8 85 8 S 2 C0 8.5 8 83 8 0 99 05 SSag #### F: * Ss 9 85 S S 9 S 9 8 5 8 8 15 SAE #E E 6 8 85 S 8 9 T.S 85 S 8 ## 9. 5 8 85 S9e 8 5 SSS9 S n 85 55 S S. 55 g S 5 8.5S 05 (Go Shmmtin Heiumet ucen dend ander Feiertags. Bezugsprith M.„Ooierst. Adrlich, dei der Post für Bestellgeid 42 Plo. medr. Wöchenkl. Gratisbellage:„Jüustriene Gamillenfreund“ u. tägl. Unterbaltungsbiatt. Anzelgenpreis: Die siedengespallene Petitzeiloder deren Raum 10 Plg., Anzeigen von ausoärts 15 Plg, Retlamezelle 40 Plg. Jede Radat gil als Kasiamndal u. erlschl bei Nostorsen, Zwangsoergleichen, gerichtl. Klagen a. Riabracung e. gemacht, Japiungsehiugung. Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung 0% W 7 Schwerter Volkzblan Verbunden mit: für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkazeitung Schwerker Tageblatt O Schwerter Anzeiger Grltes und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis börde om Haupt-Kononcenblaß ulg dente, und ibelmhgichn Durn nungen sor den Ariz Hörde erlangen gumss Betanntmachung der Abaiglichen Regienug durch Verösfentlichung is dei„Schwenter Jettung" rechtsverdindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewöhrt idres Adonnenten für jeden mit Tod endenden Ussal ge: 300 Mk. Unfall. Drucku Verlage. Cor Provz. Schourn. Rod(omin d. Teionn.Ade Proue Schmucto=Rute) Nr. 164. Freitag, den 16. Juli 1915. 47. Jahrgang. Die Slaor Prhar...□„ Wiedervergeltung. Nach langem Zögern und mit sichtlichem Widerstreben hat unsere Heeresverwaltung sich abermals dazu entschließen müssen, gegen die Art und Weise, wie die französische Rerubllik deutsche kriegsgegefangene Offiziere behandeln zu müssen glaubt, einigermaßen gleichwertige Vergeltungsmaßregeln in Anwendung zu bringen. Der junge Herr Delcassé muß bereits mit vier anderen Kameraden seit einigen Tagen im Gefängnis dafür büßen, daß man deutsche Offiziere, die Herren v. Schierstaedt und Graf Strachwitz, denen man niederträchtigerweise Plünderung zur Last gelegt hat, während sie, hinter die französische Front geraten, nur nach Mitteln und Wegen suchten, um sich dem nächsten französischen Posten ausliefern zu können, mit Verbrechern auf eine Stufe gestellt hat. Jetzt ist zur Kenntnis unserer Regierung gekommen, daß etwa 50 deutsche Offiziere, die in einem Alpenfoet untergebracht sind, lediglich aus dem Grunde, weil sie sich weigerten, auf Ehrenwort zu versichern, daß sie nicht mehr gegen Frankreich und seine Verbündeten kämpfen würden, in verschlossenen Näumen gefangengehalten und im Widerspruch mit den Bestimmungen der Haager Landkriegsordnung behandelt werden. In Deutschland hat man keinem gefangenen französischen Offizier die Abgabe eines solchen Ehrenwortes angesonnen, und die Herren durften sich den ganzen Tag über in den Kriegsgefangenenlagern frei bewegen, auch unbehindert die zur Verfügung stehenden Hof= und Gartenräume benutzen, und sie werden nicht einmal nachts eingeschlossen, sondern haben nur die Verpflichtung, in einem Schlafraum zu verweilen. Die französische Regierung hat bisher den deutschen Vorstellungen gegenüber ihr Ohr verschlossen. Deshalb werden jetzt die gleiche Anzahl gefangener französtscher Offiziere in das Fort Zorndorf bei Küstrin übergeführt, wo sie in genau derselben Weise gehalten werden, wie die deutschen Offiziere in jenem französischen Alpenfort. Zugleich wird angekündigt, daß diese Maßnahmen, wenn nötig, auf alle kriegsgefangenen französischen Offiziere in Deutschland erstreckt werden würden, wobei wohl zu beachten ist, daß ihre Zahl eine vielfach höhere ist, als die der kriegsgefangenen deutschen Offiziere in Frankreich. Uns Deutschen liegt gewiß nichts ferner, als ein persönliches Rachegefühl gegen einzelne Franzosen, wir wissen, diese Leute sind ebenso ohne eigenen Willen in den Krieg gegen uns gehetzt worden, wie es in der Hauptsache auch in England und Rußland geschehen ist, und wir hören fast jeden Tag aus den Berichten unserer Feldgrauen, wie kameradschaftlich sich die einzelnen feindlichen Krieger, mit denen sie in Berührung kommen, auch deutschen„Barbaren“ gegenüber zu zeigen wissen. Aber es ist noch immer in der Völkergeschichte so gewesen, daß für das Tun und Lassen der Negierenden die Regierten einzustehen haben. Das gilt im Kriege nicht minder, als in Friedenszeiten, ja es muß im Kriege noch vermehrte Geltung erhalten, weil dann ein unmittelbarer Verkehr von Regierung zu Regierung ausgeschlossen und die Möglichkeit, die Organe des fremden Staates für ihre Rechtswidrigkeiten zur Verantwortung zu ziehen, beschränkt ist. So bleibt meist gar kein anderer Weg, als nach dem Grundsatz zu handeln: Wie du mir, so ich dir, und da die französische Regierung auch in diesem Falle wieder nicht hören will, müssen die Angehörigen der französischen Armee, die in unsere Hand gefallen sind, es fühlen, was es heißt, deutsche Offiziere in der Fremde wie Parias behandeln zu wollen. Dabei muß man bedenken, daß Vergeltung immer nur genommen werden kann für diejenigen Fälle von Willkür und Ungesetzlichkeit, die zufällig zu unserer Kenntnis gelangen, während man nach Mißersdige der Franzosen an ihrem Rundnalseste. Deutscher Tagesbericht. wtb. Großes Hauptquarlier, 15. Juli 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. In Süd=Flandern sprengten wir gestern westlich von Wytschaete mit gutem Erfolge hon Minen. In der Gegend von Souchez griffen die Franzosen zum Teil mit starken Kläften an verschiedenen Stellen an. Sie wurden überall zurückgeschlagen. Nordwestlich des Gehöstes Beau Sejour in der Champagne kam ein feindlicher Handgranaten=Angriff infolge unseres Minenfeuers nicht zur Durchführung. Die Franzosen machten gestern bis in die Nacht hinein wiederholte Versuche, die von uns eroberten Stellungen im Argonnerwalde zurück zu erobern. Trotz Einsatzes großer Munitionsmengen und starker auch neu herbeigeführter Kräfte brachen sich ihre Angriffe an der unerschütterlichen deutschen Front. An vielen Stellen kam es zu erbitterten Handgranaten= und Nahkämpfen. Mit ungewöhnlich hohen Verlusten bezahlte der Gegner seine ergebnislosen Anstrengungen. Die Zahl der französichen Gefangenen hat sich auf 68 Offiziere und 3688 Mann erhöht. Der Erfolg unserer Truppen ist umso bemerkenswerter, als nach übereinstimmenden Gefangenenaussagen die Franzosen am 14. Juli, dem Tage ihres nationalen Festes, einen großen Angriff gegen unsere Argonnenfront vorbereitet hatten. Auch östlich der Argonnen herrschte gestern erhöhte Gefechtstätigkeit. Im Walde von Malancourk wurden Angriffsversuche des Feindes durch unser Feuer Im Priesterwalde brach ein französischer Vorstoß verlustreich vor unseren Stellungen zusammen. Ein französisches Flugzeug wurde beim Ueberfliegen unserer Stellung bei Souchez getroffen und ging brennend in der feindlichen Linie nieder. Ein zweites wurde bei Helia=Lietard heruntergeschossen. Führer und Beobachter fielen verwundet in unsere Hände. Oestlicher Kriegsschauplatz In kleinen Gefechten an der Windau abwärts Kurschany wurden 2 Offiziere und 425 Russen zu Gefangenen gemacht, Südlich des Niemen in der Gegend von Kalwarja eroberten unsere Truppen bei Franciszkowo und Osowa mehrere russische Vorstellungen und behaupteten sie gegen heftige Gegenangriffe. Nordöstlich von Suwalki wurden die Höhen von Olszalka von uns erstürmt, 300 Russen gefangen genommen und 2 Maschinengewehre erbeute:. Südwestlich von Kolno nahmen wir das Dorf Krusza und die feindlichen Stellungen südlich und östlich dieses Dorfes und südlich der Linie Tartak=Lipniki. 2400 Gefangere und 8 Maschinengewehre fielen in unsere Hand. Die Kämpfe in der Gegend von Przasnicz wurden erfolgreich fortgesetzt. Mehrere feindliche Linien wurden von uns genommen und die in den letzten Tagen heiß umstrittene und von den Russen stark ausgebaute Stadt Przasnicz von uns besetzt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Oberste Heeresleitung. wie wir ihn jetzt aus der Nähe kennen lernen, ohne weiteres schließen darf, daß unsere Gefangenen vielen schlimmen Dingen ausgesetzt sein mögen, von denen wir erst nach Beendigung des Krieges zuverlässige Mitteilungen erhalten werden. Die famosen Konzentrationslager im afrikanischen Wüstenklima können wir den Franzosen überhaupt nicht nachmachen, kurz, selbst wenn wir Vergeltung üben, können wir gewiß sein, daß noch immer keine ausgleichende Gerechtigkeit geschaffen ist für das, was unsere in französische Gefangenschaft geratenen Brüder im allgemeinen zu erdulden haben. Um so entschiedener wird man fordern dürfen, daß die Maßnahmen, die einmal angeordnet sind, auch mit rücksichtsloser Festigkeit zur Durchführung gelangen und daß ohne Ansehen der Person dabei verfahren wird. Sind wir die Barbaren, während die französische Regierung sich über alle Vorschriften der Landkriegsordnung hinwegsetzt, so sollen die Gefangenen in Deutschland auch erfahren, wie es schmeckt, wenn sie bei uns nach französischem Maße gemessen werden. In Zukunft aber wird Deutschland es sich überlegen müssen, ob es fernerhin überhaupt noch an internationalen Verhandlungen und Abmachungen teilnehmen soll, die, wenn es darauf ankommt, von feindlichen Ländern einfach außer Kraft gesetzt werden. An solchen Komödien mögen andere mitwirken, deren Aktenschränke mit überflüssigen vierstößen noch nicht genügend gefüllt sind. Bei uns herrscht daran kein Mangel. Einstweilen werden wir es wohl für ersprießlicher halten, uns Freund und Feind gegenüber letiglich von unserem guten Gewissen leiten zu lassen, Haager Konventionen und ähnliche Schriftstücke aber denjenigen Staaten abmutreten, die von vornherein entschlossen sind, sich im Falle der Not über sie hinwegsuseden.— Krieg gegen Rußland. verhindert. wtb Wien, 16. Juli.(Richtamtlich.) lich wird verlautbart vom 15. Juli mittags: AmtRussischer Kriegsschauplatz. Die allgemeine Lage hat sich nicht geändert. Am Dnjestr abwärts Nizniow kam es am nördlichen Flußufer an mehreren Stellen zu erfolgreichen Kämpfen unserer Truppen, wobei 11 Offiziziere und 550 Mann des Feinde, gefangen genommen wurden. Italienischer Kriegsschauplatz. Gegen einzelne Stellen des Plateaus von Doberdo unterhalten die Italiener wieder ein lebhaftes Geschützfeuer. Sie versuchten auch mehrere Insanterieangriffe, namentlich zwischen Sdraussina und Polazzo, wurden aber wie immer unter großen Verlusten zurückgeschlagen. Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet hat sich nichts von Bedeutung ereignet. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. Der Ring um Warschau. Mit der Wiedereinnahme von Prassnosz, das wir vor dem Auftreten sehr großer russischer Verstärkungen planmäßig aufgegeben hatten, haben wir einen neuen starben Trumpf gegen Warschau und die Weichsel—Narew=Linie in die Hand bekommen. Wir bedrohen von dort aus Warschau gefährlich von Norden her. Der Ring um die Festung, die das Bollwerk Rußlands an der Weichsel darstellt, zieht sich immer enger zusammen. Die Zivilbevölkerung hat die Stadt bereits verlassen. Ueber 80000 Personen wurden auf Befehl der Kommandantur entfernt. Der russische Kriegsplan. Der„Rußkij Invalio“, das Organ des Kriegsministers, enthält nach einer Privatmeldung der „Neuen Züricher Zeitung“ die folgende köstliche Betrachtung:„Wir erhielten anonyme Briefe, die uns dafür todeln, daß wir allem, was mit uns geschieht, eine befriedigende Erklärung geben wollen. Wir werden aufgefordert, nicht zu heucheln, offen zu bekennen, daß wir geschlagen seien. Wir werden dennoch nicht dieser Sorte unserer Leser den Gefallen tun. Die zeitweilige Räumung Galiziens halten wir ganz aufrichtig nicht für eine neue Niederlage. Die koalierten Pläne verlangen das Mitschleppen des erhitzten Gegners, und dieses Gebot der Wissenschaft ist unmöglich ohne bietsaufgabe zu erfüllen. Alles, was wir in Galizien gründlich herrichteten, ist nur eine Anlockungsdemonstration gewesen, die die Habsucht des Gegners hervorrief und deher seinen Gedanken erweckte, durch die Schwächung seiner französischen Front uns in Gallizien zu schlagen, wo wir, wie es schien, bis zu unserem Letzten kämpfen würden, aus Angst, um Warschau und in Kurland geschwächt zu werden; aber auf Gnade und Ungnade fechten wollten wir keineswegs. Wir zogen es vielmehr vor, den Gegner in Galtzien, das er so heiß ersehnte, und für welches er vor keinen Verlusten zurückscheute, hereinzusessen". Also erst Dampfwalze, dann Dreschmaschine und jetzt Saugapparat. Auch Sassonow teitt zurück. Noch einer Meldung des„Nußk. Slowo“ steht Sassonows Rücktritt bevor. Sein Nachfolger wird Walkonskif, der der Kadettenpartei nahesteht; er ist bereits im Juni vom Zaren zu Beratungen hinzugezogen worden, auch zum Kronrat ins Hauptquartier. Trotzdem kommt seine Ernennung überraschend.„Rietsch“ teilt mit, daß der Justizminister Schtscheglowitow bereits die Amtsgeschäfte seinen Gehilfen Wereestim und Iliaschenke A übergab. Kandidat für den Ministerposten sei der Oberprokurator der Ersten Senatskammer Dobrowskij. Die Duma verlangt sofortige Einberufung. tu Petersburg, 15. Juli. Den Vertretern sämtlicher Dumaparteien, die zu einem Kollektivschritt wegen sofortiger Einberfung der Reichsduma beim Ministerpräsidenten Goremykin vorstellig wurden, ist ein kühler Empfang zuteil geworden. Sie sind ohne eine bestimmte Aeußerung des Ministerpräsidenten zurückgekehrt. Bezeichnend für die Situation ist die Tatsache, daß der Seniorenkonvent, nachdem er bei Goremykin nichts ausgerichtet hatte, sich zum Ackerbauminister Kriwoschin begab. Ein schöner Erfolg an der Bukowina=Front. tu Budapest, 16. Juli.„Az Est“ meldet aus Czernowitz: Die vorgestrigen Vorpostenplänkeleien waren die Einleitung weiterer Operationen im südlichen, am Dnjestr liegenden Bukowina=Abschnitt. Wir begannen nachts ein heftiges Bombardement gegen die russischen Verteidigungsstellungen. Unsere Artillerie überraschte den Gegner mit einem Schrapnell= und Granatenregen. Das Bombardement dauerte bis frühmorgens mit unverminderter Heftigkeit an. Die feindlichen Stellungen wurden erschüttert. Unsere Truppen erzwangen in den frühen Nachmittagsstunden mit stürmender Hand den Dujestr=Uebergang bei Uscie Biskupie(unmittelbar an der russischen Grenze). Der überraschte Feind erlitt sehr empfindliche Verluste. Wir machten zahlreiche Gefangene. Der Flußübergang ist vollkommen gelungen. Seegefecht in der Ostsee? wtb Wisby, 16. Juli.(Meldung des Ritzauschen Bureauus.) Von Ljugarn auf Ost=Gotland wird an die Zeitung„Gotlandingen“ telephoniert, daß gestern von Einbruch der Dunkelheit bis 2 Uhr nachts ein mächtiges Feuermeeer gesehen worden sei. Fischer, die sich nachts auf dem Meere aufhielten, berichten von einer heftigen Kanonade. Der Kaiser und Hindenburg. wtb Berlin, 15. Juli. Aus Posen wird uns mitgeteilt: Heute hat Se. Majestät der Kaiser und König auf seiner Reise zum Kriegsschauplatz nördlich der Pilica hier geweilt. Gleichzeitig traf Generalfeldmarschall von Hindenburg ein. Se. Majestät hatte mit ihm und dem Chef des General= stabes des Feldheeres, General der Infanterie von Falkenhayn, eine längere Besprechung im Schlosse. auch zu behalten. Man könne nicht hofsen, die eroberten Gebiete zu behalten, wenn der Krieg nicht zur Vernichtung des deutsch=österreichischen Bündnisses führe. Italien führt allso keinen besonderen Krieg, sein Krieg ist derselbe, wie derjenige Englands, Frankreichs und Rußlands. Die Vermutung, daß Italien nur gegen Oesterreich feindlich gesinnt sei und mit Deutschland zu jedem Uebereinkommen jetzt oder nach dem Kriege bereit sei, entspricht nicht der Wirklichkeit. Die Italiener noch nicht ganz fertig. vi Zürich, 16. Mai. Der in Chur erscheinende „Freie Rhätier" berichtet: Eine in Chiasso eingetroffene Persönlichkeit versichert, daß erst nächste Woche Italien vollständig kriegsbereit sein werde, um den Kampf auf großer Basis aufzunehmen. Der Feind habe noch nicht mit einem Zehntel der äitalienischen Armee zu tun gehabt. Italienische Offensive von Serbien aus? tu Genf, 16. Juli. Pariser und italienische Blätter beschäftigen sich immer noch mit den Besprechtungen, die der italienische General Porro mit den leitenden französischen Kreisen hatte. Eine Pariser Nachricht der Genfer„Tribune“ besagt, daß General Porro mit Joffre und French die Möglichleit einer Verschiebung des italienischen Kriegsschauplatzes beriet. Da dem Vorgehen am Isonzo zu große Schwierigkeiten im Wege stehen, ist es nicht ausgeschlossen, daß die Italiener auch von Serbien aus eine neue Offensive gegen Oesterreich= Ungarn eröffnen. Turiner Meldungen erwähnen ebenfalls die Hypothese eines gemeinsamen italienisch=serbischen Angriffes. Die Hauptsache dabei wäre die Blockierung der österreichisch=ungarischen Flotte, damit eine italienische Armee ungehindert in Antivari, Valona oder Durazzo gelandet werden lönnte. Eine Friedensaktion in Italien. bb Wien, 15. Juli. Die„Reichspost“ meldet von der italienischen Grenze, daß gleichzeitig mit der Friedensaktion der Sozialiften Italiens maß' gebende katholische Kreise eine Propaganda für den Frieden einleiten. Das Blatt sagt: Um Italien eine halbwegs ehrenvolle Möglichkeit zu bieten, den weiteren Schäden des ruchlosen Krieges zu entgehen, soll vom Papst ein Waffenstillstand angeregt werden, der die Möglichkeit eines Ideenaustausches zwischen den europäischen Kabinetten gibt. damit so die Grundlage für Italien geschaffen werde, wieder zum Frieden zurückzukehren. * Der Hieg begen Valen., Der Hieg gegen Italien und das Rotbuch. Das neue österreichische Rotbuch wird vorläufig von der Presse nicht besprochen, hat jedoch wie ich erfahre, in Rom eine recht peinliche Verlegenheit hervorgerufen, da auch die Abschnitte behandelt werden, die Sonnino im Grünbuch absichtlich totschwieg. Besonders verstimmt die Darstellung des Rotbuches, daß die Berichte des Militärattachees zu Wien zum Kriegsentschluß beigetragen haben und daß Sonnino den König wissentlich falsch unterrichtet hat. Italiens Antwort wird voraussichtlich jedoch mehr aus Gegenbeweisen bestehen. Italiens Kriegsziel. Kopenhagen, 15. Juli. Der römische Korrespon' dent der„National Tidende“, Gandolfi, berichtet seinem Blatte über die Ziele Italiens. Das Ziel, das sich Italien jetzt gesteckt habe, sei, die strategisch wichtigen Punkte zu besetzen, die seine Grenze gegen Oesterreich schützen, so daß es eine mögliche österreichtsche Invasion verhindern und gleichzeitig irredentistische Gebiete behaupten könne. Aber selbstverständlich könne sich Italien hierauf nicht beschränken. Für Italien gelte es nicht allein zu nehmen, sondern das Genommene Kitcheners neue Rekruten. Aus London wird gemeldet: Nach englischen Blättermeldungen scheinen neue Truppen an der englischen Front angekommen zu sein. Reuter meldet darüber aus dem englischen Hauptquartier, daß die beendigte Ausbildung der neuen englischen Heere große Begeisterung bei den Truppen an der Front ausgelöst habe. Die Ankunft der neuen Formationen wurde geheimgehalten. Die neuen Truppen waren von denjenigen, die seit Beginn des Krieges an der Front gelegen haben, nicht zu unterscheiden. Die Mannschaften sahen genau so gebräunt und wetterfest aus, ihre Uniformen waren von dem Staub und Schlamm der Straßen Flanders genau so schmutzig, wie der der englischen Truppen in den Schützengräben. Bald darauf wurde bereits den nau angekommenen Rekruten Gelegenheit gegeben, ihre Feuertaufe zu erhalten. Eine Abteilung vermochte bereits unter einem sehr schweren Feuer Proben ihres Mutes abzulegen. Der General einer der neuen Divisionen äußerte zu einem Vertreter des Reuterschen Bureaus, daß man große Hoffnungen auf diese neuem Truppen setze. Die Ankunft dieser neuen Truppen hat das Vertrauen der entglischen Streitkräfte an der Front erheblich gestärkt. Die englische Gewaltherrschaft im Mittelmeer. bb Athen, 15. Juli. Nach einer Mitteilung der „Nea Imera" beabsichtigt die englische Regierung, Venizelos, wenn er wieder an die Regierung gelangt ist, den Vorschlag zu machen, ein englisches Expeditionskorps von 150000 Mann in, Saloniki zu landen, das gemeinsam mit den griechischen Truppen gegen die Türken marschieren soll. Bulgarien soll ausgefordert und allenfalls gezwungen werden die verbündeten Truppen passieren zu lassen. Kanadas Gegenrechnung. Wien, 15. Juli. Die„Montagszeitung“ meldet aus dem Haag: Holländische Bankkreise erfahren aus London, daß die kanadische Regierung die kürzlich zugestandene Erhöhung des kanadischen Uebersee=Truppenkontingents auf 150000 Mann der engkischen Regierung sehr teuer machen will. Kanada fordert dafür nämlich eine Verstärkung seiner wirtschaftlichen und politischen Unabhängigkeit vom Mutterlande. Eine britische Niederlage in Afrika. tu London, 16. Juli. Wie die„Times“ aus Rhodesta nachträglich meldet, haben dort kürzlich sehr heftige Gefechte zwischen Engländern und den Deutschen an der nördlichen Grenze von Rhodesia stattgefunden. Am 29. Juni erfolgte ein besonders heftiger Angriff der Deutschen auf die britischen Stellungen bei Aberkorn. Die deutschen Streitkräfte bestanden aus 70 Weißen und 500 Schwarzen mit drei Maschinengewehren. Die Engländer erlitten schwere Verbiste. Ueber die letzten Stunden vor der Uebergabe in Deutsch=Südwest meldet Reuter aus Otaviafontein: Niemand konnte wissen, was der folgende Tag bringen würde, ob Frieden oder heftiges Gefecht. Die Uniontruppen erhielten Befehl, sich bereit zu halten, um wieder in ihre Stellung marschieren zu können, sobald der Termin des Utimatums abgelaufen sei. Die letzten Augenblicke waren sehr spannend; die Offiziere liefen in der pechschwarzen, mondlosen Finsternis, notdürftig gegen die winterliche Kälte bekleidet, umher und ermunterten ihre Truppen, sich wacker zu halten und bereit zu sein zum Kampfe. Inzwischen erwartete ein Generalstabsoffizier ganz allein, neben einem Automobil an einer einsamen Stelle der Eisenbahnlinie in der Nähe von der Otavistation die Ankunft des deutschen Zuges, der den endgültigen Beschluß bringen sollte. Eine Minute nach ½3 Uhr morgens war der äußerste Termin, wie Bothas Befehl lautete, abgelaufen. In dersellben Minute blitzte ein Lichtstrahl durch das Gebüsch und ein Zug, bestehend aus einer Lokomotive und einem Wagen, kam an die verabredete Stelle. Aus dem Wagen sprang schnell ein deutscher Offizier und händigte dem wartenden englischen Offizier ein versiegeltes Kuvert aus. Das englische Automobil raste nach dem Hauptquartier zurück und bald darauf verbreitete sich die Kunde, daß die deutschen Truppen kapituliert hätten. Die zuversichtliche Stimmung der kriegsgefangenen Deutschen in Südwest. London, 15. Juli. Das Reutersche Bureau meldet aus Otavisontein: Heute kam hier der erste Teil der deutschen Truppen an, die sich in DautschSüdwestafrika ergeben haben. Es#wbaren ungefähr 400 Reservisten. Morgen kommen weitere 1100 Manzi an, und am Dienstag folgen die Schutztruppen. Die Kriegsgefangenen, die vorzüglich ausfahen, hatten ihre Ausrüstung bei sich. Es wirden besondere Maßnahmen getroffen, um die erbeuteten Waffen und die Munition zu befördern. Bei Ankunft des Zuges fanden keine Kundgebungen statt. Die Gesangenen sahen keineswegs nie dergeschlagen aus. Im Gegenteil schien die Befriedigung über den bisherigen elf Monate dau ernden Feldzug auf ihren Gesichtern zu sehen zu sein. Alle Gefangenen erklärten, daß sie nur noch für einige Tage Lebensmittel gehabt hätten. Vom Kreuzer„Königsberg“. Berlin, 15. Juli. Die„Voss. Ztg.“ berichtet aus Amsterdam: Ein Marineoffizier aus Lancashire, der an den ersten Operationen gegen den dautschen Kreuzer„Königsberg" teilgenommen hatte und soeben nach Hause zurückkehrte, erzählte einem Korrespondenten der„Daily Expreß", daß„Königsberg“ von sechs Wasserflugzeugen bombardiert, aber nicht versenkt wurde. Der Kapitän eines britischen Kriegsschiffes, das vor der Flußmündung lag, sandte dem Kommandanten der in der RusijdyMündung eingeschlossenen„Königsberg“ den drahtlosen Wunsch:„Ich hoffe, Sie bald zu sehen", worauf prompt die Antwort einlief:„Besten Dank! Wenn Sie mich zu sehen wüpschen, ich bin stets zu Hause“ Der Krieg gegen Franhreich. Ein Mordanschlag auf das Ehepaar Caillaux. Berlin, 16. Juli. Dem„Lok.=Anz.“ wird berichtet: Die„Independance Belgé“ meldet aus Paris: Die französische Zenfur unterdrückt Berichte über ein Attentat auf Caillaux und seine Frau. Als das Ehepaar Caillaux am Montag früh in Passy eine Spazierfahrt machte, wurde sein Kraftwagen angehalten. Mehrere Personen stürzten sich auf die Insassen und hieben mit Schlagringen so brutal auf beide ein, daß sie blutüberströmt zusammenbrachen. Schwerverletzt wurde Caillaux und Frau unter Schmährufen der Menge in die Klinik Doyen gebracht. Das Blatt bemerkt hierzu, daß einigen Pariser Politikern durch Zuschriften Lynchjustiz angedroht wurde, falls sie ihre Friedenswünsche nicht aufgeben. Die vlämische Bewegung in Belgien. wtb Haag, 15. Juli. Der„Nieuwe Courant“ veröffentlicht einen Artikel seines Korrespondenten aus Aardenbuurg über die vlämische Bewegung in Belgien, in dem ausgeführt wird: Noch vor einem halben Jahre konnte von einer selbständigen vlämischen Bewegung keine Rede sein. Dann kam die Zerspllitterung in zwei Richtungen, die eine, mit ihrem Hauptsitz in den Niederlanden, war vor allem belgisch und wollte erst das Vaterland befreien, die andere, mit dem Hauptsitz in Genf, hatte das Schlagwort: Flandern über alles, Belgien ist nur ein geographischer Begriff. Die Anhänger dieser Bewegung glauben, es sei der historische Augenblick gekommen, um Flandern von der Fremdenherrschaft zu befreien. Der erste Programmpunkt war, daß in Flandern unter vlämischer Verwaltung und damit aus nationall gesäuberter Umgebung eine echt vlämische Kultur entstehen könnte. Die beiden Richtungen, die erst einander bekämpften, finden jetzt einander wieder. Bekannte Vlamen nehmen an der Bewegung teil und arbeiten für ein starkes, freies vlämisches Volk. Nicht der Ausgang des Krieges solle entscheiden, sondern der einigende Wille aller Vlamen, weder deutsch noch französisch zu sein. 9— Der Krieg der Türkei. Die heißumstrittenen Dardanellen. tu Athen, 16. Juli. Einer Meldung des„Messagero“ zufolge bereiten die Verbündeten mit fieberhafter Eile einen neuen Angriff auf die Dardanellen vor. Die in Malta ausgebesserten Kriegsschiffe sind wieder nach den Dardanellen gegangen. Die Tochter des Freiherrn. Roman von F. Nauenheim. 6 „Wissen Sie übrigens, was ich mir immer „und das wäre, Herr Braun?“ fragte Frau Ehlert gespannt. „Daß man Ihnen die Kleine vielleicht für inmerwährende Zeiten überläßt.“ „Für— immerwährende— ach, Sie glauben dus nohl nicht im Ernste?“ stammelte die gute Irau, deren Herz bei dieser Vorstellung vor Freude „Nein, für immer wird sich Herr Fels doch kaum von seinem Kinde trennen wollen," setzte sie ängst„Isch aber, liebe Frau Therese, glaube das sogar stark, denn ich teile in diesem Punkte die Ansicht meiner Vroni, daß die arme Kleine ihrem schönen, vornehmen, jugendlichen Papa, der doch wohl nicht immer einsam durchs Leben zu wandeln gesonnen ist, einmal sehr im Wege sein dürfte." „Aber— warum denn? Wenn sie doch seine leibliche Tochter ist?“ „Nun ja, das schon, aber, hmn Sie verstehen mich doch? Und warum verkriecht sich denn der schöne Herr so ängstlich? Und hat er zu Ihnen ausdrücklich von seiner— Fran gesprochen?" „Nein; er sagte nur, daß Paulas Mutter gestorben sei, und da kann man sich ja leicht einen Vers daraus machen. Immerhin aber sorgt er brillant für das Kind.“ „Wäre noch schöner, wenn er es nicht täte! Ich glaube, bevor er sich die Kleine an den Hals hinge, würde er lieber doppelt soviel an Kostgeld für. sie bezahlen. Ob er sich nun wirklich nicht mehr bei Ihnen zeigen wird, Frau Ehlert? Darauf wäre ich kolossal neugierig. Vielleicht dann einmal, wenn Paula größer wird? Kann man denn wissen, was er im Sinne hat?“—Herrn Branns halb scherzhaft gemeinte Bemerkung schien sich zu bewahrheiten, denn Paula zählte heute schon 4 Jahre, ohne daß Herr Fels auch nur die leiseste Andeutung gemacht halte, seine kleine Tochter zurückzufordern. Pünktlich jeden 1. Inni wurde wohl durch Vermittlung Doktor Worels, das Kostgeld gesandt, wie auch stets zu Weihnachten eine reiche Geldsendung einOft schaute Frau Therese halb glücklich, halb wehmütig auf die ihrem vereinsamten Herzen immer teurer werdende Kleine und fragte sich dann immer, wie sich wohl die fernere Zukunft dieses trotz Wohlleben armen Geschöpfchens gestalten würde? Daß der Vater sich nicht nach seinem Kinde sehnte, sich vielleicht wirklich für immer von diesem fernhalten wollte, daran war kaum mehr zu zweifeln und Frau Therese gewann dadurch immer mehr und##ehr die Ueberzeugung, daß Paulas Mutter nicht i###e legitime Gattin dieses Herrn Fels gewesen sein konnte, und so umfaßte diese edelmütige Frau das verlassene, vielleicht gar verleugnete Kind mit um so inniger mütterlicher Liede. Manfa. Hanheren Pkan „Ichwollte, ich könnte Pama aboplieken, haltte sie erst gestern zu den Brauns geäußert;„wenigstens wüßte sie, wem sie angehort.“ „Hm, wer weiß, ob Herr Fels nicht mit Vergnügen auf solch einen Vorschlag eingehen und Ihnen sogar mit ebensoviel Vergnügen noch eine anständige Abfindungssummeeinhändigenwürde?“ hatte Herr Braun, lebhaft interessiert, geautoorre#. „Glauben Sie, daß ich's im Ernst versuchen sollte? Nur möchteich nicht, daß er meint, ich täte es um des Geldes willen; am liebsten nähme ich nicht einen Heller.“ „Was, Sie müssen mir schon verzeihen, mehr als Torheit wäre, denn dieses Geld käme doch auch Paula zugute. Wer Sie so genau kennt wie wir, weiß schon, daß Sie es nicht um des schnöden Gewimes willen täten.“ „Wie schade, daß die Sache sich wohl nicht ausführen läßt!“ „Und warum sollte sich's nicht machen? Aufrichtig gesagt, so uneben wär' die Geschichte nicht. Warten Sie nur noch eine zeitlang, vielleicht, daß, bis die Kleine ins schulpflichtige Alter kommt, ihr Papa doch anderes mit ihr vorhat.“ „Sie meinen?“ „Daß er sie möglicherweise in ein nobles Institut stecken will.“ „Ach, Du lieber Himmel," flüsterte Frau Therese, ganz erschrocken, und drückte Paula, die sich ihr eben näherte, mit Wehmut aus Herz. „Nun, es ist nur ein momentaner Einfall von mir; vielleicht denkt Herr Fels nicht einmal daran," beruhigte Herr Braun die Erschrockene.„Also, wie gesagt, abwarten!“ „Auf jeden Fall liegen noch zwei Jahre vor mir, wo ich mich ungeschmälert des Besitzes meines Lieblings erfreuen kann,“ antwortete Frau Therese mit frohem Lächeln. „ 4. Kapitel. Gisela von Milius saß auf der Terrasse einer in der Nähe der Kurpromenade gelegenen hocheleganten Villa und schaute ziemlich verdrossen vor sich hin. Man hätte die junge Dame hübsch nennen könneu, wenn ihre etwas scharf geschnittenen Züge eineu weniger hochmütigen Ausdruck und die lichtgrauen Augen einen wärmeren Blick gehabt hätten. Umgeben von Glanz und Luxus, Erbin eines Millionenvermögens und deshalb in der vornehmen Welt eine erste Rolle spielend, hatte Baronesse von Milius der Stunden, ja Tage genug, wo ihr das Leben nahezu unerträglich schien, wo sie mit Gott, der Welt und— mit sich selber haderte und die erstbeste Bettlerin, die mir einem bleichen Kindlein auf den Armen, mühselig ihrer Wege ging, beneidete. Als sie eines Tages solch ein in Flicken gekleidetes Weib auf der Landstraße traf, leerte sie, einem Impulse folgend, ihre Börse in die schmutzige Hand der Frau, an deren Rock zwei hohlwangige Kinder hingen. „Welch eine Last müssen diese Kinder für Sie sein! Warum geben Sie sie nicht irgendwohin, um die Hände freizubekommen?“ fragte sie mit harter Stimme, worauf jedoch das Weib den Kopf schüttelte und in den tiefliegenden Augen ein warmes Licht aufglomm. „Diese zwei da sind mein Alles, und lieber in' ich Tag und Nacht arbeiten oder hungere und bettle, als ich sie weggebe,“ antwortete das Weib, die Baronesse aber lachte kurz und rauh auf und ging ihres Weges. Diese Landstreicherin hatte etwas, das sie lieben konnte und von dem auch sie geliebt wurde, wer aber liebte die hochgeborene, reiche Baronesse und wen liebte sie? Sie hatte beide Eltern sehr früh verloren und eine Taute, mit der sie sich aber nie recht verstehen konnte, vertrat an ihr Mutterstelle; Freundinnen hatte sie auch nicht, denn ihre schroffe Eigenart, ihr Hochntut stießen sie zurück; man respektierte in ihr die reiche Erbin, man erkamnte ihre geistige Ueberlegenheit an, aber man wurde nicht„warm“ bei ihr, man liebte sie nicht, beneidete ste höchstens wegen ihres großen Reichtums und wegen ihrer Unabhängigkeit.„ 227,16 Die Baronesse wußte ganz gut, wie wenig Sympathie man ihrer Person entgegenbrachte und daß die Männer der eleganten Welt sie nur um ihres Vermögens willen umschmeichelten; aber unter all den zahllosen Bewerbern um ihre Hand war auch nicht ein einziger, dessen Gemahlin sie zu werden sie gewünscht hätte. Man nannte sie kalt, viele sagten ihr Herzlosigkeit nach und meinten, sie wolle auf einen Prinzen warten. Dem war jedoch nicht so, auf einen„Prinzen“ wartete Gisela von Milius nicht, obivohl sie ziemtlich anspruchsvoll war. Von England und Frankreich sind außerdem neue Verstärkungen eingetroffen. Ebenso ist eine große Anzahl schwerer Geschütze nebst riesigen Mengen von Munition dert angekommen. Man erwartet den Angriff noch vor Ende Juli. wtb Athen, 16. Juli. Von unserem Sonderberichterstatter wird uns unterm 14. Juli aus Mytilene gemeldet: Die Angriffe der Alliierten werden trotz der letzten Niederlage heute mit verzweifelten Anstrengungen gegen Atschi Baba und Krithia wieder aufgenommen. Kriegsschiffe bombardieren aus weiter Entfernung die DardanellenSert..— Die Balkanstaaten. Scheitern der Verhandlungen zwischen Vierverband und Bulgarien. Bukarest, 16. Juli. Einer Information des „Adverul“ aus unterrichteten bulgarischen Kreisen in Sofia zufolge sind die Verhandlungen zwischen dem Vierverbande und dem bulgarischen Kabinett auf dem toten Punkt angelangt. Man habe in diplomatischen Kreisen den Eindruck, daß die letz ten Bemühungen der Diplomatie des Vierverbandes, den Balkan für sich zu gewinnen, völlig gescheitert seien. Rumänisches Getreide nach Deutschland. tu Haag, 15. Juli. Den„Times“ wird aus Mytilene gemeldet, ein großer Teil der reichen Kornernte Rumäniens werde wegen des Mangels eines anderen Aussuhrweges(wegen Schließung der Dardanellen) wahrscheinlich nach Deutschland und Oesterreich gehen. Aus Bukarest wird dazu gemeldet, daß große Mengen Getreide für deutsche Rechnung aufgekauft worden seien, die jetzt an Bord von Donauschiffen in rumänischen Häfen liegen. Die Regierung werde aus nationallen Gründen ein völliges Ausfuhrverbot von Getreide nach Deutschland kaum erlassen können. Die rumänische Presse über Italiens Krieg. Bukarest, 15. Juli. Die rumänische Presse, soweit sie nicht notorisch im Dienste Rußlands steht, veröffentlicht im ganzen Umfange die Wiener und Berliner Depeschen über die italienische Niederlage bei Görz. Die meisten Blätter betonen bei dieser Gelegenheit die Geschichte vom Treubruch Italiens und üben daran eine vernichtende Kritik. Serbien konzentriert Truppen an der bulgarischen Grenze. Berlin, 15. Juli. Der„Lok.=Anz.“ berichtet aus Bukarest:„Seara“ berichtet aus Nisch, daß die Serben bedeutende Truppenmengen von der österreichischen Grenze weggenommen haben, um sie an der bulgaxischen Grenze zu konzentrieren. Im serbischen Typhus=Zentrum. bb' Kopenhagen, 15. Juli. Nach der„National Tidende“ schreibt ein Pariser Arzt aus Serbien: Ich befinde mich hier im reinsten Typhus=Zen trum. Es ist entsetzlich, schaudervoll, untröstlich. Wir haben strengen Befehl, weder Zahlen noch Einzelheiten anzugeden. Die Lage ist so, daß die Kranken aus Platzmangel stehend sterben. Man belegt dasselbe Bett mit zwei, ja drei Leuten. Man bringt sie unter den Betten und überall auf dem Boden unter, und sie röcheln dabei, ohne auch nur ein Bein ausstrecken zu können; so sind sie zusammengepfercht. Der Brief schließt mit der eindringlichen Bitte um Unterstützungen. Vertagung der griechischen Kammereröffnung. tu Athen, 16. Juli. Die Anschauung, daß die Kammereröffnung mit Rücksicht auf die noch bestehende Schwäche des Königs nicht am 20. Juli stattfinden, sondern um 2 bis 4 Wochen vertagt werden wird, hat in den letzten Tagen sehr an Wahrscheinlichkeit gewonnen. Fliegerbomben auf Belgrad. tu Mailand, 16. Juli. Die Blätter melden, daß feindliche Flieger Bomben auf Belgrad abwarfen und großen Schaden anrichteten. Menschenverluste seien nicht zu verzeichnen. Montenegrinischer Angrisf in Sicht? bb Cetinfe, 16. Juli. König Nikita erklärte in einer Rede während eines Esseng zu Ehren des serbischen Generals Jankowitsch, daß die montene grinische Arme gegen den gemeinsamen. Feind 3u marschieren wünsche. Der Künig reist in den nächsten Tagen nach Ritschitsch, um eine Truppen schau über die Nordarmee abzuhalten. Man er wartet, daß die Montenegriner an der österreichi schen Front angreifen. Deutschland und Amerika. wtb Paris, 16. Juli.(Nichtamtlich.) Blättermeldungen aus Washington zufolge hat der Sekretär des Präsidenten Wilson folgendes Telegramm von diesem erhalten: Seit dem Augenblick des Eintreffens des amtlichen Wortlautes der deutschen Note habe ich diese Angelegenheit aufmerksam geprüft. Ich halte mich in. ständiger Verbindung mit dem Staatssekretär und mit allen Quellen, die die Lage aufklären könnten. Sobald' der Staatssekretär und ich die Lage völlig erwogen haben und zu einem Urteil gelangt sind, werde ich nach Washington zurückkehren, um die Meinung meiner engeren Berater entgegenzunehmen. Das Kabinett wird versammelt werden, um so schnell wie möglich eine Mitteilung aufzusetzen, die die Absichten der amerikanischen Negierung bekanntgeben soll. Der Empfang der Kriegsinvaliden. wtb Bern, 15. Juli. Ein Vertreter des„Bundes" wohnte der Ankunft der Invaliden in Konstanz bei. Er schreibt seinem Blatte darüber: Was sich da dem Sinn und Gefühl darbot, läßt sich nicht beschreiben. Die Invaliden begrüßten nach unzähligen Leiden seit mehreren Monaten zum erstenmal ihre Heimaterde. Deutsche Brüder und Schwestern entboten ihnen voll gedämpftem Jubel, voll Dank und Bewunderung den heimatlichen Willkommengruß. Welches Auge konnte trocken Lleiben, wo die ganze Volksseele sich in ihrem tiefsten Gefühl dankbar öffnete und ihr Bestes hergab in dem Gedanken an das Vaterland? Ununterbrochen brausten tausendstimmige Hurras dem einfahrenden Zuge entgegen. Als dann die Musik die Nationalhymne anstimmte und an den Zugfenstern die Ankömmlinge fast trunken vor Freude winkten und in die Rufe einstimmten, da war der Eindruck auch auf die Neutralen überwältigend. Noch eins muß ich erwähnen, worum ich ersucht worden bin, daß die Zuginsassen mit dem größten und wärmsten Dank der Teilnahme und Fürsorge gedachten, die sie auf ihrer Durchfahrt durch die Schweiz erfahren haben. Schon in Genf habe man sie mit Blumen und Teilnahmebezeugungen erfreut, gleichfalls in Freiburg, Bern und Zürich. Solche Menschenfreundlichkeit zu finden, zumal in der französischen Schweiz, deuutschen Soldaten gegenüber hätten sie nicht erwartet. Aus Stadt und Umgebung. Der Jahrestag des Kriegsbeginns ein Opfertag. Die„Münchener Neuesten Nachrichten“ regen in einem Aufruf an, den Jahrestag des Kriegsbeginns durch einen deutschen Opfertag zu feiern, in der Art, daß jeder an diesem Tage ein Opfer bringt, entweder zugunsten des Heeres oder zugunsten aller Unternehmungen, die eine Linderung der Kriegsnot zum Ziele haben, wie das Rote Kreuz, der Rote Halbmond, der Wohlfahrtsausschuß, Kriegsfürsorge aller Art, für Anschaffung von Sanitätskraftwagen, für die Verwundetenhilfe, Blinden, Witwen, Waisen und notleidenden Kriegerfamalien, für die Opfer der russischen Bestialitäten in Ostpreußen usw. Wenn jeder nach seinen Kräften opfert, wenn die wohlhabenden die Gaben der Armen ergänzen, so heißt es in dem Aufruf, dann muß es den 60 Millionen Deutschen ein leichtes sein, auch 60 Millionen Mark, oder mehr zusamenzubringen, als Frucht dieses Opfertages. (In der Ausschrift der Sendungen an Kriegsgefangene), genügt zur Unterbringung der Sen dungen meben der Angabe des Namens, Dienst grades und Bestimmungsortes die Bezeichnung der Kompagnie(Eskadron, Batterie) und des Negiments(selbständigen Bataillons). Weitere Angaben, wie sie für Feldpostsendungen vorgeschrieben sind, z. B., Brigade, Division, Armeekorps, denen der Cefangene angehört hat, beeinträchtigen die Uebersichtlichkeit und Deutlichkeit der Ausschrift und damit die richtige Zustellung. Senduungen mit solchen weitergehenden und irreführenden Angaben werden von den Postanstalten nicht mehr befördert, sondern den Absendern zurückgegeben. **(Gegen die Verteuerung des Lebensunterhalts.) Wie der„Berl. Lok.=Anz.“ mitteilt, haben sich die zuständigen Reichsstellen nunmehr zu einem tatkräftigen Vorgehen gegen die allgemeine Verteuerung des Lebensunterhaltes entschlossen. Maßnahmen gegen die künstliche Verteuerung des Zuckers sind bereits in Aussicht genommen. Ferner soll alles getan werden, um der Bevölkerung eine ausreichende Versorguung mit Eiern zu sichern. Außerdem sei erwähnt, daß sich auch die Fleischfrage in tatkräftiger Bearbeitung befindet. Der Vorstand des Deutschen Städtetages hat dafür einen Ausschuß eingesetzt, der mit der Untersuch ung der verschiedenen vorgeschlagenen Mittel beschäftigt ist. **( F e l d p o s t h r ü ß e)“ s i n d u n s i n l e t z t e r J e i t i n solcher Anzahl zugegangen, daß wir uns auf eine zusckmmenfassende Wiedergabe beschränken müssen. So sandten Grüße Rekruten aus dem Sennelager und von Kastenach, Landwehrleute aus den Vogesen, Reservisten aus den Karpathen, Husaren aus Rußland, Artilleristen von der Lorettohöhe. Allen Einsendern besten Dank und Heimatguuß. **(Münzprägungen.) In den deutschen Münzstätten sind im Monat Juni zur Auspräguung gelangt für 1506600 Mk. Doppelkronen, sämtlich auf Privatrechnung, für 150000 Mk. Dreimarkstücke, für 3947 438 M. Einmarkstücke, für 122 496,80 Mk. Zehnpfennigstücke, für 33 541,75 Mk. Fünfpfennigstücke, für 31 581,60 M. Einpfennigstücke. Die Ausprägungen unterscheiden sich nach Umfang und Münzsorten nicht wesentlich von den Ausprägungen in den letztvergangenen Monaten. Bis Ende Juni d. J. beläuft sich unter Einrechnung der vorher geprägten und nach Abrechnung der wieder eingezogenen Stücke die Gesamtausprägung auf 5 164 878 540 Mark Goldmünzen, 1243 247 968 MkSilbermünzen, 11 092 187,55 Mk. Nickelmünzen, 24 735 074,01 Mk. Kupfermünzen. **(Einbruchsdiebstähle.) Heute nacht sind die Spitzbuben wieder an der Arbeit gewesen und ha ben den Wirtschaften Potthoff und Duisberg am Ostentor Besuche abgestattet. An beiden Lokalen waren heute morgen einige Fensterscheiben zertrümmert. Während die Diebe jedoch bei P. höchstwahrscheinlich durch den wachsamen Hund verscheucht wurden, haben sie bei Duisberg, wo sie durch die zertrümmerten Fenster in das Wirtszimmer eindrangen, reiche Beute gemacht und Zigarren, Zigaretten, Liköre rc. gestohlen. Leider fehlt von den Dieben noch jede Spur. **(Ein gutes Hasenjahr.) Nach Mitteilungen aus Jägerkreisen scheinen die Aussichten für die kommende Jagdzeit nicht ungünstig zu sein. Die lange anhaltende Hitze im Monat Juni, der Mangel an Negen mag zwar dem Hühnervolke einigermaßen geschadet haben, denn bei vorherrschender Dürre gehen die jungen Hühner leicht ein. Dafür aber kommt die heiße, trockene Witterung wieder den Hasen zugute. Diesen schadet allzu feuchtes Wetter, denn es fördert die den Hasen epidemischen Krankheiten. Ein sicheres Bild, wie viele junge Hasen während des Sommers eingehen, läßt sich freilich nicht gewinnen— die zahlreichen Füchse pflegen mit den toten Tieren gründlich aufzuräumen. Immerhin sieht man Meister Lampe in Feld und Flur so fleißig umherspringen, daß man auf reichliche Bestände schließen darf. Und das ist gut so. Denn mehr als je werden in diesem zweiten Kriegsherbst die Erträgnisse der Jagd für die Volksernährung von Bedeutung sein. **(Der Privat=, Güter= und Paketverkehr nach Galizien gefperrt.) Wegen starker Inanspruch nahme der Eisenbahnen auf dem Kriegsschauplatz Gatizien muß, der bisher nach der Südarmee Lin singen zugelassene Privat=, Güter= und Paketverkehr bis auf weiteres eingestellt werden. Privatsendungen von Gütern und Paketen können somit einstweilen nach dem ganzen galizischen Kriegsschauplatz nicht angenommen werden. Bei Zweifeln über die Zugehörigkeit der Truppenteile zu den höheren Verbänden wird Anfrage bei dem nächsten Militärpaketdepot mittels der bei jeder Postanstalt erhältlichen grünen Karten empfohlen. (Amtlich.) Vertriebsgesellschaften für Kohlenbergbau. Unter Aufsicht des Staates, In der letzten Sitzung des Bundesrats wurde dem Entwurf einer Bekanntmachung über die Errichtung von Vertriebsgesellschaften für den Steinkohlen= und Braunkohlenbergbau die Zustimmung erteilt. Durch die auf Grund des Ermächtigungsgesetzes vom 4. August 1914 vom Bundesrat beschlossene Verordnung werden die Landeszentral= behörden ermächtigt, die Besitzer von Steinkohlenbergwerken und Braunkohlenbergwerken ohne ihre Zustimmung zu Gesellschaften zu vereinigen, enen die Regelung der Förderung, sowie der Absatz Bergwerkserzeugnisse der Gesellschafter obliegt. Die Errichtung einer derartigen Zwangsgesellschaft hat zür Folge, daß die beteiligten Bergwerksbesitzer in der Förderung und in dem Absatz der gewonnenen Bergwerkserzeugnisse nicht mehr frei sind, sondern den Beschränkungen unterliegen, die sich aus der Verordnung selbst u. aus der Satzung ergeben, die zur näheren Regelung der Rechtsverhältnisse der Gesellschaft und der Gesellschafter von der Landeszentralbehörde m erlassen ist. Nach der Veroronung liegt den Gesellschafters namentlich die Verpflichtung ob, vom Geschäftsbeginne der Gesellschaft ab ihre Bergwerkserzeugnisse der Gesellschaft zum Zwecke des Absatzes zu überlassen. Zur Sicherung der öffentlichen Interessen gegenüber dem starken wirtschaftlichen Einfluß, den ein solches Zwangssyndilat der Zechenbesitzer haben wird, sind in der Verordnung dem Staat verschiedene Vissichtsbefugnisse eingeräumt. Insbesondere ist ihm eine gewisse Einflußnahme bei der Preisbildung vorbehalten. Die Verordnung wird alsbald bei der Frage der Erneuerung des Rhein.# Westfäll. Kohlensyndikats praktische Bedeutung gewinnen. Der Eintritt eines syndikatlosen Zustandes würde von tiefgreifenden Störungen unseres wirtschaftlichen Lebens begleitet sein. Zunächst wäre in Zeiten der Kohlenknappheit eine ungehemmte Aufwärtsbewegung der Köhlenpreise zu Lasten der Verbraucher zu erwarten, der dann in Zeiten reichlichen Kohlenangebots ein starker Preissturz mit seinen für die Löhne den Bergarbeiter und die Finanzen der im Kohlengebiet gelogenen Gemeinden gleich nachteiligen Wirkungen folgen würde. Derartigen wirtschaftlichen. Erschütterungen muß während des Krieges und der auf ihm folgenden Jahre mit allen zulässigen Mitteln vorgebeugt werden. Die Vererdnung des Bundesrats läßt übrigens auch nach ihrem Inkrafttreten den Zechenbesitzern des niederreihnisch=westfälischen Steinkohlenreviers noch den Weg des freiwilligen Zusammenschlusses offen. Denn sie bestimmt ausdrücklich, daß von der den Landeszentralbehörden beigelegten Befugnis zur Bildung eines Zwangssydikats kein Gebrauch zu machen ist, wenn von Bergwerksbesitzern, deren Förderung mehr als 97 v. H. der Gesamtförderung des in Betracht kommenden Bezirks ausmacht, innerhalb einer durch die Landeszentral= behörde zu bestimmenden Frist eine Vereinigung zum Zweck des gemeinsamen Absatzes der Bergwerkserzeugnisse durch Vertrag gebildet wird. Voraussetzung ist hierbei, daß die Landeszentralbehörde durch den geschlossenen Vertrag die öffentlichen Interessen für gewahrt erachtet. Dadurch ist also dem Staat auch für den Fall der freiwilligen Syndiketsbilluung ein gewisser Einfluß gewährt. Zerantwortlich für die Redaktion Friede. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Corce Mammonia verleiht jeder stärken Dame eine gute Figur und sitzt bequem, auch in sehr weiten Nummern vorrätig. Orte Marz Sohweeig Iotenohr. 10 „Ein solch gutes Millel gegen Lsundel wie„Saluderma“ habe ich noch nie kennen gelernt. Mein Arm war stark vereitert Nur zweimalige Anwendung von„Saluderma" beseitigte sofort die EntZündung und Eiterung. Helene Stöhr.“ Dose 50 Pf. u. 1 M. ärkste Form) bei Hlhofe, Oroßerie. Abgeschlossene Etagen von 3, 4, 5 und 6 Zimmern, mit Badezimmer, Speisekammer, Erker Balkon, Leucht= und elektr. Garten und allen sonsligen Bequemlichkeiten, per sofort oder später zu vermieten. 3124 Wilhelm Luck, Königstr. 5a Hwaugsverkauf. Am Samslag, den 17. Juli er, vormittags 10 Uhr. werde ich im Pfandlokale Wirtschaft Möller„zur Sonne“ Westenstraße hierselbst 1 Registrierkasse, 1 Vertikow, 2 Sopha, 1 Pultschrank, 1 Ausziehtisch und 1 Ladenschrank gegen bar versteigern. Morgenroth, 34°4—. Gerichtsvollzieher. Bekanntmachung. Die seitens der Gemeindevertretung zu Annen unterm 17. Juni 1915 getätigte Wiederwihl des Fabrikd rektors Fr. Wollenweber zu Annen als Gemeindevorsteher von Annen auf eine gesetzmäßige Amtsdauer von 12 Jahren ist von mir in Gemäßheit des§ 38 der Landgemeinde-Ordnung vom 19. März 1856 und des§ 25 der Kreisordnung vom 31. Juli 1886 am heutigen Tage bestätigt worden. Hörde, den 29. Juni 1915. Der Königliche Landrat. I. V.:(gez.) Dr. Burchord. 3396 zu vermieten. Soriftliche Angehole unter G. 3345 an die Geschäftsstelle der„Schwerter Itg.“ von 2 Zimmern mit Stall und Garten an ruhige Leute zum 1. Oktober zu vermieten. 3191 Oslbellweg 68. PerInn..... vorrätig in der Büchhandlung Carl Braus Schwerte(Ruhr). Große Marktükr. 3—9. Bekanntmachung. Die seitens der Gemeindeoertretung zu Annen unterm 17. Juni 1915 getätigte Wiederwahl des Fabrikanten Heinrich Beckhoff in Annen als stellv. Gemeinde=Vorsteher von Annen auf eine gesetzmäßige Amtsdauer von 6 Jahren ist von mir ia Gemäßheit des§ 38 der Landgemeinde=Ordnung vom 19. März 1856 und des§ 25 der Kreis=Ordnung vom 31. Juli 1886 am heutigen Tag bestätigt worden. Hörde, den 29. Juni 1915. Der Königliche Landrat. Stechee. 447 Liebseuchenpolizeiliche Anoronung. Jum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 (R.=G.=Bl. S 519) mit Ermächtigung des Herrn Regierungspräsidenten folgendes bestimmt:.....„ Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. It. unter dem Rindviehbestande des Landwirts Braß zu Kückshausen. Gem. Westhofen.„ Inmarnungesnaumt! Als Sperrbezirn wiro bestimmt: Gul Küchshausen....#.p. Eumsen mnien. Auf diesem Bezirk sinden vie Bestimmungen unter i meiner viehseuchenpoltzeilichen Anordnung vom 6. Juli 1915 Auwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zettung) vom 10. Juli er. Nr. 159(Beilage) enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet Die Adschnitte 111—VII einschl. der genannten Anordnung bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz des§ 5 Zisser 1 wie folgt gekndett wird: In dem Amte Westhosen witd verboten. Hörde, den 14. Juli 1915. Der Landrat. 3399 105 Mimm hat begönnen. fabelhaft billigen Preise erregen berechtigtes Aufsehen. Der kolossale Andrang in den letzten Tagen. ist der beste Beweis, wie enorm billig die Preise meiner nur erstklassigen Damen-Konfektion sind, Jackenkleider in Leinen, Frotts, Cherbt, früher bis 6550 Jackenkleider in blau Kammgarn, Twill, Cotels und Seide, früher bis 175.— Jackenkleider in einfarbigen und schwarz-weissen Stoffen, früher bis 175.— Jetzt Serie Talllenkleider Mousseline, Volle, Seide, früher bis 175.— Weisse Kleider Batist, Volle, Seide, früher bis 225.—.. Mäntel und Jacken in Popeline, Alpaccs, Moiré und Seide, früher bis 115.—..... Jetst Serie Blusen Batist Volle und Seide, früher bis 1650 Strassenröcke Die Ausverkaufspreise sind auf jedem Stück mit Blaustift verzeichnet. Dortmund Brückstr. 18 Dortmund Brückstr. 18 Erstes und grösstes Spezial-Geschäft in Westfalen. Neue bolländer Mausekartortein 10 Pfd. Mk. 0,90 empfiehlt L. Weinberg. 0 Scmirtlicne-Krochten aller Art werden prompt und diskret angefertigt. Rekla mationen, Gesuche etc, Bearbeitung von Steuersachen, Beitragen und Neueiprichtung von Geschäftsbüchern usw. usw. unter gewissenhafter Ausführung.— Abschriften und Vervielfältigungen. Unterricht in Stenographie, Maschinenschreiben und Buchführung.(3144)— Mässiges Honorar Jos. Krimmelbein Schwerter Sebreibstube, Kleppingstrasse 7. Flolie gesucht. Angebote mit Gehaltsansprüchen vorläufig nur schriftlich erbeten. C. Rob. Lohmann, 3365 G. m. b. H. Westhofen(Westf.). Viehseuchenpolizeiliche Anordnung. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1919 Reichsgesetzblalt Seite 519 mit Ermächtigung des Herrn Regierungspräsidenten folgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche herischt zur Zeit unter den Rindviehbeständen von Weller, Kraemer und Hilsmann zu Hengsen, Bergstraße. Als Sperrbezirk wird bestimmt: Ortschaft Hengsen. Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter I meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 6. Juli 1915 Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zeilung vom 10 Juli er. Nr. 159(Beilage] enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Avschnitte 141—VII einschließlich der genannten Anordnung bleiben mit der Maßgabe beslehen, daß der erste Satz des§ 5 Jiffer 1 wie folgt geändert wird. In dem Amte Aplerbeck wird verboten. Hörde, den 12. Juli 1915. 3367 Der Königliche Landrat. S 9.: Jr. Surchard. Weleciche Samstag, den 17. d. M., vormittags 8 Uhr, wird auf der Freibank Schweinefleisch verkauft. 3995 Die Schlachthosverwallung. Woe Fochge Stroh zu kaufen gesucht. 3394 Westhosen, Südstraße. Den Heldentod für das Vaterland starb am 1. Juli unser lieber Kollege, der Melzger Hugo Waldmann. Als langjähriges Mitglied unserer Innung hat er die Interessen unseres Standes stets wahrgenommen und hochgehalten. Ein ehrendes Andenken wird dem leider so früh Verstorbenen auch über das Grab hinaus gesichert sein. 3402 Freie Fleischer-Innung Schwerte. Tüchtiges sauberes 3400 wird für sofort gesucht. Pußzgeschäft R. Bley Hösingstr. 30. Eing, Nerdwol. stred Verge eines Dürkopp- Kraftwagens wird ein Schlosseriehrling, Schlossergeselle oder Mechaniker gesucht. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Offerten u. G. 3386 an die Geschäftsst, d. Zig Original= griechische in für Kranke und Rekonvaleszenten empfiehlt billigst C. Raffin Gasthof zur Helle — Teleson 251.— grosse Sendung Weck-Gläser angekommen. 3401 R. Landmann. Viebseuchenpolizeiliche Anordnung. Jum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 (Reichsgesetzblatt S. 519) mil Ermächtigung des Herrn Regierungspräsidenten folgendes bestimmt: Nachdem nach amistierärztlicher Feststellung die Maul= und Klauenseuche unler dem Rindviehbestande des Landwirts Hackenkamp zu Lichtendorf abgebeilt und eine Neuerkrankung nicht vorgekommen, die Desinfektion vorschriftsmäßig ausgeführt und durch den Kreistierarzt abgenommen ist, gilt die Seuche auf dem erwähnten Gehöft als erloschen. Die in meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 25. März und 10. Juni 1915 angeordneten Schutzmaßregeln hebe ich daher hiermit auf. Hörde, den 10. Juli 1915. Der Königliche Landrat. 3. B.: Hr. Burchard. 3370 Ausführungs=Bestimmung zu der Bekanntmackung beiressend Bestandserhebung unversponnener Schafwollen. Uater§ 2, Absatz 1, Ziffer II der Bekanntmachung, sowie unter Ziffer II der Meldescheine für unversponnene Schafweller, foll n außer rohweißen auch alle farbigen und aus verschiedenfarbigen Wollen zusammengesetzten Wollpartien. 3393 Münster, den 10. Juli 1915. Der stellv. kommandierende General des 7. Armeekorps. Frhr. von Goyl, General der Insanterie. Frischeingetosten Pudding- u. Backpulver, Gelee-Pulver, rote Grütze, Kartoffelmehl, Hoffmanns Speisemehl, Maisgries, Nudeln, Gerstenflocken. Suppentafeln u. Sulasuppen, gar. rein. Bienenhonig in Gläsern und ausgewogen. s Ia. Himbeersaft und Lemon Squash, Kunsthonigpulver. Diverse Schokoladen und Kakaos, Keks u. Delikatessen u. Erfrischungen. Feldpostpackungen S gefüllt, mit Himbeer- und Zitronensart und Lemon Squash. 88 Pergamentdosen zum Füllen mit Butter, Fett, Marmelade oder Honig empfehlt 8848 Drogerie Max Mehlhose. Freischütz. Sonntag, den 18. Juli cr., nachm. 4 Uhr 1 Fovort Modenaldum 80., Pavort Jugendaldum 80 J 1 Favoru Handarbtsald. 60.3(! Favortt Schnittmuster 1! Alleinverheut für Schwerte Kaufbaus Otte Mark Ihmstahe 29. 1392 Fritz, du hast meine Güte schon zu oft in Anspruch genommen, heute kann ich dir nichts geben!“ „Aber, liebe Tante—“„ „Rein, daraus wird nichts!“ n ung.. Plötzlich fiel ihr Blick auf die Sparsau, und ein teuflischer Gedanke tauchte in ihr auf. Sie ergriff die Sparbüchse, in der nichts klapperte, reichte sie dem erstaunten Nessen und sagte:„So, lieber Fritz, hier hast du etwas, das dir Sparsamkeit beibringen kann. Nun kannst du schön sparen!" 8 Fritz sah ein, daß er hier zu ungelegener Stunde gekommen war, doch durite er keinen Trotz zeigen, er nahm daher die geräuschlose Sparsau und trat den Rückzug an. 5 0 Auf der Treppe jedoch erfaßte er erst die Sachlage — man nennt diese nicht eben seltene Situation bekanntlich den Treppenwitz— und von Zorn und Scham überwältigt, schleuderte er das tönerne Unglücksvieh auf den Boden, so daß es in Stücke zersprang. Doch, was war das? Fritz sah genau zu und fand unter den Scherben einen— Hundertmark=Schein. Ein Freudenschrei entrang sich seiner Brust. „Die gute Tante!“ sagte er.„Wie zartfühlend sie ist!“ und davon stürmte er. Aks am Abend Ernst nach Hause kam, war sein erster Blick nach der Sparsau. Er bemerkte sie nicht und fragte Lucie danach; diese erzählte ihm in kurzen Worten, sie habe sie Fritz gegeben, damit er endlich einmal sparen lerne. „Wie? Fritz gegeben?!" rief Ernst.„Ich hatte ja einen Hundertmark=Schein hineingelegt für deinen neuen Abendmantel!“ Lucie schauderte; sie überlegte schnell, ob sie in Ohnmacht fallen solle, doch da dies in diesem Falle nicht rentabel war, so blieb sie bei Besinnung. „Nun lauf' nur gleich und hole das Geld wieder!“ rief sie. „Gemach!“ sagte Ernst ruhig.„Dir gehört das Celd. und du hast es hingegeben! Wie ist's denn mit dem Abendessen?“ „Gleich, lieber Ernst!“ sagte Lucie, die nun andere Saiten auszog. Nach dem Essen machte sich Lucies Ehegatte auf den Weg nach der Wohnung des Neffen. Der war natürlich nicht zu Hause, und auch in einigen seiner Stammkneiven sand man ihn nicht. Wieviel die gute. zart ühlende Tante vom„blauen Scheine“ in die Wirklichkeit herübergerettet hat, ist unsicher, nur so viel steht jet, daß ihr noch manchmal in ihren Träumen die unheilvolle Sparsau erschien. e Denkspruch. Ein Wahn, der mich beglückt, ist eine Wahrheit wert, die mich zn Botemn trücht.„„ EDr. m. Wieland. Kochbuch. Uen Laura Uincent. Salate. Unter der Bezeichnung Salat versteht man die verschiedenartigsten Nahrungsmittel, Fleisch, Fisch, Kartosseln, Rüben, Blätter, die mit Essig und Oel angemacht worden sind. In Deutschland ist man in der Kunst des Salatbereitens nicht so weit wie in manchen anderen Ländern, wo so ziemlich alles Eßbare, auch viele wildwachsende Pflanzen, zu Salat verarbeitet werden. Sprechen wir hier zuerst einmal von den grünen Salaten, so ist vor allen Dingen zu merken, daß die dazu verwendeten Pflanzen, wie Kopfsalat, Endivien, Brunnenkresse, Rapunzeln usw., ganz frisch sein müssen, daß Essig und Oel von bester Beschaffenheit sind, und daß die Ingredienzien im richtigen Verhältnis stehen. Dies genau anzugeben, ist allerdings schwierig, denn es hängt viel vom persönlichen Geschmack ab, doch kann man als Hauptgrundsatz aufstellen, daß zu einem guten Salat doppelt so viel Oel wie Essig gehörk. Als Würze gibt man außer Salz und Pfeffer feingewiegte Zwiebel, Borasch, Estragon und Pimpinelle. Salz und Pfeffer, sowie die Kräuker gibt man zuerst an den Sakat, dann das Oel und schließlich Essig oder Zitronensaft, den viele vorziehen. Es darf kein Wasser an den Blättern geblieben sein, und das Mischen muß so innig erfolgen, daß, wenn der Salat fertig ist, das Gesäß ganz trocken erscheint. Grüne Salate müssen sosort nach dem Anmachen verspeist werden. Außer dem Blättersalat kann man solchen von fast allen Gemüsen, wie Blumenkohl, Spargel, Bohnen, Sellerie usw., sowie von Hülsenfrüchten zubereiten, doch muß dies alles vorher weichgekocht sein. Ein sehr beliebter Salat ist Gurkensalat, der, um wohlschmeckend zu sein, längere Zeit ziehen muß, nachdem die Scheiben schon etwa eine Stunde vor dem Anmachen mit Salz bestreut und die Brühe, die sich gebildet hat, abgegossen worden ist. Die obenerwähnten Kräuter bleiben beim Gurkensalat fort; er wird nur mit Zwiebel und Petersilie gewürzt. Ein Zusatz von Senf macht ihn leichter verdaulich, ebenso eine etwas reichliche Verwendung von Pfeffer. Als Schluß der kurzen Betrachtungen über den Salat sei noch ein Ausspruch erwähnt, der sagt:„Zur Bereitung eines guten Salates gehören vier Personen, ein Verschwender, der das Oel dazu gibt, ein Geiziger für den Essig, ein Weiser für das Salz und ein Verrückter, um das Ganze untereinander zu mischen. * Kartoffelsalat. Um einen guten Kartoffelsalat herzustellen, muß man die in feine Scheiben geschnittenen Kartoffeln zuerst mit magerer Fleischbrühe(etwa eine Tasse voll) begießen, dann erst Oel, Essig usw. zufügen. Er soll mindestens eine Stunde vor dem Anrichten bereitet werden. Italienischer Salat. Hierzu werden verschiedene Bratenreste in nette Würfelchen geschnitten, auch einige Wurstarten, wie Preßkopf, Mortadella, oder Pökelfleisch, lassen sich mit verwenden. Diese Mischung wird wie Salat angemacht oder mit einer Mayonnaise vermischt. Man kann auch ein paar Kartosseln dazugeben. Russischer oder polnischer Salat. Er besteht aus einer Mischung von drei Teilen Aepfeln, zwei Teilen Zwiebeln und einem Teil Hering, nach Belieben auch Kartoffeln, alles in seine Streifchen oder Würfel geschnitten und wie oben beendet. Dieser, sowie der italienische Salat erleiden, je nach Geschmack, die verschiedensten Variationen. Man gibt rote Rüben, Kapern, hartgekochte Eier, saure Gurken und dergleichen daran. Bei beiden kommt es darauf an, sie recht hübsch anzurichten und mit harten Eiern, roten Rüben, Kapern, Sardellen, Rapunzeln, Endivien usw. zu verzieren. Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 164. Freitag, 16. Juli 1915. * Unter falscher Flagge. Roman von M. Withe. (20. Fortsetzung.) A adurch wird die Sache nur noch mysteriöser,“ mente der Baron.„Aber es ist # am Ende nicht unsere Aufgabe, sie aufzuklären! Und ich darf nicht länger zögern, Lärm zu schlagen! Bleibe, bitte, hier in der Nähe, bis ich Malzyn gefunden habe! Er kennt die Leute hier und er mag es übernehmen, sie zu Ich werde jedenfalls gleich wieder da besser als ich, unterrichten! Ich sein!“ Er war jetzt völlig Herr über seine Nerven geworden, und Blanche, die noch immer gegen eine Ohnmacht ankämpfen mußte, konnte nicht umhin, seine unerwartete Kaltblütigkeit zu bewundern. Sie war mit ihm zugleich aus dem Gewächshause wieder ins Freie hinausgetreten, und hier lehnte sie, da eine Ruhebank nicht in der Nähe war, am Stamm eines Baumes, beide Hände auf das stürmisch klopfende Herz gepreßt, und in banger Erwartung dessen, was nun weiter geschehen würde. Es ging ihr durch Mark und Bein, als sie nach einer kleinen Weile ganz in der Nähe Gerdas fröhliches Auflachen und die klangvolle Stimme Malzyns vernahm. Eine Ewigkeit mußte nach ihrer Meinung bereits vergangen sein, als endlich die hohe Gestalt des jungen Mannes auf dem zum Gewächshaus führenden Wege auftauchte. Er sah tiefernst aus; aber er machte nicht viele Worte. „Wo ist er? Lassen Sie mich ihn sehen!“ Die Baronin betrat zum zweitenmal die Stätte des rätselhaften Vorfalls und erzählte in hastigen, stockenden Worten nochmals, was sie erlebt hatte, und was so wenig geeignet schien, das Unglück zu erklären. Gleich dem Baron hatte auch Malzyn den Regungslosen aufmerksam betrachtet, und nun sagte er kurz:„„aun g.ix Smeifel ab „Ein Mord! Darüber kann rein Zweifel obwalten! Ich werde Frau Volkhardt in Kenntnis setzen! Und Sie, lieber Baron," wandte er sich an den inzwischen ebenfalls wieder aufgetauchten Wallberg,„sorgen wohl dafür, daß sogleich nach einem Arzt telephoniert wird. Ich habe ja wenig Hoffnung, daß seine Kunst hier noch etwas auszurichten vermag. Aber wir dürfen selbstverständlich keine der gebotenen Maßnahmen verabsäumen!“ 6 Die peinliche Aufgabe, die F.au des Verwundeten oder Toten auf das Schreckliche vorzubereiten, hätte nicht taktvoller erfüllt werden können, als es durch Malzyn geschah. Aber wenn er sich auf den Ausbruch eines verzweiselten, fassungslosen Schmerzes eingerichtet (Nachdruck verboten.) hatte, so sah er sich durch das Benehmen der stillen, sanften Frau merkwürdig enttäuscht. Sie stieß keinen Schrei aus, und sie vergoß keine Träne. Mit einer Ruhe, die etwas beinahe Unheimliches hatte, unterbrach sie den Sprechenden, noch ehe die ganze Wahrheit über seine Lippen gekommen war: „Meinem Manne ist ein Unfall zugestoßen Sie? Aber, nicht wahr, es ist mehr als ein Unfall? Er ist tot?“ „Wir wollen hoffen, Frau Volkhardt, daß es sich nur um eine tiefe Ohnmacht handelt. Ich selber vermochte allerdings keine Spur des Lebens mehr wahr„und er— er wurde das Opfer eines Verbrechens? Oh. es überrascht mich nicht! Ich wußte seit daß eines Tages derartiges geschehen würde! Wo er? Lassen Sie mich zu ihm!“ Diese merkwürdige Gefaßtheit bewahrte sie auch angesichts des regungslosen Mannes, den man inzwischen bereits in eines der zu ebener Erde gelegenen Zimmer getragen hatte. Und kein Schimmer freudig erwachender Hoffnung erhellte ihr Gesicht, als man ihr erklärte, daß ihr Mann noch nicht tot sei, sondern daß eine schwache Tätigkeit der Lungen und des Herzens sich noch ganz deutlich wahrnehmen lasse. „Gottes Wille wird geschehen!“ sagte sie nur. „Wit müssen abwarten, was die Aerzte sagen werden!“ Etwa eine halbe Stunde mochte vergangen sein, als in einem Automobil der telephonisch herbeigerufene Doikor Pactow, der in der nächstgelegenen Ortschaft ans ssige Arzt, eintraf. Er nahm eine sehr gründliche Untersuchung des Verwundeten vor, und als er dann in das Zimmer zurückkehrte, wo sich die Angeyörigen und die Gäste des Hauses versammelt hatten, sah er keineswegs hoffnungslos aus. „Die Verletzung ist zwar sehr schwer," erklärte er: „aber die Möglichkeit, den Verwundeten am Leben zu erhalten, ist doch noch nicht ganz ausgeschlossen. Bei der riesenhaften Konstitution des Herrn Volkhardt darf man in bezug auf Widerstandsfähigkeit bei ihm wohl mehr erwarten als bei dem Durchschnitt der Menschen. Ich möchte empfehlen, sogleich einen tüchtigen Chirurgen aus Berlin tommen zu lassen, damit der Versuch gemacht werden kann, die Kugel zu entfernen, die im Schädelknochen steckengeblieben ist. Es handelt sich um einen unglücklichen Zufall— nicht wohr„ erf. Li. Baratig 9. „Nein!“, erwiderte die Baronin.„An einen unglücklichen Zufall ist hier wohl kaum zu denken! Ich D — befand mich in der Gesellschaft des Herrn Volkhardt, als es geschah! Aber ich bin merkwürdigerweise trotzdem außerstande, genauen Aufschluß über den Hergang des Ereignisses zu geben! Es vollzog sich innerhalb des Bruchteils einer Sekunde! Und wenn nicht die Verwundung mit solcher Bestimmtheit dafür zeugte, würde ich unbedenklich beschwören, daß kein Schuß auf Herrn Volkhardt abgefeuert worden ist! Ich stand in seiner unmittelbaren Nähe! Es war um uns her ganz still, und doch habe ich nichts von einem Knall gehört!“ „Höchst sonderbar!“ meinte der Doktor.„Aber über die Natur der Verletzung kann in der Tat kein Zweisel bestehen! Es ist eine Schußwunde, und ich bin sehr geneigt anzunehmen, daß die zur Verwendung gelangte Waffe ein Revolver oder eine Browningpistole gewesen ist. Haben Sie die Polizei bereits benachrichtigt?“ Frau Volkhardt verneinte, Angela aber, die sich bis jetzt so schweigsam verhalten hatte, daß niemand besonders auf sie geachtet hatte, sagte mit seltsam gepreßter Stimme: „Halten Sie das wirklich für unumgänglich notwendig, Herr Doktor? Sollte es nicht doch vielleicht noch eine andere Erklärung geben als die, daß hier ein Verbrechen verübt worden ist? Die Frau Baronin sagt doch, daß sich niemand außer ihr und meinem Vater in dem Gewächshause befunden hat! Man muß also annehmen, daß mein Vater sich die Verletzung durch Unvorsichtigkeit oder sonstwie selbst zugezogen hat, und man sollte mit der Benachrichtigung der Polizei wenigstens so lange warten, bis er aus seiner Bewußtlosigkeit erwacht ist und eine Angabe machen kann!“ Sie befand sich unverkennbar in großer Erregung, in größerer jedenfalls, als einer der anderen Anwesenden. Und wenn es sich darum gehandelt hätte, irgendeine große Gefahr von ihrem eigenen Haupte abzuwenden, so hätte sie nicht mit leidenschaftlicherem Eiser sprechen können. Alle Blicke hatten sich ihr zugewendet, ohne daß sie es zu bemerken schien, und wenn ihn auch ihr verstörtes Aussehen nach einem solchen Vorfall nicht sonderlich befremden konnte, so schien die Todesangst, die in ihren Augen flimmerte, dem Arzt doch einigermaßen merkwürdig. „Ich verstehe vollkommen, daß die Vorstellung einer gerichtlichen Untersuchung für die Damen etwas sehr Peinliches hat!“ sagte er.„Aber sie wird sich trotzdem nicht umgehen lassen! Es ist meine Pflicht, den ungeklärten Vorfall zur Anzeige zu bringen, und ich würde die Vernachlässigung dieser Pflicht weder vor dem Gesetz noch vor meinem Gewissen verantworten können!“ Er entfernte sich, um noch einmal zu dem Bewußtlosen zurückzukehren und die nötigen Anordnungen für die Berusung des Chirurgen zu treffen. Gerda, die durch das Aussehen ihrer Schwester sehr beunruhigt wurde und jeden Augenblick eine Ohnmacht befürchtete, legte zärtlich den Arm um Angelas Taille und zog sie mit sich fort. „Du mußt an die frische Luft!" flüsterte sie ihr zu.„Sie wird dir wohltun!“ Angela hatte widerstandslos Folge geleistet; aber als sie außer dem Hörbereich der anderen waren, blieb sie stehen und sagte schmerzlich: „Wenn du mir eine Liebe erweisen willst, Gerda, so bitte Herrn von Malzyn, auf einen Augenblick zu mir herauszukommen! Er ist der einzige, von dem wir jetzt Rat und Beistand erwarten dürfen!" Gerda versprach es bereitwillig, kehrte in den Gartensalon zurück und unterrichtete den Geliebten von dem Wunsch der Schwester, indem sie ihm halblaut zuraunte: „Sei recht gütig zu ihr! Sie befindet sich in einem sehr traurigen Gemütszustande, und es liegt ihr offenbar eine furchtbare Sorge auf dem Herzen!“ „Sei versichert, daß ich darauf jede erdenkliche Rücksicht nehmen werde!" beruhigte er sie.„Ich werde glücklich sein, wenn ich etwas dazu beitragen kann, ihr diese Sorge zu erleichtern! Es ist mir lieb, daß sie selbst ein Bedürfnis fühlt, mir ihr Vertrauen zu schenken! Ich würde sie im andern Fall meinerseits darum gebeten haben!" Angela, die draußen auf= und niedergegangen war, sah dem Nähertretenden mit einer eigentümlichen Mischung von Furcht und Zutrauen entgegen, und noch ehe er sie hatte anreden können, fragte sie hastig: „Sie erraten, weshalb ich Sie habe zu mir bitten lassen— nicht wahr?“ „Ich habe wenigstens eine Vermutung!“ erwiderte er.„Sie glauben zu wissen, was es mit dem Unfall Ihres Vaters auf sich hat! Und Sie wollten mit mir über Rolf Ristow sprechen! Ist es nicht so, Fräulein Angela?“ „Sie wissen also, daß er hier gewesen ist?“ fragte sie, statt eine Bestätigung zu geben, zurück. Malzyn zögerte ein wenig mit der Antwort. Da fuhr sie hastig fort: „Hat Ihnen Gerda erzählt, daß Ristow und ich— daß wir— uns einst nahegestanden haben?" „Ja, sie sagte es mir! Und es war für mich von großem Interesse; denn zu einer Zeit, die noch nicht allzu weit zurückliegt, war Rolf Ristow einer meiner besten Freunde.“ „Ich weiß es aus Gerdas Munde, und ich war sehr froh, es zu hören! Ach die Welt ist ja so klein, und die Dinge nehmen oft einen so seltsamen Lauf! Als sich Rols Weg und der meinige trennten, hatte ich wahrlich nicht erwartet, daß ich ihn jemals wiedersehen würde! Es war etwas zwischen uns getreten, das uns auf ewig trennen mußte, und ich hatte meinen Jugendtraum endgüttig begraben! Aber Sie dürfen nicht glauben, daß ich berechtigt wäre, einen Vorwurf gegen ihn zu erheben! Er verdient keinen Tadel wegen seiner damaligen Handlungsweise und——“ „Dessen bin ich doch nicht so ganz sicher!“ fiel ihr Malzyn mit einer gewissen Strenge ins Wort.„Was auch immer damals geschehen sein mag, er hätte die Verpflichtung gehabt, sich wie ein Mann damit abzufinden, und es gibt keine Entschuldigung für die Art, in der er selber seitdem sein Leben zerstört und verwüstet hat!“ „Ah! Diese herbe Verurteilung liefert mir den Beweis, daß Sie ihn kürzlich gesehen haben müssen! Und ich bitte Sie inständig: Seien Sie ganz aufrichtig gegen mich!“ „Das ist in der Tat meine Absicht! Und ich bin dazu um so mehr gezwungen, als ich sehe, daß wir beide in diesem Augenblick von dem nämlichen Argwohn erfüllt sind! Auch Sie haben ihn gesehen?" „Ja! In der letzten Nacht, nachdem Sie und alle anderen sich bereits zur Ruhe begeben hatten. Mein Vater war zu später Stunde unerwartet und unangemeldet auf Buchwalde, eingetrossen und hatte den Baron Wallberg mitgebracht. Ich hörte von meinem Schlafzimmer aus in den unteren Räumen Geräusche, die ich mir nicht erklären konnte, und weil ich meinte, daß es vielleicht Diebe wären, ging ich hinunter. Da stieß ich auf Rolf— auf Herrn von Ristow, der lauschend in der Halle stand. Es war eine fürchterliche Ueberraschung für mich, und ich bitte Sie, mich nicht zu fragen, was ich beim Anblick seiner so schrecklich veränderten äußeren Erscheinung empfand. Ich sah ja, daß er halb von Sinnen war. Er war hierhergekommen, um meinen Vater zu töten. Ich versuchte, ihn zur Vernunft zu bringen; aber es war ganz vergebens.“ (Fortsetzung folgt.) Verfehlte Wirkung. Ein reicher Gutsbesitzer, dessen höchster Stolz der japanische Garten ist, den er sich hat anlegen lassen, lädt den japanischen Gesandten zu Besuch, und nachdem er ihm alle Schönheiten seines Besitzes vorgeführt, zeigt er ihm als letzte Ueberraschung die amerikanische Nachahmung der heimischen Gartenkunst. Entzückt steht der Sohn Nippons, und seinem Munde entringen sich nur die Worte:„O, das ist wundervoll! Wir haben in Japan nichts Aehnliches!“ * Sicherster Beweis. Der Ehemann:„Du mußt noch etwas einzukaufen vergessen haben, meine Teure.“ Sie: „Ja, ich glaube wirklich, aber sag' mal, woher weißt du denn das?“ Er:„Ach, ich habe noch eine Mark in der Tasche.“ A Die Sparsau. Humoreske von Adolf Thiele. (Nachdruck verboten.) Ernst war unerbittlich, er wollte nicht einwilligen, daß seine Frau in die Sommerfrische gehe. Vergeblich hatte Lucie die beste Angriffswaffe des Weibes, das Lächeln, gebraucht, vergeblich hatte sie die beste Verteidigungswaffe des Weibes, die Tränen, geschwungen er gab nicht nach. So war es beinahe zu einem Kriegszustande zwischen den beiden jungen Leuten gekommen; denn keiner gab nach, und jeder beklagte sich über die Hartnäckigleit des andern. Da schien aber nun doch ein Vergleich zustande kommen zu sollen. Eines Tages— es war im Frühling, die Veilchen sproßten, und die neuen, den Männern und Vätern abgezwungenen Hüte und Umhänge wurden spazieren geführt— eines Tages kam Ernst aus dem Kontor nach Hause und stellte einen verhüllten Gegenstand auf den Tisch. Lucie machte dasjenige, was ihre Stammutter Eva ebenfalls sofort getan hätte, sie öffnete das Päckchen und fand mit einiger Enttäuschung eine tönerne Sparsau, eines jener die Tugend der Sparsamkeit so sehr fördernden, nützlichen Tiere. Während Ernst seine Frau beobachtete, las diese mit ziemlich geringschätziger Miene ein Verschen, das oberhalb und unterhalb der zum Einstecken der Spargroschen dienenden Oeffnung mit Tinte geschrieben war. Es lautete: Spar' im Sommer, liebe Frau— Stich im Herbst dann ab die Sau! „Du scheinst,“ sagte Ernst,„meiner Dichtkunst nicht die gebührenden Lorbeeren zuerkennen zu wollen. Sieh, liebe Lucie, wenn du das ganze Geld, was die Sommerfrische kosten würde, hier hinein tust und dann im Herbst die Sau schlachtest, dann hast du einen schönen Wintermantel und noch mehr! Glaubst du das nicht?“ „Nein!" erwiderte Lucie.„Das Geld wird so auch ausgegeben, und dann habe ich weder Sommerfrische noch Wintermantel.“ Ernst wollte nun seiner lieben Frau auf dem Wege der Logik nahekommen, er wies ihr nach, daß doch der Betrag für die Reise, die Sommerwohnung und das Mittagessen im Gasthaus wegsiele; aber eher hätte er eine Nachtigall zum Polkatanzen abgerichtet, als seine Frau zum Nachgehen gebracht. „Nun gut,“ sagte er endlich,„wir wollen es auf den Erfolg ankommen, lassen. Zunächst geben wir der Sparsau einen Ehrenplatz!“. Und der Hausvater stellte das kleine Ungetüm auf den Schreibtisch. „Was?“ rief Lucie.„Das häßliche Ding mit dem geschmacklosen Verschen soll hier in der Wohnstube stehen?“ Unbewußt fühlt jetzt Ernst, was Heine in folgenden Worten aussprach:„Und wenn du schiltst und wenn du tobst,— will ich es gerne leiden.— Doch wenn du meine Verse nicht lobst,— laß ich mich von dir scheiden!“ Zwar bis zur Scheidung ließ er es nicht kommen; aber er stellte sich vor die Sparbüchse, die seine Frau entfernen wollte, und rief mit Auktionatorstimme:„Die Sparsau bleibt, wo sie ist!“ „Wie brutal du doch bist!“ seufzte Lucie, und nun schmollte sie einige Tage. Als ein Friedensengel erwies sich nun die Sparsau allerdings nicht. Warf die junge Frau einen Blick auf das Ungetüm, so ärgerte sie sich; aber in ihrer Seele reifte die Rache; kein Nickel, geschweige denn ein helltönendes Silberstück verschwand in der allezeit hungrigen Oeffnung. Ernst andererseits war boshaft genug, hie und da die Sau zu ergreifen, sie hin= und herzuschütteln und zu sagen:„Es klappert ja gar nicht!“ Diese Betätigung brachte ihm dann stets eine bitterböse Miene ein. So verging der Sommer, und Lucie blieb hübsch zu Hause, wo sie genug Gelegenheit zum Ergehen im Grünen, und dabei ihre Bequemlichkeit hatte, und Ernst sparte das Geld, das ihm der überflüssige Wunsch seiner Gattin gekostet hätte. Diese hatte sich bereits in einem stillverschwiegenen Winkel eine kleine Sparkasse angelegt; aber der moralpredigenden Sau vertraute sie keinen Nickel an— lieber sterben. Allmählich hatten sich nun die Gemüter beider Gatten wieder beruhigt. Da eines Tages— es war im Herbst, die Blätter fielen von den Bäumen— sagte Ernst, ehe er ins Kontor ging:„Nun ist der Sommer herum, und du kannst jetzt die Früchte deiner Sparsamkeit einheimsen. Wenn du nun die Sparsau schlachtest, wirst du dich freuen, daß wir das Geld nicht so hinausgeworfen haben!“ Ernst war so vorsichtig gewesen, sich bereits vor dieser Redeübung zum Ausgange fertig zu machen, und so sprach er denn die letzten Worte mit der Klinke in der Hand und ging eiligst hinaus. Das war sein Glück; der Spott, als den Lucie diese Worte auffaßte, war denn doch zu viel für sie. Das junge Frauchen geriet in die übelste Laune. Zunächst ließ sie ihren Zorn am Dienstmädchen aus. Während sie dieser noch die Hölle heiß machte, ging die Klingel an der Vorsaaltür. Lucie öffnete, und herein trat ihr Neffe Fritz, seines Zeichens Studiosus. Der junge Mann tat sehr höflich, bescheiden und niedergeschlagen, erweichte aber damit nicht das in Erregung versetzte Herz seiner Tante. Diese ließ ihn ins Zimmer eintreten, und nun begann der Neffe, nachdem er sich in liebenswürdigster Weise nach ihrem Befinden erkundigt, ein mark= und beinerschütterndes Gemälde seiner augenblicklichen Finanzilemme zu entwerfen. „Und gestern abend,“ so schloß er,„hatte ich nichts als Brot und Salz, und da ich gerade noch etwas Brausepulver im Hause hatte, so habe ich dies dazu getrunten.“ Jetzt trat aber die Tante in Aktion. „Du siehst mir gerade aus, wie Brausepulver trinlen. Natürlich, wenn man den ganzen Tag in der Kneipe sitzt, kann man zu nichts kommen! Nein,