#e Scuen Seiue abn Serrse Bauseret. u. Mdurn. Adrlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfo. mehr. Wöchentl. Grakisbeilage:„Ikustrierter Famillenfreund“ v. tägl. Unterdaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siedengespaltene Petttzeile eber deren Roum 10 Plg., Anzeigen wärts 15 Pig., Reklamezelle 40 Pfg. Jeder Radatt gilt als Kassarnball u. erlischt bei Ronducsen, Zwangsdergleichen, gerichtl. Klagen u., Rebrachund eracht.- Seitsseteitnet Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung #0 Nr. 149. Schwrfer Uoltzchlaß Verbunden mit: tr den Kleis worene Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Ahwene Uoltsreilung Schwerker Cageblatt O Schwerter Anzeiger Grlies und älteltes Cagesorgan des Krelles c General-Anzeiger für den Kreis bärde om Haupt-Hononcenblas uue dete und ihetenhegtichn durnd nungen iDt den Areis Hörde erlengre gomen Bedaantmochung dei Abalglschen Regierung durch Verössentlichung io bei„Schwerter Zeitung" rechtsverdindliche Arost.— DieSchwerter Zeitung“ gewöbri ihren Abennen. ten für jeden mil Tod endenden Unfoß ge300 Mk. Unfall. Druch u. Verlags. Cor Provs. Schoenn= NutzFemig 6I. Teiegr. Abe. Irau Schwene=Kudet 47. Jahrgang. tu Petersburg, 29. Juni. Die russischen Militärkritiker erklären, daß die Folgen der Einnahme von Lemberg sich auf der Warschauer Front geltend machen werden. Die russischen Linien bildeten dort einen Vorsprung, dessen äußerste Spitze Warschau wäre und sich nur etwa 200 Kilometer von Lemberg entfernt befinde. Sie erwarteten deshalb heftige Angriffe auf Warschau, dessen linke Flanke auf der einen Seite von der deutschen Armee in Ostpreußen und im Norden, auf der anderen Seite von der deutsch=österreichischen Armee in Galizien bedroht sei. Die Herrschaft zur See. Ein Blick zurück sand ein Schritt vorwärts. Wenere fiegreiche Kumpfe in Gali Zortschreitenee Ersbige in Westen. Leuischer Tage sVericht In einem längeren Artikel hat vor einigen Tagen das„Belgrader Amtsblatt“ darauf hingewiesen, daß jetzt, da Italien auf den Plan getreten sei und den Besitz der gesamten Adria erstrebe, auch Serbien vor allem sich den Zugang zur See sichern müsse, der ihm im Frieden von Bukarest streitig gemacht worden sei. Damit ist also in ganz Europa der mehr oder minder heimliche Kampf ium die Seegeltung entbrannt, und nur die von allen Seiten eingeschlossene Schweiz. kann nicht daran denken, ans offene Meer zu gelangen. Eine unbestreitbare Tatsache ist, daß diejenigen Völkerssich am schnellsten wirtschaftlich entwickeln, die über eine langgestreckte, mit guten Häfen versehene Meeresküste verfügen. Gewiß, das Beispiel Griechenlands und des alten römischen Reiches zeigt, daß die günstige Lage am Meer allein nicht die Vorbedingung dauernder Größe ist, es muß— und besonders heute— vor allen Dingen Gelegenheit gegeben sein, mit anderen Völkern auf dem Seewege in Verbindung und Handelsverkehr treten zu können. Erst mit der überraschenden Vervollkommnung der Schiffsbautechnik, die die Fahrt übers offene Wasser, sern von der Küste gestattete, kam über die Völker der alten uund neuen Welt der Rausch, die Weltmeere zu beherrschen. Die Spanier und Portugiesen, nach ihnen die Holländer und endlich zuletzt, aber am nachdrücklichtten, haben die Engländer die Seeherrschaft erstrebt und sie, einmal in ihrem Besitz, nicht nur festgehalten, sondern auch ständig ausgebenit, so daß sie, das militärisch durchaus nicht tüchtigste Volk, tatsächlich seit fünf Jahrzehnten die Welt beherrschen. Immer aber haben auch andere Völker um die Seegeltung gerungen; denn seit dem grauen Altertum war man zu sehr von dem Nutzen der See durchdrungen, als daß irgendeine Nation den Ver“ such unterlassen hätte, ihre Schiffahrt auszubauen und ihren Ueberseeverkehr zu erweitern. Am spätesten in der Geschichte hat sich der Germane das Meer mitzbar gemacht. Abgesehen von einzelnen Zügen raubfroher Wickingerkönige, die durch alle nordischen Meere und wahrscheinlich auch bis nach Italien und Nordasrika führten, hielten sich die Germanen von der See fern. Erst als die Hanse gegründet wurde und mit ihrem Wachsen sich die Irische wie die Nord= und Ostsee unterwarf, erwachte im Germanen der Trieb zum Meere. Seit den Tagen der Hanse besteht der heimliche Wettbewerb unter den Völkern. Als mit dem Niedergang der hanseatischen Macht sich den Völkern des Nordens, neue Betätigungsgebiete für ihren Handel erschlossen, setzte der Kampf ein, dessen fürchterliches Schlußkapitel wir jetzt erleben. Rußland strebte nach dem restlosen Besitz der Ostsee, zugleich aber nach der Beherrschung des Schwarzen wtb. Großes Hauplquartier, 28. Juni 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich von Arras wurden feindliche Nachtangriffe beiderseits der Straße SouchezAix=Noulette und im Labyrinih nördlich von Ecurie abgeschlagen. Im Westteil der Argonnen suchten die Franzosen gestern abend ihre verlorene Stellung wieder zu nehmen. Trotz Masseneinsatzes der Artillerie scheiterte der Angriff gänzlich. Dasselbe Ergebnis hatte auf den Maashöhen ein 2 km breiter Infanterieangriff beiderseits der Tranchee. Nach ungewöhnlich großen Verlusten flüchtete der Feind in seine Stellung zurück. In den Vogesen überfielen unsere Truppen die Besatzung einer Kuppe nördlich von Metzeral. 50 G.fangene und ein Maschinengewehr fielen in unsere Hand. Besonders gule Erfolge hatten wir am südlichsten Teil unserer Kampffront gegen feindliche Flieger. Im Luftkampf wurden 2 feindliche Flugzeuge südlich des Schluchtpasses und bei Gerardmer heruntergeschossen, zwei weitere durch Artillerie bei Largitzen und bei Rheinfeiden auf Schweizer Gebiet zur Landung gezwungen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Russische Angriffe rördlich und nordöstlich von Przasnicz, die sich hauptsächlich gegen unsere neuen, am 25. Juni eroberten Stellungen südöstlich Oglenda richteten, brachen unter großen Verlusten für den Gegner zusammen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Halicz wurde von uns besetzt. Der Dnjestr ist heute früh auch hier überschritten worden. Damit ist es der Armee des Generals v. Linsingen gelungen, auf unserer ganzen Front nach 5tägigen schweren Kämpfen den Uebergang über diesen Fluß zu erzwingen. Weiter nördlich verfolgen unsere Truppen den geschlagenen Feind gegen den Gni#a=LipaAbschnitt. Seit dem 26. Juni nahm die Armee Linsingen 6470 Russen gefangen. Nordöstlich von Lemberg nähern wir uns dem Bug=Abschnitt. Weiter westlich bis zur Gegend Gilsznow sind die verbündeten Truppen in weiterem Vorgehen. Sie machten mehrere kausend Gefangene und erbeuteten eine Anzahl schütze und Maschinengewehre. Oberste Heeresleitung. In dem gestrigen Berichte der Obersten Heeresverwaltung muß es heißen: Bei der Zitadelle von Arras stehende feindliche Artillerie wurde von uns beschossen. Die Kathedrale ist nicht beschossen. Oesterreichischer Tagesbericht. Frschlomrrta“, wtb Wien, 29. Juni.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 28. Juni mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Die verbündeten Armeen in Ostgalizien verfolgen. Sie erreichten gestern unter fortdauernden Nachhutlämpfen nordöstlich Lemberg die Gegend Klodzienso=Zadworze, dann mit den Vortruppen den Swirz, der in seinem unteren Lauf schon überschritten wurde. Halicz ist in unserem Besitz. Das südliche Dujestr=Ufer aufwärts Halicz ist vom Feinde frei. Nach fünftägigen schweren Kämpfen haben die verbündeten Truppen der Armee Linsingen den Dujestr=Uebergang erzwungen. An der übrigen Dujestr=Front herrscht Ruhe. Truppen der Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand erstürmten gestern Plazow, südwestlich von Narol, und drangen heute nacht in die feindlichen Stellungen auf den Höhen nordöstlich des Ortes ein. Die Russen sind im Rückzuge über Narol. Die sonstige Lage im Nordosten hat sich nicht geändert. Italienischee Kriegsschauplatz. Die Lage auf dem italienischen Kriegsschauplatz ist unverändert, der Feind fast vollkommen untätig. Nur die Geschützkämpfe dauern an allen Fronten sort.„ 8n Lei Ein Marineflieger hat am 27. Juni bei Villa Viventina einen seindlichen Fesselballon beschossen und zum Niedergehen gezwungen, am 28. Juni mitten auf einen feindlichen Artilleriepark in San Canciano schwere Bomben mit Ersolg abgeworfen, einen Dampfer in der Sdobba durch Bomben schwer beschädigt, so daß das Achterdeck auf Grund sank. Der Stellvertreter des Chefs d's Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. Gründlichkeit und Ausdauer, nicht zuletzt aber die deutschen cufs äußerste vervollkommneten Arbeitsmethoden drohten England auf dem Weltmarkt zu überflügeln und die Seeherrschaft des Inselvolkes lahmzulegen. Darum müssen wir jetzt den Kampf gegen eine Welt von Feinden führen und die deutsche Regierung ist im Recht, wenn sie behauptet, daß uunser Kampf vornehmlich ein Kampf um die Freiheit der Meere ist. Sie sind für alle Völker da. Wir wollen ihre unbeschränkte Nutzung für alle Völker erringen. A. D. * Politische Uebersicht. Deutsches Reich. Landtagswahk. :: Bei der Landtagsersatzwahl im achten Liegnitzer Wahlkreise(Görlitz=Lauban) ist für den verstorbenen Abgeordneten Dr. von Schenkendorf der Reichstagsabgeordnete Legationsrat v. Richthofen(nl.) mit sämtlichen abgegebenen 369 Stimmen gewählt worden. Enteignung brachliegender Grundstücke. :: Im Juliheft des„Türmer" bespricht Dr. I. M. Schönthal die Notwendigkeit der Enteignung brachliegender Grundstücke: Bei der Wichtigkeit, die die Frage der Volksernährung jetzt im Kriege gewonnen hat, wurde auch mehrfach betont, daß, ganz abgesehen von den Oedländereien, auch sonst anbaufähige Grundstücke in großer Zahl innerhalb des Reiches brachliegen. Es kann dahingestellt bleiben, ob hier Böswilligkeit, Fahrlässigkeit oder Sorglosigkeit des oder der Eigentümer oder der Nutzungsberechtigten vorliegt. In Friedenszeiten mag es für die Gesamtheit vielleicht weniger empfindlich sein, wenn solche Grundstücke nicht bebaut werden; aber gegenwärtig muß alles darangesetzt werden, damit aus dem ertragfähigen Boden für die Volksernährung soviel als nur irgend möglich herausgeholt werden kann. Nötigenfalls muß eben zur Enteignung der betreffenden Grundstücke geschritten werden. Einen Schritt auf dem Wege, der gegangen werden muß, zeigt uns eine leider wenig bemerkte kaiserliche Verordnung für Elsaß=Lothringen vom 30. März 1915:.—(dn m „Wenn der Eigentümer(voer sonstige Berechtigte) eines brachliegenden Grundstücks nicht imstande ist oder sich weigert, das Grundstück zur Erzeugung von Nahrungs= oder Futtermitteln auszunutzen, so kann ihm die Nutzung des Grundstücks nährend des Krieges ohne Entschädigung entzogen und die Nutzung der Gemeinde übertragen werden. Voraussetzung ist, daß das Grundstück zur Erzeugung von Nahrungs= oder Fultermitteln geeignet ist.“ Mit Hilfe von Bundesrat und Reichslag sollte es doch möglich sein, ein ähnliches Kriegsgesetz für das ganze Reich Safsen. Meeres und Arisweg nach dem Mittelmeer durch den Besitz der Dardanellen. Hier im Süden fand es seit je heftige Gegnerschaft auf dem Balkan, die sich naturgemäß mit der selbständigen Staatenbildung verstärken mußte. Bulgariens Sehnen nach einem Ausweg zum Mittelmeer ist im Bukarester Frieden erfüllt worden, Numänien legt Wert auf seine Teilhaberschaft im Schwarzen Meer, Italien will die ganze Adria, die Oesterreich, will es sich nicht selbst aufgeben, ihm nicht überlassen darf. Außerdem aber macht auch Serbien hier Ansprüche, die früher oder später zu ernsten Konflikten führen müssen. Die Deutschen, deren staatlicher Zusammenschluß am spätesten gelang, traten zuletzt auf den Schauplatz der Kämpfe um die See. Wie haben erst seit etwa fünfzig Jahren einen Seehandel in größerem Stil. Aber die fünf Jahrzehnte sind von uns mit solchem Erfolge ausgenutzt worden, daß wir Englands Neid erregten. Deutscher Fleiß, deutsche Rusland.) Rumänien. : Am Herzschlage ist in Bukarest der in letzter Zeit vielgenannte Chef der konservativen Sezession, Jean Lahovary, gestorben. Der Tod Lahovarys, der seit 1900 Minister des Aeußern, der Domänen und Handelsminister war, ist für die rumänische Kriegspartei insofern ein schwerer Verlust, als Lahovary, trotzdem er geistig unbedeutend war, wegen seines makellosen Charakters großes persönliches Ansehen genoß. Portugal. t Nach einer„Times“=Meldung aus Lissabon vom 25. Juni erließ bei der Eröffnung der Tagung des vortugiesischen Parlaments A 12 AAA A 4 der Er,:. Minister Dr. Jose Costro eine Erltärung, worin die Regierung ihre feste Absicht bekundet, die Grunvsätze und Rechte der portugiesischen Demokratie nachdrücklich zu verteidigen und die internationale Stellung des Landes entsprechend dem am 7. August und 23. November ergangenen Parlamentsbeschlusse zu berichtigen, nachdem das portugiesische Volk aus eigener Anregung sein: Hinneigung zu den Verbündeten Englands bekundet habe. Es sind an den Oberko“ mandierenden der Truppen in Angola, Genera Pereira Eca, Befehle ergangen, wonach er die „verräterischen Angriffe“ rächen solle, denen portugiesische Truppen ir dieser Provinz von seiten europäischer und eingeborenei Truppen aus dem benachbarten Deutsch=Südwestafrika ausgesetzt gevesen sind. Die Regierung stellt die Voregung sämtlicher Aktenstücke und die Haltung Portuaals im europäischen Kriege in Aussicht die Wiener Besprechungein Köln, 29. Juni. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus Berlin: Wir können bestätigen, daß es sich bei den Wiener Besprechungen des Reichskanzlers und des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes mit dem Frhrn. v. Burian nicht um Neuerungen in der auswärtigen Politik der Kaisermächte gehandelt hat, sondern nur um die Förderung von Besprechungen, die mit der Haltung der Balkanstaaten zusammenhängen, und schon seit längerer Zeit ja Fluß sind. Es liegt in der Natur der Sache, daß sich ein sofortiges Ergebnis der Wiener Besprechungen nicht mitteilen läßt, weil diese eben nur einen Teil von noch nicht abgeschlossenen diplomatischen Verhandlungen bilden. Die Frage nach der voraussichtlichen Gestaltung der rumänischen und der bulgarischen Politik, die jetzt im Vordergrund des Interesses steht, läßt sich jetzt noch nicht mit aller Bestimmtheit beantworten. Man darf indessen, ohne in optimistische Uebertreibung zu verfallen, wohl aussprechen, daß die Hoffnungen des Vierverbandes auf militärische Unterstützung Rumäniens und Bulgariens stark zurückgegangen sind. 40 A 0 au c Das„goldene Horn“. Der neueste Angelpunkt der Weltgeschicht:. für das nächste Jahrhundertn sein. Und nachher ist es denn immer wieder al ers gekommen. Nachdem die russische Dampfwalze infolge ihrer schlechten Konstruktion, noch schlechteren Führung und gänzlich mangelnder Betriebsmittel in den Hintergalizischen Sümpfen festgefahren ist und den italienischen Schlachtfeldern unmöglich die Ehre größerer Beachtung geschenkt werden kann, hat man sich wieder einmal auf Konstantinopel besonnen, die seit Jahrtausenden so heiß umstrittene Kultur=Vermittelungsstätte zwischen Orient und Abendland. gelegen an jenem See=Arme, den man„goldenes Horn“ nennt. Von dort soll eine„neue Aera“, eine neue Zeit anbrechen. Die Dardanellen sollen die Entscheidung bringen: :: Großes Aufsehen erregen in Rom die durch„Giornale d'Italia“ aus Aegyptens J#iptstadt Kairo und„Tribuna“ aus London gleichzeitig verbreiteten Nachrich= ten, daß Italien an der Dardanellenaktion teilnehmen, also der Türkei den Krieg erklären werde. Anlaß zur Teilnahme sei der Wunsch Englands, einige seiner großen Einheiten, die anderswo besser verwendbar seien, zurückriehen zu können und durch ältere, besser fum Kampf gegen Landbefestigungen geeignete italienische Schiffe zu ersetzen. Die Neldung aus Kairo geht dabei von dem Gerücht aus, daß die Operationsbasis der gegen die Türkei kämpfenden Truppen von Aegypten, wohin sie nach dem Sturz Venizelos' von Griechenland verlegt wurde, nach Italien verlegt werden solle. Beide Blätter sagen in ihren Erläuterungen zu diesen Meldungen, daß die Teilnahme Italiens sich voraussichtlich nicht auf Schiffsoperationen beschränken würde. Sie sei, abgesehen von militärischer, auch von großer politischer Bedeutung. Wie mit der Zerstörung Ostroms und der Festsetzung der Fürken in Konstantinopel das Mittelalter seinen Abschluß fand, so werde mit der Vertreibung der Türken aus Europa eine neue Aera beginnen. Italiens Entwicklung als Mittelmeermacht hänge davon ab, daß es bei die em weltgeschichtlichen Ereignis nicht Zuschauer sei. Man weiß wirklich nicht, was man bei diesem Entwicklungsstande mehr bewundern soll: die grauenhafte Gerissenheit, mit der die Engländer das arme, von einem Hausen radaulustigen Pöbels, einigen bestochenen Zeitungen und einer hilf=, halt= und verstandslosen Regierung zum Kriege gezwungene Italien immer weiter ins Elend hineinlockt, oder aber die pyramidale Einfalt, mit der sich der Beherrscher Italiens von den englischen Sirenentönen, verbrämt mit geschichtlichem Hassesstoff, hinreißen zu lassen scheint. Vielleicht aber trägt der klägliche Mißerfolg der italienischen Kriegsmacht im Kampfe gegen Oesterreich=Ungarn doch noch das seinige dazu bei, daß sich die Italianos von der Dardanellenaktion hübsch fernhalten und sich mit den blutigen Köpfen, die sie sich am Isonzo und den Tiroler Bergen holen, bescheiden Die am Sonntag erschienenen römischen Blätter freilich nehmen Italiens Kriegserklärung an die Türkei schon als sichere Tatsache an. Wir und unsere Verbündeten können den ferneren italienischen Kriegsbeschlüssen mit Ruhe entgegensehen. Die bisherigen militärischen Leistungen der Italiener sprechen nicht gerade dafür, daß die Beteiligung Italiens an der Dardanellenaktion dem bedrängten Dreiverband an den Meerengen Luft machen würde. Dagegen läßt wohl die türkische Verteidigung des Weges nach Konstantinopel den sicheren Schluß zu, daß es auch den durch Italien verstärkten feindlichen Kräften nicht gelingen wird, die Erfüllung ihrer Hoffnungen zu erzwingen. Ein römisches Dementi. :: Eine offizielle„Stefani“=Meldung erklärt die Gerüchte, wonach der Ministerrat sich mit der Frage einer eventuellen italienischen Expedition nach den Dardanellen beschäftigt habe, für unbegründet. Ebenso sei die Nachricht völlig unbegründet, daß die Sendung von italienischen Kriegsschiffen dorthin vorbereitet werde. Türkischer Generalstabsbericht. !: Nach einer Meldung aus Konstantinopel, 28. Juni, teilt der türkische Generalstab von der Dardanellenfront mit: Bei Ari Burnu fand wechselseitiges Artillerieund Infanteriefeuer statt, und Bomben wurden geschleudert. Bei Sedd=ul=Bahrd unterhielt die schwere Artillerie des Feindes seit hem 25. S iges Sagen 117 nn Juni. mittags, ein hefliges Fruer re Grägen am rechten Flügel. erK stelte aber keinerlei Ergednis. auf dem inken Flügel brach ein nächtlicher Angriffsversuch des Feindes an mehreren Stellen n unserem Feuer zusammen. Der Feind var genötigt, zum Schutze gegen unsere Bomden Drahtnetze vor seine Gräben zu spannen. Insere Batterien auf der anatolischen Seite #eschossen die feindlichen Infanterie= und Artilleriestellungen bei Sedd=ul=Bahr mit Erfolg. Auf den übrigen Fronten nichts on Bedeutung. Das neueste Blutbad bei Seddil Bahr. TU. Frankfurk a. M., 29. Juni. Aus Konstantinopel wird der„Fikf. Ztg. gemeldet: Die Dardanellenkämpse am 22 und 23. Juni stellen an Heftigkeit und Erbitterung alles Vorangegangene in den Schatten Mit übermenschlichen Kräften setzten die Gegner ihre äußerste Kraft ein, um den Durchbruch durch die osmanische Linie zu erreichen. Bis auf 400 Meter an diese heran ließ man den Gegner sich entwickeln. Dann erst traten die türkischen Schützenlinien mit ihrem mörderischen Feuer in Tätigkeit. Die Wirkung war furchtbar; die englischen und französischen Kolonnen wurden buchstäblich weggemäht. Die stets vorsichtigen Meldungen aus dem türkischen Hauptquartier geben die feindlichen Verluste auf über 7000 Mann an, doch wird von den Kampfzeugen versichert, daß die Gegner mindestens 12000 Tote haben. Teile des Gegners versuchten gleich beim ersten Ansturm der Türken auf Seddil Bahr zurückzufliehen, wurden aber von einer zu diesem Zwecke ausgestellten eigenen zweiten Reihe daran gehindert Es kam schließlich zu einem erbitterten Handgemenge, das mit dem obigen Ergebnis endigte. Der Feind wurde, vollkommen erschöpft, in seine alten Stellungen zurückgetrieben. Bei dieser Gelegenheit zollen die Führer dem Todesmut und der Disziplin der türkischen Truppen das glänzendste Lob. —— Dei Klieg hegen Aumland. Bedrohliche innere Lage in Rußland. Wien, 28. Juni. Nach einer dem„Extrablatt“ von verläßlicher Stelle vorliegenden direkten Informationen aus Rußland wird die innere Lage im russischen Reich als der Krisis zutreibend und sehr bedrohlich bezeichnet. Aus den inneren Gouvernements treffen immer neue Hiobsposten über das Wiederaufleben der revolutionären Bewegung ein. In Kiew haben blutige Nevolten stattgefunden, bei denen es zahlreiche Tote und Verwundete gegeben hat. Zahlreiche Truppen, die für den Abtransport bestimmt waren, sind zur Verstärkung der militärischen Bereitschaft im Innern zurückgerufen worden. Die russische Bartholomäusnacht. Stockholm, 28. Juni. Die letzten Nachrich= ten aus Rußland bestätigen den gewaltigen Umfang der Moskauer Pogrome. In der heutigen Nummer von„Svenska Dagbladet“ geben mehrere Berichterstatter neue Nachrichten über die russische Bartholomäusnacht. Aus diesen geht hervor, daß der Pöbel mit wirklicher KronWodka, von den Behörden geliefert, bfrauscht worden war. Besonders wandte sich der Angriff gegen russische Untertanen deutscher Herrschaft. Was diese durchgemacht haben, streift das Unglaubliche. Die Pogrome begannen mit großen feierlichen kirchlichen Umzügen gleichzeitig in verschiedenen Gegenden der Stadt. Diese Prozessionen lösten sich bald auf, und kleine Scharen begannen die Schrecken und Bluttaten. Ein Schwede, der eine im selben Haus wohnende deutsche Familie mit Wassen zu schüten suchte, wurde mit einem Lasso gefangen, an de Füßen zum Fluß hinuntergeschlippt und ersäuft. Der Pöbel war bald derart betrunken, daß er ohne Unterschied plünderte: amerikanische, schwedische und englische Läden und Fabriken wurden Opser der Wut. Nicht einmal russisches Eigentum wurde geschont. Der Wert des angerichteten Schadens wird auf ungefähr 700 Millionen Rubel geschätzt. Die Angaben über die Zahl der Toten schwanken zwischen 500 bis 3000. Die Stimmung in kaufmännischen Börsen= und Fabrikantenkreisen beginnt gegen die Negierung feindselig zu werden und droht ernste Folgen mit sich zu führen. Die Botschafter der Vierverbandsmächte scheinen mit Sassonow unzufrieden zu werden; es ist zu heftigen Meinungsaustauschen zwischen ihm und den Vertretern des Vierverbandes gekommen. Die Zahl seiner Parteifreunde wird täglich geringer. Zweifellos wird er bald seinen Posten verlassen müssen. Uebrigeng ist seine Gesundheit sehr untergraben; er leidet an Schlaflosigkeit und ist überaus nervös. Zum Rücktritt Sassonows. bb Stockholm, 28. Juni.„Svenskas Dagbladet“ erfährt aus wohl nterrichteter Quelle über Sassonows bevorstehende Demission: Es ist allgemein bekannt, daß Maklakow und Sassonow die stärksten Stützen des Großfürsten Nikolajewitsch waren. Sassonows Stellung ist ernstlich erschüttert, sein Abgang wird in nächster Zeit erwartet. Dazu kommt, daß die Gesandten des Dreiverbandes, besonders der englische Gesandte Buchanan nach und nach mit Sassonow unzufrieden wurden, was bei verschiedenen Gelegenheiten zu heftigem Meinungsaustausch führte. Es wird mit Bestimmtheit behauptet, daß Sassonows Gesundheitszustand infolge. der letzten großen russischen Niederlagen sehr gelitten hat. Er leidet an Schlaflosigkeit und ist derart nervös, daß seine nächste Umgebung über den Mangel an Zusammenhang in der Bearbeitung des auswärtigen Amtes klagt und einen Personenwechsel in der obersten Leitung des Amtes voraussieht. General Kuropattin russischer Kriegsminister. bb Christiania, 28. Juni. General Kuropatkin ist zum russischen Kriegsminister ernannt worden. (Von dem bevorstehenden Rücktritt des bisherigen Kriegsministers und der bevorstehenden Ernennung Kuropatkins hatten mir bereits vor einigen Tagen Mitteilung gemacht.) Alexei Nikolajewitsch Kuropatkin, der jetzt 67 Jahre alt ist, hat bereits in den Jahren 1897 1904 an der Spitze des russischen Kriegsministeriums gestanden. Dann übernahm er den Oberbefehl im Krieg gegen Japan u. führte sein Heer von Rückzug zu Rückzug bis zum bekannten bitteren Ende. Vor einigen Monaten hieß es, Kuropatkin habe um Wiederaufnahme in die Armee gebeten. Großfürst Nikolajewitsch habe das Gesuch in höhnischer Weise abgelehnt. Sollte sich jetzt die Nachricht bestätigen, daß der Ueberwündene des mandschurischen Feldzuges die Nachfolge Sochum linows im Kriegsministerium übernimmt, so wäre das ein Beweis dafür, wie tief der Einfluß des Generalissimus in Petersburg gesunken ist. Abflauen der russischen Angriffe. bb. Berlin, 29. Juni. Der rechte Flügel der russischen Front in Galizien befindet sich nach einem Telegramm des„Berliner Tageblattes" aus dem Kriegspressequartier seit dem 26. in vollem Rückzuge. Die Ueberlegenheit der verbündeten Streitkräfte zeige sich im langsamen Abflauen der russischen Angriffe. Dörnige Wege. Roman von J. v. Düren. 30 Das Mädchen lag noch in fieberndem Halbschlaf: Das feuchte, blonde Haar kühlte die heißen Wangen, über die halbgeöffneten Lippen kamen zuweilen unzusammenhangende Worte, hastig und ängstlich. Die Hände tasteten unruhig auf der Decke umher. Ab und zu stöhnte sie schmerzlich auf. Ein gequälter Ausdruck lag auf ihrem jungen Gesicht. Dennoch konnte Ernestine die eintretende Mutter beruhigen. Frau Physikus mußte doch auf jedem Fall zu Bürgermeisters. Was sollten die Bekannten davon denken. Sie warf einen bitterbösen Blick auf Edith. „Mußte das überspannte Mädel mir noch den letzten Abend verderben, und uns alle in das Gerede bringen.“ Sie war wirklich eine unglückliche, bejammernswerte Frau. Eine Mutter, die an ihren Kindern nur Enttauschungen erlebte. Endlich war Ernestine mit Edith allein. Leise rückte sie den Sessel an das Fußende des Bettes. Sie deckte die Lampe mit einem dunklen Schirm zu und ließ sich erschöpft nieder. Die letzten Stunden stummer Qual hatten sie bis ins Mark erschüttert. Ihr Herzschlag setzte aus, wenn sie sich vergegenwärtigte, daß Ediths Rettung mißlungen wäre. Unwillkürlich faßte sie nach den heißen Händen des Mädchens, um gewiß zu sein, daß sie lebte. Der Puls jagte, das Fieber setzte stark ein. 8. Kapitel. Frau Physikus reiste am nächsten Morgen ab Sie versicherte allen Bekannten, daß EdithsSchnupfen belanglos sei und sie ihr bald folgen würde. Ernestine hatte die Mutter gebeten, die Reise aufzuschieben; aber Frau Physikus wollte durchaus nichts im Programm ändern, um den Leuten nicht Stoff zu irgend welchen Vermutungen zu geben. Sie nahm gerührt die Beweise innigster Freundschaft von den Damen entgegen in Form zahlreicher Buketts und lud alle dringend nach Berlin ein. Um das Doktorhaus breitete der Tod tagelang seine dunklen Fittiche aus. Nach verzweifeltem Kampfe gelang es endlich Ernestine, ihm seine Beute zu entreißen. Mit der barmherzigen Schwester teilte sie sich in die schwere Pflege. Erst nach einer Woche konnte sie Edith außer Gefahr erklären. Das Osterfest nahte. Zarter Duft langsam knospender Veilchen erfüllte die Luft. Es war, als vernehme das Ohr das sehnsüchtige Verlangen vieler tausender Lebensgeister, die an das Licht, ins Dasein drängen, in den sonnigen Glanz, in die weiche Frühlingswärme. Wie süße Glückssehnsucht zog's durch die Luft. Die dunklen Bäume bebten, durch die brannen Mallknospen drängte es sich wie unbezwingliche Verlangen. Auf der efeimmrankten Veranda saßen Maria und Edith in bequemen Liegestühlen im stillen Genießen der Genesenden. Auf beider Antlitz lagen noch die Spuren vergangener Leiden. Der matte, rosige Hauch auf den Wangen kündete die Wiederkehr neuer Kräfte. Die Jugend hatte gesiegt mit ihrer gewaltig dringenden Kraft und nie versiegenden Frische. „Wenn nur Ernestine bald käme, daß ich es ihr sagte, daß ich es mir endlich von der Seele spräche; ich schäme mich vor ihr," begann Edith nach längerem Schweigen.„Wochenlang trage ich es mit mir herum, ohne den Mut zum Sprechen zu finden. Wie kindisch, wie erbärmlich war mein Handeln. Ach, wer doch die Kraft und den Mut hätte, alles Böse und Häßliche von sich abzuschütteln. Und Herz und Seele rein zu baden von allem Schmutz und aller Niedrigkeit.“ „Es wäre vielleicht nicht gut, wenn wir ganz vergessen würden,“ erwiderte Maria.„Wir würden vielleicht von neuem die gleichen Torheiten begehen, und darum niemals vorwärts kommen. Streben und Irren— eins bedingt wohl das audere. Hab' nur Mut. Du kennst Ernestine noch nicht genau. Sie besitzt trotz aller äußeren Herbheit eine Milde.“ „O, ich sie nicht kennen,“ ereiferte sich Edith. O, ich habe doch woch enlang Zeit gehabt, sie zu beobachten. Ihr ganzes Tun und Lassen. Sie ist ein großer Mensch und dabei so weich, fähig, sich aufzuopfern. Sie ist das Ideal einer Mutter. Sie lebt nur in dem Gedanken an andere, kennt keine Wünsche, als nur das Behagen der Ihrigen. Oft möchte ich mich an ihre Brust werfen und sie küssen, küssen.“— Guten Tag. Kinder," ließ sich von unten eine fröhliche Stimme vernehmen. Ernestine winkte grüßend.„Ich bringe einen ganzen Sack von Neuig= keiten, Briefe, ein Kistchen mit Ostereier für zwei Leckermänlchen. Maria und Edith waren aufgesprungen, um der Schwester entgegenzueilen. Schuell nahmen sie ihr Hut und Mantel ab und musterten neugierig den Stoß Briefe und Zeitungen, den Ernestine auf den Tisch gelegt. „Erst artig hingesetzt, dann wollen wir es uns gemütlich machen,“ sagte Ernestine, indem sie Edith in den Sessel drückte und über Marias Knie ein Tuch bereitete. Erster Brief von Mama! Sie ist bereits in Ordnung und wartet auf Eure Ankunft, geht aber Ostern zu Santens. Axel ist noch immer in Rom, Magdalene erwartet jetzt Leo dort.“ Ein Schatten überflog Ernestines Gesicht. Wie ruhelos Magdalene geworden! „Daß sie sich nicht nach Baby sehnt, warf Maria dazwischen. „Dieser liebe, prächtige Junge mit seinen hellblonden Locken und dem süßen Plandermündchen!“ „Hier ein kurzer Ostergruß von ihr mit der Ansicht der Peterskirche." Edith schob die Karte Ernestine hin. Dann öffnete sie hastig einen dicken Brief und vertiefte sich ganz in den Inhalt. Ernestine und Maria hatten im Angeublick nicht guf sie achtet. Als sie aufschauten lag, Edith mit leicht nach hinten geworfenem Kopf totenbleich im Sessel. Erschreckt sprang Ernestine auf. Ein matter Seufzer hob die Brust; dann richtete sich die Kranke mit Energie auf.„Lies," sagte sie leise. Ernestine überflog die Bogen. Sie waren von Ediths Freundin, die seit kurzem in Berlin lebte. Sie schrieb unter anderem:„Gräm' Dich nicht, Kleine. Dein Freund in Apoll ist wirklich Deiner nicht wert; er wird sich heute verschiedener kleiner Unregelmäßigkeiten wegen vor seinem irdischen Richter verantworten. Es ist ein Jammer, daß man so um seine Ideale kommt. Im übrigen schwinden die Illusionen langsam, wenn man längere Zeit in der Großstadt lebt. Da erwacht man schnell aus dem Dornröschenschlaf und sieht ein, daß man tüchtig schaffen muß, um vorwärts zu kommen. Ja, daß selbst zum Genießen ein gediegenes Können gehört. Sonst ist es nicht unwahrscheinlich, daß man hier noch mehr als in unserem Wolkenkuckucksheim verflacht. Ernestine legte das Blatt auf den Tisch und sah zu Edith hinüber. Sie hatte das Gesicht in beide Hände vergraben und schluchzte. Leise streichelte Ernestine ihr Haar, das in zwei schweren Flechten niederhing. „Rege Dich nicht auf. Liebling, solche Kinderkrankheiten überwindet man. Danke Deinem Schöpser, daß er Dich vor dem letzten, dem Aeußersten bewahrt.“ „Ach, Ernestine, wie schäme ich mich," schluchzte Edith.„Wie ließ ich mich täuschen, wie habe ich Dir weh getan. Kannst Du mir denn vergeben? Für alle Deine Güte hatte ich nur Trotz und kindischen Eigensinn. Ich komme mir so klein, so erbärmlich vor. Hilf mir, gib mir Deine Hand. Du hast meinen Körper genesen lassen, aber meine Gedanken müffen noch frei werden, loskommen von all dem Unrechten und Unwahren. Zeig mir den Weg." 225.16 Rriebensfendgebungen ie Stbokapet: ## Petersburg, 28. Juni. In Sebastopol haben Fsattische Vemagsteationen stattgefanden, an denen auch Matrosen der Schwarzmeerflotte teilgenommen haben. Die Demonstranten zogen durch die Hauptstraßen, sangen revolutionäre Lieder und entfalteten Fahnen mit den Aufschriften:„Genug mit dem Kriege! Sagt die Wahrheit über den Krieg!“ Krieg gegen Italien. „ Gunheaue val Die Wiedereroberung Galiziens. Französische Erkenntnis. :: Auch in Frankreich beginnt jetzt die Erkenntnis sich Bahn zu. brechafiziens zie um die jetzt in den Nordosten Galt. rückgedrängten Russen nicht glänzend, steyt. Nach einer Meldung aus Genf zuingt der große Eindruck, den die Einnahme Lemberg die frauzöstsche, P gembergs zu ändern. Die bergs durch die Russen sei ein großer mächte, der auch auf die Neutralen einen starken Eindruck ausüben werde. Sie geben jetzt zu, daß die Räumung Lembergs nicht allett als stratepischerachten sei sondern befsere Stellung zu betrachten,, der Armee daß die Russen unter dem######in gez Mackensens zurückgeßeg, mußten. Er. der Presse, so der„Mulin“, der„Petit P risien", das„Petit Journal“ glaubt, vaß die russische Front in Polen von der russischen Front in Ostgalizien alt chnitten sei und erwartet einen weiteren Rückzug der Russen auch in Mittelpolen bis hinter die Weichsellinie. Die neutrale Anfsassung der Kriegslage im Osten ist aus dem Berner„Bund“ zu erkennen, wo Stegemann zur Kriegslage schreibt: „Die strategische Lage im Osten wird durch den Fall von Lemberg und das Festhalten der Russen am Dujestr bestimmt. Da sie östlich von Lemberg auf die Linie Kamionka—Busk—Zloczow zurückgeflutet sind, ist anzunehmen, daß sie noch hofsen, vorwärts von Brody noch Wiverstand zu leisten aber auch das nur, um Zeit zu gewinnen, denn eine Offensive können sie jetzt, unmittelbar am Fe. ze. nicht mehr in die Wege leiten. Ofsenbar rückt Tarnopol nunmehr in den Vordergrund. Des zweiseitige Valbesgrnesse. K. u. K. Kriegspressequartier, 28. Juni: Auf einem Gebirgskamm Südtirols sah ich vor zwei Tagen einige gesangene Italiener, die sich bei einem Geplänkel zwischen unserer Gendarmeriepatrouille und ihrer weitaus überlegenen Abteilung ergeben hatten. Sie machten den Eindruck von Menschen, die froh waren, einer ihnen unerklärbaren lästigen Beschäftigung glücklich entronnen zu sein.„ Zwar ebensowenig überraschend, aver ungreich wichtiger, war der Einblick in ihre Einberufungskarten. Das Datum lautete nämlich auf Mitte Januar 1914. Damit ist die längst erkannte Tatsache doknmentarisch nachgewiesen, daß Italien, während es noch Bundesgenosse Deutschlands und Oesterreichs war, von dem bevorstehenden Ueberfall der Entente auf uns genaue Kenntnis hatte, wenn nicht gar mit im Spiele gegen uns war. So brachte Italien es fertig, zugleich Dritter in dem einen und Vierter in dem anderen Bunde zu sein.— Die Geschichte wird diesen kläglichen Verrat für alle Zeiten bewahren. Die Balkanstaaten. diese Vertreter von Räuberinteressen nich zu ermorden versuchten. Aber jetzt bir sch frei und bereit, sie zu bekämpfen; sie ollen mich nicht ermorden. D-s rechte Mitel dazu ist“, schloß Bryan,„eure Ueber; sengung dem Präsidenten bekanntzugeben, samit er gegen das unverschämte Geschrei erer, die friedliche Mittel verlachen und lach dem Kriege heulen, unterstützt werden Der Korrespondent der„Morning Post“ ügt hinzu: Der Zweck dieser und ähnlicher Versammlungen ist, für ein Verbot der Waffenausfuhr Stimmung in diesem Sinne zu machen. Die ier Versuch wird zweifellos gemacht werden, Ein gewaltiger Druck wird auf widerstresende Kongreßmitglieder ausgeübt werden, aber der Kongreß tritt glücklicherweise erst im Dezember zusammen, und die zweifellos vorhandene Möglichkeit einer sehr veinlichen Lage steht nicht zu unmittelbarer Erbägung, obwohl sie nicht ignoriert werden darf. Was beabfichligt England in Schwiven! Kaiser Franz Josefs Dank an seine Genetäle. :: Kaiser Franz Joseph hat an den k. k General der Kavallerie Boehm=Ermolli den Kommandanten der zweiten Armee, ein ehrendes Handschreiben gerichtet, in dem er ihm und seinen Armeen für die glorreiche Waffentat der Einnahme Lembergs seinen kaiserlichen Dank ausspricht und ihm das Militärverdienstkrenz erster Klasse mit Kriegsdekoration verleiht...„. Bereits am 23. Juni richtete Kaiser Franz. Joseph an den Chef des General= tabes, General der Infanterie Frhr. Conrad von Hötzendorff ein Handschreiben, in dem es heißt: „Die ruhmvolle Eroberung Lembergs ist der erfolgreiche Ausdruck der groß angelegten Operationen, welche die verbündeten Heeresleitungen entworfen und die tapferen Armeen durchgeführt haben. In dankbarster Anerkennung Ihrer diesfälligen hervorragenden Verdiens ernenne ich Sie zum Generaloberst.“ Der Rang des Generalobersten ist in der österreichisch=ungarischen Armee erst vor kurzem geschaffen worden. Der erste Generaloberst ist Erzherzog Eugen, der Oberkommandierende auf dem italienischen Kriegsschauplatz; Freiherr von Conrad ist der zweite General, dem dieser Rang verliehen wurde. Kaiserbesuch in Galizien. :: Wie einem längeren Berichte aus dem k. k. Kriegspressequartier zu entnehmen ist, hat Kaiser Wilhelm am 19. Juni dem wiedereroberten Przemysl einen Besuch abgestattet und im Anschluß daran den Kämpfen der verbündeten Truppen an der südöstlichen Frout beigewohnt. Feldmarschall von Mackensen Ehrendoktor. : Die rechts= und staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Halle hat dem Generalfeldmarschall von Mackensen die Würde eines Ehrendoktors der Staatswissenschaften verliehen. Rumäniens Entschließung verschoben. Wien, 28. Juni. Den Bukarester Blättern zufolge verschob der rumänische Ministerrat die Beschlußfassung über die neuen russischen Vorschläge auf einen späteren Zeitpunkt. Serbiens Zukunft liegt in Albanien. Den stärksten Protest gegen die Festsetzung Italiens in Albanien erheben die serbischen Blätter, die feierlich erklären, daß Serbien ohne Albanien keine Zukunft habe. Die serbische Regierung teilt diesen Kummer und befindet sich gleichzeitig in lebhafter Sorge wegen Bulgariens feindseliger Haltung. Das Ministerium gab amtlich bekannt, daß es gezwungen sei, die Grenze gegen Bulgarien militärisch zu verstärken. Längs der bulgarischen Grenze sollen 20 neue Garnisonen errichtet werden. Kriegerische Maßnahmen Bulgariens gegen Serbien würden natürlich nur im Einvernehmen mit Rumänien erfolgen. In Griechenland herrscht Beunruhigung wegen möglicher Verwickelungen, da man in Athen befürchtet, daß das siegreiche Bulgarien den Bukarester Friedensvertrag nicht blos auf Kosten Serbiens, sondern auch auf Kosten Griechenlands revidieren würde. Vielleicht bietet aber einmal Albanien, das den Italienern sicherlich nicht in die Hände fallen wird, ein geeignetes Kompensationsobjekt. Denn den Italienern ergeht es gewiß einmal wie in der Fabel dem Hunde, der das Stück Fleisch aus dem Maule verlor, weil er in seiner Habgier nach dessen Bilde im Wasserspiegel schnappte. Die griechisch=italienischen Beziehungen haben eine scharfe Spannung dadurch erfahren, daß die Italiener auf den Griechenland zugesprochenen zwölf Inseln des Agäischen Meeres das griechische Element systematisch ausrotten. Die Schwierig keiten, die den Griechen dort von den italienischen Behörden gemacht werden, sollen einfach unerträglich sein. Die Spannung wird wesentlich verschärft durch die albanischen Pläne Italiens, die freilich nicht nur Griechenland, sondern allen Balkanstaaten, einschließlich des herrlichen Serbiens, die Augen über den Wert der Freundschaftsbeteuerungen des Vierverbandes gründlich zu öffnen geeignet sind. Immer mehr treten in Schweden seltsame Einwirkungen Englands in Erscheinung, über die man selbstverständlich in den Nordländern sehr beunruhigt ist. Die englischen Wahlkonsuln schwedischer Staatsangehörigkeit in schwedischen Provinzstädten erhielten von ihrer vorgesetzten englischen Behörde verfängliche Fragebogen zugestellt, worin sie beispielsweise über die schwedischen Truppenverteilungen und ähnliche, die Landesverteidigung gefährdende Fragen um Auskunft ersucht wurden. Teils ließen die Gefragten die Bogen leer zurückgehen, teils schickten sie der englischen Behörde ihr Patent mit dem Bemerken zurück, daß sie fürderhin auf die Ehre, englischer Konsul zu sein, verzichten. In der letzten Zeit mehren sich auch die unlauteren Versuche der Hintermännet der Ententepolitik, das schwedische Zeitungswesen zu beeinflussen. Auf die in den russischen Blättern erschienene Verleumdung, die schwedische Presse sei von den Deutschen gekauft, folgte unmittelbar ein in großem Stil unternommener englischer Bestechungsversuch. Eine englische Firma, die das amtliche Papier des englischen Handelsministeriums benutzt, woraus also die Beeinflussung durch die englische Behörde klar zu ersehen ist, überschwemmt die schwedischen Zeitungsverlage mit einem Zirkular, worin selbstloserweise das Angebot gemacht wird, in England hergestellte schwedisch geschriebene Leitartikel zu liefern und für den Abdruck sogar noch Inseratengebühr zu bezahlen. 10 Uhr Vormittags in der Reihenfolge anzukiefern, wie es in der Bekanntmachung unserer Zeitung Nr. 135 vom 12. d. M. angegeben ist.„ holung geschieht am Einlieferungstage 4 bis 3 Uhr Nachm. Die Gebühren sind dabei zu entrichten. Unrichtig gehende Wagen werden zweckmäßig vor der Nacheichung einem Schlosser oder sonstigem Fachmann zur Instandsetzung übergeben, weil der Eichteamte nur die Nacheichu zegx geriminer, nicht aber die Reparatur. Wer in nacheichen läßt, muß später seine Eichgegenstände in Dortmund eichen lassen. (Familien Unterstützung.) Wir machen die Angehörigen der im Felde stehenden Truppen an dieser Stelle darauf aufmerksam, daß die Familienunterstützungen für die Zeit vom 1. bis 15. Juli erst am 2. Juli, Vormittags, an der Stadtkasse(Zimmer 1 des Rathauses) zur Auszahlung gelangen.— Die für den Monat Mai noch nicht abgehobenen Einquartierungsgelder sind unverzüglich abzuheben. **(Soldatengrüße.) Mit herzlichem Dank für die prompte Zustellung der„Schwerter Zeitung“ entbieten besten Guß aus dem Felde Oberjäger Wilhelm Hache, Landsturmmann Fritz Becker, Gefr. Emil Schermeng. **(Beschaffung von Eiern aus dem Auslande.) Die Zentraleinkaufsgenossenschaft Berlin hat, wie die Frankfurter Zeitung meldet, nunmehr ihre Tätigkeit auch auf die Beschaffung von Eiern aus dem Aisland ausgedehnt. Von welcher Bedeutung dieser Zweig der Lebensmittelzufuhr ist, geht aus der Tatsache hervor, daß Deutschland in Friedensseiten jährlich rund 190 Millionen Mark für Eier an das Ausland zahlt und dafür 1,6 Mill. Bryans Friedensarbeit. der unns geben Feareng. Das feanzösische Unvermögen bei Arras. Rotterdam, 29. Juni.„Journal des Debats“ behauptet, daß es diesmal mit der französischen Offensive Ernst gewesen sei. Wenn auch Joffre seinen Plan verschwieg, so müsse doch der Verbrauch von 300000 Artilleriegeschossen auf einer Frontlänge von 12 Kilometern beweisen, daß erstens die Klagen über den Munitionsmangel übertrieben sind und daß es sich zweitens um die bisher wichtigste Offensive handelt. Dagegen spricht der„Temps“ von einem Stillstande der granzüstsichen Operationen um Arras. Begen die amerikanischen Kriegsmaterialien lieferungen. Der unlängst von seinem Posten geschie dene Staatssekretär a. D. Bryan, hat in der Vereinigten Staaten eine Tätigkeit begon ten, die den amerikanischen Kriegslieferan. en nicht weniger als deren besten Kunden den Engländern, mißfällt. Er arbeitet dor tachdrücklichst für den Weltfrieden und wenset sich mit Wort und Feder scharf gegen sie den Krieg weiter in die Länge ziehenten Waffenlieferanten. Jetzt hat er vor nner großen Versammlung in New Yort ine Rede gehalten, in der er nachdrücklichst in amerikanisches Ausfuhrverbot ür Kriegsmaterial fordert. Ueber die riedensrede Bryans meldet die Londoner Morning Post“ aus Washington vom 25. „Wer die täglich intensiver werdende leutsche Agitation in Amerika gegen die Paffenausfuhr aufmerksam verfolgt, ist beinruhigt durch die Begeisterung, die Brnau estern in New York entflammte. Die Newdorker Zeitungen geben zu, daß die gestrig Versammlung an Größe und Begeisterung ille früheren Versammlungen, vor denen Bryan während seiner 20jährigen politichen Tätigkeit gesprochen hat, übertraf. Der jroße Saal in Madison Sauare Garden, der 2 500 Personen faßt, war überfüllt. Tauende kamen nicht hinein. Ein Dutzend Versammlungen wurven in Gebäuden der umgebenden Straßen abgehalten. Bryan hielt eine sehr geschickte Rede und friff die New=Yorker Zeitungen heftig an. die niemals für das amerikanische Volk Parei nähmen und ihn während seiner ganzen solitischen Laufbahn stets gelästert und als staatssekretär beständig angegriffen und verfolgt hätten. Bryan sagte unter tosen sem Beifall:„Ich mußte schweigen, wälend Aus Stadt und Umgedung. Der Siebenschläfertag. Der Siebenschläfertag, in Nord= und Mitteldeutschland der bekannteste unter den sogenannten Lostagen der Witterung, den Tagen, an denen das Los der Witterung sich auf längere Zeit entscheiden soll, war vorgestern. Der Volksglaube, daß wenn es am 27. Juni regnet, es während der folgenden sieben Wochen jeden Tag etwas regnet, ist weit verbreitet.„Regnet's am Siebenschläfertag, regnet's noch 7 Wochen hernach“, so lautet eine alte Bauernregel, die aber ebenso wenig Wert besitzt, wie so manche der vielen verbreiteten Wetterregeln, von denen namentlich die Meteorologen nichts wissen wollen. Die alte Wetterrege hat sich in sehr vielen Fällen blamiert, denn während der letzten 50 Jahre verregnete der 27. Juni nur zwanzigmal und nur zwölfmal folgte ein länger andauerndes Regenwetter; sieben Wochen jedoch hat es in keinem Jahre geregnet. Nach den langen regenlosen Sommerwochen in diesem Jahre ist ein verregneter Siebenschläfertag geradezu erwünscht, und sehnsücht'g schaut man nach einem Wölkchen am Himmel aus, das uns den erquickenden Regen bescheren soll. Noch eine andere Bedeutung hat der Tag. Heißt es doch, wer am Siebenschläfertag spät au steht, der verschlafe sich das ganze Jahr. Drum das allgemeine Frühaufstehen und der Spott für den, der in der Familie zuletzt aus den Federn steigt; das ist der Siebenschläfer. **(Einheitliche Regelung des Verkaufs von Branntwein.) Das Stellvertretende Generalkom mando des 7. Armeekorps in Münster hat durch scharfe Bestimmungen den Verkauf von Branntwein aufs äußerste eingeschränkt. Auf eine Eingabe der Handelskammer Dortmund an das Stellvertretende Generalkommando, daß mildere Bestimmungen für den Verkauf von Branntwein erlassen werden möchten, weil die Konkurrenz, die außerhalb des Korpsbezirks ihren Sitz hat, von dieser Verfügung nicht getroffen wird und ungehindert die Geschäfte machen kann, die den Eingesessenen untersagt sind, hat das Generalkommando nun geantwortet, daß eine einheitliche Regelung für mehrere Armeekorpsbereiche zu erwarten stehe, weshalb eine Aenderung in der angesochtenen Verfügung zur Zeit nicht beabsichtigt werde. **(Nacheichung) Am Mittwoch und folgende Tage findet die Nacheichung der Wagen, Gewichte und Maßwerkzeuge im Lokal Stamm am Markt statt. Die Eichgegenstände sind in gereinigtem Zustande durch Erwachsene von 8 bis Don pelzentner einführt. In dem letzten Jahre, über das eine Handelsstatistik vorliegt, im Jahre 1913, stand Rußland an der Spitze unserer Eierlieferanten. Nicht weniger als 722000 Doppelzentner wurden von dort bezogen. Im Jahre 1912 stammte aber unsere Haupteinfuhr aus Oesterreich=Ungarn, nämlich 726000 Doppelzentner mit einem Wert von 76,5 Millionen Mark. Mit dieser Zahl steht die Eierausfuhr in der österreichisch=ungarischen Warenausfuhr nach Deutschland an erster Stelle. Es ist daher begreiflich, daß das verbündete Nachbarreich auch im Kriege in der Lage sein wird, uns einen wesentlichen Teil unseres ausläudischen Eierbedarfs zu liefern, zumal der Tag unmittelbar bevorsteht, an dem Galizien, der Haupteiermarkt Oesterreichs, von feindlichen Truppen vollständig gesäubert sein wird. **(Kindermilch.) Es wird auch an dieser Stelle noch mal darauf hingewiesen, daß vom 1. Juli an die Kindermilch in der Adier=Apotheke abgegeben wird, da die beiden Apotheken liebenswürdigerweise es übemnommen haben, abwechselnd je 1 Jahr lang die Milch an die Interessenten v:(Früh verdorber.) Die im Alter von 11 bezw. 9 Jahren stehenden Schulknaben P. aus der Eisenindustriestraße, welche bereits vor mehreren Wochen einem Mädchen an der Hörderstraße einen ten, haben in den letzten Tagen Badestelle an der Ruhr mehrere Diebstähle ausgeführt. Sie machten sich während der Badezeit am Ufer, woselbst die Kleider abgelegt werden, zu schaffen und henutzten einen geeigneten Augenblick, um die Geldbörsen aus den Taschen zu stehlen. Das Geld wurde teils versteckt, teils in allerlei Sachen vernascht. Dem Badewärter, dem das Treiben der Burschen aufgefallen war, gelang es gestern, zwei Fälle nach anfänglichem Leugnen der is(Fesigenommen) wurde gestern in einem Steinbruch bei Westhofen der Arbeiter H. aus den Rosen, der sich vor einiger Zeit an dem 9jährigen Töchterchen eines dort wohnenden Arbeiters vergriffen hatte und sich seitdem herumtrieb. Weiter wurde gestern hier der von Neheim aus steckbrieflich gesuchte Arbeiter Boos verhaftet. Beide wurden dem Amtsgericht zugeführt. ** Syburg, 28. Juni.(Diebstahl.) In der vorletzten Nacht wurde der Witwe Weißmann aus einem verschlossenen Backhause eim Sack mi ca. 140 Pfund Weizenmehl gestohlen. Die lichtscheuen Gesellen hatten eine trümmert und waren so in das Gebäude gelangt. Hoffentlich gelingt es der Polizei, der Diebe bald habhast zu werden. Juni.(Die Manl; ** Garenfeld, 28. Juni.(P., Mu.. und Klauenseuche) greift weiter um sich. Neuerdings ist sie bei dem Landwirt Schwab z Garenfeld und bei dem Landwirt Louis Wever auf einer Weide in der Nähe der Westhofener Ruhrbrücke festgestellt. ** Garenfeld, 28. Juni.(Leichenfund.) Einen schaurigen Fund machten am Senntag nachmittag Spoziergänger in der Waldung am„Kleff“. Im Gebüsch wurde dort die bereits ganz in Verwesung übergegangene Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden. Die kleine Leiche— ob es sich um einen Knaben oder um ein Mädchen handelt, konnte nicht mehr festgestellt werden— war in einen rotweiß karrierten Kissenbezug eingehüllt und hat mindestens schon vier Wochen an der Fundstelle gelegen; sie wurde in die Leichenhalle auf den Friedhof in Westhofen gebracht. Nähere Anhaltspunkte über den schaurigen Fund sehlen noch vollständig. ** Ergste, 28. Juni.(Drütter Stellvertreter des Standesbeamten.) Der Regierungs=Präsident hat die vom Gemeinde=Vorstand getätigte Wahl des Kaufmanns Ewald Heimann hierselbst zum dritten Stellvertreter des Standesbramten für den diesseitigen Standesamts. bezirk genehmigt. Kland d. Vrantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte, 1085 Bekanntmachung. An der Königlichen Gärtnerlehranstalt in Beilin=Dahlem finden im Jahre 1915 folgende Sonderlehrgänge stalt: 1 Lehrgang für Obst= und Gemüseverwertung für Haushalhaltungslehrerinnen vom 5.—17. Juli. 2. Lehrgang für Helfer und Helferinnen, veranlaßt durch den Kriegsausschuß für Gemüsebau Unterweisung in Ernte, Aufbewahrung und Verwertung von Gemüse), vom 16.—21. August. 8. Lehrgang für Obst= und Gemüseverwertung für Obstzüchter und Obstbauinteressenten vom 4.—9. Oktober. 4. Lehrgang für Anfelverweilung für Damen und Herren vom vom 18.—22. Oktober. 5. Lehrgang für Obstbaumschnitt und epflege für Damen und Herren vom 1—6. November. Das Unterrichtshonorar beträgt: Für die Lehrgänge 3, 4 und 5 für Deutsche 9 Mk., für Ausländer 18 Mk; für den Lehrgang 1 für Deutsche 18 Mk, für Ausländer 36 Mk. Lehrgang 2 ist honorarfrei; Bewerber müssen ausreichende; rraktische Erfabrungen im Gartenbau besitzen. Die Lehrpläne der einzelnen Lehrgänge werden auf Wunsch; 4 Wochen vor Beginn jeden Lehrganges zugesandt. Anmeldungen sind, möglichst früyzeitig an den Direklor der Königlichen Gärtnerlehranstalt zu richten. Nach erfolgter Zusage ist das Unterrichtshonorar porto= und bestellgeldfrei an die Kasse der Königlichen Gärtnerlehranstalt in Berlin=Dahlem einzusenden. Der Eingang des Betrages ist für die Eintragung in die Teilnehmerliste maßgebend. Die Gärtnerlehranstalt ist Haltestelle der elektrischen Straßenbahn: Steglitz=Grunewald. Der Hauptlehrgang(vier Semester) beginnt am 4 Oklober 1915. Aufnahme von Hospitanten und Praktikanten zu jeder Zeit. 3066 Der Direklor. FürWader empfehle 5647 in grosser Auswahl Damenblusen Kostümröcke Paletots Unterröcke Schürzen Handschuhe Kaufhausohlomark Schwerte, Ostenstr. 20. miltärfrei, sucht Stellung als n Schreiber auf einem Werk oder Behörde. Offerten unter F. 3075 an d. Gesch. d. Ztg. in gutem Hause, mit und ohne Pension. Bad. Klavier, elektr. Licht und allen Bequemlichkeiten sofort zu vermielen. Zu erfragen i. d.„Schwerter Zeitung“. Ne aihe Mer eh zum 1. August 5•Zimmer= Wohnung möglichst parterre. Offerten erbelen u. F. 3087 an d. Gesch. d. Zta. 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Bewerbungen um solche Stipendien sind bis zum 10. Juli an den Magistrat zu richten. Wir bemerken, daß nach den Bestimmungen des Stifters bei der Zuwendung nur bedürftige, besonders begabte und sich gutführende Schüler, deren Eltern in Schwerte wohnen oder daselbst verstorben sind, berücksichtigt werden können. Schwerte, den 26. Juni 1915. Magistrat. Rohrmann. Sonntag nachmittag wurde unser lieber Obergärtner Her. Bieurich Bruhuis von seinem langen Leiden durch den Tod erlöst. Uns allen ein Vorbild von seltener Gewissenhaftigkeit, werden wir ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Das Garten- und Haus-Personal von Haus Ruhr, 29. Juni 1915. 2 Die Beerdigung findet Mittwoch nachm. 5 Uhr vom Evangel. Krankenhaus aus statt. 3086 mit Wollrand Sitzen fest und rutschen nicht In vielen Mustern vorrätig. 2108 Alleinverkauf EtioMark, Schwerte Ostenstrasse 20. Keine Fleischteuerung! Städtischer Viehhof, Dortmund. Dortmund, den 28. Juni 1915. Zu dem heutigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben 776 Stück Großvieh, 64* Kälder* Schafe.?“* Schmei Stüc. Großbieh, 640 Kule., Schafe. 940 Schweine. Bez. f. 100 Pfd. K chen 5 □ Karlolfelstärke. lichl per Pfd. 85 Pig. empfiehlt 30941 in den neuesten Fassons, auch fürstarke Damen, in grosser Auswahl vorrätig. Vorzüglicher Sitz. Gute Stoffqualitäten selbst in den billigeren. Preislagen. Otto Marx, Schwerte, Ostenstr. 20 von 3, 4, 5 u. 6 Zimmern zu vermieten. 2890 Wilhelm Luck, Baugeschäft. Königstraße. Eine freundliche 3096 Wohnung 8 Zimmer der 1. Elage und 1 Mansardenzimmer(elektr. Licht), zum 1. August oder später an eine ruhige Familie zu vermieten. 3096 F. Kayser, Uhrmocher. Mein Gaus an der Moltkestr. Nr. 38, Hinterhaus, 5—6 Zimmer, ist per 1. Oklob. im ganzen oder geteilt zu vermieten. 3088 H. Sohlenkamp. Abgeschlossene 3-Zimmer= Wohnung mit großer Vorratsstu be, 1. Eig zum 1. Oktober zu vermieten. Zu erfragen i. d. Geschäftsstelle d. Itg. 309: Zwangsverkauf. 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Rinder. a)vollfleischige, ausgemästele sten Schlachtwertes, die noch nicht gezogen haben(ungesocht) b) vollfleischige, ausgemästete, im Alter von 4—7 Jahren.. c) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete... d) mäßig genährte junge, gut genährte ältere a) vollfleischige, ausgewachs. höchsten Schlachtwertes d)vollfleischige, jüngere.... c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes b)vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren c) ältere, ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen d) mäßig genährte Kühe u. Färsen e) gering genährte Kühe u. Färsen Gering genährtes Jungvieh(Fresser) 2. Kälber a) Doppelender, feinste Mast.. d) feinste Mastkälber c) mittlere Mast= und deste Saugkälber 72—78 118-126 d)geringe Mast= und gute Saugkälber 62—68 105—115 e)geringe Saugkälber... 55—58 96—102 3. Schafe Stallmast= a) Mastlämmer und jüngere Mastschafe: hammel.. d) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährle junge Schafe c)mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) Weide= a) Mastlämmer mastschafe: b) geringe Lämmer und Schafe 4. Schweine. a) Fettschweine, über 150 kg. 8 Zentner Lebendgewicht d) vollfleischige Schweine von 120—150 kg(240—300 Pfd.) Lebendgewicht c) vollfleischige Schweine von 100—120 kg(200—240 Pfd. Lebendgewicht 112-120 140-150 d) vollfleischige Schweine, 80—100 Kg 160—200 Psd.) Lebendgewicht 112-120 140-150 e) vollfleischige Schweine, unter 80 kg (160 Pfd.) Lebendgewicht 96=112 120-140von F— 108-120 135-150 Gutes Mittagessen à Person 15 bis 20 Pig. Man nehme etwas Suppengrün und neues Gemüse, wie es die Jahreszeit bietet, zerschneide alles so fein wie möglich und 3084 /koche es in ungesalzenem Wasser mit einem Zusatz von à Person einen gehäuften Teelöffel(20—25 Gramm) OchsenaExtrakt, Kartoffeln und nach Geschmack auch etwas Speiselett zusammen zugedeckt in einem Topf eine halbe bis eine Stunde. Die Kartoffel und Gemüsebrühe erhält dann durch den Ochsena-Extrakt den Geschmack und Nährwert einer wirklichen, kräftigen Fleischsuppe, und die nicht zerkochten Teile der Kartoffeln haben Geschmack und Aussehen von Fleischstücken angenomnen. Ochsena ist zu beziehen durch die meisten Detail-Geschäfte in Dosen à 1 Pfund netto Mk. 2.— „„„½„„„ 1.10 5 Mohr& Co., 6. m. b. H. a. k. Schwerter Frauen=Vervand. Vom 1. Juli an wird die Kinder=Milch in der Adler=Apotheke abgegeben. 3090 Dickes fettes Rindfleisch 1.00 Kalbfleisch 1.20 Prima Schweinefleisch 1.60 60—63 115-121#und alle Wurstwaren sind wieder jede Woche auf dem Markt in Westhofen zu haben. 3090 50—57 100-114 38—43 89- 99 32—36 77—86 80-82 127—130 D. Mayer, Geité Bettenl kaufen? So gehen Sie nur in ein reelles Geschäft zu dem Sie Vertrauen haben. Sie erhalten in dem Bettengeschäft von Otto Wilkes nur garantiert doppelt gereinigte, staubfreie Bettfedern und Daunen zu den bekannt billigsten Preisen. Barchend— und farbecht.— Otto Wilkes Bahnhofstr. 19. Schwerte, Bahnhofstr. Makulaturpapier enpfiehlt Biülett Carl Braus. Schwerte(Ruhr) Favorit Modenaldum 60 Z Favorit Handardtsald. 60 Favon vorit Jugendalbum 60 J Favorik Schnittmuster 1! Büstooebenf fin Shpate Kaufbaus Otte Mark Odensrebe 30. 1989 Probeischafe Frau Clara Krohmann, Koch- u. Haushaltungsschule Berlin, Bülowstr. 82. Abt. Kinderfräulein 1 u. II. Klasse. Fröbelsche Beschäft. 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Als sie sich dem Hause näherten, entspann sich ein kleiner Streit zwischen dem kleinen Mädchen und seiner Gouvernauie, indem das erstere, auf die Puppe deutend, dem Fräulein kategorisch erklärte:„Mimi will noch draußen bleiben!“ „Aber Prinzeßchen, ich bin wahrhaftig jetzt müde, wo sind wir nicht heute schon überall herumgelaufen!“ verwahrte sich Fräulein Müller energisch. Das Kind aber hatte sich schon unbekümmert auf der Bank an dem Torbogen niedergelassen.„Wir bleiben,“ beharrte es gelassen,„und Sie können doch immer gehen, wenn Mimi und ich nachher in die Stadt in die große Pension kommen, wie Papa gesagt hat, dann können Sie ja doch nicht immer bei uns bleiben, Fräulein Müller, nicht wahr?“ „Nein,“ sagte Fräulein Müller geärgert,„dann gehe ich fort, dein Herr Vater findet ja“— sie schwieg plötzlich; denn Herr van der Werft hatte mitunter die eigentümliche Gewohnheit, dann plötzlich zu erscheinen, wenn man ihn am wenigsten vermutete. So änderte sie schnell ihre Taktik.„Tut es dir nicht leid, daß ich gehe, mein süßes Prinzeßchen?“ fragte sie mit weinerlicher, zärtlich flötender Stimme,„ich meine nicht jetzt, mein Herzchen, wo ich dir gern noch ein wenig zu bleiben erlaube, sondern nachher, und für immer?"— Prinzeßchens Kinderherz war gerührt.„O gewiß,“ versicherte sie mit größer werdenden Augen und zuckendem Mündchen, als aber Fräulein Müller sich nun, befriedigt entfernte, setzte sie sich, befreit aufatmend, besser zurecht und begann ihre Mimi in Schiaf zu wiegen.„W4 25 „Ich reise, ich barf wirtlich mit, der Herr hat's erlaubt!“ rief da Karl Fischer, der auf Fräulein Müllers Fortgehen verstohlen gewartet hatte und nun zurückgesprungen war. „Still doch, sie schläft!“ mahnte Prinzeßchen. Karis Herz aber war zu voll eben.„Ach, das ist ja doch nur eine dumme Puppe!“ meinte er mit gutmütigem Spott. „Was sagst du?“ Prinzeßchen war empört. „Na ja, sie ist ja sehr fein," beschwichtigte der Knabe,„ich meine nur, daß es doch bloß eine Puppe ist, und die kann ja gar nicht schlafen!“ fügte er wegwerzend binzu.,.. A Schmubfink „Nicht, nicht? O, du— du— on Schmutfint du!“ Sie sah ihn verächtlich an, und Mimi fest ans Herz drückend, lief sie hastig dem Hause zu, den Knaben geknickt zurücklassend. (Schluß folgt.) Aus vergangenen Tagen. Antike Schulknabenscherze. Die Schriftzüge hellenistischer Zeit, die auf einem kürzlich in der Serra Orlando bei Aidone in Sizilien gefundenen Ziegelstein zu lesen sind, deutet Geh. Rat Diels in einer Abhandlung der Sitzungsberichte der Berliner Akademie der Wissenschaft als antike Schulknabenscherze. Für die hier eingezeichneten Griffelübungen hat man sonst allerlei Erklärungen magischer und pädagogischer Art gesucht. Aber weder Zauberkraft kommt diesen Buchstaben zu, noch sind sie Schutübungen, die von den Lehrern auf dem doch höchst ungewöhnlichen Material zur Förderung des Schreibunterrichts anbefohlen wurden, sondern es handelt sich nach der Auffassung von Diels um Scherze, die sich Schuljungen auf dem dazu einladenden frischen Material einer Ziegelei erlaubten. Irgendein Abeschütze hat hier die Künste, die er eben erst gelernt, verewigt, indem er zwei Buchstaben zehnmal hintereinander schrieb und dann zur Ausfüllung der Zeile beliebige Wörter zufügte. So hatte er's augenscheinlich beim Schreiblehrer machen müssen, wie ja auch bei uns früher die Vorlageblätter für Schönschrift derartig angeordnet waren, daß zunächst ein bestimmter Buchstabe mehrmals geschrieben werden mußte und dann zur Belohnung gleichsam Gegenstände, die der Sphäre des Kindes naheliegen, neben die Buchstabenübung geschrieben werden durften. Auf demselben Stein, auf den der Abeschütze seine Künste malte, hat sich ein etwas älterer, flotter schreibender Junge verewigt, indem er einen hübschen Vers hinsetzte, wie er wohl vom Lehrer als Zungenübung ihm eben eingeprägt worden war. Diese beiden Zeilen ergeben den Hexameter:„Nai Néai Néa Näia Néoi Temon, Os Néoi A Naus.“ D. h.„Für ein neues Schiff schnitten Jungen neue Planken, damit das Schiff schwimmen könne.“ Man darf annehmen, daß dieser Spruch den sizilischen Schulbuben ebensoviel Vergnügen gemacht hat, wie etwa unsern der Satz„Fischers Fritz frißt frische Fische“ und ähnliche zungenübende Verse, wie wir sie so reichlich kennen. Noch ein dritter Junge hat sich auf dem Ziegelstein einen Scherz erlaubt, indem er einen an Zeus gerichteten Ausruf niederschrieb, der wohl auf eine bereits etwas höhere Schulbildung dieses Knaben schließen läßt. Denkspruch. Ob gut, ob schlecht das Jahr auch sel, Ein bißchen Frühling i.t immer davei. Fritz Mauthner. 5 B#Ralschläge ürs haus## — von Lania Uincent. Damit das Gas heller brennt, streue man ein wenig Salz oben auf den Strumpf. Dies muß geschehen, wenn die Flamme brennt. Kisten aus Zedernholz sind ein idealer Aufbewahrungsort für Kleidungsstücke, die man gegen Motten schützen will, weil diese den Ceruch des Holzes nicht vertragen. Doch sind diese Kisten sehr teuer, so daß nicht jedermann sich den Luxus einer solchen leisten kann. Man kann sich aber eine mottensichere Kiste auch auf billigere Weise herstellen. Eine gewöhnliche Holzkiste klebe man gut mit Zeitungspapier aus. Den Geruch von Druckerschwärze können die Motten nämlich auch nicht vertragen. Dann lege man auf den Boden der Kiste einige Brettchen von Zigarrenkisten, deckt Zeitungspapier darüber und schichtet nun die Sachen ein, immer wieder Zeitungsbogen dazwischen legend. ** 3089 0 Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 149. Dienstag, 29. Juni 1915. Täticher Roman von M. Withe. (5. Fortsetzung.) as gedrückte Aussehen der Frau vom Hause, Angelas unverkennbare Schwermut, Gerdas kaum verhehlte Freude bei der Nachricht von dem Ausbleiben ihres Vaters, das alles waren Dinge, die Malzyn in ihrer Gesamtheit stutzig A“ machen mußten, und die das Glücksgefühl dämpsten, von dem er bisher erfüllt gewesen war. Ein Blick in Gerdas erwartungsvolle Augen freilich scheuchte die leichten Schatten rasch wieder hinweg. „Ob es mir leid tut? O, Fräulein Volkhardt, das können Sie gar nicht im Ernst vermuten! Aber Ihre Frau Mutter——“ „Ach, machen Sie sich, bitte, über Mamas Benehmen keine Gedanken! Ich selber verstehe es ja nur in den seltensten Fällen! Aber ich weiß bestimmt, daß Mama im Grunde ihres Herzens unglück ich gewesen wäre, wenn Sie abgelehnt hätten. Sie ist ja die Güte selbst, und ein guter Mensch kann niemals ungastlich sein. Aber es liegt etwas auf ihr, das ich nicht kenne, und über das ich mir trotz alles Bemühens noch nicht einmal eine greisbare Vermutung verschaffen konnte! Ich habe mal irgendwo gelesen, daß es kein Haus gibt, wo nicht— bildlich gesprochen— in irgendeinem Schrank ein Skelett versteckt wäre. Nun, wenn ich einmal zufällig auf diesen Schrank stoßen sollte, der das Skelett unseres Hauses, enthält, ich werde gewiß nicht zögern, ihn zu verbrinnen. Denn dies Leben unter einem beständigen Druck, dessen Natur man nicht ahnt, ist manchmal beinahe unerträglich!“ „Und Sie können auch von Ihrem Herrn Vater nicht erfahren——?“ Gerda machte eine sehr bezeichnende Bewegung. „Ah, mein Vater! Er wäre der allerletzte, den ich befragen möchte! Halten Sie mich nicht für herzlos und un indlich, Herr von Malzyn, wenn ich Ihnen ganz offen eingestehe, daß ich froh war, als ich hörte, daß er verhindert ist, heute zu kommen! Es ist nicht meine Schuld, wenn ich niemals etwas wie Liebe für ihn habe empfinden können! Ich bin ja auch sicher, daß er selber nichts Derartiges fühlt, für mich so wenig wie für meine Schwester oder für die Mama. Je weiter und je länger er von uns entfernt ist, desto leichter können wir atmen.— Und nun zürnen Sie mir nicht, daß ich Sie mit diesen Familienangelegenheiten behelligt habe, die ja unmöglich ein Interesse für Sie haben können! Ich will Ihnen und mir damit nicht länger die Stimmung verderben. Wir (Nachdruck verboten.) wollen lieber recht vergnügt sein— ja?— und wollen uns die Zeit bis zum Montag so angenehm als möglich vertreiben. Ihren Salon im Erlenschlößchen müssen Sie sich nach meinem Dafürhalten in Elsenbeinfarbe einrichten— mit recht viel Gold. Das finde ich so wunderhübsch!“ „Der Salon im Erlenschlößchen wird ganz so eingerichtet werden, wie es Ihrem Geschmack entspricht. Ich behalte mir eine eigene Meinung nur für den Speisesaal und mein Arbeitszimmer vor. Alles übrige sollen Sie bestimmen! Sie wissen wohl— warum?“ Gerda war ein bißchen rot geworden; aber sie tat, als ob sie die letzten Worte nicht gehört hätte. „Es wäre reizend, wenn ich wirklich ein bißchen mit dreinreden dürfte,“ sagte sie lachend.„Sie wissen ja, daß jedes weibliche Wesen eine Leidenschaft dafür hat, Wohnungen einzurichten und auszuschnlücken. Uebrigens habe ich oben in meinem Zimmer ein entzückendes Buch über Raumkunst. Die Bilder sind von einem Berliner Maler. Wenn Sie wollen, hole ich es herunter." „Ich würde Ihnen dankbar dafür sein! Wir werden dann gemeinschaftlich unsere großen Pläne machen.“ Sie schlüpfte hinaus und kehrte nach Verlauf einiger Minuten mit dem ziemlich umfangreichen Bande zurück. Wenn sie gleichzeitig die Illustrationen betrachten wollten, mußten sie ganz nahe zusammenrücken, und Herbert von Malzyn fühlte sein Herz in rascheren Schlägen klopfen, als er den leichten Hauch ihres Atems und die Wärme ihres schönen jungen Körpers fühlte. Im Eiser des Gesprächs legte sie einmal unbefangen die Hand auf seine Schulter, und er blieb unbeweglich, nur damit sie nicht veranlaßt würde, sie wieder zurückzuziehen. „Was sagen Sie zu dieser Dekoration hier?“ fragte sie.„Wenn ich etwas zu sagen hätte, würde ich den Salon genau so einrichten, wie er hier dargestellt ist, und das Frühstückszimmer wie das auf der nächsten Seite! Die große Halle aber müßte ungefähr aussehen wie diese da. Aber das sind freilich alles, wie ich glaube, ziemlich kostspielige Einrichtungen. Und ich habe ja gar keine Ahnung, ob Sie soviel Geld ausgeben wollen oder können!" „Das Geld spielt in diesem Fall wirklich keine sehr große Rolle," erwiderte er lächelnd.„Wenn man sich sein Nestchen fürs Leben einrichtet, kann man schon ein wenig den Verschwender spielev. Ich erkläre Ihnen K 64— noch einmal, daß Sie ganz nach Ihrem Belieben bestimmen können!" „Wie nett das ist! Aber Sie müssen mir versprechen, daß es unter uns bleibt! Denn was würde die künftige Frau von Malzyn sagen, wenn sie erführe, daß eine andere auf solche Art ihre Rechte vorweggenommen hat!“ „Oh, ich bin sicher, daß wir von ihrer Eifersucht nichts zu fürchten haben! Meine liebe Gerda, haben Sie denn noch immer nicht begriffen, weshalb ich dies Haus einzig nach Ihrem Geschmack eingerichtet und geschmückt sehen möchte? Haben Sie wirklich noch nicht erraten, daß es einzig deshalb geschah, weil ich den sehnlichen Wunsch und die beglückende Hoffnung hege, daß es ein künftiges Heim werden soll nicht nur für mich, sondern für— für uns beide?“ Gerdas reizendes Gesicht war wie mit Blut übergossen, ihr Herz aber war erfüllt von einem Gefühl unaussprechlicher Seligkeit. Sie vermochte nicht sogleich zu antworten; aber sie sträubte sich nicht, als Malzyn seinen Arm um sie legte und sie sanft an sich zog. „Würden Sie bereit sein, es mit mir zu teilen, meine liebe, liebe Gerda?" flüsterte er in ihr rosiges Ohr. Und sie, indem sie den feuchten Blick zu ihm erhob, fragte ebenso leise: „Aber ist das denn auch wirklich Ihr voller Ernst?“ „Wäre ich nicht der verächtlichste aller Menschen, wenn es etwas anderes sein könnte als mein heiligster Ernst? Meine Liebe ist ja nicht von heute! Sie war ebenso stark und mächtig schon in den Tagen unseres Schweizer Beisammenseins. Aber damals durfte ich nicht sprechen, weil ich arm war! Ich konnte meine Hoffnungen nur auf die Zukunft setzen, und nun— nun möchte ich aus Ihrem Munde hören, ob diese herrlichen Hoffnungen sich erfüllen sollen!" Da bot sie ihm lächelnd ihte frischen Lippen zum Kuß, und erst als auf diese Weise das Verlöbnis besiegelt war, sagte sie: „Jetzt gibt es auf der ganzen Welt kein glücklicheres Mädchen als mich! Daß Sie mir gut sind, habe freilich auch ich damals schon gewußt! Und es hat mich sehr traurig gemacht, als wir auseinandergehen mußten, ohne daß Sie mir auch nur die kleinste Aussicht auf ein Wiedersehen gemacht hätten. Es war ja gewiß sehr ehrenwert, daß Sie schwiegen, weil Sie sich nicht für reich genug hielten. Aber Sie haben mich doch wohl recht schlecht gekannt! An Reichtum und Wohlleben ist mir wahrhaftig nichts gelegen! Dem Manne, den ich liebe, würde ich mich mit Freuden zu eigen geben, auch wenn er nur eine armselige Hütte mit mir teilen könnte! Ueberall würde es ja immer noch besser sein als hier. Ach, ich glaube, selbst die Gewißheit der größten Not würde mich nicht hindern, dem Manne zu folgen, der mich aus dieser unerträglichen Häuslichkeit befreit!“ Er küßte sie wieder, dann aber drohte er ihr mit dem Finger. „Soll das vielleicht heißen, daß du mich nur deshalb mit deinem Jawort beglückst, weil du in mir eine Art von Befreier siehst, und daß du es ebenso unbedenklich auch einem andern gegeben hättest?“ Ihre Augen strahlten ihn so zärtlich an, daß es keiner anderen Erwiderung oder Versicherung bedurfte, um solche Bedenklichkeiten zu zerstreuen. Dann aber legte sich's doch für einen Moment wie ein Schatten über ihr junges, liebliches Antlitz. „Ja, ich sehne mich nach Befreiung, nach Erlösung,“ sagte sie.„Ich sehe, daß eine Wolke über uns hängt, und ich fürchte, mein Vater hat irgend etwas mit schlimmen Dingen zu schaffen. Es gab eine Zeit, wo meine Schwester Angela ebenso glückselig war, wie ich es heute bin. Im hellsten Sonnenschein lag die Zukunft vor ihr— und dann, nun, ich habe dir ja schon gesagt, was dann geschah! Was hatte sie verbrochen, daß ihr Leben so schmählich zerstört werden mußte? Wofür war sie zu tadeln? Mein Vater hätte das Unglück vielleicht von ihr abwenden können, wenn er es gewollt hätte. Ich belauschte zufällig einen Teil einer Unterhaltung zwischen ihm und Mama. Es war dabei von Geldsachen die Rede, und von Blut und Tränen in Verbindung mit diesen Geldangelegenheiten. O Herbert, mir ist so bang! Wenn wirklich etwas Dunkles in unserm Familienleben wäre, würdest du es mich ebenso entgelten lassen, wie die arme Angela es entgelten mußte?" Er drückte sie stürmisch an seine Brust, und indem er ihr tief in die Augen sah, erwiderte er: „Niemals, mein teures Lieb! Bei meiner Ehre— niemals!“ „Ich hoffte, daß du mir so antworten würdest, und ich glaube an dich! Aber ich bitte dich, laß unsern Herzensbund vorläufig noch ein Geheimnis bleiben! Wenn meine Mutter von unserm Verlöbnis erführe, würde sie mir sicherlich mein erstes Glück durch ihre Tränen und durch ihre düsteren Prophezeiungen kommenden Unheils trüben. Angela aber müßte den Anblick dieses Glückes wie einen Stachel empfinden. Und ich möchte sie nicht noch trauriger machen, als sie es schon ist.“ „Ich werde mich darin selbstverständlich ganz nach deinen Wünschen richten und mich nach Kräften bemühen, meine Ungeduld zu bemeistern.“ Er hatte sogleich Gelegenheit, sich in der Kunst der Selbstbeheirschung zu üben; denn Frau Volkhardt kehrte zurück, und gleich darauf stellte sich auch Angela wieder ein. Aber man blieb nicht mehr lange beieinander. Die Dame des Hauses sagte entschuldigend, daß man auf Buchwalde gewöhnt sei, sich frühzeitig zur Ruhe zu begeben; aber sie bat den Gast, sich für seine Person in dieser Hinsicht keinen Zwang aufzuerlegen. Vielleicht hätte er Lust, in der Bibliothek noch ein Stündchen mit Lesen zu verbringen. Er würde dort Zigarren und alle anderen Bequemlichkeiten vorfinden, wie sie die Herren lieben. Malzyn, der sich in der Tat noch wenig ermüdet fühlte, machte von diesem Anerbieten gern Gebrauch und ließ sich, nachdem er sich von den Damen verabschiedet hatte, in einen der Klubsessel des Bibliothekraumes nieder, allerdings nicht um zu lesen, sondern um seinen Gedanken nachzuhängen, die zwar in der Hauptsache von der beglückendsten Art waren, in die sich aber doch auch mancherlei Zweifel und bange Besorgnisse mischten. Er hatte ja gewiß alle Veranlassung, mit seinem Schicksal zufrieden zu sein. Er war reich, von bester Gesundheit und hatte die Gewißheit, die Liebe des anmutigsten und reizendsten weiblichen Wesens gewonnen zu haben. Alles, was er sich von der Vorsehung nur immer hätte wünschen können, hatte sie ihm in schier verschwenderischer Fülle gewährt. Und doch gab es Dinge, die ihn quälten und beunruhigten! Er hatte zuviel des Rätselhaften und Unerklärlichen während seines kurzen Aufenthalts in diesem Hause beobachtet, als daß er davon hätte unbeeinlußt bleiben können, und alle seine Grübeleien führten ihn nicht dahin, eine einleuchtende Deutung für diee Unvegreiflichkeiten zu finden. Schließlich aber raffte er sich doch energisch zusammen und wies die unerquicklichen Vorstellungen von sich, indem er sich sagte: Was auch immer vorliegen mag, das Mädchen kann davon doch nicht berührt werden. Selbst wenn ihr Vater ein Dieb und ein Betrüger wäre, sie selber würde dadurch um nichts schlechter. Mochte Rolf Ristow unehrenhaft gehandelt haben, er selber würde ganz gewiß nicht dem von ihm gegebenen Beispiel folgen, wie es Gerda trotz all ihrer scheinbaren Zuversicht offenbar im Grunde des Herzens fürchtete.(Fortsetzung folgt.) N a Eine Gemeinheit. Als Oskar Hammerstein noch in Neuyork in der Manhattan=Oper schaltete, wurde er ständig von einem Jäger nach Freibilletten belagert. Monatelang war es dem hartnäckigen Mann gelungen, seinen Platz ohne Entgelt zu ergattern, bis eines Abends das Haus von dem zahlenden Publikum gänzlich gefüllt war. Das schreckte aber den Mann nicht ab, der wieder an der Kasse erschien und sein Gewohnheitsrecht geltend machte. Hammerstein, der benachrichtigt wurde, meinte, man solle dem Manne sagen, der Direktor wäre in der Nacht plötzlich gestorben. Mit trauriger Miene verkündete also der Kassierer:„Mr. Hammerstein ist leider heute nacht gestorben!“„Wie,“ rief der Mann entrüstet,„er ist gestorben und hat mir für heute abend keine Karten hinterlegt? Da gehe ich bestimmt nicht zu seinem Begräbnis!“ 0 Prinzeßchen. Novelle von A. Bauck. (Nachdruck verboten.) Acht Tage lang war Prinzeßchen ein artiges, folgsames Prinzeßchen, und eine ganze Woche lang las Fräulein Müller keinen Roman mehr von Zola. Aber die Zeit flieht und heilt alle Wunden, wie man weiß. Bei der tropischen Hitze des Juni trocknete der Brunnen aus, der so erziehlich auf diese beiden Menschenlinder gewirkt, und allmählich fielen beide wieder in ihr altes Tempo zurück. Fräulein Müller verschwand wieder wie früher oft stundenlang in der Bibliothek, um dann mit einem verzückten Lächeln und hochrotem Gesicht oder mit verweinten Augen wieder auf der Veranda zu erscheinen, während Prinzeßchen unbewacht ihren Freiheitsgelüsten wie ehedem nachgab und dem sichern Schutz der Martise entfloh. Ganz wie an jenem Tage umtreiste sie den Springbrunnen, hütete sich aber wohl, sich nochmals auf dem Rücken der gefährlichen Sphinx niederzulassen. Ein verständiges Prinzeßchen! Dagegen traf sie manchmal den Sohn des Gärtners dort am Brunnen, der bei der anhaltenden Dürre die Blumen zu begießen hatte. Prinzeßchen sah ihm aufmerksam dabei zu, auch bei anderen Dingen, und manchmal hielt er in seiner Beschäftigung inne, und sie plauderten zusammen, obwohl der Knabe wußte, daß er von seinem Vater Schläge betam, wenn seine Arbeit hernach nicht getan war. Er machte sich nichts daraus, er dachte nur immer an den Bäckerjungen und an die Prinzessin Bonbon aus seinem Märchenbuch und tröstete sich mit der Zukunft, während die Gegenwart alltäglich genug dahinfloß. Da ereilte ihn eines Tages ein solches Strafgericht in Gegenwart Prinzeßchens, was ihn geradezu unerträglich dünkte, so daß er sich ins Gras warf und bitterlich zu schluchzen begann. Nach einer Weile tippte ihn die Kleine auf die Schulter. „Du,“ sagte sie,„du mußt nicht mehr weinen; nein? Morgen kommt mein Papa nach Hause, da will ich ihn bitten, daß er deinem Vater sagt, daß er nicht wieder so garstig zu dir sein soll!“ „Ach,“ seufzte Karl Fischer, die Sache schien ihm wenig aussichtsvoll; aber seine Gedanken hatten doch eine andere Richtung genommen.„Kommt der Hero wieder zu Schiff zurück?“ fragte er gedankenvoll. Prinzeßchen nickte, das wußte sie genau. —„Papa sagt, über das Wasser— wo er immer hinreist," belehrte sie,„kann man nur mit dem Schiff fahren, und Papa hat sehr viele Schiffe, sehr viele!“ setzte sie wichtig hinzu, indem sie mit ihren runden Händchen eine umschreibende Bewegung machte. „Da muß er doch auch Leute brauchen für seine Schiffe, ich habe gehört, daß sie schon Jungen, wie ich bin, da haben müssen,“ wagte Karl Fischer, sich aufrichtend, zu bemerken;„ach, wenn ich doch nur auch mal so mit über das große Wasser fahren könnte, keine Arbeit sollte mir zu schwer sein!“ fügte er sehnsüchtig hinzu. Prinzeßchen zuckte bedächtig die Schultern.„Du mußt Papa bitten,“ riet sie altklug. Er war mit einem Satz auf den Füßen.„Wirklich? Wirklich? Ach, der Herr sollte es gewiß nicht bereuen!" rief er gepreßt,„wenn er's nur tut, wenn—“ „Das tut er schon,“ nickte Prinzeßchen bestätigend, „ich will ihn bitten, weißt du, und ihm erzählen— damals, wie du mich aus dem Wasser geholt hast. Da tut er's gewiß.“ „Ach, darum!“ meinte Karl Fischer; aber die helle Freude lachte ihm aus dem Gesicht, und übermütig stieß er mit der Fußspitze nach der Gießkanne, die am Boden lag. Prinzeßchens Augen folgten seiner Bewegung.„Ja, du,“ sagte sie dann plötzlich, wie sich besinnend,„wenn du aber fortgehst, wer wird dann die Blumen hier begießen, und du— du wirst ja dann auch gar nicht mehr da sein“— durch ihre Stimme klang es wie unbegriffenes Staunen und leises Bedauern. „Nein!“ lachte er lustig,„und begießen mag, wer Lust hat!“ Sie war ein wenig gekränkt und schwieg verdrossen. Dann gingen sie auseinander. Aber Prinzeßchen hielt doch Wort, das sollte Karl Fischer zu seiner Freude erfahren; denn ein paar Tage später wurde er zu Herrn van der Werft in sein Privatkontor gerufen. Verlegen stand er an der Tür und drehte die Mütze in der Hand. Herr van der Werit lächelte.„Nun,“ sagte er freundlich,„du hast dich brav benommen, Kleiner, ich möchte dir auch eine Freude dafür machen, daß du meine kleine Serena aus ihrem unfreiwilligen, nassen Bade gerettet hast! Der Springbrunnen ist zwar nicht tief, aber“— er sprang plötzlich mit erbleichenden Zügen empor und murmelte hastig, während er erregt einigemal im Zimmer auf= und abschritt, vor sich hin:„Mein Gott, das Kind konnte mir dennoch ertrinken, dennoch“— gleich darauf indes glättete sich seine Stirne wieder, und noch wohlwollender als zuvor blickte er zu dem Knaben hinüber.„Serena sagt mir, du hättest Lust zur See,“ fuhr er fort,„hat sie recht?“ „Ach ja, Herr,“ entgegnete dieser freimütig,„ich möchte so gern etwas von der Welt sehen, und recht viel lernen, ja, das möchte ich!“ „Und was möchtest du lernen?“ fragte der Kaufherr weiter, dem der Knabe sichtlich gefiel. Dieser dachte nach, es wurde ihm augenscheinlich nicht leicht, seine Gedanken zu sammeln.„Alles, was Sie von mir verlangen, Herr!“ brachte er endlich, ein wenig stockend, aber treuherzig heraus. Herr van der Werft nickte.„Nun, wir werden ja sehen,“ meinte er, schon etwas zerstreut,„vorläufig kannst du die nächste Reise als Schiffsjunge mitmachen, wir werden dann ja sehen, ob du anstellig und wozu du weiter zu brauchen bist!“ Damit war der Knabe entlassen. Wer aber war glücklicher als er? Als er über den Hof ging, tat einen Freudensprung nach dem andern und wirbelte