Ie Stumin Seiuer uben uand euder Feiertags. Bezugsprets##. Adritch, dei den Post iwe Dehelgen 41 Ple wedr. Wöchentl. Grastsdetlage:„Jkustrierin Samilienfreund“ u. tagl. Unierbaitungsblatt. Anzeigenpreis: Die Bedengespaltene PeutzellSde deren Raum 10 Plg., Aazeiges gun amspars 15 Pig, Rehlamegzüs 40 Pfo. Joder Radau gil ale Kassamdal a. erischf be NosLodien, Zwangssergleichen, gentchu. Alagn a; Sethrchant wrct Setiuspsiene! Alkrüches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblan Verbunden mit: für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Sowerter Golkszeitung Schwerker Tageblatt O Schwerter Anzeiger Gestes und Afeltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis Börde o Haupt- Kononcenblan une dete und ibeenhgichn durn aungen ir dee Autu hürte erlngen guss Behanspnahung der Aöntgichrn Negiarung dorh Oeresenlichung ie du„Gcmurem Jatung“ zuchiwoerdiadliche Ausfl.— Dte „Schwertr Zetuag“ gewobn ihers Ubsname un it jebes an Teh enbschen Uetel v. dagungen: 300 Mk. Unsall. Druch u. Verlage. Cor Brova. Schoum. R. Ferais 62. Teigr. Vdr. Drouse Nr. 156. Mittwoch, den 7. Juli 1915. 47. Jahrgang. Schwers=Aier, Der Grattentel! Ueber 11 500 Russen gefangen.— Französische Angriffe abgewiesen. Deutsche A=Bodle in den Barbantelten! Söldnergesinnung. Die englische Regierung wird nicht nur von sichtbaren Sorgen gequält. Ist die Munition knapp und muß das leidige Geld, ohne das die lieben. Bundesgenossen nun einmal nicht von der Stelle zu bringen sind, mit allen Mitteln einer vielerfahrenen Rattenfängerkunst zusammengescharrt werden, so weiß man wenigstens, wo Anfang uund wo Aufhören ist. Wenn aber zu allem sonstigen Elend noch sittliche Mängel des Volkswesens hinzutreten, die sich nicht mit Händen greifen lassen, obwohl sie die moralische Kraft der Kampfführung empfindlich schwächen, ja vollkommen aufheben, dann ist ein guter Rat erst recht teuer. Der Unsegen ihres Söldnertums wird den Engländern jetzt deutlich zum Bewußtsein gebracht. Das auf die Dauer abstoßend wirkende Werbeagententum läßt das Land nicht zur Nuhe kommen. Mochte zu Anfang Abenteuerlust und Kampfeifer sich als Zutreiber für die berühmte Kitchener=Armee bewähren, so hat doch der Zusammenbnuch aller prahlerisch angekündigten Offensivstöße in Verbindung mit den stattlichen Verlustlisten, die täglich jetzt in London veröffentlicht werden, eine erhebliche Abkühlung der Gemüter zur Folge gehabt. Nun bekommt man zu hören, warum es mit den Werbungen nicht mehr recht vorwärts gehen will; die guten Engländer verdienen nicht genug bei dem Geschäft, für das die Regierung sie engagieren möchte. Nicht die Wehrpflicht sei nötig, meint die Zuschrift an ein liberales Regierungsblatt, die jungen Leute zum Eintritt in die Armee zu veranlassen, sondern einfach höhere Löhnung. Die jungen Leute ließen sich nicht für einen Schilling Deutscher Tagesbericht. wtb. Großes Hauplquarlier, 6. Juli 1915. #estlicher Kriegsschauplatz. Nachts wurden zwei französische Angriffe bei Les Eparges abgewiesen. Die Beute des Erfolges am Priesterwalde hat sich um 1 Feldgeschütz und 3 Maschinengewehre erhöht. Außerdem fiel 1 Pionier= park mit zahlreichem Material in unsere Hand. Unsere Flieger griffen den Flugplatz Corcieux, östlich von Epinal, und ein französisches Lager am Breitkirch, östlich von Krüt, in den Vogesen an. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heute am frühen Morgen wurde der starkbefestigte Wald südlich Biala Bloto(westlich der Straße Suwalki— Kalwarja) erstürmt. Dabei nahmen wir etwa 500 Russen gefangen. Südöltlicher Kriegsschauplatz. Die Lage bei den deutschen Truppen ist unverändert. Oberste Heeresleitung. Oesterreichischer Tagesbericht. Tagessold anwerben. Die Eltern täten alles, um ihre Söhne daran zu verhindern. Man könnte ihnen höchstens 3½ Schilling wöchentlich zuschießen, während die Soldatenfrauen ein Pfund wöchentlich erhielten, es also besser haben, als jemals vorher. Man zahle dem Unverheirateten ein Psund wöchentlich, und er werde in die Armee eintreten. Die Zuschrift bezeichnet es als eine Schande, daß Englands Regierer und Kriegsherren die pekuniäre Seite eines auskömmlichen Lohnes für die Soldaten außer acht ließen. Das könne jedermann hören, der dritter Klasse auf der Eisenbahn fährt. Nun weiß also die Regierung, worauf es ankommt. Sie kann sich für die Vergangenheit damit entschuldigen, daß sie alle Hände voll damit zu tun habe, die Lohnforderungen der Arbeiter zu bes friedigen. Ohne Kriegszulage scheint ja kein Mensch in England mehr seine Pflicht tun zu wollen. Für das zweite Kriegsjahr wird sie aber erneut tief in ihren Säckel greifen müssen, denn in Geldsachen hört nun einmal auch für das Söldnerzum die Gemütlichkeit auf. Welcher Unterschied aber hüben und drüben! Bei uns der Gedanke der allgemeinen Wehrpflicht, der das ganze Volk eint in freiwilliger Hingabe an Kaiser und Reich; in England zuerst die Frage an die Regierung: was zahlst du mir, wenn ich mich für dich totschießen lassen soll? Ein wahrer Abgrund klafft hier zwischen deutschem und britischem Volksempfinden, uund es steht völlig außer Frage, auf welcher Seite die höheren sittlichen Kräfte liegen, die unweigerlich den Endausgang des gewaltigen Ringens bestimmen müssen. Selbstverständlich wird auch bei uns für das materielle Wohl des Soldaten nach allen Richtungen hin ausreichend gesorgt. Aber wie und in welchem Maße das zu geschehen hat, ist wtb Wien, 7. Juli.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 6. Juli 1913: Russischer Kriegsschauplatz. Durch die Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand in der zweiten Schlacht bei Krasnit geworsen, ziehen sich die Russen in nördlicher und nordöstlicher Richtung zurück. Die Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand dringt nach gelungenem Durchbruch unter neuen erfolgreichen Kämpfen weiter vor und erkämpfte gestern die Gegend von Gielczew und die Höhen nördlich der Wyenica. Unter dem Drucke dieses Vorgehens wich der Gegner auch am Wieprz über Tarnogora zurück. Die in diesen Kämpfen eingebrachte Beute hat sich auf A1 Offiziere, 11500 Mann und 17 Maschinengewehre erhöht. Am Bug und in Ostgalizien ist die allgemeine Lage unverändert. An der Zlota=Lipa und am Dujestr herrscht Ruhe. Italienischee Kriegsschauplatz. Die Kämpfe im Görzischen, die in den letzten Tagen einen immer größeren Umsang anEin stanzösischer tu. Konstantinopel, 6. Juli 1915. Ein französisches Transportschiff wurde gestern vor den Dardanellen durch ein deutsches U. Boot torpediert. Es war ein großes Schiff, welches etwa 1500 Mann an Bord hatte. Wieviel davon gerettet werden konnten, ist bisher noch nicht festgestellt worden. Voraussichtlich sind viele Menschenleben verloren gegangen, da das Schiff schnell sank. * Berlin, 7. Juli. Zu der Nachricht von der Versenkung eines französischen Truppentransportdampfers wird dem„Lokalanzeiger“ aus Konstannahmen, entwickelten sich gestern durch den allg'meinen Angriff der italienischen 3. Armee zur Schlacht. Etwa vier feindliche Korps gingen unter mächtiger Artillerieunterstützung gegen unsere Front am Görzer Brückenkopf bis zum Meere vor. Sie wurden vollständig zurückgeschlagen und erlitten furchtbare Verluste. Dank der über alles Lob erhabenen Haltung unserer vortrefflichen kriegsgewohnten Truppen, besonders der tapferen Insanterie, blieben alle unsere Stellungen unverändert in unseren Händen. So halten die Helden an der Südwestgrenze der Monarchie starke und treue Wacht gegen die Ueberzahl des Feindes. Sie können des Dankes aller Völker ihres Vaterlandes und der im Norden von Sieg zu Sieg eilenden Armeen sicher sein. Am mittleren Isonzo, im Krn=Gebiet und an den übrigen Fronten ereignete sich gestern nichts Wesentliches. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoeser, Feldmarschall=Leutnant. tinopel gedrahtet, daß der versenkte Truppentransportdampfer etwa 2000 bis 3000 Mann an Bord hatte. teilt zu haben, so wissen wir, daß dann immer noch die Engländer übrig bleiben, die den meisten Deutschen jetzt wohl als unsere eigentlichen Todfeinde erscheinen und deren Zähigkeit von niemanden unterschätzt wird. Der Schlußkampf gegen diesen stolzen und überheblichen Gegner wird gewiß nicht leicht sein. Wir wollen aber nicht vergessen, daß sein Machtbewußtsein lediglich auf materiellen Faktoren ruht, während die stärksten sittlichen Kräfte in Volk und Führung auf unserer Seite streiten. — Die Vierverbändler unter bb Wien, 6. Juli. Aus zuverlässiger Quelle stammende Nachrichten bestätigen, daß die Mitzhelligkeiten im Schoße des Vierverbandes an Heftigkeit stark zunehmen. Auch die maßgebendsten russischen Kreise beschweren sich aufs lebhafteste darüber, daß Rußland, obwohl es bisher militärisch die Heuptarbeit leistete, während der letzten großen Kämpfe durch die Franzosen und Engländer an der Westfront ganz unzureichend unterstützt wurde. Andererseits wächst in Paris die Verstimmung gegen England, einmal wegen zu geringer englischer Nachschübe an der Westfront, wobei es besondere Erregung erzeugte, daß in England jüngst offen ausgesprochen wurde, England werde den Krieg erst im nächsten Frühjahr gänzlich vorbereitet führen können. So lange kann man in Paris nicht warten. Ferner wirft man den Engländern vor, daß sie im bisherigen Kriegsverlaufe fast nur die Wahrung der eigenen Handelsinteressen hatten und dabei die englische Marine fast leistungsinfähig blieb. In England u. Frankreich aber ärgert man sich über Italien, weil sich dieses nicht zur Mithilfe an der Dardanellenaktion entschließen kann. In Paris werden die militärischen Operationen schon offen verhöhnt. Die italienische Regierung beschwert sich dagegen über die Unzulänglichkeit der versprochenen englischen Geldmittel, sowie darüber, daß der montenegrinische und serbische Vorstoß nach Albanien in Paris und Lon“ don unverhohlen gebilligt wird. Allem Anschein nach Bird die albanische Frage noch zu ernsteren Mißhelligkeiten Anlaß geben. 7 große deutsche U=Boote im ägäischen Meer. tu Athen, 7. Juli. Die Nachrichten über das Erscheinen von 7 deutschen U=Booten großen Typs im ägäischen Meer riefen die größte Befürchtung in den Kreisen der dorthin gesandten Marinestreitkräfte hervor, da es sich im Laufe der Unternehmungen gezeigt hat, daß die einzige wirdingsvolle Schutzmaßnahme gegen die U=Boote die Zurückziehung aller großen Schiffseinheiten war. Eine öftere Wiederholung dieser Taktik vor den Dardanellen würde aber nach den Ansichten von Fachleuten für die verbündete Landarmee auf Gallipoli ein katostrophales Ende bedeuten. schon in Friedenszeiten festgelegt und bedarf während des Krieges höchstens in diesem oder jenem Punkte einer ergänzenden Nachhilfe, da ja erst die Erfahnung die beste Lehrmeisterin ist. Aber selbst, wenn sich vorübergehend Mängel zeigen, sei es in Verpflegung oder Versorgung, sei es im Felde oder in der Heimat, wem wäre es schon einmal eingefallen, deswegen zu murren? Die sittliche Erziehung unseres Volkes hilft über solche Nebendinge mühelos hinweg, und alles Sinnen und Trachten bleibt unweigerlich auf die Rettung des Vaterlandes gerichtet, dem alle Einzelinteressen willig untergeordnet werden. Gegen so geartete Volksgesinnung wird englisches Söldnertum vergebens anstürmen. Wenn wir hoffen dürfen, den russischen Niesen über kurz oder lang gefesselt und unsere Nachbarn im Westen militärisch und wirtschaftlich zur Ohnmacht verurEine Nordseekonferenz? Die kleineren germanischen Nordmächte werden von England in diesem Kriege besonders schlecht behandelt, da sie nicht die rechte„englische Auffassung“ von der Nautralität haben. Wenn sich Dänemark oder Schweden darüber beschweren, daß englische Kriegsschiffe ihre ganz unverdächtigen Handelsdampfer nach dem allgemeinen Durchsuchungshafen Kirkwall verschleppen, wo die Postsäcke völkerechtswidrig durchsucht werden, oder darüber Klage führen, daß englische Minen eine schwere Gefahr für ihre Handelsflotte bilden, so hat England nichts weiter dafür, als ein schlecht maskiertes höhnisches Lächeln. England fühlt sich eben als Herr der Meere und achtet die Rechte anderer Völker nicht einen Pappenstiel. Selbst der enge Zusammenschluß der drei nordischen Reiche, den die gemeinsame Not nach Kriegsausbruch zustande brachte, imponiert den Engländern nicht allzusehr. Sie glauben, zu wissen, daß die Nordreiche wohl bellen, aber nicht beißen können, da sie über keine nennenswerte Flottenmacht verfügen. Eng land kann eben nur imponieren, wenn man energisch zubeißt und sich mit aller Energie eseiner Willkür widersetzt. Das norwegische Parlament hat die Einberufung einer Nordseekonferenz vorgeschlagen, auf der neben Norwegen, Schweden und Dänemark auch Holland vertreten sein soll. Der Zweck dieser Konferenz soll der sein,„gerechtere Verhältnisse für die neutrale Nordseeschiffahrt zu erzwingen“. Wenn man das so hört, könnte es leidlich scheinen. Erzwingen!? Fragt sich nur wodurch. Mit Protesten ist England gegenüber gar nichts zu erreichen. Aber haben wir Deutschen unseren nerdischen Vettern nicht den rechten Weg gewiesen? Verfügen die Nordreiche nicht auch über U-Boote, mit denen sie ihre Handelsschiffe schützen können?„An Handelsschiffe, die von U-Booten geleitet werden, würde sich Albion bestimmt nicht ran trauen. Oder traut man sich nicht, dieses Mittel anzuwenden? Man will doch nichts erreichen, als„gerechtere Verhältnisse für die neutrale Nordseeschiffahrt“ Wir Deutschen haben solche gerechten Verhältnisse stets anerkannt. Wie die schwedische Presse meldet, hat Deutschland die bei der Versenkung eines schwedischen Dampfers beschlagnahmten Postsäcke „uneröffnet nach Stockholm geliefert". Für uns ist das selbstverständlich, denn wenn wir auch in erster Linie für unser bedrängtes Vaterland kämpfen, so ist unser Kampfesziel doch auch das, aus unserem Siege„die Gerechtigkeit auf dem Meere" wieder zu proklamieren, die Englands Seehochmut zu einem Gespött der Menschheit gemacht hat. Wir kämpfen um unsere Seegeltung, um unsere Weltgeltung— aber wir verlangen nicht mehr als das Recht auf freie Entfaltung unserer Kräfte, nicht, wie England, Unterdrückung aller anderen Völker, die mit der Möglichkeit ihrer Kräfte nach demselben Ziele streben. Wir wollen nur hoffen, daß das bald alle Neutralen einsehen und dadurch genau wissen, auf wen sie ihre Zukunftshoffnungen zu stützen haben. Auf England ganz bestimmt nicht! Kommt die Nordseekonferenz wirklich zustande, so werden auf ihm alle gerecht denkenden Männer zu erzählen wissen von englischem Seehochmut und von deutscher„Seegerechtigkeit". Möchten dann den Worten energische Taten folgen. Der Energie duckt sich England, für protestierende leere Worte hat es nichts als ein Hohnlächeln. Der Rlles Begen Tinhlant! Siegreich den Russen nach! tu Berlin, 6. Juli. Der Kriegsberichterstatter des„Berliner Lokalanzeigers“, Kirchlehner, meldet aus dem k. k. Kriegspressequartier: Die Geographie des Raumes, in welchem österreichisch=ungarische und deutsche Truppen den in heftigen und mit starken Kräften geführten Kämpfen sich systematisch zurückziehenden Russen siegreich nachdrängen, ändert sich alle 24 Stunden. Heute kann im Raume längs der Linie von Kamionka=Strumilowa bis zu der an der wichtigen Eisenbahnlinie Lemberg—Brody unmittelbar in der Nähe des Kreuzungspunktes mit der Linie Tarnopol=Lemberg liegenden Ortschaft Krasne nur von Verfolgungskämpfen gesprochen werden. Am Bug bei Krylow brachte der russische Rückzug um Wieprz für uns erfolgreiche Kämpfe; im nördlichsten Alschnitt ein beiderseits Krasnik in die russische Front gestoßenes klaffendes Leck und weiterhin siegreiches Vordringen der Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand, während am südlichen Abschnitt die österreichischen und deutschen Truppen der Armee Linsingen den Russen ihre Stellungen am westlichen Ufer der Zlota=Lipa unhaltbar machten. Hierbei wurden viele Tausende Russen gesang'n. Karte zu den Kämpfen im Priester-Wald. Zur Ergänzung der Gesamtlage kommt noch das Abweisen italienischer Angriffe. Verstimmung zwischen Rußland und seinen Verbündeten. tu Konstantinopel, 7. Juli. Die Anzeichen einer ernstlichen Verstimmung zwischen Rußland und seinen Bundesgenossen tritt immer deutlicher zutage. Der Zar hat den Flügeladjutanten, General Sandanski, nach Paris gesandt, um die Franzosen und Engländer zu einer energischen Aktion gegen die deutsche Westfront zu veranlassen. Sehr enttäuscht ist man in Petersburg auch, daß die Italiener bisher keine Erleichterung der militärischen Situation der Entente herbeigeführt haben. Der Schrei der Russen nach Wahrheit. tu Kopenhagen, 7. Juli. Die Beunruhigung des russischen Volkes über die wahre Kriegslage, die nur teilweise von der Presse veröffentlicht werden darf, greift immer mehr um sich. Dem„Rußki Invalid“ gingen zahlreiche namenlose Drohbriefe zu, daß der Heuchelei jetzt ein Ende gemacht und die Kriegslage, wie sie tatsächlich sei, geschildert werden müsse. Zu dieser Beunruhigung trägt auch eine Bekanntmachung des Gcuverneurs von Lublin bei, wonach alle Männer für den Fall, daß das russische Heer geschlagen wird, von den Behörden gezwungen werden, in das Innere des Landes abzureisen. Sie werden aufgefordert, den Anordnungen des Gouverneurs zu folgen, damit sie nicht in die Hände des Feindes fallen und diesem zur Ergänzung seiner Truppen dienen. Wie die Kosaken in der Bukowina hausten. wtb Wien, 6. Juli. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Die russischen Truppen, insbesondere Kosaken, haben im Mai in der nördlichen Beikowina viele Greueltaten begangen. Nachträglich sind noch folgende Ausschreitungen festgestellt worden: In Kotzmann wurden die Gebäude der Bezirkshauptmannschaft, des Gemeindeamtes, des Bezirksgerichtes, des Postamtes, des Gymnasiums, sowie sämtliche Geschäftsläden und die Privatwohnungen der Beamten vollständig ausgeplün' dert. Verwüstet wurde ein Meierhof des griechischorientalischen Religionsfonds in Zahorby; drei Privatmeierhöfe und mehrere Wohnhäuser wurden niedergebrannt. Ein 2½jähriges Mädchen wurde geschändet, eine 75jährige Greisin genotzüchtigt. Aus drei Dörfern in der Umgebung von Kotzmann wurden 35 Männer, 18 Frauen, darunter eine Wöchnerin, und 54 Kinder, ferner aus 7 Dörfern des Zastawna=Bezirkes 80 Männer, 24 Frauen und 222 Kinder weggeschleppt. Das Ende des„Albatroß". Aus Oestergarn auf Gotland wird noch weiter berichtet: Vier schwedische Fahrzeuge umlagern den gestrandeten„Albatroß“ und übernehmen Munition, Proviant usw von dem deutschen Schiff. Der „Albatroß“, liegt hnapp 150 Meter vom Seeufer entfernt nach Backbord über. Der Vordermast ist heruntergeschossen, die beiden Schornsteine stehen noch, ebenso der Hintermast. An Backbord klaffen gewaltige Löcher über der Wasserlinie, auch unter Wasser soll das Schiff ein Leck aufweisen, während die Maschinerie merkwürdigerweise völlig intakt geblieben ist. Einen schrecklichen Anblick bietet das Deck. Dort sieht man einen Wirrwarr von geborstenen Stahlplatten, zerrissenen Eisendrähten, Glas und Holz. Die 500 Granat= und Schrapnellschüsse, die die vier russischen Panzerkreuzer gegen den kleinen„Albatroß“ geschossen haben uund die Geschosse aus ihren großen gewaltigen Geschützen haben naturgemäß gegenüber der bescheidenen Artillerie unseres Minenfahrzeuges blutige Arbeit verrichtet, wenn auch„Albatroß" tatsächlich nicht durch das russische Geschwader, sondern durch das absichtliche Auflauen außer Gefecht gesetzt worden ist. Mit stolzem Gefühl konnte am Samstag die Kriegsflagge niedergeholt werden. Es war eine ergreifende Zeremonie. Als nach einer kernigen Ansprache des selbst leicht verwundeten Fregattenkapitäns West die unbesiegte Flagge sich unter dreimaligem Hurra=Ruf der überlebenden und verwundeten Offiziere uund Mannschaften senkte, entblößte der größte Teil der nahe am User versammelten Volksmenge das Haupt. Die Fürsorge, die die Schweden den Gräbern der gefallenen Soldaten angedeihen lassen, ist geradezu rührend. So liegt oft neben prächtigen Blumenspenden ein kleines Sträußlein Butterblümchen und auf einem angehefteten Stückchen Papier steht in ungelenker Schrift auf schwedisch zu lesen:„Von Euren Freunden". Die Seeschlacht in der Ostsee. bb Kopenhagen, 7. Juli. Aus Petersburg wird an Ritzaus Bureau eine sehr ausführliche Schilde rung über die Seeschlacht in der Ostsee gedrahtet. Aus dem Bericht geht hervor, welche russischen Kreuzer sich an dem Kampfe beteiligt haben, näm lich„Nurik“,„Makarow“,„Bajan“,„Bogatyr“ uund „Oleg". Zum Schluß wird gesagt: Unsere Schiffe sind nur in geringem Maße beschädigt worden, unsere Verluste an Gefallenen und Verwundeten betrugen insgesamt etwa 14 Matrosen(?) Als unsere Abteilung sich der Küste näherte, wurde sie mit den Schlachtschiffen von unseren Torpedojägern empfangen, die sie gegen die feindlichen Untersee boote beschützten, die schon vorher von unseren Wachtschützen entdeckt worden waren. Eines dieser Unterseeboote versuchte, den„Rurik“ anzugreifen, aber der Torpedojäger„Wnimatelny“ griff das Unterseeboot an, beschoß es und versuchte es zu rammen. Das Endresultat dieses Gegenangriffes ist nicht bekannt. Eine Untersuchung des Torpedojägers zeigte, daß sein Rumpf beschädigt war und es beim Zusammenstoß einen großen Riß, erhalten hatte. Die Panzerkreuzer der„Rurik“=Klasse sind in den Jahren 1906 bis 1908 erbaut worden.„Rurik“, verdrängt 15400 Tonnen und„Makarow“ und „Bajan“ je 8000 Tonnen. Diese Kreuzer sind schwer bestückt.„Oleg“ und„Bogatyr“ sind je 6800 Tonnen groß und 1903 und 1901 erbaut worden. Revolutionäre Umtriebe in Rußland. tu Sofia, 7. Juli. Aus Petersburg wird gemeldet: Der Gehilfe des Ministers des Innern, General Dschunkowski, habe sich an der Spitze einer besonderen Kommission in die Bezirke Charkow und Odessa begeben, aus denen äußerst beunruhigende Berichte vorliegen. Der Kommandant von Moskau hat an den Minister des Innern einen Bericht erstattet, demzufolge 220 Studenten bei einer geheimen Versammlung von der Geheimpolizei da hei überrascht wurden, wie sie revolutionäre Aufrufe gegen den Zaren, gegen den Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch uund gegen den Krieg vorbereiteten. Ferner wurden bei ihnen Papiere vorgefunden, aus denen hervorgeht, daß in Petersburg und Charkow Zweigorganisationen der neuen Moskauer revolutionären Vereinigung bestehen, die in Petersburg und Charkow Unruhen ins Werk setzen sollten. Die Ermordung des Stadtkommandanten von Moskau und des Moskauer Bürgermeisters waren geplant. Weiter wurden durch das Los 10 Studenten bestimmt, die nach Petersburg abgereist sind, um Attentate auf hochstehende Persönlichkeiten zu ver üben. Man glaubt Beweise dafür zu haben, daß die Verschwörer in Offiziersuniformen Moskau verlassen haben. Ihr Ziel ist, ins Hauptquartier einzudringen, um an den Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch heranzukommen. Der Kiles gegen Tagland. Gedrückte Stimmung in England. In einem Bericht des„Rotterd. Cour.“ über die politische Stimmung in England heißt es u. a.: Namentlich drückt die Rückeroberung Galiziens durch die Deutschen auf die Gemüter. Die Militär. sachverständigen der Presse halten der Bevölkenung zwar vor, daß die russischen Heere sich ungebrochen Tornige Wege. Roman von J. v. Düren. 37 „Frau Rat bestand noch auf der Heimfahrt am späten Abend, auf die wir ungefähr drei Stunden rechnen konnten. Unterwegs traf uns das Unwetter. Automobil rannte gegen einen Güterzug, dessen Sigual wir in der schauerlichen Nacht bei dem tosenden Sturm und wolkenbruchartigen Regen nicht hörten. Es wurde zerschmettert, Santen unter den Trümmern begraben.“ Ernestine war zurückgesunken. Fahle Blässe bedeckte ihre Wangen. „Und— und Magdalene?“ „Die gnädige Frau ist nicht so schwer verletzt. Sie wird hergebracht, vorläufig wohl noch bewußtlos. In kurzer Zeit kann sie hier sein. Der Chauffeur bringt Santen heim. Bereiten Sie schnell ein Lager. Bitte den Herrn Rat in Kenntnis zu setzen.“ Er verbeugte sich abschiednehmend. Hoffentlich kostet das Unglück kein Menschenleben. Alser aufsah, blickte er in Ernestines trostloses Gesicht. Mitleid mit der stummen Verzweiflung überkam ihn. Unwillkürlich erfaßte er ihre herabhäugende Rechte und führte sie an die Lippen. „Mut— Gnädigste— Mut. Wir haben alles getan, was in unseren Kräften steht. Noch ist nicht alles verloren.“ Kaum hatte sich Herter entfernt, als Leo ins Zimmer stürzte.„Was ist geschehen, erbarme Dich und rede,“ rief er erregt, als Ernestine vergebens nach Worten rang, um ihm das Furchtbare schonend mitzuteilen. „Das Automobil ist verunglückt,“ sagte sie langsam.„Santen schwer verwundet, Magdalene wohl nur durch die Erschütterung, den Schreck bewußtlos. Man bringt sie her, Herter geht ihr entgegen.“ „O, Du mein Gott,“ stöhnte Leo. Ernestine legte die Hand auf seine Schulter. „Nicht klagen; noch kann alles gut werden. Beide leben; hoffentlich ist das Schicksal gnädig.“ Sie ging hinaus, um die nötigsten Anordnungen zu treffen. Ruhig und besonnen waltete sie ihres Amtes. Eine innere Stimme sagte ihr, daß alles verloren sei. Zwei junge Menschenleben mußten das Opfer werden. Endlich hatte man Magdalene gebracht. Ernestine hatte sie mit Hilfe einer barmherzigen Schwester auf ihr Lager gebettet. Der Körper trug wenig schwere Wunden. Doch die Bewußtlosigkeit blieb. Die herbeigerufenen Aerzte stimmten Ernestine bei, daß eine schwere Gehirnerschütterung eingetreten. Dazu schien durch das lange Liegen auf feuchtem Rasen eine L#n#nentzündung im Anzuge. Bange, qualvolle Stunden saßen Ernestine und Leo am Bette der Leidenden und mühten sich um sie. Am Abend kamen die Aerzte wieder. Der Zustand blieb unverändert. Von Frau Physikus war ein Telegramm eingetroffen, das Axels schwere Verwundung ankündigte und Nachricht über Magdalene forderte. Nach zwei Tagen erschien sie gegen Abend selbst, in tiefer Trauer, erschüttert und gebrochen. Axel hatte ausgerungen. Sie wollte Magdalene sehen, ließ Edith zurück und fuhr wieder zu ihren schwergeprüften Verwandten, die sie bei den Beisetzungsfeierlichkeiten unterstützen wollte. Leo und Ernestine hielten sie nicht; und Magdalene bedurfte ihrer nicht. Die Gedanken der Kranken waren Zeit und Raum entrückt. Nur manchmal unterbrach ein stöhnender Laut ihr fieberndes Träumen und zeigte, daß sie litt. 11. Kapitel. In der Stunde, in welcher Axel beigesetzt wurde, hörte Magdalenens Herz auf zu schlagen. Leos Jammer war grenzenlos. In seinem Schmerze schien er ganz vergessen zu haben, was Magdalene ihm angetan. Seine Liebe zu dem jungen, schönen Weibe war wieder wach. In ihrer ganzen Größe und Reinheit; alles Bittere, alle Zweisel hatte der Tod ausgelöscht. Nur die lichten Stunden, die er mit ihr gemeinsam genossen, traten vor seine Seele und erfüillten ihn ganz. Ernestive versuchte vergebens, ihn zu trösten und aufzurichten. Wenige Stunden nach dem Hinscheiden Magdalenens kam die Mutter zurück, ganz vernichtet von der Schwere des Schicksals, das die beiden Menschen, die sie am meisten auf der Welt geliebt und bewundert, getroffen. Sie versank in träge, stumpfe Melancholie. Sie schien tot für die Außenwelt; und all die äußeren Interessen, die sonst die treibenden Kräfte ihres Denkens und Empfindens gewesen, waren für sie nicht mehr vorhanden. Stundenlang saß sie im Sterbezimmer und hielt Zwiesprache mit der Toten, die i ihrem schneeigen Brautgewande, umwallt von zarten Schleiern und dem gelösten Blondhaar, wie eine verzauberte Rose im Schlummer lag. Der Ernst des Todes hatte nicht vermocht, ganz den jugendlichen Liebreiz dieses Gesichtes hinwegzunehmen. Hohenfels und Maria waren nach Berlin geeilt, um der Schwester die letzte Ehre zu erweisen. Niemand ahnte, was dem tragischen Schicksal beider vorangegangen. Leo und Ernestine hüteten sorgsam das unselige Geheimnis. Nie sollte ein Schatten auf die Erinnerung, das treue Gedenken fallen. Das Walten des Schicksals war grausam, erhebend und zermalmend zugleich. Es ließ keinen Platz für kleine schwächliche Sucht nach Rache. Beide hatte der Schmerz fest zusammengeschmiedet. Ihre Gedanken begegueten einander wie einst. Ihre Worte trafen sich auf halbem Wege. Ihre Blicke verstanden sich; im Schweigen selbst fanden sich auch ihre Seelen in stiller Vereinigung. Beide richteten sich aneinander auf und begannen von neuem, in der Arbeit nach innerem Frieden zu ringen. Nachdem die letzten Spuren der traurigen Ereignisse nach außen hin verwischt waren und das Leben sich in gewohnter Weise abspann, nahm Ernestine Abschied von den Ihren, um ihre Pflichten daheim aufzunehmen. Frau Physikus und Edith blieben bei Leo. Inzwischen sollte der obere Stock des alten Doktorhauses wieder für seine einstigen Bewohner eingerichtet werden. Die Mutter sehnte sich nach stiller Zurückgezogenheit. Dort waren ja noch Menschen, die sie und ihr Kind gekannt, mit denen sie reden konnte. Dorthin verlangte sie, daß die irdischen Reste Magdalenens gebracht wurden. Ihre Wünsche, ihre Hoffnungen, ihr ganzer Lebensinhalt war mit dem Tode der geliebten Tochter erschöpft. Er gab für sie nur noch Vergangenes. Einige Sommerwochen hatten die Trauernden bei Hohenfels' verlebt, doch das junge Glück der beiden übte keine lindernde Wirkung auf die Mutter. Leo und Edith freuten sich des schönen Zusammenlebens, und Bubi jauchzte froh dieser ungekannten Freiheit entgegen. Er erstarkte sichtlich und war der Trost des Vaters, der mit unendlicher Zärtlichkeit an dem Kinde hing. Die innige Liebe, die das Kind erwiderte, schien ihm oft als ein versöhnendes Zeichen, das Magdalene ihm vielleicht aus unbekannten Fernen sandte. Ergab er sich solcher Gedanken, dann wurde seine Seele ruhiger, und durch die Briefe, die er an Ernestine schrieb, ging es wie ein stiller, versöhnender Hauch. Sie selbst ging freudig darauf ein, legte ihr sanzes Empfinden und Denken in die Zeilen und sprach alles aus, was ihr Herz und Seele bewegte. So waren beide eins geworden in aufrichtiger Freundschaft, die klar und fest geschmiedet war im Feuer des Lebenskampfes. zurückgezogen haben, während ein weiteres Vordringen in Rußland gefährlich und beschwerlich sei, aber niemand kann mehr abstreiten, daß der Krieg auf deutschem Gebiete, der verlangt wird, minde: stens um ein Jahr ausgesetzt ist. Die französische Offensive tröste das Publikum nur wenig. Das Verhältnis zwischen Kraftanspannung und Opfern der Franzosen, die man wohl bewundere, zum Ergebnis, das meistens nur ein Stück Laufgraben oder wenige hundert Meter Geländegewinn ist, könne nicht ermutigen. Dazu kommt das Gefühl,der englischen Ohnmacht. Man sieht, schreibt die„Nation“, die tägliche Regsamkeit der Franzosen mit einer Bemunderung, die nicht frei ist von Mißgunst. Lille ist von den englischen Stellungen aus erheblich besser zu erreichen, als von den französischen. Uns ist es niemals gelungen, sechs Wochen lang tagtäglich solche Unermüdlichkeit in den Angriffen zu entwickeln, wie die Franzosen. Lloyd Georges erste Rede als Geschoßminister hat nach allen Enthüllungen und Aufdeckungen der letzten Wochen dem Lande dennoch einen rauhen Stoß versetzt. Solch jämmerliche Weise des Unvorbereitseine und Mißglückens, wie ein englisches Blatt die Mitteilungen der Regierung kennzeichnet, hatte niemand erwartet. Man erinnert sich wieder an die Rede, Asquiths, die er, offenbar falsch unterrichtet, in Newcastle hielt. Allgemein herrscht die Ueberzeugung, daß ein erstes kostbares Jahr verloren ist, und nicht ohne Besorgnis hört man von Lloyd George, daß acht Monate nötig seien, um eine Maschinerie zu schaffen, die zur Einholung des Rückstandes an Schnellfeuergeschützen befähigt. Jedoch ist das Vertrauen fest, daß der Geschoßminister seine Aufgabe lösen werde. Englands Furcht vor dem Einfall. Haag, 7. Juli.„Daily News“ befaßt sich erneut mit der Möglichkeit einer deutschen Landung in England. Daß hiergegen Maßnahmen getroffen worden seien, wüßten die Deutschen ebensogut wie die Engländer, aber es sei zu bezweifeln, ob die getroffenen Maßnahmen ihren Zweck erfüllen werden. Jetzt, wa wir, im zwölften Kriegsmonat sind, erfahren wir durch die im Unterhaus abgegebenen Erklärungen, daß mancherlei Dinge keineswegs in Ordnung sind. Eine Landung der Deutschen sei unter Umständen möglich und ihr Erfolg könne von einem Fehler der englischen Flotte abhängen. „Daily News“ sagt, daß Lord Fisher die Admirali“ tät verlassen habe, um gegen die Fortsetzung der Dardanellenaktion zu protestieren. Er zöge vor, nicht zurückzukehren, solange gewisse unfähige Köpfe in der Regierung verbleiben würden. Die Nation müsse unter Berücksichtigung der Einfallsgefahr in England versuchen, däß Lord Fisher wieder zur Admiralität zurückkehre. Zum englischen Munitionsmangel. bb Rotterdam, 6. Juli.„Daily Chronicle“ erwähnt in einem Leitartikel zwei Fälle, in denen die Ablieferung von Munition beträchtlich verzögert wurde. Ein Industrieller hatte einen Auftrag von einer Million Granaten erhalten, an dem bestimmten Tage lieferte er aber nur 10000 ab, ein anderer 50.000 statt 450 000. Der Krieg gegen Iialien. 23 italienische Verwundetenzüge in zwei Tagen. Wien, 7. Juli. Das„Achtuhr=Abendblatt“ mel det aus Lugano: Die Masländer„Sera“ wurde in Italien beschlagnahmt, weil sie die Ankunft von 23 überfüllten Verwundetenzügen von dem Kriegsschauplatz nach Mailand in den letzten zwei Tagen gemeldet hatte. Wirkung der kriegsseindlichen Agitation in Italikn. Luzern, 7. Juli. Nach Berichten des„TagesAnzeigers“ aus Nom wurde infolge Fortdauer der sozialistischen Agitation gegen den Krieg in den Gewerkschaften die Einberufung der Jahrgänge 1875 bis 1885 der Territoxialmiliz, die am 15. Juli erfolgen sollte, vorläufig aufgeschoben. Der Krieg gegen Frankreich. Joffre gibt die Niederlage im Priesterwalde zu. wtb Paris, 7. Juli. Der amtliche Bericht vom Montag nochmittag lautet: Im Laufe des gestrigen Abends ergriffen die Deutschen die Offensive auf einer Front von etwa fünf Kilometer, von Fey en Haye bis zur Mosel. Oestlich Fey en Haye, sowie im Westteil des Priesterwaldes, das heißt auf einer Front von etwa einem Kilometer, gelang es ihnen, nach einem Bombardement von äußerster Heftigkeit, in ihren ehemaligen, früher von uns eroberten Linien wieder Fuß zu fassen. Trotz der Wucht ihrer Angriffe konnten sie nicht über diese hinausgelangen. Oestlich von Croix de Carmes bis zum Gehöft Haut de Rupt an der Mosel mißlang ein deutscher Angriff vollkommen. Der Feind erlitt sehr schwere Verluste. Auf der übrigen Front nichts von Bedautung. Millerands erschütterte Stellung. b5 Paris, 6. Juli. Herves„Guerre Soziale“ sagt, in Senatorenkreisen sei eine lebhafte Bewegung gegen Millerand im Gange, dem gewisse Fehler besonders bei der Robilmachung und in der nationalen Industrie zugeschrieben werden. „Huerre Soziale“ warnt vor einem Wechsel des Kriegsministers. Irren sei menschlich, ein neuer Kriegsminister werde neue Fehler begehen. Hoffentkönne die noch nicht ausgebrochene Krise heibelegt werden.„Itgaro glaubt, daß die Krise durch die Errichtung, der beiden Unterstaatesekre — Zu den Kämpfen in den Argonnen. tariate im Kriegsministerium bereits beigelegt worden sei. Dies sei um der Einigkeit willen sehr wünschenswert. In anderen Ländern habe eine Krise und ein Ministerwechsel weit weniger ernste Folgen, als in Frankreich, da hier die politischen Spaltungen und die Parteikämpfe viel schärser seien und die Einigkeit der Parteien ständigen guten Willen erfordere. Rühre man erst an das heikle Gebäude der Einigkeit, dann falle das ganze Gebäude zusammen.(Es ist anzunehmen, daß sich der Präsident Peincare sehr entschieden für Millerand einsetzen wird, und wir dürfen darum hoffen, daß Millerand uns und den Franzosen als Kriegsminister erhalten bleibt.) —— Die Balkanstaaten. Bulgarien und die deutschen Erfolge. Aus Sofia wird berichtet: Die großen Erfolge der deutschen Truppen werden in deutschfreundlichen wie russophilen Kreisen andauernd lebhaft erörtert und fast alle Blätter beschäftigen sich mit ihnen in längeren Artikeln. Der extrem russenfreundliche„Mir“ uund der„Preporetz“ äußern freilich die Ansicht, Bulgarien müsse Rußland helfen, da dieses dessen bedürfe; die„Kambona“ dagegen schreibt: Jetzt sei der Augenblick gekom men, wo Bulgarten Serbien überfallen und Mazedonien mit Waffengewalt entreißen müsse. Die Regierungsblätter„Vola Narodni“ und„Prava“, greifen auf das heftigste die vussenfreundlichen Blätter„Utro" und„Dnewnik“ an und verlangen eine von Mäßigung und Klugheit diktierte Haltung. Die Stimmung gegen Serbien wird von Tag zu Tag heftiger, je weiter die Serben in Albanien vorrücken. Der Terrorismus der Serben in Maze' donien gegen bulgarische Stammesangehörige wird in den Blättern für unerträglich erklärt. Gleichzeitig wird bestätigt, daß die Verhandlungen Bulgariens mit der Türkei trotz aller von außen unternommenen Versuche, sie zu stören, weiter einen guten Fortgang nehmen. Bulgarien und die Türkéi. bb Bukarest, 7. Juli. Das Blatt„Moldava“ erfährt aus authentischer Quelle, daß die Verhandlungen zwischen Bulgarien und der Türkei unmittelbar vor der Unterzeichnung stehen. Die Vereinbarungen werden von größtem Einfluß sein auf die Lage des ganzen Balkans. Serbien und Bulgarien. Zürich, 7. Juli. Magrini berichtet dem Mailänder„Secolo“ aus Nisch, alle Parteien seien sich darüber einig, daß Serbien die in den bulgarischen Gegenvorschlägen verlangten von Serbien eroberten Gebiete nie und nimmer herausgeben werde. Britische Unverschämtheit gegen Griechenland. wotb Athen, 6. Juli. Die dem griechischen Gesandten in London auf eine Beschwerde erteilte Antwort, daß griechische Schiffe in griechischen Gewässern künftig nicht mehr angehalten werden sollen, gibt keinen Anlaß zu einer optimistischen Auffassung der Lage. Der griechische Handel, der durch das rücksichtslose Vorgehen Englands schwer geschädigt wird, ist vollständig unter britischer Kontrolle. Wie weit die Engländer gehen, wird am besten dadurch bewiesen, daß sie sogar jedes aus Griechenland nach Amerika abgehende Schiff einer tooeen Underatung unenschen Aus Stadt und Umgedung. ** Schwerte, 7. Juli. **(Warnung.) In dem Briefe eines in Frankreich gefangen gehaltenen deutschen Soldaten an seine Familienangehörigen in Deutschland fand sich die Bitte, nichts über den Krieg zu schreiben, von dem französischen Zensor dahin abgeändert, daß recht viel über den Krieg geschrieben werden solle. Die Mitteilung, daß der Antwortbrief nicht geschlossen gesandt werden dürfe, war wiederum von dem französischen Zensor dahin berichtigt, daß der Brief geschlossen werden dürfe. Die Eingriffe des französischen Zensors lassen keinen Zweifel darüber bestehen, daß die französische Heeresleitung aus ausführlichen und vertraulichen Briefen an die deutschen Kriegsgefangenen Nachrichtenmaterial zu erlangen hofft. Ist auch nicht zu befürchten, daß den Franzosen auf diese Weise Aufschlüsse über militärische Operationen zuteil werden könnten, so ist doch zu bedenken, daß schon Mitteilungen über den Aufenthaltsort von anderen im Felde stehenden Familienangehörigen dem Feinde wertvolle Fingerzeige geben können, daß mit persönlichen Sorgen und Klagen, durch Verallgemeinerung Mißbrauch getrieben werden kann. Den skupellosen Gepflogenheiten der französischen Heeresleitung gegenüber empfiehlt sich gerade in dieser Beziehung größte Vorsicht. Es ist deshalb dringend geboten, in den Mitteilungen an Kriegsgefangene über das durchaus Notwendige nicht hinauszugehen. **(Das Eiserne Kreuz) ist neuerdings den Unteroffizieren Dreyer und Dudda von hier verliehen worden. Wir gratulieren bestens! **(Uebermäßig hohe Gemüse= und Obstpreise) werden jetzt in Ausnutzung der Kriegsnotlage vielfach gefordert. So wird aus Berlin berichtet: In den letzten Wochen hat man die Erfahrung gemacht, daß auf Wochenmärkten sowohl wie in Obstund Gemüseläden verdorbene Waren weggeworfen werden mußten, weil— ja nun, weil sie zu Preisen angeboten waren, die für die Mehrzahl der Käufer jetzt geradezu unerschwinglich sind. Anstatt lieber mit mäßigem Verdienst zu verkaufen, zieht man es vor, Preise zu„halten“, die nur noch von sehr wohlhabenden Leuten bezahlt werden können; lieber wirft man dann große Mengen Obst, Gemüse usw. nutzlos fort. Bedenken diese Leute nicht, welchen Frevel sie an der Bevölkerung, ja am ganzen Vaterland durch solche Handlungsweise, die geradezu eine schwere Sünde darstellt, hegehen? Gegen alle Wucherpreise, gleichviel von wem sie gefordert werden, sollten die Behörden einschreiten. (Nicht allein in Berlin, auch anderswo kann man ein Lied von den hohen Gemüsepreisen singen. Schriftl.) **(Ein Kinderfest) findet heute nachmittag am „Freischütz“ statt. Der Abmarsch der Kinder erfolgt um 3 Uhr unter Vorantritt eines MusikKapelle vom Marktplatz aus. Jeder teilnehmende Knabe erhält ein Fähnchen und jedes Mädchen eine Schärpe gratis. Die Veranstaltung an„Freischütz“ selbst leitet der bei der Kinderwelt bestens bekannte„Onkel Boston“. *:(Zucker gegen Mückenstiche.f Ein wenig bekanntes, einfaches Linderungsmittel gegen Mückenstiche ist der Zucker. Wenn man einen frischen Mückenstich gnfeuchtet und mit einem Stückchen Zucker barübet reibt, wird durch den in die Stichöffnung eindringenden Zuckersaft der Mückenstich: stoff neutralistert, der Schmerz schwindet fast augenblicklich, auch wird eine Anschwellung der Haut verhindert bezw. erheblich gemindert. Bei Ausflügen sollte man kaher stets ein Stückchen Zucker in der Tasche tragen. **(Die Postsendungen nach dem Felde.) Die Zahl der Feldpostsendungen ist noch immer im Steigen begriffen. Nach einer am 24. Juni vorgenommenen Zählung sind an diesem Tage aus Deutschland 8.5„Millignen, Feldpcstbriessendungen nach dem Felde abgegangen.„Davon waren 5,9 Millionen portofreie Briefe und Postsachen und 2,6 Millionen franlierte Feldpostbriefe und Feldpostpäckchen. Da nach einer Mitte Mai vorgenommenen Ermittelung im Felde selbst 5,8 Millionen Jeldpestbriefsendungen täglich aufgeliefert wurden, umfaßt der gesamte Feldpostbriesverkehr täglich 14,3 Millionen Sendungen. **(Kriegsprophezeiungen.) Weithin durch Deutschland ist in letzter Zeit ein Schriftstück: „Seherblicke“ verbreitet worden, das über den Verlauf des Krieges gewisse Aussagen machen will. Auch hier ist diese Kriegsprophezeiung bekannt ge' worden. Dieselbe beginnt: Europa wird zu einer Zeit, wo der pärstliche Szuhl in Rom eine Zeit leer stehen wird, von furchtbarer Züchtigung heimgesucht werden. Ein Volk wird wider das andere, ein Königreich gegen das andere kämpfen. Ein starker Monarch kommt von der Mitte, dieses ist der deutsche Kaiser, Weiter heißt es u. a.: Wohl wird der Niederrhein zittern, beben und heulen, aber er wird nicht untergehen.— Die Türken werden treue Brüder des starken Monarchen sein. Der Schlußsotz lautet:„Losbrechen wird der Krieg zur Zeit der Ernte, eine bessere Zeit wirh anbrechen zur Zeit der Kirschblüte." Das Original dieser Prophezeiung soll sich im Rathause in Eschweiler befinden. Dort aber findet sich ein solches Schriftstück nicht. Professor. Dr. Capitaine in Eschweiler hat sich in der„Kölnischen Zeitung“ Nr. 117 zu dieser Kriegsprophezeiung geäußert und nimmt an, daß diese Seherblicke eine Exweiterung der alten westfälischen Birkenbaumsage ist, die 1701 zuerst in Köln bekannt geworden ist. Das Schriftstück erweckt den Anschein, während des Krieges, als die Kriegslage mehr und mehr zu übersehen wur, verfaßt worden zu sein. ** Holzen, 6. Juli.(Auszeichnung.) Herr Lehrer Benthaus, Sohn des Landwirts B. hierselbst, welcher als Gefreiter der Reserve in Galizien kämpft, wuirde mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichnet. ** Westhosen, 6. Juli.(In der Amtsversammlung) wurde beschlossen, die gesamten Jahresüberschüsse der Sparlasse— einschließlich der Zinsen des Reservefonds— aus dem Jahre 1913 zur Verwendung für gemeinnützige und Kriegswohlfahrtszwecke zu verwenden. Ferner wurde auf Antrag dem in Stralkowo stehenden Landsturm=Infanterie=Bataillon zur Beschäffung von Musikinstrumenten ein einmaliger Zuschuuß von 40 Mark bewilligt. Das Dankschreiben des Oberbürgermeisters von Königsberg betr. Spende für die Kriegsnotleidenden Ostpreußens im Betrage von 366 Mk. wurde mitgeteilt. Der Betrag wurde durch Verkauf von unbrauchbaren Wollsachen aus der Reichswollwoche im Januar erzielt. ** Westhofen, 6. Juli.(Festgenommen) nurde gestern der schon verschiedentlich wegen Bettelns vorbestrafte Arbeiter August Grüber. Der alte Sünder wurde auf der Hochstraße bei seiner ihm liebgewordenen„Arbeit“, erwischt und dem Königlichen Amtsgericht Schwerte vorgeführt. Westhofen, 6. Juli.(Die Maul= und Klauenseuche) greift weiter um sich und ist neuerdings unter dem Rindviehbestande des Stell“ machers Johann Stuhlmann auf der Weide an der Ruhrbrücke festgestellt. Weiter wurde die Seuche festgestellt unter den Rindviehbeständen des Landwirts Friedrich Eickelberg und des Drehers Schumacher zu Garenfeld. * Bielefeld, 6. Juli.(Ein zweifaches Todesurteil) ist vom Schmurgericht Bielefeld gesällt worden. Angeklagt war das 24 Jahre alte Ehepaar Lucht aus Jöllenbeck, das— wie die Beweisaufnahme ergab— seine beiden 3 Jahre und 9 Monate alten Kinder in geradezu bestialischer Weise ermordet hat. Der Andrang zum Schwurgerichtssaal war namentlich in den Nachmittagsstunden sehr stark, und mit Spannung erwartete man das Urteil, das gegen jeden der beiden Angeklagten auf die Todesstrafe und die üblichen Nebenstrafen lautete. Wochenmarkt. Der heutige Wochenmarkt war wieder sehr gut beschickt. Die Preise wollen allerdings immer noch nicht heruntergehen. Es wurden verlangt„für: Kirschen 30—40 Pfg., Stachelbeeren Pfund 30—35 Pfg., Johannisbeeren Pfund 30 Pfg., grüne Gurken 15—25 Pfg., weiße Gurken Stück 30 Pfg., Wurzeln Bund 5—25 Pfg., Erbsen Pfund 20—30, Pfg., Radischen Bund 5 Pfg., Rhabarber 2 Pack 25 Pfg., Salat Kopf 5 Pfg., Wirsing Stück 25—30 Pfg., Spitzkappus Stück 25 Pfg., Rotkohl 35—40 Pfg., Kohlrabi 3 Stück 20 Pfg., Zwiebeln Pfund 50 Pfg., Blumenkohl Stück 30—40 Pfg., große Bohnen Pfd. 10 Pfg., grüne Böhnchen Pfund 30—40 Pfg., nate Kartoffeln 10. Pfund 1,10—1.20, Mk., Eier 7 Stück 1.— Mt., Butter 1.60—1.70, Mt.„Rindfleisch Pfund 1.—Mk., Schweinefleisch 1,70 Mk., Schellfisch (kleiwet) Pfund 25 Pfg. Verantwortlich für die Redaktion Friede. Degas Druk u. Verlag von Fagl Prane, beide in Die Weiteste Keise UOmmt Siell! wenn Sie von den grossen Vortellen Hermann die ich in meinem ennm: SaisoAusvorkauf biete, ausgiebigen Gebrauch machen. Pnsssessss Derselbe beginnt e####### Samstag, den 10. Juli. Reachten. Sie. meine. Anzeine. in. der. Donnerstans-Zeitung! Naurtgeschäft: LTAACTLIN ZW. TTaNRGEEERRSE Angenehmer Aufenthalt! In direkter Verbindung mit dem„CentralKaum Restaurant“. Ständig kalte und warme Speisen; hiesige und echt 50 Schaufensterl ∆ I. Etage. Kulmbacher Biere. Große Auswahl in Kafleegebäck. Tasse Kaflee 10##. neueste Modelle in allen Preislagen Luftschläuche und Mäntel, sowie Ersatz- und Zubehörtelle staunend bIIIIg. Nähmaschinen, neue und wenig gebrauchte, Ausserst preiswert. Sämtliche Reparaturen prompt und sachgemäss. C. Schlüter. Dortmund Hoher Wall 88, Körnerplatz. neben der Martinschule. Fernruf 5368. 2571 Sauberes, geundes Aleres O Erzählungen aus dem großen Krieg 1914/15 für jung und alt. 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Die Revision der Quittungskarten wird voraussichtlich am 5. d. Mis. beginnen Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden ersucht, die zur Revision erforderlichen Unterlagen, als Lohnlisten, Dienstbücher, Urbeitsbücher. Krankenkassenbücher ufw. bereit zu halten und dem Kontrolldeamten vorzulegen. Westhofen, den 5. Juli 1915. 3237 Der Amimann. I. V. Gue, Betgeordneler. Bekanntmachung. Auf Grund des§ 81 Abs. 5 der Jagdordnung vom 15. Juli 907(G.=S. S. 207) nurd hiermit im Anschluß an die Bekanntmachung vom 3 Juni d. Is. bekannt gemacht, daß die össentlich meisidielende Verpachtung der in dem Jagdbezirk der aus der Steuergemeinde Benninghosen bestehenden Jagdgenossenschaft im Sonnabend, den 24. Juli 1915, nachmittags 6 Uhr in der Wittschaft Berger. Benninghosen— nach Maßgabe der offen gelegten Pacht= und sonstigen Bedingungen—: staltfindet. Brücherhof, den 6. Juli 1915. Auf Grund des§ 1 der Verordnung des Bundesrates. belressend Ausschank und Verkauf von Branntwein und Spirilus vom 26. März 1915(R.=G.=Bl. S. 183) in Verdindung mit der allgemeinen Verfügung des Herrn Ministers des Innern vom 7. April 1915 Ue 754 wird für den Regierungsbezirk Arnsberg folgende Anordnung erlassen: § 1. Der Ausschank von Trinkbranntwein und Spiritus jeder Art und Preislage ist verdoten an den Soantagen, den gesetzlichen und kirchlichen Feiertagen, am Freitag und Sonnabend jeder Woche sowie an den Tagen, an denen Aushebungen zum Heeresdienst stattfinden, für die hieroon betroffenen Orte Die räumliche und zeitliche Ausdehnung des Verbotes für die letztgenannten Tage wird von den Landräten oder den Polizeiverwaltungen der kreisfreien Städte in ortsüblicher Weise bekannigemacht.. 2 1d ames. Gesetzliche Feiertage sind: der erste und zweile Oster=, Pfingst= und Weihnachtstag. Neujahr, Karfreitag, Himmelfahrt, Bußtag. Als kirchliche Feiertage im Sinne dieser Verordnung gelten: Heilige drei Könige(6. Januar), Fronleichnam, Peter und Paul(29. Juni), Allerheiligen(1. November) und Mariä Empfängnis(8. Dezember). An den übrigen Tagen ist der Ausschank nur in der Jeit von 11 Uhr vormittags bis 7 Uhr nachmittags erlaubt. § 2. Der Ausschank darf nur zum sofortigen Genuß auf der Stelle und zwar in Gefäßen mit einem Inhalt von höchstens 0,03 Liter und gegen jedesmalige Barzahlung erfolgen. Die Hingabe und Annahme eines Vorschusses behuss Bezahlung von Getränken ist verbolen. Der Verkauf aus Automaten und der Ausschank an Angetrunkene ist untersagt. 3 Der Verkauf von Branntwein und Spiritus ist verboten. Abweichend von der Vorschrift des ersten Adsatzes ist wlähsig:,„.. 667. 8.„ Schart. 1. der Verkauf an Branntweingroßhandter, Gast= u. Schankwirte und an Personen, die zum Kleinhandel mit Branntwein oder Spiritus auf Grund des§ 33 der Reichsgewerbeordnung berechtigt sind; 2. der Verkauf zu Heil=, hauswirtschaftlichen und gewerblichen Zwecken auf schriftliche, mit Datum und Unterschrift versehene Bescheinigung eines Arztes oder der zuständigen Orlspolizeibehörde unter Angabe der abzugebenden Menge Die Bescheinigung hat nur eine Gültigkeitsdauer von 8 Tagen Der Verkäufer hat auf ihr die abgegebene Menge in Buchstaben zu vermerken:..— Scirik 3. der Verkauf von vergälltem(venaturiertem) Spiritus; 4. der Verkauf zum Versande an Kriegsteilnehmer, wenn der Verkäufer die Sendungen unmittelbar zur Besörderung mit der Feldpost aufgiebt. § 4. Die vorstehenden Bestimmungen finden auf alle Flüssigkeilen Anwendung, die durch Gärung und Destillation aus Pflanzenstoffen gewonnen werden und aus Wasser und Alkohol bestehen, sowie die Flüssigkeiten, die hieraus hergestellt und hiermit vermischt werden, insbesondere auch Liköre, Kognak. Rum, Arrak, Doppelkorn. Grog und dergleichen. § 5 Ausschank- und Verkaufsräumlichkeiten, die ausschließ lich dem Ausschank oder Verkaufe von Branntwein oder Spiritus dienen, müssen in Jeiten, in denen der Ausschank oder der Verkauf verboten ist., geschlossen gehalten werden Räumlichkeiten, die vorzugsweise diesem Ausschank oder Verkaufe dienen können durch Anordnung der O kspolizeibehörde für die eines Vervotes geschlossen werden.(§ 2 der Bundesratsverordnung, betreffend den Ausschank und Verkauf von Branntwein und Spiritus, vom 26. März 1916.) § 6. Juwiderhandlungen gegen die vorstehenden Vorschriften werden gemäß§ 3 der genannten Bundesratsverordnung vom 26. März 1.915 mil Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 10000— zehntausend— Mark bestraft. § 7. Zeigen sich Inhaber oder Betriebsleiter von Betriebsund Verkaufsräumlichkeiten in Befolgung ihrer Pflichten unzuverlässig, die ihnen durch die Bundesratsverordnung vom 26. 2 ärz 1915 und diese Anordnung auferlegt sind, so kann die Ortspolizeibehörde gemäß§ 4 der Bundesratsverordnung vom 26. März 1915 die Geschäfte schließen und die Vorräte einziehen. § 8. Diese Anordnung trilt am 10. Juli 1915 in Kraft. Arnsberg. den 26. Juni 1915. Der Regierungs=Präsiden!: v. Bake. Abgeschlossene Tlagen von 3, 4, 5 und 6 Zimmern, mit Badezimmer, Speisekammer, Erker, Balkon, Leucht= und elektr. Licht, Garten und allen sonstigen Bequemlichkeiten, per sofort oder später zu vermieten. 3124 Luck, Königstr. 5a 1 per 1. Oklober zu vermieten. W. Brauchmann, 3192 Bahnhofstr. Nr. 16. Eine Der Jagdvorsteher. Gehres, Gemeindevorsteher. 3238 Maratarutpapiel eunfebl Büler Carl Braus, Schwerte(Nuhr) Bekanntmachung. Meine Bekanntmachungen vom 9. Februar 1915 1 b Nr. 3843 und vom 20. Februar 1915 lb Nr. 1001 hebe ich für den Regierungsbezirk Arnsberg vom 9. Juli 1915 an auf. Münster, den 11. Juni 1915. 3217 Der kommandierende General: Greiherr von Gagi. Berdand Weshalischer Albensnachweise. Die Ardeits=Nachweisstelle Schwerke Liethstraße 4 Fernspr. Nr. 213 vermittelt Arbeitskräfte aller Art 411 vouslandig kestenistel. schöne Wopzung später zu vermieten. 3232 Zu erfragen Rosenweg 18. In der Ungebung von Schwerte ein Kkleines Gaus zu mieten gesuchkt. Offerten unter G. 3233 an d Geschäftsst. d. Itg. Abgeschlossene II. Etage von 5 Jimmern in einem ruhigen Hause zum 1. Okt. billig zu vermieten. 3169 Zu erfrag. in der Geschäftsstelle d. Itg. Wohnung! Wegen Auslösung des Haushalts ist bei mir eine schöne Wohnung von 3 ineinandergehenden Zimmern am 1 Okt. anderweilig preiswert zu vermieten 3147 W. Neveling, Hagenerstr. 36. Zo meinen Kaute Benanhstr. Nr. 14 ist die Etage bestehend aus 5 Zimmern. Vorratsstude. Balkon, Koch= und Leuchtgas. sofort zu vermieten. 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Die Bedeutung der radioaktiven Substanzen in der Heilkunde ist noch umstritten; doch sind immerhin schon bedeutende Fortschritte in der Erkenntnis und Verwendung dieser Elemente gemacht worden, und wie hohe Wichtigkeit man diesen neuesten Heilverjahren zumißt, geht aus den großen Geldopfern hervor, die allenthalben für die Erwerbung des so außerordentlich teuren Radiums gebracht werden. Die bisherigen Resultate, die man durch die Verwendung der verschiedenen radioaktiven Substanzen in der inneren Medizin gewonnen hat, faßt der ausgezeichnete Wiener Kliniter Prof. Carl v. Noorden, der selbst auf diesem Forschungsgebiet Bahnbrechendes geleistet, in einem bedeutsamen Aussatz der bei der Deutschen Verlags=Anstalt in Stuttgart erscheinenden„Deutschen Revue" zusammen. Unter den Formen, in denen das Radium bei inneren Krankheiten verwendet wurde, trat zunächst die Rädiumemanation hervor, ein Gas, das sich überall da findet, wo Radium vorkommt. Da sich Wässer, die durch radiumhaltiges Gestein rieseln, bis zu einem Grade mit Emanation sättigen, so erklärt sich die Wirtung der Radium=Bäder, die die älteste Form einer therapeutischen Verwendung radioaktiver Substanzen darstellt: Unter diesen Heilquellen standen bisher Landeck mit 40000 Einheiten und Gastein mit 30000 an erster Stelle; doch sind in neuester Zeit als die kräftigsten derartigen Bäder die von Joachimsthal hinzugetreten, bei denen ein Gehalt von 120000 Einheiten garantiert wird. Außer durch Bäder wird die Radiumemanation durch Inhalation zur Anwendung gebracht, doch beging man anfangs den Fehler, einen viel zu schwachen Emanationsgehalt der Luft. beizugeben. Erst als Noorden den Emanationsgehalt in den EinatmungsKammern sehr bedeutend verstärkte, wurden gute Erfolge erzielt. In der ärmeren Bevölkerung Wiens, wo. rheumatische Ischias und chronisch=rheumatische Gelenkleiden ungewöhnlich stark verbreitet sind, wurde das vom Staate mit unbegrenzten Emanationsmengen ausgestattete Emanatorium für viele zum Ausgangspunkt der Genesung. Freilich erreichte der Verbrauch der Emanation an den meisten Tagen den Marktwert von 500—600 Kronen.— . Ein Nachteil der Radiumemanation bei innerer Behandlung ist es aber, daß das Gas mit großer Geschwindigkeit wieder aus dem Blut durch die Lungen nach außen abgegeben wird. Nach wenigen Viertelstunden ist nichts mehr von der Emanation im Körper vorhanden. Deshalb war es von größter Bedeutung, daß man in einer ganderen radioaktiven Elementengruppe, der Thoriumreihe, einen Körper fand, der, mit mindestens gleicher radivaktiver Energie ausgestattet, viel länger im Körper verweilt als die Radiumemanation: Thorium=X Die weitaus überwiegende Menge dieses Thoriums, das ein fester Körper ist, wird durch Darm und Nieren ausgeschieden, aber so langsam, daß die meisten Moleküle im Körper selbst alle Phasen einer radioaktiven Wirkung durchmachen. Bei rheumatischen, gichtischen und euralgischen Erkrankungen kann eine Tyorium=Behandlung ebenso auf Erfölg rechnen wie eine solche mit Radiumemanation. Außerdem aber gibt das Thorium=X ein gutes Mittel gegen nervöse Magenbeschwerden ab. Diese sogenannte nervöse Dyspepsie, die oft viel hartnäckiger und schwerer zu vertreiben ist als eine wirkliche Magenkrankheit, wird durch Thorium=XTrinkkuren sehr günstig beeinflußt. „ Eine sehr wichtige Rolle aber wird dem Thorium bei der Behandlung der Krankheiten des Blutes zugewiesen werden müssen. Schon bei der Einwirkung durch Radium auf Gesunde war es aufgefallen, daß der Gehalt des Blutes an roten Blutkörperchen größer wurde, und zwar um 10—20 Prozent. Bei Blutarmen aber war keine günstige Folgeerscheinung zu bemerken. Nach der Entdeckung des Thorium=X aber wurden vor etwa einem Jahre die Versuche von Noorden in Wien und zu gleicher Zeit in Berlin wieder ausgenommen. Nun wurde das Mittel bei den schwersten Formen der Blutarmut verwendet, und durch Thorium=X wurde eine so schnelle Wiederherstellung einer befriedigenden Blutmischung erzielt wie nie sonst. Mit Einspritzung von Radiumsalzen erreichte man dann noch bessere Resultate. Prof. v. Noorden hält jedoch jedes endgültige Urteil über die Heilerfolge, bei solchen Fällen von vermehrter Blutzerstörung für verfrüht. Die Versuche sind noch nicht lange genug durchgeführt, und zudem vermag die radioaktive Therapie die krankhaft gesteigerte Blutzerstörung bei der sogenannten perniziösen Anämie nicht zu hemmen, sondern bietet nur einen kräftigen Reiz zur Blutneubildung. i Sicheren Erfolg stellt die radioaktive Behandlung aber schon eher bei der bekanntesten und verbreitetsten Blutkrankheit, der gewöhnlichen Bleichsucht, in Aussicht, die in schlechter Blutneubildung besteht. Nach Noordens Beobachtungen bietet sich in dem Thorium=X ein Mittel dar, das in schweren Fällen von Bleichsucht usw. die die Blutneubildung fördernde Wirkung von Eisen und Arsen überragt und in der Zukunft vielleicht eine große Bedeutung für die Bekämpfung jener Zustände erlangen wird. Eine entgegengesetzte Wirkung als auf die roten Blutkörperchen haben die radioaktiven Substanzen auf die sogenannten weißen Zellen des Blutes; diese werden vermindert, und so bietet denn das Thorium ein neues und mächtiges Hilfsmittel in der Bekämpfung jener krankhaften Zustände, die mit einer Ueberproduktion der weißen Zellen verknüpft sind und den Namen Leukämie erhalten haben. Während man mit Radiumemanation nichts erreichte, war die Wirkung von Thorium oft geradezu erstaunlich. C. K. l Dumor. Schmeichelhaft.„Angenommen, ich gebe Ihnen das Geld, welche Sicherheit habe ich, daß ich es je wiedersehe?“ „Bürgt Ihnen dafür nicht das Wort eines ehrlichen Mannes?“ „Aber natürlich, bringen Sie mir ihn nur her!“ Auch eine Erklärung. Lehrer:„Nun, Joseph, kannst du mir sagen, was ein Dromedar ist?“ Joseph, dessen Vater Schiffer ist:„Ein Dromedar ist ein Wüstenschiff mit zwei Masten.“ 0 a 4 s Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 156. Mittwoch, 7. Juli Unter falscher Flagge Roman von (12. Fo ## dith Gisbert fragte weiter:„Hat er auch # eine Familie?“ „Ja,“ antwortete die Baronin Wallberg,„seine Frau und seine beiden Töchter pflegen sich während der guten Jahres□D- zeit auf Buchwalde aufzuhalten. Und für sie könnte ich, wenn ich nicht unglücklicherweise auch den Mann zu Gesicht bekommen hätte, wohl einige Sympathien empfinden. Die Frau sieht aus wie eine wirkliche Dame, und die Töchter, Numengich die jungere, Iine, sogal gunggr1.9" Ich namentlich die jüngere, sind sogar ganz reizend. I kenne sie nicht näher; aber ich kann der kleinen Gerda Volkhardt nicht begegnen, ohne daß sie mir im innersten Herzen leid täte.“ 16 „Gerda Volkhardt?“ rief Edith in großer ueberraschung.„Ach, wie sonderbar sich das trifft! Das muß unbedingt dieselbe Gerda Volkhardt sein, ich zusammen zwei Jahre lang in einem Schweizer Pensionat war! Sie war dort meine allerbeste Freundin! Wir haben uns auch nach der Trennung noch ein paar Briefe geschrieben; aber nun ist die Korrespondenz freilich schon seit geraumer Zeit eingeschlafen, und ich hatte keine Ahnung, daß die Volkhardts hier auf Buchwalde leben. Nun tut es mir freilich doppelt leid, daß Sie die Leute nicht mögen! Vielleicht haben Sie nicht einmal„Besuche mit ihnen gewechselt?“...... g Kms 25. „Nein, mein Kind, ein solcher Gedanke ist mir allerdings niemals gekommen! Die Leute sind eben ganz unmöglich! Ich bin gewiß die allerletzte, die sich in ihrem Urteil über andere durch das Geschwätz der Leute bestimmen läßt; aber nachdem ich diesen Herrn Volkhardt nur ein einziges Mal gesehen, war ich sehr geneigt, alles zu glauben, was man sich hier laut und leise von ihm erzählt! Uebrigens finde ich, daß es kaum der Mühe wert ist, so viel über die Volthardts zu reden!“. 4u., J. unsommstbisch Das Thema war ihr ersichtlich so unsympathisch, daß Edith sich veranlaßt fühlte, auf einen anderen Gegenstand der Unterhaltung überzugehen. Auch sie hatte ja trotz der alten Freundschaft für Gerda Volkhardt kein so großes Interesse an ihrer unbekannten Familie, daß nicht die schönen und angenehmen Eindrücke, die sie bei ihrer Ankunst auf Schloß Wallberg empfing, den Gedanken an sie bald hätten zurücktreten lassen müssen. Wieder, wie schon bei ihren früheren Besuchen, überkam sie die eigentümliche Empfindung, als ob sie hier viel eher zu Hause wäre als in der bescheidenen Berliner Behausung, die sie als ihr M. Withe. kortsetzung.)(Nachdruck verboten.) Heim anzusehen gewöhnt war. All der Luxus und all die Bequemlichkeiten des Reichtums, von denen sie hier umgeben war, erschienen ihr wie etwas ganz Natürliches, und sie verspürte nichts von jener Beklemmung und Befangenheit, die sonst einen in bescheidenen Verhältnissen lebenden Menschen bei der Versetzung in eine ungewohnt vornehme Umgebung so leicht überkommt. Sie vervrachte den Rest des Tages auf die angenehmste Weise in der Gesellschaft der Baronin, die so herzlich und liebenswürdig gegen sie war wie nur je, und sie schlummete in ihrem wundervollen Himmelbett den von lieblichen Träumen durchgaukelten Schlaf der ahnungslosen Unschuld. Am nächsten Morgen äußerte sie den Wunsch, den alten Geistlichen zu besuchen, mit dem sie sich während ihres letzten Aufenthalts auf Schloß Wallberg angefreundet hatte, und vielleicht auch dem Gottesdienst in der fast auf der Grenze zwischen den Gemartungen von Wallberg und Buchwalde g legenen Dorfkirche beizuwohnen. Die Baronin ermunterte sie dazu, erklärte aber, sie nicht begleiten zu können, weil sie einige dringende Briese zu schreiben habe. Es war kein leerer Vorwand gewesen; aber während des Schreibens steigerte sich der Kopfschmerz, den sie schon beim Erwachen gefühlt hatte, dermaßen, daß sie sich nun doch entschloß, zu seiner Linderung einen Spaziergang durch den Park zu machen. Sie schlug dabei ebenfalls die Richtung nach der Dorskirche ein, in der Hoffnung, ihrer jungen Freundin auf dem Rückwege zu begegnen. Statt ihrer aber traf sie in der Nähe des Erlenschlößchens mit einem Spaziergänger zusammen, den sie von allen Menschen vielleicht am allerwenigsten hier zu sehen erwartet hatte... J, Gewreshung Bhill. „Phili!“ rief sie in höchster ueberraschung.„Philipp Gisbert— Sie sind es? Ja, mein Gott, wie kommen Sie hierher? Was ist denn geschehen?" Er küßte ihr mit der Ritterlichleit seiner vergangenen Tage die Hand, dann sagte er: „Ich hatte etwas sehr Notwendiges hier in der Nähe zu tun. Es handelte sich um eine ernste Angelegenheit, vielleicht um ein großes Unheil. das abgewendet werden mußte. Aber ich denke, es ist mir so ziemlich gelungen, und nun habe ich die Absicht, mit dem Nachmittagszuge nach Berlin zurückzufahren. Vorher aber konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, einen Blick auf den Erdenfleck zu werfen, an dem ich so viele glückliche Stunden verlebt habe. Ich sah Edith von weitem. Sie war, wie es schien, willens, in die Kirche zu gehen. Und es ist wohl nicht notwendig, daß sie etwas von meinem Hiersein erfährt. Wenn Sie mich aber einladen würden, ein Glas Tee im Hause zu trinken, so würde ich nicht nein sagen. Vorausgesetzt natürlich, daß Wallberg nicht daheim ist——“ „Oh, er hat Angenehmeres zu tun, als seine Tage hier in der ländlichen Langeweile zu vertrauern!" sagte die Baronin mit Bitterkeit.„Nach dieser Richtung hin dürfen Sie in der Tat ganz unbesorgt sein.“ „Sie wollen sagen, daß er diese Nacht nicht in seinem Hause gewesen ist?“ Die Baronin, die den Sinn seiner Frage nicht recht zu verstehen schien, schüttelte den Kopf und wandte sich dem Schlosse zu, wie wenn sie es für selbstverständlich hielte, daß Gisbert sie dahin begleite. In der Halle bereitete sie dem Besucher ein Glas Tee und erteilte ihm liebenswürdig die erbetene Erlaubnis, sich eine Zigarette anzuzünden. Während er seine Blicke umherschweifen ließ, sagte Gisbert: „Es ist alles noch so, wie es einst gewesen ist! Ich kann nichts von einer Veränderung entdecken!" „Nur daß es heute nur noch ein schön über tünchtes Grab ist!" erwiderte die Baronin.„Die Mittel, die dieser Pracht ihre Dauer sichern könnten, sind dahin! Alles, alles ist den Berliner Vergnügungen und vor allem diesem unersättlichen Theater zum Opfer gebracht! Um mich bei den Geschäftsleuten der Umgebung nicht vollständig unmöglich zu machen, habe ich mich bereits in Schulden stürzen müssen, deren ich mich in tiesster Seele schäme!“ „Aber Sie haben sich doch hoffentlich nicht in die Hände von Wucherern geben müssen, Blanche?“ „Wer sonst hätte mir etwas geliehen? Es gab gar keinen anderen Weg für mich! Erst waren es ja nur verhältnismäßig kleine Summen. Aber sie wuchsen rasch ins Ungeheure, ohne daß ich selber recht begriffen hätte, wie es geschehen konnte. Einem einzigen Manne schulde ich heute bereits nahezu fünfzigtausend Mark! Er war ansangs so liebenswürdig und entgegenkommend, daß er mir das Geld beinahe aufdrängte! Heute freilich zeigt er sich von einer anderen Seite! Sie stehen doch in Berlin mitten im geschäftlichen Leben, Philipp,— haben Sie jemals etwas von einem Geldverleiher namens Creter gehört?“ Die Bestürzung spiegelte sich so leserlich auf Gisberts Gesicht, daß sie dem Blick der Baronin unmöglich hätte entgehen können, wenn nicht ihre Aufmerksamkeit gerade in diesem Moment durch den Eintritt eines Dieners abgelenkt worden wäre, der ihr einen Brief überreichte, und dessen Erscheinen Gisbert zu seiner Erleichterung der Notwendigkeit einer sofortigen Antwort überhob. Sie machte eine entschuldigende Bewegung gegen den Besucher hin und erbrach das Schreiben, dessen Inhalt sie offenbar in große Erregung versetzte. „Ah, das ist unverantwortlich!“ rief sie.„Das ist wahrhaftig das Höchste von allem, was er mir bisher zuzumuten wagte! Wissen Sie, was ich aus diesem Briefe erfahre? Wallberg hat die letzte Nacht im Hause dieses Herrn Volkhardt zugebracht, der mit seinen Damen auf Buchwalde haust,— bei diesen Leuten, von denen ich mich bis jetzt geflissentlich ferngehalten habe! Und damit nicht genug! Er ersucht mich, nein, er befiehlt mir geradezu, meine Vorurteile, wie er es nennt, beiseite zu lassen und heute mit ihm bei den Volkhardts zu speisen! Ich— bei diesem Gesindel! Er muß geradezu den Verstand verloren haben, daß er mir etwas Derartiges im Ernst ansinnen kann! Ich habe nie einen widerwärtigeren Menschen zu Gesicht bekommen, als diesen Herrn Volkhardt!" Gisberts Gesicht hatte sich, während sie sprach, mit einer tiefen Röte überzogen, und es war ihm anzusehen, wie angestrengt seine Gedanken arbeiteten. „Der Mann ist mir dem Namen und dem Aussehen nach sehr wohl bekannt!“ sagte er jetzt.„Und ich möchte wohl wünschen, daß ich rückhaltloser sprechen dürfte! Aber es ist mir leider durch zwingende Um* i S: m ö c h t e S i e j e d o c h d a r a u f a u f Frau Volkhardt aus sehr guter daß ich in dieser Aufforderung wie den Finger der Vorsehung sich noch, Blanche, was Sie mir stände verwehrt: Ich merksam machen, daß Familie stammt, und Ihres Mannes etwas erblicke. Erinnern Sie einmal feierlich versprochen haben?" Verständnislos, aber doch schon lichen Ahnung erfaßt, sah sie ihn an. „Ich ahne nicht, worauf Sie von einer peinhinaus wollen, Philipp!“ „Sie haben mir gelobt, daß Sie sich nicht weigern würden, wenn ich dermaleinst die Erfüllung eines Wunsches von Ihnen erbäte!“ „Nun ja— aber was hat das mit dieser Angelegenheit zu schaffen? Sie werden doch hoffentlich nicht von mir verlangen wollen, daß ich diesem demütigenden, diesem unerhörten Ansinnen Wallbergs entspräche?“ Er legte seine Hand auf ihren Arm und sah ihr mit eindringlichem Blick tief in die Augen. „Sie haben mir ein Versprechen gegeben, Blanche, und jetzt ist der Augenblick gekommen, es einzulösen! Ich bitte Sie— ich verlange von Ihnen, daß Sie nach Buchwalde gehen!" „Nein, das kann nicht im Ernst Ihr Wille sein! Das wäre eine Grausamkeit, deren Sie nicht fähig sind!" „Rennen Sie es meinetwegen so, meine liebe Blanche, nennen Sie es eine Grausamkeit! Nur tun Sie, was ich unter Berufung auf Ihr Gelöbnis von Ihnen erbitte!“ 9. Kapitel. Eine peinliche Ueberraschung. Die Genugtuung, die Paul Volkhardt empfand, als er den vornehmen Besucher in sein Haus einführen konnte, überwog für den Augenblick jede andere Empfindung, auch jenes Gefühl der Feigheit, das ihm vor einigen Skunden hatte verbieten wollen, an diesem Abend nach Buchwalde zu fahren. Die Gefahr, die ihm von Rolf Ristows Rachegelüsten drohte, hatte in seiner gegenwärtigen Stimmung einen großen Teil ihrer Schrecken für ihn verloren. Es war doch auch schließlich Torheit, sich durch die Drohungen irgendeines heruntergekommenen Individuums einschüchtern zu lassen! Solche Drohungen wurden sicherlich Tag für Tag zu Tausenden ausgestoßen, ohne daß es darum auch wirklich jedesmal zu ihrer Ausführung oder auch nur zu dem Versuch ihrer Ausführung gekommen wäre. So leicht freilich wie andere, die sich dergleichen einfach durch die Inanspruchnahme der Polizei vom Leibe halten konnten, hatte er es nicht! Dieser Weg war ihm durch Gründe der triftigsten Art verschlossen. Aber er tröstete sich mit dem alten Wort, daß die Hunde, die am meisten bellen, am seltensten beißen, und gab sich im übrigen ganz dem Triumphgefühl hin, das ihn beseelte, als er den Baron Wallberg als seinen Gast vor sich sah. Denn wie auch immer es um den Ruf des Barons bestellt sein mochte, ob man ihn für einen Verschwender und für einen leichtfertigen Lebemann, für einen gewissenlosen Gatten hielt, das gesellschaftliche Ansehen, das seine Herkunft aus einem der ältesten Geschlechter ihm sicherte, wurde dadurch doch kaum erschüttert! Er war noch immer eine der ersten und tonangebenden Persönlichkeiten im Kreise, und die anderen adeligen Familien würden kaum in ihrer hochmütigen Absonderung von der Familie Volkhardt verharren können, wenn sie erfuhren, daß sich ein nachbarlicher und vielleicht sogar ein freundschaftlicher Verkehr zwischen den Wallbergs und den Volkhardts entwickelt hatte. (Fortsetzung folgt.) We. Die Amerikanerin im Rancherwagen. Die Amerikaner haben bekanntlich eine sehr starke Abneigung gegen das Rauchen der Damen in der Oeffentlichkeit, und in den meisten vornehmen Restaurants und Hotels gilt es nicht nur für einen Verstoß gegen den guten Ton, wenn eine Dame raucht: es kam in den letzten Jahren auch oft zu peinlichen Zwischenfällen, in denen rauchende Frauen aufgefordert wurden, das Hotel zu verlassen. Die Abneigung gegen das Rauchen der Frauen führte nun kürzlich, wie der „Neuyork Herald“ berichtet, zu einem amüsanten Zwischenfall auf einem jener Expreßzüge, die von der Westküste nach Neuyork fahren. Eine reisende Dame, Frau McKay, hatte die Kühnheit, mit einer brennenden Zigarette im Munde den Raucherwagen zu betreten, der immer nur von Herren benutzt wird. Ein Teil der im Raucherwagen sitzenden Reisenden erhob recht ungalant Einspruch gegen das Erscheinen der Dame. Sie machten geltend, der Raucherwagen sei ausschließlich für Herren bestimmt, und es kam zu einer sachlichen Diskussion, die damit endete, daß man den Herrn Zugführer herbeirief, um als Schiedsrichter zu wirken. Der Beamte geriet in große Verlegenheit, da das Reglement die Frage des Zulassens von Damen zu den Raucherwagen anscheinend vollkommen übersehen hat. Aber als echter Sohn des demokratischen Amerika fand der Zugführer die beste Art der Lösung: er arrangierte eine Volksabstimmung im Raucherwagen, und dabei ergab sich, daß die Majorität der Herren ihre Stimme für die Zulassung der rauchenden Dame abgab. Die Surrogate des Einjährigen Piper. Garnisonhumoreste von Gustav Kayser. (Schluß.)(Nachdr. verboten.) „Piper, hören Sie mal,“ sagte Stange in einiger Verlegenheit,„was sind denn Surrogate?“ „Surrogate?“ meinte der Einjährige, dem wieder etwas Ultiges schwante, verschmitzt lächelnd,„das ist nicht so ein ach zu sagen; langen Sie mal Ihr Notizbuch heraus, und notieren Sie, Herr Wachtmeister!" Stange malte eifrig hinein und ging dann erstmal zur Kantine hinüber, nach allen diesen Strapazen den menschlichen Leichnam zu stärten. Am nächsten Morgen Punkt sieben Uhr stand die Eskadron in Paradeuniform zu Fuß vor der Kaserne aufmarschiert und wartete der Dinge, die da kommen sollten. Noch bevor Kracht die im Stall vorgenommene Namen=Metamorphose kontrollieren konnte, langte der General mit seiner Suite an, worauf die Inspektion sofort ihren Anfang nahm. Die Besichtigung der Mannschaften lief sehr glücklich ab, und der hohe Vorgesetzte lobte ihren Drill und ihre Strammheit. Dann verlangte er zunächst, die Pferde im Stall selbst in Augenschein zu nehmen. Ihre propre Pflege und die gute Ordnung in den Ställen machten ersichtlich einen vortrefflichen Eindruck auf Seine Exzellenz. Trotzdem sah man dem Rittmeister Kracht an, daß er sich in einem Zustand großer Angst, Grimm und Wut zugleich befand. Plötzlich stutzte der General, nahm das Monokel vom Auge, setzte es fester, um dann ersichtlich belustigt aufzulachen. „Ach!“ rief er dann heiter.„Ach! Alles ist bei Ihnen vortrefflich imstande, lieber Rittmeister von Kracht! Aber über die Namen! He, he, he!— Merkwürdig! Ist Ihnen schon so etwas vorgekommen, lieber Oberst? He, he, he!“ Er deutete dabei auf mehrere Namentafeln, welche mit weißem Papier überklebt waren.„He, he, he, he!“ wiederholte der danebenstehende Regimentschef,„nein, Exzellenz!“ Der General, dem Aussehen nach in heiterster Stimmung, buchstabierte langsam, von öfterem Schlucken unterbrochen:„Zichorienwurzel,“ achtjähriger Schimmel, zwei Jahre beim Regiment; he, he, he, he!„Gebrannte Eichel," neunjähriger Fuchshengst, drei Jahre beim Regiment; he, he, he, he!„Geröstete Feige,“ zehnjährige Rappstute, zwei Jahre beim Regiment; he, he, he, he!„Gedörrte Mohrrübe,“ sechsjähriger Falbe, Remontepferd, he, he, he, he!“ Dem General waren die Augen übergegangen, er nahm sein Augenglas herab und putzte es umständlich.„Wie kommt es, daß Sie königliche Dienstpserde nach in den Handel kommenden Kaffeesurrogaten benannt haben?“ Kracht hätte vor Scham in die Erde sinken mögen. „Ich vernehme diese sonderbaren Namen in diesem ! Augenblick zum erstenmal aus dem Munde Euer Exzellenz! Gestern abend bejahl ich allerdings dem Vizewachtmeister Stange, vier mythologische Pferdenamen, von welchen ich speziell kein Freund bin, durch beliebige andere zu ersetzen, und finde nun diesen kaum faßbaren Unsinn hier angeschrieben!" „So, so,“ meinte der General freundlich,„lieben also auch nicht die schwulstigen Fremdworte, lieber Kracht, geht Ihnen geradeso wie nir. Doch wo ist der Unglücksmensch, der— der Stange?" Bleich und zitternd schob der Gerufene seine wohlgenährte Gestalt aus dem Hintergrunde hervor und faßte vor dem General Posto. „Warum haben Sie lönigliche Dienstpferde „Zichorienwurzel",„Eichel",„Feige" und„Mohrrübe“. getauft? Aeußern Sie sich darüber, Mann!“ gebot die Exzellenz neugierig. „Der Herr Rittmeister befahlen mir gestern, als ich fragte, welche Namen ich an Stelle der alten Griechen nehmen sollte, deutsche Surrogate an, und da hab' ich mir von dem Einjährigen Piper, der als Kaufmann das wissen muß, die Namen seiner Surrogate in den Bleistift dittieren lassen," versetzte der Gefragte, ohne sich zu rühren. „Surrogate mag ich allerdings gesagt haben,“ fiel Kracht ein. „Sie haben damit natürlich nichts weiter als Ersatz gemeint," lächelte der General.„Wie lange dienen Sie bereirs, lieber Stange?“ „Zwölf Jahre, drei davon als Vizewachtmeister, antwortete Stange mit schwankender Stimme. „Und sind noch nicht zum wirklichen Wachtmeister aufgerückt?“ fuhr der General nachdenklich fort.„Sind doch sonst ein strammer stattlicher Soldat! Ihr Streich mit den Surrogaten ist nur auf mangelnde Sprachkenntnisse zurückzuführen, zeugt aber im übrigen von straffer bedingungsloser Subordination unter den Willen des Vorgesetzten! Der Spaß hat mich so köstlich amüsiert, daß ich den Vizewachtmeister Stange hiermit zum wirklichen Wachtmeister ernenne!“ Die Inspektion nahm ihren Fortgang und ging ihrem glücklichen Ende entgegen. Als der General Trieselwitz wieder verlassen hatte, näherte sich Kracht dem wirklichen Wachtmeister, der die ominösen Zettel bereits von den Namentafeln hatte abkratzen lassen, und raunte ihm grimmig lächelnd zu: „Wachtmeister sind Sie nun wirklich in Ihrer EinErzellenz!“