Amtliches Kreisblatt für den kreis börde on„Scumim Sutnugcheichem ugic. euder Felertags. Bezugsprets M., H oiertet. Adrlich, dei der Post sde Bedelgen 62 Plo. gede. Wöchenfl. Grafsdeslago:„.Ihustriertn Famillenfreund“. u. 45gl. Uaterbaltungabialt. Anzeigenpreis: Die Zedengespolene Pettpelloder deren Raum 10 Plo., Anzeigen am auswárd 1s Pig., Reklamezells 40 Pio. Joder Radan gil als Kasaradan a. ertisch da Honkursen, Zwangsoergluichen. gerichl. Klagen a. (Setrsund erest. Setiunsekurns! Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Velksblan Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Scmerter Holkszeitune Verbunden mit: * Schwerker Cageblatt O Schwerter Anzeiger Grstes und Alteltes Cagesorgan des Krelles o General-Hnzeiger für den Kreis Bärde&um Gaupt-Hononzenblan unln deue und bbetenbgrüichmn durn gungen vor des Auntz Hörde anlongn guuet Bedonavnachung der Räutglche Regierung bur0 Derössentichung in der Jeitung“ zrchwoerdiadiche, Arost.— De „Schwerter Zeitung“ gewshn ihree Abonarsin Die bebs an Toh emndrndm uasel gr. Ssgunge. S 300 Mk. Unsall. Duchu Verntage. Con Boomn Schoune. No Fernip. 62. Teagr. Adr. Drous Schwerts. Nr. 198. Die Eiltschließung ron Brest Siegreiches Fortschreiten im Osten. Der Eisenbahnknotenpunkt Kowel 8400 Aussen Festriger.„„ 17 Maschilirn kulel. seit Vörttseny J3 Pebrur 1913 ins Enie en belgischen Zrchiven. Der Panslawismus und Poincarismus. * Am Sonntag hat die„Nordd. Allg. Ztg.“ weitere Dokumente aus den belgischen Archiven veröffentlicht. Es sind Berichte der belgischen Gesandten aus den letzten Jahren. Nachdrücklich wird in ihnen dargelegt, wie der französische Chauvinismus und der russische Panslawismus die Kreise Eduards VII. fortsetzten und anzogen. Es handelt sich namentlich um die Zeit des Balkankrieges. Wir geben aus den Veröffentlichungen einige besonders interessante Stellen wieder: Als der durch russische Intriguen zusammengekommene Balkanbund mit seiner Kreuzzugsagitation gegen die Türkei begann, wurde auch der französische Botschafter in Berlin, Jules Cambon, besorgt.„Der französische Botschafter," schreibt Baron Beyens om 24. Oktober 1912,„der besondere Gründe haben muß, so zu sprechen, hat mir wiederholt gesagt, daß die größte Gefahr für die Erhaltung des europäischen Friedens in der Undiszipliniertheit und der wersönlichen Politik der russischen Vertreter im Auslande bestehe. Sie sind fast alle glühende Panslawisten, und ihnen muß man zum großen Teil die Verantwortung für die augenblicklichen Ereignisse aufbürden. Sie werden, ohne Zweifel, heimlich ihr Land zu einer Intervention in dem Balkankonflikt aufhetzen.“ Trotzdem hiernach der französischen Regierung die Gefahren für den Frieden wohl bekannt waren, die die panslawistischen Bestrebungen in Rußland in sich bargen, begab sich im Sommer der Chef des russischen Admiralstabes nach Paris, um dort Verhandlungen wegen einer abzuschließenden Marinekonvention anzuknüpfen. Mittlerweile hatte sich der politische Horizont Europas immer mehr verfinstert. Der Balkankrieg brach aus. Am 4. November bat die, wie es schien, tödlich getroffene Türkei um Friedensvermittelung, und am 7. Dezember 1912 wurde der Vorschlag Greys, sie einer Botschafterkonferenz in London zu übertragen, von allen Großmächten angenommen. In dieser kritischen Zeit hebt der belgische Gesandte Baron Beyens die Friedfertigkeit Deutschlands hervor. Er schreibt: („.„Es besteht kein Zweifel, daß der Kaiser, der Kanzler und der Staatssekreltär des Auswärtigen leidenschaftliche Anhänger des Friedens sind. Welches auch die Pläne sein mögen, die Herr v. Kid#rlen=Waechter, der sich mit großen Gedanken trägt, im Sinne hat, um seinem Lande die Sympathien der jungen Balkannächte zu gewinnen, eines ist ganz I sicher, nämlich, daß er fest entschlossen ist, einen europäschen Brand zu vermeiden.“ Die Kriegsgefahr wurde ganz allgemein an den europäischen Höfen im Größenwahn Serbiens erkannt, dagegen ist nicht zweifelhaft, daß die panslawistische Partei in Rußland das serbische Feuer schürte, wobei Herr Hartwig, der russische Gesandte in Belgrad, mit Eifer sekundierte. Auch er gehörte zu den Politikern, von denen Baron Beyens in einem seiner Berichte sagt, daß sie wie Tittoni und Iswolski in der auswärtigen Flliter, ihres Landes„eine Kampfrolle“ Eittz##:. Man kann jedoch sagen, daß die Tätigkeit all dieser Männer kaum so verBirzänzsne“ sein konnte, wie die des neuen Steuwegeen der französischen Republik, des Herrn Raimond Poincare. der am Deutscher Tagesbericht. Auf der übrigen Front der Heeresgruppe wurden wtb. Großes Haupiquartier, 24. Aug. 1915. Westlicher Kriegss# Während ihres gestrigen Besuches vor Jeebrügge gab die englische Flotte etwa 60 bis 70 Schuß auf unsere Küstenbefestigungen ab. Wir hatten durch diese Beschießung den Verlust eines Toten und 6 Verwundeter zu beklagen. Außerdem wurden durch zu weitgehende Geschosse noch drei belgische Einwohner verletzt. Sachschaden ist nicht angerichtet. In den Vogesen, nördlich von Münster, ruhte tagsüber der Kampf. Am Abend griffen die Franzosen abermals unsere Stellungen am Barrenkopf und nördlich davon an. Der Angriff wurde zurückgeschlagen. Eingedrungene schwache Teile des Feindes wurden aus unseren Stellungen geworfen; einige Alpenjäger wurden gefangen genommen. Bei den gestern gemeldeten Kämpfen am Barrenkopf ist ein Grabenstück in Feindeshand geblieben. Bei Loo(südwestlich von Dixmuiden) wurde vorgestern ein französischer Doppeldecker durch einen unserer Kampfflieger abgeschossen. Oestliche: Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Nördlich des Niemen keine Veränderung. Fortschritte gemacht. Bei den Kämpfen östlich und südlich von Kowno nahmen unsere Truppen 9 Offiziere und 2600 Mann gefangen und erbeuteten 9 Maschinengewehre. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Auf den Höhen nordöstlich von Kleszczele und des Waldgebiets südöstlich dieses Ortes wurde der Gegner erneut geworfen. Die Verfolgung nähert sich dem Bialowieska=Forst. Der Feind verlor über 4500 Mann an Gefangenen und 9 Maschinengewehre. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Vor den Angrifsen der über die Pulwa und den Bug östlich der Pulwa-Mündung vorgehenden deutschen und österreichischen Truppen räumte der Feind seine Stellungen. Die Verfolgung ist im Gange. Auf der Südwestfront von Brest=Likowsk wurde die Höhe bei Kopylow gestürmt. Unsere durch das Sumpfgebiet nordöstlich von Wlodawa vordringenden Truppen verfolgen den gestern geworfenen Feind. Oberste Heeresleitung. Oesterreichischer Tagesbericht. WTB Wien, 25. Aug.(Nichtamtlich.) Amtich wird verlautbart vom 24. August mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Der nordwestlich Brest=Litowsk Widerstand leistende Feinde wurde gestern in der Gegend von Wiechowice und Niasno neuerlich geworfen und zum Weichen gezwungen. Die Zahl der von der Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand in den letzten Kämpfen eingebrachten Gefangenen beläuft sich auf 4 Offiziere und 1300 Mann. Nordöstlich Wlodawa haben unsere Verbündeten den Gegner abermals zurückgedrängt und Raum gewonnen. Oesterreichische, ungarische und deutsche Reiterei des Feldzeugmeisters Puhallo zog in der Verfolgung des Feindes in Kowel ein und rückte weiter vorwärts vor. In Ostgalizien herrscht Ruhe. Italienischer Kriegsschauplatz. Am Südflügel der küstenländischen Front kämpfte gestern unsere schwere Artillerie feindliche Geschütze an der Sdobaymündung nieder. Weiter wurde eine italienische Strandbatterie bei Golametto in einen Trümmerhaufen verwandelt. Gegnerische Infanterie, die sich gegenüber unserer Stellung auf der Höhe östlich Monfalcone festgesetzt hatte, räumte ihre Gräben fluchtartig vor unserem Feuer. Oestlich Polazzo wiesen unsere Truppen zwei schwächere Vorstöße, bei San Martino drei bis nahe an unsere Kampffront herangetretene Angriffe blutig ab. Ebenso scheiterte abends ein Vorstoß seindlicher Kräfte gegen den Tolmeier Brückenkopf In den befestigten Raum von Flitsch und Raibl schiebt sich nun die gegnerische Infanterie näher an unsere Linien heran. Unsere Werke auf der Hochfläche von Lavarone und Folgaria standen gestern wieder unter lebhaftem Geschützfeuer. Auch auf unsere Stellungen am Stilfser Joch begann die feind. liche Artillerie wieder zu schießen. Der Stellvertreter des Chefs de, Generalstabes: von Hoeser, Feldmarschall=Leutnant. Vorverenungen zum Weileren Aamzüge der Aussem. TU Kopenhagen, 25. Aug.„Berlingske Tidende“. meldet aus London: Trotz der Kämpfe in der Nigaer Bucht ist man, nach Petersburger Telegrammen, auf einen weiteren Rückzug der Russen vorbereitet. Die großen Vorratslager in Brest=Litowsk werden gleichzeitig mit allen Maschinen fortgeschafft und man rechnet mit der Möglichkeit, auch Brest=Litowsk zu räumen. In Petersburg hat man übrigens infolge der Massenflucht der Bevölkerung vor dem Vorrücken der Deutschen mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die ganze Bevölkerung der westlichen Provinzen vollt wie ein ungehaurer, ununterbrochener Strom in das Innere Rußlands. 18. Februax, 1913 ins Elysee einzog. Eine ungeheure Reklame war seiner Wahl vonausgegangen; es war, als sei der zu großen Entscheidungen drängenden Zeit der Führer gegeben worden. Aber der belgische Gesandte in Paris, Baron Guilleaume, war von vornherein mißtrauisch. Er sagte bezüglich der Wahl: „In erster Linie muß man darin eine Kundgebung jenes alten französischen Chauvinismus erblicken, der lange Jahre hindurch ganz zurückgetreten war, aber seit den Zwischenfällen von Agadir wieder an Kraft gewonnen hat. Herr Poincare ist Lothringer und läßt keine Gelegenheit vorübergehen, daran zu erinnern. Er war der Mitarbeiter und Anstifter der militaristischen Politik Herrn Millerands,..— W.stalten vir 91. Daß es sich bei der Agitation für die dreijährige Dienstzeit nicht um eine Antwort auf das deutsche Wehrgesetz, sondern um eine längst vorbereitete Maßregel handle, spricht der Gesandte direkt aus, indem er sagt: „Die Zeitungen haben übrigens unrecht, wenn sie bei Besprechung der Pläne der französischen Regierung dieselben als Antwort auf die deutscherseits ergriffenen Maßnahmen darstellen. Viele sind nur das Ergebnis seit langer Zeit unternommener Studien.“ Im März 1913 berichtet Baron Guilleaume:„Ich bemerke täglich, wie die öffentliche Meinung in Frankreich alle Tage argwöhnischer und chauvinistischer wird. Man begegnet nur Leuten, die versichern, daß ein baldiger Krieg mit Deutschland gewiß, ja unvermeidlich sei. Auch Pichon denke so. Gewiß hatte die zweideutige Haltung Rußlands wesentlich dazu beigetragen.“ Als in Paris die Beratung des Militärgesetzes im Juni 1913 vom Ministerium Briand auf die Tagesordnung gesetzt wurde, schloß Baron Guilleaume seinen Bericht mit der folgenden Betrachtung, die seinem Scharfsinn wie seiner Gesinnung in gleicher Weise zur Ehre gereicht:„Es steht also nunmehr fest, daß in die französische Gesetzgebung Bestimmungen auf enommen werden sollen, die das Land wahrscheinlich nicht lange ertragen kann. Die Lasten des neuen Gesetzes werden für die Bevölkerung so schwer, die Ausgaben, die es mit sich bringt, werden so ungeheuer sein, daß das Land bald protestieren wird, und Frankreich wird sich dann vor die Frage gestellt sehen: entweder zu entsagen, was es nicht wird ertragen können, oder in kürzester Zeit Krieg zu führen. Für die, die das Volk in diese Lage gebracht haben, wird es eine schwere Verantwortung sein....“ Die Propaganda zugunsten des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit, durch die ein Wiedererstehen des Chauvinismus herbeigeführt werden soll, war ausgezeichnet vorbereitet und durchgeführt; sie fing damit an, die Wahl des Herrn Poincare zum Präsidenten der Republik zu fördern; sie setzt heute ihr Werk fort, ohne sich um die Gefahren zu kümmern, die sie hervorruft; das Unbehagen im Lande ist groß.“ Hindenburgs erster Kriegslag. Vor einem Jahr ist Hindenburg auf dem Kriegsplan erschienen, dem Volke fast gänzlich unbekannt, von seinem Kaiser aus dem Ruhestand, den er in Hannover genoß, beuufen zu glängenden, ungeahnten Taten. Heute ist der Name in aller Munde. Mit Verehruung nennt ihn das deutsche Volk, mit Schrecken unsere Feinde. Nur wenige Tage seiner Tätigkeit genügten, um jenen welthistorischen, einschneidenden Umschwung auf dem östlichen Kriegsschauplatz einzuleiten, der die Vertreibung der Russen anbahnte und den Krieg in Feindesland trug. Am 22. August, nachmittags 3 Uhr, erhielt Hindenburg in Hannover das Telegramm des Kaisers, das ihn zu einem„wichtigen Oberbefehl" berief. Eine halbe Stunde später wurde ihm telegraphisch mitgeteilt, daß General v. Ludendorff, der zu seinem Generalstabschef ernannt sei, ihn in der Nacht zum Sonntag, zwischen 3 und 4 Uhr mit einem Sonderzug in Hannover abholen werde. Am Sonntag, 23. August, nachmittags 2 Uhr, traf der Sonderzug in Marienburg ein, und schon am 24. August konnte Generalquartiermeister v. Stein melden, daß eine neue Entscheidung unmittelbar bevorstehe. In den wenigen Stunden des Zusammenseins zwischen Hindenburg und Ludendorff war jener gigantische Plan zu entwerfen, der zunächst seine Krönung in der Riesenschlacht bei Tannenberg erfuhr. Bereits am 29. August war die dreitägige Schlacht gowonnen. Jubelnd zog der Name Hindenburg durch die Lande, glänzende Waffentaten folgten im Laufe des genen Jahres. In dem Herzen des deutschen Volkes aber hat Hindenburg sich einen Platz erobert, der ihm nicht mehr genommen werden kann. Der Krieg gegen Rußland. Die russische Front zerrissen. TU Berlin, 25. Aug. Dem„V. T.“ wird aus dem k. k. Kriegspressequartier unterm 24. August gemeldet: Die Sensation des heutigen Tages und gleichzeitig ein bedeutsamer Fortschritt in der Offensive gegen Brest=Litowsk ist, daß k. und k. und deutsche Kavallerie der Armee Puhallo den Bahnknotenpunkt Kowel erreichten. Dies bedeutet die Trennung der direkten Verbindung der russis###n Armee zwischen ihrer nördlichen und südliche Gruppe. Brest=Litowsk wird von den Russen mit achtenswerter Zähigkeit bereits seit dem 17. August verteidigt. Die Verbündeten gehen aber unaufhaltsam vor. Im Raume nördlich des Bug hat sich die Armee Joseph Ferdinand und die Tmuppen Köveß wieder vorgeschoben und den Weg nach wärts erkämpft. Dabei wurden 1300 Gefangene gemacht. Vor der Westfrönt der Festung BrestLitowsk haben sich die Belagerungstruppen stellenweise etwas näher herangearbeitet. Längs der Kobriner Straße und zwischen dieser und dem Bug hat der rechte Flügel Mackensens einen Zicht, scher deutenden Vorsprung bekommen. Trotz der chen Ofenswe und des schwieriosten Vormarshegig. Verpflegung und die Stimmung Zungracht.“ Truppen ausgezeichnet und voller I1 S S ulge 400. P#ssnter 8 Sie üntnr PPSLCARLEN Rsce = lneh 4E Ser Ben Klei Sohrras ingers Zelle chmetrriS 2 De Lgör Trapezu# E N * 4 Nan Plat7e! C S8 N G 5200 o Pemaskus Oerbsslem 180ls Zur Kriegselklärung Italiens an die Türkei. Rußland tröstet sich! Petersburg, 24. Aug.(Meldung der Petersburger Telegraphen=Agentur.) Aus sicherer Quelle wird gemeldet: Die Ankunft deutscher Truppen vor unserer Front dauerte bis in die letzten Tage an. Jetzt kann man feststellen, daß die Stalte der Deutschen an der Ostfront über 40 Prozent der gegenwärtig mobilisierten deutschen Streitkräfte beträgt. Zusammen mit den österreichisch=ungarischen Truppen, von denen über 70 Prozent gegen uns operieren, stellt die Gesamtsumme der feindlichen Truppen vor unserer Front die Hälft mobilisierten Streitkräfte unserer Gegner dar. Dieses Verhältnis unterscheidet sich beträchtlich dem zu Beginn des Krieges, wo wenig mehr als 38 Prozent der militärischen deutschen und österreichisch=ungarischen Streitkräfte uns gegenüber standen. Während ferner das gesamte Kontingent im Laufe des Krieges um ungefähr das 1½fache gestiegen ist, haben sich ihre gegen uns geführten Streitkräfte verdoppelt. Diese Zunahme ummt hauptsächlich auf Rechnung der Deutschen, deren Zahl vor unserer Front im Laufe des Krieges fast vervierfacht worden ist, während die Ar zahl der uns(gegenüberstehenden Oesterreicher fas unverändert bleibt. Was die österreichischen Kavallerie=Divisionen betrifft, die seit Beginn des Krieges gegen uns operiert haben, so stehen diese auch jetzt unverändert uns gegenüber; während dagegen von den von Deutschland mobilisierten Kavallerie=Divisionen zu Beginn des Krieges nur eine einzige gegen unsere Front operierte, sind es deren jetzt eine ganze Anzahl. Diese Angaben zeigen klar, mit welch ungeheuren Kräften wir seit ungefähr 4 Monaten Tag für Tag zu kämpfen gezwungen sind.(Anmerkung der Redaktion: Die Petersburger Telegraphen=Agentur versucht offenbar, durch allerhand vergebliche Rechenkünste Entschuldigungsgründe für die russischen Niederlagen zu finden.) Die„ohnmächtigen“ Festungen. WTB Petersburg, 24. Aug.(Petersburger Telegraphenagentur.) Ueber die Räumung Kownos und den wahrscheinlichen Verlust von NowoGeorgiewsk wird von zuständiger Seite ausgeführt: Wie betrübend auch die neuen Prüfungen für die russischen Herzen sind, muß man doch geben, daß die Macht der modernen Artillerie jede Deckung für die Verteidigung einer Festung illusorisch macht derart, daß nicht nur Feldverschanzungen, sondern selbst dauerhafte Befestigungswerke fast machtlos sind, ihre zerstörende Kraft zu hemmen. Mit einer mächtigen Artillerie erfordert ein plötzlicher Angriff auf eine Festung keine große Kunst, sondern nur eine große Anzahl Geschütze des neuen mächtigen Typs, vorausgesetzt, daß man reichliche Munition hat und ungeheure Opfer an Kanonenfutter bringt. Diese Bedingungen entscheiden fast den Erfolg, wie die Erfahrungen der belgischen und russischen Festungen zeigten. Zukünftig sind die Festungen nur noch in Verbindung mit den Operationen der Feldtruppen zu gebrauDie Tochter des Freiherrn. Roman von F. v. Nauenheim. 42 „Ah, wirklich? Und— ihn hast Du nicht gese, „Seit sechs Tagen ist er nicht gekommen.“ „Und woher willst Du dies so genau wissen?“ „Man findet, wenn man klug ist, stets Leute, die nicht besonders ihnen nur von Ferne eine volle Börse zeigt,“ meinte die Frau mit ungutem Lächeln. „Wirst Du nicht doch einmal eine Unvorsichtigkeit begehen?“ „Sei ohne Sorge! Aber, sage einmal, was wiro denn geschehen? Du kannst doch nicht in alle Ewigkeit so fortmachen?“ Nein; aber ich muß klar sehen, ehe ich handeln kann. Und dann— werde ich die Sorge für dieses Geschöpf übernehmen.—— „Herr Baron, ich finde Paula nicht so, wie sie sein sollte.“ Damit empfing Frau Therese den jungen Edelmann bei seinem nächsten Besuche. „Mein Gott, wie meinen Sie *„Sie wächst auf einmal zu stark, ist immer so still und wird auch bald müde. Wollen ron nicht—“ Ehe sie geendet, stand er schon i Nebengemache vor Paula, die ihn wohl freudig, doch nicht so lebhaft wie sonst begrüßte. „Herr Doktor, o, Sie sind es k. „Mein kleiner Liebling, warum bis. Duso stille „Ich bin so müde, ich kann nicht mehr so weit gehen wie sonst immer? „Und tut Dir etwas weh, Kind?“ „Nein, nichts, nur so müde bin ich,“ klagte sie wieder. HubertsAugen trübten sich und ungeheure Angst erfaßte sein Herz: auch die Mutter der Kleinen wor so zart und fein gewesen und dann so früh gestorben! Nein, er wollte dieses Kind, das ihm nun so unendlich teuer geworden und sein einziges Erdenglück ausmachte, nicht verlieren. Nachdem er noch eine geraume Weile bei der still mit den Puppen spielenden Kleinen geblieben, begab er sich wieder zu Frau Therese ius NebenAls ich zuletzt da war, schien ste mir doch heiter? Mein Gott, Frau Therese, wer mir einst gesagt hätte, daß ich mich um dieses Kind noch so bangen würde! Es ist das Liebste, das ich heute auf Erden besitze.“ „Und— Ihre andere Tochter?“ fragte Frau Therese leise. 285 „Sie gleicht der Mitter— und wird meinem Herzen kaum näher irc#en. Also, ich werde gleich morgen meinen Arzt senden, ich bin voll Angst und Sorge um Paula. Mein süßes Mädchen, meine Paula! Ach, ich nenne sie auch heute noch meine Paula,“ flüsterte am nächsten Morgen der Arzt erschien, und die Kleine, die sich merkwürdig geduldig verhielt, untersuchte, nickte er einige mal mit dem „Die kleine Dame muß fort, nach dem Süden, nach Arco.“ „Nach dem Süden, Du lieber Gott, ist sie so Krant? chen, wie es die Beispiele des langen Widerstandes von Ossowiec und Verdun zeigen. Während der verflossenen Periode leisteten uns Nowo=Georgiewsk und Kowno einen großen Dienst als Stützpunkte für unsere Reserven an der Weichsel, am Narew und am Niemen. Ihre Räumung ist das Opfer der überlegenen artilleristischen Vorbereitungen des Feindes. Jetzt erkennt jeder durch Augzenschein, wie vernünftig es war, Przemysl während der letzten Kämpfe am San nur so lange zu halten, wie es für die Feldarmee notwendig war, und dann räumen, indem man vermied, dort eine beträchtliche Besatzung einzuschließen, deren Abtrennung die lebendige Kraft unseres Feldheeres geschwächt hätte.(Wie war es denn bei NowoGeorgiewsk? Die Schriftl.) Große Schlacht am Bobr. TU Kopenhagen, 25. Aug.„Nußki Inocklid“ bestätigt die Pariser Meldungen von einer gewaltigen Schlacht am Bobr. Nach dem russischen Generalstabsbericht sollen die Russen am niederen Bobr östlich bei Wysoko=Litowsk sich mit großen Truppenmassen den Deutschen gestellt haben. Von einem russischen Erfolg wird nichts mitgeteilt. Der Petersbunger Korrespondent des„Daily Chronicle“ telegraphiert, daß aus Brest=Litowsk das Kriegsmaterial bereits nach rückwärts abtransportiert wird. Die Frage der Räumung Petersburgs. Kopenhagen, 24 Aug. Der„Köln. Ztg.“ wird von hier aus gedrahtet:„National Tidende“ erfährt aus Petersburg über London: Die Möglichkeit, daß Petersburgs Räumung notwendig werden könne, wird fortwährend erörtert. Man sei aber noch voller Zuversicht, solange die Russen die Herrschaft über die Bucht von Riga behielten. Große Kriegsvorräte würden von Brest=Litowsk zurückgewagen Auch Brest=Litowsk wird geräumt. TU Kopenhagen, 25. Aug. Der Sonderberichterstatter des„Daily Chronicle“ meldet, daß die Russen in fliegender Eile alle Vorräte, Lebensmittel, Waffen und Schießbedarf aus Brest=Litowsk fortschaffen und sich anschicken, die Festung zu sstves.— „Mein süßer Liebling, nicht wahr, Du wirst mich nicht vergessen, wenn wir uns auch einige Zeit nicht sehen können?“ fragte er am Tage vor Kriegsbeute der Armee von Gallwitz. WTB. Berlin, 24. August 1915. Die Armee des Generals von Gallwitz hat seit dem Tage des Durchbruches von Pracsnyes am 13. Juli bis zum 21. August 100000 Gefangene gemacht, darunter 354 Ossiziele, und erbeutete in derselben Zeit 21 Geschütze und 271 Maschinengewehre. Die russischen Verluste am Rigaer Busen. Bei. dem Vorpostemzefecht am Rigaer Busen verloren die Russen ein Boot der Emir=BucharskiKlasse, die 580 Tonnen Wasserverdrängung, zwei 10 Zm=, ein 3,7 Zm.= und vier Maschinengewehre als Bestückung und 97 Mann Besatzung hat. Das beschädigte Boot Nowik hat vier 10 Zm.=DoppelTorpedorohre und 140 Mann Besatzung, sowie 37 Seemeilen Geschwindigkeit. Die versenkten Kanonenboote Siwutsch und Korejetz haben 140 Mann Besatzung. Sie sind 66 Meter lang und 11 Meter breit, bei einem Tiefgang von 2,2 Meter, während der Nowik 192 Meter lang, 9.5 Meter breit war und einen Tiefgang von 3 Metern hatte. Mangel an Lazaretten in Rußland. Infolge der ungeheuren Verluste der Russen in der letzten Zeit ist der Transport der Vernundeten nach den Städten hinter der Kampffront so ungeheuer groß, daß die dort befindlichen vielen Reserve= und Privatlazarette nicht mehr imstande sind, ihnen Unterkunft zu gewähren. Wegen dieser Uebelstände hat sich der Zar laut einer Depesche an dse„Daily News“ veranlaßt gesehen, den Befehl zu erteilen, daß die Empfangssäle im Winterpalast zu Operationszimmern und Krankenzimmer für tausend Verwundete eingerichtet werden sollen. Unruhen in Moskau. Der„Telegraphenunion" wird aus Stockholm gemeldet: Es haben sich von neuem Unruhen in Möskau erhoben. Die Exzesse begannen kurz nach dem Fall von Warschau und richteten sich zunächst nur gegen Deutsche oder deutschscheinende Personen und Firmen. Die vorliggenden Moskauer Blätter enthalten gleichfalls einige kurze Notizen in mißbilligendem Tone darüber. Nach dem 10. August müssen die Unruhen jedoch den deutschfeindlichen Charakter verloren und revolutionäre Färbung angenommen haben. Die Blätter enthalten große, die ganze Seite bedruckende Aufrufe des neuen Moskauer Polizeihauptmanns Andrijewitsch, in denen die Bevölkerung wiederholt darauf aufmerksam gemacht wird, daß der Belagerungszustand proklamiert ist, und daß Zusammenrottungen jeder Art streng verboten und mit strengsten Strafen verbunden sind. Warschau unter deutscher Verwaltung. ::e Aus Warschau wird den Krakauer Blättern gemeldet: Das Leben in der Stadt paßt sich rasch den neuen Verhältnissen an. Die Ruhe und Ordnung in der Stadt wird nirgends gestört, die Bürgermiliz versieht ihren Dienst, und auch bei den Behörden wird normal, nur statt russisch polnisch amtiert. Der Verkehr auf den Straßen hat sein gewöhnliches Gepräge angenommen, die Straßenbahn verkehrt regelmäßig und die Bevölkerung folgt willig den behördlichen Anordnungen, die in polnischer und deutscher Sprache durch Maueranschläge allgemein bekannt gemacht werden. In den Theatern wird gespielt, doch sind bis auf weiteres Stücke mit polnisch=geschichtlichem Inhalt nicht auf den Spielplan gesetzt worden. — Wie der„Kuryer Warszaski“ meldet, ist die Warschau—Wiener Eisenbahn vorläufig bereits wieder so weit hergestellt, daß Dienstzüge verkehren können. Es wird erhofft, daß im Laufe einer Woche der Personenverkehr von Warschau und Czenstochau, Lodz und Alexandrow wird ausgenommen werden können. Nach den westlich von Warschau gelegenen Ortschaften und nach Deutschland funktioniert Sie hat wohl eine gute Konstitution, aber sie wächst stark und schnell, was bei so jungen Kindern immer etwas gefährlich ist, und da ihre Mutler etwas zart gewesen sein soll, ist es gut, wenn man vorbeugt. Doch brauchen Sie nicht ängstlich zu sein, Gnädige, von Gefahr ist keine Spur.“ „So muß ich mich von ihr treunen,“ sagte Baron von Thurau, traurig lächend,„aber wenn es zu ihrem Wohl ist, muß es eben sein“ sich zugezogen hatte, neben der Süden abgereist,“ Zeit nicht sehen können?“ fragte er am der Abreise nach Arco, Paula, deren große Augen ernst zu ihm aufschanten. „Ich werde täglich für Sie beten, Herr Doktor, und dann kommen Sie doch auch einmal zu uns? Ich würde viel lieber fortgehen, wenn Sie auch mitkommen könnten? Aber richtig," setzte sie mit allerliebster altkluger Miene hinzu:„Sie können ja nicht mitkommen, denn Sie haben ja ein kleines Mädchen daheim und auch seine Mama ist da. Wie schade!“ Der junge Edelmai erblaßte unter diesen unschuldigen Worten seines Kindes und die stürmische Sehnsucht, dieses endlich frei und offen vor aller Welt als seine legitime Tochter anzuerkenneu, den einer solchen zukommenden Platz in seinem Hause ihr einzuräumen, durchflutete seine Mit impulsiver Bewegung nahm er die Kleine in die Arme und drückte das reizende Lockenköpfchen innig aus Herz. Geduld, mein Liebliug!" flüsterte er mit bewegter Stimme.„Bald soll die Zeit kommen, wo Du immer bei mir sein wirst, werde nur zuerst wieder gesund und lustig.“ „Und meine liebe Mama? Nicht wahr, die muß doch auch mit mir kommen? Wenn Mami nicht mitkommt, kann ich doch auch nicht kommen.“ „Gewiß Kind, es wird noch alles gut werAm nächsten Morgen reiste Frau Therese mit Paula nach dem Süden und am Abend desselben Tages betrat Frau von Ermeth zu ungewohnter Stunde das Ankleidegemach der jungen Baronin, die eben bei der Toilette war. die Tür hinter Toilette Platz. „Heute früh sind sie nach dem sagte sie lakonisch.„„„ 169 „Wer? Wen meinst Du, Tante Hermille: fragte die Baronin gleichgültig. „Die kleine Paula und deren— Frau Mama.“ „Nach dem Sitden? Warum, weshalb? Für imumer*“„ 9 0 „Für immer kaum, denn oie Wohnung wurde nicht gekündigt. Und warum? Die kleine„Baronesse“ scheint von zarter Gesundheit und, da ihr Papa augenscheinlich stark um sie besorgt ist, hat er sie nach dem Süden spediert, was ohne Zweifel seine Privatmittel ihm gestatten,“ schloß Frau von Ermety, boshaft lachend.„ 10 „Nach dem Süden! Und wohin egen? „Nach Aroo. 15 EEs ist gut, ich danke Dir vorlansig. Und nun sei sso freundlich und rufe mir die Lisi. Es ist spät geworden und ich wvill Hubert nicht warten lassen, wir sind heute bei Merheims geladen.“ Kopfschüttelnd ging Frau von Ermeth; wie seltsam Gisela sich venahm, welch kaltes Licht in den Tiefen ihrer grauen Augen aufgeblitzt und welch merkwürdiges Lächeln ihre Lippen umspielt hatte, als sie die letzten Worte:„es ist gut, ich daitke Dir vorläufig,“ gesprochen hatte! Gutes mochte sie keinesfalls mit diesem armen„Wurm“ vorhaben. 1 Seu 20. Kapitel. Hubert hatte eben durch Doktor Worel Nachricht von Paula erhalten. Der Rechtsanwalt schrieb, daß sich die Kleine nun ziemlich wohl fühle und daß sie täglich nach dem„Herrn Doktor“ frage, ob er noch nichts geschrieben habe und er nicht bald einmal käme. 227,10 Gehen Sie einen Moment hinaus Lisi," befahl die Eintretende und nahm, als das Mödchen Sie liebt Sie mit zärtlicher Kindesliebe, ohne zu ahnen, daß diese Liebe dem Vater gelte,“ fügte der Rechtsanwalt seiner Mitteilung hmuzu. vereits die deutsche Pos.— In Warschan i! der Verkehr mit Fähren auf der Weichsel nach der Vorstadt Praga eingerichtet worden, wohin ein reger Verkehr der Bevölkerung stattfindet, ul daselbst Lebensmittel von der Landbevölkerung, die massenhaft dortbin auf den Markt kommt, einzukaufen.— Wie„Gonice" meldet, wird im Warschauer russischen Staatsbankgebäude bereits in den nächsten Tagen eine Filiale der deutschen Reichsbank eröffnet werden. Neue acht Millionen russischer Rekruten. :: N a c h e i n e r M e l d u n g d e r„ A g e n c e H a vas“ gibt der russische Kriegsminister bekannt, daß demnächst die jüngsten Klassen des zweiten Aufgebots einberufen werden sollen. Durch die Einberufung werden acht Millionen Mann von weniger als 35 Jahren zum Heeresdienste herangezogen. Hierzu bemerkt sehr richtig die„Tägl. Rundschau":„Es ist leider gar zu offensichtlich, warum gerade jetzt der russische Kriegsminister es für nötig hält, den armen Franzosen diesen neuesten Trostbrocken zuzuwerfen. Womit soll Herr Poliwanow die neuen acht Millionen kleiden? Womit sollen sie stechen, womit sollen sie schießen? Und bis wann will er sie auf die Beine bringen?“ Der ies Fegen Zlanem Friedenssehnsucht in Italien. Wien, 24. Aug. Die„Politische Korrespondenz“. meldet: Die Anzufriedenheit mit dem Scheitern der ungeheuer verlustreichen Kämpfe am Isonzo und die Schwierigkeiten, mit denen die italienische Regierung bei der Lebensmittelversorgung zu kämpfen hat, ermutigen manche Politiker und auch öffentliche Körperschaften zu neuerlicher Verurteilung des Kriegsunternehmens.— Von fachmännischer Seite wird die Meldung, daß das italienische Ernteergebnig 43—44 Millionen Doppelzentner betrug, als noch um mehrere Millionen Doppelzentner zu hoch bezeichnet.— Die Maßregelung mehrerer Munizipien wegen ihrer Stellungnahme gegen den Krieg schreckt andere Körperschaften nicht von ähnlichen Kundgebungen ab. Italiens letzte Reserven. Lugano, 24. Aug. Dag römische„Amtsblatt“ veröffentlicht die Einberufung sämtlicher Jahrgänge der dritten Kategorie(Ungediente) der Territorial=Miliz. Die Schweizer Italiener gegen den Krieg. TU Zürich, 24. Aug. Am Sonntag vormittag wollte im hiesigen Volkshause der Mailänder Gewerkschaftsdeputierte Dr. Agnelli einen Vortrag über die wirtschaftliche und soziale Lage halten. Als er zu sprechen anfing, erhob sich von seiten seiner Landsleute ein solcher Proteststurm, daß er unverrichteter Dinge abziehen mußte und seinen Vortrag nachmittags vor einem kleinen Kreise hielt. Der Ueberfall gibt ein deutliches Bild von der Stimmung der hiesigen zahlreichen Italiener= kolonie, welcher Agnelli als einer der bedeutendsten Kriegsrufer bekannt war. Der„Kriegsgrund“ Italiens. Haag, 24. Aug. Ueber die Kriegserklärung Italiens an die Türkei schreibt die holländische Zeitung„Het Vaderland“: Im Anfang des Krieges waren sämtliche veranwortlichen Staatsmänner bestrebt, den Standrunkt ihrer Regierung zu verteidigen und an Hand von Dokumenten die Gründe auseinander zu setzen, die zu dem folgenschweren Schritt geführt hatten. Je länger jedoch der Krieg dauerte, desto weniger wird das Auftreten mit Worten umkleidet. Man sucht, wenn der Krieg erklärt ist, in aller Eile einen scheinbar annehmbaren Grund, mit welchem das Volk für das kommende Elend getröstet werden soll. So ist es auch bei der Kriegserklärung Italiens an die Türkei. Die von der Entente so dringend verlangte Hilfe für ihre Operationen konnte von Italien nicht sgut geleistet werden, so lange es noch sozusagen in freundschaftlichen Beziehungen mit der Türkei stand. Deshalb mußte schnell ein Gnund gesucht werden, um den Bruch unvermeidlich zu machen. Man hat sich bei der Suche nach diesem Grund nicht allzuviel Mühe gegeben. Der Krieg gesen Flammreich. Großer Kriegerat bei Paris, TU Kopenhagen, 24. Aug. Heute vormittag 9 Uhr trafen der Präsident der Republik, Poincaree, König Albert von Belgien und König Georg von Chantilly bei Paris ein. Kurz darauf kamen auch die Generale Josfre und French an. Es wrirde ein längerer Kriegsrat abgehalten. Wie ein Kriegsminister den Bruch des Ehrenwortes auszeichnet. TU Gens, 25. Aug. Krirgsminister Millerand umarmte den Flieger Gilbert, als dieser sich zum Wiederantritt seines Dienstes meldete. Die französische Presse feiert Gilberts Verschwinden aus Hospental und Andermatt, läßt dabei aber unerwähnt, daß der dort interniert gewesene Gilbert auf Offiziersehrenwort hin beurlaubt wirde. Offenburg mit Bomben beworfen. WTV Berlin, 24. Aug.(Amtlich.) Gestern warf ein feindlicher Flieger auf die außerhalb des Operationsgebietes gelegene Stadt Offenbung Bomben, Es wurde nur unbedeutender Sachschaden verursacht. 12 Personen murden zum Teil schwer verletzt. Die verzweiselte Lage in Reims. Die französischen Blätter schildern, wie der„Lokalanzeiger“ meldet, die Laize von Reims als verzwoifelt. Von 120 000 Ginwohnern blieben nur 21500 zurück, die übrigen sind teils geflohen, teils bei dem andauernden Bombardement getötet oder verwundet worden. Der größte Teil der Stadt ist ein Trümmerhaufen. Der Magistrat von Reims bewilligte 900 000 Franken zur Unterstützung der Zurückgebliebenen. — Der Krieg gegen England. Die Docks von London durch Zeppeline schwer beschädigt. WTB Basel, 25. Aug. Ein aus London zurückgekehrter Mitarbeiter der„Neuen Züricher Zeitung" bestätigt, daß der Angriff der Zeppeline auf London beträchtlichen Schaden angerichtet habe, namentlich in den Vierteln der Docks im Osten, wo eine Anzahl von Häusern zerstört sei. An jenem Abend habe man in diesen Vierteln überall den Schein von brennenden Häusern gesehen. Die Bewohner hätten die Zeppeline nicht gesehen, da die Stadt dunkel war, man habe nur das Surren der Prapeller gebort. Auch England befürchtet die Wahrheit. TU Notterdam, 25. Aug. Die englische Zensur verbot bis auf Widerruf den Abdruck der dautschen und österreichisch=ungarischen Heeresberichte über die Ereignisse auf dem russischen Kriegsschauplatz. Festsetzung der Engländer in Marseille. WTB Rotterdam, 24. Aug. Nicht genug daran, daß die Engländer sich an der Westküste Frankreichs festsetzen und sich in den Städten Dünkirchen, Calais, Dieppe und Le Havre feste Stützpunkte schufen, hört man jetzt, daß sie sich euch an der Küste des Mittelländischen Meeres häuslich niedergelassen haben. Das Feldlager bei Marseille bildet ihre dortige militärische Basis, das unter dem Oberbefehl des Obersten Tinley steht. Am 14. August wurde dort eine Truppenschau über indische Abteilungen abgehalten, der als Gast der französische General Serviere, der Befehlshaber der 15. Militär=Region, beiwohnte. Englische Truppenlandungen bei Saloniki. TU Wien. 24. Aug. Die„Neue Freie Presse“ meldet aus Saloniki: Das offizielle Organ„Neri“ meldet, daß nördlich von Saloniki englische Truppen landeten. Kurz darauf wurden griechische Truppen dorthin beordert, die die sämtlichen Engländer entwaffneten und nach Saloniki brachten. Englische und französische Truppen werden augenscheinlich auch bald Kreta besetzen. Man schließt dies daraus, daß vorgestern in der Sudabay drei französische Torpedojäger ankamen. In den nächsten Tagen erwartet man noch das Eintreffen von weiteren englisch=französischen Schiffseinheiten. Viele Einwohner von Saloniki flüchteten aus Angst vor der englischen Invasion nach Athen. Es wurde festgestellt, daß zahlreiche englische Offiziere bei Einkäfen in Saloniki die Bevölkerung auf die englische Besetzung vorbereiteten, indem sie dort erzählten, wie gut es die Einwohner von Saloniki unter englischer Herrschaft haben würden. Die in Saloniki ansässigen fremdländischen Konsuln protestierten gegen diese Minierarbeit der Engländer Kreta von den Engländern besetzt. bb Wien, 25. Aug. Das„Neue Wiener Journal“ meldet aus Athen:„Hestia“ läßt sich aus Kandia auf Kreta telegraphieren: Englische und französische Kriegsschiffe, Torpedoboote und Unterseeboote sind in den Hafen von Saida und in den von Sitia eingelaufen. Die griechischen Behörden wurden von dem englischen Kommandanten ihres Amtes enthoben und sämtliche Akten und Bücher beschlagnahmt. „Ehren"=Botha verteilt die Beute. WTB Kapstadt, 24. Aug.(Meldung des Neuterschen Bureaus.) Botha hat am 21. August den Kongreß der Südafrikanischen Partei eröffnet. Er spielte in seiner Rede einen Wahltrumpf aus durch den Hinweis auf die glänzenden Möglichkeiten einer Weidewirtschaft in Deutsch=Südwestafrika. Die Siedelungspläne in Südafrika wurden lange erörtert, aber nicht gefördert. Botha versicherte den landlosen Buren und anderen Siedelungslusti gen, daß das neueroberte Gebiet Raum für Teri sende biete. Dieses Argument dürfte eine starke Wirkung auf die Buren haben. Die Balkanstaaten. Bulgariens Haltung. Köln, 25. Aug. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus Sofia: Bulgarien hat in Athen erklären lassen, daß ihm feindliche Absichten gegen Griechenland fern lägen. Hier herrscht an leitenden Stellen die Ueberzeurung vor, daß das bulgarische Interesse mehr gewahrt werde, wenn, anstatt das gewalttätige Verlangen des Vierverbandes auf Abtretung von Kawalla zu unterstützen, friedliche Beziehun gen zu Griechenland ggesucht würden, wodurch im Laufe der Zeit und gegen angemessene Entschädigung Griechenlands ein befriedigender Ausgleich erzielt werden könne. Es liegen Beweise dafür ror, daß Rumänien die Versuche, Bulgarien zum gemeinsamen Vorgehen(gegen die Türkei im Dienste des Vierverbandes zu bewegen, nicht auf gegeben hat. Möglich daß dabei die Absicht mitwirkt, durch solche Anträge, obwohl ihre Ergebnislosigkeit haute noch klarer ist als früher, dem Vierverbande Beweise zu liefern, daß Rumänien den gegen den Vierverband eingegangenen Ver pflichtungen nachkommen möchte, wenn nur die anderen nicht wären. Immerhin hat der rumäni sche Antrag eine gewisse Unruhe in Bulgarien erzeugt. Der Abschluß der bulgarisch=türkischen Verhandlungen wegen der Grenzänderung ist hier noch in weiteren Kreisen unbekannt. Soweit die Kenntnis davon gedrungen ist und die Einzelheiten verstanden werden, wird der Abschluß als ein großer Erfolg der bulgarischen Politik betrachtet, worsirch auf friedlichem Wege Bulgarien ungefähr dasselbe Stück Land freiwillig von der Türkei erhält, das ihm großmütig vom Vierverband unter der Bedingung angeboten worden war, daß Bulgarien es im Kriege gegen die Türkei erobere. Die Durch fühning des Abkommens ist in den nächsten zwei Wochen zu erwarten. Die Furcht Rumäniens. Haag, 25. Aug.„Daily News“ melden aus Sofia, daß man in Bukarest befürchte, daß die Deutschen Rumänien ein Ultimatum stellen werden, um die Zufuhr von deutscher Kriegsmunition für die Türkei zu erzwingen. In Regierungskreisen sei man jedoch entschlossen, diesem Druck nicht nachzugeben. Die rumänische Regiening konzentrierte eine Anzahl Truppen auf der Grenze, namentlich bei Predeal, wo eine große Anzahl deutscher Eisenbahnwesgen mit Kriegsmaterial aufgehalten worden sei. Auch seien neue Truppen bei Jassy, wie auch in den hauptsächlichsten Petroleumbezirken Rumäniens konzentriert worden. —— Aus Stadt und Umgedung. Rückblicke aus den Weltkrieg. Der Sieg bei Longwy.— Löwen.— Der Austakt von Tannenberg(25. August). Der vierte Tag der Schlacht bei Longwy vollendete den Sieg des deutschen Kronprinzen. Die Franzosen wurden hinter die Maas gejagt. Sie konnten die im Anschluß an Verdun vorbereiteten starken Stellungen gegen den deutschen Ansturm nicht mehr halten; erst hinter der Maas sammelte sich das französische Heer in neuen Aufnahme=stellungen. In derselben Weise konnte der englische General French den Rückzuig seiner Truppen nicht mehr aufhalten. Die Engländer sollten an diesem Tage vorbereitete verschanzte Stellungen bei Le Chateau beziehen, allein die fortwährenden deutschen Angriffe, die bis in die Nacht dauerten, ließen die Engländer nicht zur Ruhe kommen; so ging French bis auf St. Quentin zurück.— Am selben Tage fand aus Antwerpen ein Ausfall von einer belgischen Division in der Richtung auf Brüssel statt, der Angriff wurde jedoch von den die Festung bereits umschließenden Truppen zurückgeschlagen. Im Zusammenhang mit diesem Ausfall stand die Schreckensnacht von Löwen. Die freundliche Aufnahme deutscher Truppen in dieser Stadt war nur Schein gewesen.— Inzwischen begann im Osten sich die russische Katastrophe vorzubereiten. Hohenstein war der Mittelpunkt der russischen Stellungen, Allenstein, Lyck, Ortelsburg waren von den Russen besetzt und hatten schwere Lasten zu tragen. Bereits an diesem Tage kam es zu kleinen Gefechten, während das erste deutsche Armeekorps von Gumbinnen unterwegs war, um gegen die linke Flanke und den Rücken der vom Narew vonsehenden russischen Armee den vernichtenden Schiag zu führen. (Dritte Kriegsanleihe.) Als erster Einzahlungstermin für die neue Kriegsanleihe ist der 18. Oktober bestimmt worden, doch können Einzahlungen bereits vom 30. September an gemacht werden. (Herzliche Grüße an die Heimat) verbunden mit bestem Dank für die pünktliche Zusent#ing der „Schwerter Zeitung“ sonden Füsilier Richter und Musketier Spratte. (Von der kath. Schule.) Die Lehrerin Frl. Solinus welche 34 Jahre ununterbrochen an der hiesigen kath. Volksschrile tätig war, tritt mit dem heutigen Tage aus Gesundheitsrücksichten in den wohlverdienten Ruhestand. Die in der kath. Gemeinde allseits beliebte Lehrerin sieht man ungern scheiden. Die Verwaltung der erledigten Schulstelle wurde der Lehrerin Frl. Lehmkuhl, Tochter des Herrn Rektors Lehmhihl, welche bisher an der Volksschule in Barop tätig war, übertrasen. (An den Pranger!) Von seiten des stellver tretenden Generalkonimandos des 7. Armeekorps geht uns folgendes zu: Es sind bestraft worden vom Landgericht in Bochum folgende daselbst wohnhafte Angeklagte: am 5. 7. die Ehefrau Monirer Hermann Nolden wegen Sprechens mit Krigzsgefangenen und am 13. 7. der Arbeiter Franz Schymaniak wegen Zusteckerei an Kriegsgefangene mit 1 Tag, wagen des letzteren Vergehens der Schlosser Friedrich Fuchs mit 5 Tagen Gefängnis— am 28. 7. vom Landgericht in Bielefeld der Fuhrmann Karl Tegtmeier aus Minden wegen unerlaubten Verkehrs mit Kriegsgefangenen und am 30. 7 vom Landgericht in Münster der Knecht Heinrich Heimann in Gievenbeck wegen Justeckerei an solche mit je 1 Tag Gefängnis— am 21, 7. vom Landgericht in Paderborn der Maurer, Postaushelfer Heinrich Dreier aus Büren wegen Unterschlagung eines Feldpostpaketchens zu 14 Tagen— am 22. 7 vom Landgericht in Hagen der Postillon Heinrich Cohn dasellst wegen Diebstahls von Feldpostsendungen zu 7 Monaten— vom Landgericht in Düsseldorf am 26. 7. der Post. cushelfer Heinrich Manger daselbst wegen fortgesetzten Diehstahls von Feldbriefen zu 2 Jahren — am 28. 7. der Buchhalter, Postaushelfer Adolf Rittershaus in Düsseldorf wegen Unterschlagung eines Feldpostpäckchens zu s Monaten und am 31. 7 der Kutscher Heinrich Cohnen 14 Düsseldorf wegen eines gleichen Vergehens zuu 4# Monaten Gefängnis. **(Einen schweren Unfall) erlitt der jugendliche Arbeiter Quedonau von der Eisen=Industrie. Derselbe war mit Neparatur=Arbeiten an einer elektrischen Leitung beschäftigt, als plötzlich der Strom eingeschaltet wurde. Qu. erlitt außerordentlich schwere Brandwunden an den Händen und an den Unterarmen und ist es als wahres Wunder zu betrachten, daß der Verunglückte nicht sofort getötet worden ist. **(Keine Männerkleidung zu Vogelscheuchen.) Da in letzter Zeit aus Gefangenenlagern in der Provinz mehrfach Gefangene entflohen sind, werden die Landwirte und Gartenbesitzer ersucht, keine Männerkleidung als Vogelscheuchen zu verwenden, um den flüchtenden Gefangenen die Mäglichkeit zu nehmen, ihre Uniform mit Zivilkleidung zu vertauschen. Es wird empfohlen, die Vogelscheuchen in den Feldern und Gärten mit Frauensachen und Lumpen zu bekleiden. * Sommerberg, 24. Aug.(Das Eiserne Kreuz.) Der Gefreite O. Heymann, Sohn des Kötters P. Heymann, erhielt auf dem östlichen Kriegsschauplatz wegen Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Kreuz. Büchertisch. Alle unter dieser Rubrir besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Folgende Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt seien besonderer Beachtung unsere Leser empfohlen: Feldpostbriefe aus dem Osten. Buiszewählt von A. Thiemann, mit Vorwort von Dr. Kurt de Bra. Preis 1 Mk. Verlag für Volkskunst, Richard Keutel, Stuttgart. Dem deutschen Volksheere und dem deutschen Heervolke gewidmet, wird das prächtige Buch sicherlich in allen Kreisen dankbare Aufnahme finden. Was muß der Landsturmmann wissen? Verlag von Siegbert Schnurpfeil, Leipzig. Preis 10 Pfg.— Jeder Deutsche ron 17 bis 45 Jahre hat an dieser äußerst zeitgemäßen Broschüre Interesse. Hoch Hindenburg, Marsch von Friedr. Michzel. Text von A de Nora. Verlag von Fr. Portius, Leipzig. Preis für Pianoforte 1.— Mi. Von den vielen Kompositionen, welche die großen Taten unseres Hindenburg verherrlichen, dürfte diese neueste wegen ihrer leichtfaßlichen Melodie eine der volkstümlichsten werden. Die Kämpfe in den Vogesen gehören zu den blutigsten und anftrengendsten im ganzen Feld##ige. Eine sehr interessante von Augenzeugen geschriebene Darstellung dieser Kämpfe befindet sich in den neuesten 39.—41. Heften von Bongs illustrierter Kriegsgeschichte„Der Krieg 1914/15 in Wort und Bild"(Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin W. 57, wöchentlich ein Heft zum Preise von 30 Pfz.) Der erste Teil, die eigentliche Kriegsgeschichte, enthält serner die Schilderungen des rufstschen Feldzuges im April, die mit der Eroberung des Zwininrückens ihren Anfang nehmen. Daran schließen sich die Kämpfe in Frankreich während des Monats April. Auch hier werden an der Hand“ von zuverlässigen Nachrichten, unterstützt mit reichem Bilder= und Kartenmaterial, die Tatsachen geschildert, die uns ein lebhaftes und interessantes Bild der fortdauernden Gefechte und Kämpfe geben. Wir empfehlen auch diese Hefte unseren Lesern aufs allerbeste. K Wochenmarkt. Der heutige Wochenmarkt bot wiederum das Bild einer Feld= und Gartenbau=Ausstellung. Gemüse aller Art und Obst waren in überaus reicher# Fülle angefahren, nur Kartoffeln waren fehr spärlich. Es wird allgemein angenommen, daß diese zu den Märkten nach Hörde und Dortmund gebracht werden, wo die Preise hähere sind als„ hier. Sollte die künstlich hervorgerufene Kartoffelknappheit andauern, wird die Stadt wohl wieder eingreifen müssen. Bei der guten Kartoffelernte ist es eine schreiende Ungerechtigseit, dem Volke dieses notwendigste Nahmingsmittel ohne zwingenden Grund zu verteuern.— Die Preise auf dem heutigen Markt hielten sich im großen und ganzen auf der Höhe des Marktes der Vorwoche. Birnen Pfund 9—25 Pfg., Aepfel Pfund 10—30 Pfg., Pflaumen Pfund 15—40 Pfg., Tomaten Phnd 60 Pfg., Pfirsiche Pfund 59—70 Pfg., Preißelbeeren Pfund 45 Pfg., grüne und wesße Gurken Stück 10—25 Pfg., Einmachszurken 100 Stück von 1,50 Mk. an, Wurzeln 2 Pfund 25 Pfg., Erbsen Pfund 20 Pfg., Rhabarber 2 Pack 25 Pfg., Note Beten Pack 10 Pfg., Wirsing Stück 10 Pfg., Stielmus Pack 20 Pfg., Kohlrabi Stück 5 Pfg., Zwiebeln Pfiind 20 Pfyr., Perlzwiebeln Pfund 20 Pfg., Blumenkohl 30—50 Pfg., Einmachbahnen Pfund 12—14 Pfa., Kartoffeln Pfund 5 Pfg., Eier 7 und 8 Stück 1 Mk., Butter Pfund 1.90 Mk., Rindfleisch Pfund 95—110 Pfg., Schweinefleisch Pfund 1,60—1.70 Mk., Schellfisch Wturnt kt 2ts. Zerantwortlich für die Redaktion Friede. Drus u. Verlagvon Sarl Boam, beide in Schwerte Statt besonderer Anzeige. Unser lieber, guter Sohn Hänschen wurde uns gestern mittag durch Unglücksfall im Alter von 6 Jahren 2 Monaten entrissen. In tiefer Trauer: von Gradolenoki Aplerbeck, den 24. August 1915. Die Beerdigung fladet Frei ag, morgens 11 Uhr auf dem evgl. Kirchhof zu Schwerte statt. 3957 Unudbanaanannanana e Weocihonhe # Bezirk Sauerianu.„ *(Mitglied des Deutschen Fußhallbundes und der D Deuschen Sportbehörde für Athletik.) E Leichtatblet. Wetikämpfe 8 E am Sonntag, den 5. September 1915, □ □ nachmittags 2½ Uhr, auf dem Sportplatze □ □„Schützenhof“ in Schwerte. E □ 100, 200, 400, 800 und 1500 m Laufen.„ □ Weit-, Hoch- und Stabhochsprung. □ Kuvelstoßen, Diskuswerfen, Speerwerfen. □ — 1000 m-Hindernislaufen über Hürden, Wasser- □ " g r a b e n u s w.— K u n g E □ Handgranatenwerfen mit Stier- und nuger□ granaten E 1600 m.Staletenlauf(200, 400, 80 und 20 mi. B ** Dreikampf(50 m-Lauf, Dreisprung, Kugelsteßen).„ Meldegebühren: Einzelkampf 30 Pfg, Dreikampf 50 Pfg— Stafetten; 1 Nk. Meldeschluß: 31. Aug. □— Meidestelle: Rendant Otto Veller, Schwerte.— R□ Nachmeldungen gegen doppelte Gebühr gestattet. □ □ Tell-ahmeberechtigt: Alle im Bezirk Sauerland □ — wohnenden, über 14 Jahre alten männlichen Per-□ — sonen(Sportler, Turner, Militär, Jungwehr usw.). I Als Auszeichnungen werden in jedem Wettbewerb □ bis zu 5 Ehrenurkunden verliehen. In den erst □ m genannten 11 Konkurrenzen kommen die diesjäh □ — rigen Leichtathletik- Meisterschaften für Mitglieder — des Bezirks mit zum Austrag. 3954„ m Eintrittspreis: 30 Pfg., Im Vorverkauf 25 Pig. □ Lonohabannonohannbbono Heute morgen 3¼ Uhr ist unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwägerin und Tante Prau Ww. Sien. Engemarut Sophie geb. Eicken im Alter von 70½ jahren sanft heimgegangen. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Frankreich, Hagen i. W., Eilpe, Haspe, den 24. August 1915. 3955 Die Beerdigung findet Freitag, den 27. August, nachmittags 3 Uhr vom Sterbehause, Wallstrasse 6, aus statt. B? Weizenmehl gegen Brotmarken g 25 Kartoffelstärkemehl ohne Brotmarken g 40 la neues Sauerkraut a 17·8 la Kunstspeisefett a 125 3 la Schmalz-Ersatz a 140 8 la Tapiokamehl g 44·8 Schweizer, Ia Qualität ap; 135, 165 Weiße Bohnen g 58 3 la neue Zwiebeln g 17·8 Für Feldpostsendungen: Halberstädter Würstchen mit Sauerkraut. Leberwurst in Dosen. Kraftfleisch in Dosen. Adolf Kalsbach Brückstrasse. 8958 Ernst v. Wolzogen Tandsimm im Feuer. isuren ist das größte Kriegserlel Empfehle für Dauerbrenner prima Antracit Ruß II prima Mager Ruß II C. Künkler, Kohlenhandlung, 3841 Hagenerstr. 7— Teleson 132. Favoril Modenalbum 60 J, Favorit Jugendaldum.60 L avorit Handarbtsalb. 60, 1! Favorit Schnittmnster!! Alleinverkauf für Schwerte Kaufbaus Otto Marz gebhe*„ 1728 Eine größere Drahtzieherei sucht tüchtige für dauernde Beschäfligung u. hohe Akkordlöhne. Östermann& Flüs, Menden, Kr. Iserlohn. 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Nan Frannssich Rudolf Hiller und Lisa Hell winkten freundlich zurück. Nur Rose Hauptmann wandte nicht ein einziges Mal den Kopf nach dem Manne, der dort einsam stand und ihnen nachsah. ** Als Lisa Hell an diesem Abend ziemlich spät die Treppe zu dem freundlichen Gaststüdchen im Hause des Doktors Hauptmann emporstieg, war es ihr leid, zu denken, daß dies für längere Zeit die letzte Nacht unter diesem Dache sein würde. Ihre Finger schlossen sich um einen Brief, der noch spät abends gekommen war. Ihr Vater rief sie heim. Ein rätselhafter Fall beschäftigte ihn, und da solle sie kommen. solle ihm helfen! Sie lächelte nun doch, während sie Licht machte und die Wiener Zeitungsblätter, welche er ihr geschickt, entfaltete. Ach! Hier hatte er ja auch schon überall mit Bleistift seine Notizen gemacht. Ein Einbruch in einem Juwelierladen der inneren Stadt. (Fortsetzung folgt.) Denkspruch. Land des Rechtes. Land de Lichtes, Land des Schwerkes und Gedichtes.. Daß dich Gott in Gnaden hüte, Herzblau du der Weltenblüte! Völkerwehre, Stern der Ehre, Daß du It.ahlst von Mieer zu Meere Und dein Wont lei kern und nah Una dein Schweit, Germania! Moritz, Graf von Strachwitz. Das Recht am Theaterbillekt. Die Bedeutung des Theaterbilletts im Lichte der Jurisprudenz enthüllt ein interessanter Aufsatz, den der berühmte Rechtslehrer der Berliner Universität Geh. Rat Jos. Kohler in der bei der Deutschen Verlags=Anstalt in Stuttgart erscheinenden Zeitschrift„Ueber Land und Meer“. veröffentlicht. Das Theaterbillett ist ein Inhaberschuldbrief, denn es gehört zu den Wertpapieren, durch die der Inhaber ein bestimmtes Forderungsrecht erwirbt; der Schuldner dieses Forderungsrechtes ist das Theater, das das Inhaberpapier ausstellt. Da das Papier auf den Inhaber lautet, so ist der Berechtigte keinen Augenblick seines Rechtes sicher. Durch den Verlust kann der bisher Berechtigte immer aufhören, berechtigt zu sein. Verliert jemand sein Billett, so ist der andere nur dann unberechtigt, wenn er es in bösem Glauben erwirvt. Da das Theater nicht in der Lage ist, den guten oder bösen Glauben zu prüfen, so wird jeder Inhaber des Papiers zugelassen. Dus Theater hat nicht das Recht, den Inhaber des Vitleits zurückzuweisen. Wenn dies aus Feindseligkeit geschieht, wie seinerzeit in Berlin Hans von Bülow gegenüber oder noch heute hie und da bei einem mißliebigen Kritiker, dann ist das Theater im Unrecht. Nur muß der Billettinhaber sich der Theaterordnung fügen, also z. in reinlichem Anzug erscheinen, oder die Polizei kann eingreifen, wenn man von gewissen Personen annehmen darf, daß sie Unruhe oder Unfug stiften wollen. Der Inhaber des Billetts erwirbt das Recht, an der Aufführung teilzunehmen, aber er hat nicht ein Recht auf die Aufführung. Wenn also ein Stück abgesetzt wird, kann er wohl den Billettpreis zurückverlangen, aber er darf nicht etwa auf die Aufführung des Stückes klagen; denn sein Recht der Teilnahme tritt nur dann in Kraft, wenn das Stück überhaupt gespielt wird. Das Recht auf Rückzahlung erlangt er auch, wenn die Aufführung nur zum Teil vor sich geht, denn er darf etwas Ganzes fordern. Fehlt jedoch nur ein unbedeutender Teil, wie etwa die letzte Ueberführungsszene im„Othello“, dann ist die Verweigerung der Rückzahlung berechtigt, denn alles Wesentliche des Dramas ist dem Zuschauer vermittelt. Streichungen, Kürzungen und Bearbeitung des Werkes für die Aufführung gehören zu den Rechten der Regie, an die der Billettinhaber nicht tasten darf, und ebensowenig darf er klagen, wenn in der Rollenbesetzung eine Veränderung eintritt. Nur wenn eine Aufführung speziell auf einen Star hin eingerichtet ist oder ein Virtuose in einem Konzert auftritt, dann verleiht das Fehlen dieser Persönlichkeit ein Recht auf Rückzahlung, denn die Bedeutung und Leistung des„Star“ wird zur Hauptsache. Ein Recht, den Kaufpreis zurückzufordern, hat der Inhaber auch dann, wenn sein Platz so schlecht ist, daß er von ihm aus nur mit großer Schwierigkeit sehen oder hören kann. Der Zuschauer hat Anspruch auf einen Sitz, von dem aus er das Theaterbild und das Theatergespräch verfolgen kann. Liegt noch eine schwere Verschuldung vor, indem das Theater im Bewußtsein solcher Unvollkommenheiten derartige Billette immer wieder ausgibt, so wäre vielleicht sogar noch eine weitere Entschädigung berechtigt; doch versagt man bei uns für einen solchen„idealen Schaden“ gewöhnlich die Entschädigung. Hat der Inhaber sein Billett im Zwischenhandel um einen höheren als den regulären Preis erworben, so darf er diesen Seltenheitspreis von der Theaterverwaltung nicht zurückverlangen. Denn das Theater hat sich nur an den mit dem Billettinhaber geschlossenen Werkvertrag zu halten, nach dem es seine Leistung gegen den normalen Billettpreis vollzieht oder im Falle der Nichtleistung diesen zurückzahlt. Humor. Aus der Schule.„Was wird der Prinz von Wales, wenn der König von England stirbt?“ Der kleine Johann:„Ein armes Waisenkind, Herr Lehrer.“ Auch ein Lob.„Ich schätze mich glücklich,“ so erzählte ein Pfarrer von Philadelphia,„daß ich unter den Mitgliedern meiner Gemeinde mehrere habe, die mir stets die Wahrheit über mich selbst sagen. Einmal fragte ich eine würdige, wenn auch gerade nicht sehr gebildete Frau, ob sie meine geschriebenen oder meine gesprochenen Predigten lieber hätte. Sie dachte einen Augenblick nach, und dann erwiderte sie mir:„Ich habe Sie am liebsten ohne das Buch, weil Sie immer wieder ein und dasselbe sagen; so kann ich es besser behalten.“ 5712 # s *• S#ks Amfliches Kreisblaft für den Kreis börd: S 47. Jabrgang O Grties und ibräm Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 198. Mittwoch, 25. August 1915. Untter latscher Fial. Roman von A. Withe. (54. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) weiter nichts. lauben Sie,“ fragte Volkhardt,„daß das Mädchen an dem Attentat, das in meinem Gewächshause gegen mich verübt worden ist, irgendwie beteiligt war?“ „Nein, bei meiner Seele, das glaube ich nicht!“ antwortete Sebald.„Sie ist eine willenlose Figur in dem Spiel— Bringen Sie sie in Ihre Gewalt, und ich werde Ihnen die nötigen Fingerzeige geben, in welcher Weise Sie sich ihrer weiter zu bedienen haben! Aber zaudern Sie nicht länger, sondern machen Sie sich frisch ans Werk. Ich kann doch wohl annehmen, daß Sie sich vor einem wichtigtuerischen Schwätzer und Großsprecher von der Art Ihres Schwagers nicht fürchten werden?" „Ich müßte wahrhaftig der erbärmlichste Feigling unter der Sonne sein, wenn ich es täte. Ich habe iyn übrigens seit Jahren nicht mehr gesehen. Das letzte mal, als er sich mir in der Hoffnung näherte, Geld von mir herauspressen zu können, habe ich ihm auf eine nicht mißzuverstehende Weise mit dem Gefängnis gedroht. Seitdem würde er nicht mehr riskieren, mir bis auf taasend Schritte nahe zu kommen.“ Der kleine Herr Sebald wußte das nun freilich besser, und er hätte seinem edlen Gönner leichk allerlei interessante Dinge von einer gewissen Unterredung in einem Wintergarten erzählen können— einer Unterredung, der er ja die wertvollsten seiner Kenntnisse verdankte. Aber er hatte gar kein Interesse daran, dieses Geheimnis schon jetzt preiszugeven, und er zog es darum vor, Volkhardt bei seinem Glauben zu lassen. „Gehen Sie also hinein und sprechen Sie mit ihm, drängte er von neuem.„Ein Rätsel ist mir vorläufig noch, wie das Gesindel zu diesem Hause yier gekommen ist. Natürlich steckt irgendein Sywindel dahinter. Aber das kann uns einerlei sein. Jedenfalls ist es nunmehr höchste Zeit, daß Sie Einlaß verlangen.“ Paul Volkhardt war das personifizierte Mißtlauen. Er war argwöhnisch gegen alles und gegen jeden. Auch jett noch überlegte er hin und her, ob sich nicht vielleicht hinter alledem ein neues Komplott gegen sein Leben verberge. Es konnte sich recht wohl um eine geschickt ersonnene Verschwörung handeln, dazu bestimmt, ihn zu nächtlicher Stunde in dies abgelegene Haus zu locken und ihn darin umzubringen. Allerdinzs hatte sich schwer einsehen lassen, welchen Vorteil sich Sebald von der Beteiligung an einem solchen Anschlage versprechen sollte. Und dies letztere Argument war es denn auch, das für Volkhardts Erwägungen zulezt den entscheidenden Ausschlag gab. Der kleine Rechtsanwalt hatte bei der Beteiligung an einem Verbrechen selbst im' günstigsten Fall sehr wenig zu gewinnen, wohl aber im Falle des Mißlingens aules zu verlieren, während es durchaus begrei lich schien, daß er sich den vielfachen Millionär Volkhardt zum Freunde zu machen wünschte. „Nun wohl,“ sagte er,„ich glause wohl, oaß ich es riskieren kann. Aber merken Sie sich, Sebald: Wenn Sie am Ende doch ein falsches Spiel mit mir versucht hätten—.—.. G..4 Mit unm „Zum Henker, verschonen Sie mich mir einem 10 lächerlichen Verdacht! Was sollte ich denn dabei profitieren? Ich brauche hunde ttausend Mark, und ich will sie von Ihnen haben! Sollte ich etwa versuchen, sie von Ihrem bettetarmen Schwager und von den Landstreichern zu erlangen, mit denen er sich zusammengetan hat? Wenn ich Sie hätte hinters Licht führen wollen, würde ich es wohl etwas schlauer angefangen haben. Soviel Inteiligenz dürfen Sie mir immerhin zutrauen!— Also schlagen Sie sich alle derartigen Besorgnisse aus dem Kopf! Reden Sie mit Ihrem Schwager und dringen Sie energisch darauf, daß er das Mädchen herausgibt. Ich werde inzwischen hier auf Ihre Wiederlehr warten." Volkhardt schien durch diese Argumentation in der Tat beruhigt zu sein, denn er zauderte nicht länger. Von dem Bruder seiner Frau fürchtete er in der Tat nichts, und obwohl er den kleinen Rechtsanwalt noch soeben beargwöhnt hatte, gab ihm jetzt das Bewußtsein seiner Nähe ein Gefühl der Sicherheit, das ihn mit größter Entschlossenheit vorgehen ließ. Er stieg die Stufen hinauf, die zur Haustür führten, und setzte die Glocke in Bewegung.„. 13ann.. Nach einer keinen Weite wurde gebisnet, und die Gestalt einer Frau zeigte sich in der halbgeöffneten Tür, um nay Namen und Begehr des Einlaß Heischenden zu fragen. „Ich heiße Volkhardt,“ lautete die energische Erwiderung, die ihr zuteil wurde.„Ich bin ein Verwandter des Herrn Hubert Cornelli und habe auf der Stelle in einer dringenden Angelegenheit mit ihm zu reden.“ W Die Frau erhob keinen Wiverspruch, uno in der nächsten Sekunde hatte die Tür sich wieder hinter ihr und dem Eingetretenen geschlossen. Giovanni, über dessen Gesicht ein ingrimmiges Lächeln gegangen war, als er die für einen Moment vom Lichte der Flurlampe hell beschienenen Züge der 5.— S ∆ Frau erkannt hatte, verharrte noch immer regungslos auf seinem Lauscherposten. Er durfte sich nicht rühren, ohne die Aufmerksamkeit des kleinen Rechtsanwalts zu erregen, von dem er nur durch eine winzige Entfernung getrennt war, und so wartete er gleich jenem geduldig fast eine halbe Stunde lang. Er sah bald hinter diesem, bald hinter jenem Fenster des Hauses ein Licht aufleuchten, und er hörte den unverständlichen Klang einzelner abgerissener Worte, die den Eindruck machten, als ob drinnen ein heftiger Streit entstanden sei. Dann wurde oben im ersten Stock ein Fenster geöffnet, und eine weiße, weibliche Gestalt erschien auf dem Balkon. Hinter ihr glaubte er auch die haften Umrisse einer männlichen Figur zu unterscheiden, aber die Beleuchtung war zu unsicher, um ganz bestimmte Wahrnehmungen zu gestatten. Alles, was er noch beobachten konnte, war, daß die weiße Gestalt sich über das Balkongeländer schwang, und daß sie— aus eigener Kraft oder mit fremder Hilfe— aus der nicht sehr beträchtlichen Höhe niederglitt. Sie erreichte unversehrt den Boden und eilte unverzüglich davon, der Gartenpforte zu. Nach wenig Augenblicken schon war sie in der nächtlichen Dunkelheit spurlos verSicherlich war Giovanni in Versuchung gewesen, einen Ruf auszustoßen oder der Fliehenden zu folgen; aber er mußte triftige Gründe gehabt haben, dieser Versuchung mit starker Anspannung des Willens zu widerstehen und nach wie vor stumm und ohne Bewegung auf seinem Posten auszuharren. Nun wurde von drinnen die Haustür aufgerissen, und Paul Volkhardt erschien auf der Schwelle.“ „Sebald!“ rief er in die Dunkelheit hinaus. „Sebald! Kommen Sie hierher. Sie werden ge„Es ist zu spät,“ gab der Rechtsanwalt im Tone einer sehr ärgerlichen Enttäuschung zurück.„Der Vogel ist ausgeflogen.“ 35. Kapitel. Im Hause. Mit einem Lächeln, das überaus beruhigend auf sie wirkte, hatte Mascani sich dem jungen Mädchen zugewendet, nachdem er die Tür des Zimmers, in dem sie allein miteinander waren, von innen verschlossen und jene Aufforderung an sie gerichtet hatte. Freilich war ihre Aufregung nicht einmal allzu groß. Sie hatte in diesen traurigen letzten Monaten ihres jungen Lebens soviel Ungemach erfahren und soviel Schreckliches erlebt, daß sie gegen drohende Gefahren bis zu einem gewissen Grade abgestumpft war. Und in der äußeren Erscheinung Mascanis wie in der Art seines Benehmens lag etwas, das ihm vom ersten Augenblick an ihr Vertrauen gewonnen hatte. Er hatte das Aussehen und das Gebaren eines wirklich vornehmen Mannes, und seine surchtlose Gelassenheit sprach vollends zu seinen Gunsten. So nickte sie ihm freundlich zu und erwiderte: „Ich werde alles tun, was Sie mir raten. Warum aber haben Sie uns eingeschlosserz f.... Enent „Um diesem betrunkenen Lanostreicher den Eintritt unmöglich zu machen. Glauben Sie mir, mein liebes Kind, daß ich Ihr aufrichtiger Freund bin. Ich bin in keiner andern Absicht hierher gekommen, als um Ihnen zu helfen. Sie sind die Tochter der verstorbenen Anita Giovanni. Die Aehnlichkeit springt ja auf den ersten Blick in die Augen.“., 9.: zunag mm. 9chm 4, „Ja, ich bin es,“ nickte oas junge Maochen, glualich darüber, einen Mann vor sich zu sehen, der ihre geliebte Mutter gekannt hatte, und der ohne Zweifel einer ihrer Landsleute war. „Ich wußte wohl, daß in dieser Hinsicht ein Irrtum unmöglich war. Und da gibt es immer noch Leute, die behaupten, daß das Zeitalter der Romantik unwiderbringlich dahin sei. Was würden Sie wohl sagen, mein liebes Fräulein, wenn ich Ihnen erzählte, daß ich einst den glühenden Wunsch hatte, der Gatte des Mädchens zu werden, das später Ihre Mutter wurde? Es war mir nicht beschieden; denn sie gab einem andern den Vorzug. Und dieser andere war mein bester Freund. Er ist es auch in der Folge geblieben; denn unsere Nebenbuhlerschaft war so offen und so ritterlich gewesen, daß der Besiegte dem Sieger nicht hatte grollen können. Hörten Sie jemals von „Von meinem Onkel? Ja, ist er denn noch am „Vor einer Stunde wenigstens, wo ich ihn zuletzt gesehen, erfreute er sich noch der allerbesten Gesundheit. Er war es, der mich hierher geschickt hat, und ich habe nicht gezögert, seinen Auftrag auszuführen. Die Umstände machten es ihm unmöglich, mir den Zweck meiner Mission klarzumachen; aber ich sehe nun wohl, wozu er meiner bedurfte. Er schickte mich fort, nachdem wir durch das Erscheinen eines Schauspielers, eines gewissen Hubert Cornelli, überrascht worden waren. Ist Ihnen der Mensch vielleicht zufällig auch Ein Erschauern ging über den Körper des jungen Mädchens, und der Ausdruck des Abscheus auf ihrem Gesicht sprach deutlicher als Worte. „Oh, ich kenne ihn nur zu gut,“ flüsterte sie.„Es ist ja der betrunkene Mann, dessen Stimme wir eben gehört haben. Er ist einer meiner Kerkermeister. Diese schrecklichen Menschen brachten mich hierher. Obgleich sie ganz ohne Geldmittel waren, nahmen sie doch auf eine mir unerklärliche Weise Besitz von diesem vornehmen Landhause. Aber ich habe wohl gemerkt, daß dabei etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein muß, und daß sie in beständiger Furcht sind vor der Polizei. Herr Cornelli hat die Absicht, mit mir eine Tournee durch die Provinz zu veranstalten. Sie sagen, daß es ein großartiges Geschäft sein würde.“ „Und Sie haben damit vermutlich ganz recht. Sie brauchen mich nicht so verwundert anzusehen, mein liebes Kind! Ich habe ja noch keiner Ihrer Vorstellungen beigewohnt; aber ich kann mir wohl denken, um was es sich dabei handelt. Man hat Ihnen ein Geheimnis anvertraut, das im Besitz Ihres Vaters gewesen war. Verhält es sich nicht so?“ „In der Tat, so ist es,“ erwiderte Anita, die aus dem Erstaunen gar nicht herauskam,„aber wie konnten „Ich kann es wohl wisen, weil die Erfindung zum Teil von mir herrührt. Auf jeden Fall bin ich bei ihrer Ausgestaltung und Vervollkommnung behilflich gewesen. Ich und Paolo Giovanni. Oh, wir waren damals verzweifelt heißblütige junge Leute. Wir träumten davon, die Könige zittern zu machen und die Throne zu stürzen. Unsere wunderbare Erfindung sollte uns ein Mittel werden zu dem Zweck, die Gewaltigen endlich gefügig zu machen für die berechtigten Forderungen ihrer Völker. Wir waren eben närrische Enthusiasten, mein Kind! Und unsere törichten Träume sind längst begraben. Aber ich kann mir recht gut vorstellen, einen wie gewaltigen Effelt die Vorführung unserer Erfindung im Zirkus oder auf der VarietsBühne zu erzielen vermöchte. Freilich wäre es eine sehr grausame Produktion!“„ 6 „Entsetzlich grausam! Und even beshalb will und kann ich mich nicht mehr dazu hergeben. Diese armen kleinen Vögel! Wie kann man es über sich gewinnen, sie zu töten, wenn man sie hat singen hören! Wenn Sie mußte mitten in ihrer Rede abbrechen, denn es war laut und ungestüm an die Tür des Zimmers geklopft worden. (Fortsetzung folgt.) Plalie Der Dümmste im Saal. Von einem berühmten Gelehrten, der seine Kindertage in einem kleinen Landstädtchen verbrachte, weiß eine Wochenschrift eine hübsche kleine Geschichte zu erzählen. Der Forscher hatte schon längst versprochen, den Stätten seiner Kindheit einen Besuch abzustatten und dabei in dem Orte einen Vortrag zugunsten einer der Wohlfahrtseinrichtungen der Gemeinde zu halten. Endlich kam er dazu, das alte Versprechen einzulösen, der Vortrag fand statt. Als er nach Beendigung seiner Vorlesung mit einer Anzahl jener Herren sprach, die den Abend arrangiert hatten, beglückwünschte man den Meister der Wissenschaft und dankte ihm. Vor allem aber, so hob einer der Herren bewundernd hervor, sei es geradezu großartig, in wie meisterhafter und klarer Weise der Forscher es verstanden habe, sein schwieriges Thema der im Durchschnitt nicht gerade hochgebildeten Zuhörerschaft anschaulich zu machen. „Ach,“ meinte der Gelehrte erklärend,„sehen Sie, ich blicke bei meinem Vortrag in solchen Fällen immer den Zuhörer an, der mir das am wenigsten intelligente Gesicht zu haben scheint. Und nun erkläre ich die Sache so lange und so genau, bis ich an jenem Gesicht ablese, daß der Mann es verstanden hat.“ Einen Augenblick später betrat der Herr Bürgermeister den Raum und ging auf den Gelehrten zu. „O, Sie glauben nicht, welche Freude Sie mir heute abend bereitet haben. Während des ganzen Vortrages hatte ich das Gefühl, als blickten Sie nur mich an, und als sprächen Sie nur zu mir.“ Welke Blumen. Erzählung von A. Hottner=Grefe. (Nachdruck verboten.) Ueber dem weithingedehnten Hügelland lag flimmernd und gleißend die scheidende Sonne. Sie warf ganze Bündel rotgoldener Strahlen über die alten Bäume, welche gleich starken Wächtern den einsamen Gutshof umstanden; sie umspielte die grauen Mauern des ausgedehnten Gebäudes und spiegelte sich in den vielen Fenstern des Wohnhauses. Aus den Ställen tönte dumpfes Gebrüll, der Gänsehirt trieb seine schnatternde Schar heimwärts, allerlei Fuhrwerk kam auf der Straße vorüber. Droben auf der Waldblöße, von der aus man einen schönen Blick auf das Gut genoß, standen ein paar Menschen; in den Anblick des lieblichen Bildes verloren. Sie waren so vertieft in ihre Gedanken, daß sie kaum die einbrechende Dämmerung beachteten. Erst als der letzte Sonnenstrahl verglomm und graue Schatten ihre Schwingen ausbreiteten, wendete sich der noch sehr junge Mann an das stattliche Mädchen, welches neben ihm an dem Stamm einer mächtigen Eiche lehnte. „Wir müssen heim, Rose,“ sagte er,„Vater wartet!“ Das Mädchen war, wie jäh erschreckend, aufgefahren. Aber sie blickte nicht nach dem Sprecher, sondern sah mit einem seltsam dunklen Blick nach der anderen Seite der Waldblöße, von der sich soeben ein hochgewachsener, aufsallend schöner Mann in Begleitung eines zarten, ein wenig verwachsenen Mädchens mit einem feinen, ungemein intelligenten Gesicht ihnen näherte.. un tat en. Mit einer raschen, sicheren Bewegung trar die Ankommende auf Rose zu. „Es ist schon spät!“ sagte sie eindringlich:„Komm doch mit, Herr Hiller wird uns wohl seinen Wagen leihen müssen, denn durch den Wald können wir nun nicht mehr Purückt“..„u4 F.Kimmt essanaches Arte fAch Sie hatte ruhig und vestimmt gesprochen und schoo nun ihren Arm unter den Arm der anderen. Die beiden Männer standen jetzt dicht nebeneinander. Man sah es auf den ersten Blick, daß sie Brüder waren. Da war dieselbe hohe Gestalt, das feine, edle Gesicht, die stolze Haltung; nur daß bei dem jüngeren, welcher die Uniform eines Forstadjunkten trug, die Züge noch weicher, unfertiger erschienen. Um den schönen Mund lag ein heiterer Zug. In das Antlitz des älteren hatte das Leben schon viele Runen eingezeichnet. Der hatte gelebt, hatte gekämpft, gelitten. Das war ein reiser Mann, während der andere noch an der Schwelle des Daseins stand. „Dort kommt schon der Wagen!“ sagte Ernst Hiller, der Aeltere, und deutete mit der Hand nach der Straße, der sie sich fnäherten.„Ich sagte es schon mittags, daß der Kutscher sich bereithalten solle!“ Der jüngere Bruder lachte. „Die Kinder sitzen alle drei darin!“ rief er fröhlich. „Sieh' nur, Rose, die Kinder!“ Sie liefen nun alle mehr, als sie gingen, und ein paar Minuten später standen sie um den Wagen. Ernst Hiller hob mit einem zärtlichen Lächeln seine drei Lieblinge heraus. „Habt es wohl nicht ausgehalten ohne mich? Sehnsucht nach dem Papa? Was?“ Die Kinder hingen jubelnd an ihm. Dann sprangen sie zu dem schönen, großen Mädchen. „Rose! Tante Rose!“ Sie jauchzten vor Freude. „Komm mit! Komm nur ein bißchen noch mit hinein!“ Der Nachtwind strich kühl vom Walde her, Rose Hauptmann schauerte leicht zusammen. „Nein— nein!“ sagte sie hastig und fuhr mit unsicherer Hand über den Kopf des ältesten Mädchens. „Es ist zu spät, Kinder. Ich kann nicht— ich will nicht!“ „Du kommst so selten!“ flüsterte zärtlich die Kleine. „Gelt? Dir ist es langweilig bei uns? Das kommt, weil wir keine Mama haben! Schon so lange keine Mama!“ Das Kind sah mit seinen verständigen Augen zu dem Mädchen empor. Dann, sich plötzlich an etwas Freudiges erinnernd, sprang die Kleine fröhlich auf den Wagentritt und umschlang nochmals zärtlich ihre junge Tante. „Aber in vier Wochen bist du ganz da!“ rief sie mit ihrer hellen Kinderstimme.„Dort“— sie wies nach einem zierlichen Haus unweit des Gehöftes—„dort wirst du mit Onkel Rudolf wohnen! Und dann kommen wir alle Tage! Und Papa kommt immer mit; denn ohne Papa ist es doch nicht schön!“ Die Kleine schlug in die Hände vor Freude. Und während der nun folgenden Abschiedsgrüße fiel es keinem auf, daß Rose Hauptmann die Antwort auf die kindlichen Fragen schuldig geblieben war. Keiner sah den seltsamen gequälten Ausdruck in ihrem Gesicht. Der Forstadjunkt fuhr mit den beiden Mädchen. Er wollte noch einiges mit dem zukünftigen Schwiegervater, welcher Arzt in der nächsten größeren Ortschaft war, besprechen. „Es ist wegen der Hochzeit!“ rief er übermütig seinem Bruder zu.„Die Zeit drängt. Nur noch vier Wochen! Und es gibt doch noch so vieles zu ordnen!“ Lisa Hell, das Mädchen mit dem feinen, schmalen Gesicht und der ein wenig verkrüppelten Gestalt, welches dem jungen Manne nun gegenüber saß, drohte ihm mit dem Finger. „Und darum ist es Ihnen gar nicht zu tun, Herr Adjunkt, noch ein paar Stunden mit Rose zusammen 0181