8 100 ∆ oo eiumn dermer ncnn aben Fernage Bauosgrne Al. ue #adrich, dei der Post in: Bestelgel 62 Pla. wehr. Wöchentl. Grassbetlage:„Ikustrienin Hamillenstruns“ u. 1gl. Uaterdaltungsdiant Anzeigenpreis: Die sebengespallene Pettgetleber dernn Nam 10 Plo, Auzeigen wzeur wach 15 Pig, Retlamezels 40 Pfg. Radan gil als Kasamdau a. erischi de donzocsen, Zwangsergleichen, gerichtl. Klagen a. (Setbnchand erch Sotioseselerne! Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung für den kreis börde 85 Verbunden mit: Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Schwerker Cageblatt O Schwerker Anzeiger Grstes und Alteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis börde o Haupt-Kononcenblan unn dute und icheenberichn durn guagen sor des Aunz hörde enongen gumse Betaanpnachung der Adaiglichen Regieruag duch Derostenlicung ie der Schornn Jeitung“ rrchtoerbiadliche Aoost.— Die „Schwarter Zeitung“ gewödrt idres Abosure. un für jeben alf Toh enbenben Ucel ge: 300 Mk. Unfall. dnan Verlage. Con Vrom Schoum=NutFernsp. 62. Telegr., Adr. Braus Schwerte= Rode Freitag, den 18. Juni 1915. 47. Jahrgang. Nbe 88 E Die tusst Orkertr J O S „ Srcgriff auf Englandg PIsTO Ilngl henbardierten und die den Schrei ihrer Enttu Berlin, 18. Juni. Aus dem k. k. Kriegspressequartier wird dem„B. T.“ berichtet: Der Erfolg des gestrigen Tages liegt darin, daß man die Russen nicht nur gezwungen hat, ihre starken Stellungen bei Mosciska zu räumen, sondern die Armee Pflanzer=Baltin vordringend, sich in den Besitz des Brückenkopfes von Nizniow gesetzt hat. Damit haben die Verbündeten nach Zaleszczyki den zweiten der 5 Eisenbahn=Dujestr=Uebergänge in der Hand, wodurch die russische Front auch hier, wo sie sich noch am stärksten hielt, unhaltbar ing Wanken geriet. Die russische Heeresleitung läßt in Petersburger Zeitungen verbreiten, sie müsse Vorkehrungen treffen, gegebenenfalls den Stützpunkt ihrer Unternehmen von Lemberg weg in ein weniger unmittelbar im Hauptereignisbereich der kriegerischen Operationen gelegenes Gebiet zu verlegen. Ein Tustangriff auf Elglands Guste! cht pam 15. zum Die Luftschiffe wurden stark beschossen, besonders Berlin, 17. Juni. In der Nacht vom 15. zum 16. Juni haben unsere Marineluftschiffe einen Angriff auf die Nordküste Englands ausgeführt. Ein befestigter Küstenplatz wurde mit Bomben beworsen, durch die eine Reihe industrieller Anlagen, darunter ein Hochosenwerk, in Brand gesetzt und zum Teil zerstört wurden. Die Luftschisse wurden start beschesfen, Vesenerevon einer Strandbatterie, letztere wurde angegriffen und zum Schweigen gebracht. Die Luftschiffe erlitten keinerlei Beschädigungen. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes: gez. Behucke. Ein französischer„Sieg“ bei Karlsruhe. Herr Wilson hat in seiner Note an die deutsche Regierung sich nicht nur als den berufenen und verpflichteten Hüter amerikanischer Interessen, sondern auch sechsmal als einen Diener der Menschlichkeit gerühmt. Allerdings hat er in seinem Amte schon gezögert, wenn es sich um die Fabrikation von Dumdum=Geschossen in seinem eigenen Machtbereich oder um den Mißbrauch des Sternenbanners handelt, er hat auch seine Stimme nicht ertönen lassen, als England den Hungerkrieg gegen Deutschland proklamierte, wohl aber, als eurn un seren Unterseebootskrieg Amerikaner ihr Lüstchen, in der Kriegszone auf einer Pulverkiste spazieren zu fahren, mit einem nassen Tode büßten.„Das Leben von Nichtkämpfern darf gesetz= oder rechtmäßig nicht in Gefahr gebracht werden", lehrte Herr Wilson. Vielleicht erhebt er sich jetzt abermals in edler Entrüstung, um Protest einzulegen gegen die Beschießung der offenen Stadt Karlsruhe durch ein feindliches Geschwader von Flieger. Karlsruhe ist nicht einmal, wie die.„Lusitania“, ein schwimmendes Sprengstoffmagazin, die Stadt birgt vielmehr nur friedliche Bürger mit ihren Frauen und Kindern, und auch sie sind nicht, ehe der tödliche Angriff erfolgte, gewarnt worden, ihnen wurde keine Zeit gegeben, sich in Sicherheit zu bringen. Verfolgte das dautsche Boot, als es die„Lusitania“ versenkte, einen eminent kriegsmäßigen. Zweck, so würde selbst die völlige Zerstörung der badischen Hauptstadt nicht die geringste Wirkung auf den Fortgang der Operationen üben. Wie nun, wenn es der Zufall wollte, daß die Bomben der französischen und englischen Flieger in den Straßen von Karlsruhe einem amerikanischen Bürger das Leben raubten? Würde dann Herr Wilson gleichfalls im Interesse der Menschlichkeit seine Stimme erheben? Wohl kaum. Er würde seinen Zorn nicht einmal über„die Verkürzung von Rechten der amerikanischen Bürger ergießen, die„sich auf erlaubten Reisen befinden“, sondern er würde resigmiert murmeln:„Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um“. Und doch ist hier noch ein großer Unterschied. Denn nicht Munitionstransportdampfer sind gegen Versenkung völkerrechtlich geschützt, auch wenn ein paar Dankees in ihren Kojen schlafen, wohl aber offene Städte gegen die Bombardierung durch Flieger. Sind Zeugen nötig? Nun, wir zitieren die braven Englishmen und die ihnen ergebene amerikanische Presse, die nicht laut genig über die schmähliche Verletzung der Menschlichkeit sich wtb. Großes Hauplquartier, 17. Juni 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich des Teiches von Bellewaarde wurden die gestern verlorenen Grabenstücke zum größten Teil zurückerobert. Die Engländer und Franzosen setzten gestern ihre Durchbruchsversuche fort. Nördlich des Kanals von La Bassee wurden die Engländer von Westfalen und Sachsen im Handgemenge überwältigt und zu beschleunigtem Rückzuge in ihre Stellungen gezwungen. Gegen die Front von westlich Lievien bis Arras richteten die Franzosen vorgestern neue Angrifse.„„ Wu W52 ihuem ein An der Lorelto=Höhe wurde ihnen ein völlig zertrümmerter Graben überlassen. Nördlich Souchez gelang es unserer Stellung in einer Breite von 600 MirFuß zu fassen. Dort wird noch gekämpft. An allen anderen Stillen wurden sie blulig abgewiesen. Die unter größtem Munitionseinsatz und ohne Rücksicht auf die schwersten Verluste geführten Angriffe haben wiederum mit einer Niederlage der Franzosen u. Ergländer geendet. Die für uns siegreichen Kämpfe legten erneut Zeugnis ab von der glanzvollen Tapferkeit und unerschütterlichen Ausdauer unserer Truppen. Mit dem gleichen Mißerfolg endeten französische Angriffe bei Moulain=Sous=Touvent. Wir nahmen dort 5 Offiziere und 300 Franzosen gefangen. In den Vogesen dauerten die lebhaften Kämpfe zwischen Fecht= und Lauchtal gestern noch an, kamen aber am Abend zum Stillstand. Abgesehen von einem kleinen Geländeverlust nordwestlich von Metzeral haben wir alle unsere Stellungen behauptet. 100 Gefangene fielen in unsere Hand. Oestlicher Kriegsschauplatz. Mehrere russische Angriffe wurden abgewiesen, sonst keine besonderen Ereignisse. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nördlich von Sieniawa zwangen die Angriffe der verbündeten Truppen die Russen zur Aufgabe ihrer Stellungen und zum Rückzug auf Tarnogrod. Die Armee des Generals von Linsingen drängte in scharfer Verfolgung den Feind nach Dachnow. Lubascow wurde gestürmt. Das südliche Smolinka=Ufer wurde vom Gegner gesäubert. B.i Niemirow wurde russischer Widerstand schnell gebrochen. Die Straße Jaworow wurde überschritten. Weiter südlich gingen die Russen gegen Wereszyca zurück. Südl'ch der Dujestr=Sümpfe ist die Lage unverändert. empören konnten, als wir Scarborough und Hartlevool bombardierten, und die den Schrei ihrer Entrüstung erst erstickten, als der Nachweis klar erbracht wurde, daß hier stark befestigte Küstenplätze getroffen wurden. Damals wurde das deutsche Volk als das Gefolge, uund der Kaiser als der Hofmeister des Teufels bezeichnet. Fragt sich nur, ob Franzosen und Engländer, wie es bei Dar=es=salam, bei Ludwigshafen und sonst geschah, behaupten werden, daß Karlsruhe dennoch eine Festung sei. Man würde auch dann nicht staunen. Man würde aber cuch die„ritterlichen“ Franzosen und die „Gentlemen“ von der anderen Seite des Kanals kaum um einen„Sieg“ beneiden, der 22 friedliche Menschen, Männer, Frauen und Kinder, und eine Statue zur Strecke gebracht hat. Allerdings dürfte die deutsche Heeresleitung und der nicht warten, bis der wahrhaften Menschlichkeit durch Wilson oder sonst jemanden eine Gasse gebahnt wird: Wir sahen eben jetzt, welche raschen und guten Folgen eine Politik der Vergeltung erzielte, wo die Ueberführung der gefangenen britischen Offiziere in Einzelhaft unsere braven Bootslaute fast automatisch von ehrenrührigem Gefängnis befreite, wie sahen es auch früher, wo jede englische oder sranzösische Unmenschlichkeit mit einem Zeppelinbesuch über Norwich, Joswich oder London erwidert oder befestigte französische Städte mit einer Extragabe von Bomben bedacht wurden. An allerlei Möglichkeiten fehlt es nun ja wirklich nicht. Die Behaupturg in dem amtlichen französischen Bericht vom 16. Juni, 11 Uhr abends, daß die Kathedrale von Reims mit Brandbomben beschossen worden sei, ist unwahr. Unser Feuer richtete sich vielmehr kgegen die Ostkasernen, sowie(esen die Batterie am Gleisdreieck nördlich von Reims, die lebhaft gegen unsere Stellungen gefeuert hatten. Oberste Heeresleitung. 8 as huen dir an Bend um Silhnt.„ 6 Der Westteil von Grodek erstürmt! Amtl'c Wolczuchy noch in den Abendstunden über wtb Wien, 18. Juni.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 17. Juni mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Auch gestern konnten die geschlagenen russischen Armeen niegende standhalten. In Mittelgalizien setzten sie auf der ganzen Front, durch starke huten gedeckt, den Rückzug in nordöstlicher und öst. licher Richtung fort. Die verbündeten Armeen verfolgen scharf. Nördlich Sieniawa dringen unsere Truppen über Ciepice und Cewkow vor und haben gestern starke russische Kräfte, die noch auf galizischem Boden kämpften, unter schweren Verlusten über die Reichsgrenze zurückgeworfen. Oestlich anschließend erreichten die verbündeten Truppen Lubaczow, entrissen den Russen nach heftigem Kampfe Niemirow und dringen weiter auf Janow vor. An der Lemberger Straße warsen Truppen der Armee Böhm starte russische Nachhuten bei Wolczuchy noch in den Abendstunden über die Wereszyca und erstürmten um Mitternacht den Westteil von Grodek. Auch südlich Grodek wurde das Westufer des Wereszyca vom Feinde gesäubert. Südlich des Dujestr ist die Situation im allgemeinen unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Isonzo=Front schlugen unsere Truppen bei Plawa wieder mehrere Angriffe unter schweren Verlusten für den Gegner ab. Im Felsgebiet des Krn dauern die Kämpfe der Gebirgstruppen an. An der Kärntner Grenze hat sich gestern nichts Wesentliches ereignet. Tirol wurden seindliche Vorstöße gegen das Tilliacher Joch im Tosane. Gebiet bei Tre Sasi, Buchenstein und auf dem Monte Coston östlich Folgaria zurückgewiesen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. Der Fliegerangriff auf Karlsruhe ein französisches Verbrechen. wtb Berlin, 18. Juni.(Amtlich.) amtlichen Bericht vom 15. Juni brüstet französische Heeresleitung mit dem bekannten Fliegerangriff auf Karlsruhe, den sie als Vergeltungsmaßnahme für die Beschießung offener französischer und englischer Städte Begründung ist die Tatsache entgegenzuhalten, daß von deutscher Seite nur befestigte Punkte und solche im Operationsgebiet liegende Orte beschossen worden sind, die mit dem Kriege unmittelbar in Zusammenhang standen. Ueberall, wo es sich um offene Städte handelte, waren unsere Angrifse nur die Vergeltung für gleichartige Maßnahmen unserer Gegner. Wir haben darauf in unseren Berichten auch in jedem Falle ausdrücklich hingewiesen. Daß die Begründung Vorgehens somit der Wahrheit widerspricht, wird niemand in Erstaunen setzen können, der die Berichte unserer Gegner kritisch zu lesen pflegt. Neu ist dagegen die brutale Offenheit, mit der die seindliche Heeresleitung eingesteht, daß sie ihren Fliegern als Angriffsziel eine fern vom Kriegsschauplatz gelegene friedliche Stadt bezeichnete, in der gerade den Franzosen vor dem Kriege so vielfach gastfreundschaftliches Entgegenkommen erwiesen worden ist. Militärische Gründe Verhalten nicht recht ertigen, denn der einzige Verlust, den der Angriff unserer Kriegem=ge,. tregz. fügt hat, ist die Verwundung dreier in razatet. pflege befindlicher Soldaten. Die abseits der Stadt gelegene Munitionsfabrik, deren militärische Bedeutung nicht allzu groß ist, hat bis auf die Beschädigung eines Baugerüstes nicht gelitten, obwohl sie als Angriffsziel sehr leicht erkennbar war, ist sie auch nur mit wenigen Bomben belegt worden. Schon daraus geht hervor, daß es den Franzosen gar nicht auf den Gewinn eines militärischen Vorteils ankam. Mit noch weit größerer Deutlichkeit ergibt sich die Tatsoche aus dem Umstande, daß den seindlichen Fliegern nach dem amt“ lichen Eingeständnig der Franzosen besonders das Residenzschloß als Ziel bezeichnet wurde, Mon hat im Lager unserer, durch die Spionage so gut unterrichteten Gegner zweifellog gewußt, daß — das Schloß außer der ehrwürdigen Großherzogin Luise seit mehreren Wochen auch die Königin von Schweden beherbergt. Die Anwesenheit dieses, einem nautralen Herrscher hause angehörenden Gastes hat die französischen Flieger jedoch nicht davon abgehalten, gerade das Schloß heftig anzugreifen und in der Tat auch erheblich zu beschädigen. Wie groß die Gefahr für die Königin war, zeigt u. a. die Tatsache, daß mehrere Sprengstücke in das Zimmer der schwedischen Baronin Hochfeld gefallen sind. Auch die Kinder des Prinzen Max von Baden, über deren Schlafgemach eine Bombe das Dach zertrümmerte und die Decke einschlug, sind nur mit knapper Not dem Tode entgangen. Unter der Bürgerschaft hat, wie bekannt, der Ueberfall an Toten und Verwundeten 84 Opfer gesordert. Wir können den Angriff nach diesem Ergebnis und nach der den feindlichen Fliegern erteilten Anweisung über die Angriffsziele, nicht als militärische Unternehmung, sondern nur als Verbrechen bezeichnen, dessen Rohheit von der wirklichen Höhe der vielbewunderten französischen Kultur beredtes Zeugnis ablegt. —— Der Krieg gegen Rußland. Rußland ist kriegsmüde. TU Budapest, 17. Juni. Wie aus Bukarest gemeldet wird, erklärte der russische Minister des Aeußern, Ssasonow, einem Redakteur des „Rjetsch“, daß sich Rußland auf keinen neuen Winterfeldzug vorbereite, da der Krieg nach seiner Meinung viel eher beendet sein werde. Ueber den Ausgang schwieg der Minister, doch geht aus den Anordnungen der russischen Regierung deutlich genug hervor, daß Rußland durch innere Gründe dazu bestimmt werde, den Krieg möglichst bald zu beenden. Russischer Offiziersmangel. tu Krakau, 17. Juni. Die„Nova Reforma“ meldet nach der Warschauer„Gazeta Polska": Die Blätter in Warschau dürfen natürlich über die russischen Niederlagen nichts schreiben. Russische Offiziere jedoch, die mit ihren Truppen aus Galizien und Polen zurückgingen, teilen mit, daß der Rückzug der Russen nur zu dem Zweck erfolge, um einen Frontausgleich vorzunehmen, da die dautschen Truppen die russische Front an der Pilica durchbrachen. In der russischen Armee herrscht großer Mangel an Offizieren. Jeder Student oder sonstige Beamte, der vier Mittelklassen hinter sich hat, wird schon nach dreimonatiger Ausbildung Offizier. In der letzten Zeit wurden an allen Orten Polens, die noch unter russischer Herrschaft stehen, Massenhaussuchungen aus politischen Gründen vorgenommen und zahlreiche Personen verhaftet. Der Mangel an Waffen und Munition ist ein empfindlicher und mit fieberhafter Ungeduld wird eine größere Waffenausfuhr aus Amerika erwartet. Der schreckliche Ansturm in Galizien. wtb Petersburg, 17. Juni. Die aufmunternden Worte, die die französische Presse an Rußland richtet und die Anerkenntnis des schrecklichen Ansturms, dem die Russen seit Wochen standhalten müßten, veranlaßt Menschikow, seinen französischen Kollegen klar zu machen, daß die von ihnen gezogene Parallele zwischen der Marneschlacht und der Schlacht am San nicht ganz richtig ist. Er erklärte, damals bezeugte die französische Presse, daß der russische Ansturm auf Ostpreußen eine erlösende Wirkung ausübte, und daß gerade dieses Manöver der damals noch nicht vollständig konzentrierten russischen Kräfte ausreichend gewesen sei, den schweren Anprall der deutschen Heeresmassen auf Paris aufzuhalten. Unzweifelhaft sei da dieser Anprall auf den heroischen Widerstand der englisch=französischen Armee gestoßen, aber nur der nussische Einfall in den Rücken Deutschlands zwang die Dautschen, den Angriff zum Stehen zu bringen und sich von der Einnahme von Paris durch ein Manöver wie jenes, wodurch Antwerpen genommen wurde, loszusagen. Die erminternde Stimme der„Havas“=Agontur hat, wie Menschikow bemerkt, die wichtigste moraliche Bedeutung der Anerkennung der Tatsache, daß die Hauptkraft der gegenwärtigen Momente das heroische Rußland trägt. Die Wahrheit ist unstreitig, sie ist längst offenkundig für die nussische Allgemeinheit. Wir können unseren Bundesgenossen nur dankbar sein für die völlige Gewissenhaftigkeit, womit sie diese Tatsache anerkennen. Ein neutrales Urteil über die Lage im Oste: tu Rotterdam, 17. Juni. Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ erörtert die strategische Lage im Osten und schreibt: Falls der Erfolg der Zentral= mächte östlich des San so groß ist, wie es sowohl nach den russischen als nach den deutschen und österreichisch=ungarischen Meldungen den Anschein hat, dann hilft es den Russen nicht, daß sie die Gefahr, die ihren Truppen bei Lemberg von Süden her drohte, vorläufig abgewendet haben. nähert sich die Gefahr von Westen, deren Herannahen sie 10 Tage lang aufgehalten hatten, wieder. Wenn die Zentralmächte nach dem Durchbruch am San ebenso schnell aufmarschieren, wie sie es nach dem Durchbruch am Diinajec getan haben, so werden sich die Russen weder am oberen Dujestr, noch bei Lemberg behaupten können. Die verbündeten Truppen an der Grodeker Seelinie! tu Berlin, 18. Juni. Aus dem k. k. Kriegspressquartier wird dem„B. T.“ gemeldet: Wenn je der Ausdruck von vor sich hergefegten Truppen am Platze war, so ist es diesmal der Fall, wo die Ueberreste der einst gewaltigen dritten und achten russischen Armee trotz aller, von allen Seiten herangezogenen Verstärkungen nach ihrem Rückzuge von Gorlice und Tarnow nunmehr auch zwischen Sieniawa bezw. Przemysl und Lemberg zertrümmert wurden und die Bestandteile der ehemals viel genannten russischen Sanfront sich nun in vollem Rückzuge befinden. Aus der Linie Gewkow—Lubaczow—Jaworow—Rudki sind die Truppen der Verbündeten im Norden bis Niemirow sund bis zum Westufer der Wereszyca, auf der Lemberger Straße bis in den westlichen Teil der Stadt Grodek vorgedrungen. Die Grodeker Seelinie ist erreicht. Es muß aber damit gerechnet werden; daß die nächsten Tage noch kein endgültiges Ergebnis bringen werden.. Der Krieg gegen Frankreich. Der französische Soldatenmangel. tu Genf, 17. Juni. Da durch die Zurückberufung der für Munitions= und Wassenfabrikation bestimmten Mannschaften in der Front Lücken entstehen, erteilte das französische Kriegsministerium den Befehl, daß alle Mannschaften in den Kasernen, die dem aktiven Heere, der Reserve und der Territorialarmee angehören und noch nicht in der Front Dienst getan haben, so schnell wie möglich zur Front zu entsenden sind. Sie sollen in den Kasernen von Mannschaften des Hilfsdienstes, den Felddienstuntauglichen und der Territorialarmee ersetzt werden. Traurige Zustände in Arras. tu Rotterdam, 16. Juni. Die französische Presse enthält traurige Einzelheiten über den Zustand von Arras, das angeblich noch unausgesetzt von den Deutschen mit Granaten beschossen wird. 70 Prozent der Häuser sind zerstört, ebensoviele Monumente. Die Hauptkirche ist verschwunden. Die Zahl der Bevölkerung ist von 25.000 auf 2000 herabgesunken, die in mit Sandsäcken verbacrikadierten Kellern liegen. Die Stadt bildet den vorspringenden Punkt der deutschen Front. Auf der Wesifront keine merkliche Veränderung? Berlin, 17. Juni. Bei einer Betrachtung der militärischen Lage in der vergangenen Woche kommt nach einem Genser Telegramm der„Berl. Morgenpost“ der Militärschriftsteller Rousset in einem Leitartikel des„Gaulois“ zu der Schlußsolgerung, daß in dem gesamten Zeitraum die militärischen Operationen auf der Westfront keine merkliche Verändenung ergeben haben. Man habe in Artois und an der Aisne die früher eroberten Stellungen gehalten und sie sogar gegen alle feindlichen Eegenangriffe bewahrt, von denen einige besonders heftig waren. Das sei aber auch alles. Man habe die eigenen Stellungen nur sehr wenig erweitern können. Diese langsame Entwickelung sei eine Folge der gegenwärtigen Umstände, vor denen man sich beugen müsse. Mißgeschick deutscher Militärflieger. Chateau=Thierry, 18. Juni. Eine Taube überflog in großer Höhe Chateau=Thierry am Mittwoch Nachmittag. Die Flieger mußten infolge einer Motorpanne landen, verbrannten aber den Apparat bei der Landung in Noroy=sur=Ourcg vor der Gefangennahme. Die anhängenden Bomben wurden zur Explosion gebracht. Die deutschen Offiziere ließen sich von der Gendarmerie in Meuilly gefangen nehmen und sind nach dem Gefängnis in Villers=Cotterets gebracht worden. 4— Der Krieg gegen Engl Eine Stimme aus England. Köln, 17. Juni. Laut„Köln. Ztg.“ hat der berühmte englische Gelehrte Conybery, Professor an der Universität Oxford, Ehrendoktor der Universität Gießen, unter dem 15. März 1915 an einen amerikanischen Freund einen offenen Brief gerichtet, der folgende kritische Auslassung über die englische Kriegspolitik enthält:„Im August, September und Oktober vorigen Jahres war ich fest davon überzeugt, daß England alles Recht auf seiner Seite und Deutschland alles Unrecht auf seiner Seite hatte, da ich mir kaum die Mühe gab, die erschienenen Weißbücher usw. zu lesen. Anfang Oktober wurde ich zum ersten Male auf den Telegrammwechsel des deutschen Kaisers mit dem Zaren aufmerksam gemacht und kam zu der Ueberzeugung, daß der deutsche Kaiser in den Tagen vom 28. bis 31. Juli ernstlich und aufrichtig um den Frieden sich bemüht hatte. Und was tat Grey? Er sagte am 1. August keinem seiner Kollegen ein Wort von Lichnowskys Angebot. Und als das Kabinett am Morgen des 2. August zusammentrat, verheimlichte er diese Vorschläge dem Kabinett gleichfalls und tat dasselbe in der Sitzung des Unterhauses vom 3. August. Durch diese Unterlassung hat uns Grey in diesen Krieg, ja ich sage, hinterlistig in diesen Krieg gedrängt. Diese unheilvolle Tat wird Grey noch einmal mit seinem Leben zu büßen haben, das können Sie mir glauben.“ Die finanzielle Kraft Englands versagt. Da England auch die Kriegsrüstungen seiner Bundesgenossen finanzieren muß, ist es nicht zu vermundern, daß es allmählich den Atem verliert. Als jetzt dem englischen Unterhause die naue Finanz=Aufstellung überreicht wurde, erklärte der Schatzkanzler, daß selbst die in der neuen Finanz= Ausstellung eingebrachten Einnahmen nicht ausreichen, um die Ausgaben zu decken, und daß andere Mittel außergewöhnlicher Art ergriffen werden müssen. England übernohme zweifellos finanzielle Verantwortlichkeiten, die nahezu über seine Kräfte gingen.— Das ist ein bemerkenswertes Eingeständnis der Schwäche. Der Luftangriff auf die englische Nordostküste. iui Rotterdam, 18. Juni. Amtlich wurde gestern aus London gemeldet: Ein Zeppelinluftschiff besuchte gestern abend die Nordostküste Englands und warf Bomben, die einige Brände verursachten. 16 Personen wurden getötet. Die Zahl der Verwundeten beträgt 40. Das amtliche Bureau erinnert daran, daß bei dem früheren Luftangriff gegen die englische Ostküste am 6. Juni 24 Menschen ums Leben gekommen seien, darunter 5 Frauen. Wachsen der englischen Streikbewegung. Sehr zu denken gibt der neuen englischen Regierung, daß in den Großbetrieben, die Militärlieferungen in Auftrag haben, sich eine plötzlich einsetzende Streiklust bemerkbar macht, die, wie die englischen Staatsmänner wissen wollen, mit ausländischem Gelde in Szene gesetzt wird. So steht ein allgemeiner Bergarbeiterstreik bevor. Die Maschinenarbeiter verlangen eine Kriegsteuerungszulage von 15,5 vom Hundert. Abgesehen davon, daß durch einen Ausstand der Maschinisten zwölftausend Untertagearbeiter untätig werden, liegt die größte Gefahr in dem möglichen Versaufen der Werke des ganzen Distriktes, falls die Maschinen zum Stillstand gebracht würden. Auch in Cumber= land stimmten die Bergleute über einen Ausstand ab und reichten ihre Kündigung ein. In Südwales legten fünftausend Bergarbeiter die Arbeit nieder. Hier sind die nichtorganisierten Bergarbeiter, mit denen ihre organisierten Kollegen nicht arbeiten wollen, die Ursache der Unzufriedenheit. Der drohende Ausstand im Manchester Baumwolledistrikt ist ebenfalls noch nicht abgewendet. Der Krieg gegen Iialien. Dornige Wege. Roman von J. v. Düren. 20 Strahlend vor Glück tanzte sie mit Hohenfels ihren Lieblingswalzer. Die eben eingetretene Mutter folgte dem Paar mit den Blicken. Marias Mienen tingen eine weltentrückte Glückseligkeit, so daß sie besorgt ausseufzte. Hier keimte etwas, das mit aller Gewalt zurückgedrängt werden mußte. Hohensels war trotz aller äußeren Vorzüge nicht ein Schwiegersohn nach ihrem Herzen. Er durfte auch im Ernst kaum an die Gründung eines Hausstandes denken. In Berlin hatte Frau Physikus durch ihre Freundin erfahren, welch tolle Vergangenheit er hinter sich hatte, und wie wenig sichere Aussichten seine Zukunft bot. Sie nahm sich vor, streng über die Töchter zu wachen, und schalt sich ernst, Magdalene so schnell aus den Händen gegeben zu haben. Der Hochzeitsjubel war verrauscht. Die Pflichten des Alltags traten in ihre Rechte. Im Doktorhause war es still geworden. Die Stunden dehnten sich zu unerträglicher Länge. Abwechselung brachten nur die flüchtigen Karten der Neuvermählten. Leo schrieb erfüllt von innerer Glückseligkeit und janchzender Freude. Magdalene ein paar nichtssagende Worte, die die Mutter wiederholt mit gemischten Empfindungen las. Nach zwei Wochen kam ein ausführlicher Brief von Magdalene, direkt an die Mutter gerichtet.„Santens haben uns besucht in Santa Marguerita. Ich habe Leo endlich dazu gebracht, daß wir die letzte Zeit unseres Urlaubs mit ihnen zusammen verbringen. Endlich ein wenig Abwechselung. Dieses Hochzeitsreisen ist direkt nerventötend. Jetzt hört's endlich mit der Langeweile auf. Onkel Sauten ist entzückend zu mir. Leo könnte eifersüchtig werden, wenn er nur ein wenig Talent dazu hätte. Ich mag gar nicht an unsere Abreise denken, und dennoch vergeht die Zeit mit Windeseile. Morgen kommt Axel. Wie ter, ihre Gäste zu fesseln. Sie fand dann ihre Munterkeit wieder und nahm geschmeichelt die ihr dargebrachten Huldigungen entgegen. Ernestine besuchte die Schwester selten. Sie war beschäftigter als sonst, da sie die Stelle im Krankenhaus erhalten. Niemand fiel es weiter auf, daß sie bei allen ich mich auf den Vetter freue! Leb' wohl, Mama, alles erzähl' ich Dir mündlich. Deine Magda.“— Die Mutter atmete endlich befreit auf, als sie die Tochter in ihrem Heim wußte. Magdalene mußte ja in dem reizenden Nestchen, das ihr die sorgende Liebe des. allerzärtlichsten Gatten bereitet, vergnügt und froh und dankerfüllt ihren Pflich= geselligen Veranstaltungen fehlte. Das Verhältnis ten nachkommen. Täglich wanderte die Mutter in zu ihrer Stiefmutter blieb ein dauernd kühles. Doch die kleine Villa, die ein wenig außerhalb der Stadt hütete sich Frau Physikus, ihr irgendwelche Vorlag, um mit Magdalene zu plandern oder ein we= würfe zu machen. Sie hatte sich im Stillen übernig nach dem Rechten zu sehen. Aber niemals zeugt, wie ungerecht sie mit ihren Beschuldigunkehrte sie von ihren Besuchen befriedigt heim. sgen gewesen. Außerdem waren die Sorgen um Die junge Frau sah schlecht aus, war reizbar Magdalene so groß, daß alles andere in den Hinund übler Laune und klagte über stete Einsamkeit.“ Leo, der sich aufangs bemüht hatte, jeden kleinen Schatten, der die geliebten Züge seines jungen Weibes umdüsterte, bannen, erlahmte und zog sich in seinen Freisti iden oft auf sein Zimmer zurück. Die Reise hatte ihm manche Enttäuschung gebracht. Der Verkehr mit den streng adelsstolzen Verwandten, die ihn wie einen Eindringling betrachteten, war nicht erquicklich gewesen; und die uneingeschränkten Huldigungen, die Axel seiner Fran auch jetzt noch darbrachte, mißbilligte er Magdalene gegenüber offen. So kam es schon in den ersten Wochen zu wenig angenehmen Auseinandersetzungen, die gewöhnlich mit einem nervösen Weinen bei Magdalene endigten. Er warb mit aller Gewalt und Liebe um die Neigung seiner Frau. Ihr ganzes Tun und Lassen blieb ihm ein Rätsel. Sorgenvoll blickte er in die Zukunft. Er hatte sich ein anderes Zusammenleben erträumt. Niemand ahnte jedoch, was in ihm vorging. In der Gesellschaft, im Verkehr mit den anderen behielt er ein gleichgültiges, freundliches Wesen. Magdalene versammelte gern Gäste um sich. Fast täglich fanden sich am Abend Freunde und Bekannte auf der geräumigen Veranda ein, von der aus man einen weiten Blick auf die winzigen, waldumzogenen Hügel hatte, die das Städtchen umgaben. Magdalene verstand es gleich ihrer Mutcergrund trat. Die junge Frau kam nicht zum Frieden mit sich selbst, zur heiteren Genügsamkeit. Eine Unrast plagte sie, die stets das ganze Haus in Atem hielt. Sie war unvernünftig anspruchsvoll geworden, verlangte tausend kostspielige Sachen, erbettelte und erzwang sie bei ihrem Gatten, der sie mit unendlicher Geduld behandelte, immer hoffend, daß ihre Seele wach werde, daß sie sich endlich auf ihre Pflichten besinnen werde. Vorläufig schien jedoch wenig Aussicht. Der Frühling war ins Land gezogen, der Flieder blühte. Haus und Garten umzog ein Teppich blühender Blumen. Schwere Duftwogen zogen in die geöffneten Feuster und umschmeichelten die einsam ruhende junge Frau, die die halbgeschlossenen Augen blinzelnd gegen die Sonne hob. Magdalene hatte wieder einmal ihren bösen Tag. Frau Physikus war ratlos. Sie begriff die Geduld des Schwiegersohnes nicht. All ihre Ermahnungen und guten Ratschläge waren ungehört verhallt; sie beschloß, einmal mit Ernestine über Magdalene zu sprechen. Das Ergebnis war der Besuch der Schwester in der Villa. Einige Augenblicke nach der Begrüßung der beiden Schwestern war Stille eingetreten. Magdalene hatte sich lässig vom Sofa erhoben und blätterte nervös in einem grell eingebundenen Buche, während Ernestine sie ruhig beobachtete. Die junge daß ich schlafen kann, imme Frau sah müde und abgespannt aus. Das weiche, des Wasetus auszufüllen.“ Das Abkommen Italiens mit dem Dreiverband. wtb Mailand, 17. Juni. Nach einer Blättermeldung aus Rom hat die zwischen Italien und dem Dreiverband bestehende Abmachung folgende Erundlage: Ein sormelles Abkommen bezüglich der Adria, das besonders die Frage eines serbischen Adriahafens einschließt und die gegenseitige Verpflichtung nachträglich, je nach dem Gange der Ereignisse, vor dem Zusammentritt des Friedenskongresses ein Abkommen besonders hinsichtlich der Orientfrage zu schließen. Das ungehorsame Italien. Lugano, 17. Juni. Die Turiner„Stampa“ meldet, Italien sei vorläufig nicht gesonnen, bestimmte Sonderwünsche zu erfüllen sund der Türkei den Krieg zu erklären. Italien kämpfe für seine eigenen Lebensinteressen, die vorläufig noch nicht bei den Dardanellen liegen. Keine Todesanzeigen gefallener Italiener in der Presse. bb Wien, 18. Juni. Das„Volksblatt“ meldet aus Genf: Ein Runderlaß des italienischen Ministeriums an die Presse verbietet die fernere Veröffentlichung von Todesanzeigen von Angehörigen des Heeres in der italienischen Presse. Die bisherigen Verluste der Italiener. bb Zürich, 18. Juni. Berichte des„Tagesanzeigers“, aus dem italienischen Kriegsgebiet schätzen die bisherigen Verluste der Italiener auf runde Oval ihres Gesichts hatte sich etwas zugespitzt; unter den Augen lagen tiefe Schatten und an den Schläfen schien es, als hätte die durchsichtige Haut mattgelbe Flecken. Voller Teilnahme erkundigte sich Ernestine nach Magdalenens Befinden. Sie fragte sie vielerlei, faßte ihre herabhäugende Rechte, um den Puls zu fühlen. Da riß sich Magdalene plötzlich los und sprang mit einem heftigen Satz auf den Boden; das Buch flog zur Erde, die Zeitungsblätter flatterten von dem umgerissenen Lesetischchen aus der offenen Verandatür in den Garten. „Ich bitte Dich, laß mich. Willst Du mich auch noch quälen? Deine lauernden Blicke tun mir weh. Ich bin krank und elend und mutlos und verzagt. Ich sterbe hier in der Leere dieses öden Daseins. Ich fühle mich alt und müde. Du kannst mir nicht helfen— niemand kann's. Wozu also die Qual? Deine Mixturen, Tröpfchen und Salben nehmen mir nicht die Last von meiner Seele, bannen nicht die lähmende Schwere meines Körpers, ich hasse alles, alles um mich her. Ich könnte verzweifeln.“ „Magdalene!“ kam es tonlos von Ernestines Lippen.„Ich glaube, Du redest im Fieber. Dein von Dir selbst gewähltes Schicksal hat sich so schnell und mühelos erfüllt. Bist Du nicht undankbar, besitzest Du nicht die Liebe Deines Gatten, die Zärtlichkeit Deiner Mutter, die Zuneigung Deiner Geschwister, die Bewunderung aller, die in Deine Nähe kommen? Nimm' Dich zusammen, gib' Deinem Leben einen Inhalt, indem Du freudig all die Pflichten erfüllst, die Dir Dein jetziges Leben euferlegt. Du weißt ja nicht, wie reich Du bist, welchen Schatz Du gehoben.“ Magdalene rannte im Zimmer auf und ab und hielt sich die Hände an die Ohren.„Hör' auf, hör' auf mit diesen endlosen salbungsvollen Reden. Sie machen mich wahnsinnig. Gib mir lieber etwas, daß ich schlafen kann, immer schlafen, um die Oede 225.16 viele Tausende. Große Erbitterung erregt in Mailand, dessen Lazarette bereits überfüllt sind, daß die Namen der eingebrachten verwundeten Soldaten streng geheim gehalten werden. Auch ist den Lazaretten jede Benachrichtigung an die Familien der Verwundeten untersagt. Der Erbseind der Tiroler. wib Wien, 17. Juni. Aus dem Kriegspresseqzuartier wird gemeldet: Seit uns Italien den Krieg erklärt hat, lausen bei den verschiedenen höheren militärischen Kommandos und Behörden rührende, von dem altbewährten Patriotismus zeugende Bitten aus Tirol ein, die Verteidigung dieses Landes möge doch den einheimischen Trup pen anvertraut werden. Das Tiroler Volk kann überzeugt sein, daß die Heeresleitung die Gefühle, woraus diese Wünsche hervorgehen, in vollem Maße würdigt und daß die Zeit bald kommen wird, wo die tapferen Tiroler, die sich gegenwärtig noch auf den Schlachtfeldern des Nordens schlagen, den verhaßten Erbseind bekämpfen und besiegen werden. Die rorsichtigen Italiener. Rotterdam, 17. Juni. Aus Undine wird dem „Matin“ gemeldet: Nach den Gewittern uund Regengüssen der ersten Kriegstage ist es wieder schön geworden, weshalb der Vormarsch der italienischen Armee wieder ausgenommen werden konnte. Er geht zwar langsam, aber sicher und methodisch vor sich und gleicht eilner„eisernen Zange", die das Gelände von Caporetto zum Meere immer mehr umfaßt. Die Oesterreicher haben freilich alle erdenklichen Schwierigkeiten den Italienern in den Weg gelegt. Sie bauten Barrikaden, die erst zergewandt, dessen energischem Vorgehen es allein zu verdanken ist, daß Skutari noch nicht von den Montenegrinern besetzt worden ist. Die Albanier verlangen, daß die Italiener zu ihrem Schutz San Ciovanni di Medua, ferner Alezzio und Skutari besetzen, um die Ruhe herzustellen und einen montenegrinischen Handstreich zu verhindern. Serbien gegen den Vierverband. Da Rußland und seine Verbündeten ihre Lock ungen an die Ballanstaaten nur mit Versprechungen auf Land uwachs des einen Staates auf Kosten des anderen verzuckern können, so läßt es sich nicht umgehen, daß auch auf serbische Gebietsteile behufs Abtretung an die für den Krieg noch zu gewinnen den Balkanstaaten reflektiert wird. Serbien soll große Gebiete seines mazedonischen Zuwachses aus dem Bularester Frieden an Bulgarien zurückgeben. Serbien, das ohnehin schon das Gefühl hat, von den verbündeten Großmächten als Aschenputtel behandelt zu werden, hat dem Vierverband auf die ses Ansinnen eine so schroffe Antwort erteilt, daß einstweilen von weiteren Verhandllungen keine Rede mehr ist. Läßt Serbien sich keinen Terri torialbesitz abzwakken, dann können natürlich auch Rumänien und Bulgarien keine Belohnungen er halten und das ganze schöne Balkanprojekt des Vierverbandes stürzt wesenlos in sich zusammen. Je entschiedener der Balkan das Werben unserer Feinde zurückweist, um so mehr wächst die Möglichkeit seines dereinstigen Anschlusses an die siegreichen Zentralmächte. stört werden müssen, sie machten die Straßen für die Kavallerie unpassierbar, und überall gibt es Flatterminen oder Wolfsgruben. Deshalb gehen cuuch die Italiener im Gelände nicht eher vor, bis sie es nicht sehr genau und vorsichtig untersucht haben. Die Balkanstaaten. Keine Hoffnung auf die Balkan nung au staaten. tu Lugano, 18. Juni. Die italienische Presse enthielt gestern zweifellos auf höhere Weisung zahlreiche Nachrichten über das Vorwiegen deutschen Einflusses in der Türkei und bei den Balkanstaaten. Die daraus gezogenen Schlußfolgerungen lassen erkennen, daß die Hoffnung auf die Preisgabe der Neutralität der Balkanstaaten täglich sinkt. tu Bukarest, 18. Juni. In den Hauptstraßen der rumänischen Hauptstadt wurde kürzlich zur allgemeinen Ueberraschung ein großes Plakat angeschlagen, in welchem mehrere rumänische Bürger die Ausmerksamkeit des rumänischen Publikums auf die Vernichtung der russischen Armee hinlenken. Die Bürgerschaft wird gewarnt, den Einflüsterungen und Aufreizungen Filipescus und Jonescus, sowie ihrer Anhänger Gehör zu schenken. Diese Leute, heißt es in dem Plakat, führen das Volk irre, nur um den zerschmetterten russischen Riesen zu retten. Das Plakat fand zahlreiche Leser. Keine übertriebenen Hoffnungen. tu Genf, 18. Juni. Die französischen Blätter warnen davor, den Bukarester Meldungen eine zu große Bedeutung beizumessen. Rumänien lasse sich nur von zwei militärischen Maßnahmen leiten, erstens von einem großen uuss. Siege u. zweitens von einer Forcierung der Dardanellen.(Beides steht wohl noch in sehr, sehr weiter Ferne. Schriftl.) Das Wettrennen in Albanien. tu Lugano, 17. Juni. Das„Eiornale d'Italia meldet aus Skutari, daß montenegrinische Truppen wegen der feindseligen Haltung der Malissoren nach der Mündung der Bojan verschickt worden seien, um die Durchfuhr der aus Italien erwarteten Lebensmitteltransporte zu sichern. Diese Truppen hätten sich aber allmählich weiter auf albanischem Gebiet ausgedehnt und sogar den Tarabosch bei Skutari besetzt. Eine Abteilung sei sogar bis zur Zollbrücke vorgedrungen und habe die albanische Kaserne besetzt. Die Bevölkerung von Skutari habe sich in ihrer Not'an den italienischen Konsul Ein Bruch zwischen Wilson und Bryan? „Morning Post“ erfährt aus Washington: Viele glauben an einen baldigen offenen Bruch zwischen Wilson und Bryan. Bryan werde versuchen, seine Nennung für die Präsidentschaft auf Grund einer Platform des Friedens und der Verhinderung des Frauenstimmrechts zu sichern. Da die Konvention, die Wilson nominierte, sich dahin ausgesprochen hatte, daß ein Präsident nur eine Amtsperiode amtieren solle, so will Bryan den Standnunkt vertreten, daß Wilson moralisch verhindert ist, zum zweiten Male zu kandidieren. 8 Aus Stadt und Umgebung. Kein Platz für Flaumacher! Zu den Agußerungen, wonach an maßgebender Stelle Flaumacher wirksam sein könnten, bemerkt die„Köln. Volksztg.“: Wenn es solche gebe, dann müßten sie je eher, desto besser, aus dem Tempel hinausgejagt werden. Jetzt, wo unsere Heere im Osten mit Riesentaten siegreich vorwärts schreiten, müßte eine kraftvolle, zielbewußte Arbeit unserer Diplomatie die Erfolge unserer Heerführer unterstützen. Daß alte arbeitslose Diplomaten gefährlich werden können, hat schon Bismarck erfahren Sollten solche gegenwärtig in der Weise flau machen, daß sie sich bei uns die Köpfe darüber zerbrechen, ob die Kassenverhältnisse unserer Feinde kräftig genug sind, um uns hinterher die entstandenen Entschädigungen zu zahlen, dann wäre ihnen das Handwerk am raschesten gelegt, wenn man sie öffentlich mit Stamm, Namen und Tätigkeit bloßstellte. Mit solchen Andeutungen ist wenig anzufangen, sie könnten im Gegenteil im Auslande mißverstanden werden. Man kann dem nur noch hinzufügen: An den deutschen maßgebenden Stellen gibt es keine Flaumacher. **(Die süße Kirschenzeit beginnt.) Wotsischmeckend sind die Kirschen, sie stehen aber nicht überall in gutem Rufe, doch daran sind nicht diese lieblichen Früchte, sondern die Menschen selber schuld. Maßhalten gilt bei dem süßesten Genuß am meisten, weil man da am ehesten des Guten zu viel tut. Wenn man dem Kirschenessen zusieht, so muß man sagen, das geht oft ganz fabrikmäß'g nach dem Takt im Abpflücken vom Stil rind im Verschlucken, weil die Süßigkeit begehrlich macht und man kann dabei nicht genug kriegen. Dies ist aber gerade hier bedenklich, weil durch das schnelle Essen gerade der Geschmack wenig ausgenutzt, aber der Magen überladen wird. Man nimmt sich Original= griechische der Gier gar nicht Zeit, die Kirschen richtig zu zerkauen, dadurch bleibt die Schale mehr oder minder ganz und hindert das Eindringen des Ma gensaftes, da diese lederartig, glatt und nicht porös ist, noch dazu, wenn die Kirschen eng geschichtet dicht aufeinanderliegen, darum zerkaue man jede einzelne Kirsche vollständig, das kommt dem Geschmack und dem Magen zugute, denn der süße Geschmack beruht ja riar im Saft, und diese Früchte kommen dann schon halb verdaut in den Magen. Man genieße die Kirschen nie im Uebermaß, am besten untermischt mit anderer Speise, z. B. zum Butterbrot oder als Dessert nach reichlichen Mahl zeiten, dann werden sie stets neben ihrem Wohl schmak eine gute gesundheitliche Wirkung haben und statt belästigen, die Verdauung stärken und den Appetit anregen. (Saison= und Inventur=Ausverkäufe.) Der Detaillistenverband von Rheinland und Westsalen teilt uns folgendes mit: Es sei daran erinnert, daß laut der letzten Verordnung des Regierungspräsi denten in Arnsberg die im ordentlichen Geschäft verkehr üblichen und in der Ankündigung als solche bezeichneten Saison= und Inventur=Ausverkäuse nur noch in der Zeit vom 10. Januar bis zum 15. Februar einschlielich und vom 10. Juli bis zum 15. August einschließlich und nur in der Dauer von je drei Wochen stattfinden dürfen(demnach nicht mehr wie früher schon am 1. Januar bezw. 1. Juli beginnen). Der bevorstehende Sommer=Saison Ausverkauf nimmt somit am 10. Juli seinen Anfang. (Auszeichnung.) Dem auf dem westlichen Kriegsschauplatz kämpfenden Gefreiten Paul Hilker aus der Wilhelmstraße wurde da Eiserne Kreuz verliehen; gleichzeitig wurde der wackere Krieger zum Unteroffizier befördert. (Zur Steuerung einer etwaigen Kohlennot) erläßt der Zentralverband der Kohllenhändler Deutschlands folgende beherzigenswerte Mitteilung: Es wird bekannt sein, daß vor etwa 3 Wochen vom amtlichen Wolff'schen Telegraphen=Bureau die Aufforderung an Händler und Großbezieher verbreitet wurde, schon jetzt ausreichende Vorräte an Brennmaterial für den Herbst= und Winterbedarf anzusammeln, um etwaige Verkehrsstörungen ohne die Gefahr einer Kohlennot ertragen zu kön nen. Am Kohlerhandel selbst dürfte es nun sein, an seine Kundschaft die dringende Bitte zu richten, die Bestellung des Herbst= und Winterbedarfs beim Handel nicht nur sofort vorrinehmen, sondern auch die private Einlagerung dieser Mengen alsbald erfolgen zu lassen. Gleichzeitig aber kommt dem Publikum bei sofortiger Hereinnahme der für Herbst und Winter notwendigen Brennmaterialien der billigere Sommerpreis zugute. Außerdem ist die Ausführung der Bestellungen jetzt eine naturgemäß sorgfältigere. *(Grüße aus dem Felde) und besten Dank für die pünktliche Zustellung der„Schwerter Zeitung“ senden die Schwerter Pioniere Fritz Dahlbüdding, August Schlichthaber, Jos. Scholle, Gustav Bauls, Offizier=Stellvertreter Wald, Reservist Steinke. (Die Kartoffelkeime.) Man schreibt uns: Es würde Schaden bringen, die Kartofseln in größeren Mengen zu entkeimen. Dies empfiehlt sich nur für das Luantum, das für den Tagesgebreuch bestimmt ist. Man legt dann die Kartoffeln entkeimt 12 Stunden vor Gebrauch in kaltes Wasser, das ein bis zwei Mal zu erneuern ist. Entkeimt man ein größeres Quantum, so bekommen die Kartoffeln schwarze Flecken und sind für den menschlichen Bedarf ungenießbar. **(Sparbücher für Kinder gefallener Krieger.) Einen nachahmenswerten Beschluß hat, wie der dortige Landrat bekannt gibt, der Kreisausschuß in Emden gefaßt. Danach sollen allen während des Krieges im Landkreise Emden geberenen Kindern, deren Vater nach der Geburt gefallen ist oder die erst, nachdem der Vater gefallen oder seinen Wunden erlegen ist, geboren wurden, ein Srarkassenbuch mit 10 Mark unter der Bedingung gewährt werden, daß dieser Betrag vor Vollentuing des 20. Lebensjahres nicht abgehoben werden darf. Westhosen, 18. Juni.(Nacheichung.) Die Nacheichung aller Maße und Gewichte findet in Westhofen am 21., 22., 23. und 24. Juni im Saale der Wirtschaft Sckilte statt. Westhosen, 17. Juni.(Kohlendiebstahl.) In letzter Zeit, sind wiederholt auf dem Cisenwerk Westho#en Kohlendiebstähle ausgeführt worden. Die Polizei ist den Tätern auf der Spur. Westhosen, 17. Juni.(Unfall.) Der Taldeckergehille Karl Daume stürzte vorgestern von dem Schuppen des Gutsbesitzer H. Braß zu Külshausen aus beträchtlicher Höhe ab und zog sich erhebliche Verletzungen zi. Er wurde in das lath. Krankenhaus nach Schwerte gebracht. * W e s t h o s e n, 1 8. J u n i.( M a u l= u n d Klauenseuche.) Unter dem Viehbestand des Metzgers Hugo Waldmann zu Schwerte, auf einer Weide an der Ruhrbrücke in Westhofen, ist die Maul= und Klauenseuche ausgebrochen. * Garenfeld, 17. Juni.(Was ein Hälchen werden will.) Der 13jährige Schüler August D. von hier entwendete dem Brotkutscher August Rost zu Holzen, als letzterer vor der Wirtschaft Ceitz mit seinem Gefährt hielt, von dem Bocksitz aus der Rodtasche eine Anzahl Jigarren. D. werden noch mehrere Diebstähle zur Last gelegt. Ueber Obstverwerlung in diesem Kriegsjahre macht Professor Dr. Karl Oppenheimer bemerkenswerte Ausführungen. Er sagt u. a., tretzdem Deutschland durch sein Klima sehr geeignet zur Produktion wohlschmeckenden Obstes ist, sind doch bisher ganz außerordentlich große Summen für die Einfuhr aus dem Lande gegangen, und zwar nicht nur für Südfrüchte, die wir nicht selbst erzeugen können. Namentlich getrocknete Pflaumen und Aepfel stehen mit gewaltigen Ziffern auf unserer Einfuhrseite. Die Einuhr an Aepfeln hat im Jahre 1913 einen Wert von 46 Millionen Mark, die an getrockneten Pflaumen von 22½ Millionen Mark. Die große Einfuhr beruht nämlich zu einem Teil wenigsteng darauf, daß wir zwar eine große Menge Früchte in Deutschland erzeugen, daß aber ehr häufig die Qualität in mangelnder Hochlultur keine besonders gute ist. Infolgedessen haben wir das unerfreuliche Resultat, daß einerseits viel eingeführt wird, während andererseits eine große Menge minderwertiger Früchte einfach verkommt oder im gürstigsten Fall an die Schweine verfüttert wird. Es besteht für diese Früchte minderen Wertes überhaupt in vielen Bezirken Deutschlands kein organisierter Markt; und ebenso fehlt es an einer zweckmäßigen Ausmitzung unserer gewaltigen Vorräte an Waldfrüchten aller Art, wie Preißelbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Hagebutten usw. Es handelt sich also ganz allein um die Frage, auf welche Weise denn diese großen Massen von Früchten, die entweder an sich zum menschlichen Genuß weniger tauglich sind, oder aber deren Versendung in frischem Zustande auuf Schwierigkeiten stößt, der Volksernährung in vollem Umfange zugeführt werden können. Es kommen hier zwei Methoden in Betracht, nämlich das Dörren und das Einkochen mit Zucker zu billigen Säften oder Musen. Die letzte Mathode hat noch den besonderen Vorteil, daß durch den reichen Zusatz von Zücker den Früchten, die sonst vorwiegend ihres Wohlgeschmackes wegen von Bedeutung sind, ein hoher Nährwert verliehen wird. Aber es ist im Grunde gleichgültig, welcher Weg eingeschlagen wird, wenn nur überhaupt einer dieser Wege mit Energie beschritten wird. Es ist Sache der Frauenvereine, überall und ganz speziell in den kleinen Städten Jentralstellen zu schaffen, von denen c#is sowohl das Sammeln wie das Konservieren des Obstes in zweckmäßiger Form geleitet werden muß. Briefkasten. H., Schwerte. Die letzte Personenpost Schwerte=Hörde fuhr am Mittwoch, 17. Mai 1899; an diesem Tage wurde der Skraßenbahnbetrieb auf der gem. Strecke eröffnet. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwert sehen zahlreiche im Felde stehende Söhne unserer Heimat täglich der Feldpost ertgegen, die ihnen das Blatt ihrer Heimat bringt. Ihnen und vielen anderen tapferen Kriegern bietet die Zeitung erwünschte Erholung und Stärkung in den Kampfes pausen. Man bestelle daher für seine Angehörigen im Kriege die„Schwerker Zeitung". Bei täglicher Zusendung im Feldpostbrief kostet die Schweter Joikungk bei Vorausbezahlung monaluich 1 Mark für Kranke und Rekonvaleszenten empfiehlt billigst Dr. Ad. Meiers Bremen, Rotenburgerstr 1 Bestellungen werden jederzeit in unserer Geschäfts stelle(Große Marktstraße entgegengenommen. Spezialbehandlung von Haut krankheiten. 1534 avorit Modenalbum 60 J., Favorit Jugendalbum 60 J havorit Handarbtsalb. 60.3, 4! Favorit Schnittmuster 1!“ Alleinverbaut für Schwerte Kaufbaus Otte Marx Makulaturpapier engfiehlt bülgst Carl Braus. Schwerte(Nuhr) S Zasnin Gasthof zur Helle — Telefon 251. Lupus auss. Krebs. Freßflechten, Hauttuberkulooon 5 Zimmern mit Dampfheizung und allen Bequemlichkeiten auf Juli oder Oktober zu veimieten. 2837 Frau Wilh. Sieberg. Fisteln. Hautgeschwülsten ohne Opcration, nach eigen. langjähr. erprobt. Methode. Keine Bestrahl. Wesentl. kürz. Kur. Prospekt und ausführliche Broschüre trei. 10—.20 Mamer in ruhigem Hause. Schr. Angeb. m. Preisang. u. F. 2891 a. d. Schw. 3ta. von 3, 4, 5 u. 6 Zimmern zu vermieten. 2890 Wilbelm Luck, Baugeschäft. Königstraße. Corset Mammonia Meine Wohnunt befindet sich 0 Totsicher! wirkt Dr. Bufleb’s extra starkes u Mottenpulver Angenehm im Geruch! Unübertroffene Wirkung! Grosses Paket 20 Pfennig. 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Fern von der lieben Heimat Nußtest du dein Leben lassen, Im Kampf mit fremden Horden Fürs Vaterland erblassen. Doch bist du nun such rot Und schlos dein Auge sich. Im Herzen deiner Sportgenossen Da lebst du ewiglich. Den Heldentod für Deutschlands Grösse und Ehre starb am 20. Mai 1915 unser lieber Sportgenosse, der Landsturmmann Wilh. Hinkelmann. Als Mitgründer des Vereins lag ihm stets das Wohl und Wehe desselben am Herzen. Er wird in den Reihen der Sportfreunde ewig fortleben. 2816 Spiel- u. Sport-Club Ergste Bekanntmachung. Betreffend die italienischen Staatsangehörigen. Auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juli 1851 wird aus Gründen der öffentlichen Sicherheit folgendes angeordnet: 1. Alle italienischen Staatsangehörigen; welche sich noch nicht bei der Polizeibehörde ihres Aufenthaltsortes gemeldet haben, müssen das binnen 24 Stunden nachholen 2. Sie dürfen ohne Genehmigung der Polizeibehörde die Grenze des Gemeindebezirks ihres Aufenthaltsortes auch nicht vorübergehend verlassen. Der Zuzug in den diesseitigen Korpsbereich und das Verlassen desselben ist nur mit Genehmigung des stellvertretenden Generalkommandos gestattet. Zur Genehmigung des Wechsels innerhalb des Korpsbezirkes sind die Regierungspräsidenten, eventl. nach Benehmen untereinander, ermächtigt. 4. Ist das geschehen, so hat der Auslände den neuen Aufenthaltsort vor der Abreise der Polizeibehörde anzuzeigen. Er darf die Reise nicht antreten, bevor ihm die Behörde einen Erlaubnisschein zur Reise ausgestellt hat. 5. Die Reise ist ohne Unterbrechung und auf dem kürzesten Wege auszuführen. Nach Ankunft hat sofortige Meldung bei der Polizei zu erfolgen. 6. Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden nach§ 9b des Gesetzes vom 4. Juni 1851 mit Gefängnis bestraft. Münster, den 5. Juni 1915. Der kommandierende General: gez. Frh. von Gayl. 2879 Grober Speck= u. Schinhen=Verkauf! Dienstag eintreffend: Waggon Spem u. Schl Der Verkauf beginnt Mittwoch nächster Woche und findet die Abgabe nicht unter 1 Pfund statt. geräuchert und durchwachsen, p. Pfd. 150 Pfg. Schinken 168 empfiehlt 2820 Kaufhaus für Lebensmittel Brückstraße 23. v. Wolzogen Der Winterfeldzug in Masuren ist das größte Kriegserleb. nis, das Ernst v. Wolzogen hier erzählt. Mit sechzig Jahren Hauptmann in einem hessischen Landsturmbataillon, hat er nahe dem Dorfe Gurkeln die Feuertaufe empfangen. Sieben Wochen lag er in Schützengräben, bis zu den Tagen der Januarschlacht. da bei wildem Schneegestöder Hindenburgs Armee die Erde Oslpreußens für immer defreite. Schwere Gefechte hat er mitgemacht, arge Lücken haben russische Granaten und Infanterle. geschosse in die Reihen seiner„Landser“ gerissen. Doch unerschüttert standen er und sie zusammen, treu dem Soldatengeist. den die am einsamen Heiligabend gehaltene Rede des Kompagnieführers Wolzogen ausdrückt. Stark und schlicht wie diese deutsche Laienpredigt ist das ganze Buch. In dichlerisch geschauten Bildern zeigt es den Hintergrund der Kämpfe, die weiße. vom Rauch brennender Dörfer umdunkelte Seenlandschaft. Mit Erast und gedämpftem Humor spricht es üder die wackeren Landstürmer und voll gläubiger Bereitschaft über Alldeutschlands Zukunft Preis 1 Mark. Nach auswärks gegen Einsendung von 1,10 Mark. Vortätig in der Buchhandlung Carl Braus Schwerte(Ruhr) Gr. Marktstr. 3—5. Kein Weinen, kein Flehen bringt dich zurück, Dabin ist Liebe, Hoflnung und Glück, Fern dein Grab, tief unser Schmerz, Nun ruhe sanft du treues Herz. Allzufrüh und fern von seinen Lieben starb den Heldentod fürs Vaterland in Feindesland am 20. Mai 1915 mein heissgeliebter Sohn, unser innigstgeliebter Bruder, Schwager und Onkel, der Musketier Willt Piilkeihantt Inf.-Regt. 272, 10. Komp. im blühenden Alter von 23 jahren. Dieses zeigen schmerzerfüllt an Die tieftrauernde Mutter und Geschwister. * Ergste, Bürenbruch, Frankreich, Baldbron, den 18. Juni 1915. 2814 Oristanzuckel per Pfd. 27 Pfg. 9902 L. Weinberg Statt Karten! Die Verlobung meiner jüngsten Tochter LUISE mit dem Lehrer Herrn WALTER HÖHER, z. Zt. Leutnant im L.-Inf.-Reg. 53, beehre ich mich hierdurch ergebenst anzuzeigen. Frau Ww. Fr. Brune Ergste, im Juni 1915. Meine Verlobung mit Fräulein LUISE BRUNE, Tochter des verstorbenen Herrn Fr. Brune undseiner Gemahlin geb.Schröer, beehre ich mich hierdurch ergebenst anzuzeigen. Walter Höher Hagen,(z. Zt. im Felde). Schweine-Pökellleisch Pfund 75 Pig. Bekanntmachung. Die dritte Ausgabe der Brotkarlen findet am 26. Juni d. J. statt. Es sind die bei der ersten Ausgabe ausgehändigten Umhüllungen in der Zeit vom 21. bis 24. Juni d. I im Rathause, Zimmer 6, abzugeben Dabei ist anzugeben, welche Veränderungen in der Zahl der Familienmitglieder usw. vorgekommen sind. Kinder unter 12 Jahren wolle man nicht zu der Abgabe heranziehen. Schwerte, den 15. Juni 1915. Die Polizei Verwaltung. Rohrmann. 2886 Wir beabsichtigen den diesjährigen Graswuchs unserer Wiesen am Dienstag, den 22. Juni cr., öffentlich zu verkaufen und zwar: vormittags 9 Uhr auf der Pumpstation Schwerte, 10½„„„ früher Westhoffschen Wiese (nur den 1. Schnitt nachmittags 3„„„ Kneppmiese und Anreihungsgräben(1. Schnitt) „ 4½„„, rechtseitigen Ruhrwiese, unterhalb des Wehres bei Geisicke „ 5½„„„ Pumpstation Hengsen. Zusammenkunft an Ott und Stelle. Dortmund. den 17. Juni 1915. 2892 Die Verwaltung des slädlischen Wasserwerks. Zenannimachung. Wir empfehlen dem ten, Herrn Grube, Reflektänten auf ein zwangsweise zu versteigerndes Klavier dort zu versammeln, wo es zu verkaufen ist. Die Einwohner der Ziegelei haben glücklicherweise weder Klaviere noch Schulden. 2818 Holzener Dampfziegelei Ostermann& Co. Nachruf. Fürs Vaterland hast du gestritten, Fürs Vaterland hast du gekämpfl, Fürs Vaterland den Tod erlitten, Nun ruhe sanft in fremder Erd. Fern von der Heimat, getrennt von seinen lieben Turngenossen, starb am 20. Mai 1915 den Heldentod fürs Vaterland unser braver Turngenosse Wilh. Hinkelmann. Sein gutes Wesen und aufrichtiger Charakter wird in den Reihen unserer Mitglieder auf ewig fortleben. 2816 Turn-Verein Germania Ergste. Die Beleidigung gegen Fran Küffen nehme ich zurück, Frau Swolana. Bekanntmachung. Folgende Lebensmittelgeschäfte im hiesigen Stadtbezirk haben aus dem vorhandenen städt. Bestande Reis angekauft und sich verpflichtet, den Reis im Kleinverkauf an hiesige Eingesessene zum Preise von höchstens 85 Pfennig für das Pfand wieder abzugeben: L. Weinberg, Hüsingstr. 26. Geschw. Flehinghaus, Bahnhofstr 6. Frl. Emma Rentrop, Kampstr. 13. Eduard Paas, Hüsingstr. 28. August Ruhkamp, Beckenkamp 4. Fritz Gisbert, Moltkestr. 2. Heinr. Schaiewind, Hörderstr. 20. Joh Rosenberger, Ostenstr. 21. Ernst Schriewer, Hüsingstraße 20. Heinrich Röhrscheidt, Hörderstr. 14. Andr. Kohlmann, Mährstr. 16. Emanuel Mildenberg, Jägerstraße 1. C. Lethaus, Kampstr. 7. Franz Gessinger, Bismarckstr. 17. Ernst Klein, Hüsingstr. 15. Karl Trog, Hagenerstr. 9. Gust. Hosang, Hörderstr. 66. Wwe. C. Kühl, Blückstr. 28. Frau Heinr. Droste, Königstr. 2. Alfred Tillmann, Hüsingstr. 33. Wwe. Karl Weber, Mährstr. 3. Gust. Nierhoff, Brückstr. 23. Frl. Anna Witte, Bahnhofstr. 25. Wwe. H. von der Heyde, Markt 9. Jos. Kramer, Hörderstr. 52. C. Sudhof, Kreuzstr. 5. Frau Heinr. Seite, Holzenerweg 10. H. Greve, Hagenerstraße 33. Konsum=Anstalt der Vereinigten Deutschen Nickelwerke, Rosenweg 13. Kölner Konsum, Hörderstr. 48 und Markt 6. Frau Kaspar Schöne, Dortmunderweg 14. Frau H. Heitmann, Klusenweg 24. Konsum=Anstalt der Eisen= Industrie, Beckestr. 29. Frau Fr. Meyer, Wilhelmstr. 15. Frl. Franziska Kißler, Wilhelmstr. 4. Schwerke, den 16. Juni 1915. Der Magistrat. Rohrmann. 2887 de. Samstag früh eintreffend: Frische Kartoffeln 5 Pfund 68 Pfg. Große Bohnen 2 Pfund 29 Pfg. Frische Erbsen 2 Pfund 39 Pfg. Frische Wurzeln 1 Bund 15 Pfg. Kirschen, hell und dunkel 1/ Pfd. 20 Pfg. Spargel Pfund 30, 38 Pfg. enpfeht Haushaus für Lebensmittel, 2819 Brückstraße 23. Post Vestruschein. der. Dieser Bestellzettel kannsausgefüllt unfrankiert in einen Postbriefkasten geworfen oder dem Briefträger übergeben werden. An das Kaiserliche Postamt Zu.=3=33cee Für die Monate 1915 bestellt rt 210 42 Obige bezahlt Schwerter Zeitung Schwerte. Duittung. essssssssssns Mark— Pfg. sind. heute richtig — den sssmmsssssssessensus 191 Post=Annahme. 8 * 2 * 8 K 8 B S 5 S 8 2— S 2 223# 25 S S••*** OSMNGA Seshecen Fehe R □0 S S 8 S 5 R 5 S 39 RFags „SßgEg S#FSE I 1K•*redigiert von Lotte Sonntag. Kinder, seid deutsch! Brauchet kein fremdes Wort, Wo sich ein deutsches beut, Nur aus Bequemlichkeit Sündigt ihr immerfort. Daß man Adieu nicht sag', Merkt euch, ihr Kinder, wohl, Denkt, daß man sagen soll: Lebet wohl, guten Tag Oder auf Wiederseh'n! Klingt dieses Wort nicht schön? Kinder, seid deutsch! Sagt statt Verzeihung nicht Pardon und excusez, Deutschem Ohr tut es weh, Wenn deutscher Mund so spricht. Merkt euch dies nicht allein, Sagt es auch andern gern, Daß jedes Kind es lern', Nur deutsch zu sein. Denkt drau zu jeder Stund', Kein Wort entschlüpf' dem Mund, Das nicht gut deutsch! # Die Obstkammer von Berlin. Gar viele Leute behaupten, Berlin sei nichts weiter als eine Sandbüchse, nichts gedeihe dort, besonders aber kein eßbares Obst. Solchen Leuten möchte ich raten, einmal im Frühling zur Zeit der Obstblüte oder im Herbst, wenn die Früchte reif sind, die Obstkammer von Berlin, das freundlich gelegene Werder, zu besuchen. Von Potsdam aus ist es eine schöne Wanderung an der seeartig breiten Havel. Werder liegt auf einer Insel, an den Ufern stehen Fischerhütten, an den davor ausgespannten Netzen erkenntlich, auf kleinen Anhöhen liegen burgartige Gebäude, die den Wanderer zur Rast einladen und ihm Erfrischung bieten. Kommen wir im Frühling hin, so erblicken wir von den Höhen aus ein schimmerndes Meer von Blüten, wohin der Blick sich wendet; denn der Bewohner von Werder treibt kaum Ackerbau, sondern jedes noch so kleine Stückchen Land wird zum Anbau von Obst ausgenutzt. Da finden wir Kirsch=, Pflaumen= und Apfelbäume, dazwischen Beerensträucher, die köstlichen Erdbeeren nicht zu vergessen. An jeder Südwand sehen wir Spaliere mit Pfirsichen, Aprikosen und Weintrauben. Die Lage von Werder, die sehr geschützt ist, und der unversiegbare Reichtum an Wasser, dazu der sandige Boden, dies alles macht den Ort sehr geeignet zur Obstzucht, die viel Geld einbringt, aber auch viel Arbeit verursacht. Diese beginnt schon im Februar, wo der Obstzüchter düngen, den Boden auflockern, auf Vernichtung der schädlichen Raupen bedacht sein und noch vieles andere besorgen muß. Und von da an geht es weiter, den ganzen Sommer über ohne Unterbrechung. Aber er erntet auch einen schönen Lohn dafür. Nicht nur der Herbst bringt ihm diesen Lohn, nein, eigentlich ist der Frühling die ertragreichste Zeit für ihn. Da kommen aus Berlin und Potsdam zu Fuß, zu Dampfer und zu Eisenbahn die Ausflügler in hellen Scharen, um sich die Blütenpracht anzusehen, Blütenzweige zu kaufen und Obstwein zu trinken. Zu dieser Zeit scheint ganz Werder sich in einen ungeheuren Jahrmarkt verwandelt zu haben. Ueberall sieht man mit Blüten geschmückte, fröhliche Menschen, und erst spät abends liegt das Städtchen wieder in Ruhe da. Wenn das Obst reif ist, wird es in Wagen und hauptsächlich in Kähnen nach Berlin geschafft. Dort ist es ein Ereignis, wenn„die ersten Werderschen“ eintreffen. Vielfach werden die Früchte gleich von den Kähnen verkauft, aber natürlich findet auch ein großer Teil davon seinen Weg in die Berliner Markthallen. Meist sind es die Frauen, welche die Obstladungen nach der Stadt begleiten, die Männer haben mit dem Obstpflücken zu tun. Besonders sind es die Werderschen Kirschen, die in der Hauptstadt geschätzt sind, und sie verdienen ihren guten Ruf. 23 Sinnsprüche. 1. Belehre den Narren drei lange Tage: Am vierten tut er die dümmste Frage. 2. Wer wenig weiß, der weiß es nicht, Wieviel an Wissen ihm gebricht. 3. Wenn Hans das Schiffchen nicht lenken kann, So meint er, das Wasser sei schuld daran. 4. Herz und Verstand, die gut verbunden, Haben immer das Rechte gefunden. Karl Kugler. 3 Buchstaben-Rätsel. Der erste ist beim Vater, doch bei der Mutter nicht, Der zweite ist beim Zwerge, doch nicht beim kleinen Wicht, Der dritte schmückt den Garten, doch steht er nicht im Feld, Der vierte ist im Kasten, doch liegt er nicht beim Geld, Der fünfte schläft im Bette, doch auf dem Sofa nie, Der sechste hat Talente, doch hat er kein Genie, Der siebent' sitzt im Zeppelin, doch nicht im Parseval, Der achte steht am Ufer, doch nicht beim Wasserfall, Der neunte liebt die Seen, im Teich man ihn nicht fand, Der zehnte liegt im Graben, doch nicht am Waldesrand: Das Ganze wird von Eltern und Kindern stets erhofft, Doch ach, die schöne Hoffnung, sie trügt nur allzuost. Rechenaufgabe. Vater und Sohn zählen zusammen 62 Jahre, wie alt ist jeder von ihnen, wenn der Vater 38 Jahre älter ist? e oo M. uelu Mgn Mie bunchiing * 9•* 83 S 2 Sm S: Sün SSprgggg S S BSSRRRTTEBGHS!.5 #S * 88 — S 8. 5 * S Se 5 *• — 85 Sann * S 8 " Sa.gg SAn S# 9 5— 445 6 78 8 6 97 S □ " 5 E ** 8 S S Wa 8 22 " 89—. —.* a. 5 B S• *** Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 140. Freitag, 18 Juni 1915. Ein Shrenwert. Novelle von R. Ortmann. (2. Fortsetzung.) it der naiven Hast eines Kindes, das gar nicht schnell genug in den Besitz einer verheißenen Gabe gelangen kann, streckte Ilse die Hand aus. „Ach ja, geben Sie es mir, bitte, sogleich! Einen Schuldschein kann ich Ihnen freilich hier auf der Straße nicht ausstellen. Aber ich werde Ihnen morgen einen schicken.“..., Lamerken#r Hertlech „Gestatten Sie mir, zu vemerren, baß bergleichen unter Freunden nicht üblich ist! Und wenn ich auch nicht ganz sicher bin, ob ich Ihnen in diesem Augenblick wirklich einen Freundschaftsdienst erweise—“ "„O doch!“ fiel sie ihm ins Wort,„den größten und wertvollsten, den mir ein Mensch zu leisten vermöchte! Ich werde niemals aufhören, Ihnen dafür zu danken.“ Das Wort, das ihn noch vor einer Viertelstunde hoch beglückt haben würde, tat ihm jetzt beinahe wehe. und er brachte es nicht über sich, etwas darauf zu erwidern. Er hatte die beiden braunen Scheine, die er seiner Brieftasche entnommen, in Ilses Hand gelegt, und sie riß hastig den Mantel auf, um sie in dem Ausschnitt ihres Gesellschaftskleides unterzubringen. Nun reichte sie dem Assessor die Rechte.„Sie haben sehr edel und großmütig an mir gehandelt. Bitte, verzeihen Sie mir, wenn meine Worte voryin im Part etwas Verletzendes für Sie gehabt haben sollten. In meiner damaligen Gemütsverfajjung wußte ich wohl kaum, was ich sorach.“ Ihre Rede klang nicht eigentlich, als ob sie sich jetzt in wesentluh bsserer Stimmung befände, ihre Stimme war völlig heiser geworden, und die kleine Hand, hi. 9% die Malsen in der seinigen hielt, brannte wie im niemals eingefallen, Ihnen zu zürnen,“ Jieber. „Es ist mir versicherte er. 7.ingg Ohr hattWenn Ilse Frobenius ein seines Dyr hatte, mußte sie verneymen, daß dies nicht meyr derselbe Ton war, in dem er vorhin zu ihr gesprochen. Sie ließ aber nicht erkennen, ob sie die Veranderung bemerkt hatte. Noch ein paar hundert Schritte weit ging sie stumm an seiner Seite, dann bat sie inn, sie den turzen Rest des Weges allein machen zu lassen. „Gute Nacht, Fräulein Iise!“ sagte er, indem er sich herabbeugte, um ihre Fingerspitzen zu küssen.„Ich hoffe, daß der Schluß des Festes noch ein recht vergnüglicher für Sie werde!“ „Ja, soll ich Sie denn nicht mehr sehen? Sie wollen nicht wiederkommen?": (Nachdruck verboten.) „Mit Ihrer gnädigen Erlaubnis— nein!— Ich bin müde, und vielleicht ist es auch in Ihrem Interesse besser, wenn man mich nicht mehr auf dem Feste sieht.“ Sie zögerte, und eine tiefe Trausigkeit war in dem Blick, mit dem sie zu ihm aussah. Dann aber sagte sie tonlos:„Gute Nacht, Herr von Malsen!“ Eilenden Fußes bog sie in die Nebenstraße ein, die dem Gesellschaftshause zuführte. Der Assessor aber schritt um so langsamer seiner Wohnung zu. Er war sehr ernst; denn er hatte soeben einen der holdesten und lieblichsten Träume seines Lebens mit einem gar häßlichen Erwachen enden sehen und hatte eine seiner beglückendsten Hoffnungen begraben. Daß sich dies reizende Mädchen, dem noch vor kurzem all seine Liede gehört hatte, auf einem verhängnisvollen Irrwege befand, konnte ja nach dem, was er soeben erlebt hatte, für ihn keinem Zweifel unterliegen. Und wenn er auch nicht bereute, ihr in der Schwachheit des Verliebten behilflich gewesen zu sein, so war doch sein Ehrgefühl zu sein ausgebildet und zu unbestechlich, als daß er jetzt noch hätte an die Verbindung mit einem Wesen denken konnen, das solche Geheimnisse hatte und sich auf so bedenkliche nächtliche Abenteuer mit einem jungen Manne einließ. Sein Entschluß war unerschütterlich; aber an der Grausamkeit des Schmerzes, der seine Seele zerriß, konnte er die Tiee und Innigkeit der Zuneigung ermessen, die er für die unglückliche Ilse Frobenius gehegt. Drei Tage später fragte ein Bekannter, mit dem Malsen bei einer zufälligen Begegnung auf der Straße ins Gespräch gekommen war. beiläufig:„Was sagen Sie zu der armen kleinen Frobenius? Es heißt ja, daß es sehr schlecht um sie stände.“ Malsen fuhr sich unwillkürlich mit der Hand nach dem Herzen; denn er hatte da einen heftigen körperlichen Schmerz gefühlt wie von dem Stich einer glühenden Nadel.„Um Gottes willen— ich weiß von gar nichts! Ist sie denn krank?" „Sehr sogar! Sie hat sich auf dem Sommerfest eine schwere Lungenentzündung geholt.“ Der Assessor fuhlte sich außerstande, das Gespräch fortzusetzen. In seinem Kopfe wirbelte es, und seine Brust war wie von einem eisernen Ringe zusammengepreßt. Außerstande, die fürchterliche Ungewißheit zu ertragen, begab er sich unverzüglich nach der Villa Frobenius und ließ sich bei dem Obersten melden. * 9S- Sut Peßers 8S 3 MGRG E * 95" S 9 5 8 □ *• 18. *„* 2 5 B 0 ## S. S SPPEZ: S S• 2 0 00 5 2 Aber das Mädchen, dem er seine Karte gegeben, kam mit dem Bescheid zurück, der Herr Oberst bedaure, in diesen Tagen keinen Besuch empfangen zu können. „Der gnädige Herr ist ganz verzweifelt,“ fügte sie, als sie die verstörte Miene des Assessors sah, hinzu. „Außer mit dem Arzt und der Schwester spricht er kaum mit einem Menschen. Erst jetzt sieht man, wie sehr er an dem gnädigen Fräulein hangt.“ „Es geht doch wieder besser— nicht wahr?“ „Ich glaube nicht, Herr Assessor. Die Schwester spricht von einer Krisis, die abgewartet werden müßte. Aber wer weiß, ob das gnädige Fräulein es überhaupt durchhält! Am Morgen nach dem Fest war sie schon sehr krank. Man konnte es ihr ja ansehen, und die Jungfer sagt, daß sie schon da Blut gehustet habe. Aber trotzdem, und obwohl es sehr windig geworden war, ist sie noch einmal ausgegangen. Dadurch ist es dann wohl so schlimm geworden. Als sie wiederkam, mußte sie sich sofort legen und fing auch gleich an, zu phantasieren. Damit geht es nun immer so fort.“ Malsen verließ die Villa noch unglücklicher, als er sie betreten hatte. Die seit Tagen mit der ganzen Kraft seines Willens bekämpfte Leidenschaft für Ilse war unter der Wirkung der Schreckenskunde mit verdoppelter Glut aufgeflammt. Die Angst um ihr Leben ließ ihn die grausamsten Qualen erdulden, und dazu peinigte ihn unaufhörlich die Vorstellung, daß er mitschuldig sein könnte an der Ursache ihrer Erkrankung, oder daß er doch wenigstens die Anfänge dieser Erkrankung hätte bemerken müssen, die ja ganz unzweifelhaft schon vorhanden gewesen waren, als er jenes nächtliche Abenteuer mit ihr durchlebt hatte. Er begriff nicht, wie es möglich gewesen war, daß er ihre Aufregung, ihr Herzklopfen, ihre Fieberhitze nicht sofort als bedrohliche Symptome gedeutet hatte, und er quälte sich mit Vorwürfen, weil er nichts getan hatte, um sie vor weiteren Unvorsichtigkeiten zu bewahren. Schließlich suchte er sich einzureden, daß alle die Vorgänge jener Festnacht vielleicht durch ihren krankhaften Zustand veranlaßt worden seien, daß sie bereits unter dem Zwange von Fieberphantasien gehandelt habe; aber bei ruhiger Ueberlegung mußte er sich freilich sagen, daß ihre Reden dafür denn doch zu vernünftig, ihre Handlungen zu logisch und überlegt gewesen waren. Wenn zwischen ihrer Erkrankung und jenen Ereignissen überhaupt ein Zusammenhang bestand, so ließ sich nur annehmen, daß der Ausbruch der Krankheit durch die seelischen Erschütterungen beschleunigt worden war, und das traurige Geheimnis, das sie nach seinem Empfinden für immer von ihm trennte, wurde damit seiner Enthüllung nicht näher gebracht. Zu untätigem Abwarten verurteilt, mußte er sich begnügen, Tag für Tag seine Erkundigungen nach Ilses Befinden einzuziehen, und er mußte es überdies auf allerlei Umwegen tun, da seine gesellschaftlichen Beziehungen zu dem Obersten nicht intim genug waren, um ein tägliches persönliches Vorsprechen in der Villa zu rechtfertigen. Was er in Erfahrung brachte, klang fortgesetzt wenig ermutigend. Es war kein Zweifel, daß die Krankheit in ihrer schwersten Form auftrat, und schon der Umstand, daß ein berühmter Kliniker aus der Hauptstadt berufen worden war, ließ auf eine sehr ernste Wendung schließen. Es war am Nachmittag des neunten Tages nach dem unseligen Museumsfeste, als sein Diener dem Assessor die Karte eines Besuchers überbrachte.„Erwin Frobenius“ war darauf zu lesen, und Malsen konnte nicht zweifeln, daß der Herr, der ihn da zu sprechen wünschte, der ihm persönlich bisher unbekannte Bruder Ilses sei, der auf einer auswärtigen Universität im vierten oder fünften Semester studierte. In begreiflicher Spannung sah er seinem Eintritt entgegen; denn er begriff nicht, was diesen Besuch veranlaßt haben konnte. Der etwa zweiundzwanzigjährige junge Mann, der ihm eine Minute später gegenüberstand, war seiner Schwester auffallend ähnlich, sein Gesicht aber trug in diesem Augenblick den Ausdruck eines tiefen, fast finsteren Ernstes, und schon die gemessene Art der Begrüßung ließ keinen Zweifel, daß er in anderer als freundlicher Absicht gekommen war. Er lehnte die Einladung zum Niedersitzen mit stummer Geste ab und griff in die Brusttasche seines Rockes.„Ich bin, wie Sie vielleicht schon erraten haben, der Sohn des Obersten Frobenius,“ sagte er,„und ich bin gestern aus Bonn hier eingetroffen, weil mein Vater es mit Rücksicht auf die schwere Erkrankung meiner Schwester so wünschte. Am heutigen Vormittag erhielt ich von einem unbekannten Absender diesen Brief, von dessen Inhalt ich Kenntnis zu nehmen bitte, und auf den ich eine Aeußerung oder Erklärung von Ihnen erwarte.“ Er reichte Malsen das Blatt, das mit offenbar verstellter Handschrift, aber ohne allen Zweifel von einer weiblichen Hand geschrieben war. Der Assessor trat an das Fenster und las. Es war eine der niederträchtigsten anonymen Denunziationen, die ihm je vor Augen gekommen waren. Eine angebliche Freundin des Fräulein Ilse Frobenius teilte ihrem Bruder mit, daß er sich über die Ursache der plötzlichen Erkrankung seiner Schwester nirgends besser Auskunft holen könne als bei dem Assessor von Malsen, in dessen Begleitung sie nach Mitternacht das Fest der Museumsgesellschaft heimlich verlassen habe, und in dessen Gesellschaft sie eine halbe Stunde später auf der Straße— und zwar nahe bei der Wohnung des Herrn von Malsen— gesehen worden sei. Eine Personenverwechslung sei ganz ausgeschlossen, und er werde ja wahrscheinlich wissen, was er unter solchen Umständen zu tun habe. Malsen zerbrach sich nicht lange den Kopf darüber, wer die Schreiberin des infamen Briefes gewesen sein könne, sondern benutzt; die kurze Ueberlegungsfrist, die ihm während der Leltüre vergönnt war, um mit sich selber ins reine zu kommen. Das Ergebnis seines Nachdenkens konnte kein anderes sein als die Gewißheit, daß er Ilse unter keinen Umständen preisgeben dürfe. Mit erheuchelter Gelassenheit wandte er sich dem Besucher wieder zu und reichte ihm das Blatt zurück. „Ich bedaure, daß Sie einer derartigen seigen Verleumdung Gewicht beilegen konnten,“ sagte er ruhig. „Wollen Sie mir gefälligst mitteilen, welche Art von Erklärung Sie von mir verlangen?“ „Die Erklärung, daß der Inhalt dieses Briefes eine Lüge ist, sofern Ehre und Gewissen Ihnen gestatten, mich dessen zu versichern.“ „Eine Lüge? Nicht durchaus. Ich bin in der Tat zu der angegebenen Zeit mit einer Dame durch die Straßen gegangen. Aber diese Dame war nicht Ihre Schwester.“ „Sie erklären mir das auf Ihr Ehrenwort, Herr Assessor von Malsen?“ „Auf mein Ehrenwort, Herr Frobenius.“ Der Student verbeugte sich.„Damit ist die Sache der Tat erledigt, und ich habe mich nur noch wegen in der Belästigung zu entschuldigen. Wenn sich die nichtswürdige Verleumdung offen hervorwagen sollte, werde ich ja nunmehr in der Lage sein, ihr entgegenzutreten.“ (Fortsetzung folgt.) Gerse SSupELESDEESRESMESMSESSE 8 2 S 5 SEgSE OG ESEET vor„ Aus oergangenen Tagen.) Uoeseerenen enene Prähistorische Zahnheilkunst. Aus Neuyork wird berichtet, daß der Professor für Archäologie an der Kolumbia=Universität, Marshall Seaville, während der Ausgrabungsarbeiten, die er im nordwestlichen Ecuador in der Provinz Esmeraldas veranstaltete, eine Reihe von Funden gemacht hat, die einen Beweis dafür bilden, daß die Zahnheilkunst bereits in prähistorischen Zeiten bei den Ureinwohnern Südamerikas zu einer geradezu erstaunlichen Vollkommenheit entwickelt war. Seaville fand bei den Ausgrabungen eine Anzahl Schädel, die von den Urbewohnern des Landes herrühren, von den Stämmen, die vor der Zeit der Inkas in jenen Gegenden lebten. Die Untersuchung der Schädel ergab, daß bei vielen von ihnen recht komplizierte Zahnoperationen vorgenommen worden waren; das Gebiß zeigte Goldplomben und Goldkronen, die in ihrer ausgezeichneten Ausführung neben den besten Leistungen moderner Zahnheilkunde durchaus bestehen können. Bei vielen Zähnen, besonders bei den Vorderzähnen, entdeckte man Ornamente aus feinen Goldgeweben, die in ihrer Form Sterne oder Halbmonde darstellten. 80 Warum wir kluge Frauen brauchen. Plauderei von M. Lukas. (Nachdruck verboten.) Es ist schon recht lange her, und ich war noch ein ganz kleines Ding, als ich eines Tages meinen ebenso tleinen Spielkameraden laut heulend antraf. Das war etwas Außergewöhnliches; denn er war sonst der tapferste kleine Kerl, den man sich denken konnte. Ganz erstaunt und tiefsinnig hörte ich ihm zu, bis ich endlich die in Heullauten gegebene Erklärung erhielt, er habe so greuliche Zahnschmerzen. Na, das mußte aber etwas Schlimmes sein! Ob es da nicht helfen würde, wenn der Barbier mit seinem Finger den bösen Zahn herausbreche, so wie er's bei einem der meinen getan, der eben wackelte?— Aber der Vorschlag fand bei meinem Freunde wenig Anklang.— Am nächsten Tage war es so schlimm, daß Ottos Vater sich mit ihm auf den Weg machte zu einer klugen Frau, die den schmerzenden Zahn „besprach". Das war fü. Otto und mich etwas ganz Geheimnisvolles. Nicht ohne Schaudern sah ich die beiden fortgehen, aber Ottos Vater war ja so stark, und Soldat war er auch gewesen, der würde dem Jungen schon nichts Schlimmes geschehen lassen!— Otto kam auch von der„Besprechung“ wohlbehalten zurück, behauptete, der Zahnschmerz sei fort, und heulte nicht mehr. aber ich machte mir so meine eignen Gedanken; denn warum schnitt er wohl oft so klägliche Gesichter? Das war meine erste Kunde von der„klugen Frau“. Nachher bin ich ihr im Dorse noch gar oft begegnet. Hier hatte sie aus den Karten„ganz genau“ alles gewahrsagt, dort ein krankes Glied so geschickt „gezogen“, daß besagtes Glied bald den ganzen Menschen hinunter in die Grube zog. Einer jungen Mutter schärfte sie ein, ihr Kind nicht weiter selbst zu nähren; denn ihre Milch sei„giftig“.(In diesem Falle war die tluge Frau eine uralte Hebamme, die weither von einem andern Dorfe geholt wurde, die auch das Kind„besprach".) Dann wieder war sie bei„verherten“ Kühen zu Rate gezogen und hatte erklärt, wer am ersten im Hofe Milch kaufen wolle, der sei sicher die Hexe. Aber am Morgen kam die junge Frau Pastor und wollte Milch kaufen, da schämten sich die Leute doch, ihr Hexerei zuzutrauen. Die klugen Frauen kurierten durch Streichen und Ziehen, Tränklein, Salben und andere Mittel, und daneben durch Sympathie.— Nun, vielseitiger konnte man doch wohl nicht sein! Dagegen konnte ein schon gar nicht aufkommen.— Nein, ohne Doktor ging's allemal, aber ohne kluge Frauen konnte das Dorf gar nicht sein. Und ohne kluge Frauen sollte das Dorf auch nicht sein! rufe ich heute.— Wie das gemeint ist?— Nun, den„klugen Frauen“, deren Kunst ein Gemisch von Quacksalberei und Aberglauben war, denen gilt es nicht. Wo ihre Spur verweht ist, da soll man ihnen keine Träne nachweinen. Aber ein neues Geschlecht kluger Frauen soll dem Dorfe erstehen, das ihm zum Wohle und zum Segen gereicht. Kluge Frauen, die überall mit Rat und Tat zur Hand sind, die in Unglücksfällen die erste Hilfe umsichtig leiten, bei Krankheiten nicht mit Quacksalberei, wohl aber mit richtiger, den ärztlichen Anordnungen entsprechender Pflege Bescheid wissen. Kluge Frauen, die, wenn ein Hauswesen, ein Viehstand herunterkommt, die bösen Hexen: Vernachlässigung und Rückständigkeit festnageln und sie mit weiser Anleitung ausräuchern. Kluge Frauen, die auch mit„Besprechungen“ gegen böse Schäden angehen und vor allem den Dämon Unsauberleit kräftiglich austreiben. Kluge Frauen, die den jungen Mädchen nicht aus den Karten heraus die besten Wege für ihre Zukunft sagen, sondern aus dem Schatze ihrer größeren Lebenser,ahrung und Herzensbildung solche Ratschläge schöpfen. Kluge Frauen, die bei ihrem Wirken nicht auf die Torheit und Beschränktheit der anderen rechnen, sondern auf ihre Gemüts= und Geisteskräfte, die ihr Wissen auch nicht mißgünstig geheimhalten, sondern es den andern mitteilen. Ei, gibt es denn solche klugen Frauen? Und wo gibt es sie?— Ich denke, dort, wo die Wohljahrtspflege durch Frauenhand geübt wird, beantwortet sich die Frage von selbst. Und daher heißt es auch nicht nur, es gibt solche ktugen Frauen, sondern vielmehr, du und du und du habt die Pflicht, solch kluge Frau zu sein oder zu werden.— Nun will ich aber schnell noch sagen, daß die kluge Frau von heute manches von ihren quacksalbernden Vorgängerinnen lernen kann. Nie hätten jene so großen Einsluß gewinnen können ohne 1. die genaue Kenntnis von Land und Leuten, Sitten und Anschauungen, ja Verhältnissen, Neigungen und Charatteren der einzelnen, alles Dinge, die sie bei ihrem Tun weislich in Betracht zogen; 2. das Vertrauen der Leute, das ihre Erfolge erst möglich machte. Das wird auch die Wohlfahrtspflege übende Frau nicht missen dürfen: Kennen und Verstehen der andern und das Gewinnen ihres Vertrauens durch wahre Teilnahme sind die Vorbedingungen ihres Wirkens bei aller eignen Tüchtigkeit. Dann aber wird sie ein Segen für ihren Ort, ja sie wird ihm unentbehrlich.— Denn ohne kluge Frauen kann und soll ein Ort gar nicht bestehen. Denkspruch. Was in des Busens lilem Reich geschehe Und Gott nicht strant, das braucht kein Mensch zu wissen; Den nenn' ich grausam, der mich darum ftagt. h. v. Kleist. 2