Ge Simmm deimer aben dene ander Feiertags. Bezugoprrtz M.„Doterntzadrich, dei der Post so: Besteügei 42 Pla. gedr. Wöchentl. Gratisdeilage:„Jüustrierte= Samillenfreund“ u. t4gl. Unlerbaltungsbient. Anzeigenpreis: Die Bedengespaltene Pektpeils oben deren Raum 10 Plg., Anzeign oun auzwärts 13 Pla., Redlamezell 40 Plg. Jedn Radan gil als Kasamdah a. ertschi be Nou, tocsen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagrn Setachund epastt-Sestestsiens! Antrlches Kreisbicht Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblan Verbunden mit: für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Scwerier Volkszeitung Schwerker Cageblatt O Schwerker Anzeiger Geltes und Alteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis börde om Haupt-Hononcenblas ule duter und ihelentgüichmn Durnd unngen sor des Arte Hörte enlangrn gumss Bedonnbnachung des Abatglichen Regienung durch Verösenkichung do der„Schweren Jeitung“ srchwoerdindliche Araft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewöbri ihres Abonnenimn föt jeben al Tod enbenben Uaieß ge: dagungen: 300 Mk. Unsall: Druch u. Verlags. Cor Brovo. Schoene.= Rudr Snsd-ient ebt Gusbtrucch Nr. 150. Mittwoch, den 30. Juni 1915. 47. Jahrgang. Die Zucht der Aufsen! Die Russen überall zurückgeworfen. Kämpfe auf russischem Boden. Blülige Verlüste der Franzosen auf den Maushohen. tu Bukarest, 30. Juni.„Universul“ meldet, daß die aus Galizien zurückgedrängten russischen Heeresmassen in Begleitung unübersehbarer Wagenzüge mit Kriegsmaterial ununterbrochen in der Richtung nach Osten zurückfluten. An der Pruth= Front herrschte gestern und vorgestern ziemliche Ruhe; es gab nur kleinere Zusammenstöße, bei denen die Russen stets zurückgeworsen wurden. Deutscher Tagesbericht. Englands finanzieller Niedergang. Die Ekgländer lieben zwar die Freiheit über alles und nichts ist ihnen so verhaßt wie die deutsche Art, welche die Dienstpflicht der Nation ohne Unterschied des Standes zum obersten Gesetz erhoben hat. Aber wo Geldsachen in Frage kommen, da lassen sie ohne Widerspruch auch andere Grundsätze gelten. So fand man nichts dagegen, zu erinnern, als bald zu Anfang des Krieges die Regierung für die wichtigsten britischen Staatspapiere einen Zwangskurs festsetzte. Das politische und militärische Ansehen des Landes mochte unter der Vergeblichkeit aller Anstrengungen zu Wasser und zu Lande Schaden leiden, sein moralischer Ruf dank der Nichtachtung völkerrechtlicher Vorschriften und Gebräuche sich vermindern, wenn Pfund und Sterling ibren alten Kurs behielten, dann ließ das alles sich ertragen.: Die Engländer machen aber jetzt die Erfahrung, daß es auch auf diesem Gebiete einen inneren Zwang der Tatsachen gibt. Die Regierung hatte den Mindestkurs für 2½ prozentige englische Konsols (Staatsanleihe) auf 66½ festgesetzt, mußte sich aber bald sagen lassen, daß um diesen Preis kein Abnehmer für das Papier zu finden war. Nunmehr hat sie sich dazu entschließen müssen, den Zwangskurs weiter bis auf 65% herebzusetzen, was eine neue schme zliche Entwertung oes berühmten„sichersten Pavieres der Welt“ bedeutet. Auch zu diesem Kurse sind, wie aus London gemeldet wird, Verkärfe zwar unmöglich, aber einen Käufer gibt es doch, der sich nicht sperren und zieren darf: das ist der englische Schatzsekretär in höchsteigener Person; denn es gehött zu den Bedingungen der neuen Kriegsonleihe, daß sie auch mit älteren Staatspapieren beglichen werden darf. Der Verlust, den das englische Nationalvermögen dadurch erleidet, daß der Staatsschatz die Konsols zu einem un metere 1½% niedrigeren Kurs in Zahlung nimmt, wird sich nach vielen hunderten Millionen beziff rn. Um die Tiefe dieses Sturzes zu ermessen, muß man sich vergegenwärtigen, daß die 2 1/2%igen Konsols noch in Jahre 1913 zwischen 75.48 und 71,13 ünd im Jahre 1909 noch um 10% höher standen als der ursprüngliche Kriegs urs. Schon bei 66 3/3% mußte der Besitzer auf ein Drittel des Nennwertes verzichten; jetzt ist die Entwertung weiter fortgeschritten und die„Times" bereiten das Publikum schon mit aller Schonung darauf vor, daß es im Oktober nur noch 57 bis 58% für das Papier bekommen werde. Durch die sortgesetzte Drückung des Kurses vermindert also der Staat auf Kosten der Gläubiger seine eigenen Schulden. Er kommt aber insofern nicht in den reinen Genuß dieser ebenso genialen wie einfachen Operation, als er die 2 1/2%igen Papiere in a 1%ige umwandelt, der Verringerung der „Kapitalschuld also eine erhebliche Steigerung der Zinsenlast gegenübersteht. Die 300 Millionen Pfund Sterling alter Konsols verwandeln sich in 200 Millionen Pfund neue Anleihe, aber diese haben eine Verzinsung von 9 Millionen Pfund wtb. Großes Hauplquartier, 29. Juni 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Die Franzosen bereiteten gestern durch starkes Feuer zwischen der Straße Lens=Beihune und Arras nächtliche Infanterie=Angriffe vor, die jedoch durch unser Artilleriefeuer niedergehalten wurden. Auf den Maashöhen griff der Feind die am 26. Juni von uus genommene Stellung südwestlich von Les Eparges im Lause des Tages fünfmal an. Unter großen Verlusten brachen diese Angriffe ebenso wie ein nächtlicher Vorstoß östlich der Tranchee erfolglos zusammen. Oestlich von Luneville gelangten drei von mehreren feindlichen Bataillonen ausgeführte Angriffe gegen unsere Stellungen im Walde von Les Remabois und westlich von LeintreyGondron nur bis an unsere Hindernisse. Der Feind flüchtete in unserem Feuer in seine Stellung zurück. Eine seindliche Artillerie=Beobachlungsstelle auf der Kathedrale von Soissons wurde gestern von unserer Artillerie beseitigt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Es hat sich nichts von Bedeutung ereignet. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Armee des Generals von Linsingen hat den Feind in der Verfolgung auf der ganzen Front zwischen Halicz und Firlejow über die Gnila=Lipa geworfen. An diesem Abschnitt wird noch gekämpft. Weiter nördlich ist die Gegend PrzemyslaniKomionka erreicht. Nördlich Komionka wartete der Feind unsern Angriff nicht ab; er zog sich hinter den Bug unterhalb des Ortes zurück. Nördlich und nordwestlich Mosty=Wielkie (50 km nördlich von Lemberg) sowie nordöstlich und westlich von Tomaszow stellte sich gestern der Feind. Er wurde überall geworfen. Wir stehen jetzt auch hier auf russischem Boden. Unter dem Druck unseres Vorgehens in diesem Raume beginnt der Feind seine Stellungen im Tanew=Abschnitt und am unteren San zu räumen. Oberste Heeresleitung. Oesterreichischer Tagesbericht. (Nichtamtlich.) Amtlich nördlichen Tanew und am nördlichen San=User und begann den Rückzug in nordöstlicher Richtung wtb Wien, 30. Juni. wird verlautbart vom 29. Juni mittags: Russischer Kriegsschauplatz. In Ostgalizien sinz die verbündeten Armeen in der Verfolgung bis an die Suila Lipa und den Bug bei Kamionka=Strumilowa vorgedrungen. Die in dieser Linie stehenden russischen Kräfte werden angegriffen. Bursztyn wurde gestern genommen. Starke feindliche Kräfte, die bei Sielec (nordwestlich von Kamionka=Strumilowa) hielten, wurden heute nach heftigem Kampf unter großen Verlusten auf Krystyiopel zurückgeworfen. Nördlich Nawaruska und nördlich Cieszanow drangen die verbündeten Truppen auf russischeo Gebiet vor. Tomaszow ist in unserem Besitz. Heute nacht räumte der Feind seine Stellungen am nordöstlicher Richtung. Er wird überall verfolgt. In Polen und am Dujestr ist die Lage unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf dem italienischen Kriegsschauplatz hat sich auch gestern nichts von Bedeutung ereignet. Der Feind verschoß wieder viel Artilleriemunition gegen den Görzer Brückenkopf. Das italienische Sanitätspersonal beförderte unter Mißbrauch der Genfer Konvention Maschinengewehre in seinen Tragbahren. Der Stellvertreter des Chess d's Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. jährlich zu tragen gegen bisher 7½ Millionen; die Steuerzahler müssen also die rechnungsmäßige Beseitigung von 100 Millionen Pfund Staatsschuld daduich ausgleichen, daß sie für die Besitzer der alten Anleihe 1½ Millionen Pfund oder 30 Millionen Mark an Zinsen jährlich mehr aufbringen. Für sich selbst weiß der englische Fiskus die Bitterkeit der Pille, die er schlucken muß, dadurch zu mildern, daß er den Zwangskurs der einzutauschenden Papiere noch um 1½% gedrückt hat. Der englische Steuerzahler aber bekommt hier die geschäftliche Rücksichtslosigkeit seiner hohen Regierung auch einmal am eigenen Leibe zu spüren, was wir ihm gewiß von Herzen gönnen wollen. Als die deutsche Regierung ihre Kriegsanleihe zu 5% Zinsen herausgab, hatte sie es nicht nötig, den niedrigen Zinssatz der Friedensanleihe gleichzeitig zu steigern. Unsere neuen Papiere haben sich am offenen Markt vorzüglich gehalten, und es waren keinerlei Zwangsmaßnahmen nötig, um den Erfolg des Geschäftes zu sichern. In England kommt man ohne mittelbaren und unmittelbaren Zwang nicht mehr aus, auch die Zeiten des billigeren Zinssatzes gegenüber den festländischen Großmächten sind bis auf weiteres vorüber. Das alles hat der frevelhaft heraufbeschworene Weltkrieg getan, den man in England als ein „gutes Geschäft“ abzuwickeln gedachte, Statt dessen erleben die Engländer jetzt eine ungeahnte Aufzehrung ihres gewaltigen Kapitalvorrates, an der die stattliche Reihe der Bundesgenossen sich nach Kräften beteiligt. Noch schneller reiten die Toten in Rußland und Frankreich, wo der Staatskredit von Monat zu Monat in schwere Bedrängnis gerät. Die deutsche Reichsbank kann dagegen in ihrem neuesten Bericht mit berechtigtem Stolz darauf hinweisen, daß ihr Stand in der dritten Juniwoche dieses Jahres günstiger war, als in der gleichen Woche des vorigen Jahres. Wir sehen also, daß unsere Finanzverhältnisse sich hinter den militärischen Erfolgen in Ost und West nicht zu verstecken brauchen, und können deshalb der weiteren Abwärtsbewegung des englischen Konsolkurses mit ungetrübter Schadenfreude enteeoensehen. Nochmals das Papst=Interview. tu Bellinzona, 29. Juni. Zu dem Papstinverview, das Latapie in der Pariser„Libertee“ veröffentlichte, äußert sich nun der Kardinalstaatssekretär Gasparri in Form eines Interviews im klerikalen„Corriere d'Italia". Latapie habe durch Zusätze und Herausreißen mancher Aeußerung aus dem richtigen Jusammenhang die Ausführungen des Papstes entstellt. Zu der österreichischen Anklage gegen das russische Heer, daß dieses 1500 Juden als Kugelfang vor sich hergetrieben, habe sich der Papst nicht äußern können, da die russische Darstellung über die betreffenden Vorgänge bisher fehle. Vom deutschen Generalgouverneur in Belgien, v. Bissing, sei weder beim Papst noch beim Staatssekretär ein Brief des Inhalts eingelaufen, das Herr v. Bissing künftig mit großer Energie alle Gewalttätigkeiten gegen Kirche und Klerus in Belgien unterdrücken wolle. Der heilige Stuhl habe natürlich gewünscht, daß Italien dem Weltkrieg fern bleibe, aber nur unter der Voraussetzung, daß Oesterreich die italienischen Forderungen erfülle. Dann habe der hl. Stuhl strengste Neutralität bewahrt, da die Kämpfer auf beiden Seiten zu seinen Söhnen gehören. Den Untergang der„Lusitania“ habe der Papst bedauert, aber keine Stellung dazu genommen, weil ihm die Mittel fehlen, den Tatbestand festzustellen. Japan macht sich wieder bemerkbar. Das schlitzäugige Japan, das so schön im Trüben fischen wollte, scheint nun doch einzusehen, daß es sich in die Nesseln gesetzt hat. Einmal macht ihm wohl die verzweifelte Lage seiner Verbündeten selbst Sorge, denn der schamlose Raub Kiautschous würde selbstverständlich nach dem Zusammenbruch der Entente auch seine Rechnung finden, andererseits aber sieht Japan doch die verzwickte Lage hinsichtlich Chinas ein, dessen mächtiges Gebiet es mit seiner immerhin verhältnismäßig kleinen Truppenmacht nicht genügend in Schach halten kann. Deshalb weist man in Petersburg, nicht ohne geheime Absichten, darauf hin, daß japanische Blätter weiter die dringende Notwendigkeit eines russisch=japanischen Bündnisses betonen. Es heißt daß der eben abgeschlossene Vertrag zwischen China und Japan nicht als endgültige Lösung der ostasiatischen Frage betrachtet werden könne. Englische Intriguen könnten neue Verwickelungen entstehen lassen. Um sich gegen diese zu schützen und China in Schach zu halten, gebe es als wirksames Mittel nur ein russisch japanisches Bündnis. Von zwei Seiten bedroht, würde China zur Beobachtung einer gemäßigten Politik gezwungen werden und sich allen gegenteiligen Ratschlägen verschließen. Die japanischen Blätter wollen schon wissen, daß die Frage eines russisch=japanischen Bündnisses im letzten Kronrat ernsthaft besprochen wurde.— Die japanischen Geschützlieferungen Ffür Rußzland sind übrigens plötzlich eingestellt worden, % angeblich weil sie wiederholt versagt hätten. In Wirklichkeit scheint Japan aber sein Material aus bestimmten Gründen jetzt für sich behalten zu wollen. Freund Japs lehnt ab. Wien, 29. Juni. Das Volksblatt erfährt aus Petersburg, daß die neuerlichen Versuche des Dreiverbandes, Japan zur Teilnahme an der Aktion in Europa zu bestimmen, von der japanischen Regierung endgültig zurückgewiesen wurden. Die japanischen Diplomaten in St. Petersburg machten kein Hehl daraus, daß Japan keine politischen Interessen in Europa habe. Der Wunsch, daß, weil alles andere nicht hilft, und selbst Italiens Eingreifen nicht geholfen hat, nun die Japaner kommen möchten, ist bei unseren Feinden wieder sehr rege. Vielfach wird in der französischen Presse der Vorschlag Pichons aufgewärmt, man möge durch Zugeständnisse in Französisch-Indoching die Japaner zur Entsendung eines Heeres nach Europa veranlassen. Die schlauen Japaner aber lehnen aus mehr als einem wohlerwogenen Grunde ab; sie beschränken sich darauf, Tsingtau zu nehmen, China zu schröpfen und den Russen ein paar schlechte Kanonen zu liefern. Damit haben sie genug getan. Der Krieg gegen Rußland. Der russische Rückzug aus Galizien. bb Berlin, 29. Juni. Aus dem Kriegspressequartier meldet die„Deutsche Tagesztg.“: Der Zusammenhang der schon wiederholt durchbrochenen russischen Front ist durch den durchgreifenden Erfolg der deutschen und österreichischen Truppen in den letzten 24 Stunden östlich und nordöstlich von Lemberg wieder arg bedroht. Der schleunige Rückzug der Russen an jenem Teil der Front kann in kurzer Zeit auch eine Bedrohung der Flanke jener Truppen herbeiführen, die unseren und den deutschen Truppen unter dem General von Linsingen das Vordringen am nordöstlichen Ufer des Duiestr mit erbitterten Gegenstößen zu verwehren suchen. Die Armee Pflanzer=Baltin hatte in den letzten Tagen schwere Anstürme mit unterschütterlichem Heldenmut zum Scheitern gebracht und heute einen verhältnismäßig ruhigen Tag. Nach einem Bericht des„Verl. Lokalanz.“ ist es fraglich, ob der russische Rückzug diesmal vor der Buglinie zum Stehen kommen kann. Es hängt vielleicht mit den am linken Flügel erreichten Erfolgen zusammen, daß die Gegenoffensive der Russen auch am Dujestr= abschnitt und in der Bukowina in den letzten 24 Stunden geschwächt zu sein scheint. Rußlands ungünstige Kriegslage in neutraler Darstellung. Rotterdam, 29. Juni.„Handelsbladet" beschäftigt sich in einem militärischen Artikel mit der Lage auf dem östlichen Kriegsschauplatz, die es als eine für die Russen äußerst ungünstige bezeichnet. Es sei nicht anzunehmen, daß Rußland vor Ende des Jahres neu ausgerüstete und gut einexerzierte Truppen auf den Kriegsschauplatz werfen könne. England sei vielleicht imstande, den Krieg noch bis zum Frühling fortzusetzen, es bleibe jedoch zweifelhaft, ob Rußland und Frankreich so lange Schritt halten können. Der Zar ist wieder umgskehrt. Nach einer über Kopenhagen eingetroffenen Meldung der„Magd. Ztg.“ hat der Zar die angetretene Reise an die Front aufgegeben und ist nach Zarskoje Selo zurückgekehrt. Diese Frontreise des Zaren hatte ein recht interessantes Vorspiel. Sie war unmittelbar nach den Moskauer Unruhen geplant, um die Gerüchte von den Niederlagen abzuschwächen, wurde aber infolge des Widerstandes des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch, der selbst nach Zarskoje Selo wollte, aufgegeben. Der Zar berief jedoch den General Rußki nach Zarskoje Selo, wo dreitägige Konferenzen über die Kriegslage stattfanden, auf Grund deren General Rußki amtlich zum Mitgliede des Kriegsrats ernannt wurde, unter Belassung des Ranges als Reichsratsmitglied. Nun trafen fünf Abgeordnete der Moskauer Stadtvertretung und des Städtetages ein, die eigene Erhebungen über die trostlose innere Lage bekannt gaben. Diese vertröstete der Zar bereits mit seiner eigenen bevorstehenden Frontreise, nach der sich manches ändern werde. Später empfing der Zar keinen Minister mehr, nur noch den Gendarmeriechef Dschunkowski, mit dem er die Unterdrückung der inneren Unruhen besprach. Einberufung der Duma. Wien, 29. Juni. Wie das„Volksblatt“ meldet, wurde in Moskau auch das Besitztum des englischen Konsuls durch die Plünderer beschädigt. Der Stadthauptmann hat jetzt eine Proklamation anschlagen lassen, die der Bevölkerung bekannt gibt, daß der Zar die Einberufung der Duma befohlen habe, damit sie ihm die Wünsche des Volkes unterbreite. Revolution in Kiew. bb Budapest, 30. Juni. Nach Meldungen aus Rußland hat auch in Kiew ein blutiger Aufruhr stattgefunden, bei dem es zahlreiche Tote und Verwundete gab. Russische Truppen aus anderen Garnsonen mußten zur Verstärkung herangezogen werden. Feiedensprediger Nasputin an der Arbeit? tu Wien, 30. Juni. Die„Wiener Allg. Ztg.“ erfährt von unterrichteter Seite: Der bäuerliche Friedensprediger Nasputin, der am Zarenhofe einen eigentümlich großen Einfluß hat, ist bemüht, die maßgebenden Persönlichkeiten des Zarenreiches für den Frieden zu gewinnen. Beim Zaren gelang ihm dies noch nicht. Allein Nikolaus 11. wagt nichts gegen Nasputin zu unternehmen, weil dieser so vorsichtig war, zu prophezeien, daß jedes gewaltsame Schicksal, welches ihn triffe, die Vernichtung der Dynastie Nomanom nach sich ziehen würde. Hungersnot und Epidemien im russischen Heere. Bei den russischen Truppen, die zwischen Dujestr und Pruth kämpfen, haben die Epidemien einen erschreckenden Umfang angenommen. Besonders grassieren Fleckfieber und Blattern. Ein großer Teil der Turkomanen ist blatternkrank und kämpft trotzdem. Infolge der für den Rückzug ungeregelten Verproviantierung leiden die Soldaten stark an Nahrungsmangel. Die Truppen aus den industriellen Gomvernements Rußlands äußern unverhohlen ihre Unzufriedenheit über die Lage und die lange Dauer des Krieges und beschimpfen den Zaren. Die russischem Offiziere sind gegenüber diesem Treiben machtlos. Manche Soldaten haben unter dem Vorwande, daß sie mit den japanischen Gewehren nicht umzugehen verstehen, ihre Gewehre unbrauchbar gemacht. sei. Der Mann also, der frevelntlich den Weltkrieg heraufbeschwor sund ihn zum grausamsten aller bisher geführten Kriege gestempelt hat, bricht unter seinem eigenen Werke zusammen, für das er nach dem Friedensschluß auch vor seinem eigenen Parlas ment die Verantwortung nicht zu tragen vermocht hätte. Die Tatsache, daß der schlaue Grey sich jetzt schon zurückzieht, ist für die Beurteilung der Lage Englands bemerkenswert. Für und wider das englische Munitionsgesetz. tu Retterdam, 30 Juni. Aus Londen wird gemeldet: Bei der Beratung im Unterhauuse äußerte sich Snowden, der großen Einfluß auf die Arbeiter besitzt, sehr scharf gegen das Munitionsgesetz. Die Arbeiterführer, welche sich für das Gesetz aussprechen, könnten nicht als Vertreter der Mehrheit der Arbeiter betrachtet werden. Immerhin wurde die Gesetzesvorlage von den übrigen Arbeiterabgeordneten gut aufgenommen. Der englische Flaggenschwindel. wtb Amsterdam, 30. Juni. Aus Boston wird unter dem 9. Juni gemeldet: Der britische Leyland=Dampfer„Colonial“ fuhr nach den Aussagen des Kapitäns vierzig Stunden lang unter der Flagge der Vereinigten Staaten zum Schutze gegen die Unterseeboote. Das Schiff begegnete am 30. Mai einem englischen Patrouillenboote, das ihm befahl, entweder eine neutrale(!) Flagge oder gar keine zu führen. Der Kapitän hißte sofort Sterne und Streifen auf, solange er durch die Kriegszone fuhr. General Suchomlingpe Reuter bestätigt aus einer Meldung auts Petersburg den bereits vor einigen Tagen von anderer Seite gemeldeten Rücktritt des russischen Kriegsministers Generals Suchomlinow. Nachdem der Minister des Innern Maklakow verabschiedet worden ist, geht nun also auch General Suchomlinow in die Wüste. Und es scheint, als ob ihm noch weitere leitende Persönlichkeiten folgen sollten. Der Krieg gegen Die Schande Frankreichs häuft sich. wtb Paris, 29. Juni.(Nichtamtlich.) Nach Blättermeldungen hat die französische Polizei gestern alle Belgier festnehmen lassen, die sich der Gestellungspflicht entzogen haben. Am Samstag sind in Paris über 40 Belgier verhaftet worden. Die Polizei fahndet auch nach allen Russen, die sich noch nicht gestellt haben. Aus einem Artikel von Hervee in der„Euerre Sociale“ geht hervor, daß in Frankreich außerdem ein großer Druck auf die russischen Juden und die politischen Flüchtlinge ausgeübt wird, denen angedroht wird, daß sie in ein Konzentrationslager geschickt werden, wenn sie nicht nach Rußland zurückkehren oder in die Fremdenlegion eintreten wollen. Hervee spielt auf ein furchtbares Drama an, das sich kürzlich bei der jüdischen Legion in Carency abgespielt hat und das er aus vaterländischem Schamgefühl nicht aufzählen könne. Hervee erklärt, das zwangsweise Vorgehen gegen Staatsangehörige verbündeter Staaten sei eine Schande für Frankreich. Nicht minder schmählich sei die Behandlung, die jenen zuteil werde, die in die Fremdenlegion eintreten. Hervee fordert die Regierung auf, einen solchen Mißbrauch der Amtsgewalt schleunigst abzustellen. Luxemburger in der französischen Armee. Aus Luxemburg wird gemeldet: Durch die deutsche Presse gingen in den letzten Tagen über Luxemburger Freiwillige in der französischen Ar' mee Meldungen, die auf einer mißverständlichen Auffassung einer Zeitungsnachricht aus privater Quelle beruhten. Im französischen Heere dienen keine Luxemburger, die nach Ausbruch des Krieges hinübergegangen wären. Es könnte sich höchstens um ein paar Ausnahmen handeln, von denen man jedoch hier auch keine Kenntnis hat. Luxemburger kämpfen unter den fra ösichen Fahnen im ganzen 541(noch nicht 2 v. H. der in Frankreich ansässigen Luxemburger), und zwar nach einer Angabe, die im französischen Senat am 3. Juni der Abg. Lebert. Berichterstatter für den Gesetzantrag Henry Berenger gemacht hat, der in derselben Rede die Zahl der Deutschen im französischen Heere auf 1027 und die der Oesterreicher auf 1369 angab. Die Luxemburger, die in der französischen Armee zurzeit kämpfen, wohnten bei Ausbruch des Krieges in Frankreich, sind größtenteils dort geboren oder stammen von dort geborenen Eltern. Der Krieg gegen England. Grey scheidet endgültig aus. In der Tagung des liberalen Wahlvereins der Grafschaft London teilte der liberale Parteivorstand auf Grund eines Schreibens Sir Edwards Grey mit, daß der bisherige Minister des Auswärtigen endgültig aus dem Kabinett ausgetreten —— Der Krieg gegen Ilalien. Italien in Nöten. Salandra im Hauptquartier. Lugano, 29. Juni. Viel besprochen wird eine unerwartete Reise Salandras ins Hauptquartier. Angeblich gilt sie nach vier Wochen Trennung einer Aussprache des Ministerpräsidenten mit dem König. Doch kann hinzugefügt werden, daß in Wirklichkeit Salandra mit dem König über die Tatsache verhandelt, daß der Dreibund nicht mehr gesonnen scheint, Italien ein weiteres Zögern in der Teilnahme am Weltkrieg auf anderen Kriegsschauplätzen zu gestatten. Die Wühlarbeit im italienischen Heere. tu Innsbruck, 29. Juni. Die Meraner Krieger sanden bei einem italienischen Gefangenen eine in Rom gedruckte Flugschrift, die unter dem italienischen Soldatenstand verbreitet ist. Die von Vittorio Battistini, der zu den Oesterreichern floh, ges zeichnete Schrift, enthält heftige Vorwürfe gegen die Kriegshetzer, die Italien in den Abgrund stürzen. Der König habe den Krieg nicht gewollt und sei durch Demonstrationen dazu gezwungen worden. Der Aufuuf enthält die Aufforderung, aus den Reihen zu fliehen, sobald sich Gelegenheit dazu biete. Italien und die Türkei. Genf, 30. Juni. Wie der„Matin“ meldet, hat der türkische Gesandte in Rom seine Pässe verlangt.(Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt von keiner Seite vor.) Der Krieg der Türkei. Erneute Flottenaktion vor den Dardanellen. bb Zürich, 30. Juni. Der„Stampa“ wird über die Dardanellenkämpfe gemeldet, daß der Seekampf um die Meerenge mit großer Heftigkeit erneuert wurde. Ein ganzes englisches Regiment in Mesopotamien vernichtet. wtb Stockholm, 30. Juni. Major Pravitz von der schwedischen Gendarmerie in Persien ist gestern hierher zurückgekehrt. Er berichtet in„Stockholm, Dagbladet“ vom 29. Juni, daß die Nachrich= ten, die über die türkischen Kriegsoperationen in Asien nach Europa gelangen, sehr unvollständig seien. So z. B. sei in Europa niemals bekannt geworden, daß ein englisches Regiment von den Türken bei Ahwaz an der persischen Grenze dadurch vernichtet wurde, daß es auf einen unterminierten Landstreifen gelockt wurde, wo es völlig verschwand. Die Balkanstaaten. Befürchtungen in London und Paris. wtb Zu der Wiener Staatsministerbegegnung wird der„Deutschen Tagesztg.“ aus dem Haag telegraphiert: Nach Pariser und Londoner Berichten legen die dortigen Regierungskreise dieser Begegnung eine große Bedeutung bei. Die Zusammenkunft erzeugt im Vierverbande eine arge Nervosität, da dort ein Abkommen der Zentralmächte mit den Balkanstaaten, unter Umständen sogar mit Serbien ein Sonderfrieden, befürchtet wird. Vielfach herrscht in Paris und London große Befürchtung, Rumänien könnte an der Seite der Zentralmächte in den Krieg eintreten. Der verlorene Balkan. Lugano, 30. Juni. Die Nachrichten, die in Italien vom Balkan eintressen, lassen offen erkenneu, daß die russischen Niederlagen alle Hoffnungen zerstört haben. Rumänien unterhandelt zwar, will aber Herr seiner Entschlüsse hinsichtlich des Zeitpunktes bleiben. Bulgarien bleibt nach wie vor unnachgiebig. In Italien herrscht hnsichtlich des Valkaus absolute Hoffnungslosigkeit. Numänien und die Zentralmächte. Zürich, 30. Juni. Die„Züricher Post“ berichtete laut„Köln. Ztg.“ bereits vor einigen gen, daß zwischen Rumänien und den Zentralmächten ein neues besonderes Abkommen geschlossen worden sei. Das rumänische Blatt„Dimineatza“ berichtet, die Verhandlungen Rumäniens mit dem Vierverbande seien an der Unnachgiebigkeit Rußlands gescheitert, das sich der Aufteilung des Banats und der Zuteilung von Czernowitz an Rumänien, widersetzt habe. Aus Budapést wird berichtet, König Ferdinand habe einem österreichischen General eine Audienz gewährt, der dem König Handschreiben des Kaisers Franz Josef überbracht habe. Unsere Verhandlungen in Bukarest. bb Bukarest, 29. Juni. Nach einer Meldung c#is Bukarest hat am Freitag; zwischen dem deutschen Gesandten, dem österreichisch=ungarischen Gesandten und dem konservativen Führer Margilo= man eine längere Besprechung stattgefunden, nach welcher Ministerpräsident Bratianu bei Margiloman erschien. Die Entspannung in Numänien. Bukarest, 29. Juni. Infolge Entspannun. der Balkankrisis wird sich König Ferdinand von Rumänien mit seiner Gattin und den Kindern, wie alljährlich, nach seinem Sommersitze Sinaia begeben. Die Vorbereitungen sind bereits getroffen. Bulgarien und die Türkei. Budapest, 30. Juni.„Az Est“ meldet aus Sofia: Der Konferenz zwischen dem Ministerpräsidenten Radoslawow und dem Präsidenten des türkischen Senats wird große Bedeutung beigelegt und wird in allen Kreisen lebhaft besprochen. Nach der Konferenz hatte Radoslawow eine Audienz beim König. Rußland und Rumänien. wtb Petersburg, 29. Juni. Aus hochautori' tativer Quelle kann ich mitteilen, schreibt der Vers bindungsmann zum Außenministerium, Manuilow, in der„Nowoje Wremja“, daß alle Gerüchte über das Zustandekommen eines Vertrages zwischen den Ententemächten und Rumänien als verfrüht zu betrachten sind. Bratianus Forderungen werden sowohl in Petersburg wie in Paris und London für übertrieben gehalten. Andererseits ist der rumänische Ministerpräsident nicht zu irgendwelchen Zugeständnissen bereit. Die von Rumänien einges nommene Haltung hat von seiten der Kabinette in London und Paris Unterhandlungen sehr ernsten Charakters zur Folge gehabt, die dieser Tage in den Hauptstädten Englands und Frankreichs mit den Vertretern Rumäniens stattfanden. Franzosen und Engländer wiesen die Rumänen darauf hin, daß ihre Wünsche durchaus nicht dem entsprechen, was ihnen gewährt werden kann; die englische und französische Diplomatie wies außerdem auf die möglichen Folgen der so unentschlossenen Politik des Kabinetts Bratianu hin. Serbien und der Vierverband. tu Lugano, 29. Juni. Der serbische Gesandte in Rom, Ristitsch, erklärte einem Ausfrager: Niemals wird Serbien einen Sonderfrieden schließen, denn seine Zukunft ist unlöslich an den Vierverband geknüpft. Wir brechen keinen Vertrag. Das Meer müssen wir erreichen, aber mit Italien gut Freund bleiben und auf Europas Entscheidungen vertrauen, die auch für Albanien maßgebend sein müssen. Wir haben dort mir Stellungen eingenommen, um gegen weitere albanische, von Oesterreichern und Jungtürken genährte Feindseligkeiten gesichert zu sein. Ristitsch hält die italienische Oeffentlichkeit, wahrscheinlich ermutigt durch die Vorgänge Dder letzten Monate, noch für unzurechnungsfähig. Montenegro annektiert Nordalbanien. Zürich, 29. Juni. Die„Züricher Ztg.“ meldet: Die Montenegriner haben auch in Skutari die dauernde Besitzergreifung Nordalbaniens durch Montenegro proklamiert. Der Einzug der Montenegriner in Skutari. tu Lugano, 30. Juni. Italienische Blätter melden: Am 27. Juni mittags zog das montenegrinische Heer in Skutari ein. Die Bevölkerung bereitete ihm einen festlichen Empfang am Stadttor. Der montenegrinische Generalstab installierte sich im Konak. General Wukotitsch teilte den Konsuln mit, daß er namens des Königs Nikita von Skutari Besitz ergreife. — Der Wiederaufbau Ostpreußens erfordert gewaltige Mengen Holz, deren Beschaffung sich über ganz Deutschland erstrecken wird. Nach Untersuchungen, die in den zerstörten Städten Ostpreußens vorgenommen worden sind, hat die gesamte deutsche Holzindustrie große Holzlieferungen nach Ostpreußen zu erwarten, weil die ostpreußischen Sägewerke, die selbstverständlich zunächst alles das an Nutzholz hergeben, was sie preduzieren können, ohne Teilnahme an den Holzliefenungen seitens anderer Holzhandelshäuser in Deutschland den entstehenden Bedarf zu decken nicht in der Lage sein werden. Es sind bereits große Holzmengen von Firmen in Schlesien, Sachsen, Hannover, im Rheinland nach Ostpreußen verschickt worden. Der Gesamtbedarf an Holz wird auf einen Wert von rund 50 Millionen Mark beziffert. Zeitung. Mittwoch, 30. Juni 1915 + Amtliches Kreisblatt. ist noch nicht abzusehen Wohl haben wir herrliche, unvergleichliche Erfolge im Osten und Westen errungen, wohl können wir mit Zuversicht auf unseren endeültigen Sieg das Ende dieses gewaltigsten Völkerringens aller Zeiten abwarten, aber mehr denn je fesseln jetzt die letzten verzweifelten Anstrengungen unserer Feinde die Gemüter und mehr denn je ist die Zeitung mit das Unentbehrlichste in jeder Familie geworden. Die „Schwerter Zeitung wird es auch in der kommenden Zeit als ihre vornehmste Pflicht halten, über alle Vorgänge auf den Kriegsschauplätzen schnell und zuverlässig zu berichten. Ein umtangreicher Nachrichtendienst, der eigens für diesen Zweck eingerichtet ist, übermittelt uns stets das Neueste von den verschiedenen Fronten. Neben dem Wichtigsten in dieser ernsten Zeit, den Kriegsnachrichten, findet auch der übrige textliche Teil unserer Zeitung die ihm gebührende sorgfältige Bearbeitung. Unsere Leser daheim und vor allem auch die da draussen im Schützengraben sollen schnell und ausführlich unterrichtet werden über alles, was in der Heimat vorgcht Daneben werden spannende, gut ausgewählte Romane und Novellen und sonstiger Unterhaltungsstoff dem Lesebedürfnis in reichem Masse Rechnung tragen. Wer daher eine Zeitung lesen will, die für alle Bedürfnisse sorgt und die allen an sie gestellten Anforderungen entspricht, der bestelle die Schwerter Zeitung, die monatlich nur 70 Prg kostet. Bestellungen werden jederzeit von unseren Boten, in der Geschäftsstelle(Gr. Marktstr.) und bei Herrn Ad. Neumann(Hüsingstrasse) entgegen genommen. Verlag und Redaktion. Die Vierverbändler unter sich. Von den Dreiverbandsstaaten hatte sich be kanntlich der eine immer auf den anderen verlassen, und da nun keiner etwas leistet, beschuldigt jeder den Verbündeten mit seinen Leistungen hinter den Erwartungen zurückzubleiben. Auch Italien beginnt bereits, sich in diesen lieblichen Chorus einzumischen. Dem Schmollen und Grollen folgt dann die Aussöhnung und gegenseitige Tröstung, die nicht minder erheiternd wirkt als die brüderliche Anklage. Londoner Blätter trösten über die erlittenen islederlagen, indem sie von der Petersburger Beschuldigung ausgehen, England wäre für den Krieg ganz unzulänglich vorbereitet gewesen. Das ist richtig, sagen die englischen Militärkritiker; es ergehe in dieser Beziehung den Engländern aber gerade so, wie den Russen. Beide seien bisher außerstande gewesen, ihre gesamte Truppenmacht ins Feld zu führen; das sei erst im nächsten Frühjahr möglich. England werde außerdem noch durch seinen Munitionsmangel behindert. Die Zwischenzeit ist eine schwere Periode; man dürfe sie sich aber durch Ungeduld und gegenseitige Beschuldigungen nicht noch erschweren. Wenn Deutschland jetzt wieder Verstärkungen von Osten nach dem Westen, sende, habe Ruhland ja Gelegenheit, erneut vorzugehen. Das ist ein schlechter Trest für das zerschlagene Rußland, das vergebens auf eng, lische Taten wartet. Die öffentliche Meinung Frankreichs ist ganz und gar empört über die Drückebergerei Englands und dessen Vertröstung ef spätere Zeiten. Frankreich, so erwidern die Pariser Blätter, von ihrem Standpunkt nicht mit Unrecht, hat so viele Opfer gebracht, daß es die größte Beschleunigung in der Befreiung französischen Bodens vom Feinde mit gutem Recht von seinen Verbündeten fordern darf. Dieser häusliche Streit der Vierverbandsstaaten ist nicht nur amüsant, sondern auch ein untrügliches Zeichen des Zusammenbruches unserer Feinde. Tügen. Die Lage der russischen Kriegsgefangenen. in Deutschland. :: In russischen Blättern erscheinen seit einiger Zeit ständig Artikel über die schlechte Lage der russischen Gefangenen in Deutschland, neuerdings auch aus Soem russischen Hauptzuartier, also aus offizieller russischer Quelle. Die„Rjetsch“ hat vor einiger Zeit eine scheinbar offiziöse Mitteilung der russischen Regietung gebracht, daß sogar die spanischen Diplomaten, die von ihrer Regierung beauftragt gewesen seien. die Gefangenenlager in Deutschland zu besuchen, zu dem Schluß gekommen seien, die Lage der russischen Kriegsgefangenen n den Lagern sei sehr schwierig geworden. Diese Behauptungen sind, wie die„Nordd. Allg. Ztg." nach Mitteilungen, die ihr von besonderer Seite zugegangen sind, schreibt, nur ein neues Manöver in dem tendenziösen Pressefelbzug, den die Ententepresse gegen Deutschland seit dem Beginn des Krieges führt. Wir wir aus zuverlüssiger Quelle hören, haben die Ententemächte jetzt auch den Verjeden Erchen Regieügenseldzug such gemacht— allerdings ohne folg—. die Vertreter der spanise rung zu veranlassen, in diesem Li gegen Deutschland mit einzustimmen. Ueber die wahre Lage der russischen Gefangenen ist folgendes zu sagen: Die russische Regierung kümmert sich in der Tat recht wenig, um nicht zu sagen, überhaupt nicht um ihre GefanEs besteht für uns kein Zweifel, daß die nissische Regierung über die wahre Lage der tussischen Kriegsgefangenen durch die Berichte der spanischen Botschaft und durch die mündsichen Witteilungen eines Mitgliedese der panis sen Botschaft von hohem Rang, das üngst im Interesse des Schutzes der Russen in Petersburg gewesen ist, ganz genau unterichtet worden ist. Kriegsrat beim Rücktritt des russischen Kriegsministers. :: Z w e i M e l d u n g e n v o n b e s o n d e r e r B e deutung kommen aus Petersburg und zeigen an, daß sich in Rußland wichtige Beschlüsse vorbereiten. Zunächst meldet Reuter, daß der russische Kriegsminister Suchomlinow zurückgetreten sei. Bestätigt wird diese Meldung durch nachstehendes Telegramm aus Petersburg, das im übrigen von einem russischen Kronrat Kenntnis gibt: :: Im großen Hauptquartier hat im kaiserlichen Zelte unter dem Vorsitz des Kaisers eine Sitzung des Ministerrates stattgefunden, der beiwohnten: der Großfürst und Generalissimus Nikolai Nikolajewitsch, sein Generalstabschef, der Ministerpräsident, der Kaiserliche Hausminister, der Reichskontrol= leur, die Minister für Verkehrswege, Ackerbau, Auswärtiges, Finanzen, Handel, Inneres und der Verweser des Kriegsministeriums General der Infanterie Polivanow. Nleber das Ergebnis dieser Ministerlon#erenz verlautet noch nichts. Auch steht noch nicht fest, ob General Polivanow mit dem Kriegsministerium dauernd betraut werden wird. Es verdient nämlich Beachtung, daß das Stockholmer Blatt„Swenska Dagbladet“ über Paris erfährt, daß der frühere, in Ungnade gefallene Gener#l Kuropatkin zum Nachfolger des Kriegsministces Suchomlinow bestimmt sei. Die Ursache zu diesem Ministerwechsel sucht man in den Niederlagen auf den galizischen Kriegsschauplätzen. und kk. Als Arras den Oesterreichern g-Lörte... Daß Arras, der bekannte vielumkämpfte Fildkröte in S orr: aus it in den jen silianise schildkröte gen liche Gewicht tk. Fang einer silien. Wie dem York geschrieben u Maitagen an der Staates Para eine gen worden, die da 453 Kilogramm, also fast 9 Zentnern, reichte. Das Tier war über einen Me breit und fast zwei Meter lang und n weniger als 9 starke Männer waren nöt um es fortzutragen. Es ist dies zweifel eines der größten Eremplare, die je gegen wurden; denn im allgemeinen uh steigt das Gewicht der Tiere 400 Kilograg nur in Ausnahmefälten. Sy tk. Woher komt die Bereichnung un Sam“? Wenn wir hier heute scherz### und ein wenig solittisch von den ren Staaten von Amerika sprechen, so gen wir sie wohl auch„Unele Sam“ nennen“ Fs ist dies eine Bezeichnung ähn der für Engländer angewendeten„In Bull“ oder ähnlich dem„Deutschen Mic Der deutsche Michel verdankt seinen namen vermutlich einem satirischen das den Deutschen als Bauern mit Schlafmütze darstellt. Auch der Name Bull“ für England und„Maxiange“ Frankreich ist in ähnlicher Weise enstau Auf weniger Phantasie geht aber der „Unele Sam“ zurück, nämlich nur aufl Buchstabenbild und zwar auf die A zung U. S. Am.(United States of Am ist der englische Name der Vereinigten# ten). Ein Spaßvogel hat einmal diesen sangsbuchstaben die scherzhafte Beden# gegeben und seit der Leit hat das unter dem Streifen= und Sternenbannen# se Bezeichnung behalten. □ Unkräuter. Wer hinaus aufs über das 5 ibt. Ort in genen. Die Gefangenen erhal: schüsse, noch gehen ihnen irgend gaben aus der Heimat zu, im den Engländern, Franzosen u. giern. Ein anderer Beweis dai der russischen Regierung im nommen die Lage ihrer Ge weder Zuche Liebesensatze zu selbst BelHerzen liegt, ist der, daß sie ie wenig unde geenen am schen Regierung niemals die Bitte ausges rochen hat, die Gefangenenlager besichtigen zu lassen. Wenn solche Besuche trotz des Mangels an Interesse auf russischer Seite stattgesunden haben, so ist das nur dem hingebenden Eifer der spanischen Botschaft zu verdanken, welche die Inspektionen der französischen Gesangenenlager, die sie im Auftrage der franz## Regierung vorgenommer##, auch auf die Russen mit ausdehnt. Ein anderer Grund dafür ist das Entgegenkommen der deutschen Regierung, die keine Einwendungen gegen solche Besuche erhoben hat.... Für jeden, der sich von der Ungerechtigkeit des tendenziösen Feldzuges der russischen Presse überzeugen will, wird es genügen, die Berichte der schweizerischen Delegierten, der Herren von Marvall und Eugster, zu lesen, die von dem internationalen Komitee des Roten Kreuzes in Genf gedruckt worden sind. Frankreich, einmal den Oesterreichern gehörte, dürfte nur den weniesten bekannt sein. Das war zu jener Zeit. als auch die Niederlande unter der Herrschaft der Habsburger standen; es war lange Jahre, seit die Grasschaft Artois an Burgund gekommen war, Sitz der Hoshaltung der.. lichen Burgunder Herzöge gewesen, L#s es 1482 samt der Grafschaft Artois an Frankreich siel. Aber schon bald darauf(1493) kam es unter habsburgische Herrschaft. Der erste Habsburger, dem die Stadt Arras hulwar Kaiser Maximilian, der berühmte 1640 wurde sie von dem französischen König Ludwig XIII. erobert. Und seit tener Zeit blieb sie in französischem Besitz. Zwar versuchte im Aufstand der Fronde der geniale Conde, Arras mit Hilfe der spanischen Habsburger 1654 zurückzugewinnen; aber das Schicksal des ganzen Landstriches ward durch den Sieg Turennes vom gleichen Jahre entschieden und im pyrenäischen Frieden, der ein halbes Jahrzehnt später geschlossen wurde, ward Frankreich ausdrücklich im Besitz der Stadt bestätigt. Bemerkenswert ist übrigens, daß in Arras die beiden Robespierre geboren wurden deren Name als Fanal durch die Geschichte der französischen Revolution leuchtzeht, wird sich gewiß freuen üver. nigfache Grün das ihn überall Landstraßen, Feldwegen Waldrändern ich eine üppige wilde Vegetation, oft ich geformte Pflanzen und Pflänechen unten Blüten versehen, und selbst in feldern und Gärten mitten unter Ku flanzen tauchen sie auf: hier aller! iichts weniger als Fronde berei#e#n nanches, was der Städter vielleicht zu schönen Blumen" rechnet, ist den## euten da draußen verhaßt und gehört den Unkräutern, den innliebsamen Gewa veil diese das Gedeihen der Kulturpflat# seeinträchtigen, indem sie ihnen Raum, licht und Nahrung wegnehmen oder chmälern. Man teilt die Unkräuter ei samen= und Wurzelunkräuter. Zu dem teren gehört der größte Teil aller Und er; es sind immer nur ein= oder zweijä# Pflanzen, so daß eine Fortpflanzung Samenerzeugung unmöglich wäre. menerzeugung ist denn auch eine ganz heure: eine einzige Pflanze vom Ackc hat z. B. 6000, Spitzwegerich 15000 Wucherblume 26000, wilde Möhre 110 Kamille sogar bis 310 000 Samen usw. der Hederich, das Kreuzkraut, die## der Schachtelhalm, die Distel, der H#### tig. die Kornrade und Kornblume geht den unliebsamsten Unkräutern. 4¾ Aufschriften der Feldpostsendu Im Betriebe der Feldpost macht sich in tem Umfange der Uebelstand geltend, die auf die Sendungen geklebten Aufs ten unterwegs abfallen, wodurch die dungen unbestellbar werden. Besonders es die Umhüllungen aus Oelpopier, denen die Aufschriftzettel schlecht haften olche Umhüllungen mut. die Aufschrift Tinte niedergeschrieben werden. Dornige Roman von J. v. Düren. Ernestine legte beruhigend ihren Arm um die Erregte. g.. fE(,„Jast M „Du findest Dich schon selbsr zurna, Liebling; ich aber möchte von Dir ganz Dein Vertrauen, Deine Offenheit. So gelingts uns beiden, schneller ans Ziel zu kommen.“ „Ach, wie hätten wir unser Leben gestalten könneu, wenn wir versucht hätten, mehr miteinander, als nebeneinander zu leben, einander zu erkennen. Warum flohen wir Dich?“ „Vielleicht war meine Art nicht die rechte; ich stand ja auch mitten im Kampf. Auch meine Jugend führte mich nicht immer auf glatten, sonnigen Wegen.“ Edith schwieg und sah zu Ernestine auf. Die feinen Schmerzenslinien und Falten um Angen und Mund erzählten von mauch herbem Leid, das stumm geworden. In ihrer Seele dämmerte eine Ahnung auf, daß die Schwester jahrelang neben ihr hergegangen, fremd— allein, unerkannt, ja, oft verkannt, und daß sie sie selbst so oft verhöhnt und in ihrem Egoismus über sie lieblos urteilte, daß ihre Wesensart nicht der ihren glich. Um welch ein inneres harmonisches Zusammenleben hatten sie sich gebracht! Nun sie einander verstehen würden, riß sie das Schicksal auseinander. Die Mutter verlangte die Töchter, und Ernestine blieb dann allein. In jäher Bewegung klammerte sie sich an die Schwester.„Ach, daß ich doch bei Dir bliebe! Aber zu spät, alles zu spät.“ „Nicht doch, Edith, nichts ist zu spät. Denke, welch frohes Leben Du vor Dir hast. Ein ehrliches Wollen hilft über alles fort. Erst mußt Du wieder die alte werden; dann kommt alles andere ablein..490 Barht Aber 9.e „Uebermut? Nein, damir is. P ooldel. über das enheit, er=s druckt worden sind. volution le e e e enn ne er ech...d urd stars. merden, Zie mit ka viel awiche nicher ist kein Fehler. Ich fühle mich gesund und start; ich kann nun die Arbeit ernst aufnehmen.“ Ernestine küßte lächelnd die heißen Wangen: „Gemach, gemach! Wer wollte schon wieder ohnmächtig werden. Noch heißt's, sich schonen und recht gehorsam sein. Doch nun noch die letzten Briefe hier, Hohenfels kündet sich für ein paar Stunden für Ostersonntag an. Er kommt mit seiner Schwester, die hier ihre Lehrjahre als Probeschwester im Kreiskrankenhaus absolvieren soll. Ich freue mich auf beide. Das sollen ein paar gemütliche Stunden werden. Morgen könnt Ihr beide mit Hilfe unseres Hausgeistes die bewußten Mandelkuchen backen, die er so gern bei uns gegessen. Nun lebt wohl, Kinder; ich bin pünktlich zu Tisch.“ Am Ostersonntag lachte die Sonne hell ins Empfangszimmer Ernestines, den runden Sofatisch deckte schneeiges Leinen. In der Mitte prangte ein hoher Berg der berühmten, kunsperigen Mandelkuchen. Um das Oelbild des Vaters, das die Mittelwand zierte, hatte Edith die ersten grünen Zweige gewunden. Und die grauen Samtkätzchen daran bildeten mit der schwarzen Florschleife einen hübschen Abschluß des Kranzes. Im großen, grünen Kachelosen knisterten lustig schwere Buchenscheite. Die ersten Apriltage hatten noch tüchtigen Nachtfrost gebracht. Die Uhr unter dem gewölbten hohen Glassturz aufdem blankpolierten, geschnörkelten Spiegeltischchen schlug vier. Maria, die am Feuster Auslug gehalten, sprang auf. „Ich höre Wagenrollen. In wenigen Minuten müssen sie hier sein.“ Edith ging eilig hinaus: „Laß mich nach dem Kaffee sehen.“ Maria antwortete nichts. Sie drückte ihre Hände fest auf das heftig klopfende Herz, das ihr die Brust fast zu sprengen drohte. Jetzt sollte sie den geliebten Mann wiedersehen. Wie hatte sie den Augenblick ersehnt und zugleich gefürchtet. Würden nicht von neuem Hoffnungen und Wünsche in ihr wach werden, die mir so vier Mühe nievergerungen? War sie stark geuug, ihre heiße Erregung zu meistern? Sie fühlte mit wachsender Angst, daß ihre Augen, ihre bebenden Hände, ihr ganzes Wesen, das ihm entgegenflog, sie verraten mußten. Und dieses Erkennen nahm ihr den letzten Rest ihrer Fassung. Jetzt bog der schwerfällige Doktorwagen, in welchem Ernestine die Gäste geholt, um die Ecke, um im nächsten Moment vor dem Hause zu halten. Maria stand mitten im Zimmer, während Edith von der linken Seite des Flurs zur Haustür geeilt war, um die Ankommenden zu begrüßen. Wie im Traum vernahm Maria die tiefe, weiche Stimme Hohenfels. Nun stand er vor ihr und schüttelte ihr herzlich die Hände. In seliger Verwirrung schaute sie zu ihm auf. Er hatte sich in den letzten Monaten verändert. Seine hohe Gestalt schien straffer und breiter geworden. Sein ganzes Wesen atmete Frische und Lebensmut. Der müde, bittere Zug war verschwunden. Das Leben hatte ihm wieder Hoffnungen und Arbeit gegeben. Lohnende Arbeit auf eigenem Grund und Boden. Die Freialles Schöne und Edle gehabt. Dann berichtete über Berlin, rühmte das gastfreie Haus Leos un die aumutige Art Magdalenes, mit welcher#1 ihren schweren Repräsentationspflichten ohlag. G sprach von Baby, dem blassen Bübchen, dem e scheinbar an Freiheit und frohem Austollen fehlt Maria lauschte der geliebten Stimme mit alle Fasern ihrer Seele und merkte wohl, daß den letz ten Berichten die echte warme Offenheit fehlte. S. klangen gezwungen und unfrei. Hohenfels schie trotz der ausführlichen Erzählungen nicht übe zeugt zu sein von dem häuslichen Glücke des Freu## des. Ernestine unterhielt sich lebhaft mit Lonn Hohenfels über ihre künftige Tätigkeit. Beide schin nen aneinander Gefallen zu finden. Der feste Will sich selbständig zu betätigen, war der Grundzug## beider Wesen. Edith versorgte die Gäste und kün merte sich um das äußere Behagen aller. Es wo ihr eine Wohltat, sich rastlos zu beschäftigen, un am Abend recht ermüdet den ersehnten Schlaf# finden. An ihr nagte noch immer der nüchter## Abschluß jener Episode, die sie so ganz erfüllt um von der sie so viel Großes und Edies erhofft hatt Arbeit auf eigenem Grund und Boden. Die Frei= von der sie so viel heit gehörte ihm, die er so lange ersehnt, die er Es war doch schwer, ohne beglückendes Träumes wie ein Himmelsgeschenk dankbar begrüßte. Seine ohne süß sehnsüchtiges Hoffen Tag um Tag fortz# Schwester glich ihm. Sie war der Typ einer preu=leben und immer nur Pflicht und Arbeit zu kei## ßischen Offizierstochter, schlank, rassig, trainiertinen. Die Schwere des Kampfes lastete drücken glich ihm. Sie war der Typ einer preußischen Offizierstochter, schlank, rassig, trainiert und hellblond. In ihrem schmialen, farolosen Gesicht leuchteten ein paar Augen, die viel von durchwachten Nächten und heimlich vergossenen Tränen zu erzählen wußten. Diese Augen umfaßten liebevoll die zarte Gestalt Marias, der es schien, als ob sie Antwort geben wollten auf Fragen, die die freundlich plaudernden Lippen verschwiegen. Man machte sich's am Kaffeetisch gemütlich. Hohenfels erzählte lebhaft von seinem neuen Besitz und der eigenartigen Schönheit des alten Schlosses, in welchem der verstorbene Vetter einsam und weltfreind gehaust, das er aber mit feinem Kunstsinn ausgestattet und damit das Zeugnis abgelegt hatte von dem tiefen Verständnis, das er für en und immer nur Pflicht und Arbeit zu kei nen. Die Schwere des Kampfes lastete drücken Indessen wob die Dämmerung ihre feuch dunklen Schleier und legte sie dicht vor die Fei## ster des Doktorhauses. Ernestine und Lonny schich ten sich an, einen Besuch im Krankenhaus zu m chen und bei dem leitenden Arzt vorzuspreche Edith traf Vorbereitungen zum Abendbrot unFritz von Hohenfels setzte sich zu Maria, um u# ihr zu plandern. Maria hörte ihm schweigend z Sie gab sich ganz der Seligkeit hin, dem heimli Geliebten nahe zu sein. Ein wunschloses Gli### überflutete ihre Seele. Durch ihre halb gesenktei# Lider tranken die Blicke sich satt an seinem Antli# das ihr nie so schön erschienen wie heute. Im Zin### mer war es dunkler geworden. 225.) Die auf den Pland-Verstelgerungen nicht verkauften Sachen, wie Anzüge, Ueberzieher, Joppen, Hosen, Röcke Jacken, Talllen, Mäntel etc. etc. Garnierte denhitte## rosse Auswahl schöner Muster Geikdelkate- zäusserst billigen Preisen empfiehlt 3115 Taper Grosse Auswahl schöner muster Ober- u. Unterbetten— Pfühle, Kissen VII- ung un Taschenuhren, RegulateurChten uhren, Freischwinger Fabrräder, Nähmaschinen Musikinstrumente, phologr. Apparate, Konversations-Lenlkons u. sonst. Bücher eic. können täglich in unseren Geschäftsräumen zu sehr billigen Preisen gekauft werden. Die Sachen sind teils gebraucht, teils neu. Pfandleih-Anstalt A. Eick& Comp. Balkenstr. 38 Dortmund Hikoleistr. 3, werden wegen vorgerückter Saison weit unter Preis verkauft. 3034 Zur Prozession empfehle: Lilien, Kränze, Schärpen und Bänder. A. Kaufhold Hwe. Aeltestes und grösstes Geschälft der Branche am Platze. 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Wir bemerken, daß nach den Bestimmungen des Stifters bei der Zuwendung nur bedürftige, besonders begabte und sich gutführende Schüler, deren Eltern in Schwerte wohnen oder daselbst verstorben sind, berücksichtigt werden können. Schwerte, den 26. Juni 1915. Magistrat. Rohrmann. 3084 Gl Verband Wesfälischer Abeisnachwesse. Die Arbeits=Nachweisstelle Schwerke Fernspr. Nr. 213 411 vollständig kostenfrei. mit guten Zeugnissen, im bei hohem Lohn und guter Ve= Liekhstraße 4 Haushaltnach Düseldorfgesucht,„vermitlelt Arbeitskräfte aller Ark Angeb. unter F. 3104 an die Gesch. d. 3ig. zu verkaufen. Liethstraße 19. Hinweis. Der heutigen Auflage ist eine Beilage der Firma Gebrüder Stein, Schwerte betreffend = Weiße Woche= beigelegt, die wir geneigter Beachtung empfehlen. e. 2ie Tnouon Dyjgfo lietert schnell und sauber Ar auer-urTolss Ruchdruckerei E. Rraus assende Das ganze Jahr geötfnet. Sei- und natbrliche Kchlensäure. 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Grund des S 1S f. des Reichegeseh Batt Seie 319 mit Ermächigung des Hern Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. It. unter dem Rindviehbestande des Landwirts Schwab zu Garenfeld. Als Sperrbezirk wird bestimmt: Orlschaft Garenfeld. Nseuchenpolzelchen Anordnung vom 25. März 191= lsch de che. glscden Aus seichalse grier Selung von 31. Beodsachtungegesie Bizeishz Ver geigunten Anoent. Die Abschnilte I1I—#II einschneßlich, ver genannten„Anordnung bleiden mit der Maßgabe besteben, daß der erste Satz des§ 5 Jiffer 1 wie folgt geändert wird. In dem Amte Westhofen wird verboten. Hörde, den 24. Juni 1915. Der Landrat. S. 9 Dr Burchard. DORTMUND Pfandleih-Anstalt , A. Fick&am; Coung. Makulaturpapier empfiehlt billigs Carl Braus. Schwerte(Nuhr) Sedeltell Sis Mollls-Sehautshotel! Jeden Tag neue Auslage in billigen Büchern. Buchljändlung Sarl Braus, Sehhertt-.,, Grosse Marktstrasse 3—5. seinem Arm dahinschreitet, schön, ruhig und sicher, jider Zoll eine Fürstin. Karl Fischer sieht ihr nach, wie sie, stets von einem glänzenden Kreise umschlossen, sich nur langsam sorlb wegen kann, und ein tiefer Seufzer entflieht seinen Lippen, während seine bewundernden Blicke ihr folgen und er leise vor sich hinmurmelt:„Sie ist die Königin des Festes, ist Braut, und ich— nur ein Angestellter ihres Vaters!“ Da fühlt er etwas Kühles, Weiches in seiner Hind, er hebt es empor, ach, es ist die Rose, die ihrem Strauße entsallen, die seine Finger krampfhaft umschlossen gehalten. Ist's nicht eine Totenblume, die weiße Rose? Und doch sagte sie, daß sie sie vor anderen liebe.— Er hebt die weiße Rose an sein erhitztes Gesicht und atmet begierig den süßen, kühlen Dust. Dann birgt er sie wie etwas Kostbares an seinem Herzen. Wieder rauscht der Flügel der Zeit, und Jahre entschwinden. Auf dem einsamen Friedhof im stillen Elbtal, auf den die Särge in Kähnen gefahren werden müssen, ist es gar friedlich. Das kunstlose Gezwitscher der kleinen gefiederten Sänger füllt die Luft, und der süße Duft von Tausenden von Blumen zieht hin und wieder. Am Mittelgange rechts liegt ein frisches Grab. Wann ist es gegraben? heut, gestern oder vor Wochen! Gewinde von weißen Rosen bedecken es. Weiße Rosen in jeder Entwicketungsart, Knospen, halberblühte vollentwickelte Rosen. Sie werden so oft erneuert, daß es täglich aussieht, als seien sie frisch darauf niedergelegt. Und immer bringt sie ein einsamer Wanderer daher— der Sohn des früheren Gärtners im Elbschlößchen; sie wissen es alle, aber niemand wundert sich darüber, das ist nun so, die Leute sind's gewohnt geworden. Er war bei der Firma angestellt, drüben in den üb. rseeischen Geschäften; aber als dann das grose Unglück kam und das Haus fallierte, da ist er zurückgekehrt und seitdem in der Heimat verblieben. Sie brauchte doch jemand, eine treue Seele, auf die sie sich verlassen konnte; denn Herr van der Werft überlebte das Unglück nicht lange. Ja, ja, sie hatten sich eben beide getäuscht, der große Handelsherr, der die vielen Passiva seiner Firma durch den reichen Schwiegersohn decken, und der vornehme Magnat, der seinem verschuldeten Besitz neuen Glanz durch die Hand einer reichen Erbin verleihen wollte. Wer von ihnen war der beste Komödiant gewesen??— nur das blieb zu entscheiden. Gleich nach der Hochzeit kam es zutage, und Serena wußte, daß sie sich dem ungeliebten Galten umsonst geopfert hatte! Das fraß an ihrem Leben, und als der erste Schrei des jungen Stammhalters das Elbschlößchen durchzitterte, schloß die junge Mutter ihre schönen Augen für immer. Ihr Gatte ließ sie mit Pomp bestatten, dann aber kehrte er dem stillen Hause den Rücken, um das alte ungebundene Leben mit Jagd= und Spielgenossen wieder aufzunehmen. Auch das Kind starb bald darauf wieder, ein zartes Pflänzlein, das nicht gedeihen mochte ohne den Sonnenschein der Liebe. Um die stillen Gräber kümmerte sich niemand, niemand als der wortkarge Mann, der für einen bescheidenen Mietszins in dem früheren Gärtnerhäuschen Wohnung genommen. Dort züchtet er eine besonders schöne und herrliche Art weißer Rosen, die er Prinzeßrosen nennt, und wenn sie recht prächtig erblüht sind, dann fährt er mit ihnen hinüber, zu Kahn über das seichte Wasser, um drüben das stille Grab damit zu decken. Der größte Kran der Welt. Trotz hartnäckiger Versuche ist es bisher weder der englischen noch der amerikanischen Industrie gelungen, die deutschen Leistungen im Bau von Schwerlastkranen zu übertreffen; besonders in den letzten Jahren hat die Technik auf diesem Gebiete in Deutschland große Fortschritte gemacht. Ihren äußeren Ausdruck findet diese wachsende Leistungskraft unserer Industrie in dem gewaltigen neuen Riesenkran, der in Hamburg auf den Werften von Blohm und Voß Aufstellung gefunden hat, und der für sich den Ruhm beanspruchen kann, der größte Kran der Welt zu sein. Der Riesenkran, der weithin sichtbar das Hafenbild beherrscht, ist als Hammerwippkran gebaut und besitzt eine Tragfähigkeit von nicht weniger als 250000 Kilogramm. Der mächtige Ausleger ist 56 Meter lang, sein vorderer Arm kann hochgeklappt werden, um bei weiter wachsenden Höhenabmessungen der Schiffe auch in Zukunft noch allen Ansprüchen zu genügen. Ist der Ausleger hochgeklappt, so ragt seine Spitze nicht weniger als 100 Meter über dem Wasserspiegel empor. Das Riesenwerk wird durch Elektrizität betrieben und verfügt über zwei voneinander ganz unabhängige Hebezeuge; das eine von ihnen, eine sogenannte„Katze“, kann seine Last von 250000 Kilogramm in 34½ Meter und 110000 Kilogramm in 53 Meter Entfernung von der Kranmitte tragen. Oben auf dem Ausleger steht dann noch ein fahrbarer Drehkran von 20000 Kilogramm Tragkraft. Mit ihm kann ein Arbeitsfeld von 147 Meter Durchmesser oder fast 17000 Quadratmeter Fläche bestrichen werden. Der Gedanke, daß dieses majestätische Eisengerüst durch nur zwei Mann in Bewegung gesetzt und geleitet werden kann, hat fast etwas Phantastisches; aber in der Tat genügt ein einfacher Hebeldruck, um die Riesenkräfte des ganzen Hebewerkes zu entfesseln. Der Steuermann des großen Kranes hat seinen Platz in einem kleinen Steuerhause, das unter dem Lastarme des Auslegers angebracht ist. Von hier aus reguliert er alle Bewegungen der mächtigen Konstruktion, und in der Dunkelheit unterstützen ihn dabei die Scheinwerfer, die neben dem Führerstande angebracht sind und die jeweilige Arbeitsstelle taghell erleuchten. □ Bumur. Ein böses Zeichen. Hauswirt zum Verwalter: „Wächter, passen Sie mir mal ein bißchen auf die Leute im dritten Stock auf, und sehen Sie zu, daß sie pünktlich vorausbezahlen! Lassen Sie sich ja nicht hinhalten!“ „Soll geschehen, Herr Drücker. Ist Ihnen irgend etwas Verdächtiges zu Ohren gekommen?" „Das gerade nicht; aber die Leute haben seit acht Wochen nicht die geringste Reparatur verlangt, und das ist immer verdächtig.“ * Dilemma.„Ich habe kein Vertrauen zu der Arznei. Im Gegenteil, ich habe die feste Ueberzeugung, daß ich kränker werde, wenn ich sie nehme. Nehme ich sie aber nicht, so quält mich meine Frau so, daß ich davon kränter werde. Wenn ich also schon einmal kränker werden muß, so ist es am Ende besser, ich nehme die Medizin, dann ist das Geld wenigstens nicht hinausgeworfen.“ OTL 8 S 3 * K— 65 88 * 00.— S 47. Jabrgang O Griles und äürdes Cagesorgan des Krelles. O haugl-Runoucesii## Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 150. Mittwoch, 30. Juni 1915 Uirter Täticher lh. ebenfalls sein hn (2½ das unter ih # 4 it diesem beruhigenden Sch.u, ##1 Malzyn enduch auf in der Absicht, nun —, ebenfalls sein Schlafzimmer aufzusuchen. ein Geräusch aufhorchen, ihm in der Eingangshalle laut geworden war. Er lauschte und unterschied bei der tiefen Stille, die in dem schlafenden Haus herrschte, deutlich den Schritt eines Mannes. Zugleich fiel es ihm auf die Seele, daß Frau Volkhardt ihn vorhin ersucht hatte, vor dem Verlassen der Halle ein in den Garten hinausführendes Fenster zu schließen, und daß er vergessen hatte, diesem Wunsche zu entsprechen. Wenn der Mann da unten ein Eindringling war, so konnte er seinen Weg nur durch das offene Fenster genommen haben, und um so unabweislicher war für Malzyn darum die Pflicht, sich mit eigenen Augen von der Gefährlichkeit oder Harmlosigkeit des Menschen zu überzeugen, der sich da unten bewegte. Wenn es sich um einen Cinbrecher handelte, war es jedenfalls am zweckmäßigsten, einem Fluchtversuch dadurch vorzubeugen, daß er ihn jählings überrumpelte. Deshalb streifte er rasch seine Schuhe ab und schlich auf Strümpfen die Treppe hinab in das Erdgeschoß, wo eine tiefe Finsternis herrschte. Er sah, daß sich in der Nähe des offenen Fensters etwas bewegte, und er wollte den Menschen eben anrufen, als eine menschliche Gestalt sich mit dem Sprung einer Tigerkatze auf ihn warf, und als eine Faust mit eisernem Griff seine Kenle packte, so daß er zunächst keinen Laut hervorbringen Roman von M. Withe. (6. Tortsetzung.) schluß stand konnte und alle seine Kraft aufbieten mußte, auf den Füßen zu halten. Statt den andern rumpeln, war er selbst überrumpelt worden, Arenteuer hätte für ihn leicht genug einen um sich zu überund das sehr bedenklichen Ausgang nehmen können, wenn er nicht im Besitz außergewöhnlicher Körperstärke und grozer Gewandtheit gewesen wäre. Auch so blieb der Kampf, der in unheimlichem Schweigen ausgefochten wurde, freilich für die Dauer einiger Minuten noch immer hart und erbittert genug. Dann aber war es der überlegenen Kraft Malzyns gelungen, den Menschen von sich abzuschütteln und ihn mit einem wuchtigen Stoße gegen die Wand zu In der nächsten Sekunde hatte seine tastende Hand den Hebel für die elektrische Beleuchtung gefunden, und die Halle war plötzlich von Tageshelle durchflutet. „Nicht von der Stelle!“ rief er dem an der Wand Lehnenden zu.„Wenn Sie sich rühren, sind Sie des Todes!"„„ Er trat einen Schritt nayer auf vie mut gesenktem (Nachdruck verboten.) Kopf dastehende, anscheinend sehr dürftig gekleidete Männergestait zu. Da aber erhob der andere das Gesicht, und wie von einem Faustschlag getrossen, taumelte Malzyn zurück. „Barmherzigkeit des Himmels!" stieß er hervor. „Ist das Wirtlichkeit oder ein teuflisches Gaukelspiel? Ristow!— Du bist es— du?“ Eine halblaute, heisere Stimme aber gab, während ihn zwei blutunterlaufene Augen unverwandt anstarrten, voll unbeschreiblicher Bitterkeit zurück: „Ja, Malzyn, es ist Wirklichkeit! Was du da vor dir siehst, ist alles, was heute noch übrigblieb von dem Rolf Ristow, den du einst gekannt!" 5. Kapitel. Ein Schiffbrüchiger. Eine Minute des Schweigens, während deren die beiden Männer einander anstarrten, als fiele es jedem von ihnen schwer, an die Möglichkeit dessen zu glauben, was er vor sich sah. Auf Malzyns Seite freilich mußte das Erstaunen wohl das größere sein; denn er wäre auf den Einsturz des Himmels eher vorbereitet gewesen als darauf, seinen einstigen Freund unter solchen Umständen und in solchem Aufzuge wiederzusehen. Der ehem lige Offtzier unterschied sich in seiner äußeren Erscheinung in der Tat kaum noch von einem Landstreicher, und sein einst auffallend schines Gesicht war bleich und verwüstet, mit all den unvertennbaren Spuren, die ein verhängnisvolles Laster in dem Antlitz eines Menschen zu hinterlassen pflegt. Nur seine Augen erinnerten— wenigstens jetzt, wo sie voll tiefer Traurigkeit auf den Jugendgenossen gerichtet waren— noch mit voller Lebendigkeit an den Rolf Ristow von ehedem. Der Eindringling war es, der zuerst das beklemmende Schweigen brach. „Glaubst du, daß während der nächsten Minuten jemand hierherkommen könnte?“ fragte er leise. „Ich halte es für wenig wahrscheinlich,“ erwiderte Malzyn nach einem kleinen Zaudern.„Zwar bin ich selbst hier noch ein Fremdling; aber alle Anzeichen sprechen dafür, daß die Bewohner des Hauses sich sämtlich zur Ruhe begeben haben. Sosern man sie nicht weckt, wird also schwerlich jemand kommen. Aber, um des Himmels willen, Ristow, was soll das bedeuten? Wenn dich ein anderer hier überrascht hätte, als gerade ich, man hätte dich doch ohne Zweifel festgenommen und morgen den Behörden überliefert!" Der andere zuckte die Achseln. Die Vorstellung * S S“ 8 88 SSSuES SSE. * S SSTDRSSo#HTNES S# HOüöNGSGNANZUEEEÖOIEZT „ = S9EER =BBERE S SR: = 5.— *— SS einer Verhaftung schien nichts besonders Schrecken„Wer weiß, ob es nicht das beste für mich gewesen wäre! Aber was ist das doch für eine verrückte Welt! Zu denken, daß ich statt dessen, den ich suchte, .„„Die Bewohner dieses Hauses sind dir also nicht Denn ich bin nicht zum erstenmal hier, und sch war Ich habe sa kein Recht mehr, dich mit der alten VerEine Regung tiesten Mitleids ging durch Malzyns „Warum solltest du es nicht tun?“ erwiderte er freundlich.„Waren wir nicht dereinst Freunde im eigentlichsten Sinne des Wortes? Schon auf der Schule hatte ich deinem Beistand unendlich viel zu verdanken. Und wieviel haben wir später miteinanderdurchgemacht! Du hast mir oft genug in meinen kleinen und großen Bedrängnissen ausgeholfen—“ „Und du hast mir eines Tages durch deinen aufopfernden Mut das Leben gerettet! Ich denke, unsere alte Rechnung wäre so ziemlich ausgeglichen. Aber es waren schöne Tage, das weiß der Himmel! „Ja, sie waren schön, schon weil es die köstlichen Tage der Sorglosigkeit und der ungebundenen Freiheit waren. Aber es ist jetzt wohl nicht der rechte Augenblick, bei der Erinnerung an sie zu verweilen. Die Mi nuten sind kostbar, da die Möglichkeit, daß jemand uns hier überraschen könnte, doch nicht absolut ausgeschlossen ist. Sage mir, was du um diese Stunde hier zu schaffen hast— weshalb du gekommen bist— und in dieser Verkleidung eines Vagabunden!" „Es ist keine Verkleidung! Ich sehe aus wie ein Vagabund, weil ich in Wahrheit einer bin! Ich habe alles verloren, und die Fetzen, die ich da auf dem Leibe trage, sind, ganz buchstäblich genommen, alles, was ich besitze! Als wir uns zum letztenmal sahen, werde ich vermutlich auch dir gesagt haben, daß ich willens sei, ins Ausland zu gehen. Aber es war eine Lüge. Ich sagte es nur, weil ich alle Beziehungen zu meinen alten Bekannten lösen, alle Bauve der Freundschaft zerschneiden wollte. Ich mußte es tun; denn ich war ein ruinierter Mann, ein Mensch, dessen Leben rettungslos zerstört war! Es gab für mich nur noch eine einzige Aufgabe auf dieser Welt. Diese aber mußte ich unbedingt erfüllen, und dabei wären mir die alten Freundschaften und Bekanntschaften nur im Wege gewesen. Ich sprach eben von meinem Ruin; aber ich meine damit nur den Ruin meines inneren Menschen; denn als ich meinen Abschied nahm, war ich materien noch sehr günstig gestellt. Und dieser Mittel wollte ich mich in dem Kampfe bedienen, den ich zu führen hatte. Aber mein Gegner war stärker als ich. schen Verschlagenheit war ich nicht gewachsen. Ich hatte ihm den Hals brechen wollen; aber nach Verlauf eines Jahres hatte er statt dessen mich niedergerungen. Ich befand mich in Gefahr, den Mut zu verlieren, und weil ich ihn unter keinen Umständen verlieren durfte, griff ich zu künstlichen Mitteln, um ihn aufrechtzuhalten. Ich wurde ein Trinker, und als auch der Alkohol anfing, seine Wirkung zu versagen, wurde ich Morphinist. Daß ich heute nur noch eine jämmerliche menschliche Ruine bin, brauche ich dir nach diesem Bekenntnis wohl nicht erst ausdrücklich zu versichern, selbst wenn der Augenschein es dich nicht längst gelehrt hätte. Aber so kläglich ich bin, so gefährlich kann ich zuzeiten werden. Das weiß mein Todfeind gut genug, und darum lebt er in beständiger Angst vor mir. Wenn ich ihn hier statt deiner erwischt hätte— sei versichert, daß er jetzt bereits aufgehört hätte zu atmen!“ Malzyn fühlte sich in innerster Seele erschüttert. Aber er wußte dem andern zu verbergen, was in ihm vorging. Denn es mußte ihm jetzt vor allem darum zu tun sein, volle Klarheit über seine Absichten zu ge„Dein Todseind also war es, den du hier zu finden Ristow sah zu ihm auf, als hätte er den Sinn der Vro„Wen sonst als ihn 2— Es ließ sich hier besser machen als in Berlin, wo er immer einen Beistand zweifelte Herbert nicht mehr. Seine erste Vermutung war die richtige gewesen. Der Feind, nach dessen Leben Ristow trachtete, konnte kein anderer sein als Paul Volkhardt. Das Dunkel, das über diesem Hause und dieser Familie lag, wurde immer dichter und unheimlicher. Was konnte Volkhardt getan haben, um sich diesen fürchterlichen Haß des heruntergekommenen Offiziers zuzuziehen? Er mußte Gewißheit darüber haben; denn diese geheimnisvollen Anzeichen, für die er keine Deutung zu finden wußte, wurven ihm „Was hat Paul Volkhardt an dir verschuldet, daß du dich auf eine so fürchterliche Weise dafür rächen müßtest?“ fragte er streng. Dieser Ton aber schien in dem andern die Empfindung geweckt zu haben, daß er dem ehemaligen Freunde gegenüber auf seiner Hut sein müsse. Denn während es sarkastisch um seine „3ch wüße nicht, daß ich von Paus Posthardt gesprochen hätte.— Und außerdem: das sund Dinge, die für niemanden ein Interesse haben können als für mich „Dessen bin ich doch nicht so ganz sicher. Du solltest nicht vergessen, Ristow, daß es eigentlich meine Pflicht wäre, dich festzuhalten und dich der Dienerschaft des Hauses zu übergeben. Wo es sich um ein geplantes Verbrechen und seine Verhinderung handelt, sollten von Rechts wegen alle Rücksichten der Freundschaft schweigen. Und als ein Gast des Hauses müßte ich die Verpflichtung nur als eine um so p„Möchtest du mir nicht zuerst sagen, Malzyn, wie es zugeht, daß du ein Gast dieses Hauses bist? Es ist wahrhaftig nicht bloß Neugier, wenn ich den Wunsch „und sich habe nicht die mindeste Veranlassung, ein Geheimnis daraus zu machen. Es ist meine Absicht das sogenannte Erlenschlößchen zu mieten. Und um es in Augenschein zu nehmen, kam ich hierher." Ein kurzes, bitteres Auflachen kam von den Lippen * au een, jch mir's doch!— Es ist genau dieselbe Willst du damit sagen, daß Jaugast uch i Au bereast aus Brschen Ursache hierhergekommen. Ich wollte das Erlenschlößchen kaufen, und es waren bereits alle Arrangements dazu getroffen. O, mein Bester, auch ich hatte einst meine Träume von Glük und Liebe. Und es is. wahrhaftig wunderlich genug, zu denken, daß den Trümmern meiner Luftschlösser jetzt die deinigen verstehe dich nicht, Ristow, und ich bitte dich dringend, deutlicher zu sprechen.“ „Warum nicht? Es scheint ja, daß sich alles wiederholen soll. Nur daß es sich wohl diesmal nicht um Angela, sondern um ihre jüngere Schwester handelt. Wenn ihre weitere Entwicklung gehalten hat, was damals ihre knospende Mädchenschönheit versprochen, so muß sie ja inzwischen ein recht begehrenswertes Weib geworden sein.“(Fortsetzung folgt.) Denkspruchz. In ihrer untätigen Gestalt zeigt sich die Selbstsucht als sleid gegen andere Menschen, in tätiger Gestalt als Herrschsucht über die Menschen, als Habsucht gegenüber den Dingen. v. Holtzendorft. 248 Novelle von A. Bauck. (Schluß.)(Nachdr. verboten.) Jahre sind vergangen seit jenem Tage.— Aeußerlich sind sie spurlos vorübergezogen an der prächtigen Villa des Herrn van der Werft. Wie ehedem stehen die schlanken Türme im flutenden Schein der Abendsonne da, die goldene Funken auf die blanken Spiegelscheiben der gotischen Fenster, die Dächer und Zieraten des„Elbschlößchens“ streut, das heut ein besonders sestliches Gepräge zu tragen scheint. Und so ist es in der Tat. Serena, des reichen Handelsherrn einziges Töchterlein, feiert heut ihren achtzehnten Geburtstag und zugleich ihr Verlobungsfest. Die Prunkräume des Hauses stehen geöffnet, und man blickt auf eine erlesene Gesellschaft, ordengeschmückte Fracks, blitzende Uniformen, Sammet und Seide, sprühende Brillanten und blinkende Perlen. Schöne Frauen und interessante Männer erblickt man in der auf= und abwogenden Menge, die schönste aber von allen ist sie, ist Serena. Das blasse, unbeschreiblich reizende Gesicht mit den leuchtenden Augen, die hoheitsvolle Gestalt in dem anschmiegenden weißen Gewande, das die weiche Rundung der jugendlichen Formen vorteilhaft hervortreten läßt, mit dem Strauß weißer Rosen an der Brust, das alles ist von wirkungsvoller Schönheit.—— Und doch— ist es nicht zu farblos fast für eine Braut? so jung— so schön— so glücklich wie du, Serena!? Oder bist du nicht glücklich? Bist du es nicht, Serena? Liebst du den reichen Magnaten nicht, dem du dich heute verlobst, und der neben dir steht, in tadellosem Anzuge, und dir den Arm um die schlanke Hüfte legt? Welch ein kaltes, hartes Gesicht, welch ein Absolutismus im Klang seiner Stimme, den wenigen Worten, die er hier und da in die Unterhaltung einwirft. Und doch— welch loderndes Feuer in seinen Augen, wenn sein Blick auf die holde Gestalt seiner Braut fällt, welch sichtliches Bemühen, ihr jeden Wunsch, auch den leisesten Wink von den Augen zu lesen. O über die Liebe, die alles bezwingende Liebe! Hier ist sie die Tochter des Lichts, ein Göttergeschenk des Himmels; dort ein verzehrendes Feuer, das zugrunde richtet. Ja, ja, solch eine Liebe ist die des Mannes an deiner Seite, Serena, du weißt es, du fühlst es; aber du mußt dich opfern, du mußt es, dem alten teuren Vater zuliebe, dessen Kleinod du warst, solange du denken kannst, und der dir, ach so schweren Herzens, gestanden hat, wie ihn die letzten Jahre in all seinen Spekulationen das Unglück verfolgt hat, und nur der unermeßliche Reichtum deines stolzen Verlobten ihn retten kann. Deines Vaters Ehre und Leben ruhen in seiner Hand, wenn du sie nicht mit der deinen auslösest!— Arme Serena! Arme, vielbeneidete Serena!——— Sie blickt zu ihrem Vater hinüber, der im Eingange des Nebensalons mit einem anderen Herrn im Gespräch steht. Wie weiß sein geliebtes Haupt geworden ist, die Haltung seiner vornehmen Gestalt leicht gebeugt, und die feine, aristokratische Hand, mit dem funkelnden Brillantring, die er soeben auf die Schulter seines Gefährten legt, wie welk! Serena seufzt leise, und dann wandern ihre Augen von dieser Hand hinauf zu dem Herrn, mit welchem der Vater spricht. Er kommt ihr seltsam bekannt vor, und doch weiß sie nicht, wo sie das Gesicht hinbringen soll. Da kommen sie auch schon auf sie zu, der Vater die Hände auf den Rücken gekreuzt, der Fremde in ehrerbietiger Haltung seinen Worten lauschend, dann und wann bejahend das Haupt neigend, fragend, antwortend.— Jetzt stehen sie vor ihr, sie fühlt den Blick des Fremden bewundernd auf sich ruhen und hebt die Augen fragend zu ihm empor. „Mein Name ist Fischer,“ erwidert er, sich verneigend, die stumme Frage, und der Vater erläutert, daß der Disponent seines überseeischen Handelshauses, unter dem Karl Fischer seit Jahren schon eine Vertrauensstellung bekleidet, den jungen Mann mit wichtigen Depeschen persönlich hierher an den Prinzipal abgesandt hat. Karl Fischer, in ihrer Erinnerung lebt er noch als ein barfüßiger, nicht immer gar so sauberer Bursche, dessen eine oder andere Wange häufig die Abdrücke der Hand seines Vaters aufwies, jetzt steht er vor ihr, jeder Zoll ein Gentleman, den die selbstbewußte Bescheidenheit seiner Haltung vorzüglich kleidet. „Ah,“ sie neigt gelassen, und doch durch diese Wahrnehmung angenehm berührt, das Haupt, während der Vater aufgeräumt bemerkt:„Sie können meiner Tochter auch gleich zu ihrer Verlobung gratulieren, lieber Fischer, wir feiern sie heute; Herr Fischer ist eben erst angekommen,“ wendet er sich dann erklärend an seine Tochter,— dann geht er weiter, er ist ja der Wirt des Hauses, der Festgeber, und muß sich seinen Gästen widmen, wenn er auch zu sehr interessiert ist, um nicht die Mitteilungen des jungen Geschäftsträgers, in oberflächlichen Umrissen wenigstens, sogleich entgegenzunehmen. Er hatte gute Botschaft gebracht, der Antömmling, ah,— da wäre es am Ende gar nicht nötig gewesen, aber bah!— Serena war jetzt ja ganz glücklich wie es schien; ihr Herz war frei, sie liebte eingestandenermaßen niemand anderes, warum da eine solche Partie ausschlagen! Es wäre eine Torheit ohnegleichen gewesen, ihre anfängliche Weigerung war nur Prüderie, mädchenhafte Prüderie, nichts weiter! Befriedigt schreitet van der Werft weiter, während Serena und Karl Fischer sich allein gegenüberstehen. Aber was ist das? Hat sie sich geirrt, oder ist der junge Mann da vor ihr jäh erbleicht? Und warum nur? Wie phrasenhaft und stockend sein Glückwunsch jetzt vorgebracht wird! Das hätte sie nicht gedacht, nach dem ersten Eindruck hat sie ihn für viel gewandter gehalten. Man muß ihm ein wenig Mut machen, er ist so fremd hier, er dauert sie plötzlich. Die Pause ist vorüber, die Musik im Nebensaal intoniert eben wieder. Man tanzt eine Damenpolta, und ihr Verlobter, der einen Augenblick hinausgegangen, ist noch nicht zurück. So legt sie ihren Arm auf denjenigen Karl Fischers. Einen Augenblick steht er wie verwirrt, dann sieht sie etwas in seinen Augen aufleben, leuchtend, klar, etwas, das sein unregelmäßiges, Frannes Gesicht seltsam verschönt. Was ist es nur? Sie weiß es nicht; aber sie findet, daß er vortrefflich tanzt, und das gefällt ihr, weil sie den Tanz liebt. Dann führt er sie auf ihren Platz zurück und verneigt sich vor ihr so verwirrt und befangen wie ein Schultnabe, der seinen ersten Tanzstundenball mitmacht. Unwilllürlich muß sie lächeln, da sieht sie, wie er sich bückt und etwas aushebt, das zu Boden gefallen ist. Was nur? Ach, eine Rose aus ihrem Strauß, den sie an der Brust trägt. Sie muß beim Tanzen geknickt sein, sie fiel zur Erde. „Ob er sie behalten darf?“ er fragt es leise und zaghaft, sie sieht ihn an, groß, gütig, verständnislos, und neigt bejahend das Haupt; dann wendet sie sich ab, der andern Seite zu, wo soeben ihr Verlobter dahertommt, dem sich andere gesellen, während sie an Angefangene zu und unter Einkaufspreisen. Blusen-Seide besonders billig. zu halben Preisen. Aus Stadt und Umgedung. ** Schwerte, 30. **(Für die industriellen Arbeiter.) Das Bezirkskommando macht, um bestehende Zweifel aufzuheben, bekannt, daß die bei Kriegslieferanten beschäftigten industriellen Arbeiter sich nach Ablauf ihrer Beurlaubung oder Zurückstellung nicht ohne weiteres wieder zum Heeresdienst zu stellen, sondern den Gestellungsbesehl abnwarten haben. **(Achtung! Vorsicht!) Bei einer neuerdings von neutraler Seite unternommenen Besichtigung von Gefangenenlagern in Frankreich ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß in den clas Deutschland eingehenden Sendungen für deutsche Kriegsgefangene immer wieder Zeitungen, Postkarten und andere Schriften mit für unsere Gegner be' leidigendem Inhalt sich befinden. Derartige Sendungen sind geeignet, die Korrespondenz mit unseren Gefangenen in Frankreich u. ihre Versorgung mit Liebesgaben zu erschweren. Ferner finden sich in den aus Deutschland an die Gefangenen gerichteten Briefen nicht selten Klagen über die Teuerung der Lebensmittel in Deutschland oder über andere durch den Krieg herbeigeführte Mißstände. Da alle an die Gefangenen eingehenden Briefe von den französischen Kontrollorganen gelesen werden, so besteht die Gefahr, daß durch solche Klagen in Frankreich die Auffassung bestärkt wird, daß unsere Bevölkerung die Lasten des Krieges als sehr drückend empfinde. Das muß vermieden werden.— Es wird darauf hingewiesen, daß bei dem brieflichen Verkehr mit unseren Kriegsgefangenen die nötige Vorsicht zu beobachten ist. **(Beginn der Gerstenernte.) In unserer Feldmark ist gestern mit dem Mähen der Gerste begonnen worden. Der Ertrag verspricht eine Mittelernte; das Stroh ist jedoch infolge der anhaltenden Dürre bis zu Fußlänge kürzer geblieben, als in sonftigen Jahren. Auch der Roggen beginnt schon mächtig zu bleichen; seine Ernte wird aus erwähntem Grunde in diesem Jahre voraussichtlich 10 bis 14 Tage eher beginnen, als sonst. *(Sichtbare Preistafeln.) Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 24. Juni 1915 angeordnet, daß alle Verkäufer in Deutschland, die Gegenstände des täglichen Bedarss, insbesondere Nahrungsund Futtermittel aller Art, sowie rohe Naturerzeugnisse, Heiz= und Leuchtstoffe, im Kleinhandel absetzen, durch die Ortspolizeibehörde verpflichtet werden können, sichtbare Preis= und Gewichtstafeln am Verkaufslokal auszuuhängen. Diese Preistafeln müssen von der Polizeibehörde kostenfrei gestempelt werden. Jeder Verkäufer, der höhere Preise als auf der Tafel angegeben ist, nimmt oder das Gewicht verringert, wird mit Geldstrase bis zu 150 Mark oder 4 Wochen Haft bestraft Die Landeszentralbehörden(RegierungsHugo Haass.! Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Reichstagspartei, Dr. Haase hat vor kurzem in Verbindiung mit den Abgeordneten Kautzky und Bernstein in der„Leipziger Volksztg.“ einen Aufsehen erregenden Artikel veröffentlicht, worin er die sozialdemokratische Partei zur Aufgabe ihrer bisherigen Stellungnahme hinsichtlich der Kriegsziele auffordert. Das Erscheinen der„Leipziger Volkszeitung“ ist infolge dieses Artikels bis auf weiteres verboten worden, während sich die erdrückende Majorität der sozialdemokratischen Reichstagspartei gegen die Quertreibereien der oben genannten Vorstandsmitglieder in scharfem Protest wendet. Der„Volksfreund“ in Karlsruhe fordert sogar den Genossen Haase auf, seinerseits die Folgen seiner Handlungsweise zu ziehen, andererseits die Fraktion bezw. die Partei dies tun müsse. zur Aus' präsidenten) erlassen die Bestimmungen führung dieser Bundesratsverordnung. **(Eisernes Kreuz.) Der Unteroffizier Ad. Baretti, Leitungscufseher beim hiesigen Postamt, und der Landwehrmann Fr. Bach aus der Märtischenstraße wurden mit dem Eisecnen Kreuz ausgezeichnet. Beide wackeren Krieger befinden sich auf dem westlichen Kriegsschauplatz.— Auch dem Landwehrmann Henke aus der Kuhstraße ist das Eiserne Kreuz verliehen worden. **(Das Nickelwerk), welches bekanntlich schon am 1. Mai in Anbetracht der durch den Krieg verteuerten Lebenshaltung eine Lohnerhöhung von 5 Prozent hatte eintreten lassen, wird von morgen ab die Arbeitslöhne um weitere 5 Prozent erhöhen. Diese soziale Fürsorge des Werkes wird von der Arbeiterschaft sicherlich mit lebhaftestem Dank ausgenommen werden. **(Gartendiebstähle.) Jetzt ist wieder die Zeit für das lichtscheue Gesindel, welches da ernten will, wo es nicht gesäet hat. In den letzten Nächten sind eine Reihe von Gartendiebstählen in den verschiedensten Gärten unserer Stadt und ihres Weichbildes ausgeführt worden. Johannis= und Stachelbeeren, Erbsen und Kohlrabi haben die Langsinger mit sich gehen heißen. In der Hagenerstraße gelang es in einem Falle, die Täter nachträglich zu ermitteln; hoffentlich blüht den Spitzbuben eine exemplarische Bestrafung. **(Weibliche Straßenbahnschaffner.) Dem weiblichen Postboten ist jetzt auch der weibliche Straßenbahnschaffner gefolgt; seit einigen Tagen hat die Verwaltung der Hörder Kreisbahnen eine Anzahl junger Frauen für diesen Dienst eingestellt, nachdem sie auf den Bahnen in Dortmund schon seit längerer Zeit tätig sind. *r(Unfall.) Von einem traurigen Unglücksfall wurde gestern die 17jährige Arbeiterin Theodora Müller aus der Bruchstraße betroffen, welche in einer Fabrik in Westhosen beschäftigt ist. Auf ihrer Arbeitsstelle flog dem jungen Mädchen ein abspringender größerer Stahlsplitter so unglücklich ins rechte Auge, daß der Augapfel schwer beschädigt wurde. Die Verletzte wirde in eine Augenklinik nach Hagen geschafft. (Mineralwasser für die Truppen.) Die role“ veröffentlicht folgenden Aufruf: Das Zentralkomitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz— Abteilung Mineralwasserversorgung— hat eine Zentralstrelle für die einheitliche Versorgung unserer Truppen mit natürlichem Mineralwasser errichtet und bittet um tatkräftige Unterstützung. Jedem Etappenort sollen täglich etwa 3000 Flaschen zugeführt werden, deren Kesten sich auf 600 Mark stellen würden, so daß sich für sämtliche Etappen ein monatlicher Bedarf von 240 000 Mark ergeben würde. Die vorhandenen Mittel reichen bei weitem nicht aus, die Durchführung des Arbeitsplanes zu sichern, so daß es notwendig ist, weitere Zuwendungen zu sammeln. Wir richten nun an unsere Kameraden uind Vereine, sewie an alle unsere Gönner die herzliche Bitte, zu helfen und ihren wohltätigen Sinn, wie so oft, auch hier zu betätigen. Wir bitten die Gaben unter Angabe des Zweckes an uns gelangen zu lassen, eind werden in der„Parole“ über alle Eingänge dankend quittieren. Die empfangenen Beiträge werden wir gesammelt dem Zentralkomitee zuführen. ** Holzen, 29. Juni.(Zum Trichinen= beschauer) für die Ortsteile Stuchtey u. Höchsten wurde an Stelle des verstorbenen W. Beisenherz der Postagent Aug. Lourse zu Höchsten mit Genehmigung des Landratsamtes in Hörde ernannt. ** Geisecke, 30. Juni.(Schulverband.) In der vorgestrigen Sitzung des Schulverbandes Geisecke—Lichtendorf wurde beschlossen, den geplanten Schulbau bis nach dem Kriege zu verschieben. * Rheinen, 29. Juni.(Frecher Italiener.) Der Steinbrucharbeitet Franzesko Cazolla kam am Samstag abend in eine hiesige Wirtschaft, in der er früher eine Zeitlang gewohnt hatte und verlangte Nachtquartier, das er auch erhielt. Am Sonntag früh, als die Wirtin zur Kirche gegangen wor, ließ er sich vom Dienstmädchen den Kellerschlüssel geben, entwendete eine Flasche Kognak und trank sie leer. Dadurch geriet er natürlich in eine sehr streitbare Stimmung, zerschirig Teller und Tassen in der Wirtschaft und konnte erst durch den Gendarmeriewachtmeister Hilse gebändigt werden. Dieser führte ihn dem Cerichtsgefängnis Iserlohn zu. Da sich der Italiener auch ohne polizeiliche Er bnis von Brügge nich Hennen begeben hat, dürfte seine Frechheit schwer bestraft werden. ** Hohensyburg, 30. Juni.(Bautätigkeit.) Dise Borensmannsche Kaffeewirtschaft an dem Fahrwege nach der Burg ging durch Antauf in den Besitz des Herrn Metzzers Jäger(früher in Schwerte wohnhaft) über. Herr Jäger läßt augenblicklich neben dem Hause ein Schlachthaus errichten; welches im Rohbau bereits ziemlich fertiggestellt ist, und auch sonst an dem Gebäude größere bauliche Verändenungen vornehmen. Wochenmarkt. Der heutige Wochenmarkt stund schon ganz im Zeichen des sommerlichen Hochbetriebes. Von einer Lebensmittelknappheit ist hier nichts zu merken; unsere Feinde würden Augen machen, sähen sie die Berge von Gemüse aller Art, die sich auf den einzelnen Verkaufsständen auftürmten, dazw’schen die lachenden verschiedenartigen Obstsorten, besonders Kirschen und Erdbeeren. Die Preise sind allerdings trotz der großen Zufuhren noch immer sehr hoch, sodaß ein batdiges Sinken derselben im Interesse der Verbraucher sehr zu begrüßen wäre. So murden verlangt für: Kirschen Pfund 30—50 Pfg., Erdbeeren Pfund 60—80 Pfg., Stachelbeeren Pfund 40 Pfg., Johennisbeeren Pfund 40 Pfo., grüne Gurken 25 bis 30 Pfg., weiße Gurken Stück 30 Pfg., Wurzeln Bund 5—25 Pfg., Erbsen Prund 20 b's 30 Pfg., Radischen Bund 5 Pfg., Rhabarber 2 Pack 25 Pfg., Salat Kopf 5—10 Pfg., Wirsing Stück 25—30 Pfg., Spitzkaxpus, Stück 25 Pfg., Rotkohl Stück 35—40 Pfg., Kohlrabi 3 Stück 20 Pfg., Zwiebeln Pfund 60 Pfa., Spargel Pfund 60 Pfg., Blumenkohl Stück 30—40 Pfg., große Bohnen 2 Pfund 25 Pfg., junge grüre Böhnchen Pfund 50 Pfg., neue Kartoffeln 10 Psund 1,40 Mk., Eier 6 und 7 Stück 1,— Mark, Butter Pfund 1.60 Mkk., Rindfleisch Pfund 1,20 Mark, Schweinefleisch Pfund 1,70 Mark. Jerantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Jos. Küster, Schwerte Husingstr. 30. beginnt mein Böhnerstax, den 1. 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S. 58) in Verbindung mit§ 142 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883(G. S. S. 195) und der§§ 5 und 6 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1850 wird mit Justimmung des Kreisausschusses nochstehende Polizeiverordnung über die Bildung eines Schauamtes für den Landkreis Hörde erlassen: S 1. Die Juständigkeit des nach den Bestimmungen des Wassergesetzes vom 7. April 1913 für den Landkreis Hörde zu bildenden Schauamis umfaßt die Wasserläufe zweiter und dritter Ordnung des zum Landkreise Hörde gehörigen Ruhrgebietes. S 2. Das Schauamt besteht aus dem Landrat zu Hörde, dem Bürgermeister zu Schwerte, dem Amtmann zu Westhofen und vier vom Kreistage zu wählenden Mitgliedern, welche ebenso wie ihre Stellvertreter zu je zwei dem Stande der Landwirtschaft und der Industrie angehören müssen Den Vorsitz führt der Landrat, welchem auch die Geschäftsführung obliegt. S 3. Das Schauamt hat die Wasserläufe seines Bezirks nach Bedarf zu schauen und festzustellen, ob die Wasserläufe und ihre Ufer ordnungsmäßig unterhalten werden und ob eine unzulässige Verunreinigung stattgefunden hat Dem Schauamte ist die Aufsicht über die Benutzung der Wasserläufe übertragen. S 4. Das Schauamt hat ein Verzeichnis(Schaubuch) der einzelnen Wasserläufe aufzustellen, in welchem Tag und Umsang des Schauens, sowie gemachte Feststellungen niederzulegen sind. Vorgefundene Mängel und Wahrnehmungen sind der Wasserpolizelbehörde mitzutellen. 84um Siuanies. Der Ruhrverband ist zu den Schauen einzuladen. S S Dem Schauamte wird die Besugnis übertragen, an Stelle der Wasserpolizeibehörde Art und Maß der zur Unterhaltung des Wasserlaufes und seiner Ufer nach den§§ 114, 119. 125 des Wassergesetzes auszuführenden Arbeilen sowie die Zeit zu ihrer Ausführung durch polizetliche Verfügung festzustellen. bver„I. Stlseroge.r Waserwositzeibehörde sedt es dem Scho omte Ausführung durch polizetliche An Stelle der Wasserpoltzeibehörde, sieht es dem Schauamte zu, die in einer Unterhaltungsoronung(s 133 Abs 2 Satz2 des Wassergesetzes) etwa angedrohten Strafen durch polizeiliche Strafverfügung nach dem Gesetze vom T3. April 1883(G. S. S. 65) festzusetzen. S 6. * Den Wasserpolizeibehörden, dem Schauamt, sowie deren mit Berechtigungsausweis versehenen Beauftragten ist zu gestatten, die Wasserläufe zu besichtigen, zu befahren und die Ufer zu betrelen. 8„ Spft.(Staao Juwiderhandlungen gegen§ 6 unterliegen einer Geldstrafe erste Elaßelbis zu 30 Mark, an deren Stelle im Unvermögensfalle enisprechende Haft krilt. Mit dem Tage der Veröffentlichung dieser Verordnung gilt das Schauamt als eingerichtet. Hörde, den 31. März 1915. Der Königliche Landrat. 3 9: Dr. Burchard. 3107 In meinem Hause Bismarchstr. Nr. 14 in die bestehend aus 5 Zimmern. Vorratssiube, Balkon, Koch= und Leuchtgas, sofort zu vermieten. 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