6 ond Sdmem Zeiuer acen uand auder Feiertags. Bezugsprets M. D oiertelJährlich, dei der Post für Bestellgeld 42 Pio. Wöchentl. Gratisdeilage:„Ikustrierter Familensreund“ u. 1ägl. Unterdaltungsdian. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petttzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Redlamezelle 40 Pfg. Jeder Rabatt gill als Kassarnbal u. erlischt bei Konhocsen. Zwangsbergleichen, gerichtl. Klagen u. Nichtbeochtung d. gemacht. Jahlungsdedingung. 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August, nachmittags 1 Uhr, ist die russische Volksvertretung, die Duma, gemäß dem Ukas des Zaren unter Vorsitz Rodsionkos in Gegenwart aller Minister und des diplomatischen Korps eröffnet worden. Die Tribünen für Zuhörer und Presse waren überfüllt. Die Sitzung begann mit der Eröffnungsrede des Präsidenten, der darin u. a. sagte: „Je schrecklicher der Krieg wird, desto mehr durchdringt Rußland sich mit dem festen und unerschütterlichen Entschluß, den Streit zu einem guten Ende zu führen. Dieser Entschluß nun fordert die vollständige Einigkeit aller Bevölkerungsklassen und die weitestgehende Entwicklung aller schöpferischen Kräfte der Nation.“ Der Präsident forderte die Abgeordneten auf. der Regierung den Weg zu diesem Ziele anzugeben. Er entbot der tapferen russischen Armee Grüße, welche die wütenden Angriffe des Feindes kräftig und unermüdlich abwehren. Er begrüßte die diplomatischen Vertreter der befreundeten und verbündeten Staaten, welchen darauf alle Abgeordneten, Minister und Zuhörer stürmische Ovationen bereiteten, die sich noch steigerten, als er im Namen des ganzen russischen Volkes dem neuen Verbündeten, dem italienischen Volke, dankte und von den polnischen Brüdern sprach, welche zuerst und schlimmer, als die anderen Einwohner Rußlands, die Schläge des grausamen Feindes zu spüren bekommen hätten. Er schloß mit den Worten:„Unsere Armee hat uns ein leuchtendes Beispiel gagcben, mie man seine Pflicht gegen das Vaterland erfüllen soll Jetzt ist es an uns. Arbeiten wir alle Tag und Nacht, um dieser Armee alles zu gewähren, was sie nötig hat. Aber dazu bedarf es eines Gesinnungswechsels und sogar der Aenderungen in der angenblicklichen Verwaltung. Kämpfen wir bis zur vollständigen Vernichtung des Feindes."(Lebhafter Beifall.) Ministerpräsident Goremykin ergriff hierauf das Wort und sagte:„Da der furchtbare Krieg ungeheure und zahlreiche Opfer fordert, und die Regierung fest entschlossen ist, alle Opfer zu bringen, hat sie Sie zusammengerufen, um Ihnen die wirkliche Lage der Dinge darzustellen und mit Ihnen über die Mittel, den Feind zu besiegen, zu beraten. Der Krieg hat bewiesen, daß wir, im Verhältnis zu den Anstrengungen des Feindes, nicht genügend auf ihn vorbereitet waren. Um des Feindes Herr zu werden, müssen alle nationalen Kräfte entsaltet werden. Die Regierung wird Ihnen nur Gesetzentwürfe vorlegen, die auf den Krieg Bezug haben, und auf diesem gegenwärtig am wichtigsten Gebiet werden Sie ein weites Feld der Betätigung haben. Es ist jetzt nicht der Augenblick für Programmreden über die Verbesserung der inneren russischen Zustände in Friedenszeiten, eine Verbesserung, welche mit Ihrer Hilfe verwirklicht werden wird. Ich lege aber Wert darauf gerade heute eine Frage zu berühren, und das ist die polnische Frage. Sie kann offenbar in vollem Umfange erst nach dem Kriege gelöst werden. aber in Deutscher Tagesbericht. wtb. Großes Haupiquartier, 2. Aug. 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Im Westteil der Argonnen setzten wir uns durch überraschenden Bajonett=Angriff in den Besitz mehrerer feindlicher Gräben, machten dabei 4 Offiziere und 142 Mann zu Gefangenen und erbeuteten 1 Maschinengewehr. Am Abend griffen die Franzosen in den Vogesen wiederum die Linie Schratzmännle— Barrenkopf an. Die ganze Nacht hindurch wurde dort mit Erbitterung gekämpft. Der Angreifer wurde zurückgeworfen. Auch am Lingekopf sind ernste Kämpfe im Gange. An verschiedenen Stellen der Front sprengten wir mit Erfolg Minen. Südlich von Ban de Sapt schoß unsere Artillerie einen französischen Fessel=Ballon herunter. Ein Kampf=Flieger zwang bei Longemer (östlich von Gerardmer) ein feindliches Flugzeug zur Landung. Oestlicher Kriegsschauplatz Milau wurde gestern von unseren Truppen nach Kampf genommen. Die Stadt ist im allgemeinen unversehrt. Oestlich Poniewisz haben sich Kämpfe entwickelt, die für uns günstigen Verlauf nehmen. Nordöstlich vo: Suwalki wurde die Höhe 186 (südöstlich Kaleinik) erstürmt. Nordwestlich von Lomza erreichten unsere Truppen, nachdem an verschiedenen Stellungen zäher russischer Widerstand gebrochen war, den Narew. 1 Offizier, 1003 Mann wurden von uns gefangen genommen. Auf der übrigen Front bis zur Weichsel ging es vorwärts. 560 Gefangene, darunter 1 Offizier, wurden eingebracht. Vor Warschau ist die Lage unverändert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Anschließend an die am 31. Juli eroberte Höhe bei Podzame drangen gestern Truppen des Generalobersten v. Woyrsch unter heftigen Kämpfen nach Osten vor. Der weichende Feind verlor 1500 Mann an Gefangenen und 8 Maschinengewehre. Vor Iwangorod lieferten österreich.= ungar. Truppen siegreiche Gefechte. Der Halbkreis um die Festung zieht sich enger. Bei der Armee des Generalfeldmarschalls v. Mackensen hält der Feind noch zwischen Weichsel und der Gegend südwestlich von Lenczna. Deutsche Truppen errangen dabei Erfolge östlich von Kurow. Sie machten 600 Gefangene. Zwischen Lenczna und Zalin(nordöstlich von Cholm) schreitet der Verfolgungskampf vorwärts. Am Bug erreichten wir die Gegend nördlich von Dudienka. Oesterreich=ungarische Truppen dringen südwestlich von Wladimir=Wolynsk über den Bug vor. Oberste Heeresleitung. Oesterreichischer Tagesbericht. :: Wien, 2. August Russischer Kriegsschauplatz. Bei Damaszow, gegenüber der RadomkaMündung, errangen unsere Verbündeten gestern neue Erfolge. Westlich Iwangorod haben unsere Siebenbürgischen Regimenter dem Feinde acht etagenförmig angelegte betonierte Stützpunkte mit dem Bajonett entrissen. Vier dieser Werke wurden allein von dem größtenteils aus Rumänen bestehenden Infanterieregiment Nr. 50 erobert. Der Halbkreis um Iwangorod verengt sich beträchtlich. Wir nahmen fünfzehn Offiziere und über zweitausenddreihundert Mann gefangen und erbeuteten neunundzwanzig Geschütze, darunter einundzwanzig schwere. Ferner elf Maschinengewehre, einen großen Werkzeugpark und viele Munition und Kriegsmaterial. Unsere bewährten siebenbürgischen Truppen dürfen diesen Tag zu den schönsten ihrer ehrenvollen Geschichte zählen. Unmittelbar östlich der Weichsel erstürmte eine unserer Divisionen die Eisenbahnstation Nowo=Aleksandria und einige zunächst gelegene Positionen. Bei Kurow drangen deutsche Truppen, nachdem sie gestern zwei feindliche Linten genommen, in eine dritte ein. Weiter östlich bis zum Wieprz hält der Feind noch seine Stellungen. Zwischen Wieprz und Bug wird die Verfolgung fortgesetzt. Unsere zwischen Sokal und Krylow über den Bug gerangenen Truppen rücken in der Richtung Bladimir—Wolynskij vor. In Ostgalizien st die Lage unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Tiroler Front wurde eine feindliche Abteilung im Ledrotale, westlich Bezzecca, überfallen und unter großen Verlusten zurückgeworfen. In den Indikarien vertrieben unsere Patrovillen zwei italienische Beobachtungsnosten, die sich auf den Höhen nordwestlich Condino eingenistet hatten. Kärntner Grenzgebiet hat sich nichts Wesentliches ereignet. Im Küstenlande herrscht in den nördlichen Abschnitten größtenteils Ruhe. Am Plateau hält der Geschützkampf an. Die gegen unsere Stellungen östlich Polazzo geführten starken italienischen Angriffe wurden durch einen Gegenangriff. der unsere Infanterie bis über die ursprünglichen Stellungen hinführte. vollständig zurückgeschlagen. Der Stellvertr. des Chefs des Generalstabes. v. Hoeser, Feldmarschalleutnant. diesen Tagen ist es wichtig, daß das polnische Volk weiß, daß seine künftige Organisation endgültig und unwiderruflich entschieden worden ist durch den Aufruf des Großfürsten=Oberbefehlshabers am Beginn des Krieges. Das polnische Volk, das ritterlich, edel, treu und tapfer ist, verdient unbegrenzte Hochachtung. Heute hat mich der Kaiser beauftragt, Ihnen zu erklären, daß Seine Majestät dem Ministerrat befohlen hat, Gesetzentwürfe auszuarbeiten, die Polen nach dem Kriege das Recht gewähren, frei sein nationales, soziales und wirtschaftliches Leben auf der Grundlage der Autonomie unter dem Szepter des Kaisers von Rußland auszugestalten. Mit den Polen haben die anderen Ni'inia-. des großen, ungeheu en Rußsand Beweis von ihrer Treue gesen das Va er#s#nd abgelegt. Folglich muß urseei ne Politik durchdrungen sein von dem Genn satz der Unparteilichkeit und des Wohlwo lins gegenüber allen treuen russischen Bürgern ohne Unterschied der Nationalitä, de Glaubens und der Sprache.(Beifarl.) Vereinigen wir uns zu der gemeinsamen Anstrengung, zu der uns der Monarch aufruft. Die Regierung ist fest üle zuugt, deß stäter oder früher der Sieg unser sein wird(Beifall), und dieser Glaube wird von ganz Rußland geteilt. Seien wir einig in dem einzigen Programm, dem des Sieges.“(Beifall auf allen Bärken.) Darauf ergriff, vom lebhaften Beifall von allen Bänken begrüßt, 3 — Kriegsminister Poliwanow das Wort. Er führte aus: „Durch die geschickten und hartnäckigen Vorbereitungen Deutschlands während vierzig Jahren erzielte es in der Tat Ergebnisse, die es in militärischer Hinsicht über die anderen Länder stellt, besonders, wenn es seine reichen technischen Hilfsquellen benutzt und dabei vollkommen die Kriegstraditionen vergißt, die bisher das Gesetz der militärischen Ehre der zivilisierten Nationen ausmachten. In diesem Augenblick hat der Feind gegen uns ungewöhnlich große Streitkräfte zusammengezogen, die Schritt für Schritt das Gebiet des Militärbezirks von Warschau umkreisen, dessen strategische Grenzlinien immer den schwachen Punkt unserer westlichen Grenze bildeten. Unter diesen Umständen werden wir dem Feinde vielleicht einen Teil dieser Gegend überlassen. und uns auf Stellungen zurückziehen, wo unser Heer die Wiederaufnahme seiner Offen, sive vorbereiten kann. Dies ist das Ende, das das 1812 erprobte Vor######en krönt. Wir werden vielleicht heute Warschau dem Feinde überlassen, wie wir seinerzeit Moskau räumten, um den schließlichen Sieg zu sichern. Dieses Gefühl herrscht in ganz Rußland vor, ebenso wie die Liebe für unsere Armee und die Achtung vor ihr, der wir den triumphartigen Marsch nach Lemberg verdanken, sowie die Siege in Galizien und bei Prasznysz, wo wir unerhörte Trophäen, erbeuteten.(Lebhafter, anhallender Beifall.) Der Kriegsminister sprach dann voll Wärme von den verbündeten Heeren. Er erklärte, die russische Armee erfülle ihre Pflicht, aber um siegreich zu sein, müsse sie fühlen, daß das ganze Land hinter ihr stehe, wie ein ungeheures Schöpfbecken, das sie nähre. Der Minister erwähnte Wnn I die mili ä. ischen Vorlagen, die er der Duma unterbreiten werde, vor allem die Einberufung des Jahrganges 1916 und verschiedener Kategorien der Reserve. Die Wirklichkeit habe erwiesen, daß die wirtschaftliche Lage Rußlands durch den Krieg keineswegs erschüttert sei; denn folge der guten Ernte herrsche im Lande wieder Ueberfluß an allen Nahrungsmitteln, und es könne noch viele Jahre hindurch den Krieg aushalten. Der Minister schloß mit den Worten:„Sie sehen, wie der Feind beschaffen ist, den wir bekämpfen. Er muß unbedingt und um jeden Preis besiegt werden, sonst gerät Europa unter das teutonische Joch. Wir werden, ohne einen Augenblick zu verlieren, alle Fähigkeiten des Landes zur Entwicklung seiner Verte gung benutzen. Programmreden über innerpolitische Fragen hält also die russische Regierung jetzt für unstatthaft. Nach dem Kriege, der trotz der fortgesetzten Niederlagen selbstredend „siegreich“ für die Russen— nach,inge trug speicht aus den Worten Goremykins. Gleichwohl ist zu erkennen, wie vernehmlich in der Rede des Dumapräsidenten, in ven Erklärungen des Ministerpranidenten und Kriegsministers die Sorge um das Schicksal des Reiches zittert. Zweifellos werden auch die anderen Redner bemüht sein, dem russischen Volke möglichst wenig von der nahenden Katastrophe zu erzählen. Aber was immer in der Duma gereder und versprochen, beantragt und beschlossen wird, an dem Lauf der Dinge wird dadurch nichts geändert. Dafür wird von uns gesorgt. die Wand. Sie verfügen sicher auch jetzt noch über bedeutende Streitkräfte, wenn auch die Moral ihrer Truppen infolge ihres letzten Rückzuges und der beständigen Niederlagen stark erschüttert, jedoch keineswegs gebrochen ist. Auch an Geschossen und Munition wird es ihnen kaum fehlen, zumal sie bisher ihre Artillerie stets rechtzeitig in Sicherheit gebracht und gespart haben, offenbar um nun alles zu dem gewaltigen Entscheidungskampf einsetzen zu können. Eine vernichtende Niederlage der Russen würde die schwierigste Lage der Alliierten bedeuten, gerade jetzt, wo diese ihre neuen Einrichtungen für die Munitionsherstellung noch nicht in Gang gebracht haben. Dieses Bewußtsein wird den Nussen die Kraft der Verzweiflung geben zur Verteidigung, in welcher sie ja Meister sind und die zu durchbrechen ihre Gegner die gewaltigsten Anstreugungen kosten wird Indessen wird kaum viel Zeit bleiben, bis man sieht, ob die Deutschen diese Niesenaufgabe durchzuführen vermögen. Warschau von jeder Verbindung abgeschnitten. bb Berlin, 3. Aug. Wie aus Bukarest gemeldet wird, ist seit Freitag Abend Warschau von jeder Verbindung mit dem übrigen Rußland abgeClosen. 1 Russische Maßregein su. den Fur. Warschaus. bb Berlin, 3. Aug. Von der russischen Grenze wird der„Nationalztg.“ gemeldet: Interessant sind die Nummern Warschauer Blätter vom 19. und 23. Juli. Unter den amtlichen Bekanntmachungen fällt die solgende auf: Das Konsulat der Vereinigten Die Schicksalsschlacht des Weltkrieges, Das Vabanque=Spiel des Großfürsten Nikolai. wtb Christiania, 2. Aug. Der militärische Mitarbeiter vom„Morgenbladet“ schreibt: In diesen Tagen wird die gigantischste aller Riesenschlachten dieses furchtbaren Krieges ausgetämpft, von deren Ausfall das Schicksal der ganzen Welt für unberechenbare Zeit abhängen wird. Denn los wird die Schlacht, die jetzt vom Rigaschen Meerbusen bis zur Grenze der Bukowina ausgesochten wird, für den ganzen Krieg an der Ostfront un damit für den ganzen Weltkrieg entscheidend sein. Nunmehr ist es klar, daß Großfürst Nikolai sich ent schlossen hat, alles einzusetzen, um das Risiko dieses Vabanquespiels und seine Folgen zu tragen. Gelingt es den Deutschen, den Widerstand der Russen zu brechen, so wird das für einen großen Teil des russischen Heeres eine Katastrophe geben und den Untergang bedeuten. Die Sedanschlacht verblaßt dagegen gänzlich. Denn es wäre das große Debakel. Beide Parteien werden deshalb das äußerste an Kraft anwenden, um zu siegen. Wie der Ausfall sein wird, wollen wir gegenwärtig nicht voraussagen. Die Verbündeten haben zweisellos bedeutend größere Streitkräfte und sind besonders an Artillerie den Nussen weit überlegen. Sie besitzen außerdem die moralische Ueberlegenheit, die eine lange Reihe von Siegen immer gibt. Sie haben tüchtigere Heeresführer und durchgehend tüchtigere Offiziere, auch ihre Soldaten sind durchgehend intelligenter und selbstständiger, als die russischen. Aber ihre Aufgabe ist in Anbetracht der großen Geländeschwierigkeiten und der starken russischen Befestigungen, die eg zu überwinden gilt, außerordentlich schwer. Dagegen kämpfen die Russen sozusagen mit dem Rücken gegen Stauten von Nord=Amerika hat den Schutz der in Warschau ansässigen englischen und belgischen Staatsangehörigen übernommen. London in Erwartung des Falles von Warschau. tu Kopenhagen, 3. Aug.„Politiken“ meldet, daß in London die Nachricht von der Einnahme Warschaus jeden Augenblick erwartet werde. Die größte Besorgnis hegt man jedoch in militärischen Kreisen über die Flankenbewegung der Belowschen Armee. Fall.= Kowno den Vorstoß der deutschen Nordarmee nicht zum Stehen brächte und General v. Below das östliche User des Niemen erreichte, hält man die russischen Rückzugsstraßen für schwer bedroht. Das Tempo des Belowschen Vormarsches, der über riesige Kavalleriemassen verfügen müsse, übertreffe alle Befürchtungen. Der Generalissimus habe in größter Eile alle verfügbare Kavallerie von Brest—Litowsk nach Norden geworfen. Keine Hilfe aus dem Westen für Rußland! tu London, 3. Aug. Die„Times“ entwickeln die Frage, was nun aus Nowo Georgiewsk, Warschau und Iwangorod werden solle. Werden sie geräumt oder besetzt gehalten? Durch diese Werke gehen die Eisenbahnverbindungen, die Deutschland für seinen Vormarsch nötig habe. Gegen die deutschen Geschütze könnten die Festungswerke nicht standhalten. Der Großfürst werde wohl wissen, was er zum Heile Rußlands tun müsse. Jetzt sei auch der Augenblick gekommen, wo Rußland aus dem Westen Hilfe erwarte. Das Blatt erklärt dann, daß ihm diese Hilfe nicht gewährt werden könne. Der Ort der russischen Entscheidungsschlacht. tu Rotterdam, 3. Aug. Die„Times“ will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß es in der Gegend vor Warschau zu keinem Kampfe kommen wird, sondern nur zwischen der Hauptstadt Polens und den neuen russischen Stellungen. Rückzug der Russen auf die Buglinie. ti Rotterdam, 3. Aug. Die russische Gesandtschaft im Haag veröffentlicht eine Mitteilung, wo nach die russische Armee sich gezwungen sehe, wegen Mangels an Munition auf die zweite und ur sprüngliche Festungslinie am Bug zurückzugehen. Es hätte auch gar nicht in der Absicht der Russen gelegen, die Weichsellinie mit Warschau zu halten. Daher gehe die russische Armee auf die verstärkte Stellung zurück. Berorstehende Sprengung der Warschauer Weichsel brücken. tn Wien, 3. Aug. Aus Warschau wird über Kralan gemeldet: Die Bewohner der Häuser in der Nachbarschaft der prächtigen Weichselbrücken erhielten Besehl, ihre Wohnungen schleunigst zu verlassen. Man glaubt, daß die Brücken gesprengt werden sollen.— Ferner wird berichtet, daß von den russischen Behörden die Nachricht verbreitet wird, daß die verbündeten Truppen nach ihrem Einzuge in die Stadt große Kontributionen erheben werden. Dies ist eines jener russischen Mittel, die friebliche Bevölkerung aufzureizen. Mit Hilfe amtlicher Verbindungen sind die Ochrana und ihre Spitzel am Werke, um den Pöbel und die unsicheren Elemente aufzuhetzen, damit sie den eindringenden verlündeten Truppen Widerstand leisten, um so einen regelrechten Ueberfall zu organisieren. Meuterei im russischen Heere. tu Czernowitz, 2. Aug. Aus zuverlässiger Quelle erfährt der Korrespondent des„Berl. Tagebl.“, daß die Russen zur Verstärkung ihrer Stützpunkte in Ostgalizien etwa 40000 Mann frisch ausgerüste ter Truppen herbeischafften. Als diese am Bestimmungsorte angelangt waren, verweigerten Mannschaften und Offiziere den Gehorsam. Die Mannschaften kehrten sich gegen die höheren Vor gesetzten. Die Meuterer wurden schließlich über wältigt, entwaffnet und nach Rußland zurückbe fördert. Die Polen winken ab. Posen, 22 Aug. Während die russische Presse hinsichtlich der Polenfrage lange Zeit entweder schwieg oder sich damit befaßte, Polen und Juden gehörig hintereinander zu bringen, wurden, als sich die Verbündeten immer weiter nach Polen hinei schoben und sich Warschau näherten, plötzlich mit Einsetzung der bekannten Kommission fast überall freundliche Töne laut. Der hiesige polnische„Ozien nik“ zitiert noch eine Reihe solcher Stimmen, die der Arbeit der Kommission gewidmet waren und bemerkt dazu:„Es drängt sich nur die Befürchtung auf, daß die polnisch=russische Kommission nicht weiß, für wen sie arbeiten soll, da sich inzwischen das ganze Königreich Polen in deutsch-österreichischen Händen befinden kann. Etwas spät haben sich die Russen entschlossen, den ersten Schritt zu tun“ der Riieg gegen Frannreich. Delcassee und die 100 000 Engländer. Bei der fortgesetzten Veröffentlichung von Akten stücken aus den belgischen Staatsarchiven in der „Nordd. Allg. Itg. wird auch ein Schreiben des belgischen Gesandten in Berlin, Baron Greindl, vom 5. April 1906 an den Minister des Aeußeren Baron Favereau wiedergegeben. Baron Greindl knüpft an die Konferenz von Algeciras an und sagt schießlich: Es besteht kein Zweifel mehr, daß es der König von England gewesen ist, der, unabhängig von seiner Regierung Herrn Delcassee in eine kriegerische Politik hineingetrieben und ihm das übrigens nicht ausführbare Versprechen gegeben hat, 100 000 englische Soldaten in Holstein zu landen. Baron Greindl konstatiert noch, daß diese Pläne ausgeheckt worden wären trotz des damaligen als deutschfreundlich geltenden englischen Ministeriums Campbell Bannermann, sind zwar direkt am Hofe im Gegensatz zur Politik des Ministeriums. Mißbrauchliche Benutzung von Lazarettautomobilen durch die Engländer. :: WTB. teilt mit: Aus einem vom englischen Brigadegeneral G. W. Ascherley bekanntgegebenen Korpsbefehl des Lieut.=General Sir E. H. H. Allenbey, K. C. B. Commanding 3. Korps, vom 21. Mai 1915, der deutschen Truppen in die Hände gefallen ist, ergibt sich die Tatsache, daß englische Truppen Lazarettautomobile unter Nichtachtung des Roten Kreuzes zum Transport von fechtenden Truppen und von Kriegsmaterial benutzt haben. Unsere Flieger an der Arbeit. Ein T.=U.=Telegramm meldet aus Genf, 2. August:„ Die Pariser Viatter berichten über die erneute Tätigkeit der deutschen Flieger. Ein Flugzeug warf am Freitag vier Bomben auf Gerardmer. Am Sonnabend erschienen wieder zwei Flugzeuge und bombardierten die Stadt. Zwei Bomben fielen mitten in die Stadt, wo sie großen Materialschaden anrichteten. Die Bevölkerung von Nancy wurde Freitag früh durch gewaltige sionen aus dem Schlafe gerissen. Wieder wurde Nancy von einem deutschen Flugzeug bombardiert. Durch die dichten Wolken geschützt, gelang es dem Aviatiker, bis über das Zentrum der Stadt zu kommen, wo er Nacheinander vier Bomben fallen ließ. Angeblich sollen diese keinen großen Schaden angerichtet haben, doch läßt eine von der Zensur zum Teil gestrichene Meldung das Gegenteil vermuten. Trotz des Feuers der Abwehrkanonen und der Verfolgung durch französische Flieger gelang es dem Flugzeug, zu entkommen. Auch der Norden ist von deutschen Fliegern heimgesucht worden. Saint Pol wurde mit Bomben belegt. Sechs Flugzeuge überflogen am Freitag Tünkirchen, bombardierten den Hafenbahnhof und verursachten Sachschadens Andere Flieger belegten Condekerke mit Vomben. In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag erschten eine Taube über Saint Dmer und warf 5 Bomben ab, welche eine Anzahl von Gebäuden zerstörten und mehrere Personen töteten. Die Taube entkam trotz heftiger Beschießung und Verfolgung durch englische Flieger unversehrt. —— Der Krieg der Türkei. Die schweren englischen Verluste an den Dardanellen. tn Rotterdam, 3. Aug. Das englische Wochenblatt„Nation" bemerkt zu den Verlusten der Engländer an den Dardanellen, die bis zum 18. Juli 49600 Mann betragen haben gegen 266 000 in Frankreich: Die Verluste an den Dardanellen, wo die Streitkräfte kaum ein Fünftel der Armee in Frankreich betragen und wo sie nur ein Drittel der Zeit kämpften, wie die englische Armee in Frankreich, sind ganz außer Verhältnis in ihrer furchtbaren Schwere. An den Dardanellen laufen die Engländer eine dreimal größere Gefahr als in Frankreich. Munitionsreichtum der Türken. Die Hoffnung des Vierverbandes, daß die türkische Verteidigung der Dardanellen unter eintreten Die Cochter des Freiherrn. Roman von F. v. Nauenheim. 21 Sie bot ihm die Lippen zum Kusse und er berührte diese wohl mit den seinen, aber sein Herz blieb heute merkwürdig kalt dabei. Ob dies sich nicht ändern würde, fragte er sich selbst? Und auf baldiges Wiedersehen in Wien, Teu* g6 Langsam ritt Huvert nach Mühlheim zurulk, es war ein herrlicher Abend Aufang September, ringsum feierliche Stille. Wie schön es hier war! Fast bedauerte der junge Mann, nicht hier bleiben zu können. Was machte er auch eigentlich in Wien? Er lachte kurz, fast hart auf— komische Frage. In Wien, in einem mit blendendem Luxus ausgestatteten Palais, wartete seiner seine Braut, und in wenigen Wochen, noch vor Beginn der Adventzeit, würde er mit ihr an Gottes Altar treten und dann an ihrer Seite ein Leben des Glanzes, des Ueberflusses führen, nie Not und Sorge kenneu lerneu, er würde sich vorkommen wiederreiche Mann im Evangelium. Ob er aber nicht doch lieber der„arme“ Lazarus wäre, arm und— frei? Herrgott im Himmel, war er denn auf dem Weg, verrückt zu werden? Welch ein Geist war nur in ihn gefahten? Seit wann hatte er sich innerlich so gewandelt? Nachdenken, einkehren in sich selbst war doch sonst nicht seine Sache? Leises, frohes Wiehern seines Goldsuchses ließ ihn „Nun, Favorit, was amüsiert Dich denn? Ah, wir sind ja schon daheim?“ Wie kurz war ihm heute der Weg von L. nach Mühlheim erschienen. Auf der beleuchteten Terrasse saßen, lebhaft plandernd, der Schloßherr und seine Gemahlit. „Da kommt endlich Huderk, rief die Baronin, dem nun hereintretenden jungen Mann freundlich mit der Hand winkend. „Man soll Dir nachseivieren. Komme bold „Danke, Onkel, ich will mich nur „Welch schöne Erscheinung er ist, und auch in seinem Wesen höchst sympathisch! Und, weißt Du, Ferdinand," dabei lehnte die Dame sich leicht über den Tisch,„eigentlich tut er mir sehr leid!“ „Leid? Ja, warum denn nur?“ „Aber so denke doch nach, Lieber! Wenn ich nicht Witwe geworden wäre—“ Ah so, na ja, dann hätte ich Dich nicht heiraten können, das stimmt auffallend, und dieser junge Windhund da, na, da kann man nichts mehr ändern. Wahr ist es, hart getroffen hat es ihn zuerst, aber nun scheint er sich doch in die veränderte Sachlage hineingefunden zu haben, um so mehr, da er jetzt einer höchst angenehmen Zukunft entgegensieht.. g zgugm einfach Frau von Thuran, der nach chrent emsachen, natürlichen, frauenhaften Benehmen niemand die einstige Schauspielerin augesehen hätte, legte die Hand auf des Gatten Arm und schüttelte leicht Wenn Du den immensen Reichtum der Baronesse ins Ange fassest, dann wird sich sein Leben allerdings glänzend genug gestalten, nur fürchte ich—“ Aber Deine eventuellen Befürchtungen, Emilie, sind jedenfalls grundlos,“ ein junger Mensch wie mein Neffe, könnte sich kaum Besseres— doch still, da kommt er zurück. Ja und, Emilie, sei so gut und setze ihm keine Mucken in den hübschen Kopf,“ schloß Baron Ferdinand, leise lachend.— Obwohl seit Giselas Abreise nach Wien bereits acht Tage verflossen waren und die Baronesse in ihren Briefen an den Verlobten diesen stets an sein Versprechen, zu kommen, erinnerte, machte Hubert doch noch immer, zum lebhaften Befremden seines Oukels, keine Anstalten, Mühlheim, wo er sich auf einmal sehr heimisch zu fühlen schien, zu Eites Abends, ais Baron Ferdinand sich mit dem Neffen eben allein befand, rückte er seinen Fauteuil näher an Huberts Seite, diesen forschend auschauend.(rmäter „Willst Du mir eine Frage fteimulig beantworten, mein Lieber, und diese nicht etwa mißverstehen?“ „Bitte, Onkel, sprich! Ich höre.“ „Hat es denn zwischen Euch etwas gegeben, weil Du Deine Braut so lange auf Dein Kommen warten läßt?“ „Wir haben nichts miteinander gehabt, Onkel, wenigstens nichts, das Dich bennruhigen könnte; was jedoch das andere aubelangt, so muß ich offen sagen, daß ich mich durchaus noch nicht nach dem Häusermeer der Großstadt sehne und Gisela nicht verstehe, warum sie es so eilig mit ihrer Rückkehr nach Wien hatte?“ „Du bist mir ein netter Bräutigam,“ spottete Baron Ferdintand.„Gisela wird eben die Hände voll Arbeit und den Kopf voll Gedanken und Pläne habe, um Euer zukünftiges Heim recht schön ausschmücken zu lassen. Wann soll denn eigentlich Eure Hochzeit stattfinden? Ein genauer Termin scheint noch nicht festgesetzt zu sein, oder doch?“ „Anfang November, entgegnete Hubert kurz. „Nun, mein Junge, ich möchte Dir doch raten, der Sache mehr Interesse entgegenzubringen; wenn Dich die Baronesse auch liebt und eben darum nachsichtig sein wird, so solltest Du diese Nachsicht nicht mißbrauchen, insbesondere ihren Stolz nicht verletzen und das tust Du durch Deine Gleichgültigkeit. „Du magst recht haben, lieber Onkel," unterbrach Hubert den alten Herrn ziemlich mißmutig; „da ich einmal so weit gegangen bin, wäre es Torheit von mir, auf halbem Weg wieder umkehren zu wollen. Vielleicht," setzte er nachdenklich hinzu,„sehe ich auch zu schwarz. „Wie meinst Du das mit dem„Schwarzsehen"? Wirst Du nicht im Golde wühlen können?“ „Vielleicht aber auch an diesem gleißenden Metall mir— die Finger verbrennen, fiel Huvert mit hohnvollem Lachen ein. „Na, weißt Du, jetzt wird's mir aber schon zu bunt," rief Baron Ferdinand, mit der Hand auf die Lehne des Fauteuils schlagend, zornig aus. „Wenn Du vielleicht willens bist, Deine Verlobung zu lösen, auch gut, zwingen kann Dich jo kein Mensch zu dieser Heirat, nur solltest Du vorerst die Konsequenzen gründlich überdenken, die ein solcher Schritt, abgesehen von dem invermeidlichen Skandal, speziell für Dich nach sich ziehen würde!“ „Aber, mein Gott, an eine Lösung ist ja nicht mehr zu denken, das weiß ich doch selbst ganz gur; ich setze nur den Fall, es käme dazu, dann, nun dann müßte ich eben—“ „Dich um eine neue Braut umschauen, meinst Du? Oder rechnest Du auf den„Alten, der dann wieder herhalten müßte?“ spottete der Baron. „Ich schwöre Dir, Onkel.—“ „Schwöre lieber nicht! Mit einem solchen Schwur auf dem Herzen ist man doch immer ein wenig beengt in seinem Tun und Lassen. Heirate lieber Deine Millionenbraut! Und dann möchte ich Dir noch raten, nicht etwa später einmal Dummheiten zu machen, Du verstehst mich wohl. Gisela scheint zu den Frauen zu gehören, die auch die kleinste Untreue niemals verzeihen, die unversöhnlich, ja grausam sein können, wenn sie sich in irgend einer Weise vom Manne hintergangen sehen. Ueber Huberts Züge flog bei diesen letzten Worten des alten Herrn leichte Blässe und seine Brauen schoben sich zusammen. „Unsinn! Grausam? Was kann einem eine Frau denn schließlich antun?“ meinte er leichthin. „Du fragst ziemlich naiv, mein Lieber. Oder hast Du noch nie gehört, daß ein Weib dem Mann, wenn ihre Liebe in Haß sich wandelt, das Leben zur Hölle machen kann?“ 227,16 dem Munitionsmangel leiden werde, ist völlig zu schanden geworden. Die„Times“ sieht sich gezwungen, aus Mytilene zu melden: Die Türken erhielten große Vorräte an Artilleriemunition. Das geht aus dem anhaltenden Artilleriefeuer hervor, das sie unlängst bei der Verteidigung der Halbinsel Gallipoli unterhielten. Noch vor kurzem mußten sie Granaten sparen. Die Blockade der kleinasiatischen Küste von den Dardanellen bis Scala Nova gegenüber von Samos wird streng durchgeführt. * Von deutscher und österteichischer Sette war wiederholt darauf hingewiesen worden, daß die Türkei, auch wenn Rumänien die Durchfuhr von Munition nicht zugeben wolle, niemals Mangel an Munition leiden würde, da im Laufe der Kriegsmonate die eigene Fabrikation der Türkei auf eine vollkommen ausreichende Höhe gebracht worden sei. Aber wenn sie, wie die„Times“ schreibt, nun auch noch die für sie bestimmten Munitionsmengen von außerhalb erhalten hat, um so besser, u. um so tiefer sinken die Chancen der Angreifer an den Dardanellen. Italien lenkt ein. wtb Hamburg, 3. Aug. Das„Fremdenblatt“ meldet aus Zürich: Die neutralen Journalisten wurden im Pressebureau informiert, daß keine Kriegserklärung an die Türkei in Aussicht genommen sei. —— Der Klieg gegen Fialen. Italien braucht Gewehre. Der Neuyorker Vertreter der„Frankf. Ztg. telegraphiert:„Obgleich Italien zehn Monate Zeit. gehabt hat, sich auf den Krieg vorzubereiten, scheint es doch nicht so erzbereit zu sein, wie man angenommen hat. Jedenfalls habe ich gestern einen Brief der„Italian Amercian Exporting Company“ in Genua gesehen, die sofort 25000 Kavalleriegewehre wünscht. Nötigenfalls ist sie mit einer geringeren Zahl zufrieden, nur müsse die Lieferung sofort erfolgen“. Brotkrawalle und steigende Arbeitslosigkeit in Italien. Die italienische Zensur beschneidet immer schärfer die Meldungen über Brotkrawalle und steigende Arbeitslosigkeit. In Bologna beginnt heute eine Versammung von Vertretern aller Landarbeiterverbände und ein Tagung der sozialistischen Gemeindevorsteher aus der Romagna zur Erörtenung der Teuerung und Arbeitslosigkeit. Man verlangt staatliche Aufnahme der vorhandenen Bestände an Getreide und Ankauf von Korn durch den Staat. — Der Krieg zur See. N=Bovt=Kalender. :: Neuter meldet: Der englische Tampfer„Fulgence“ ist am Sonntag versenkt worden. Die Besatzung von 26 Mann wurde gerettet. Vier Fischerfahrzeuge aus Lowestoft sind von Unterseebooten versenkt worden. Die Besatzungen sind gelandet. „Lloyds“ meldet: Der Passagierdampfer „Iberian“ von der Leylandlinte ist von einem Unterseebvot versenkt worden. Die „Iberian“.(5233 Registertonnen) wurde zuerst beschossen und dann torpediert und zum Sinken gebracht. Sieben Personen sind tot, 61 konnten gerettet werden. Ameritanische Opfer auf dem Dampfer „Iberian“. *:: Reuter meldet: Die Leylandlinie veröffentlicht die Verlustliste des Dampfers „Iberian“, aus der hervorgeht, daß außer dem bereits gemeldeten Amerikaner, der seinen Wunden erlegen ist, ein zweiter getötet und ein anderer verwundet worden ist Ein russischer Torpedobootszerstörer gesunken. :: Aus Konstantinopel wird gemeldet Zuverlässigen Privatnachrichten zufolge ist ein großer feindlicher Torpedobootszerstöre: aus unbekannter Ursache im Schwarzen Meer auf der Höhe von Keeken östlich von Schili gesunken. Deutschland und Amerika. Die Lusitania=Angelegenheit erledigt. bb Rotterdam, 2. Aug. Aus Neuyork wird gedrahtet: Einer Depesche der„New York World“ aus Berlin zufolge, wird der Lusitania=Zwischenfall in Berlin als abgeschlossen betrachtet. Die allgemeine Auffassung der amtlichen deutschen Kreise sei, daß Präsident. Wilson durch seine Note absichtlich alle weiteren Verhandlungen abschneiden wollte. Eine Antwort Deutschlands würde die Streitfrage nur verschlimmern und die Spannung größer machen. Die nicht zu überbrückenden Gegensätze in der beiderseitigen Anschauung seien der Grund, daß weitere Erörterungen nichts nützen könnten. Ein weißer Rabe. Der Präsident I. W. Napp der Empire Art Metal Co. in Empire Point hat nach Meldungen amerikanischer Blätter bekanntgegeben, daß er einen seiner Firma angebotenen Auftrag auf Waffen und Munition in Höhe von 45 Millionen Mark abgelehnt habe. Als Grund dafür hat er angegeben, daß er nicht gewillt sei, aus dem Kriege in Europa, der so zahlreichen Menschen das Leben kostet, persönlichen Vorteil zu ziehen. Mr. Bryan scheint mit seinem Kampf gegen die Munitionslieferungen seiteng amerikanischer Fabriken doch hin und wieder Erfolg zu haben. Die Union der Bankier des Vierverbandes. Wie Neuter aus Neuyork zu berichten weiß, sollen zahreiche Deutsch=Amerikaner den Bankiets in den Vereinigten Staaten Mitteilung gemacht haben, sie würden die Handelsbeziehungen zu ihnen aufgeben, wenn die Bankteur die französisch=englischen Kriegsanleihen zeichneten. Es sollen auch Zirkulare umlaufen, nach denen die Annahme von Wechseln als Bezahlung für gelieferte Munition einer finanziellen Unterstützung gleichkomme, und daß Deutschland deshalb im Falle des Sieges von den Vereinigten Staaten Schaden ersatz verlangen könne.— Es mag dahingestellt bleiben, ob der Zorn über das tatkräftige Eintreten der Deutsch Amerikaner für Deutschlands gutes Recht die Neu termeldung beeinflußt hat. In Wirklichkeit bietet die Neutralität der Vereinigten Staaten, immer mehr sonderbare Seiten dar. —— Bunte Kriegs=Chronik. bulgarisch=türkische Abkommen. :: Der Pariser„Temps“ erfährt aus diplomatifcher Quelle, daß das türkisch=bulgarische Abkommen eine wohlwollende Neutralität Bulgariens bis zum Kriegsende vorsehe. Italienische Expedition nach Kleinasien. :: Die„Basler Nachrichten“ melden: Italien habe weitere sechs Jahrgänge Marinereserven einberufen. Die zu erwartende Expedition gegen die Türkei werde sich gegen Kleinasien richten. Eine neue bulgarische Anleihe in Deutschland. :: Die unter Führung der DiskontoGesellschaft stehende mächtige deutsch=österreschisch=ungarische Bankengruppe, der auch belgische Banken angehören, hat am 1. Auarst, trotz der Ungunst der Zeit, die Option auf die erste Reihe von 250 Millionen Franken der bulgarischen 550 Millionen=Anleihe 1914 ausgeübt. Die„Köln. Zeitung" bezeichnet das als ein sehr bemerkenswertes Ereignis. Wenn so vorsichtige Finanzleute wie die leitenden Männer der großen Bankengruppe in ruhiger Zukunftssicherheit Hunderte von Millionen ihnen anvertrauter. Gelder jetzt außerhalb des Bundesgebietes in Bulgarien zu mäßigen Bedingungen anlegen, so ist dies ein deutlicher Beweis unserer und unserer Verbündeten finanziellen Kraft und ein wertvoller Hinweis auf den Stand des wirtschaftlichen und politischen Barometers! Die neue Friedensaktion des Papstes. tu Haag, 3. Aug. Die Umgebung des Kardinals Mercier bestätigt, daß eine neue große Friedensaktion des Papstes bei allen Oberhäuptern der kriegführenden Staaten einsetzen solle, die den Zweck verfolgen werde, die Vermeidung eines zweiten Winterfeldzuges zu erreichen. Aus Stadt und Umgebung. Zur Entstehung des Weltkrieges. Das deutsche Weißbuch(3. August.) Später wird die Weltgeschichte auf die Vorgeschichte des Krieges näher eingehen und das Urteil dürfte wahrlich nicht zu Ungunsten Deutschlands ausfallen; heute genügen einige Andeutungen bezüglich der Diplomatie und ihres Verhaltens. Das deutsche Weißbuch erschien und wies Rußlands Machenschaften gegen Oesterreich, die russische Un terstützung des serbischen Mordpatriotismus, die beabsichtigte Schwächung des Germanentums durch Rußland nach. Dennoch sei der Krieg als eine lediglich Oesterreich und Serbien angehende Sache, zu lokalisieren möglich gewesen, aber die russische Regierung hat durch ihre Mobilmachung die mühsame Vermittelungsarbeit der europäischen Staatskanzleien kurz vor dem Erfolge zerschlagen; die Mobilisierung, über deren Ernst der russischen Regierung von Anfang an kein Zweifel gelassen worden, in Verbindung mit ihrer fortgesetzten Ableugnung, zeigen klar, daß Rußland den Krieg wollte. Gegenüber dieser klaren Sprache nahmen sich Greys Erklärungen im englischen Unterhause etwas seltsam aus. Von Rußland ist keine Rede, nur von der Neutralitätsverletzung Belgiens durch Deutschland, wobei der sehr ehrenwerte englische Sir den von Frankreich vorbereiteten Durchmarsch durch Belgien vergißt. **(Ferien.) Heute beginnen die großen Ferien zum zweiten Male nach Ausbruch des Krieges. Noch nie erlebten die Kinder eine solche Schulzeit, noch nie gingen sie mit gleichen Erlebnissen in die Ferien. Manche werden wohl Erntearbeiten vervichten, andere werden verreisen, die meisten werden zu Hause bleiben und hier weiter das große Ereignis verfolgen, das sie miterlebten. Mögen die Ferten, die erst am 8. September zu Ende gehen, Lehrern uund Schülern gute Erholung bringen. **(Schickt mehr Liebesgaben ins Feld!) Es ist gewiß begreiflich, wenn infolge der Länge des Krieges der im Anfang so erfreulich starke Liebes“ gabenstrom etwas nachgelassen hat. Aber wir dürfen unsere Liebe und Verehrung zu unseren Helden draußen nicht erkalten lassen. Sie haben auch heute noch und wohl noch länger fast Uebermenschliches in Kampf und Marsch und Mühsal zu ertragen. Tuen wir das Unserige, unseren Braven nach Möglichkeit ihre harten Tage ertragen zu helfen. Viele Bedürftige sind im Schützengraben und im Sturm gegen den Feind, die keine Angehörigen und Verwandte haben, die an sie denken würden. Sie besonders wollen wir nicht vergessen und ihnen zeigen, daß wir in der Heimat ihrer gedenken. Gebt rasch und jeder nach seinem Können Jede Liebesgabe wird von unseren Braven mit tausendfachem Dank vergolten. *(Erhöhung der Brotrationen in„Nussicht.) Die „Loss. Ztg“ weist unter Bezugnahme auf die in Kürze zu etwartenden Angaben über die voraus sichtlichen Erträge der diesjährigen Ernte darauf hin, daß Deutschland im Dürchschnitt an Brotge treide eine gute Mittelernte zu verzeichnen habe und daß außerdem aus der vorigen Ernte noch große Bestände zur Verfügung stehen, die man wohl mit 600—700000 Doppelzentnern annehmen dürfte. Unter diesen Umständen, fügt das Blatt hinzu, dürfte es als sehr wahrscheinlich gelten, daß die Reichsgetreidestelle, sobald das Ergebnis der Ernteschätung vörliegt, eine allgemeine Erhöhung der täglichen Brotrationen vornehmen kann.(wtb.) **(Die Reiseprüfung) für die Unterprima mit Befähigung für den einj.=freiw. Dienst bestanden am Kgl. Gymnasium, Dortmund, Heinr. Dammann, Enkel des Herrn Wilh. Vogt, und Albert Stüttgen, Sohn des Herrn Heinr. Stüttgen, beide von der Hörderstraße. **(Zur Beachtung!) Es sei nochmals darguf aufmerksam gemacht, daß die Zusammenkünfte Montags nachmittags in der Töchterschule zum Zweck der Liebesarbeit für die Soldaten vorläufig ausfallen und erst wieder nach den Ferien aufgenommen werden. **(Ueber das Konzert des Ruhrtaler SängerVereins), welches am Sonntag im Kurgarten zu Königsborn stattfand, wird uns von dort geschrieben: Der unter Leitung des Herrn Musikdirektor Griesenbeck in Gevelsberg stehende Rührtaler Sängerverein aus Schwerte war für den gestrigen Sonntag von der Badeverwaltung für ein Konzert im Kurgarten verpflichtet worden. Der aus 25 geschulten Sängern bestehende Verein hat sich seiner Aufgabe, sowohl was die Auswahl der Lieder, als auch die gesanglichen Darbietungen anbetrifft, in vortrefflichster Weise entledigt. Der rauschende Beifall, der jedem Liede folgte, zeigte, wie sehr die Darbietungen gefallen haben. Wir können nur sagen, daß es eine wohlgelungene Veranstaltung war, und daß der Ruhrtaler Sängerverein sich als ein erstklassiger Gesangverein erwiesen hat, dessen Vorträgen man gern wieder llauschen möchte. **(Postpersonalie.) Herr Postdirektor Anschütz aus Koburg, dder Nachfolger des nach Schnei#emühl versetzten Postdirektors Kiesow, hat gestern die Leitung des hiesigen Postamtes übernommen. **(Vernichtet die Fliegen.) Unter dieser Ueberschrift ist ein Merkblatt des Nates der Stadt Leipzig zur Bekämpfung der Fliegenplage erschienen, das wichtig genug erscheint, um auch an dieser Stelle wiederzugeben zu werden. Darin heißt es: Die Fliegen sind nicht die harmlosen Tiere, für die sie so oft gehalten werden, sondern sie sind gefährlich. Ihre Gefährlichkeit besteht darin, daß sie die Erreger von Krankheiten aller Art, wie Cholera, Typhus, Nuhr, Tuberkulose, Diphtherie, Maul= und Klauenseuche, Keime der Fleischvergifter usw. auf andere Gegenstände und zwar besonders auf unsere Nahrungsmittel übertragen und dadurch schwere Krankheiten verbreiten können. Für die Vertilgung der Fliegen gibt es zahlreiche zweckdienliche Mittel, wie klatschen, Fliegengläser, Fliegentöter usw. Ein geeignetes Mittel, das sich jeder leicht selbst herstellen kann, ist eine verdünnte Mischung von Formol und Milch.(Formol 15 vom Hundert, Milch 20 vom Hundert, Wasser 65 vom Hundert). Die Milch ist in breiten flachen Gefäßen aufzustellen. Es kann damit auch in geeigneten Räumen der Fußboden besprengt werden. Zu raten ist auch die Behandlung der Aborte ohne Wasserspülung mit Formalin oder Saprol, um die Fliegen überhaupt von den Aborten fernzuhalten. Man nehme aber auch den Fliegen die Möglichkeit, Krankheitskeime überhaupt aufzunehmen, indem man die menschlichen Entleerungen, Küchenabfälle und ähnliche, einen guten Nährboden bildende Stoffe so schnell wie möglich aus den Wohnungen entfernt. **(Mit dem Eisernen Kreuz) ausgezeichnet wurde der auf dem westlichen Kriegsschauplatze kämpfende Unteroffizier Fr. Henter von hier. **(Die Diebesfrechheit) wird immer größer. Heute nacht wurde dem Schuhmachermeister Rost in der Kuhstraße ein Besuch abgestattet. Die Spitzbuben sind nach Zertrümmerung eines Fensters in ein zu ebener Erde gelegenes Zimmer eingedrun gen, haben einen Kleiderschrank erbrochen und Kleidungsstücke im Werte von 300 Mark gestohlen. Den Aufsatz eines Vertikows schleppten die Spitz luben auf den Schuiplatz, erbrachen die Schubladen und raubten ein über 200 Mirk lautendes Sparkassenbuch; selbstredend ist über das Buch sofort die Sperre verhängt, sodaß die Spitzbuben an dieser Beute wenig Freude haben dürften. Nach der Arbeit haben sich die Täter an den vorhandenen Lebensmitteln gütlich getan und sind dann still verschwunden. Hoffentlich werden die Nachforschungen recht bald von Erfolg gekrönd sein. *(Tödlicher Unfall.) Ein betrübender Unglücksfall, ereignete sich gestern nachmittag in dem Betriebe des Herrn Boecker. Der Arbeiter Heinr. Burgemeister von der Hörverstraße, ein Mann von etwa 45 Jahren, wollte einen Packen Draht auf die Schulter nehmen und kam dabei so unglücklich zu Fall, daß er eine schwere Verletzung des Rücksrates erlitt, Von Mitgliedern der Sanitätzkelonne in seine Wohnung gebracht, ist der rüftige und gefunde Mann wenige Stunden nach dem Unfall gestorben. ** Geisece, 3.Aug.(Atiegsliebesarbeit in der Schule.) Im verflossenen Kriegsjahre konnten von der evang. Volksschule in Geisecke über 1 Jeutner Gummj zur Weitergabe nach Westhofen abgeliefert werden. Von 24 Kindern sind über 500 Mark„Goldgeld abgegeben worden. Nicht nur wurden Pakete ins Feld geschickt, sondern es konnten auch aus der Ftemdwörterstrafkasse öfter Geldbeträge aus Rote Kreuz, die Kriegsbüinden oder die Sanitätshundegesellschaft abgeliefert werden. Gestern gingen als 4. Abgabe aus dieser Kasse 10 Mark als Opfergabe zur Erinnerung an den 2. August 1914(1. Mobilmachungstag) an den Hilfsausschuß in Westhofen. Westhosen, 2. Aug.(Der Kaninchen= zuchtverein Weithosen), hielt am Sonntag im Vereinslokale Fritzenkötter eine Versammlung ab. Dieselbe war den Verhältnissen entsprechend gut besucht. Es wurke sehr Lehrreiches über die Zucht besprochen und die Züchter ermahnt, in dieser ernsten Zeit zusammen zu halten, damit auch hier der Wahlspruch„Kaninchenfleisch muß Volksnahrung werden“ sich bewahrheite. Westhosen, 2. Aug.(Festgenommen) wegen Bettelns wurde der holländische Staatsangehörige Gerhard Rensink. Er wurde auf der Hochstraße ertappt. ** Garenseld, 2. Aug.(Die Maul= und Klauenseuche) greift hier weiter uum sich und ist neuerdings unter dem Rindviecbestande des Landwirts Diedrich Schroer seitgestellt.— Unter dem Rindviehbestand des Metzgers Hugo Waldmann 1 Schwperte auf einer Weide an der Ruhrbrücke in Westhosen ist die Seuche inzwischen wieder erleschen. ** Ergste, 3. Aug.(Bestandene Prüfung.) Herr Seminarlehrer Dr. phil. Friedr. Varney in Unna, Sohn des Lehrers Wilhelm Varney, von hier, bestand vor der Wissenschaftl. Prüfungskommission in Münster die Oberlehrerprüfung mit Auszeichnung. Stadtverordneiensitzung. ** Schwerte, 3. August. Im Rathaussaale wurde gestern eine Sitzung des Stadtverordneten=Kollegiums abgehalten, zu der 11 Mitglieder erschienen waren; den Vorsitz führte Herr Direktor Terbrüggen. Vom Magistret war Herr Bürgermeister Rohrmann anwesend und vom Stadtbemamt Herr Wohlfahrt. Der erste Punkt der Tagesordnung betraf eine Vorlage des Magistrats betr. Verwendung der Zinsüberschüsse der Sparkasse aus. dem Jahre 1913 unter Aufhebung eines Beschhusses vom 12. November v. I.„ Von den Zinsüberschüssen im Gesamtbetrage von 102 917,87 Mk. entfallen auf die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen(die beiden Garantiegemeinden) je 51·458.94 Mk. Der auf Schwerte entfallende Betrag soll wie selgt Verwenduung finden: Jugendpflege 600 M., Desinfektion 700 M., Veteranenbeihilfen 1000 Mk., Feuerwehr 1000 Mk., Evangel. Krankenhaus 3000 Mk., Kath. Krankenhaus 1500 Mk., Sanitätskolonne 500 Mk., Fürsorgestelle für Lungenkranke des Landkreises Hörde 300 Mark, Ruhr=Badeanstalt 730 Mark, Baumanpflanzungen 500 Mk., Fonds für Kriegswohlfahrtszwecke 250.00 Mk., Straßenverbesserungen, Neupflasterungen 2c. 16 608,94 Mk. Gegen die Entlassung von Gxundstücken, welche der Straßenbahnführer Gedatus vom Sparund Bauverein erwerben will, aus der Mithaft der Stadt für eine Sicherungshypothek, fand sich nichts zu erinnern, Ohne Debatte wurden weiter die Kosten für die Herstellung eines Bürgersteiges vor dem Hosangschen Hause an der Westenstraße unter den üblichen Bedingungen bewilligt. Die Mitglieder der EinkommensteuerVoreinschätzungs=Kommission wurden mit Ausnahme des Maurers Aug. Michel wiedergewählt; für letzteren, der vielfach krank sei, wählte Kollegium den Walzmeister Albert Henschel in die Kommission. Da Herr Justizrat Backhausen in den Magistrat gewählt ist, hat die erste Abteibung demnächst eine Stodtverorkneten-Ersatzwahl vorzunehmen. Als Beisitzer bezw. Stellvertreter für diese Wahl wurden die Herren= Kaufmann Ernst Klein, Kaufmann Aug. Sieberg, Kaufmann C. Lethaus und Uhrmacher Fr. Kayseit gewählt. Ein Nachtrag zi dem mit der Provinz abgeschlossenen Vertrage betr. Wasserzuleitung zum Rathausbrunnen fand einstimmige Annahme. An.unbeibringlichen Gemeindesteuern aus dem Jahte 1913 urirbe ein Betrag von 49,67 Mk. niedergeschlagen, während die Beschlußfassung über die Niederschlagung eine bedeutend höheren Summe vertagt wurhe, dn auf Antrag des Herrn P##olf nochmals versucht werden soll, doch noch einige Beträge hereinzubekömmen. 1744 7597 Für den Verein Kinderheim Cecilienstift zu Lippspringe wurbe ein Jahresheitrag von 5 Mk. bewilligt. An,die istentliche Sitzung schhtt sich eine geheime. Verantwortlich für die Redaktion Friede Noaae Bruck u. Verlag von. Caol Braus, belde in Schwoett haf das Publikum sowohl die gewaltigen Vorteile, welche wir in unserem Reklame-Verkauf“ bieten, als auch, daß infolge Einschränkung der Fabrikation in baumwollenen Geweben jetzt der Zeitpunkt ist, sich noch mit vorteilhaften Waren zu versehen. Der gewaltige Andrang und die enorm großen Quantitäten welche gestern gekauft wurden ist der beste Beweis hierfür. Benutzen Sie auch die Vormittagsstunden zum Einkauf. Bekannte Fahrtvergütung bei Einkäufen von 20 Mark an. Brsel. Toer mazusgen Zu dem heutigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieden: Stück Großvieh, 581 Käfer, 11 Schase, 945 Schweine. Bez. f. 100 Pfo. Ochsen Bullen: 1. Rinder. a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, die noch nicht gezogen haben(ungesocht) d) vollfleischige, ausgemästete, im Alter von 4—7 Jahren... c) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästele... d) mäßig genährte junge, gut genährte ältere....... a) vollfleischige, ausgewachs. höchsten Schlachtwertes.... d)vollfleischige, jüngere.... c) mätig genährte junge und gut genährte ältere....... a) vollfleischige, ausgemästele Färlühe: sen höchsten Schlachtwertes d) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren......... 60—65 115-124 c)ältere, ausgemästete Kühe und nie aut entwichelte jüngere 50—57100-114 für leichte und dauernde Beschäftigung gesucht. Nickelwerk. 3634 Gründlicher 3336 58—62 100-108 48—5390—100 36—44 75—90 67—70 119 125 Mavtel Unterricht wird erteilt. Zu erfr. in der Geschäftsstelle d. Ztg. Ein ordenlicher, gewandter Junge Bar“ I gär vichele Hüngere„Le. ,i f## Der Sotte-gweicher sok hot. Kühe und Farsen..... 99—2 100-###—-T# welcher Lust hat, die Stahle gering genährte Kühe u. Färsen 32—36 77—66“ in den neuesten drahk=Feinzieherei auf a) Doppelender, seinste Mast.. d) seinste Mastkälber c) mittlere Mast= und deste Saughälber„„ d)geringe Mast= und gute Saughälder 74.80118-—126 66—72 108-118 58—63 98— 107 50—55 88—96 Schafe— e) geringe Saugkätder J. Schase Stallmast= a) Mastlämmer und jüngere Mastschafe: dommei„u. 4 b) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte unge Schafe....... c)mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) Weide= a) Mastlämmer... mastschafe: 5) geringe Lämmer und 4. Schweine. a) Fettschweine, über 150 kg. 8 Zentner Lebendgewicht b) vollfleischige Schweine von 120—150 kg(240—300 Psd) Lebendgewich!..... e) vollfleischige„Scweine von 100—120 kg(200—240 Pfd! Ledendgewicht... d) vollfleischige Schweine, 80—100 Kg. (160—200 Prd.) Lebendgewicht 112-125 140-156 e) vollfleischige Schweine, unter 80 kg (160 Pfd.) Lebendgewicht 0 Saven eshsesce, sae se e Ausvahl vorätig. gflerger, fübet Vorzügicher Sitz. 6 Julius voecker. Gute Stoffqualitäten selbst in den s billigeren Preislagen. Otto Mark, *— Schwerte, Ostenstr. 208 nnsamnen uussunmam Verloren) Sonntag mittag von Freischütz bis Schwerke ein 120-125 150-156 schwarzer Spitzenschal verloren gegangen. Der Finder 96=116 120 145 wird gebeten, denselben gegen 112-125 146-156 gute Belohnung in der Exped. — d. Itg. abzugeben. 3635 Suchschhoiben (Kraftfleisch) per Ffund 125 Ptg. a. Sülze per Pfd. 65 Pfg. empflehlt 8639 L. Weinberg. Söckchen S Statt jeder besonderen Anzeige. Heute nacht entschlief sanft infolge Altersschwäche im Alter von 69½ Jahren mein lieber, guter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Grossvater, Urgrossvater, Bruder, Schwager und Onkel Friedrich Balkartat! In tiefer Trauer: Frau Ww. Balkartat u. Kinder. Schwerte, Aplerbeck, Dortmund, Bonn, Differdingen-Luxemburg, Frankreich. ISeriolin. TürTrader r en In grosser Auswahl Damenblusen Kostümröcke Paletots Unterröcke Schürzen Handschuhe Kautnausotlo mark Schwerte, Ostenstr. 20. hooom Mooranbum uun# ben Favorn Jugendaldum 90 J f I! Favoril Schnitimuster 1## oonril Handarbtsalb. 60. #lleisverhauf für Schwerte Kaufbaus Otte Mark or de mni wollrans Sitzen fest und rutschen nicht In vielen Nustern vorrätig. 2108 Alleinverkauf alio Maru. Schwerte Ostenstrasse 20. — Kheinische.— Technikum Bingen Maschinenbau, Elektretschnik# Astemoblbau, Brückenbau. 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Licht, Garten und allen sonstigen Bequemlichkeiten, per sofort oder später zu vermieten. 3124 Luck, Königstr. 5a Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, welche uns beim Hinscheiden meiner guter Frau, unserer guten Mutter zuteil geworden, sagen wir allen, besonders den Mitgliedern der Marien- und Elisabeth-Vereine unsern innigsten Dank. 3629 Familie Schrader. Schwerte, den 3. August 1915. 1 Bekanntmachung. Aus dem vorhandenen städt. Bestande soll am Donnerstag, den 5., am Freitag, den 6. und am Samstag, den 7. d. Mts., vormittags von 8—1 Uhr im städtischen Schlachthause seller und magerer Speck an hier wohnhafte Familien, welche als Ausweis eine Brotkarten=Umhülung vorzeigen, zum Preise von 1,60 Mark für das Pfund gegen Barzahlung verkauft werden. Die Abgabe erfolgt nur in Mengen von 3 Pfund. Schwerte, den 2. August 1915. Magisträt. Oröchpol= Vordeaux= Notw ein garantiert rein, 2 pro Flasche aus d. Haus 1.10 Mk., im Ausschank per Glas 20 Pfg. 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Wilhelm Schubart in der„Internationalen Monatsschrift für Wissenschaft, Kunst und Technik“, in der der Gelehrte einen umfassenden Ueberblick über die literarischen Papyri bietet. Obwohl der Zufall bei der Auffindung dieser wichtigen Dokumente die Hauptrolle spielt, so dürfen wir doch aus der überragenden Zahl von Handschriften, die von einem einzelnen Werk oder einem einzelnen Schriftsteller gefunden sind, einen Schluß auf eine besonders weite Verbreitung ziehen. So nimmt unter den Papyrusfunden Homer mit mehr als 250 Handschriften weitaus den ersten Platz ein. War so augenscheinlich der„Vater der Poesie“ der am meisten gelesene Autor der Kaiserzeit, aus der ja die Papyri stammen, so ist das beliebteste seiner Werke die Ilias gewesen, deren Handschriftenzahl die der Odyssee um das Vierfache übertrifft. Während aber nichts Unbekanntes von Homer zutage getreten ist, hat man von Hesiod nicht wenig Neues gesunden, denn neben den vorhandenen Werken sind umfangreiche Stücke aus seinen Katalogen ans Licht getreten. Von der antilen klassischen Lyrik ist besonders durch die Funde in den reichen Oxyrhynchos, aus dem mehr als ein Trittel aller literarischen Texte stammt, neue Stücke der Sappho bekannt geworden, und auch von Pindar kannte die Kaiserzeit noch vieles, was uns bisher fehlte: Oden, Päane und Jungfrauenchöre. Während Fragmente aus den Lyrikern Archilochos, Alkman und Aliaios bereits bekannte Dichter in neues Licht rückten, ist die schlichte Anmut der Böoterin Korinna uns überhaupt erst durch ein Papyrusblatt wieder geschenkt worden. Der gewandte Erzähler Baschylides ist völlig eine Gabe des ägyptischen Sandes, und in einem Grabe ruhten die Perser des Timotheos, die älteste griechische Papyrushandschrift, die noch zu den Tagen des Demosthenes und Alexander hinaufreicht. Unter den großen Tragikern fehlt Aischylos gänzlich, wenn man ihm nicht ein kleines Papyrusbruchstück zuschreiben will. Sopholles ist reichlicher vertreten und auch manches Neue hinzugekommen: die Achäerversammlung, Eurypylos, Tyro und besonders das berühmt gewordene Satyrstück Ichneutai. Aber selbst Sophotles muß in der Zahl der Handschriften weit zurückstehen gegen Euripides, auf den von den 63 überhaupt bisher gefundenen Tragiker=Papyri allein 30 kommen. Außer dem jetzigen Bestand an Dramen las man damals noch Menalippe, Hypsipyle, die Kreter, Phaêthon, Archelaos, Antiope, Stiron, vertreten durch eine Inhaltsangabe.„„„„„ Reicher als bei den Tragitern ist das Bilo, wenn wir auf die altklassische Komödie blicken. Hier tauchen die Vorgänger des bisher nur bekannten Aristophanes, Kratinos und Eupolis, der eine mit einer Inhaltsangabe des Dionysalexandros, der andere mit den Demen auf; auch Epicharmos wurde gelesen. In der mittleren Komödie steht Menander voran, dessen Kunst uns durch die Papyrusfunde überhaupt erst anschaulich geworden ist. Unter den 70 gefundenen Handschriften philosophischen Inhalts hat Plato mit 23 das Uebergewicht. Unter den Rhethoren hebt sich Demosthenes mit 42 Papyri aus einer Gesamtsumme von 109 sehr drutlich heraus. Neben ihm war Isotrates das beliebteste Muster. Auch einen neuen Redner, den Hypereides, haben uns die Papyri wiedergegeben. Einen außerordentlichen Gewinn für die Kenntnis der klassischen Literatur bedeutet es, daß die Funde von Oxyrhynchos uns einen beträchtlichen Teil der Hellenika des Theopompos gerettet haben. Unter den zahlreichen medizinischen Papyri gehen wohl nur noch zwei auf den großen Hippokrates zurück. Neben den Funden aus der klassischen Literatur überwiegen die aus dem hellenistischen Schrifttum. Die christliche Literatur macht in der Gesamtmasse rund ein Sechstel aus, wobei unter den biblischen Büchern die Psalmen weitaus den ersten Platz einnehmen, und die lateinische Literatur nur knapp 1/37 aller Funde.—hl. Dumor. Die Mode. Herr von Styler:„Nun, es freut mich, liebes Kind, daß du dich so schnell getröstet hast. Als ich heute morgen fortging, warst du über Puppis Krankheit so außer dir, daß ich wirklich fürchtete, du würdest selbst krank werden.“ Frau von Styler:„Ja, denke dir nur, als du gerade gegangen warst, kam Frau von Hochfein und erzählte mir, daß die Hunde von Puppis Rasse gänzlich aus der Mode seien. Ta hab' ich schnell meine Tränen getrocknet und das dumme, kranke Tier einer Hundeklinik überwiesen. Und morgen kaufst du mir einen modernen Hund, nicht, Männchen?“ *— Ratschläße fürs haus von Lana Uincent. Beim Bereiten von Kaffee streue man ein wenig Salz auf den gemahlenen Kaffee, ehe man das kochende Wasser darauf gießt. Er wird dadurch viel ausgiebiger ausgenutzt, und der Wohlgeschmack wird erhöht. Um Mostrich(Senf) länger frisch zu erhalten, löse man einen Salzlöffel voll Salz und ebensoviel Kochzucker mit wenig kochendem Wasser auf und mische dies unter den Seuf in dem für den Tisch bestimmten Näpfchen. Er wird sich so bedeutend länger halten. Durch Kragendruck verursachte dunkle Streifen am Hals zu entfernen. Durch das Tragen sehr hoher, enger und steifer Kragen entsteht oft am Hals ein dunkler Streifen, der sich durch Waschen und Reiben nicht beseitigen läßt, und den kein Puder verdeckt. Man mache eine Mischung von 60 Gramm Glyzerin und dem Saft zweier Zitronen und reibe den Hals jeden Morgen nach dem Waschen damit ein. Nach wenigen Tagen wird der bei ausgeschnittenen Blusen so häßlich wirkende Streifen verschwunden sein. Blumen, die von auswärts geschickt wurden und etwas welk aussehen, stelle man ein paar Augenblicke in warmes Wasser; sie erholen sich zusehends und lassen sich nachher viel besser in Vasen arrangieren. 10 2 S55 ee 9— * 2. 6 **— Genttel! Amfliches Kreisblaft für den Kreis börde S 47. Jabrgang O Glei und ische Cepsergm dm Arehes. 0 haugt Emancraßten Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 179. Dienstag. 3. August 19 5 Unter fäticher Fkal. ∆ Roman von M. Withe. (35 Fortsetzung.) 's sind also zwei Töchter da; das wußte gar nicht!“ sprach Sebald ich noch weiter. „Ja!“ entgegnete der Wirt.„Die Aeltere scheint etwas krän lich, oder sie muß etwas Schlimmes erlebt haben; denn sie sieht immer sehr blaß und Die Jüngere aber ist das Leben niedergeschlagen aus. selbst!“ „Und die Mutter?“ „Eine sehr ehrenwerte und vornehme Dame! Der Himmel mag wissen, wie sie dazu gekommen ist, diesen Mann zu heiraten!“ „Herr Volkhardt hat sich demnach, wie es scheint, hier keiner übergroßen Beliebtheit zu erfreuen?" „Beliebtheit?“ lachte der Wirt.„Na. man darf getrost das Gegenteil behaupten, mein Herr! Ein Mensch von solchem Aussehen! Es mag ja sein, daß er haufenweise Geld hat; aber das ändert nichts an der Tatsache, daß ich mich für einen vornehmen Mann halte im Vergleich zu ihm! Außerdem— weiß man denn, auf welche Art er zu seinem Gelde gekommen ist? Weiß man es denn? Die Leute munteln darüber so allerlei! Und es gibt viele, die wissen wollen, daß er den armen verstorbenen Herrn von Malzyn— Gott habe ihn selig!— auf die gemeinste Art aus seinem alten Besitztum hinausgedrangt habe! Ich glaube es gern; denn ich habe den Verstorbe#n#en besser gekannt als irgendeiner, und ich weiß, daß er in geschäftlichen Dingen viel zu unerfahren und viel zu vertrauens eig gewesen ist!“ „Wissen Sie vielleicht etwas Bestimmtes darüber?“ forschte Sebald, der sich schon auf der Spur eines neuen wertvollen Geheimnisses sah, eifrig.„Oder haben Sie wenigstens einen Anhalt, aus dem sich Weiteres folgern ließe?“ Aber die Wißbegier des Fremden schien dem Gastwirt allgemach etwas verdächtig zu werden. „Nein, ich weiß nichts Gewisses, und ich habe auch keinen Anhalt!“ erwiderte er ziemlich kurz.„Ich will auch nichts wissen; denn ich mische mich nicht in Sachen, die mich nichts angehen!— Was sieht Ihnen zu Diensten, Herr?“ Die letzte Frage war an einen neuen Ankömmling gerichtet, einen Mann, dessen Erscheinung an diesem Orte wohl einigermaßen ungewöhnlich wirken mußte. Eine tiefe, dröhnende Stimme war es, die ihm Antwort gab: (Nachdruck verboten.) „Da es für Champagner noch zu frü ist, denke ich, wir las#en es zunächst bei einem Glise Vier bewenden! Zur rechten Stunde sell man auch das einsache, volkstümliche Getränk nicht verschmähen!“ 22. Kapitel. Ein Komödiant. Wie ein Mann, der gewöhnt ist, den Champagner in Strömen fließen zu lassen. sah der neue Gast nun allerdings nicht gerade aus. Man hätte sich kaum einen vollkommeneren Tyxus des herunter zekommenen Schauspielers vor tellen können. Er war groß und breitschultrig, hatte ein glatt rasiertes, auf edunsenes Komödiantengesicht und wässerige, schwimmende Augen, deren rotgeäderte Hornhaut sehr beredt von reichlichem Branntweingenuß erzählte. Seine Kleidung, die vor undenklichen Zeiten recht elegant gewesen sein mochte, hatte den böchsten Grad der Schäbigkeit erreicht; der breite Schlap#hut, den er genialisch auf das linke Ohr gedrückt hatte, sah aus, als ob er mit einer Speckschwarte eingerieben worden wäre: und die ehemaligen Lackstiefeletten zeigten so bedenk iche Risse, daß kein Trödler sie auch nur auf ein Fünfzigpsennigstück bewertet haben würde. Die Haltung des Mannes aber ließ an majestätischem Selbst bewußtsein trotz alledem nicht das mindeste zu wünschen übrig, und seine Bewegungen waren von wah haft königlicher Grandezza. Mit enem gnädigen Neigen des Hauptes nahm er das Glas in Empfang, das der Wirt etwas zögernd und widerwillig gefüllt hatte. „Ich danke Euch, mein Lieber! Es wird Euch noch nicht oft widerfahren sein, daß Ihr einen Kün' ler meines Ranges in Eurem bescheidenen Hause bewirten durftet. Und ich bin gesonnen, noch mehr für Euch zu tun. Ich werde für diese Nacht mein Haupt unter Eurem schlichten Dache zum Schlummer betten. He, was sagt Ihr dazu, mein guter Freund?“ Aber der Wirt machte nicht den Eindruck eines Mannes, der sich durch tönende Worte und rollende Rs imponieren läßt. Mit einer geradezu beleidigenden Gleichgülti teit erwiderte er: „Ich sage dazu weiter nichts, als daß Leute, die ich nicht kenne, fünf Mark zu deponieren haben, ehe ihnen ein Zimmer für die Nacht angewiesen wird!“ „Ah, wirklich?“ rief der Schauspieler mit trefflich gespieltem Erstaunen.„Ist das Sitte hierzulande? Ist es dahin gekommen mit der vielgerühmten Gastlichkeit des deutschen Volkes? Nun, mein Lieber, ich zürne Euch nicht! Denn ich sehe ja, daß Ihr nicht erkennt. Aber Eure Rede wird anders lauten, wenn Ihr erfahrt, wer ich bin. Man nennt mich Hubert Cornelli; die Bescheidenheit verbietet mir, hinzuzufügen, daß die Zeitungen mich eigentlich nur „den großen Cornelli“ zu nennen pflegen. Das ist ein Name, der Euch wie Musik in das Ohr klingt— nicht „Das kann ich nicht behaupten. Es ist ein Name, den ich noch nie in meinem Leben gehört habe, und der darum für mich nicht besser und nicht schlechter ist ründ es sol wirtlich bei der Vorauszahlung dieser armseligen fünf Mark sein Bewenden haben? Hubert Cornelli soll für ein Nachtquartier im voraus bezahlen — Hubert Cornelli— der große Cornelli?“ „Sie mögen so groß sein, mein Herr, wie Sie wollen— bei mir gibt es eben keine Ausnahme von der Regel— am wenigsten für einen fahrenden Der große Cornell, dem die Anwesenheit des kleinen Rechtsanwalts noch immer vollständig entging, ließ sich schwer in einen Stuhl fallen und warf seinen fettigen Hut mit einer großartigen Gebärde auf den „Er nennt mich einen fahrenden Komödignten! Aber ich vergebe Euch, mein Freund. Wir sino hier wohl in der Tat zu weit von der zivilisierten Welt entfernt, als daß mein Ruhm bis zu Euch gedrungen sein könnte. Ihr könnt nicht wissen, wie oft und mit welchem grandiosen Erfolge ich schon vor gekrönten Häuptern, vor Fürsten und Potentaten gemimt habe! Ihr ahnt nichts von den Lorbeerkränzen, mit denen man mich überschüttet; von den Pferden, die man mir ausgespannt hat; von den Liebesbriefen schöner Frauen; von meinen Duellen mit eifersüchtigen Gatten „Nein, Herr Cornelli, von alledem ahne ich in der Tat nich's, und es hat für michauch, offengestanden, weiter gar kein Interesse! Wenn Sie zahlen können, sollen Sie mir als Gast willkommen sein, obwohl ich Leute ohne Gepäck sonst grundsätzlich nicht über Nacht behalte. Im anderen Fall—— Sein Achselzucken war verständlich genug, und der große Cornelli hielt es nun doch für angezeigt, sein Heil auf andere Weise zu versuchen. „Mein lieber Herr Wirt, Sie brauchen wegen Ihrer kümmerlichen Pfennige wahrlich nicht in Sorge zu sein! Wäre nicht etwas geschehen, wovon ich mir so wenig hätte träumen lassen wie von einem Einsturz I des Himmels, so würde ich jetzt als ein Mann vor Ihnen stehen, der das Gold mit vollen Händen ausstreuen kann; als ein Mann, der Sie lächelnd fragen dürste: Was kostet diese ganze Hütte? Aber mein Impresario hat mich schnöde hintergangen; ein Mensch, mit dem ich von Kindesbeinen an befreundet war; dem ich vertraute wie mir selbst— mein anderes Ich! Mit der Kasse ist er durchgebrannt, der Elende, nach einer erfolgreichen Gastspielreise durch die Nordund Ostseebäder! Für den Moment bin ich von allen Mitteln entblößt— sozusagen ein Bettler. für den Moment; denn noch stehen mir glücklicherweise unerschöpfliche Hilfsquellen zur Verfügung. Was werden Sie sagen, wenn ich Ihnen anvertraue, daß ich hierhergekommen bin, um meinen alten Freund, den Baron Wallberg, aufzusuchen,— den Baron Wallberg, der sich eine Ehre und ein Vergnügen daraus machen wird, mir aus aller Verlegenheit zu helfen „Was ich dazu sagen werde? Weiter nichts, als daß der Baron augenblicklich von hier abwesend ist, und daß ich nicht beurteilen kann, wieweit seine Freundschaft für Sie geht!“ „Abwesend— sagen Sie— abwesend?" wiederholte der Schauspieler, indem er ganz entsetzt die Hände ausstreckte.„Ja, soll sich denn alles gegen mich verschworen haben? Haben mich die unsterblichen Götter zum Ziel ihres Ingrimms ausersehen? Nun wohl, schauen Sie hierher, mein Freund! Betrachten Sie diesen Ring! Aber mit Ehrfurcht, wenn ich bitten darf! Denn er ist ein Geschenk des Kaisers von Oesterreich, der ihn mir nach einem enthusiastisch bejubelten Gastspiel am Wiener Hofburgtheater höchst eigenhändig überreichte. Er ist seit jenem unvergeßlichen Abend nicht für einen Moment von meinem Finger gekommen. Und Sie können danach ermessen, was es für mich bedeutet, wenn ich mich entschließe, dies Kleinod als ein Pfand in Ihre Hände zu legen!“ Der Wirt unterzog das„Kleinod“, einer flüchtigen Musterung; dann reichte er es mit einer ziemlich verächtlichen Grimasse dem Eigentümer zurück. „Wenn Ihnen der Kaiser von Oesterreich diesen Ring verehrt hat, mein Herr, so ist er von seinem Juwelier auf das schmählichste hineingelegt worden! Denn mit zwei Mark würde er mehr als überreichlich bezahlt sein! Ich hätte nicht soundso viele Jahre lang Kammerdiener bei dem verstorbenen Herrn von Malzyn sein müssen, wenn ich nicht eine so elende Fälschung auf den ersten Blick erkennen könnte!" Er wurde in diesem Augenblick abgerufen und verließ für eine kleine Weile das Gastzimmer. Mit einem schweren Seufzer sank der große Cornelli in seinen Stuhl zurück. Da erklang aus dem Hintergrund des Raumes die scharfe, dünne Stimme des kleinen Herrn „Was für ein Wind hat Sie denn eigentlich hierhergeblasen, Cornelli? Kann ich Ihnen vielleicht mit einer Kleinigkeit behilflich sein?" Wie elektrisiert war der Komödiant in die Höhe gefahren, und sein sorgenvolles Gesicht verklärte sich, als er den Fragenden erkannte. „Herr Rechtsanwalt— Sie? Beim Zeus, das ist eine Fügung des Himmels. Wie heißt doch das alte goldene Wort: Wenn die Not am höchsten, ist die Hilfe am nächsten. Ich—“ Um des Himmels willen, ersparen Sie sich die bombastischen Tiraden, deren es doch zwischen uns beiden wahrhaftig nicht bedarf! Ist Ihnen mit einem Zwanzigmarkstück geholfen?" „O mein lieber, mein sehr lieber Herr Sebald! Zwanzig Mark sind sehr wenig für einen, der im Ueberfluß sitzt; aber sie sind viel für einen Mann in meiner Lage. Ich betrachte Sie als meinen Wohltäter, nein, mehr als das: als meinen Erretter! Schelten Sie mich nicht unmännlich, weil eine Zähre der Rührung meine Wimpern netzt! Es gibt Momente im Leben, wo auch der Stärkste sich solcher Ergriffenheit nicht zu schämen hat!“ „Na ja— also da sind die zwanzig Mark! Stecken Sie sie ein; denn der Wirt wird wahrscheinlich gleich zurückkommen. Und sagen Sie mir, was Sie in dieser weltentlegenen Gegend eigentlich zu suchen haben. Die Geschichte von dem durchgebrannten Impresario wollen wir dabei aber lieber beiseite lassen, denn ich weiß, was ich von solchen Geschichten zu halten habe.“ Herr Cornelli war verhindert, ihm zu antworten; denn wirklich erschien der Wirt wieder auf der Bildfläche, und der Blick, mit dem er den zweifelhaften Gast streifte, war kaum anders zu deuten, denn als eine stumme Aufforderung, sich sobald als möglich unsichtbar zu machen. Damit aber kam er jetzt schlecht an; denn der große Cornelli nahm sofort wieder eine fast herausfordernd großartige Haltung an. (Fortsetzung folgt.) * 2 S SEUSESE S EU Denkspruch. Was Preußen erobert, hat Deutschland gewonnen— so hieß er bisher. Was Deutschland aussicht, kommt der ganzen Christenheit zugut— so heißt es jetzt. Prinz Albrecht von Preußen an Bismarck. Das Ende. “ S k i z z e v o n F r i t z G a n t z e r. (Fortsetzung.)(Nachdruck verdoten.) Der Fremde vertrat Tonerl den Weg.„Warum so schnell fort, schönstes Kind? Hast du Angst vor dem Franz?“ Tonerl lachte.„Ich hab' nie Angst, aber ich muß heim zur Mühle.“ „Zur Erlenmühle?" Tonerl nickte. Der Fremde trat dicht vor sie hin, so daß er ihr Kleid berührte, und sagte flüsternd, ihr dabei in die Augen schauend:„Soll ich dich noch einmal küssen?" „Nein, nein!“ rief sie und ging zurück. Und als er seinen Arm nach ihr ausstreckte, um sie zu sich heranzuziehen, eilte sie davon wie ein gehetztes Reh. Aber ehe sie hinter einer Wegebiegung verschwand, drehte sie sich noch einmal um, lachte laut und hell und schabte Rübchen. „Aetsch, ätsch!“ Dann verschwand sie. Und der Fremde murmelte:„Blitzsauberes Mädel! Solch eine Wetterhexe!" Und nach einer Weile, als er schon ein ganzes Stück unter den sprossenden Buchen dahingeschritten war:„So wird's gehen.— Denn die Lippen muß ich noch öfter küssen.“ Er pfiff leise ein lustiges Lied und rückte den Jägerhut noch verwegener in den Nacken. Drinnen, weit im Walde, rief die Spottdrossel, und über ihm in den Buchen sangen die Finken ein Schelmenlied. Und die goldnen Sonnenstrahlen tändelten mit dem sanften Kosen des lauen Wests, der die schlanken Gräser am Rain tüßte. Franz brachte Tonerl keine gute Nachricht. „Ich muß auf ein halbes Jahr zur Aushilfe nach dem Gute des Grasen in Schlesien fort," berichtete er trübselig. „Das ist bös, Franz!“ „Sehr bös, Tonerl. Aber es hilft nichts. Und wenn ich wiederkomme, dann wirst mein liebes Weib, gelt?“ Wann du mich nicht vergißt und keine Beßre trunken aus den Wolkenbetten und sandte den ersten: Gruß zu den Buchenwipfeln. Die sahen ganz glühendrot aus.„„ Da kam's den Weg hinab nach der Muhle zu. Ein eleganter Viererzug. Der junge Graf, den grünen Jägerhut auf dem krausen Haar, lenkte die feurigen Trakehner selbst. Kurz vor der Mühle knallte er keck mit der Peitsche. Der Blick des Franz glitt sehnsuchtsvoll noch einmal abschiednehmend zu dem rebenumsponnenen Giebelfenster. Tonerl schlief wohl noch.— Nein, sie lag längst wach, und als sie das Rasseln des Wagers vernahm, sprang sie auf. Und nun spähte sie hinter dem Vorhang. Um den Franz zu sehen? Den sah sie nicht. Wie starr hing ihr Blick an dem Gesicht des jungen Grafen. Der war's ja, der sie unter den Buchen küßte. Also doch der! Sie hatte es fast geahnt, seitdem Franz von ihm gesprochen. Ganz wirr ward's ihr im Kopf.—.. 9726 144 Kumd Der Wagen war längst vorüber. und noch stano sie immer.—— Der Graf hatte sie geküßt—— und der Franz war fort—— auf ein halbes—— Fröstelnd schlüpfte sie endlich wieder ins Bett. Und ihre Gedanken variierten immerfort dasselbe Thema:„Der Graf hat mich geküßt—— und der Franz—— ist fort—.—“. Und endlich verbarg sie ihr gtuyendes Gesicht in den Kissen..... 4uagf wüint Gi. wblrde a. Nein, nein, nein, tausenomal nein: Sie wurde es nie wieder tun.— Damals war's ja so ganz sonderbar gekommen, ohne daß sie es wollte. Und sie wollte nie wieder.— Nie!—— Denn der Franz, wenn ders... Aber der war ja nun fort. Schon drei Wochen. Und der junge Graf war wieder da. Er kam oft an der Mühle vorübergeritten. Aber Tonerl rannte fort, wenn sie ihn kommen sah. Denn er sollte sie nicht sehen. Aber sie sah ihm heimlich nach, durch die Spalten der angelehnten Haustür und hinter den Gardinen. Daß ihr Herz dabei immerzu pochte! Und daß sie so oft an den Grafen denken mußte— daß sie sogar schon einmal von ihm— geträumt hatte— wie er sie wieder küßte— draußen im Walde unter den Buchen, wo die Sonnenstrahlen tanzten und die Finken ihr Schelmenlied sangen— und die— Spottdrossel rief—— Und vom Franz träumte sie nie. *(Schluß folgt.) 82 ou „Ich mein' nur so. Wirst mir schon „Wenn findst?“ „Tonerl!“ Sie lachte. treu bleiben.“ „Und du mir auch, gelt?“ Sie nickte und sah ins Weite. Rann gehst, Franz?“.. „Gleich morgen mit dem Fruhsten. Unser junger Graf, der lange im Ausland war, kam vor ein paar Tagen zurück. Er verreist auf kürze Zeit. Mit ihm fahr ich bis zur Stadt.“ Franz ging an diesem Abend spät heim. Der Abschied von seinem Tonerl auf ein langes halbes Jahr war ihm nicht leicht geworden. Aber er kam ja wieder, im Herbst, wenn die Blätter fielen, auch auf das rote Dach des Forsthauses im Buchenwalde.— Dann—— Das Frührot kletterte schämig und noch etwas schlafSie tun's aber! In einer Gemeindeschule wird der Besuch des Schulrats erwartet, und die Lehrerin in einer der untersten Klassen arbeitet cifrig mit ihren Kleinen, damit sie ihr Ehre machen sollten. Der große Tag kommt heran, und die betreffende Klasse ist eine der ersten, denen ein Besuch zuteil wird. Das erste Fach, das der Schulrat zu prüfen wünscht, ist Rechnen, und um von vornherein einen guten Eindruck zu machen, richtete die Dame ihre erste Frage an Robert Klein, ihren besten Schüler.„Robert,“ sagte sie,„wenn die Tonne Kohlen 25 Mark kostet, und du bezahlst dem Kohlenhändler 100 Mark, wieviel Tonnen wird er dir briugen?“ „Trei, Fräulein,“ ist die prompte Antwort. Die erstaunte Lehrerin, die gar nicht begreift, daß der