9 # Stemn duuer anen dend euder Feiertags. Bezugsprete### 5 Jährlich, dei der Post für Bestellgeld 62 Pig.“ mehr. Wöchentl. Grakisdeilage:„Ikustrierter Famillenfreund“ u. Wgl: Uaterdaltungsbiast. Anzeigenpreis: Die Bedengkspaltene Petitzelle oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 1 Plg., Rehlamezells 40 Pig. Jeder Radau gilt als Kassarnball a. erllicht bei RonIwangsoergleichen, gerichtl. Klagen##. Sstentbend erat.- Seitseseree. Amtches Kresblalt Westhofener Zeitung Langschecker Zeitung Verbunden mit: für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Avlerbecker Zeitung acnate Uoskssälung 95 Schwrtes Holfbahlaß Schwerker Cageblatt S Schwerter Anzeiger Grstes und alteltes Cagesorgan des Krelles o General-Hnzeiger für den Kreis Börde o Haupt-Hononcenblas Al. Arste, und leislpolizelichee Verast. nungen Iür den Arets Hötbe erlangen gomeb Betaanmachung uer Aöuglichee Peourueg durch Veröffentlichung. in der Jetung“ zuchsverhadiche Kost.— Die „Schwerter Zeitung“ gewöhrt idres Abonnen. ien für jeden mit 250 endenden Unsoll gebagungen 3 300 Mk. Unfall. Druch u. Verlag s, Kor Braus. Schwerte=Rude (ersot.- Seimn He austenncc Nr. 202. Montag, den 30. August 1915. 47. Jahfchang. — *. d I Ach er Die Russen auf der ganzen Froni weiler im Rüchzuge, die Jahl der Echwere Verlusse der Zialienter.— Versenkung eines englischen Tt leigl la Dumktern Deusche Tagesberichle. wtb. Großes Hauptquartier, 28 Aug. 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Ein französischer Handgranaten=Angriff am Lingekopf(nördlich von Münster) wurde abgewiesen. Auf einem großen Teile der Front war die Tätigkeit der Artillerie und der Flieger sehr lebhaft. Feindliche Flieger bewarfen ohne Erfolg Oslende, Middelkerke und Brügge. In Müllheim(in Baden) wurden drei Z vilpersonen durch Fliegerbomben getötet. Oestlicher Kriegsschauplatz Heeresgruppe des Generalseldmarschalls v. Hindenburg. In den Gefechten nordöstlich von Bausk und Schönberg ist der Gegner geworsen. Ueber 2000 Russen wurden gesangen gefangen genommen, 2 Geschütze und 9 Maschinengewehre erbeutet. Feindliche Vorstöße gegen Teile unserer Front zwischen Radsiwilischki und Swjadosze wurden abgewiesen. Zwischen dem Bohr und dem Bialowieska-Forst wird verfolgt. Die Stadt Narew ist besetzt. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Die Heeresgruppe ist im Vordringen über den Bialowieska=Forst und über die LesnaPrawa, deren östliches Ufer am unteren Lauf bereits genommen ist. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. In der Verfolgung ist die Straße Kamieniec=Lilowsk=Miszozyce überschritten. Zwischen dem Muchawiec und dem Pripjel=Fluß treiben unsere Truppen den geschlagenen Feind vor sich her. Deutsche Reiterei warf gestern bei Samary (an der Straße Kowel=Kobryn) eine feindliche Kavallerie=Division. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unter Führung des Generals Grafen Bolhmer haben deutsche und österreichisch ungarische Truppen gestern an den Iloka=Lipa nördlich und südlich von Brzezany die russischen Stellungen durchbrochen. Nächtliche feindliche Gegenangriffe wurden blutig abgewiesen. Heute früh gab der Gegner nach weiteren Mißerfolgen seinen Widerstand auf. Er wird verfolgt. Notiz: Radziwilischki liegt 10 Kilometer östlich Schönberg, Swjadosze 60 Kilometer östlich Poniewiez wtb. Großes Haupkquartier, 29. Aug. 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des General=Feldmarschalls von Hindenburg. Südöstlich von Kowno wurde hartnäckiger feindlicher Widerstand gebrochen. Unsere Truppen folgen den weichenden Russen. Das Waldgelände von Augustow ist durchschritten. Weiter südlich wurde in der Verfolgung die Linie Dombrowo—Grodek—Narewska=Abschnitt(östlich der Stadt Narew) erreicht. Heeresgruppe des General=Feldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Die durch den Bialowieska=Forst verfolgende Heeresgruppe nähert sich mit ihrem rechten Flügel Szereszowo. Heeresgruppe des General=Feldmarschalls von Mackensen. Unter Nachhutkämpfen wurden die Russen bis in die Linie Poddubno=(an der Straße nach Pruzana) Tewli=Kobryn gedrängt. Unsere von Süden her durch das Sumpfgelände vordringengen Verbände haben den Feind bis nahe vor Kobryn verfolgt. Mit einer Roheit, die unsere Truppen und unser Volk mit liefstem Abscheu erfüllen muß, haben die Russen zur Maskierung ihrer Stellungen tausende von Einwohnern, ihre eigenen Landsleute, darunter viele Frauen und Kinder, unseren Angriffen entgegen getrieben. Ungewollt hat unser Feuer unter ihnen einige Opfer gefordert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die verbündeten Truppen haben den gestern geschlagenen Feind über die Linie PamorzamyKoniuchy Kozoba und hinter den Koropiec= Abschnitt zurückgeworfen. Oberste Heeresleitung. wobei zwischen Gologory und Dunajow österreichisch= ungarische Regimenter und nächst Brzezany unsere und deutsche Truppen stürmten. Der geschlagene Feind, der 20 Offiziere und 6000 Mann als Gefangene zurückließ, versuchte vergebens, die verlorenen Positionen durch Gegenangriffe wieder zu gewinnen. Er mußte das Schlachtfeld räumen und trat heute früh auf der ganzen Front den Rückzug an. Auch östlich von Wladimir=Wolinskij kam es zu Kämpfen größeren Umfanges. Die Armee des Feldzeugmeisters von Puhallo warf den Feind in der Richtung gegen Luck zurück und hat die Verfolgung aufgenommen. Nördlich der PrivjetSümpfe nähern sich unsere Verbündeten der Stadt Kobryn von Süden und Westen. Die bei Kamieniec Litowsk kämpfenden österreichisch=ungarischen Streitkräfte schlugen den Feind aus seinen Stellungen nördlich und östlich dieser Stadt zurück. Italienischer Kriegsschauplatz. An der küstenländischen Front versuchte der Feind heute nacht und beim Morgengrauen an mehreren Stellen anzugreifen, wurde aber überall abgewiesen, so östlich Polazzo und San Martino, auf der Hochfläche von Doberdo, dann an unseren Höhenstellungen nördlich des Tolmeiner Brückenkopfes. Im Raume von Flitsch dauert das Gefecht fort. In Tirol gehen die Italiener nördlich des Luganotales näher an unsere Stellungen heran. Oesserreichische Tagesberichle. WTB Wien, 29. Aug.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 28. August mittags: Ruslischer Kriessschauplatz. Unsere in Ostgalizien stehenden Armeen haben gestern die seit Wochen ausgebaute russische Front an der Zlota Lipa an mehreren Stellen durchbrochen. Sie kämpfen hierbei auf den Ehrenfeldern der ersten großen Schlachten, die zu Beginn des Kriege, östlich und südöstlich ausgekämpft wurden und sich in diesen Tagen zum ersten Mal jährten. Sowohl östlich von Przemyslany als auch östlich Podhajce u. von Monasterzyska drangen sie in die feindlichen Linien ein. Zwischen Sologory und Brzezany wurden die russischen Stellungen in einer Ausdehnung von 30 Kilometern genommen, WTB Wien, 30. Aug. Amtlich wird verlautbart vom 29. August mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Unsere Erfolge östlich Wladimir=Wolynskij und an der Zlota=Lipa haben an einer Front von 250 Kilometern den Widerstand des Gegners gebrochen. Der Rückzug der Russen ist überall durch brennende Ortschaften und zerstörte Ansiedelungen gekennzeichnet. Die Zahl der in unseren Händen gebliebenen Gefangenen erhöhte sich auf 10000. Die Truppen des Generals der Kavallerie, Freiherrn von Pflanzer=Baltin, bei deren vorgestrigem Durchbruch die bewährten kroatischen Regimenter und das Infanterie=Regiment Nr. 52 wieder Proben ihrer Tapferkeit abgelegt haben, folgen dem Feinde auf Buczacz. Die aus deutschen und österreichischen Kräften zusammengesetzte Armee des Generals Grafen Bothmer dringt über Podhajee und gegen Zborow vor. Die von den Russen in Brand gesetzte Stadt Zloczow ist im Besitz der Armee des Generals der Kavallerie von Boehm=Ermolli. Die Korps=des Feldzeugmeisters von Puhallo warfen mehrere feindliche Nachhuten und blieben dem gegen die Festung Luck weichenden Feind auf den Fersen. Bei Kobryn, wo unsere Verbündeten weiter Raum gewinnen, stehen den Russen nunmehr die Wege nach Nordosten offen. Oesterreichisch= ungarische Kräfte erreichten in der Gegend von Szereszow den Südostrand von BielowiezskajaPuszeza. Italienischer Kriegsschauplatz. Die vereinzelten Angrisse der Italiener an der Isonzofront nahmen gestern an Umfang und Heftigkeit zu, erzielten aber wie gewöhnlich nirgends einen Erfolg. Im Abschnitt von Doberdo wurde spät abends ein von starkem Artilleriefener vorbereiteter Angriff auf den Monte dei Sei Busi abgeschlagen. Vormittags stürmten zwei MobilMilizregimenter viermal den Monte San Michele, drangen an einzelnen Stellen in unsere Gräben ein, wurden aber überall unter schweren Verlusten wieder hinausgeworsen, Gegen den Brückenkopf von Görz eröffnete der Feind vor einiger Zeit einen Sappenangriff. Unsere Geschütze und Minenwerfer zerstirten jedoch die näher an unsere Front herangeschobenen Sappen. Der Brückenkopf von Tolmein stand den ganzen Tag unter heftigem Geschützfeuer. Diesem folgte ein von zwei Regimentern und zwei Alpini=Bataillonen geführter Angriff, den unsere Truppen im Handgemenge abschlugen. Ebenso erfolglos waren einzelne gegen die Brücke westlich Tolmein und im Raume westlich dieses Ueberganges angesetzte Vorstöße, sowie vier Angriffe auf die Frout Mrzli—Brch— Sljemme. Auch der gegen den Raum von Flitsch mit beträchtlichen Kräften versuchte Angriff kam zum Stehen. Hier wie überall blieben unsere Stellungen fest in der Hand ihrer Verteidiger. An der Kärntner Front ist es ziemlich ruhig.„Im Tiroler Grenzgebiet dauern die Geschützkämpfe mit wechselnder Stärke fort. Der Stellvertreter des Chess des Generalstabes: von Hoefer, Feldmalschall=Leutnant. 1000 Mann ertrunken. tu Amsterdam, 28. August. Das„Vaderland“ berichtet: Reisende sdes Dampfschiffes Ryndam, das dieser Tage aus Neuyork zurückkam, teilen mit, daß am 13„August auf den Höhen der Scilly=Inseln ein englisches Truppen=Tran=portschiff mit kanadischen Truppen lorpediert wolden ist. Von den 2000 Mann an Bord sollen ungefähr 1000 Mann gerettet worden sein.: Der Krieg Der weinende Zar und der#usende Generalissimus. Die„Köln. Ztg.“ meldet von der französischen Grenze: Dem Bericht eines französischen Berichterstatters, der an der russischen Front weilt, entnehmen wir folgendes: 2ih., Am 1. Juli 10 Uhr abends wurde ein großer Kriegsrat in Warschau im Pärk Lozinski gehalten. Der Zar hatte zwei Tage yorher Petersburg verlassen, um persönlich hierbei den Vorsitz zu führen. Im Sommerpalast des Königs Stanislaus August waren der Großfütst Nikolaus und die russischen Heerführer um den Marmortisch versammelt, auf dem der König seie Abdankung unterzeichnet hatte. Man hat seitdem, erfahren, welches die Haltung der Personen des Dramas war. Mit tränenüberströmten Augen und vor Erregung zitternder Stimme hatte der Zaf den Kriegsrat für eröffnet erklärt. Einer nach dem anderen legten die Armeeführer ihre Meinung, waren dafür, die Schlacht andere aber befürchteten der Eisenbahnlinie von den auf der Bahnlinie von zu werden. Der Großfürst als letzterer gurückbehalten. erinnerte daran, daß die Regimenter schon zweimal, ten. Vor dem Schwanken die Stimme des Generalt# drohende Worte:„Meine einem höheren Offizier kei dar. Die einen olen aufzunehmen, nach Norden auf urg und von Sükkau abgeschnitten te seine Meinung ann sprach er und lette der sibirischen rschau gerettet häter Generäle wurde hart. Er hatte Seligkeit ist, aus n gemeinen Soldaten zu machen. Dem Feigen werde ich schon selbst die Epauletten abreißen“. Er äußerte sich auch:„Die Munition ist jetzt da. Polen aufgeben, hieße den Deutschen einen glänzenden Sieg verschaffen. Das Zentrum des Feindes hat sich bis in unsere Linie vorgewagt und wird bereits von uns auf der Lub liner Straße bedrängt. Wir werden an der oberen Weichsel Stellung nehmen und Warschau bis zum letzten Blutstropfen verteidigen. Bei der gering sten Schwäche werde ich selbst die Regimenter aufsuchen, diejenigen vor mir in Reih' und Glied aufstellen lassen, die schlecht geführt haben und mit eigener Hand jeden hohen Offizier niederschießen. So kam's, schließt der Berichterstatter, daß in den ersten Tagen des Juli an der Bystrika, wo die russischen Nachhuten lagerten, der Befehl eintraf, den Rückzug einzustellen und tiefe Schützengräben zu bauen. Trotz solcher Zeugnisse fahren natürlich die Pariser Redaktionsstrategen fort, den russischen Rückzug und die Aufgabe Polens„freiwillig" und als einen weise überlegten, ebenso vortrefflich durchdachten als ausgeführten Plan des russischen Generalissimus darzustellen. Verzweifelte Stimmung in russischen Dumakreisen. Der„B. Z. am Mittag“ wird indirekt aus Petersburg gemeldet: Die deutsch=österreichischen militärischen Erfolge der jüngsten Tage bilden das einzige Tagesgespräch der Reichsduma, wo man sich selbst um brennendste Fragen, wie Duma=Auflösung, Ministerpräsidentenwahl und Organisation der Kriegsindustrie zu kümmern aufgehört hat. In allen Parteien wird die militärische Lage als überaus ernst ausgefaßt, und die Stimmung ist sehr gedrückt. Der Zentrumsführer Godnew erklärte noch gestern, daß, wenn er noch einige Hoffnung hege, so lediglich aus dem Grunde, daß der Mensch schließlich noch als lebend zu betrachten sei, so lange er nicht völlig tot ist.(!) Unsere Lage, meinte er, ist prekär, wenn nicht geradezu verzweifelt Nur die äußerste Rechte rechnet noch immer mit der amtlichen Hoffnung auf frühere oder spätere Erschöpfung des deutschen Gegners, aber selbst die Nationalisten widersprechen dem; deren einflußreicher Führer Balaschow erklärte in den Wandelgängen der Kammer:„Die einzige Rettung können nur noch die westlichen Verbündeten bringen!“(Ein schwacher Trost!) Die Deutschen vor Wilna. bb Karlsruhe, 30. Aug. Die„Baseler Nachr.“ melden aus Petersburg: Nach den letzten dort eingetroffenen Nachrichten befinden sich die Deutschen in einer Entfernung von 40 Werst vor Wilna. Ernste Lage der Russen. bb Stockholm, 30. Aug.„Rjetsch“ schreibt: Die Lage ist sehr ernst. Die Deutschen konzentrierten gegen uns 120 Infanterie=Divisionen und 20 Kavalleriedivisionen. Ihre Absicht ist, nicht nur einige wichtige Punkte einzunehmen, sondern einen Entscheidungsschlag gegen die Lebenskraft unserer Armee auszuführen. Die Furcht in Petersburg. Eremitage und Alexander=Museum geräumt. bb Petersburg, 30. Aug.(Indirekt.) Vorgestern abend fand im Petersburger Hofministerium eine Beratung in Anwesenheit des Generaldirektors der Eremitage statt. Es wurde beschlossen, die weltberühmte Bildergalerie, sowie auch die Kunstsammlungen des Petersburger Alexander=Museums nach Moskau zu überführen. Mit der Verpackung, die, wie ausdrücklich beschlossen wurde, geheim vor sich gehen soll, wird sofort begonnen. Um die Überführung zu verheimlichen, werden beide Museen offiziell als für einige Zeit geschlossen bezeichnet.— Die Eremitage ist das weltberühmte kunsthistorische Museum Petersburgs in der Nähe des Winterpalastes. Die Bildersammlung zählt über 1900 Bilder und enthält eine Fülle von Meisterwerken der Spanier, Franzosen und Holländer. Auch Moskau nicht mehr sicher. TU Stockholm, 30. Aug. Auch in Moskau scheinen die Russen sich nicht mehr sicher zu fühlen. Einem Privatbrief an das„Svenska Dagbladet“ zufolge wäre es nicht Moskau, sondern Nischni Nowgorod, wohin alle Kunstschätze, Wertsachen und Dokumente von Petersburg aus überführt worden wären. Nischni Nowgorod liegt östlicher als Moskau und auch etwas weiter nordwärts. Ein Generalgouverneur im Osten. Wie das„Posener Tageblatt“ mitteilt, wird für das ganze unter deutscher Verwaltung besetzte Gebiet im Osten ein Generalgouverneur bestellt. Als solcher ist der General v. Beseler bereits ernannt.— Zum Chef seines Stabes ist Generalmajor v. d. Esch ernannt, der bisher als militärischre Beauftragter des Oberbefehlshabers Ost der Zivilverwaltung in Polen angehörte. Die bisherige Zivilverwaltung für Polen links der Weichsel in Kalisch wird nach Warschau verlegt und es wird ihr ganz Russisch=Polen unterstellt. Ihr bisheriger Präsident Dr. v. Kries ist zum Verwaltungschef beim Generalgouverneur mit dem Titel Exzellenz ernannt worden. Der Krieg genen Fiäreng. Joffre kündigt einen Winterfeldzug in der Rheingegend an. bb Haag, 30. Aug. Joffre hat einen Armeebefehl erlassen, in dem er seinen Truppen die Notwendigkeit eines neuen Winterfeldzuges ankündigt. Gewissermaßen als Trost ist dieser Ankündigung die Mitteilung beigefügt, daß dieser Winterfeldzug sich zum größten Teile in der Rheingegend abspielen weide. Die englische Anleihe in Amerika gescheitert. bb Wien, 30. Aug. Die„Neue Freie Presse“ meldet aus Scheveningen, daß die englische Anleihe von drei Milliarden in Neuyork an dem Widerstand Wilfons gescheitert sei. Der Kiieg begen Zlanem Die Italiener vom Stillser Joch verjagt. TU Berlin, 30. Aug. Die„Verl. Morgenpost“ meldet aus Innsbruck: Wie die„Neuen Tiroler Stimmen“ mitteilen, haben unsere Truppen am Stilsser Joch die Italiener von dort verjagt und ihnen den den Paß beherrschenden Berg abgenommen. Der Paß ist also vollllkommen in österreichische Hand übergegangen. Statt einer Dreisprachenspitze gibt es nunmehr eine Zweisprachenspitze. Amschwung in der Stimmung in Oberitalien. Für den zunehmenden Umschwung in der Stimmung in Oberitalien liegen heute drei Anzeichen vor. Im Mai bildete sich in Mailand die berüchtigte Liga gegen Spione und Schmuggler, die in Wirklichkeit aber nur Deutsche, Oesterreicher und italienische Kriegsgegner denunzierte, die die moratische Mitverantwortung für die Mailänder Plündereien hatte und die sich zu politischen und persönlichen Racheakten aller Art hergab. Bisher stand der sozialistische„Avanti“ in seinem Kampf gegen dieses System allein. Jetzt wendet sich auch der„Sera“ und der„Perseveranta“ und selbst kriegsfreundliche Blätter wie der„Popolo d'Italia“ gegen diese Denunziationen und erklären auf einmal, nur der Behörde stehe das Recht zu polizeilichen Untersuchungen zu. Damit ist hoffentlich der Anfang vom Ende der schmuchvollen Fabrikation von Spionageanklagen gekommen, die zahlreiche Menschen unglücklich machte. Weitere Anzeichen sind, ein Aufruf der Kriegspresse an den Minister Barzilai, seine geplante Werbereise für den Krieg auch auf Piemont auszudehnen, da man in Turin immer energischer gegen den Krieg agitiere. Endlich mußte die Regierung den Bürgermeister der Stadt Belluna wegen seiner Propaganda für den Frieden absetzen. Del Klieg dei Tattel. Schwere Niederlagen der Feinde auf Gallipoli. WTB Konstantinopel, 30. Aug. Das Hauptquartier teilt mit: An den Dardanellen griff der Feind in der Gegend von Anaforta nach Artillerievorbereitung zu Wasser und zu Lande am 27. August unseren rechten Flügel bei Kiretschtepe und unser Zentrum südlich des Asmakdere an. Er wurde an beiden Orten unter schweren Verlusten zurückgeschlagen, ohne irgend einen Erfolg erzielt zu haben. In Kiretschtepe vernichteten wir ein feindliches Bataillon. Unser Zentrum griff der Feind dreimal an, wir wiesen ihn jedesmal mit schweren Verlusten zurück. Unsere Artillerie traf wiederholt einen Kreuzer und ein Transportschiff bei Ari Burnu. Auf dem rechten Flügel fanden in der Nacht vom 26. zum 27. August wiederholt Bombenwürfe statt. Unsere Artillerie beschädigte einen feindlichen Kreuzer und einen Schlepper. Bei Seddul Bahr das gewöhnliche Artillerie= und Infanteriefeuer. Von den übrigen Kriegsschauplätzen nichts von Bedeutung. Die Balkanstaaten. Die Balkanpolitik der Entente vor dem Zusammenbruch. bb Athen, 30. Aug. Allgemein wird festgestellt, daß die Balkanpolitik der Alliierten und insbesondere die Englands vor dem Zusammenbruch stehe. „Embros“ schreibt, daß es eine der schwersten Fehl“ spekulationen gewesen sei, durch das Aufgebot des Balkans den Ausgang des Krieges ändern oder mit ihrer Hilfe Konstantinopel erobern zu wollen. Auch die Veniselistische„Patri“ betrachtet die Aktion des Vierverbandes auf dem Balkan als gescheitert. Sehr heftig wendet sich„Nea Himera“ gegen die Machenschaften der Ententepolitik und sagt, daß sch das Gewissen der Welt gagen die Leute erheben müsse, von deren Gesicht die Maske von der Verteidigung der Freiheit der kleineren Nationen gerissen sei. Bulgariens Erwartungen. WTB Berlin, 30. Aug.(Nichtamtlich.) Die „Voss. Ztg.“ bringt einen aus der Feder eines hervorragenden Staatsmannes stammenden Artikel, der betitelt ist:„Bulgariens Erwartungen". Darin heißt es: Der vor einigen Tagen zustande gekommene Abschluß der türkisch=bulgarischen Verhandlungen ist ein Ereignis von der größten Tragweite. Denn es bedeutet nichts weniger als den unzweideutigen, entschiedenen Uebertritt Bulgariens zu den verbündeten Zentralmächten. Im Zusammenhang damit steht auch die Ernennung des neuen Kriegsministers Jekow, der die türkisch=bulgarischen Verhandlungen zu Ende geführt hat und auch sonst als ein eifriger Anhänger einer deutschfreundlichen Politik gilt. Nach alledem mag noch öffiziell von der bulgarischen Neutralitätspolitik gesprochen werden, tatsächlich dürfte schon jetzt Bulgarien als Deutschlands und Oesterreich=Ungarns Verbündeter betrachtet werden, was hoffentlich auch in der kürzesten Zeit durch Bulgariens aktives Eingreifen erfolgreich sich bewahrheiten wird. Dämmernde Erkenntnis. Auf dem Papier siegen unsere Feinde eigentlich immer und es ist nur verwunderlich, daß sie bei diesen Siegen immer rückwärts und die stets geschlagenen Deutschen immer vorwärts gehen. Und wie genügsam unsere Feinde geworden sind! Als der Russe behauptete, im Rigaischen Meerbusen einen kleinen Seesieg errungen zu haben, wollten die guten Pariser schon ihre Fenster illuminieren. Noch zur rechten Zeit wurden sie durch die deutschen Berichte überzeugt, daß der russische Seesieg auch wieder nur auf dem Papier errungen war. So konnten sie ihre Lichter sparen und sind, uns hoffentlich dankbar für diese rechtzeitige Aufklärung. Daß Herr Cadorna bei jedem Wetter siegt, ist bereits notorisch bekannt und ebenso überzeugt sind oder waren wenigstens unsere Feinde, daß die Türken bald aus Munitionsmangel an den Dardanellen kapitulieren müßten. Es scheint nämlich, daß auch diese Ueberzeugung ein wenig ins Wanken gekommen ist. Die englischen Rippenstöße, die Italien gegen die Türken treiben mußten, sind wohl ein ziemlich deutlicher Beweis. Frankreich und England wären sicher nicht bereit, die Türkenbeute mit Italien zu teilen, wenn sie sie allein bekommen könnten. Und wie gerne teilten sie sogar noch mit jedem Balkanfürsten, der ihnen zu Hilfe kommen würde. Es muß also doch auch mit der Türkei einen Haken haben! Wir in Deutschland kannten diesen Haken längst und blickten voller Vertrauen zu unseren tapferen Verbündeten am goldenen Horn. Jetzt lernt auch England die Türken mit anderen Augen betrachten. So meldet A. Bartlett über seine Beobachtungen an den Dardanellen unterm 12. August nach London:„Alle Augenzeugen stimmen überein, daß die Türken völlig frische Truppen ins Feld brachten, um unseren Vormarsch zu hindern, und daß sie mit größtem Mut und(größter Entschlossenheit fochten und die Gegenangriffe mit einer Energie ausführten, die wir seit den Tagen der ersten Landung auf Gallipoli nicht erlebten. Man darf nicht vergessen, daß die Türken für ihren Fortbestand als unabhängige Nation kämpfen, daß die Soldaten nahezu zum Fanatismus gegen die Ungläubigen aufgestachelt sind und infolgedessen einen Widerstand leisten, desgleichen man nicht seit Osmans Verteidigung Plewnas gesehen hat.“ Das klingt anders, als die prahlerischen Ausrufe Winston Churchills bei Beginn des Dardanellenspazierganges. Die englische Presse ist deshalb auch stark entrüstet, daß man sie amtlich so hanebüchen über den Stand der Dinge am goldenen Horn zu belügen wagte. Die„Times“ schreiben:„Wir erfahren amtlich von den Dardanellen nichts, abgesehen von dem ständig wachsenden Strom von Verlusten", und anklagend fährt das Blatt fort: „Weshalb erlaubte kürzlich unsere Zensur die Veröffentlichung von anderen Berichten, wonach infolge der neuen Landung die türkischen Verbindungen bedroht waren, wodurch die Lage kritisch sei. Dieser Bericht konnte den Feind nicht täuschen, erweckte aber im englischen Publitum falsche Hoffnungen.“ Weiß das führende englische Blatt denn immer noch nicht, daß das englische Volk seit Monaten nur mit falschen Hoffnungen gespeist wird? Frankreich war eine solche und Rußland erst recht. Die falscheste Hoffnung aber war die auf die Aushungerung Deutschlands. Und die Dardanellen waren gerade so eine und die allerfalscheste Hoffnung wird Italien sein. England hat zu viel gehofft und zu wenig gearbeitet, während wir Deutschen auf niemanden hoffen, als auf uns selbst. Und das haben unsere tapferen türkischen Verbündeten jetzt auch gelernt— in derselben Schule wie wir. Auch sie kämpfen um ihre nationale Existenz uund wußten das, als sie in den Weltkrieg eingriffen. Wenn das stolze England diese Erkenntnis auch einmal bekommen sollte, und der Augenblick ist vielleicht nicht allzu fern, dann wird es für Albion zu spät sein, diese Erkenntnis in Taten umzusetzen, wie wir es vorbereitend und alle Eventualitäten berechnend, pflichtgemäß hart arbeitend seit langem getan haben. Die Erkenntnis dämmert in Großbritannien, aber sie wird niederschmetternd wirken und nicht wie bei uns und unseren Verbündeten zu jedem, auch dem größten und letzten Opfer anfeuernd. Es wird die Erkenntnis der Verzweiflung sein! Aus Stadt und Umgedung Rückblicke auf den Weltkrieg. 30. August. Die Schlacht bei Tannenberg(5. Tag). Während vom westlichen Kriegsschauplatz nur zu berichten ist, daß an diesem Tage das deutsche Hauptquartier von Koblenz näher den Schlachtfeldern verlegt wurde, daß bereits deutsche Flieger über Paris erschienen und die Bevölkerung nicht wenig beunruhigten, auch deutsche Truppen bereits über Compiegne hinaus schwärmten, vollzog sich an den makurischen Seen im Osten die Umfassung der Russen durch die Armee Hindenburgo. Der gewaltige Ring um das 13., 15. und 23. russische Armeekorps war geschlossen, als im letzten Augenblick neue russische Kräfte in einer 36 Kilometer langen Linie auf Reidenburg marschierten. Hindenburg und das 1. Armeekorps waren aber nicht gesonnen, die ungeheure, in den mafurischen Wäldern harrende Beute fahren zu lassen und so entwickelte sich denn nochmals, als fünfter Tag der Tannenberger Schlacht ein furchtbares Ringen nach Nord und Süd; im Laufe des Tages griffen Nachbartruppen ein und der Sieg bei Tannenberg endgültig entschieden. In hellen Scharen kamen die Russen, was von ihnen in den Sümpfen un Wäldern übrig geblieben, heraus und ergaben sichg **(Die Schwalben) rüsten sich schon wieder zuAbzuge. Die letzte Brut ist seit ungefähr 14 Ta gen flügge, und draußen auf Telephon= und Tel## graphenleitungen wird jetzt alltäglich Zusammen kunft abgehalten. Da gibts ein Vergnügen, einn Zwitschern und Erzählen, müssen doch die Vorb## reitungen zu einer langen Reise getroffen werdeng Plötzlich fliegt die ganze Gesellschaft von dannn## um nach einigen wohlgelungenen Flugversuchen sicn wieder auf die alte Stelle niederzulassen. In da# Stadt selhst sind die Schwalben jetzt nur noch selteng anzutreffen. Nach ein paar Wochen, und sie wer den ganz verschwinden, sie werden zurückkehren ing den sonnigen Süden, wo auch jetzt gerade so wien bei uns der Waffenlärm des Krieges widerhallt **(Die neue Kriegsanleihe.) Die„Kreuzztg“ veröffentlicht den Erlaß, den der Minister des In. nern von Loebell an sämtliche öffentlichen Spa## kassen in Anbetracht der, neuen Kriegsanleihe ge## richtet hat. Die neue Anleihe soll zu 99 Prozen## ausgegeben werden, ist mit 5 Prozent verzineiag und bie A. 10. 199 unkkchbar. **(Schwere Gewitter) gingen in der Nacht aum Sonntag über unsere Gegend nieder, begleitet von# wolkenbruchartigem Regen. Das Regenwette### mit zeitweilig heftigen Güssen, hat den Sonnta### über angehalten und nach den wenigen warmen## Tagen zu Ende der vergangenen Woche wieder ein merkliche Abkühlung gebracht. Der gestrige Sonn# tag war der vierte verregnete Sonntag diese Manats. **(Branntweinverkauf.) Die am 26. Juni d.s vom Regierungspräsidenten zu Arnsberg erlassen Anordnung über den Ausschank von Trinkbranns wein und Spiritus ist im§ 3 insofern ergäng worden, als nun auch der Verkauf von Trin# branntwein in verkorkten und mit Siggel ode Kapsel verschlossenen Flaschen oder Krügen n## einem Mindestgehalt von dreiachtel Liter zulästc ist, wenn der reine Verkaufspreis einschl. Flash oder Krug für das Liter mindestens 3 Mk. beträgu Für Flasche oder Krug dürfen nicht mehr als## Asg zurüchberaltet werden. (Die Kriegsbeschädigtenfürsorge der Ei### bahnen) hat ihre Tätigkeit bereits aufgenommen Ueber die in den Satzungen vorgesehene Fürsorz hinaus hat sie versuchsweise die Einrichtung### troffen, daß den Kriegsbeschädigten zur Wieden erlangung der Nerven= und Körperkräfte besonden Beihilfen gewährt werden. Die Bezirksausschü haben dem Hauptausschuß eine Reihe von Fälle — bis jetzt über 70— nachgewiesen, in den schnelle Hilfe nottut. In 42 Fällen ist den Krieg beschädigten zur Hebung ihrer Körperkräfte#### zur Ermößlichung eines Landaufenthaltes eine ei# malige Beihilfe bewilligt und in den übrigen F### len ist die satzungsgemäße Fürsorge eingeleit# worden. Es sollen nun künstliche Gliedmaßen u## Ansätzen für verschiedene Handwerke, besonders### arbeitete Schuhe, Schnürstiefel mit geschnürte Schaft usw. beschafft und den Pfleglingen der# such von Sanatorien und Solbädern, Lungenheit stätten usw. ermöglicht werden. Für den Besut von Fortbildungs= uund Fachschulen steht### Kriegsbeschädigten eine besondere Beihilfe Aussicht. ** Westhofen, 30. Auß.(Jugendwehr.) hiesige Jugendwehr hatte gestern anläßlich ih einjährigen Bestehens eine größere Feier ver### staltet, an der sich auch die Jugendwehren r## Schwerte und Syburg beteiligten. Als Ehrengä# waren die Herren Bezirkskommandeur Major Jeinsen=Dortmund und Reg.=Ass. Dr. Burchat Hörde anwesend. Wir werden in unserer morgig Ausgabe näher auf die imposante Veranstaltu ewneben. eronbete ** Hohensoburg, 30. Aug.(G##er## Augflug) Am Samstag nachmittag ur. etwa 400 Verwundete aus den Lazaretten#### Unna und Königsborn auf der sagenumwoben Wittekindshöhe. Ein Extrazug hatte die wacker Krieger nach Westhofen gebracht, von wo aus de Marsch nach der Höhe angetreten wurde; für 50 fußkranke Krieger hatten verschiedene Landwi### mehrere geschmückte Wagen zur Verfügung gestelt Nach einer Feier am Denkmal, bei welcher Pastor Krämer aus Unna eine Ansprache hie# wurden die Krieger im Restaurant Ullmer wirtet; hier richtete Herr Stadtrat Beckmans Unna eine Ansprache an die Teilnehmer des fluges, die am Abend, voll befriedigt von schönen Eindrücken, die Rückfahrt antraten. ** Ergste, 30. Aug.(Wohltätigkeit] Konzert.) Zum Besten des Kriegsliebezisen hatte der M.=G.=V.„Eintracht“, ve. bekant lich schon über 20 Jahre der bewährten hest des Herrn Hauptlehrers Schulte gestern im Saale der Frau Wwe. Kagr, u ein Konzert veranstaltet. Wie im ganzen# Vaterlande war auch in unserer Ortschaft der an die Wohltätigkeit auf äußerst fruchtbaren gefallen; der geräumige Saal wox netgt daß sogar die Nebenräume mit A###utzt nrußten. Das Konzert selbst hat einen glänzerg Verlauf genommen und bot den zahlreichen suchern Stunden hohen künstlerischen Genusses. wohl die prächtigen Chorlieder der„ „Ein blankes Wort“, von Kirchl,„Matrosen!! von Griesenbeck,„Matrosenblut“ von Neumann v. wie auch die Darbietungen der Solokräfte, Hinnenberg=Köln(Alt) und der## Dahlbüdding(Tenor) und Schäfer(Bariton) aus Schwerte, fanden warmen und nachhaltigen Beifall, insbesondere löste das köstliche Lied von der„Emden", von Frau Hinnenberg unter Lautenbegleitung zum Vortrag gebracht, wahre Beifallsstürme aus. Auch die in die Vortragsfolge eingestreuten Musikvorträge der SolistenKapelle Alexander aus Holzen fanden die gebührende Beachtung und trugen nicht wenig zum guten Gelingen der Veranstaltung bei. Herr Pastor Schulze=Nölle dankte im Verlaufe des Konzerts dem Verein und allen Mitwirkenden und brachte zum Schluß seiner wirkunszsvollen Ansprache ein Hoch auf Heer und Marine, sowie auf Kaiser und Reich aus.— Wir wünschen dem M.=G.=V. „Eintracht“, der seine Kräfte schon oft in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt hat, ein weiteres Blühen und Gedeihen. Westfalen und Rheinland. * Menden, 28. Aug.(Bedeutsamer Freispruch.) Am 10. Februar 1914 erließ die hiesige Polizeiverwaltung eine Verordnung für die Wirte, wonach der Schnapsverkauf über die Straße von Samstag nachmittag 4 Uhr bis Montag mittag 2 Uhr verboten wurde. Zwei Wirte erhielten Strafmandate, gegen welche sie Berufung einlegten. Der Wirteverband von Westfalen und Lippe und der Deutsche Gastwirtetag befaßten sich mit der Angelegenheit. Das hiesige Schöffengericht sah gestern in der Verordnung einen. Eingriff in die Gewerbefreiheit, weshalb die betr. Verfügung der Polizeiverwaltung für nichtig erklärt wurde. Kartoffeln zu besonders hohen Preisen verkaufte und dabei meinte, daß er die Preise, wenn er sie in Arnsberg nicht erhalte, in anderen Städten erhalten könne. Er wurde sofort vom Markte verwiesen, damit er keine Zeit verliere, auf anderen Märkten zu erscheinen. * Recklinghausen, 28. Aug.(Gegen“den Kartoffelwucher.) Obschon die Kartoffelernte reichen Ertrag verspricht und der Preis für Kartoffeln auf dem letzten Wochenmarkte bereits auf 3,50 Mk. für den Zentner sank, wird doch von der verbrauchenden Bevölkerung im Kreise in unbegründeter Soyge um Deckung des Bedarfs beim rutenweisen Kauf 3 Mk. und mehr für die Quadratrute gezahlt. Von den verschiedenen Behörden ergehen neue Mahnungen, derartig hohe Preise nicht anzulegen; als zulässige Höchstpreise werden 1,80 bis 2 Mk. angegeben. Besonders scharf geht der Magistrat von Buer vor. Er macht bekannt, daß er auf Grund der Bundesratsbestimmungen vom 23. Juli gegen jeden Grundstücksbesitzer, der für die Quadratrute einen wesentlich höheren Preis als 1,50 Mk. fordert, mit aller Entschiedenheit gesetztenfalls mit Enteignung einschreiten werde. Bielefeld, 28. Aug.(Begnadigt.) Im Gnadenwege wurde die gegen den Werkmeister Veith aus Bergkirchen am 9. Juli 1914 wogen. Ermordung seiner Frau(Vergiftung mittels Strychnin) ausgesprochene Todesstrafe in lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt, nachdem inzwischen die eingelegte Revision vom Reichsgericht verworfen sund ein Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens abgelehnt war. * Fulda, 28. Aug.(Eine grausige MordSchwiegertochter, während diese in der Scheune beschäftigt war. Hierauf steckte der Mörder die Scheune in Brand und erhängte sich. —— Eine Sturmflut in Texas. Londoner Telegrammen aus Neuyork zufolge, ist Galveston von einer schrecklichen Katastrophe heimgesucht worden. In der Nacht zwischen Montag und Dienstag zerstörte eine Sturmflut einen großen Teil der Stadt, wobei 600 Personen ihr Leben einbüßten. Ungeheurer Schaden wurde angerichtet, auch die große Eisenbahnbrücke, die die Insel, auf der Galveston liegt, mit dem Festland verbindet, ist zerstört, so daß die Ausfuhr von Kohlen und Baumwolle über Galveston lahmgelegt ist. Die Sturmflut war von einem Orkan begleitet, der einen großen Teil der Baumwollernte in Texas vernichtete. Sausen der Granaten. Während vom Infanterie=Geschoß behauptet wird, daß man das todbringende Geschoß sellst nicht hört, so wird von den Granaten gesagt— wenigstens von einem Teil der Kriegsteilnehmer wird es behauptet, während ein anderer dem widerspricht—, daß man sich vor einer heransausenden Granate noch hinwerfen kann, sie also heransausen hört. Zunächst ist man, wie Dr. W. Meinecke im neuesten Heft der„Monatshefte für den naturwissenschaftlichen Unterricht" ausführt, dernen Geschosse die Schallgeschwindigkeit von 330 Meter in der Sekunde bedeutend übertreffe. Aber genauere Untersuchungen lassen erkennen, daß die Anfangsgeschwindigkeiten allerdings die Schallgeschwindigkeit übertreffen, daß aber der Lustwiderstand die Geschwindigkeit des Geschosses auf Werte uunter 3,30 Meter in der Sekunde herabdrücken kann. So konnte man auch ein Infanteriegeschoßt vorher hören, wenn der Schütze genügend weit entfernt wäre, nämlich 2 Km. zum Beispiel bei Gewehr Modell 98. Die Zeit, die der Schall gebraucht, d. i. 2000: 330= 6,09 Sekunden, ist kleiner, als die Flugzeit von 6,57 Sekunden; aber„die Zeitdifferenz ist sehr knapp“. Wesentlich anders liegt die Sache bei der Granate, Kaliber 8.8. Zentimeter. Fünf Sekunden nach dem Abschuß ist das fligzende Geschoß der Schallwelle des Abschusses voraus. Nach 10 Sekunden hat aber die Schallwelle die Granate überholt. Nach 18 Sekunden trifft die Schallwelle am Ziel ein. Es bleiben also 12 Sekunden bis zum Einschlag. Von der 18. bis zur 30. Sekunde hört man mithin die Granate heransausen. Es kann freilich auch eintreten, daß das fliegende Geschoß auch Schallquelle ist, daß mithin die Schallwellen des Abschusses überholt werden können von irgendeinem Punkte der Flugbahn. Jedenfalls dürfte diesen Untersuchungen neben dem theoretisch sehr interessanten Ergebnis auch ein: praktischer Wert nicht abgesprochen werden. Wetterbericht der deutschen Seewarte. 31.—Heiter, warm, schwül. 1. September: Wolkig, sonnig, Strichregen. 2.—Angenehm, warm. 3.—Wenig verändert, schön. 4.—Sommerlich, später vielfach wolkig. Statt jeder besonderen Anzeige. Die Verlobung unserer Tochter Elfriede mit dem Kaufmann Herrn Wilhelm Boecker aus Schwerte, z. Zt. im Felde, beehren wir uns hiermit anzuzeigen. PostsekretärJonasu. Frau Mathilde geb.Grell. Elfriede Jonas Wilhelm Boecker Verlobte. 4013 Schwerte, im August 1915, J. Schwerte, im August 1915. Kommt ihr einst zu meinem Grabe, Stört mich nicht in meiner Ruh, Denkt, was ich gelitten habe, Gönnt mir doch die ew'ge Ruh. Heute morgen 9 Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden, mehrmals gestärkt durch den Empfang der heiligen Sakramente, mein innigstgeliebter Mann, unser guter Vater, Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Schleifer Wilhelm Münstermann im Alter von 32 Jahren. 4020 Um stille Teilnahme bitten im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Ww. Maria Münstermann und Kinder. Schwerte, den 28. August 1915. Die Beeratgung Hhrndet-Dienstag, Béh 81. Abrust, Nachmitags 3 Uhr. vom Sterbehause. Sedanstrasse Nr 3, aus statt. Ordentl. Witwe, evangl., 40 Jahre, m. g. Haushalt, wünscht Bekanntschaft mit solidem Herrn wenn auch mit Kinder, zwecks Heirat. Ausführliche Beiese gefl. erbeten unter H. 4025 an die Geschästsstelle d. Itg. Junges 17 Jahre, sucht Stellung für sofort oder später. Angebote unter H. 4026 an d. Geschaftsstelle d. Itg. 4 tüichlige, ersahrene Schlosser für Schnitlmacherei, 10—15 für Kleineisenwaren, 30— 40 geschulte Arbeiter per sofort gesuht.[3984 Wilh. Borggräfe G. m.b H. Westhofen, Westf. gegen hohen Lohn und dauernde Beschäftigung auf sofort gesucht. 3965 Wesff. Fahrradkeitenfabrik 3. m. d. H. Schwerte(Ruhr). 10 Prozent Rabatt gebe ich auf Betten während der Kriegszeit Gute Betten, soIl man nur in einem reellen Geschäft kaufen, weiches seit Jahren diesem Artikel ganz besondere Sorgfalt zuwendet. Doppeltgereinigtestaubfreie Federn. Starker federdichter Barchent. Verkaufe unter langjähriger Garantie jedes Bettes: Vollständiges 1½ schläfiges Ober- oder Unterbett mit 7 Pfund gereinigten Federn gefüllt..... 7,00 und 9,00 Mk. Vollständiges 2schläfiges Ober- oder Unterbett mit 10 Pfund gereinigten Federn gefüllt 12 Vollständiges 2schläfiges Ober- oder Unterbett mit 10 Pfund gereinigten Federn gefüllt 15,50 Mk. 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Ableilung Eisenwerk Westhosen. 328## Für die uns bewiesene herzliche Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben Mutter sprechen wir hierdurch allen unseren tiefgefühlten Dank aus. Geschwister Engelhardt. Schwerte, den 30. August 1915. 4021 WVelours u. Fllzhüte # zum Umpressen besorgt billigst.. 4022 A. Kaufhold Ww. Fernsprecher 189, 153. Böchserncheh. Erloschen: Maul= und Klauenseuche unter dem Rindvtehbestande des Landwirts Fritz Schulte Renninghausen. Wellinghofen, den 26. August 1915. Die Polizeiverwaltung. Verband Westälischer Arbeilsnachweise. Die Arbeits=Nachweisstelle Schwerte Lielhstraße 4 Fernspr. Nr. 213 vermittelts Arbeilskräfte aller Ark 412 vollständig kostenfrei. täuer-Oriele liefert schnell und sauber Buchdruckerei E. Braus Mehrere Kulrgen gestach) 1990 Gebr. Kaiser& Co., Neheim. Sauerkraut pp. 10 Pfg. Neues Sauerkraut, 16 Pf. Pökelfleisch 45 Ps. emspfiehlt für Lebensmittel Brüchstraße 23. Für den Schafdmung Verkauf I. 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Nach seiner,. gann er ruhelos und stumm auf und ao zu gehen. „Haben Sie sich den Fuß verletzt?“ fragte Lisa in die Stille hinein.„Sie hinken ein wenig.“ Achselzuckend sah er an sich hinab. „Nichts,“ murmelte er.„Nur der Absatz ist schuld. Von dem rechten fehlt ein Teilchen. Ich hatte es verEr fuhr mit der Hand über die heiße Stirne. ja— er fehlt,“ wiederholte er noch einmal gedankenlos. An diesem Abend saß Lisa Hell, nachdem die anderen sich zurückgezogen hatten, noch lange allein wach. Doktor Hauptmann hatte ihr, ohne daß sonst jemand darum wußte, die Schlüssel zu Roses Stube und allen ihren „Vielleicht findet sich unter ihren Sachen doch etwas, das uns einen Hinweis in die Hand spielt. Ich weiß, Sie forschen mit den Augen der Freundin. Geheimnisse hat mein armes Kind kaum gehabt,“ hatte er zu ihr geagt. Und nun saß Lisa neben dem zierlichen alten Schreibtisch und zog langsam ein Fach nach dem anderen, heraus. Sie mußte erst ein starkes Widerstreben überwinden. Von Natur feinsinnig und von vornehmer Denkart, hatte sie von jeher das Schleichende, Nachspürende, das doch die Basis von ihres Vaters Beruf bildete, als unangenehm empfunden. Nur der Gedanke, wie viele Verbrechen schon durch dieses Beobachten aufgedeckt wurden, hatte sie immer wieder versöhnt mit den Wegen, die sie oft gehen mußte. Aber heute, in der Stille dieser Nacht, in der tiefen Einsamkeit, in der frischen Trauer um ein junges Leben, war es ihr doch wieder fast als ein Unrecht erschienen, Hand anzulegen an Dinge, die das eigenste Eigentum einer Toten bildeten. 8 Nur zögernd begann sie schließlich, die treinen zucher Mlorbumen. Vorerst war da nichts Besonderes. Ein paur Tanzkarten, trockene Sträußchen, unschuldige Mädchenerinnerungen. Im nächsten Fach Andenken an die leidenschaftlich geliebte Mutter, einige Briefe von fernen Freundinnen. Sonst nichts.„„„ Lisa Hell feufzte. Wenn man Rose Hauptmanns eigenartigen Charakter in Betracht zog, hatte man kaum etwas anderes erwarten können. Sie war ja keins jener fröhlichen, leichtlebigen Geschöpfe, welche ihr Herz an nichtigen Tand hängen.... 6s, Finsamkeit 8.3 Von Natur sehr ernst, durch die Einsumten des Wohnortes weniger als andere von ihrem Innenleben abgezogen, vertiefte sich ihr Wesen mehr und mehr. Sie war unendlich pflichtgetreu, begeisterungsfähig und warmherzig. Aber sie lebte ihr eigenstes Leben und gewährte selten jemandem Einblick in ihre Gefühlswelt. (Fortsetzung folgt.) Einst und Jetzt. Aus der Geschichte des Ladenschildes. Die alten Ladenschilder und Berufsabzeichen, die die Handwerker des Altertums und des Mittelalters an ihren Häusern befestigten, geben der Forschung viele wertvolle und fesselnde Hinweise über die allmähliche Entwicklung des Zunftwesens und im weiteren Verlaufe über die Art und Weise, wie sich mit der Zeit aus dem Berufsabzeichen das Ladenschild und das Firmenschild entwickelt. Im alten Rom fand man die Abzeichen des Handwerkes stets über der Tür zu den Werkstätten, und bei den Ausgrabungen in Pompeji hat man eine reiche Menge derartiger primitiver altrömischer Ladenschilder gefunden und geborgen. Wie sich aus der einfachen Notwendigkeit, dem Passanten das Handwerk des Hausbewohners anzukündigen, allmählich — und nicht ohne Umwege— das Ladenschild und schließlich sogar eine wirkliche Kunst des Ladenschildes entwickelte, zeigt die einzigartige Sammlung derartiger Abzeichen und Schilder, die in Paris zusammengebracht wurde. Sie spiegelt naturgemäß in erster Linie den Entwicklungsgang in Frankreich, der aber in vieler Beziehung in seinen großen Zügen als typisch gelten kann. Bis zum 15. Jahrhundert herrschte in Frankreich eine fast unbeschränkte Abzeichenfreiheit, die auch von den Hausbesitzern aufgegriffen wurde, um ihre Häuser mit besonderen Schildern zu versehen. Unter Franz I. brachten die italienischen Handwerker aus ihrer Heimat Terrakotta= und Majolika=Schilder mit. Man darf nicht vergessen, daß in jenen Tagen reguläre Straßenbezeichnungen fehlten, von Hausnummern gar nicht zu sprechen; so boten denn die Schilder mit ihren leicht faßlichen Darstellungen ein bequemes Mittel, die Häuser zu bezeichnen, ja oft ganze Straßen nach ihnen zu nennen. Unter Ludwig XIV. begann man die Abzeichen und Schilder einer genaueren Ueberwachung zu unterstellen. Als 1728 der Polizeichef Hérault dazu überging, den Straßen bestimmte Namen zu geben, die in schwarzen Buchstaben auf weißen Eisenschildern an den Straßenecken angebracht wurden, begann man die Handwerkerabzeichen und die Ladenschilder einer strengen Kontrolle zu unterziehen. Es kam nicht selten vor, daß Darstellungen oder Inschriften solcher Schilder der Akademie vorgelegt wurden; Amt der Gelehrten war es dann, sowohl die Orthographie, wie auch die sittliche Unbedenklichkeit zu untersuchen. Mancher findige Kopf kam auf den Gedanken, sein Schild gleichsam zu einem Bilderrätsel zu machen, in der Erwartung, dadurch Interesse zu finden; es fehlte auch nicht an heiteren und derben Späßen. Die Rokokozeit zieht bereits Künstler heran, um die Laden= und Firmenschilder zu schmücken; Watteau, Chardin und Boucher scheuten sich nicht, dieser Arbeit ihre Pinsel zu leihen. Bumur. Sicherer Beweis.„Unsere Tochter und ihr Bräutigam müssen aber einen tüchtigen Krach miteinander gehabt haben.“„Wie kommst du darauf?"„Fünf Pfund Zuckerzeug, ein Rosenbukett und zwei Opernbilletts sind schon heute früh angekommen.“ Rücksichtslos. Herr Blaustrumpf in sanftem Ton:: „Dies ist das vierte Mal diese Woche, teure Sofia, daß wir Büchsenfleisch und getrocknetes Gemüse essen. Ich muß gestehen, ein bißchen mehr Abwechslung wäre mir ganz angenehm.“ Frau B. wütend:„Tu bist wirklich furchtbar rücksichtslos, Konrad. Du weißt doch, daß ich noch die Korrekturbogen von meinem neuen Buch:„Hundert köstliche Mittagund Abendmahlzeiten" zu lesen habe.“ 4 170 Amfliches Kreisblaft für den Kreis börd: 47. Jabrgunz 0 Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 202. Montag, 30. August 1915. Unster faticher kanh Roman von Ai. Withe. *(58. Fortsetzung.) uf einer Ruhebank sitzend, gewahrte Volkhardt, wie eine schlanke, schwarz ) g e k l e i d e t e w e i b l i c h e G e s t a l t a u s d e m Hause trat. Zwar war er der Meinung, daß es jemand von der Dienerschaft sei, aber sein angeborenes Mißtrauen beV stimmte ihn doch, aufzustehen und ihr entgegenzugehen, um sich zu vergewissern, wen er vor sich habe. Sein Erstaunen war nicht gering, als er hinter den Maschen des dichten Schleiers die feinen Züge seiner Tochter Gerda erkannte. „Was heißt das?“ fragte er.„Wohin gehst du so früh am Morgen?“ Ein heißes Rot stieg für einen Moment in vas blasse Gesicht des jungen Mädchens. Sie mußte während der letzten Tage viel gelitten haben, denn ihr Gesicht war sehr schmal geworden, und breite dunkle Schatten lagen unter ihren Augen. Sie war offenbar nicht darauf gefaßt gewesen, ihrem Vater zu begegnen, aber in der Ueberraschung, die sie nicht verbergen konnte, war doch nichts von Furcht. „Ich bin im Begriff fortzugehen, um nicht mehr zurückzukehren,“ erwiderte sie ohne Zaudern.„Ich nehme dich eben beim Wort.“„ i 1u shrig M., „Du bist eine überspannte Kartinr schrie Volkhardt sie an.„Was sind das für abgeschmackte Redensarten!" f Es sind keine Redensarten, sonoern was ich sage, entspricht nur den Tatsachen. Wir haben uns vollkommen verstanden, als wir diese Frage vor einigen Tagen erörterten! Du sagtest, daß du, wenn ich gewisse Dinge täte, mich aus deinem Hause weisen und mich meinem Schicksal überlassen würdest. Ich sollte mich dann nicht länger als deine Tochter betrachten.“ „Es mag sein, daß ich etwas Derartiges gesagt habe, aber——“ „Nicht etwas Derartiges, Papa, sondern genau das, was ich soeben wiederholt habe. Deine Worte waren in ihrer Brutalität wahrhaftig und unzweideutig genug! Ebenso klar und unzweideutig aber ist mir nun auch vorgeschrieben, was ich zu tun habe!" „Hat je ein Vater soviel Aerger und Verdruß mit seinen Kindern erlebt? Hat man je etwas so Unvernünftiges gesehen? Diese vermeintliche Notwendigkeit, Malzyn von allem zu unterrichten, ist nichts als eine verrückte Idee! Warum, zum Henker, mußt du es tun? Er ist doch wirklich eine Partie, die ein vernünftiges Mädchen sich nicht ohne zwingende Not verscherzt. Er ist von guter Familie, besitzt ein sehr an(Nachdruck verboten.) sehnliches Vermögen und ist so in dich verliebt, daß du ihn um den kleinen Finger wickeln kannst, wenn du Lust dazu hast. Ueberlaß es ihm doch selber, zu entdecken, was er entdecken mag. Wenn du erst seine Frau bist—.—.., J.7 g i ainm Schman „Ich werde es niemals auf Gruno einer schmanhvollen Lüge werden, Papa! Du weißt, daß er darauf brennt, mit Paul Creter zusammenzutreffen und Rechenschaft von ihm zu fordern. Die bloße Vorstellung dieser Begegnung macht mich zittern. Der Himmel weiß, was sich dabei ereignen wird. Glaubst du vielleicht, daß Herr von Malzyn, bei all seiner Liebe zu mir, sich jemals entschließen würde, mit vollem Bewußtsein die Tochter des Wucherers Paul Creter zu heiraten? Niemals! Und seit ich die Wahrheit kenne, durfte ich nicht einen Augenblick im Zweifet darüber sein, daß es meine Pflicht sei, ihm die ganze Wahrheit zu ofenbaren!“..„.44 zu um „Dann bist ou aiso entschlossen, es jetze za lun? Oder du hast es vielleicht schon getan?“ „Ja. Herbert hat mich wissen lassen, daß er heute hierher kommen wird, um mit mir den Tag unserer Hochzeit festzusetzen. Ich aber will und kann ihm nicht noch einmal begegnen, weil ich Auge in Auge vor ihm niemals den Mut finden würde, ihm das verhängnisvolle Bekenntnis abzulegen. Darum begehe ich jetzt die Feigheit, vor ihm davonzulaufen. Aber ich habe einen Brief für ihn zurückgelassen, der ihm alles offenbart. Oh, wenn du wüßtest, was es mich gekostet hat, diesen Brief zu schreiben,— wenn du ahnen könntest, was ich gelitten habe—.—“., gasten uu. M. „Es wird dich noch viel mehr losten, vu Karrin, als du dir jetzt träumen läßt.“. „Ich weiß wohl, was du damit sagen willst. Du meinst, daß ich von nun an allein für meinen Unterhalt sorgen muß, daß ich nur noch eine weiße Skla in sein werde, wie die ärmste meiner unglücklichen Mitschwestern. Wohl, es mag ein hartes Schicksal sein; aber es gibt doch noch härtere als dies. Und das härteste für mich wäre jedenfalls, wenn ich länger unter dem Dache dieses unglückseligen, mit dem Fluch erbarmungswürdiger Opfer behafteten Hauses leben müßte.“ „Hast du denn überhaupt Geld?“ „Ich besitze noch einiges von meinem Taschengelde, und ich denke, es wird hinreichen, mich vor dem Verhungern zu schützen, bis ich eine Stellung oder eine Beschäftigung gefunden habe.“ Volkhardt brach in ein höhnisches Gelächter aus. — 0 „Eine Stellung?— Eine Beschäftigung?“ wiederholte er.„Was hast du denn gelernt, daß du hoffen dürftest, damit dein Leben zu fristen? Wo sind die Zeugnisse und die Empfehlungen, auf die du dich berufen könntest? Aber meinetwegen. Mich soll es wenig kümmern. Denn ich rate dir, fortan nicht mehr auf mich zu rechnen. Wenn du mich verleugnen willst, wohl, so verleugne ich auch dich. Auch wenn du dich in der bittersten Not besändest, von mir würdest du doch keinen Psennig und keines Pfennigs Wert erEr wandte sich kurz um und schritt dem Hause zu, fest überzeugt, daß erbarmungslose Strenge das einzige Mittel sei, um dies rabiate Mädel wieder zur Vernunft zu bringen. Denn er sah wohl, daß sie sich keineswegs so sicher fühlte, wie ihre Worte es zu bekunden schienen. Sie war denn doch zu klug, um sich über die ungeheuren Schwierigkeiten zu täuschen, die sich ihr draußen in der harten Welt bei der Ausführung ihres verzweifelten Vorhabens entgegenstellen würden. Und wenn sie es überhaupt über sich gewann, Schloß Buchwalde zu verlassen, so würden die ersten trüben Erfahrungen sie nach Paul Volkhardts Ueberzeugung bestimmen, reumütig und zerknirscht unter das Dach des väterlichen Hauses zurückzukehren. Gerda aber warf nach ihres Vaters Entfernung trotzig den Kopf zurück, tilgte die Tränenspuren von ihren Wimpern und war eben im Begriff, sich dem Ausgang des Parkes zuzuwenden, als der Klang eines festen Schrittes sie veranlaßte, aufzublicken. Im nächsten Moment kam ein Ausruf der Ueberraschung von ihren Lippen.„„ „Rolf!“ rief sie.„Rolf Ristow! Ja, sind Sie es denn wirklich? Habe ich damals geträumt oder träume ich jetzt? Diese Veränderung——“ „Ich freue mich Ihres Erstaunens,“ erwiderte er lächelnd, indem er sich mit dem Anstand eines Kavaliers vor ihr verbeugte.„Sie finden also wirklich, daß ich mich seit unserer letzten Begegnung erheblich verGerda nickte, und noch deutlicher als in dieser bejahenden Bewegung offenbarte sich ihre grenzenlose Verwunderung in ihrem Mienenspiel. Sie hatte Kolf Ristow zuletzt als einen völlig gebrochenen Menschen gesehen, der den Eindruck eines heruntergekommenen Trunkenbolds, wenn nicht eines Irrsinnigen machte. Und wie er jetzt vor ihr stand, tadellos gekleidet und mit klar blickenden Augen, wenn auch noch immer mit bleichem Gesicht und nervös zitternden Nasenflügeln, schien er jenem traurigen Bilde kaum noch in einem einzigen Zuge zu gleichen... 4er An, „Sie sehen, was wenige Wochen bei richtiger Anwendung aus einem Menschen machen können," fuhr er fort.„Es gibt Augenblicke, Gerda, in denen mir alles, was hinter mir liegt, nur noch wie ein wüster, schrecklicher Traum erscheint. Und für einen solchen Traum will ich es ja auch künftig ansehen. Ich will vergessen, daß ich auf dem geraden Wege zu meinem Verderben und dem Rande des Abgrunds bereits bis auf wenige Schritte nahe war, als eine gütige Hand mich zurückriß und mich wieder auf den rechten Pfad führte! Es war eine schwere Hand; aber wenn sie rücksichtslos mit mir verfuhr, so geschah es nur zu meinem Heil. Ich habe mich selber wiedergefunden und habe mich aufgerichtet an der Erkenntnis, daß doch noch nicht alles Gute in mir erstickt und tot war. Als ich vor wenig Wochen hierher kam, geschah es, weil ich entschlossen war, ein Verbrechen zu begehen. Heute aber hat niemand mehr etwas Derartiges von mir zu fürchten.“ „Aber ich verstehe Sie gar nicht,“ auf die seine letzten Worte trotz lächelnden Miene sehr beängstigend Und er beeilte sich, sie zu beruhigen. “ stotterte Gerda, seiner ruhigen, gewirkt hatten. „Nein, nein, wie könnten Sie mich auch verstehen. — Sie in Ihrer kindlichen Unschuld! Wie könnten Sie sich vorstellen, bis zu welchen Ungeheuerlichkeiten die Gifte, zu denen ich meine Zuflucht genommen, einen Menschen treiben können! Aber ich gebe Ihnen mein Wort, daß diese verderblichen Gifte keine Gewalt mehr über mich haben. Ich bin heute hierher gekommen, nicht um blutige Vergeltung zu üben und irgendeine Gewalttat zu begehen, sondern ich bin da, um mir mein verlorenes Glück zurückzugewinnen wenn— nun, wenn es eben noch nicht, zu spät dazu ist. Halten Sie es für möglich, Gerda daß Angela mir verzeihen könnte?“ „Ich bin dessen ganz gewiß!“ rief das junge Mädchen,„obwohl sie niemals darüber zu mir gesprochen hat. Aber ich weiß trotzdem, daß sie alle diese Jahre hindurch auf den Augenblick gewartet hat, wo Sie wiederkommen und ihre Verzeihung erbitten würden. Und warum sollten Sie nicht glücklich sein? Es gibt doch zwischen Ihnen und meiner Schwester kein Hindernis, das sich nicht überwinden ließe.“ „Auch nicht meine Armut?“ fragte er.„Sie dürfen doch nicht vergessen, daß ich nichts mehr besitze.“ „Aber Sie sind jung und haben so glänzende Fähigkeiten. Wenn Sie den ernstlichen Vorsatz hegen, wird es Ihnen sicherlich gelingen, es wieder zu etwas zu bringen!“ „Der Weg dürfte doch etwas zu lang sein, als daß ich mich allein auf ihn verlassen könnte! Aber ich glaube noch andere Hilfsquellen zu besitzen. Wenn ich mit einem gewissen Manne Abrechnung gehalten habe, dürfte ich wieder reich genug sein, um als Bewerber vor Angela hinzutreten. Ich bin eben im Begriff, diesen Mann zu suchen, um über gewisse Dinge Auskunft von ihm zu fordern. Und ich hoffe, daß ich mich mit ihm verständigen werde— einerlei, wer dieser Rann sein mag.“ Gerda fragte nicht weiter. Sie wußte ja, wen er meinte, und wollte sich die Demütigung ersparen, aus seinem Munde die ausdrückliche Bestätigung zu erhalten, daß es ihr Vater sei, den er suchte. Es bereitete ihr eine aufrichtige Genugtuung, sich vorzustellen, daß wenigstens Angela nun doch vielleicht noch glücklich werden könnte. Ohne Kämpfe und schwere Aufregungen würde ja wahrscheinlich auch das nicht abgehen; aber nach dem Eindruck, den Rolf Ristow beute auf sie machte, durfte sie wohl die Zuversicht hegen, daß er endlich den Sieg erkämpfen wurde. Dann aber fiel ihr der Gedanke an ihr eigenes Unglück nur um so schwerer auf die Seele, und es drängte sie mehr denn je zuvor, von hier zu entfliehen. In ihrem jetzigen Gemütszustande konnte sie nicht die Augenzeugin fremden Glückes sein, nicht einmal des Glückes ihrer aufrichtig geliebten Schwester. Sie wollte sich eben mit einem raschen, freundlichen Wort verabschieden, als plötzlich, wie aus der Erde gewachsen, derjenige vor ihr stand, dem sie nie mehr in ihrem Leben hatte begegnen wollen. „Ristow!“ rief Herbert von Malzyn.„Ich habe mich also wirklich nicht getäuscht, als ich deine Stimme zu erkennen glaubte? In was für einer vertraulichen Zwiesprache seid ihr denn hier begriffen? Aber vor allem, was für ein Wunder ist mit dir geschehen? Es ist ja, als ob ein Toter ins Haus zurückgekehrt wäre!“ „Du darfst getrost annehmen, daß sich mit mir in der Tat ein solches Wunder zugetragen hat. Und der Wundertäter heißt in diesem Fall Tito Mascani. Es ist eine viel zu lange Geschichte, als daß ich sie dir hier auf dem Fleck erzählen könnte, Malzyn! Zu guter Zeit sollst du alles erfahren. Nur um dich über den Zweck meines Hierseins aufzuklären: ich suche jemanden, mein Freund!“ (Fortsetzung folgt.) in +0 BnSSE 8 • S.S. 2 2** = S 1 S SSESESSSSEDE S SaSpöSSSEE BSSAERE S 885 S E. Seger P EUESSTSSESNE 8% 5 S85x SStsg SSüSEBTESE sunst sillen Wolken als Krankheitsträger. Mit der bisher noch kaum genügend ergründeten Rolle, die die Luft und die Wolken als Träger und Verbreiter von Krankheitskeimen spielen, beschästigt sich eine Untersuchung des Medical Council von Philadelphia. Der in den Luftschichten treibende Staub vermag in Zusammenwirkung mit der Feuchtigkeit und der Wärme das Keimen und die Entwicklung von Krankheitserregern zu fördern, und Gelehrte haben berechnei, daß Jahr um Jahr ungezählte Tonnen solchen Staubes auf die Erde niedergehen und dabei Bakterien aussäen. Der deutsche Forscher Weber hat beispielsweise nach dem Niedergehen gelblichen Schnees Myriaden von Mikroben in den niedergegangenen Schneemassen feststellen können, und schon 1755 ergab die genaue Untersuchung großer, in den südlichen Alpengebieten niedergegangener Schneemassen das Vorhandensein gelber Bakterien. Auch im Oktober 1846 wurden in Frankreich bei einem Schneefall bisher unbekannte Mikroben festgestellt. In den meisten Fällen wird es nicht nachzuweisen sein, woher diese Krankheitskeime kommen, daß sie sich aber in den Lüften weiterentwickeln und von den Wolken weitergeführt werden, ist erwiesen. Diese Tatsache erklärt auch den Umstand, daß in manchen Gegenden plötzlich neue, scheinbar völlig unbekannte Krankheiten auftauchen; die Krankheitserscheinungen und der Krankheitsverlauf zeigen dann mancherlei Abweichungen gegenüber den bisher an anderen Stätten bereits bekanntgewordenen ähnlichen Krankheitsarten. Das erklärt sich dadurch, daß unter einem ungewöhnlichen Milieu die Mikroben den Gesetzen der Evolution unterliegen. Wenn nun gewisse Bakterien durch die Wolken auf Gebiete getragen werden, die für jene Mikroben gleichsam noch jungfräulicher Boden sind, bleiben Epidemien nicht aus. Die Ansteckung und Uebertragung von Epidemien auf diesem Wege sind häufiger, als der Laie das annehmen würde. Die pathologischen Formen erscheinen alsdann als neu; denn von ihrer Heimat und ihrem Zentrum entfernt, entwickeln die Keime veränderte Eigenschaften. Eine die ganze Welt umfassende vergleichende Pathologie würde die bedeutende Rolle, die der Luftstaub und die Wolken bei Epidemien spielen, klarer erkennen lassen, als dies bisher möglich war. Jrdenfalls dürfen in vielen Fällen die Regen= oder Schneewolken, die wir am Firmament dahinziehen sehen, als die Bringer von Krankheitserregern angesehen werden. Welke Blumen. Erzählung von A. Hottner=Grefe. (Fortsetzung.)(Nachdruck verdoten.) Lisa Hell nickte gedankenvoll. „Hatte Rudolf Hiller sein Gewehr mit?“ „Ja,“ entgegnete der Pfarrer befremdet.„Aber es fehlt kein Schuß,“ fügte er sofort rasch und abweisend hinzu. An seinem Ton erkannte Lisa, daß er gereizt war. Und sie schwieg klugerweise.— Eine kurze Weile danach saß sie wieder in dem Wohnzimmer des Doktorhauses. Eine Menge Menschen standen und saßen flüsternd umher. Da war Doktor Hauptmann selbst, dann seine heimkehrenden Söhne, Robert und Emil, denen das tragische Geschick ihrer schönen Schwester noch völlig unbegreiflich erschien. Rudolf Hiller saß, stumpf vor sich hinbrütend, in einer finsteren Ecke; Freunde, Nachbarn standen mitleidig und neugierig herum. Das Mädchenstübchen im oberen Stockwerk stand bereits leer. Man hatte die Leiche in der Dämmerung fortgebracht, aber doch sprachen alle nur halblaut, als läge ein Schlummernder im Hause. Wieder einmal tat sich die Tür auf. In ihrem Rahmen erschien eine ältliche Frau, deren Augen dick verschwollen waren vom vielen Weinen. Sie war ganz in Schwarz gekleidet und schien außerordentlich erregt. Auch jetzt begann sie wieder heftig zu schluchzen. Toktor Hauptmann sah auf und erhob sich. „Liebe gnädige Frau!“ sagte er.„Das ist viel von Ihnen, daß Sie noch heute kommen. Der Weg vom Gut her ist doch weit.“ „Ich kam ja im Wagen,“ stotterte die Dame.„Oh, es ist alles gar zu schrecklich! Ich mußte unbedingt her, obgleich Ernst seit gestern krank ist. Ja. Er kam erst gegen zehn Uhr von der Jagd heim und hatte die entsetzliche Nachricht schon im Orte gehört. Er wäre natürlich gleich gekommen, schon Rudolfs wegen, aber er war zu nichts imstande. Eingesperrt hat er sich die ganze Nacht in seinem Zimmer, und immer drinnen auf und ab ist er gerannt wie ein Wahnsinniger. Heute liegt er wie besinnungslos. Er schrieb es ja, glaube ich, heute früh.“ Der Doktor nickte. „Ja, was ich noch sagen wollte,“ fuhr die alte Dame fort,„deshalb konnte ich auch nicht eher weg.— Und die Kinder! Ich weiß ja gar nicht, wie ich sie beruhigen soll! Sie sind rein verzweifelt über den Tod ihrer geliebten Rose!— Aber jetzt mußte ich her. Ich muß doch Rudolf sehen, meinen armen, lieben Rudolf—“ Sie hatte dies alles nur stoßweise hervorgebracht. entdeckte sie die Gestalt in der dunklen Ecke. „Rudolf!“ schrie sie auf, und im nächsten Augenblick stand sie neben ihm.„Du mein lieber, lieber Bub'! Mein Herzenskind! Du mein Liebling!“ Sie nahm seinen gesenkten Kopf zwischen ihre Hände.„Ich weiß gar nicht, was ich dir sagen soll!“ schluchzte sie. Für so was gibt's ja keine Worte! Aber denke nur auch an uns, Rudolf, an die Menschen, welche dir bleiben. Wir hängen ja so an dir! Ich habe dich aufgezogen, seit deine gute Mutter die Augen zumachte, und wenn ich auch nur eine Tante bin—“ sie weinte neuerlich— „ich kann sagen, du und Ernst, ihr seid mir lieber als alles auf der Welt!— Und wenn man einen Bruder hat, wie Ernst—“ Sie konnte nicht weitersprechen; denn Rudolf Hiller schnellte plötzlich empor mit einer Spannkraft, welche man dieser gebrochenen Gestalt kaum zugetraut hätte. Jetzt stand er vor der alten, bekümmerten Frau, blaß, zitternd, ein Bild furchtbarster Aufregung. „Sprich nicht so, Tante Marie!“ rief er.—„Ich ertrage es nicht! Ich werde noch verrückt! Hörst du!“ Mit beiden Händen fuhr er sich in das dichte Haar. Dann sah er wirr um sich, und eine Sekunde darauf lag er, schluchzend wie ein kleines Kind, in den Armen der alten Frau. „Weine dich nur aus!“ sagte sie sanft.„Weine nur!“ Da lösten sich seine Hände und fielen schlaff herab. Er sank, wie zu Tode erschöpft, in seinen Stuhl. Befremdet sah die alte Frau nach ihm hin. Zufällig stand sie nun neben Lisa, die sie noch nicht kannte, und da eben wieder andere eintraten, begann sie, wortreich wie das Alter oft ist, mit dem Mädchen zu plaudern. „Ja, ja— ich habe sie beide aufgezogen, die Brüder,“ sagte sie.„Nein, wenn ich bedenke, wie leidenschaftlich Ernst an seinem jüngeren Bruder hängt! Das ist schon eher wie ein Vater an seinem geliebten Kind! Wenn er nur morgen wohler ist und kommen kann! Unser armer Junge braucht ihn ja jetzt so notwendig.“ Rudolf Hiller war wieder aufgestanden und machte