V# Siumn! anden Feienag, Lezoppmo A.„Potenat, Aadrich, dei der Post so: Bestellgeld 42 wehr. Wöchenl. Grassdberlage:„JAustnerin Famillensruns“ u. 14gl. Unierbaltungebiah. Anzeigenpreiz: Die Rebengespallns7 aen unn Naum 10 Pg. Uniom ezen, eir 1s Pio, Retlomspüs 40 Pig., 3aan Radat gil als Kasarndan u. erlschl dal Kontursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. s Masuchuge ganadt. Jehuspselngue Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung = für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Schwerter Volksblan Verbunden mit: Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Schwerker Cageblatt O Schwerter Anzeiger uun due, und ubnenbgrichn unngrn iür den duns biche erouer en Betonavnochung der Abatglichen duch Drsenlichueg ie un„Sdargr Zeitung“ grosoerdiadliche Aeoft.— Die „Schwaner Zetung“ groddn ihme Adonann, tn#r seden au Tod endtenden Uclel gr. asbtbrn St, 300 Mk. Unsall. dnce Vertage, Con Srou#e (rnia LL.- Ssienn, Abe SauShene cer: Nr. 188. Mittwoch, den 16. Juni 1915. 47. Jahrgang. Kussen Aberatt I““,“ Schwere Verluste der Franzosen.— Rucksichtslose Verfolgung in Galizien. Scheitern der italienischen Angriffe. Der 18. Juni. Vor hundert Jahren. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. Es war in den Nachmittagsstinden des 18. Juni, alauf den Blachfeldern Belgiens, etwa zwei Meilen südlich von Brüssel, der Kaiser Nap seine Regimenter zu gewaltigen Sturmangrifsen gegen die Linien der englischen Armee unter dem Herzog von Wellington antrieb. Diese etwa 70 000 Mann starke englische Armee bestand aber nur zum dritten Teil aus Britten; alle übrigen waren Deutsche, Hannoveraner, Braunschweiger, Nassauer, Niederländer, und als Kern die sogenannte deutsche Legion, die schon seit Jahren unter englischen Fahnen gekämpft hatte. Mit deutschen Streitkräften mußte also der englische Feldherr den Sieg über den Korsen herbeizuführen suchen. Nicht genug damit, war Wellingtons Erfolg abhängig von der von ehn, erbetenen Bil gout Bszerfshe geirpe unter dem Feldmarschall von Blücher, die der selbstsüchtige Brite zwei Tage vorher bei Ligny im Stich gelassen hatte. Aber Wellington zweifelte keinen Augenblick daran, daß sein begzscher, Sane, auch der Fall gewesen, und Blüchers Aptaust, dur entscheidenden Stunde hat den Untergang Napoleons besiegelt. Diese Tatsachen sollten sich heute die Engländer, die sich in Lügen nicht geiug zu tun wissen, vor Augen halten; sie würden nicht nur deutsche Tapferkeit, deutschen Ruhm, sondern auch die deutsche Treue bewundern müssen, die größten britischen Feldherrn in schwerner Stund Seite stand und damit des Geschick uin besten vendere,„elligten würe tein Eng. Der Herzog von Wellington wäre kein Engbar gezeigt hätte. Während sich Blücher bei Ligny mit Repeieon berunigl igu dealg ant zie Jugz die gange preutische Arne bereits in den Kanpf eingegriffen und die Franzosen zum Wanten gebracht hatte, gab er, was der Wahrheit entschieden widersprach, einem Vorrücken seiner Truppen die Deunand harse beteiten, utz welligon, Se geruer großem Beifall begrüßt wurde, auch unnötig. Deutscherseits ist die große Schlacht nach dem Pachthofe von Belle=Alliance, wo die beiden Heerführer einander begegneten, genannt worden. Das paßte aber dem Engländer nicht, u. er benannte den Seiten beteligten sch euch wenig an der Verfolgung der fliehenden Franzosen, welche die nur zu bereitwillig bis Paris De Schostsoder zios un useans roeger de. Heate in alie richaslen doete, gagleg, elhen en, Mo ge. Heimat Weltkrieg erspart geblieben, hätte es i.— 9r sicher nicht an einer patriotischen Gedenkfeier für Freheltektiege vor hundert Jadten bildete. Der Ruhm von Belle=Alliance bleibt für ewig mit dem deutschen Namen verbunden. Von der Bedeutung des idealen WerDeutscher Tagesbericht. 15 Juni 1015 1 Oestlicher Krie wtb. Großes Haupsquartier, 15. Juni 1915 Westlicher Kriegsschauplatz. Die Franzosen holten sich gestern eine neue verluche gigge# g Front Lieo. Munition wand vorbereiteten und in dichten Wellen vorgetragenen Angriffe brachen abermals unter dem Feuer unserer braven Truppen unter den schwersten Verlusten für den Feind ausnahmsvon Moulin=Saus=Touvenk (nordwestlich Soisson) gelang es uns noch nicht, die am 6. Juni verlorenen Grabenstücke wieder In der Champagne nördlich Perlhes und Le Mesnil lebte der Kampf stellenweise wieder auf, ohne daß der Feind einen Vorteil Am Sonntag wurde die Kirche in Leffinghe südwestlich Ostende während des bürgerlichen Gottesdienstes von feindlicher Artillerie! Mehrere belgische Zivilpersonen wurden verGestern ist die offene Stadt Karlsruhe, die in keinerlei Veziehungen zum Kriegsschauplatz steht und nicht die geringste Befestigung aufweist, von einem feindlichen Flugzeug=Geschwader mit Bomben beworfen worden. erschte, wpurde ein Fluzeng aus derm keindlichen Geschwader herausgebolt; die Iglosen sind tot Ein anderes Flugzeug wurde bei Schirmeck zum Landen gezwungen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Truppen das Dorf Daulze und wiesen danach borte„i ggr ergrsen gesangen Unsere neugewonnenen Stellungen südlich und östlich der Straße Mariampol=Kowno wurden gestern wiederholt von starken feindlichen Kräften Wir stießen auf der Front Lipomo=Kalwarja vor, drangen in die russischen Linien ein und eroberten die vordersten Gräben. Auch am Orzye gelang es unseren angreifenden Truppen das Dorf Jednarozes, die Czerwana=Gora und die Brücke östlich davon im Sturm zu nehmen. Bisher sind an diesen stellen nördlich Bolimow scheiterten. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Dem in der Schlacht vom 13. und 14 von der Armee des Generalobersten von Makbisch. Der Feud wute grgzicz, de 6aoch südlich der Bahn Przemysl=Lemberg zum Truppen des Generals von der Marpid vo frichte Flägel der Arme des stürmte die Höhe westlich von Jezupol, ihre Kavallerie erreichte die Gegend südlich von Mariampol. s. Obersse Heresleitung, tes hat uns die Erfahrung freilich gründlich befreit. Zwischen England und Deutschland gibt es keinen Bund. auf die Waffenbrüderschaft des 18. Juni 1815 ist heute Lüge, Verrat uund Todfeindschaft gefolgt. Was die Engländer uns zugedacht hatten, das wird ihnen bereitet werden. Denn immer und ewig bleibt die Weltgeschichte das Weltgericht! Landen gezwungen. Oesterreichischer Tagesveraht. ni(Nichtamtlich.) Amtlich] Kräfte erneut zum Rückzuge und# wtb Wien, 16. Juni.(Nichramttich., Amtlich wied verlaubart von 15. Juni mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Durch den Angriff der verbündeten Armeen entwickelten sich fost auf der ganzen Front in heftige Kämpfe. Die Truppen der Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand dringen nach der Besitznahme von Sieniawa am Ostufer des San in nördlicher und nordöstlicher Richtung vor. Schloß und Meiechof Pikorowice wurden gestern erstürmt. Zahlreiche Gefangene wurden gemacht. Unter erbitterten Kämpfen dringt die Armee des Generalobersten von Mackensen beiderseits Krakowice und auf Oleszyce vor. Entschlossen greifen die Trupdes General, Böhm=Ermolli östlich und südöstlich Mosziscg an, wo neue seindliche Stellungen die Richtung auf Grodek decken. Südlich des oberen Onjestr halten starke russische Kräfte die Brückenköpfe von Mikolajow und Zydaczow und Halicz gegen die vordringenden verbündeten Truppen Armee von Linsingen, während fluhabwärts die Truppen des Generals Pflanzer=Baltin vor Nizniow und Czernelica stehen und das eroberte Zaleszezyki gegen alle russischen Angriffe halten. Teile dieser Armee zwangen in Bessarabien Dnjestr und Pruth die dort stehenden russischen Kräfte erneut zum Rückzuge und drängen sie gegen Chotim und entlang des Pruth zurück. Die Za der in den galizischen Kämpfen seit dem 12. Jun eingebrachten Gefangenen erhöhte sich g#stern wieder um einige Tausend. Italienischer Kriegsschauplatz. Neuerliche Versuche der Italiener, an unsere Stellungen bei Tolmein und Plawa heranzukomblieben wieder erselglos,. Verteznz, hent ze den einzelnen Abschnitten der Isonze=Frone Ruhe. bragte Bite, vegen Verdigung, der Teten das Feuer einzustellen, wurde aus militärischen Gründen abgewiesen. An der kärntnerischen Front erstürmte der steyerische Landsturm Kl. Pal, östlich des Plöckenpasses, und wies drei Gegenangriffe des Feindes auf dieses Grenzwerk ab. Im Tiroler Grenzgebiet fühlte der Feind gegen unsere Stellungen vor und unterhält ein wirkunglose, Artillerieseuer. An einem Grenzpunkte zwang ein Gendarmerieposten ohne eigene Verluste eine italienische Kompagnie zum Rückzuge und nahm 58 Italiener gefangen. Der Stellvertreter des Chefs d's Generalstabes: von Hoeser, Feldmarschall=Leutnant. Der Krieg gegen Rußland. Rußlands verzweifelte Lage. Berlin, 15. Juni. Ein Korrespondent der „Vossischen Zeitung“ meldet aus Petersburg indirekt unterm 14. Juni: Ein höherer russischer Militär solle sich dem. nächst nach Frankreich begeben, um dort die recht kritische Lage der russischen Feldarmee darzulegen und bei den westlichen Verbündeten zu energischerem Vorgehen anzuspornen. Wie mir von besonderer Seite versichert wird, ist diese Reise auf den dringenden Nat des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch zurückzuführen, der in dem bereits erwähnten Geheimschreiben an den Zaren klipp und klar erklärte, er könne für nichts einstehen, wenn Franzosen und Engländer sich nicht sofort zu einer gewaltigen Offensive entschließen, die allein die deutsleiten vernige. andererseite müs er seinen Rücktritt ins Auge fassen, da er außerstande sei, mit seiner erschöpften Armee allein der gewaltigen Stoßkraft der deutschen und österreichischen Heere Kondzuhalten."(uem Jur I. Kriegsminister Suchowlinow, der in den jüngsten Tagen dreimal zum Zaren berufen wurde, äußerte sich in intimen Kreisen dahin, der Zar sei höchst erstannt darüber, daß die Verbündeten ihre militärischen Operationen denjenigen Rußlands anpassen, wodurch Rußland den ganzen Weltkrieg eigentlich auf seinen Schultern tragen müsse. Aehnlich äußert sich die russische Presse. Der „Rjetsch“ erklärt in einem inspirierten Artikel, eine starke Entwickelung der französisch=englischen Offensive sei nunmehr dringend erwünscht, damit das gestörte Gleichgewicht beider Fronten wiederhergestellt wird. Bemerkenswert ist, daß, während bis jetzt der russische Militärzensor die leiseste Kritit der Bundesgenossen schonungslos strich, die jetzt so deutlichen Angriffe anstandslos durchläßt. Ein Wendepunkt im Kriege. tu Berlin, 16. Juni. Der Kriegsberichterstatter „Lokalanz.“, Kirchlehner, schließt seine Bedes„Lokalanz.“, Kirchlehner, schließt seine trachtung über die unaufhaltsame Offensive in Galizien mit den Worten: Nur zu verzögern, nicht aber aufzuhalten vermochte der Feind das Konzept der Verbündeten in Galizien. An allen Fronten zurückgedrängt, an mehreren Stellen empfindlich geschlagen und unter schwersten Verlusten blutend, sieht sich nun der Feind der gewaltigen Anstrengung seiner Gegner gegenüber. Was die öffentliche Meinung in dem Anmarsch der Verbündeten auf Lemberg vermutet, ist der Aufbnuch der verbündeten Heere zum großen Schlag wider den weichenden Feind. Noch ist mit dem Widerstande der Russen zu rechnen, aber ebensowenig wie der Feind bisher imstande war, unseren Willen zu beugen, ebensowenig wird es ihm gelingen, sich der Wirkung der neuen großangelegten Offensive der Verbündeten zu entziehen. Dieser Schlag könnte in seinen Folgen Lemberg befreien. Er könnte aber auch das Gefüge der russischen Hauptmacht auf das Empfindlichste erschüttern und, wie man hofft, einen Wendepunkt im europäischen Kriege herbeiführen. ie Demoralisierung der russischen Armee. tu Berlin, 16. Juni. Der Kriegsberichterstatter des„Berl. Lokalanz., Kirchlehner, meldet aus dem k. k. Kriegspressequartier: Durch den in den Kämpfen der letzten Tage erzwungenen Durchbruch der nussischen Front bei Jaroslau—Mosciska ist der Feind zum Aufgeben einer für ihn sehr wichtigen Verteidigungsstellung gezwungen worden. Die Folgen dieses gelungenen Frontalstoßes machen sich bereits dadurch bemerkbar, daß die Russen ihre ungemein starke Zentrumsstellung südlich Mosciska räumen, wodurch auch ihr linker Flügel in Mitleidenschaft gezogen wird. Durch das energische Vorgehen der Armeen Linsingen und PflanzerBaltin wird die russische Front auch hier immer weiter nach Osten gedrückt. Die Widerstandskraft der Russen scheint immer mehr zu erlahmen, was aus der überraschend großen Anzahl von Gefangenen hervorgeht, die sich überdies stündlich vermehrt. Dies ist ein um so charakteristischeres Zeichen, als die großen Gesangenenmassen während der Schlachten des Mai dadurch entstanden sind, daß viele Truppenkörper des Feindes zwischen den Truppen der von Westen vordringenden Armeen Joseph Ferdinand und v. Mackensen einerseits und den von Süden herandrängenden Karpathen= armeen andererseits eingeschlossen und von ihren Verbindungen abgeschnitten wurden. Bei der Jaroslauer Durchbruchsschlacht aber handelt es sich um keine Umzingelungen, sondern um frontal angegriffene Truppenkörper, die sich in solchen Massen ergeben. Das beste Zeichen, daß die Demoralisierung in der mssischen Armee immer mehr um sich greift. Voller Begeisterung über Rußland. Aus Havre wird dem Pariser„Matin“ gemeldet:„Generalleutnant de Witte, Generalinspekteur der belgischen Kavallerie, ist voller Begeisterung aus Rußland zurückgekehrt.„Das russische Heer“ so sagt er,„ist das prächtigste, bestdisziplinierte und mutigste der Welt. Der Rückzug der Russen hat keine Bedeutung. Der russische Generalstabschef hat mir gesagt:„Auch 1812 haben wir uns wohl bis Moskau zurückgezogen. Wenn wir uns zurück ziehen, geschieht das nur, um desto besser aufrücken zu können. Seien Sie unbesorgt.“ General de Witte bleibt weiter unbesorgt in Havre. Kriegsschäden in Ostpreußen. Königsberg i. Pr., 15. Juni. Bei dem gestrigen Empfang der ausländischen Presseleute gab der Oberpräsident eine Uebersicht über die Kriegsschäden Ostpreußens. Danach verließen die Provinz gegen 400000 Personen, wovon der allergrößte Teil bereits wieder zurückgekehrt ist, namentlich auf dem Lande. Von den Russen getötet wurden, soweit festgestellt wurde, 1620 Zivil personen, verwundet 433, nach Rußland verschleppt 5419 Männer, 2597 Frauen und 2719 Kinder. Der große Teil der Männer sind hilflose Greise. Es ist leider anzunehmen, daß sich unter den Verschleppten eine weitere erhebliche Anzahl Getöteter befindet. Die Zahl der Vergewaltigungen und Schädigungen ist nicht festzustellen, weil sich viele scheuen, Angaben zu machen. Durch feindliche Brandlegung wurden 24 Städte, 572 Dörfer und 236 Güter zerstört. Der vielumstrittene rumänische Bündnisvertrag. tu Geuf, 15. Juni. Von dem rumänischen Abgeordneten Basilescu verlangte der Temps Aufklärung über die Fortdauer der Gültigkeit des zwischen dem Dreibund und Numänien geschlossenen Vertrages. Basilescu gesteht daraufhin zu. daß der Vertrag die Unterschriften König Karols; und des Ministerpräsidenten trage, aber das nicht befragte rumänische Parlament wahre seine Handlungsfreiheit. Basilescus Meinung wird von andern rumänischen Staatsmännern entschieden widersprochen, die betonen, daß— vom völlerrechtlichen Standpunkt ganz abgesehen Rumänien ein lebhaftes Interesse besitze, den Geist dieses Vertrages zu achten. Die Reibungen zwischen den Balkanstaaten. tu Zürich, 15. Juni. Das„Giornale d'Italia“ meldet aus Sofia: Auf Besehl ihrer Negierungen überreichten die Vertreter Griechenlands und Serbiens dem Kobinett Nadoslawow eine gleichlautende Note. Darin wird erklärt, daß sie den Vorschlag des Vierverbandes, Mazedonien an Bulgarien abzutreten, nicht annehmen könnten. Uebrigens haben die gleichen Mächte eine Protestnote an den Vierverband gerichtet, in der sie erklären, sie könnten einen neuen Balkanbund auf der oben erwähnten Basis nicht abschließen. Das alles dürfte die Lösung des Balkanproblems, wie sie die Verbündeten wünschen, unmöglich machen. Der Klieg begen Frünntei. Französische Verluste. Haag, 15. Juni. Englische Berichterstatter melden schwere Verluste der französischen Tauppen. Sie berechnen, daß in den Kämpsen bei Carency und an der Lorettohöhe die Franzosen etwa 80000 Mann eingebüß! haben. Die gewollten Unklarheiten des den Kämpfen in der Champagne gewidmeten Absatzes der letzten Joffre=Note erwecken bei der militärischen Fachkritik keinen vorteilhaften Eindruck. Peinlich berührt es besonders, daß bei Beauséjour und Les Mesnil vergeblich eine Division eingesetzt wurde, um das verlorene Gelände wiederzugewinnen. Die französischen Verluste, namentlich an Offizieren, waren so empfindlich, daß mangels ausreichender Kräfte eine geplante Nachaktion unterbleiben mußte. Ein seindliches Flugzeug=Geschwader über Karlsruhe. Karlsruhe, 15. Juni 1915. Heute vormittag erschien über Karlsruhe ein großes feindliches Flugzeuggeschwader. Die Flieger warfen eine ganze Reihe Bomben ab, wodurch 11 Zivilpersonen getötet und 5 schwer verletzt wurden. Militärisch wurde keinerlei Schaden angerichtet. Der Fliegerangriff auf Karlsruhe. wtb Karlsruhe, 16. Juni. Ueber den Fliegerangriff werden folgende Einzelheiten gemeldet: Soweit bis jetzt bekannt ist, wurden 19 Personen getötet, 14 schwer und zahlreiche leicht verletzt. Fast eine Stunde, von 6¾ bis gegen 8 Uhr flogen die feindlichen Flugzeuge in großer Höhe über Karlsruhe. Besonders die inneren, in der Nähe des Schlosses gelegenen Stadtteile wurden getrofsen. Groß ist der Schaden an der Karl=Friedrich= Straße, dem Kaiserplatz und in der Nähe der Technischen Hochschule. So fielen allein in der Erbprinzstraße, an der Ecke der Bürgerstraße, vier Personen dem Angriff zum Opfer. Es handelt sich fast ausschließlich um Zivilpersonen, Frauen, Kinder und zumeist ältere Leute, die sich zur Arbeit begeben wollten und nicht rechtzeitig flüchten konnten. In der Tat ist auch keinerlei militärischer Schaden angerichtet worden. Nach den Orten, an denen die Bomben besonders zahlreich niedersielen, ist der Verdacht nicht völlig von der Hand zu weisen, daß u. a. ein Angriff auf das Königliche Schloß, in dem zurzeit die Königin von Schweden weilt, beabsichtigt war. Auch das Markgräfliche Palais wurde durch eine Bombe getroffen. Die Bevölkerung verhält sich gegenüber dem ruchlosen Angriff auf die friedliche Stadt gefaßt mnd ruhig. Nur herrscht begreiflicherweise große Erbitterung über das sinnlese Vorgehen der Gegner. Die Friedensbedingungen der Franzosen. Die Franzosen sind ein glückliches Volk insofern, als ihnen ihre mit einem reichlichen Zusatz von Eitelkeit gemischte Naivität gestattet, sich an Phantomen zu berauschen, an deren Verwirklichung sie kaum glauben können. Sie überbieten sich gegenseitig in der Konstrucktion von Friedensbedingungen, die sie dem schlimmen Deutschland auferlegen werden, an dessen Niederzwingung sie nach dem Anschluß Italiens an den Dreiverband nicht zweifeln. Von den zahlreichen liebenswürdigen Vorschlägen, die von den großen Zeitungen und maßgebensten Politikern gemacht werden, sei zur Erheiterung unserer Leser in ernster Zeit nur der folgende des früheren Ministers des Auswärtigen Pichon erwähnt, der immer als einer der maßvollsten Staatsmänner der Republik galt. Ihr Deutsche, sagt er, werdet den Verbündeten die Kosten des Krieges wiedererstatten müssen, und das wird eine enorme Summe sein... Ihr werdet die Kathedralen, Museen und Paläste bezahlen müssen.... Das macht Billionen und Billionen, die ihr uns bezahlen müßt. Nein, nicht auf einmal, das könnt ihr nicht.... Ihr werdet lange dazu brauchen— zehn Jahre, zwanzig Jahre, dreißig Jahre.... Bis Deutschland dies alles bezahlt hat, werden russische Garnisonen in Breslau und Dresden liegen, englische Garnisonen in Hamburg und Frankfurt, eine belgische Garnison wird Köln besetzen, eine französische Koblenz und Mainz. Erst wenn der letzte Heller bezahlt ist, werden die Verbündeten abrücken und vorher werden sie die letzte deutsche Festung in die Luft sprengen.(Und mit diesen leichten Bedingungen wollen sich die„siegreichen“ Franzosen zufrieden geben? Schriftl.) De. Riieg heyen Englans. Ein deutsches U=Bot verloren. WTB. Berlin, 15. Juni.(Amtlich.) Nach einer Mitteilung des ersten Lords der Admiralität im Unterhause vom 9. Juni ist Anfang Juni ein deutsches Unterseeboot von den Engländern zum Sinken gebracht und die ganze Besatzung gefangen genommen worden Aus einer jetzt veröffentlichten Note der britischen Regierung über die Behandlung gefangener UnterseebootsBesatzungen geht hervor, daß es sich um das U=Boot 14 handelt. Da dieses Boot von seiner letzten Unternehmung bisher nicht zurückgekehrt ist, muß es als verloren betrachtet werden. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes: Behncke. Es hat gewirkt. wtb Berlin, 16. Juni. Nach einer Mitteilung des hiesigen amerikanischen Botschafters erklärte die großbritannische Regierung dem amerikanischen Botschafter in London, daß die geretteten Besatzungen der deutschen Unterseeboote 8, 12 und 14 in die allgemeinen Kriegsgefangenenlager übergeführt werden und dort die gleiche Behandlung, wie die anderen Kriegsgefangenen erhalten sollen. Hierauf hat die deutsche Regierung unverzüglich angeordnet, daß diejenigen britischen Offiziere, die zur Vergeltung für die bieherige Behandlung der deut schen Unterseebootsbesatzungen in Offiziergefangenenanstalten verbracht waren, alsbald in die Kriegsgesangenenlager zurückgeführt und daselbst wieder in gleicher Weise, wie die übrigen kriegsgefangenen Offiziere behandelt werden. Der hiesige amerikanische Botschafter wurde hiervon mit dem Ausdruck des Dankeg für seine erfolgreichen Bemühungen in Kenntnis gesetzt. Fast 35000 Mann englische Verluste in 14 Tagen. tu Rotterdam, 16. Juni. Die gestrige englische Verlustliste enthält die Namen von 171 Ossizieren(darunter 43 Toten) und 3637 Mannschaften der Expeditionsarmee und Flotte in Frankreich und an den Dardanellen. Seit dem 1. Juni, also in vierzehn Tagen, wurden im ganzen 1287 Offiziere (darunter 366 Tote) und 33369 Mannschaften in den Listen verzeichnet. Lloyd George mahnt die Drückeberger. London, 15. Juni. Lloyd George sagte in einer Rede in Cardiff: Ich will nicht von Staatszwang reden. Das ist ein unangenehmer Gegenstand. Aber es ist am Platze, die Drückeberger daran zu erinnern, daß die Reichsverteidigungsakte besteht, die der Regierung bereits gewisse Befugnisse zum Zwange gibt; ich würde aber vorziehen, daß sie die Arbeit freiwillig leisten. —.— Krieg gegen Iialien. Eine Absage der Südtiroler an Italien. Innsbruck, 15. Juni. Die italienischen Abgeordneten von Südtirol erschienen beim Statthalter, mamens ihrer Wähler und, wie sie ausdrücklich betonten, der erdrückenden Mehrheit der Bevölke rung von Italienisch=Tirol, drückten sie ihre hingebende Treue an den Kaiser, das Herrscherhaus und die Monarchie aus, und hoben hervor, wie sehr sie das übelberatene und treulose Vorgehen der italienischen Regierung beklagen, die sich durch das Freimaurertum zu diesem jedes sittlichen Grundes entbehrenden Kriege unter falschem Vorwande habe verleiten lassen, als handele es sich um eine Erlösung, obzwar eine solche von dem Volke Südtirols niemals angerufen, sondern stets auf das klarste zurückgewiesen worden war. Die Abgeordneten ersuchten den Statthalter, ihre heißesten Wünsche für den Sieg unserer Waffen und die Versichenung ihrer unerschütterlichen Treue zu Kaiser und Reich an die Stufen des Thrones gelangen zu lassen. Die knickerigen Römer. bb Luzern, 14. Juni. Der„Messagero" verspottet die Römer, die zuerst mit großen chauvinistischem Geschrei zum Kriege drängten, aber jetzt, wo es sich um Beiträge für die Familien der Einberufenen handle, kaum 121000 Lire aufgebracht hätten, während in anderen Städten die Sammlungen weit größere Summen erbracht hätten, in Mailand sogar in zwei Tagen drei Millionen. Dabei werfen in Rom Bankiere und Volk Geld mit vollen Händen für ihr Wohlleben aus dem Fenster. Die Römer möchten doch bedenken, daß eine eventuelle Niederlage jeden einzelnen finanziell träfe. Zu demselben Thema schlägt der „Avanti“ vor, man solle die vielen römischen Staatsbeamten, die das Elitekorps der Kriegshetzer bildeten, mit einigen Tagen Gehaltsabzügen zum Kriege heranziehen; dann würde ihre Kriegsbegeisterung ausgenutzt werden. Italiens Handelskrieg gegen die Zentralmächte. tu Zürich, 15. Juni. Gestern abend 6 Uhr ist den italienischen Zollbehörden an der Grenze die Weisung zugegangen, bis auf weiteres keine Waren mehr, weder mit der Bahn, noch zu Schiff oder Dornige Wege. Roman von J. v. Düren. 17 Sie schätzte ihren zukünftigen Schwiegersohn, sie erkannte seine Tüchtigkeit, seinen tadellosen Charakter; aber er war doch nicht das, was man in ihren Kreisen eigentlich eine Partie namtte. Zwar blieb ja noch die Aussicht, daß Leo Karriere machen würde; immerhin mochten Jahre darüber vergehen. Ihre Magdalene war gezwungen in der Oede des kleinenweltvergessenen Winkels ihre schönsten Jugendjahre zu verbringen. Sie ärgerte sich über LeosSchwerfälligkeit, mit welcher er die Einladung ihrer liebenswürdigen Verwandtenabgelehnt. Es waren einflußreiche Leute zugegen, deren Bekanntschaft ihm vielleicht von Nutzen gewesen wäre. Seine Sehnsucht schien ihr nicht so heiß, sonst hätte er wohl Opfer gebracht, um mit seiner Braut einige Tage zusammen zu sein. Ob ihn Magda vermißte? Ein helles, frohes, ihr nur zu bekanntes Lachen tönte eben aus dem Tanzsaal zu ihr herüber. Wer sich so ganz dem Augenblicke hingeben konnte, war wohl kaum fähig, durch ein ganzes Leben die Folgen eines ernsten Schrittes würdig zu tragen. Sie beschloß noch einmal mit Magdalene zu sprechen, jetzt war noch das Verhältnis lösbar, jetzt noch konnte sie zurück. Ihre ernsten Gedanken unterbrach ihre Nachhartei, die verwitwete Frau Minister von Böhlen. Meine gnädigste Frau, sehen Sie nur dort ein wenig nach rechts. Der Rosenwalzer beginnt; Ihre Tochter scheint Blumenkönigin zu sein; von allen Kavatieren wird sie geschmückt. In der Tat, eine brillante Erscheinung. Und so lächerlich jung, fast noch ein Kind. Ich begreife Sie nicht, wie Sie der Gesellschaftdieses unvergleichliche Mädchen so lange versagen konnten.“ Frau Physikus seufzte. Es schien, als käme alles in ihrem Leben um einen Posttag zu spät. Wenn sie nur sich selbst gefolgt und nach Berlin gegangen wäre! Diese romantische, kleinbürgerliche Verlobungsgeschichte hätte sich dann natürlich nicht ereignet. Während sie der Frau Minister dankbar zulächelte, und sich in höflichen Reden erschöpfte, grollte sie im Innern ihrem Manne, ihrer Stieftochter, die sie gezwungen, in dem armseligen Orte zu bleiben.—— In den ersten Morgenstunden fand sie sich wieder mit ihrer Tochter zusammen. Magdalene erzählte lebhaft von den Ereignissen des Abends, während die Mutter ihr das schöne Haar zur Nacht flocht.„Hast Du übrigens Leos Brief gelesen?“ fragte sie plötzlich. Magdas Wangen röteten sich. „Wie kannst Du das verlangen, Mama? Jeden Tag eine seitenlange Epistel! Ich hebe sie alle auf und lese sie auf der Heimreise. Leo ist wirklich anspruchsvoll. Wenn man zu Gast ist in einem so großen Hause, kommt man ja gar nicht dazu, an sich selbst zu denken.“ „Fehlt Dir denn Leo nicht?“ „Mutterchen, ich bitte Dich,— um Gotteswillen, jetzt Gewissensfragen! Laß mich den Traum hier austräumen. Bald sind wir daheim, und ich bereite mich auf meine Pflichten vor.“ „Ich möchte Dich so gern glücklich und befriedigt sehen und auch wünschen, daß Leo das erreicht, was er erhofft in einem Zusammenleben mit Dir. Wenn Dein Herz nach Anderem verlangt, noch ist es Zeit zur Umkehr. Vergiß das nicht.“ „Liebe Mama, hülle Dich nicht in das tragische Gewand der Kassandra. Meinen kleinen Spatz halte ich in der Hand. Die glänzenden Vögel, die mich umflattern, locken, nein, nein! Mein Verstand hilft mir über diese Versuchung fort. Ich bilde mir nicht ein, daß der Majoratsherr auf Sauten auf das simple Fräulein Langen nur gewartet. Es ist ja nichts als ein Flirt. Man muß nicht alles ernst nehmen und jede Schmeichelei und jeden Handkußs als Schicksalswendung ansehen. Nach acht Tagen sitzen wir gemüttlich bei Frau Bürgermeister zum Kaffee und feiern Reminiscenzen. Das Aufgebot folgt, und nach vier Wochen dampft die junge Frau Amtsrichter Berg mit ihrem Gatten nach dem Süden. Vielleicht sind wir nächsten Winter schon in Berlin. Geheimrat von Zedwitz hat mir versprochen, an maßgebender Stelle für ihn zu wirken.“ „Ja, daran habe ich auch gedacht. Wenn Leo hier gewesen! Man hätte ihn kennen gelernt, es hätte sich alles besser gestaltet. „Aber Mama, wozu diese Grübeleien! Für Leo war es besser, nicht hier zu sein. Er sieht oft bei hellem Tage Gespenster. Und nun gute Nacht, endgültig gute Nacht.“ Mit leisem Lachen löschte sie das Licht und schmiegte sich behaglich in die Kissen. Frau Margarete suchte vergebens Ruhe. Ihr bangte um die Zukunft. Würde Magdalene in der Ehe das sein, worauf Leo Berg hoffte, ahnte sie, welch schwere Aufgabe es sei, sich fremden Willen und Wünschen unterzuordnen, ohne das allmächtige Gefühl einer selbstlosen hingebenden Liebe? Die Ankunft der Damen verzögerte sich von Tag zu Tag. Leo Berg war am Ende seiner Geduld. Wiederholt schon hatte er die Wohnung zum Empfang mit Blumen geschmückt. Sie verwelkten nutzlos, hingen traurig die Köpfe. Die so lang Ersehnte kam nicht. Was hielt sie noch zurück? Ernestine hatte der Mutter eindringlich geschrieben, daß die Ansteckungsgefahr vorüber sei und die letzten vierzehn Tage keinen Erkrankungsfall gebracht hätten. Und dennoch blieb sie fern. Zuletzt mied auch Leo die Schwägerinnen. Mit dem Freunde kam er ohnedies selten zusammen. Es lag seit kurzem etwas zwischen ihnen, das sie innerlich von einander treunte. Bis jetzt hatte noch niemand das rechte Wort gefunden, um das alte Vertrauen und die alte Offenheit wieder aufleben zu lassen. Auch am Stammtisch ließ Leo sich nicht sehen. Die Neckereien seiner Kollegen, die neugierigen Fragen, die lauernden Blicke machten ihn nervös. Er fühlte, wie ihn selbst die harmloseste Bemerkung zu heftiger Entgegnung reizte und spann sich in seine Einsamkeit noch mehr ein. Endlich kam die telegraphische Nachricht daß die Damen am Morgen abgereist seien und abends eintreffen würden. Der Amtsrichter befand sich wie im Rausch. Vergessen waren die trüben Wochen der Einsamkeit, vergessen jeder Zweifel, jede her## Bitterkeit. Der Gedanke, Magdalene wiederzu#ehen, sie zu Umarmen, ihre frischen Lippen zu küssen, ihre bezaubernde Nähe zu genießen, sich an ihrer Schönheit zu freuen, machten alles Erlittene ungeschehen. Wie ein Schulbube rannte er über die Straßen, schwankte den Hut grüßend vor jedem einzelnen und kam erregt und erhitzt, die Arme volk Blumen, die er für einen unsinnigen Preis vonr dem Gärtner der gräflich Buchenau'schen Treiohäuser erstanden, ins Doktorhaus. Er ließ es sich nicht nehmen, die Vasen selbst zu füllen, den Tisc. zu schmücken, und die Mädchen sahen verwundere in sein glückverklärtes Gesicht, gingen herzlich auf seine Späße und Neckereien ein. Der innere Jubel, der sich so deutlich in seinem Wesen kundgab, riß sie mit fort. Ernestine, die etwas früher von ihren Krankenbesuchen heimgekommen, hörte schon auf der Treppe lustiges Lachen und war gegen ihre Gewohnheit gleich zu den Schwestern hinaufgegangen. Leo kam ihr entgegen. „Sie kommen, sie kommen!" Seine Stimme klang freudig bewegt. Er erschien ihr mit einem Male ein Anderer. Die Erwartung des nahenden Glückes erhob ihn. Seine Haltung schien straffer, auf seinen schmalen Wangen zeigte sich das Rot der Erregung, seine Augen leuchteten und seine zitternden Hände umschlossen die ihren in warmem Druck. So hatte sie ihn noch nie gesehen. Selbst in den Tagen, in denen ihr sehnendes Herz glaubte, eine bestimmte Hoffnung hegen zu dürfen, war ernie aus seiner freundlichen Ruhe getreten. Sie ahnte, wie diese Liebeihn erfüllte; und es stieg eine heiße Bitterkeit in ihr auf. Sie kannte ihre Schwester.— 225.16 * durch Fuhrwerk nach der Schweiz durchzulassen. Das Verbot wird als direkte Folge des angeblichen Warenschmuggels nach Oesterreich hingestellt. Italien soll bereits mit der Schweiz Verhandlungen eingeleitet haben, um für den ausschließlichen Verbrauch der ausgeführten Waren in der Schweiz Garantien zu erhalten. Die Italienische Regierung hat eine Note an die Schweiz gerichtet, in der sie von der Schweizer Regierung eine allgemeine Erklärung verlangt, daß alle aus Italien nach der Schweiz transportierten Waren in der Schweiz bleiben, bezw. nicht nach Oesterreich oder Deutschland weitergehen. Fortdauer der Spionenjagd in Italien. tu Mailand, 15. Juni. Trotz des Rundschreibens des Ministerpräsidenten Salandra an den Präfek ten dauert die Spionenjagd in Italien unvermindert fort. Zahlreiche Dautsch=Schweizer haben sich Unannehmlichkeiten zugezogen, nur weil sie im Besitz deutscher Zeitungen waren, die nach Ansicht der italienischen Behörden unwahre Nachrichten über den italienischen Krieg enthielten. Der Krieg der Türhei. Die Kämpfe im Kautasug werden mit einer Erbitterung ohnegleichen geführt. Die weit auseinandergezogenen Stellungen sowohl der Türken als auch der Russen lassen über“ all nur verhältnismäßig dünne Linien zu. Infolgedessen kommen oft Ueberraschungsangrisse mit schnell zusammengerafften Truppenansammlungen vor, denen dann die dünnen Schützenlinien der Angegriffenen standhalten müssen. Die türkischen Kräfte gingen trotzdem in der Richtung auf Oliy vor tund machten bei Tschthany und in der Gegend vom Zinatchor scharfe Angriffe auf die Tale des Ollischai, in der Linie Tewradel=Bachkala, sowie am Berg Kaladjik entspannen sich erhebliche Kämpfe, die mit erheblichen Verlusten für die Russen verknüpft waren. Die Suezkanal=Befestigungen der Engänder deuten darauf hin, daß hier ein gewaltiger Kampf mit den Türken erwartet wird. Es ist eigentlich sonderbar, daß hier die feindlichen Heere, abgesehen von einigen Vorpostenscharmützeln, noch nicht aufeinandergestoßen sind, während auf anderen Kriegsschauplätzen dieses gigantischen Völkerringens bereits um die Entscheidung gekämpft wird. Längs des Suezkanals haben Engländer und Franzosen Schützengräben gezogen, an deren Vervollkommnung immer noch gearbeitet wird. Mitten im Suezkanal liegen gleichsam als vorgeschobene Forts und Festungen zahllose Kriegsschiffe, die sich in fortwährender Bewegung befinden. Auch an den Ausweichstellen liegen französische und englische Kreuzer und Hilfskreuzer. Der„Requin", der„Bruix" u. der„Entrecasteaux“ von den Franzosen; von den Engländern die Schiffe„Minerva“,„Ocean“,„Himalaya",„Proserpina" sund„Philomela", Schiffe von zwölf= bis vierzehntausend Tonnen. Auch der„Hardinge" liegt dort. Seine Steuerbordseite ist arg zerschossen und der eine Schornstein zerfetzt. Weiter unten befindet sich noch der englische Kreuzer „Clio“, also immerhin eine ganze Anzahl Panzerbauten, die als Bollwerk gegen das anmarschierende Türkenheer dienen sollen. Amerika und der europätsche Krieg. den Ermahnungen bei uns gar keinen Eindruck machen angesichts der amerikanischen Waffenlieferungen und allerlei anderer ähnlicher Dinge. Englands Verhalten ist die Ursache unseres UBootkrieges, der nur mit dem Wegfall seiner Ursache eingestellt werden kann. Wilsons Wunsch, durch eine europäische Friedensvermittelung die Aussichten auf seine Wiederwahl zum Präsidenten erhöhen, kann für die Antwort der deutschen Reichsregierung in der„Lusitania"=Frage natürlich keinerlei Bedeutung haben. Es hängt vielmehr alles davon ab, England zur Beachtung des internationalen Seekriegsrechts zu bestimmen. Präsident Wilson scheint das, wie gesagt, jetzt einzusehen und dementsprechend handeln zu wollen. Wilsons Note an England. Der Erklärung des Exministers Bryan an das amerikan. Volk zufolge, bereitet Wilson eine neue Note an Engländ und dessen Verbündete vor, die sich gegen die Behelligung des amerikanischen und damit jedes neutralen Handels richtet. Bryan hatte gefordert, daß diese zweite Note gleichzeitig mit der Antwort an Dautschland abgesandt und veröffentlicht würde. In dem zeitlichen Unterschiede erblickte Bryan auch einen Unterschied in der sachlichen Behandlung der beiden Staaten durch Amerika und schied aus dem Amte, als er keine Möglichkeit fand, Wilson auf seinen Standpunkt herüberzuziehen. Die Propaganda Bryans zu gunsten internationaler Vereinbauungen über ein Verbot des Munitionstransportes auf Passagier= dampfern erweckt in den Vereinigten Staaten einen lebhaften Widerhall. Auch der Umstand, daß Bryan, der einer der populärsten und scharfsinnigsten Staatsmänner Amerikas ist, zu den Deutsch=Amerikanern in direkte Beziehungen trat, deutet auf eine Revision der bisherigen Washingtoner Neutralitätspolitik hin. Es scheint, daß die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika allmählich zur Erkenntnis der Einseitigkeit ihrer bisher geübten Neutralitätspolitik gelangt, und sich zu bessern entschlossen ist. Dazu gehört in ersten Linie, daß Präsident Wilson in seiner zweiten„Lusitania“= Note an die Reichsregierung deutlich seine Bereitschaft bekundet, mit Deutschland und England über die Ursachen und Wirkungen des U=Bootskrieges zu verhandeln uund zwischen beiden Staaten zu vermitteln. Zwischen den Zeilen der amerikanischen Note ist jedoch noch der Wunsch des Präsidenten Wilson herauszulesen, die jetzigen Vermittelungsverhandlungen zwischen Deutschland und England zu führen als Vorbereitung einer künftigen möglichst maßgebenden Vermittlervolle in den allgemeinen Friedensverhandlungen. Die„Magd. Ztg.“ betont, daß dem Präsidenten von deutscher amtlicher Seite längst bedeutet worden ist, worüber die deutsche öffentliche Meinung sich seit Monaten klar is, daß seine humanitären Iden und dahingehenAus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 16. Juni. **(Feldpostsendungen.) Vor kurzem ist in verschiedenen Zeitungen eine Veröffentlichung erschienen, wonach das Verlangen der Eilbestellung bei Feldpostsendungen zwar unzulässig ist, derartige Sendungen, für die die Eilbotengebühr von 25 Pfg. entrichtet ist, bei der Dortm. Feldpostsammelstelle jedoch mit Vorrang bearbeitet und befördert würden. Diese Angabe über die Behandlung der Sendungen ist nicht zutreffend. Bei der dortigen Feldpostsammelstelle werden sämtliche Sendungen mit tunlichster Beschleunigung bearbeitet und abgesandt, eine Bevorzugung einzelner Sendungen findet nicht statt. Der Vermerk„durch Eilboten zu bestellen“, und die Verrechnung der Eilbotengebühr von 25 Pfg. auf Feldpostsendungen ist zwecklos. **(Eine großzügige Jugendspende für Kriegerwaisen) soll noch während des Krieges ins Leben gerufen werden. Die Anregung dazu rührt von Lehrer Josef Reinikens in Essen her. Die preußische Staatsregierung hat der Verwirklichung dieses Gedankens ihre lebhafte Unterstützung geliehen. Unter dem 27. Februar 1915 hat das Kultusministerium die Spenden für Preußen genehmigt. Von dem Mitglied der Königl. Kunstakademie zu Düsseldorf, Professor Adolf Münzer, ist ein schönes Kunstblatt entworfen worden, das jeder Schüler und jede Schülerin erhält, die zur Jugendspende eine Mark beiträgt. Die Mark wird gesammelt, indem Sparmarken zu 10 Pfg. in eine Sparkarte eingeklebt werden. Jeglicher Zwang auf die Kinder wird selbstverständlich ausgeschlossen sein; in freier Liebestätigkeit sollen sie ihre Sparpfennige opfern. In Essen ist ein Ausschuß eingesetzt, der die Arbeit für diese vaterländische Sammlung gern übernahm. Ehrenvorsitzender des Kuratoriums der Jugendspende ist Regierungspräsident Dr. Kruse, Düsseldorf. Die Gelder werden der Nationalstiftung für die im Kriege Gefallenen zugeführt. In Uebereinstimmung mit deren Satzungen erhält jeder Landesausschuß den in seinem Bundesgebiet gesammelten Betrag zur satzungsgemäßen Verwendung. **(Bestandenes Examen.) Am Gymnasium zu Soest bestand der Kriegsfreiwillige Franz Schrader von hier, der zu diesem Zweck von seinem im Felde stehenden Truppenteil beurlaubt war, die Einjährigen=Prüfung. **(Regelung der Fleischpreise.) Die zuständigen Stellen des Reiches sind gegenwärtig mit der Frage beschäftigt, ob und in welcher Weise es angezeigt erscheint, durch geeignete Maßnahmen von Reichswegen die Höhe der Fleischpreise zu regeln. Allerdings werden die vorhandenen Schwierigkeiten, die sich einer allgemeinen Regelung entgegenstellen, seitens der Bundesregierungen nicht verkannt. **(Warnung.) Von seiten des stellvertretenden Ceneralkommandos des 7. Armeekorps geht uns folgendes zu: Es hat sich die Tatsache herausgestellt, daß Beauftragte feindlicher Staaten zu dem Zwecke sich im Lande umhertreiben, Angehörige von Kriegsteilnehmern zur Auslieferung von Feldpostbriefen oder Abschriften von solchen zu veranlassen. Unter dem Vorgeben, es handle sich um vaterländische Werle, in denen die Briefe zum Abdruck gelangen sollen, oder durch andere Vorspiegeluungen, auch Geldanerbieten suchen sie ihren verräterischen Zweck zu erreichen. Die Briefe werden von ihnen besonders dazu benutzt, um die Standorte der einzelnen, zu bestimmten Korps gehörenden Regimenter festzustellen, sowie die Höhe der Einzelverluste, Truppenverschiebungen und dergleichen daraus zu berechnen. Die Bevölkerung wird demnach aufs dringendste davor gewarnt, Feldpostbriese an dritte Personen auszuliefern oder Aufzeichnungen aus solchen zu gestatten. Von verdächtigen Anträgen solcher Art ist der nächsten Militär= oder Polizeibehörde schleunigst Kenntnis zu geben. **(Verkauf von Fleischdauerwaren.) Von den im Schlachthause lagernden Speckvorräten sollen am Freitag und Samstag ca. 30 Ztr. an Eingesessene der Stadt zum Verkauf gestellt werden. Die näheren Bestimmungen sind aus einer Bekanntmachung zu ersehen, die in der heutigen Nummer veröffentlicht ist. **(Fahrplan=Aenderung.) Die Triebwagen= fahrt 1744 Arnsberg—Schwerte verkehrt vom 1. ab in folgendem Fahrplan: Arnsberg ab 8.47 nachm., Neheim=Hüsten ab 8.58, Voßwinkel ab 9.06, Wickede ab 9.14, Warmen ab 9.21, Fröndenberg ab 9.28, Langschede ab 9.35, Geisecke ab 9.45, Schwerte an 9.52. An Italien! **(Unsere finanzielle Kraft) findet schon rein äußerlich eine neue Bestätigung durch eine unausgesetzte Münzprägung, während man z. B. Frankreich und Rußland schon lange mur mit Paviergeld arbeitet. In den deutschen Münzstätten sind im Monat Mai dem„Tag“ zufolge zur Ausprägung gelangt 3013200 Mark Doppelkronen, sämtlich auf Privatrechnung, für 3467 114 Mark Einmarkstücke, für 763 500 Mark Fünfzigpfennigstücke, für 56229 Mk. Zehnpfennigstücke, für 22.582 Mark Fünfpfennigstücke, für 10 078 Mark Zweipfennigstücke, für 36 402 Mark Einpfennigstücke. Die Gesamtprägungen an Goldmünzen nach Abrechnung der wieder eingezogene Stücke belausen sich auf 5 145 526 650 Mark, davon 4440 566080 Doppelkronen. **(Was ein Sanitätshund leistet.) Während der Winterschlacht in Masuren hat eine Schäferhündin an einem einzigen Vormittag 31 Verwundete unter der Schneedecke gesunden, die sonst wohl elend ums Leben gekommen wären.— Unerreicht dürfte eine Leistung der leider durch eine russische Kugel getöteten Dobermannhündin„Hilda“ dastehen, die nach einer einzigen Schlacht mehr als 100 Verwundete in dem zerklüfteten Gelände auffand und so vom sicheren Tode rettete. Auch in der Ausfindigmachung der nussischen Schlachtfeldhyänen bewähren sich die Hunde ganz ausgezeichnet. * Hattingen, 15. Juni.(Die Sprache wiedergefunden.) Ein junger Soldat, Württemberger, der in dem furchtbaren Granatfeuer von Arras die Sprache verloren hatte, war bei einer hier zu Ehren der verwundeten Krieger veranstalteten Feier besonders fröhlich gewesen und legte auch nachher im Lazarett eine ganz besondere Heiterkeit an den Tag. Plötzlich brach er unter einer Nervenerschütterung zusammen. Alle Kameraden bemühten sich um ihn. Wie erstaunten sie aber, als der Kranke erwachte und freudig ausrief:„Herr Gott, ich kann ja wieder sprechen!" Tatsächlich hatte er die Sprache wiedergefunden. Der Kinder dester Schutz gegen Krankheit ist, außer Sauberkeit und Abhärtung, eine einfache, regelmäßige Ernährung. Zu letzterer wählt eine kluge Mutter das Restlesche Kindermehl, eine naturgemäße, leicht verdauliche und gern genommene Nahrung, welche die Kleinen vor Magen= und Darmkatarrhen schützt und das Entwöhnen der Säuglinge bedeutend erleichterk. Probedose kostenfrei durch Restles Gesellicghglt, Berlin W 57. „Italien muß zum Dreibund halten. Seine geographische Lage macht es schwach. Wenn wir uns England anheimgeben, kriegen wir zu Lande Prügel, gehen wir gegen England, so schlägt uns dieses zur Se und vermicht,(de Nug indigg es „Seit einiger Zeit versucht man, im Lande eine gefährliche Stimmung zu erregen, die dahin strebt, gewisse italienische Gebietsteile, die nicht zum Königreiche gehören, als italienisches Besitztum zu fordern. Anscheinend von vaterländischer Poesie umwoben, ist der Irredentismus heute trotzdem der gefährlichste „Die Irredentisten sind Vaterlandsfeinde." (Giolitti, 19. Juni 1904.) „Es gilt auf der Hut zu sein; von Frankreich droht uns jetzt und in Zukunft alle Gefahr.“ (Garibaldi, 1875.) „Italien sowohl wie wir sind in der Lage gewesen, das Recht, uns national zu konsolidieren, von Oesterreich zu erkämpfen. Beide leben wir jetzt mit Oesterreich in Frieden und haben mit ihm das gleiche Bestreben, Gefahren, die uns gemeinsam bedrohen, abzuwehren, den Frieden, der dem einen so teuer ist, wie dem andern, gemeinsam zu schützen. Dieses Bestreben, und dabei auch das gegenseitige Vertrauen, daß man die Verträge hält, und daß durch die Verträge keiner von dem andern abhängiger wird, als seine eigenen Interessen es vertragen— das alles macht diese Verträge fest, haltbar und dauerhaft. (Bismarck, 1838.) Nochenmart. Der heutige Wochenmarkt war überaus reich beschickt; insbesondere war Frühgemüse aller Art in großer Menge angefahren. Die Preise hielten sich trotzdem immer noch auf ziemlicher Höhe. So wurden verlangt für: Apfelsinen Stück 5—10 Pfg., Zitronen Stück 15 P'g., Kirschen Pfund 40—50 Pf., Erdbeeren Psd. 60—80 Pf., grüne Gurken Stück 20—30 Pf., weiße Gurken Stück 30—35 Pf., Melde Pfund 10 Pfg., Wurzeln Bund 25—35 Pfg., Erbsen Piund 20—25 Pfg., Radischen Bund 5 Pfg., Stielmus 3 Bund 20 Pfg., Rhabarber 2 Pack 25 Pfg., Salat Kopf 5—10 Pfg., Wirsing Stück 25 Pfg., Spitzkappus 25 Pfg., Kohlrabi 3 Stück 20 Pfg., Zwiebeln Pfund 50 Pfg., Spargel Pfund 40—60 Pfg., Blumenkohl 35—45 Pfg., Stachelbeeren Pfo. 25 Pfg., neue Kartoffeln 2 Pfd. 35 Pf., Eier 7 Stück 1,— Mk., Butter Pfund 1,50—1,60 Mark, Rindfleisch 1,20, Schweinefleisch Pfund 1,70 Mark, Schellfisch(kleiner) Pfund 30 Pfg., Schellsisch(großer) Pfund 40 Pfg., Heringe(kleine) 12 Stück 35 Pfg., Heringe(große) Stück 10 Pg. Als Uebelstand wird es vielsach empfunden, daß in der letzten Zeit die Fischhändler inmitten der Gemüsehändler ihre Verkaufsstände aufbauen, trotzdem dieses nach der Marktordmung unzulässig ist. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraao, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte Denkt an uns Sendet Sctugg„ Salem Sigaretten Willkommenste Liebesgabe Preiss“ 3 4-5-6-8 18 Pgd Stck. ist, daß seine humanitären Iden und dahingehen= Begrrp: 2712——. Geasser Eag in Tazaretten. 2854 „Teile ganz ergebenst mit, daß wir mit dem Kaffee Hag, dem coffeinfreien Bohnenkaffee, die großartigsten Erfolge bei den Verwundeten im Lazarett haben. Er regt an, ohne aufregend zu wirl Die Kranken können vor dem Schlafengehen ruhig eine Tasse Kaffee Hag ohne den geringsten Nachteil trinken. Bei den vielen magenleidenden Soldaten ist meiner Erfahrung nach Kaffee Hag zu einer wahren Erquickung geworden.“ gez. Frau Oberbürgermeister St. Es ist bestimmt in Gottes Rat. Dass man vom Liebsten, was man hat, Muß schei en. Er ruht dort in der fremden Erde. Fern von der Heimat, ach, wie schwer, Wir hätten ihn bei uns so gerne, Der uns geliebet hat so sehr. Er war der Eltern Stolz und Glück Und der Ge chwister graße Freude, Doch ach, er kehrt nie mehr zurück. Du gutes Herz, ruh' still im Frieden. Ewig beweint von deinen Lieben. Gestern erhiellen wir die schmerzliche Nachricht, dass am 7. Juni 1915 unser hoffnungsvoller, lieber Sohn, Bruder, Schwager, Onkel, Neffe und Vetter, der 2849 Reservist Ganas Sonnntz im Res.-Infanterie-Regt. Nr. 99 im vollendeten 26. Lebensjahre den Heldentod für das Vaterland gefunden hat. Die trauernden Angehörigen. Westhofen, Hagen, Schwerte, Bickefeld, Sölde und Kabel, den 15. Juni 1915. EKRRRRKN, Diefgesteigerten Ansprüchean die Reinigung der Bettfüllungen haben mich veranlasst 5659 Bettfedern und Daunen nach einem neuen vollkommeneren Verfahren reinigen zu lassen. Alle Qualitäten, auch die billigsten sind jetzt ohne jeden Geruch und durchweg staubfrei. 2 # A Ich empfehle: Bettfedern zu 1,25, 1,75,12,25 b. 3,00 Mk. Habdaunen zu 3,00 bis 4.50 Mk. Daunen zu 4,00 bis 6,50 Mk. 26 Schwerte Ostenstrasse 20. 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Anpreisung oder zur Schaustellung von empfängnishindernden Mitteln. 5. den Vertrieb solcher Mittel im Umherziehen. Zuwiderhandlungen werden, so ern nicht nach den allgemeinen Strafgesetzen eine höhere Strafe verwirkt ist, mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. Münster, 5. Juni 19 5. Der kommandierende General: Frhr. von Gayl. 2834 Meine Wohnung befindet sich Reppingstraße 3. F. I Degenhordt 28 4 Dachdeckungsgeschäft. vo 6 Zimmern, in Mitte der Stadl, sofort oder zum 1. Juli zu vermieten. 2806 Zu erfragen i. d Geschäftsstelle der Schwerter Itg. Wegzugshalber ist in meinem Hause, Hörderstraße 33, die I. Elage von 5 Zimmern mit Dampfheizung und allen Bequemlichkeiten auf Juli oder Oktober zu vermieten. 2837 Frau Wilh. Sieberg. neueste Modelle in allen Preislagen Luftschläuche und Mäntel, sowie Ersatz- und Zubehörtelle staunend billig. Nähmaschinen. deue und wenig gebrauchte. Ausserst preiswert. Sämtliche Reparaturen prompt und sachgemäss. C. 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Mis., vormittags von 8—12 Uhr und nachmittags von 2—5 Uhr im städtischen Schlachthause ungefähr 30 Zentner geräucherter Rückenspeck an hier wohnhafte Familien, welche 36 Mk. Einkommensteuer und weniger zahlen, zum Preise von 1,50 Mk. für das Pfund gegen Barzahlung verkauft werden. Die Abgabe erfolgt nur in Mengen von 3 Pfund. Steuerzettel ist als Ausweis vorzuzeigen. Schwerke, den 15. Juni 1915. Der Magistrat. Rohrmann. 2860 Viehseuchenpolizeiliche Anordnung. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 (R.=G.=Bl. S 519) mit Ermächtigung des Herrn Regierungspräsidenten folgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. It. unter dem Rindviehbestande des H. Renzing in Schwerle, Ostenheide. Als Sperrbezirk wird bestimmt: Ostenheide Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter 1 meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 25. März 1915 Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zeitung) vom 31. März er. Nr. 76(Beilage) enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Abschnitte III—VII einschl. der gegannten Anordnung bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz des§ 5 Ziffer 1 wie folgt geändert wird: In der Stadt Schwette wird verboten. Hörde, den 14. Juni 1915. Der Landrat. I.V.: Dr. Burchard. Regierungs=Assessor. 2863 Bekanntmachung. Die Zinsscheine Reihe II Nr. 1 bis 20 zu den Schuldoerschreibungen der 3½%igen deutschen Reichsanleihe von 1905. 1906 über die Zinsen für die zehn Jahre vom 1. Juli 1915 bis 50. Juni 1925 nebst den Erneuerungsscheinen für die folgende Reihe werden vom 11. Juni d. Is. ab ausgereicht und zwar: durch die Königlich Preußische Kontrolle der Staatspapiere in Beilin SW 68, Oranienstraße 92—94, durch die Königliche Seehandlung(Preußische Staatsbank) in Berlin W 56. Markgrafenstraße 38, durch die Preußische Central=Genossenschafts=Kasse in Berlin C 2, am Zeughause 2, durch die Reichsbankhauxt= und Reichsbankstellen und die mit Kosseneinrichtung versehenen Reichsbanknebenstellen, durch die preußischen Regierungshauptkassen, Kreiskassen, Oberzollkassen, Zollkassen und hauptamtlich verwalteten Forstkassen. Außerdem bei bestimmten außerpreußischen Kassen. Formulare zu den Verzeichnissen, mit welchen die zur Abhebung der neuen Zinsscheinreihe berechtigenden Erneuerungsscheine einzuliefern sind, werden von den vorbezeichneten Ausreichungsstellen unentgeltlich abgegeben. Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Erneuerungsscheine abhanden gekommen sind. Berlin, 28. Mai 1913. Reichsschuldenverwaltung. v. Bischofshausen 2842 Dr. med. Hindhede Eine Umwälzung und Verbilligung unserer Ernährung mit einem Muster- Kochbuch. 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Tarauf schüttelten sie sich die Hände, und er ging. Auf dem Rückwege begegnete er dem gerade von einem Ausgang heimkehrenden Master Blackle, der ihn mit nichts weniger als freundlichen Blicken betrachtete. „Das ist fatal,“ dachte Dicky.„Der Sache muß ein Ende gemacht werden,“ wiederholte sich Master Blackle. Dann grüßten sich beide höflich, aber talt, und schritten aneinander vorüber. (Schluß folgt.) Denkspruch. Der Mensch[ol nicht über seine Zeit klagen; dabei kommt nichts heraus. Die Zeit ist schlecht; wohlan, du bist da, lie beller zu machen!. Garlyle. ** 8 =• EE ##### Schach. Bearbeitet von E. Schallopp. Aufgabe Nr. 411. Von J. Vasta in Perälec(Böhmen). (=Casopis Ceskych Sachistuc 1914.) Schwarz 8 Stcine. I E E 5 R E à 8 8 E 2 n.. A 4 7 Partie Nr. 414. Turnierpartie, gespielt zu Mannheim am 27. Juli 1914. Unregelmäßige Eröffnung. Weiß: David Janowski, Paris. Schwarz: Alexander A. Aljechin, Petersburg. 2 T·4l—al und 28. Weiß: Schwarz: 1. 62—44 Sg8—f6 2. Sgl—13 Auf 2. c2—04 könnte 47 —06 folgen, worauf für Weiß günstiger der Läufer auf et stehen würde als der Bauer. 2..... e7—e6 3. Lcl—85 Jetzt aber, nachdem Schwarz sich erklärt hat, kam 3.c2—c4 sehr in Frage. 3..... h7—h6 4. Lg5—h4 b7—b6 Eröffnungen dieser Art geben, wie das„Deutsche Wochenschach" bemerkt, dem Nachziehenden ein gedrücktes Spiel. Hier gelingt es ihm, durch rechtzeitigen Vorstoß des e=Bauern sein Spier zu befreien. 5. e2—e3 Lc8—b7 6. L/1—43 c7—05 7. 0—0 L18—e7 8. Sb1—02 417—06 9. D.1l—2 Sb8—07 10. Tal—GI 0—0 11. 62—c3 D46-c7 12. TfI—el 1•18—68 13. h2—13 e6—65 14.(4Xe5 46Xe5 15. L.h4—83 Le7-s8 16. Lg3—52 a7—a6 17. S13—h4 b6—55 18. c3—04 05—64 19. 802-fI Tas-08 20. e3—64 S47—b8 Beide Parteien streben jetzt, die offenen Felder(15 und 15 bzw. d4 und ki mit ihren Springern zu besetzen. c5Xd4 T08—c8 17—15 Da5—08 15—14 f4X83 L18—46 Te8—18 D48—85 21. 12—s3 22. S11—e3 23. De2—c2 24. Se3—05 25. Sh4—15 26. Dezx 3 S16—15 Sh5—14 Sb8—06 De7-a5 St4X03 Sct—4 Natürlich nicht DaöXa2 wegen 27 TfI—b1. 27. S15X04 28. T4l—al 29. b2—b3 30. Tel—e2 31. Tal—el 32. g2—93! 33. Lb2Xg3 34. Te2—g2 35. Kgl—h2 Verfehlt, wie sich gleich zeigt. Schwarz sollte auf den Schutz von g7 bedacht sein. 36. Lg3—14! Das Spiel wird jetzt sehr verwickelt. 36..... Dg5—h5 37. Tel—g1 Lb7Xd5 Falls T18—17, so 38 T, 2 X57+ Kg8—h8!(TITXg7 39. S45—16-) 39. Tg7—. 6 L06—18(oder eöxft 40. Tg6Xdé! Dh5—e5 41. Ta6 Xh6+ TI7—h7 42.-Théx h7- Kh8Xh7 43. S05—16+ Kh7—h8! 44. Tgl—g6mit nachfolgendem entscheidendem Angriff durch 8t6 —g4 nebst e4—.5 usw.) 40. Da3—g3 mit der ohne bedeutenden Verlust nicht abwendbaren Drohung 186— g8+ nebst Tg8—h8- und D43— St 38. Tg2X374 Kg8—h8 39. e4X05 e5—4 Auf 1•18—s5 geschähe wohl am besten 40. D.3—14 Tc8 —18(eöxft 41. 104—e6!) 41. Tg7—66 T15—fö 42. Lit Xn6 usw. 40. Tg7—88+ TieXg8 41. Du3X.14- Kh8—117 42. D14X e4+ 43. L.f4X 6 44. L06—=7 45. TgIX8646. De4Xg6+ 47. 45—06 Bumur. T•28—46 Te8—8 Kh7—97 DhöX36 Kg7X. 6 Aufgegeben. Weiß: 7 Steine. Weiß zieht an und setzt mit dem 3. Zuge matt. ain 9—53•1 73 32—s#•••••1 40—731·s v—22M+PPXIS ·7 Mi 49 1s 9-99¼+1P) 10—90S ·3(9PX) 99— Der Schlauberger. Die Abenddämmerung wirft bereits tiefe Schatten über den Stadtpark, und im Dunkel der Bäume haben sich Pärchen auf den Bänken niedergelassen.. Zwei Liebende nähern sich einer Bank.„Da können wir uns nicht hinsetzen, Wilhelm,“ sagt plötzlich das Mädchen,„da ist frisch gestrichen.“„Laß gut sein, mein Liebling," antwortet er,„den Zettel habe ich ja nur hingelegt, damit uns niemand das lauschige Plätzchen wegnimmt.“ S Ls 28 *— 00 B 2. 6 S S Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 138. Mittwoch, 16. Juni 1913. Sin Shrenwert. Novelle von R. # itte, Herr von Malsen, lassen Sie uns aufhören! Ich fühle mich etwas erI Mithefüig atmnender Brustund fastversagender Stimme hatte Ilse Jrobenius es ihrem Tänzer zugeflüstert, und der junge Mann hatte natürlich auf der Stelle ihrem Wunsche entsprochen. Die zarte weiße Mädchengestalt am Arm führend, bahnte er sich einen Weg durch den Wirbel der tanzenden Paare, und ein Ausdruck plötzlich erwachter Besorgnisse war in dem Blick, mit dem er sie ansah. Sie erschien ihm ja auch noch jetzt als ein Bild blühendster Gesundheit; denn ihre Wangen waren heiß gerötet, uns in ihren, sroßzen dunklen Augen war ein Glänzen, wie er es nie z. darin gesehen zu haben meinte; aber er vermißzte die sonnige Fröhlichkeit, die dies junge Antlitz für ihn so oft zu einem unwiderstehlich bezaubernden gemacht hatte, und er fühlte sich beunruhigt durch ein eigentümliches Zucken des feinen Mundes, das ihn fast an mühsam verhaltenes Weinen glauven ließ. „Darf ich Ionen ein Glas Sekt besorgen, gnädiges Fräulein? Ich fürchte, Sie befinden sich in der Tat Sie schütteite ablehnend den Kopf.„Ich brauche nichts als ein weniz frisggingug zgnnte—. auf paar Minuten in den Park hinaus konnte Sie hatten es nicht weit bis dahin; denn zwei von den breiten Flügeltüren des Saales öffneten sich auf beleuchtete Gartenterrasse, dunklen Baumwipfel des jähr die mit bunten Lampions alten Parkes sah. Das achnurlich Sommerfest der Museumsgesellschaft, der vornehmsten Vereinigung der Stadt, hatte ja vor den winterlichen Tanzvergnügungen den besonderen Reiz voraus, daß es sich bei günstiger Witterung zum guten Teil auch unter freiem Himmel abspielte. Ueberall in den Laubengängen der zu dem Gesellscha tshause gehöriggn Anlagen verbreiteten die farbigen chinesischen Pap. eine phantastisch wirkende matte Helligkeit, un geeigneten Plätzen waren Tische und Stühle für diejenigen aufgestellt, die ein lustiges Geplauder bei Sekt oder Bowle dem Tanz oder dem Karten piel vorzogen, und namentlich unter dem jungen Volk kamen viele hier draußen im traulichen Halbdunkel der linden Sommernacht besser auf ihre Rechnung als drinnen im heißen, hellerleuchteten Saal. In einer größeren Gruppe, die sich nahe der Terrasse niedergelassen hatte, sang eben jemand mit schöner Ortmann. Wm ucm (Nachörna verboten.) Stimme ein Lied zur Laute, und der Regierungsassessor, der noch einige unbesetzte Stühle erspäht hatte, wollte eine Tänzerin dahin führen. Lie, Absicht erkannte. Aber sie hielt ihn, als se vue u.rgirug. durch einen leichten Druck auf seinen Arm zu, e möchte lieber ein wenig promenieren. Aber Si jollen sich um meinetwillen keinen Zwang auferlegen. Auch wenn ich allein bleibe, kann mir hier ja nichts geee, aber bin glücklich, wenn Sie mir erlauben, Ihnen Gesellschaft zu leisten. Nur falls Sie diese Gesellschaft als lästig emzfinden, dürfen Sie mich fortWas in seiner Stimme klang, und was aus seinen unverwandt auf sie gerichteten Augen sprach, war viel mehr als die konventionelle Galanterie einer Ballunterhaltung, und Ilse Frobenius mußte mit ihren achtzehn Jahren Weib genug sein, es zu empfinden. Aber in ihren Zügen verriet sich nicht, ob es Eindruck auf sie machte. Ihr Gesicht blieb unverändert ernst, und die hastigen Bewegungen, mit denen sie sich ihres Fächers bediente, gaben Zeugnis für die nervöse Unruge, von der sie ergrifsen wor., gxwiderte sie. In „Eigentlich sollte ich es tun,“ erwiver sK.„In Ihrem Interesse, Herr von Malsen! Denn ich bin heute gewiß eine nichts weniger als angenehme Gesellist Ihnen etwas Uneisteuliches widerfahren? Kann ich nichts, gar nichts tun, Ihre Stimmung zu „Rein. Sie können mir ebensowenig helfen als V“„WVenn Sie wüßten, wie tief mich das betrübt! Ich wäre so glücklich, wenn ich Sie wieder lächeln 0„Dafür müßte ich Ihnen nun wohl einen schönen Dank sagen. Aber Sie dürfen mir nicht böse sein, wenn ich heute außerstande bin, die hergebrachten Phrasen zu drechseln..., W 4 „Phrasen, Fräulein Ilse? So nehmen Sie auch das, was ich eben sagte, für eine bloße Redensart? Sie glauben nicht daran, daß ich mit Freuden auch das Schwerste tun würde, um Sie froh und heiter zu „Wie sollte ich das glauben? Was könnte Sie veranlassen, für mich irgendein Opfer zu bringen?“ Sie waren etwas tiefer in den Park hineingegangen und hatten sich weit genug von den plaudernden und zechenden Gruppen entfernt, um keinen Lauscher mehr 1 # R S5S5B•EE S SBaShS OGTSSTN. S SUSESRETGETNIGUGN Fag uE S S8SSn G#s 7## SL — * S# 2 S= S.9E SWESSE S##SüSEE 92 5 9 SSEPSPSIESEREE 5# ÄEEGEE 2 4— GBUE S 8 S Su# Die Heilung der Zigarettenraucherinnen. Der„AntiZigarettenbund von Amerika“ hat in Chikago ein Krankenhaus eröffnet, in dem Männer und Frauen unentgeltlich von dem Laster des Zigarettenrauchens geheilt werden können. Es sind hauptsächlich Frauen, die sich einer solchen Kur unterwerfen, denn sie leiden schwerer unter den schlimmen Folgen des Rauchens als die Männer. Die Leiterin des Institutes, Lucy Gage Gaston, war, wie sie aus ihren Erfahrungen erzählte, überrascht von der großen Anzahl herzzerreißender Briefe, die Frauen an sie geschrieben, weil sie dem Zigarettenlaster verfallen.„Viele dieser Frauen rauchten schon seit 20 Jahren Zigaretten und waren geradezu zu Sklaven dieser Gewohnheit geworden. Verheiratete Frauen sind in der Ueberzahl, und besonders häufig scheinen sich Schauspielerinnen dem Zigarettenrauchen zu ergeben. Diese Künstlerinnen schädigen dadurch ihr Organ schwer, so daß sie nicht mehr gut sprechen oder singen können. Eine der ergreifendsten Klagen, die mir zuging, kam von einer jungen Frau, die gestand, ihr Rauchen habe zur Vernichtung ihres ganzen häuslichen Glückes geführt.“ Die Behandlung, der die Patienten und Patientinnen des neuen Krankenhauses unterworfen werden, besteht darin, daß sie ein Mundwasser benutzen müssen, welches eine geringe Lösung von Silbernitrat enthält. Damit zusammen wird eine vegetarische Diät durchgeführt. Wenn der Patient während dieser Kur raucht, so bewirkt das bei ihm Erbrechen. Unter den zahlreichen, die Heilung suchten, befand sich eine Familie, bestehend aus dem Vater, drei Söhnen, einer Tochter und zwei Enkeln. Ein Kaufmann sandte 200 männliche und weibliche Angestellte zur Behandlung. 913 Der praktische Dicky. Ein Lebensbild von Anna Brentano. (Nachdruck verboten.) In dem verschwenderisch eingerichteten Boudoir von Miß Mirabelle Blackle, der einzigen Tochter des reichen Kaufherrn Blackle zu Neuyork, saß diese wirklich reizende junge Dame einem ebenso hübschen als aufgeweckt aussehenden jungen Mann gegenüber. Es war dies Dick Patterson, der Gespiele ihrer Kindheit und jetzt der am meisten von ihr begünstigte Verehrer ihrer Schönheit. Freilich, das war auch alles, woran die jungen Leute vorderhand denken konnten, ja Master Blackle hatte Mirab lle schon des öfteren zu verstehen gegeben, daß die Besuche Dick Pattersons einzuschränken seien, da ein solcher Umgang für die Tochter des reichsten Kaufherrn der Stadt ganz und gar unpassend wäre. „Du weißt, ich schere mich sonst den Teufel um deinen Verkehr, Mirabelle; aber der Junge kommt mir zu oft, viel zu oft, liebes Kind,“ hatte er in letzter Zeit manchmal verdrießlich gesagt. „Das ist doch meine Sache ganz allein, teurer Papa,“ antwortete ihm die junge Dame hochmütig, warf das Köpfchen in den Nacken und rümpfte das zierliche Näschen.„Ich denke doch, wenn irgend jemand sich erlauben wollte, über deine Tochter Bemerkungen zu machen, wärst du ganz der Mann dazu, diesen Leuten heimzuleuchten, wie sich's gebührt.“ „Ganz gewiß, Goldkind," bestätigte ihr teurer Pa' kleinlaut.„Ich denke nur, der arme Junge könnte sich am Ende gar große Rosinen in den Kopf setzen, und das täte mir leid um ihn, wirklich leid, Mirabelle. Denn du weißt ja, ich bin immer dein guter und nachsichtiger Pa', ich bin stolz auf dich, weil du schön bist und vornehm und gut erzogen, geradeso, wie ich dich haben wollte, aber in diesem Punkt würde ich keinen Spaß verstehen, Kind, gar keinen Spaß.“ Mirabelle hielt sich schon seit einer ganzen Weile die Ohren zu, mit den kleinen, weißen Händchen, die niedlichen Ohren. Gehört aber schien sie trotzdem zu haben; denn jetzt trat sie auf ihren Pa' zu, stampfte ein wenig vor ihm mit dem Fuße auf, recht wie ein verzogenes Kind, und sagte mit blitzenden Augen:„Und ich bin eine freie Amerikanerin, daß du's weißt, ich würde mich niemals zwingen lassen, nie!“ Pa' war böse fortgegangen, und dann war Dick Patterson gekommen, wie gewöhnlich. Aber sie saßen sich gedrückt gegenüber, denn Mirabelle wußte trotz alledem, daß mit Pa' wirklich nicht zu spaßen war, wenn er nicht wollte, und in dieser Sache wollte er ganz und gar nicht, so viel stand fest. „Dicky,“ fragte Mirabelle endlich, aus ihrem Sinnen aufsehend,„was denkst du eigentlich, was mit uns beiden werden soll?“ „Ich denke, daß wir uns heiraten werden,“ gab er unverzüglich zurück. „So“—— entgegnete sie gedehnt.— Pa' hatte also wirklich recht. Der arme Junge hatte sich wirklich große Hoffnungen gemacht. Das war schlimm, man mußte ihn aufklären, aber wie das anfangen?! Sie trat an das Seitenfenster, von wo aus man die Aussicht auf den Lagerhof und auf den großen Holz= und Kohlenplatz hatte, der Dickys Mutter gehörte, und auf welchem sie so oft als Kinder zusammen gespielt hatten. Später mußte der Bube dann Kohlen einschippen und seiner Mutter im Kontor an die Hand gehen. Da hatte er oftmals rußige Finger gehabt, wenn sie in Sammet und Seide vorüberfuhr; aber sie hatten sich doch immer begrüßt, und wenn er sich nachher dann umgekleidet und sauber Toilette gemacht hatte, war er doch immer hübscher als alle, die ihr bekannt waren, mit den gelangweilten Gesichtern und dem blasierten Wesen; so frisch und natürlich wie Dick Patterson war auch nicht einer von ihnen. Sie seufzte bei dieser Erkenntnis laut auf. „Was hast du? Fehlt dir etwas?“ forschte Dick besorgt. „Es macht mich nur traurig, daß wir uns niemals heiraten können; denn ich habe dich sehr gern, wie du weißt! Aber Pa' sagt, daß ich ganz andere Partien machen kann, und ich glaube es selbst.“ „Ich auch,“ gestand Dicky kleinlaut,„aber,“ fügte er mit Ueberzeugung hinzu,„es ist niemand da, welcher dich so lieb hat wie ich, Mirabelle!“ Sie nickte bestätigend mit dem Kopfe; davon war sie überzeugt, er brauchte es nicht zu versichern. „Und weißt du auch,“ fuhr er gewichtig fort,„ich arbeite mich jetzt auf der Bahn ein, nächstens werde ich Lokomotivführer, und das ist schon etwas.“ „Glaubst du, daß das Pa' für dich bestimmen wird?“ forschte sie zweifelnd. Er zuckte die Achseln.„Höre,“ sagte er dann mit pfiffigem Lächeln,„ich will ja auch gar nicht deinen Pa' heiraten, sondern dich selbst, Mirabelle. Es kommt daher in dieser Sache vor allen Dingen auf dich an, mein Schatz! Willst du mich haben, so versichere ich