; es gelang, die Serben zu umzingeln, 5000 wurden gefangen, viele ertranken in der Save, die Timokdivision war aufgerieben. Uebrigens betonten die österreichischen Berichte cusdrücklich, daß die Serben sich sehr tapfer und ehrenvoll in dem elfstündigen Kampfe bewiesen, so daß es der heldenmütigen Ausdauer der Oesterreicher bedurfte, den Feind niederzuringen. *:(Billige Kartosseln.) Die Stadt läßt heute einen Waggon Früh=Kartoffeln(Juli=Nieren) am Güterbahnhof zum Verkauf bringen. Der Preis stellt sich auf 4 Mark für den Zentner. Die Abgabe erfolgt nur an Eingesessene der Stadt und nur gegen Vorloge der Brotkartenhülle. **(Dienst= und Beutepferde.) Wir kürzlich mitgeteilt wurde, werden die für den Heeresdienst nicht mehr brauchbaren Dienst= und Beutepferde den Landwirten zu mäßigen Taxpreisen überlassen. Auch für gewisse Handels= und Industriebetriebe sollen in dringenden Fällen solche Pferde abgegeben werden. Anträge auf Ueberlassung solcher Pferde sind lediglich an die Landwirtschaftskammer, nicht auch an das Landwirtschaftsministerium zu richten, und zwar von Handels= und Industriebetrieben durch Vermittelung der amlichen Handelsvertretungen. **(Erleichterung der Adoption von Kriegerwaisen.) Das sächsische Justizministerium hat den Vormundschaftsgerichten ans Herz gelegt, daran mitzuwirken, daß die Kriegerwaisen vor Not bewahrt und zu guten Staatsbürgern erzogen werden. Die Annahme von Kriegerwaisen an Kindesstatt soll möglichst erleichtert und deshalb gegebenenfalls Befreiung von dem erforderlichen Alter— Vollendung des 50. Lebensjahres des Annehmenden, der mindestens 18 Jahre älter sein muß als das Kind— gewährt werden. db(Milch= und Sahneverbot.) Ein Milch= und Sahneverbot, das in einschneidendster Weise in den Betrieb der Bäckereien und Konditoreien eingreift, hat der Bundesrat für ganz Deutschland beschlossen. Es handelt sich nicht nur um das Verbot der Verarbeitung von Schlagsahne, sondern um das Verbot, Milch sowohl wie Sahne in gewerblichen BeZeschnei die denie trieben zum Backen zu verwenden. Damit würde die gesamte Feinbäckerei so gut wie völlig lähmge legt sein, soweit nicht von den Landeszentralbehörden Ausnahmen bewilligt werden, was zeigelassen ist. Auf die Haushaltungen bezieht sich das Verbot nicht. **(Der eiserne FFünfer.) Der Bundesrat hat die Prägung von eisernen Fünfpfennigstücken arlzeordnet. Diese Bestimmung stellt nur eine Vorbeugungsmaßregel gegen den Mangel an Nickelmetall dar und fällt aus dem Rahmen unserer wirtschaftlichen Sparsamkeit, zu der uns der Krieg zwingt, nicht heraus. Trotzdem ist diese Maßregel geeignet, uns den Ernst der Zeit wieder ein Stück näher zu bringen, wie es die Brotmarken und andere äußere Zeichen taten. Leider leben noch viel zu viele gedankenlos in den Tag hinein, unberührt von den Schrecken des Kampfes, in dem unser Vaterland um sein Dasein ringt. Und uns allen. schadete es nicht, wenn wir bei diesem Anlaß zum Nachdenken angeregt werden. Eisernes Geld, eiserne Zeit! Wir werden an die eisernen Trauringe unserer Vorfahren erinnert, an die herrliche Opferfreudigkeit vor hundert Jahren. Gewiß unsere Zeit hat sich auch opferbereit gezeigt, aber von einem Verzicht auf das gewöhnte Wohlleben ist bei vielen noch nichts zu merken. Die eisernen Trauringe vom Jahre 1914 verdanken ihr Entstehen mehr einer Modeeitelkeit als der Bereitwilligkeit, zu entbehren. Hier können wir noch von unseren Vorfahren lernen. Das eiserne Geld wird vielleicht. den bei so vielen Wohlhabenden verachteten Fünfer wieder zu Ehren bringen und in den Oberflächlichsten die Erkenntnis von Geldeswert und aller Not der Zeit aufdämmern lassen. Eine Mahnung und ein Erzieher soll uns der eiserne Fünfer sein. **(Kriegsgefangene sollen nicht die Löhne drücken.) Der Landrat von Gumbinnen wandte sich in einer Bekanntmachung scharf zgegen die Erscheinung, daß unter dem Einfluß der KriegsgefangenenBeschäftigung den Landarbeitern die Löhne gekürzt und daß sie auch ganz entlassen wurden. Der Landrat von Heilsberg tadelt jetzt öffentlich, daß infblge der vermehrten Einstellung von Kriegszefangenen zu landwirtschaftlichen Arbeiten die einheimischen Arbeitskräfte zu den ländlichen Arbeiten weniger als sonst zugezogen worden seien, so daß sie häufig über mangelnden Verdienst berechtigte Klagen führten.: In der Verfügung wird darauf hingewiesen, daß die einheimischen Arbeitskräfte durch die Beschäftigung der weit billigeren Kriegsgefangenen durchaus nicht in ihren Bezügen geschmälert oder gar hanz außer Brot gesetzt werden dürften. Den Arbeitsstätten, bei denen dies der Fall sei, sollten die Kriegsgefangenen, sofort entzogen werden. **(Die Iulassung von Kraftfahrzeugen) nach dem 15. März d. J. ist nur aus Gründen des öffentlichen Interesses erfolgt. Diese Fahrzeuge dürfen daher nur zu den die Zulassung begründeten Zwecken benutzt werden, also nicht z. B. zur Beförderung von Familienangehörigen oder sonstigen Personen ohne Begleitung des Fahrtberechtigten, zu Vergnügungsfahrten und dergleichen. Bei mißbräuchlicher Benutzung von Kraftfahrzeugen hat der Besitzer des Fahrzeuges die Zurücknahme der Zulassung zu gewärtigen. **(Krieger=Begräbnis.) Unter außerordentlich zahlreicher Beteilitzung der hiesigen militärischen Vereine, Vertreter der Stadt und eines großen Trauergefolges wurde gestern nachmittag der in leiger Garnison beim Dienst tödlich verunglückte Kriegsfreiwillige Kanonier Paul Eickermann, Sohn des Anstreichermeisters E., zu Grabe getragen. Der traurige Unglücksfall findet umsomehr in der ganzen Bürgerschaft die herzlichste Teilnahme, als erst vor kurzer Zeit ein älterer Sohn der Familie E. den Heldentod fürs Vaterland igestorben ist. *(Jahresbericht der Volksbücherei für 1914.) Am 31. Dezember 1914 waren 3626 Bände vorhanden, 263 mehr als am gleichen Zeitpunkt des Vorjahres; dazu traten noch die 180 Bände der Kreisbücherei, so daß insgesamt 3806 Bände den Lesern am Jahresschlusse zur Verfügung standen. Benutzt wurde die Volksbücherei von 355 Lesern (220 Erwachsenen, 135 Jugendlichen). Aus Schwerte selbst stammten 332 Leser, aus der Umgegend 23. Da die Volksbücherei wagen des Krieges 4 Monate geschlossen war und jetzt nur noch Dienstags und Freitags nachmittags von 4—6 Uhr geöffnet ist, so ist die Benutzung sehr bedeutend herabgegangen. Gelesen wurden 6815 Bände(1913 waren es 9347). Die stärkste Benutzung fand die Bücherei im Januar (1101), März(983), Dezember(981). Ein handschriftlicher Nachtragskatalog liegt in der Bücherei zur gefälligen Benutzung aus. **(Die neue Kriegsanleihe.) Die„Nerdd. Allg. Itg.“ schreibt: Die Nervosität unserer Feinde über die dritte Kriegsanleihe zeitigt täglich groteskere Blüten. Ihre Informationen legen, um die Wichtigkeit und die Richtigkeit ihres Inhaltes zu dokumentieren, die kuriosesten Wege zurück, bis sie zu einem Neutralen gelangen. So erscheint im holländ.„Standard“ die Nachricht des englischen estnonnen und diesen aus Genf zugesandt wuede. Diese enthält die grausige Mär, daß die deutschen Handelskammern ihre Mitglieder pressen, ihre Angestellten, wenn sie nicht gutwillig zeichnen, dazu zu zwingen. Jede Firma sei angewiesen, die erforderlichen Einzahlungen auf die Rechnung ihrer Angestellten zu machen und diese durch ratenweise Abzahlung bezahlt zu machen. Die Erleichterungen für kleine Zeichner, die bei der englischen Anleihe als höchst geniale Erfindungen ausgegeben wurden, werden bei uns in ein Erpressungsmanöver umgedichtet. Wir möchten den Drahtziehern im feindlichen Lager etwas mehr Konsequenz in ihrer Journalistik anempfehlen, sonst verderben sie sich das Konzept für ihre nächste eigene Anleihe. **(Die leichtathletischen Wettkämpfe), die gestern nachmittag auf dem Schützenhofe zum Austrag gebracht wurden, hatten sich einer Beteiligung zu erfreuen, die alle Erwartungen übertraf. Trotz des nicht gerade einladenden Wetters hatte sich auch ein überaus zahlreiches Publikum zu dem hochinterssanten Schauspiel eingefunden und mit größter Spannung wurde dem Verlaufe der einzelnen Kämpfe gefolgt. Erst nach 7 Uhr war das reichhaltige Programm abgewickelt. Bei einer fidelen Nachfeier im Hotel Sternberg wurde dann später die Preisverteiluung vorgenommen. Wir werden auf die große sportliche Veranstaltung morgen näher eingehen. :“(Unfall.) Die Mahnung, keine Obstreste auf die Straße zu werfen, wird immer noch nicht genügend beachtet. Am Samstag vormittag kam in der Schulstraße eine ältere Frau infolge Ausgleitens crif einem Obstrest so unglücklich zu Fall; daß sie eine recht erhebliche Verletzung am HinterLepf davontrug. :: Sybucg, 6. Gept. GFlledex sc#btae Ein mit zwei Personen besetztes Flugzeug wurde am Samstag nochmittag wegen eines kleinen Motordefektes zu einer Notlandung unwelt der Reichsmark gezwungen. Der Schaden war aber bald repariert und nach kurzer Zeit konnte der Segler der Lüfte seine Reise wieder sortsetzen: ** Hennen, 6. Sept.(Das Eiserne Kiemz.) Der Wachtmeister Ernst Hillen, Sohn des Härtners Franz Hillen hier, erwarb sich durch hervorragzende Tapferkeit auf dem östlichen Kriegsschauplatz das Eiserne Kreuz. —— * Disteln, 4. Sept.(Eine Famillen= tragödie) ereignete sich hier in der Wilhelmstraße. Im Verlaufe ehelicher Streitigkeiten schoß der Arbeiter Sp. auf seine Frau mit einem Revolver. Die Anglückliche hrach, von vier Schüssen getroffen, zusammen und wär auf der Stelle tot. Der Täter wurde verhaftet und in das Gerichtsgefängnis eingeliefert. * Vonn, 4. Sept.(Lustmord.) Im benachbarten Buschhoven fand man dieser Tage in einem Felde die 14 Jahre alte Mechtildis Bürvenich mit schweren Kopfverletzungen und Stichwunden am Körper auf. Man brachte das Kind zur Vonner Klinik, wo es gestorben ist. Es ist offenbar ein Verbrechen an ihm verübt worden. Der Täter ist unbekannt. Landwirtschaftliche Kurse für Für die aus der Landwirtschaft stammenden Kriazsbeschädigten, die nach Maßgabe hrer Verletzungen nicht mehr in der Lage sind, den landwirtschaftlichen Beruf rein praktisch ausüben zu können und aus dem Militärdienst ausscheiden müssen oder schon ausgeschieden sind, will demnächst die Landwirtschaftskammer für die Provinz Westfalen besondere Unterrichtskurse einrichten, damit sie sich die Befähigung zur Uebernähme von Verwalter= und Aufseherstellen auf landwirtschaftlichen Gütern erwerben können. In den Ausbildungs= kursen sollen die Teilnehmer unter Vermeidung jeder ginnötigen theoretischen Belehrung durch Vertiefung des Verständnisses für die ptraktische Betätigung in der Landwirtschaft mit denjenigen Aufgaben vertraut gemacht werden, welche ihnen als mittlere oder untere Güterbeamte oder Aufseher in der Landwirtschaft obliegen. Der Unterricht enstreckt sich auf Ackerbau, Pflanzenbau, Tierzucht, Buchführung und Betriebslehre. Er erfolgt unentgeltlich. Nach Beendigung der Kurse wird die Landwirtschaftskammer im Verein mit dem Ausschuß für Kriegsbeschädigten=Fürsorge darauf bedacht nehmen, den Kursusteilnehmern, denen eine Besuchsbescheinigung ausgehändigt wird, anszemessene Stellung zu verschaffen:„Die Kurse sollen als zentrale Einrichtung für den Bereich der ganzen Provinz Westfalen gelten und an verschiedenen Winterschulen, zunächst in Münster, dinn nach Bedarf auch in Soest, Herford, Hagen usw. eingerich tet werden. Die Dauer der Kurse beträgt 4 Wochen und soll jeden Wochentag 5 Stunden in Anspruch nehmen. Anmeldungen sind Baldigst an die Landwirt= schaftskammer in Münster oder, sowett die Kriegsbeschädigten noch im Militärverhältnis stehen, an die zuständige Militärbehörde zu richten. Den Teilnehmern können zu den Unterhaltungskosten für die Dauer der Kurse Beihilfen bewilligt werden. Dieserhalb sind Gesuche beim Ausschuß für die Kriegsbeschädigten=Fürsorge in der Provinz Westfalen zu Mürster, Landeshaus, anzubringen. Verantidortlich füe die Redaction Feicde. Druk ei. Verlag non Carl Brone, beide in und O-DoöStaten. Mit Unkerstützung der Flottenleitung hat Otto von Gottberg seine Chronik der unvergänglichen Taten verfaßt, die in allen Zonen den Ruhm unserer Kriegs lagge erneuert haben. Er war an Bord unserer großen Panzerkreuzer, wenn bei Morgengrauen und Wachenwechsel der mit Frohlocken gesichtete Engländer näberkam. Er war Gast unserer tapferen U-Boot-Leute und erzählt von ihrem Leben im öltriefenden, engen Stahlraum, in Sturm und Wetter, Im Licht der Sonne, in der grünlich-blauen Meeresflut, Wie der kühne Admiral Graf Spee bei Coronelsiegte und dann bei den Falklandinseln mit seinen Söhnen kämpfend unterging, wie die„Karlsruhe“ im Atlantik, die„Emden“ im Stillen Ozean lüstig die Feinde Jagten, wie die kleine Schar der Ayesha“ segelnd bis nach Hodelds sich durchschlug, wie Goben“ und„Breslau“ im Mittelmeer und im Schwarzen Meer panischen Schrecken verbreiteten, wie die Schlacht um die Dardanellen töbte, das schildert Gottberg mit der sanzen Unmittelbarkeit eeines trischen Temperaments und seiner begeisternden Darstellungskraft. Dieses Heldenbuch der deutschen Marine wird ein Buch des ganzen deutschen Volkes sein. Im Krieg wie im Frieden stets volles Gewicht zum alten Preis! 1 Plund-Peket (Netto-Inhalt 500%gr) 65 Pig. IA gelchs-ahns 8# 63 PE. 5 Der neueste Band der Ulistein-Kriegsbücher Mark. 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Fischer) in Dortmund, Du warst so jung, du starbst so früh, Wer dich gekannt, vergißt dich nie. Samstag abend 9 Uhr entschliet sankt nach kurzem, schwerem Leiden unser liebes, einziges Töchterchen, Schwesterchen und Enkelrind .TTGUT im zarten Alter von 8 Jahren 7 Monaten. Dieses zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen Familie Ludwig Filthaus. Ergste, den 6 September 1915. 4135 Die Beerdigung findet Mittwoch, den 8. Sept., nachmittags 3 Uhr vom Sterbehause aus statt. Du warst so jung, du starbst so früh, Wer dich gekannt, vergisst dich nie. Du kehrst nicht zurück zu deinen Lieben, Du opfertest mit frohem Mut Fürs Vaterland deln Junges Blut. Ruhe sanft in Frieden, Beweint von deinen Lieben. Liebseuchenpolizeiliche Anoronung. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird au Grund des§ 18ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1009 (Reichsgesetzblatt S. 519) mit Ermächtigung des Herrn Regierungspräsidenten folgendes bestimmt; uegung 81. Mans. und Nachdem nach amtstierärztlicher Fesisteuung die maul= unt Klauenseuche unter dem Rin dviehbestande des Landwir### Neuhoff zu Löttringhausen abgeheilt und eine Neuerkrankung nicht vorgekommen, die Desinfektion vorschriftsmäßig ausgeführ und durch den Kreistierarzt abgenommen ist, gilt die Seuche ir Löttringhausen als erloschen. Die in meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 6. un 7. Juli er. angeordneten Schutzmaßregeln hebe ich daher mit auf. Hörde, den 2. September 1915. Der Landrat. J. B.: Dr. Burchard. 4138 Bekanntmachung. An der Güterabferligung des Bahnhofes hierselbst wird stadtseitig ein Waggon 8 Den Heldentod fürs Vaterland starb am 29. August mein innigtgeliebter unvergeßlicher Sohn, unser guter Bruder, Schwager und Onkel, der Gefreite Sämfder Berka Königs-Infanterie-Regiment 145, 6. Kompagnie im blühenden Alter von 25 jahren. Dieses zeigen an Die Helbetrübte Mutter und Geschwister. Schwerte, den 6. September 1915. 4136 klosseln (Julinieren) zum Preise von 4 Mark für den Zentner verkauft Die Abgabe erfolgt heute in der Zeit von 2 Uh mittags bis 7 Uhr abends in Mengen von einen halben und einem ganzen Zentner an hiesige Eingesessene gegen Vorzeigung der Brotkarten=Umhüllung. Behälte ist mitzubringen. 41 Sch'werte, den 6. September 1915. . Der Magistrat. Die Brotzusatzscheine der schwei arbeitenden Bevölkerung können hier in Empfang genommen werden. 4137 i. W., den 6. Sept. 1915. Der Amtmann. i. V. Gue, Beigeordneter. Lindchasse. in allen Größen empfiehlt 4140 L. Weinberg. n Zur Herstellung von Drucksachen aller Art empfehle ich meine mit modernen Maschinen und Schriften ausgestattete S Buch- und Kunstdruckerei ich liefere alle Arbeiten, von den einfachsten bis zu den keinsten, in tadellos sauberer Ausführung bei billigster Berechnung. Verlangen Sie Otferte oder den Besuch meines Vertreiers. Cal Braus, Schwerte(Kühr) Verlag der„Schwerter Zeitung“ Gr. Marktstr. 3—s. Fernspr. 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Von de Jahren, die der preußische Generalstabs. hauptmann als Reorganisator der türkischen Truppen am Bosp rus zubrachte, bis zur weiterbauenden Friedenstätig. keit nach der Ueberwindung Frankreichs stellt Janson da Lebenswer- des schweigsamen Gelehrten im Waffenrock dar. Mit energischer Klarheit zieht er die Nutzanwendung für die Gegenwart, für den Zweifronten Krieg, den Helmoth von Moltke ahnte, und in dem sein System der Mobilmachung, des Aufmarsches, des Losschlasens, sein unsterblicher Wille die deutschen Heere geführt hat. = Preis 1 Mark. Bachhandlung Carl Braus Schwerte, Grosse Marktstrasse 3—5. sowdie jugendliche Arbeiter für dauernde, lohnende Beschäftigung gesucht. Nickelwerk Schwerte. nur Eisbeine und Rippen, per Ptd. 6ö Pf. L. Weinberg. 4139 von 2 Zimmern, 1. Etage, sofort oder später zu vermieten. 4132 Bechenkamp Nr. 3. Guterhaltener zu verkaufen. 4181 Strack, Hüsingsr. 16. Innbeisen billig abzugeben. „Schwerier Zeitung“. Bekanntmachung Gemäß§ 6a, 47, 48d und 49d der Bundesratsverordnung vom 28. Juni 1915— Reichsgesetzblatt S. 363ff.— wird für den Landkreis Hörde folgendes angeordnet: den 81. Als Selbstversorger werden nur diejenigen Unternehmer landwirtschaftlicher Betriebe zugelassen, die den Nachweis erbringen, daß sie mit ihren Vorräten zu ihrer eigenen Beköstigung und derjenigen der von ihnen versorgten Angehörigen (§ 6 Abs. 1 a der eingangs erwähnten Verordnung vom 28 Juni 1915) innerhalb des gesetzlich zulässigen Rahmens mindestens 6 Monate, also bis zum 15. Februar 1916, reichen. Anträge auf Zulassung als Selbstversorger sind spätestens bis zum 15. September 1915 bei der zuständigen Ortspolizeibehörde anzubringen. Später eingehende Anträge können nicht Nach Eingang des Antrages setzt die Ortspolizeibehörde die Selbstversorgungszeit und die den Selbstoersorgern freigegebene Kornmenge fest und benachrichtigt den Antragsteller Der Uebertritt eines Selbstversorgers zur versorgungsberechtigten Bevölkerung findet nur dann statt, wenn die festgesetzte Selbstversorgungszeit abgelaufen ist. Die Mühlen einschl. der Privatschrotmühlen dürfen künstighin Brotkorn von Seldstversorgern nur noch gegen Mahlkarten mahlen. 88 Jeder Selbstversorger hat sich. bevor er Getreide mahlen läßt, von der zuständigen Ortspolizeibehörde eine Bescheinigung (Mahlkarte) geben zu lassen, die die Erlaubnis enthält, eine bestimmte Menge bestimmter Kornart in einer bestimmten Mühle — Diese Mahlkarten werden nur im Nahmen der den Selbstversorgern gesetzlich zu belassenen und nur für diejenigen Mengen ausgestellt, die, vom Tage der Antragstellung gerechnet, dis zum Adlauf desjenigen Monats verbraucht werden können, der auf den Monat folgt, in dem der Antrag gestellt ist Der Müller hat jedesmal auf der Mahlkarte zu bescheinigen. wieviel an Korn auf Grund der erteilten Erlaubnis ausBei der Venutzung von Privatschrotmühlen ist eine entsprechende Eintragung auf der Mahlkarte von dem Inhaber der Karte vorzunehmen. Bei der Beantragung einer neuen Mahlkarte ist die alte Mahlkarte zurückzugeben. Die Mahlkarten sind nicht überDie Ortspolizeibehörden haben eine fortlaufende Kontrolle über die ausgestellten Mahlkarten unter Aufführung der Mahlkarteninhaber, der Zahl der von ihnen versorgten Personen, der Gesamtmenge, die sie aus ihren Vorräten verbrauchen dürsen und der Menge und der Zeit, für die die Erlaubnis gilt, zu führen. Auf Grund dieser Kontrolle sind die Vorräte der Selbstversorger einer regelmäßigen Stichprobe durch die Polizeiexekuttvbeamten daraufhin zu unterziehen, ob nicht mehr vermahlen ist als durch die Mahlkarten gestattet war. § 4. Die Privatschrotmühlen werden im allgemeinen nicht geschlossen. Sollte jedoch ein im Besitze solcher Mühle defindlicher Selbstversorger sich in Bezug auf den Verbrauch des Brotgetreides als unzuverlässig erweisen, so ist die Polizeidehörde befugt. die Privatschrotmühle des Betreffenden unter Bleiverschluß zu legen. Die Unternehmer der landwirtschaftlichen Betriebe sind verpflichtet, von den der polizetlichen Meldepflicht unterliegenden Veränderungen im Personalstande ihres Wirtschaftsbetriedes der zuständigen Ortspolizeibehörde unverzüglich Anzeige zu erBeim Abgang von Personen darf pur der zustehende Anlell an Getreide vermahlen werden; die Mahlkarle ist durch die Ortspolizeibehörde hinsichtlich der Gewichtsmenge sofort berichtigen zu lassen. Die zur Wirtschaft des Unternehmers gehörigen Personen dürfen, soweit Getreide für sie vorbehalten wird, außerdem Brotzettel weder emofangen noch verwerten. Ausgenommen hiervon sind zur Ernte angenommene, vorübergehend beschäftigte weidliche oder männliche Hilfskräfte. 8 7 Der Vorsitzende des Kreisausschusses kann die noch etwa erforderlichen Ausführungsbestimmungen zu dieser Verordnung erlassen. 3 8 Wer diesen Arordnungen zuwiderhandelt, wird gemäß 8 57 der eingangs erwähnten Verordnung mit Gesängnis dis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe dis zu 1600 Mark bestraft. § 9. Diese Anordnung kritt mit dem Tage der Verkündigung in Kraft. Hörde, den 26 August 19.5. Der Kreisausschuß des Landkreises Hörde. Genehmigt. Arnsb.rg. den 30. August 1913. (L.S.) Der Regierungspräsidenk. gez. v. Bahe. I. 15 Nr. 2124. S S Dgs S 8• SSTSTSS * 99— n 10—* 85 S 58 33 7 * 112*. COrgn FOn“ S L S SSESSSE Ta STam S Sxsg SESS — 958—. Ons Aber zu seiner unendlichen Erleichterung ließ der Chef kein Wort über das nicht vollendete Pensum fallen, sondern sagte ihm im Gegenteil über sein sorgfältiges Arbeiten einige Worte der Aufmunterung. Unwillkürlich flog ein dankbarer Blick des jungen Mannes zu dem alten Buchhalter hinüber, der aber saß mit seinem verschlossenen und streugen Gesicht an seinem Pult, als existiere seine ganze Umgebung nicht für ihn. Richard Wendorf begann sich allmählich einzuleben. Es war nicht zu leugnen, daß ihm die Kontortätigkeit anfangs nicht leicht fiel; aber er war von ängstlicher Gewissenhaftigkeit und arbeitete fleißiger als alle seine Kollegen an seinem Pulte, so daß er bald das von ihm verlangte Pensum leisten konnte. Freilich kam es doch noch manchmal vor, daß er in besonders schwierigen Fragen nicht ein noch aus wußte, und aus den flüchtigen Erklärungen seiner jüngeren Kollegen nicht recht klug wurde. Und dann war es sonderbar, daß er sich schüchtern und doch vertrauensvoll mit der Bitte um Rat an den alten Buchhalter wandte, dem die anderen doch alle gern aus dem Wege gingen, und daß dieser ihm dann stets mit großer Ausführlichkeit alles Denn es war merkwürdig, zwischen den jüngeren Kollegen und dem Neuling konnte ein richtig wärmerer Anschluß nicht stattfinden. Richard Wendorf besaß eine ebenso angeborene wie anerzogene Feinheit des Benehnens, war gegen alle freundlich und bescheiden und stets mit Freuden bereit, ihnen irgendeine Gefälligkeit zu erweisen, und sie hatten ihn auch ganz gern dafür. Man mußte ihn ja auch gern haben, schon um seines offenen, vertrauensvollen Blickes willen, der wie aus weiter Ferne zu kommen schien. Trotzdem— ein rechtes Nähertreten kam nicht zustande.„Er ist wirklich noch ein richtiges Kind,“ meinte einer der jungen Angestellten, ein flotter junger Mann, der den Spitznamen 1„ H e r z e n s b r e c h e r" t r u g, v o n R i c h a r d. U n d d i e a n d e r n simmten ihm zu. Ja, er war ein richtiges Kind; sie wußten “ mit ihm nichts Rechtes anzufangen, obgleich sie ihn ja alle leiden mochten. Aber es war, als ob er auf ganz anderem Boden stände als sie; es war gut für Richard, daß sie meinten, es sei der Boden der Kinderstube. Manchmal spotteten sie ein wenig über ihn und seine Kindlichkeit. Er nahm es ihnen gar nicht übel, sondern lachte ganz harmlos mit; aber gerade an dieser Harmlosigkeit prallten alle ihre Versuche, ihn seiner Abg.schlossenheit abspenstig zu machen und ihn ein wenig„ins Leben“ einzuführen, vollständig ab. (Fortsetzung folgt.) Denkspruch. Denn einst, mein Volk, wir müisen's noch enringen. Daß wir be itzen, wo wir obgesi gt. Urd einmal endlich muß es doch gelingen, Dat rudig uns die W.lt zu Füßen liegt. Johann Georg Fischer. V Iie uolern Souuen. Oi..i.i.i.i.. Pramien für treue Dienstooten. Wenn heute so bäufig über den Tienstbotenwechsel geklagt wird, so fehlt es doch auch nicht an Beispielen, in denen die alte„Dienstbotentreue" sich auch in unseren Tagen noch vollauf bewährt hat. Marie Heller, die der Dienstbotenfrage in der Frauenbeilage der„Gartenlaube“ eine interessante Studie widmet, teilt darin sehr bemerkenswerte Zahlen über die Verleihungen von Auszeichnungen an treue Dienstboten durch deutsche Fürstinnen mit. So hat die deutsche Kaiserin in den letzten 10 Jahren an nicht weniger als 2272 Dienstboten für 40jährige ununterbrochene Dienstzeit bei derselben Herrschaft das goldene Dienstbotenkreuz, nebst einem von ihr selbst unterzeichneten Tiplom, verliehen. Während desselben Zeitraumes hat die Königin von Württemberg.585mal das Tienstbotenehrenzeichen mit dem Reliefbild der Stifterin dieser Auszeichnung, der Königin Olga, und einem Diplom, an treue Dienstboten verteilt, und zwar 520 für 25jährige Dienstzeit in derselben Familie das silberne Kreuz, und 65 mal für 50jährige Tienstzeit das silbervergoldete Kreuz. Auch die Großherzogin von Hessen hat seit 1904 an 281 Dienstboten für 25 Tienstjahre das goldene Kreuz, und an 65 für 40—50 Dienstjahre das goldene Kreuz mit Brillanten verliehen. Einen Rekord in der Länge der Dienstzeit hat aber das Großherzogtum Baden aufgestellt; denn die Großherzogin Luise, die im Jahre 1876 eine Stiftung zur Verleihung besonderer Auszeichnungen für treue Dienstboten ins Leben rief und das Vorschlagsrecht für diese Auszeichnung dem von ihr gegründeten Badischen Frauenverein übertrug, hat seitdem in 2015 Fällen für mehr als 25 bis zu 40 Dienstjahren das silberne Kreuz, in 374 Fällen für mehr als 40 bis zu 50 Dienstjahren das silbervergoldete Kreuz mit Kranz, und in 6 Fällen für 69 Dienstjahre und darüber das silbervergoldete Kreuz mit Kranz und der Zahl 60 verliehen. Aber selbst diese Zahl wird durch einige Einzelfälle, die bekannt geworden sind, übertroffen. So feierte beispielsweise am 8. Februar 1914 die Haushälterin Gertrud Finkamp in der Familie des Rentiers Franz Froitzheim in Bedburg bei Tüseldorf ihr 75jähriges Dienstjubiläum. Und in Wien beging am 19. Juli 1913 das Dienstmädchen Anna Stiaßny, die 80 Jahre lang bei derselben Familie im Dienst gestanden hatte, ihren hundertsten Geburtstag. Zu dieser seltenen Feier übersandte ihr der Papst sein Bild und seinen Segen, und König Ludwig III. von Bayern ließ ihr die Medaille des Verdienstordens vom heiligen Michael in feierlicher Weise überreichen. Humor. Zu teuer. Der junge Mann hatte einen Taxameter genommen, um seiner Angebeteten ungestört eine Liebeserklärung machen zu können, und schloß seine Rede mit den Worten:„Und nun, Geliebte, sage ja und mache mich zum Glücklichsten der Sterblichen.“ „Gib mir Zeit zur Ueberlegung,“ bat sie. Und er rief erschrocken:„Um Himmels willen, nicht hier! Das wäre zu kostspielig!“ * Nicht verlegen.„Aber, Ernst,“ sagte die teure Gattin,„ich denke, du bist gestern auf der Entenjagd gewesen?“ „War ich auch.“ „Wie kannst du nur so schwindeln; du hast ja zahme Enten nach Hause gebracht.“ „Ja, ich habe sie erst gezähmt, ehe ich schoß.“ * Liebenswürdige Frage. N.:„In unserem Kegelklub sind ein Paar schrecklich langweiliger Brüder.“ X.:„So? Wer ist denn der andere?“ u 71..** Amfliches Kreisblaft für den Kreis börc: 97. Juirgang 0 Unterbaitungs=Beilage zu Nr. 208 Montag, 6. Sepsember 1915. Uhtter faticher Fiahh Roman von M. Withe. (64. Fortsetzung.) un zuckte auch um die Lippen des weiß#24# bärtigen Geheimpolizisten ein sarkasti„Ich weiß nicht, ob der Vergleich 7 X)GFd sehr glücklich gewählt ist, Verehrtester.“ Sie haben recht— er ist es vielG leicht nicht. Es gab Tage, da ich und meine Freunde Ihnen als scharfe und hoffentlich recht unbequeme Gegner gegenüberstanden. Tage, wo wir jeden Augenblick darauf gesaßt sein mußten, ins Gefängnis zu wandern oder zum Zwecke der Füsilierung vor eine Mauer gestellt zu werden. Aber Sie werden mir bereitwillig zugeben, daß wir ehrenwerte Feinde waren. Und darum werden Sie mir auch glauben, was ich soeben über die Schuld. osigkeit des jungen Mädchens sagte.“ „Es kommt nicht darauf an, was ich persönlich glaube oder nicht glaube. Die junge Dame kann schuldlos oder auch schuldig sein. Vielleicht soll sie auch nur den Köder bilden, der den Fisch, auf den es ankommt, an den Angelhaken lockt.“ „Aber in welche Angelegenheit soll sie denn eigentlich verwickelt sein? Sie hat doch keine politischen Interessen, ganz abgesehen davon, daß jene politischen Kämpfe, in denen wir einander einst gegenüberstanden, überhaupt schon beinahe der Vergessenheit eugeperen, dest sich nicht um Politik, sond „Es handelt sich nicht um Pollni, sTnvern es handelt sich um den Zujammenhang zwischen dem Mordanschlag auf einen gewisen Volkhardt und gewissen früheren Geschehnissen, die noch immer ihrer Aufklärung harren. Um diesem Zusammenhang zuspüren, wurde ich nach Deutschland geschickt, und ich operiere selbstverständlich im vollen Einverständnis mit den deutschen Behörden. Die erste Spur, auf die ich gleich nach meinem Cintreffen stieß, war die des Signor Naldini.“ geit“... h mah Bei welcher Gelegenheu Sie aber ooch wöhl zugleich erfahren haben, daß der arme Bursche den Verstand verloren hat und sich in gutem Gewahrsam befindet.“ „Daß er sich darin befand, wollen Sie sagen,“ erwiderte Tosca mit mertlicher Schärfe. In diesem Augenblick weiß niemand, wo er sich befindet. Und nachdem ich mir das sogenannte Sanatorium angesehen habe, in dem er bieher verwahrt wurde, halte ich es für sehr wohl denkbar, daß seine diesmalis## Flucht nicht den ersten gelungenen Versuch darsteilt, sich für kürzere oder längere Zeit die Freiheit wieder (Nachdruck verboten.) zu verschaffen. Es wird mir nicht sehr schwer fallendarüber in kürzester Zeit volle Gewißheit zu erhalten: Nun geben Sie acht, Signore! Zuerst höre ich, daß Maldini noch am Leben ist und sich in der hiesigen Gegend befand, als die Tat geschah. Dann erfahre ich weiter, daß die Tochter der verstorbenen Madame Giovanni sich ihren Levensunterhalt durch gewisse öffentliche Schaustellungen erwirbt, die wegen ihrer besonderen Natur für mich wohl von außerordentlichem Interesse sein müssen. Und endlich habe ich das Vergnügen, Sie an demselben Orte mit diesem jungen Mädchen anzutreffen— von Signor Eiovanni gar nicht zu reden.“ „Ah, ich nehme alles zurück, was ich vorhin von einer Abnahme Ihres Witzes gesagt habe! Wenn Sie auch das schon ausgekundschaftet haben, müssen Sie doch wohl noch der Fuchs von ehedem sein. Sie haben Giovanni überrumpelt?“ 9 „Ich bedaure, Ihnen auf diese Fruge keine Anrwoit geben zu können. Jedenfalls werden Sie es begreiflich finden, wenn ich nach den erwähnten Feststellungen den Augenblick zum Handeln nunmehr für gekommen halte!“. „Ich bin niemals ein Freund von unnotigen Gewaltmaßregeln gewesen, Signor Tosca!“ „Wenn ich es wäre, würde ich wahrscheinlich von der hiesigen Polizei verlangt haben, Sie alle miteinander zu verhaften.“ „Aber Sie wollen doch ein wehrloses und harmloses Madchen in schwere Ungelegenheiten bringen.“ „Es giot Handlungen, die grausam scheinen, und die sich doch, wenn man sie erst nach ihren Folgen beurteilt, als Beweise von Güte und Wohlwollen heraussteilen.t.— crens Mascan, der seine weltmannische Haltung wahreno dieses eigenartigen Gespräches nicht eine Sekunde lang eingebüßt hatte, erwog in seinen Gedanken noch einmal blitzschneil die gegebene Sachlage. Und er kam zu dem Schluß, daß sie für Anita nicht gar so bedrohlich war. Das arme Mädchen würde ja vielleicht etliche Aufregungen und Unannehmlichkeiten über sich ergehen lassen müsen, aber es konnte nicht im Ernst mit der Möglichleit ihrer Verurteilung gerechnet werden. Sie würde vielmehr binnen kurzer Zeit wieder auf freien Fuß gesetzt werden müssen. Und vor ihren Feinden war sie jedenfalls nirgends sicherer als in den Händen der Polizei. „Ich habe meine Pflicht erfüllt, indem ich gegen Ihre Absicht protestierte,“ sagte er mit vollkommener □ am E SES 5bS SpaSc SS#ge SSIir 5 S S EE ETLUEEE AEBLDIBEE SSSSOSEERSEE * 9•— Höflichkeit.„Mehr vermag ich nicht. Und ich muß Ihnen die Verantwortung für alles Weitere überlassen. Erlauben Sie mir, Sie der Herrin dieses Baronin Wallberg vorzustellen. Sie sehen, die Damen sind eben beim Te.“„„ e Er führte den andern zu der kleinen Gruppe auf der Terrasse und nannte den Namen wie die amtliche Eigenschaft des Herrn, dessen Erscheinen die Baronin natürlich nicht wenig befremdete. Sie ließ ihn jedoch nichts von diesem Befremden merken, sondern ersuchte ihn liebenswürdig, Platz zu nehmen, indem sie ihm gleichzeitig ein Glas Tee anbot. Aber Paolo Tosca lehnte ehrerbietig ab. „Ich befinde mich hier in halbamtlicher Eigenschaft, gnädige Frau,“ sagte er in französischer Sprache, und es ist mir darum leidet nicht möglich, Ihre Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen. Wenn diese junge Dame dort, wie ich vermute, Fräulein Anita Giovanni ist, so möchte ich an sie die Frage richten, ob sie geneigt wäre, mich zum Zwecke einer Vernehmung vor der zuständigen Behörde sogleich nach der Kreisstadt zu begleiten. Ich füge ausdrücklich hinzu, daß ich nicht befugt bin, einen Zwang auszuüben, da ich ja in Deutschland keinerlei polizeiliche Maßnahmen ausüben darf Es geschieht lediglich im Interesse der jungen Dame, wenn ich ihr diesen Vorschlag mache. Denn sie wird damit der Unannehmlichkeit einer Verhaftung durch die zuständigen örtlichen Polizeiorgane entgehen.“ „Aber die Maßregel muß doch irgendeinen Grund haben!“ sagte die Baronin mit dem Ausdruck lebhaftesten „Gewiß, gnädige Frau! Und der Grund liegt darin, daß Fräulein Giovanni in einen Zusammenhang gebracht wird mit dem vor einiger Zeit gegen das Leben des Herrn Paul Volkhardt verübten Anschlage?„ Er sprach nachdrücklich genug, um keinen Zweisel an dem Ernst seiner Worte aufkommen zu lassen. Die Baronin aber rief: „Da liegt ein ungeheuerlicher Irrtum vor, mein Herr! Die Anschuldigung, die Sie da erheben, ist von einer geradezu ungeheuerlichen Lächerlichkeit! „Es mag sein, daß es sich verhält, wie Sie sagen, Frau Baronin," erwiderte der Geheimpolizist mit unerschütterlicher Gelassenheit,„aber ich kann nichtsdestoweniger nur so handeln, wie die Umstände es mir zur Pflicht machen! Auch meine Behörde hat an der Aufklärung dieser Angelegenheit ein sehr großes Interesse.“ Anita war der Unterhaltung gefolgt, ohne vollkommen zu begreifen, um was es sich handelte. Nun übernahm es Mascani, sie aufzuklären, und er tat es in jener taktvollen, schonenden und beruhigenden Art, die ihm im Gespräch mit weiblichen Wesen eigentümlich war. Er setzte ihr auseinander, daß es sich selbstverständlich um einen Irrtum und außerdem um eine bloße Formalität handle, der sie sich am besten ohne Widerstreben unterwerfen sollte. In wenigen Tagen würde alles klargestellt sein und demgemäß ihre Freilassung erfolgen müssen. Es läge für sie wirklich kein Anlaß vor, sich auch nur im allergeringsten zu beunruhigen und aufzuregen. Mit bewunderungswurdiger Fassung nahm das junge Mädchen seine Mitteilungen entgegen. „Ich beunruhige mich keineswegs!“ sagte sie,„und ich bin bereit, mit dem Herrn zu gehen, sobald ich mich fertig gemacht habe. Es wird mir doch wohl gestattet sein, einige Gegenstände einzupacken, deren ich für die nächsten Tage bedarf? Ich verspreche ausdrücklich, daß ich nicht davonlaufen werde.“ „Ich habe bereits erklärt, daß es sich um einen durchaus freiwilligen Entschluß handelt," erwiderte Tosca artig.„Ich kann Sie darum auch nicht hindern, Ihre Vorbereitungen zu treffen, was ich im übrigen selbst dann bewilligen würde, wenn ich mit einem formellen Haftbefehl ausgerüstet wäre." Anita legte ihre Hand auf Ediths Arm und bat sie durch einen Blick um ihre Begleitung. In der nächsten Minute waren die beiden Mädchen den Blicken der anderen entschwunden. „Ich bin auf das äußerste bestürzt,“ sagte Edith. „Was, um des Himmels willen, hat denn das zu bedeuten?“ „Ich glaube es zu erraten, aber ich kann mich darüber jetzt nicht näher aussprechen. Jedenfalls empfinde ich nicht die mindeste Furcht! Und wenn gebeten habe, mit mir zu kommen, so geschah es einzig, weil ich einen großen Freundschaftsdienst von Ihnen erbitten möchte. Werden Sie geneigt sein, ihn mir zu leisten?“ Edith, die die neue Bekannte bereits von Herzen liebgewonnen hatte, versicherte sie ihrer Bereitwilligkeit, und Anita fuhr fort: „Ich hörte von der Baronin Wallberg, daß sich augenblicklich hier in der Nachbarschaft ein Herr von Malzyn aufhalte— Herbert von Malzyn— sein Name ist vielleicht auch Ihnen nicht unbekannt.“ „Nein,“ stimmte die andere zu.„Ich kenne ihn sogar persönlich. Er ist, wenn ich es Ihnen anvertrauen darf, mit Gerda Volkhardt heimlich verlobt. Und ich glaube, er ist auch ein guter Freund meines Vaters. Ein sehr liebenswürdiger und vornehmer Mann.“ „Nun wohl, dann trifft es sich ja besser, als ich hoffen durfte. Sein Oheim war einst ein vertrauter Freund meiner Familie. Meine Mutter hat mir oft von ihm gesprochen und hat mir versichert, daß er mir gewiß gern beistehen würde, wenn ich mich einmal in einer Notlage an ihn wenden müßte. Ich kannte seinen Aufenthalt nicht, darum habe ich davon keinen Gebrauch gemacht. Nun möchte ich Sie bitten, ihm in meinem Namen diesen kleinen Schlüssel hier zu übergeben und ihm zu sagen, daß es der Schlüssel zu einem Behältnis ist, das an der auf dem Schlusser eingravierten Stelle deponiert wurde. Sie haben mich verstanden— nicht wahr?“ „Gewiß, und ich werde Ihren Auftrag ausrichten. Aber fürchten Sie sich denn auch wirklich nicht vor dem, was Ihnen bevorsteht, Liebste?“ Anita schüttelte den Kopf. „Ich fürchte mich vor gar nichts mehr, seitdem ich ganz unerwartet so viele gute und aufrichtige Freunde gefunden habe. Sie werden schon dafür sorgen, daß mir kein Leid geschieht.“ Mit Ediths Hilfe traf sie in aller Ruhe ihre kleinen Vorbereitungen, und ihr Gesicht war beinahe heiter, als sie nach Verlauf einer sehr kurzen Zeit zu den Wartenden zurückkehrte und sich von der Baronin verabDiese äußerte die Absicht, sie zu ihrem Schutze zu begleiten, aber Anita lehnte mit bescheidener Bestimmt„Ich glaube nicht, daß ich unter der Obhut dieses Herrn noch eines weiteren Schutzes bedarf,“ erklärte sie.„Und ich will durchaus nicht, daß Sie sich um meinetwillen noch weitere Unbequemlichkeiten machen. Herr Tosca, ich bin bereit, mit Ihnen zu gehen!" Der Geheimpolizist fragte, ob es nicht möglich sein würde, einen Wagen zu erhalten; aber auch davon wollte Anita nichts wissen. „Ich will lieber zu Fuß gehen,“ erklärte sie.„Der Weg ist nicht so weit, daß es eine besondere Anstrengung bedeutete. Und es ist mir angenehmer so.“ (Fortsetzung folgt.) lam delbilden. Die„Teufelsaubeter“. Aus Mossul kam vor kurzem die Nachricht, daß der neue Wali die seit 50 Jahren betriebene grausame Verfolgung der Jessidi, der„Teufelsanbeter“, die besonders in der Gegend des Tschebel Sindschar zahlreiche Anhänger zählen, zu Ende ist, und daß fortan die Sekte geduldet und anerkannt werden soll. Furchtbar waren die Verfolgungen, die in den letzten Jahrzehnten über die Gläubigen der Teufelsanbetung hereinbrachen; unter Abdul Hamids Herrschaft versuchte man die Jessiden durch Anwendung aller Zwangsmittel zum Islam zu bekehren. Man verschloß oder zerstörte ihre Andachtsstätten und nahm ihnen ihre Heiligtümer, die vergoldeten Pfauenbilder, durch die die Gottheit der Jessiden, der Teufel, verkörpert wurde. In ihren Glaubensvorstellungen gilt der Teufel als ein gefallener reuiger Engel, dem Gott es verstattete, unsere Welt zu erschaffen, und dem die Jessiden als dem„Malek Taus“, dem Pfauenkönig, Verehrung zollen. Im Jahre 1908 wurden die berüchtigten irregulären Truppen gegen den Tschebel Sindschar losgelassen und verübten hier unter den Teufelsanbetern die unerhörtesten Gewalttaten. Frauen und Kinder wurden verstümmelt, die Scharen von Jessiden, die in den Berghöhlen Zuflucht gesucht hatten, erstickte man, indem man an den Eingängen zu dem Höhlen große Freudenfeuer entzündete. Tausende und Abertausende wurden damals umgebracht; der Schrecken und die Verwüstung waren so groß, daß manche Teufelsanbeter um Aufnahme in die armenische gregorianische Kirche baten, in der Hoffnung, auf diesem Wege ausländischen Schutz und ausländische Fürsprache zu gewinnen. Eine Gemeinde verpfändete ihren goldenen Pfau einem Ungläubigen, der das kostbare Stück beiseite schaffte; als die Jessiden nach Rückzahlung ihrer Schuld ihr Gottesbild wieder haben wollten, erklärte man ihnen höhnend, der Malek Taus, der Pfauenkönig, sei in Wirklichkeit ein Malak Taus, ein Pfauenengel— und sei infolgedessen davongeflogen. Der neue Wali hat sich nicht auf die amtliche Anerkennung der Sekte als öffentlicher Glaubensgemeinschaft beschränkt, sondern auch verfügt, daß den Jessiden die ihnen geraubten Pfauen wiedergegeben werden müssen. Alle Religionsübungen der Teufelsanbeter dürfen fortan nicht mehr gestört werden. Weggenossen. Erzählung von A. Heerdorf. (Nachdruck verboten.) Die Uhr auf dem altertümlichen Kirchturm schlug langsam und gemessen sieben. In dem Kontor erhob man sich, und es ging ein Aufatmen der Erlösung durch den mit warmer Stickluft erfüllten Raum. Endlich, endlich war wieder einmal ein Arbeitstag zu Ende, und der Mensch, der neun volle Stunden nichts hatte sein dürfen als das einzige Glied einer großen Maschinerie, gehörte für wenige Stunden seinem eigenen Ich. „Die alte Turmtante geht wieder einmal nach,“ grollte ein junger Bureauarbeiter, indem er ärgerlich seine Uhr hervorzog,„volle sieben Minuten. Ich begreife nicht, daß sich da niemand drum bekümmert und daß unsere Uhr jeden Tag danach gestellt wird.“ Die anderen nahmen sich kaum Zeit, ihm zu antworten, teils, weil sie zu abgespannt waren, teils, weil es sie brängte, ihre Freiheit so rasch wie möglich zu genießen und sich nicht durch umnötige Reden noch länger im Kontor aufzuhalten. Nur zwei von ihnen hatten keine solche Eile. Der eine, ein sehr junger, blasser Mann, der sich noch immer und eifrig über seine Arbeit beugte, der andere, mann, der langjährige, alte Buchhalter, der sich ebenfalls nicht von seinem Platze erhob.— Er machte jeden Abend: mit Einwilligung seines Chefs, der große Stücke auf ihn hielt, Ueberstunden, die ihm extra bezahlt wurden. Doch da er diese Einnahmen sorgsam„zusammenscharrte“ und sich noch außerdem jeden Pfennig am Munde absparte, um ihn auf die Bank zu tragen, galt er bei seinen Kollegen als Geizhals, und keiner mochte ihn so recht leiden. Wohl zehn Minuten lang saßen die beiden schweigend arbeitend in dem Kontor. Nichts war zu hören als das Ticken der Uhr. Plötzlich unterbrach die mürrische Stimme des alten Buchhalters die Stille. „Nun sollten Sie aber Schluß machen, Herr Wendorf.“ Der junge Mann fuhr empor und war fast erschrocken. Es war zum ersten Male, daß er seit den vier Tagen seines Hierseins die Stimme des alten Buchhalters zu anderen Worten als„Guten Abend“ und „Guten Morgen“ hörte. Nie öffnete er sonst den Mund zu einem überflüssigen Worte, und die anderen verspotteten deshalb neben seinem Geiz auch noch seine vielerlei Schrullen und Eigenheiten, an denen man beileibe nicht rühren durfte. Es stand nicht ganz fest, ob dem alten Buchhalter die Meinung, die unter seinen. jüngeren Kollegen über ihn herrschte, ganz unbekannt war. Jedenfalls schien sie ihn durchaus nicht zu bee rühren. Er lebte ganz abgeschlossen für sich und küng merte sich um niemand, mit dem er zusammen arbeiteten erlaubte aber auch ebensowenig, daß sich jemand irgendwie um ihn bekümmerte. „Störe ich Sie, Herr Hartmann, wenn ich hier noch weiter arbeite?“ fragte der junge Mann, indem er den Blick bescheiden zu dem Buchhalter aufschlug. „Ach was, stören,“ entgegnete der Gefragte unwirsch. Um fieben wird hier geschlossen, das wissen Sie doch. Sie follten jetzt lieber ein bißchen spazieren gehen, damit Sie Appetit und rote Backen bekommen, als hier noch weiter sitzen.“ „Ich— ich, ach, ich bin mit meiner Arbeit noch nicht ganz fertig,“ erklärte der junge Mann niedergeschlagen.„Es geht noch nicht so rasch bei mir, wie bei den anderen, weil ich es ja erst vor kurzer Zeit erlernt habe, aber ich möchte doch nicht gern zurückbleiben.“ „Hm—“ sagte der alte Buchhalter, und weiter nichts. Der junge Mann wollte sich wieder über sein dickes Buch beugen, da tönte aufs neue die Stimme des alten Herrn an sein Ohr. „Wird sich mit der Zeit schon alles geben— im Anfang haperts überall. Müssen sich aber vor allem schonen, um gut arbeiten zu können. Darum keine Ueberstunden machen, wenn's nicht der Chef selbst befiehlt.“ „Aber was wird der Chef morgen sagen, wenn er sieht, daß ich mit meinem Pensum nicht fertig geworten bin. Gf 1 eer ur 20. „Der Chef! Oh, der weiß auch, daß rein Meister vom Himmel fällt,“ sagte der alte Buchhalter so bestimmt, daß der junge Mann weiter keinen Widerspruch wagte, sondern aufstand, sich höflich verabschiedete und ging. Und draußen war er dem alten Herrn doch recht dankbar. Wie wohl tat die frische Luft nach der stickigen Kontorluft!— Allerdings lag ihm das nicht vollendete Pensum schwer auf dem Herzen, und noch ängstlicher wurde er, als der strenge Chef, dem sonst nichts entging, am anderen Morgen durch den Raum schritt und prüfend alle Arbeiten betrachtete. Als er vor Richard Wendorfs Pulte stehen blieb, wurde dem jungen, viassen Manne ganz dunkel vor den Augen. Er fürchtete scharsen Tadel.s