Amtliches Kreisblatt ∆ für den kreis börde Di Scemem Seiur uiben dend auder Feiertags. Bezugsprets M. Hoiertetzahrlch, dei der Post für Besteügeld 42 Plo. mehr. Wöchentl. Grafisdeilage:„Jkustriertes Hamillenfreund“ u. tögl. Uaterdaltungsdiatt. Anzeigenpreis: Die Bedengespaltene Petitzeiloder deren Raum 10 Plg., Anzeigen von auswärts 15 Pig., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Radau gilt als Kassarbat u. erlischt bei Konducsen, Zwangsoergleichen, gerichtl. Klagen Setenchund sench.- Setenectoisuen! Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblan Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Dolkszeitung Verbunden mit: Schwerker Tageblatt D Schwerker Anzeiger Grlies und älteltes Cagesorgan des Kreiles o General-Hnzeiger für den Kreis Börde o Gaupk-Hononcenblan und derte und inhetenhegrichn durn sungen io: den Arrte Hörbe eriongrs gemst Bedonnumebung der Abaiglichee Regierung durc Deröstenlichuag io der„Schwunen Jeitung“ zuchisoerdiadliche, Auoft.— Dia „Schwerter Zeitung“ gewöbri ihrse Absaneeten fo: jeden mit Tod endenden Unsok ge300 Mk. Unfall: Drua u Vertage Cor Droon. Schoemn=Rude Fernsp. 62. Telegv. Adr. Braus Schweris= Rutz Nr. 162. Mittwoch, den 14. Juli 1915. 47. Jahrgang. Was Wiro Prast. tu Genf, 14. Juli. Dem Sonderberichterstatter des„Petit Parisien“ in Neuyork erklärte eine offizielle Persönlichkeit, daß gegenwärtig alles auf der Entschlossenheit und dem geraden Sinn des Präsidenten Wilson beruhe, an dem niemand zweiseln könne. Seine Richtschnur dürfte, wie man allgemein annehme, darin bestehen, daß er eine neue Note an Deutschland richte, die die deutschen Vorschläge verwerfen und Deutschland klar machen werde, daß die Ver. Staaten entschlossen seien, die Ausübung ihrer Rechte zu verfolgen. In vollständiger Zurückgczogenheit lebend, prüse Wilson die Lage. Er berate sich telephonisch mit dem Staatssekretär Lansing, der ihm morgen den Vorschlag einer Antwort an Deutschland überreichen wird. Beide werden bei ihrer Zusammenkunft wahrscheinlich ihre Entscheidung treffen. Die neuen Reichsfinanzpläne. Die dritte Kriegsanleihe.— Die Reichstriegsgewinnstener. d In einem kurzen„Politischen bericht“ wird in der„Nordd. Allg. Ztg.“ halbamtlich Kenntnis gegeben von dem Ergebnis der Konferenz der Finanzminister der deutschen Bundesstaaten, die am Sonnabend in Berlin stattgefunden hat. Dieser Bericht lautet: In der am 10. Juli stattgehabten sammenkunft der bundesstaatlichen Finanzminister gab der Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Dr. Helfferich, einen Ueberblick über die Finanzlage des Reichs und die zur Durchführung des Krieges bisher ergriffenen und weiterhin geplanten Maßnahmen. Die hierauf folgende Aussprache ergab allseitige Uebereinstimmung in der günstigen Beurteitung der deutschen Finanzkraft und die einstimmige Bekundung des unerschütterlichen Entschlusses opferbereiten Zusammenwirtens bis zum siegreichen Frieden. Die von dem Reichsschatzsekretär in Aussicht genommenen finanziellen Maßnahmen, insbesondere seine Vorschläge über die bei den gesetzgebenden Körperschaften in der nächsten Tagung des Reichstags einzubringende neue Kreditvorlage, fanden einhellige Zustimmung. Auch über die Frage der Besteuerung der sogenannten„Kriegsgewinne“, fand ein Meinungsaustausch statt, der Uebereinstimmung darin ergab, daß die Erhebung einer Sondersteuer auf den durch den Krieg und während des Krieges entstandenen Vermögenszuwachs dem Reiche zustehe. Daß der am 10. August wieder zusammentretende Reichstag über die dritte Kriegsanleihe Beschluß zu fassen haben wird, war bekannt. Staatssekretär Dr. Helfferich hatte sich darüber bereits selbst in einem Interview geäußert, in dem er das englische Kriegsanleihe=Manöver als recht bedenklich kennzeichnete und auf den glänzenden Stand der deutschen Finanzwirtschaft hinwies. Die Frage der Kriegsgewinnstener war dagegen noch unheantwortet. Es war bisher noch unbestimmt, ob das Reich selbst diese Steuer erheben oder sie den Bundesstaaten überlassen wolle. Bekanntlich war sowohl im bremensischen Staate wie auch im preußischen Abgeordnetenhause durch einen Zentrums= und einen freikonservativen Antrag die Besteuerung der Kriegsgewinne gefordert worden. Diese Vermögenszumachesteuer. die in erster Linie die unverhältnismäßig schnell anwachsenen Geldbeutel der Kriegslieferanten treffen soll, wird also neben der neuen Kreditvorlage demnächst den Reichstag beschäftigen soweit man bisher die Dinge überschauen kann, dür'te die Steuer an sich bei keiner Wartei auf allgemeine Kriegslage im Westen und Deutscher Tagesbericht. wtb. Großes Hauplquartier, 13. Juli 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Ein französischer Handgranaten=Angriff bei der Zuckerfabrik von Souchez wurde abgewiesen. Im Anschluß an den Sturm auf den Kirchhof wurde darüber hinaus unsere Stellung in einer Breite von 600 Meter vorgeschoben. Auch das an der Straße nach Arras gelegene Cabaret Rouge wurde genommen. Die Zahl der Gefangenen hat sich auf 8 Offiziere und 215 Mann erhöht. Verschiedene Ansätze zu feindlichen Gegenangriffen wurden unter Feuer genommen. Ihre Durchführung wurde dadurch verhindert. Zwischen Maas und Mosel eutwickelte der Feind lebhafte Artillerie=Tätigkeit. Viermal giff er imlaufe des Abends und der Nacht unsere Stellungen im Priesterwalde an. Alle Angriffe brachen unter großen Verlusten vor unseren Linien im Feuer zusammen. Oestlicher Kriegsschauplatz und Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Oberste Heeresleitung. Oesterreichischer Tagesbericht. wtb Wien, 14. Juli.(Nichtamtlich.)= Amtlich wird verlautbart vom 13. Juli mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Die allgemeine Lage ist unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. An der küstenländischen Front fanden gestern stellenweise heftige Artilleriekämpfe statt. Ein Angriff mehrerer italienischer Infanterieregimenter bei Redipuglia wurde abgewiesen. Die Lage im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet ist unverändert. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. Zraltzosische Gewissenslosigtieil. wtb Berlin, 14. Juli. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt unter der Ueberschrift:„Französische Dokumente": Die Ermittelungen der deutschen Regierung zur Widerlegung der französischen amtlichen Berichte vom 17. Dezember 1914 über die deutschen Greuel sind in den wesentlichen Punkten abgeschlossen. Das Ergebnis ist folgendes: Durchweg krasse Unwahrheit oder grobe Ungenauigkeit der Angaben dieses französischen Dokuments. Zum Beispiel: Nach dem Bericht der Untersuchungskommission sollen zahlreiche Ortschaften von deutschen Truppen grundlog zerstört und eingeäschert worden sein, so: Carfaux le Gould=la=Foret, Somme fur Tourbe, Etrepy, Sarmaize les Bains, Bignicourt fur Saulx, Nevigny, Bassincourt, Someille, Villers aux Venes und Clermont en Argonne. In allen diesen Fällen haben die eidlichen Vernehmungen und dienstlichen Berichte ergeben, daß die Orte Brennpunkte schwerer Gesechte gewesen und von der Artillerie heftig beschossen worden sind. Lediglich auf die Folgen dieser Kämpfe sind die Zerstörungen und Brände zurückzuführen. Warum verschweigt denn der amtliche französische Bericht diese wichtigen Tatsachen? Hat die Untersuchungskommission sie nicht ermittelt? Dann sind ihre Mitglieder gewissenlos vorgegangen. Oder sind jene Tatsachen absichtlich verheimlicht worden, um das Volk besser belügen zu können? Dann sind die Urheber des Berichts Verbrecher. Wo bleibt das französische Beweismaterial? Bevorstehende Räumung Aigas. bb Kopenhagen, 14. Juli. Jetzt bringen auch lettische Zeitungen Andeutungen über eine bevorstehende Räumung Rigas und der benachbarten kurländischen Städte. Die Gemeindeverwaltungen haben die Entfernung sämtlicher KirchenDer Rumzug der Chiasso, 13. Juli. Wie dem„Sccolo“ aus Tripolis berichtet wird, hat der Verrat des Scheichs des Stammes der Tathung und der Scheichs Saag und Achmed el Suni einige Stämme zwischen Tripolis und dem Gebel zum Aufruhr veranlaßt. Infolgedessen hat die Regierung die Räumung des Gebel Nesusa und des Gebel Garinn argeordnet. Die Truppen glocken angeordnet, damit das Metall dem herannahenden Feinde nicht in die Hände fällt. Das Rigaische kriegsindustrielle Komitee, das in den ersten Tagen seiner Gründung eine rege Tätigkeit entfaltete, hat seine Arbeiten eingestellt. aus Ti sollen zur Verteidigung der Küste von Tripolis bis zur tunesischen Grenze verwendet werden.— Damit sind also die Italiener glücklich in die Stellungen zurückgekehrt, die sie bereits ungefähr Ende des Jahres 1911 inne hatten; der ganze kostspielige Tripoliskrieg wäre also für Italien umsonst geführt. sloßen.“ Eine andere Frage ist es, oo sich nicht gegen diese neue Durchstoßung des Prinzips: Dem Reiche die indirelten, den Einzelstaaten die direkten Steuern bei der einen oder andern* Partei Widerspruch erheben wird. Beim Wehrbeitrag ist bekanntlich zum ersten Male dieses Prinzip aufgegeben worden. Die Hauptsache xist indessen, daß die Kriegsgewinne überhaupt besteuert werden sollen. Bald wird man wohl Näheres darüber hören, ein wie hoher Prozentsatz dafür in Aussicht genomnen ist. Der Krieg gegen Frankreich. Das„erste Kulturvolk der Welt“. wtb Berlin, 13. Juli(Nichtamtlich.) Eine jetzt als Krankenpflegerin tätige deutsche Dame, die in den ersten Kriegsmonaten in Frankreich lebte, schildert als Zeugin unter Eid einen von ihr selbst erlebten Vorfall, der sich in einem Vorort von Le Bourget bei Paris abgespielt hat. Dort wurde aus einem Krankenzuge ein schwerverwundeter deutscher Infanterist ausgeladen und in den Wartesaal gebracht. Man sah ihm an, daß er bald sterben müsse. Die Zeugin begab sich zu ihm, um ihn nach seinen letzten Wünschen zu fragen. Er bat um einen Geistlichen, der auch bald erschien. Der Bahnhof war nicht abgesperrt, eine große Anzahl Bewohner von Le Bourget hatte sich eingesunden, um sich an dem Schauspiel des verwundeten Kriegsgefangenen zu ergötzen. Als der Verwundete vom Wagen gehoben wirde, begann ein ungeheures Johlen und Schimpfen der Menge. Zahlreiche Steine, darunter solche von Eigröße, wurden gegen den wehrlosen Mann geworfen und trafen ihn mehrfach. Selbst als der Geistliche ihm die letzten Trostworte zusprach, hörte das Schimpfen und Werfen mit Steinen nicht auf. Die Bitten des Geistlichen und der Zeugin, die letzten Minuten des Schwerverwundeten zu achten, wurden mit Hohn und Spott beantwortet. Die zahlreich anwesenden französischen Soldaten, welche die Vorgänge ebenfalls beobachteten, machten keinerlei Miene, den Bedauernswerten irgendwie vor der Volkswut zu schützen. So hauchte der Mann, der in der Ausübring seiner höchsten Pflicht für sein Vaterland geblutet, unter Schmähungen und handlungen des„ersten Kulturvolkes“ sein Leben aus. Eine Verschwörung in Paris. TU Rofserdam, 13 Juli. Auf dem Umwege über Brissil erfährt man hier, daß man in der französischen Hauptstadt einer ernsten reyilistischen Verschwörung auf die Spur gekommen sei. Zwei Generale, ein Bischof, mehrere Staatsbeamte somie etliche Offiziere seien verhaftet worden. Die Untersuchung werde streng geheim gefühet. Als einziges Blatt brachte„Guerre s. ciale“ einige Andeutungen über die Tätigkeit der Polizei zur Aufdeckung der Verschwörung, wofür das Blatt beschlagnahmt wurde. Noch jedesmal haben die Anhänger des alten Königtums in Frankreich mit feiner Spürnase vor allen andern politischen Parteien das nahende Ende eines unglück ichen Krieges für Frankreich gewitteit und daraus für sich Nutzen zu ziehen gesucht. Gehaltkürzungen für die französischen Staats. beamten. tu Hang, 13. Juli.„Daily News“ melden aus Paris: Bisher hat die französische Regierung die Gehälter der Staatsbeamten, die ins Heer einge stellt wurden, voll ausbezahlt. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, beabsichtigt man jetzt aus Sparsamkeitsrücksichten vom 1. August ab die Herabsetzuung der Gehülter, wahrscheinlich in Zukunft auf die Hälfte. Verlustreicher Rückzug der Franzosen bei Souchez. vu Genf, 14. Juli. Der vierstündige kombinierte französische Versuch, sich dem verlorenen Souchezer Friedhof zu nähern, scheiterte infolge der ver heerenden Wirkung unserer Artillerie gegen die von den Carencyer Laufgräben anrückenden Fran= zosen, die zu verlustreichem Rückzuge gezwiungen wurden. Die Franzosen leiden jetzt in diesem ganzen Abschnitt unter den Nachwirkungen des Ar raser Bombardements, das ihre wichtigsten Reser ven zerstörte. Ein gleich ungünstiges Ergebnis hatten die französischen Bemühungen zur Rückgewinnung der bei Croix des Carmes verlorenen Teile des Priesterwaldes. Die deutsche Heeresleitung schweigt. tu Genf, 14. Juli. Die gestrigen Pariser Blätter verraten große Ungeduld wegen der Kriegslage in Rußland. Der„Eclair“ schreibt, das Wichtig ste sei, die Absichten Mackensens von vornherein richtig zu erraten. Die Zeitung„Paris=Midi“ bespricht die letzten Depeschen aus Petersburg und sagt, daß sie allzu unklar seien. Nur die Vorhuttruppen der Verbündeten seien in Südpolen zurückgedrängt, während die Hauptkräfte der Oesterreicher und der Deutschen unerschüttert dastehen. Das Fachblatt„Euerre mondiale“ nennt die Lage des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch wenig erfreulich, wenn die russischen Gegenstöße nicht häufiger als bisher geführt würden. Die deutsche Heeresleitung schweige; das bedeutet die Ruhe vor dem Sturm. Der Riieh gegen Ragland. Verlustreiche Angriffe der Russen an der bessarabischen Front. tu Czernowitz, 14. Juli. Gestern und vorgestern unternahmen nachts die Russen an der bessarabischen Erenzfront mit starken Infanterie= und Kavalleriekräften heftige Sturmangriffe gegen die österreichisch=ungarischen Stellungen. Die Kämpfe währten von 1—3 Uhr morgens. Immer neue Gruppen russischer Soldaten stürmten an; ganze Reihen von ihnen wurden durch unser Maschinengewehrfeuer hingemäht. Ueber ihre Leichen stürmten neue Linien vor, aber alle Versuche der Russen wurden mit großen Verlusten für sie abgeschlagen. Die Cholera im russischen Heere. tu Wien, 13. Juli.„Kurjer Lwowski“ berich tet, daß die Cholera im russischen Heere fortwütet. Selbst während des Winters habe sie nicht nachgelassen. Die Ursache des Umsichgreifens der Seuche im russischen Heere liege in den mangel haften hygienischen Vorbeugungsmaßnahmen. Zur Gärung in Rußland. bb Wien, 13. Juli. Das„Volksblatt“ meldet aus Stockholm: Indirekt wird nach hier aus Petersburg berichtet: Die Zahl der in den letzten Tagen in der Petersburger Nordstadt unter der Beschuldigung revolutionärer Umtriebe verhafteten Arbeiter, Studenten und Beamten soll 1500 betrugen. Russische Forderungen. wtb Petersburg, 13. Juli.„Rjetsch“ verlangt, daß die Organe der Selbstverwaltung auf freier demokratischer Basis gewählt werden sollten, da sie jetzt keineswegs Anspruch darauf erheben dürften, eine Vertretung des Volkes zu sein.—„Rjetsch“ spricht die Besorgnis aus, daß alle Fortschritte, die die Duma erreichen könnte, durch den Reichsrat ilusorisch gemacht werden könnten. Der Rrieg hegen Flanen. Unangenehme Ersahrungen der Italiener. ln Wien, 14. Juli. Der Kriegsberichterstatter des„Neuen Wiener Tageblatts“ meldet aus dem k. k. Kriegspressequartier: Auf dem südl. Kriegs schauplatz machten die Italiener im Kru=Abschnitt und an einigen andern Punkten in den letzten 24 Sounden mit allen ihren Offensivversuchen keine angenehmen Erfahrungen. Die Italiener hofften, die Oesterreicher unter dem Mantel heftiger Gewitterbildungen überrumpeln zu können, wurden aber überall zurückgeschlagen. Das Leichenfeld am Isonzo. Am Isonzo versuchten kombinierte aus Alpini, Versaglieri und Infanterie gebildete Heereskörper an verschiedenen Stellen anzugreifen. Sie wurden aber überall zurückgeschlagen. Von Görz bis zur Küste ist die Gegend ein furchtbares Leichenfeld mit Tausenden von toten Italienern. Der kriegsmüde Leutnant d'Annunzio. bb Berlin, 13. Juli. Dem„Berl. Tagebl.“ wird aus Bellinzona gemeldet: Die„Stampa“ meldet: d'Anmunzio habe in Pascara seine Mutter besucht. Die Mutter weinte beim Anblick ihres Sohnes. d'Annunzio war anfangs sprachlos. Die ersten Worte waren dann:„Mutter, ich werde Dich nie mehr verlassen!“ Somit scheint seine Neise an die Front wieder ins Wasser gefallen zu sein. Das italienische Bürgertum und der Krieg. „Popolo Italia“ schreibt voller Wut über den Mißerfolg der Anleihe einen Leitartikel gegen das italienische Bürgertum, der nicht nur wegen der Fesistellung der finanziellen Zurückhaltung der besitzenden Kreise wichtig ist. Prof. Musolini schreibt nämlich, das Bürgertum habe diesen Krieg nicht gewollt, er sei ihm aufgezwungen worden, deshalb wollc es keine Opfer bringen. Damit wird von einem der berüchtigsten Führer der Kriegspartei nochmals ausdrücklich bestätigt, daß dieser Krieg durch den Willen einer Minderheit und einer durch die verbrecherische Sprache Salandras irregeführten Menge veranlaßt worden ist. Die italienische Kriegsanleihe gänzlich mißlungen. Zürich, 13. Juli. Mailänder zuverlässigen Nachrichten zufolge, ist laut„Frankfurter Zeitung" die Visgabe der italienischen Kriegsanleihe gänzlich mißlungen. Nachdem breite Kapitalistenschichten, besonders die klerikalen Kreise, vollständig fern geblieben sind, sind die Banken gezwungen, große Beträge zu übernehmen, wodurch ihre gespannte Lage noch verschärft wird. Die säumigen italienischen Wehrpflichtigen. tu Kopenhagen, 13. Juli. Das hiesige italienische Generalkonsulat veröffentlicht einen Aufruf der Regierung, wonach alle Offiziere mit Urlaub und alle wehrpflichtigen Italiener, die sich in Dänemark aufhalten, spätestens am 31. Juli nach Italien zurückgekehrt sein müssen. Diejenigen, die sich nicht bis zu jenem Zeitpunkt melden, werden als Deserteure betrachtet. Italiens Flaggenmißbrauch. tu Athen, 13. Juli. Die Hißung der griechischen Flagge durch das vor kurzem aufgebrachte italienische Kriegsfahrzeug„Giacomte“ scheint nicht der einzige Fall von Mißbrauch einer neutralen Flagge durch die Italiener zu sein. Hier eingetroffene Reisende berichten, daß auch die Dampfer der italinischen Gesellschaft Puglia, die zwischen Italien und der albanischen Küste verkehren, auf der Fahrt durch die Adria unter Mißbrauch der griechischen Flagge fahren und die italienische Flagge erst bei der Ankunft an ihren Bestimmungsort hißen. Die Tiroler Grenze nicht zu durchdringen. tu Berlin, 13. Juli. Der Berichterstatter Lennhoff telegravhiert an die„B. Z. a. M.“ aus dem Kriegspressequartier, der Kommandeur der Tiroler Landesverteidigung General Dankl habe bei dem Empfange des Kriegsberichterstatters gesagt: Sie dürften bei Ihrer Fahrt an die Tiroler Front den Eindruck gewonnen haben, daß dank der Auf opfeluung und Begeisterung der Tiroler und dank der Hingabe unserer Truppen es gelungen ist, die Crenze mit einem Gürtell zu umgeben, der von den Feinden nie durchdrungen werden kann.“ Der Krieg hegen England. Englische Enttäuschung über Deutschlands Note. tu Kopenhagen, 13. Juli. Nachrichten, die über London aus Neuyork hier eingetroffen sind, besagen, daß die Neuyorker Börse sich gestern sehr gecrünt zeigte. Im Anschluß an die deutsche Antwortnote fielen vor allem die Aktien der Mu nitions= und Kriegsbedarfsartikel ruckartig. Der Korrespondent der„Morningpost“ in Washington, der seiner Zeitung die scharfen englisch=amerikanischen Preßkommentare der deutschen Note meldet, fügt hinzu, daß diese Zeitungsäußerungen kein irgendwie zuverlässiges Bild der Lage geben. An den verantwortlichen Stellen in Washington hielte man eine entscheidende Verschärfung des Konflikts für vollständig ausgeschlossen und erkenne an, daß Deutschland in nicht mißzuverstehender Weise den Bruch mit den Ver. Staaten zu vermeiden wünsche. Das Ende des Kreuzers„Königsberg“. Aus London meldet Reuter: Die Admiralität teilt mit, daß die Monitore„Severn" und„Mersey“ den deutschen Kreuzer„Königsberg“ in der Mündung des Rufidji am 4. und 11. Juli beschossen und gänzlich zerstört haben. Zur Meldung der englischen Admiralität gibt Reuter noch folgende Einzelheiten: Die Lage des Krauzers„Königsberg“ machte den Angriff höchst mühsam. Nur Fahrzeuge mit geringem Tiefgang konnten dicht genug herankom men. Nachdem Flieger den Platz genau festgestellt hatten, wo das Schiff lag, dampften die Monitore am 4. Juli flußabwärts und eröffneten das Feuer Die„Königsberg“ antwortete sofort mit gutgezielten Salven aus fünf Kanonen.„ Mersey“ wurde zweimal getroffen, eine Granate tötete vier Mann. Da die„Königsberg“ ganz im Gesträuch lag, hat ten die Flieger große Mühe, festzustellen, von wo aus geschossen wurde. Am Anfang des Gefechts wurde das deutsche Schiff fünfmall getroffen, nach dem sechsten Schusse meldeten die Flieger, daß die Masten noch ständen. Dann traf eine Salve die „Königsberg“, so daß Flammen zwischen den Masten aufschlugen. Dennoch feuerten die Deutschen mit einer Kanone mit Unterbrechungen weiter, schließlich schwieg das Geschütz, entweder wegen Munitionsmangels oder weil es beschädigt war. Die„Königsberg" war zwar nicht gänzlich vernichtet, aber doch außerstande, zu kämpfen. Am 11. Juli wurde die„Königsberg“ in einem zweiten Angriff ganz vernichtet. Die Kreuzer„Weymouth“ und„Pioneer“ halfen den Monitoren durch Beschießen der an der Küste aufgestellten Geschütze. „Weymouth“ hatte zwei Verwundete. Anmerkung der Redaktion: Deutscherseits lielen über vorstehende Nachrichten noch keine Meldungen vor. Das„Mitleid“ Englands. Aus Konstantinopel wird berichtet: Die britische Regierung erklärt, daß England, da die türki schen Militärbehörden in Dscheddah Getreide requiriert hätten, die Ausfuhr von Getreide verboten, aber dann, als es von der Notlage der unschuldigen Bevölkerung erfuhr, aus Mitleid mit ihr die Ausfuhr wieder gestattet habe, indem es allerdings von den Arabern forderte, sich der Requisition zu widersetzen. Diese scheinheilige Erklärung Englands, das noch in der jüngsten Zeit heilige Stätten bombardiert und zerstört, die Dörfer an der Küste in Brand gesteckt und überall die Barken der Araber, das einzige Mittel der Bevölkerung, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, versenkt hat, ist zynisch. Wir erklären, daß die türkische Regierung weit davon entfernt ist, Lebensmittel im Hedschas zu requirieren, und alles tut, um den Lebensunterhalt der eingeborenen Bevölkerung sicherzustellen. Die Vorsichtsmaßregeln am Suezkanal. bb Stockholm, 13. Juli: Der schwedische Kapi tän des schwedischen oftasiatischen Dampfers„Pe king“ hatte auf seiner Heimfahrt nach Malmö den Suezkanal passiert. Er erzählt, daß sein Dampfer während der Fahrt durch den Kanal mit Barri kaden von Sandsäcken längs der Kommandobrücke versehen werden, mußte. Diese Vorsichtsmaßregel hat die englische Admiralität vorgeschrieben, um zu verhüten, daß bei einer etwaigen Beschießung ein Geschoß den Rudergänger oder die Steuerleitung trefse und das Schiff auf Grund gerät, wo durch der Verkehr im Kanal gehindert würde. Botha der Retter. Haag, 13. Juli.„Daily Mail“ bezeichnet Bothas Erfolg in Südwest als den ersten großen und vollkommenen Sieg der englischen Waffen in diesem Kriege. Da wir uns vergeblich nach mutigen und unerschrockenen Männern Englands in diesem Kriege umsehen, lenken wir die Aufmerk samkeit darauf, daß General Botha diese Eigenschaften besitzt und sie zu gebrauchen weiß. Warum nift man ihn nicht, um uns die nationale Dienstpflicht zu bringen und der russischen politischen Lage ein Ende zu machen? *Die Balkanstaaten. Rumänien und Bulgarien. Sosia, 14. Juli. Der„Köln. Ztg.“ wird von hier aus gemeldet: Da der Kriegsminister Enver Paschi eine kurze Besichtigungsreise angetreten hat, ist im türkischen Ministerrat noch kein endgültiger Beschluß über das bulgarische Verlangen der Grenzverbesserung gefaßt worden. Die leitenden bulgarischen Kreise zweifeln nicht an einer Einigung in kurzer Zeit. Rumänien besteht darauf, daß der serbische Kreis Negotin, wo viele Rumänen wohnen, an Rumänien gegeben wird. Die Erfüllung dieses Verlangens würde dort beide Ufer der Donau rumänisch machen und Bulgarien von Ungarn trennen, den Verkehr auf dem Flusse dem rumänischen Belieben aussetzen, was für Bulgarien unannehmbar ist. Bemerkenswert ist das Verhalten Rumäniens als Zeichen dafür, daß auch in Bukarest an den Sieg des Vierverbandes und seiner kleinen Genossen nicht mehr geglaubt wird. Zu den türkisch=bulgarischen Verhandlungen. wlb Sofia, 14. Juli.„Dnewen Bulletin“ vom 6. Juli gibt Erklärungen des Landwirtschaftsministers Dintschew wieder, in denen es u. a. heißt: Die türkisch=bulgarischen Verhandlungen gehen in letzter Zeit sehr gut vor sich. Ich kann mit Bestimmtheit sagen, daß sie in nächster Zukunft zur Zufriedenheit der beiden Staaten zum Abschluß kommen werden. Wir haben unserem Gesandten in Konstantinopel schon die letzten Anweisungen erteilt. Alle Gerüchte über Mißverständnisse zwischen uunserer Regierung und der Hohen Pforte sind unwahr, um nicht zu sagen ten denziös.(Wie stehen die Verhandlungen mit dem Verbande?) Hier lächelte der Minister und sagte: Hierüber könnte ich Ihnen etwas sagen, aber die Interessen des Landes verbieten es mir, und das ist der Wunsch der Vertreter der Vierverbandsmächte. Die Tochter des Freiherrn. Roman von F. Nauenheim. 5 Damit beruhigte sich Frau Therese allmählich und fand die Worte der Frau Brann gar nicht menschenfreundlich.— In der Folge mußte die gute Frau uorigens noch manche Bemerkungen von seiten der weiblichen Hausbewohner anhören, die sich, als die Anwesenheit eines„Kostkindes" bei Frau Ehlert allgemein bekannt worden war, um Näheres zu erfahren, neugierig an diese herandrängten. Frau Therese aber, die, wenn sie dies angezeigt fand, sehr reserviert sein konnte, gab nur kurze, knappe Auskunft über die Kleine, deren Mutter erst kürzlich gestorben und die sie vorläufig auf ein Jahr in Kost und Pflege übernommen hätte, und damit mußten sich die Neugierigen beEhlert, die wohl stets freundlich grüßte, aber mit den Frauen nie in intimere Gespräche sich einließ, deshalb sogar für stolz und hochmütig galt, hatte unn wieder Ruhe und konnte sich ungeschmälert der Kleinen widmen, die sie von Tag zu Tag lieber gewann.... gb Hen, I T.4 Als das Kind bereits vier Wochen im Hause war, fühlte sich Frau Therese gedrängt, Herrn Fels durch Vermittlung Dr. Morels kurz die erfreuliche Meldung zu machen, daß sich Paula augenscheinlich sehr heimisch bei ihr fühle, vollkommen gesund und heiter sei, worauf, was sie allerdings beinahe erwartet hatte, keine Antwort einlief, so daß sie sich vornahm, um nicht als aufdringlich zu erscheinen, künftig nur bei besonders dringenden Anlässen zu schreiben. Sommer und Herbst verging und Paula wurde immer zutraulicher, halte sich auch längst gewöhnt, Frau Therese Mama zu neunen. Je näher dann das heilige Weihnachtsfest rückte, desto eifriger dachte Frau Therese daran, für das Kind, dessen an diesen Tagen wohl kaum jemand anders gedenken würde, allerlei hübsche Dinge einzukaufen, war jedoch aufs höchste überrascht, als drei Tage vor dem heiligen Abend eine reiche Geldsendung eintraf. „Ein Christkind für Paula und für Frau Therese Ehlert, für die dem Kinde bewiesene Sorgfalt, lauteten die wenigen begleitenden Worte, aus denen Frau Therese nun doch mit Genugtuung ersah, daß man die Kleine nicht ganz zu vergessen willens war, sich sogar wahrscheinlich im geheimen nach deren Ergehen erkundigt haben mochte. Als aber am Weihnachtsabende Paula auf dem Arme der Ziehmutter aufjauchzend die kleinen Händchen nach dem prächtig geschmückten, lichtstrahlenden Tannenbaum ausstreckte, rann Träne um Träne über die Wannen der guten Frau, die mit tiefer Wehmut hem des so früh heimgegangenen Gatten gedachte. Junig drückte sie das Kind aus Herz: hatte ihr Gott nicht Trost und auch Hilfe gesandt, indem er ihr dieses Kindlein zuführte? „Mami, nicht weinen, Paula brav, hat Mami so lieb!“ schmeichelte die Kleine. Frau Therese lebte nur für die Kleine, zog sich nach und nach von den Bekannten aus früheren Zeiten zurück und hielt lediglich den Verkehr mit dem Braunschen Ehepaar aufrecht. „Dieser Herr Fels scheint demnach kein Schwind ler zu sein, wie meine kluge Frau Gemahlin an nehmen wollte, sagte Herr Brann, als ihm Frau Therese von dem reichen Weihnachtsgeschenk erzählte,„und so dürfte er wohl auch am ersten Juni kommenden Jahres mit seiner Zahlung sich pünktlich einstellen. „Die Kleine'sieht sehr wohl aus, viel besser, als da man sie Ihnen damals gebracht hatte; nur hübscher ist sie noch nicht geworden.“ „Ach, meine liebe Frau Braun," lachte Paulas Ziehmutter,„das macht mich nicht unglücklich; mich freut nur, daß sie mich so lieb hat und ein so gutes Kind ist.“ „Das ist sie, nur so merkwürdig still, fast ernst kommt sie mir vor, als ob sie ahnte—“ „Aber geh', Vronele," unterbrach lachend Herr Braun,„was Du Dir wieder einbildest! Was kann denn ein achtzehn Monate altes Bauxerl ahnen? Uebrigens, Frau Ehlert, haben Sie einen Taufschein der Kleinen?“ „Einen Taufschein? Nein, gar nichts. Den wird wohl Herr Fels oder sein Anwalt aufbewahrt haben. Vorläufig braucht ja wohl das kleine Fräulein noch keine Dokumente.“ „Nein, und bis sie heiratet, hat's noch ein bissel Zeit,“ lachte Herr Braun, der Kleinen bereits runder gewordenes Gesichterl liebkosend, was sich die Kleine wohl ruhig gefallen ließ, dann aber gleich wieder an Frau Therese sich auschmiegte. „Sagen Sie, Frau Ehlert, lacht sie daheim auch nicht. „O. gewiß, sie kann sogar sehr lustig sein.“ „Ein seltsames Kind,“ meinte Frau Braun kopfschüttelnd.“ Wenn ich an unsere Kinder zu. rückdenke, als sie klein waren—“ „Na ja, die waren oft schon sehr lustig.“ Man lachte und da lachte auf einmal auch Paula und klatschte mit den Händchen auf den Tisch. „Siehst Du, so bist Du herzig und da hast Du auch gleich ein schönes Bussi,“ rief Frau Braun. Aber dieses Bussi war der Kleinen offenbar nicht recht, denn sie drehte das Köpfchen blitzschuell hinweg, worüber die Dame ernstlich böse wurde, so daß ihr Gemahl Mühe hatte, sie zu beruhigen, indessen Frau Ehlert sich peinlich berührt fühlte. „Sie ist eine häßliche, kleine Kröte, ich mag sie gar nicht mehr anschauen, sagte Frau Vroni, nachdent der Besuch sich entfernt hatte, neuerdings aufgebracht zu ihrem Gatten und meinte sogar, daß Frau Ehlert das Kind augenscheinlich zu sehr verwöhne, aus ureigenstem Juteresse selbstredend. „Sei nicht lieblos, Vroni! Wie magst Du uut so über diese gute Frau urteilen," tadelte Herr Brann.„Gönn' ihr doch das bißchen Glück!" Frau Vroni schwieg, aber die Freundschaft mit Frau Therese hatte von dieser Stunde an einen kleinen Riß bekommen.—— 3. Kapitel. Frau Therese eilte die Zeit wie im Fluge dahin und, ehe sie sich versah, jährte sich der Tag, an dem Paula ins Haus gekommen war; Herr Fels hatte zwar weder direkt noch indirekt seit Weihnachten etwas von sich hören lassen, Frau Therese aber trotzdem keinen Moment an dem pünktlichen Eintreffen des Kostgeldes am ersten Juni gezweifelt und ihre schöne Zuversicht wurde auch nicht zu schanden, indem am genannten Tag mit der ersten Geldpost die zwölfhundert Kronen prompt eintrafen. Frau Therese konnte es sich aber unmöglich versagen, gleich am Nachmittag der noch immer stark zweifelnden, im übrigen aber doch wieder versöhnten Frau Vroni persönlich Mitteilung zu machen. „Das freut mich auch um Ihretwillen sehr, liebe Frau Therese, denn eine Trennung von der Kleinen fiele Ihnen wohl heute sehr schwer, meinte Frau Braun mit einem flüchtigen Blick auf die an die Ziehmutter sich auschmiegende Paula, worauf Frau Ehlert blitzenden Auges sehr energisch erklärte, daß sie sich nie mehr, ausgenommen natürlich, der eigene Vater fordere es zurück, von dem süßen Kinde trennen würde. FrauBrann lächelte ein wenig überlegen, sagte aber nichts dazu, indes ihr Gatte, Frau Therese warm die Hand drückend, sie eine brave und gute Seele nannte.„Nun hat es keineswegs mehr den Anschein, daß Sie ohne Geld mit dem Kinde sitzen bleiben sollten, denn nachdem dieser elegante Herr Papa zweimal so pünktlich sich mit dem Kostgeld eingestellt hat, wird er es auch in Zukunft damit so halten.“ 227.16 Knüttelhiebe für die Kriegohetzer. Bukarest, 13. Juli. Mit einigen Verhaftungen und polizeilichen Knüttelhieben waren die Sonntagskundgebungen der Kriegsfreunde rasch erledigt. Das einzige Bemerkenswerte war, daß ein Sozialist der gegen die Kriegshetzer protestieren wollte, verprügelt wurde. Als die Teilnehmer den Versammlungssaal verlließen, fanden sie die benach barten Straßenzugänge von Militär mit aufgepflanztem Bajonett und von Polizei mit Knütteln besetzt. Es entstand einiges Gejohle, worauf mehrere Jünglinge unsanft am Kragen genommen wurden, was alle anderen veranlaßte, sich schleunigst zu drücken. Vormarsch der Griechen in Epirns. wib Mailand, 13. Juli.„Popold d'Italia“ meldet aus Rom, daß nach Meldungen aus Griechenland griechische Truppen in Epirus 14 Dörfer südlich des Sees Ochrida besetzt haben. Montenegro verweigert die Uebergabe Skutaris an Italien. London, 13. Juli. Die Londoner„News“ meldet, daß auf Vorstellung des englischen Gesandten in Cetinje, Montenegro die Uebergabe Skutaris an die Italiener verweigert. Die englische Meldung trägt den Zensurvermerk. Die Kriegslage zur See. Die Lage in der Ostsee ist nach einem Aufsatz des Admirals Deggouy in der„Nevue des Deux Mondes“ vom 15. Juni für Rußland noch immer ungünstig, da es durch die übermächtige deutsche Flotte bedroht werde und von England nichts geschehe, um die Deutschen abzuziehen. Die Untätigkeit der englischen Flotte sei unbegreiflich, sie müsse endlich einen Angriff auf Helgoland und Cuxhaven unternehmen oder wenigstens eine der friesischen Inseln als Basis für Unterseeboote und Luftschiffe besetzen. Man müsse Dänemark, ob es wolle oder nicht, zum Anschluß zwingen, um England eine Landung in Norddeutschland zu ermöglichen. Auch die Neutralität Norwegens und Schwedens könne nicht länger geduldet werden, da durch sie eine völlige Abschließung Deutschlands vereitelt werde. Auch im Mittelmeer sei man von einem Erfolg weit entfernt. Die französische Flotte habe unbegreiflicherweise noch nicht einmal die Eisenbahn Ragusa—Cattaro zerstört. Keine österreichisch=ungarischen Schiffsverluste. wtb Wien, 13. Juli. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Gegenüber ausländischen Zeitungsmeldungen über Schiffsverluste unserer Kriegsmarine wird nach Informationen von maßgebender Seite festgestellt, daß die österreichisch= ungarische Flotte in dem Kriege mit Italien bisher keine wie immer gearteten Verluste erlitten hat und daß auch die in ausländischen Zeitungen wiederholt gebrachten Berichte über Beschädigungen an Unterseebooten vollkommen unwahr sind. Deutschland und Japan. Japan lehnt einen Voykott deutscher Waren ab. Paris, 13. Juli. Der„Temps“ dnuckt Ausführungen aus der Schanghaier Zeitung„Echo de Schanghai" ab. Das Blatt erklärt, in China seien scharfe Maßnahmen getroffen worden, um jeden Verkehr zwischen deutschen und französischen Firmen zu unterdrücken. Diese Maßnahmen haben den französischen Keufleuten ziemlich geschadet. Man hoffe, den Ausfall durch den Geschäftsverkehr mit Europa wett zu machen. Die englische Handelskammer in Schanghai wird dieselben Maßnahmen durchführen. Die japanischen Geschäftshäuser seien aufgefordert worden, sich der antideutschen Bewegung anzuschließen, doch wird sich Japan wahrscheinlich ablehnend verhalten, da für die japanischen Unternehmungen aus einem Boykott der deutschen Firmen ein überaus großer Schaden entstehen würde. In Japan sei eine große Zahl von deutschen Kaufleuten ansässig, deren Häuser nach dem Kriege einen großen Aufschwung nehmen würden. Durch einen Boykott würde die Wiederaufnahme der geschäftlichen Beziehungen mit Deutschland nach dem Kriege sehr erschwert werden, und es würde ein großer finanzieller Schaden entstehen. Bryans Friedensfeldzug. Nach dem Abgang Bryans schrieb der„Neuyorker Herald“ am 11. Juni u. a.: Als Präsident Wilson und sein bisheriger Staatssekretär Bryan sich bei ihrer offiziellen Verabschiedung von ein ander die Hände reichten, da sagten sie beide: God bleß you! Sie wußten wohl, daß sie den himmlischen Segen nötig haben würden in dem heftigen Kriege, der nunmehr zwischen ihnen entbrennen dürfte. Daß die Friedenskampagne, die von dem Staatsmann aus Nebraska in Aussicht gestellt wird, eine regelrechte Kriegsansage gegen Präsident Wilson bedeutet, wird heute auf allen Seiten zugegeben. Den demokratischen Parteigrößen ist diese Entwickelung der Dinge auf die Nerven gefallen. Sie sprechen sich jetzt gegenseitig Mut zu. Das ist kein gutes Zeichen. Die Nebellion Bryans gegen seinen bisherigen Chef leuchtet in die schwüle politische Situation hinein, wie ein Blitz in den gewitterschwangeren Himmel, wo sich die düsteren Wetterwolken türmen. Es ist mehr als die Berechtigung der Wilsonschen Note an Deutschland, die von Bryan in Frage gestellt wird. Die ganze Wilson'sche Politik mit Bezug auf Deutschland wird durch Bryans Aktion vor das Forum des Zweifels gezogen. Nun lassen sich aber Stimmen aus der Mitte der Tausende und Abertausende vernehmen, die entschieden gegen ein Kriegsabenteuer sind. Sie sagen dem scheidenden Staatssekretär, daß er den Friedfertigen aus dem Herzen gesprochen hat. Ein wahrer Strom von Zustimmungsadressen ergießt sich in das Arbeitszimmer Bryans am Calumet Place in Washington. Die einem Kriege abholden Bürger des Landes, die ganz gewiß die Mehrheit des Volkes ausmachen, beginnen sich energisch zu rühren. Zu lange schon haben sie den Krieoshetzern in der Oeffentlichkeit allzusehr das Feld überlassen. Sie haben jetzt in Bryan ein Mundstück erhalten, das nicht zu verachten ist. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 14. Juli. **(Geldsendungen an Kriegsgefangene.) Nach einer Mitteilung des Kriegsministeriums werden die Postanweisungen an Kriegsgefangene in Frankreich, den französischen Besitzungen usw. jetzt in Bern nach dem Parikurs umgeschrieben, die schweizerisch=französischen Postanweisungen lauten also auf denselben Betrag, wie die an die OberPostkontrolle in Bern gerichteten deutsch=schweizerischen Postanweisungen. Das Umwandlungsverhältnis für Postanweisungen an Kriegsgefangene in England und seinen Besitzungen beträgt bei der Umschreibung im Haag 12,30 Eulden für 1 Pfund Sterling. **(Eisernes Kreuz.) Dem im Osten kämpfenden Landwehrmann Ernst Schnapp von der Hagenerstraße wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Ein älterer Bruder, der Unteroffizier Jean Schnapp, hatte sich die Auszeichnung bereits im November bei den Kämpfen um Lodz verdient. **(Der Lehrgang für weibliche Jugendpflege) wurde am Montag Nachmittag 4 Uhr in der Aula des hiesigen Progymnasiums durch den Herrn Kreisschulinspektor Stader eröffnet. Nachdem derselbe die zahlreich erschienenen Damen beider Konfessionen(zirka 70) und mehrere Herren, die der Sache der weiblichen Jugendpflege nahe stehen, begrüßt und mit kurzen Worten den Zweck des Lehrganges, nämlich Interesse zu wecken und Mitarbeiterinnen zu gewinnen für die für Familie, Gemeinde und Vaterland gleich bedeutungsvolle weibliche Jugendpflege, erteilte er das Wort dem Herrn Rektor Heinen aus M.=Gladbach zum Vortrage über das Ziel und die Aufgaben der weiblichen Jugendpflege und ihre Schwierigkeiten. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Zuhörerinnen den tiefgehenden und fesselnden Ausführungen des Vortragenden, der selbst jahrelang in der Jugendpflege arbeitet und sie zum Gegenstande eingehenden Studiums gemacht hat. Nach einer kleinen Pause folgten dann in der Turnhalle und auf dem Spiolplatze einige Vorführungen von Turnübungen und Spielen seitens einer Anzahl von Mädchen unter Leitung der Turnlehrerin Frl. Kröger von hier. **(Sendungen an Kriegsgefangene.) Es wird ersucht, den für deutsche Kriegsgefangene bestimmten ins Ausland gehenden Sendungen keinerlei Karten und Zeitungen beizufügen, oder irgendwelche andere Schriften, durch deren Inhalt unsere Cegner sich beleidigt, fühlen können. Derartige feindlicherseits kontrollierte Sendrungen sind geeignet, den Briefwechsel mit den deutschen Gefangenen und ihre Versorgung mit Liebesgaben zu erschweren. Ferner wird daran erinnert, daß in Briefen on sie alle Klagen über angebliche Teuerung oder andere durch den Krieg herbeigeführte Mißstände in Deutschland aus naheliegenden Gründen uinbedingt unterbleiben müssen. **(Wehltätigkeits=Kon#ert.) Am Sonnlag, den 25. Juli, gibt der M.=G.=V.„Sängerbund“ unter Mitwirkung hervorragender Solokräfte ein Konzert am„Freischütz", dessen Reinertrag den beiden hiesigen Krankenhäusern überwiesen werden soll. **(Erneuerung der kleinen Geldscheine) fordert die„Deutsche Tageszeitung“ mit folgenden Wor ten: Von den noch im Umlauf befindlichen Einund Zweimark=Scheinen ist ein großer Teil in einem recht verwahrlosten Zustande. Die Scheine sind zerknittert, zerrissen und starren von Schmitz, so daß man sich scheuen muß, sie mit bloßen Händen anhufassen. Die eigens für Kassenscheine hergestellten Geldtaschen scheinen dem Uebelstande auch nicht abzuhelfen. Die 5= und 10=Mark=Scheine halten sich durchweg besser, weil sie auf weniger empfindlichem Papier gedruckt sind;; freilich gehen sie auch nicht so oft von Hand zu Hand wie die 1= und 2Mark=Scheine. **(Die Beschäftigung von Kriegsgesangenen.) Beim Generalkommando gehen täglich zahlreiche Gesuche von Angehörigen im Felde stehender Soldaten pp. um Beurlaubungen ein. Sie werden teilweise damit begründet, daß Hilfe zur Feldbestellung erforderlich sei, daß geschäftliche Angelegenheiten zu regeln wären, daß die zurückgebliebenen Frauen sich in diesen nicht zu raten wüßten, daß Außenstände einzuziehen wären, Brennholz für den Winter durch Holzschlagen oder Torfstechen beschafft werden müßte uund ähnliches mehr. Das Generalkommando verkennt keineswegs, daß Fälle vorliegen können, in denen eine Beurlaubung zur Abwendung wirtschaftlichen Unterganges dringend geboten ist; es ist aber unmöglich, hunderte von Gesuchen zu genehmigen, während die Truppe in ernsten Kämpfen steht, bei denen kein Mann der Truppen oder Kolonnen entbehrt werden kann. Unter diesen Umstäden ist es erforderlich, daß auch hier im Kreise Gefangene zu Arbeiten angenommen und mit ihrer Hilfe die Feldarbeit auch bei den kleineren Besitzern nach und noch durchgeführt wird, ohne daß diesen die Lasten dafür zufallen. Anträge auf Heranziehuung von Gefangenen können bei dem Königl. Landratsamt in Hörde gestellt werden. ** Höchsten, 13. Juli.(Von einem Unfall) betroffen wurde der landwirtschaftliche Hilfsarbeiter Martin Wentkawski. Beim Arbeiten an der Dreschmaschine geriet er mit der linken Hand so unglücklich zwischen die Iahnräder, daß ihm Zeige= und Mittelfinger vollständig abgequetscht wurden. Er kam ins Krankenhaus. * Wiesdorf, 13. Juli.(Erhöhung der Quartiergelder.) Der Gemeinderat beschloß mit Rücksicht auf die heutigen teuren Lebensmittelpreise eine Erhöhrung der Vergütung für Einquartierung. Es soll während des Krieges gezahlt werden: für Unteroffiziere und Gemeine 2,50 Mark, für Feldwebol und Vizefeldwebol 2,75 Mk. täglich. Für Einuartierung ohne Verpflegung bleiben die bisherigen Sätze bestehen. * Essen=Ruhr, 13. Juli.(Sühne für den Hattinger Raubmordanfall.) Wegen schweren Raubes nach§ 251 des Strafgesetzbuches verhandelte heute das Schwurgericht gegen die italienischen Erdarbeiter Brian und Barasi aus Essen und gegen den Arbeiter Cossetine cms Welver. Sie waren in der Morgenfrühe des 30. April d. J. in die Wohnung des Händlers Moses Löwenstein in Hattingen gewaltsam eingedrungen, hatten das hochbetegte Eheraar im Bette überfallen, geschlagen und gewürgt und Geld### erhalten versucht. Nur die goldene Taschenuhr Löwensteins fiel ihnen als Baute in die Hände. Die Räuber flüchteten, wurden aber noch an demselben Morgen verhaftet. Die Ehefrau Löwensteins starb nach lurzer Zeit infolge der Mißhandlungen. Das Gericht erkannte auf je 15 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaussicht. Der Erlös aus Beilragsmarken der Invalidenversicherung hat im Mai dieses Jahres 16,4 Millionen Mark oder 6,2 Millionen weniger als im gleichen Monat des Vorjahres betragen. Die Ausfälle gegenüber dem letzten Friedensjahre, die sich nach Ueberwindung der in den ersten Kriegsmonaten aufgetretenen plötzlichen Erwerbsstörungen und Geschäftsstockungen in rückläufiger Richtung bewegt hatten, sind seit einigen Monaten wieder im Ansteigen begriffen. Im Februar des laufenden Jahres wurden 3 Millionen, im März 4,1 Mill., im April 5,4 Mill., im Mai 6,2 Mill. weniger vereinnahmt, als in den entsprechenden Monaten des Vorjahres. Machen sich in dieser Entwickolung die fortgesetzten Einberufungen zum Heeresdienst bemerkbar, so hat sich doch der Gesamtausfall während der Kriegsmonate August bis Mai immer noch in erträglichen Grenzen gehalten. Die Mindereinnahmen seit Anfang August 1914 bis Ende Mai 1915 belaufen sich auf 48,4 Millionen Mark. Dieser Betrag ist noch nicht der vierte Teil der in den gleichen Monaten des vergangenen Jahres erhaltenen Gesamteinnahme von 216,2 Millionen Mark. Auf der anderen Seite sind die Rentenzahlungen seit Beginn des Krieges unausgesetzt im Steigen begriffen. Es sind an Invaliden=, Kranken=, Alters= und Zusetzrenten (ohne die Hinterbliebenenrenten) gezahlt worden in den Monaten August 1914 bis März 1915 über 4 Millionen Mark mehr als in den entsprechenden letzten Friedensmonaten. Im April 1915 sind 15,1 Mill., gegen 14,8 Mill. im April 1914 gezahlt worden, so daß sich das Gesamtplus auf nahezu 4,5 Millionen Mark erhöht. So erstrahlt in einer Zeit, in der die Einnahmen aus Beiträgen beträchtlich vermindert sind, die wirtschaftliche Stärke und die segensreiche Bedeutung der dautschen Reichsarbeiterversicherung in besonders hellem Lichte! Wochenmarkt. Der heutige Wochenmarkt war wieder sehr gut beschickt. Die Preise wollen allerdings sehr zum Leidweisen der Hausfrauen, trotz der großen Zufuhr ron Gemüse aller Art, immer noch nicht heruntergehen. Kirschen kesteten 30—40 Pfg., Stachelbeeren 30—40 Pfg., Johannisbeeren 30 Psg., Birnen Pfund 40 Pfg., Aepfel Pfund 40 Pfg., Pfirsiche Pfund 80 Pfg., Waldbeeren Pfund 40—50 Pf., grüne Gurken 15—25 Pfg., weiße Gurken 20—30 Pfg., Wurzeln Bund 5—20 Pfg., Erbsen Pfund 20—30 Pfg., Rhabarber 2 Pack 25 Pfg., Rote Beten Pack 10 Pfg., Salat Kopf 5 Pfg., Wirsing 15—25 Pfg., Spitzkappus Stück 25 Pfa., Rotkohl 35—40 Pfg., Kohlrabi 3 Stück 20 Pfg., Zwiebeln Pfund 40 Pfg., Blumenkohl Stück 40 Pfg., große Bohnen Pfund 10 Pfg., grüne Böhnchen Pfd. 20—30 Pfg., neue Karkoffeln 10 Pfund 1,10 Mk., Eier 7 Stück 1,— Mk., Butter Pfd. 1,60 Mk., Rindfleisch Pfd. 1.— Mk., Schweinefleisch Pfd. 1.70 Mk., Schellfisch (kleiner) Pfd. 25 Pfg., Schellfisch(großer) Pfund 35 Pfg. Jerantwortlich für die Redaktion Friede. Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Bekanntmachung Auf Grund des§ 1 des Gesetzes vom 4. August 1914 in der Fassung der Bekanntmachung vom 17. Dezember 1914 und vom 21. Januar 1915 wird vom 15. d. Mis ab für den Stadtbezirk Schwerte der Höchstpreis für: 6 Pfd. Kriegsbrot auf *„„„ 6„ Schwarzbrot„ 1.15 e 0.58„ 1.04„ 0.52" 0.75„ 0.06„ 0.25„ 0.22" 3" Weißbrot(Stuten) auf „„(Brötchen)„ 1" Weizenmehl auf 1„ Roggenmehl„ im Kleinverkauf festgesetzt. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß unter„Höchstpreis“ der Preis für beste Ware zu verstehen ist. Wer die festgesetzten Höchstpreise überschreitet, wird nach§ 6 des Gesetzes mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 10000 Mark bestraft. Schwerte, den 9. Juli 1915. 3304 Der Magistral. Kohrmann. Abgeschlossene Etagen von 3, 4, 5 und 6 Zimmern, mit Badezimmer, Speisekammer, Erker, Balkon, Leucht= und Heizgas, elektr. Licht, Garten und allen sonstigen Bequemlichkeiten, per sofort oder später zu vermieten. 3124 Wilhelm Luck, Königstr. 5a zu vermieten. 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Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet 3877 Der Vorsland. Gelegenheitskauf! Weisse 3249 ROUCH zum halben Preise Ernst Müller Ostenstrasse 18. SchweineVersicherungs-Verein = Außerordentliche= Generalversammlung am Sonntag, den 18. d. Mis nachmittags 5 Uhr, im Lokale des Herrn G. Winkelmann. Tagesordnung:. 1. Aenderung des§ 10 der Satzungen. 2. Verschiedenes. Da die Hauptversammlung vom 11. April d. J. zum ersten Punkte der Tagesordnung nicht beschlußfähig war, werden die Mitglieder darauf aufmerksam gemacht, daß die außerordentliche Generalversammlung nach 8 81 ohne Rücksichl auf die Jahl der anwesenden Mitglieder beschlußfähig ist. Jahlreiches Erscheinen erwartet 3878 Der Vorsland. neueste Modelle in allen Preislagen Luftschläuche und Mäntel, sowie Ersatz- und Zubehörtelle staunend billig. Nähmaschinen, neue und wenig gebrauchte, Ausserst preiswert. Sämtliche Reparaturen prompt und sachgemäss. C. Schlüter, Dortmund Hoher Wall 38, Körnerplatz. neben der Martinschule. 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V.: Dr. Burchard. 3372 Viebseuchenpolizeiliche Anordnung Jum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1919 Reichsgesetzblalt Seite 519 mit Ermächtigung des Herrn Regierungspräsidenlen folgendes bestimmt:... gi.... Die Maul= und Klauenseuche herrscht zur Zei auf den Weiden zu Westhosen und Garenseld unter den Rindviehbeständen der Ww. Nebeling und von Stuhlmann. Viebahn, Schmitz, Schürmann und Schulze=Nehring zu Wandhofen. Als Sperrbezirk wird bestimml: Ruhrweiden zu Westhosen bis zum Kreiswasserwerk. Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter I meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 6. Juli 1915 Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zeitung vom 10. Juli er. Nr. 159(Beilage] enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Abschnitte Il—VII einschließlich der genannten Anordnung bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz des§ 5 Jiffer 1 wie folgt geändert wird. In dem Amte Westhosen wird verbolen. Hörde, den 12. Juli 1915. 3373 Der Königliche Landrat. I V: Dr. Burchard. Viebseuchenpolizeiliche Anordnung. Jum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 (R.=G.=Bl. S. 519) mit Ermächtigung des Herrn Regierungspräsidenten folgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. It. unter dem Rindviehbestande der Ww. Eckey zu Schwerle, Kleine Marktstraße. Als Sperrbezirk wird bestimmt: Kleine Marklstraße in Schwerie. * Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter 1 meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 6. Juli 1915 Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zeitung) vom 10. Juli er. Nr. 159(Beilage) enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Abschnitte III—VII einschl. der genannten Anordnung bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz des§ 5 Ziffer 1 wie folgt geandert wird: In der Stadt Schwerte wird verbolen. Hörde, den 12. Juli 1915. Der Landrak. I. V. Dr. Burchard. 8375 Folte Den Heldentod fürs Vaterland erlitt am 4. d Mts. nach schwerer Verwundung mein innigstgeliebter Sohn, unser herzensguter, teurer Bruder, Schwager, Onkel, Meffe und Vetter, der Wilhelm Schafts-Pillmann äger-Bataillon Nr. 1, 2. Komp. 3361 im blühenden Alter von 21 Jahren. In tiefer Trauer Familie Wilh. Schulte-Tillmann. Schwerte, Westheide-Lünern b. Unna, den 14. Juli 1915. Es wird höflichst gebeten, von Beileidsbesuchen abzusehen. Frisch eingetroffen: Pudding- u. Backpulver, Gelee-Pulver, rote Grütze, Kartoffelmehl, Hoffmanns Speisemehl, Maisgries, s= Nudeln, Gerstenflocken. 555 Suppentafeln u. Sulasuppen, gar. rein. Bienenhonig in Gilügern und auggenogen. la. Himbeersaft und Lemon Squash, Kunsthonigpalver. Diverse Schokoladen und Kakaos, S Keks u. Delikatessen u. Erfrischungen. Feldpostpackungen gefüllt mit Himbeer- und Zitronensalt und Lemon Squash. 82 Pergamentdosen 88 S zum Füllen mit 2 Butter, Fett, Marmelade oder Honig.m K enphichlt 8654 s Drogerie Max Mehlhose. Gott dem Allmächtigen hat es getallen, unser innigstgeliebtes Töchterchen JOhalia plötzlich zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Schwerte, Welkenraedt, den 13. Juli 1915. Walter Heimbeck 3379 und Frau. Näherin Während der Gerichtsferien vom 15. Juli bis 15. September 1915 sind die Buteaustunden der Unterzeichneten wie folgt geregelt: Vormittags von 9—12 Uhr Nachmillags von 3—5 Uhr, Mittwoch und Samstag nachmittags sind die Bureaus geschlossen, ebenfalls an Sonn= und Feiertagen. Schweite, den 14. Juli 1915. 3356 Backhausen, Justizrat, Rechtsanwalt und Notar. Thoholle, Dr. Straihmann, Rechtsanwalt und Notar. Rechtsanwalt Die auf den land-Versteigerungen nicht verkauften Sachen, wie Anzüge, Ueberzieher, Joppen, Hosen, Röcke gesucht. Angebote mit Gehaltsansprüchen vorläufig nur schriftlich erbeten. C. Rob. Lohmann, 3365 G. m. b. H.. Westhofen(Westf.). Verband Wesssalischer Arbeiisnachweise. Die Arbeits=Nachweisstelle Schwerte Lielhstraße 4 Fernspr. Nr. 213 vermitlelt Arbeitskräfte aller Ark 411 vollständig kostenfrei. KKC Die gesteigerten Ansprüche'an die Reinigung'der Bettfüllungen haben mich veranlasst 5659 Bettfedern und Daunen nach einem neuen vollkommeneren Verfahren reinigen zu lassen. Alle Qualitäten, auch die billigsten sind jetzt ohne jeden Geruch und durchweg staubfrei. Ich empfehle: Bettfedern zu 1,25, 1,75, 2,25 b. 3.00 Mk. Halbdaunen zu 3.00 bis 4.50 Mk. Daunen zu 4,00 bis 6,50 Mk. OTTO MARX• 8EE sucht Kundschaft ia allen vorkommenden Riharbeiten. Wetten 857 Hörderstraße 64. acken, Taillen, Mäntel etc. etc. Ober- u. Unterbetten— Pfühle, Kissen anseht sofort gesucht. 3360 Börflinghaus. Ais Pierdelutter empfehle Zuckerhäckse! Walzgerste Maisschrot Kleehäcksel Strohhäckse! 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Wäsche, haltbare Lebensmittel und Tabak) übernimmt, Nachforschungen nach Vermißlen und Kriegsgefangenen anstellt und über alle Angelegenheiten, die unsere Kriegsgefangenen angehen, Auskunft erteilt. Wir bitlen um reichliche Mittel! Es gilt die Not unserer kapferen Krieger, der in Gesangenschaft schmachtenden Verwundeten zu lindern! Helft den verschleppten Bewohnern unserer Grenzprovinzen! Ueber die Verwendung der Geldspenden beschließt ein in Hamburg bestehender Finanzausschuß. Mittel. die zur Unterstützung der Deutschen im Feindesland nicht mehr verwendet werden können, sollen später zum Besten der aus der Gefangenschaft Zurückgekehrten dienen Zahlungen nehmen sämtliche öffentliche Sparkassen des Reg.=Bezirks Arnsberg für das Konto„Gefangenenhilfe“ entgegen, sowie die Geschäftsstelle des Dortmunder Unterausschusses, Dortmund, Altes Rathaus, Tuchhalle, Markt 14. Der geschäftsführende Ausschuß: Frau Oberbürgermeister Eichhoff. Dr. Cremer, Stadrat. Hugo Busch. Lehrer der Kunstgewerbeschule. Diesen Aufruf befürworten: Der stellvertretende kommandierende General des VII. Armeekorps Freiherr v. Gayl. Der Vorsitzende des Dortmunder Zweigvereins vom Roten Kreuz Dr. Eichhoff, Oberbürgermeister. Dr. Der Oderpräsident der Provinz Westfalen 0. Prinz Karl v. Ratibor und Corvey. Der Regierungs=Präsident v. Boke. Wird hiermit veröffentlicht. Geldspenden werden von der Sparkasse hierselbst entgegengenommen. Die Karten der französischen und russischen Gefangenenlager, sowie die postalischen Bestimmungen üder den Verkehr mit den Gefangenen liegen im Militärdureau, Zimmer Nr. 2. offen. Schwerle, den 12. Juli 19 5. Der Magistrat. Rohrmann, 9975 beim Bezirkskommando. 1219 Bekanntmachung. In unser Handelsregister ist heute bei der Firma Elsenindustrie zu Menden und Schwerke, AktienGesellschaft zu Schwerte, soloendes eingetragen: Die Direktoren Josef Dehez und Friedrich Flick sind aus dem Vorstande ausgeschieden und der Direktor Bernhard Cupey zu Schwerte, ist zum Vorstandsmitglied bestellt. 3363 Schwerte, den 9. Juli 1915. Königliches Amtsgericht. Schwerte Ostenstrasse 20. Häute und Sele uunn kauft und gerbt Deimann, Gerberei Sümmern, Stat. Kallhof. Kause jeden Posten nur gut erhaltener und ditte um Preisofferten. Offerten unter G. 3376 an die Geschäftsstelle der Jeitung erbaten. — hat zentner veise abzugeben. Wilh. Potthoff, 3236 Schützenstraße. Nährend der Kriegss z e i t w e r d e n w i r u n s e r e s Vormittags- Sprechstung den von 7½—9½ Uhr S(pünktlich) abhalten. B0g Bekanntmachung. Wegen Prüfung des Bücherbestandes ist die städtische Volksbücherei im Monat August ds. Is. geschlossen. Die ausgeltehenen Bücher sind bis zum 1. August ds. Is. zuückzugeben. Schw rte, den 12. Juli 1915. 3358 Der Magistrak. Rohrmann. Nee Kinz., Fabar. BOll, Prim., Abitur 1 Tüßle. Prosp. frei. Dr. Emmerich. Dr. Goecke. AMli n 89 8 65 835 S 893 SABESS S 98 Gncn D m E 2# 8 S 5. 23— S9# iE TE 2 2 S 8 * 2 S S. 8— Po“ s * 8 S“ * □ 8 Mystisikation von damals verzeihen? Tarf ich Ihnen beichten, wodurch ich Ihr Kutscher wurde?“— Als er geendet, fragte er weiter:„Haben Sie wohl manchmal seitdem an die Fahrt nach Ilmenau genacht.?“— Sie bejahte errötend. „Ich g.aube, ich habe damals gezeigt, daß ich Sie sicher durch Sturm und Wetter führen kann. Würden Sie mir nun nicht daraufhin die Zügel Ihres Lebenswagens für immer anvertrauen, oder muß ich fürchten, daß mein Talisman lügt,“ hier zeigte er auf das Goldstück an seiner Uhrkette, das Ilse jetzt erst bemerkte,„und daß der Oberlehrer Ihnen weniger Vertrauen einflößt als der Kutscher? Willst du's mit mir wagen, Ilse?"— Sie schwieg; aber er las die Antwort aus ihren Augen, und so wie damals schmiegte sie sich vertrauensvoll fest an ihn. Und es war doch gar kein Gewitter!— Es kam auch keins, selbst dann nicht, als Heinz dem Amtsgerichtsrat seine Beichte ablegte. „So ganz traute ich Ihnen gleich nicht, und nun entpuppen Sie sich gar als Mädchenräuber!“ meinte Wagner lachend. Der einzige, dem die Sache nicht paßte, war Max. Nee, der Neue ließ sich nicht ziehen, trotzdem's sein Schwager war. Ilse behauptete später immer, die schönste Strecke von jener Wagentour sei die zwischen Schmücke und Ilmenau gewesen. Lächelnd stimmte Heinz ihr bei und sagte:„Ja, es war auch meine Brautjahrt!“ Die Kunst, 100 Jahre alt zu werden. „Mau wird als Hundertjähriger geboren.“ In diesem paradoxen Wort saßt ein Arzt den Grundgedanken eines inhaltreichen Aussatzes zusammen, in dem er über das Problem der Langlebigkeit spricht. Eine gute Konstitution, eine glückliche Veranlagung für das Altwerden ist eben doch die Hauptsache für dieses von den meisten Menschen so heiß erwünschte Ziel. Im allgemeinen ist es ja mit der Lebensdauer des Menschen ziemlich schlecht bestellt. Sein Leben dauert kürzere Zeit als das des Krokodils, des Walsisches, des Elefanten, des Falken; es erreicht kaum die Lebensdauer des Papageis, des Raben oder Adlers. Wenn man sich nur auf glaubwürdige Berichte stützt, so überschreiten die Retorde der Langlebigkeit nicht die Zahl von 125 Jahren. Wie selten wird einer mal 90! Nach der Berechnung von Flourens, der das Gesetz zugrunde gelegt ist, daß die Lebensdauer der Tiere fünfmal soviel beträgt als die Zeit ihres Wachstums, müßte der Mensch durchschnittlich 100 Jahre alt werden; denn seine Wachstumsperiode dauert 20 Jahre. Wir müssen uns also damit trösten, daß wenigstens in Ausnahmefällen diese Hundertjährigkeit erreicht wird. Von sehr alt Gewordenen erzählt ja nicht nur die Bibel fabelhafte Geschichten, sondern auch aus dem klassischen Altertum gibt es zahlreiche beglaubigte Nachrichten, und aus neuerer Zeit hat die Wissenschaft Fälle gesammelt, wo Leute, die das 100. Jahr lange überschritten hatten, noch rüstig und lebensfroh waren. Mentzelius erzählt von einem Einhundertzwanzigjährigen, der noch alle seine Zähne hatte und eine so kräftige Stimme, daß man ihn in einer Entfernung von 300 Fuß hörte; ein alter Ungar von 109 Jahren, der an einem stechenden Schmerz in der Seite litt, ging 48 Kilometer zu Fuß, um sich in dem Krankenhaus von Bikar behandeln zu lassen; der Akrobat Henry Johnson gab erst mit 98 Jahren seinen Beruf auf. Einer der bekanntesten Hundertjährigen, Thomas Parr, vagabundierte noch mit 102 Jahren umher und wurde wegen eines Diebstahlversuches gerichtlich verfolgt; der Amerikaner Raglon, der 114 Jahre alt wurde, heiratete als mehr als Hundertjähriger seine dritte Frau, die mit 30 Jahren zur trauernden Witwe wurde; Francois Noaillé, der 119 Jahre alt wurde, hatte noch mit 100 Jahren ein Kind. Mögen heute diese vereinzelten Fälle von Langlebigkeit geringer sein als früher, so können wir uns doch damit trösten, daß im allgemeinen eine beständig steigende Zunahme der Lebensdauer in der Gegenwart zu konstatieren ist. Die mangelnde Hygiene und die Epidemien rafften im Mittelalter Unzählige dahin, die heute der Menschheit erhalten bleiben. Die etwas bessere Lebenshaltung des 17. und 18. Jahrhunderts brachte schon eine leise Steigerung der durchschnittlichen Lebensdauer. Tann stieg die Zahl der durchschnittlich erreichten Jahre in allen Ländern.— Betrachtet man die der Langlebigkeit günstigen Bedingungen, so ist es zunächst einmal vorteilhaft, als weibliches Wesen geboren zu werden. Alle Statistiken lassen darauf schließen, daß die Frau im allgemeinen länger lebt als der Mann, und daß es unter dem schwächeren Geschlecht mehr Hundertjährige gibt. Man begreift das, wenn man an das regelmäßigere Leben, die geringeren Ausschweifungen, das ruhigere und weniger aufreibende Leben der Frau denkt. Daß irgendeine Rasse besonders bevorzugt ist in der Lebensdauer, läßt sich nicht feststellen. Wie verschieden groß aber bei den einzelnen Völkern die Zahl der Hundertjährigen ist, beweist eine Statistik des Berliner Gesundheitsamtes. Tanach zählt Bulgarien 3883 Leute, die das 100. Jahr überschritten haben, Rumänien 1074, Serbien 573, Spanien 410, Frankreich 213, Italien 197, England 92, Rußland 89, Teutschland 76, Norwegen 23, Schweden 10, Belgien 5 und Tänemark 2, die Schweiz keinen. Taraus geht die außerordentliche Lebenszähigkeit der Balkanvölker hervor, von denen in Bulgarien 10 Prozent über 100 Jahre werden. Innerhalb der einzelnen Berufe erlangen nach Casper die Theologen die höchste Lebensdauer mit durchschnittlich 65 Jahren; Beamte erreichen durchschnittlich 61,7, Ackerbauer 61,6, Soldaten 59,6, Aerzte 56,1. Nach einer Statistik Legrands schneiden die Politiker gut ab, die durchschnittlich eine Lebensdauer von 69 Jahren erreichen. Nach dem Amerikaner French leben die Bewohner des Landes länger als die Städter; die ersteren erreichen durchschnittlich 66 Jahre, die letzteren 45—52. Taß soziale Bedingungen zur Langlebigkeit beitragen, beweist die Feststellung Caspers, nach der unter den Siebzigjährigen 235 Reiche gegen 117 Arme und von den Neunzigjährigen 15 Reiche gegen 4 Arme standen. Könige werden nicht alt; die Statistik stellt fest, daß ihr Turchschnittsalter 58,7 Jahre beträgt. Hundertjährige stammen gewöhnlich aus langlebigen Familien, in denen die Greise sehr zahlreich sind; am ältesten werden Menschen, deren Vater zwischen 25—10 Jahren und deren Mutter zwischen 25—35 Jahren war. Leibesgröße ist zum 100=Jahre=alt=Werden nicht erforderlich; denn Zwerge erreichen häufig ein hohes Alter. Im allgemeinen ist dem, der die Kunst, 100 Jahre alt zu werden, erlernen will, ein mäßiges und geordnetes Leben zu empfehlen, das Vermeiden jeder Ueberernährung und jeder Ueberaustrengung des Körpers. 13 Dumor. Keine Gefahr. Er:„Würdest du schreien, Marie, wenn ich dich jetzt küßte?“ Sie:„Aber natürlich würde ich!“ Pause. Sie:„Georg!“ Er:„Ja, was gibt's?“ Sie (zögernd):„Vater ist taub.“ 8 C latleher, Roman Hindernisse willen?" fuhr auf.„Darf ich fragen. Herr was Sie damit sagen hätten, anderer Volkhardt von Malzyn, wollen?“ „Ich will damit sagen, daß der, der meinen Onkel und diejenigen, die ihn bei normalem Verlauf der Dinge um Buchwalde gebracht hat, nach von M. Withe. (1°. Tortsetz ing.) lassen, daß er für Leute, ihm zu einigen verstehen, (Nachdruck verboten.) die sich nicht im Guten mit unter Umständen recht gefährlich werden könne! Es scheint mir keineswegs unmiglich, daß Herr von Malzyn mit seinen Vermutungen nicht allzi weit von der Wahrheit entsernt ist! Aber beerbt hätten, un Eachwaltrg. meinen Informationen mit unlauteren und mit strafrechtlich verfolgbaren Mitteln gearbeitet hat. Es handelt sich da um einen gewissen Paul Creter, um einen Menschen, dessen Entlarvung und Vernichtung ich mir zu meiner vornehmsten Lebensaufgabe gemacht habe! Ich bin schon heute im Besitz eines Materials, das ich für beinahe hinreichend halte, ihn zu überführen! Aber ich hoffe, daß ich binnen kurzem auch die Beweise erlangt haben werde, die mir jetzt vielleicht noch fehlen könnten!"„ In dem Moment, da er den Namen Creter genannt hatte, hatte die Baronin rasch aufgebliat. Dieser Name war ihr ja bekannt genug, und sie hätte den Anwesenden aus ihrer eigenen Erfahrung auch einiges Interessante über Paul Creter erzählen können. Sie sah, daß die weiblichen Angehörigen des Hauses Volkhardt stumm und mit eigentümlch niedergeschlagenen Mienen dasaßen, während die gesunde Rote von den Wangen des Bankiers gewichen war und tiefe Falten sich zwischen seinen Brauen eingegraben hatten. In dieser Sekunde kam es wie eine Erleuchtung über sie, und sie mußte an sich halten, um den Ausruf zu unterdrücken, der sich ihr hatte auf die Lippen drängen wollen. „Wie fürchterlich Sie sind, mein lieber Herr von Malzyn!“ sagte sie statt dessen mit starker Willensanspannung.„Wenn man Sie mit solcher Leidenschaft von Ihren Vergeltungsabsichten sprechen hört, könnte man wahrhaftig glauben, der gesährliche Paul Creter befände sich hier in unserer Mitte! Uebrigens. da Sie doch gewiß ein sehr versierter Geschä tsmann sind, Herr Volkhardt, haben Sie vielleicht auch schon von dem Menschen gehört und können uns etwas zu seiner Charakteristik sagen?“ Fragend sah sie den Hausherrn an, der mit unsicherer Hand nach seinem eben gefüllten Glas griff. Erst nachdem er den Inhalt auf einen Zug hinuntergestürzt hatte, erwiderte er „Ja, der Name des Mannes ist ziemlich bekannt! Ein sogenannter Geldmann, wie es deren viele in Berlin gibt! Aber ich habe mir allerdings sagen er vergat, daß der Leichtsinn der adligen Heiren, die gewö. nliy mit sehenden Augen in ihr Verdecben rennen, zumeist riel mehr die Schuld an ihrem Untergange tragt als die Verschlagenheit oder Hartherzigkeit irgendeines Wucherers!" 12. Kapitel. Das Handschriftenspiel. Die Baronin machte eine ungeduldige Bewegung mit den Schultern, wie wenn ihr die Antwort auf ihre Frage fast schon zu umständlich und ausführlich gewesen näre. Jedenfalls schien das Thema kein übergroßes Interesse für sie zu haben. „Nun ja,“ meinte sie,„irgendeine Entschuldigung wird der ehrenwerte Herr Creter wohl für sich geltend zu machen wissen! Und wr tun ihm vielzuviel Ehre an, wenn wir uns so lange mit seiner Person veschäftigen! Lassen Sie uns doch irgend etwas Lustigeres beginnen, meine Herrschaften! Kennen Sie das neue Hand chrit enspiel, das jetzt überall in Mode ist?“ Keiner der Anwesenden kannte es, und Banche Wallberg beeilte sich zu erklären: „Ein Blatt weiten Papiers wird der Länge nach gefaltet und wieder auseinandergeklappt. Dann schreibt man seinen Namen neben die durch den Kniff gebildete Linie und legt das Blatt wieder zusammen, solange die Tinte noch naß ist. Was dann sichtbar wird, nennt man das Stelett oder den Geist der Handschrift. Es gibt wirklich sehr interessante Resultate. Ich habe mir bereits ein ganzes Album besonders bemerkenswerter Handschriften=Gespenster angelegt, und ich möchte sehr gern auch von Ihnen eines haben. Herr Volkhardt.“ „Warum gerade von mir?“ fragte der Bankier, der immer zum Mßtrauen geneigt war. Aber sie erwiderte lachend: „Weil ich mich sehr täuschen müßte, wenn Sie nicht einen besonders kühnen und charaktervollen Namenszug hätten! Die Schrift pflegt ja im allgemeinen der gesamten Persönlichkeit zu entsprechen!" Paul Volkhardts hervorstechendste Eigenschaft neben der Geldgier, die sein Wesen beherrschte, war jedenfalls eine beinahe kindische Eitelkeit, und er fühlte sich durch die Erklärung der Baronin allen Ernstes geschmeichelt. S S 8 Bn 86 Vnn „Darin könnten Sie wohl recht haben!“ meinte er. „Und ich bin nun selber neugierig, zu sehen, was bei Ihrer Spielerei herauskommt! Wollen wir es gleich hier auf der Stelle versuchen?" Obwohl die übrigen kein besonderes Interesse für diese Art von Gesellschaftsspiel an den Tag legten, schlossen sie sich doch aus Höflichkeit für die Baronin dem Vorschlage an, und die kleinen Vorbereitungen waren rasch getroffen. Ein Diener erhielt den Befehl, Papier und Schreibgerät aus dem Arbeitszimmer des Schloßherrn zu holen, und er mußte für Volkhardt eine nach altem, fast vergessenem Brauch zum Schreibgebrauch zurechtgeschnittene Schwanenfeder bringen, weil sich der Bankier, wie er sagte, nie einer anderen für seine Unterschrift bediente. „Erstens ist eine Gänse= oder Schwanenfeder für eine Faust, wie die meinige, ein geeigneteres Instrument als eine Stahlfeder," erklärte er.„Und dann lassen sich solche Unterschriften auch nicht so leicht nachmachen.“ „Ah, das ist ja sehr interessant!“ meinte die Baronin.„Dann sollten wirklich alle Geldleute diese Vorsicht gebrauchen! Ich möchte wohl wissen, ob auch Herr Paul Creter seinen Namen nur mit einer Gänsefeder schreibt!“ Volkhardt lachte gezwungen. „Was für ein merkwürdiges Interesse Sie heute an dem Manne nehmen, Frau Baronin! Aber wenn Ihnen so viel daran liegt, es zu erfahren, kann ich ihn ja gelegentlich danach fragen! Ich treffe nämlich zuweilen mit ihm zusammen!" Blanche nickte heiter, und gleich darauf legte sie das gefaltete Blatt vor Volkhardt auf den Tisch, indem sie ihm die Stelle bezeichnete, an die er seinen Namen zu setzen habe. Er tat es mit kühnem Federschwunge und verschiedenen altmodischen Schnörkeln, wobei die Feder kreischend über das Papier flog. „Wunderschön!" lobte die Baronin.„Das nenne ich in der Tat einen charaktervollen Namenszug! Es wird ein prachtvolles Gespenst ergeben!" Während sie sich scheinbar anschickte, das Papier wieder zusammenzulegen, ließ sie es aus der Hand gleiten, so daß es auf den Boden flatterte. Sie griff danach und hielt es so, daß nur sie selbst die beschriebene Seite sehen konnte. „O, wie schade!“ rief sie im Tone des Bedauerns. „Nun habe ich es durch meine Ungeschicklichkeit verdorben! Die Schriftzüge sind so verwischt, daß es für unsern Zweck nicht mehr zu gebrauchen ist! Und ich werde Sie wohl oder übel noch einmal bemühen müssen, Herr Volkhardt!" In seinem Eifer, das mißlungene Experiment zu wiederholen, achtete Paul Volkhardt nicht darauf, daß sie das erste Blatt auf ihrem Schoße behielt, bis sie annehmen konnte, daß die keineswegs verwischte Unterschrift vollständig getrocknet sei; daß sie es mit geschickten Fingern zusammenlegte und es dann, während sie sich zum Schein nach etwas bückte, mit einer raschen Bewegung in den Ausschnitt ihres Kleides schob. Eine berufsmäßige Taschenspielerin hätte das alles nicht mit größerer Gewandtheit bewirken können, und die kleinen Manipulationen waren nicht nur der Aufmerksamkeit Paul Volkhardts, sondern auch der aller anderen Anwesenden entgangen. Mit der zweiten Unterschrift und ihrer wunderlich wirkenden klecksographischen Verdoppelung hatte Paul Volkhardt nun wirklich ein großartiges„Skelett" zustande gebracht. Er selbst bewunderte es höchlich, und die Baronin erklärte wiederholt, daß sie es als ein Glanzstück ihrer Sammlung betrachte. Auch Malzyn und Wallberg mußten ihre Unterschriften hergeben, und wenn sie auch die ganze Unterhaltung etwas eindisch finden mochten, so kam es ihnen doch keinen Augenblick in den Sinn, eine besondere Absicht der Baronin dahinter zu vermuten. Endlich war man des Zeitvertreibs müde geworden und stand auf, um sich im Garten etwas Bewegung zu machen. Gerda gesellte sich zu der Baronin, um ihr die Schönheiten des Parkes zu zeigen, und Blanche war voll aufrichtiger Bewunderung für die gärtnerischen Künste, die man hier entfaltet hatte. Ungleich mehr freilich als die Leistungen des Schloßgärtners interessierte sie die reizende junge Menschenblüte an ihrer Seite. Und Gerdas offenes, freimütiges Wesen gewann ihre ganze Sympathie. Sich zutraulich in den Arm der neu gewonnenen Freundin hängend, sagte das junge Mädchen: „Wie wunderlich sich doch oft innerhalb einer einzigen Viertelstunde die Empfindungen eines Menschen für den andern wandeln können! Jetzt bin ich so glücklich darüber, daß Sie zu uns gekommen sind, und als ich zuerst von Ihrem bevorstehenden Besuch hörte, war ich ganz außer mir! Ich hielt mich überzeugt, daß Ihr Gemahl Sie nur dazu veranlaßt habe, weil er meinen Papa einer geschäftlichen Abmachung geneigt machen wollte! Aber das war natürlich sehr töricht! Denn wenn es sich auch wirklich so verhielte, einen Grund, mich vor Ihnen zu fürchten, hätte ich damit doch immer noch nicht gehabt!“ „Das meine ich auch, mein liebes Kind! Sie müssen sich ja eine ganz gräßliche Vorstellung von mir gemacht haben! Aber nun haben Sie wohl eingesehen, daß es nicht gar so schlimm ist! In Wahrheit bin ich viel weniger eine hochmütige als eine sehr einsame Frau, und ich würde mich glücklich schätzen, wenn ich mir in Ihnen und in Ihrer Schwester zwei liebe, ausrichtige Freundinnen gewinnen könnte! Sie müssen unbedingt am Dienstag zu Tisch nach Schloß Wallberg kommen! Wir müssen versuchen, die tiefe Traurigkeit aus Fräulein Angelas schönen Augen zu verscheuchen!" Gerda machte ein ernstes Gesicht und seufzte tief. „Ich fürchte, das wird keinem von uns gelingen!“ sagte sie.„So, wie Angela jetzt ist, ist sie schon seit drei Jahren!“ „Seit drei Jahren? Ihre Schwermut ist also auf ein bestimmtes Ereignis zurückzuführen?" „Ja!- Sie erfuhr damals eine furchtbare Enttäuschung in einer Herzensangelegenheit! Und ich glaube, sie wird sie nie verwinden! Ich hätte ja wohl eigentlich zu Ihnen nicht davon sprechen sollen! Aber ich kann mir nicht helfen: ich habe zu Ihnen so viel Vertrauen, als ob ich schon von Kindheit an auf das genaueste mit Ihnen bekannt wäre!" „Es macht mir große Freude, das zu hören, und Sie dürfen sicher sein, daß ich Ihr Vertrauen niemals mißbrauchen oder täuschen werde! Aber was Sie mir da über die Ursache von Fräulein Angelas Kummer sagen, betrübt mich gleichzeitig tief! Wie schlecht und gewissenlos doch die Männer sein können, wenn es sich um ihre Beziehungen zu den Frauen handelt!" „Oh, der Vorwurf ist vielleicht in diesem Fall nicht berechtigt!“ widersprach Gerda.„Soviel ich weiß, fällt auf den Verlobten meiner Schwester ebensowenig eine Schuld als auf Angela selbst! Es hatte sich vielmehr plötzlich etwas Schreckliches herausgestellt, das eine Heirat ganz unmöglich machte! So wenigstens hat man mir erzählt! Ich war damals ja noch zu jung, als daß ich den Dingen hätte auf den Grund schauen können! Aber wenn Sie Rolf Ristow gekannt hätten, würden auch Sie ihn wahrscheinlich einer Schlechtigkeit nicht für fähig halten!“ (Fortsetzung folgt.) S 2 S 5S SSEHE # 5#5ES SS S #S 5S N2 S5838BESSSOSSSSSS LOESSS5SS SSUN S8 Denkspruch. Deutsche Freiheit, deutscher Gott, Deutscher Glaube ohne Spott, Deutsches Herz und deutscher Stahl Lind vier Helden allzumal. E. M. Arndt. 60 * Seine Brautfahrt. Humoreske von E. Gebhardt. (Schluß.)(Nachdr. verboten.) ——— Der letzte Tag kam heran. Das Wetter war schwül, wenn auch zunächst wolkenlos. Erst gegen elf Uhr fuhr man nach der Schmücke ab, da man gewiß war, doch noch vor Abend in Ilmenau anzulangen.— Schneekopf und Schmücke waren besichtigt, jetztging's talab über Mönchshof nach Ilmenau. Schon auf der Schmücke hatte Heinz gesehen, daß sich am Horizont Wolkenköpfe zeigten. Mit der in dieser Gegend eigentümlichen Plötzlichteit stieg nun eine zweite Wetterwand über den Beerberg herauf und ereilte die Gesellschaft zwischen der Schmücke und dem Mönchshof. Heinz hielt die Pferde an, schlug den Wagen hoch. bedeckte die Koffer und war kaum mit seinen Vorbereitungen fertig, als das Wetter sie überfiel. Da erst dachten die im Innern des Wagens Sitzenden an Ilse. Sie konnte unmöglich draußen auf dem Bock bleiben. Der Amtsgerichtsrat versuchte das Fenster zu öffnen; aber es klemmte zu sehr, man rief und klopfte an die Wagenwand, doch Sturm und Donner übertönten diese Versuche. Schließlich sah man ein, daß Ilse doch schon naß sei, und überließ sie ihrem Schicksal. Das Sorgentind saß indes wohlgeborgen. Heinz hatte ihr sein eigenes Lodencape umgeschlagen. Der Hut lag trocken unter dem Tambourleder, die Kapuze deckte statt seiner den blonden Kopf. Und machten die Pferde mal einen heftigen Sprung, erschreckte sie ein zu greller Blitz, dann legte Heinz beruhigend seine Hand auf die ihre, oder wohl gar den Arm um die Schulter, und sie schmiegte sich hilfesuchend dicht an ihn. So fuhr man im schärfsten Tempo am Mönchshof vorbei, ohne anzuhalten. Wozu auch? Der Traum war ohnehin kurz genug. Dicht vor Ilmenau wickelte sich Ilse aus der schützenden Hülle und ordnete die zerzausten Haare. Schon schien auch bereits die Sonne wieder. Schade, zu schade, daß das Gewitter nicht länger dauerte! Und nun schlug die Scheidestunde. Zuerst wurde das Geschäftliche erledigt. Der Amtsgerichtsrat bat um eine Quittung, und mechanisch schrieb Heinz seinen Namen und fuhr unbewußt fort: Ober... Da besann er sich und schrieb Ober=Ruhla. Nun noch ein kurzes Lebewohl. Sollte das alles sein? Aber nein, es kam noch etwas. „Hast du dem jungen Mann ein ordentliches Trinkgeld gegeben, mein Sohn? Er hat immer so nett für mich alte Frau gesorgt!“ „Ich habe ihm schon fünf Mark über das tarifmäßig bestimmte Trintgeld gegeben,“ sagte der Amtsgerichtsrat. „So will ich ihm auch noch etwas schicken. Max, hier, gib ihm das!" Aber Max hatte keine Lust. „So tu du's, Ilse. Und grüße ihn von mir.“ Ilse vertauschte unterwegs das Silberstück mit ihrem einzigen Goldsuchs. Sie traf Heinz auf dem Hofe und reichte ihm das Geld mit einem Gruß von der Großmutter schüchtern hin. Aber Heinz ergriff gleich die ganze kleine Hand und drückte sie innig.„Ich nehme es als Talisman, daß ich Sie wiedersehe, Fräulein Ilse! Denken auch Sie bisweilen an mich. Also auf ein frohes Wiedersehen, aber unter anderen Verhältnissen, Ilse!“— Und Ilse wiederholte:„Auf Wiedersehen!“ und erwiderte den Händedruck; denn es war doch nur der Kutscher!— Bald darauf verließ Heinz mit seinem Gefährt Ilmenau, um noch am selben Tage möglichst viel vom Heimwege zurückzulegen. „Hurra! Der olle, eklige Rämpker geht Ostern fort, es gibt’nen Neuen!“ kam eines Tages kurz vor den Osterferien Max Wagner jubelnd in seine elterliche Behausung.„Na, den wollen wir uns beizeiten ziehen, wir Quartaner.“ „Vorläufig bist du ja noch in Quinta, mein Sohn. Und wer sagt dir denn, daß der Neue sich von euch ziehen läßt? Vielleicht ist's so einer wie unser Thüringer Kutscher. Du weißt doch noch, Max?“— Die Erinnerung an den fragelustigen Kutscher gehörte ja zu Maxens unangenehmsten Erfahrungen. „Ach, so einen gibt's doch nicht wieder, und bange machen gilt nicht!“ meinte Max frech, zog sich dann aber schleunigst aus dem väterlichen Beobachtungskreis zurück. Ja, drei Personen gedachten noch des Kutschers. Max mit Abscheu, der Amtsgerichtsrat mit einer gewissen Neugier, ob und unter welcher Gestalt der Zufall sie wohl noch mal zusammenführen würde, getreu nach dem Satze: Die ganze Welt ist nur ein Dorf. Am meisten aber beschäftigten sich Ilsens Gedanken mit ihm. Sie umgab ihn mit allen den hohen, herrlichen Eigenschaften, die nur je den Heros einer Mädchenphantasie schmückten, und harrte mit Sehnsucht auf ein Wiedersehen.——— Der vorletzte Ferientag war da. Ilse, die denn doch etwas neugierig auf den neuen Oberlehrer war. besuchte ihre Freundin Käthe, die Tochter des Gymnasial= Direktors. Der Direktor und seine Frau waren auch bei den Mädchen, und man sprach natürlich von dem Neuen. Da klingelte es draußen, und das Mädchen brachte eine Karte. „Aha! Lupus in fabula! Da haben wir ihn ja! Führen Sie den Herrn in mein Studierzimmer!“ Neugierig betrachteten die beiden Mädchen die liegengebliebene Karte. „Heinrich Bergener, Oberlehrer,“ stand darauf. „Ach, der heißt auch Heinrich!“ dachte Ilse; denn daß es derselbe sein könne, fiel ihr nicht ein. Sie hatte damals seinen Vaternamen nicht gehört. Eine kurze Weile verging, da öffnete der Direktor die Tür seines Studierzimmers und stellte seinen Gast den Damen vor. Ein Schrei der Ueberraschung entfuhr Ilse, und Heinz errötete gleich ihr. „Sie kennen sich?“— „Du kennst ihn, Ilse?“— „Ich hatte im vorigen Jahre das Glück, das gnädige Fräulein auf einer Wagenfahrt in Thüringen kennen zu lernen. Darf ich hoffen, daß Sie sich meiner noch erinnern, gnädiges Fräulein?"— „Ja, sehr, das heißt gewiß,“ stotterte Ilse verlegen und wurde noch röter; denn Käthe hatte ihr ein heimliches:„Duckmäuser!" zugeflüstert. Bald empfahl sich der Oberlehrer, und auch Ilse suchte möglichst rasch dem Kreuzfeuer freundschaftlicher Fragen zu entgehen. Kaum war sie jedoch außerhalb des Gesichtskreises der Direktorwohnung, als rasche Schritte sie einholten. „Fräulein Ilse, darf ich hoffen, daß Sie mir die Sie mit dir —