abnr sendene Auueun T. Hecen. Ahrlch, dei der Post iü: Bepellgeld 62 Pie.“ gedr. Wöchentl. Gratisdeilage:„Ikustrierten Hamillenfreuns“ u. tägl. Unterbaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die Redengespoltene Petitzelle ober beren Raum 10 Pig., Anzeigen würts 15 Pie., Rehlamezelle 40 Pfg. Jeder Radalt gill eis Kassaraball u. ertlicht bei bucsen, Iwangsbergleichen, gerichtl. Klagen Aesashund snsk. Settussbsteene Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Scmeries Volkszeitung Verbunden mit: Schuetes Uolbahlaß Schwerker Cageblatt Schwerker Anzeiger Gestes und Altelles Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis börde# au. inte, und letstusglichn Brrerh. sungen jür den Arese Horde erlengrn gomen Bebennimochung dei Abalglechen Regierung dure Derötlentlichung in be:. Jeltuag“ schwoerdindüice: Araf.— 9lo „Schwerter Zeitung“ gewöbri ihren Abennenion ut jeben mit Tod enbeuben Unson ge300 Mk. Unfall: Dnuchu. Verlage. Cor Boovs Schoers. NudFernip. 62. Telegr. Adr. Braus Schwerte= Rut Nr. 157. Donnerstag, den 8. Juli 1915. 47. Jahrgang. Die tu Wien, 8. Juli. Der Kriegsberichterstatter des„Neuen Wiener Tageblatts“ schreibt: Die Offensive der Franzosen und Engländer an der Westfront ist zusammengebrochen und den mißlungenen Gesechten folgen bereits Gerüchte über eine Neugruppierung der Engländer und einen Rücktritt des Marschalls French. Weitere Erfolge in Westen und Osten! 300 Franzosen, 4650 Russen gefangen. Proteste und ihre Schicksale. Wenn im gewöhnlichen bürgerlichen Leben von Protesten und Protestieren gesprochen wird, so ist das ungefähr die stärkste Form des Widerspruchs, die ausdrücken soll, daß man sich die Aeußerungen oder Handlungen, gegen welche in dieser Weise Stellung genommen wird, unter keinen Amständen gefallen lassen will. Im Rechtsleben bildet der Protest die Vorbedingung für scharfes gerichtliches Eingreifen gegen Wechselschuldner; auch hier verbindet man deshalb mit diesem Begriffe die Vorstellung eines besonders tiefgreifenden und folgenschweren Schrittes. Kein Wunder deshalb, wenn der schlichte Menschenverstand die gleiche Gedankenreihe an das Wort anknüpft, sobald es einmal im Völkerrechtsleben zur Anwendung kommt. Zweifellos hat ja auch schon mancher Protest, den ein Staat gegen bestimmte Maßnahmen eines anden Staates erheben mußte, zu mehr oder weniger erheblichen Weiterungen geführt. In diesem Kriege häufen sich aber die Einsprüche beteiligter und unbeteiligter Regierungen in so hohem Grade, daß schon ihre beängstigende Anzahl keine rechte Wirkung aufkommen läßt. Ueberdies sorgt schon die ungleiche Machtverteilung unter den Staaten dafür, daß die Proteste in den meisten Fällen höchstens als vorübergehende Lufterschütterungen bewertet werden. Nehmen wir zwei Beispiele aus den jüngsten Tagen. Die freche Nuutralitätsverletzung gegenüber Schweden, die sich der russische Flottenbefehlshaber bei der Verfolgung des deutschen Minendampfers„Albatros“ zuschulden kommen ließ, hat selbstverständlich sofort einen entschiedenen Protest der schwedischen Regierung in Petersburg ausgelöst. Es handelt sich in diesem Falle nicht nur um eine Mißachtung der schwedischen Hoheitsrechte in den neutralen Gewässern der Küstenzone, russische Kugeln sind vielmehr auf schwedischem Boden niedergegangen und haben die Landbevölkerung der gotländische Küste in Angst und Schrecken gejagt. Aber der Protest wird in Petersburg zur Kenntnis genommen und allenfalls mit einigen entschuldigenden Wendungen beantwortet werden. Schon ist man dabei zu versuchen, ob der einwandfrei festgestellte Tatbestand sich nicht verdrehen l. Ft, ob man nicht leugnen kann, noch geschossen zu haben, als der„Albatros“, die schwedische Hoheitsgrenze erreicht hatte. Die Russen sind so groß in der Erfindung von Siegen, die nun und nimmer sich ereignet, wavum sollten sie nicht auch einen Vorfall aus der Welt lügen können, den einwandfreie, aber nichtrussiche Zeugen bekundet haben. Aber, wie gesagt, mit Worten braucht man schließlich nicht zu kargen, und es hat den Anschein, als würde die schwedische Regierung sich mit einer bloß auf geduldigem Papier gegebenen Genugtuung beruhigen. Der Protest stellt dann eine schätzenswerte Bereicherung des diplomatischen Aktenmaterials dar, das dieser Krieg in ungeheurer Fülle neben den blutigen Spuren, die ihn biegleiten, aufhäuft, und nachher ist alles so, als wäire nichts geschehen. Und das bei einer Regierung. von der man anerkennen muß, daß sie bemühl ist, ihre Neutralitätspflichten nach beiden Seiwtb. Großes Hauptquartier, 7. Juli 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich von Bpern drangen englische Trupven gestern in einen unserer Schützengräben ein. Sie waren am Abend wieder vertrieben. Westlich von Souchez wurden zwei nächtliche Angriffe des Feindes abgewiesen. Bei der Beschießung feindlicher Truppenansammlungen in Arras geriet die Stadt in Brand. Der Feuersbrunst fiel die Kathedrale zum Opfer. Zwischen Maas und Mosel herrschte lebhafte Kampftätigkeit. Südwestlich Les Eparges setzte der Feind seine Anstrengungen, die ihm unlängst entrissenen Stellungen wieder zu erobern, fort. Bei dem ersten Angriff gelangten die Franzosen in einen Teil unserer Verteidigungslinien; ein Gegenstoß brachte die Gräben bis auf ein Stück von 100 Mir. wieder in unsere Hände. Der Feind ließ ein Maschinengewehr zurück. Zwei weitere Vorstöße des Gegners, sowie ein Angriff an der Teanchee, scheiterten völlig. Halbwegs Ailly=Apremont wurde unsererseits angegriffen. Wir eroberten die feindlichen Stellungen in einer Breite von 1 500 Mtr. und machten dabei mehr als 300 FranBei Croix des Carmes(im Priesterwalde) erfolgte heute nacht der erwartete feindliche Gegenangriff. Der Gegner wurde abgewiesen. Am Sudel(in den Vogesen) wurde ein feindliches Grabenstück erstürmt und für die feindliche Verteidigung unbrauchbar gemacht. In der Champagne, südwestlich von Suippes, bewarfen unsere Flieger mit Erfolg feindliche Truppenlager. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Zahl der Gefangenen südlich BialeBloto erhöhte sich auf 7 Offiziere und rund 800 Mann. Ferner gingen 7 Maschinengewehre und ein reichhaltiges Pionierlager in unsern Besitz über. In Polen südlich der Weichsel eroberten wir die Höhe 95 östlch Dolwakka(südlich Borzimow). Die russischen Verluste sind sehr beträchtlich. Erbeutet wurden 10 Maschinengewehre, 1 Revolverkanone und viele Gewehre. Weiter südlich nahe der Weichsel wurde ein russischer Vorstoß abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Westlich der oberen Weichsel wurden gute Fortschritte gemacht. Oestlich der Weichsel ist keine größere Veränderung zu melden. Auf der Verfolgung zur Iloka=Lipa vom 3.—5. Juli machten wir 3850 Gesangene. Oberste Heeresleitung. zosen zu Gefangenen. Eine neue Niederlage der Italiener. mer nicht verwinden, die Kämpfer für die Freiheit der kleinen Nationen, daß Griechenland ihnen keine Gefolgschaft leisten wollte in dem Kreuzzug gegen den Halbmond, und deshalb kühlen sie jetzt ihr Mütchen an griechischen Handelsschiffen, die im Agäischen Meer einer hochnotpeinlichen Kontrolle unterworfen werden, angeblich weil sie im Verdacht stehen, die vermaledeiten deutschen Unterseeboote mit Oel, Benzin und Lebensmitteln zu versorgen. In Wirklichkeit wäre es gar nicht zu verstehen, warum unsere UBoote sich gerade im Agäischen Meer ihre Verpflegungsbasis suchen sollten, wo unzählige Schiffe des Vierverbandes herumschwärmen uund ihnen das Leben ordentlich sauer machen würden. Aber um einen Vorwand sind ja die Engländer niemals verlegen gewesen. Ihnen kommt es zunächst nur darauf an, den griechischen Handel tüchtig zu schädigen und unter Kontrolle zu nehmen. Läßt man sich dann auf den Protest der griechischen Regierung dazu herbei, die Zügel wieder etwas lockerer zu nehmen, so bleibt immer noch ein Zustand bestehen, der gegenüber den früheren Verhältnissen im Sinne der Engländer eine Verbesserung darstellt, und man behält das Mittel, Züchtigung oder Belohnung in der — je nachdem, wie die politische Haltung des— ach— so neutralen Landes sich gestaltet. Herr Venizelos steht ja wieder vor der Tür, da darf man die Tür zur Verständigung nicht vollständig verriegeln. Aber der griechische Protest als solcher wird gleichmütig beiseite gelegt. Auch die deutsche Regierung hat zu Anfang des Krieges noch diesen oder jenen Protest erhoben in der Meinung, damit wenn auch nicht auf unsere Feinde, so doch vielleicht auf die Nautralen Eindruck machen zu können. Davon ist sie aber nach den gemachten Erfahrungen mehr und mehr zurück“ gekommen. Wir beschränken uns jetzt darauf, unser gutes Schwert mit reinen Händen und unerschütterlicher Kraft zu führen, alles weitere aber Gott und der Zukunft zu überlassen.... wtb Wien, 8. Juli.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 7. Juli: Russischer Kriegsschauplatz. An der Front der Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand dauern die Kämpfe fort. Eingetrosfene russische Verstärkungen, die an mehreren Stellen zum Angriff vorgingen, wurden unter großen Verlusten zurückgeschlagen. Die Gefangenenzahl hat sich noch weiter erhöht. Am Bug und in Ostgalizien ist die Lage unverändert. In den Kämpfen an der unteren Zlota=Lipa wurden vom 3. bis 5. Juli 3850 Russen gefangen. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Schlachtfront trat zunächst ziemliche Ruhe ein. Nach dem vorgestrigen Siege hatten unsere Truppen noch einise zaghaft geführte Nachtangriffe gegen den Görzer Brückenkopf und die Plateau=Stellung abzuweisen. Gestern eröffnete der Feind neuerdings ein heftiges Geschützfeuer, dem nachts wieder vergebliche Vorstöße schwächerer Kräfte folgten. Italienische Flieger warsen auf Triest Vom. ben ab, ohne erheblichen Schaden anzurichten. Im Kru=Gebiet griff der Feind die Felskuppe, der schon frühere Anstrengungen galten, abermals an. Die braven Verteidiger schlugen den Angriff, wie immer, ab. Vor unseren Stellungen ist ein Leichenfeld. Im Kärntnerischen und Tiroler Grenzgebift dauern die Geschützkämpfe stellenweise fort. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Auf den Höhen östlich Trebinje fand in den letzten Tagen ein für unsere Truppen erfolgreiches Gesecht statt. Im Angriff eroberten einige unserer Abteilungen nach kurzem heftigen Kampfe eine montenegrinische Vorstellung und trie ben die Montenegriner auf die nächste Söhen zurück. Tags darauf ging eine montenegrinische Brigade nach starker Artillerievorbereitung zum Gegenangriff vor und erlitt im Feuer unserer Artillerie derartige Verluste, daß sie nach einiger Zeit auf die Hauptstellung, aus der vorbrach, zurückging. Mehrere unserer Flieger griffen mit Bomben und Maschinengewehren erfolgreich in den Kampf ein. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoeser, Feldmarschall=Leutnant. Der Krieg gegen Rubland. ten hin ehrlich zu erfüllen, und bei einem Volke, das der gerechten Sache der Zentralmächte in seiner Mehrheit mit aufrichtiger Teilnahme ergeben ist, während es Rußland gegenüber nichts weniger als von freundschaftlichen Gefühlen erfüllt ist. Welcher Rechtsverletzung würde es wohl erst bedürfen, um einem Protest von dieser Seite wirklichen Nachdruck zu verleihen! Der zweite Protest geht von Griechenland aus und wird— selbstverständlich mit aller gebotenen Vorsicht und Ergebenheit— in London vorgebracht, weil es den Engländern seit einiger Zeit gefällt, den griechischen Seehandel in der gleichen liebenswürdigen Weise zu mißhandeln, wie sie es anderen neutralen Ländern gegenüber schon seit langem zu tun pflegen. Sie können es noch imIst Warschau bedroht? tu Amsterdam, 8. Juli. Die Militärkritiker der holländischen Presse verfolgen mit zunehmendem Interesse die Ereignisse auf dem östlichen Kriegsschauplatz. Die Fachleute stimmen vollkommen in der Ansicht überein, daß das russische Heer einer Katastrophe zutreibe. Nie Zeitung„Nieuwes van den Dag“ veröffentlicht einen längeren Leitartikel mit der Ueberschrift„Ist Warschau bedroht?“ Im Laufe einer Auseinandersetzung kam das Blatt zu dem Schluß, daß eine ernste Gefahr für Warschau vorliege, ja daß Warschau unter Umständen ein zweiteg Sedan für die Russen werden könne. Ganz ähnlich urteilt das„Allgemeen Handelsblad“. Wenn die Erfolge der Oesterreicher und Deutschen so fortdauern, ist die Möglichkeit groß, daß die Truppen des Generals Iwanow keinen Anschluß mehr finden an die russischen Heere, die bei War. schau stehen, und infolgedessen ist es möglich, daß Warschau von den Verbündeten im Rücken bedroht wird. Das Problem, dem sich der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch geg'nüber befindet, wird immer schwieriger. 62 Russische Sorgen um Riga und Warschau. Die ständig wachsenden Erfolge der deutschen und österreichtsch=ungarischen Waffen erfüllen die russischen Behörden mit bangen Zweifeln über das Schicksal von Riga und Warschau. In beiden Städten werden bereits umfassende Maßnahmen getroffen, die beweisen, daß man mit einer ernstlichen Bedrohung durch die Dautschen in allernächster Zeit rechnet. Wie die„Rigasche Zeitung“ mitteilt, wurden in Riga in den letzten Tagen sämtliche Gefängnisse geräumt. Die meisten der Sträflinge werden nach dem Innern transportiert. Die Rigaschen Zeitungen berichten ferner, daß die Kontrolte der Passagiere, die in Riga ankommen, auch auf dem Hauptbahnhof begonnen hat. Die Prüfung wird von der Gendarmerie vorgenommen. Die Bahnhöfe Thorensberg und Sassenhof sind eingezäunt, so daß die Passagiere, welche in Riga eintreffen und auf diesen Bahnhöfen aussteigen, zum Zwecke ihrer Kontrolle nur die Ausgänge durch die Schranke benutzen können. Die englischen Dampfer, die sich seit Ausbruch des Krieges im Rigaschen Hafen aufhalten, verlassen demnächst Riga und begeben sich nach Petersburg.— Vier Rigasche Hafenkutter wurden von Riga nach Archangelsk abgesandt.— In Warschau verläßt die Bölkerung die Stadt. Man trifft alle Anstalten für die Verteidigung. Es tritt aber auch schon die Befürchtung auf, daß durch das Vordringen der Deutschen nach Iwangorod, das bevorzustehen scheine, auch der Fall Warschaus entschieden sein würde. Wie die Russen sich ihre Niederlagen erklären. bb Chiasso, 8. Juli. Der Korrespondent des „Secolo“ in Bukarest meldet, daß die Niederlagen der Russen auf dem Verrat von Generalen deutschen Geblüts(!) beruhen. Nach der Hinrichtung des Obersten Miassojedow habe sich herausgestellt, daß die Schuld an der Niederlage der Russen in Ostpreußen General Rennenkampf traf. Nachdem ihm ein erstes Mal verziehen worden, habe er einen neuen Verrat bei Lodz begangen, das in die Hände des Feindes gefallen sei, weil er zu spät eingetroffen sei. Rennenkampf sei jetzt im Gefängnis. Auch die Niederlage des Generals Dimitriew am Dunajec beruhe auf Verrat, indem ein General deutscher Herkunft die Berichte des Generals Dimitriew aufgefangen und dessen Gesuch um Verstärkung unterschlagen habe. Der Kreuzerkampf bei Gotland. Haag, 7. Juli. Die„Rotterdamsche Courant“ meldet aus Stockholm:„Politiken“ meldet über die Vernichtung des deutschen Minenlegers„Albatros“ noch folgendes: Die ersten Kanonenschüsse wurden auf der Insel Gotland bereits gegen 7 Uhr frühmorgens gehört. Bald war der Kanonendonner so stark, daß die Häuser erzitterten. Kurze Zeit darauf kamen die kämpfenden Schiffe in Sicht. Der „Albatros“ fuhr mit Volldampf gegen das Land, fortgesetzt durch vier russische Kreuzer, die ihn verfolgten, beschossen. Kurz darauf versuchte ein deutscher Kreuzer dem„Albatros“ Hilfe zu bringen. Eine Stunde lang gelang es ihm, gegen die vier russischen Kreuzer kämpfend, diese von dem deutschen Minenleger abzuhalten. Schließlich wurde jedoch der deutsche Kreuzer genötigt, sich in südlicher Richtung zurückzuziehen, worauf„Albatros“ eine große Strecke in die schwedischen Gewässer hinein von den Russen verfolgt wurde. Bei Henviken lief „Albatros“, mur einige hundert Meter vom Lande auf den Strand auf. Die Verwundeten d's„Albatros“. tu Stockholm, 7. Juli. Die Verwundeten der Mannschaft des gestrandeten Minenschiffes„Albatros“ scheinen sich allmählich zu erholen. Sie stehen in der Behandlung des Stadtarztes Bolin, des Oberarztes des Stockholmer Marinelazaretts Ales mann, und von Professor Forsner. Die Verwundeten benehmen sich sehr mitig bei den chirurgischen Eingriffen. Sie rauchen Zigarren und nippen vom Sekt, den ihnen die deutschen Offiziere zur Auffrischung der sinkenden Kräfte anbieten. Man hegt die besten Hoffnungen, daß alle genesen werden, obwohl ein Teil der Verletzungen schwer genug sind. Unter den verwundeten Offizieren befinden sich Fregattenkapitän West, der von einem Granatsplitter leicht am Bein verwundet wurde, Kapitänleutnant Biehler, Kapitänleutnant Moschin, Oberleutnant Druckelberg, Leutnant Geyer, Oberingenieur Großherr und Oberzahlmeister Landrock. Cholera in Serbien, Pest in Südrußland. Berlin, 7. Juli. Eine Abteilung des englischen Roten Kreuzes ist, wie der„B. Z. a. M.“ aus Saloniki gemeldet wird, von dort abgegangen, um in Serbien Vorkehrungen gegen die befürchtete weitere Verbreitung der Cholera zu treffen. Nach einer Moskauer Meldung breitet sich in Astrachan(Südrußland) und Umgegend die Pest immer weiter aus. Amtlich wird es geleugnet, es ist aber Tatsache, daß bisher schon über 20 Menschen an der Seuche gestorben sind. Die sanitären Maßnahmen sind völlig ungenügend, und es ist daher nicht unmöglich, daß die Seuche ins nussische Heer eingeschleppt wird. Der Krieg gegen Ilalien. Zur Politik des italienischen Kabinetts. db Lugano, 7. Juli. Der Minister für öffentliche Arbeiten Ciuffelli hat im Provinzialrate für Umbrien eine Rede gehalten. Er ist der erste Minister, der seit Salandras Rede auf dem Kapitol über die Politik des Kabinetts gesprochen hat. Er sagte: Die Neutralität hatte für die Nation Isolierung und Demütigung, politisches und wirtschaftliches Vasallentum bedeutet. Italien war im Kerker zwischen zwei Meeren. Darum hat das Ministerium, nachdem es den friedlichen Weg vergeblich versucht hat, den Krieg gewagt. Die„Tribuna“ veröffentlicht zwei Briefe des früheren italienischen Botschafters in Wien, des Grafen Nigra, aus dem Jahre 1893, in denen erklärt wird, daß bei größerer Geschicklichkeit die früheren italienischen Unterhändler, besonders Lamermora, im Jahre 1866 bei Abschluß des Bündnisvertrages mit Preußen auch die Abtretung des Trentino schon damals zu erreichen gewesen wäre. Das Blatt folgert daraus, wie ganz unannehmbar die Vorschläge Oesterreichs im Jahre 1915 waren. Alle anderen Blätter drucken die Briefe ab. Die Niederlage der italienischen Armee. Wien, 7. Juli. Der Mitarbetter der„Grazer Tagespost“ meldet: Der Dreiverband forderte eine energische Betätigung der italienischen Armee, und so enschloß sich Cadorna, wenn auch schweren Herzens, zu dem allgemeinen großangelegten An' griff euf die österreichisch=ungarische Position zwischen Goerz und Monfalcone. Ihm ging eine vieltägige mächtige Artillerievorbereitung voraus. Unsere Artillerie kämpfte Tag und Nacht das feindliche Feuer durch Vernichtung mehrerer feindlicher Batteriestellungen nieder. Später schritten etwa vier Korps in dem zehn Kilometer breiten Naume zwischen Sagrado sund Monfalcone zum Angriff in der Hoffnung, daß unsere Truppen durch die mehrtägige Beschießung mürbe geworden seien. Monfalcone, Selz, Vermagliano und Sagredo, lauter Orte, die auf dem Westkamm des Platecus vonl Doberdo liegen, waren die Hauptangriffspunkte. Die großen Anstrengungen der italienischen Truppen wurden überall zum Scheitern gebracht. An zwei Punkten nur gelang es dem Feinde, vorübergehend in unsere vordersten Gräben einzudringen. Gegenangriffe warfen ihn aber wieder vom Plateaurande in die Tiefe, aus der er gekommen war. Tausende von Leichen bezeichnen das Angriffsfeld des Feindes. In unserem Gewehr= und Maschinengewehrfeuer zusammenge brochen, kehrte der Feind stellenweise in Unordnung um, verfolgt vom Feuer unserer schweren Artillerie, die die Arbeit unserer Infanterie wirkungsvoll ergänzte. Nach dieser furchtbaren Lektion trat am Isonzo Ruhe ein. Erfolglose italienische Angriffe. tu Berlin, 8. Juli. Der Kriegsberichterstatter des„Berl. Tagebl.“, Leonhardt Adelt; meldet aus dem k. k. Kriegspressequartier vom 7. Juli: Gestern fanden heftige Kämpfe im Krn=Gebiet statt. Von 7 Uhr abends an erfolgten wiederholte heftige Angriffe des Feindes; sie wurden unter heroischem Mute abgewiesen und wir konnten unsere Stellungen behaupten. Der ganze vorspringende Teil der Höhe war von Feindesleichen bedeckt. Ein Angriff gegen die Höhe Podgora bei Görz wurde in den Abendstunden abgeschlagen. Auch gegen das Plateau von Doberdo erfolgten in den Abendstunden mehrere feindliche Angriffe. Mangel an Rüstungsmaterial in Italien. Lugano, 7. Juli. Der König unterzeichnete ein Dekret für die Mobilisierung der italienischen Rüstungsindustrien, dessen Wichtigkeit Salandra veranlaßt hat, die Unterschrift des Königs einzuholen. Das Dekret, das gleich zu Anfang des Krieges mehr von den Industrien fordert, als in anderen Ländern nach elf Kriegsmonaten, wimmelt von Strafbestimmungen und Drohungen und ist überhaupt das schlimmste moralische Mißtrauensvotum, das jemals ein Land seinen eigenen Industrien erteilte. Der Staat nimmt alle Rechte für die Verwertung der Industrien zu Kriegszwecken unter Aufhebung der bisherigen Gesetzgebung in Anspruch. Damit zeigt er aber auch, daß erstens heute schon ein Mangel an Rüstungsmaterial und Munition droht, und zweitens, daß eine Abhilfe nur auf dem Zwangswege zu erreichen ist. Völliger Mißerfolg der italienischen Anleihe. Lugano, 7. Juli. Alle Zeitungen verdoppeln in geradezu verzweifelten Tönen ihren Appell an das Volk zur Zeichnung der Anleihe. Der„Corriere della Sera“ spricht geradezu die Befürchtung aus, daß die besitzende Klasse sich durch neutralistische Gesinnung von der Zeichnung abhalten lasse, und droht mit schweren Bußen. Alles erweckt den Eindruck, und meine persönlichen Informationen bestätigen es, daß die Anleihe bei allen Privatpersonen völliges Fiasko macht und nur öffentliche Körperschaften sich an ihr beteiligen. Spionenriecherei in Rom. Lugano, 7. Juli. In dem deutschen Kunstinstitut vor Porta Pia in Rom, wo kürzlich wegen angeblicher nächtlicher Lichtsignale Verhaftungen vorgenommen worden sind, fand gestern eine mehrstündige Durchsuchung statt, die ergebnislos verlief. Cadorna über die Dauer des Krieges. bb Wien, 7. Juli. Nach einer Meldung der „Neuen Freien Presse“ äußerte der italienische Generalstabschef Cadorna jüngst dem Abgeordneten Meda gegenüber, auf den schleppenden Fortgang des Stellungskrieges hinweisend, der Friede werde wohl noch lange auf sich warten lassen, denn Entscheidungskämpfe seien nirgends so bald zu erwarten, am allerwe##gsten auf dem südlichen Kriegsschauplatze. Er würde sich glücklich nennen, im Juni übers Jahr zu Hause zu sein. Man werde wahrscheinlich die ersten Blätter fallen sehen, ehe ernstlich von Frieden gesprochen werde. Der Ausspruch des Generals soll in Mailand schmerzlichste Verblüffung erregt haben, denn ein anderthalbjähriger Krieg ist den Italienern undenkbar und wäre tatsächlich ein wirtschaftlicher und politischer Zusammenbruch. Die unklaren italienisch=türkischen Beziehungen. Der„Daily Telegraph“ berichtet aus Rom: Die Beziehungen Italiens zur Türkei sind andauernd unklar. Der türkische Botschafter befindet sich noch immer in Rom. Die Frage der Kriegserklärung Italiens an die Türkei ist noch nicht zur Lösung reif. Erst wenn Italien die Erfüllung seiner nationalen Forderungen gesichert hat, d. h. die Teile Oesterreichs besetzt hat, die es einzuverleiben wünscht, kann von einer direkten Unterstützung der Ententemächte die Rede sein. Der erste Schritt Italiens wird dann die Kriegserklärung an die Türkei sein,ana Der Krieg gegen Frankreich. Die Wirkung der Beschietzung von Arras. bb Dem„Berliner Lokalanzeiger“ wird aus Genf gemeldet: Der Norden lund Osten von Arras haben durch Granaten infolge des seit Montag Nacht fortgesetzten deutschen Bombardements am schwersten gelitten. Die Brände wüteten noch gestern abend weiter fort. Die Engländer sind durch die Zerstörung ihrer in Arras lagernden Hauptvorräte in allen ihren Unternehmungen gehindert. Die Erwartung der französischen Armeepresse, daß die heutige Joffre=Note eine glänzende Revanche für die bei Faz=en=Haye und im Hauptteile des Priesterwaldes erlittene Schlappe enthalten werde, blieb unerfüllt. Die deutsche Artillerie erschwerte nach französischen Privatmeldungen durch weithin herrschendes Feuer jede Neugruppierung französischer Truppen. Zu den Kämpfen in Flandern. tu Amsterdam, 8. Juli. Nach Telegrammen hiesiger Blätter ist bis zur Grenze Kanonendonner zu hören. So meldet die Zeitung„Nieuwes van den Dag" aus Oostburg: Auus westlicher Richtung hört man seit gestern nachmittag ununterbrochen Kanonendonner. Der„Telegraaf“ meldet aus Sluis, das gegenwärtige Feuer in Flandern übertreffe an Heftigkeit noch die Gefechte am Sonntag und Montag. Der Kanonendonner wäre unaufhörlich zu vernehmen. Der Frieg gegen England. Widerstand gegen das englische Registrierungsgesetz. wtb Kopenhagen, 7. Juli.„Berlingske Tidende“ meldet aus London: Das Registrierungs' gesetz, das heute im Unterhause zur Beratung gelangt, wird von den Radikalen und Sozialisten heftig bekämpft, die befürchten, das Gesetz sei ein Schritt zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht. Die Regierung will indessen klar darlegen, daß das Gesetz nur die Organisation bezweckt und von der Anwendung irgend einer Art von Zwang keine Rede sei. Englische U=Bootsangrifse auf Handelsschiffe. Selbstverständlich wird nach jedem Erfolg eines deutschen U=Bootes das heuchlerische Gejammer über unsere Barbarei wieder in allen Tonarten zu hören sein. Den Deutschen wird grundsätzlich als Verbrechen angerechnet, was, von Engländern ausgeführt, als ein verdienstliches Kulturwerk gilt. Die türkische Regierung bringt eine ganze Reihe von Fällen zur Kenntnis, in denen englische U=Boote in und bei türkischen Häsen türkische und deutsche Handelsschiffe, darunter ein Passagierschiff mit 700 Personen, sehr vielen Frauen und Kindern an Bord, ohne jede Warnung mit Torpedoschüssen angriffen. Ja, auch ein deutlich erkennbares deutsches Lazarettschiff wurde bei San Stefano am 1. Juni von einem englischen U=Boot ohne weiteres mit Torpedoschüssen bedacht. Während die englische Regierung alle Mittel in Bewegung setzt, um darzutun, daß die deutschen U=Boote— in einem Gebiet, vor dessen Gefahren eindringlich gewarnt worden ist—, durch ihr Vorgehen unmenschlich und verwerflich handeln, schonen englische U=Boote, ohne eine Warnung für ntöig zu halten, in ihrem Aktionsgebiet weder Passagierdampfer noch Laza' rettschiffe. Fliegerangriff auf einen englischen Dampfer. tu Notterdam, 8. Juli. Dienstag abend zwischen 7 und 7½ Uhr warfen deutsche Flieger zwischen Leuchtschiff Noordhinder und Galloper Bomben auf den englischen Dampfer„Groningen“ ab. Matrosen des holländischen Lloyddampfers „Hollandia“, der vorgestern aus Buenos Aires in Ymuiden eintraf, erzählten, daß die„Hollandia“ etwa 2 Meilen hinter der„Groningen“ sithr, als zwei Flieger gesichtet wurden, von denen einer Bomben auf die„Groningen“ abwarf. Man hörte starke Explosionen und sah Wassersäulen aufsteigen. Eine Bombe fiel zwar dicht hinter der„Groningen“ ins Wasser, richtete aber keinen Schaden an. Das Schiff stoppte anfangs, fuhr dann aber mit voller Kraft weiter. Der zweite Flieger war allem Anschein nach nur als Beobachter tätig. Nachdem die Flieger nach Südwesten verschwunden waren, sandte die„Hollandia“ der„Groningen" telegraphisch einen Glückwunsch, worauf diese dankte. Burenhilfe für Deutsche in Südafrika. Haag, 7. Juli. Die in Pietermaritzburg erscheinende Burenzeitung„Der Afrikaner“ veröffentlicht einen Artikel Pellissiers, der sich voll Entrüstung gegen die von dem afrikanischen Mob an den Deutschen begangenen Gewalttaten richtet und darauf hinweist, daß die so wirtschaftlich geschädig' ten oder völlig ruinierten Deutschen jetzt nicht mehr in der Lage seien, die Frauen und Kinder ihrer internierten Landsleute zu unterstützen. Pellissier fordert dann die Buren zur Hilfeleistung auf und erinnert daran, wie die Deutschen den Buren früher bei jeder Gelegenheit geholfen hätten. In Pietermaritzburg und Pretoria wurden bereits Hilfskommissionen eingesetzt. gemäßigte Republikaner versteht, eine Koalition gegen Kriegspläne de, Ministeriums Castro. Das Landheer verwerse jedes Kriegsabenteuer, wogegen die Flotte den Regierungsplänen gegenüber günstig gesinnt ist. Man erwartet hier eine neue baldige Revolution in Portugal. Der Krieg der Türhei. Die Opser der Dardanellenkämpfe. Wien, 7. Juli. Das„Achtuhr=Blatt" meldet aus Lugano: Die Genfer„Tribune“ will aus guter Quelle erfahren haben, daß die Verluste der englisch=französischen Truppen aaf Gallipoli 85000 Mann betragen. Das entspäche der Stärke der beiden ersten Landungskorps. In der italienischen Presse macht sich die Ueberzeugung geltend, daß jeder niue Truppentransport nach den Dardanellen eine ungerechte Massenopferung darstelle, denn der türkische Widerstand sei dank vorbildlicher Organisation nicht mehr zu drechen. Das Fell des Bären. tu Lugano, 7. Juli. Magrini teilt mit, daß die Russen bereits 200000 Mann in Sebastopol und Nikolajew bereit stehen haben, die beim Bosporus landen sollten. Zum Schutz der Ausschiffung gegen die„Göben“ wartete man die Fertigstellung eines der drei russischen Dreadnoughts ab, die in der Werst von Nikolajew gebaut werden. Leider wurde der Dreadnought durch einen Berechnungsfehler nicht fertig und die Einnahme von Tarnow zwang den Generalissimus, die 200000 Mann nach Galizien zu schicken. Nun aber werde der Dreadnought fertig sein. Unter Vorbehalt fügt Magrini hinzu, er habe erfahren, daß auch für den Fall der Einnahme von Konstantinopel schon alle Entscheidungen getroffen seien. Die Russen würden den Bosporus und Pera besetzen, die Franzosen Galata und Stambul, sowie die asiatische Dardanellenküste, die Engländer die europäische Küste. Drei Admirale, drei Generale u. drei Ilvilkommissare seien bereits aus den drei Nationen für die Militärund Zivilverwaltung ernannt; kurz, die Haut des Bären ist vollkommen gut und sicher verkauft. Beschießung eines deutschen Konsulats. wtb Konstantinopel, 7. Juli.(Meldung des Wiener K. u. K. Korrespondenzbureaus.) Der französische Panzerkreuzer„Jeanne d'Arc“, der vorgestern in den Hafen von Alexandrette einfuhr, sandte durch einen jungen Schiffer, den er an der sibirischen Küste gefangen genommen hatte, einen Brief an den Vize=Gouverneur mit der Aufforderung, die Flagge des deutschen Konsulats niederzuholen. Nachdem die Behörden sich geweigert hatten, der Aufforderung nachzukommen, bombardierte der Krauzer das Konsulat, in dem er 15 Granaten abfeuerte. Das Fahnentuch wurde unversehrt in Sicherheit gebracht, der Mast blieb aufgepflanzt. Die„Jeanne d'Arc“ entfernte sich hierauf. Es ist dies schon das zweite Mal, daß ein solcher Versuch unternommen worden ist. Kein Eingreisen Portugals. tu Scheveningen, 8. Juli. Hiesige diplomatische Kreise bestreiten die Richtigkeit der Londoner Meldung über ein bevorstehendes Eingreisen Vortugals in den Krieg. Man versichert, daß die Vorbereitungen mehrere Monate in Anspruch nehmen würden. Uebrigens bildeten die Monarchisten, die Klerikalen und die Evolutionisten, worunter man Die Balkanstaaten. Das Fiasko des Dreiverbandes in Bulgarien. bb Frankfurt a. M., 8. Juli. Der„Frankf. Ztg.“ zufolge schreibt das in Sofia erscheinende, mit seinen Sympathien auf Seiten des Vierverbandes stehende Blatt„Mir“: In Bulgarien wird die Ansicht immer allgemeiner, daß Bulgarien glatt an der Seite der Zentralmächte steht. Das Blatt gibt dann Agußerungen eines Entente=Diplomaten gegenüber einem Mitarbeiter des Blattes wieder, aus denen ersichtlich ist, daß die Entente noch einen letzten Versuch bei der bulgarischen Regierung unternimmt und jetzt schon bereit ist, alle Forderungen Bulgariens zu erfüllen, mur um Bulgarien zu gewinnen. Nach dem„Mir“ wird die allerneueste Note der Entente der bulgarischen Regierung spätestens am Mittwoch überreicht werden. Es werden dies die allerletzten Vorschläge sein. Falls sie abgelehnt werden, wollen die Vertreter der Entente sich von Bulgarien demonstrativ abwenden. In demselben Jusammenhange meldet das Budapester Blatt„Az Est“, die in Sofia weilenden französischen und englischen Jcurnalisten hätten in einer vertraulichen Besprechung ihre Abreise beschlossen, da Bulgarien sich endgültig auf die Seite der Zen' tralmächte gestellt habe. Die bessarabische Frage. bb Wien, 8. Juli. Der Budapester Lloyd meldet aus Bukarest: Peter Carp fordert in der„Moldawa“ die rumänische Regierung auf, ihr Augenmerk auf Bessarabien zu richten. Der Artikel, überschrieben„Wir verpassen den richtigen Augenblick“, betont, der gegenwärtige Augenblick gebiete dringend die Eroberung Bessarabiens von dem ge' schwächten Rußland. Wenn Rumänien diese vielleicht nie mehr wiederkehrende Gelegenheit verabsäumt, begeht es ein Verbrechen an seiner eigenen Zukunft. Rumänien muß aus dem gegenwärtigen Weltkrieg vergrößert hervorgehen und darf sich nicht durch Gefühlsschwäche von seinem Ziele ablenken lassen. Griechischer Kronrat. bb Athen, 8. Juli. Das Blatt„Ita“ erfährt aus politischen Kreisen, daß König Konstantin den Kronrat auf den 15. Juli einberufen hat. Auch der ohemalige Minister Venizelos werde daran teilnehmen. Die halbamtliche griechische Presse bestätigt diese Nachricht und fügt hinzu, der Kronrat werde neuerdings das Festhalken Griechenlands an der Neutralität erklären. Vonnerstag, 3. Juli 1915. Nr. 157. Beilage. Scheitete Iirlug Amtliches Kreisblatt. Schwedische Neutralität. Der Protest wegen der Beschießung des „Albatros“ in schwedischen Gewässern. :: Die schwedische Regierung hat bekanntlich wegen der Beschießung des deutschen Minendampfers„Albatros“ innerhalb der schwedischen Gewässer bei Gotland durch russische Kreuzer, die eine Verletzung des schwedischen Territoriums und damit der schwedischen Neutralität darstellt, durch ihren Gesandten in Petersburg bei der russischen Regierung protestiert. Ein amtliches schwedisches Communique gibt jetzt hiervon Kenntnis. Es erlilt zugleich folgenden Bericht des Kommandanten von Gotland über den Vorgang: Am 2. Juli, 7 Uhr 40 Min. morgens, wurde im Nebel etwas außerhalb der Briterna=Glockenboje, ein Fahrzeug entdeckt, welches den Vordermast verloren hatte und fast still lag. Dieses Fahrzeug wurde dann als der deutsche Minenkreuzer„Albatros“ festgestellt. Die ganze Zeit hindurch hörte man Geschützbonner von See. Nach einiger Zeit wurde eine Explosion an Bord des„Albatros“ bemerkt, der unmittelbar darauf sich in Fahrt setzte, nördlich um den Briterna=Grund steuerte, dann weiter um Oestergarns=Holm und im Oestergarns=Sunde die ganze Zeit von zwei russischen Kreuzern heftig beschossen wurde, welche ungefähr gleichzeitig mit der oben erwähnten Exblosion nordöstlich und südöstlich der Glockenboje entdeckt wurden. Der erstgenannte der russischen Kreuzer(„Bajan"=Typ) verfolgte und drehte schließlich auf 57 Grad 28 Minuten 20 Sekunden nördlicher Breite und 19 Grad östlicher Länge, also auf schwedischem Gebiete, bei, immer heftig auf„Albatros“ schießend, welcher außerdem die ganze Zeit von dem andern südöstlich der Glockenboje stilliegenden russischen Kceuzer beschossen wurde. Um 8 Uhr 15 Minuten vormittags lief„Albatros“ auf Strand, gleich unterhalb der Signalstation und wenige Minuten vorher, als er sich auf 57 Grad 25 Minuten 36 Sek. nördlicher Breite und 18 Grad 57 Minuten östlicher Länge befand, schossen die russischen Schisse die letzten Schüsse gegen ihn ab. Eine große Anzahl russischer Geschosse sauste über Oestergarnsholm und dicht am Leuchtturmplatz vorbei, so daß das Leuchtturmpersonal sich veranlaßt sah. den Platz zu verlassen und Schutz in einer Höhle au der Westseite der Insel zu suchen. Verschiedene Geschosse sielen nach Berechnungen nur einige hundert Meter vom Lank ins Wasser. Wie das schwedisch: Communique weiter mitteilt, ist auf den Protest des Gesandten in Petersburg eine Entschuldigung Rußlands erfolgt. Die russische Regierung gab sowohl direkt gegenüber dem Gesandten als auch durch den russischen Gesandten in Stockholm eine Ertlärung folgenden Inhalts ab: Nach dem von dem russischen kommandierenden Admiral eingegangenen Bericht konnte der Vorfall, welcher Gegenstand des schwedischen Protestes war, sich nur infolge des zufällig herrschenden Nebels ereignen; welcher verhinderte, die Beschießung genau zu regulieren. Die russische Regierung drückte das lebhafte Bedauern über das Geschehene aus und versicherte, daß sie völlig entschlossen el, gewissenhaft die schwedische Neutralität zu achten. Im gegenwärtigen Falle liege nur eine bedauerliche Unachtsamkeit vor. Es sei den Betreffenden bestimmte Weisung gegeben, in dieser Beziehung ihre Aufmerksamkeit zu verdoppeln, um eine Wiederholung solcher Ereignisse unmöglich zu machen. Nach Empfang dieser Erklärung hatte die schwedische Regierung in einer Note an den russischen Gesandten in Stockholm den Inhalt des oben wiedergegebenen Berichtes mitgeteilt und unter Wiederholung des Protestes O, die Hoffnung auf eine schnelle, zufriedenstellende Erledigung dieser unangenehmen Angelegenheit ausgedrückt. sozialdemokratische Parteistreit. Die Revolte des„Vorwärts“ gegen seinen Parteivorstand. 1 8 D i e M e i n u n g e n s o z i a l d e m o k r a t i s c h e r Führer und Blätter gehen seit einiger Zeit weit auseinander. Während man sich früher still mit dem abfand, was innerhalb der Partei nicht gefiel, tobt jetzt der Streit über „Parteizerrüttung“ in der Oeffentlichkeit. In der Mittwochsausgabe des„Vorwärts“ wendet sich der sozialdemokratische Parteivorstand gegen die Polemik des Zentralorgans wider die Erklärungen des Vorstandes. Wenn er behaupte, daß sich der Vorwurf der„Hintertreppenpolitik“ auf ganz andere Dinge beziehe als die in der Erklärung des Vorstandes erwähnten, so sei darin eine neue Verdächtigung zu erblicken, die entschieden zurückgewiesen werden müsse. Die Redaktion des„Vorwärts“ suche ferner in ihrer Erwiderung von den Spuren jener Kreise, die die organisierte Parteizerrüttung betreiben, abzulenken, indem sie auf Aeußerungen im „Volksblatt für Anhalt" und im„Karlsruher Volksfreund“, sowie auf die Broschüre des Revisionisten Kolb über:„Die Sozialdemokratie am Scheidewege“ hinweise, in denen den Katastrophenpolitikern der Rat gegeben werde, einen Klub für sich zu bilden. Auch solche Preßerörterungen über die angeblich zur Herstellung einer wirklichen Einheit und Einigkeit notwendige Scheidung der Partei seien ungemein schädlich. Der Vorstand zweifle nicht daran, daß die deutschen Arbeiter den literarischen Vorkämpfern der Idee der Parteitrennung, auf welcher Seite sie auch immer stehen, die gebührende Antwort geben werden. Nachdem auf diese Weise nebenbei der Abg. Kolb seine Rüge erhalten hat, heißt es in der Erklärung des Parteivorstandes weiter: „Wenn wir uns so scharf gegen das Unterschriftenflugblatt vom 9. Juni gewandt haben, so vor allem deshalb, wei! es sich hier um mehr als um die journalistischen Meinungsäußerungen eines oder einiger Parteigenossen handelt. Eine Gruppe der Minderheit in der Partei hat sich besonders organisiert und betreibt von einer Zentralstelle aus mit unwahren Behauptungen die Minierarbeit gegen die Politik der Parteimehrheit. Wenn das diesem Teil der Opposition recht sein soll, so nüßte es morgen jeder anderen Gruppe des Partei billig sein. Das muß dann Vornige Wege. Roman von J. v. Düren. 38 12. Kapitel. Der Herbst sah die altbekannten Bewohner im Doktorhause. Frau Physikus saß in ihrem Blumenzimmer vor dem lebensgroß gemalten Bilde ihrer Tochter Magda und las in alten Briefen. Bubi spielte munter im Zimmer umher und versprach ein gesunder, munterer Bursche zu werden. Edith versorgte Küche und Haus und half der Schwester oft in den Sprechstunden. Sie war ernst und still geworden und hing mit vergötternder Liebe an der Schwester. Beide trugen mit Geduld die Reizbarkeit der Mutter. Leo bewarb sich um die freigewordene Stelle des Landrates Klausen. Letzterer hatte sich mit Fräulein Adamine verlobt und wollte nach Berlin ziehen, um im Verein mit seiner jungen Frau ganz den sozialen Bestrebungen zu leben. Frau Bürgermeister besuchte nur noch selten die gute Physikus. Ihren beiden Töchtern winkte der eheliche Hafen.— Zu Anfang des neuen Jahres trat Leo dank der Fürsprache seiner hohen Freunde sein Amt als Landrat an. Bubi blieb im alten Doktorhause, da der Vater sich nicht entschließen konnte, eine Hausdame zu nehmen. Er war still und in sich gekehrt. Ernestine, die in seiner Seele las, war es, als schien sein ganzes Sein noch Traum, noch tief wurzelnder Gram. Seine Blicke schienen ihr zu sagen: Wenn ich meinem übervollem Herzen Luft machen wollte, ich müßte Ewigkeiten damit verbringen, um die große Trauer fortzutäuschen, unter der ich zusammengebrochen. So half sie ihm langsam in nimmernüder Geduld mit dem seinen Verständnis, das eine tiefe Neigung, dem Quell ihres reinen Herzens entsprossen, ihr eingab. Er fühlte von neuem den Zauber ihrer Nähe und empfand ein stilles, sicheres Geborgensein unter ihrem starken Willen. Allmählich gewann er Fühlung mit dem Leben, und die Freude an seiner Kunst erwachte wieder. Die langen, stillen Abende von einst lebten auf. In dem stillen Doktorhause sang und klang es von neuem; in den hehren, ewigen Harmonien lösten sich langsam die Fesseln, in denen die ringende Seele geschmachtet. Die Zeit half lindernd mit. Das Leben wachte wieder auf, leise, zaghaft. Kinderlachen, Kinderjubel fand den Weg zu den trauernden Herzen. Die Zeit forderte ihr Recht; wenn auch immer die Lücke schmerzlich fühlbar blieb, die der grausame Lebensvernichter gerissen, sie war doch nicht groß genug, um vom Strom des Alltags nach und nach ausgefüllt zu werden. Die Zeit ging hin und brachte die naturgemäße Weiterentwicklung der Dinge. Leo Berg war allgemein beliebt in seinem Kreise und waltete treu seines Amtes. In seinem Hause pflegte er eine bescheidene Geselligkeit. Frau Physikus sorgte mütterlich für ihn, und er war ihr dankbar. Sie hatte ihn in den Trauerjahren ganz schätzen und lieben gelernt. Und eine Stimme in ihrem Innern sagte ihr, daß er schwer trug, daß er etwas vor ihr verbarg, was ihn vielleicht härter getroffen, als der brutale Schicksalsschlag, der ihm das junge Weib geraubt. Sie teilte ihre Pflichten; man sah sie bald dort und bald im alten Doktorhause. Eine stille, wehmütige Demut lag in ihrem Wesen und gab ihr jene Wärme, die wohltut und zu sich zieht. Edith und Ernestine lebten in innigem Verstehen miteinander. Letztere war mit der Zeit die gesuchteste Aerztin des Kreises geworden. Das ideale Zusammenleben mit dem einst geliebten Mann machte sie glücklich und füllte sie aus. Wunschlose Ruhe wäre über sie gekommen, wenn nicht Leo Hoffnungen zu hegen begonnen, die sie unruhig machten und erregten. Ernestine ahnte, was in ihm vorging. Sie bebte zurück vor dem Kommenden. Einst hätte sie Leben und Seligkeit hingegeben, um ihm anzugehören; jetzt schien es ihr, als gähnte eine unüberbrückbare Kluft zwischen ihnen. Ihre Liebe hatte sich gewandelt, sich langsam aller Wünsche aber zur Desorganisation der Partei führen und ist praktische Vorarbeit für die Spaltung der Partei. Die Erkenntnis dieser Gefahren veranlaßten die Vorstände der Partei und der Reichstagsfraktion zu ihrem Appell an die Parteigenossen, diesem Treiben ein„Bis hierher und nicht weiter!" zuzurufen. Der Parteiausschuß hat sich dieser Auffassung angeschlossen. Endlich ist es eine Irreführung der Parteigenossen, wenn der Vorwärts“ es so darzustellen sucht, als ob es sich bei der Verurteilung dieses Treibens um die Auffassung der Mehrheit des Partei= und Fraktionsvorstandes handelt. Der Text des Aufrufes:„Gegen Parteizerrüttung“ wurde in einer gemeinsamen Sitzung der Vorstände der Partei und der Reichstagsfraktion einstimmig beschlossen. Auf diesen Angriff erwidert der„Vorwärts“ in der gleichen Nummer. Er findet, die Abschüttelung der„Fanatiker des Umlernens" und„Zerstörer der bisherigen Prinzipien und der alten Taktik“ komme viel zu spät.„Diese Kreise“ würden sich „durch die Mißbilligung des Parteivorstandes in ihrem parteizerrüttenden Treiben auch ferner nicht im geringsten stören lassen. Weiter behauptet der„Vorwärts", die äußere organisatorische Geschlossenheit der Partei sei nicht bedroht, wohl aber sei die Gefahr einer inneren Prinzipienzerrüttung der Partei längst offenbar. Und diese wollten die„Quertreiber" beseitigen. Dies ist kurz der Inhalt längerer Ausführungen, die der„Vorwärts“ der Erklärung des Parteivorstandes folgen läßt. Ihr vorauf schickt er eine Auslassung des Abg. E. Bernstein mit dem Titel„Machtillusionisten“; darin wirft dieser der Mehrheit, die ihre Mitarbeit den bürgerlichen Parteien und der Regierung während des Krieges nicht versagen will, unverblümt vor, sich zu„Apportier=Sozialisten“ zu erniedrigen. Erchordert ein„Los von den Machtillusionisten!" Noch seinen eigenen Ausführungen deckt sich zweifellos die Auffassung des„Vorwärts“ mit der Bernsteins. Das sozialdemsratische Zentralorgan wendet sich demnach gegen die Mehrheit der Partei und legt sich mit aller Macht für die„Quertreiber“ ins Zeug. Deutsches — Berlin, 7. Juli 1915. Die neuen Petrbleum=Höchstpreise. :: Die neue Bundesrats=Verordnung über die Einführung von Höchstpreisen für Petroleum tritt am 15. d. M. in Kraft. Danach dürfen bis auf weiteres im Großhandel für 100 Kilogramm Petroleum nicht mehr als 30 Mk. gefordert werden. Im Kleinhandel darf der Preis in Zukunft 32 Pf. für das Liter nicht übersteigen. Wird das Petroleum aber ins Haus geliefert, so stellt sich der Höchstpreis hierfür auf 34 Pf. In der Begründung der Verordnung wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß das Dazwischentreten zahlreicher Händler, die nie den Petroleumkauf betrieben haben, hauptsächlich an der ungerechtfertigten Preissteigerung schuld gewesen ist. Deutsch=österreichische Zollgemeinschaft im eroberten Polen. :: D a s V e r o r d n u n g s b l a t t d e r K a i s e r lichen Zivilverwaltung für Polen links der Weichsel veröffentlicht das Uebereinkommen betreffende die gemeinschaftliche Erhebung von Zöllen in dem deutschen und dem österreichisch=ungarischen Verwaltungsgebiet Polens Unig der beider iigen Russisch=Polen mein,chaftliches Dan Verwaltung linls der ###lgebiet. ch bilden die zebiete in chiel ein gei Zolleinnahmen werden nach Abzug von 20 vom Hundert für die Zollerhebung und Grenzbewachung zwischen den beiden Teilen je zur Häfe geleilt. Krankheilsurlaub des deutschen Botschafters in Konstantinopel. :: Der deutsche Botschafter in Konstantinopel, Frhr. v. Wangenheim, ist seit längerer Zeit herzleidend. Er hat drei Sommer hintereinander in Konstantinopel zugebracht und ist durch seine Krankheit fast niedergebrochen. Die Aerzte bestehen unbedingt darauf, daß er sechs Wochen nach Nauheim zur Kur geht, um sich dort zu erholen. Sie hoffen bestimmt, daß er dann in der Lage sein wird, auf seinen Posten nach Konstantinovel zurückkehren zu können. Während der Zeit seiner Abwesenheit wird Freiherr von Wangenheim von dem Fürsten Hohenlohe=Langenburg vertreten werden, der auf dem Valkan zahlreiche verwandtschaftliche Beriehungen hat. Er ist ein Schwager des Königs von Rumänien und auch mit dem König von Bulgarien verwandt. Zusammenkunft der Finanzminister. :: Die Finanzminister der deutschen Bundesstaaten werden auf Einladung des Staatssekretärs des Reichsschatzamtes am Sonnabend, den 10. Juli, in Berlin zu einer Besprechung zusammenkommen. Wie die„Nordd. Allg. Ztg. hört; handelt es sich bei dieser Konferenz nicht um Beratung bestimmter Vorlagen; der Zweck der Zusammenkunft ist vielmehr eine allgemeine Aussprache über die Finanzlage des Reiches und die mit der finanziellen Kriegführung zusammenhängenden Fragen: Der Chef der Reichsfinanzverwaltung legt in der gegennärtigen Zeit ganz besonderen Wert auf. die unmittelbare und persönliche Fühlung mit den Leitern der einzelstaatlichen Finanzen Sanstige Die in England internierten Deutschen. :: Auf eine Anfrage im englischen Unterhause erklärte der Unterstaatssekretär Brace, daß zwischen dem 13. Mai und dem 5. Juli 7144 feindliche Ausländer interniert wurden, wodurch die Gesamtzahl auf 26713 gestiegen ist. In derselben Zeit wurden 4800 Personen, einschließlich der Kinder, nach Deutschland gesandt. Der Gewehrmangel der Russen. :: Wie der„B. Z. a. Mittag“ aus Czernowitz gemeldet wird, steigert sich der Gewehrmangel bei den Russen täglich. Die Kampfreserven bedienen sich, da sie bis zum Sturmengriff keine Gewehre haben, erst der Gewehre gefallener Kameraden. Russische Greneltaten.“ :: Folgender Fall von unerhörter Barbarei ist durch vier beeidigte Zeugenaussagen festgestellt worden: In der Gegend von Jednorozec wurde am 15. Juni 1915 ein schwerverwundeter deutscher Soldat an dem Pfahl eines russischen Drahthindernisses, mit einem Drahe angebunden, vorgefunden. Das andere Ende des Drahtes war ihm um den Leib geschlungen und vorn in Höhe des Koppelschlosse. zusammengedreht. Der Schwerverwundete wurde aus seiner qualvollen Lage von Kameraden, die das Gelände nach Verwundeten absuchten, entäußert. Sie war körperlos, fern allen Begehrens. Die Jugend war längst entflohen, die herbe Lebensarbeit hatte sie anders geprägt. Ihr Verstand wachte über das todgerungene Sehnen und Wünschen. Das, was sie einst zu geben hatte, war nicht mehr vorhanden; und sie sagte es ihm auch, als er nach Jahren um sie warb. Es war, nachdem man Frau Physikus, die einem Herzschlag plötzlich erlegen, zur ewigen Ruhe gebettet. Edith sollte in kurzem dem jungen Assessor, der für eine Zeit bei Berg gearbeitet, angetraut werden und nach der Residenz ziehen. Sie waren im Gespräch vom Friedhof nach Hause gegangen; und als sie ihm so ruhig und kühl ihre Gründe dargelegt, schaute sie zu ihm auf, der in seiner ganzen Männlichkeit und Kraft im Zenit seines Lebens vor ihr stand, verlangend und sehnend. Im Geiste sah sie daneben ihr verblühtes, stilles Mädchengesicht und die blassen, kühlen Hände, die so oft in schlaflosen Nächten auf ihrem sehnsuchtskranken Herzen geruht. Und noch einmal überkam sie mit Allgewalt der Wunsch nach vollem Menschenglück und riß sie mit sich fort. Sie sog seine warmen, leuchtenden Blicke ein und trank sie mit Sinnen und Seele; und dann warf sie sich ihm doch mit jäh erwachter Glut in die geöffneten Arme, die sie fest umfingen, als wollte er sie nimmer von sich lassen. Um sie her spann verglühendes Sonnengold einen warmen, lichten Schein um die kleine, stille Stadt, die in Feierabendruhe der herannahenden Dämmerung entgegensah. Noch hoben sich die kleinen Häuser wie auf Goldgrund gemalt scharf gegen den violettfarbigen Abendhimmel ab. Es ging wie ein befreites Aufatmen, wie erfülltes Sehnen durch die frühlingsklare Luft. Und es war, als zöge auf leisen Sohlen das Glück über die träumende Erde; die beiden, die in weltvergessener Seligkeit einander hielten, schien sein Flügelschlag gestreift zu haben. — Ende!— Wurst wider Wurst. Er:„Minna, hole mal eine Flasche Rotwein aus dem Keller, mein Freund Schulze kommt heute, und ich will Brüderschaft mit ihm trinken.“— Sie:„Unser Rotwein ist aber doch nicht gerade der beste Wein.“— Er: „Macht nichts, Schulze ist der beste Bruder gerade auch nicht. Ausführlich. A.:„Die alte Jungfer erzählt alles des Laugen und des Breiten!"— B.: „Ja, die spricht immer, wie ihr der Schnabel gewachsen ist.“ Recht hat er.„Wünschten Sie auch, daß das Porto billiger würde?“—„Ich weiß nicht.“ antwortete der Mann, der nur an seine eigenen Interessen denkt.„Ich selbst schreibe nicht viele Briefe und ich sehe nicht ein, daß ich mich dafür ereifern sollte, daß es andern leichter gemacht wird, mir Rechnungen zu schicken.“ Natürliche Sache.„Das geschieht mir ganz recht, daß ich als Kongoneger gegangen bin.“ —„Warum denn?“—„Na, eben ist mir mein Ueberzieher ausgetauscht worden.“ Unerwartet. Frau:„Wie, in so angetrunkeuem Zustande kommst Du nach Hause? Ichfinde keine Worte!“ Er:„Gottlob!“ Ausreden lassen. Der höfliche Barbier fragte seinen Kunden:„Schneidet das Messer auch gut?“— Kunde:„Mein guter Mann, wenn Sie nichts erwähnt hätten, würde ich gar nicht gewußt haben, daß ein Messer an meiner Wange ist.“ — Der Barbier lächelt geschmeichelt, aber der Kunde fuhr leider fort:„IIch hätte wirklich geglaubt, Sie bearbeiten mich mit einer Feile. Auf dem Militärturnplatz. Unterofsizier:„Einjähriger Müller, Sie wollen ein studierter Mann sind und können nicht mal über den Bock springen? Lassen Sie sich man mit Ihre sojenannte Bildung bejraben! 825.16 befreit und nach dem deutschen graben gebracht, wo er bald darauf starb. Erfolgreiche Grabenlämpfe an den Dardanellen. :: Der Bericht des türkischen Hauptquartiers vom 7. Juli lautet: Auf der kaukasischen Front fuhr auf dem rechten Flügel unsere Kavallerie unter ernsthaften Kämpfen fort, die feindliche Kavallerie gegen Osten zurückzuwerfen. Wir machten in dem Kampfe vom 4. Juli eine Anzahl Gefangene und gewannen Beute. Auf der Dardanellenfront ist die Lage im allgemeinen unverändert. Die gewohnten Grabenlämpfe dauern fort, und zwar besonders heftig auf unserem rechten Flügel bei Sedd=ul=Bahr. Alle diese Kämpfe sind für uns günstie. Unsere anatolischen Batterien riefen zahlreiche Explosionen# und Brände in dem seindlichen Lager bei Seddul=Bahr' hervor. Unsere Flieger warfen zweimal mit Erfolg Vomben auf die feindlichen Truppen. Vor Ari Burnu bombardierte ein sein:# nitor, der sich sichtlich hinter el::“#erettschiff verbarg, unsere Lred. Auf den übrigen Fronten nichtt###denin:v. Kleine Kriegsnachrichten. * Der Kommandierende General in München hat bei Gesährignisstrafe bis zu einem Jahre verbolen, diß Gegenstände des täglichen Bedarfs zu unangemessen hohen Preisen gehandelt oder ganz zurückbehalten verden. * Kapräulentnant Hellmuth von Auae, der Führer des über die Türkei heimgekehrten Landungskorps der„Emden“, hat sich in Bremen mit Frl. Carla Finke. Tochter des Herrn Carl Finle, Chef der Makler= firma H. C. Finke, verlobt. * Der bayerische Ministerpräsident Dr. Graf von Hertling ist zu einer zeitweisen Besprechung mit den Reichsstellen in Begleitung des Legationsrates Freiherrn von Stengel in Berlin eingetrossen. * Der bekannte schwedische Forschungsreisende Dr. Sven Hedin hat das ganze Honorar seines den deutschen Soldaten gewidmeten Buches„Ein Volk in Wafsen“. im Betrage von 75 830,30 Mk. dem deutschen und österreichisch=ungarischen Roten Kreuz überwiesen. * Das englische Unterhaus hat nach längerer erregter Debatte die Registrierungsbill, das Gesetz betr. Zwangseintragung der Arbeiter in Kontrollisten für die Munitionsanfertigung. mit 253 gegen 30 Stimmen in zweiter Lesung angenommen. et boß 9. * Aus Sydney wird gemelder, daß der Kreuzer„Emden“ von der Firma Darnley mittels eines besonders dazu ausgerüsteten Dampfers geborgen und nach Sydney gebracht werden soll. Isonzo entlang. Italienische Kriegsbriefe von Paul Schweder. AEW III. “ I m K ü s t e n l a n d e, E n d e J u n i 1 9 1 5. In:: Wandern wir am Isonzo weiter seiner Mündung zu, so kommen wir an die Orte, die vieder in den letzten Tagen am häufigsten genannt wurden Der Flu#####elbst wird auf seinen beiden Ufern von der Kunststraße und der Eisenbahn begleitet, die mehrere Tunnels zu durchlaufen hat. Selbstverständlich sind diese seit Kriegsbeginn nach allen Regeln der Kunst befestigt und verden scharf bewacht. Ganz wie bei uns sieht man den Landsturm, mitunter nur kenntlich an der Mütze. dem Gewehr und der Patronenkasche, scharf die Passanten mustern und forgfältig die Ausweise prüfen. Als erste Stadt auf unserer weiteren Wanderung erreichen wir Canale. Der Fluß st hier, namentlich wenn er Biegungen Nacht der an Felstrümmern im Bett sich stößt, noch immer wild genug. Wunderbar meerzrün ist die Farbe des Wassers, das durch nuntere Forellen belebt wird. Canale ist für militärische Operationen auch deshalb besonders wichtig, weil hier eine wichtige Eisenbahnbrücke über den Fluß führt. Dort, wo der Isonzo am meisten nach Pesten ausbiegt, liegt Plava, das, abgesehen von Görz, bisher wohl die chärfsten Kämpfe an dieser Front gesehen hat. Seit Wochen stürmen die Italiener hier vergeblich gegen die österreichischen Stellungen an. Es ist allerdings den Italienern mehrfach gelungen, das Isonzoufer zu überschreiten und auf dem östlichen Ufer Fuß zu fassen. Ihres Bleibens hier war aber regelmäßig nicht lange. Die Oesterreicher ließen gewöhnlich nur so viel Feinde herüber, als ihnen gut dünkte, und dann setzte ihr wirkungsvolles Geschützfeuer ein. Alle Erfahrungen, auch die amtlichen Berichte behaupten es, sprechen dafür, daß der Italiener wohl einen gewissen Elan im ersten Angriff zeigt, daß seine Ausdauer durch einige wohlgezielte Treffer der schweren Artillerie aber bald gebrochen wird. Maschinengewehr= und Gewehr= bezw. Stutzenfeuer tun dann das Ihrige, um den Hinübergekomnenen den Rest zu geben. So war es auch hier bei Plava. Beim zweiten Angriff auf die österreichischen Stellungen hatten die Italiener nicht weniger als 80 große Gechütze in Aktion gesetzt, die den Angriff tundenlang vorher durch einen Eisenhagel einleiteten. Dann setzten die Stürme an, die mit starken Kräften unternommen wurden. Sie waren vergeblich, obwohl sie an sechs aufeinander folgenden Tagen wiederholt wurden. Gegen tausend tote Italiener hingen in den Trahtverhauen der Oesterreicher. Es wurde behauptet, daß gerade an dieser Stelle die besten Truppen angesetzt worden seien, Bersaglieri und Alpini, und zwar sollte das geschehen sein, weil angeblich der König von Italien befohlen hatte, Plava um jeden Preis zu nehmen. Berichte von österreichischer Seite wollen dagegen wissen. daß nur eingesprengt in die übrigen Sturmtruppen sich die Paradetruppen Italiens befunden hätten, und zwar nicht in übermäßig großer Zahl. Es wurde angedeutet, daß man Ursache hätte, angesichts des dahinraffenden Maschinengewehrfeuers der Oesterreicher die Eliteregimenter, die nicht nur die Angehörigen der vornehmen Geschlechter in sich bergen, sondern auch die bei anderen Regimentern merkbar fehlende Intelligenz verkörpern, möglichst zu schonen. Gut sollen sich die Offiziere geschlagen haben, eine Erfahrung, die wir ja auch bei unseren anderen Feinden gemacht haben. Es fragt sich nur, ob die Italiener auch nur in dem Maaße wie die Franzosen imstande sein werden, für die gefallenen Offiziere den nötigen Nachschub zu besorgen. Die auf demokratischer Grundlage beruhende Ergänzung des italienischen Offizierkorps wird, namentlich bei den technischen Truppen, angesichts des geringen Bildungsstandes der Aspiranten große Schwierigkeiten machen. Bei Plava wurde auch zum ersten Mal die Beobachtung gemacht, daß die Italiener nur notdürftig den Sanitätsdienst eingerichtet haben. Italienische Verwundete hörte man stundenlang vor den österreichischen Schützengräben stöhnen und rufen, obwohl es während der Nacht ein Leichtes gewesen wäre, sie ohne Gefahr zu bergen. Ob der Nachschub des Sanitätsmaterials sich allein, wie von italienischer Seite behauptet wird, durch die Inanspruchnahme der Bahnen seitens der Truppen erklärt oder nicht vielmehr eine Folge des darin herrschenden Mangels ist, kann vorläufig nicht entschieden werden. Die Erzählungen, daß italienische Soldaten österreichische Verwundete grausam mißhandelt hätten, wurde mir bestätigt. Es ist ja auch leicht erklärlich, daß Angehörige eines Landes, in dem die Vendetta, die Brigantaggia, der politische Meuchelmord und andere schöne Dinge erfunden wurden, in dem verwundeten Feind nicht den ehrlichen Gegner achten, der seine Pflicht getan hat. Weiter am Isonzo südwärts. Wir kommen nach Görz, das, obschon zerschossen, doch das Grab des italienischen Waffenruhms bildet. Noch stärker als bei Plava haben hier die großkalibrigen Geschütze der Italiener die Stadt beworfen, aber ohne jeden militärischen Nutzen, wenn man nicht einige Tote der Zivilbevölkerung unter dieser Rubrik verbuchen will. Görz, die freundliche Blumenstadt, ist für Tage und Wochen die Hölle auf Erden gewesen. Die Zahl der Schüsse selbst aus den schwersten Kalibern, wahrscheinlich Schiffsgeschützen, war überhaupt nicht mehr zu zählen. Die Oesterreicher hatten aber Zeit gehabt, sehr sorgsam angelegte Unterstände auszubauen, daher sind ihre Verluste verhältnismäßig gering. Die Sturmangriffe galten hauptsächlich dem berühmten Brükkenkopf von Görz, der auf weite Entfernung nach Norden und Süden das Isonzotal gegen Uebergänge deckt. Es war hier der strategisch wichtigste Punkt der ganzen Isonzolinie und schon aus Gründen des militärischen Prestiges wären die Italiener hier, selbst unter dem Preis hoher Opfer, durchgebrochen. Diese Opfer haben sie gebracht, die Leichen häuften sich hekatombenweise, aber vergeblich, die österreichische Phalanx ist hier nach fünf Wochen des wütendsten Kampfes ungebrochen. Ja, die Erfahrung hat gelehrt, daß sie unzerbrechlich ist, je wilder auch die Italiener vorgehen mögen, je mehr Menschen sie vorwärts treiben in die feindlichen Maschinengewehre hinein. Man kann eben nicht mit Kanonen Berge entzweischießen, man kann nicht die natürliche Ueberlegenheit des Terrains durch Geschoßverschwendung gut machen. In den italienischen Generalstabsberichten wird immer wieder auf die Schwierigkeit des Geländes hingewiesen. Das ist in unseren Augen eine schlechte Entschuldigung, denn das 4Terrain mußte den Italienern durch die Karten und durch ihre umfangreiche Spionagetätigkeit schon im Frieden bekannt sein. Andererseits kamen den Oesterreichern die Regengüsse zu statten, die den Vormarsch der Italiener allerdings sehr erschwerten. Aber das erscheint nur als ein Akt der ausgleichenden Gerechtigkeit, sie boten die Gelegenheit, dem plötzlichen Treubruch eine Kampflinie entgegenzustellen die wesentlich stärker war als man drüben geglaubt hatte. Die Bewohner von Görz sind bei Annäherung des Feindes evakuiert worden. Wir werden die Flüchtlinge, die in Graz, Wien, Marburg und anderen Städten untergebracht sind, nach dem Kriege ihre Heimat wiedersehen? Wenn wirklich der Krieg der Vater aller Dinge ist, dann wird hoffentlich die freundliche Blumenstadt in glücklichem Frieden ihre alte Schönheit wiedergewinnen. Die Bevölkerung hat in der Hauptsache Obstund Weinbau getrieben, aber auch die Industrie hatte schon Eingang gefunden. Jetzt starren die zerschossenen Fabrikgebäude mit leeren Fensterhöhlen zum Himmel. Wahrscheinlich sind auch das schöne Theater und der Bischofssitz ein Opfer der italienischen Granaten geworden. Im Frieden schlangen sich, namentlich auf dem rechten Isonzoufer, dem sogenannten Coglio, Weinreben von Baum zu Baum, zwischen blühenden Weizen= und Maisfeldern, die hier ungefähr fünf Wochen unseren Kulturen vorangeeilt sind. Die Weinstöcke haben dem Kriege weichen müssen, nur stumpfe Stöcke rechken sich kurz in die Luft. Etwa 400 Meter vom Brückenkopf entfernt ragt am Bergeshang ein großes, schöngeschnitztes Kruzifix in die Luft. Von beiden Seiten werden schon Granaten über das„Kreuzbild Gottes“ geflogen sein. Unwillkürlich denkt man an eine ähnliche Szenerie, die Geibel poetisch geschildert hat. „An der Bidassoabrücke". Feinliche Länder trennt der Isonzo wie die Bidassoa, und für beide gilt das schöne Wort: Wohl bedarf's an dieser Stelle hellen Trostes himmelher, Wo so mancher von der Heimat scheidet ohne Wiederkehr! 255000 Mart Geldstrafe wegen Wehrsteuerhinterziehung. Vor der Strafkammer II des Landgerichts Frankenthal(Pfalz) hatte sich am Diestag der Fabrikdirektor und königlich bayerische Kommerzienrat J. Gauß aus Frankenthal wegen sehr umfangreicher Wehrsteuerhinterziehungen zu verantworten. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt. trotz Kenntnis der Unrichtigkeit seiner Aufstellungen in seiner Vermögensaufstellung vom 28. Januar 1914 sein Vermögen auf 737.625 Mark beziffert zu haben, während sein wehrbeitragspflichtiges Vermögen 1819 464 Mk. betrug: ferner in seiner Steuererklärung vom 22. Oktober 1913, berichtigt durch die Erklärung vom 28. Januar 1914, sein Einkommen auf 80347 Mark jährlich beziffert zu haben, während sein wehrbeitragspflichtiges Einkommen 163205 Mark betrug, so daß sich der Wehrbetrag nach den Angaben des Angeschuldigten auf 6159 Mk., in Wirklichkeit aber auf 18909 Mk. stellt. Es war also ein gefährdeter Betrag von 12 750 Mk. gegeben. Das Urteil lautete auf Zahlung einer Geldstrafe von 255000 Mark. Das Gericht erkannte damit auf die Höchststrafe, die den zwanzigfachen Betrag der gefährdeten Summe vorsieht.— Ganß ist Direktor der Schnellpressenfabrik Frankenthal Akt.=Ges. Er hat vor kurzem sein Amt als Handelsrichter niedergelegt. * Das Automaten=Bad. Die Bernburger Baugenossenschaft, eine gemeinnützige Unternehmung, die gegründet wurde, um dem Wohnungsmangel in Bernburg abzuhelfen— der dortige Oberbürgermeister ist Vorsitzender des Aufsichtsrates— hat kürzlich eine originelle und überaus nützliche Einrichtung geschaffen, nämlich die eines Automaten=Bades. Es ist(zunächst probeweise in einem Hause der Genossenschaft) eine Badeeinrichtung geschaffen worden. Durch Vermittlung eines Automaten wird für 10 Pf. soviel Gas abgegeben, daß der Badeofen für ein Bad, bei mäßiger Temperatur des Wassers auch für zwei Bäder, warmes Wasser liefert. Der Automat hatte in den ersten vier Wochen, die jetzt abgelaufen sind, eine Einnahme von 11 Mk., so daß also 110 Bäder abgegeben wurden. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte Schilfrohr als Futter. Der Preußische Landwirtschaftsminister gibt folgendes bekannt: Der trockene Vorsommer dieses Jahres hat zur Folge gehabt, daß der erste Schnitt der Heuernte manchenotts der Menge nach wenig befriedigte; auch das Stroh. namentlich das Sommerstroh, wird trotz der inzwischen eingetretenen Niederschläge kurz bleiden. Man wird also mit Rauhfutter sparsam wirtschaften müssen. Es sei deshalb darauf aufmerksam gemacht, daß das Schilfrohr(Arundo phragmites), auch Ret oder Riet genannt, sowohl grün als getrocknet ein recht brauchbares Futter darstellt, nur muß es beizeiten, d. h. vor der Blüte. spätestens Anfang Juli zum erstenmal geschnitten werden. Es liefert dann gewöhnlich noch zwei Nachschnitte. In den Hannooerschen Marschen und in Masuren wird es in trockenen Jahren von jeher gefüttert. Heu und Schilfrohr enthält durchschnittlich 8% slickstoffhaltige und 45% Extraktsloffe, darunter beträchtliche Mengen von Jucker. Das Schilfrohr wird sowohl grün als getrocknet von Pferden und Rindern gern genommen. Eine gewisse Vorsicht ist nur insofern geboten, als mit Rost, Mutterkorn oder Brandpilzea befallenes Rohr nicht, namentlich nicht an tragende Tiete, verfüttert werden darf. Die Fütterung des nicht befallenen Rohres ist dagegen in gesundheitlicher Beziehung gänzlich unbedenklich. Zum Abernten des Rohres aus Wasserflächen geeignete Geräle und Maschinen sind u a. in Heft 199 der„Arbeiten der Deutschen Landwirtschafts=Gesellschaft“ näher Soeben erhalten wir die traurige Nachricht, dass unser einziger, unvergesslicher, hoffnungsvoller Sohn, Bruder und Enkel, der Oberprimaner Sarl Rettiel Kriegsfreiwilliger im Inf.-Regt. Nr. 74 am 26. Juni den Heldentod erlitten hat im blühenden Alter von 18 jahren. Schwerte, Bartnen, Weidenau und Crefeld, den 8. Juli 1915. ff. Holländer Käse rsa. 110 3 ff. Edamer—. ff. Limburger„(ra.] 85 ff. Stangen-„ rtd. 88/3 ff. Harzkäse 82 Stück 15/3 L. Weinberg. Tetenzetter mit Darstellung eines sterbenden Soldaten und ein zum Himmel zeigender Engel ist eine dauernde Erinnerung an die gefallenen Krieger Buchdruckerei Carl Braus Schwerte Ruhr, Gr. Marktstr. 3—5. * E B ToGAwa,An S 78.s* PSOHTTAE GBOPGAGSTEGE O * *fHGTSTn, 0* ∆ 9 " G 2— 8• 1* 2 b S 09 1 S B8T Sairas S 393.0 FANSE FRSEESSOSESSG -Toc:Tes: SaAT S 9 12 □ "(S173 ## 8 FRPTUATET 37 S8g3 *E. SSES lächelnd den Kopf geschüttelt, wenn man ihm erzählt hätte, daß dereinst Hunderttausende von Angestellten ihn beneiden würden. Kürzlich erhielt er die Nachricht, daß der Aufsichtsrat der Neuyork=New=Haven= und Hartford=Eisenbahn befchlossen hat, ihm das Amt der Leitung dieser Bahn anzubieten, die eine der Lieblingsunternehmungen Morgans war. Herr Howard Elliott ist damit freilich nur„Angestellter", aber bei den Gehältern, die die amerikanische Industrie und amerikanische Eisenbahnen ihren hohen Beamten aussetzen, wird er sein Los mit Würde tragen; denn das Gehalt, das er beziehen wird, beträgt nicht weniger als 600000 Mark Fixum im Jahre. Als Präsident der Northern=Pacific=Eisenbahn mußte er sich bisher mit einem Jähresgehalt von 300000 Mark begnügen; eine Konkurrenzlinie bot ihm zwar 400000 Mark, aber auf den Rat des verstorbenen Pierport Morgan lehnte Elliott diesen Antrag ab; denn er wußte, daß Morgan für sein weiteres „Fortkommen“ sorgen würde. Bis jetzt ist das auch geschehen, aber einen Retord kann Howard Elliott trotzdem nicht für sich beanspruchen. Im Gegenteil, er ist noch weit von den höchsten Gehaltsstufen amerikanischer Industriefeldherren entsernt. Als Direktor des Carnegieschen Stahltrustes hat es Charles M. Schwab zu dem hübschen festen Jahresgehalt von 3200000 Mark gebracht, wobei man freilich nicht versäumte, durch Tantiemen das begrenzte Einkommen des Direktors noch weiter aufzubessern. 13 V###. **** # 2 2 S S 9.2 Schach. ##a # R 6. E F 81# 2 Bearbeitet von E. Schalloyp. Aufgabe Nr. 414. Endspielstudie von Henri Rinck in Barcelona. Studienturnier des Budapester Schachklubs 1912 preisgetrönt. Schwarz: 4 Steine. e d** 5 Weiß: 4 Steine. Weiß zieht an und gewinnt. Nu gun(ii x 2o# Inv) 90—792+73—131. 77 20—1PN uucsb gun 2— 98•8 JXI. 1112—131. 7(D) T.-III. 28—#. Partie Nr. 417. Turnierpartie, gespielt zu Mannheim am 24. Juli 1914. Vierspringerspiel. R. Spielmann, Wien. Schwarz: Dr. M. Vidmar, Laibach. Weiß: 1. e2—64 2. Sgl-13 3. Sbl—c3 4. Lfl—b5 5. 0—0 6. d2—43 7. b2Xc3 8. Lcl—g5 Dies wird Schwarz: e7—65 Sb8—66 Sg8—16 L18—b4 0—0 Lb4Xc3 47—46 D48—e7 seltener gespielt, ist aber durchaus gesund. Ueblicher ist Sc6 —e7. 9. Tfl—el Sc6—08 10. 43—44 S48—e6 11. Lg5—c1 T18—08 12. g2—83 c7—c5 13. 64—45 Dieses Vorgehen beeinträchtigt die Wirksamkeit des weißen Königsläufers. 13. 14. L55—f1 15. Tal—b1 16. c3—04 17. Dal—43 18. D 13X13 19. LfI—3 19. LfI—53 erspart. 19 20. Lcl—42 21. D13—g4 22. D24—13 23. 1.63—e2 24. Le2—g4 25. 1.g4—15 26. Kgl—hl 27. g3—g4 28. e4X15 29. T•01—b5 Sc6—07 Les—g4 57—b6 T48-18 Lg4X13 St6—07 hätte 17—16 118—17 K08—18 8•—85 1•18—68 S 17—18 Sc7—es Se8—87 Sa7X15 D. 7—e8 T17—b7 30. Dh3—h6 De8-17 31. a2—a4 S18—07 32. T55—53 a7—46 33. h2—h4 g5Xh4 34. Dh6Xh4 b6—b5 Das Spiel wird jetzt sehr spannend und verwickelt. 35. Kh 1—52 Th7—b8 36. a4X55 a6Xb5 37. C4Xb5 DITXd5 38. Tb3—h3 Dd5—17 39. c2—04 Tb8—a8 40. TfI—41 Ta8—a4 41. 12—13 46—45 42. Kh2—83 05—04 43. 1f1—hI S47-18 44. 55—b6 Ta4—a3 45. Ld2—h6 e5—es 46. Lh6X18 Ta3X/3+ 47. Kg3—82 T/3X03 48. ThlXh3 Tb8Xf8 49. Th3—93 DfIXc4 Schwarz spielt verständigerweise auf Remis. Auf 44—43 würde 50. T·a3—a7 Df7—88 51. b6—57 03—42 52. b7—b8D d2—41D 53. TarXh7+ DgrXh7 54. Db8 Xit bzw. 51..... Tt8 —b8 52. Ta7—8 Tb8Xa8 53. Dh4X1ö+ D68—87 54. b7X.8D(T F. auf 49. T18—e8 ähnlich 50. Ta3— a7 Te8-e7 51. Dh4—b6 Kh8—68 52. b6—57(Te7 Xb7 53. Ta7-a8-!) folgen. 50. Ta3—a7 De4—e251. Kg2—g1 De2—e3+ 52. Ka1—2 De3—13+ 53. Kg2—g1 Df3—e3+ Als unentschieden abgebrochen. Der Mäzen.„Ah, also für dieses Bild hat Ihr Herr Vater 100000 Mark gezahlt? Ich vermute, er wollte damit zeigen, wieviel ihm die Kunst gilt.“„Nein, mein Herr, er wollte vielmehr zeigen, wie wenig ihm 100000 Mark gelten.“ * Rentable Vergeßlichkeit. Die trauernde Witwe: „Ja, ja, mein Seliger! Der gute Mann war so vergeßlich, daß er niemals aus einem Restaurant herausgehen konnte, ohne drei bis vier Mäntel oder Regenschirme mitzunehmen.“ Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 157. Donnerstag. 8 Juli 1915. Untter Tarscher Flagh Roman von M. Withe. keit langem war es eine Quelle beständigen Aergers ger#ce wesen, daß seine Frau es nach seiner Ueberzeugung nicht verstanden hatte, “ v o n B i c h w a l d e a u s d i e j e n i g e n g e s e l l schaftlichen Beziehungen anzuknüpfen, nach denen es seine Eitelkeit gelüstete. Er ließ es ihr an Mitteln, um einen glänzenden Haushalt zu führen, doch wahrlich nicht fehlen. Da es ihr aber offenbar an der nötigen Geschicklichkeit und Initiative fehlte, wollte er die Sache nunmehr selbst in die Hand nehmen, und sie würde ebenso wie die Mädchen alle Veranlassung haben, ihm dafür dantbar zu sein. Dieser Anfang, den er da gemacht hatte, würde ihn ja vermutlich ein hübsches Stück Geld kosten! Aber es würde sich bezahlt machen; denn das Beispiel Wallbergs würde nach und nach alle anderen in der Nachbarschaft wohnenden aristokratischen Familien heranziehen, und die dadurch bedingte gewaltige Erhöhung von Volkhardts gesellschaftlichem Ansehen ließ sich auf andere Art recht gut wieder in bare Münze umsetzen. Darum befand er sich jetzt in der allerbesten Laune und bemühte sich auf seine Art rechtschaffen, den liebenswürdigen Wirt zu machen. Obwohl Wallberg ziemlich deutlich zu erkennen gegeben hatte, daß es ihm am lieosten sein würde, wenn er sich sogleich zur Ruhe begeben könnte, wurde Paul Volkhardt doch nicht müde, iym allerlei Anerbietungen zu machen, und er konnte anscheinend nicht begreifen, daß der Besucher es mit aller Entschiedenheit ablehr te, wenigstens noch eine Flasche Champagner zu trinien,„echt französischen natürlich“, wie der Bankier ausdrücklich hinzufugen zu müssen glaubte. „Freue mich wirklich, Sie bei mir zu sehen, lieber Freund!“ sagte er, ihn jovial auf die Schulter klop end. „Machen Sie sich's nur recht bequem, ganz, als ob Sie zu Hause wären! Wird Ihr Schaden ja nicht sein, daß Sie endlich mal den Weg nach Buchwalde gefunden haben!“ Der Baron hatte bei der Berührung etwas schmerzlich das Gesicht verzogen, und es kostete ihn augenscheinlich einige Ueberwindung, die derbe Vertraulichkeit in Paul Volkhardts Art und Rede ohne nachdrücklichen Widerspruch hinzunehmen. Er empfand sie als eine Demütigung, gegen die sich alles in ihm auflehnte; denn noch hielt er seine Lage nicht für so verzweifelt, daß es ihm nötig erschienen wäre, sich seiner Selbstachtung ganz zu begeben. Für den ( 3. Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) dem Geldmanne, Augenblick aber lagen die Dinge doch immerhin so kritisch, daß er seinem aristokratischen Stolz wohl einige Zugeständnisse abringen mußte.„Sie sind sehr liebenswürdig!“ brachte er mit einiger Anstrengung heraus, da er sah, daß der andere irgendeine Artigkeit erwartete.„Es ist mir natürlich ein Vergnügen, Ihr reizendes Heim kennen zu lernen! Und Sie überschütten mich ja geradezu mit Freundlichteiten!" „Oh, machen Sie nicht viel Aufhebens davon, mein Lieber! Ich hofse, Sie werden morgen erst rintig kennen lernen, was ich unter Gastfreundschaft verstehe! Es ist in der Tat sehr bedauerlich, daß wir nicht schon viel früher die Ehre haben durften, Sie und Ihre Frau Gemahlin hier zu bewirten! Bedauerlich vor allem auch in Ihrem eigenen Interesse! Denn. unter uns gesagt, Sie brauchen notwendig einen aufrichtigen Freund, einen Mann, der es ehrlich mit Ihnen meint, und der zugleich Erfahrung und Weltienntnis genug hat, Sie vernünftig zu beraten! Da kommen Sie bei mir nun gerade an den Rechten! Ich hätte Ihnen, wenn Sie sich früher an mich gewendet hätten, gar manchen Tausendmarkschein retten können, und ich werde es als eine Freundschaftspflicht betrachten. Sie wenigstens von jetzt an vor unnötigem Schaden zu bewahren. Es ist ja erbarmungswürdig, mit anzusehen, wie Sie sich ausplündern lassen! Namentlich mit dieser Theatergeschichte! Nein, nein, schütteln Sie nicht den Kopf, mein Lieber! Es ist, wie ich sage! Ich verstehe mich auf diese Sachen!: Habe schon bei mancher Theatergründung meine Hand auch ein bißchen im Spiele gehabt und weiß, wie viele Gauner da immer gleich auf der Lauer liegen, um einem ahnungslosen Einfaltspinsel— Verzeihung, einem Unkundigen, wollte ich sagen— das Geld aus der Tasche zu ziehen!“ Wallberg, der wie auf glühenden Kohlen saß, konnte es nun doch nicht unterlassen, sich durch eine kleine Bosheit schadlos zu halten. „Wenn man Sie sprechen hört, verehrter Herr Volkhardt,“ warf er ein,„könnte man beinahe versucht sein zu glauben, es bestände eine gewisse Seelenverwandtschaft zwischen Ihnen und dem ehrenwerten Herrn Creter, in dessen Händen ich mich bis jetzt befunden hoße“.„ a 4. Aber Paul Volthardt protesnente gegen eine solche Unterstellung mit einem großen Aufwand moralischer Entrüstung. „Was denken Sie von mir, Baron!“ Einen solchen Vergleich dürften Sie nicht einmal im Scherz anstellen! Ich bin ein reeller Geschäftsmann, der einen auf an S• BSEE SAFORSEEEGS S SÄBARSEORUE # 3.. S 201 S 8 55 E:RE E 5 8• S SEURL # F 8.#1 ständige Weise zu erlangenden Vorteil nicht verschmäht — weiter nichts! Mit Wucherern und Blutsaugern aber habe ich nichts gemein! Bei mir heißt es: offenes Spiel und alle Karten auf dem Tisch! Wenn ich einer von dem bewußten Schlage wäre, würde ich mich doch nicht bereitgefunden haben, Ihnen zu helfen! Denn daß das ein besonders verlockendes und aussichtsreiches Geschäft wäre, werden doch am Ende Sie selbst nicht slauben!.., Jimge Pnperstängliches: m. Wallberg brummte etwas unverstandliches, Volkhardt aber rückte noch näher zu ihm heran und legte ihm abermals die Hand auf die Schulter. „Es ist ja auch schließlich nicht bloß Ihretwegen! Soviel ich weiß, kann Ihre Frau Gemahlin auch recht gut einen brauchen, der sie wieder ein bißchen flottmacht!“..„ J.. 9. fa 4 Das war nun doch meyr, als der Baron sich nach seiner Meinung von diesem Plebejer bieten lassen durfte! Während er ihn von unten herauf ansah, hatte er unzweifelhaft das lebhafte Verlangen, ihm einen kräftigen Schlag in das widerwärtig grinsende seiste Gesicht zu versetzen. Weil aber davon unter den obwaltenden Umständen natürlich nicht die Rede sein durfte, begnügte er sich, mit einer Betonung, die ein anderer als Paul Volkhardt unmöglich hätte mißverstehen können, zu sagen: „Meine Frau wollen wir, wenn es Ihnen recht ist, bei unseren geschäftlichen Besprechungen doch lieber aus dem Spiel lassen, Herr Volkhardt!" An der Unverschämtheit des andern aber glitt diese deutliche Mahnung vollkommen wirkungslos ab. „Aber warum denn? Da wir doch gute Freunde werden wollen! Aufrichtigkeit ist nach meinem Dafürhalten immer die erste Voraussetzung der Freundschaft! Und Sie werden sich doch nicht einreden, daß kein Mensch wüßte, wie es auf Schloß Wallberg steht? Die Spatzen pfeifen es ja hier schon sozusagen von allen Dächern! Sehen Sie, die Geschäftsleute auf dem Lande pflegen ja den vornehmen Herrschaften gegenüber sehr geduldig zu sein. Auf die Dauer aber können auch sie nicht ausschließlich von Huld und Gnade leben! Und wenn Sie all Ihr Geld oder das, was Sie sich zusammenpumpen, in das unselige Theater stecken, das schließlich— im Vertrauen gesagt— nichts anderes ist als ein unergründliches Loch, so müssen eben die Gläubiger Ihrer Frau Gemahlin sich in der schweren Kunst des Wartens üben, solange— nun, solange sie eben können oder wollen! Ich——“ Er brach plötzlich mitten in seiner Rede ab und richtete sich mit allen Anzeichen des Erschreckens aus seinem Stuhle auf. Er hatte ein feines Gehör, und er war sicher, sich nicht getäuscht zu haben, als er von der anstoßenden Eingangshalle her das Geflüster einer bittenden weiblichen Stimme und als Antwort darauf das rauhe, spöttische Auflachen eines Mannes gehört zu haben meinte. Er hatte vielleicht die Absicht, hinzuzueilen und sich durch den Augenschein über die Natur dieser seltsamen nächtlichen Zwiesprache zu unterrichten. Aber er kam nicht mehr dazu, ein solches Vorhaben zur Ausführung zu bringen; denn im nächsten Augenblick schon wurde die Tür aufgerissen, und Baron Wallberg erlebte eine Ueberraschung, die ihn anmutete wie eine Szene auf seinem Theater. Der Held dieser Szene sollte allem Anschein nach der unheimlich aussehende, noch jugendliche Mann werden, der da mit einigen raschen Schritten bis in die Mitte des Zimmers trat. Ein Mensch von der äußeren Erscheinung eines Vagabunden mit unordentlichem, wirr in die Stirn hängendem Haar, bleichem, eingefallenem Gesicht und tief in ihren Höhlen liegenden glühenden Augen. Aber so interessant auch immer die Erscheinung dieses hier mitten in der Nacht auftauchenden Mannes sein mochte, sie erregte die Teilnahme des erstaunten Barons zunächst doch in viel geringerem Maße als die schlanke weibliche Gestalt, die ihm auf dem Fuße gefolgt war. Hätte man sich doch kaum einen stärkeren Kontrast ausmalen können, als er zwischen diesen beiden bestand. Der Mann der vollkommene Typus eines heruntergekommenen, lasterhaften Landstreichers, wenn nicht eines Verbrechers,— das Mädchen von unverkennbarer Vornehmheit und beinahe engelhafter Schönheit! Sie war in ein langes weißes Nachtgewand gehüllt, und eine Fülle herrlichen Haares flutete aufgelöst um ihre Schultern. Natürlich fehlte dem mit den Verhältnissen des Hauses nicht vertrauten Gast zunächst jede Erklärung für die Natur des mehr als befremdlichen Auftritts, und das Verhalten seines Gastfreundes konnte nur dazu beitragen, ihn vollends verblüfft zu machen. Denn Paul Volkhardt war beim Anblick des Eindring= lings fast bis an die Wand des Speisezimmers zurückgetaumelt, und sein eben noch von den blühenden Farben der Gesundheit überzogenes feistes Gesicht war bis in die Lippen hinein aschfahl geworden wie das eines von jäher Todesangst gepackten Menschen. Er griff mit den Händen in die Luft und brachte zunächst nur einige unartikulierte Laute über die Lippen. Sein Entsetzen mußte ein geradezu grenzenloses sein! Aber die Anwesenheit des Barons, in dem er wohl einen Beschützer erblickte, verhalf ihm schneller, als es sonst vielleicht der Fall gewesen wäre, zur Wiedererlangung seiner Selbstbeherrschung. Als ob der unheimliche Gast gar nicht vorhanden wäre, wandte er sich an das junge Mädchen: „Was bedeutet das, Angela? Wie kommst du hierher— und in solchem Aufzuge? Warum liegst du nicht längst im Bett?“ Sie sah ihm mit großen tiefernsten Augen in das Gesicht. „Ich kam herunter, Papa, weil ich mir ein Buch aus der Bibliothek hoien wollte. Und da fand ich—.— Sie brach ab und kehrte das Gesicht zur Seite. Wallberg aber war nun wenigstens nach einer Richtung hin orientiert. Also sie war Volkhardts Tochter! Merkwürdig genug! Denn daß dies wunderschöne, feine Geschöpf aus einer Ehe des plumpen Plebejers hervorgegangen sein könnte, wollte ihm schier undenkbar erscheinen. Hätte man sie unter anderen Umständen als eine Tochter dieses widerwärtigen Geldmenschen gezeigt, er würde es einfach nicht geglaubt haben. Die Lösung des Rätsels aber hatte er noch immer nicht gefunden. Denn was konnte eine feine junge Dame, die Tochter des Hauses, mit einem Menschen von der abstoßenden Beschaffenheit des Strolches zu tun haben, dem sie auf den Fersen gefolgt war, als ob irgendein enger Zusammenhang zwischen ihr und ihm bestände? Gespannt blickte er auf seinen Gastfreund, in neugieriger Erwartung dessen, was Volkhardt nun beginnen werde. Der sogenannte Bankier aber war unverkennbar eine Beute sehr widerstreitender Empfindungen. Die Adern an seinen Schläfen waren hoch aufgeschwollen, und er hatte ganz das Aussehen eines von leidenschaftlicher Wut gepackten Menschen. Aber wenn es für einen Moment wirklich schien, als ob er auf den Eindringling zustürzen und ihn an der Kehle packen würde, so ließen im nächsten Augenblick gewisse halb unwillkürliche Bewegungen und ein weiteres Zurückweichen gegen die Wand des Zimmers hin erkennen, daß er in all seiner Aufgeregtheit noch Ueberlegung genug hatte, die Vorsicht als den besten Teil der Tapferkeit anzusehen. (Fortsetzung folgt.) Denkspruch. Der Mensch lebt, um seine Pflicht zu tun und zu sterben. Und das Zweite beständig gegenwärtig zu haben, erleichtert einem das Erlie. Ch. Fontane. Der Alte Fritz als Ehestifter. Historische Novelle von Otto Landsmann. (Nachdruck verboten.) Der Alte Fritz war ein ganz eigener Charätter. Er hatte einen festen Willen, und gegen den durfte beileibe niemand ankämpfen wollen; denn der wäre sofort sein größter Feind geworden. Aber er war ein Soldatenvater, und seine Maxime war die, daß die Armee sich. immer neu gebäre, darum richtete er seine größte Sorge auf seinen eigenen Nachwuchs. Sah er irgendwo ein hübsches Mädchen, stark und gesund, und es stach ihm in die Augen, da ließ es ihm keine Ruhe, bis er ihm nicht einen Bräutigam in Gestalt eines baumstarten Greuadiers gefunden hatte, der mußte dann das Ding vom Fleck weg heiraten, und der Alte Fritz sorgte für entsprechende Aussteuer; er war bei solcher Gelegenheit nicht karg und trank auch wohl zuweilen ein Prosit bei der Hochzeitstafel mit den Brautleuten oder hob das erste Kind aus der Tause, wobei er mit in die Kirche ging und dem Taufakt persönlich anwohnte. An einem sonnigen Tage ritten der Alte und sein Generaladjutant von Derschau wieder einmal durch Potsdam und zum Tore hinaus. Von der Schönheit des Waldes, durch welchen die Herren ritten, bemerkten sie nichts. Obwohl der König kurz zuvor wegen seines Gärtners Verdruß gehabt, da jener es versäumt hatte, eines seiner Lieblingsbeete im Schloßgarten vom Unkraut zu reinigen, machte er jetzt doch ein freundliches Gesicht und schnupfte eine tüchtige Prise um die andere, dabei in tiefe Gedanken versunken; denn er dachte natürlich an seine Riesengrenadier=Bataillone, an seine„lieben blauen Kinder“, während Derschau, der den Kopf hängen ließ, vielleicht an gar nichts dachte. Schon hatte der Alte Fritz seine Westentasche so ziemlich geleert; denn er hatte die Gewohnheit, nicht nur eine volle Dose, sondern auch ein gutes Teil Tabak in der Westentasche bei sich zu tragen, da bemerkte er urplötzlich auf einem Kartoffelacker eine dralle Bauerndirne, schmuck und jung, groß und üppig von Körper, im Gesicht wie Milch und Blut. Dem Alten Fritz leuchteten die Aeuglein geradeso wie einst, da er seine Soldaten hinterm Feinde dreinhauen sah; so voll Lust und Freude schwoll ihm sein altes biederes Herz, daß er nicht umhin tonnte, sein Pferd mit einem Ruck zum Stehen zu bringen. „Derschau!“ „Majestät!“ Der ein wenig zurückgebliebene Adjutant sprengte heran,„„ 6 „Na, sag Er mai, Verschau, was meint Er zu der?“ fragte der König, auf das Mädchen zeigend. Der Adjutant schnalzte mit der Zunge und rief: „Fast sechs Fuß, Majestätigu. „Famos geeignet für den Flugeimann, den Westfalen Wilfert, was?!“ „Jedenfalls, Majestät!“ „Na, dann zitiere Er sie mal her!“ „Heda! Du da! Hierher!“ rief nun der Adjutant und winkte, so daß das Mädchen die Hacke fallen ließ und auf die Reiter zuschritt. Das Herz des Königs hüpfte, als sein Blick noch einmal das Mädchen musterte, und leuchtenden Auges sragte er es: „Wie heißt du?“ „Lise Schulz „Wie alt?“ „Nächsten Monat werde ich achtzehn.“ „Hast du einen Schatz?“ „Nein; von den dreien, die ich hätte haben können, gesiel mir keiner.“ „Kannst du Geschriebenes lesen?“ „Nein, Herr, hab's nicht gelernt.“ „Desto besser!" warf Derschau leise ein. Der König nickte. „Papier und Stist her!“ Der Adjutant zog das Gewünschte aus der Brusttasche und reichte es dem Gebieter. Nur wenig Worte warf der Alte Fritz auf das Blatt. Nachdem er noch einige Minuten seine Kurzweil mit dem Mädchen getrieben, sagte er zu diesem, daß es ihm diesen Brief besorgen müßte. „Da, Lise,“ sagte er,„hast du einen Gulden und diesen Zettel. Den Gulden kannst du behalten, mit dem Zettel aber gehst du nach Potsdam zum Gardekommandanten Oberst Einsiedel. Daß du aber gleich zu ihm gehst, die Sache hat große Eile!“ „Werd's gleich besorgen, Herr!“ rief das Mädchen, dessen Wangen beim Anblick des blanken Geldstückes eine freudige Röte bedeckte. Dann sagte sie„Schönen Dank!“ brachte ihren aufgeschürzten Rock in Ordnung und machte sich auf den Weg nach Potsdam, während der König und Derschau weiterritten. Bis an den Wald war Lise gekommen, als ihr plötzlich die auf dem Felde liegen gelassene Hacke in den Sinn kam. Die neue Hacke! Wenn sie so ein schlechter Kerl findet, stiehlt er sie. Umkehren und die Hacke erst in Sicherheit bringen oder nicht? Aber der Herr hat's gar so eilig mit dem Zettel gemacht. Und der Herr sah doch so vornehm aus; wer's nur sein mag? Während Lise hin und her überlegte, begegnete ihr ein altes Mütterchen, es war die Wehmutter des Ortes, eine ehrliche Witwe von 79 Jahren, welche jetzt in ihrem Hüttchen im Ausgeding lebte. Lise berichtete ihr, was für einen Auftrag sie erhalten, und fragte sie, ob sie lesen könne, was auf dem Zettel stehe. „Wenn ich's doch könnte!“ seufzte die Alte, deren Neugierde erwachte. „Der Herr hat rechte Eile damit," fuhr Lise fort. „Mir aber ist eben eingefallen, daß meine neue Hacke auf dem Felde liegen geblieben. Und du weißt, Diebe gibt's genug. Tu mir's zuliebe, Mutterl, und bring' den Zettel zum Kommandanten! Wenn du wieder zurück bist, sollst du auch einen halben Gulden haben!“ Nicht aus Liebe und Freundschaft, wohl aber des halben Guldens wegen erklärte sich die Alte, die in sehr ärmlichen Verhältnissen lebte, bereit, den Auftrag zu übernehmen. Sie händigte Lisen ihre Kiepe ein, nahm dafür den Zettel und seufzte noch, als die beiden sich schon getrennt hatten.„Gleich morgen würde ich lesen lernen, wenn ich nicht schon zu alt wäre!". (Schluß folgt.) Der. Sebeinwerler. Amerikanische Gehäkter. Ein glücklicher Sterblicher ist Herr Howard Elliott; als er, ein junger Meusch, als schlichter Kommis seine Eisenbahnerkärriere begann, hätte er gewiß Aus Stadt und Umgebung. Nicht nachlassen! Wir haben seit Beginn des Krieges unsere Leser immer und immer wieder aufgefordert, das Gold, das noch im Umlause ist oder zurückgehalten wird, der Reichsbank zuzuführen. In ähnlicher Weise hat fast die gesamte deutsche Presse wiederholt Mahnungen veröffentlicht, die auch erfreulicherweise nicht vergeblich gewesen sind. Der Zufluß von Gold zur Reichsbank hat zwar neuerdings nicht ganz aufgehört, aber doch etwas nachgelassen. Das darf nicht geschehen. Es ist richtig, daß die Reichsbank jetzt, im 12. Monat des Krieges, über einen Goldbestand verfügt, wie man ihn kaum für möglich gehalten hätte. Und doch müssen nach vorsichtiger Schätzung Goldmünzen im Betrage von pund einer Milliarde Mark noch im Volke sein. Das ist eigentlich unbegreiflich, da man allerwärts zur Genüge wissen muß, wie notwendig und wie wertvoll das Gold in der Reichsbank ist. Vielleicht ist die Zurückhaltung des Goldes teilweise dadurch zu erklären, daß die Leute, die es bisher nicht der Reichsbank zugeführt haben, sich nunmehr scheuen, den Schein auf sich zu laden, als ob sie eine vaterländische Pflicht bisher versäumt hätten. Man muß bemüht sein, diesen Leuten den Entschluß, das bisher Versäumte nachzuholen, nach Möglichkeit zu erleichtern. Wie das geschehen kann, das wird von Fall zu Fall geprüft werden müssen. Jedenfälls möchten wir alle unsere Leser dringend bitten, in ihrem Einflußbereiche dafür zu sorgen, daß der Reichsbank auch das letzte Goldstück zugeführt werde. Gerade aus unserem Leserkreise sind uns überaus erfreuliche Mitteilungen über eifrige und erfolgreiche Tätigkeit in dieser Richtung zugegangen,— Mitteilungen von denen wir früher bisweilen unseren Lesern Kenntnis gegeben haben. Es ist beispielsweise deutschen Frauen gelungen, Tausende von Mark in Gold zu sammeln und der Reichsbank zur Verfügung zu stellen. Die Schüler sind zu diesem Zwecke in Bewegung gesetzt worden. Man hat Belohnungen ausgesetzt und andere Mittel angewandt, um die Sammeltätigkeit zu fördern und zu beleben. In solcher Tätigkeit nicht zu erlahmen, sondern sie immer wieder mit aller Kraft und mit aller Klugheit aufzunehmen, ist eine unabweisbare vaterländische Pflicht, der sich niemand entziehen darf. **(Gegen den Lebensmittelwucher.) Die Entrüstung über den betriebenen Nahrungsmittelwucher steigt und es regen sich überall Abwehrbestrebungen. Die Gesamtvorstandschaft des Nationalliberalen Vereins München ersucht in einem Beschluß die nationalliberale Fraktion des Reichstags, sowie die liberale Vereinigung des bayrischen Landtags, an maßgebender Stelle gegen die durch gewissenlose Spekulanten hervorgerufene Teuerung aller Lebensmittel aufzutreten. Die Meinung wird ausgesprochen, daß diesem Zustand der Bewucherung unseres Volkes nur durch sofortiges Eingreisen der Reichsregierung ein Ende gemacht werden könne. **(Eine reiche Honigernte) wird für dieses Jahr von den Bienenzüchtern vorausgosagt. Während der Obstblütezeit hatten die Bienenvölker reichliche und kräftige Nahrung finden können und die Lindenblüte wird für die Honigernte von weiterem Vorteil sein. Leider steht zu befürchten, daß trotz der reichen Honigernte auch die Preise für Honig in die Höhe gehen werden. *s(Städtischer Reisverkaus.) Da sich bei dem bisherigen Verfahren einige Unzuträglichkeiten herausgestellt hatten, sind die Bedingungen, welche für den Verkauf des von der Stadt angeschafften Reis maßgebend sind, etwas geändert. In Zukunft wird für jede Familie wöchentlich nur 1 Pfd. abgegeben und zwar nur gegen Vorlage der Brotkarten, auf deren Rückseite der Einkauf von Reis vermerkt wird. Diejenigen Lebensmittelgeschäfte, welche den Verkauf an die Bürgerschaft übernehmen wollen, müssen sich verpflichten, nur diese Sorte Reis zu führen, oder aber für anderen Reis keinen höheren Preis als den von der Stadt festgesetzten— 35 Pfg. für das Pfund— zu nehmen. Seitens der Verkäufer ist auch eine Liste über den Verkauf der von der Stadt gelieferten Reismengen zu führen. **(Ernteurlaub.) Hierzu bringt die Landwirtschaftskammer in Ergänzung einer früheren Bekanntmachung zur Kenntnis, daß nach Verfügung des stellvertretenden Generalkommandos vom 24. Juni d J. bei den Herren Landräten und Oberbürgermeistern etwa noch eingehende Anträge auf Beurlaubung von Mannschaften aus den Ersatztruppenteilen des 7. Armeekorps zur Getreideernte bis zum 10. Juli dem Generalkommando vorzulegen sind. Man wolle sich daher rechtzeitig gegebenenfalls durch Vermittelung des Amtes an das Landratsamt oder Bürgermeisteramt(nicht aber an die Landwirtschaftskammer) wenden. **(Beförderung.) Herr Kaufmann Ermert vom Königsplatz, der seit Kriegsbeginn auf dem östlichen Kriegsschauplatz kämpft, vor einigen Monaten mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und sich augenblicklich infolge einer Vernurde wundung durch Rücenschuß in der Heimat auf Erholungsurlaub befindet, wurde zum Feldwebelleutnant befördert. ** Syburg, 7. Juli.(Einbruch.) In vorgestrigen Nacht wurde bei dem Kaufmann Heinrich Bovensmann ein Einbruch verübt. Nach Zertrümmerung eines Fensters sind die Spitzbuben in den Laden gelangt und haben dort größere Mengen Waren aller Art gestohlen. Ein hier auf Urlaub befindlicher Soldat überraschte die Einbrecher bei ihrer Tätigkeit und nahm er einem derselben, der„Schmiere“ stand, die Invalidenkarte ab. Es handelt sich um drei jüngere Arbeiter aus Dortmund. Die dortige Kriminalpolizei hat einen der Spitzbuben bereits festgenommen. Syburg, 7. Juli.(Zweimal Lebensretler in einer Stunde.) Am Sonntag badeten mehrere junge Leute unterhalb der Hohensyburg in der Nähe der Ruhrfähre. Gegen 4 Uhr kam ein junger Bursche in die Strömung und wuurde in die Tiefe gerissen. Mitglieder einer Jugendwehr, welche sich gerade übersetzen ließen, machten Herrn Schulte, den Besitzer der Ruhrfähre, darauf aufmerksam. Derselbe sprang kurz entschlossen in die Ruhr und rettete so den Jungen. Ungefähr ¾ Stunden später ereignete sich derselbe Fall. Wieder hatte sich ein junger Bursche zu weit ins Wasser gewagt. Diesen gab man bereits verloren, da er schon längere Zeit unter Wasser war. Noch einmal sprang Schulte ins Wasser und rettete auch diesen. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg. Es wäre wohl angebracht, wenn das Baden an dieser Stelle polizeilich verboten würde. ** Hennen, 7. Juli.(Goldene Hochzeit.) Das seltene Fest der goldenen Hochzeit begehen am heutigen Tage die Eheleute Anstreichermeister Diedr. Heetmann. Den vielen Glückwünschen, die dem Jubelpaare von allen Seiten zugingen. schließen wir die unserigen gern an; mögen den beiden Alten noch lange Jahre gemeinsamen Erdenwallens beschieden sein.— Anläßlich der heutigen Feier ist dem Gold=Brautpaar die Ehejubiläumsmedaille verliehen worden. ** Hennen, 6. Juli.(Kriegerverein.) Am Sonntag tagte im Vereislokal Wilh. KirchhofsLehmuser die Hauptversammlung des Krieger= und Landwehrvereins Hennen, welche vom Vorsitzenden Kamerad Wilh. Bimberg mit einer Ansprache über die gegenwärtige ernste Zeit eröffnet wurde. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete Versammlungsleiter zwei jungen Kameraden im Bezirk, Fritz Becker=Rheinen und Fritz Workenhoff==Hennen, die den Heldentod erlitten haben, einen ehrenden Nachruf, worauf die Versammlung das Andenken der tapferen Streiter durch Erheben von den Sitzen ehrte. Wiederum wurden an unterstützuingsbedürftige Mitglieder Beträge bewilligt. Der zweite Vorsitzende Kamerad Heinr. Westhoff dankte im Namen der Familie Heinrich BeckerRheinen für die große Beteiligung bei der Beerdigung ihres gefallenen Sohnes. Ein Kriegsvortrag des Kameraden Lehrer Loose fand großen Beifall. * Iserlohn, 7. Juli.(Bravo!) Nach einem Beschluß des landwirtschaftlichen Kreisvereins Iserlohn wird der Milchpreis auf 20 Pfg. belassen. Die Landwirtschaft bringe lieber ein kleines Opfer, als daß sie ein wichtiges und für die Sänglingspflege unentbehrliches Nahrungsmittel verteuere. Das patriotische und von sozialem Empfinden getragene Verhalten der Lendwirtschaft des Kreises Iserlohn verdient Anerkennung und Nachahmung. Briefkasten. Mehrere Kriegerfrauen. Ihre Einsendung in allen Ehren, aber besser wäre es doch gewesen, Sie hätten uns auch angegeben, von wem dieselbe stammt. Zuschriften ohne Namensnennung werden ohne Ausnahme dem Papierkorb anvertraut. Wetterbericht der deutschen Seewarte. -Vielfach heiter, schwül, warm. 10.—Meist trocken, Gewitterluft. Jerantwortich für die Redaktion Friede Kräas, Druc u. Verlag von Carl Braue, beide in Schweartt. beginnen Samstag, den 10. Juli, vormittags 8 Uhr mit unserem gewaltigen Saison- Ausverkauf. Freitag erscheint unser Angebof! Iserlohn. MGTE Neue Bekanntmachung. Die Führer von Fuhrwerken werden wiederholt ermahnt, beim Kreuzen von Schienenwegen der Eisenbabnen und Kleindahnen die größte Vorsicht zu beobachten, da sie im Falle der Unachisamkeit sowohl ihr eigenes Leben gefährden als sich auch einer erheblichen Bestrafung auf Grund des§ 316 R.=Str.= S.=9. aussehzen. 3952 Hörde, den 29. Juni 1915. Der Landrat. gez. Dr. Burchard, Regierungs=Assessor. Marularurpapier enhell Büles Carl Lraus. Schwerte(Nuhr) Posten gresse Gießptrenen das Stück. Preise wie in der billigsten Zeit. Neue Zwiebeln l mung umeenm. empflehlt L. 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