Amtlichses Kreisbicht für den Kreis börde Ie Schmmem Heiuer uicen dend euder Feiertags. Bezugsprets M. 1 oierteljährlich, dei der Post für Bestellgeid 42 Pto. mehr. Wöchentl. Gralisdeilage:„Ikustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterbaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die slebengespaltene Petitzelle oder deren Raum 10 Pig., Anzeigen von wärts 15 Pig., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Radatt gilt als Kassarabalt u. erllicht bei Kon#ursen, Iwangsbergleichen, gerichtl. Klagen u. Astschnnd ernaht.-bettesschestsene Verbunden mit: Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schweter Uollschlaß Schwerker Tageblatt D Schwerter Anzeiger Grltes und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Hnzeiger für den Kreis bärde&am Haupt-AononcenBlaß Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung ehmme Lostsndiung Nr. 182. Freitag, den 6. August 1915. aue hrtg, uss ieteigellgelichen Deranh. nungen für den Arets Hörde erlangen gemen Bekanntnachung dei Abalglichee Regierung durch Verössentlichung io dei„Schwerter Jettung", rechtsverdindliche Kroft.— Die„Schwerter Zettung“ gewöhrt idren Aboanen. ten für jeden mit Tod endenden Unsoll gediagungen:: 300 Mk. Unsall: Druch u. Verlag o. Carl Brauz. Schwerte=Rude Sorto t.- etm abt Siasshen dch) 47. Jahrgang. Der Falt von Warschau. Freudenruf durchhallt das Land. Auf den Türmen nehmen ihn die Glocken auf mit dröhnendem Klang, uund in den Tiefen, Gewühl des Tages, eint er die Herzen zu höherem Schlag. Von der waffenstarrenden Front im Osten will er hinüber zu den Treuen und Tapferen im Westen, und mit dem Volk in Waffen tritt das Heimatvolk des Werktages zusammen, in ihn einzustimmen. War' schau gefallen! Die Lebenden jubeln's, und, von ihrem Siegesruf geweckt, nahen die toten Helden, alle, die in diesem Weltkriege die kalte Erde mit ihrem warmen Herzblut feuchten mußten— die im Westen die Wacht hielten, daß im Osten das große Werk gelingen konnte, und die im Osten ihre Kraft, ihr Können, ihr Sein einsetzten, das gewaltige Ziel zu erreichen. Das ganze Volk, das war und ist, frohlockt in einer heiligen Freude, und das einst sein wird, wird ihm in Dankbarkeit verbunden sein, wenn es dieses Tages, dieses Ereignisses gedenkt. Wenn Warschau so überraschend schnell dem Anseirm der Armee des Prinzen Leopold von Bayern erlegen ist, so wäre es falsch, daraus den Schluß auf eine geringe Widerstandsfähigkeit der Werke zu ziehen, die diesen überaus wichtigen und bedeutendsten Brückenkopf und Eisenbahnknotenpunkt an der Weichsel schirmen. Warschau ist ein gewaltiger Waffenplatz und eine Gürtelfestung ersten Ranges, der die drei doppelgleisigen Vollbahnen Petersburg—Wilna, Moskau—Brest—Litowsk und Kiew—Lublin, die sich hier im Knoten vereinen, vorzüglich deckte. Bei Warschau führt die große Eisenbahn= und Straßenbrücke aus Eisen u. Stein über den fast einen Kilometer breiten und sehr tiefen Weichselstrom. Eine weitere für Kolonnen passierbare Brücke befindet sich dann erst 100 Kilometer südlicher bei Iwangorod. Die Hauptverteidigungslinie, die äußere oder Gürteklinie, liegt 5 bis 6 Kilometer vor der Stadtumgrenzung. Am linken westlichen Ufer der Weichsel befinden sich 10 Hauptwerke und ein Zwischenwerk, am rechten, östlichen, der Vorstadt Praga, liegen vier Forts und zwei Zwischenwerke. Außerdem sind hier noch die Forts Waver und Kawenzyn über die Gürtellinie 3 bis 5 Kilometer hinausgeschoben. Sie sichern die Verbindung mit den Werken von Zegrze an der Mündung des Bug und Narew, die ihrerseits mit Nowogeorgiewfk in engem Verband stehen. Die Stadt Warschau selbst ist außerdem noch mit einer inneren Fortslinie umgeben,, die auf dem linken Flußufer fünf Hauptund drei Zwischenwerke mit den entsprechenden Verbindungslinien zählt. Moderne Beton= und Panzerbauten haben die Verteidigungsmöglichkeiten der Gesamtamlagen bedeutend erhöht. Und doch ist diese starke Stellung, die in ihrer durch Natur und Kunst gleich vorteilhaften geräumigen. Anlage einer großen Armee Unterkunft und Verpflegung bieten konnte, in ganz kurzer Zeit gefallen. Das ist die Folge der schweren Schläge, die das russische Feldheer erlitten hat, und durch die der Zusammenhang zwischen den einzelnen Festungen der westpolnischen Gruppe durchbrochen wurde. Warschau wie Iwangorod sanken durch den Druck, der auf allen Seiten die russischen Heere zum Rücknnig zwang, trotz ihrer Stärke zu gefährdeten Außenstellungen herab. Bei den Verbündeten wird der bleiche Schrecken trotz aller äußeren Gebärden der Unerschrockenheit einkehren. Alle Neutralen, besonders die Balkanstaaten, werden nun, kaum noch zu haben sein für Bluthingabe und Massenopfer zu Ehren des bioherigen russischen Schirmherrn. Wie eine Deutscher Tagesbericht. wtb. Großes Hauptquartier, 5. Aug. 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. In den Vogesen ist am Lingekopf und südlich der Kampf von neuem entbrannt. Sonst keine Ereignisse von Bedeutung. Oestlicher Kriegsschauplatz In Kurland und Samogitien schlug unsere Kavallerie die russische bei Genaize, Birschi und Onikschty aus dem Felde. Hierbei und bei den Kämpfen östlich von Poniewicz gestern und vorgestern wurden 2225 Russen, darunter 2 Offiziere, gefangen genommen. Die Armeen der Generale von Scholz und von Gallwitz blieben unter heftigen Kämpfen im weiteren Vordringen gegen die Straße Lomza—Ostrow—Wyszkow. Tapfere und verzweifelte Gegenstöße der Russen beiderseits der Straße Ostrow—Rozan blieben wirkungs24 los. 22 Ofsiziere und 4840 Mann wurden zu Gefangenen gemacht und 17 Maschinengewehre erbeutet. Die Armee des Prinzen Leopold v. Bayern durchbrach und nahm gestern und cheute nacht die äußeren und inneren Fortslinien von Warschau, in denen die russische Nachhut noch zähen Widerstand leistete. Die Stadt wurde heute vormittag durch unsere Truppen besetzt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nördlich von Iwangorod ist die Lage unverändert. Zwischen der oberen Weichsel und dem Bug wird die Verfolgung sortgesetzt. Oestlich des Bug rückte die Kavallerie in Wolynsk ein. Oberste Heeresleitung. ultusk Ssovve B Kronas .. Seroch rliechow. Jarer F KA Zaircr Hazun-polski leich, Dabrowk Tarchomin Lipkorin ##.ö% ar Okunten WerrK RohoMfinsk obiel! Rassrand Verezzy# MOdor Gsfand Goca Helt 7480 TZE- 8 rruvon rgAu, rre A " Ntesamez#trr####ezel 10 20 50 Warke Ausr Kr □ Oesterreichischer Tagesbericht. Aug.(Nichtamtlich.) Amtlich Iwangorod wurde gestern bewtb Wien, 6. wird verlautbart: setzt. ussischee Kelegoschauplatz. wtb Wien, 5. Aug.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 5. August mittags: Die lange Reihe von Erfolgen, welche die Verbündeten seit der Mai Schlacht am Dungjec, in Galizien, in Süd= und Nordpolen und in den Ostseeprovinzen errungen haben, wurde durch die Besitznahme von Iwangorod und Warschau gekrönt. Gestern haben unsere Truppen Iwangorod besetzt, heute sind Truppen der Armee des Prinzen Leopold von Bayern in die Hauptstadt von Russisch=Polen eingerückt. Zwischen Weichsel und Bug gingen die beiden Verbündeten unter Verfolgungskämpfen gegen Norden vor. Oesterreichisch ungarische Reiterei hat Ustilug, deutsche Wladimir=Wolynskij erreicht. Der Stellvertreter des Chess des Generalstabes: von Hoeser, Feldmarschall=Leutnant. starke Brandungswelle wird diese Nachricht Begeisterung uund gesteigertes Kraftgefühl in die Millionenheere unseres teuren Vaterlandes tragen. Nach dem Uebergang der Armee Böhm=Ermolli über den oberen Bug erscheint es uns sogar schon fraglich, ob die Russen die Stellung Brest— Litowst werden halten können. Und damit beginnen die möglichen Rückwirkungen auf die Nationalitäten im russischen Gewaltreiche. Jetzt wird doch in Russisch=Polen diejenige Partei ihr Haupt offener erheben, die ein Königreich Polen will außerhalb der russischen Knutenherrschaft. Die Bauern, die Handwerker, die kleinen Kaufleute, die Priester, die Studenten werden jetzt stärker polnisch zu denken wagen. Die Ruthenen in der Ukraine werden untereinander tuscheln und zischeln. Und auch in Finnland wird man aufhorchen, ob die Befreiung naht. Große Möglichkeiten stecken im Spiel. Militärisch bedeutet der Fall Warschaus einen großen Erfolg. Politisch können seine Wirkungen bei richtiger Behandlung unabsehbar werden. Deutschland steht als Sieger da. Daß die Früchte, die der Drei= und spätere Vierbund mit seinen übrigen Anhängseln vom ersten Kriegsjahre erhoffte, nicht gereift sind, müssen die englischen, französischen, russischen und italienischen Kritiker in ihren Rückschauen, wenn auch zögernd, zugestehen. Die Neutralen, selbst solche, die mit ihren Sympathien auf seiten unserer Geg“ ner stehen, aber gehen in ihrem Urteil viel weiter. So zieht das große Kopenhagener recht wenig deutschfreungliche Blatt„Politiken“ die folgende Bilanz des ersten Kriegsjahres: Deutschland steht am Schlusse des ersten Kriegsjahres als Sieger da und ernte alle Früchte seiner militärischen Bereitschaft. Es war bei Ausbruch des Krieges die einzige Macht, die fertig war. Scwohl Frankreich wie Rußland standen mitten in einer militärischen Umorganisation. Rußland meinte, es werde erst 1917 kampfbereit sein; England war auf einen Festlandskrieg überhaupt gar nicht vorbereitet. Deutschland ist ferner das einzige Land, das mit Glück und Vollständigkeit seine industrielle Umformung vorgenommen hat. Seine industrielle Organisation hat sich also ebenso sicher wirkend erwiesen, wie die militärische. England ist jetzt, ein Jahr nach dem Ausbruch des Krieges, noch nicht weiter gekommen, als daß es einige Fabriken zur Herstellung von Maschinen und Werkzeugen für die Munitionsfabriken neu gegründet hat. Es ist bewuindernswert, was Deutschland vermöge seiner Organisation und Disziplin geleistet hat. Die dänische Zeitung kann ihren ententefrandlichen Sinn natürlich nicht ganz verbergen und tut so, als ob die gegen Deutschland kämpfenden Mächte früher nicht alle Kräfte angestrengt haben, um zur Niederwerfung Deutschlands gerüstet zu sein. In Wirklichkeit gleubten sie, Deutschland in wenigen Monaten auf die Knie zwingen zu können. Sie hatten Deuischlands Kraft aber weit unterschätzt. Wenn„Politiken“ im weiteren sagt, daß infolge seiner Vorbereitung Deutschland im ersten Kriegsjahr siegen mußte, daß die entscheidende Frage der Zukunft aber bleibe, ob es imstande ist, seinen militärischen und industriellen Vorsprung zu wahren, so zeigt sich auch hier wieder die ententefreundliche Brille. Uns muß genügen, daß selbst eine solche die Augen eines„Neu“ tralen“ für Deutschlands bisherige Siege nicht verdunkeln kann.—— Hilferufe der Allierten. wtb London, 5. Aug. Reuter meldet aus Petersburg: Am 2. August wurde hier folgende amtliche Mitteilung veröffentlicht: Es scheint, als habe die Entsendung starker deutscher Verstärkungen aus Frankreich an die russische Front in der vierten Juliwoche begonnen, als die Armee Mackensen im Wieprztale schwer bedrängt wurde. Die Kämpfe am Narew zogen sich lange hin. Jeder russische Erfolg zwingt den Feind, frische Streitkräfte von der Westfront wegzuziehen. Diese Tatsache schafft günstige Bedingungen für aktive Operationen für unsere Verbündeten. Die„Times“ bezeichnen in einem Leitartikel das obige Telegramm als etwas ungewöhnlich und meinen, daß, wenn die Veröffentlichung solcher amtlicher Telegramme wirklich nötig sei, ein gewisser Mangel an dem Zusammenwirken zwischen den verantwortlichen Militärbehörden in West und Ost bestehen müßte. Die Wiederaufnahme der Offensive im Westen hänge nicht allein davon ab, ob gewisse deutsche Armeekorps nach dem östlichen Kriegsschauplatz gebracht worden seien, sondern ob die Stärke der Stellungen und die Bewaffnung der deutschen Armeen im Westen eine allgemeine Offensive gegenwärtig rätlich machen. Das Blatt sucht festzustellen, daß die deutsche Stellung im Westen nicht erschwert ist und fordert, daß die britischen Behörden sofort eine Schätzung von der Stärke der Deutschen an der Westfront bekanntgeben. Ferner seien engere Beziehungen zwischen den Generalstäben der Alliierten nötig. Asquith soll, um die Beziehungen zu den Alliierten weiter zu entwickeln, offen erklären, was England für den Krieg tue. Es sei zu hoffen, daß sich damit die Wirkung seiner letzten nicht überzeugenden Unterhausrede in Frankreich und anderen Orten verstärkt. Das Blatt wiederholt die Forderung, das Parlament unverzüglich wieder einzuberufen, besonders um das Vertrauen der Allierten zu stärken, was nur durch die Einführung der Wehrpflicht geschehen könne. Der Kries gegen Angland. Die Stimmung in Rußland. Byrshewija Wjedomosti“ schreibt im Leitartikel: „Unsere Wirklichkeit ist düster und gefahrdrohend. Dies kann nicht mehr geleugnet werden. Laut müssen jetzt die Worte ausgesprochen werden, die bisher selten offen zu hören waren:„Der Feind ist vor unseren Toren!“ Er hat unser Polen besetzt, ein Teil des Baltikums und Littauens. Die Stunde ist gefahrdrohend.“ Der bekannte russische Militärschriftsteller Oberst Szumskij schreibt in derselben Zeitung:„Das Aufgeben der Weichsel bedeute das allergrößte Ereig. nis des Krieges, auch die Marneschlacht sei für die Kriegsentwickelung nicht von annähernder Bedeutung gewesen. Die neue erfolgreiche deutsche Offensive zeige, daß Deutschland beabsichtige, Rußland „aus dem Spiel auszuschließen", wie Italien am Trentino aus dem Spiel ausgeschlossen werden soll. Die deutsche Heeresleitung wünsche auch beide Niemenufer zu besetzen, drei befestigte Linien zu schaffen, und nach den Siegen an der Weichsel, am Njemen und Bug eine ebensolche„grandiose“ Operation an der Westfront einzuleiten. Der Unterschied bestehe nur darin, daß die Russen Widerstand leisten und sich tief ins Innere zurückziehen können, dem Rückzug der englisch=französischen Armeen aber eine Grenze gesetzt sei.“ Mit bedeutungsvoller Stimme fährt der Oberst dann fort:„Den englisch=französischen Truppen stehen entscheidende Augenblicke bevor. Die Deutschen werden bald wieder Frankreich überschwemmen und eine entscheidende Schlacht einleiten, die das Schicksal des Krieges an der französischen Front und zugleich auch das Schicksal des ganzen Krieges entscheiden wird. Dies ist der Sinn der Weichsel". Ob der Plan der deutschen Heeresleitun den vorstehenden Annahmen entspricht, entzieht sich un erer Kenntnis. Die russischen Presseäußerungen nd jedenfalls kennzeichnend für die Stimmung in Rußland. Die Lage im Osten ist sehr ernst. tu Amsterdam, 5. Aug. Mit großer Spannung, schreibt der Londoner Vertreter des„Maasboden“ einem Blatte, folgt man hier den Ereignissen im Osten. Die Lage ist ernst, sehr ernst. Die Blätter haben aufgehört, den möglichen Fall Warschaus als etwas Bedeutungsloses hinzustellen, als etwas, das von den Russen lange vorhergesehen ist. Das ist auch ganz unmöglich infolge der Bedeutung, die Petrograd selbst den Kämpfen um Polens Haupt stadt beimißt. Die Ereignisse der kommenden Tage können eine vollständige Entscheidung mit sich bringen. Fällt Warschau, so wird das russische Feldheer in der mächtigen Zange deutscher Truppen zermalmt, dann steht die Sache der Alliierten höchst mißlich. Großen Ereignissen entgegen. tn Wien, 6. Aug. Der Kriegsberichterstatter des„Achtuhrblattes“ meldet: Die Operationen auf dem nördlichen Kriegsschauplatz gehen großen Ereignissen entgegen, durch den Vorstoß aus der Linie Lublin—Cholm der die Russen enger einschließt. Die Bahnverbindung Iwangorod—Cholm, zwischen den Weichselfestungen und dem wolhynischen Festungsdreieck ist gestört und auf dem Umweg Kowel—Brest—Litowsk verwiesen. Bezeichnend für die letzten Kämpfe ist die strategische und taktische Ueberlegenheit der Verbündeten, die darin eine Bestätigung gefunden hat, daß jeder russische Versuch, standzuhalten, ihnen ungeherure Verluste und viel Material kostete. Die jüngsten Ereignisse, wie die Einnahme von Lenczna, die Zurückdrängung des Feindes in den unmittelbaren Festungsraum von Iwangorod und die mehrfache neuerliche Durchbrechung der russischen Front sind nur Teil erscheinungen des großen Dramas des russischen Zusammenbruches. Der Schwerpunkt der russischen Front. Haag, 5. Aug. Reuter meldet aus London: Die„Morningpost“ berichtet aus Petersburg: Der Schwerpunkt in der russischen Front ist jetzt von Süden nach Norden verlegt worden. Verschiedene Nachrichten aus offizieller Quelle weisen darauf hin, daß der Angriff auf die Front zwischen Niemen und Dwina ein Unternehmen ist, welchem alle anderen Operationen tuntergeordnet worden sind. Seit mehr als einer Woche haben die Deutschen Ponewjesj erreicht. Unter diesen Umständen verliert die Frage betreffs Warschau die Hälfte seiner Bedeutung. Die Räumung der Festung Neval. wtb Petersburg, 6. Aug. Ueber Kopenhagen.„Rietsch“ bringt einen Befehl des Kommandanten der Festung Neval, nach dem ein vollständiges Verzeichnis aller vorhandenen Telephonanlagen, Apparate, Kabel und Drähte angefertigt werden soll. Sämtlichen Ausländern ist der Aufenthalt im Festungsgebiet untersagt. Eine glänzende Sturmleistung vor Jwangorod. Köln, 5. Aug. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus dem Kriegspressequartier: Die Wegnahme der acht russischen Stützpunkte im Festungsvorraum von Iwangorod bedeutet nicht bloß einen wichtigen Fortschritt für die Operationen im dortigen Abschnitt, sie ist zugleich ein überaus glanzvolles kriegerisches Beispiel. Die Eroberung der Stützpunkte folgte der sichersten artilleristischen Vorbereitung, die durch eine ganze Reihe von Volltreffern von 30,5 Zentimeter=Mörsern gegeben werden konnte. Die acht russischen Stockwerke— schon am Dunajec traf man ähnliches— waren so gebaut, daß die in ihren Gräben liegende Infanterie nicht nur den bequemsten Ausschuß hatte, sondern aus allen Stockwerken auf die Angreifer feuern konnte. Die Siebenbürger, die dort stürmten, hatten also, indem sie sich gegen die erste Grabenreihe wandten, achtfaches Feuer zu überwinden. Sie kletterten von Stockwerk zu Stockwerk, bis endlich die ganze Anlage trotz des vielfachen Feuers in ihrem Besitz war. Den Russen scheint es vorher gelungen zu sein, wenigstens einen Teil ihrer in den Vorstellungen eingebauten leichten Geschütze noch retten zu können. Wenn man aber bedenkt, wie hoch trotzdem die Zahl der erbeuteten Geschütze ist und daß es sich fast ausschließlich um schwere Kaliber handelte, daß die Russen also einen ungewöhnlich starken Artilleriepark bereitgehalten hatten, so wird die angebliche Absicht der Russen, sich nicht auf zu kräftigen Widerstand einzulassen, recht zweifelhaft Im Gegenteil sprechen Wagenbau und Artillerie, spricht alles dafür, daß der Feind zu einem geradezu verzweifelten Widerstande entschlossen war, der in zehnstündigem Kampfe gebrochen wurde. KCK n Prinz Leopold von Bayera der Sieger von Warschau. Der Rlieg gegen Iinnen. wtb Wien, 6. Aug. Nichtamtlich. Amtlich wird verlautbart: An der Tiroler Front kam es nur in der Gegend des Kreuzbergsattels zu größeren Kämpfen. Ein gestern morgen begonnener Angriff von mehreren Vataillonen des italienischen Infanterie=Regiments Nr. 92 gegen die Nemes=Alpe(nordöstlich des Kreuzbergsattels) brach völlig zusammen. Der Feind ging nachmittags dann fluchtartig in die Wälder südlich des Grenzbacheg zurück. Zur Entlastung dieser italienischen Kräfte versuchte am Nachmittag ein weiteres Bataillon überraschend gegen die Sei=Kofelstellung(unmittelbar nördlich des Sattels) vorzubrechen. Auch dies wurde nach kurzem Kampfe zurückgeschlagen und verlor ca. 100 Mann an Toten. Der Bataillonskommandant und mehrere Offiziere des Vataillons fielen. Unsere Verluste in diesen Gefechten waren gering. Im Görzischen unterhielten die Italiener seit gestern mittag wieder ein heftiges Artilleriefeuer gegen unsere Stellungen am Plateau von Doberdo. Als feindliche Infanterie von Sagrado und von südlich Sdraussina her zum Angriff vorzugehen versuchte, wurde sie durch unsere Artillerie zusammengeschossen. An allen sonstigen Fronten hat sich nichts wesentliches ereignet. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. Der Krieg gegen England. Niedriger Kurs der neuen englischen Anleihe. Haag, 4. Aug. Wie aus den Kurslisten der englischen Zeitungen zu ersehen ist, fiel der Kurs der zweiten englischen Kriegsanleihe, die erst seit Mitte voriger Woche an der Londoner Börse eingeführt wurde, bereits auf 97½ Prozent gegen 100 Prozent Zeichnungskurs. Die Londoner Bankkreise sind wegen der schlechten Kurshaltung der Anleihe sehr besorgt. Zwischen der Regierung und der Londoner Börse fanden Verhandlungen statt, wo bei beschlossen wurde, daß die Besitzer von eng lischen Konsols diese nur dann an der Börse zum Mindestkurse von 65 Prozent verkaufen, können, wenn sie dafür einen entsprechenden Anteil der Kriegsanleihe zu 100 Prozent entnehmen. England hetzt in Holland gegen Deutschland. wtb Haag, 5. Aug. In einem in der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ veröffentlichten Brief wendet sich ein Holländer gegen die sogenannten amtlichen Mitteilungen, die in der letzten Zeit durch den britischen Generalkonsul in Rotterdam den Soldaten in der Nachbarschaft und vermutlich auch in anderen Garnisonen zugesandt werden. Der bri' tische Generalkonsul versuche so eine deutschfeindliche und englandfreundliche Stimmung unter dem niederländischen Heere zu erzeugen und arbeite, wie aus dem angeführten Beispiel hervorgehe, mit den gewöhnlichen Mitteln der englischen Presse=Propaganda. Der Briefschreiber betont, es ei die höchste Zeit, die Propaganda, die unter Um ständen gefährlich sei, zu beendigen. Angst vor den Unterseebooten. Rom, 5. Aug.„Messagero“ meldet aus Ancona, daß ein griechischer Dampfer, der seit einigen Ta gen dort vor Anker lag, kurz vor seiner Abfahrt von den Zollbehörden durchsucht worden ist, wobei eine große Anzahl von Behältern mit Benzin und anderem Betriebsmaterial, das nicht auf der ZollListe angegeben war, entdeckt wurde. Insgesamt habe man 30 Tonnen flüssiges Material gefunden, das nach Ansicht der Zollbehörden zur Auffrischung des Bestandes an Betriebsmaterialien auf deut schen und österreichischen Unterseebooten dienen sollte, die dem Dampfer auf einer verabredeten Fahrt begegnet sein würden. Nach Entdeckung des Tatbestandes wurde das Schiff beschlagnahmt und der Kapitän verhaftet. Der Roman des Prisen=Unteroffiziers. Ein amerikanischer Segler in Cuxhaven eingebracht. Wie ein Seeroman vergangener Zeiten aus der Feder eines Cooper oder Gerstäcker liest sich die folgende Meldung, trotzdem in ihr die modernste Erscheinung des Seekrieges, das Unterseeboot, eine Hauptrolle spielt. Cuxhaven, 4. August. Heute morgen wurde das amerikanische Vollschiff„Paß of Balmaha“ durch einen Unteroffizier eines deutschen Unterseebootes, das ihn nördlich von Schottland als Prisenbesatzung an Bord gesandt hatte, hier eingebracht. Während der Unteroffizier einmal schlief, hatte der Kapitän des Vollschiffes, das mit Baumwolle nach Archangelsk bestimmt war, sofort Kurs nach der englischen Küste genommen. Er wurde aber durch den Unteroffizier alsbald gezwungen, wieder umzukehren. Nach dem Einlaufen in Cuxhaven stellte es sich heraus, daß das Schiff bereits eine englische Prisenbesatzung von einem Offizier und vier Mann an Bord hatte, als der deutsche Unteroffizier sich einschiffte. Die englische Prisen besatzung hatte es jedoch vorgezogen, sich angesichts des einen deutschen Unteroffiziers in einem der unteren Räume des Schiffe zu verbergen uund wurde erst in Cuxhaven dort aufgefunden. Die Tochter des Freiherrn. Roman von F. v. Nauenheim. 24 Erglühend senkte sie die Augen zu Boden. Nein, Hubert würde sie nicht betrügen; wenn er sie auch nicht liebte, so würde doch sein mals einer andern angehören. Sie bot ihm beide Hände dar, die er leicht mit den seinen umschloß. „Ich werde mich bemühen, meiner Leidenschaft Herr zu werden, Hübert!" Wofür ich Dir sehr dankbar sein würde!“ „Aber nun, teurer Hubert, wollen wir von unserer Zukunft sprechen und den Termin für unsre Hochzeit festsetzen.“ „Bestimme nur nach Belieben, entgegnete er unbefangen, was ihm schon wieder einen mißtrauischen Blick Giselas eintrug. „Warum nicht Du? Sprich, wäre es Dir recht, am einunddreißigsten Oktober?“ „So schuell?“ entfuhr es ihm unwillkürlich „Ich— ich meinte nämlich— man hat doch verschiedene Vorbereitungen zu treffen. „Wenn das Geld keine Rolle spielt, dann—“ „Du hast recht; die goldene Wünschelrute wirkt Winder. Gut denn, am einundreißigsten Oktober — also in fünf Wochen.“ „In fünf Wochen, wiederhotte Gisela mit bebender Stimume,„in fünf Wochen!“ Stumm nickte er.„In fünf Wochen," klang esin seinem Innern nach.— Es war kein schöner Tag, an welchem Gisela von Milius mit dem heißbegehrten Manne an Gottes Altar trat, und auch sie selbst konnte man gerade heute, obwohl sie im kostbarsten Brautschmucke war, nicht schön neinen, denn ihr ohnehin meist blasses Antlitz sah unter der blühenden Myrtenkrone und dem wallenden Spitzenschleier nahezu fahl aus, während in den Augen ein seltsames Licht flimmerte. Aber auch Huberts schöne Züge waren auffallend bleich und trugen den Stempel tiefen Ernstes, als dann der Priester die ewigbindenden Worte sprach, die Ringe gewechselt wurden, die beiden nun vor Gott und der Welt Mann und Weib geworden, hatte Hubert, dieser kerngesunde, kräftige, junge Mann, einen Moment die Empfindung, als wanke der Boden unter einen Füßen, als hätten die Lichter auf dem prachtvoll geschmückten Hochaltare einen fahlgelben Schein und als grinse der Mamorengel dort oben höhnisch auf ihn nieder. Als er trotzig die Augen von dem Gebilde wegwandte, fiel sein Blick auf Onkel Ferdinand, der ihm zunächst stand und fast feierlich aussah, dann auf Tante Emilie, die ihm gerührt zunickte. Endlich war die Zeremonie zu Ende; man umdrängte die Neuvermählten, die üblichen Glückwünsche wurden gesprachen und mit dem entsprechenden konventic###ellen Lächeln entgegengenommen, dann verließ der glänzende Hochzeitszug, das neuvermählte Paar an der Spitze, die St. Michaelskirche im ersten Bezirk, wo die Tranung stattgefunden, um sich nach Giselas Palais zu begeben. Baron Ferdinand und seine Gemahlin waren, nachdem sie von den Neuvermählten herzlichen Abschied genommen, von der Kirche aus gleich wieder zum Südbahnhof gefähren, um die Heimkehr anzutreten.„ Vor der Trauung hatte Baron Ferdinano, heute dem Neffen gegenüber wirklich als liebevoller Verwandter sich gebend, diesem ein dickes Portefeuille zugesteckt und dabei lustig mit den Augen gezwinikert. „So, mein Junge, damit reichst Du schon eine Weile aus.“ l 6 5 „Lieber Onkel Feromano, sammene Undert, errötend,„wie kann ich—“ „Mache doch keine Geschichten! Ich weiß ja— eigetttlich bin doch ich schuld, daß „Aengstige Dich nicht, Onkel! Vielleicht wird sich's besser machen, als wir alle denken!" Mit raschem, doch warmem Händedruck hatten sich die beiden getrennt, um in den sich eben arrangierenden Zug zur Kirche einzutreten. Hubert stand allein am Fenster des Gemaches, da seine junge Frau sich in ihr Ankleidezimmer begeben hatte, um die Brauttoilette mit einem Reisekostüm zu vertauschen. Einem Wunsche Giselas entsprechend, wollten die Neuvermählten die Flitterwochen in einem stillen Dorfe Süditaliens zubringen, wozu der junge Gatte nichts weniger als freudig seine Zustimmung gegeben hatte.. Gleichgültig schaute dieser jetzt auf die glänzend beleuchtete Riugstraße hinab. Wäre es auf ihn angekommen, würde er lieber in Wien geblieben sein, statt nach diesem armseligen, ihm kaum dem Namen nach bekannten italienischen Neste zu reisen, um dort, sein Mund verzog sich bei dem Gedanken zu einem bittern Lächeln, die Flitterwochen zu verbringen. Als er den Vorschlag gemacht, vielleicht nach ihrer Villa in J. zu gehen, hatte Gisela heftig ablehnend, den Kopf geschüttelt. Nein, dort hätten: sie zu viele Bekannte, es wäre auch zu nahe bei Wien gelegen und sie hätten dann zu wenig Ruhe. Ob er sich denn vor einem ungestörten Alleinsein mit seiner Frau fürchte, hatte sie, seltsam lachend, hinzugefügt, worauf er sich zu einer scherzhaft klingenden Antwort gezwungen hatte. Hätte er aufrichtig sein dürfen, so hätte diese wohl dahin gelautet, daß er tatsächlich ihre allzu stürmische Zärtlichkeit, ihre, wie er wußte, nie schlummernde Eifersucht fürchte. Er war so vertieft in seine Gedanken, daß er leicht zusämmenschrak, als eine Hand seinen Arm berührte. „Da bin ich, mein Geliebter; willst Du Dich nicht auch reisefertig machen „Ich brauche nur Mantel und Hut zu nehmen,“ antwörtete er leichthin. Wie sie so in vollster Reisetoilette vor ihm stand, geftel ste ihm besser als in der schneeigen Brautrobe; auch der Ausdruck ihrer Augen war jetzt ein anderer, indem diese, beinahe schen, fragend zu ihm aufblickten. Zum ersten Mal standen sie sich nun als„Mann und Weib“ allein gegenüber und vielleicht war es dieser Gedanke, der sie. etwas verwirrt machte; vielleicht auch erwartete sie doch im geheimen ein zärtliches Wort des Gatten, eine liebevolle Umarmung, einen Kuß; er aber stand ruhig und unbewegt da wie ein Freinder, ein Anblick, bei dem ein undefinierbares Gefühl ihr das Herz zusammenkrampfte und sie sich mächtig beherrschen mußte, um ihm nicht ein Wort des Unwillens zuzurufen. 12. Kapitel. Draußen schneite und stürmte es durcheinander im tollen Wirbel und die wenigen Passanten trachteten, sobald wie möglich unter ein schützendes Dach zu kommen. Gisela von Thurau lag in ihrem Schlafgemache auf der Chaiselongne, bald zum Fenster hinausblickend, bald gelaugweilt in dem Buche in ihrer Hand blätternd. 227,16 Die junge Baronin war auffallend bleich, die dunkel umrandeten Augen hatten einen mürrischen Ausdruck und um die schmalen Lippen lief ab und zu ein nervöses Zucken. Wie still es um sie war! Schier als ob sie die alleinige Bewohnerin der sroßen luxuriösen Wohnung wäre. Und diese Stille schien sich auch auf die Nerven der jungen Frau zu legen, dieses Alleinsein sie zu drücken; auf ein Zeichen des neben ihrer Rechten befindlichen Zimmertelegraphen erschien Frau von Ermeth. Diese Frau lebte auch jetzt im Hause der Baronin, und zwar in der Stellung einer Gesellschafterin, die zugleich auch die Oberaufsicht in dem auf großen Fuß gestellten Haushalt führte, wobei beide Teile, Tante und Nichte, voll auf ihre Rechnung kamen, um so mehr, als seltsamerweise der beiden Verhältnis zueinander seit Giselas Vermählung ein weitaus besseres war denn früher. Wie jeder gute Roman, so weckt auch der des deutschen Prisen=Unteroffiziers im Herzen des Lesers den Wunsch nach schleunigen Fortsetzungen. Es sind zu viele Fragen zu befriedigen: Wie konnte der eine Mann die Schiffsbesatzung im Jaune halten, die ihm doch anscheinend widerstrebte? Und warum machten die an Zahl weit überlegenen Enssländer keinen Versuch, ihn zu überwältigen? Solche Feigheit hätte man den englischon Seeleuten doch nicht zugetraut. Dei Klieg dei Turkei. Die russische Niederlage im Kaukasus. bb Konstantinopel, 6. Aug. Nach Meldungen aus dem Kaukasus wurden 10 russische Insanterie= und 8 Kavallerie=Regimenter, die sich mit starker Artillerie in der Gegend von Aleschkerd Karahissar in den Vergen verschanzt hatten, von den Türken angegriffen. Dem„Tanin“ zufolge wurden die Russen nach blutigem Kampfe in die Flucht geschlagen. Sie verloren 200 Gefangene und 680 Tote. Nach Aussagen von Gefangenen beträgt die Zahl der Verwundeten ungefähr 2000 Mann. Auch viele Beute fiel in die Hände der den Feind energisch verfolgenden Türken. wtb Konstantinopel, 6. Aug. Privat= nachrichten aus Erzerum besagen: Infolge der Kämpfe, die seit zwei Tagen in der Gebirgsgegend einschließlich des Ararat und in den Gegen den Karakilissa, Alaschkerd und in der Nähe der türkisch=russischen Grenze etwa 170 Kilometer östlich Erzerum sich abspielten, zog sich die Hauptmacht der Russen in Unordnung in der Richtung Kagyeman auf russisches Gebiet zurück. Sie verloren etwa 1000 Tote und 2000 Verwundete. Die türkische Armee verfolgt sie. Die Balkanstaaten. An ein Eingreisen Numäniens nicht zu denken. „Libre Parole“ vom 4. d. M. äußert den Wunsch, daß man Frankreich von jenen falschen Propheten befreie, die in der Presse und in der Oeffentlichkeit immer wieder das Eingreisen Rumäniens als nahe bevorstehend verkündeten und dadurch das Volk nur nervös machten. Wer glaube, daß Rumänien demnächst eingreisen werde, sei töricht oder wahnsinnig. Nicht minder töricht oder wahnsinnig sei, wer sich einbilde, daß ein kleines Land mit vierhunderttausend Soldaten das tun könne, was das ungeheure Rußland mit seinen ungeheuren Hilfsquellen nicht tun konnte. An ein Eingreifen Rumäniens sei nicht zu denken, solange nicht die Alliierten die Offensive ergreisen könnten. Die Türkei und Bulgarien. Frankfurt a. M., 5. Ang. Der Vertreter der „Frankf. Ztg.“ in Athen meldet: Der Abschluß des türkisch=bulgarischen Abkommens wird hier für Tatsache gehalten. Es verlautet, daß an Bulgarien das ganze Gebiet westlich der Maritza und die Linie Dedeagatsch—Philippopel abgetreten wird. Dagegen scheine es die Pflicht zu übernehmen, in keinem Fall aus seiner Neutralität zugunsten der Feinde der Türkei herauszutreten und sich im Falle eines Angriffes eines Valkanstaates gegen die Türkei auf deren Seite zu stellen. Der Vertrag verknüpft nach der hier herrschenden Auffassung Bulgarien fest mit der Türkei und den beiden Zentralmächten. Zweifellos werde das Abkommen auch die noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen des Vierverbandes mit Bulgarien, sowie die Politik Rumäniens und der übrigen Balkanstaaten beeinflussen. bb Budapest, 6. Aug. Nach einer Meldung des Sofioter Korrespondenten der Bukarester Zeitung„Minerva“ sind die türkisch=bulgarischen Verhandlungen unterzeichnet. Bulgarien hat mit dem Zustandekommen des Vertrages gewisse Verpflichtungen übernommen.(Eine amtliche Bestätigtuing dieser Meldung liegt noch nicht vor. Die Schriftl.) Der Geschützdonner und sein Natsel. Die Landsturmleute unserer Gegend, welche in Stralkowo an der russischen Grenze stehen, berich ten seit längerem von dumpfem Geschützdonner, der von dem gewaltigen Ringen vor Warschau die weite Entfernung durchmißt und an ihr Ohr dringt. Auch die Beschießung der Forts von Antwerpen durch die deutschen 42=Zentimeter=Mörfer vom 28. September bis zum 9. Oktober 1914 hatte eine gewaltige Erschütterung des Luftmeeres zur Folge, nicht nur im engeren Bereiche des Operationsgebietes, sonbern auch weit darüber hinaus im nörd' lichen Holland und westlichen Deutschland. Durch die in der„Meteorologischen Zeitschrift" niedergelegten Becbachtungen des Kgl. Niederländischen Meteorologischen Instimits zu De Bilt und anderweitig gewonnenes Material ist es jetzt ermöglicht, die ganz erstaunsiche Hörweite dieses Mörserdonners ziffernmäßig genau anzugeben: Ihre äußersten Punkte liegen etwa in einer Entfernung von 225 bis 230 Kilometer Luftlinie. Aber es sind dabei, wie Dr. Dörr ausführt, höchst merkwürdige Einzelheiten, zum Teil noch unerklärt. So unterscheidet man bis auf eine Entferung von etwa 100 Kilometern das innere Schallgebiet, dem sich eine etwa 60 Kilometer breite(etwa der Abstand Rotter dam—Amsterdam)„Zone des Schweigens“ anglie dert, in der nichts von den kolossalen Detonationen vernommen wurde, während dann bis 230 Kilometer ein äußeres Schallgebiet den Abschluß bildet. Und gerade an der inneren Grenze des äußeren Schallgebietes, also in rund 160—170 Kilometer Entfernung, war die Intensität des Kanonendonners besonders heftig. Da ist von einem„gewitterartigen, dimpfen Dröhnen", von„einem Gefühl, daß der Erdboden unter uns erzittere“, von klirrenden Fensterscheiben und„etwas wie Wildenjägersnächten“ die Rede. Besonders rätselhaft, aber auch ebenso wichtig ist die„Zone des Schweigens“, von deren Existenz man früher verhängnisvoller Weise lange keine Ahnung hatte. Mehrfach haben 1866 und 1870 Armee=Unterführer die Weisung erhalten, gegebenenfalls auf den Kanonendonner hin loszumarschieren und in die Schlacht einzugreifen. Sie blieben aus, und niemand Hlaubte ihnen, daß sie kein Geschützfeuer gehört haben wollten. Kein Mensch wußte eben damals etwas von der rätselhaften„Zone des Schweigens“ Sie hat in den Kriegen schon oft eine merkwürdige Rolle gespielt und u. a.„Friedrich des Großen Sieg bei Liegnitz am 13. August 1760 ermöglicht, denn die österreichische Hauptmacht befand sich gerade in diesem Bereich der Stille, hörte nichts und griff nicht ein, während weit entfernte Detachements den Schlachtendonner sehr wohl vernahmen und anmarschierten. Nach allem läßt sich zusammenfassend sagen:„Dem Kanonendonner kommt als Angriffs= und Richtungssignal eine außerordentlich hohe Bedeutung zu; Hörbarkeit beeinflußt Feldherrn und Unterführer in ihren Schlüssen und Entschließungen— allein seine Wahrnehmbarkeit kann durch Einflüsse geographischer und meteorologischer Natur bis zur völligen Unterdrückung unterbunden werden, obwohl oft nur verhältnismäßig geringe Entfernungen(bis zu dreißig, vierzig Kilometer) in Betracht kommen; demnach ist mit Bestimmtheit auf das Hörbarwerden des Geschützdonners an allen Orten und zu jeder Zeit nicht zu rechnen.“ Es sind also recht wichtige Beobachtungen, zu denen der Mörserdonner von Antwerpen Anlaß gegeben, und die Strategie des Weltkrieges wird damit rechnen müssen. Zudem wird die Fülle der artilleristischen Operationen neues Forschungsmaterial zu diesem interessanten akustischen Probiem liefern. Aus Stadt und Umgebung. Zur Entstehung des Weltkrieges. Der Ausruf des Kaisers.— Ausschreitungen im Auslande. (6. August.) Einfach, würdig und überzeugend ist des deutschen Kaisers Aufruf an das deutsche Volk.„Wir werden uns wehren bis zum letzten Hauch von Mann und Roß und wir werden diesen Kampf bestehen auch gegen eine Welt von Feinden". Die Weltgeschichte wird nichts anderes feststellen können, als daß Deutschland letiglich einen Abwehrkrieg zu führen gezwungen wurde; wie das in des Kaisers Worten markig und klar ausgedrückt ist. Anders der französische Präsident Poincare, der einfach Deutschland als den Friedensstörer hinstellt; mit Beweisen bemüht sich der Herr nicht weiter. Es ist zwar ein banaler Volksausdruck nur, aber er birgt viel Wahres: wer schreit, hat Unrecht. In Frankreich u. Rußland(England war anfangs zu rückhalltender) schrie man nicht nur, sondern der heulende Mob tat sich gründlich gütlich in skandalösen Ausschreitungen gegen friedliche Deutsche; Mord und Totschlag, Plünderung und Diebstahl an Wehrlosen wurden mehrere Tage lang verübt und Polizei und Militär sahen lächelng zu, beteiligten sich wohl auch gelegentlich an diesen Belustigtungen des Janhagels. Daß Rußland, das dem„unterdrückten“ Oesterreich und Deutschland seine„Kultur“ bringen wollte, wieder in den Grqueltaten das Höchste leistete, ist selbstverständlich; an diesem Tage drang der Pöbel in Petersburg in die deutsche Botschaft ein, ermorderte den greisen Rechtsanwalt Kattner, plünderte und steckte das Gebäude in Brand. Ein Schandfleck in russischer Geschichte, der niemals abzuwaschen ist, denn überall gilt die Botschaft als geheiligt. **(Warschau und Iwangorod genommen!) Schneller als wir geglaubt, sind die beiden größten Festungen Russisch=Polens: Warschau und Iwangorod in die Hände der Deutschen und Oesterreicher gefallen. In der dritten Nachmittagsstunde traf zuerst die Meldung ein, daß Warschau erobert sei, die bei jedem ohne Ausnahme einen Jubelruf auslöste. Von Mund zu Mund wurde die Meldung weitergetragen, man wollte ihr zuerst keinen rechten Glauben schenken; eine so starke Festung in wenigen Tagen erobert, das erschien fast unmöglich. Als dann die Extrablätter schwarz auf weiß die Tatsache verkündeten, war ein Zweifel nicht mehr möglich.— Endlich nach monatelangem Ringen ist die Tapferkeit, aber auch Zähigkeit unserer Truppen durch ein Werk gekrönt worden, wie es die Weltgeschichte und die Geschichte dieses Krieges nicht großartiger aufweist.— Am Abend wurde dann noch bekannt, daß auch Iwangorod gefallen ist. Zwei starke Festungen an einem Tage! Was sagen hierzu die Zaghaften, Mutlosen und Flaumacher? Ihre Stimmen verstummten plötzlich. Das ganze Volk war in gehobener Stimmung! In der 9. Abendstunde gab Herr Bürgermeister Rohrmann am Kriegerdenkmal den Gefühlen, die haute ganz Deutschland bewegen, beredten Ausdruck und brachte am Schluß seiner wirkungsvollen Ansprache ein Hoch auf das geliebte Vaterland aus, das jubelnden Widerhall fand.— Wir wollen wünschen, daß die starke Welle vaterländischen Empfindens, die unter der Macht dieses Erlebens aus der Tiefe der Volksseele ernmut ausgestiegen ist, sich niemals verliert. Wir wollen aber auch aus däesem gemeinsamen Erleben gewaltiger Dinge Kraft und Zuversicht für die künftigen großen Auf gaben schöpfen, die unserer harren.— Auch in Westhofen wurde eine würdige Siegesfeier am Kriegerdenkmel abgehalten, bei welcher Gelegen heit Herr Fabrikant Ebeling eine begeisternde Ansprache hielt. (Die Landesversicherungsanstalt Westsalen) schreibt uns: Für Rentenempfänger wird sich jetzt vielfach Gelegenheit bieten, ihre vermin derte Arbeitskraft in landwirtschaftlichen oder in dustriellen Betrieben nutzbringend zu verwerten. Es erscheint daher angebracht, darauf hinzuweisen, daß sie eine Entziehung der Rente lediglich aus dem Grunde, weil sie zeitweilig wieder Lohnarbeit verrichten, nicht zu befürchten haben. Bei dem großen Mangel an Arbeitskräften, besonders auf dem Lande, ist die Ausnutzung auch der schwachen Arbeitskräfte im vaterländischen Interesse dringend erwünscht. Die Nentenempfänger sollten sich deshalb die Gelegenheit zur Erlangung eines kleinen Arbeitsverdienstes neben ihrer Rente nicht entgehen lassen und sich bewußt sein, daß die Pflicht gegen das Vaterland die Anfpannung aller Kräfte fordert. **(Obstgenuß und Wassertrinken.) Zur jetzigen Obstzeit sei darauf aufmerksam gemacht, daß die namentlich von Kindern geübte Unsitte, Wasser auf Obst zu trinken, mit großen Nachteilen für den menschlichen Körper verbunden ist. Nicht nur, daß schwere Magenleiden dadurch entstehen können, sondern das Trinken hat schon zu wiederholten Malen den Tod des betreffenden Kindes zur Folge gehabt. Eltern und Erzieher müssen daher stets darauf achten, daß ihre Pflegebefohlenen nach dem Genuß von Obst das Wassertrinken vermeiden, auch müssen die Kleinen auf die gefahrbringenden Folgen des Trinkens aufmerksam gemacht werden. **(Zur Beachtung!) Das Landesbauamt Dortmund läßt in der Zeit vom 6. bis 28. August 1915 die Straßenstrecke Schwerte—Letmathe von Kilometer 3,2 bis Kilometer 3,71 mit einer Deckschüttung versehen. Mit Rücksicht auf den öffentlichen Verkehr, insbesondere den Automobilverkehr, wird diese Unterhaltungsarbeit bekannt gegeben. **(Grüße aus dem Felde.) Für die pünktliche Zusendung der„Schwerter Zeitung“ sprechen wir unsern besten Dank aus und entbieten allen Schwertern die herzlichsten Grüße aus Frankreich. C. Kohlmann, Heinz Schmidt, Fritz Köpp, Heinr. Kalle, Hermann Schledde, Otto Seippel. **(Gefaßter Dieb.) Den Bemühungen unserer Polizei ist es gelungen, den Einbrecher, der in der letzten Zeit unsere Stadt unsicher machte, zu ermitteln. Es handelt sich um den 19jährigen Arbeiter Fritz Winter aus Berghofen, der früher hier gewohnt hat. Bei der Vernehmung hat er bereits eine ganze Anzahl Diebstähle hier tund in der Umgegend eingestanden. ** Geisecke, 5. Aug.(Sachbeschädigung.) In letzter Zeit sind an den hies. Fernsprechleitungen große Beschädigungen vorgenommen. Die Porzellanglocken wurden durch Steinwürfe zertrümmert und die Drähte gewaltsam vom Gestänge gerissen. ** Westhosen, 5. Aug.(Vermißt.) Seit dem 31. Juli ist der Eisenbahnarbeiter Louis Küper aus Berchum spurlos verschwunden. Es wird vermutet, daß ihm ein Unglücksfall zugestoßen ist. Bei seinem Fortgang trug er eine Bahnmütze. ** Ergste, 5. Aug.(Schiedsmann.) Für den Schiedmannsbezirk Ergste ist der Rentner Karl Halstenberg in Bürenbruch als Schiedsmannsstellvertreter für eine weitere dreijährige Amtsdauex verpflichtet worden. Beschlagnahme von Meiallieilen. Wir machen unsere Leser auf folgende äußerst wichtige Angelegenheit ganz besonders aufmerksam. Von der vom stelloertretenden Generalkommando 7. Armeekorps erlassenen Verordnung betreffend: Beschlagnahme, Meldepflicht und Ablieferung von ferligen, gebrauchten und ungebrauchten Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel vom 31. Juli 1915 werden insbesondere auch die Haushaltungen betroffen, und es lut deshalb jeder Haushallungsvorständ gut daran, sich mit den Bestimmungen vertraut zu machen. um nicht in Strafe zu verfallen. Ist der Haushallungsvorstand abwesend, so sind der Verweser der Haushaltung bezw. der Verwahrer des Schlüssels, also die Ehefrau, die eiwachsenen Haushaltungsangehörigen usw. zur Befolgung der Bestimmungen verpflichtet. Dies krifft namentlich auch bei den Wohnungen zu, weiche infolge der Einziehung des Mannes usw. zum Heeresdienst von den übrigen Angehörigen verlassen und verschlossen sind. Nur in dringenden Fällen kann eine Ausnahme eintreten. Der Haushaltungsvorstand oder sein Stellvertreter muß sich also in seiner Wohnung umsehen, ob er 1. folgende Gegenstände aus Kupfer und Messin; besitzt: a) Geschirre und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Backstüden, wie beispielsweise Kochund Einlegekessel. Marmeladen= und Speisekessel, Töpfe, Fruchtkocher. Pfannen. Backformen, Kasserollen., Kühler, Schüsseln, Mörser usw. d) Waschkessel, Türen an Kachelösen und Kochmaschinen dezw. Herden, e) Badewannen, Warmwasserschiffe. behälter. =blasen, eschlangen, Druckkessel, Warmwasserbereiter in Kochmaschinen und Herden, Wasserkasten. eingebaute Kessel aller Art. 2. Gegenstände aus Reinnickel(auch Legierungen mit einem Nickelgehalt von 90) Prozent und höher) Geschitre und Wittschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Backstuben(Beispiele sind oben unter Kupsec und Ateising verzeichnet), außerdem noch Einsätze für Kochelntichtung n. wie Kessel, Dechetschalen. Innentönje, nebst Deckeln an Kipptöpien. Kartossel, Fisch- und Fleischeinsätze usw. nebst Reinn ckelarmaturen Ausgenommen, also nicht beschlagnahmt, sind: Teekannen, Kaffeekannen. Wilchkannen, Kasseemaschinen, Teemaschinen, Zuckerdosen, Teeglashalter. Menagen, Messerbänke, Zahnstochergestelle, Tafelaufsätze jeder Art. Tafelgeschirre Seroierdretter sind jedoch deschlagnahmt), Rauchservice, Säuleowagen, Speiseschränke, Schanklischarmaturen. Badeöfen. Ferner sind ausgenommen galbanisierte und plattiette Gegensände, soweit sie nicht aus Kupter, Messing und Nickel bestehen, z. B. Gegenstände aus Eisen, nickelplattiert, indessen unterliegen Holzgesätze, welche mit der Beschlagnahme unterliegenden Metallen ausgekleidet sind, bezüglich dieser Auskleidung der Beschlagnahme. Schließlich sind noch Gegenstände, bei denen ein besonderer Kunstwert geltend gemacht wird, oon der Beschlagnahme ausgenommen Unter den Begriff„Messinz" fallen auch andere Kupferlegierungen, wie Rotguß. Tombak und Bronze. Hat der Haushallungsvorstand oder der Stellvertreter obenbezeichnete Gegenstände in der Haushaltung. so gelten dieselben vom 31 Juli, 12 Uhr nachts ab, als beschlagnahmt, mit den Worten: Jede Vornahme von Veränderungen an diesen Gegenständen ist verdoten, auch dürfen diese weder veläußert, berschen t noch sonst aus der Wohnung entfernt werden. Die Entzeinung der Beschläge zum Zwecke der Ablieferung an die zuständige Steile ist estandt. Diese zuständige Stelle ist von den Kommanaiverbänden in einer besonderen Verordnung bekanntgegeben. Soweit diese beschlagnahmten Gegenstände tragsportabel sind. bezw. soweit es dem Haushaliungsoore stand möglich in, die Beschläge usw. von den Gegenständen zu lösen, ist es angezeigt, diese Gegenstände möglichst hald abzuliefern; die Frist läuft am 25. September 1915 ab. Hierfür wird eine Anerkeaninisbescheinigung ausgestellt. und auf Grund dieser Bescheinigung werden an den von den Beyörden bezeichneten Zahlstellen als Entschädigung gezahlt für Gegenstände ohne Beschläge aus Kupfer 4 Mk, aus Messing 3 Mk., aus Nickel 18 Mk.; für solche mit Beschlägen aus Kupfer 2,80 Mk., aus Messing 2,10 Mk., aus Richel 10,50 Ak. für jedes Kilogramm. Die Gegenstände werden mit den Beschlügen gewogen. Auf Grund dieses Gewichtes ergibt sich der odige Preis. Uebersleig: das Gewicht der Beschläge schätzungsweise bei Gegenständen aus Kupfer und Messing 30%. bei solchen aus Nickel 20% des Gesamtgewichtes des Gegenstandes. so wird der 30. bezw. 20% überschreitende Prozensatz geschätzt, vom Gewicht abgesetzt und nicht bezahlt Als Entschädigung für das Entsernen der Beschläge werden für jedes Klogramm des Gegenstandes 0,50 Ms. vergütet. Für das Ueberbriugen des Gegenstandes an die Ablieferungsstelle wird keine besondere Vergütung gezahlt, diese ist vielmehr in den oben reichlich bemessenen Preisen enthalten. Eingesandl. Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung. Recht unliebsam in ihrer Andacht gestört wurden die Besucher der Kriegsandacht am gestrigen Abend in der großen evang. Kirche. So sehr der gestrige Tag ja geeignet war, sich zu freuen über die schönen Erfolge unserer tapferen Truppen, so sehr hatten wir andernteils Veranlassung, Gott, dem Lenker der Schlachten, Dank zu sagen, und dafür bot sich Gelegenheit, die Kriegsandacht zu besuchen. Es blieb nachher noch genügend Zeit zu Umzügen übrig. Vor allen Dingen aber soll man still an einem erleuchteten Gotteshaus vorüber ziehen, und nicht gar, als ob es mit Absicht geschehen, zweimal durch Pauk= und Trommelschlag die Andächtigen stören, und zwar derart, daß der Ceistliche nicht mehr zu verstehen ist. Auch den Klatschbasen auf der Amfassungsmauer sei der Rat gegeben, sich Donnerstags Abends eine andere Stelle zu ihrer Zusammenkunft auszuwählen und nicht die, die Gott die Ehre geben wollen, zu stören. 30. Büchertisch. Alle unter dieser Rubrie besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Das mit Vierfarbendrucken und Tonbildern ausgestattete Heft 11 von Paul Kellers beliebten Monatsblättern„Die Bergstadt“(Bergstadtverlag, Wilh. Gottl. Kern in Breslau, Leipzig und Wien, Preis vierteljährlich 3.— Mk.) bringt die sehr eigenartige spannende Novelle„Er träumt“ von Waldemar Schilling. Wertvolle Skizzen heiterer und tiefernster Art bieten Josepha Metz, Marg. Kiefer=Steffe, Clementine Krämer und Nifat Gozdoviz Pascha. Mit Textbildern reich ausgestattet sind außer der„Bergstädtischen Kriegsberichterstattung“ noch die sehr beachtenswerten Beiträge von Wilh. Pieper über ein„Lazarett für Kieferverletzte" und von Gustav W. Eberlein über das „Schweizer Militär“. Jerantwortlich für die Nedaktion Friedr. Kraas, Drus u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Kriegsausschub für Konsumenleninleressen Sonntag, den 8. August, nachmittags 5 Uhr ftadet in Schwerte„Im Reiche des Wassers“ (Inh. Jockenhöfer) eire Mittwoch abend 9 Uhr entschlief infolge eines Unglücksfalles plötzlich und unerwartet unser lieber Sohn, Bruder, Vetter und Onkel, der Drahtzieher Original=griechische Die hohen Lebensmittelpreise. Sämtliche Bewohner von Schwerte und Umzegend (auch Frauen), Produzenten, Kaufleute und Konsumenten werden zu dieser wichtigen Kundgebung eingeladen. für Kranke und Rekonvaleszenten empfiehlt billigst C Gasthof zur Helle — Telefon 251.— Würmol! d. vielgeforderte Wurmmittel. Schmeckt fein! Wirkt ausgezeichnet! à Beutel 30 Pfg Nur bei: Max Nehlhose, 3681 zu dieser wichtigen Kundgebung ei. Nar bei: Max Fichlhost Der Oriscusschuß für Konsumenieninieressen. Madizinal-Drog. Ostenstr. S. Schatsmarke Ein erstklassiges, rein deutsches Erzeugnis ist das Seifenpulver Schneehönig in gelber oder roter Packung. Sehr beliebt ist das Veilchenseifenpulver Goldperlo mit hübschen und praktischen Beilagen in jedem Paket. Sofortige Lieferung! 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Nachdem die Wäsche ¼ bis ½ Stunde unter zeitweiligem Umrühren gekocht hat, lasse man sie in der Lauge einige Zeit stehen und spüle sie dann in klarem, möglichst in warmem bis heißem Wasser sorglältig aus. HENKEL& Cie., DUSSELDORF, such Fabrikenter Henkel’s Bleich-Soda. der bekannten Stampfzucker per Prd. 27·3 Cristallzucker per Prd. 27·3 Cristall-Plattenzucker (ungebläut) per Pfd. 32 8 Würfelzucker per Prd. 29 3 Candis weiss ohne Krusten per Pfd. 32 3 Durch grosse Zufuhr bin ich in der Lage, bis auf weiteres auch grössere Mengen zu verabfolgen. 3683 L. Weinberg. mit Weide gebunden, zu kaufen gesucht. Nichelwerk, Schwerle. Hinweis. Die Firma 3684 Gebr. Kaufmann, Aplerbeck hat einem Teil der heutigen Auflage eine Beilage beigelegt, die wir unseren Lesern besonderer Beachtung empfehlen.„„ Die Geschaftssteue. Wir empfehlen zu den billigsten Preisen HerrerKleidung Anzüge Hesen etc.: Knaben-Kleidung Schüler- und KinderAnzüge. Arbelter-Garderobe Beruts-Kleidung Schuhe Hüte Wäsche. 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Schon früh morgens brachte mir ein niedliches Kammerkätzchen im schwarzen Kleid und weißen Häubchen das Frühstück, und wenn ich aus der Probe zurücklam, standen schon zierlich zurechtgemachte belegte Brote mit einer kleinen Karaffe Rotwein bereit. Zum Mittagessen, das einer fürstlichen Küche würdig war, gab es schäumendes Pilsener, und zum Abendbrot, zu dem sich oft einer oder der andere meiner Kollegen einfand, bereitete ich mir Tee oder Kafsee auf dem mir zur Verfügung gestellten Spirituslocher, denn es wurde nach der Vorstellung immer ein bißchen spät. Die Besuche meiner Kollegen wurden nicht ungern gesehen, das merkte ich daraus, daß einer der Diener mir eines Tages einen ganzen Korb Wein brachte, wozu die Fürstin sagen ließ, das sei für den Fall, daß ich einmal einen Freund bewirten wolle. Und mancher Flasche Wein wurde auf das Wohl der edlen Frau der Hals gebrochen, und manche fröhliche Stunde verlebten die Kollegen bei mir auf dem Balkon der entzückenden Wohnung, die ihr Scherz mir verschafft hatte. Meiner Liebsten hatte ich gleich nach meinem Einzug meine Adresse zugeschickt, und der Zusatz„im Fürstl. Lindenbergischen Palais“ mußte dem Alten mächtig imponiert haben; denn zu meiner riesigen Freude ließ er sich von Leuchen bereden, mit ihr auf kurze Zeit nach Ferdinandsbad zu kommen, um sich persönlich von meinem soliden Lebenswandel zu überzeugen. Das war eine Freude, als ich mein Lieb wieder umarmen durfte; aber von einer Verlobung wollte der Vater auch jetzt noch nichts wissen, und so durften wir noch keine Hoffnung hegen, einander angehören zu dürsen, bis ein Zufall uns zu Hilfe kam. Um der Fürstin meinen Dank auszusprechen, ersuchte ich eines Tages um eine Audienz, die mir auch gewährt wurde. Die hohe Frau empfing mich in außerordentlich liebenswürdiger Weise, verwickelte mich in ein Gespräch und hörte mir mit lächelndem Gesicht zu, als ich ihr nochmals erzählen mußte, wie ich dazu gekommen, in ihrem Palais Wohnung zu suchen. Auch von meiner Zukunft und meinen Hoffnungen sprach ich, und als ich ging, meinte die Fürstin gütig:„Wer weiß, vielleicht kann ich auch darin etwas für Sie tun.“ Kurz darauf wurde mein Schwiegervater eines Tages ins Schloß gerufen, erhielt den Auftrag für eine größere Lieferung und wurde Hoflieferant Ihrer Durchlaucht. Was noch da verhandelt wurde, weiß ich nicht; aber mein Schwiegervater gab knurrend sein Jawort und die Mitgift, und so sind Lenchen und ich durch die Fürstin Lindenberg. die glücklichen Menschen geworden, die ihr kennt. Und deshalb hat mich die Erwähnung ihres Namens vorhin einen Augenblick wehmütig gestimmt. In unseren Herzen aber wird die gütige Frau stets fortleben, nicht wahr, Frauchen?“ Mit diesen Worten schloß Söldner und lächelte seine Frau an. Ein glückliches Leuchten strahlte in ihren Augen auf, in denen die Tränen standen. Das Menn Herr Neureich geht mit seiner Frau und einem besreundteten Ehepaar in ein vornehmes Restaurant, um zu soupieren. Frau N., die eine bessere Erziehung genossen hatte, als ihr Gatte, flüsterte ihm zu:„Laß dir ein Menü geben.“ „Ein Menü?“ erwiderte er.„Was denkst du denn? Ich will was draufgehen lassen. He, Ober! bringen Sie mal vier Menüs, aber gut zubereitet!“ * Die Liebe. Sie:„Wenn ein Mann seine Frau liebt, wie sie ihn, dann wird er das Rauchen lassen, wenn sie ihn darum bittet.“ Er:„Ja, aber wenn die Frau ihn so liebt, wie sie einen Mann lieben müßte, der auf ihre Bitten das Rauchen aufgibt, dann wird sie ihn eben nicht darum bitten.“ Als unserm 583 KochK S0 Von Laurs Uincent. Kartoffelgerichte. Kartoffelbrei(Püree). Gute, mehlige Kartoffeln werden roh geschält, gewaschen und in Salzwasser weichgetocht. Nachdem sie abgeschüttet sind, werden sie trocken und so heiß wie möglich durch ein Sieb oder durch die Maschine getrieben und dann auf dem Feuer bis zum völligen Heißwerden mit einem Stück frischer Butter und der nötigen Milch verrührt. Beim Anrichten wird der Kartoffelbrei, der weiß und schaumig aussehen muß, mit in Butter gerösteten Semmelbröseln oder Zwiebeln bestreut. Kartoffelgemüse. Drei Pfund in der Schale gekochte Kartoffeln werden geschält und in nicht zu dünne, gleichmäßige Scheiben geschnitten. Dann macht man eine Buttersauce aus zwei Eßlöffeln Mehl und 90 Gramm Butter, würzt sie mit Salz, Pfeffer, Muskatnuß und dem saft von ¼ Zitrone, gibt die Kartoffelscheiben hinein, schwenkt gut durch und läßt noch etwa zehn Minuten kochen. Zuletzt kommt feingewiegte Petersilie dazu. Heringskartoffeln. Man bereitet ein Kartoffelgemüse wie oben, doch ohne Petersilie und recht dick gehalten. Dann wird eine Bratpfanne oder eine runde Form mit Butter gestrichen und mit Reibbrot bestreut. Unterdessen hat man vier Heringe gewässert, enthäutet, entgrätet und in kleine Würfel geschnitten. Nun gibt man eine Lage Kartoffeln in die Form, bestreut sie mit geriebenem Parmesankäse und dick mit Heringswürfeln, dann kommen wieder Kartoffeln, Käse und Hering, und so fährt man fort, bis alles verbraucht ist. Obenauf kommen Kartoffeln, die mit Käse, Reibbrot und kleinen Butterstückchen bestreut werden. Das Ganze wird im heißen Ofen ¾—1 Stunde gebacken und in der Form zu Tisch gegeben. Dasselbe Gericht kann auch aus zerpflückten Fischresten hergestellt werden; es heißt dann Fischkartoffeln. Prinzeßkartoffeln. Diese werden ebenso zubereitet wie die vorstehenden Heringskartoffeln, nur nimmt man anstatt der Heringe Scheiben von Bratwurst, die vorher in Butter mit etwas Zwiebel gebraten wurde. Die Butter und die Zwiebeln, die nur gelb sein dürfen, werden mitverwandt, der Käse bleibt fort. Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 182. Freilag. 6. August 19.5 Uftter Tätscher Flart. Roman von M. Withe (38. Fortsetzung.) ch, das ist törichtes Gerede,“ sagte Frau Volkhardt.„Aber du hattest ja von jeher die Gewohnheit, ins Blaue hinein zu renommieren.“ „Möglich,“ entgegnete Cornelli,„daß ich es in meiner Jugend mit der Wahrheit nicht immer allzu genau nahm—: namentlich dann nicht, wenn es mir darum zu tun war, anderen einen Possen zu spielen. Diesmal aber rede ich nicht im Scherz, sondern im tödlichsten Ernst. Ich wette tausend gegen eins, daß ich haarklein angeben könnte, wie das Ding gefingert worden ist.“ „Das heißt, du hast dir das ausgedacht, weil du auf diese Art von meinem Manne Geld zu erlangen hoffst?“ Wie zu einem feierlichen Schwur erhob der große Cornelli die Hand. „Mein Ehrenwort zum Pfande, daß ich die reine Wahrheit spreche. Den Schlüssel zu dem Geheimnis, vor dem die Behörden in so ratloser Verblüffung dastehen, ich halte ihn hier in meiner Hand. Und um deines Mannes willen muß notwendig etwas in der Sache geschehen. Diesmal zwar ist er noch mit genauer Not dem Tode entgangen— durch eine gnädige Fügung des Himmels, sofern man bei einem Manne seines Schlages ohne Lästerung von dergleichen reden darf. Aber wenn der Attentäter jetzt sieht, daß man ihm nichts anhaben kann, so wird er vermutlich nicht lange zögern, den Anschlag zu wiederholen. Und das nächstemal wird er jedenfalls mit etwas mehr Sorgfalt zu Werke gehen. Es ist deshalb keine Uebertreibung, wenn ich sage: in einem gewisen Sinne halte ich Paul Volkhardts Leben in meiner Hand.“ Der Lauscher hinter der Pflanzengruppe spitzte seine Ohren noch mehr, als er es bisher schon getan. Die Bereicherung seines Wissens, die ihm hier in Aussicht stand, schien ja seine tülnsten Erwartungen weit zu übertreffen. Allerdings war dieser heruntergekommene Komödiant ohne Zweifel ein Winddeutel, dem es auf eine Handvoll faustdicker Lügen durchaus nicht ankam. Aber in diesem Moment machte er doch den Eindruck eines Mannes, dem es voller Ernst ist mit dem, was er sagt. Darum streckte der kleine Herr Sebald in einer geradezu unvorsichtigen Weise seinen Kopf vor, nur damit ihm nicht eine Silbe von dem entginge, was jetzt folgen mußte. Wie er es nicht anders erwartet hatte, fragte Frau Volkhardt: (Nachdruck verboten.) zunächst mich in dein Geheimnis „Willst du nicht einweihen, Hubert?“ Aber der hochgespannten Erwartung folgte für den horchenden Rechtsanwalt die Enttäuschung auf dem Guße nach......, 6e Cethufig und „Es tut mir sehr leid, niebe Kath#a#ia, und du darfst mir deshalb nicht böse sein; aber ich möchte es doch lieber nicht tun! Selbstverständlich ist es mir in erster Linie darum zu tun, dich und dein Haus vor weilerem Unheil zu bewahren. Aber schließlih bin ich doch ein armer, bedürftiger Mensch, der ein wenig auch an sich selbst denken muß. Ein glücklicher Zufall hat mich in den Besitz eines Geheimnisses gebracht, das viel Geld wert sein kann. solange es ein Geheimnis ist. Wissen erst einmal zwei oder drei Leute darum, so wird niemand mehr einen Pfennig dafür geben. Deshalb muß ich daran festhalten, nach dem guten alten Geschäftsprinzip zu verfahren: Zug um Zug! Hier meine Enthüllung, dort das Geld dafür! Und es ist durchaus notwendig, daß ich Volkbardt persönlich spreche, um mein Geschäft mit ihm abzuschließen. Wenn ich ihm schreibe, wird er meinen Brief entweder gar nicht lesen, oder er wird sich doch weigern, mich zu empfangen, aus Angst, daß die Sache zu kostspielig für ihn werden könnte. Du mußt also notwendig zwischen mir und ihm die Vermitt erin machen, Katharina! Als Gattin und Mutter hast du die heilige Psicht, es zu tun. Wiederhole ihm, was ich dir gesagt habe, und gib ihm in meinem Namen die Versicherung, daß ich imstande sei, ihn vor weiteren unangenehmen Zusällen von der Art des eben erlebten zu bewahren. Ich bringe damit ein erhebliches pekuniäres Opfer, und es ist deshalb nur recht und billig, daß ich angemessen dafür entschädigt werden muß.“ „Und wenn er dir nicht ein Wort glaubt, was ich für das bei weitem Wahrscheinlichste halte?“ „Er wird mir Glauben schenken, sobald er gehört hat, was ich ihm zu sagen habe, verlaß dich darauf, Katharina! Erkläre ihm in meinem Namen, daß ich ihm handgreifliche Beweise liefern werde. Und sei versichert, daß die Sache für ihn von größerer Wichtigkeit ist, als du anzunehmen scheinst. Denn ich weiß aus zuverlässiger Quelle, daß er nur kaltblütig und entschlossen ist, wenn er sich vor physischen Gefahren sicher weiß. Im übrigen ist er ein jämmerlicher Feigling.“ „Du sprichst von Beweisen, Hubert? Worin könnten sie bestehen?“ „Wenn es notwendig wäre, könnte ich ihm das Mordinstrument demonstrieren, mit dessen Hilfe er um * * B3iSs 2— SB * S•EP SUn 8 8 S#SgES SUOAUS Se5Es * SE in 2.1 8 5 *%. S GFUEE ein Haar aus der Welt geschafft worden wäre. Aber billig täte ich es nicht. Unter zwanzigtausend Mark auf keinen Fall.“ „Mir aber willst du aiso keine weiteren Aufklärungen geben?“„„ E., G445in: „Es hätte keinen Zweck, liebe Katharina. Was wolltest du denn mit diesen Aufklärungen anfangen? Erstens würdest du die Sache wahrscheinlich gar nicht begreifen, und dann wäre es auch eine viel zu lange Auseinandersetzung, als daß wir jetzt unsere Zeit damit verlieren dürften. Das Beste, was du tun kannst, ist, mir noch in dieser Nacht die Gelegenheit zu einer Unterredung mit deinem Manne zu verschaffen und—“ Er brach ab; denn in der anstoßenden Halle war eine Tür geöffnet worden, und eine schlanke weibliche Gestalt war darin sichtbar geworden. „Mama!“ rief eine von Tränen halb erstickte jugendliche Stimme.„Mama— wo bist du?“ „Es ist Gerda!" raunte Frau Volkhardt ihrem Bruder zu.„Ich muß zu ihr; denn offenbar hat sich irgend etwas Schreckliches ereignet. In diesem Augenblick kann ich nichts weiter für dich tun. Wenn du morgen abend um dieselbe Stunde wieder hierherkommen willst, können wir ja in Gottes Namen noch einmal über deine Angelegenheit sprechen.“ „Ich werde warten!" erklärte Cornelli.„Man soll den Augenblick nützen, liebe Katharina, und was heute getan werden kann, soll man nicht auf den kommenden Tag verschieben. Ich glaube, daß ich hier sicher genug bin vor unliebsamer Entdeckung.“ Frau Volkhardt würdigte ihn keiner weiteren Erwiderung, sondern eilte zu ihrem Kinde hinaus. Der große Cornelli aber wiederholte halblaut zu sich selber: „Ja, ich werde warten. Die Kümmernisse meiner hübschen Nichte werden nicht so tragisch sein, wie Katharina sich's vorstellt.“ 24. Kapitel. Eine halb erzählte Geschichte. Als sie das schimpfliche Anerbieten ihres Vaters vernahm, glaubte Gerda plötzlich, ganz mit sich im reinen zu sein über das, was sie zu tun habe. Vor wenig Stunden noch hatte sie daran gezweifelt, daß sie stark genug sein würde, Herbert von Malzyn die ganze Wahrheit zu enthüllen; jetzt aber fühlte sie, daß es ihre Pflicht sei, der Täuschung ein Ende zu machen, in der er sich befand. Morgen schon sollte es geschehen, so gelobte sie sich in der Stille ihres Herzens. Als dann aber der Diener auf der Schwelle erschien, um Malzyn zu melden, geriet all ihre tapfere Entschlossenheit von neuem ins Wanken. Sie wurde totenblaß, und es war, als säße ihr plötzlich ein fremder Gegenstand in der Kehle, der sie am Sprechen hinderte und sie zu ersticken drohte. „Ersuchen Sie Herrn von Malzyn, sich ein paar Minuten zu gedulden!" erwiderte Volkhardt dem Diener.„Wenn ich klingle, mögen Sie den Herrn hierherführen.— Nun, mein Kind, was beabsichtigst du zu tun? Hast du dir überlegt, welche Folgen eine in der Uebereilung begangene Torheit für dich haben müßte?“ Sie konnte noch immer nicht sprechen. Ihre Lippen zitterten, und sie preßte beide Hände auf das Herz, das zum Zerspringen klopfte. „Sei vernünftig, Gerda!“ drängte er mit heuchlerischer Zärtlichkeit.„Ueberlaß es mir, diese Dinge zu ordnen und das zu tun, was das Richtige ist. Du bist ja noch ein Kind.“ Da wurde sie endlich Herrin über ihre Schwäche. „Möglich, daß ich gestern noch ein Kind war, Papa,— heute aber bin ich es nicht mehr. Und selbst von deinem Standpunkt aus müßtest du es für das einzig Richtige halten, Herbert alles zu offenbaren. Für den Augenblick könnte er ja vielleicht noch in seiner Täuschung erhalten werden. Aber er ist doch nicht blind. Und auch wenn ich dir versprechen wollte, zu schweigen, würde ich mich gegen meinen Willen verraten. Ich bin nicht Komödiantin genug, um zu verbergen, wie es in meinem Herzen aussieht; und wenn er mich unglücklich sähe, würde er nicht aufhören, in mich zu dringen, bis er die ganze Wahrheit erfahren oder erraten hätte. Glaube mir: es gibt keinen anderen Ausweg; wir müssen es ihm aus freien Stücken bekennen.".. B4ss4rst 1uf 8. Statt aller Antwort druckte Volryaror auf den Knopf der Klingelleitung. Er hatte erkannt, daß seine Vorstellungen keinen anderen Erfolg haben würden als den, Gerda in ihrem Entschluß zu bestärken; aber es war ihm zu gleicher Zeit nicht entgangen, wie furchtbar sie gegen die eigene Schwäche kämpfte. Darum setzte er als ein gewiegter Menschenkenner seine Hoffnung auf den Eindruck, den die Anwesenheit des geliebten Mannes auf sie machen würde. Ihr Herz, so kalkulierte er, würde sein bester Bundesgenosse sein und würde sie mit viel überzeugenderen Gründen zum Schweigen bestimmen, als seine Beredsamkeit es vermocht hätte. Und wenn diese Berechnung ihn dennoch täuschte, dann mochte auf sie allein die Verantwortung fallen für alles, was sich aus ihrer unüberlegten Handlungsweise ergab.. 124 Jiu auust aker uan. Herbert von Malzyn trat ein, ernst, aber vollkommen ruhig und beherrscht. „Ich bitte, die späte Belästigung zu entschuldigen," sagte er.„Ich bin soeben mit dem Baron Wallberg aus Berlin zurückgekehrt, und es lag mir sehr viel daran, Sie noch heute zu sprechen, Herr Volkhardt. Aber, mein Gott, was ist Ihnen, Fräulein Gerda? Sie sind ja marmorweiß!" Sie murmelte etwas Unverständliches; aber die Antwort, die sie ihm jetzt hätte geben müssen, wenn sie ihren heiligen Vorsätzen treu bleiben wollte, diese Antwort wollte ihr nicht über die Lippen. Angstvoll erhob sie die Augen zu seinem Gesicht, in der Erwartung, dort schon die Bestätigung dafür zu finden, daß er alles wisse. Aber er argwöhnte nichts. Alles, was er vermutete, war, daß es eine heftige Szene zwischen Vater und Tochter gegeben, und daß Volkhardt sein Kind brutal behandelt habe. Er hatte ja die denkbar schlechteste Meinung von seinem künftigen Schwiegervater. Der Mann war ihm seit dem Augenblick der ersten Begegnung in hohem Maße unsympathisch gewesen, und alles, was er seither von anderen über ihn gehört, hatte nur dazu beitragen können, seine Abneigung zu steigern. Gerdas seltsames Benehmen und ihre augenfällige Verwirrung bestärkten ihn in seiner Annahme und zugleich in seinem Wunsche, sie von hier zu entfernen. „Ich glaube, daß Sie die Ruhe sehr nötig haben!“ sagte er sehr eindringlich, indem er sich bemühte, seinen Worten durch den Blick, mit dem er sie ansah, noch mehr Ausdruck zu geben.„Und ich wäre Ihnen überdies sehr dankbar, wenn Sie mich mit Ihrem Herrn Vater allein ließen. Es sind Dinge von großer Wichtigkeit, die ich mit ihm zu besprechen habe.“ Dabei reichte er ihr, ohne Rücksicht auf Volkhardts Anwesenheit, den Arm, um sie zur Tür zu führen. Gerda gehorchte halb mechanisch; aber mit einer gewaltigen Willensanstrengung murmelte sie doch: „Auch ich hätte Ihnen eigentlich etwas Wichtiges zu sagen, Herr von Malzyn, und——“ „Ich werde Ihnen dazu morgen früh gern zur Verfügung stehen!“ hinderte er die Vollendung des begonnenen Satzes. Und dann, als sie schon auf der Schwelle standen, flüsterte er ihr ins Ohr: „Erwarte mich zu der gewohnten Stunde in den Dünen. Und schlummere süß, mein geliebtes Herz! Auf Wiedersehen morgen früh!"(Forts. folgt.) E S-S„STEZETS E S- SPgESES SEGIRESEE S 5 a%fg-S####eSspg5! S SDDEEHETSSSDGBSEHSUSE S a%HOxOSTLESEE #— Eg- S SSSpEEESE S# S S S S 2 5 S S SOSOEB Denkspruchz. Etwas wünschen und verlangen. Eiwas holfen muß das Herz. Etwas zu verlieten bangen Und um etwas fühlen Schmerz. Rückert. Auf der Wohnungssuche. Erzählung aus dem Schauspielerleben. Von Laura Vincent. (Schluß.)(Nachdr. verboten.) Endlich ergriff ein Kollege das Wort:„Ja, wenn Sie nur aus Lust und Liebe Komödie spielen und privatim mehrfacher Millionär sind, dann können Sie sich den Luxus leisten," bemerkte er. Nun, Lust und Liebe zur Kunst hatte ich ja sehr viel, aber die Millionen glänzten durch Abwesenheit. So blieb mir nichts anderes übrig, als den vorher erteilten Rat zu befolgen und mich auf die Suche nach einem Zimmer zu begeben. Ich durchlief den ganzen Ort, ich fragte in jedem Hause an, mehrere Zimmer waren auch frei; als ich aber meinen Stand angab und bescheiden nach dem Preise frug, fiel den Vermietern auf einmal ein, daß sie Besuch erwarteten, daß gestern schon jemand das Zimmer so gut wie fest gemietet hatte usw. Alle Mühe war vergebens, ich fand keine Unterkunft. Ich versuchte in mehreren Hotels mein Heil, entweder tönte mir der Ruf:„Alles besetzt!“ entgegen, oder der Preis der noch leeren Zimmer war ein so hoher, daß ich meinen Direktor hätte bitten müssen, meine Gage zu vervierfachen. Diese Bitte hätte ja allerdings den Erfolg gehabt, daß mir unser verehrter Chef ein Zimmer verschafft hätte, aber— in der Irrenanstalt. Todmüde und tieftraurig kehrte ich nach stundenlangem Herumirren noch immer obdachlos nach dem Hotel„Zur Post“ zurück. Meinen Kollegen mußte aber die Zeit gar nicht so lang geworden sein, denn sie waren noch immer beim Frühschoppen in der angeregtesten Stimmung. Mit lautem Hallo wurde ich empfangen und gefragt, was ich ausgerichtet habe! Ich schilderte ihnen meine Enttäuschungen, meine vergeblichen Wege, die gänzliche Erfolglosigkeit meiner Bemühungen. Als ich mit meiner Klage fertig war, sagte Werner, unser jugendlicher Komiler, nachdenklich:„Ja, ein Zimmer wüßte ich wohl, aber es liegt außerhalb des Städtchens; wenn der weile Weg Sie jedoch nicht abstößt, bin ich bereit, Sie hinzuführen.“ Gerührt dankte ich ihm für seine Gefälligkeit und versicherte, daß mich sogar eine Stunde Weges nicht abschrecken würde, wenn ich nur endlich ein Obdach fände. Alle anwesenden Kollegen erklärten jetzt, sie wollten auch mitgehen, der Gang in der frischen Luft werde ihnen gut tun. Ich nahm dies Anerbieten dankbar an, und der Aufbruch erfolgte sofort. Werner und ich voraus, die anderen hinterdrein. Nach etwa einer Viertelstunde Weges zeigte mir Werner ein Parkgitter und ertlärte, in diesem Park befände sich die Villa; der Weg war nicht allzu weit, der Park wunderbar, die ganze Gegend so schön, so friedlich, eine Stätte zum Studieren, wie man sie sich nicht besser wünschen konnte. Ich drückte ihm nochmals dankend die Hand und trat durchs Gittertor. Eine prachtvolle Allee führte nach der Villa, die meiner Meinung nach eher den Namen Schloß verdiente. Ich fing schon an, Bedenken zu tragen, ob der Preis dieser Wohnung wohl meiner allzu geringen Gage angemessen sein würde, oder ob ich wieder einen vergeblichen Weg gemacht hätte. So in Gedanken ging ich weiter, als mich plötzlich eine tiefe Männerstimme aus meinen Sinnen aufschreckte. „Was wünschen Sie," tönte es mir entgegen, und vor mir stand ein Portier in goldstrotzender Livree,* den Zweispitz auf dem Kopf, den Stab in der Hand. Ich erschrak und vermochte nur zu stammeln, ich wünsche ein Zimmer hier zu mieten! Der Mann starrte nich an, als glaube er, ich sei nicht im Besitz meiner fünf Sinne. „Ein Zimmer mieten, hier im Schloß? Ja, wissen Sie denn nicht, wo Sie sich befinden?" Ich schüttelte nur schweigend den Kopf, denn die furchtbare Erkenntnis stieg in mir auf, daß meine lieben Kollegen sich einen Ulk mit mir erlaubt hätten. „Sie sind hier in der Besitzung Ihrer Durchlaucht der Fürstin Lindenberg," erklärte der Portier. Ich war ganz gebrochen, weniger, wie der Mann anzunehmen schien, über meine Frechheit, als über meine entschwundene Hoffnung, endlich ein Asyl gesunden zu haben. Was ich dem Portier alles erzählte, weiß ich heute nicht mehr; aber auf jeden Fall schilderte ich ihm offen den Streich, den mir meine Kollegen gespielt, klagte ihm mein Leid über den gänzlichen Mangel an Zimmern in der Stadt, wenigstens an solchen, die mir meine mehr als bescheidenen Mittel gestatteten zu mieten. Der Hüter des Hauses machte während meiner Rede verschiedene Versuche, mich vom Portal wegzudrängen, aber ich war so von meiner Angelegenheit erfüllt, daß ich gar nicht bemerkt hatte, daß eine tief in Schwarz gekleidete Dame aus dem Schloß getreten war und sich uns genähert hatte. Sie mußte meine ganze Verteidigungsrede mitangehört haben. Jetzt winkte sie dem Portier; er näherte sich ihr und blieb in ehrerbietiger Haltung vor ihr stehen. Sie sprich längere Zeit mit ihm, ohne daß ich etwas verstehen konnte. Mit gezogenem Hut stand ich da. Sollte ich gehen? Sollte ich bleiben? Ich war in der peinlichsten Verlegenheit. Da kam aber schon der Goldstrotzende wieder auf mich zu, winkte mir mit unnachahmlicher Grazie, ihm zu folgen und führte mich nach dem hinteren Teil des Parkes. Als wir außer Hörweite der Dame waren, meinte er mit herablassendem Wohlwolten:„Sie haben Glück gehabt, junger Mann, daß Durchlaucht zufällig# von Ihrer Notlage erfuhr; Ihre Durchlaucht hat mir die Anweisung gegeben, Ihnen im Gärtnerhause zwei Zimmer anzuweisen.“ Vor Freuden hätte ich am liebsten einen Luftsprung gemacht, und meine Freude vergrößerte sich noch, als ich die beiden Zimmer sah. Das waren Räumlichkeiten, wie für einen Künstler geschaffen, ein reizendes sonniges Schlafzimmer und ein Wohnzimmer mit traulichem, weinumranktem Balkon. Das Gärtnerhaus lag mitten im Park, kein Lärm von der Straße drang hier herein, ungestört konnte ich hier lernen und fleißig sein, wie ich es dem Vater meiner Liebsten versprochen. Und was das Sparen anbelangte, das konnte ich hier erst recht; denn auf meine bescheidene Anfrage wegen des Preises der Zimmer hatte der Portier mir geantwortet:„Sie glauben doch nicht, daß Ihre Durchlaucht von einem armen Schauspieler Geld nimmt? Im Gegenteil, Durchlaucht haben Befehl gegeben, daß Ihnen auch noch das ganze Essen aus der Dienerschaftsküche serviert wird.“ Dann zeigte er mir noch ein kleines Seitentürchen im Parkgitter, durch das ich aus= und eingehen solle und stellte, mich dem Obergärtner, einem sehr freundlichen, älteren Herrn, vor, der versprach, im Lauf des Tages mein Gepäck aus dem Gasthof„Zur Post“ abholen zu lassen. Als ich die Straße wieder betrat, empfing mich johlend und brüllend vor Vergnügen die Horde, die draußen auf mich gewartet hatte! Werner tanzte vor Freude Czardas um mich herum. Ich erklärte ihnen,