sche 1es 464 delle in slagen che und tz= und nend schinen. brauchte, Sämtliche ind sachdeimung nerplatz. schule. 2571 lten en lagen. igen durch ein + Voos shenin Seuuer uicen elch urcten ber Precher Ue aath. Machauk. Gratacholege:„Iuakurcn Samillenfruns“ u. 4#gl. Unlerbaltungsbiett. Anzeigenpreis: Die Bedengespaltene sun dern Namn 10 Pho., Anzeign vrz ur. ward 15 Plo. Rchlamegells 40 Pfg. G. Radan gill als Kassarnbal u. ertischt bei RosZwangsoergleichen, gerichtl. Klagen u. Antrliches Kreisbialt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblan Verbunden mit: für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung * Schwerker Tageblatt,O Schwerter Anzeiger Gelles und Alleltes Cagesorgan des Kreiles o General-Hnzeiger für den Kreis börde# Sqwerter Golbszeitung Auort-Nunmreihlen uunn dute und ibeehgrüichn durn sungen Br dus Aurts Horte erangen guss Behanntmachong des Abaigliche Regierung burch Veröffenlichung ie der„Schwrria Jetung“ rochtsoerbindiche Asoft.— Dla „Schworter Zetung“ gewödrt iderns Adosaerimn 10: jedes mnt Tod enbenden Usfel g. Sagungen: 300 Mk. Unsall. Druch u Verlage. Cor Brow. Schoorte.= NadFernip 62. Telagr. Adr. Brous Schworte. RudoNr. 168. Mittwoch, den 21. Juli 1915. 47. Jahrgang. Der Der eiserns einig um Warsch Die Rüssen werden überalt geschlagen. Radom besecz. Die Zühl der Gesalgenen erhoht sich i0 Die Italiener von neuem geschlagen. Der Krieg in Tirol. Von einem Freund unseres Blattes geht iuns folgende interessante Schilderung über die Kriegslage an der Tiroler Grenze zu: Ich hatte Gelegenheit, im Standort des Landesverteidigungsober= kommandos einen höheren Offizier zu sprechen, der eben aus dem Grenzgebiet zurückkehrte.„Die sechs Wochen Grenzkämpfe in Tirol“, so erzählte er mir, „haben uns die unerschütterliche Ueberzeugung ges bracht, daß an diesen Abschnitten der Front der Feldzug für die Italiener bereits verloren ist. Nirgends im ganzen Grenzgebiet ist es dem Gegner geglückt, an anderen Stellen Boden zu gewinnen, als an jenen, die wir ihm aus Gründen der besseren Verteidigung selbst überlassen haben. Aber auch hier, wo die Italiener ihre ersten und letzten unblutigen„Siege“ gefeiert haben, sind schon wieder häufig sehr wesentliche Verschiebungen eingetreten, und die Italiener mußten das schon Besessene wieder hergeben und zurückgeben. In Judikarien, im Gebiet von Cortina, im Suggouertal, bei Lafraun usw. haben sie sich wieder zurückziehen müssen; am Tonale, am Stilfferjoch und an anderen Stellen haben sich die Unserigen sogar auf italienisches Gebiet vorgeschoben und der Gegner bleibt fast auf Seh= und Schußweite. Und diesen prachtvollen Grenzschutz haben wir mit einem Kräfteaufwand erreicht, der im Verhältnis zu dem großen italienischen Truppenaufgebot lächerlich gering ist. Ich weiß nicht, ob das schon einmal näher erörtert wurde: Ein Drittel der an den meisten Grenzabschnitten Tirols möglichen Kampfzeit ist heute bereits vorbei. In spätestens drei Monaten, Ende September oder Anfang Oktober, macht der frühe Hochgebirgswinter den Vorstoßversuchen des Gegners überhaupt ein Ende. Noch heute in den ersten Julitagen liegen viele unserer„höchsten“ Unterstände, deren vorgeschobene Schützengrähen auch gleichzeitig fast immer unsere wichtigsten Steilungen decken, im tiefen Schnee, und Temperaturen von zehn und mehr Graden unter Null sind auf den Paßhöhen keine Seltenheit. Unseren touristisch wunderbar geschuilten Leuten macht das freilich gar nichts, umsomehr, als für sie in sanitärer Hinsicht als auch bezüglich Ausrüstung und Verpflegung alles nur irgendwie Mögliche vorgesorgt ist. Aber wie wollen die Italiener, wenn sie schon jetzt nicht vorwärts kommen, im Oktober oder November durchbrechen? Jetzt geht das mit ihren besten Truppen nicht, die an der Grenze verbluten müssen — und im September oder Oktober soll es gehen, wenn der Gegner längst gezwungen sein wird, das militärisch minderwertige Material aus seinen südlichen Provinzen als Ersatz einzustellen? Ich glaube, daß der Hochgebirgswinter noch ein sehr wertvoller Bundesgenosse unseres Grenzschutzes werden wird, auf den die Herren Italiener in ihrer ersten Kriegsbegeistenuung vergessen haben. Unsere bisherigen Verluste? Sie stehen zu denen der Italiener in dem gleichen Mißverhältnis wie das Truppenaufgebot. Während sie bei ihren vergeblichen Durchbruchsversuchen namhafte, bei manchem sogar sehr schwere Verluste erlitten, hatten wir bei den gleichen Anlässen oft nicht einen einzigen Verwundeten. Ein Beispiel von vielen: Ein Bataillon, das im Sextener Abschnitt, also auf einem gewiß sehr heißen Boden steht, hat in den sechs Wochen seit Kriegsbeginn bis heute einen Toten zu beklagen— nebenbei bemerkt, wäre auch Deutscher Tagesbericht. wtb. Großes Hauptquartier, 20. Juli 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Im Anschluß an Minensprengungen bei Schloß Hooge, östlich von Bpern, setzten die Engländer beiderseits der Straße HoogeBpern zum Angriff ein. Der Angriff brach vor unseren Stellungen zusammen. Teilweise kam er in unserem Artilleriefeuer gar nicht zur Durchführung. Den Sprengtrichter haben die Engländer besetzt. Bei Souchez wurde ein Handgranaten=Angriff abgeschlagen. Nach lebhafter Tätigkeit ihrer Artillerie in der Gegend von Alberk versuchten die Franzosen abends einen Vorstoß gegen unsere Stellungen bei Fricourt; sie wurden zurückgeschlagen. Oestlicher In Kurland wurden die Russen bei GroßSchmanden, östlich von Tuckum, bei Gründorf und Usingen zurückgedrängt. Auch östlich von Kurschany weicht der Gegner vor unserem Angriff. Nördlich von Nowogorod(am Narew) bemächtigten sich deutsche Truppen der seindlichen Stellungen nördlich des Zusammenflasses der! Oesterreichischer Tagesbericht. Aoorift Bäche Skroda und Pisa. Neu eingetroffen Landsturmtruppen, die hier zum ersten Male ins Feuer traten, zeichneten sich besonders aus. Nördlich der Skwa=Mündung erreichten wir den Narew. Die auf dem westlichen Flußufer gelegenen ständigen Befestigungen von Ostrolenka wurden besetzt. Südlich der Weichsel sind unsere Truppen bis zur Blonie=Grojec=Stellung vorgedrungen. Bei Nachhut=Kämpfen verloren die Russen hier 560 Gesangene und 2 Maschinengewehre. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die deutschen Landwehr= und Reserve=Truppen des General=Obersten von Woyrsch haben den überlegenen Feind aus der IlzankaStellung vollständig geworfen. Gegenstöße eiligst herangeführter russischer Reserven wurden abgewiesen. Ueber 5000 Gefangene fielen in deutsche Hände. Unsere Truppen sind dem geschlagenen Feino auf den Fersen. Die Kavallerie erreichte bereits die Bahn RadomIwangorod. Zwischen der oberen Weichsel und dem Bug verfolgen wir den zurückweichenden Feind. Oberste Heeresleitung. wtb Wien, 21. Juli. wird verlautbart vom 20. Leten zu beklagen— nebenbei bemerkt, wäre auch der Fall bei einiger Vorsicht zu vermeiden gewesen, der Mann war oben zu tollkühn— und dabei hatte (Nichtamtlich.) Amtlich Juli mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Zwischen der Weichsel und dem Bug sind gestern die verbündeten Armeen in der Verfolgung des weichenden Gegners über das Schlachtfeld der letzten Tage hinausgerückt. Bei den am Erfolg hervorragend beteiligten Truppen des FeldmarschallLeutnant, Arz wuchs die Zahl der eingebrachten Gesangenen auf 50 Ossiziere und 3500 Mann. Auch bei Sokal brachten unsere Truppen über 3000 Gesangene ein. Westlich der Weichsel haben unsere Verbündeten in heldenmütigem Ringen den russischen Widerstand an der Ilzanka gebrochen. Südlich und westlich von Nadom bestanden österreichisch=ungarische Regimenter heftige Kämpfe. Siebenbürgische Insanterie stürmte den Ort Kostrzyn. Radom wurde heute vormittag von unseren Truppen besetzt. In Ostgalizien ist die Lage unverändert. An der Grenze zwischen der Bukowina und Bessarabien wurde eine russische Plastun=Beigade überfallen und zersprengt. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Schlacht im Görzischen dauert fort. Die italienischen Angrisse, die sich nun mit großer Heftigkeit auch gegen den Görzer Brückenkopf richten, hatten am gestrigen Tage und in der Nacht auf den heutigen wieder keine Ergebnisse. Nach starker bis mittags währender Beschießung des Brückenkopfes durch die seindliche Artillerie ging die italienische 11. Insanteriedivision mit betennkenen Truppen zum Angriff gegen den Abschnitt von Der Feind drang stellenweise in unsere Deckungen ein, wurde aber wieder herausgeworsen. Nach neuerlicher Artillerievorbereitung erfolgte um Uhr nachmittags ein zweiter Angriff, der um 8 Uhr abends gleichfalls abgeschlagen war. Um den Rand des Plateaus von Doberdo wird erbittert weiter gekämpft. Gestern nachmittag schlug tapfere ungarische Landwehr einen starken Angriff gegen ihre Stellung bei Sdraussina zurück. Auch drei weitere Massenangrisse der Italiener brachen hier zusammen. Ebenso scheiterten alle gegen den südwestlichen Plateaurand von Polazzo, Redipuglia, Vermegliano geführtstöße, sowie ein Angriff auf den Monte Cosich nördlich von Monfalcone. Der in seine Deckungen zurückflutende Feind erlitt überall schwere Verluste. Die Artilleriekämpfe am mittleren Isonzo, im Krn=Gebiet u. an der kärntnerischen Grenze halten an. Im Raume des Kru wurden zwei heftige Angrisse der Alpinis abgeschlagen. In den bereits erwähnten heftig'n Gefechten in der Kreuzberggegend verloren die Italiener über 200 Mann an Toten und etwa das Doppelte an Verwundeten. Demgegenüber betrugen dort unsere Gesamtverluste 42 Mann. Die Stellung südlich Schluderbach wurde von unseren Truppen wieder zurückgewonnen. Ein neuerlicher Angriff schwächerer italienischer Kräfte auf dem Col di Lana mißlang wie alle früheren. Der Stellvertreter des Cheso des Generalstabes: von Hoeser, Feldmarschall=Leutnant. das erwähnte Bataillon in dieser Zeit kaum vierundzwanzig Stunden Kampfpause. Die geringen Verluste unserer Standschützen, deren über alles Lob großartige Haltung übrigens selbst unsere kühnsten Erwartungen übersteigt, sind ja aus den raschen Veröffentlichungen in der heimischen Presse bekannt. Wenn Sie die zusammenzählen, kommen im Durchschnitt höchstens fünf bis sechs Mann an Verwundeten auf ein Bataillon. Und was sonst an Verwundeten in den Tiroler Spitälern haben, weiß ja auch jeder Mensch. In Innsbruck kaum ein Dutzend aus den Grenzkämpfen im Süden, in den anderen Städten nicht viel mehr. Bei mns gibt es ja in dieser Hinsicht kein VerheimDer Italiener schießt schlecht. Das soll keine Unterschätzung sein, aber bei den riesigen Distanzen, die er einhält— oft läßt er schon auf zweitausend und mehr Schritte ein wahnsinniges Gewehrfeuer los— ist es ja auch gar nicht anders denkbar. An Munitionsverschwentung ist die italienische Artillerie der russischen in ihrer allerbesten Zeit noch weit über. Aber der Erfolg dieser Schießerei ist, wenn man von etlichen Alpenvereinshütten im Grenzgebiet absieht, die bei ihrer freien Lage das schönste Zielobjekt abgaben, mehr als gering. Nicht eine einzige unserer Sperren— von den Forts ganz zu schweigen— hat bisher ernsthaften Schaden gelitten. Uebrigens ind die Italiener ja auch noch gar nicht so weit daß eine wirksame Beschießung unserer Befestigungsanlagen möglich gewesen wäre. Wie unsere Leute da arbeiten, und wie vor allem unsere braven Standschützen schießen, ist ja aus vielen Episoden her bekannt. Achtzig, oft sogar neunzig Prozent Treffer sind Leistungen, die nur bei einem Schützenfest der besten Scheibenschützen und— bei uns an der Südtiroler Grenzwacht möglich sind. Ueber die Haltung der einheimischen Bepölke. rung in den Grenzgebieten kann nicht viel gesug. werden. Zum Großteil wuirden die Leute evakuiert, und das war oft gut so, denn wir haben manche heimliche Vorratskammer mit Lebegs. mittelvorräten in solcher Menge gefunden, daß der Verdacht berechtigt ist, diese Vorräte waren für einbrechende italienische Truppen bestimmt.„Ran hatte sich eben alles anders vorgestellt, als wie es dann gekommen ist. Auch die„Erlösung" durch die Brüder aus dem Königreich hatte man sich offenbar anders gedacht. Flüchtlinge, die aus den von den Italienern besetzten Grenzdörfern zu uns kamen, erzählten uns Einzelheiten über diese„Befreiung", gegen deren Wiedergabe sich das primiie Leseschnch eunr dene un. ele. chen, brutale Mißhandlungen und Grausamkeiten jeder Art sind unten tägliche Arbeit der italienischen Patrouillen. Heute fhichen die Welschtiroler ihren„Befreiern“ und würden die früheren Agitatoren der Irredenta erschlagen, wenn sie sie unter die Hände bekämen. Wie unbedingt kaisertreu der weitaus überwiegende Tei der, veirsgte ghhen Vovöllerung ist, zeigt sch erst jeft, da die Leut selbst den Kampf um ihre Scholle mitmachen. Die reiche Getreidernte in Welschtirol haben wir mit Hilfe unserer brauen Soldaten zum Großteil bereits unter Dach gebracht. Die Weinernte ist wohl vollständig verloren und der busturell Sch den mag sehr groß sein. Auch die Seidenraupenzucht ist auf Jahre hinaus zerstört, dit Weinpflanzungen sind von Peronospora schwer heimgesucht, Millionenwerte sind zugrunde gegangen. Aber dieser Schaden ist doch nur winzig ge * genüber dem ungeheuren Gewinn, den wir schon heute buchen können; dem unbedingten und unerschütterlichen Vertrauen auf die Kraft unserer Waffen und die Stärke der Felsenfestung Tirol.“ —# Die allgemeine Kriegslage. Die Lage der Zentralmächte und der Türkei ausgezeichnet. vu Wien, 20. Juli. Ein Mitarbeiter des„Neuen Wiener Journals“ hatte eine Unterredung mit einem auch in Berlin bekannten Balkandiplomaten, der aus leicht begreiflichen Gründen nicht genannt werden kann. Der Diplomat erklärte u. a. folgendes: Wenn die Dardanellen in diesem Monat nicht fallen, dann fallen sie überhaupt nicht mehr. Gegenwärtig hat die Türkei so viel Munition, daß sie die Angriffe der Verbündeten abweisen kann. Im August wird sie genug Munition haben, um eine Offensive großen Stils einzuleiten. Daß Bulgarien sich noch an dem Kriege gegen die Türkei beteiligt, halte ich für vollkommen ausgeschlossen. Bulgarien ist vielmehr im Begriffe, sich mit der Türkei über die schwebenden Fragen zu einigen. Auch Rumänien und Bulgarien werden sich demnächst freundschaftlich verständigen. Zwischen Bulgarien und dem von Rußland abhängigen Serbien ist jede Vereinigung ausgeschlossen. Ob Bulgarien, Rumänien und Griechenland big zum Ende des Krieges neutral bleiben werden? Das Interesse dieser Staaten gebietet ihnen, daß sie ihre Armeen in Bewegung setzen. Das Datum liegt noch im Schoße der Lage. Die deutschen und österreichischen Heerführer werden jetzt in Polen das Schicksal der Balkanstaaten entscheiden. Nach meiner Ueberzeugung wird der Monat August 1915, der 13. Kriegsmonat, der wichtigste sein; er wird möglicherweise sogar die Entscheidung bringen. Wenn die Russen weiter solche Niederlagen erleiden, wie bisher, so werden sie aus innerpolitischen Gründen bald gezwungen sein, um Frieden zu bitten. Wenn die Schlacht in Polen die Entscheidung nicht bringt, so kann sich der Krieg bis zum Frühjahr 1916 hinziehen. Aber auch dann wäre Frankreich nach meinen Informationen nicht imstande, einen zweiten Winterfeldzug zu bestehen. Sollte Italien in den nächsten Wochen nicht bessere Erfolge erzielen, als bisher, dann macht das italienische Publikum nicht mehr lange mit. Wenn Cadorna nach einem Vierteljahr Krieg nicht andere Erfolge aufzuweisen hat, wird in Italien die Revolution ausbrechen. Die gegenwärtige Lage der Zentralmächte und der Türkei ist jedenfalls ausgezeichnet. Krieg Die heutige russiche Armee. Der bisherige griechische Gesandte in Petersburg, Dragumis, hat sich über den Zusammenbruch der russischen Armee zu einem Redakteur der Athener Akropolis wie folgt geäußert: „Rußland hatte zu Beginn des Krieges eine effektive Armee von viereinhalb Millionen Mann, von denen seither zweieinhalb Millionen außer Gefecht gesetzt wurden. Der Rest der russischen Armee ist demoralisiert. Die russische Armee, die an einem katastrophalen Munitionsmangel leidet, befindet sich seit dem letzten Siege der zwei Kaisermächte in voller Auflösung.“ Die Aeußerungen des Gesandten haben auch in Bukarest den größten Eindruck gemacht. Die Zersetzung des russischen Heeres. bb Die„Köln. Ztg.“ berichtet aus Sofia: Reisende aus dem Innern Rußlands bringen den Eindruck, daß die Zersetzung des russischen Heeres überall rasche Fortschritte macht und wahrscheinlich durch Werber der Sozialisten und Nihilisten im Heere See Die Tochter des Freiherrn. Roman von F. v. Nauenheim. 10 „Möchte wetten, daß der heute keine„geruhsame“ Nacht haben wird, aber, zum Kuckuck, ich werde doch heiraten dürfen, wenn ich es nun einmal will? Hab' ja keinen feierlichen Schwur abgelegt, bis an mein seliges Ende einsam wie ein Mönch zu leben, nur um diesen jungen Windhund einstens zum Herrn und Gebieter hier machen zu können!" Er zog, mit beiden Händen den Generalmarsch auf der Tischplatte trommelnd, die starken Brauen zusammen; sah er vielleicht im Geiste wieder seines Neffen verzweifelte Miene vor sich? „Pah! Unsinn! Er wird und muß sich halt hineinfinden und ich werd, ihn ja nicht fallen lassen, wenigstens so lange nicht, bis er eine ihm und — auch mir zusagende Frau gefunden haben wird, wobei ich ja auch ein Wörtlein mitzureden habe, hm, ein wahres Glück nur, daß der Junge nicht bereits anderwärts— auf irgendeine Art— gebunden ist." Die prachtvolle Penbüile über dem Diwan verkündete die Mitternachtsstunde und beendete dadurch Baron Ferdinands Monolog— Zwölf Uhr! Sie waren also heute bis zur Geisterstunde ausgeblieben; auch nicht übel. Ob nicht heute nacht wirklich Geister durchs Schloß ziehen würden, die Geister der Habsucht, des Neides, der Mißgunst? Der alte Herr rückte ungeduldig seinen Sessel zurück. Welch seltsame Gedanken ihm heute kamen! Aber fort damit! „Fritz!“ Der Kammerdiener erschien sofort auf der Schwelle. „Armer Kerl, bist milde, gelt? Na, gehen schlufen. und selbst in hohen und einflußreichen Stellen gefördert wird. Die Einberufung der letzten Neserven der Reichswehr und der ungedienten Mannschaften erwies sich als theoretische Maßtegel. Die Räumung Nigas. tu Petersburg, 20. Juli.(Indirekt.) Sämtliche Archive Rigas, die Geldbestände der dortigen Staatsbankfilialen und die Akten der Gerichte sind gestern nach Petersburg abgegangen. Mit der Näumung der dortigen Intendanturlager wurde begonnen. Die Staatsbeamten haben die Weizung erhalten, zur Abreise bereit zu sein. Im Verlaufe der jüngsten Woche haben über 10000 Personen der Zivilbevölkerung die Stadt fluchtartig verlassen. Die Nordwestbahnen haben die Ordre, für 19 Flüchtlingszüge täglich Vorsorge zu treffen. Mitau steht wie ausgestorben aus.— General Rußkis Ernennung zum Armeeführer wird nunmehr amtlich bekannt gegeben.„Nußkoje Slowo“ bemerkt zu der Ernennung, Rußki werde Armeen zu führen haben, die Petersburg beschützen werden. Auch Bessarabien wird geräumt. tu Bukarest, 21. Juli. Aus Bessarabien liegen Nachrichten vor, daß die dortigen Gutsbesitzer von den Behörden die Weisung erhielten, für die schleunige Einbringung der Ernte zu sorgen und das Getreide dann ins Innere Rußlands schaffen zu lassen. Warschaus Vorbereitung auf den Belagerungszustand. tu Krakau, 21. Juli.„Nowa Reforma“ meldet cuus Warschau: In letzter Zeit häufen sich die Ueberfälle auf Deutsche und Personen deutscher Abstammung. Massenverhaftungen sind an der Tagesordnung. Telephon und Telegraph sind längst für den Privatverkehr gesperrt, der Eisenbahnverkehr ist unterbunden. Gegenwärtig weilt in Warschau nicht ein einziger fremder Untertan, selbst die englischen und franzosischen Berichterstatter haben die Stadt verlassen müssen. Die Späherei ist ungeheuer, die Stimmung im allgemeinen gedrückt. Alles bereitet sich auf die bevorstehende Belagerung vor. Viele Familien sind nach dem Innern Rußlands übergesiedelt; 30.000 Familien sind abgereist. Die Besetzung Windaus. bb Genf, 21. Juli. Der„Mondial“ sagt zur Besetzung Windaus, sie gebe den Deutschen die Beherrschung des Golfes von Riga. Die Möglichkeit einer starken russischen Offensive bezweifelt das Blatt, denn einen derartigen Plan könne der Großfürst nicht ausführen, besonders wenn es wahr sei, daß die am stärksten befestigte Linie an der Vzura uund Rawka aufgegeben werde, die sieben Monate den heftigsten Angriffen Widerstand geleistet habe. Die Hauptschlag würde in Polen erfolgen, woselbst Mackensen die Verbindungsbahn der Festungsfront bedrohe. Das letzte Mittel in Rußland. Haag, 20. Juli. Reuter meldet aus Petersburg: Der Bürgermeister von Moskau und zwei Mitglie' der des Gemeinderates sind zur Front abgereist, um dem Großfürsten Nikolajewitsch ein Bild des Erzengels Michael anzubieten. Die„Times“ über die Lage im Osten. tu Rotterdam, 20. Juli. Die„Times“ schreiben über die Ereignisse auf dem östlichen Kriegsschauplatz: Mackensen hat endlich gegen die Russen den großen Schlag geführt, auf den er sich schon lange vorbereitet hatte. Die Aktion Mackensens ist wahrscheinlich der Beginn dieser großen Schlacht. Das angreifende österreichisch=ungarische Heer, verstärkt durch drei deutsche Armeekorps, steht aber Tmuppen gegenüber, die als Kern des russischen Heeres betrachtet werden. Außerdem hat der Großfürst die Verteidigung dieser wichtigen Stelle einem neuen General übertragen, auf den man große HoffnunZwanzig Minuten später verlosch das Licht im Schlufgemache des Schloßherrn. 6. Kapitel. Auch in einem andern Gemache war das strahlende Licht erloschen, doch derjenige, der den eleganten Raum bewohnte, schlief nicht, er stand am offenen Fenster und starrte finstern Blickes, das jugendschöne, sonst so sorglos lächelnde Antlitz von Schmerz, Angst und Zorn entstellt hinaus in die sternenfunkelnde Sommernacht. Die mächtigen Bäume unten im Parke standen wie dräuende schwarze Riesen, ringsum herrschte Stille, nur von fernher klang das leise Murmeln einer Fontäne an das Ohr des Einsamen. „Verrechnet, betrogen in meinen Hoffnungen auf ein glänzendes Gise" slüsterte Hubert von Thurau mit zuckendem Munde und seine geballte Hand fiel hart und schwer auf die Feusterbrüstung.„Was soll nun mit mir werden, nun, da der Traum künftiger Herrlichkeit zerronnen ist? Eine reiche Partie?“ Er lachte grell und schneidend auf.„Meine Gnädigste, ich bin nichts und habe nichts, außer den paar Kronen, die mir mein immens reicher Onkel jährlich aus Guade und Barm= herzigkeit hinwirft. Und da besagter würdiger Herr auf die geniale Idee verfallen ist, sich auf seine alten Tage Hymens Fesseln anlegen zu lassen, so ist auch meine Aussicht, einst sein Erbe zu werden, dahin. Wenn Gnädigste mit meinem alten freiherrlichen Namen und meiner Apanage vorlieb nehmen würde, dann bitte!“ Wieder lachte er kurz und scharf auf, als er im Geist diesen Antrag an eine imaginäre Dame stellte. Müßte dieser Antrag nicht in Wahrheit lauten? Während er noch immer in die Nacht hinausstarrte, hatte er auf einmal eine seltsame Vision: er sah sich in einem kleinen Gemach eines Häusgen setzt uund der auf den Mitarbeiter den Eindruck machte, ein Soldat von hervorragender Tüchtigkeit zu sein. Das Zerstörungswerk der Russen. Frankfurt a. M., 20. Juli. Alle in dem Okkupationsgebiete Polens erscheinenden polnischen Blätter bringen nach einer Wiener Meldung der „Frankf. Ztg.“ Nachrichten über die Vorkehrungen der Russen in den östlich der Weichsel gelegenen Couvernements. Die russischen Truppen stecken auf ihrem Rückzuge die polnischen Dörfer und Städte in Brand, vernichten das auf den Feldern stehende Getreide und verschleppen nicht nur Männer, sondern auch Frauen. Der Gouverneur von Lublin erließ an die Bevölkerung folgenden Aufruf:„Auf Grund einer Verfügung des Armeeober= befehlshabers bringe ich zur allgemeinen Kenntnis der Einwohner des Lubliner Couvernements, daß in Zukunft im Falle des Rückzuges unserer Truppen die männliche Bevölkerung sich unbedingt den ztrückgehenden Heeren anschließen muß, damit sie nicht die Reihen der feindlichen Armee ausfüllt". Schlechte Stimmung in Frankreich über einen kommenden Winterfeldzug. b5 Berlin, 20. Juli. Nach einer Meldung der „Deutschen Tagesztg.“ aus Haag hat die von mehreren offiziösen Zeitungen, darunter dem„Temps“ in Aussicht gestellte Wahrscheinlichkeit, daß ein neuer Winterfeldzug notwendig sein wird, in Trankreich den denkbar schlechtesten Eindruck gemacht, zumal alle Zeitungen ausnahmslos die allgemeine Kriegslage als überaus günstig darstellten, sogar die in Russisch=Polen, wo seit einer Woche mur von einem großen russischen Sieg bei Lublin die Rede ist. Die Abgeordneten erhalten aus ihren Wahlkreisen zahlreiche Zuschriften, denen gefragt wird, ob die Ankündigung der Regierungsblätter auf Wahrheit beruht. Wie verlautet, wird die Regierung in der Kammer befragt werden. Der Sieg im Argonner Walde. tii Rotterdam, 20. Juli. Der„Nieuwe Notterdamsche Courant“ erblickt in dem Siege der Kronprinzenarmee im Argonner Walde einen mehr als bloß lokalen Erfolg. Das Blatt sagt u. a.: Dadurch, daß es den Deutschen glückte, sich in den Besitz der Höhe 285 zu setzen, ist ein strategischer Punkt allerersten Ranges ihnen zugefallen. Die Höhe liegt nicht nur tief im Argonner Wald, sie bildet auch fast den höchsten Punkt des ganzen Bergwaldes und beherrscht den Weg von Varennes nach Tour de Paris. Schwere Verluste der Franzosen in den Argonnenkämpfen. bb Kopenhagen, 20. Juli.„National Tidenden berichtet aus Paris, daß man dort von sehr großen Verlusten der Franzosen in den letzten Argonnenkämpfen spreche. Die französischen Stellungen seien nur durch die starke französische Artillerie gerettet worden. Es sei gut, daß das italienische Volk endlich dieser Wahrheit ins Auge sehe.— Der langen Rede kurzer Sinn ist, wenn die„Tribung“ recht hat, daß Italien die Verbündeten auch auf anderen Kriegsschauplätzen und gegen Deutschland und die Türkei unterstützen will.—(Die Italiener können getrost kommen!) Attentate auf italienische Militärzüge. Rom, 20. Juli. Die„Idea nationale“ meldet: In der Nacht des 12. Juli sei auf der Linie von Villaco(Villach) ein Militärzug der Explosion einer an den Schienen niedergelegten Dynamitbombe zum Opfer gefallen; eine Anzahl Wagen sei zerstört und die Schienen aufgerissen worden; unter den Opfern befänden sich auch einige Offiziere. Es sei dies der zweite Anschlag innerhalb turzer Zeit. (Die Nachricht sagt nicht genem, um welche Linie es sich handelt; wahrscheinlich um die Bahn, die von Villach nach Tarvis am linken Flügel der italienischen Isonzostellung führt und sich in Tarvis in die Strecken nach Malborgett westlich und nach Laibach östlich teilt. Die Attentate auf die italienischen Aufmarschwege beweisen, daß die Italisner sich nicht in„erlöstem“, sondern in Feindeskand befinden. D. Red.) —— Der Ktieg e8 Eten Die Friedensbewegung in England. Aus Amsterdam wird dem„Vorwärts"“ berichtei:„Labour Leader" teilt mit, daß demnächst im ganzen Lande eine Bewegung für einen baldigen gerechten Frieden beginnt. Der Nationalrat der Anabhängigen Arbeiterpartei, der gegen Monatsende zusammentritt, wird die Initiative dazu ergreifen. Die Yorkshirer Bezirkskonferenz nahm eine Resolution an, welche die ausländischen Friedenserklärungen begrüßt und die britische Regierung auffordert, ihre Bedingungen für Friedensverhandlungen bekanntzugeben. Hundert Friedensanhänger nahmen unlängst das Programm der jüngsten Haager Konferenz an und wählten ein Agitationskomitee. Der englische Bergarbeiterstreik. Am Montag ist, wie aus London gemeldet wird, für Südwales die Ankündigung des Belagerungszustandes geplant. Gendarmerie und andere Truppen in einer Stärke von 4000 Mann aus den verschiedensten Garnisonen sind nach Südwales abgefahren. Die Regierung beabsichtigt eine Proklamation, daß, sofern am Mittwoch dieser Woche die Arbeit nicht wieder allgemein ausgenommen wird, die Bestimmungen des Munitionsgesetzes sofort in Kraft treten würden. Der Krieg gegen Italien. Italien gegen Deutschland und die Türkei? tu Lugano, 21. Juli. Die„Tribuna“ hebt als Ergebnis der Besprechungen zwischen Cadorna, Porre, Salandra und Barzilai hervor, daß über die künftige Kriegsaktion Italiens nunmehr völlige Klarheit erzielt worden sei. Die vier Verbündeten werden demzufolge, wie es die Lage erheischt, ihre Operationen in absolut strenger, enger und unauslöslicher Uebereinstimmung und Fühlung gegen den einzigen und gemeinsamen Feind führen mit Ausschluß jeder gefährlichen Differenzierung. Die Balkanstaaten. Die Lage auf dem Balkan. bb Chiasso, 20. Juli. Der römische Berichterstatter des„Corriere della Sera“ berichtet laut „Frankf. Ztg.“: In Albanien herrsche Unzufriedenheit gegen die Montenegriner wegen der Besetzung Slutaris. Der Besuch des Fürsten HohenloheLangenburg sei der Höhepunkt der deutschen Beeinflussungsversuche“ in Rumänien. Wenn Bulgarien und Rumänien schon in der allernächsten Zeit ein Abkommen treffen würden, so werde es wahrscheinlich auf Erhaltung der Neutralität hinauslaufen. Venizelos habe seine Ansichten geändert und sei nicht mehr gegen die frühzeitige Eröffnung der Kammer. Unter den kriegspolitischen Verhältnissen werde er kaum mehr Gebietsabtretungen an Bulgarien befürworten. Die Arbeit der deutschen Agenten in Athen stoße wegen der griechischen Abneigung gegen Italien auf guten Boden. Shnueunre menemerrasereenmrerenwoneme chens auf dem Lande, fern von Wien, und in die= sund, leichtlebig und optimistisch, wie er war, sich sem Gemach stand ein Sarg, der die mit den er= weiterer schwerer Gedanken erwehrend, fast sofort sten Frühlingsblumen geschmückte Leiche eines in tiefen Schlummer. 227,16 jungen Weibes barg, während im Nebenzimmer] Als er am nächsten Morgen erwachte, lagschon ein zartes Kindlein in seiner Wiege schlummerte, die Sonne in leuchtender Schöne über Park, Wald und so klar und deutlich trat dieses Bild vor seine und Flur und sandte auch goldige Lichter in das Seele, daß er, einen dumpfen Schrei ausstoßend, Gemach, das, mit gediegener Eleganz ausgestattet, zurückprallte und mit merklich zitternder Hand in jedem einzelnen Stück den Reichtum und die wiederholt über die heiße Stirn und die brennen=Prachtliebe des Schloßherrn verriet. Ja, Baron den Angen strich, wobei seine Lippen unverständ= Ferdinand von Thurau verstand es, sich das Leliche Worte murmelten. Doch dann faßte er sich ben angenehm zu machen, wie er es verstanden und ließ die zur Fanst geballte Rechte abermals hatte, sein ursprünglich nicht sehr bedeutendes Verhart und schwer auf das Feusterbrett niederfallen. mögen durch außerordentlich geschickte, überdies Torheit, seine Nerven waren irritiert, sein Geist, noch von besonderem Glück begünstigte Spekulamomentan aufgeschreckt durch Onkel Mitteilung, sah alles gran in grau, el Ferdinands tionen auf vielleicht das Vierfache zu vermehren. alles grau in grau, sah, Gespen Eine kleine Weile lag Hubert noch mit offenen ster, die,— gerade jetzt— gebaunt werden muß=ungen still da und ließ die Blicke rund durch den ten. Hinweg mit der Erinnerung an eine schon sonnenerhellten Raum schweifen, als diese, plötzversunkene, wenn auch von ihm noch nicht ganz lich finster werdend, auf einem an der Längswand vergessene Vergangenheit. Jetzt hieß es, sich mit hängenden Bild haften blieben, dem Bild seines der Zukunft beschäftigen, zu einem Entschluß zu 1 früh verstorbenen Vaters. O, wenn der wüßte, wie kommen, wenn diese nach Möglichkeit günstig ge heutem seinen Einzigen bestellt war! Und seine stattet werden könnte! 8 83149 9[Mutter, die er gleichfalls früh perloren hatte! Mit O. er war ja noch so zung, das Rlut mulfiort einem Ruck richtete er sich im Hette auf und ein heiß in den Freuden schwellte seine Brust und siegessicher blitzten seine Augen: er fühlte sich stark genug, sein halb havariertes Lebensschifflein in einen sicheren Hafen zu lenken, würde sich nicht so leicht„unterkriegen" lassen. Der Wind wurde stärker, in den mächtigen Baumkronen begann es geheimnisvoll zu rauschen und mechanisch lauschte Hubert von Thurau den immer mehr anschwellenden aus dem grünen Wipfelmeer zu ihm aufsteigenden Akkorden, als jedoch seine frühere düstere Stimmung ihn aufs neue zu überkommen drohte, schüttelte er energisch den Kopf, schloß beinahe ungestüm das Feuster und begann, ohne Licht zu machen, sich auszukleiden; dann suchte er sein Lager auf und sank, jung, gear ia noch so jung, das Blut pulsierte Eisten Ruck richtete er sich im Bette auf und eit Adern, Sehnsucht nach des bittexes Lachen kam von seinen Lippen; sein gestriAdern, Sehnsucht nach des Lebens ger Optimismus war verflogen und an seine Stelle trat neuerliche Entmutigung. Vor jenem Schritt, den ihm gestern der Onkel angeraten, erfaßte ihn geradezu ein Gefühl des Ekels: eine solche Heirat war nichts mehr als ein Geschäft, wobei der eine Teil der Abschließenden im Nachteil sein mußte. Und doch— blieb ihm, dem nahezu Mittellosen, von der Gunst und Willfährigkeit eines andern Abhängigen, ihm, der nie gelernt hatte, auf eigenen Füßen zu stehen, ein anderer Ausweg übrig? Einzig eine reiche Heirat konnte ihm helfen. Aber noch ein zweiter, sehr zwingender Grund lag vor, eine solche Ehe einzugehen, und bei dem Gedanken daran nickte er, während ein seltsames Lächeln über seine Züge glitt, ein paarmal lebhaft mit dem Kopfe. — Oho, wenn der gestrenge Herr Onkel wüßte.— Rumänler wein die Kriegsheter zurück. Bukarest, 20. Juli. Angesichts der neuen heftigen Agitation der Kriegshetzer erklärt das offiziöse Regierungsorgan, der„Vitorul“, die Regierung lasse sich heute noch weniger als vor zwei Monaten die Politik von bezahlten Agenten und deren Anhang im Lande bestimmen. Rumäniens Haltung. bb Kopenhagen, 21. Juli. Der„Rußkoje Slowo“ veröffentlicht einen sehr pessimistisch gehaltenen Artikel über die Verhandlungen zwischen Rumänien und dem Vierverband. Er erklärt u. a.: Wenn auch eine gnundsätzliche Verständigung zwischen Rumänien und dem Vierverband betreffs der Entschädigungen in der Bukowina erzielt wird, so ist doch immer die wichtige Frage der Abgrenzung des Banats unentschieden. Die Verhandlungen mit Rumänien stoßen auf so viele Schwierigkeiten und schreiten so langsam fort, daß ein besonders gut unterrichteter Diplomat auf die Frage, ob er glaube, daß das Abkommen zwischen Rumänien und dem Vierverband zustande kommen werde, antwortete: Ich persönlich glaube erst dann an dieses Abkommen, wenn es unterschrieben ist. Rumänien und die Türkei. Der Budapester Vertreter der„Frankf. Itg.“ meldet: Einer Bukarester Meldung zufolge berichtet die„Dimineata“ aus Konstantinopel, daß dem' nächst in Bukarest eine türkische Kommission eintrifft, um die zwischen der Türkei und Rumänien schwebenden Fragen zu regeln. Bulgarien und die Türkei. Wenn auch die türkisch=bulgarischen Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind, so liegt doch kein Anlaß zu Besorgnis vor, daß die Freude im Vierverhandslager über ein Scheitern der Verhandlungen begründet sein könnte. Die Türkei will die Lösung der Grenzfrage mit der Lösung einiger wichtiger Fragen aus älterer Zeit verbinden. Bulgarien ist nicht abgeneigt, darauf einzugehen. Ueber den Umfang des bulgarischen Entgegenkommens hat aber noch nichts Endgültiges verlautet.— Die Arbeit des Vierverbandes zum Ausgleich zwischen Bulgarien und Serbien ist gänzlich vergeblich und wird vergeblich bleiben. Tritt Serbien Macedonien nicht ab, und das will es nicht, so bleibt Bulgarien auf der anderen Seite, mag es kommen wie es will. Das Verhältnis zwischen Italien und Griechenland. Die Nachrichten, die die italienische Presse vom Balkan wiedergibt, lauten durchaus pessimistisch. Der„Corriere della Sera“ gibt nicht nur zu, daß auch die Rückkehr Venizelos zur Regierung die Lage in Athen nicht ändert, sondern er veröffentlicht sogar einen Athener Brief des bekannten Schriftstellers Cicinini mit maßlosen Beschimpfungen des griechischen Ministerpräsidenten Gunaris und des griechischen Größenwahns. Man gewinnt immer mehr den Eindruck, daß die Brücke zwischen Rom und Athen fast abgebrochen ist. Auf der anderen Seite bringt die„Tribuna“ eine Unterredung des bekannten italienischen Schriftstellers Foa mit einem dreiverbandsfreundlichen rumänischen Diplomaten, der rundweg erklärte, nach Niederlagen Rußlands in Galizien sei der Krieg kaum denkbar. bemerkbar, die Kriegsmaterial für England, Frank. reich und Rußland besördern. Die Bewegung beginnt in den beteiligten Kreisen große Beunruhigung hervorzurufen. Auf nicht weniger als zehn mit Kriegsmaterial befrachteten Schiffen wurden bei der Abfahrt Bomben und Explosivstoffe gesunden. Auch die Fabriken, die Kriegsmaterial herstellen, schweben vor Angriffen in großer Besorgnis. Privat=Polizisten bewachen die Eingänge, um die Annäherung verdächtiger Personen zu verhindern. Amerikanische Bischöse an den Papst. Köln, 20. Juli. Die„Köln. Ztg.“ meldet von der holländischen Grenze: Nach dem„Siecle", das bekanntlich in Havre als Sprachrohr der dortigen belgischen Regierung erscheint, sollen die deutschgesinnten Bischöfe von Cincinnati und Milwaukee an den Papst eine Bitte um dessen Vermittelung gerichtet haben, um den Ausbruch eines Krieges zwischen Deutschland und Amerika abzuwenden. Der Papst habe ihnen geantwortet, er habe Vertrauen auf die weise Verwaltung des Präsidenten Wilson, dessen friedliebende Gefühle allgemein bekannt seien. gen ist. Dieses wird das weiterhin Erforderliche veranlassen. **(Zu den hohen Gemüsepreisen) schreibt der „Berliner Lokalanzeiger“: Es ist Tatsache, daß große Gemüsezüchter in der Nähe von Berlin vor mehreren Wochen tausende von Zentnern verkaufsreifen Spinat untergepflügt haben, weil sie auf dem Berliner Markt eine ihnen annehmbar erscheinende Absatzgelegenheit nicht fanden. Genau dasselbe hat sich zu derselben Zeit mit Weißkohl abgespielt. Von weiten Kreisen wird die Meinung geteilt, daß es unabweisbare Pflicht der Behörden ist, sofort Vorkehrungen dagegen zu treffen, daß die jederzeitige Aufnahme der auf dem Markt nicht unterzubringenden Bestände wertvoller Nahrungsmittel gesichert und ihre Vernichtung ein für alle Mal ausgeschlossen wird. (Friedhofschänder.) In der letzten Zeit hat sich lichtscheues Gesindel nicht gescheut, die Ruhe der Toten zu stören. So wurden in den letzten Tagen auf dem kath. Kirchhofe 6 Grabdenkmäler zum Teil ganz zertrümmert. Blumen wurden ausgerissen und zertreten und allerlei Unfug verübt. Volksernährung, herausgegeben von der ZentralEinkaufsgesellschaft in Berlin, Behrenstraße 21). Der Verfasser schließt seine Ausführungen mit folgenden beachtenswerten Sätzen:„Im Sommer besteht durchaus keine Gefahr irgendeiner Lebensmittelknappheit. Aber wir müssen schon jetzt zurzeit der höchsten Produktion eiweißreicher Nahrung daran denken, uns eine Reserve für den Winter anzulegen.... Soweit auch in den Einzelheiten inbezug auf derartige Lieferungsverträge die Meinungen auseinandergehen, darüber sind sich die Vertreter der Städte sowohl wie der Landwirtschaft alle einig, daß es sich um eine volkswirtschaftlich höchst bedeutsome Aufgabe handelt. Denn nicht nur die Landwirtschaft hat ein Interesse an möglichst stabilen Preisen, sondern ebenso stark auch der Konsument.“ — Vermischtes. Aus Stadt und Umgebung ** Schwerte, 21. Juli. (Entweichen von Kriegsgefangenen.) In der Die Haltung Amerikas. Wilsons Antwort. wtb Amsterdam, 21. Juli. Nach einem HavasTelegramm meldet der Washingtoner Korrespon' dent der„Associated Preß“, daß die Antwortnote Wilsons an Deutschland am Sonnabend nach Verlin abgehen wird. Eine amerikanische Note an England. London, 20. Juli. Das Reutersche Büro verbreitet folgende Meldung der„Times“ aus Neuyork: Die. Vereinigten Staaten haben eine Note an Großbritannien gesandt, in der sie darauf bestehen, daß die Rechte der amerikanischen Bürger gemäß dem Völkerrecht anerkannt werden müssen und durch britische Kabinettsordres und ähnliche Verfügungen nicht angetastet werden dürfen. Die Vereinigten Staaten weigern sich, die Urteile der Prisengerichte, soweit sie mit dem Völkerrecht in Widerspruch stehen, anzuerkennen. Anschläge gegen amerikanische Schisfe mit Kriegsmaterial. Nach einem Notterdamer Telegramm der„Nat.= Ztg.“ macht sich die wachsende Erregung gegen die Ausfuhr von Kriegslieferungen in den Vereinigten Staaten in fortgesetzten Angrissen auf die Schiffe letzten Zeit haben die Entweichungen von Kriege und Zivilgefangenen feindlicher Länder sehr zugenommen. Heuptsächlich ist dies auf die erhöhte Zahl der Arbeitsstellen, die die Ueberwachung außerordentlich erschwert, dann aber auch darauf zurückzuführen, daß zur Zeit die Getreideselder besonders geeignete Schlupfwinkel bieten, die ein Auffinden der Entwichenen vielfach verhindern. Es ist natürlich von großer Wichtigkeit, aller entwichenen Gefangenen wieder habhaft zu werden. Jedermann muß es deshalb als seine vaterländische Pflicht ansehen, jede Wahrnehmung, die zur Ergreifung eines Gefangenen führen kann, umgehend der nächsten Polizeibehörde mitzuteilen. **(Die großen Ferien) beginnen am Dienstag. den 3. August; das Wintersemester nimmt am Donnerstag, den 9. September, seinen Anfang. Die Weihnachtsferien beginnen am 23. Dezember, der Unterricht fängt wieder an am 11. Januar und der Schulschluß des Jahres ist am 7. April. **(Zum Briefverkehr mit Kriegsgefangenen.) Einen beachtlichen Wink über den brieflichen Verkehr mit den Kriegsgefangenen in Frankreich gibt ein deutscher Kriegsgefangener, der an seine Angehörigen schreibt:„Postkarten oder Briefe, die irgendwelche Abzeichen tragen, wie Flaggen in den Reichsfarben, schwarz=weißen Rand usw., wollt Ihr nicht schicken, da solche hier nicht ausgehändigt werden, und es wäre gut, wenn dieses einmal durch die Zeitungen bekanntgegeben würde, um manchen Mißhelligkeiten für die Empfänger im voraus vorzubeugen.“ Es ist anzunehmen, daß cuch anderwärts die empfindlichen Franzosen Briefe oder Postkarten aus Deutschland an Kriegsgefangene in Frankreich, die mit irgendwelchen deutsch=nationalen Abzeichen versehen sind, in der Bestellung mindestens widerwillig oder nachlässig behandeln, sodaß solche Sendungen mit Verzögerungen oder vielleicht gar nicht in die Hände der Adressaten gelangen. **(Gegen die Preistreibereien im Lebensmittelhandel.) Eine Anzahl von Städten des Industriebezirks ist in Verhandlungen eingetreten, um ein gemeinsames Vorgehen zuur Festsetzung von Höchstpreisen für die wichtigsten Lebensmittel herbeizuführen und so den fortgesetzten Preissteigerungen entgegenzuwirken. **(Eisernes Kreuz.) Dem im Westen kämpfenden Jäger Jos. Kathol von hier ist das Eiserne Krauz verliehen worden. **(Achtung! Nicht explovierte Geschosse!) Nach Mitteilung des Kriegsministeriums sind den Artilleriedepots und Zollämtern, Landratsämtern usw. teils mit der Post, teils mit der Eisenbahn aus dem Felde stammende Blindgänger und sonstige scharfe Artilleriegeschosse in beschädigtem Zustande übersandt worden, die anscheinend an irgend einer Stelle von den betreffenden Behörden pp. angehalten oder sonst gefunden worden sind. Jedes Bewegen und Aufnehmen scharfer Artilleriemunition und von Blindgängern oder ihre sonstige Behandlung durch Nichtsachverständige ist äußerst gefährlich. Wo solche Geschosse angetroffen werden, sind sie an Ort und Stelle zu belassen, während das nächte Artilleriedepot schleunigst zu verktändi. * Becum, 20. Juli.(Ein schweres Unglück ereignete sich gestern nachmittag in der Köttingschen Dampf= und Wassermühle. Der vor etwa 14 Tagen aus der Fremde zurückgekehrte etwa 24jährige Sohn des Besitzers, der Müller Georg Kötting, geriet in das Mühlengetriebe. Dem Unglücklichen wurden beide Beine abgerissen, außerdem erlitt er noch sonstige Verletzungen. Kurz nachher erlöste ihn der Tod von seinen Qualen. Milch und Käse statt Fleisch Spart für den Winter. Die Maßnahmen der Regierung in Sachen der Volksernährung können nicht alle Einzelfragen in befriedigender Weise lösen. Die Fleischversorgung beispielsweise wird im nächsten Winter in unserer Nahrungswirtschaft einen wunden Punkt bilden, denn infolge der umfangreichen Verminderung der Schweinbestände und der erschwerten Beschaffung von ausreichenden Futtermengen für das Jungvieh werden, wie zu befürchten, die ohnehin sehr hohen Fleischpreise noch weiterhin in die Höhe gehen. Damit werden aber die minderbemittelten Volksklassen zum Verzicht auf den regelmäßigen Fleischgenuß genötigt werden, mit anderen Worten: sie werden eine Einbuße der Eiweißaufnahme erleiden. Der Gedanke liegt daher nahe, nach einem Ersatz für den Ausfall von Fleischeiweiß zu suchen. Erbsen, Bohnen, Linsen, die auch verhältnismäßig viel Eiweiß enthalten, werden in zu geringen Mengen im Inland produziert, um einer allgemein gesteigerten Nachfrage zu genügen. Außer im Fleisch erzeugen wir noch in Form von Milch ein eiweißreiches Nahrungsmittel in größeren Mengen. Und während die Bewegung zur Aufklärung der Bevölkenung über die Gleichwertigkeit von Milch und Fleisch früher ziemlich wirkungslos geblieben ist, darf bei dem Ernst der Zeit erwartet werden, daß diesmal der Ruf nach Fleisch und Fleischgenuß die Stimme der Vernunft, der besseren Einsicht nicht übertäuben wird. Die Milcherzeugung in den Wintermonaten ist freilich zu gering, um einer sehr stark gesteigerten Nachfrage zu genügen. Da wir aber in den Sommermonaten Mai bis Oktober 70 bis 90 Prozent mehr Milch als im Winter produzieren, so besteht die Möglichkeit, aus dem Ueberschuß des Sommers eine Rücklage für die Zeit der Milchknappheit zu machen. Daß diese Anlage einer solchen Reserve für den Winter sehr wünschenswert, ja notwendig erscheint, ist bei der zu erwartenden Fleischknappheit ohne weiteres klar. Für die Konservierung der Milchnährstoffe in größerem Maßstabe empfiehlt sich vor allem die Herstellung von Dauerkäse: Wünschenswert ist außerdem, daß die größeren Verbraucher schon jetzt Abschlüsse auf Käselieferungen für den Winter machen, um so die Produktion zu beleben und einer ungesunden Preissteigerung in den Wintermonaten vormbeugen. Es wäre zweckmäßig, wenn die Großabnehmer wegen Abschließung solcher Lieferungsverträge mit den Meiereigenossenschaften sich in Verbindung setzten. Die Vermittelung könnte durch den Reichsverband Deutscher Landwirtschaftlicher Genossenschaften(Berlin, Bernburgerstr. 21) erfolgen. Die hierhergehörigen Fragen werden eingehend behandelt in einer von Wamser verfaßten kleinen Schrift, betitelt:„Die Eiweißversorgung des Deutschen Reiches“(Heft 2 der Flugschriften zur Unter der Naske de: Rot. I gelßeg Weise manche Leute di: screge, Herichten Krieges zu tragen wissen, darüber berichten die„Danziger Neutst. Nacht.“ ein lehrhafter Beispiel aus eigener Erfahrung. Daß schreiht u. a.: Auch beim Gergegif, sichtgrotwendig und denn das wird jeder Einsichtige zugeben: nan hat es mit„Verschmtgepzirttigen zeur zuch mit„unverschämten“. er# Herschäu tun. Leider kommen ge:= die ten, denen man recht viel Hilfe gönnt, im ungünstigsten weg. Nun kommen im Verlauf dieser schweren Tage leider auch Dinge volw ie den Verschämten mit Leid, den freudigen Geber mit Empörung, jeden ehrlichen Deutschen aber mit Voschenggerfüllen müssen. Einen solchen Fali gu zien wir heute an den Pranger stellen. unserer Redaktion erschien die Besitzerin eines Hauses aus der inneren Stadt und brachte uns einen halben Korb voll Brotreste. waren etwa zwölf ziemlich große„Birgträitet (Kanten), die die Frau aus den in ihrem Hause herausgelesen hatte. Si versicherte glaubwürdig, daß sie eine solche Auslese schon zehnmal vorgenommen habe, und immer, mit demselben Erfolg. Eine Sünde und eine Schande ist es. Und was die Hauptsache ist: diese etwa 2—3 Pfund Brot stammen. womöglich von Mieterinnen, die Monate lang die Miete schulden. Mieterinnen, deren Männer nicht einmal im Felde stehen, sondern in hiesigen militärischen Betrieben bei auskömm ich Verdienst arbeiten, allerdings als Mitl.#gg#e fündigung an der Gottesgabe Brot sch. hin, eine Versündigung am Vaterlande, eine Versündigung an denen, die wirklich darben mnögen, und mit denen sich diese„armen“ Mieterinnen gleichstellen, wenn es gilt, den Hauswirt zu prellen. Daß die betreffende Wirtin eine solche böswillige Mietsschuldneein übrigens eines schönen Tages mit ihrem Sprößling bei Kaffee und Schlagsahne in einem Automaten traf, erhöht das Bittere der schmerzlichen Faltstellung noch. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraao Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte Wir empfehlen zu den billigsten Preisen: Betten HerrenKleidung Alzuge Hosen etc. DORTHUND Balkenstrasse 36-38, Nikolalstrasse 5 Anzüge. Schuhe Hüte Wäsche. 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Es wurden verlangt für: Kirschen 30—40 Pfg., Stachelbeeren 30—40 Pfg., Johannisbeeren Pfd. 35 Pfg., Birnen Psd. 20—40 Pfg., Aepfel Pfd. 40 Pfg., Pflaumen Pfd. 50 Pfg., Pfirsiche Pfd. 80 Pfg., Waldbeeren Pfd. 40—50 Pfg., grüne Gurlen 15—25 Pfg., weiße Gurken 20—30 Pfg., Wurzeln Bd. 5—20 Pfg., Erbsen Pfd. 20—30 Pfg., Nhabarber 2 Pack 25 Pfg., Rote Beten Pack 10 Pfg., Wirsing Kopf 15—25 Pfg, Spitzkappus 25 Pfg., Notkohl 35—40 Pfg., Kohlvabi 3 Stück 20 Pfg., Zwiebeln Psd. 40 Pfg., Bbumenkohl Stück 50 Pfg., große Bohnen Pfd. 10 Pfg., grüne Böhnchen Psd. 20—30 Pfg. neue Kartoffeln 10 Pfd. 1,10 Mk., Eier 7 Stück 1,— Mk., Rindfleich Pfd. 1,— M., Schweinefleisch Pfd. 1,70. Mk., Schellfisch(kleiner) Pfd. 25 Pfg., Schellfisch(großer) Psd. 35 Pfg., Heringe(kleine) Dtd. 40 Pfg., Heringe(große) Stüc 1o vie Geldwaren und Schmucksachen. A. Eick& Comp. — Luftschläuche und Mäntel, sowie Ersatz- und Zubehörtelle staunend billIg. Nähmaschinen. neue und wenig gebrauchte, Ausserst preiswert. 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Westermannin Harkortshof zirk Kirchhörde. 11. Landwirt Fr. Westermann in Lücklembeig] s. d. Amtsbezirk 12.„ H Mellinghaus in Brünnighausen) Wellinghofen für die Gemein13. Gutsbesitzer H. Braß in Kückshausen 6. Schulze=Sölde in Sölde 14. Gutsbesitz. H. Hohenschwert in Lichtendorf den Holzen, Syburg, Westhofen und Garenfeld. für die Gemeinden Wandhofen, Lichtendorf. Villigst. Geisecke. mit der ErnteDie vorgenannten Herren sind von mir schätzung in den ihnen zugewiesenen Bezirken beauftragt worden. Ich ersuche die Gutsb. sitzer und Gutspächter, den Anordnungen, die von den Abschätzern zur Ermittelung des Ertrages der Ernte vorgenommen werden müssen. nachzukommen. Die Abschätzer sind nach§ 6 der Bundesratsverordnung vom 10. Juni d. Is. befugt, zur Ermittelung richtiger Angaben die Grundstücke der für 2 714= ungabe Verpflichtelen zu betreten. Hörde, den 17. Juli 1915. Der Landrat: I. V. Burchard. für Eier, Wurst, Schokolade und Zigarren geeignet Preis S Pfg. und teuerer Buchhändlung Carl braus Grosse Marktstrasse 3—5. ca. 10000 Pfund, hat abzugeben 3418 Heinr. Färber. Salon=Pianino bewährte Marke, wenig gespielt, großart. Tonfülle, gebe jetzt m. voll. Garantie ganz billig ab. gebr. Pianinos v. Mk. 100, 225, 325, 400. H. van Bremen Pianos Dortmund. Heiligerweg 15. Schwache Augen schmerzende stärkt u. erfr. wunderbar Dr. Bufleb’s Augenwasser Destillat aus vortrefflichen Kräutern à Flasche 50 Pf. Nur bei Max Mehlhose, Medizinal Drogerie. Ostenstrasse. Abgeschlossene Etagen von 3, 4, 5 und 6 Zimmern, mit Badezimmer, Speisekammer, Erker, Balkon, Leucht= und Heizgas, elektr. Licht, Garten und allen sonstigen Bequemlichkeiten, per sofort oder später zu vermieten. 3124 Wilhelm Luck, Königstr. 5a Rheinisches Technikum Bingen Naschinenbau, Elektretechnik. Autemobilbau, Brückenbau. Dir-ktion: Prof. Hoepke. 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Juli 1915. 3469 WI ## Druckarbeiten für Industrie, Handel, Gewerbe und Private als: Adress-Karten, Etiketten Prospekte, Reiseavise, Zirkulare Kuverts, Mittellungen, Rechnungen, Briefbogen, Preislisten, Wein- u. SpeiseKarten, EinladungsKarten, Familien-Anzeigen, Trauerbriefe usw. liefert in jeder Ausführung in kurzer Zeit Carl Braus Buchdruckerei Schwerte(Ruhr) Grosse Marktstr. 3—5. Tägerarbeiter 3473 sucht L. Weinberg. zum Jauchefahren u. Heckescheren gesucht. Zu erfr. in d. Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung. Ein j. Mädchen findet Gelegenheit, Küche und Haushalt gründlich zu erlernen. Pensionspreis für 1 Jahr Mk. 400.— J. Koep 3440 Holelz Adler, Godesberg a. Rh. Augenarzt Iserlohn, Ohl 1 ist jetzt wieder täglich von 10-12 und 3-5 Uhr 343s zu sprechen, Verband Wesisalischer Arbensnachwbeise. Die Arbeits=Nachweisstelle Schwerke Liethstraße 4 Fernspr. Nr. 213 vermittelt Arbeitskräfte aller Ark 411 vollständig Kostenfrei. 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Die Adschnitte 111—VII einschließlich der genannten Anordnung bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz des§ 5 Jiffer 1 wie folgt geändert wird. In dem Amte Westhosen wird verboten. Hörde, den 17. Juli 1915. 3471 Der Landrat. S B.: gez. Dr. Burchard, Regierungs=Assessor. Wratschellfisch Pfd. 24 Pfg. Kabliau Pfd. 29 Pfg. Gurken, Möhren, Wohnen, Tiolkopt, Virnen, Kartoffeln empfiehlt Kaushaus für Brückstraße 23. 3470 Indhahanhanaanhananna □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □(zum □ □ Solisten: Frl. Martha Strack-Schwerte(Alt), O„„ □ □ □ □ □ □ Qbounaanaonanan M.-G.-V.„Sängerbund“ a Schwerte. □ (Leiter: Nusikdirektor August Haselhoff.) □ Sonntag, 25. Juli, nachmittags 4 Uhr:„ KONZERT im Freischülz 8 Besten der beiden Schwerter □ Krankenhäuser). □ Frl. Martha Strack-Schwerte(Alt), L Herr Hermann Kamp-Barop(Tenor). □ Am lbach-Flügol: Herr Musikdirektor Haselheff. □ Elntritt 50 Pfg., im Vorverkauf 40 Pig. □ Vorverkaufsstellen: Zigarrenhandlg. 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Eine Fülle von Experimenten praitischen" Versuchen wurden unternommen, aber das Wasser huanstupümpen.. schritte wurden in den letzten ziett, wo die Forscher Nach man r die größten Forthren in Amerika erFehlschlägen schließrahlen auf einen in kurzer Zeit ierung des VerKonzentkferung. aufgesangener Sotfneust bestilumten Puntk sogar harte Metalle zum Schmelzen bringt, und nach Patent fühl, das ihr das junge, ganz an der vor nun fast =zwei Jahran noxstanrbesten Mutter hangende Herz schwe machte und ihr das Wasser in die Augen keno, uls „Eigensinn“.„Eigensinnig“ hatte sie ja auch der Vater genannt, als sie sich entschieden geweigert hatte, an der Hochzeitsfeier, die in einer norddeutschen Provinzstadt, der Heimat der Braut, stattfand, teilzunehmen. Ach ja, es war-wohl ein recht hartes, eigensinniges Festhalten an der alten Liebé, die noch das ganze Herg ausfülkte und etwas=Neues nicht hineinlassen wollte, aber auch so viel Weichheit und Gefühlstiefe, so viel treue Erinnerung an die Töte. 2 3.—(Fortsetzung folgt.) ####. S## *:ere# :* Gezähmte Sonnenstrahlen. mmer wieder hat sich die moderne Wissenschaft mit dem Prohlem beschäftige, Tonnenwärme in mechanische um üwandeln und die Sonnenstrahlen sound erst der jüngsten Zeit ist es vorbehalten geblieben, den ersten Schritt zu eiper brauchbaren,Verwirklichung der Idee zurückzulegen. Der erste Apparat, der de Wärme der Sonnenstrahlen in den Dienst jeuer mechanischen Aufgabe stellte, wurde vor hielen Jahren von einem amer ikänischen Ingenieur konstruiert; und ihm gelang es auch, mit Hilje eiges großen Reflektors, ein Saugwerk * In: Bewegung zu setzen, und aus einem Wasserbehälter lich den Wig zur Konstruktion#von Tounenreflektoren sanken, bexer Braucbarteit die Praxis, schließlich be. Z u n ä c h i t b e s c h r ä n k t e m a n s i c h,= w i e e i n F a c h m a n n in einem interessanten Anfsaß ausuuhrt, auf bescheidenere Fiele: auf die Ausjüßuug der Sonne zu Kochzwecken. Ein ialisornischer" Gélehrter ersann einen pakäbolischen Spiegel, der sich in gleichen Verhältnisse mit der Sonne bewegte und die saufgefangenen Strahlen auf einen eisernen Kochtopf wirft. Die ersten Versuche erwiesen, daß d kalte Wasser im Topfe bereits nach fünf Minuten-heiß geworden war; und nach wyeiteren fünf Minuten war der Siedepuntt erreicht. Diese Erfindung wurde bald ausgebaut, es zeigte sich, daß die schnitt zehn Pferdekräste, soll aber imstande sein, 15 HP. Es hat freilich große Kosten und manche vergebliche Anstrengungen erfordert, ehe diese ausgezeichnet arbeitende Vorrichtung fertiggestellt werden konne. Das Kapital zu den Versuchen wurde in Boston aufgebracht, zuerst hatte man einen silbernen Reflettor erbaut, der viele Tausende kostete und sich nicht bewährte. In jüngster Zeit hat der Ingenieur Frank Shuman einen neuen. Apparat konstruiert, der anscheinend einen weiteren erheblichen Fortschritt bringt. Er konzentriert durch den Reflettor das Sonnensicht nicht auf einen kleinen, starken Kessel, sondern auf eine ganze Reihe kleiner Kessel aus verzinntem Kupfer. Zuk. Reflektierung der Strahlen werden versilberte Spiegel verwendet. Der erste Apparat dieser Art wurde in Phitadelphia aufgestellt und erzeugte an Dampftraft einen atmosphärischen Druck von 800 Pfund; die Aufstellung in einem heißeren tropischen Klima würde dieses Resultat noch steigern.—üh jahrens schritt man anKaiifornien zür Ausnutzung der Ersindung zu Berbäiferungszwecken Der erste größere Apparat dieser Art wurde in Pasadena ausgestellt. Das Prinzipgist äüßerordentlich veinstch. Ein großer Reflettor-von ungéfähr zehn Metern Durchmesser wurde, anfgestellt. Er besteht aus nicht weniger als 1788 kleinen=Spiegeln, die so angebracht sind, daß sie die aufgenommenen Sonnenstrahlen auf einen Kesselsrichten, der nahezu 500 Liter wasser enthält. Die saburch erzielle-Temperatur, reicht aus, um genügend Tämpftra, zu Pumpzwecken zu erzielen. Natürlich muß der. Resleitor stets-so aufgestellt sein, daß er die ganze Kraft der Sonnenstrahlen auffängt; er ist ##her aucch drehbärt und teichr beweglich konstruiert und ##### Grund eines automatisch=funktionierenden, jedrsivurrichen Mechanismus, dem Lauf der Sonne. Die #####von dem=Rerlektor ausgestrahlte Würchemenge ist geerklettert und in nächter Näße nn dem Ausstrahler vorübergehen würde, liese Ge. ahr verbrannt## werden Der durch die ineustrahlen. getrivene Notor#p###mpt in der Minute * 50000 Liter Wasser; er entwickelke bisher im DurchDie Auomobilkirche von Texas. Zu Brownsville in Texas ist in diesen Tagen ein eigenartiges neues Gotteshaus eingeweiht worden, das von der amerikanischen Gesellschaft zur Ausbreitung der katholischen Kirche errichtet wurde, mit dem. Zwecke; den Belohnern der dünnbevölkerten Gegenden von Texas Gelegenheit zu kirchlicher Erbauung zu gewähren. Dieses Gotteshaus, das den Namen.„St. Peter“ erhalten hat, besteht aus einem ungewöhnlich großen und mächtigen Automobil, das im Jüneren eine Kapelle mit einem Altar birgt. Zum Gottesdienste werden die Seitenwände herabgeschlagen; während der Fahrt birgt das Innere zugleich die Wohngelegenheit für den Priester, der in dieser ambulanten. Kirche amtiert.. Die Automobilkirche ist mit allen kirchlichen Gerätschaften ausgestattet, so daß auch feierliche Hochämter abgehalten werden können. Sie wird ihre Reisetätigkeit sofort beginnen und jene ärmeren und abgelegeneren Gegenden von Texas besuchen, wo eigene Gotteshäuser bisher noch nicht erbaut worden sind. Zur feierlichen Einweihung waren die Gläubigen weit aus der Umgebung von Brownsville herbeigeströmt und bestaunten andächtig diese erste Automobilkirche, die bestimmt ist, die Tätigkeit jener schon mehrfach in Amerika in Eisenbahnwagen eingerichteten fahrenden Kapellen zu ergänzen. „* Humur. Je nachdem. Herr Protzen:„Wieviel soll ich denn in die Sammelbüchse tun, Emilic?" Frau Protzen:„Das kommt ganz darauf an. Wenn die unausstehliche Frau Neidlich gerade hersieht, mußt du zwei Mark geben. Wenn nicht, dann tut's auch ein Nickel.“ Der Enttäuschte. Er:„Ach, sprechen Sie mir nicht von Frauen; auch ich habe einst eine Frau angebetet, vergöttert— na, und nun ist sie verheiratet...“ Sie(teilnehmend):„Armer Freund..! Mit wem?“„Mit 0 5 S 5 O*„„„ 5 □0 98 18 *4 Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 168. Mittwoch, 21. Juli 1615 Antter Tarlcherflehh Roman von M. Withe. (21. Fortsetzung.) langem hatte Frau Volkhardt sich it der Vorste ung vertraut gemacht, daß ihr Gatte eines Tages dem Rachedurst eines von ihm zugrunde Gerichteten zum Opfer fallen wurde, und nun, da es wirklich geschehen war, nun vermochte sie sich's nicht als Sünde anzurechnen, wenn sie darin etwas wie das Walten einer göttlichen Gerechtigkeit sah...6. samwerg Sarae Eines aber gab es freilich, das ihr schwele Soige bereitete. Und das war der fast beängstigende Zustand ihrer älteren Tochter. Das Aussehen und das Wesen Angelas hatten sich auffallend verändert. Statt der stillen Melancholie, die ihr seit der Aufhebung ihres Verlöbnisses mit Ristow eigentümlich gewesen war, zeigte sie jetzt eine nervöse Aufgeregtheit und Unruhe, die nicht einmal der Dienerschaft verborgen bleiben konnte. Sie fuhr bei jedem Geräusch wie in heftigstem Erschrecken zusammen. Das Anschlagen der Hausglocke oder der Anblick eines ihr unbekannten Menschen reichten hin, ihrem Gesicht einen Ausdruck des Entsetzens zu geben.- Und oft, wenn irgendwo der Klang einer fremden Stimme laut wurde, schaute sie so wirr und angstvoll umher, als fürchte sie, daß sich etwas Schreckliches ereignen müsse. Auch Gerda hatte naturlch viesen Zustand bemerkt. Es bestand ein so inniges und herzliches Verhältnis zwischen den beiden Schwestern, daß sie davon auf das schmerzlichste betrossen wurde, und sie ließ es denn auch nicht an redlich gemeinten Bemühungen fehlen, Angela auf andere Gedanken zu bringen. Es betrübte sie sehr, als ihr die Schwester im letzten Augenblick erklärte, sie fühle sich außerstande, sie bei dem beabsichtigten Besuche auf Schloß Wallberg zu begleiten, und sie bot ihre ganze Beredsamkeit auf. um sie dennoch dazu zu bewegen. Aber sie stieß auf den beharrlichsten Widerstand... P44. 4leat it „Ich fuhle mich wirklich nicht aufgelegl, unter Menschen zu gehen, erklärte Angela mit Tränen in den Augen.„Und ihr werdet euch dort viel besser ohne mich unterhalten. Du findest ja auch deine alte Schulfreundin Edith Gisbert, mit der du so viele liebe Erinnerungen auszufrischen und auszutauschen hast. „Aber es würde dir gewiß guttun, Angela, wenigstens für einige Stunden andere Gesichter um dich zu sehen und an andere Dinge denken zu müssen! Du solltest dich mit einer energischen Aillensanstrengung aufraffen, auch wenn du keine Lust verspürst, mit mir zu gehen.“ (Nachdruck verboten.) Doch es blieb alles umsonst, und Gerda eilte zu ihrer Mutter, um zu ihr von ihren Besorgnissen wegen der Schwester zu sprechen. „Du solltest einmal recht eindringlich mit ihr reden, liebste Mama,“ sagte sie.„Der Weg, auf dem sie sich jetzt befindet, kann nach meiner Ueberzeugung nur zu einem verhängnisvollen Ziele führen. Auch wegen der Dienstboten und wegen der anderen Leute, die Gelegenheit haben, sie zu beobachten, sollte Angela sich etwas mehr zusammennehmen. Sie benimmt sich so sonderbar, daß man sich nicht wundern dürfte, wen diese Menschen schließlich auf den Gedanken verfiele sie könnte etwas mit dem Attentat auf den Papa zu Frau Volkhardt nannte solche Befürchtungen töricht, in ihrem Herzen aber dachte sie doch wohl darüber; denn sobald Gerda das Haus verlassen hatte, beeilte sie sich, ihre älteste Tochter aufzusuchen. Sie fand Angela heftig weinend auf dem Sofa ihres Zimmers, und sie legte in mütterlicher Zärtlichkeit und Sorge die Hand auf ihre Schulter. „Du mußt dir ein Herz fassen, Kind, und mußt mir endlich alles sagen, was dich bedrückt!“ mahnte sie. „Ich habe doch wohl vor allen anderen Menschen ein Recht darauf, es zu erfahren!" Angela hatte sich aufgerichtet und das tranenüberströmte Gesicht an der Brust der Mutter gebor#en. „Ach ja, ich kann es ja auch nicht länger allein tragen! Und doch ist es so schwer, so furchtbar schwer, darüber zu sprechen! Hast du denn eine Vermutung über die Ursache meines Kummers, Mama? „Ich glaube wohl, daß ich die Wahrheit ahne, meine arme Angela! Du hast einen Verdacht, wer der Attentäter gewesen ist oder du bist vielleicht sogar in voller Gewißheit hinsichtlich seiner Person? Das junge Mädchen nickte mit einem schweren „Ach, wenn nur ich es wüßte, Mama!“ sagte sie leise.„Aber es gibt andere, die evensoviel darüber wissen wie ich. Der Baron Wallberg und seine Gattin, sie hegen einen ebenso bestimmten Argwohn wie Herr von Malzyn. Bis jetzt freilich hat keiner von ihnen gesprochen. Sie alle haben zu viel Sympathien für „Da glaubst also, daß er es gewesen ist, der das „Ja“ Ich kann mich leider keiner Täuschung darüber hingeben!" „Du hast ihn gesehen?“ esc 10 05 Wieder neigte Angela bestätigend das Haupt. „Ich hatte in der Samstagnacht ein beunruhigendes Geräusch vernommen und war in die Vorhalle hinuntergegangen. Da traf ich mit Rolf zusammen, der an der Tür des Speisezimmers stand, in dem sich mein Vater und der Baron Wallberg bebefanden. Oh, ich kann dir nicht schildern, Mama, was ich bei seinem Anblick empfand! Du weißt ja, wie schön und stattlich er einst war, wie aufrecht und wie vornehm! Und du weißt, welche Sorgsalt er auf die Eleganz seiner äußeren Erscheinung verwandte. Und wenn du ihn jetzt gesehen hättest— gebeugt und gebrochen, mit schrecklich verändertem, verwüstetem Gesicht und in der elenden Kleidung eines Landstreichers! — Mein Erschrecken war furchtbar; aber ich wußte mich dennoch zu beherrschen! Ich fiel nicht in Ohnmacht und stieß keinen Schrei aus, sondern ich eilte zu ihm und sprach besänftigend auf ihn ein, weil ich fühlte, daß es gelte, irgendein gräßliches Unheil zu verhüten. Ich sah ja, daß er in einer bestimmten Absicht gekommen war, und daß er sich ganz in der Verfassung befand, diese Absicht zur Ausführung zu bringen. Das Leben hatte keinen Wert mehr für ihn, und er war bereit, es hinzugeben, um sich dafür wenigstens die Genugtuung befriedigten Racheverlangens zu verschaffen. Dieses Verlangen aber konnte gegen keinen andern gerichtet sein als gegen meinen Vater!“ „Und wie war es ihm gelungen, sich Eintritt in das Haus zu verschaffen?" „Ich weiß es nicht; denn die Situation war nicht danach angetan, daß ich ihn um solche Dinge hätte befragen können! Er war ja ganz von Sinnen!" „Vielleicht in einem Zustande hochgradiger Trunkenheit! Man erzählt ja——“ Aber Angela unterbrach sie mit einem Kopfschütteln. „Nein, das war es nicht! Er sprach so klar und mit so leichter Zunge, wie ein Berauschter es niemals sertig brächte. Aber in seinen Augen war ein so unheimliches Feuer, daß ich mich allen Ernstes vor ihm fürchtete! Ich konnte ihn nicht hindern, in das Speisezimmer einzudringen, und dort wurden zwischen ihm und dem Papa Worte gewechselt, die den Schlag meines Herzens stocken machten. Aber es war dann doch wohl meine Gegenwart, die ihn abhielt, eine gewaltsame Handlung zu begehen! Dann erlosch plötzlich das Licht, und als ich es wieder angedreht hatte, war Rolf verschwunden. Irgend jemand, von dem wir bis dahin nichts gehört und gesehen hatten, mußte ihn gepackt und mit sich fortgezogen haben. Ich hörte während der kurzen Spanne der Dunkelheit deutlich den Schritt zweier Männer draußen in der Vorhalle.“ „Das ist alles, was du weißt, mein Kind?“ „Ja! Aber es hat mir die volle Gewißheit gegeben, daß kein anderer als Rolf den verhängnisvollen Schuß in dem Gewächshause abgegeben haben kann!“ Frau Volkhardt antwortete nicht sogleich. Was hätte sie denn auch sagen können, um ihre Tochter zu beruhigen und ihr Trost zu gewähren! Sie selber hegte nicht den geringsten Zweifel, daß Angelas Vermutungen zutreffend seien, und sie war überzeugt, daß die anderen von dem jungen Mädchen genannten Personen dieselbe Meinung hegten. Mit tiefer Beschämung empfand sie die Tatsache, daß alle diese Menschen von vornherein einmütig darin gewesen waren, für den Mörder gegen sein Opfer Partei zu ergreifen,— gegen den Mann, dessen Namen zu tragen sie gezwungen war. „Warum sprichst du nicht, Mama?“ fragte Angela endlich.„Hast du mir denn gar nichts zu erwidern?" „Was sollte ich dir anderes erwidern, als daß wir uns in dem schrecklichen Zwiespalt befinden, in dem grausamsten, zu dem das Schicksal einen Menschen verurteilen kann. Auf der einen Seite wäre es natürlich nach göttlichem und menschlichem Gesetz unsere heilige Pflicht, der Obrigkeit mitzuteilen, was wir wissen oder vermuten. Und auf der anderen Seite kann ich es nur allzu gut verstehen, wenn niemand sich in diesem besonderen Fall dazu entschließen kann, den Angeber zu machen! Schon deshalb nicht, weil ja die Möglichkeit eines Irrtums noch immer nicht ganz ausgeschlossen erscheint. Wie viele Anzeichen auch gegen Rolf Ristow sprechen mögen— es ist doch immer noch denkbar, daß er unschuldig ist. Und wir können unsere Seelen nicht mit der Verantwortung belasten, daß möglicherweise ein Unschuldiger auf unsere Angaben hin verurteilt wird!" Sie glaubte mit dieser Darlegung den Ausweg gefunden zu haben, der zu einer Gewissensberuhigung ihres armen Kindes führen könne. Aber sie sah wohl, daß Angela sich durch solche Spitzfindigkeiten nicht beschwichtigen ließ. Sie schüttelte den Kopf, und ihre Tränen begannen von neuem zu fließen. „Es ist sehr gut und liebevoll von dir, Mama, so zu mir zu sprechen! Aber wenn Rolf Ristow heute verurteilt würde, so hätte die Strafe keinen Schuldlosen getroffen, dessen bin ich nur allzu gewiß! Und ich fürchte, daß der Tag kommen wird, an dem das Gesetz seinen Arm nach ihm ausstreckt. Was so viele wissen, kann doch unmöglich auf die Dauer verborgen bleiben! Daß ich diesem Tage mit so namenlosem Grauen entgegensehe, geschieht ja weniger meinetwegen als um Gerdas willen. Mein Leben ist ja abgeschlossen, und wenn man aufgehört hat, zu hoffen, hat man auch schon halb aufgehört, zu fürchten. Gerda aber steht noch auf der Schwelle, vor der sich alle Glückseligkeiten des Lebens im rosigsten Lichte ausbreiten. Und es ist mir eine unerträgliche Vorstellung, daß sie eines Tages ihre Hoffnungen ebenso kläglich zusammenbrechen sehen soll, wie ich die meinigen zusammenbrechen sah." Ein Klopfen an die Tür des Gemaches unterbrach ihr Gespräch, und als Frau Volkhardt die Aufforderung zum Eintritt ergehen ließ, erschien mit sehr ernstem Gesicht eine der Pflegerinnen, um die Dame des Hauses zu einer Unterredung unter vier Augen zu bitten. Wieder war Angela mit ihrem Schmerz und ihrer hoffnungslosen Verzweiflung allein. 16. Kapitel. Ein Blumennarr. Gerda Volkhardt war von Herzen dankbar, daß ihr dieser Besuch auf Schloß Wallberg die Möglichkeit gewährte, der bedrückenden Atmosphäre ihres Vaterhauses wenigstens für eine kurze Zeit zu entrinnen. Sie war sich wohlbewußt, daß die Angst um das Leben des Vaters eigentlich alle ihre Gedanken und Empfindungen hätte beschäftigen sollen; aber sie war eine viel zu aufrichtige Natur, um sich zu verhehlen, daß sie nichts von selcher Angst und Sorge verspürte. Soweit sie in die Tage ihrer Kindheit zurückdenken konnte, regte sich in ihrem Herzen nicht die kleinste Erinnerung an einen Augenblick zärtlicher Annäherung zwischen ihr und dem Vater. Nie hatte er ihr Liebe gezeigt, und niemals hatte sie selber etwas wie Liebe für ihn gefühlt! Auch andere hatte sie nie mit Liebe und Verehrung von ihm sprechen hören, wohl aber war sie frühzeitig darüber unterrichtet worden, daß er für viele ein Gegenstand des Abscheus und der Verachtung war. Sie zweifelte nicht daran, daß er es gewesen war, dessen Schuld das Lebensglück ihrer Schwester zerstört hatte, und so war nicht einmal die jetzt über ihn hereingebrochene Katastrophe imstande, wärmere, kindliche Empfindungen in ihrem Herzen auszulösen.(Fortsetzung folgt.) . □ Die Leute schreien immer so viel jetzt, die Welt wäre so schlecht. Das kann ich gar nicht sinden. Wenn man nur selbst immer recht gut zu den Menschen ist, dann findet man auch welche, die es wieder sind. Heinrich v. Sybel. 2 * Gewonnen. Novellette von Fritz Gantzer. (Nachdruck verboten.) „Du, Elisabeth, wann kommt unsere neue Mutter, dauert es noch lange?“ fragte der ältere der beiden Knaben, die auf einer Bank knieten und ihre Stumpfnäschen gegen die Fensterscheiben preßten, um das Aufklatschen der Regentropfen auf der Sandsteintreppe vor dem Pfarrhause besser beobachten zu können. Keine Antwort. „Du, Elisabeth,“ hub die fragende Stimme nach einer Weile wieder an, wurde aber durch die unwillig gesprochenen Worte des siebenjährigen Hans gleich zum Schweigen gebracht. „Ach, laß doch Elisabeth!“ meinte er,„die heult ja schon den ganzen Tag und freut sich nicht ein bißchen. Aber ich freue mich doll, denn die neue Mutter bringt uns ganz gewiß eine große Tüte mit.“ „Du mit deiner ollen Tüte!“ entgegnete der um zwei Jahre ältere Karl verächtlich und wandte sich nach der Schwester, die im Hintergrunde des Zimmers über eine Handarbeit gebeugt saß, um. Er verließ seinen Platz am Fenster und ging zu ihr. „Elisabeth,“ bat er noch einmal, vor ihr stehenbleibend,„sage mir doch, ob die neue Mutter bald lommt.“ Da richtete sich die Gefragte plötzlich hastig auf und sagte, während große, blanke Tropfen über ihre Wangen rannen:„Ich kenne keine neue Mutter, Junge, hast du mich berstanden? Laß endlich dein törichtes Gefrage!" Der kleine Karl trat erschrocken einen Schritt zurück und verstand die Schwester nicht. . Der andere am Fenster lachte.„Tu bist zu dumm, Elisabeth! Unsere neue Mutter ist natürlich Vatis neue Frau. Weißt du denn das noch nicht?“ Er hatte seine belehrende Weisheit kaum zu Ende gebracht, als die Tür vom Flur her aufgerissen wurde, und die stark zur Rundlichkeit neigende Mine, die langjährig erprobte, treue ienerin im Pfarrhause zu Netzholm, ins Zimmer trat. Sie setzte die Arme mit einem Ruck in die Seite und hub zeternd an: „Aber nein, dieser Unverstand, Fräulein Elisabeth! Ich möchte mich vierteilen, um alle Arbeit zu schaffen, und Sie sitzen hier wie Gott in Frankreich und häkeln. Ist mir sowas schon vorgekommen! Nun tun Sie mir bloß den einzigen Gefallen und bemühen Sie sich in die Küche. Noch keine Kartoffel ist geschält, noch kein Teig für die Schwemmklößchen eingerührt, und die Gans wird nicht braun! Ich weiß meiner Angst kein Ende! In einer Stunde müssen sie spätestens da sein. Was soll denn die neue Frau Pastor denken, wenn sie so mitten in unsere polnische Wirtschaft reinschneit!“ „Laß sie denken, was sie will, Mine!“ „Aber, Fräulein Elisabeth!“ „Ja doch! Meinetwegen mag sie denken, was sie will!“ „Das verstehe ein anderer," bemerkte Mine kopfschüttelnd. Da hob Elisabeth das bis jetzt auf ihre Arbeit gebeugte Gesicht und sah die Alte mit nassen, wehen Augen an. „Aber, Elisabeth!“ Das klang vorwurfsvoll und mitleidig zugleich. Und dann in gut zuredendem, beruhigendem Tone:„Sie werden sich's doch heut gerade nicht merken lassen, wie sauer es Ihnen ankommt, eine neue Mutter im Hause zu haben! Es ist nun eben einmal nicht anders.“ .„Aber es könnte anders sein.“ Elisabeth sagte es herb.„Weshalb mußte der Vater sich wieder verheiraten! Ich bin nun bald siebzehn Jahre alt und..“ „Und hätten die Frau im Hause doch nicht ersetzen können,“ unterbrach Mine.„Und ein paar Jährchen später wären Sie sowieso auf und davon ins eigene Nest geflogen!“ „O nein, Mine, ich wäre immer geblieben, wenn ich uns Kindern damit hätte das Schreckliche ersparen können, eine Fremde an Stelle unseres guten Muttchens zu sehen.“ „Na, na!“ bezweifelte Mine.„Auf solche Redereien gebe ich nichts. Schließlich hätten Sie doch mehr an das eigene Glück, als an den alleinstehenden Vater und die beiden unerzogenen Buben gedacht. Man kennt ja die Geschichte!“ "#„Ich wäre nie gegangen, gewiß nicht!... Du siehst mich so strafend und verwundert an, Mine, und scheinst dir gar nicht denken zu können, warum ich gerade heute so traurig bin. Ja, hast du denn ganz vergessen, daß morgen der Geburtstag meines guten Muttchens ist?. O, wie hasse ich die Frau, die nun bald ihren Einzug in dies Haus halten soll!“ Mine wies mit einer bedeutungsvollen Gebärde auf die beiden Buben, die mit offenem Munde lauschten, und tadelte:„Das vom Haß ist ein bißchen zu viel gesagt, Elisabeth. Was kann denn die Frau dafür! Es ist überhaupt keine Kleinigkeit, eine zweite Frau und vor allem eine zweite Mutter zu sein, am allerwenigsten, wenn man kein Fünkchen Liebe findet. Gewiß, die rechte Mutter wird man nie vergessen. Aber man darf auch von der neuen nicht so häßlich reden, noch dazu, wenn zwei solcher Buben Mund und Ohren aufreißen, damit sie nur gar alles hören. Das gibt Aussässigkeit hinten und vorn und an allen Enden, und keinen Funken Respekt.... Jungs, marsch, raus! Zieht euch die Stiefel an und wascht euch die Hände, damit ihr manierlich ausseht, wenn der Vater mit der neuen Mutter kommt. Aber marscht nicht die ganze Küche naß!.... Und Sie, Fräulein Elisabeth! Kopf hoch, und wenigstens heut ein freundliches Auge! Mit gutem Willen lernt man auch eine Stiefmutter lieben.“ Karl und Hans waren schon hinausgeeilt, froh, daß ihnen Gelegenheit gegeben war, die Langeweile des Regennachmittags für einige Zeit angenehm unterbrechen zu können. Im nächsten Augenblick kam Hans schon zurückgestürzt. „Mine, die Gans schreit im Bratofen und stinkt!“ rief er jubelnd in die Stube hinein, als Mine ihre Vermahnung gerade zum Abschluß gebracht hatte. Herr, du meine Güte! Sie brennt! Daran sind Sie schuld, Fräulein Elisabeth! Stellt man sich her, um Ihnen den Eigensinn aus dem Kopf zu trommeln und derweil....“ Der Nachsatz drang nur noch als ein Geräusch unverstandener Worte an das Ohr Elisabeths, denn Mine eilte während des in höchster Aufregung gesprochenen Sermons schon nach der Tür und knallte dieselbe nach dem„Trommeln“ mit solcher Heftigkeit zu, daß es wie ein Paukenschlag durch das stille Pfarrhaus dröhnte. Elisabeth erhob sich, packte ihre Handarbeit zusammen und wiederholte das Wort„Eigensinn“ mit einem bitteren Lächeln und zuckenden Lippen. Also Mine bezeichnete ihr namenlos wehes, trauriges Ge